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	<title>herrlarbig.de &#187; »Schul«-Lektüren</title>
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		<title>Franz Kafka „Das Urteil“ – Ein Unterrichtsmodell (Einf&#252;hrung und Lekt&#252;re des gemeinfreien Textes)</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 22:04:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Franz Kafka „Das Urteil“ – Ein Unterrichtsmodell (Einf&#252;hrung und Lekt&#252;re des gemeinfreien Textes) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. 0 Rahmendaten Wurde das Unterrichtsmodell selbst entwickelt? – Ja. Wurde das Unterrichtsmodell &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/03/21/franz-kafka-das-urteil-ein-unterrichtsmodell-einfuhrung-und-lekture-des-gemeinfreien-textes/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a></em></p>

<p><span>Franz Kafka „Das Urteil“ – Ein Unterrichtsmodell (Einf&#252;hrung und Lekt&#252;re des gemeinfreien Textes)</span> von <a href="http://herrlarbig.de/?p=34719" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</p>

<h1>0 Rahmendaten</h1>

<ul>
    <li>Wurde das Unterrichtsmodell selbst entwickelt? – Ja.</li>
    <li>Wurde das Unterrichtsmodell in der Praxis erprobt? – Ja, in einem eigenen Deutsch-GK und mind. einem nicht von mir unterrichtetem Parallelkurs.</li>
    <li>F&#252;r welche Jahrgangsstufe ist das Modell geeignet:  – Sekundarstufe 2 (Hessen: Q2 Deutsch GK –  Aktuell auf der Leseliste zum Landesabitur 2013)</li>
    <li>Zeitbedarf: F&#252;r dieses Stunden-Modell eine Doppelstunde. F&#252;r die Unterrichtseinheit 12–16 Stunden, je nach verf&#252;gbarer Zeit im Kurshalbjahr.</li>
</ul>

<h1>1 Der Text kommt als Material zu den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen – sorgenfrei</h1>

<p>Auf Wikisource gibt es <a href="https://de.wikisource.org/wiki/Das_Urteil" target="_blank">eine Version des Kafkatextes</a>. Der Text wurde dem 1913 erschienenen und von Max Brod, einem engen Freund Franz Kafkas, herausgegebenen Band <em>Arkadia. Ein Jahrbuch f&#252;r Dichtkunst (Kurt Wolff Verlag, Leipzig).</em> entnommen und digitalisiert.</p>

<p>Da dieser Text die Seitenzahlen der Originalausgabe enth&#228;lt, kann er direkt im Unterricht eingesetzt werden.</p>

<p>Hier schlage ich jedoch einen methodisch Zugang vor, der neben der analytisch verstehenden (interpretierenden) Arbeit mit dem Text zu einer kreativen Ann&#228;herung und Auseinandersetzung mit ihm einladen will.</p>

<p>Den Text auf Wikisource verwandle ich zun&#228;chst in ein Buch. &#220;ber <em>&gt;Drucken/Exportieren &gt;Buch erstellen</em> in der linken Seitenleiste steht mir daf&#252;r direkt auf der Seite das entsprechende Werkzeug zur Verf&#252;gung. Zwar k&#246;nnte ich den Text auch direkt als PDF herunterladen, doch will ich ein Titelblatt erstellen, was ich mit der Buchfunktion auf Wikisource, die &#252;brigens in allen Projekten der Wikimedia-Foundation integriert ist, bewerkstellige. Mir wird automatisch das entsprechende PDF erstellt und mit der entsprechenden Lizenzseite versehen, die unbedingt bei der Nutzung erhalten bleiben und mit verbreitet werden muss, auch wenn ich das PDF ausdrucke! Um die Arbeit zu erleichtern, stelle ich das PDF-Buch, das ich mir erstellt habe, <a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/Kafka_Urteil.pdf" target="_blank">hier zum Download</a> zur Verf&#252;gung.</p>

<p>Die sieben Seiten kopiere ich einseitig und teile sie gelocht und geheftet an die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen aus.</p>

