Beiträge vom Januar, 2009

Lernen durch Lehren: Podcast und Links

Samstag, 31. Januar 2009 2:15

Im letzten Beitrag habe ich das Konzept von Lernen durch Lehren (LdL) als Reflexionsrahmen für mich selbst und was ich auf diesem Blog treibe genutzt. Was aber ist LdL? Hier ein Audiobeitrag, der LdL ein wenig näher vorstellt. Und anschließend noch ein paar Links:

Links zum Thema (Auswahl):

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Thema: Lernen und Lehren, Positionen, Pädagogik, Schlüsselkompetenzen | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Lernen durch Lehren

Freitag, 30. Januar 2009 18:58

Zugegeben: Ich habe bislang an keiner Stelle erklärt, was dieses Blog eigentlich soll. Das werde ich auch an dieser Stelle nur begrenzt tun. Meine Idee ist nach wie vor, dass jeder Leser und jede Leserin mit eigenen Fragen und auf unterschiedlichsten Wegen auf den einen oder anderen Beitrag dieses Blogs stößt. Da will ich nicht vorgeben, wie das hier als Zusammenhang zu verstehen sei.

Dieser Beitrag erfordert nun aber, dass ich hier nicht nur Inhalt (Content) zur Verfügung stelle, sondern auch ein wenig aus meinem Nähkästchen plaudere, ein wenig Metareflexion betreibe.

Ich habe diesen Beitrag »Lernen durch Lehren« überschrieben. Damit knüpfe ich an den von Jean-Pol Martin entwickelten Ansatz gleichen Namens an. Ich bin diesem Ansatz erst kürzlich begegnet und habe ihn selbst bislang noch nicht im Unterricht getestet, doch sowohl der Titel als auch der damit verbundene Ansatz beschreiben gut, was ich selbst im Beruf des Lehrers erlebe: Lehren setzt Wissen voraus, sowohl Fachwissen als auch Methodenkompetenz. Beides muss sich ein Lehrer aneignen, um im Unterricht selbst sowohl Fachwissen als auch Methodenkompetenz bei und mit den Schülerinnen und Schülern zu entwickeln.

Viele der hier verfügbaren Beiträge sind in so einem Rahmen entstanden, der im Rahmen der Unterrichtsvorbereitung aus als »Sachanalyse« bezeichnet wird. Aufzeichnungen, die im Rahmen dieser Beschäftigung mit den Inhalten entstanden sind, finden immer wieder ihren Weg in dieses Blog, meist noch vollig frei von der fachdidaktischen und -methodischen Bearbeitung, die der Arbeit an der Sache folgt.

Ich kann sagen, dass ich in der Vorbereitung auf das Lehren immer auch selbst lerne. Ich erfahre am eigenen Leib genau das, was Jean-Pol Martin zu einem Unterrichtsrahmen (Framework) entwickelt hat. Der Reiz dieses Ansatzes liegt für mich darin, dass er eine Erfahrung aufgreift, die ich für mich selbst mache, die wohl die meisten Lehrenden machen und diese Erfahrung auf den Prozess des Lernens von Schülern und Schülerinnen überträgt.

Wichtig ist dabei, dass das Lernen ein konkretes Ziel hat. Ich halte es für keinen Zufall, dass viele Schülerinnen und Schüler vor dem Abitur anders mit dem Lernen umgehen, als im Rest der Schulzeit. Das Ziel ist in dieser Zeit näher gerückt, wird konkret greifbar, wesentlich konkreter als in all den Jahren zuvor. Und auf mich als Lehrer angewandt, ist das Ziel eine Unterrichtseinheit, die Ermöglichung von Lernprozessen bei Schülerinnen und Schülern.

