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	<title>herrlarbig.de &#187; Gedichte</title>
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		<title>Gedichtinterpretation: Lessings „Lob der Faulheit“</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 17:20:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gedichtinterpretation: Lessings „Lob der Faulheit“ von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Lessing? Klar. Das ist doch der mit der Ringparabel aus „Nathan der Weise“. Lessing hat Emilia Galotti geschrieben und ein &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/04/04/gedichtinterpretation-lessings-lob-der-faulheit/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type"> Gedichtinterpretation: Lessings „Lob der Faulheit“</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=5953" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Lessing?</p>

<p>Klar. Das ist doch der mit der <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/les/les_dram/les_nathan/nathan_text/les_nathan_txt_3.7.htm" target="_blank">Ringparabel</a> aus „Nathan der Weise“.</p>

<p>Lessing hat <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KLyA_XmYdws" target="_blank">Emilia Galotti</a> geschrieben und ein <a href="http://www.zeno.org/http://www.zeno.org/Literatur/M/Lessing,+Gotthold+Ephraim/%C3%84sthetische+Schriften/Hamburgische+Dramaturgie" target="_blank">umfassendes Werk zur Dramturgie</a>.</p>

<p><a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Lessing/Biographie/Seite1" target="_blank">Lessing</a>? – Ein flei&#223;iger Dichter. Und dann, im Jahre 1751, das:</p>

<p>Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)</p>

<p>Lob der Faulheit (1751)</p>

<p>Faulheit, jetzo will ich dir</br>
Auch ein kleines Loblied bringen. -</br>
O &#8212; &#8211; wie &#8212; &#8211; sau &#8212; &#8211; er &#8212; &#8211; wird es mir, &#8212; &#8211;</br>
Dich &#8212; &#8211; nach W&#252;rden &#8212; &#8211; zu besingen!</br>
Doch, ich will mein Bestes tun,</br>
Nach der Arbeit ist gut ruhn.</p>

<p>H&#246;chstes Gut, wer Dich nur hat,</br>
Dessen ungest&#246;rtes Leben &#8211;</br>
Ach! &#8212; &#8211; ich &#8212; &#8211; g&#228;hn &#8212; &#8211; ich &#8212; &#8211; werde matt &#8212; &#8211;</br>
Nun &#8212; &#8211; so &#8212; &#8211; magst du &#8212; &#8211; mir`s vergeben,</br>
Dass ich Dich nicht singen kann;</br>
Du verhinderst mich ja dran.</p>

<p style="text-align: left;">Lessing ist 22 Jahre.</p>

<p style="text-align: left;">Er ist noch Student, als der dieses Gedicht verfasst.</p>

<p style="text-align: left;">Aber es ist ihm schon gelungen, <a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Lessing/Biographie/Seite2" target="_blank">sich mit </a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Voltaire" target="_blank">Voltaire</a> zu &#252;berwerfen, der immerhin als einer der wichtigsten Denker der Aufkl&#228;rung gilt – und 1751 am Hofe Friedrichs II. weilte.</p>

<p style="text-align: left;">Zu dieser Zeit hatte sich Lessing schon entschieden,<span id="more-5953"></span> dass er Schriftsteller werden wolle. Und dass er es sich mit Voltaire verscherzt hatte mag ihn dabei kaum gek&#252;mmert haben, denn streitbar war Lessing durchaus, wie in dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fragmentenstreit" target="_blank">Streit mit dem Hamburger Hauptpfarrer Goeze</a> noch einmal deutlich wurde, aus dem immerhin ein Teil der Motivation zum Schreiben des Nathans hervorgegangen ist.</p>

<p style="text-align: left;">Und so ein flei&#223;iger Autor schreibt dieses kleine „Lob der Faulheit“. Wer auch sonst? Denn schaut man genau hin, so ist die Ironie, die diese heiteren Zeilen vorantreibt, kaum zu &#252;bersehen. Diese Ironie ist nicht blo&#223; inhaltlicher Art, auch die Form beteiligt sich daran, dass dieser Eindruck entsteht.</p>

<p style="text-align: left;">Zwei Strophen mit je sechs Versen, von denen die jeweils ersten vier &#252;ber Kreuz und die letzten zwei paarig gereimt sind. Hinzu kommt die Konsequenz des gleichm&#228;&#223;ig durchgehaltenen alternierenden Rhythmus in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Troch%C3%A4us" target="_blank">troch&#228;ischer</a> Form, wobei die Verse 2, 4, 8 und 10 mit klingender (weiblicher) <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kadenz_%28Verslehre%29" target="_blank">Kadenz</a> , die restlichen acht Verse hingegen mit stumpfer (m&#228;nnlicher) Kadenz enden.</p>

<p style="text-align: left;">Dieses Gedicht ist kunstvoll gebaut und gleichzeitig von „Faulheit“ gepr&#228;gt, bewegt es sich doch sehr gleichm&#228;&#223;ig, ohne gro&#223;e Spielereien. Auf den nach vorne dr&#228;ngenden Jambus wird verzichtet, der etwas zur&#252;ckhaltendere, „bremsende“ Troch&#228;us gew&#228;hlt. Alle Verse haben exakt vier Hebungen.</p>

<p style="text-align: left;">Hinzu kommen, als auff&#228;lligstes formales Merkmal des Gedichts, die gebrochenen Verse 3, 4, 9 und 10, die f&#252;r jeden, der das Gedicht laut lesen will, eine ganz besondere Herausforderung darstellen, so klar sie in der Druckfassung auch als das zu erkennen sind, was sie sein sollen: Das r&#228;keln und G&#228;hnen des von der Faulheit Ergriffenen, denn ohne dem Vers seine Struktur zu nehmen, strecken diese doppelten Gedankenstriche die Verse, wie sich ein gen&#252;sslich Fauler streckt. – Und so gilt es, sich bei diesen Versen zu strecken, zu r&#228;ckeln, um den Ton zu finden, der diesen Versen angemessen ist.</p>

<p style="text-align: left;">Das Gedicht tr&#228;gt diese Leseanweisung in sich, ohne dass sie ausdr&#252;cklich genannt wird. Und hier wird das Gedicht lustig. Ich stelle mir vor, wie Lessing es wohl vorgetragen haben mag… Wenn er dazu nicht zu faul gewesen ist.</p>

<p style="text-align: left;">Lessing wird meist als aufkl&#228;rerischer Dichter, Dramatiker und Verfasser theoretischer Schriften vermittelt. In diesem Kleinod eines Gedichtes zeigt sich ein ganz anderer Lessing: Ein heiterer, humorvoller, verspielter Lessing, dem es bereits in diesem fr&#252;hen Gedicht, zur Erinnerung: Lessing hatte es mit 22 Jahren! geschrieben, gelingt, sprachliche Sch&#246;nheit, Humor und formale Sensibilit&#228;t zu vereinen.</p>

<p style="text-align: left;">Ein gro&#223;artiges Gedicht, dessen Ironiespur aber mit dessen Niederschrift noch nicht vollst&#228;ndig war. Diese wurde von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Haydn" target="_blank">Joseph Haydn</a> auf den Gipfel getrieben, der aus diesem Loblied, von dem das lyrische Ich sagt, dass es dies nicht singen k&#246;nne, da es von dem Gegenstand des Gedichtes selbst daran gehindert werde (V 11f.), tats&#228;chlich ein Lied macht, in dem dann gesungen wird, dass &#252;ber den Gegenstand des Liedes nicht gesungen werden k&#246;nne… Ob diese Vertonung dem Humor des Gedichts gerecht wird, das m&#246;ge hier nun jeder und jede selbst entscheiden.</p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Dec 2010 22:13:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Es ist das bekannteste Weihnachtslied der Welt, in &#252;ber 300 Sprachen &#252;bersetzt, gesungen mit der Melodie Franz &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/12/gedichtinterpretation-joseph-mohr-stille-nacht-heilige-nacht/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
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<p><em><span>Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht</span> von <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/12/gedichtinterpretation-joseph-mohr-stille-nacht-heilige-nacht/" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Es ist das bekannteste Weihnachtslied der Welt, in &#252;ber 300 Sprachen &#252;bersetzt, gesungen mit der Melodie Franz Xaver Grubers.</p>

<p>Beginnt man, Suchmaschinen nach Interpretationen zu diesem ber&#252;hmten Text zu befragen, tauchen viele musikalische Interpretationen auf. Aber was ist mit dem Text?</p>

<p>Vorne weg: Ich werde hier keine Detailinterpretation der einzelnen Strophen schreiben, werde mich nicht dazu auslassen, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stille_Nacht,_heilige_Nacht#Liedtext" target="_blank">dass das Originalgedicht (!) sechs Strophen hatte, die heute gesungene Version aber nur drei</a> hat etc. Hier versuche ich eine grunds&#228;tzliche Einordnung des Textes, mit dem Ziel, den Text zumindest ein wenig aus der Kitschecke heraus zu holen. Damit will ich nicht behaupten, dass der Text sich bei n&#228;herer Betrachtung pl&#246;tzlich in gro&#223;artige Literatur verwandeln w&#252;rde, das passiert selbst bei sehr genauer Analyse des Textes nicht. Im Zusammenhang seiner Entstehungszeit kann aber verst&#228;ndlich werden, warum der Text in seinen Grundz&#252;gen so ist, wie er ist.</p>

<p>1816 entstanden, wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ 1818 erstmals aufgef&#252;hrt.</p>

<p>Sprechen wir heute davon, dass Weihnachten ein romantisches Fest sei, so liegen wir mit dieser &#196;u&#223;erung goldrichtig.</p>

<p>Weihnachten, wie wir es heute kennen, fand in Grundz&#252;gen seine Pr&#228;gung<span id="more-5415"></span> in der Epoche der Romantik, die etwa in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts einzuordnen ist. Sehr viele Weihnachtslieder unseres Weihnachtsfestes wurden in dieser Zeit geschrieben.</p>

<p>„Stille Nacht, heilige Nacht“ ist ein romantisches Gedicht; kein gro&#223;artiges Werk der Epoche, aber doch eines der ber&#252;hmtesten. Und es ist in meinen Augen kein Zufall, dass sich in ihm eine der zentralen Fragestellungen der Romantik wiederfindet.</p>

<p>Als Weihnachtslied geh&#246;rt „Stille Nacht, heilige Nacht“ zur <a href="http://docs.google.com/viewer?a=v&amp;q=cache:YGshWIyYt7YJ:hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2008/66/chapter/HamburgUP_Lyrik_Hillmann_01.pdf+religi&#246;se+lyrik&amp;hl=de&amp;gl=de&amp;pid=bl&amp;srcid=ADGEESg3uZdxiUCkq_n5d2wclumDDTUSl4rR04hgetrIzmz1F0zrEgN1U_iOF8OY0viCt7_QbKsA1TD5-mIxlsUw3jZiCt1gqdrR3RbKGvIgFdFQyr24lW41i9GCUB_aVw_4YQkdm0M4&amp;sig=AHIEtbRsQwdYqB01g7b-Y-02Ls922bYA9g" target="_blank">religi&#246;sen Lyrik</a>. Religion hat es aber seit der Aufkl&#228;rung genau so schwer, wie die &#220;berzeugung, dass es hinter der naturwissenschaftlich erforschbaren Wirklichkeit andere Wirklichkeiten gibt, die im grellen Licht des aufkl&#228;rerischen Denkens nicht nur nicht wahrgenommen sondern sogar ausgeblendet oder verneint werden.</p>

<p>Aufkl&#228;rung im philosophischen Sinn erhebt den Anspruch, Klarheit in den Nebel des Wissens zu bringen, Licht ins Dunkel.</p>

<p>Aufkl&#228;rung ist mit Lichtmetaphern verbunden, sodass es kein Zufall ist, dass der englische Terminus Technicus „enlightenment“ hei&#223;t. – Ein wichtiges Unternehmen, das die Welt ver&#228;ndert, Menschenrechte mit sich brachte usw. Und doch ist der Anspruch der Aufkl&#228;rung schnell in der Gefahr, von Menschen erfahrene, aber nicht beweisbare Wirklichkeiten, in Frage zu stellen, wenn nicht gar zu verneinen. Was bliebe von der Liebe, betrachteten wir sie nur unter naturwissenschaftlicher Perspektive?</p>

<p>Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts sahen die Dichter und Denker, die Dichterinnen und Denkerinnen der Romantik diese Gefahr der Einseitigkeit der Aufkl&#228;rung und stellten dieser – in gewisser Form begann das schon ca. f&#252;nfundzwanzig Jahre vor 1800, in der Epoche von Sturm und Drang und Empfindsamkeit – ihre Wirklichkeitswahrnehmung gegen&#252;ber.</p>

<p>Das Motiv der Sehnsucht, am ber&#252;hmtesten ist hier wohl die Suche nach der blauen Blume in Novalis&#8217; „<a href="http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/heinrichvonofterdingen-r.htm" target="_blank">Heinrich von Ofterdingen</a>“, trat gemeinsam mit den Motiven des Nebels, der Nacht, der (unerf&#252;llten, sehns&#252;chtigen) Liebe in den Blick der romantischen Autoren. Aber auch Gespenstergeschichten, die ja auch auf eine Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit verweisen, finden in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Romantik" target="_blank">Schauerromatik</a> ihren Platz.</p>

<p>Religion und deren Symbolik geh&#246;rte f&#252;r Aufkl&#228;rer, auch angesichts der von ihnen vorgebrachten Kirchenkritik und des Kampfes gegen die (christliche) Religion im Nachklang der franz&#246;sischen Revolution, in das Reich der dunklen Zeit vor der Aufkl&#228;rung, in der Religion allzu oft zur Vernebelung der Gedanken der Menschen missbraucht worden war, auch um z. B. Machtinteressen zu verschleiern,</p>

<p>Vor diesem Hintergrund mag es kein Zufall sein, dass viele Vertreter und Vertreterinnen der Romantik selbst oft religi&#246;s und Katholiken waren, die gegen die Aufkl&#228;rung und gleichzeitig als deren Fortf&#252;hrung andere Motive suchten, die Nacht, den Nebel, das Unscharfe, Verschleierte in den Blick nahmen, und sich an den Grenzen des dem aufkl&#228;rerische Denkens Zug&#228;nglichem zu bewegen.</p>

<p>In diesem Kontext steht Josef Mohrs „Stille Nacht, heilige Nacht“. Hier trifft die Metaphorik des Weihnachtsfestes als ein Fest des Lichtes, in dem Sinne, dass in christlicher Perspektive das „Licht der Welt“ in das Dunkel der Zeit hinein tritt, auf die Zeit, in der das Gedicht / Lied entstanden ist.</p>

<p>Weihnachten ist ein Fest zur Zeit der Wintersonnenwende und schlie&#223;t so wohl an vorchristliche Lichtfestivit&#228;ten dieser Jahreszeit an, doch Mohr geht in seinem Gedicht so weit zu sagen, dass es eine Nacht ist, die heilig ist, eine Nacht, in der alles schl&#228;ft, w&#228;hrend das, was Christen als Teil des g&#246;ttlichen Heilshandelns sehen, geschieht.</p>

<p>Hier wird der Aufkl&#228;rungsmystik mit ihrer Lichtmetaphorik die Lichtmetaphorik des christlichen Glaubens gegen&#252;ber gestellt, dem Verstand Erwachsener wird die Bedeutung des kleinen Kindes vor Augen gef&#252;hrt.</p>

<p>In diesem Sinne ist Josef Mohrs Weihnachtstext romantisch durch und durch; gleichzeitig versucht der Text theologische Wahrheiten zu vermitteln, religi&#246;se Wahrheiten, in einer Zeit, in der es gerade dem Katholizismus schwerer und schwerer zu fallen begann, sich in ach so aufgekl&#228;rten Kontexten zu rechtfertigen.</p>

<p>Wenn es je zutraf, dass sich die Romantiker gegen die Aufkl&#228;rung wandten, in den meisten F&#228;llen scheint es eher der Versuch gewesen zu sein, der oft als intellektuell kalt empfundenen Entwicklung aufkl&#228;rerischen Denkens, die M&#246;glichkeit anderer Erkenntnisweisen im Sinne ganzheitlicher Erkenntnis <em>zur Seite</em> zu stellen, so trifft diese antiaufkl&#228;rerische Tendenz auf Mohrs Text in seiner Zeit wohl zu.</p>

<p>Verbunden mit Grubers Musik gelingt es diesem Gedicht aber bis heute, romantische Gef&#252;hle in Menschen zu aktivieren. Wir aufgekl&#228;rte Menschen, sind wir es wirklich?, lassen uns von einem der antiaufkl&#228;rerischsten Texte der m&#246;glicherweise in weiten Kreisen gar nicht so antiaufkl&#228;rerischen Romantik verzaubern, von einem Gedicht, das als Gedicht zudem h&#246;chst mittelm&#228;&#223;ig ist!?</p>

<p>Wie so oft bei Bestsellern, so auch hier: Es braucht nicht viel, um die Herzen der Menschen zu erreichen, unabh&#228;ngig vom Bildungsgrad. Und damit ist das Lied dann pl&#246;tzlich doch wieder ein authentischer Ausdruck dessen, was an Weihnachten gefeiert wird, trotz mancher Bedenken gegen&#252;ber der literarischen Qualit&#228;t von „Stille Nacht, heilige Nacht“: Christen feiern die Ankunft eines Gottes in menschlicher Gestalt, der kein exklusiver Bildungsb&#252;rgergott ist, kein Gott ausschlie&#223;lich derer, die reich an Bildung oder Geld sind, sondern einer, der sich gegen Rechtfertigungszw&#228;nge durch Bildung und Besitz stellt und statt dessen den Wert des Menschen an sich ins Zentrum stellt, diesseits aller Leistungen, mit deren Hilfe Menschen kategorisiert werden.</p>

<p>Und in diesem Sinne ist der literarisch erst einmal bescheidene Text Mohrs auf Weihnachten und die christliche Botschaft des Festes gewendet, in seiner fast schon naiven Machart, ein gro&#223;artiger Text, der letztlich nur dann zu Kitsch wird, wenn er von der in ihm vermittelten Botschaft und deren Bedeutung losgel&#246;st gesehen wird. – Angesichts heutiger Kommerzialisierungstendenzen in allen Gesellschaftsbereichen und des Weihnachtsfestes insbesondere, angesichts des Leistungsdrucks und der Tendenz zur Reduktion des Wertes von Individuen auf deren wirtschaftlichen und durch formale Zertifikate (Zeugnisse) belegbaren Wert, bekommt das vielleicht einst wirklich antiaufkl&#228;rerische Lied pl&#246;tzlich einen ganz eigenen aufkl&#228;rerischen Wert, so da nur Ohren sind, diese Seite des Liedes zu h&#246;ren, zu f&#252;hlen und zu leben.</p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 7 – Robert Gernhardt: Texte zur Poetik</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Dec 2010 21:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manche Buchtitel sind f&#252;r &#220;berschriften einfach zu lang. Und so sei der ganze Titel hier gleich nachgereicht, womit auch die bibliographischen Angaben genannt sein sollen: Robert Gernhardt, Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik (hrsg. von Lutz Hagestolz &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/05/herrn-larbigs-bibliothek-7-robert-gernhardt-texte-zur-poetik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Buchtitel sind f&#252;r &#220;berschriften einfach zu lang. Und so sei der ganze Titel hier gleich nachgereicht, womit auch die bibliographischen Angaben genannt sein sollen:</p>

<blockquote><p>Robert Gernhardt, Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik (hrsg. von Lutz Hagestolz und Johannes M&#246;ller), Frankfurt am Main 2010, 602 Seiten, 22,95€.</p></blockquote>

<p><a href="http://http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Gernhardt" target="_blank">Robert Gernhardt</a> ist der zweite einigerma&#223;en bedeutende Dichter, der mit Frankfurt am Main verbunden ist und dessen Namen mit G beginnt, mit dem Buchstaben, der im Alphabet nur eine Position hinter dem Anfangsbuchstaben der Stadt steht, mit der diese beiden Gs verbunden sind. Ohne sie einen Topf werfen zu wollen oder den &#228;lteren zur Sakralisierung des j&#252;ngeren Dichters missbrauchen zu wollen: Goethe und Gernhardt und Frankfurt am Main – nicht etwa Berlin! Goethe wurde in Frankfurt geboren und zog von dannen, um in Weimar zum „Dichterf&#252;rst“ zu werden. Gernhardt wurde in Reval (Estland) geboren und zog von dannen, um dann in Frankfurt zumindest zum „F&#252;rsten des komischen Gedichts“ zu werden.</p>

<p>Wie aber hat er das gemacht? Auf 602 Seiten gibt Gernhardt nun selbst Auskunft, 602 Seiten, in deren Zentrum Gernhardts Poetikvorlesungen stehen, die hier als eine zusammenh&#228;ngende Vorstellung erscheinen, in Wirklichkeit aber aus drei Poetikvorlesungen zusammengesetzt wurden, n&#228;mlich denen in Frankfurt (2001), Essen (2002) und D&#252;sseldorf (2006).</p>

<p>Neben diesem umfassenden Einblick in Gernhardts Poetik versammelt der Band laut Auskunft der Herausgeber <del datetime="2010-12-07T14:57:14+00:00">alle Texte</del> bei weitem nicht alle Texte zur Poetik, die Gernhardt verfasst habe. Dazu geh&#246;ren Texte zu Dichtern, in denen Gernhardt sich mit Schiller ebenso befasst wie mit Brecht, Ringelnatz, Benn, R&#252;hmkorf und noch ein paar anderen.</p>

<p>Gernhardt hat sich auch &#252;ber Gedichte ausgelassen. Auch diese Texte finden sich in diesem Band. Alles aufzuz&#228;hlen ist hier m&#252;&#223;ig.</p>

<p>Was aber kann der geneigte Leser aus Gernhardts &#220;berlegungen lernen? Nun, das Wichtigste sei gleich am Anfang genannt: Dichter schreiben voneinander ab! – <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-02/hegemann-blogger-plagiat" target="_blank">Was das Anfang des Jahres 2010 ein Aufschrei</a>, als Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ erschien und man feststellt, dass da Zitate eines Bloggers &#252;bernommen worden waren. Das war nicht nett, ganz und gar nicht.</p>

<p>Wer aber wissen will, wie es unter Dichtern her geht, der lese Gerhardts Poetikvorlesung(en), die nun leicht zug&#228;nglich ist.</p>

<p>Gernhardt zitiert hier Goethe (wieder die zwei Gs), der in einem seiner Gespr&#228;che laut Gernhardt folgendes sagte:</p>

<blockquote><p>„So singt mein Mephistopheles ein Lied von Shakespeare – und warum sollte er das nicht? Warum sollte ich mir die M&#252;he geben, ein eigenes zu erfinden, wenn das von Shakespeare eben recht war und eben das saget, was es sollte, Hat daher auch die Exposition meines ,Faust‘ mit der des ,Hiob‘ einige &#196;hnlichkeit, so ist das wiederum ganz recht, und ich bin deswegen eher zu loben als zu tadeln…“ (42f)</p></blockquote>

<p>Die Zahl der &#220;bernahmen, der Anregungen, der Provokationen, also die Zahl all der Situationen, in denen ein Dichter vom andern „abschreibt“ ist enorm. Gernhardt zeigt in seiner Poetik ein paar davon. Denn das Haus der Poesie, das Gernhardt in seinen Poetikvorlesungen vor dem Zuh&#246;rer und nun dem Leser aufbaut, hat auch einen Lesesaal, ganz zu schweigen vom Chatraum. Kurz: Dichtung ist schon immer eine Art von „Hypertext“, manchmal sogar in Kooperation entstanden. Da wird zitiert, Dichter f&#252;hlen sich von Zeilen anderer Dichter provoziert, stimuliert etc.</p>

<p>Nat&#252;rlich: Der Titel der Frankfurter Poetikvorlesung (2001) „Was das Gedicht kann: Alles“ ist eine Provokation. Schon in der &#220;berschrift der Vorlesung wird klar, dass hier ein Loblied dem Gedicht gesungen werden soll.</p>

<p>Aber die &#220;berzeugung, dass Gedichte alles k&#246;nnen, wird heute nur noch von wenigen geteilt, es sei denn, man nimmt all die Dichtung mit ins Boot, die heute unter dem Namen „Lyrics“ bekannt ist und die Texte von Liedern meint. Und dennoch gilt auch hier Gerhardts Beobachtung:</p>

<blockquote><p>„Das Gedicht kann alles, behaupte ich, zugleich aber mu&#223; ich fortw&#228;hrend verbuchen, da&#223; der Dichter heutzutage wenig, wenn nicht gar nichts gilt.“ (17)</p></blockquote>

<p>Gernhardt hat nat&#252;rlich recht. Oder gibt es mehr als ein paar ausgewiesene Experten, die wissen, wer die Texte zu all den Liedern geschrieben hat, die heute in den Charts hoch und runter gespielt werden? Oft scheint es ja fast so, dass die, die ihre Texte selbst schreiben als „Singer-Songwriter“ oder gar als „Liedermacher“ in eine Ecke gestellt werden, von der aus das Treppenhaus zu den Charts unerreichbar scheint.</p>

<p>Dass gerade Gernhardt &#252;ber das Ansehen der Dichter klagt, ist allerdings &#252;berraschend, ist er doch fast der einzige Dichter deutscher Sprache der vergangenen Jahrzehnte, der &#252;berhaupt noch ein nennenswertes Publikum zu erreichen vermochte. Sein Rezept findet sich auch in seiner Poetik wieder: Kenne dich sehr gut in der Dichtung aus und finde eine leichte Sprache, in der elegant der k&#252;rzeste Weg von A nach B genommen werden kann.</p>

<p>Es beeindruckt mich, wie leichtf&#252;&#223;ig Gernhardt in der Geschichte des (modernen) Gedichtes unterwegs ist und in einfacher, lesbarer, an keiner Stelle akademisch m&#252;ffelnder Sprache Zusammenh&#228;nge, Sch&#246;nheiten und Plattheiten der Dichtung an den Mann, die Frau, den Leser, die Leserin und sogar den Nichtleser und die Nichtleserin bringt.</p>

<p>Da spielt es f&#252;r mich nur am Rande eine Rolle, dass die mir vorliegende Ausgabe m&#246;glicherweise wissenschaftlichen Editionserwartungen nicht entsprechen kann, <a href="http://www.globe-m.de/de/experts/robert-gernhardts-texte-zur-poetik" target="_blank">wie Lino Wirag</a> anmerkte. Es entspricht zumindest Gernhardts eigener leichtf&#252;&#223;igen Art, ernsthaft mit Gedichten umzugehen, dass er nicht jeden Bezug, der in dem Band wiederum genommen wird, akribisch via Fu&#223;note nachwei&#223;t. – Ein wenig Arbeit soll dann noch f&#252;r die Literaturwissenschaftler bleiben.</p>

<p>Meine Bibliothek hat diesen Band freundlich aufgenommen. Er ist eine Fundgrube f&#252;r jeden, der sich leichtf&#252;&#223;ig und ernsthaft mit Gedichten befassen will. Und ganz nebenbei: Eine Fundgrube von Zitaten f&#252;r den Deutschunterricht ist der Band dann auch noch, Zitaten, die den Umgang mit Gedichten vielleicht auch in der Schule bei aller Ernsthaftigkeit ein wenig leichtf&#252;&#223;iger machen k&#246;nnen.</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>140 Zeichen Deutschunterricht: Ein Twitterprojekt</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 22:53:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwischendurch immer mal wieder einen Tweet, in dem es um die deutsche Sprache und Literatur geht – so lautet die Idee, die hinter dem in der Seitenleiste neu aufgef&#252;hrtem Feld „Herr Larbigs „Deutschstunde“ auf Twitter” steckt. Wer der „Deutschstunde“ auf &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/17/140-zeichen-deutschunterricht-ein-twitterprojekt/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischendurch immer mal wieder einen Tweet, in dem es um die deutsche Sprache und Literatur geht – so lautet die Idee, die hinter dem in der Seitenleiste neu aufgef&#252;hrtem Feld „<a href="http://twitter.com/deutschstunde" target="_blank">Herr Larbigs „Deutschstunde</a>“ auf Twitter” steckt.</p>

<p>Wer der „Deutschstunde“ auf Twitter folgt (in der Twittersprache hei&#223;t das „followed“), bekommt immer wieder zwischen all den anderen Meldungen (Tweets) kurze Hinweise, in denen es um Fragen der Rechtschreibung geht, um Grammatik und Ausdruck. Au&#223;erdem gibt es Links zu Beitr&#228;gen, die f&#252;r alle interessant sein k&#246;nnen, die sich f&#252;r deutsche Sprache und Literatur interessieren.</p>

<p>Eine kleine Besonderheit ist, dass in dieser „Twitter Timeline“ auch Fotos auftauchen, die ich immer dann mache, wenn mir irgendwo in der &#214;ffentlichkeit etwas auff&#228;llt, das mit Sprache zu tun hat. Dabei interessiert mich, welchen sprachlichen „S&#252;nden” wir in unserer Umgebung tagt&#228;glich ausgesetzt sind. – Ich finde es spannend, mit einem solch forschenden Blick durch die Stadt zu gehen; vielleicht bin ich da nicht der einzige.</p>

<p>Ziel des Projekts ist es nicht, als der st&#228;ndig korrigierende Lehrer durch das Netz zu laufen. Ziel ist es auch nicht, die Tweets anderer nach Rechtschreibfehlern zu durchforsten und sie dann in einer Antwort an die betreffenden Personen zu korrigieren. Es gibt <a href="http://twitter.com/oberlehrer" target="_blank">jemanden bei Twitter</a>, der macht solche Korrekturen. Ich bin es nicht. Nach wie vor bin ich der &#220;berzeugung, dass sich die <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/18/rechtschreibung-wichtig-und-sekundaer-oder-vom-lesen-und-schreiben/" target="_blank">F&#228;higkeiten im Umgang mit Sprache</a> Schritt f&#252;r Schritt und dennoch kontinuierlich entwickeln, so sich jemand der (Schrift)Sprache wirklich aussetzt, in dem zum Beispiel viel gelesen und geschrieben wird.</p>

<p>Das Ziel des Projekts „Deutschstunde“ auf Twitter ist zun&#228;chst einmal ein vielleicht &#252;berraschend egoistisches: Mir dient dieses Projekt als Motivationshilfe, meine F&#252;hler wirklich in dem Ma&#223;e auf Sprache und Literatur hin ausgerichtet zu halten, wie ich mir das f&#252;r mich w&#252;nsche.</p>

<p>Das zweite Ziel besteht darin, interessierten Twitternutzern Anregungen aus meinem wachsenden Fundus rund um Sprache und Literatur zu geben. Zumindest die Sensibilit&#228;t f&#252;r sprachliche Ph&#228;nomene und im Umgang mit Literatur soll da unterst&#252;tzt werden. Vielleicht w&#228;chst sie bei dem einen oder anderen mithilfe dieser Tweets auch noch ein wenig.</p>

<p>Das Interesse f&#252;r einen solchen Twitter-Stream ist da. In weniger als 24 Stunden haben sich 18 Twitterer entschieden, dass sie diesem Account folgen wollen.</p>

<p>Ich hoffe, dass „Deutschstunde“ auf Twitter dabei keine Einbahnstra&#223;e bleibt, auf der ich mit Inhalten hausieren gehe, sondern dass sich dieses Projekt dahin entwickelt, dass &#252;ber sprachliche Ph&#228;nomene via Twitter diskutiert wird, dass Fragen gestellt werden etc.</p>

<p>Au&#223;erdem kann diesem Account nat&#252;rlich auch gerne von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern gefolgt werden, solchen, die ich unterrichte genauso wie solchen, die ich nicht unterrichte. Und in diesem Rahmen k&#246;nnen durchaus auch Fragen an mich gestellt werden, denn wenn ich auf konkrete Fragen Antworten suche, oft muss ich sie tats&#228;chlich erst suchen, bin ich doch alles anderes als „Mr. Allwissend“, lerne ich selbst in der Regel eine ganze Menge dabei.</p>

<p>Noch aber steht das Projekt, dessen „Basislager“ im Netz dieses Blog herrlarbig.de ist, ganz am Anfang. Als „Basislager“ wird es im Blog auch (weiterhin) l&#228;ngere Beitr&#228;ge zu Themen rund um Sprache und Literatur geben, die auf Twitter dann nat&#252;rlich als Links auftauchen. Ich wei&#223;, dass solche Beitr&#228;ge durchaus gelesen werden, denn die meist gelesenen Beitr&#228;ge hier sind Beitr&#228;ge, in denen literarische Werke im Zentrum stehen.</p>

<p>Ich bin neugierig, wie sich dieses Projekt „Deutschstunde“ auf Twitter entwickeln wird. Dabei werde ich in diesem Rahmen die klassische Twitterfrage „What are you doing“ (Was machst du gerade) nicht beantworten, sondern mich tats&#228;chlich alleine auf die Inhalte konzentrieren. Dabei kann sich der Charakter dieser Twitter-Timeline  „Deutschstunde“ aus dem Hause <a href="http://twitter.com/herr_larbig" target="_blank">herrlarbig.de</a> im Laufe der Zeit auch &#228;ndern. Dies wird die Zeit dann aber zeigen, das kann ich heute nicht voraussehen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Georg Heym: Der Gott der Stadt</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Feb 2009 20:35:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Resume: Die formale Strenge expressionistischer Lyrik steht in einem Widerspruch zum Inhalt und zur genutzten Sprache. Dieser Widerspruch soll nicht nur das Ungeheure des Inhalts versch&#228;rfen, sondern ist zugleich Ausdruck der Zeit selbst. Im Rahmen einer Interpretation von Georg Heyms &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/02/17/georg-heym-der-gott-der-stadt/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Resume: </strong>Die formale Strenge expressionistischer Lyrik steht in einem Widerspruch zum Inhalt und zur genutzten Sprache. Dieser Widerspruch soll nicht nur das Ungeheure des Inhalts versch&#228;rfen, sondern ist zugleich Ausdruck der Zeit selbst. Im Rahmen einer Interpretation von Georg Heyms »Der Gott der Stadt«, wird dieser Zusammenhang hier n&#228;her dargestellt.<span id="more-1193"></span></em></p>

<blockquote>Auf einem H&#228;userblocke sitzt er breit.
Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
Die letzten H&#228;user in das Land verirrn.

Vom Abend gl&#228;nzt der rote Bauch dem Baal,
Die gro&#223;en St&#228;dte knieen um ihn her.
Der Kirchenglocken ungeheure Zahl
Wogt auf zu ihm aus schwarzer T&#252;rme Meer.

Wie Korybanten-Tanz dr&#246;hnt die Musik
Der Millionen durch die Stra&#223;en laut.
Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik
Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.

Das Wetter schw&#228;lt in seinen Augenbrauen.
Der dunkle Abend wird in Nacht bet&#228;ubt.
Die St&#252;rme flattern, die wie Geier schauen
Von seinem Haupthaar, das im Zorne str&#228;ubt.

Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust.
Er sch&#252;ttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt
Durch eine Stra&#223;e. Und der Glutqualm braust
Und fri&#223;t sie auf, bis sp&#228;t der Morgen tagt.</blockquote>

<p>Am Anfang des Gedichts »Der Gott der Stadt« von <a href="http://www.hs-augsburg.de/%7Eharsch/germanica/Chronologie/20Jh/Heym/hey_intr.html" target="_blank">Georg Heym</a> sitzt einer auf einem Dach, »breit« (V1) und w&#252;tend (V3). Sein Blick geht in die Ferne, dorthin wo noch Einsamkeit zu finden ist und sich die st&#228;dtische Ansammlung von H&#228;usern ins Land (in die Landschaft?) hinein verliert. Schwarze Winde (V2) scheinen der Grund f&#252;r seine Wut. – Schwarze Winde? Ein Farbadjektiv, das zu der Klarheit der Luft und dem Wind, wie sie normalerweise erlebt werden, so gar nicht passen will. Es muss etwas bedeuten; hier kommt die Zeit der Entstehung des Gedichtes ins Spiel: Die Industrialisierung war 1911 noch relativ jung und von Umweltschutz sprach noch niemand. Fabrikschlote und die Heizungen der H&#228;user lie&#223;en Abgase ungefiltert in die Luft – und Ru&#223; legte sich auf die H&#228;user.</p>

<p>Bis vor ein paar Jahren konnten z.B. in London noch Spuren dieser »dicken Luft« betrachtet werden: Ganze H&#228;userfronten waren schwarz gescheckt und lie&#223;en die urspr&#252;ngliche Farbe nur noch erahnen. Die Stadt muss 1911, bei aller Lebendigkeit, die mit der <a href="http://www.bpb.de/themen/OTB0ZA,0,MegaUrbanisierung:_Chancen_und_Risiken.html" target="_blank">Urbanisierung</a> und <a href="http://www.bpb.de/publikationen/2OR8C7,0,Voraussetzungen_der_Industrialisierung_Entwicklung_der_Technik.html" target="_blank">Industrialisierung</a> Einzug gehalten hatten, f&#252;r viele Menschen und vor allem f&#252;r die Natur ein lebensfeindlicher Ort gewesen sein.</p>

<p>Doch warum ist der hier breit auf dem Dach Sitzende w&#252;tend?</p>

<p>Die zweite Strophe gibt einen Hinweis. Sie nennt den auf dem Dach »Baal« (V5). <a href="http://lexikon.meyers.de/wissen/Baal+%28Sachartikel%29" target="_blank">Baal</a> war ein Gottheit in vorderen Orient und wurde als Wetter- und Fruchtbarkeitsgott gesehen. Wo bleibt in der Stadt f&#252;r Natur und die mit ihr verbundene Fruchtbarkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts Platz? Kein Wunder, dass er w&#252;tend ist. Das l&#228;sst nichts Gutes ahnen, wenn er auch noch der Wettergott ist.</p>

<p>Es ist Abend (V5), die Sonne geht unter. Und die St&#228;dte werden personifiziert, sie knien (V6) um ihn her. Es l&#228;uten die Glocken von T&#252;rmen, die zwischen all den schwarzen T&#252;rmen stehen – wie Inseln in »schwarzer T&#252;rme Meer« (V8). Hier wird eine Verbindung zur christlichen Religion geschaffen und mit ihr zu dem<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Baal_%28Gott%29" target="_blank"> Baal</a> der Bibel, dem angeblich Kinder als Opfer gebracht wurden.</p>

<p>In den ersten zwei der f&#252;nf Strophen des Gedichtes gelingt es Heym, ein Bild jenes »Gottes der Stadt« aufzubauen, das Andeutungen in Richtung unterschiedlicher Bedeutungen des Baals macht. Er, der w&#252;tend seinen Blick auf die Stadt richtet, erst in Richtung Horizont, dann in den von T&#252;rmen (Schornsteinen) &#252;bers&#228;ten n&#228;heren Bereich, ist es, dem die Stadt huldigt. Bringt sie ihm auch Opfer – Menschenopfer?</p>

<p>Die Menschen selbst werden in der dritten Strophe mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Korybanten" target="_blank">Korybanten</a> verglichen (V9), jenen orgiastischen T&#228;nzern, jenen Vegetationsd&#228;monen. Der Mensch: Ein D&#228;mon f&#252;r die Vegetation und die Natur, der sich l&#228;rmend in Millionen in der Stadt aufh&#228;lt! Keine Natur, der Weihrauch besteht aus Abgasen. – Schlote, Fabriken, Menschenmassen.</p>

<p>Die Nacht h&#228;lt Einzug (V13f). In der vierten Strophe entsteht der Eindruck, dass hier nicht nur die normale Nacht gemeint ist, sondern eine Nacht, eine Dunkelheit, die mit dem Leben in der Stadt selbst zu tun hat. Ein langsames <a href="http://de.wiktionary.org/wiki/schwelen" target="_blank">Schw&#228;len</a>, die heraufziehenden St&#252;rme (Plural!) werden mit Geiern vergleichen,  schauen auf die Stadt, kurz davor, losgelassen zu werden.</p>

<p>Am Ende kommt die Zerst&#246;rung (V17), »ein Meer von Feuer jagt durch die Stra&#223;e« (V18f). Heym entwirft hier ein endzeitliches Bild und es mutet aus heutiger Sicht fast unheimlich an, mit welcher Klarheit er den am Horizont heraufziehenden 1. Weltkrieg hier vorweggenommen zu haben scheint.</p>

<p>In klarer Form, alle Regeln eines klassischen Gedichtes einhaltend, entwirft Heym in diesem Gedicht ein Bild, das in keinem gr&#246;&#223;eren Widerspruch zur &#228;u&#223;eren Form stehen k&#246;nnte: Konsequent werden die Verse &#252;ber Kreuz gereimt, er nutzt in den meisten Versen (au&#223;er V 13 und 15) m&#228;nnliche (stumpfe) Kadenzen. In gr&#246;&#223;ter Ordnung wird hier die herufziehende Zerst&#246;rung und am Ende auch das Vernichtungswerk des Baal beschrieben. Wo aber ist da eine Ordnung, die der des Gedichts entsprechen w&#252;rde?</p>

<p>Bislang begegnete ich zahlreichen Ans&#228;tzen, die sagten, die &#228;u&#223;ere Form solle in expressionistischen Gedichte die Ungeheuerlichkeit des Inhaltes durch einen deutlichen Gegensatz unterstreichen. Heute reicht mir diese, poetologisch sicher nachvollziehbare, Erkl&#228;rung des Ph&#228;nomens nicht mehr aus.</p>

<p>Je mehr ich mich mit Gedichten der Zeit vor dem ersten Weltkrieg besch&#228;ftige, um so mehr habe ich den Eindruck, hier wird nicht nur ein poetologisches Konzept umgesetzt, sondern um eine wirklich authentische Form der k&#252;nstlerischen Darstellungen der Widerspr&#252;che dieser Zeit gerungen.</p>

<p>Es war eine Zeit, in der im Gewand der &#228;u&#223;eren Ordnung des Wilhelmischen Kaiserreiches l&#228;ngst eine neue Epoche begonnen hatte, die sich dieser »Ordnung« entgegenstellte. Es war eine autorit&#228;re und militaristische Gesellschaft, die Heinrich Mann in der »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Untertan" target="_blank">Der Untertan</a>« kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges so treffend darstellt.</p>

<p>In der Lyrik findet diese Spannung in der Spannung zwischen Inhalt und Form ihren angemessenen Ausdruck. Die Sprache sprengt die Form nahezu auf, ohne dass schon eine neue Form gefunden worden w&#228;re, die die Verwerfungen der Zeit darzustellen verm&#246;chte. Man reimt, schreibt Sonette, bleibt bei klassischen Reimschemata, ahnt aber zugleich schon die Zerst&#246;rung dieser formalen Enge, die die gesellschaftliche Enge (und nicht nur die faktische Enge der St&#228;dte) darstellt.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Ein Panther im botanischen Garten – Rilkes »Der Panther«</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 21:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris Der Panther Im Jardin des Plantes, Paris &#60; p style=&#8221;text-align: center;&#8221;> &#60; p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Sein Blick ist vom Vor&#252;bergehn der St&#228;be so m&#252;d geworden, dass er nichts mehr h&#228;lt. Ihm ist, als ob es tausend &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4 style="text-align: center;"><a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Rilke/Biographie/Seite1" target="_blank">Rainer Maria Rilke</a>, 6.11.1902, Paris</h4>

<h3 style="text-align: center;">Der Panther</h3>

<h4 style="text-align: center;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jardin_des_Plantes" target="_blank">Im Jardin des Plantes</a>, Paris</h4>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/V2UMGVTcX3Q&amp;hl=de&amp;fs=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/V2UMGVTcX3Q&amp;hl=de&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Sein Blick ist vom Vor&#252;bergehn der St&#228;be
so m&#252;d geworden, dass er nichts mehr h&#228;lt.
Ihm ist, als ob es tausend St&#228;be g&#228;be
und hinter tausend St&#228;ben keine Welt.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der bet&#228;ubt ein gro&#223;er Wille steht.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und h&#246;rt im Herzen auf zu sein.</p>

<p style="text-align: left;">Ein <a href="http://www.big-cats.de/panther.htm" target="_blank">Panther</a> ist ein Leopard<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/#footnote_0_578" id="identifier_0_578" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&raquo;Panther&laquo; bezeichnet aber auch einfach nur eine Gattung von Gro&amp;#223;katzen (Pantherinae) ">1</a></sup>, eine Wildkatze, die in einer Gro&#223;stadt wie Paris nichts verloren hat. Bereits die von <a href="http://www.radiobremen.de/online/rilke/" target="_blank">Rilke</a> dem Titel beigef&#252;gte Ortsbezeichnung weist auf einen Un-Ort hin, einen Ort, der keine Heimat f&#252;r ein solch majestisches Tier ist.<span id="more-578"></span></p>

<p style="text-align: left;">Um an diesem Un-Ort den Panther dennoch halten zu k&#246;nnen, werden die Menschen vor der Kraft und dem nat&#252;rlichen Verhalten der Raubkatze gesch&#252;tzt, indem das Tier, in einen K&#228;fig gesperrt, die v&#246;llig unnat&#252;rliche N&#228;he von Menschen ertragen muss. Hier, das macht bereits der erste Vers klar, gibt es keine artgerechte Haltung (und f&#252;r den Panther keine Chance auf ein Entkommen); hier gibt es einen kleinen K&#228;fig, dessen St&#228;be ein Eigenleben entwickeln (»Vor&#252;bergang der St&#228;be«), wenn das Tier seinem Bewegungsdrang auf kleinstem Raum nachkommt.</p>

<p style="text-align: left;">Es muss also ein »kleines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gedicht" target="_blank">Gedicht</a>« werden, soll es auch den Raum abbilden, in dem es angesiedelt ist: Drei <a href="http://www.uni-duisburg-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/strophe.htm" target="_blank">Strophen</a> mit je vier Versen bilden diesen engen Raum ab; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verslehre" target="_blank">alternierende</a>, f&#252;nfhebige (vom letzten Vers abgesehen), <a href="http://www.textlog.de/2734.html" target="_blank">jambische</a> <a href="http://www.uni-duisburg-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/vers.htm" target="_blank">Verse</a> bilden die regelm&#228;&#223;igen Schritte des Panthers ab. Der letzte Vers »h&#246;rt auf zu sein«, hat nur vier Hebungen, die eigentlich erwartbare f&#252;nfte Hebung verklingt im Schweigen, im Nichts, im Aufh&#246;ren des Seins.</p>

<p style="text-align: left;">Ein au&#223;en stehender Beobachter beschreibt seine Eindr&#252;cke von diesem Tier, beschreibt das »Ding« vor sich. So &#252;berraschend es sich angesichts eines lebendigen Wesens als Gegenstand des Gedichtes auch anh&#246;ren mag: Rilkes »Der Panther« geh&#246;rt zu den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dinggedicht" target="_blank">Ding-Gedichten</a>: Aus der erkennbare Distanz des Beobachters in dem Gedicht, wird der Panther doch so beschrieben, als k&#246;nne sich dieser Beobachter in die Gef&#252;hle des Panthers hinein versetzen (vor allem in der ersten Strophe). Doch bereits in der zweiten Strophe ver&#228;ndert sich die Perspektive, es werden Vergleiche herangezogen. Der Beobachter wird von dem »Ding« zu Assoziationen angeregt. Zun&#228;chst beschreibt er noch (Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, / der sich im allerkleinsten Kreise dreht), verbindet diese Beschreibung dann aber mit einem Vergleich (ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, / in der bet&#228;ubt ein gro&#223;er Wille steht).</p>

<p style="text-align: left;">Bereits hier deutet sich an, dass es in dem Gedicht nur &#228;u&#223;erlich betrachtet um die Beschreibung eines Panthers in einem botanischen Garten geht. Dem entsprechend nutzt der Dichter zu Beginn der dritten Strophe eine Metapher, um die Augenlider des Tiers zu beschreiben (Vorhang der Pupille), ohne das Tier, das mittlerweile endg&#252;ltig als passiv seinem Schicksal ergeben erscheint, v&#246;llig aus dem Blick zu verlieren.</p>

<p style="text-align: left;">Dieses Tier ist nicht Herr der Lage, es ist seiner Situation ausgeliefert, kann nichts dagegen tun. Nicht der Panther ist hier aktiv: Seine Augen dienen nicht mehr der Orientierung in der Weite des Reviers, sind eigentlich &#252;berfl&#252;ssig, da er best&#228;ndig den gleichen kleinen Kreis gehen muss, und dienen auch nicht dem Ersp&#228;hen von Nahrung. Der Panther hat seinen nat&#252;rlichen Lebens»sinn« verloren. Nun ist das »Bild« aktiv, das in die Pupille hinein geht (Vers 10) und dem Panther nichts mehr zu sagen, f&#252;r den Panther keine Funktion mehr hat – und so letztlich aufh&#246;rt zu sein.</p>

<p style="text-align: left;">Der gefangene, eingesperrte, seiner ureigensten Lebensform beraubte Panther, wird f&#252;r den Betrachter zu einem Gegenstand der Reflexion. Er stellt gefangene Kr&#228;fte und Energie dar, er wird zum Symbol »f&#252;r Kr&#228;fte und F&#228;higkeiten, die durch &#228;u&#223;ere Umst&#228;nde (den K&#228;fig) und das eigene Leben (das Leben im K&#228;fig) nutzlos geworden sind«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/#footnote_1_578" id="identifier_1_578" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Siehe http://www.rilke-gedichte.de/rilke_symbolismus.htm">2</a></sup>.</p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

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		<title>Partielle Mondfinsternis</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Aug 2008 22:55:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vollmond, klarer Himmel und der Mond ausreichend nahe am Mondknoten, an dem die Mondbahn die Ekliptik schneidet – so n&#252;chtern sind die physikalischen Voraussetzungen einer Mondfinsternis. Es war nicht die naturwissenschaftliche Erkl&#228;rung, die mir bei der heutigen Mondfinsternis durch den &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/08/16/mondfinsternis/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
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<p>Vollmond, klarer Himmel und der Mond ausreichend nahe am <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mondknoten" target="_blank">Mondknoten</a>, an dem die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mondbahn" target="_blank">Mondbahn</a> die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ekliptik" target="_blank">Ekliptik</a> schneidet – so n&#252;chtern sind die physikalischen Voraussetzungen einer Mondfinsternis.</p>

<p>Es war nicht die naturwissenschaftliche Erkl&#228;rung, die mir bei der heutigen Mondfinsternis durch den Kopf ging, sondern ein <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">romantisches</a> Gedicht von <a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Eichendorff" target="_blank">Joseph von Eichendorff</a>, das mir in solchen Momenten irgendwie unvermeidlich scheint:</p>

<p style="text-align: center;">Joseph von Eichendorff</p>

<p style="text-align: center;">Mondnacht</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Es war, als h&#228;tt’ der Himmel
Die Erde still gek&#252;sst,
Dass sie im Bl&#252;tenschimmer
Von ihm nun tr&#228;umen m&#252;sst.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Die Luft ging durch die Felder,
Die &#196;hren wogten sacht,
Es rauschten leis&#8217; die W&#228;lder,
So sternklar war die Nacht.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Und meine Seele spannte
Weit ihre Fl&#252;gel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als fl&#246;ge sie nach Haus.</p>

<blockquote>Ob denn diese Gedichte noch Kunst sind, oder schon wieder Natur? <em>(Friedrich Schlegel)</em></blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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