Beitrags-Archiv für die Kategory '»Schul«_Lektüren'

„Stiftung Lesen“ – (Kritische) Beobachtungen eines Deutschlehrers

Dienstag, 17. August 2010 23:34

Die „Stiftung Lesen“ hat das Ziel „Lesefreude [zu] wecken, um Lesekompetenz zu vermitteln“. Dieses Ziel finde ich gut, dieses Ziel begrüße ich und es gibt mit Sicherheit viele Projekte dieser Stiftung, die dazu beigetragen haben, jungen Menschen Lust am Lesen zu vermitteln.

Dennoch beobachte ich, dass ich in sehr vielen Fällen, wenn ich einen Brief der „Stiftung Lesen“ öffne, von dem Gefühl beschlichen werde, hier gehe es eher um [...]

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Thema: Deutsch Sek. I, Unterricht, »Schul«_Lektüren | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

140 Zeichen Deutschunterricht: Ein Twitterprojekt

Mittwoch, 17. März 2010 23:53

Zwischendurch immer mal wieder einen Tweet, in dem es um die deutsche Sprache und Literatur geht – so lautet die Idee, die hinter dem in der Seitenleiste neu aufgeführtem Feld „Herr Larbigs „Deutschstunde“ auf Twitter” steckt.

Wer der „Deutschstunde“ auf Twitter folgt (in der Twittersprache heißt das „followed“), bekommt immer wieder zwischen all den anderen Meldungen (Tweets) kurze Hinweise, in denen es um Fragen der Rechtschreibung geht, um Grammatik und Ausdruck. Außerdem gibt es Links zu Beiträgen, die für alle interessant sein können, die sich für deutsche Sprache und Literatur interessieren.

Eine kleine Besonderheit ist, dass in dieser „Twitter Timeline“ auch Fotos auftauchen, die ich immer dann mache, wenn mir irgendwo in der Öffentlichkeit etwas auffällt, das mit Sprache zu tun hat. Dabei interessiert mich, welchen sprachlichen „Sünden” wir in unserer Umgebung tagtäglich ausgesetzt sind. – Ich finde es spannend, mit einem solch forschenden Blick durch die Stadt zu gehen; vielleicht bin ich da nicht der einzige.

Ziel des Projekts ist es nicht, als der ständig korrigierende Lehrer durch das Netz zu laufen. Ziel ist es auch nicht, die Tweets anderer nach Rechtschreibfehlern zu durchforsten und sie dann in einer Antwort an die betreffenden Personen zu korrigieren. Es gibt jemanden bei Twitter, der macht solche Korrekturen. Ich bin es nicht. Nach wie vor bin ich der Überzeugung, dass sich die Fähigkeiten im Umgang mit Sprache Schritt für Schritt und dennoch kontinuierlich entwickeln, so sich jemand der (Schrift)Sprache wirklich aussetzt, in dem zum Beispiel viel gelesen und geschrieben wird.

Das Ziel des Projekts „Deutschstunde“ auf Twitter ist zunächst einmal ein vielleicht überraschend egoistisches: Mir dient dieses Projekt als Motivationshilfe, meine Fühler wirklich in dem Maße auf Sprache und Literatur hin ausgerichtet zu halten, wie ich mir das für mich wünsche.

Das zweite Ziel besteht darin, interessierten Twitternutzern Anregungen aus meinem wachsenden Fundus rund um Sprache und Literatur zu geben. Zumindest die Sensibilität für sprachliche Phänomene und im Umgang mit Literatur soll da unterstützt werden. Vielleicht wächst sie bei dem einen oder anderen mithilfe dieser Tweets auch noch ein wenig.

Das Interesse für einen solchen Twitter-Stream ist da. In weniger als 24 Stunden haben sich 18 Twitterer entschieden, dass sie diesem Account folgen wollen.

