Brunnen – oder: Der Fotograf und die Ausrüstung

Ein einfaches Motiv, genau so genommen, wie es sich mir darbot, nachts, mitten in Frankfurt, mit einer einfachen Kompaktkamera gemacht (Fujifilm Finepix F45fd), ohne Stativ, ohne Blitz.

»Das Equipment hat keinen Einfluß auf die Qualität des Bildes. Je weniger Zeit man aufwendet, sich um das Equipment zu kümmern, umso mehr Zeit kann man ins Gestalten toller Bilder investieren. Das richtige Equipment macht es nur leichter, schneller oder angenehmer, die gewünschten Resultate zu bekommen.«
Ken Rockwell (übersetzt von A. Beitinger)

Wenn ich Fotografen begegne, geht es oft mehr um die Technik als um das Fotografieren: Welche Kamera mit welchen Objektiven ist die beste? Wie bearbeite ich ein Bild am besten am Computer – oder womöglich gar in der altmodischen Dunkelkammmer? Und bitte nicht im jpeg-Format fotografieren – RAW ist für das Bearbeiten viel besser.

Ich kann mich gut daran erinnern, wie meine eigene Vorsätze gewaltig ins Rutschen kamen, als ich im Rahmen der Luminale 2008 in Frankfurt am Main eine Fotoworkshop besuchte, in dem es vor allem darum ging, wie Nachtfotos technisch optimal hergestellt werden und dann am Rechner optimiert werden können. Ich war dort wirklich der Einzige, der keineSpiegelreflexkamera in Kombination mit einer schweren Objektivtasche bei sich hatte. Wie sollte ich mit meiner Ausstattung denn bitte je gute Bilder machen können?

Zwar war ich zwischenzeitlich verwundert, dass die Frage nach der Auswahl der Motive, nach der Rolle des Fotografen für die Qualität der Fotografien bei diesem Workshop keine Rolle spielte, aber bei all dem enormen Fachverstand, der da im Raum saß, kam mir die Frage ein wenig kleinlich vor.

Mein Vorsatz war und ist, dass ich mit möglichst einfachen Mitteln fotografieren will, auch wenn ich bei der Auswahl der einfachen Mittel durchaus wählerisch bin ;-) Dieser Vorsatz wurde bei dieser Begegnung in Frage gestellt – völlig zu unrecht!

Danke Ken Rockwell für den hervorragenden Beitrag, in dem meine Gedanken längst ausgesprochen waren, bevor ich diese überhaupt hatte, der mir aber erst jetzt, dank eines Hinweises von J., begegnet ist.

»Die Fotografen, nicht die Kameras, machen Bilder.«

Genau so! Und nicht anders! Wenn Kunst auch etwas mit Können zu tun hat, so kann das beste Arbeitsmaterial, so können die besten technischen Hilfsmittel dennoch kein Kunstwerk schaffen. Die teuerste Textverarbeitung oder der teuerste Füller machen aus ihrem Besitzer noch lange keine Schriftsteller. Aber ein Bleistift oder meinetwegen auch ein Einwegkugelschreiber können in der Hand eines Schriftstellers die phantastischsten Geschichten zu Papier bringen.

Ken Rockwell hat recht, wenn er die Qualität von Fotografien zunächst auf den Fotografen zurück führt. Und damit steht er nicht alleine. Auch der Fotograf Bruce Percy formuliert dieses Phänomen sehr eingängig:

»The strength of an image lies within the photographer and not with the equipment. If it were true that it lay with equipment, then we’d all be taking fabulous pictures, but that’s not the case. Some photographers have a way of seeing that is exceptional.«

Damit ist eigentlich alles gesagt. Doch Percy gibt noch einen Tipp mit auf den Weg, dem ich bei meinem weiteren Fotografieren gerne zu befolgen versuchen werde:

»I believe that if you want to take great photos, you have to invest in finding and developing your style of photography. If you have a desire to create strong images you will do so no matter what the technical limitations are that you are faced with. In fact, often it is these limitations that provide us with the need to experiment, to be inventive and extract as much out the equipment as we can. In other words less is more.«

Die Aufgabe des Fotografen besteht also darin, zunächst das Sehen zu lernen! Und wenn er dann über eine Arbeitsgerät verfügt, dass ihm so vertraut ist, dass dessen Bedienung zu seiner »zweiten Natur« geworden ist, dann kann er das Gesehene auch in ein Bild übersetzen.

Dem entsprechend sehe ich mich nach wie vor als einen blutigen Anfänger in Sachen Fotografie – und zwar in doppelter Hinsicht:

  1. Ich bin noch dabei, meine Ausrüstung und die Eigenarten der mir zur Verfügung stehenden Technik kennen zu lernen. Langsam erst komme ich dahin, dass ich sie »wie im Schlaf« bedienen kann.
  2. Die Fotografie wählte ich als eine Form des Ausdrucks, weil ich mich eigentlich als einen Menschen erfahre, der zu der Minderheit derer gehört, die vor allem in Sprache und Begriffen denken und nicht wie die Mehrheit in Bildern. Für mich bedeutet die Beschäftigung mit Fotografie in besonderem Maße, die Fähigkeit in Bildern zu denken bewusst zu fördern.

Ich bin noch dabei, meinen Stil zu finden. Aber so viel kann ich heute bereits sagen: Hier ist der Weg wirklich schon das Ziel für mich, denn diese Suche nach dem eigenen Stil macht verdammt viel Spaß!

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2 Gedanken zu „Brunnen – oder: Der Fotograf und die Ausrüstung

  1. Markus Lunnebach

    Mein lieber Herr Larbig,

    anlässlich des heutigen Feiertages, an dem ich Dich auf diesem Wege besuche, bin ich auf obigen Artikel gestoßen. Er gibt mir zu denken…

    Ich wünsche Dir alles Gute und mindestens so viele Bilder wie Texte! Kompliment.

    Antworten

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