<h2>2 Medienp&#228;dagogisches Intermezzo – Die Lizenzfrage</h2>

<p>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler nicht nur der Oberstufe schaffen sich Lekt&#252;ren in der Regel auf eigene Kosten an. Gerade bei Klassikern bietet <a href="http://de.wikisource.org/wiki/Hauptseite" target="_blank">Wikisource</a> aber eine Alternative, die vor allem f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen interessant ist, die sich eines Leseger&#228;tes f&#252;r digital verf&#252;gbare B&#252;cher (E-Book-Reader) bedienen. Ja, solche gibt es.</p>

<p>Ich nutze die Ausgabe solcher freien Materilalien, die im Internetz legal kostenfrei verf&#252;gbar sind, um &#252;ber freie Materialien mit den Jugendlichen ins Gespr&#228;ch zu kommen und ihnen das Lizenzmodell der <a href="http://creativecommons.org/" target="_blank">CreativeCommons-</a>Bewegung zu erl&#228;utern.</p>

<p>Dabei gehe ich dann auch auf die Frage ein, dass in den meisten F&#228;llen von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sowie von Lehrerinnen und Lehrer Material von z. B. Wikipedia f&#228;lschlicher Weise ohne Lizenzangabe verwendet wird. Ich erkl&#228;re, wie man sich &#252;ber die Exportforunktion auf Wikipedia schnell die korrekte Lizenzangabe mit dem dazu geh&#246;renden Text erstellen lassen kann, sodass zuk&#252;nftig <em>korrekte</em> und <em>vollst&#228;ndige</em> Literaturangaben bei nicht nur in kleinen Teilen zitierten Texten m&#246;glich sind – und dann von mir auch (notenrelevant) erwartet werden.</p>

<h2>3 Die Erstlekt&#252;re</h2>

<p>Franz Kafkas „Das Urteil“ kann in ca. 30 Minuten vorgelesen werden. Um die im Text liegenden Wirkungsm&#246;glichkeiten zu nutzen empfiehlt es sich, das Vorlesen jemandem zu &#252;berlassen, der das kann. Wenn nicht ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin im Kurs ist, der oder die &#252;ber ein echtes Vorlesetalent verf&#252;gt, lese ich solche Texte selbst vor.</p>

<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler  haben die gedruckte Fassung vorher erhalten, sodass sie nun entscheiden k&#246;nnen, ob sie einfach zuh&#246;ren oder ob sie gleich mitlesen. So wird gleichzeitig die Vermittlung des Textes auf mehrern Kan&#228;len praktiziert, um von Anfang an unterschiedliche Lerntypen anzusprechen.</p>

<p>Bevor die Lekt&#252;re des Textes beginnt, legen sich die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler auf einer neuen Seite ihre Hefts oder Hefters ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cluster_(Kreatives_Schreiben)" target="_blank">Cluster</a> an, indem sie in der Mitte, genau wie bei einer Mindmap, Autor und Titel notieren. Anders als bei einer Mindmap geht es nun aber nicht um strukturierte Aufzeichnungen, sondern um eher assoziatives  Notieren von Gedanken, Ideen, Fragen etc., die w&#228;hrend des Lesens / Vorlesens auftauchen.</p>

<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bekommen so ein Instrument an die Hand, das sie dabei unterst&#252;tzen soll, den ersten Leseeindruck als Ausgangspunkt einer angemessenen Besch&#228;ftigung mit Literatur kennen- und erleben zu lernen. In der Regel untersch&#228;tzen Jugendliche die Relevanz ihrer eigenen Erfahrungen und Gedanken beim Lesen f&#252;r ihr Verst&#228;ndnis (literarischer) Texte, vor allem, wenn sie ihnen nicht zur von ihnen vermuteten Unterrichtserwartung zu passen scheinen.</p>

<p>Bereits im Vorfeld der Erstlekt&#252;re des Textes werden die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen au&#223;erdem darauf hingewiesen, dass sich nach der Lesephase direkt eine Phase von ca. 5 Minuten anschlie&#223;t, in der sie ihr Cluster erg&#228;nzen k&#246;nnen, nochmal in den Text schauen k&#246;nnen etc., sodass nach dem Lesen nicht noch ein Arbeitsschritt erkl&#228;rt werden muss, der die eigene Leseerfahrung wieder auf Distanz bringt.</p>