Ich hoffe, dass „Deutschstunde“ auf Twitter dabei keine Einbahnstraße bleibt, auf der ich mit Inhalten hausieren gehe, sondern dass sich dieses Projekt dahin entwickelt, dass über sprachliche Phänomene via Twitter diskutiert wird, dass Fragen gestellt werden etc.

Außerdem kann diesem Account natürlich auch gerne von Schülerinnen und Schülern gefolgt werden, solchen, die ich unterrichte genauso wie solchen, die ich nicht unterrichte. Und in diesem Rahmen können durchaus auch Fragen an mich gestellt werden, denn wenn ich auf konkrete Fragen Antworten suche, oft muss ich sie tatsächlich erst suchen, bin ich doch alles anderes als „Mr. Allwissend“, lerne ich selbst in der Regel eine ganze Menge dabei.

Noch aber steht das Projekt, dessen „Basislager“ im Netz dieses Blog herrlarbig.de ist, ganz am Anfang. Als „Basislager“ wird es im Blog auch (weiterhin) längere Beiträge zu Themen rund um Sprache und Literatur geben, die auf Twitter dann natürlich als Links auftauchen. Ich weiß, dass solche Beiträge durchaus gelesen werden, denn die meist gelesenen Beiträge hier sind Beiträge, in denen literarische Werke im Zentrum stehen.

Ich bin neugierig, wie sich dieses Projekt „Deutschstunde“ auf Twitter entwickeln wird. Dabei werde ich in diesem Rahmen die klassische Twitterfrage „What are you doing“ (Was machst du gerade) nicht beantworten, sondern mich tatsächlich alleine auf die Inhalte konzentrieren. Dabei kann sich der Charakter dieser Twitter-Timeline  „Deutschstunde“ aus dem Hause herrlarbig.de im Laufe der Zeit auch ändern. Dies wird die Zeit dann aber zeigen, das kann ich heute nicht voraussehen.

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Thema: Deutsch Sek. I, Deutsch Sek. II, Deutschunterricht Tipps, Gedichte, Grammatik, Literaturgeschichte, Lyrik, Orthographie, Rechtschreibung, Zeichensetzung, »Schul«-Lektüren, »Schul«_Lektüren | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Ein Panther im botanischen Garten – Rilkes »Der Panther«

Dienstag, 4. November 2008 22:41

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille - und hört im Herzen auf zu sein.

Ein Panther ist ein Leopard1, eine Wildkatze, die in einer Großstadt wie Paris nichts verloren hat. Bereits die von Rilke dem Titel beigefügte Ortsbezeichnung weist auf einen Un-Ort hin, einen Ort, der keine Heimat für ein solch majestisches Tier ist. [...]

  1. »Panther« bezeichnet aber auch einfach nur eine Gattung von Großkatzen (Pantherinae) []

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Thema: Allende, …Götter, Deutsch Sek. I, Deutsch Sek. II, Gedichte, Literatur, Lyrik, lesen | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Wenn wilde Götter zahm sind und Kinder unterfordert werden

Montag, 3. November 2008 21:30

Abenteuer, Amazonas-Dschungel, eine Verschwörung und Kulturkritik: Isabel Allendes Roman »Die Stadt der wilden Götter« enthält so ziemlich alles, was eine spannende Handlung und einen guten Roman ausmachen kann. Doch beim Lesen tauchen Zweifel auf, ob die chilenische Autorin hier tatsächlich einen gelungenen Roman vorlegt: [...]

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Thema: Allende, …Götter, Deutsch Sek. I, Literatur, lesen, »Schul«_Lektüren | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Isabel Abedi, Isola – Mögliche Themen (Brainstorming)

Mittwoch, 22. Oktober 2008 22:19

Bevor ich mich mit Isabel Abedis Roman »Isola« näher befasse, will ich in einem ersten Schritt erst einmal überlegen, welche Themen ich mit dem Buch verbinde, die möglicherweise der Bearbeitung wert sein könnten. Dabe gehe ich bewusst über den reinen Inhalt des Romans hinaus. Die Überlegungen sind ungeordnet: [...]

