Beiträge vom September, 2009

Kommentar zur Bundestagswahl 2009

Sonntag, 27. September 2009 21:06

Im Zentrum des Wahlabends steht die Erkenntnis reichlich vieler „schlechtester Ergebnisse seit Bestehen der Bundesrepublik“. Diese Aussage mag aus der Sicht der betroffenen Parteien (CDU, CSU, SPD) richtig sein. Doch bei genauer Betrachtung steht das Ergbnis nicht für etwas „schlechtes“, denn der Wählerwillen kann nichts „schlechtes“ sein, solange er sich der demokratischen Parteien zum Ausdruck dieses Willens bedient, sondern dafür, dass sich das Parteiensystem in Deutschland deutlich verändert hat.

Die  Volksparteien (CDU, SPD) erreichen gerade mal noch zwischen 56 und 57 Prozent, die bislang kleinen Parteien erreichen hingegen mittlerweile zwischen 43 und 44 Prozent der Wählerstimmen. Für mich ist dies ein deutliches Zeichen, dass die Volksparteien an zahlreichen Punkten an großen Teilen der Bevölkerung vorbei regiert haben, die sich nun den deutlich stärker profilierten kleineren Parteien zugewandt haben.

Der Abstieg der SPD hat sicherlich damit zu tun, dass diese Partei unter der Kanzlerschaft Gerhard Schröders reichlich Entscheidungen getroffen hat, die so eher von der CDU oder der FDP erwartet worden wären (Arbeitslosengeld z. B.) und in der Koalition mit der CDU kaum zu vermitteln vermochte, wo denn bitte sozialdemokratisches Profil im Regierungshandeln eine Rolle gespielt hat.

Aber auch die CDU hat eigentlich ein Wahldesaster erlebt, das nur dadurch überdeckt wird, dass sie weiter stärkste Partei bleibt und gemeinsam mit der FDP regieren kann. Hat es noch eine Rolle gespielt, dass Angela Merkel ihr Versprechen des Verzichts auf eine Mehrwertsteuererhöhung nach der Bundestagswahl 2005 gebrochen hat und der FDP hier mehr Glaubwürdigkeit zugesprochen wird? Hat die Wahlentscheidung damit zu tun, dass viele, die den Abbau von Freiheitsrechten durch SPD, Grüne und CDU seit 2001 nicht mehr mitmachen wollen, die FDP hier – trotz klarer Aussagen im Wahlprogramm der Grünen – für einen glaubwürdigen Garanten der Wiederherstellung von Freiheitsrechten halten?

Die Grünen haben mit knapp 10% ihr Ziel verfehlt, drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden. Statt dessen sind sie nun die kleinste im Bundestag vertretene Oppositionspartei. Vielleicht liegt dies daran, dass Wählerinnen und Wähler den Eindruck hatten, dass man bei den Grünen nicht so genau weiß, für was sie eigentlich noch stehen. So sehr sich die Mitglieder der Partei auch bemüht haben, dies den Wählern zu vermitteln, gelang es ihnen dennoch nicht, ein klares Profil zu entwickeln.

Dass von dem programmatischen Niedergang der SPD die Linke profitieren würde, war abzusehen. Längst hat die Sozialdemokratie das, was sie als Partei ausmachte, bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, sodass sie von vielen Wählern und Wählerinnen als kaum noch von der CDU unterscheidbar wahrgenommen wurde. Und Frank Walter Steinmeier stand als Kanzlerkandidat eher für die Linie Schröder als für klares Profil in Sachen sozialer Gerechtigkeit, trotz klarer Aussagen des SPD-Wahlprogrammes. Hinzu kommt, dass die Zerstrittenheit in der SPD, auch wenn sie im Wahlkampf nicht sichtbar wurde, nicht wirklich von der Partei in Richtung einer klaren, von allen gemeinsam vertretenen Linie hin aufgearbeitet wurde. Da ist die Frage der Öffnung zur Linkspartei, da ist die mangelnde Kontinuität im Parteivorstand, da sind die Probleme, die das Verhalten Andrea Ypsilantis nach der letzten hessischen Landtagswahl ausgelöst haben. Eine Partei, die in sich keine Einigkeit hat, kann kaum damit rechnen, dass ihr gerade in Krisenzeiten das Vertrauen entgegen gebracht wird, eine Führungskraft in Deutschland zu sein.

