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		<title>Rechtschreibung – wichtig und sekund&#228;r, oder: Vom Lesen und Schreiben</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 23:36:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag greift die Einsichten auf, die der Verfasser im Rahmen einer Fortbildung mit  Ingrid Naegele zu Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten gemacht hat. Zentrale Gedanken, denen ich hier meine eigene Ausdrucksform zu geben versuche, verdanke ich dementsprechend Ingrid Naegele, an deren &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/18/rechtschreibung-wichtig-und-sekundaer-oder-vom-lesen-und-schreiben/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Beitrag greift die Einsichten auf, die der Verfasser im Rahmen einer Fortbildung mit  <a href="http://www.abc-netzwerk.de/" target="_blank">Ingrid Naegele</a></em> <em>zu Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten gemacht hat. Zentrale Gedanken, denen ich hier meine eigene Ausdrucksform zu geben versuche, verdanke ich dementsprechend <a href="http://www.abc-netzwerk.de/" target="_blank">Ingrid Naegele</a>, an deren reicher Erfahrung ich im Rahmen der Fortbildung partizipieren durfte.
</em></p>

<p>Die F&#228;higkeit der Menschen, zu lesen und zu schreiben, hat die Welt ver&#228;ndert. Erst seit diese Kulturtechniken entwickelt wurden, ist ein „Gespr&#228;ch“ &#252;ber Raum und Zeit mit nicht anwesenden Menschen m&#246;glich. Menschen m&#252;ssen nicht l&#228;nger an einem Ort sein, um ihre Gedanken auszutauschen und so voneinander und miteinander zu lernen. Au&#223;erdem hilft uns die F&#228;higkeit des Lesens, mehr &#252;ber das Leben zu fr&#252;heren Zeiten zu erfahren als es f&#252;r einen Nicht-Arch&#228;ologen mittels arch&#228;ologischer Funde m&#246;glich ist.</p>

<p>Das Ziel des Schreibens und des Lesens ist prim&#228;r, Texte f&#252;r nicht Anwesende zu verfassen und solche Texte in die eigene Auseinandersetzung mit der Welt und deren Wirklichkeit zu integrieren.</p>

<p>Dieses Ziel muss jedem vor Augen stehen, der in Bildungsprozessen mit dem Lesen und Schreiben zu tun hat – also nicht nur Deutschlehrern, sondern Lehrenden in allen F&#228;chern der Schule, den Eltern und allen anderen an Bildungsprozessen beteiligten Personen und Institutionen.</p>

<p>Das Ziel f&#252;r die Lernenden besteht in erster Linie also darin, <span id="more-2002"></span>sich auszudr&#252;cken zu lernen. Doch das alleine reicht nicht. Wenn Texte darauf hin ausgelegt sind, f&#252;r andere Menschen verfasst zu sein, stellt sich f&#252;r jeden, der schreibt, die Frage, wie die Texte dann auch Leser finden.</p>

<p>Voraussetzungen f&#252;r die F&#228;higkeit, etwas f&#252;r Abwesende ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, sind das K&#246;nnen mindestens einer Sprache, deren Grammatik und die Beherrschung mindestens eines Zeichensystems, mit dessen Hilfe die Inhalte &#252;ber den m&#252;ndlichen Sprachgebrauch in der unmittelbaren Begegnung bzw. &#252;ber den m&#252;ndlichen Kontakt, z.B. mit Hilfe des Telefons, hinaus &#252;bermittelt werden k&#246;nnen. Im Deutschen ist dieses Zeichensystem eine Buchstabensprache. Wenn diese in Grundz&#252;gen beherrscht wird, ist Kommunikation m&#246;glich, die um so differenzierter wird, je gr&#246;&#223;er der Wortschatz ist und je genauer die Grammatik einer Sprache und die Vereinbarungen &#252;ber Schreibung von W&#246;rtern beherrscht werden. Au&#223;erdem ist Zeichensetzung f&#252;r das Verst&#228;ndnis von Texten nicht nur eine Hilfe, sondern geradezu Voraussetzung.</p>