<p><strong>4 Das literarische Gespr&#228;ch</strong></p>

<p>Die letzte Phase der ersten Ann&#228;herung an Kafkas „Das Urteil“ wird durch <a href="http://wiki.zum.de/Literarisches_Unterrichtsgespr&#228;ch" target="_blank">das literarische Gespr&#228;ch</a> bestimmt, das in diesem Falle aus den Leseerfahrungen und die parallel entstandenen Cluster entsteht. – Der Lehrer gibt hier nach M&#246;glichhkeit nur das Startsignal und h&#228;lt sich in dem Gespr&#228;ch selbst weitgehend zur&#252;ck.</p>

<p>F&#252;r den weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit ist an dieser Stelle ein intensives Zuh&#246;ren und Mitschreiben des Lehrers angemessen, da sich in diesem ersten Zugang zum Text die Themen der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zeigen.</p>

<p>Es bietet sich an, die dann anstehende Unterrichtseinheit nicht schon vollst&#228;ndig im Vorfeld geplant zu haben, sondern die konkreten Fragestellungen im Kurs aufzugreifen und an diesen entlang die Unterrichtseinheit nach dieser Stunde zu planen.</p>

<p>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler  haben  zwar in unterschiedlichen Kursen oft sehr &#228;hnliche Fragen, aber welche Fragen f&#252;r den eigenen Kurs im Vordergrund stehen, zeigt sich in diesem Gespr&#228;ch nach der Erstlekt&#252;re, in dem die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen oft auch schon zu Interpretationsfragen &#252;bergehen.</p>

<p>Je nach Engagement der Lerngruppe kann das Gespr&#228;ch den Rest der Stunde einnehmen. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, f&#252;nf Minuten f&#252;r die Erl&#228;uterung des den Unterricht begleitenden Arbeitsauftrages zu reservieren.</p>

<h2>5 Einladung zur kreativen Auseinandersetzung mit der Geschichte von Franz Kafka und abschlie&#223;ende didaktische &#220;berlegungen</h2>

<p>Nat&#252;rlich k&#246;nnte Papier gespart werden, druckte man das mittels PDF-Buch-Generator auf Wikisource erstellte <a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/Kafka_Urteil.pdf" target="_blank">Dokument mit dem Text von Kafkas „Das Urteil“</a> doppelseitig aus. Ich hab mich f&#252;r den einseitigen Druck aus methodischen Gr&#252;nden entschieden.</p>

<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden sich im Laufe der Unterrichtseinheit nicht nur analytisch mit dem Kunstwerk befassen, sondern sollen mit Franz Kafka und seinem Text kreativ in eine aktive Auseinandersetzung kommen. Die „Leer“-Seiten des Textes sind dazu gedacht, dass die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen die „Leer“-Stellen des Textes aufgreifen und f&#252;r sich gestalten k&#246;nnen. Die „Leer“-Seiten laden dazu ein, dass jede und jeder im Kurs auf unterschiedlichste Weise kreativ werden kann.</p>

<p>Das Titelblatt ist von den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen zu gestalten. Auf den anderen „Leer“-Seiten k&#246;nnen Bilder entstehen, Comics die Handlung darstellen, Briefe an Georg Bendemann geschrieben, ein Tagebucheintrag verfasst werden, Portr&#228;ts der Figuren des Textes entstehen, Collagen zu den Inhalten der einzelnen Seiten und was den Kursteilnehmern noch so alles einf&#228;llt.</p>

<p>Auf den „Leer“-Seiten ist f&#252;r alles Platz, au&#223;er f&#252;r Unterrichtsnotizen. Wer diese in sein Leseexemplar direkt eintragen will, kann sich das entsprechende PDF-Dokument auf Wikisource noch einmal herunterladen und neben dem kreativ gestaltetem Exemplar eine Leseexemplar mit Unterrichtsnotizen f&#252;llen.</p>

