Wenn Fehler aufhören Fehler zu sein oder: Gedanken zur Sprachentwicklung
Dienstag, 21. April 2009 0:48
Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Duden, statt Gänsefüßchen („…“) oder den eher im Schriftsatz üblichen Anführungszeichen (»…«) auch jene mir schon heute an allen Ecken und Enden begegnenden Zollzeichen (“…” – leider wird das Resultat hier nicht richtig dargestellt, Zollzeichen sind jene senkrechten, völlig geraden Doppelstriche, die man oft an Stelle von Anführungszeichen sieht, die hier aber leider wie klassische englische Anführungszeichen erscheinen) zulassen wird, da der Duden sich in der Regel durch die Anpassung an den allgemeinen Sprachgebrauch „weiter entwickelt“.
Ein Beispiel, in dem eine Schreibweise, die bis dato als „falsch“ nun aber als möglich gilt, findet sich in der Kapitulation des Dudens vor dem Apostroph beim Genitiv von Namen, obwohl eigentlich auch schon vorher alles klar war: Wenn ein Name auf -s endet, dann steht das Apostroph zur Kennzeichnung des Genetivs (Markus [Grundform des Namens] – Markus’ [Genitiv]. Eine Verwechslung von Grundform und Genitiv ist nicht möglich, wenn dieser Regel gefolgt wird.
In der der aktuellsten Ausgabe jenes proprietären Standardwerkes der deutschen Rechtschreibregelung findet sich jetzt aber als neue Schreibmöglichkeit gekennzeichnet ein Hinweis, dass das Apostroph bei Namen zur Kennzeichnung derer Grundform nun auch vor das Genitiv-s gestellt werden kann, sodass nun zwei Möglichkeiten vom Duden anerkannt werden, wenn da auch noch ein wenig schüchtern angemerkt wird, dass diese Verwendung des Apostrophs „gelegentlich“ gebraucht würde. [1]
Von wegen „gelegentlich“! Der Sprachgebrauch ist da schon viel weiter vom Duden weg, [...]
- Duden. Die deutsche Rechtschreibung, 24. Auflage, Mannheim 2006, S. 36 – K16 [↩]
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Thema: Deutsch Sek. I, Deutsch Sek. II, Orthographie, Sprache, Unterricht, Zeichensetzung, schreiben | Kommentare (2) | Autor: Herr Larbig