»Lernen durch Lehren« erscheint mir als Konzept vor allem deshalb interessant, weil es dazu beitragen kann, dem Lernen der Schülerinnen und Schüler ein konkretes Nahziel zu geben. Sie müssen sich mit Inhalten befassen, weil sie sonst 1. am Diskurs im Unterricht der Lerngruppe nicht teilnehmen können und 2. der Herausforderung der Gestaltung von Unterrichtsstunden, in der sie »lehren« nicht gewachsen sind.

Den oft gebrauchten Spruch, dass man nicht für die Schule sondern für das Leben lerne, drehe ich für mich deshalb gerne um. Ja, Schule bereitet darauf vor, mit den dort erworbenen Kompetenzen und Wissensbeständen weiter arbeiten zu können. Insofern stimmt dieser Satz, dass man für das Leben lerne. Gleichzeitig klingen in dem Spruch für mich aber zunehmend Seiten mit, die mir weniger gefallen:

  1. Wenn wir nicht für die »Schule«, sondern für das »Leben« lernen, eröffnet dies eine Perspektive, dass »das Leben« nach der Schule beginnt, Schule also nur eine mehr oder weniger »lästige« Zwischenstation auf dem Weg zum »Leben« ist.
  2. Der Begriff des »Lebens« verlagert das Ziel des Lernens in eine Zeit, die mit der gegenwärtigen Arbeit nur sehr abstrakt verbunden werden kann. – Zumindest für mich ist eine solche Distanz zu dem eigentlichen »Ziel« für das eigenen Lernen hinderlich.

Deshalb gewinnt die Umkehrung des oben genannten Spruchs für mich zunehmend positive Konnotationen: »Nicht für das Leben, für die Schule lernt man.« Damit ist freilich nicht gemeint, dass das Lernen alleine für die Schule und für das Erreichen der möglichen oder gewünschten Noten wichtig wäre! Vielmehr versuche ich mit dieser Umkehrung des Spruchs, dass man für das Leben und nicht für Schule lerne, mich selbst immer wieder daran zu erinnern, dass Schüler und Schülerinnen konkrete Nahziele brauchen, um effektiv lernen zu können. Und dies muss ein Nahziel sein, dass das jeweilige Individuum direkt betrifft. Es geht also nicht um Hausaufgaben oder Lernarrangements, die immer mit der Möglichkeit verbunden sind, in der Lerngruppe »unterzutauchen«. Es geht um die Formulierung von Zielen, die auch relevant werden, die von einem Lernenden zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas fordern, seien es Referate, Präsentationen oder eben die Rolle des Lehrenden, der seinen Mitlernenden etwas so vermitteln will (soll), dass diese davon auch etwas für ihren eigenen Lernprozess »haben«, möglichst zeitnah und eben nicht in einem von der Schule abgetrennten, oft als weit in der Zukunft gesehenen »Leben«.

Und wie der Zufall so will, lautet der ursprüngliche Satz von Seneca d. J. genau so: »Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.«

»Lernen durch Lehren« bietet hier einen möglichen Ansatz, der insofern schülerorientiert ist, als dass er das Lernen aus einem meist eher abstrakt verstandenem Zielhorizont herausnimmt und eng an das Hier und Jetzt des Lernens bindet, dessen Ziel zunächst einmal in der Schule selbst liegt, in den nächsten Wochen und nicht erst in ein paar Jahren, wenn die (Abitur)-Prüfungen oder »das Leben« vor der Tür stehen.

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Thema: Lernen und Lehren, Pädagogik | Kommentare (10) | Autor: Herr Larbig

Podcasts – Eine kurze Einführung

Donnerstag, 29. Januar 2009 14:29

Eine Alternative zu geschriebenen Blogs sind Podcasts. Sie können überall und jederzeit angehöhrt werden. Mittlerweile gibt es eine ganze Menge an Podcasts, für so ziemlich alle Bedürfnisse: Radiostationen stellen Sendungen zur Verfügung, die ich sonst nie hören könnte, werden sie doch immer gesendet, wenn ich schlafe oder beim Arbeiten bin. Das gilt insbesondere für Sendungen im Kulturbereich. Aber nicht nur Wissen und Bildung kann über Podcasts gefördert werden. Wer das Medium nutzen will, um sich unterhalten zu lassen, findet natürlich auch genügend Angebote. Die Qualität ist sehr unterschiedlich, aber es handelt sich ja auch noch um ein junges Medium.