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Thema: Deutsch Sek. I, I. Abedi, Isola, »Schul«_Lektüren | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Atmosphärische Störungen: »Krabat« – Der Film

Mittwoch, 15. Oktober 2008 13:32

Da reibt sich der verwunderte Kinogänger die Augen: Verschneite, hochgebirgsähnliche Berge in der Gegend um Hoyerswerda, der Heimat der Sagenfigur Krabat? Marco Kreuzpaintner trägt schon zu Beginn seiner Aufnahme des Krabatstoffes, die ausdrücklich dem gleichnamigen Buch von Otfried Preußler folgen will, ganz schön dick auf.  Das ist erst einmal in Ordnung, da die Verfilmung eines Buches natürlich ein neues Werk schafft und nicht nur darstellen soll, was so im Buch steht. Jede Verfilmung eines Romans ist eine Interpretation des Romans, die so ziemlich alles leisten muss, was in Schule und Studium über den Umgang mit Büchern gelernt wurde:

  • Es gilt den Inhalt des Romans zu erfassen und wiederzugeben (Inhaltsangabe, Nacherzählung).
  • Die Figuren benötigen Darsteller, Kostüme, Masken und müssen von den Darstellern als Figuren begriffen werden. Bereits die Auswahl der Schauspielenden spiegelt Vorstellungen der Auswählenden wider, wie diese Figuren sind und wirken (Personenbeschreibung, Charakteristik).
  • Die Darsteller selbst müssen sich in die Rollenbiographie ihrer Figuren einarbeiten, um den jeweiligen Charakter darstellen zu können (Charakteristik).
  • Es gilt, entsprechende Kulissen zu  bauen und Spielorte zu finden. Dazu muss man Entscheidungen treffen, in welcher Zeit ein Film spielt, welche Atmosphäre diese Zeit bestimmt (oder auch einzelne Spielorte des Films) etc. Es müssen also Entscheidungen zu eingesetzten Formen getroffen werden, welche Stilmittel genutzt werden – und damit steht im Hintergrund immer die Frage, wie die eine Romanverfilmung Produzierenden den Roman verstehen und deuten (Interpretation, Stilanalyse).
  • Jede Verfilmung eines Romans ist nicht nur die Interpretation einer Geschichte mit Hilfe szenischer Mittel, sondern immer auch eine persönliche Stellungnahme der Filmschaffenden zu dem Roman.
  • Möglicherweise wird in einem Film auch ein Thema, das in einer Romanvorlage angelegt ist, näher erörtert, während andere Themen möglicherweise außen vor gelassen werden.

Für Filmschaffende ist die Verfilmung eines literarischen Werkes dem entsprechend eine äußerst anspruchsvolle Tätigkeit, die aber gleichzeitig mit dem Problem verbunden ist, dass ein Film teuer ist und entsprechenden Erfolg beim Publikum braucht.

Wende ich all dies auf Kreuzpaintners Umgang mit Preußlers »Krabat« an, so fällt zunächst auf, dass Kreuzpaintner bestimmte Schwächen bei der Darstellung der Figuren im Roman bezüglich deren »Biographien« zumindest bei der Figur des Krabats aufgreift und sich dafür entscheidet, dass die Pest Krabat zum Waisen gemacht habe. Dabei taucht zwar nur Krabats Mutter auf, vom Vater erfahren wir auch im Film nichts, aber immerhin wird verständlich, warum Krabat möglicherweise an der Schwarzen Kunst interessiert ist: Die Hilflosigkeit im Umgang mit dem Tod seiner Mutter könnte Wünsche nach Macht losgetreten haben, die mit dem Tod kämpfen kann. Andererseits könnte auf diesem Wege verstanden werden, warum Krabat sich gegen den Müller zur Wehr setzt, als er erkennt, dass die Kunst des Müllers darauf beruht, mit dem Gevatter ein Bündnis eingegangen zu sein, das unweigerlich Jahr für Jahr zum Tode eines der Müllergesellen führen muss.

Doch diese in der Figur des Film-Krabats angelegten Charaktereigenschaften werden von David Kross in der Rolle des Krabats nicht überzeugend vermittelt. [...]

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Thema: Darstellende Kunst, Deutsch Sek. I, Film, Preußler: Krabat, »Schul«_Lektüren | Kommentare (2) | Autor: Herr Larbig

Otfried Preußler – Krabat: Ein kritischer Zwischenruf

Dienstag, 7. Oktober 2008 2:03

Ja,  Otfried Preußlers Roman »Kraba, der 1971 zum ersten Mal erschien, ist gut zu lesen. Er erzählt die spannende Geschichte eines Müllerjungens, der in den Machtbereich eines der schwarzen Magie anhängenden Müllermeisters gerät und – natürlich: die Liebe – einen Weg zur Erlösung findet.  Preußlers Roman wird als Meisterwerk der Kinder- und Jugendliteratur gehandelt, wurde mit Preisen ausgezeichnet, in viele Sprachen übersetzt und nun sogar als Grundlage für einen Spielfilm genommen, der von einem eigenen Blog begleitet  und dessen Vermarktung auch von der »Stiftung Lesen« unterstützt wird.

Aber ist »Krabat«, abgesehen von der begrüßenswerten Kunst, den Lesenden in eine Geschichte hinein zu ziehen, ein guter Roman? [...]

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Thema: Deutsch Sek. I, Literatur, Preußler: Krabat, lesen, »Schul«_Lektüren | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Du wirst ständig überwacht – Morton Rhues »Boot Camp«

Samstag, 20. September 2008 14:52

Irgendwann dürfte Todd Strasser, so heißt der Autor Morton Rhue mit bürgerlichem Namen, Decca Aitkenheads Reportage »The last resort« gelesen haben, die am 29. Juni 2003 in der englischen Zeitung »The Observer« erschienen ist und das in Jamaica angesiedelte »Verhaltensänderunszentrum« »Tranquility Bay« ins Zentrum stellt. – Anschließend dürfte er sich dann an die Arbeit an dem Roman »Boot Camp« gemacht haben. Zumindest entsteht dieser Eindruck, nach der Lektüre von »Boot Camp«, wenn ich die Details miteinander vergleiche; sicher ist es nicht, da Rhue in seinem Nachwort zwar einerseits auf den Realitätsgehalt seines Romans verweist, aber keinerlei Hinweise gibt, woher er sein Wissen hat. Die Nähe des Romans zu dieser Reportage ist allerdings sehr auffällig.

Die literarische Leistung des Autors besteht dann vor allem darin, Figuren zu schaffen, die er in das Umfeld eines solchen »Instituts für Verhaltensänderung« steckt: Aus »Tranquility Bay« wird im Roman »Lake Harmony« und im Zentrum des Romans steht der Ich-Erzähler Connor, 16 Jahre alt und von den eigenen Eltern in die Hand der »Umerziehungs-Spezialisten« gegeben, weil sie mit seiner Beziehung zu einer zehn Jahre älteren Frau, dia auch noch einmal Connors Lehrerin gewesen ist, nicht einverstanden sind.

Connor wird als literarische Figur im Roman von Anfang an als seinen Aufsehern gegenüber intellektuell überlegen dargestellt. – In Rhues Konzept des Romans ist eine solche Figur notwendig, um Reflexionen über das System solcher Lager an möglichst vielen Stellen im Roman unterzubringen – Reflexionen, die man durchaus als eine Bevormundung von Lesern und Leserinnen ansehen kann, da Rhue die Beurteilung des Systems im Roman einbaut, statt einfach zu erzählen und darauf zu vertrauen, dass Leserinnen und Leser selbst in der Lage sind, die erzählte Geschichte kritisch zu reflektieren. [...]

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