Doch gerade diese Krisenzeiten führen bei mir zu einem gewissen Erstaunen über das Abschneiden der FDP, steht doch diese Partei wie kaum eine andere für ein Wirtschaftssystem, in dem das Verhalten der Banken, das die aktuelle Krise mit ausgelöst hat, gefördert wurde. Es war in den vergangen Jahren die FDP, die wirtschaftspolitisch Positionen vertrat, die alles andere als günstig für die Arbeitnehmer waren. Und es zeichnet sich ab, dass bis heute von der FDP, abgesehen von dem Bereich der Bürger- und Freiheitsrechte, Positionen vertreten werden, die nicht gerade dem sozialen Ausgleich in der Bundesrepublik dienen.

Andererseits kann die FDP für sich in Anspruch nehmen, glaubwürdig zu sein. Und das verbindet sie mit den anderen im Bundestag vertretenen kleineren Parteien, auch wenn die Grünen damit in den vergangenen Jahren, an der einen oder anderen Stelle, an der sie sich entgegen vorhergehender Aussagen der CDU öffneten, Probleme hatten.

Und trotz dieser zumindest bei den kleinen Parteien vorhandenen Glaubwürdigkeit, hat dies die eigentliche „Katastrophe“ dieser Bundestagswahl nicht verhindert: 28 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung haben ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2009 verweigert. Das sind bei 62 Millionen Wahlberechtigten 17.000.000 Stimmen, die nicht abgegeben wurden. 17 Millionen Bürgerinnen und Bürger haben sich dem politischen Entscheidungsprozess der Wahl entzogen, haben sich dafür entschieden, dass ihnen der Wahlausgang egal ist. Oder handelt es sich um Bürgerinnen und Bürger, die ihr Vertrauen darauf verloren haben, dass sie und ihre Interessen in der Bundespolitik überhaupt noch berücksichtigt werden?

28 Prozent Nichtwähler – das ist die Herausforderung für alle Parteien. 28 Prozent Nichtwähler: Das ist die stärkste politische Kraft nach der CDU in diesem Lande! Und genau diese 28 Prozent gilt es nun, zurück in die politischen Entscheidungsprozesse der Bundesrepublik zu holen. Diese 28 Prozent müssen in der zukünftigen Arbeit von Regierung und Opposition als das, was sie sind, nämlich die zweitstärkste politische Kraft, wenn es auch die Kraft der Wahlverweigerung ist, ernst genommen werden.

Die Parteien müssen schauen, wie viele der Nichtwähler solche sind, die sie als ihre eigentlichen Anhänger und Anhängerinnen nicht mobilisieren konnten und dann intensiv daran arbeiten, hier wieder zu einer höheren Wahlbeteiligung zu kommen.

Was die nächsten Jahre bringen werden, kann vom heutigen Standpunkt aus nur vermutet werden. Vielleicht gelingt es der FDP, wenn sie es mit den Freiheitsrechten wirklich ernst nimmt, die Vorratsdatenspeicherung zu kippen, die Online-Durchsuchungen zumindest deutlich zu erschweren und die Internetsperren noch einmal kritisch zu hinterfragen. Es ist aber auch damit zu rechnen, dass der Kündigungsschutz gelockert werden wird, die Laufzeit von Atomkraftwerken verlängert und Regulierung der Wirtschaft als Folge der Finanzkrise lockerer ausfallen wird, als dies andere politische Konstellationen zugelassen hätten. Dies könnte dann aber auch dazu führen, dass die Profilierung der politischen Parteien wieder einfacher wird als zu Zeiten der großen Koalition. Doch gerade die SPD muss aufpassen, dass es ihr über die nun anstehenden Personaldebatten hinaus gelingt, ihr Profil zu schärfen, um nicht von der Linken irgendwann überrundet zu werden. Und die Grünen müssen klären, wie sie ihr Programm mit möglichen Koalitionsoptionen der Zukunft in Einklang bringen können.

Und das ist dann möglicherweise die gute Nachricht dieses Wahlabends: Nach dem langweiligsten Wahlkampf, an den ich mich erinnern kann, kann Politik nun wieder spannend werden, kann endlich wieder der politische Diskurs um langfristige Visionen lauter werden, der sich dann in zukünftigen Wahlen auch niederschlagen kann.

Welche Visionen können das sein?

  1. Welche Wirtschafts- und Sozialpolitik in Deutschland wollen wir?
  2. Wie kann es gelingen, aus der Schuldenfalle heraus zu kommen und somit auch finanziell wieder größeren politischen Handlungsspielraum zu haben?
  3. Mit welcher Konsequenz und mit welchen Antworten wird die Frage des Klimawandels und der damit verbundenen Energiepolitik beantwortet?
  4. Wie soll dafür gesorgt werden, dass Chancengleichheit in Sachen Bildung hergestellt wird und wir massiv das Problem des Mangels an Fachkräften angehen?
  5. Wird Deutschland weiter zum Präventionsstaat mit der damit verbundenen Überwachungsmentalität ausgebaut oder haben wir den Mut zur Freiheit?

Fünf Punkte, die sicher noch um einige mehr ergänzt werden können. Fünf Punkte, bei denen das heutige Wahlergebnis dazu führen kann, dass es in Deutschland wieder zu echten inhaltlichen Auseinandersetzungen kommt, die unter der großen Koalition doch sehr gelitten haben. Und für mich ist dies auch eine Botschaft des Wahlergebnisses: Der „Wählerwille“ will wieder Alternativen haben. Das sollte sich vor allem die SPD zu Herzen nehmen, darauf sollten die Grünen achten. Für die CDU und FDP besteht nun die Chance zu zeigen, dass sie koalierend nicht wieder in die Falle des Turbokapitalismusses tappen, der uns in die gegenwärtige Krise geführt hat.

Ja, diese Wahl zeugt von einem Wandel im Parteiensystem und ist doch auch die Rückkehr zu einer „bürgerlichen“ Koalition. Die kommende Legislaturperiode verspricht von daher, eine sehr spannende zu werden. Bleibt zu hoffen, dass alle demokratischen Parteien dies nutzen und Deutschland wirklich wieder zu einem Land der Visionen machen, um die im demokratischen Diskurs auch gerungen wird.

Verwandte Artikel

Thema: Lebenshilfe, Notizen | Kommentare (2) | Autor: Herr Larbig

Warum wählen toll und wichtig ist – Herrn Larbigs Wahlaufruf

Sonntag, 27. September 2009 1:54

Hallo!

ich freue mich wirklich, dass Sie hier sind und sich für meine Website interessieren. Aber bevor Sie jetzt weiterlesen: Habe Sie schon gewählt? Noch nicht? Dann aber los.

Der Wahlkampf war langweilig und Sie meinen, dass Politik langweilig sei? – Kann ja sein, aber Wahlen sind für die Demokratie lebenswichtig! Nutzen Sie Ihr Recht. Denn in Wirklichkeit war kaum eine Wahl so spannend wie die heute stattfindende: Vieles ist politisch in Deutschland in Bewegung, mehr als in diesem Wahlkampf wirklich sichtbar wurde.

Es schien ja alles so klar, bis zu dem Punkt, an dem 1. nicht mehr so klar ist, ob es für Schwarz-Gelb reichen wird. Und selbst 2. eine große Koalition könnte angesichts der prognostizierten Verluste der SPD keine Mehrheit mehr finden. Angesichts der Koalitionsaussagen von CDU, SPD, FDP, Linken und Grünen würde es dann super spannend: Welche Partei weicht von Ihren eigenen Aussagen vor der Wahl ab? Und gelingt es ihnen dennoch glaubwürdig zu bleiben?

Es kommt also, anders als noch vor ein paar Wochen gedacht, auf jede Stimme an. Und dabei sollte es vor allem um die Inhalte gehen, die Ihnen wichtig sind. Nur welche Partei vertritt die? Sie wissen es (noch) nicht? Dann probieren Sie doch mal den Wahlomat. Dort können Sie neutral angesichts von Thesen und Ihrer Meinung dazu testen, welche Partei Ihren Visionen am nächsten kommt.

Doch abgesehen von den parteipolitischen Verschiebungen in Deutschland: Wir brauchen dringend Antworten auf unglaublich viele Fragen:

  • Die zentrale Frage in einem Land, dass nur über wenige Rohstoffe verfügt, ist die Bildungsfrage. Da wird unglaublich viel drüber geredet und angesichts der Tatsache, dass in den Parlamenten doch überdurchschnittlich viele Lehrer und Lehrerinnen sitzen, sollte es doch möglich sein, hier endlich was zu erreichen.
  • Die sich ankündigenden Klimaveränderungen, die wir Menschen verursacht haben, sind die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Deutschland steht da gar nicht so schlecht dar. Aber welche Antworten werden wir weiter auf diese Herausforderung finden? Da gibt es bei den unterschiedlichen Parteien durchaus unterschiedliche Ansätze. Also: Welche Ansätze passen zu Ihren Visionen der Zukunft am besten?
  • In den vergangenen Jahren wurde die Frage des Verhältnisses von Sicherheit und Freiheit in Deutschland brennender denn je in den Jahren des Bestehens der Bundesrepublik. Wie stehen Sie dazu? In dieser Frage geben die unterschiedlichen Parteien sehr unterschiedliche Antworten! Welche passt zu Ihren Vorstellungen von freiheitlich-demokratischer Grundordnung?
  • Die Wirtschaftskrise ist noch nicht erledigt. Welche Wirtschaftspolitik wollen Sie?
  • Und welche Fragen sind für Sie sonst noch wichtig? Schauen Sie in den Programmen der Parteien oder mittels Wahlomat, wo Ihre Stimme Ihren Vorstellung von Zukunft am ehesten entspricht.

Wer etwas zu sagen hat, der sollte das nicht nur bei Freunden und Freunden oder sonst im persönlichen Umfeld tun, sondern das Instrument nutzen, dass uns in Deutschland zur Verfügung steht:

Bitte gehen Sie wählen!

Die Erststimme ist für Ihren Wahlkreiskandidaten: Wer da die Mehrheit hat, zieht in den Bundestag ein.

Die Zweitstimme bestimmt das Gewicht der Parteien im Bundestag.

Sollte eine Partei mehr Direktkandidaten in den Bundestag schicken können, als es die prozentuale Verteilung zulässt, kommt es zu Überhangsmandaten: Eine Partei kann dann also mehr Mitglieder in den Bundestag schicken, als es ihnen über die Zweitstimme eigentlich möglich wäre. Laut Verfassungsgericht muss dies zwar ab spätestens 2011 geändert werden, aber bei dieser Wahl gilt noch einmal die alte, nicht verfassungskonforme Regel. Ist zwar seltsam, ist aber so.

Glauben Sie bitte keinen Prognosen, die vor 18:00 über Twitter oder durch andere soziale Netzwerke gehen. Solche Nachrichten werden eingesetzt, um (illegalerweise!) noch am Wahltag Einfluss auf das Wahlergebnis zu nehmen. Aber Sie können doch selbst denken und brauchen solche Versuche der Beeinflussung nicht!

Das Wichtigste aber ist wirklich: Gehen Sie wählen!

  1. Nicht zur Wahl zu gehen, hat keinen Einfluss, da dennoch 100% der Sitze im Bundestag besetzt werden und eben nicht nur so viel Prozent wie auch Stimmen abgegeben wurden. Wer nicht wählt, lässt andere entscheiden und hat anschließend kein Recht, über das Wahlergebnis zu meckern!

  2. Stimmzettel ungültig machen bringt auch nichts, wenn allgemeine Frustration gegenüber den Parteien sichtbar gemacht werden soll. Ein ungültiger Stimmzettel ist so wenig wert, wie eine Wahlenthaltung.

  3. Die Partei, die Ihre Position am ehesten vertritt kommt Ihrer Meinung nach eh nicht in Bundestag. Warum also wählen gehen? Ganz einfach: Jede Partei, die über 0,5 % der abgegebenen Stimmen erhält, bekommt für jede Stimme Wahlkampfkosten erstattet. Sie bestimmen mit Ihrer Stimme also nicht nur über die Zusammensetzung des Parlamentes, sondern auch über die finanziellen Möglichkeiten der Parteien, die nicht im Bundestag vertreten sind. Es lohnt sich also auch dann wählen zu gehen, wenn Ihre Partei wahrscheinlich nicht in den Bundestag einziehen wird.

  4. Solange die Möglichkeit der Volksabstimmung auf Bundesebene so gering sind, wie sie es im Augenblick sind, besteht nur bei Wahlen, insbesondere bei Bundestagswahlen, die Möglichkeit, die eigene Stimme in das Konzert der Politik einzubringen. Wer also meint, die Bundestagswahlen seien unwichtig, verspielt seine Chance, seine eigene Position einzubringen. Und dabei haben Sie doch eine Meinung zur Politik oder?

Also, auch wenn dieser Wahlaufruf auch erst am Wahltag erscheint, so hätte er sich schon gelohnt, wenn er eine Person dazu bringt, das Recht auf Wahl auch zu nutzen. Vor allem dann, wenn in Ländern Wahlbetrug stattfindet oder Menschen ihre Freiheitsrechte nicht so ausüben können, wie es in Deutschland möglich ist, wird vielleicht klar, was für eine phantastische Möglichkeit der Nutzung von Freiheitsrechten wir in Deutschland haben. Nutzen Sie diese! Gehen Sie wählen.

Anders als in vielen anderen Blogs, gebe ich keine Wahlempfehlung und auch keine Auskunft über meine eigene Wahlentscheidung, die ich schon vor längerem per Briefwahl getroffen haben. Mir ist es als Lehrer, der der Verfassung verpflichtet ist, vor allem wichtig, dass Sie wählen gehen. Wählen ist eine tolle Sache. und ganz nebenbei: Es gibt durchaus Politiker und Politikerinnen, die auch außerhalb von Wahlkampfzeiten in sozialen Netzwerken (z. B. Twitter und Facebook) ansprechbar sind und nicht nur Pressemitteilungen verteilen. Nutzen Sie diese Chance, um ins Gespräch zu kommen! Ich bin der festen Überzeugung, dass solche Gespräche dazu beitragen, auch zwischen den Wahlen den kritischen Dialog mit (den zugegebenermaßen wenigen diese Netzwerke für den DIALOG nutzenden) Politikern und Politikerinnen zu führen. Doch völlig unabhängig davon und noch einmal: Bitte gehen Sie wählen!

Verwandte Artikel

Thema: Lebenshilfe, Notizen | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Just one more thing: The Past and the Future of Learning?

Donnerstag, 24. September 2009 0:16

Verwandte Artikel

Thema: Lebenshilfe, Medien, Medienkompetenz, Schlüsselkompetenzen, gefunden, lernen, vernetzen | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Zwischen Kompetenzen und Literacy oder: Ohne Inhalt keine Kompetenz

Sonntag, 20. September 2009 23:48

„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abhängige Mensch von Morgen“, fasst Maik Riecken die Grenzen und Gefahren eines vor allem auf Kompetenzen ausgerichteten Bildungsbegriffs zusammen. Und weiter schreibt Riecken:

„Kompetenzen fangen für mich immer mit dem Inhalt an – nie mit der Methode, nie mit dem Medium. Wir können nicht alles wissen. Das heißt aber nicht, dass wir kein Wissen mehr vermitteln sollten oder dass wir keines mehr brauchen.“ (Quelle)

Kompetenzen! – So lautet das neue Zauberwort, seit PISA 1 öffentlichkeitswirksam darstellte, dass es mehr und mehr Jugendliche (u. a. [sic!] in Deutschland) gibt, [...]

Verwandte Artikel

Thema: Kompetenzenförderung, Positionen, Pädagogik, Schlüsselkompetenzen, Unterricht, Wissenserwerb, lernen | Kommentare (15) | Autor: Herr Larbig

Bildungsorte: Das Städel zu Frankfurt am Main

Freitag, 18. September 2009 16:53

700 Jahre Kunstgeschichte in Schlüsselwerken – und in Zukunft wird es eine fast doppelt so große Ausstellungsfläche geben. Das Frankfurter Städel zählt zu den bedeutensten Museen der Welt und ist das Ergebnis eines sehr typischen Franfurter Phänomens: Ein Bürger hat es als Stiftung ins Leben gerufen und die Bürger Frankfurts haben es bislang am Leben erhalten und bauen es jetzt auch noch aus. 30 Millionen Euro wird die Erweiterung des Städels kosten – und man wird fast nichts von den neuen, sechs bis acht Meter hohen Hallen sehen, wenn sie erst einmal fertig sind.

Es ist ein Privileg, ein solches Museum quasi um die Ecke zu haben, in dem Werke der großartigsten Künstler der Kunstgeschichte ausgestellt sind und gepflegt werden. Das Privileg besteht nicht darin, dass Frankfurt hier etwas besonderes habe, sondern darin, dass solche Kunstwerke in ganz besonderer Weise die Kunst des Sehens auszubilden helfen.

Im Städel gibt es keine mittelmäßige Kunst – und wer mit diesen Bildern vor Augen groß geworden ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit später auch einen anderen Blick auf Bilder haben – egal ob auf Fotografien oder Gemälde.

Aber das Städel ist nicht nur als Museum ein Bildungsort, sondern auch als Kunstakademie mit der angegliederten Städelschule, die sich der Ausbildung von Nachwuchskünstlern verschrieben hat. Außerdem hat sich ein in unmittelbarer Nachbarschaft zum Städel liegendes Gymnasium mit dem Städel vernetzt und bietet in den Klassen 5 und 6 einen erweiterten Kunstunterricht an, der für die ästhetische Bildung der Kinder bedeutsam ist.

Für mich sind Museen und ihre in den letzten Jahren deutlich stärker wahrgenommenen museumspädagogischen Abteilungen neben Schulen zentrale Orte der Bildung. In der praktischen und reflektierenden Auseinandersetzung mit Kunst findet immer auch eine Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung von Welt zu unterschiedlichen Zeiten statt, die weit größere Zeithorizonte umfasst, als dies beispielsweise im Deutschunterricht von den Lehrplänen gefordert wird. Kunst fordert den Blick heraus, irritiert, verführt zum genauen Hinsehen. Und wenn Kinder, wie ich es selbst immer wieder erlebe, vor einem Bild stehen bleiben und sich völlig begeistert zeigen, dann ist das ein konkreter Ausdruck dessen, was Kunst und Museen so wichtig machen: Sie können begeistern, den Geist erweitern, den Blick schulen, zu einer eigenen künstlerischen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit führen. – Für mich sind das zentrale Aufgaben einer Bildung, die weit über das bloße Lernen im formal abprüfbaren Sinn hinausgeht. Es ist wunderbar, dass Deutschland zu den Ländern mit der höchstens Dichte an kulturellen Einrichtungen weltweit gehört. Möge deren Bedeutung – auch in Krisenzeiten! – nicht aus dem Blick verloren werden!

Verwandte Artikel

Thema: Bildung, Bildungsorte, Kompetenzenförderung, Schlüsselkompetenzen, Sinnlichkeit, Unterricht, lernen, vernetzen | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Rechtschreibung – wichtig und sekundär, oder: Vom Lesen und Schreiben

Freitag, 18. September 2009 1:36

Dieser Beitrag greift die Einsichten auf, die der Verfasser im Rahmen einer Fortbildung mit  Ingrid Naegele zu Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten gemacht hat. Zentrale Gedanken, denen ich hier meine eigene Ausdrucksform zu geben versuche, verdanke ich dementsprechend Ingrid Naegele, an deren reicher Erfahrung ich im Rahmen der Fortbildung partizipieren durfte.

Die Fähigkeit der Menschen, zu lesen und zu schreiben, hat die Welt verändert. Erst seit diese Kulturtechniken entwickelt wurden, ist ein „Gespräch“ über Raum und Zeit mit nicht anwesenden Menschen möglich. Menschen müssen nicht länger an einem Ort sein, um ihre Gedanken auszutauschen und so voneinander und miteinander zu lernen. Außerdem hilft uns die Fähigkeit des Lesens, mehr über das Leben zu früheren Zeiten zu erfahren als es für einen Nicht-Archäologen mittels archäologischer Funde möglich ist.

Das Ziel des Schreibens und des Lesens ist primär, Texte für nicht Anwesende zu verfassen und solche Texte in die eigene Auseinandersetzung mit der Welt und deren Wirklichkeit zu integrieren.

Dieses Ziel muss jedem vor Augen stehen, der in Bildungsprozessen mit dem Lesen und Schreiben zu tun hat – also nicht nur Deutschlehrern, sondern Lehrenden in allen Fächern der Schule, den Eltern und allen anderen an Bildungsprozessen beteiligten Personen und Institutionen.

Das Ziel für die Lernenden besteht in erster Linie also darin, [...]

Verwandte Artikel

Thema: Deutsch Sek. I, Grammatik, Kompetenzenförderung, LRS, Orthographie, Rechtschreibung, Schlüsselkompetenzen, Sprache, Unterricht, lernen, lesen, schreiben | Kommentare (2) | Autor: Herr Larbig

Verbesserungen für den mobilen Zugriff auf herrlarbig.de

Mittwoch, 16. September 2009 19:28

Vernetzung hat auch mit Zugänglichkeit zu tun. Aufgrund der immer weiteren Verbreitung mobiler Internetzugänge auf Smartphones und PDAs, habe ich meiner Website http://herrlarbig.de nun ein Theme spendiert, das automatisch bei mobilem Zugriff via Smartphone / PDA  lädt (laden sollte – ist noch in der Testphase = Rückmeldungen sehr erbeten!) Nach meinen eigenen ersten Tests wird das Blog so viel lesbarer und zugänglicher – vernetzungsfreundlicher eben… (Das Theme für WordPress findet sich unter http://wordpress.org/extend/plugins/wptouch/ )

Verwandte Artikel

Thema: herrlarbig.de, über herrlarbig.de | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Herr Larbig im Gespräch mit der Bildungsexpedition 2009

Dienstag, 8. September 2009 0:25

Fünf Expeditionsteilnehmer, eine Menge miniaturisierte Technik und so ziemlich alle kostenfrei verfügbaren Vernetzungsdienste, die es im Internet gibt: So kam die Bildungsexpedition 2009 am 01. September 2009 auch nach Frankfurt. Und selbst nach einer Fahrt von München über Kassel nach Frankfurt am Main, lud die Expedition zum „Get Together“ am Abend.

So kamen wir um 21:30 in einem Thai- und Pizzaimbiss an der Mainzer Landstraße zusammen, aßen, plauderten, tauschten uns aus. Kurz nach 22:00 holte Lutz Berger dann sein Telefon heraus, stellte eine Verbindung zu 1000mikes.com her und dann wurde ich in ein Interview verwickelt, das live on Air mitverfolgt werden konnte (wie so ziemlich alle Begegnungen der Bildungsexpedition, in deren Rahmen ich echt Hochachtung vor all den engagierten Bildungsmenschen in Deutschland bekommen habe, die dort vorgestellt wurden). Und selbstverständlich steht das Interview auch als Archivbeitrag zur Verfügung.

Aber es wären nicht Leute wie Lutz Berger und Christian Spannagel in einem Team, wenn nicht selbst noch ein solches Interview am Abend interaktiv wäre. Und so saßen da Melanie Gottschalk, Bastian Hirsch, Christian Spannagel und Lutz Berger mit ihren Taschencomputern um uns herum und twitterten mit einigen Hörern und Hörerinnen live zum Interview, sodass auch diese Kommentare und Fragen direkt in das Gespräch einfließen konnten. – Danke euch und Ihnen allen für die Rückmeldungen, Kommentare, den Applaus etc…

Von meiner Seite her war das Interview nicht geplant; von Seiten der Expedition war dieses Interview wohl weit mehr geplant, als ich ursprünglich annahme, wie ich nach dem Gespräch (natürlich via Twitter) erfuhr. Dementsprechend viele unterschiedliche Themen wurden angesprochen und im Zentrum stand weniger ein Projekt, wie bei den meisten anderen Interviews und Videoaufzeichnungen, sondern ein Strom an Assoziationen – sowohl bei mir als auch bei den Interviewenden. Knapp eine Stunde ging das so, ohne dass ich bemerkt hätte, wie die Zeit verging.

Und doch hatte das Interview einen roten Faden, der darin bestand, dass ich mich als Lehrer mit anderen Lehrern und anderen an Bildungsprozessen Beteiligten Leuten vernetzt habe. Auch wenn man am Anfang meinen könnte, es gehe um vernetzte Theologen, so war dieser Einstieg doch eher Zufall, weil – natürlich über Twitter – natürlich über Twitter – gerade an diesem Abend Br. Paulus Terwitte auf die Bildungsexpedition aufmerksam wurde und mit uns twitterte, was die Expeditionsteilnehmer doch sichtlich begeistert hat, sodass dieses Thema, über das wir gerade noch offline gesprochen hatten, nun also zum Einstieg unseres Gesprächs wurde.

Da wir im Verlauf des Interviews einmal das Telefon wechseln mussten, gibt es das Gespräch in zwei Teilen. Und wer es ganz hören will, sollte sich nun eine Stunde Zeit nehmen – ob sich das lohnt, müssen dann andere entscheiden:

Interview mit dem vernetzten Lehrer Torsten Larbig in Frankfurt, Teil 1 – 45 Minuten:

 

(Als MP3 ohne Flashplayer)

Interview mit dem vernetzten Lehrer Torsten Larbig in Frankfurt, Teil 2 – 16 Minuten:

 

(Als MP3 ohne Flashplayer)

Aber dieses Interview ist natürlich nur ein winziger Teil der für mich in allen anderen Teilen höchst spannenden Expedition, die im Spätsommer 2009 schlaglichtartig erhellte, wie lebendig die Bildungslandschaft in Deutschland ist. Die Bildungsexpedition hat Spuren hinterlassen, die unter folgenden Links zu finden sind:

Und da die Expedition selbst hochgradig vernetzt ist, hier noch eine ganze Reihe an Links, hinter denen Menschen stehen, die als „Stimmen aus dem Off“ die Expedition bis jetzt begleitet haben:

Verwandte Artikel

Thema: Audio, Bildung, Herr Larbig, Notizen, Schlüsselkompetenzen, Wissenserwerb, herrlarbig.de, lernen, vernetzen, über herrlarbig.de | Kommentare (5) | Autor: Herr Larbig

Bildungsexpedition D 2009

Dienstag, 1. September 2009 17:01

Liegt in Deutschland die Bildung am Boden? Resigniert das Rotstift-Milieu? Ist die Bildungsrepublik nur ein frommer Wunsch, ein Wahlkampfthema? Lernen Schüler vor allem, wie man andere in Online-Games umbringt? Empfinden Professoren die Lehre nur als lästige Pflicht, die sie vom Forschen abhält? Und wie steht es mit dem Lebenslangen Lernen? Alles nur Sonntagsreden?“

Sie glauben das nicht, sie machen sich auf den Weg, die Reisegefährten der Bildungsexpedition D 2009. Und was sie auf ihrem Weg alles entdecken (vom 31.8–9.9.2009 sind sie unterwegs), dokumentieren sie auch fleißig, sei es in Videos, im Blog, auf der Website, mit Live-Streams, via Twitter etc.

Wer also wissen will, was es in Deutschland neben all dem Gejammere an Bildungsaktivitäten auch gibt, der sollte die Bildungsexpedition nicht verpassen.

Das nur mal nebenbei.

Verwandte Artikel

Thema: Bildung, Medienkompetenz, Notizen, Web 2.0, vernetzen | Kommentare (3) | Autor: Herr Larbig