Wenn Fehler aufhören Fehler zu sein oder: Gedanken zur Sprachentwicklung

Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Duden, statt Gänsefüßchen („…“) oder den eher im Schriftsatz üblichen Anführungszeichen (»…«) auch jene mir schon heute an allen Ecken und Enden begegnenden Zollzeichen (“…” – leider wird das Resultat hier nicht richtig dargestellt, Zollzeichen sind jene senkrechten, völlig geraden Doppelstriche, die man oft an Stelle von Anführungszeichen sieht, die hier aber leider wie klassische englische Anführungszeichen erscheinen) zulassen wird, da der Duden sich in der Regel durch die Anpassung an den allgemeinen Sprachgebrauch „weiter entwickelt“.

Ein Beispiel, in dem eine Schreibweise, die bis dato als „falsch“ nun aber als möglich gilt, findet sich in der Kapitulation des Dudens vor dem Apostroph beim Genitiv von Namen, obwohl eigentlich auch schon vorher alles klar war: Wenn ein Name auf -s endet, dann steht das Apostroph zur Kennzeichnung des Genetivs (Markus [Grundform des Namens] – Markus’ [Genitiv]. Eine Verwechslung von Grundform und Genitiv ist nicht möglich, wenn dieser Regel gefolgt wird.

In der der aktuellsten Ausgabe jenes proprietären Standardwerkes der deutschen Rechtschreibregelung findet sich jetzt aber als neue Schreibmöglichkeit gekennzeichnet ein Hinweis, dass das Apostroph bei Namen zur Kennzeichnung derer Grundform nun auch vor das Genitiv-s gestellt werden kann, sodass nun zwei Möglichkeiten vom Duden anerkannt werden, wenn da auch noch ein wenig schüchtern angemerkt wird, dass diese Verwendung des Apostrophs „gelegentlich“ gebraucht würde.1

Von wegen „gelegentlich“! Der Sprachgebrauch ist da schon viel weiter vom Duden weg, Continue reading

  1. Duden. Die deutsche Rechtschreibung, 24. Auflage, Mannheim 2006, S. 36 – K16 []

Digitale Erinnerung an analoge Zeiten – Beispiel: Fotografie

Kürzlich veröffentlichte Sebastian Schröder einen Blog-Eintrag, in dem er von seinen Erfahrungen bei einem analogen Fotoauftrag im Rahmen seiner Ausbildung zum Fotografen berichtet. Zehn Tage hat er für den Auftrag Zeit – und es läuft so ziemlich alles schief, was nur irgendwie schief laufen kann. Im Blog liest sich das für mich als eine spannende Geschichte, aber ich hätte nicht in der Haut der beiden im Blog erwähnten Fotografen stecken wollen. Doch die Schlussfolgerung Sebastian Schröders halte ich angesichts all des vorhergehenden Stress’ für bemerkenswert:

„Wie einfach wäre es gewesen eine Digitale Kamera zu nehmen und ein Bild zu machen? Zu einfach, Continue reading

Ereignisse und deren Bilder – eine Symbiose?

Die hier besprochenen Fotografien finden sich auf http://www.boston.com/bigpicture/2009/04/protests_at_the_g20_summit.html – Bilder 11 und 12. Es könnte sinnvoll sein, diese Bilder in einem weiteren Tab oder einem zweiten Fenster geöffnet zu haben, da ich die Bilder hier aus Copyright-Gründen nicht veröffentliche. Beide Fotos wurden von Andrew Winning für Reuters gemacht.

Wird etwas fotografiert, weil es geschieht – oder geschieht etwas, weil es fotografiert wird?

Ich war gerade auf der Fotoseite des Boston Globe. Dort gibt es eine Fotoserie zu den Protesten im Rahmen des G20-Gipfels in London am 1. und 2. April 2009. (Protests at the G20 summit – The Big Picture – Boston.com)

Zwei der dort gezeigten Bilder, die Andrew Winning für Reuters gemacht hat (Bild 11 und 12), haben mich irritiert: Mein erster Gedanke war, dass es sich um gestellte Bilder handeln müsse, da es doch unwahrscheinlich ist, dass so viele Fotografen zur gleichen Zeit an Orten sind, an denen eine sehr kurze, scheinbar sehr spontane Handlung geschieht, wie vor allem auf Bild 11 dieser Serie. Was ist dort zu sehen:

Ein Demonstrant wirft einen Computerbildschirm in eine Fensterscheibe, die allerdings schon zuvor zerstört worden war. Das Foto zeigt den Moment, in dem der Bildschirm die Hand des Demonstranten verlassen hat Continue reading

Lehrende im Selbstversuch: Neue Formen selbst verantworteten Lernens

Die Diskussion um medienpädagogische Fragestellungen wird zur Zeit an unterschiedlichen Stellen (im Netz) geführt. Unter anderem gibt es einen Artikel im ZUM-Wiki (ZUM steht für „Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet“), der sich mit der Frage der Medienpädagogik befasst. Zu diesem Artikel hat sich auf der jedem Wiki eigenen Diskussionseite zum Artikel eine (bislang noch von einer übersichtlichen Zahl an Diskutanten geführte) Diskussion entwickelt, auf der unter anderem Fontane44 (der gleiche Fontane, der im letzten Beitrag unter Fontanefan geführt wird) in seiner anregend kritischen Art ein paar interessante Fragen stellt, die meines Erachtens in der Diskussion um die Medienpädagogik unabdingbar sind: Continue reading

Medien im Unterricht – Ein Diskussionsbeitrag

Im Blog von Fontanefan fand ich einen Artikel, der sich mit einem Medienpädgogischen Manifest und einem Artikel von Ralf Hilgenstock beschäftigt und der mich zu ein paar eigenen Überlegungen angeregt hat.

Fontanefan schreibt: Continue reading

Fotografie und die Kunst des Sehens in Schule und Unterricht

Resume: Auf herrlarbig.de gab es in der Vergangenheit immer wieder Fotos zu sehen – und dies wird in Zukunft auch wieder so sein. Grund genug also, sich hier einmal Gedanken darüber zu machen, was Bilder mit Bildungsprozessen zu tun haben und welche Fragen dabei eine Rolle spielen.

Hier wird die These vertreten, dass Fotografie nach wie vor ein Leitmedium unserer Gesellschaft ist und gleichberechtigt neben audiovisuellen Medien und  dem Internet steht, mit dem die Veröffentlichung von Fotografien heute sehr eng verbunden ist.

Dennoch erscheint mir die Berücksichtung und Reflexion von Fotografien im schulischen Unterricht eher ein Randphänomen zu sein. Warum es interessant sein kann, Fotografie an geeigneten Stellen im Unterricht (auch außerhalb des Kunstunterrichtes) in didaktische Überlegungen mit einzubauen, wird hier zur Diskussion gestellt. Darüber hinaus werden konkrete Vorschläge in Form eines Brainstormings für den Einsatz von Fotografie in unterschiedlichen Fächern vorgelegt.

Fotografie als Thema der Mediendidaktik

In der Mediendiaktik der Gegenwart scheint mir eine der meist genutzten visuellen Medienformen ein wenig „unterbelichtet“ zu sein. Film, Internet und auch Produkte der darstellenden und bildenden Kunst spielen z.B. im Deutschunterricht eine Rolle, so in Unterrichtsteilen, in denen es um  Theater,  Schreiben im Museum oder nach Bildvorlagen, Filmanalyse, Nutzung von Foren und Weblogs etc. geht. Fotografie hingegen begegnete mir explizit bislang nur im Rahmen des Kunstunterrichts oder im Rahmen von Unterrichtseinheiten, in denen die manipulative Kraft von Bilder zu Propagandazwecken – beispielsweise im Dritten Reich – reflektiert werden. Darüber hinaus werden ans Bild gebundene Gestaltungsformen bislang vor allem dann aufgegriffen, wenn pädagogische Interventionen nötig sind, weil beispielsweise viele Jugendliche, ohne groß darüber nachzudenken, „kompromittierende“ Party-Bilder in Online-Communities einstellen oder problematische Videos auf Videoplattformen veröffentlichen.

Die Fotografie, als das erste visuelle Massenmedium, dem der Film folgte, kommt in meiner Wahrnehmung der Mediendidaktik trotz der Vielfalt ihrer Formen überraschend wenig vor, Continue reading

„Die Schüler sind zufrieden – ich auch“ – Erich Hammer im Gespräch

Seit ich stärker im Web 2.0 unterwegs bin, stelle ich noch mehr und über das eigene Kollegium hinaus gehend fest, wie viele tolle Lehrer und Lehrerinnen es gibt, die sich wirklich Gedanken darüber machen, wie Unterricht gut gestaltet werden kann. Der Mehrwert des Web 2.0 ist dabei allerdings, dass sich hier in entsprechenden Communities (schnell mal eine Werbepause, in der ich 1. die Maschendraht-Community und 2. die LdL-Community empfehle) weiter gehende Reflexionsmöglichkeiten als in der doch oft großen Arbeitsfülle und der sich daraus ergebenden Zeitknappheit im Schulalltag ergeben.

Ein Beispiel für eine solche Reflexion ist ein informelles Gespräch, dass Christian Spannagel mit Erich Hammer führte. Gemeinsam mit Lutz Berger war er in Würzburg, um sich Mathematikunterricht anzuschauen. Ein zusammenfassender Bereicht über die Erfahrungen vor Ort findet sich in Christian Spannagels Blog. Die Lektüre dieses Berichtes sollte dem folgenden Video möglicherweise vorausgehen, auch wenn im Interview selbst sehr schnell deutlich werden dürfte, worum es hier geht – und für alle, die genau wissen wollen, worum es hier geht: Die Aufzeichnung der betreffenden Unterrichtsstunde stelle ich hier auch zur Verfügung, weil ich finde, das diese „Schatzsuche“ in deutschen Klassenzimmern einfach wichtig ist.

Hier nun also das Gespräch mit Erich Hammer:

Die etwas mehr als doppelt so lange vollständige Version des hier für YouTube aufbereiteten Interviews findet sich übrigens hier.

Ergänzungen zum Interview: JPM – Ist Jean Pol Martin Neuron – Erläuterung der Neuronmetapher

Und hier das Video zur Unterrichtsstunde, um die es hier geht: