Beiträge vom August, 2008

Schmöker-Schnipsel – Nudin der Wissbegierige oder: Die Langeweile des »Allwissens«

Sonntag, 31. August 2008 22:30

Markus Heitz lässt in seinem Fantasyroman »Die Zwerge« [1] sechs Magier auftreten, die alle mit einer Charaktereigenschaft näher bezeichnet werden: Lot-Ionan der Geduldige, Maira die Hüterin, Andôkai die Stürmische, Turgur der Schöne, Sabora die Schweigsame – und Nudin der Wissbegierige.

Nudin der Wissbegierige bekommt im Laufe der Geschichte die Möglichkeit, Nudin der Allwissende zu werden: Er weiß alles, seine Neugier ist in jeder Hinsicht befriedigt, ohne dass er große Anstrengungen unternehmen müsste: Nudin muss nicht mehr forschen, lesen, reisen oder experimentieren. Aber ist Nudin jetzt glücklich? [...]

  1. Markus Heitz, Die Zwerge, München/Zürich 2008 [8. Auflage] []
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Thema: Notizen, Schmöker-Schnipsel, lernen, lesen | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Faust 1 – Zueignung (Vers 1–32)

Dienstag, 26. August 2008 1:59

Von 1773 bis 1832 finden sich Äußerungen Goethes über den »Faust« – fast sechzig Jahre, die sich ein Autor immer wieder und in unterschiedlichen Formen mit diesem Stoff beschäftigt hat. Dies mag die Dichte und den Gehalt des Dramas erklären, aber auch, dass der »Faust« als das Hauptwerk Goethes angesehen werden kann.

Die »Zueignung«, mit der das Werk beginnt, erweckt nicht den Eindruck, dass es ich hier um ein Werk handelt, das geplant war: Aufdringlich zeigen sich die Figuren, als Goethe vermutlich am 24. Juni 1897 [1] das Werk nach langer Pause wieder aufnahm. Da lag die erste Beschäftigung mit dem Fauststoff bereits zwanzig Jahre zurück – und er lässt den Autor offensichtlich nicht los.

Im Zentrum der »Zueignung« steht nicht der aktive Wille eines Autors, einen Stoff zu gestalten, sondern vielmehr ein passives Verhalten, in dem der Stoff sich zudrängt (V 5), nun aber auf einen Autor trifft, der bereit ist, sich als Instrument dieser »schwankenden Gestalten« (V 1) zur Verfügung zu stellen und einer Windharfe (Äolsharfe) gleich, sich dem Stoff auszuliefern (V 28).

Doch diese Selbstauslieferung an einen Stoff, den Goethe bis zu seinem Tod verfolgen wird, erscheint in diesem ersten der drei Prologe als ein ein zärtliches Verhältnis des Dichters zu seinem Werk, das sich »in der zarten lyrischen Sprache« [2] ausdrückt, die hier benutzt wird.

Die »Zueignung« entsteht im Rahmen einer Wiederaufnahme des Stoffs, beschreibt das Verhältnis des Dichters zu diesem Werk, dass weder in seinen Anfangswehen liegt, noch als vollendet betrachtet werden kann.

Gleichzeitig stellt dieser Prolog das Werk in den Zusammenhang von Goethes Biographie: Er denkt an die Freunde aus Straßburger und Frankfurter Zeit, wohl aber auch aus den ersten Jahren in Weimar (V 12), an die Schwester Cornelia und an seinen Vater, an Susanna Katharina von Klettenberg, an Merck, Lenz etc. (V 16) [3]

Die Zueignung, obwohl noch vor Schillers Tod entstanden, verweist in besonderm Maße auf die Stellung des »Faust« in Goethes Schaffen. Fast sein ganzes Leben als Erwachsener stellt sich Goethe der Frage, was einen Menschen ausmacht, der nicht nach Gier und Lebensgenuss, sondern vor allem nach Erkenntnis strebt – und dabei auch den Bund mit dem Teufel nicht verschmäht. – In diesesm Sinne ist der »Faust« ein »modernes« Werk, in dem sich bereits all die Probleme andeuten, die mit dem Streben nach Erkenntnis in der Zeit seit der Aufklärung eigen sind: Neben der tieferen Einsicht in das, »was die Welt im innersten zusammenhält« (V 382f), stellt dieses Werk die Frage, welchen Preis Menschen zu zahlen bereit sind, die sich dieser tiefen Sehnsucht hingeben.