Was aber ist ein Podcast? Die Erklärung überlasse ich (wieder einmal) anderen. Für diese Erklärung ist es allerdings notwendig, ein wenig Englisch zu verstehen …

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Thema: Medien, Medienkompetenz | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Herr Larbig und die Musik

Donnerstag, 29. Januar 2009 1:42

Ein Mensch lebt ja nicht von Texten und Büchern alleine. Für mich ist Musik wichtig. Deshalb gibt es in der Seitenleitste rechts jetzt auch mein »Radio«. Um es zu hören, während Sie auf dieser Website surfen oder sie schon wieder verlassen haben, empfehle ich, das Radio als PopUp-Fenster zu öffnen. Den Link dazu finden Sie unten rechts im LastFM-Widget. Vielleicht gefällt Ihnen diese Sammlung ja, die von Alternative über Alternative, Ska und SingerSongWritern bis hin zur MinimalMusic so ziemlich alles zu bieten hat.

Mein LastFM-Profil finden Sie hier.

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Thema: Lebenshilfe, Medien, Medienkompetenz, Notizen | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Leidenschaft für Gott und die Menschen

Mittwoch, 28. Januar 2009 22:49

Hier veröffentliche ich einen Beitrag neu, den ich über Bruder Paulus Terwitte bereits 2002 für die Osnabrücker Kirchenzeitung geschrieben habe. Wer wissen will, was Bruder Paulus heute tut, kann sich die Sendung „Redezeit“, die heute beim WDR lief, als MP3 des WDR anhören. – Jetzt aber einen kleinen Blick in die Zeit vor sechs Jahren: [...]

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Thema: Autor, Herr Larbig, Kath. Religion Sek II, Leben, Veröffentlichungen | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Geschützt: Präsentationen D–GK

Dienstag, 27. Januar 2009 21:47

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Thema: Deutsch Sek. II, Literatur | Kommentare deaktiviert | Autor: Herr Larbig

Wahrheit als philosophisches Thema

Montag, 26. Januar 2009 17:06

Heute sage ich hier nicht viel. Über das Thema »Wahrheit« hat Prof. Dr. Maarten J.F.M. Hoenen wesentlich mehr zu sagen als ich. Ich mag das Internet, weil es mir solche Vorlesungen per Podcast verfügbar macht. – Und für alle, die mal hören wollen, wie eine Vorlesung an der Universität klingen kann, ist das hier ein Beispiel, in dem es um eine echte Grundfrage geht.

Podcast »Theorien der Wahrheit«

Die Universitätsbibliothek dokumentiert die Vorträge der Vorlesung »Theorien der Wahrheit« (Wintersemester 2008/09) von Prof. Dr. Maarten J.F.M. Hoenen als Tonmitschnitte und stellt sie als Podcast und Einzeldownload bereit.

Als Podcast für iTunes

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Thema: Kath. Religion Sek II, Philosophie, theologische Grundlagen | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Anonym: Dû bist mîn