<p>Doch im Bereich der Kenntnisse &#252;ber die Vereinbarungen zum Schreiben von W&#246;rtern ist die Verst&#228;ndlichkeit von Texten in der Regel auch dann noch m&#246;glich, wenn in einem gewissen Rahmen regelwidrig geschrieben wird. Anders ausgedr&#252;ckt: Rechtschreibfehler verhindern nicht unbedingt, dass das Ziel des Schreibens erreicht werden kann. Das Gespr&#228;ch &#252;ber Raum und Zeit hinweg ist auch mit Rechtschreibfehlern m&#246;glich.</p>

<p>Dass bedeutet nun nicht, dass Rechtschreibung kein anzustrebendes Ziel sei. Da wir in der Regel vom regelkonformen Gebrauch der Vereinbarungen zur Rechtschreibung ausgehen und dieser auch erwartet wird, ist das Ziel nat&#252;rlich eine regelkonforme Schreibweise, die in der Schule zu lernen ist.</p>

<p>Da aber das Ziel des Schreibens nicht <em>prim&#228;r </em>in der Rechtschreibung liegt, ist Rechtschreibung ein Beiprodukt, so eine Formulierung, die <a href="http://www.abc-netzwerk.de/" target="_blank">Ingrid Naegele</a> im Rahmen einer von mir besuchten Fortbildung gebrauchte. Im Zentrum aber muss die F&#228;higkeit stehen, sich f&#252;r nicht anwesende Personen auszudr&#252;cken. Rechtschreibung ist dabei nicht das Ziel, sondern ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, was aber auch gelingt, solange ein Wort zumindest im gr&#246;&#223;eren Zusammenhang f&#252;r den Leser verst&#228;ndlich ist.</p>

<p>Dieses zu erlernende Mittel muss ge&#252;bt werden – und zwar nicht nur in Form des Lernens der Schreibung einzelner W&#246;rter, sondern im Zusammenhang mit Satzbau und Zeichensetzung.</p>

<p>Texte k&#246;nnen aber auch schon gelungen sein, bevor die Regelkonformit&#228;t erreicht wird, gelungen in dem Sinne, dass sie f&#252;r einen nicht anwesenden Leser oder eine nicht anwesende Leserin verst&#228;ndlich sind. Und dieses Ziel muss beim Erlernen und Lehren einer Sprache im Zentrum stehen.</p>

<p>Wesentlich f&#252;r das Erreichen einer guten Ausdrucksf&#228;higkeit ist das Lesen. Fremde Texte werden zum Vorbild daf&#252;r, was mit dem Schreiben m&#246;glich ist und sie sind motivierend bez&#252;glich der eigenen Schreibkompetenz.</p>

<p>Das erste Ziel eines Lehrenden muss meines Erachtens also die F&#246;rderung der Lust am Lesen und Schreiben sein, da nur so das Ziel einer formgerechten Schreibung auf Dauer erzielt werden kann.</p>

<p>Dieser Lust ist eine &#220;bergewichtung des Ziels einer formgerechten Schreibung, ein Ziel, dass nat&#252;rlich nie aus den Augen verloren oder gar verneint werden darf, abtr&#228;glich. Um das Ziel zu erreichen, gilt es, das Selbstvertrauen in das eigene Lesen und Schreiben zu f&#246;rdern, um so mehr, wenn ein Kind Schwierigkeiten mit dem Lesen und dem Schreiben hat.</p>

<p>Das hat f&#252;r die t&#228;gliche Arbeit als Lehrer, aber auch f&#252;r den Einsatz aller anderen an Bildungsprozessen beteiligten Personen Konsequenzen.</p>

<p>Um Missverst&#228;ndnissen vorzubeugen: Ich pl&#228;diere im Folgenden nicht f&#252;r eine Vernachl&#228;ssigung des formgerechten Schreibens, ich pl&#228;diere vielmehr f&#252;r eine Herangehensweise an das Thema des Lesens und der Rechtschreibung, die das eigentliche Ziel des Lesens und Schreibens nicht aus den Augen verlieren: Es geht um die F&#228;higkeit, Gedanken so ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, dass nicht anwesende Leser und Leserinnen diese verstehen k&#246;nnen. Formgerechtes Schreiben, verbunden mit einem angemessen Wortschatz, macht dies deutlich leichter, wobei ein gr&#246;&#223;erer Wortschatz zudem auch das Lesen von Texten und somit das Verstehen der Gedanken anderer, nicht anwesender, Personen erleichtert oder &#252;berhaupt erst m&#246;glich macht.</p>

<p>Doch dieses Ziel muss idealerweise zu einem eigenen Ziel der Lernenden werden. Es muss also einerseits alles getan werden, dass Lernende dieses Ziel erreichen – es idealerweise sogar zu ihrem eigenen Ziel machen und nicht nur zu einem Ziel, dem sie sich in der Schule zu unterwerfen haben – und andererseits alles unterlassen werden, was das Erreichen dieses Ziels verhindert. Eine zu fr&#252;he &#252;bertriebene Konzentration auf die Rechtschreibung geh&#246;rt in dem meisten F&#228;llen wohl zu den zu unterlassenden Verhaltensweisen, soll die Lust am Lesen und Schreiben angemessen gef&#246;rdert werden, auch wenn das Ziel einer formgerechten Schreibung nie aus dem Auge verloren werden darf.</p>

<p>Was also ist zu tun und womit sollte man vorsichtig sein, wenn man mit Lernenden an den Zielen des Lesens und Schreibens arbeitet?</p>

<ol>
    <li>Das Hauptprodukt des Lernprozesses ist die Lust am Lesen und Schreiben als M&#246;glichkeiten der Entdeckung und der Reflexion des Selbst und der Welt, aber auch als M&#246;glichkeit, sich selbst auszudr&#252;cken bzw. Ausdrucksformen zu kennen und vielleicht sogar f&#252;r sich nutzen zu lernen.</li>
    <li>Formgerechte Schreibung ist ein Beiprodukt dieses Hauptproduktes des Bildungsprozesses und Fehler sollten nicht der Grund sein, dass ein Kind zu einem fr&#252;hen Zeitpunkt eine Schulform verlassen muss.</li>
    <li>Der Inhalt von Texten, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler verfassen, sollte nicht (zu fr&#252;h) im Rahmen der R&#252;ckmeldung von Fehlern &#252;berdeckt werden. Eine (zu fr&#252;he) Einf&#252;hrung verbindlicher und vor allem notenrelevanter Fehlerindizees sollte unterbleiben.</li>
    <li>An die Stelle der blo&#223;en Markierung und Bewertung von Fehlern m&#252;ssen Formen treten, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern einen reflexiven Umgang mit den Fehlern erm&#246;glichen. Es geht also nicht nur darum, Rechtschreibung zu &#252;ben (darum geht es auch!), sondern darum, die Gr&#252;nde f&#252;r die Fehler zu erkennen und diese somit reflexiv zu vermeiden.</li>
    <li>Korrekturen sollten immer den Respekt vor dem Text des / der Lernenden widerspiegeln und den Text eben nicht in ein Feld der bombengleichen Einschl&#228;ge des Rotstiftes machen. Ja, auch Korrektur kann &#228;sthetisch angemessen und unangemessen sein.</li>
    <li>Aufgabe des Lehrers ist es nicht, ein Kind zu demotivieren, sondern dieses von seinen St&#228;rken ausgehend zu f&#246;rdern. Wenn in einem Text von 150 W&#246;rtern 30 W&#246;rter falsch geschrieben sind, macht es, vor allem f&#252;r Kinder mit Schwierigkeiten beim Schreiben und beim Lesen, einen riesigen Unterschied, ob ich unter eine Arbeit oder eine Hausaufgabe „Du hast 30 Fehler“ oder „Du hast 120 von 150 W&#246;rtern richtig geschrieben“ schreibe.</li>
    <li>Die F&#246;rderung des Schreibens muss sich an dem orientieren, was Kinder k&#246;nnen und ebenso an dem, was Kinder &#252;ben m&#252;ssen. Angesichts der nach wie vor beeindruckenden Klassengr&#246;&#223;en gilt es hier, kreative ( = umsetzbare) Binnendifferenzierungsm&#246;glichkeiten zu suchen, die zumindest phasenweise eine individuelle F&#246;rderung m&#246;glich machen.</li>
    <li>Klassenarbeiten sind nicht nur Leistungs&#252;berpr&#252;fungen am Ende einer Unterrichtsphase, sondern Instrumente im Lernprozess. Deshalb gilt es, Wege zu finden, die mit Klassenarbeiten diagnostizierend und den weiteren Lernprozess f&#246;rdernd umgehen. Verbesserungen erf&#252;llen nur dann ihren Zweck, wenn sie in einen Reflexionsprozess &#252;ber die Fehler einf&#252;hren und diesen f&#252;r die weitere Arbeit fruchtbar machen.</li>
    <li>Die F&#246;rderung des lustvollen Umgangs mit Texten und dem Schreiben ist in der Schule nicht nur Aufgabe der Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen, sondern eine Aufgabe der gesamte Schule und somit aller F&#228;cher! Die F&#228;higkeit, sich angemessen ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, ist f&#252;r alle F&#228;cher relevant und f&#252;r die Teilhabe an der Gesellschaft und die Entfaltung der Pers&#246;nlichkeit von so zentraler Bedeutung, dass alle Lehrer und Lehrerinnen entsprechende Kenntnisse &#252;ber F&#246;rderm&#246;glichkeiten haben m&#252;ssen.</li>
    <li>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler lernen am besten mit positiven Emotionen. Es geht also darum, f&#252;r Erfolgserlebnisse zu sorgen. Dazu kann es auch hilfreich sein, Fehler zwar als solche kenntlich zu machen, diese aber gegebenenfalls nicht notenrelevant werden lassen. Dies gilt insbesondere f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, aber nicht nur.</li>
    <li>Wenn es beim Schreiben strukturell darum geht, Gedanken so auszudr&#252;cken, dass sie sie von einem anderen, nicht anwesenden Menschen verstanden werden k&#246;nnen, sollten viel h&#228;ufiger und intensiver M&#246;glichkeiten genutzt werden, diese Texte auch wirklich wichtig werden zu lassen. Hierzu k&#246;nnen „Ver&#246;ffentlichungen“ in der Lerngruppe ebenso dienen wie beispielsweise Sch&#252;lerzeitungen, Lesungen in einer Klasse oder &#252;ber diese hinaus, Schreibwettbewerbe, gemeinsam erstellte Weblogs und Wikis und einfach alles, was zum Schreiben f&#252;r andere einl&#228;dt. Es geht also auch um die Frage, wie Texte Leser und Leserinnen finden  – und ein solcher Leser oder eine solche Leserin sollte eben nicht nur der Lehrer oder die Lehrerin sein, wenn man will, dass Lernende nicht prim&#228;r f&#252;r Lehrende schreiben.</li>
    <li>Um das Schreiben zu lernen muss viel gelesen werden. Dabei ist auch das Vorlesen von zentraler Bedeutung, da dies f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler motivierend ist und diese auf diesem Wege ganz viel Wissen erwerben k&#246;nnen (auch &#252;ber das Lesen).</li>
    <li>Vor allem Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, aber nat&#252;rlich auch alle anderen, d&#252;rfen nicht blo&#223; gestellt werden. Will ich etwas &#252;ber die  Lesef&#228;higkeiten der Kinder erfahren, kann es eine durchaus bedenkenswerte Alternative sein, Texte auf Kassette oder als MP3 aufzeichnen zu lassen, statt jeden vor der Klasse lesen zu lassen. In diesem Zusammenhang kann es auch hilfreich sein, wenn Kinder Texte mitlesen, die sie vorgelesen bekommen. Gut eingelesene H&#246;rb&#252;cher k&#246;nnen hier eine gro&#223;e Hilfe sein.</li>
    <li>Es gilt, mit den Kindern &#220;bungsstrategien zu erlernen und einzusetzen, die eher dem Prinzip der Kontinuit&#228;t als des gro&#223;en Umfangs in kurzer Zeit dienen.</li>
    <li>Und weil es so wichtig ist, noch einmal: Im Zentrum des Lesens und Schreibens stehen die Ausdrucksf&#228;higkeit, das „Gespr&#228;ch“ &#252;ber Raum und Zeit und vor allem die Lust am Lesen und Schreiben. Ohne diese Lust wird das Erreichen eines formgerechten Schreibens erschwert. Rechtschreibung ist ein Beiwerk, ein Mittel und nicht der Zweck, so wenig sie aus dem Blick verloren werden darf.</li>
</ol>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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