  1. Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, München 1998, S. 505. []
  2. Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, München 1998, S. 505. []
  3. vgl. ebd. 505f. []
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Thema: Deutsch Sek. II, Faust 1, Literatur, »Schul«-Lektüren | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Wie Wilhelm Busch schreiben

Montag, 25. August 2008 0:49

Wilhelm Busch? Na, Max und Moritz sind wahrscheinlich bekannt!

Wenn Wilhelm Busch zu den folgenden drei Bildern eine eine kleine Geschichte gereimt hätte – was könnte er geschrieben haben? –  Vorschläge können Du durch Anklicken der Kommentarfunktion hier hinterlassen werden. Viel Spaß beim Schreiben! [1]

  1. Zum Vergrößern der Bilder einfach auf eines der Bilder klicken. Dann kann auch von einem zum anderen gesprungen werden. []
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Thema: Bilder, Deutsch Sek. I, Deutsch Sek. II, Fotografie, Schreibideen, kreatives Schreiben, schreiben | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Faust 1 – Studierzimmer (»…wie ein Elefant«)

Montag, 25. August 2008 0:06

elefant1.jpg

Faust:

Hinter den Ofen gebannt,
Schwillt es wie ein Elefant
Den ganzen Raum füllt es an,
Es will zum Nebel zerfließen.
Steige nicht zur Decke hinan!
Lege dich zu des Meisters Füßen!
Du siehst, daß ich nicht vergebens drohe.
Ich versenge dich mit heiliger Lohe!
Erwarte nicht
Das dreimal glühende Licht!
Erwarte nicht
Die stärkste von meinen Künsten!

Mephistopheles tritt, indem der Nebel fällt, gekleidet wie ein fahrender Scholastikus, hinter dem Ofen hervor.

Mephistopheles:

Wozu der Lärm? was steht dem Herrn zu Diensten?

Faust:

Das also war des Pudels Kern!
Ein fahrender Skolast? Der Kasus macht mich lachen.

Faust 1, Verse 1310–1324.

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Schmöker-Schnipsel: Emily Dickinson

Sonntag, 24. August 2008 1:52

In Anlehnung an Emily Dickinsons Gedicht 376: Das kümmert mich so viel, als wenn ein Vogel fliegend mit dem Bein aufstampft.

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Thema: Notizen, Schmöker-Schnipsel, lesen | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Schmöker-Schnipsel

Samstag, 23. August 2008 23:17

Zugegeben: Ich mag Bücher um mich haben.

Aus diesem Bedürfnis ist im Laufe der Zeit eine kleine Bibliothek geworden. Wie klein? Das kommt darauf an, aus welchem Blickwinkel ich es betrachte.

Sicherlich gibt es hier ein paar mehr Bücher als in vielen anderen Haushalten, doch ich war auch schon in Wohnungen mit Bibliotheken, die meine ca. fünfundfünfzig Regalmeter recht wenig wirken ließen. Hochgerechnet sind das zwischen 2500 und 3000 Bücher – gezählt oder gar katalogisiert habe ich sie bislang nicht.

Diese Zahl wirft zwei Fragen auf, sind solche bloßen Zahlen doch eher öde:

  1. Wie viele der Bücher wurden gelesen?
  2. Wozu braucht ein Mensch so viele Bücher? [...]
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Thema: Herr Larbig, Notizen, Schmöker-Schnipsel, lesen, schreiben | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

2008 – Big Brother is still watching you

Freitag, 22. August 2008 6:44

Mal ehrlich — was eigentlich hat man vor Augen, wenn die Rede auf George Orwells Roman »1984« kommt? Bei mir war es der Satz »Big Brother is watching you«, zu Deutsch: »Der Große Bruder sieht Dich«. So wird es zumindest in der Übersetzung von Michael Walter formuliert. Aber das Englische »to watch« meint mehr: aufpassen, bewachen, überwachen, zusehen, beobachten.

Dachte ich an den zum Schlagwort gewordenen Titel, so dachte ich an den Überwachungsstaat, Kameras überall, Kontrolle total. Ganz falsch ist das nicht. Das alles gibt es in der Welt, die Orwell vor den Lesern aufbaut – und auch in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren immer neue Formen der Überwachung eingeführt. Aber ginge es nur um dieses eine Thema, wäre das Buch wahrscheinlich kein solcher Klassiker geworden. [...]

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Thema: Deutsch Sek. II, Literatur | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Goethes & unser Wortschatz

Freitag, 22. August 2008 0:09

»Goethes überlieferter Wortschatz umfasst bis zu 90.000 einzelne Wörter. Es handelt sich dabei um die größte bekanntgewordene Zahl eines einzelnen Autors.« (http://www.goethe-wortschatz.de/)

In Alltagsgesprächen benutzen wir zwischen vierhundert und achthundert Wörter; lesen wir Fachliteratur können es ein paar tausend Wörter sein, die zum Verstehen benötigt werden. Wie aber wollen wir mit einer so kleinen Auswahl an Wörtern auch nur annähernd etwas von den komplexen Erfahrungen und Wahrnehmungen authentisch ausdrücken, die wir Tag für Tag machen? Mir scheint hier eine Erklärung dafür zu liegen, dass wir oft das Gefühl haben, nicht wirklich ausdrücken zu können, was wir sagen wollen. Es klingt alles so vertraut.

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Thema: Autoren, Deutsch Sek. II, Sprache, »Schul«-Lektüren | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Beim Hören Autoren entdecken

Donnerstag, 21. August 2008 23:38

»Ich mache die Augen auf und sehe auf ein weißes Stück Papier« [1]

Es gibt Schriftsteller, die hartnäckig als »Geheimtipp« gehandelt werden oder nach kurzer Bekanntheit weiter nur noch vor allem von Liebhabern zur Hand genommen werden. Ich denke dabei an Oskar Pastior, Hans Henny Jahnn, Gertrud Kolmar und neben vielen anderen eben auch Rolf Dieter Brinkmann.

Sie haben alle auf weiße Stücke Papier geschaut. Sie haben alle ungewöhnliche Werke geschrieben. Viele von ihnen sind Dichter (Pastior, Kolmar, Brinkmann) oder waren als Künstler auf mehreren Gebieten unterwegs (Jahnn: Prosa und Orgelbau; Guibert: Prosa, Fotografie, Film; Brinkmann: Lyrik, Fotografie, Hörspiel).

Begegnet bin ich von diesen Schriftstellern alleine Oskar Pastior [...]

  1. Rolf Dieter Brinkmann, Westwärts 1&2 – Gedichte, Reinbek bei Hamburg 1990 [zuerst 1975], 7. []
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Thema: Autoren, Deutsch Sek. II, Literatur, Lyrik | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Lernen bei Goethe

Donnerstag, 21. August 2008 23:19

»Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten das Unbekannte entwickeln und nähert sich dem Meister.« – Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen

Es tut mir echt leid. Aber die Entdeckungen der modernen Hirnforschung, die sich mit dem Lernen beschäftigt, sind so neu dann doch nicht.

Menschen lernen am besten, wenn es ihnen möglich ist, an bereits vorhandenes Vorwissen anknüpfen zu können und außerdem noch irgendwie persönlich in den Lernprozess involviert (eingebunden) sind. Dies war bereits Goethe bekannt. Und so sehr sich Goethe auch auf reine Beobachtung beschränkt haben mag, die Ursachen für diese Form des Lernens also nicht erklären konnte, er kam zum richtigen Ergebnis.

Die moderne Hirnforschung kann erklären, warum das so ist; erstaunlich ist aber, dass diese Einsicht in die großen Linien der Schulpädagogik und der Lehrerausbildung erst in den vergangenen Jahren eingezogen zu sein scheint. Zumindest mir wurden die Erkenntnisse Manfred Spitzers als nahezu revolutionäre Entdeckungen verkauft und tatsächlich war mir dieser Zugang zum Lernen vorher auch nicht begegnet. Ja, ich finde es gut, dass diese Erkenntnisse in der Pädagogik heute zum Tragen kommen.

Dennoch stolperte ich über diese Zitat von Goethe und frage mich nun: Lese ich vielleicht doch noch zu wenig (oder das Falsche?), um mir uralte Einsichten eben nicht als neue Erkenntnisse verkaufen zu lassen?

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