Montag, 19. Januar 2009 23:57

Sechs Zeilen, die irgendwann von irgendjemanden geschrieben wurden. Überliefert wurde dieses Gedicht am Schluss eines Briefes, der auf Latein geschrieben ist. Dieser Brief wurde in der sog. Tegernseer Briefsammlung überliefert. – Mehr ist mit Gewissheit nicht über das Gedicht zu sagen, auch wenn es reichlich Fundstellen im Internet gibt, die die Vermutung, er könnte von einer Nonne geschrieben sein, als Tatsache hinstellen. Ebenso umstritten ist, ob es sich um reale Briefe oder um Musterbriefe handelt. Für die Literaturgeschichte sind solche Fragen zwar durchaus wichtig und, um ehrlich zu sein, ich finde diese Fragen auch durchaus spannend, doch für dieses Gedicht, dass als eines der berühmtesten deutschsprachigen Liebesgedichte gehandelt wird, sind diese Fragen und deren Beantwortung nicht wichtig. Viel wichtiger ist: Dieses Gedicht wirkt! Lasse ich es also zunächst einmal wirken, um es mir dann ein wenig genauer anzuschauen:

Dû bist mîn, ich bin dîn.
des solt dû gewis sîn.
dû bist beslozzen
in mînem herzen,
verlorn ist das sluzzelîn:
dû muost ouch immêr darinne sîn.

(Übersetzung:

Du bist mein, ich bin dein,
dessen sollst du gewiss sein.
Du bist beschlossen
in meinem Herzen,
verloren ist das Schlüsselein:
du musst auch immer darinnen sein.)

Auf den ersten Blick scheint mir das Gedicht sehr eindeutig: Ein Liebesgedicht, das in perfekter formaler Gestaltung daher kommt. Drei Mal zwei Vers, von diesen sind die beiden mittleren, was in vielen Wiedergaben des Gedichtes unterschlagen wird, eingerückt. Optisch wird der dieser beiden Zeilen formal reproduziert: Eingeschlossen im Herzen des Gedichtes – und die Schlüssel sind ein für alle Mal verloren, sowohl im Gedicht, aber auch wenn es um all die Fragen geht, die sich mit der Herkunft und der Entstehung des Gedichtes befassen. Doch der Einschluss geht noch weiter: Eingerahmt sind die beiden Mittelzeilen von je zwei Versen, die mit der gleichen Reimsilbe »în« enden. Lasse ich die Mittelzeilen weg, so ergibt das Gedicht nach wie vor einen Sinn, wenn auch einen weit weniger romantischen, als die verbreiteten Lesegewohnheiten gegenüber diesem Gedicht vermuten lassen.

Als ich dieser Tage eine spontane Äußerung zu dem Gedicht zu hören bekam, die den Text zunächst einmal als etwas bedrohliches wahrgenommen hat, habe ich diese Wahrnehmung zunächst recht spontan zurück gewiesen: Hier geht es doch eindeutig um einen Menschen, der liebt und diese Liebe zum Ausdruck bringen will. – Mittlerweile bin ich mir aber nicht mehr so sicher, dass diese scheinbar eindeutige Lesart die einzig mögliche Lesart dieses Gedichtes ist. Die Gründe für diese Zweifel liegen im Text selbst:

Je länger ich mich mit dem Gedicht befasse, um so irritierender finde ich die erste Zeile. In dieser Zeile geht es um eine Art Besitzverhältnis des lyrischen Ichs und dem angesprochenen Du. Nachdem ich lange nicht so genau wusste, was mich hier eigentlich stört, merkte ich, dass es die Reihenfolge ist, in der der gegenseitige Besitz beschrieben wird. Wenn es sich eindeutig um ein Gedicht handeln würde, in dem ein Menschen einem anderen Menschen seine Liebe gestehen will, nicht mit einer Zuordnung des lyrischen Ichs zum Du beginnen? Dann aber müsste die erste Ziele »Ich bin dîn, du bist mîn« lauten, gibt sich Liebe doch zunächst einmal selbst dem Anderen hin, ohne diesen in Besitz zu nehmen.

