Wie kommen Bücher zu mir / zu dir / zu Ihnen als Leser?

Ich stelle mir vor, über das ganze Land verteilt sitzen Literaturkritiker in ihren Kämmerlein und lesen Neuerscheinungen.

Ich stelle mir deren Arbeitsplatz als ein ganz besonders gemütliches Sitzmöbel vor.

Dort sitzen sie dann, neben sich auf einem Tisch oder auf dem Boden gestapelt die neuesten Rezensionsexemplare gerade erst gedruckter Bücher – der Geruch nach frischer Druckerschwärze ist noch stark ausgeprägt.

Sie lesen und lesen und lesen; zwischendurch aber stehen sie kurz auf, setzen sich an ihren Schreibtisch und verfassen ihre Rezensionen.

Wie kommen Bücher zu mir / zu dir / zu Ihnen als Leser (mp3)

Es ist die Zahl an Literaturbeiträgen, die ich in meinem Podcast-Abonnement des Büchermarktes auf dem Deutschlandfunk gefunden habe, die mich zu solchen Vorstellungen gebracht hat. – Ich habe angefangen, diese meistens aus Rezensionen bestehenden Beiträge zu hören – manchmal sind auch Lesungen dazwischen, in denen dann Autorenstimmen zu hören sind.

Die Bandbreite der vorgestellten Bücher reicht von medizinkritischen oder philosophischen Essays über anspruchsvolle Romane bis hin zu als lesenswert empfohlenen historischen Romanen, Liebesgeschichten und Reportagen.

Während ich diese Podcastfolgen hörte, kam mir die Frage in den Kopf, nach welchen Kriterien ich eigentlich auswähle, welche Bücher ich lesen will und welche Bücher ich mir kaufe, denn alle im Blick zu behalten ist nun einmal nicht möglich.

Diese Frage stelle ich auch den Leserinnen und Lesern meines Weblogs: Nach welchen Kriterien wählst du / wählen Sie eigentlich die Bücher aus, die du / Sie lesen und / oder anschaffen willst / wollen?

Ich könnte die Frage auch umgekehrt stellen: Welche Wege müssen Bücher eigentlich gehen, damit sie bei dir / Ihnen ankommen können?

Die Frage stelle ich, weil mir aufgefallen ist, dass es mir selbst gar nicht so leicht fällt, diese Frage zu beantworten. Ein paar Ideen sind mir gekommen, die ich hier nicht vorenthalten will.

Zunächst einmal gibt es Autoren und Autorinnen, die mir vertraut sind, deren Werk ich möglicherweise ansatzweise kenne und schätze. Wenn es sich um lebende Autoren handelt, so beobachte ich natürlich, was es da an Neuerscheinungen gibt. Wenn das Werk bereits abgeschlossen ist, dann lese ich durchaus auch einmal Texte über diese Texte (Sekundärliteratur), um mich zu orientieren.

Neben Autoren und Autorinnen, die mich interessieren, stehen die Klassiker der deutschen und der Weltliteratur. Diese nehme ich, meistens ein wenig von meiner Stimmung geleitet, immer wieder in die Hand: Ich schmökere in den Gedichten von Goethe, gönnen mir eine Stunde mit einer der wunderbaren Geschichten aus Boccaccios „Decameron“, wandere ein wenig durch die Geschichte der deutschen Lyrik et cetera.

Ein dritter Weg, auf dem neue Bücher zu mir finden, besteht darin, dass ich mich auf den Weg in eine Buchhandlung begebe und dort einen Blick in die Neuerscheinungen werfen. Fällt mir dann ein Werk auf, so beobachte ich, ob sich das Interesse eine Weile halten kann – manchmal lege ich es auch wieder zurück und denke bei mir, dass ich es beim nächsten Besuch in der Buchhandlung noch einmal anschauen werde – und überlege dann, ob ich denn in absehbarer Zeit Zeit zum Lesen habe, Zeit zur Beschäftigung mit einem bislang unbekannten literarischen Werk finden werde, einem Sach- oder Fachbuch oder zum Beispiel auch einmal einer Reisebeschreibung.

Die meisten mir bis dahin unbekannten Bücher kommen tatsächlich über Literatursendungen im Radio in den Horizont meiner Aufmerksamkeit. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es im Radio so viele unterschiedliche Stimmen von Kritikern und Kritikerinnen gibt. Das ist anders als im Fernsehen, in dem es erstens weit weniger Literatursendungen gibt und zweitens entsprechend nur wenige Literatur kritisierende Gesichter. (Manchmal will es mir so scheinen, als habe das Fernsehen Angst, dass zu viele Literaturvorstellungen zu ihm als Unterhaltungsmedium eine Konkurrenz aufbauen könnten; wahrscheinlich ist das aber nur eine Verschwörungstheorie :-D)

Ich merke den Stimmen der Kritker und Kritikerinnen im Radio überraschend häufig überraschend schnell an, ob sie von einem literarischen Werk gepackt wurden oder ob es sie kalt gelassen hat. Außerdem mag ich es einfach, wenn in Kritikergesprächen die Rezensenten einfach so ins Erzählen kommen und eben keinen vollständig vorgeschriebenen Beitrag alleine im Studio vorproduzieren.

Ich hab vorhin ca. 45 Minuten lang Beiträge der Sendung „Büchermarkt“ des Deutschlandfunks gehört und habe jetzt schon wieder vier Bücher auf meiner inneren Liste stehen, die ich mir demnächst wohl einmal anschauen werde. – Von dem einem oder dem anderen werde ich dann wohl auch hier berichten.

Und jetzt bist du / sind Sie dran: Wie kommst du / kommen Sie zu Büchern, die gelesen werden? – Ich bin neugierig… :-)

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2 Gedanken zu „Wie kommen Bücher zu mir / zu dir / zu Ihnen als Leser?

  1. murmel

    Das ist eine schöne Frage. Meine Bücher kommen auch über verschiedene Wege zu mir.

    Ich lese sehr viel Reise-, Länder/Geologie-, Freizeitliteratur (Kanu/Motorrad). Die gibt es oft bei kleineren spezialisierten Verlagen, bei denen ich regelmäßig schaue, was es Neues gibt. Oder sie werden auf den themenorientierten Websites beworben.

    Viele Bücher habe ich in letzter Zeit über http://fuenfbuecher.de/ gefunden. Entscheidend ist, wie stark mich der dort vorstellende Mensch anspricht. Da hab ich schon Bücher blind gekauft und war sehr zufrieden.

    Immer wieder passiert es, dass ich einen Autor mag und dann gleich weitere Bücher von ihm lesen will. Aktuell war das bei Carlos Ruiz Zafón, Kristin M. Baldursdóttir “Die Eismalerin” und “Die Farben der Insel” und Walter Moers “Das Labyrinth der Träumenden Bücher” so. Manchmal enttäuschen weitere Bücher, aber bei diesen 3 war’s gut :-)

    Und dann hab ich noch den kleinen Buchladen im Ort, bei dem ich regelmäßig reinschaue und durch die Büchertische stöber. Selten finde ich direkt etwas für mich, meistens bestelle ich dort. Bei ama*on finde ich über die Themensuche immer wieder alte Schätzchen, die ich mir dann gebraucht bestelle.

    Und ja: ich habe zu viele Bücher und jede Menge, die auf’s Gelesenwerden warten. Neuerdings schaffe ich auch, Bücher zu verkaufen. Ich verschenke gerne gelesene, auch an Schüler. Am Schuljahresende bringe ich oft einen Stapel mit und die werden gerne genommen. Wir haben auch ein Tauschregal in der Schule, das ganz gut genutzt wird. Manche Bücher, v.a. die Freizeitliteratur, konsumiere ich einfach. Andere, wie Zafon, fesseln mich so sehr, dass ich Nächte durch lese oder am Ende nochmal von vorn anfange. An manchen knabber ich wochenlang. Ganz selten lasse ich angelesene Bücher liegen. Ich fühle mich wohl zwischen Bücherregalen, schaue über die Rücken und erinnere mich (hoffentlich) an den Inhalt. Damit ist auch gleich die Frage beantwortet “Was passiert mit Ihnen wenn sie im Haus sind?”.

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  2. Damian Duchamps

    Die meisten Bücher finde ich über Empfehlungen in Blogs oder durch Podcasts, in welchen der Autor vielleicht sogar selbst interviewt wird. Das sind dann oft sehr neue Bücher, die ich direkt vorbestelle. Besonders gerne folge ich den Empfehlungen von Cory Doctorow im Blog BoingBoing. In Buchläden gehe ich nur noch virtuell, und mein Buchladen heißt Amazon. Ich lese mittlerweile 90% aller Bücher auf dem Kindle. Staubfänger sammle ich nicht mehr (Ausnahme: gute Fotobände). Wenn ich einen Autoren mag, schaue ich natürlich auch, welche Bücher es sonst noch gibt, die er oder sie geschrieben hat.

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