Kategorie-Archiv: Deutsch Sek. I

Doenerspieß1

Fleisch am Spieß oder: Das s-Problem bei Fleisch und Co

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Fleisch am Spieß oder: Das s-Problem bei Fleisch und Co von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Eigentlich wollte ich jetzt in aller Gemütlichkeit und mit Genuss, ich habe nämlich gerade bei einem der – so schreiben es zumindest zwei Frankfurter Stadtmagazine – besten Chinesen Frankfurts gegessen, über eine Speisekarte herfallen, auf der Stahl zu Fleisch wird und das mit den 100 Prozent mathematisch nicht ganz aufgeht.

Leider ist das nicht so einfach. Deshalb jetzt zunächst der Bildbeweis, von dem ausgehend das Problem begann:

Natürlich ist der Drehspieß nicht aus 100% Fleisch, sondern aus Stahl. Aber gut, der Spießbraten ist in der deutschen Sprache existent und führt nicht zu einer Eisen-Überversorgung. Es kann also zumindest vermutet werden, dass die bezweckte Aussage erreicht wird. Damit hätte die Sprache ihr Ziel erreicht, nämlich eine zentrale Form der Kommunikation darzustellen.

Richtig glücklich bin ich mit diesem Zugeständnis dennoch nicht, ist es doch das Fleisch am Spieß, von dem behauptet wird, es handele sich um 100%iges Fleisch. Sei’s drum, freundlich gelächelt, über die in deutscher Sprache schnell fehlgehenden Bezüge zwischen Wörtern und darauf gewartet, dass endlich der Döner kommt.

Dieser Döner sollte laut Speisekarte, zumindest auf den ersten Blick und bezogen aus dem Fleischanteil; aus 100% Kalbsfleisch bestehen. Gänsehaut. Kalb_s_fleisch. Natürlich heißt das Kalb-Fleisch, nie und nimmer Klab-s-fleisch. Ist doch wohl klar.

Mit den Rechtschreibwörterbüchern deutscher Sprache bin ich mir da einig. Mit den Nutzern des Internets hingegen weniger, denn vor allem in Kochrezepten ist das „Kalb-s-fleisch” durchaus ein verbreitetes Phänomen.

Ein Satz, zwei Ansatzpunkte für den Sprachkritiker. Wunderbar.

Oder so ähnlich, denn in diesem Moment tauchte auf meiner Schulter ein kleines Kalb mit Hörner wie die eines kleinen Teufelchens auf, gab ein schwaches Muh-Geräusch von sich und raunte mir zu, dass es doch Kalb-s-lber heißen müsse und nicht etwa Kalb-leber, es außerdem Klab-s-schnitzel gäbe, aber eben keine Kalb-schnitzel, auch wenn Suchmaschinen wieder genügend überzeugte Nutzer des Wortes „Kalbschnitzel“ findet.

Was ist hier los?

Das Problem liegt (wieder einmal) beim Genitiv. Auf den ersten Blick mag es logisch scheinen, dass Fleisch, das vom Kalb genommen ist, des Kalbs Fleisch ist. Nur leider hilft diese Logik nicht weiter, denn spätestens beim Rindersteak sieht auch die Suchmaschine die Nutzer des Wortes „Rindssteak“ in signifikanter Unterzahl. Es ist auch kein Lamm-s-karree, welches das zartes Fleisch des Lamms bezeichnet, sondern eindeutig das Lammkarree.

Weitere Tiere und deren Namen auf dem Speiseplan: Ja, es heißt Hering-s-filet, aber es heißt ebenso Schollenfilet und nicht etwas Schollen-s-filet; im Herbst gibt es bei Wildbretfans Hirschbraten, aber nie und nimmer Hirschsbraten.

Wenn die deutsche Sprache hier mal konsequent wäre und das Genitiv-s dort einsetzen würde, wo es naheliegt. Aber dummerweise haben wir es bei den hier genannten Wörtern ja nicht einmal mit Genitiven im klassischen Sinne zu tun, sondern mit zusamengesetzten Wörtern, mit Komposita. Da sehen manche Vorderwörter tatsächlich so aus, als wären sie Genitive. In Wirklichkeit werden in zusammengesetzten Wörtern selbst aber in den seltensten Fällen Besitzverhältnisse geklärt.

Das „s“ ist in Komposita ein Fugenelement, trägt sozusagen zu einer haltbaren Verbindung der in das Wort eingebrachten Wörter bei. Diese Fugenlaute haben sich im Laufe der Sprachgeschichte heraus gebildet. Teilweise gibt es da sogar deutliche regionale Unterschiede – aber nicht beim Kalbfleisch, um wieder am Ausgangspunkt der Überlegungen anzukommen.

Der Verfasser der Speisekarte in diesem Dönerladen hat sich offensichtlich etwas dabei gedacht, als der fälschlicherweise „Kalbsfleisch“ schrieb. Und dass er den Spieß sprachlich fleischlich sein lässt, möge die Lust auf das Fleisch, nicht zu verwechseln mit der Fleischeslust ;-) , nicht mindern.

Doch wenn dann 100% Kalbfleisch angepriesen werden, während keine 20 Zentimeter entfernt dann folgendes steht, dann kann einem schon mal Zweifel daran kommen, dass der Verfasser dieses Speisekartenhandzettels wirklich weiß, was 100% eigentlich bedeutet. Aber sehen sie selbst:

Da haben wir wieder den fleischlichen Drehspieß. Doch das Fleisch, dass auf den Drehspieß kommt, kann nicht 100% Kalbfleisch sein, wenn da noch andere Zutaten drinnen sind. – An dieser Stelle verging mir dann auch das Lachen und die Frage tauchte auf, ob hier dann vielleicht doch der Kunde ein wenig an der Nase herumgeführt wird. Aber das ist kein sprachliches Phänomen mehr, sondern ein Problem inhaltlicher Art, das eher in den Kompetenzbereich des Verbraucherschutzes als den Sprachbetrachteres gehört.

 

Gefunden – Vom Autor zum Buch. Früher.

Was es alles an kleinen Männchen in Computern und zugehörigen Druckern geben muss, um heute all diese Druckwerke zu erstellen. Ja, auch die Bücher in der Buchhandlung werden heute mit Computern erstellt. Das war nicht immer so. Hier ein Film auf Englisch, den ich bei YouTube entdeckt habe. Ich finde ihn spannend und in Kombination mit dem Sprecherkommentar aus dem Off sogar ein wenig lustig.

Zu Zeiten, in denen so viele Menschen an Büchern arbeiteten, hätte ich übrigens nachvollziehen können, wie der Preis von Büchern entsteht und warum ein Autor davon nur ein Bruchteil erhält. In digitalen Zeiten ist das Autorenhonorar nicht gestiegen, aber der Preis von Büchern mindestens gleich geblieben. Wenn aber weniger Menschen nötig sind, die Bücher zu erstellen, was passiert mit dem Geld?

Das nur als kurze Überlegung, jetzt aber: „Making Books is Fun! (to Watch):

Das Verb, der Satz, die Kommaregeln

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Das Verb, der Satz, die Kommaregeln von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Jeder Satz, das gilt nicht nur für die deutsche Sprache, wird von einem Verb getragen.

Diese Regel gilt sowohl für Haupt- als auch für Nebensätze.

Nur wenn jemand auf die Idee kommt, Verben aufzuzählen, kommen in einem Satz mehrere Verben vor. Solche Aufzählungen von Verben sind aber eher selten anzutreffen. Ein Beispiel für eine solchen Satz:

Das Kind lief, lachte und keuchte durch die Straße.

Da Aufzählungen eher weniger zu Problemen bei der Zeichensetzung führen, um die es hier auch gehen soll, sei diese Möglichkeit erwähnt, aber an dieser Stelle nicht näher in den Blick genommen.

Um Hauptsätze und Nebensätze zu unterscheiden, lohnt es sich in der Regel einen Blick auf die Verben in einem Satz zu werfen. Das bedeutet aber auch, dass die Verben bei der Zeichensetzung hilfreich sein können, wenn jemand mit dieser Probleme hat.

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Duden, Wahrig, Pons, Canoo: Wörterbücher online nutzen. Ein Praxistest

Früher hatte man immer mindestens ein Rechtschreib- und ein Fremdwörterlexikon auf dem Schreibtisch stehen. Duden, Wahrig und bei den Fremdsprachen kamen noch Langenscheidt oder Pons dazu. Was ist aus diesen kommerziell von Verlagen betriebenen Wörterbüchern im Internet geworden? Sind sie im Netz angekommen oder vertraut man in den Verlagen nach wie vor alleine auf Bücher und den Verkauf von CD-Roms mit Programmen, die dann das Wörterbuch zugänglich machen? Und wenn es Angebote im Netz gibt, wie bewerte ich diese? Herrn Larbigs kleinerTest digitaler Online-Wörterbücher mit den „berühmten Namen“ der Branche:

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Kreatives Schreiben in der Schule

Kleinere Kurse im kreativen Schreiben gebe ich seit einigen Jahren immer wieder einmal. Ich habe zwar kein Zertifikat, dass ich das kann, aber zum Glück traut man einem Deutschlehrer in der Regel zu, dass er unter Umständen weiß, was er tut, wenn er nicht nur Texte dem übenden Analyseskalpell der Schüler und Schülerinnen zuführt, sondern auch die künstlerische Seite des Schreibens in den Blick nimmt.

Schreiben als Kunst, deren Gegenstand die Literatur ist, verstehe ich Weiterlesen

Gedichtinterpretation: Lessings „Lob der Faulheit“

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Gedichtinterpretation: Lessings „Lob der Faulheit“ von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Lessing?

Klar. Das ist doch der mit der Ringparabel aus „Nathan der Weise“.

Lessing hat Emilia Galotti geschrieben und ein umfassendes Werk zur Dramturgie.

Lessing? – Ein fleißiger Dichter. Und dann, im Jahre 1751, das:

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

Lob der Faulheit (1751)

Faulheit, jetzo will ich dir Auch ein kleines Loblied bringen. - O — – wie — – sau — – er — – wird es mir, — – Dich — – nach Würden — – zu besingen! Doch, ich will mein Bestes tun, Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Höchstes Gut, wer Dich nur hat, Dessen ungestörtes Leben – Ach! — – ich — – gähn — – ich — – werde matt — – Nun — – so — – magst du — – mir`s vergeben, Dass ich Dich nicht singen kann; Du verhinderst mich ja dran.

Lessing ist 22 Jahre.

Er ist noch Student, als der dieses Gedicht verfasst.

Aber es ist ihm schon gelungen, sich mit Voltaire zu überwerfen, der immerhin als einer der wichtigsten Denker der Aufklärung gilt – und 1751 am Hofe Friedrichs II. weilte.

Zu dieser Zeit hatte sich Lessing schon entschieden, Weiterlesen

Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht

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Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Es ist das bekannteste Weihnachtslied der Welt, in über 300 Sprachen übersetzt, gesungen mit der Melodie Franz Xaver Grubers.

Beginnt man, Suchmaschinen nach Interpretationen zu diesem berühmten Text zu befragen, tauchen viele musikalische Interpretationen auf. Aber was ist mit dem Text?

Vorne weg: Ich werde hier keine Detailinterpretation der einzelnen Strophen schreiben, werde mich nicht dazu auslassen, dass das Originalgedicht (!) sechs Strophen hatte, die heute gesungene Version aber nur drei hat etc. Hier versuche ich eine grundsätzliche Einordnung des Textes, mit dem Ziel, den Text zumindest ein wenig aus der Kitschecke heraus zu holen. Damit will ich nicht behaupten, dass der Text sich bei näherer Betrachtung plötzlich in großartige Literatur verwandeln würde, das passiert selbst bei sehr genauer Analyse des Textes nicht. Im Zusammenhang seiner Entstehungszeit kann aber verständlich werden, warum der Text in seinen Grundzügen so ist, wie er ist.

1816 entstanden, wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ 1818 erstmals aufgeführt.

Sprechen wir heute davon, dass Weihnachten ein romantisches Fest sei, so liegen wir mit dieser Äußerung goldrichtig.

Weihnachten, wie wir es heute kennen, fand in Grundzügen seine Prägung Weiterlesen