Hier aber ist des genau umgekehrt: »Du bist mîn« lautet die erste Hälfte des ersten Verses. Das ist nicht die Hingabe eines oder einer Liebenden an ein geliebtes Gegenüber, die, wird sie erst einmal öffentlich bekannt, auch verletzlich macht, da die Liebe ja immerhin zurückgewiesen oder nicht erwidert werden könnte. Doch genau diese Verletzlichkeit, die eine solche Liebe prägt, ist in diesem Gedicht nicht zu finden. Ganz im Gegenteil: Ich höre in diesem Gedicht einen Triumph, ein Besitzen, dass ein Einschließen ist, ein Verschließen, ohne dem Gegenüber die Freiheit zu lassen. Dem Gegenüber wird dieser Tatbestand mit Hilfe einer Verkleinerungsform nahe gebracht, wenn von einem »Schlüsselein« gesprochen wird. Spätestens an dieser Stelle in Zeile 5, gefolgt von dem »musst« (von mir aus kann dies auch als »wirst« gelesen werden), verliert diese Liebe eines der zentralen Momente einer authentischen Liebe, nämlich den Respekt vor der Freiheit des anderen, der sich in Freiheit bindet und von daher bereit ist, einen Teil seiner »Freiheit« freiwillig aufzugeben. Freiheit heißt aber, im Herzen des anderen zu sein, ohne dass dieser ein Schloss braucht, um diese Liebe zu halten.

Und plötzlich klingt das »Du bist mîn« der ersten Zeile ein wenig wie eine Inbesitznahme des Gegenübers, auch wenn dann die Aussage folgt, dass das lyrische Ich auch dem Du gehöre. Doch das Du wird hier als passiv dargestellt, als wehrlos, wie Alois Weimer in seiner Interpreation des Gedichtes in »Cicero – Magazin für politische Kultur« bereits dargestellt hat, die mir bei meinem Brüten über der Frage, was mich an diesem Gedicht zunehmend stört, begegnet ist. Nein, das lyrische Ich in diesem Gedicht gibt sich nicht bedingungslos hin, sondern es vereinnahmt das Du.

Und genau deshalb, so meine These, wirkt das Gedicht so anziehend: Hier wird keine romantische Liebe beschworen! Dieses Gedicht beschreibt vielmehr, wie janusköpfig Liebe erfahren werden kann: Neben der engen Verbindung zweier Individuen – und es ist erstaunlich, dass bereits hier so etwas wie Individuen aufzutauchen scheinen, wird die Entdeckung des »Ich« doch allgemein der italienischen Renaissance zugesprochen – wird hier die Inbesitznahme des Du durch das lyrische Ich thematisiert. Liebe wird hier nicht verklärt, sondern mit ihren Gefahren dargestellt.

Diese Aussage, verbunden mit der perfekten Verbindung des Inhalts mit der Form, macht dieses Gedicht zu einem großartigen Gedicht. Ja, der romantische Teil der Liebe, wie wir sie seit der Romantik in unsere Vorstellungswelt als Ideal aufgenommen haben, klingt hier schon mit, doch er wird ergänzt durch die wenig romantische Realität der Abhängigkeit auf Gedeih und Verderb, die im 12. Jahrhundert noch Realität war, aber auch von dem Phänomen des durchaus auch materiell zu verstehenden Besitzanspruch des lyrischen Ichs gegenüber dem Du dieses Gedichtes.

Diese Doppelbödigkeit der Liebe ist bis heute nicht aus dem Erfahrungsschatz der Menschen verschwunden. Hier, in einem der ältesten Zeugnisse eines Liebesgedichtes in deutscher Sprache, die wir haben, wird dieses Phänomen bereits auf den Punkt gebracht, sodass es bis heute kein übermäßiges Problem zu sein scheint, einen Zugang zu diesem Gedicht zu bekommen, auch wenn dieser Zugang meist nur die eine, die romantische Seite der hier beschriebenen Liebe zu sehen bereit ist und dabei die weit nüchternere und deshalb auch erschreckendere Lesart dieses Gedichtes aus dem (bewussten) Blick verliert.

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Thema: Deutsch Sek. II, Lyrik, mittelalterlich | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Vom Scheitern: Bruder Paulus im Gespräch mit Konstantin Wecker

Sonntag, 18. Januar 2009 14:11

»Um Gottes Willen« heißt die Gesprächssendung auf dem Nachrichtensender N24, die der Kapuziner Bruder Paulus Terwitte mit seiner evangelischen Kollegin Julia Scherf im Wechsel jeden Sonntag moderiert. Fragen, die den Menschen angehen, stehen hier im Mittelpunkt des Gespräches. Diese Sendung ist ein Beispiel dafür, dass Fragen nach dem Leben immer auch die Fragen sind, die eng mit der Religion verbunden sind. Als Beispiel bette ich hier einmal das Gespräch Bruder Paulus’ mit dem Liedermacher Konstantin Wecker ein, das am 11. Mai 2008 ausgestrahlt wurde. Im Zentrum des Gespräches steht die Frage nach dem Scheitern.

Denke ich über das Scheitern nach, fallen mir sofort große literarische Gestalten ein, in denen Autoren dieser Frage nach menschlichem Versagen und dessen Platz in Biographien nachgegangen sind: Ich denke an den Faust in Goethes gleichnamigem Theaterstück, ich denke an die Texte Franz Kafkas, ich denke an Tolstois »Anna Karenina«, an die Geschichte vom Untergang einer Familie, die Thomas Mann in »Die Buddenbrocks« erzählt, an Heinrich Manns  »Der Untertan« und »Professor Unrat« – und so weiter.

Denke ich über das Scheitern nach, fallen mir genau so schnell aber auch große Gestalten der Bibel auf, in deren Biographie das Scheitern eine zentrale Rolle spielte: Mose hat einen Menschen umgebracht und wurde dennoch zum Anführer des Auszugs aus Ägypten, Jeremia zieht sich in die Wüste zurück, weil er glaubt, an seiner Mission gescheitert zu sein, Jona flieht vor dem Auftrag, den er bekommen hat, Hiob muss sich mit der Frage des Leidens auseinandersetzen; Petrus verleugnet Jesus und gehört in den Kreis der Jünger, die sich nach dem Tod Jesu – ja, auch Jesus am Kreuz ist zunächst einmal ein Gescheiterter – ängstlich zurückziehen und dann Erfahrungen machen, die aus Angsthasen »Helden« werden lassen.

Die Frage nach den Grenzen einer Biographie scheint gerade heute von so zentraler Bedeutung, da Scheitern oft mit absolutem Versagen verbunden wird, da Scheitern an einer Sache oft als ein Versagen der ganzen Persönlichkeit angesehen wird. Doch zunächst einmal ist Scheitern eine Krise, in der sich der Mensch in Frage gestellt sieht, sich selbst befragen muss und dabei die Chance hat, ganze neue Seiten seiner Persönlichkeit oder diese selbst überhaupt erst einmal zu entdecken.

Dabei ist es gut und wichtig, dass diese Frage keine neue Frage ist, sondern seit Menschengedenken im Zentrum des Nachdenkens steht. Das Gespräch von Bruder Paulus und Konstantin Wecker steht in diesem Sinne in einer langen Tradition.

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Thema: Kath. Religion Sek II, Leben, Medien | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Schmöker-Schnipsel: Über das Lesen

Montag, 12. Januar 2009 0:23

Das Lesen ist nach wie vor eines meiner wichtigsten Themen. Und an einem unerwarteten Ort, stieß ich nun auf ein Zitat von Goethe, dass mir sehr treffend scheint und deshalb hier seinen Platz finden soll:

»Es gibt dreierlei Arten Leser:
Eine, die ohne Urteil genießt, eine dritte, die ohne zu genießen urteilt, die mittlere, die geniessend urteilt und urteilend genießt; diese reproduziert eigentlich ein Kunstwerk aufs neue.«

J.W. von Goethe

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Thema: Notizen, Schmöker-Schnipsel | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig