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Sonntag, 31. Mai 2009 23:58
Thema: Bilder, Fotografie, Stills, gefunden | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig
Sonntag, 31. Mai 2009 23:58
Thema: Bilder, Fotografie, Stills, gefunden | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig
Donnerstag, 28. Mai 2009 16:28
Frühling kam um die Ecke.
Zögernd blieb er am Zebrastreifen stehen, als wolle er sich mehr als einmal versichern, dass er nicht doch ein sich näherndes Auto übersehen würde.
Frühling schaute nach rechts und freute sich, dass er sich endlich an den Linksverkehr gewöhnt zu haben schien.
Frühling ging los und setzte zunächst das linke Bein in Bewegung.
Frühling bewegte immer zuerst das linke Bein. Er achtete sogar jeden Morgen darauf, zuerst mit dem linken Bein aufzustehen und immer auf der linken Seite das Bett zu verlassen.
Jetzt also setzte er das linke Bein in Bewegung.
Er hob den Fuß mit dem linken Exemplar seiner von deutlichen Altersspuren überzogenen, maßgefertigten schwarzen Lederschuhe leicht an, registrierte, dass er wieder einmal den Weg des Bewegungsbefehls nicht vom Rückenmark über die Nervenzellen bis hin zu den beteiligten Muskeln zu verfolgen vermocht hatte, bewegte das Bein nach dem leichten Anheben zügig nach vorne, wiederholte den ganzen Prozess mit dem rechten Bein und betrat zufrieden den ersten der weißen Streifen, die ihm einen sicheren Weg über die Straße weisen sollten.
– Frühling kam nicht weit. –
Kaum hatte er, leicht verärgert darüber, dass er den Bewegungsbefehl an die Muskeln wieder nicht auf seinem Weg durch das Nervensystem hatte verfolgen können, die Straße betreten, verweigerten seine Nervenbahnen offensichtlich innerhalb von Sekundenbruchteilen ihren Dienst, als die ersten Schallwellen der schlagartig blockierenden Räder eines mit vier Sitzen ausgestatteten Personenkraftwagens, der sich gerade noch – zugegeben, mit leicht überhöhter Geschwindigkeit – dem Zebrastreifen genähert hatte, ihren Weg von der Ohrmuschel über das Trommelfell, in elektrische Nervenströme umgewandelt ins Gehirn genommen hatten und dort als das Geräusch einer Vollbremsung interpretiert worden waren.
Frühling hatte so lange gezögert, seinen Weg über den Zebrastreifen zu beginnen, dass selbst der defensivste Autofahrer nicht damit gerechnet hätte, dass jener kleine Mann im schwarzen Wollmantel, der dort in sich selbst versunken den Blick nach rechts gewandt hatte, im nächsten Augenblick den Zebrastreifen mit einem solch selbstbewussten und völlig unvermittelten Tempo betreten würde.
Frühling stand so plötzlich völlig still zwischen dem ersten und dem zweiten weißen Streifen auf der Straße, wie er gerade noch für Außenstehende völlig unvermittelt losgegangen war. Seine Muskeln verweigerten für einen kurzen Augenblick jeglichen Dienst, bis es Frühling gelang, seiner Nackenmuskulatur den Befehl zu geben, seinen Kopf langsam von der rechten auf die linke Schulterseite zu drehen.
Noch während der Kopf auf Wanderschaft war, begriff Frühling, was ihn, wenn auch eher unterbewusst, gerade noch irritiert hatte. – Es war die Farbe des Zebrastreifens.
Ein weiß markierter Fußgängerüberweg hätte ihm eigentlich auch bewusst verdächtig erscheinen müssen. Seine Bemühungen, sich an den Linksverkehr zu gewöhnen, waren doch mit gelben Streifen auf dunkelgrauem Asphalt verbunden gewesen.
Wie nur hatte er sich so irren und sogar sein Leben aufs Spiel setzen können, indem er einfach vergessen hatte, dass er schon vor zwei Tagen das Land der Queen und des Stilton-Käses verlassen und längst wieder deutschen Boden unter den Füßen hatte.
Frühlings Kopf war angekommen.
Seine Augen trafen den irritierten, erschrockenen Blick des Autofahrers, der noch nicht vom Entsetzen, dass er beinahe einen Menschen umgefahren hätte, zum Ärger über das völlig unberechenbare Verhalten dieses zweibeinigen Verkehrsteilnehmers gekommen war. – Langsam nur löste sich die Schreckensstarre, die beide vor einer Sekunde erfasst hatte.
In Frühlings Gesicht trat ein Lächeln, er hob leicht die Schultern, öffnete die Hände mit den Handflächen so weit nach außen, dass sie etwas mehr als schulterbreit auseinander waren und formte mit den Lippen ein lautloses: »Entschuldigung, ich dachte, ich sei noch in England«.
© Torsten Larbig – 04.2009
Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Frühling“ in einem kürzlich privat und in Kleinstauflage gedrucktem Band mit Texten von Schülern und Schülerinnen einer meiner Klassen und entstand, nachdem die Schüler mich gebeten hatten, doch bitte auch eine Geschichte zu den ihrigen beizutragen. – Die Anregung für den neuen Titel erhielt ich von Boris Hillen.
Thema: Autor, Herr Larbig, Prosa, literarisches | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig
Dienstag, 26. Mai 2009 0:44
Der Titel dieses Fotos „Gespenster” ist gar nicht so abwegig, denn so nennt man die Erscheinung von schemenhaft sich bewegenden Gestalten in einem Bild wie diesem wirklich. Der Trick ist einfach: Man nehme ein Stativ, wenig verfügbares Licht (available light), stelle eine relativ lange Belichtungszeit ein – und beginne die Aufnahme so, dass einem bereits absehbar Menschen gegen Ende der Belichtungszeit ins Bild laufen werden. Das klingt jetzt arbeitstechnisch so ruhig; in Wirklichkeit muss man aber verdammt schnell sein oder warten, bis sich die gewünschte Situation ergibt.
Bei diesem Bild war die Wartezeit kurz, da die Straßensituation einen relativ weiten Blick auf sich ergebende Situationen gab: Ich sah die Gruppe aus fünf Personen so rechtzeitig, dass ich in Ruhe das Stativ mit der Kamera positionieren und die Blende so wählen konnte, dass sich gewünschte lange Belichtungszeit ergabe. Dann hieß es nur noch, den richtigen Augenblick für das Auslösen zu finden. Ich hatte nur diese eine Möglichkeit für dieses Bild, konnte ich doch nicht schnell mal ein „Cut! – Bitte noch einmal” reinrufen, arbeite ich bislang doch nur selten mit Modellen. In diesem Fall hat es geklappt und von all den Bildern, in denen es nicht gelungen ist, die Situation so einzufangen, wie ich mir das vorgestellt hatte, schweige ich an dieser Stelle…
Thema: Available Light, Bilder, Bilder mit Texten, Fotografie, Frankfurt, über Fotografie | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig
Montag, 25. Mai 2009 0:06
„Digitale Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir brauchen sie als Informationsquelle, als Kommunikationshilfe und für unser alltägliches Tun und Handeln. Es kommt nun darauf an, allen Menschen Medienbildung zu ermöglichen”,
sagte Bundesforschungsministerin Anette Schavan laut einer Pressemeldung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 18.05. Anlass war die Veröffentlichung eines Berichtes mit dem Titel „Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur“, den eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eingesetzte Expertenkommission zur Medienbildung vorgelegt hat. Dort heißt es bereits in der Einleitung:
„Digitale Medien prägen mittlerweile die Lebenswelt junger Menschen in vielfältiger und nachhaltiger Weise. Persönlichkeitsentwicklung, Lebensbewältigung und die Suche nach Orientierung und Sinn stellen sich unter geänderten Informations- und Kommunikationsverhältnissen für die junge Generation in neuartiger Weise. Diese Technologien zeigen als Medien eine kommunikative und symbolische Dimension […] Digitale Medien verlangen von jedem Einzelnen stetig wachsende und sich ändernde Kompetenzen, deren Vermittlung staatlicher Bildungsauftrag ist.“ (S. 2)
Diese Äußerungen Schavans und der Bericht der Expertenkommission selber geben zu denken, wenn es um die Frage der Entwicklung und Förderung von Medienkompetenz geht, denn bislang ist der Umgang mit dem alltäglichen Tun und Handeln (junger) Menschen teilweise sehr restriktiv. So hat Bayern bereits 2006 die Benutzung von Mobiltelefonen auf dem Schulgelände tabuisiert, da man Porno- und Gewaltvideos auf von Schülern genutzten Mobiltelefonen gefunden hatte.
„Die Schule ist nicht der Ort zum Telefonieren und schon gar nicht für die Verbreitung jugendgefährdender Machwerke“,
sagte damals der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider laut Süddeutscher Zeitung. Und wer wollte dem widersprechen! Ebenso wenig ist die Schule der Ort, um sich von der Schulwirklichkeit mittels MP3-Abspielgeräten in den Pausen von der Schulwirklichkeit [...]
Thema: Bildung, Kompetenzenförderung, Medien, Mediendidaktik, Medienkompetenz, Medienkritik, Positionen, Pädagogik, Schlüsselkompetenzen, Unterricht | Kommentare (3) | Autor: Herr Larbig
Freitag, 22. Mai 2009 10:04
Thema: Available Light, Bilder, Fotografie, Frankfurt, Stills | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig
Freitag, 22. Mai 2009 2:12
Rezensenten scheinen sich, glaube ich den Zusammenfassungen auf perlentaucher.de (und ich sehe keinen Grund, warum ich das nicht tun sollte), bei Juli Zehs „Corpus Delicti. Ein Prozess“1 nicht einig zu sein. Ich finde das gut, denn „Corpus Delicti“ ist einer der politischsten Texte, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und zwingt den Leser geradezu zu Assotiationen mit gegenwärtigen Entwicklungen. Der Roman verlangt eine eigene Positionierung, was möglicherweise auch die unterschiedlichen Besprechungen des Buches erklärt. Zunächst als Theaterstück erschienen, liegt „Corpus Delicti” nun als Roman vor, dem das szenenhafte eines Theaterstücks aber nach wie vor geblieben ist.
„Es geht […] um die Tatsache, dass die Datenspur eines Menschen Millionen von Einzelinformationen enthält, aus denen sich jedes beliebiges Mosaik zusammensetzen lässt.” (S. 226)
Mia Holl lebt im fiktiven Deutschland des Jahres 2057, das zu einem in Fragen der Gesundheit konsequenten Präventivstaat geworden ist.
Im Oberarm implantierte Chips [...]
Thema: lesen | Kommentare (8) | Autor: Herr Larbig
Montag, 18. Mai 2009 15:07
Und wieder einmal wird das Ende des gedruckten Buches angekündigt, dieses Mal in der Zeit vom 23.04.2009 von Jürgen Neffe:
„Die Ära des gedruckten Buches geht zu Ende.“ via Kulturwandel: Die Ära des gedruckten Buches geht zu Ende | Kultur | Nachrichten auf ZEIT ONLINE.
Anlass zu dieser Behauptung ist das Erscheinen von E-Book-Readern in Deutschland, die es möglich machen, Bücher in digitaler Form endlich einigermaßen lesbar zu bekommen und im Prinzip in der Lage sind, ganze Bibliotheken auf kleinstem Raum verfügbar zu halten.
Es mag ja sein, dass sich das Buch nun, wie die Schallplatte von Vinyl zu MP3, in der breiten Masse vom Papier zum E-Book verschieben könnte, aber ist das das Ende der Ära des gedruckten Buches?
Nein, ich fange jetzt nicht mit der bibliophilen Romantik und somit von der Haptik und dem Geruch von Büchern an. Mein Argument ist pragmatisch: Bücher halten länger als Festplatten und können auch dann noch gelesen werden, wenn sie längst vergessen und erst nach vielen Jahrzehnten wiederentdeckt werden. Digitale Speichermedien halten in dieser Hinsicht nicht mit und es müssen ständig neue Sicherungskopien angelegt und Dateiformate angeglichen werden. Kurz: Sollte jemand auf die Idee kommen, das gedruckte Buch abzuschaffen, sorgen wir selbst dafür, dass sehr viele Zeugnisse unserer Epoche in sehr kurzer Zeit verloren gehen werden, angefangen mit den Bildern (die schon heute meist nicht mehr als Abzüge vorliegen) über allein digital produzierte und veröffentlichte Musik bis eben hin zu Romanen, Gedichten und wissenschaftlichen Werken, die einfach vergessen werden, wenn sie nicht von Datenträger zu Datenträger den sich verändernden digitalen Anforderungen angeglichen werden.
Von Wegen: Das Netz vergisst nichts. Auf kurze Sicht mag das stimmen, auf lange Sicht sieht das ganz anders aus…
Das Problem zeigt sich schon heute: Wissen, das heute im Netz konstruiert wird, ob in Wikipedia oder in Blogs, ist kein Wissen, dessen Speicherung so abgsichert wäre, dass es auch noch in hundert Jahren leicht zugänglich wäre, wie das bei Büchern heute überhaupt kein Problem ist. Und wer kann heute schon noch die Lochkarten der Computer aus den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts lesen? Selbst die Nasa hat hier Datenverluste zu beklagen.
Irgendwann müssen wir also beginnen, die uns wichtigen Erinnerungsstücke in die analoge Welt zurück zu holen: Bilder und Webseitentexte ausdrucken, digital verbreitete E-Books wieder in Buchform binden und – ganz wichig – private E-Mails, die für uns bedeutsam sind, ausdrucken und zumindest, wie früher bei Briefen verbreitet, in einer Kiste sammeln. Tun wir das nicht, könnte unsere Zeit im Rückblick eine trotz der Massen an Information für die Nachwelt zu einer „dunklen“ quellenarmen Zeit werden, insbesondere in Bezug auf das alltägliche Leben…
Eine Übersicht der mit der digitalen Langzeitspeicherung verbundenen Probleme findet sich unter übrigens unter http://www.payer.de/digitalebibliothek/digbib02.htm.
Thema: Medien, Medienkritik, Notizen | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig
Montag, 18. Mai 2009 0:26
Beiträge in diesem Blog entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern gut durchlüftet in der taunusseitigen Frischluftzufuhr von Frankfurt am Main. – Oder aber im Frischluft zufächelnden Dialog mit all den anderen Denkenden im Netz und im Alltag. Dieses Mal sind Dörte Giebel (Die Göre lebt [DGL]) und somit indirekt (mal wider) Jean-Pol Martin (JPM) „schuld“.
Jean-Pol schreibt, es sei in seiner „dynamischen Vorlesung“ nunmehr „alles raus“ und er fühle sich „wie eine Sau, die gerade 15 Ferkel abgeworfen hätte (normal: 13,1). Glücklich, aber erschöpft.“
Und jetzt kommt Dörte (Die Göre lebt) und will „ein Ferkel“ von Jean-Pol, verbunden mit der Sorge, Jean-Pol könne nun ins Schweigen verfallen. (Ganz nebenbei: Ich halte das für eine völlig unbegründete Sorge
) Dörte schreibt (und es soll noch einmal jemand behaupten, Blogger seien introvertierte Einzelgänger, die von Vernetzung und Dialog keine Ahnung hätten, dieses Blogger-Twitter-Real-Life-Networking, das ich in den letzten Monaten erlebe, ist das glatte Gegenteil davon) – also, Dörte schreibt: [...]
Thema: Bildung, Kompetenzenförderung, Lernen und Lehren, Positionen, Pädagogik, Schlüsselkompetenzen, Unterricht, Wissenserwerb, lernen, vernetzen | Kommentare (9) | Autor: Herr Larbig
Samstag, 16. Mai 2009 0:42
Thema: Bilder, Fotografie, Frankfurt | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig
Donnerstag, 14. Mai 2009 23:16
Vorbemerkung
In diesem Beitrag finden sich zahlreiche Links auf Seiten, die hier verwendete Begriffe näher erklären oder erwähnte Schriften zugänglich machen, die gemeinfrei vorliegen. Damit versuche ich hier konsequent die Hyptertextstruktur des Internets zu nutzen: Begriffe, die erklärt werden müssen und bereits an anderer Stelle angemessen erläutert werden, werden hier nicht im Detail dargestellt: Einerseits soll so der Umfang des Artikels im erträglichen Maße gehalten werden und andererseits wird so der ständige Bezug auch des Wissens, an dessen Konstruktion ich mich beteilige, auf bereits vorhandenes Wissen in der Form des Beitrags widergespiegelt.
Der Mensch solle den Mut haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, schrieb Imanuel Kant 1784, zwei Jahre vor dem von vielen Forschern als Enddatum der Sturm-und-Drang-Epoche in der Literatur angenommenen Aufbruch Goethes zur Italienreise am 03. September 1786.
Kant, der oft als Begründer der Aufklärung gesehen wird, fasst in seiner Schrift in Wirklichkeit die Phänomene zusammen, im 17. und 18. Jahrhundert die gesamte Gesellschaft veränderten und das Ende des Feudalismus einleiteten.
Die Ratio, also die Vernunft, wird zum obersten Prinzip der Welterkenntnis und des Handelns in der Welt erhoben.
Der mit der Renaissance und dem Humanismus angestoßene Prozess der Entdeckung des Individuums wird hier konsequent weiter gedacht, was auch zur Folge hatte, dass die Empirie und und ein mechanistisches Weltverständnis die Oberhand gewannen.
Descartes hatte die Grundlage dieses Weltbildes, das von ständigem rationalen Zweifel gegenüber angenommenen Selbstverständlichkeiten des überlieferten Weltbildes geprägt war, bereits 1641 in dem berühmten Satz „Cogito, ergo sum“ zusammengefasst.
Es entwickelte sich eine „vernünftelnde“ Geisteshaltung, die sich in der theoretischen Beschäftigung mit Literatur vor allem in Gottscheds „Versuch einer critischen Dichtkunst“ ausdrückte und aus heutiger Sicht zu seltsam leblos wirkenden Gedichten und Theaterstücken führte.
Als Kant 1784 seinen berühmten Aufklärungstext schreibt, haben einige damals zwanzig bis dreißig Jahre alte Intellektuelle längst begonnen, einer Rationalität den Kampf anzusagen, die den Menschen nicht als ganzes Individuum wahrnimmt, das neben dem Verstand auch Gefühle und Leidenschaften als schaffende Kräfte in sich trägt. – So sehr die Epoche des Sturm-und-Drangs oft als eine Gegenbewegung zur Aufklärung gesehen wird: Im Grunde wird erst hier die gesamte Dimension der Schaffenskraft des Individuums über die Rationalität hinaus aufgeklärt.
An die Stelle des rein rationalen Denkers wird das Genie gesetzt, jenes Individuum, das aus sich selbst heraus mögliche Welten schafft.
Doch zunächst wurde das Genie nur beschrieben, wurden Autoren im Rückblick mit dem Attribut des Genies versehen, wie z.B. Shakespeare.
Der erste Autor, der den Geniegedanken für sein Werk fruchtbar machte, war Johann Wolfgang Goethe. Erich Trunz schreibt [...]
Thema: Deutsch Sek. II, Goethe, Ganymed, Goethe, Prometheus, Literaturgeschichte, Lyrik, Sturm und Drang, »Schul«-Lektüren | Kommentare (3) | Autor: Herr Larbig