<p>Ziel dieser Herangehensweise ist es, die kreativ-k&#252;nstlerische Ann&#228;herung an Kafka neben die analytische zu stellen, um so den Charakter der Literatur als Kunst im Bewusstsein zu halten, die vor allem zu einer pers&#246;nlichen bis existentiellen Auseinandersetzung und einer dialogischen Begegnung einladen will.</p>

<p>Dabei sollten die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Gestaltungsfreiheit bekommen. Sie k&#246;nnen auch mit der digitalen Kopie kreativ arbeiten, wenn sie das vorziehen.</p>

<p>Hier zeigt sich die wesentliche Bereicherung des Unterrichts durch die Nutzung von Material, das unter Creative-Commons-Lizenz steht und genutzt werden darf, unabh&#228;ngig vom Nutzungskanal. Analoge Schulb&#252;cher w&#252;rden ein solche Nutzung im Rahmen unterschiedlicher Medien nicht erm&#246;glichen k&#246;nnen, da deren Digitalisierung untersagt ist.</p>

<p>In diesem Unterrichtsvorschlag hingegen k&#246;nnen die unterschiedlichen Arbeits- und Lerntypen – ich gehe mittlerweile von der Hypothese aus, dass es neben den bekannten Lerntypen noch analoge und digitale Lerntypen gibt – sch&#252;lerorientiert und individualisiert ber&#252;cksichtig werden, sodass f&#252;r diese Unterrichtsreihe die Nutzung freier Materialien <em>notwendig</em> ist.</p>

<h2>6 &#220;bersicht der Struktur-Planung f&#252;r eine Doppelstunde (90 Minuten).</h2>

<ol>
    <li>Der Text kommt als Material zu den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen – sorgenfrei und medienp&#228;dagogisches Intermezzo (15 Minuten)</li>
<ol>
    <li>Nennung des Unterrichtsgegenstands und</li>
    <li>Inszenierung der Tatsache, dass diese Lekt&#252;re nicht angeschafft werden muss, sondern bereits gedruckt vorliegt. Der Grund: Gemeinfreiheit; Nutzung digitaler Quellen. Und doch sind solche Werke nicht Lizenzfrei. Deshalb:</li>
    <li>Exkurs zur Lizensierung mittels CreativeCommons und der Verpflichtung, bei Nutzung solcher Materialien entsprechende Lizenzangaben beizuf&#252;gen.</li>
    <li>Platz f&#252;r Sch&#252;lerfragen</li>
</ol>
    <li>Die Erstlekt&#252;re (ca. 45 Minuten)</li>
<ol>
    <li>Austeilen des Textes</li>
    <li>Der Text wird von einer des guten Vorlesens m&#228;chtigen Person vorgelesen. Die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen lesen mit und k&#246;nnen sich auf einem Extrablatt ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cluster_(Kreatives_Schreiben)" target="_blank">Cluster</a> f&#252;r Notizen, Gedanken, Fragen und Assoziationen erstellen. Um diese Arbeit zu erleichtern werden den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Beispielfragen genannt, wobei die folgenden wirklich nur als Vorschl&#228;ge gedacht sind. Die Beispielfragen sollten nicht visualisiert werden, um bei der Lekt&#252;re nicht den Blick auf sie abzulenken:</li>
<ol>
    <li>Was wundert mich?</li>
    <li>Was gef&#228;llt mir?</li>
    <li>Was &#228;rgert mich?</li>
    <li>Was kenne ich (als Gef&#252;hl) auch?</li>
    <li>Was verstehe ich?</li>
    <li>Was ist mir fremd?</li>
    <li>…</li>
</ol>
</ol>
    <li>Leseerfahrungen Raum geben (30-45 Minuten)</li>
<ol>
    <li>Nach der Erstlekt&#252;re angemessen Zeit geben, das gerade Gelesene / Geh&#246;rte zu verarbeiten. Damit nicht zwischen Lekt&#252;re und Verarbeitung der ersten Leseeindr&#252;cke ein Block mit dem Erkl&#228;ren eines Arbeitsauftrages steht, diesen Arbeitsschritt schon vor der Lekt&#252;re ank&#252;ndigen und das Vorlesen kommentarlos in diese Stillarbeitsphase &#252;bergehen lassen:</li>
<ol>
    <li>Wenn der Text fertig gelesen ist, bekommt ihr … Minuten Zeit, eure Gedanken, Gef&#252;hle, Fragen an den Text etc. in eurem Cluster zu erg&#228;nzen.</li>
</ol>
    <li>Die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen werden zu einem Gespr&#228;ch &#252;ber ihre erste Leseerfahrungen eingeladen. (Meldekette = Das Wort wird vom zuletzt an der Reihe gewesenen Sch&#252;ler oder der zuletzt das Wort habenden Sch&#252;lerin weiter gegeben, um wirklich die Leser und Leserinnen ins Gespr&#228;ch kommen zu lassen.)</li>
<ol>
    <li>In dieser Phase bietet sich f&#252;r den Lehrenden an, intensiv Notizen zu den Themen zu erstellen, die von den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen angesprochen und diskutiert werden, um die weitere Unterrichtsplanung auf diesen konkreten, von den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen angesprochenen Themen aufzubauen.</li>
<ol>
    <li>Eine M&#246;glichkeit ist, am Ende der Stunde zu sagen, dass man die Diskussion intensiv mitverfolgt habe und auf Basis der angesprochenen Themen einen Vorschlag zum Verlauf der Unterrichtseinheit vorlegen werde.</li>
    <li>Wenn hier Fragen auftauchen, zu denen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen einen Unterrichtsteil erarbeiten k&#246;nnen (Referat, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lernen_durch_Lehren" target="_blank">LdL</a>, Arbeitsauftr&#228;ge erstellen etc.), k&#246;nnen solche Arbeiten schon vergeben werden. Mit Sicherheit wird die Frage nach dem Autor aufkommen, den durchaus jemand aus dem Kurs vorstellen kann.</li>
    <li>Vorstellung des den Unterricht begleitenden kreativen Arbeitsauftrages, sowohl das Titelblatt als auch die Leerseiten des Textes so zu gestalten, dass eine kreative Interaktion mit dem Gesamttext (Titel) und den jeweils auf den einzelnen Textseiten erz&#228;hlten Geschehnissen stattfindet. (Da die Unterrichtseinheit bei mir je nach Halbjahresl&#228;nge zwischen 12 und sechzehn Unterrichtsstunden angelegt ist, wird dadurch der Zeitrahmen vorgegeben, der f&#252;r diese kreative Auseinandersetzung gegeben wird und an dessen Ende eine „Ausstellung“ steht,  deren Gestaltung je nach Kurs sehr unterschiedlich aussehen kann.)</li>
</ol>
</ol>
</ol>
    <li>F&#252;r die n&#228;chste Stunde…</li>
<ol>
    <li>Erstellt der Lehrer oder die Lehrerin eine Unterrichtsverlaufsplanung, die die Fragestellungen der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen ber&#252;cksichtigt und gleichzeitig die in der gymnasialen Oberstufe zu erwerbenden Kompetenzen im Umgang mit Prosatexten angemessen ber&#252;cksichtigt.</li>
</ol>
</ol>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Faust – Der Trag&#246;die 1. Teil als Rap-Text (Sch&#252;lerarbeit)</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2011/11/07/faust-der-tragodie-1-teil-als-rap-text-schulerarbeit/</link>
		<comments>http://herrlarbig.de/2011/11/07/faust-der-tragodie-1-teil-als-rap-text-schulerarbeit/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 23:17:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch Sek. II]]></category>
		<category><![CDATA[Faust 1]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Schülerarbeiten]]></category>
		<category><![CDATA[»Schul«-Lektüren]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschunterricht]]></category>
		<category><![CDATA[Faust]]></category>
		<category><![CDATA[Faust I]]></category>
		<category><![CDATA[Gedicht]]></category>
		<category><![CDATA[GK Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Grundkurs Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
		<category><![CDATA[Zusammenfassung]]></category>

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		<description><![CDATA[WIr haben im Grundkurs Deutsch gerade Faust 1 gelesen. Und in der letzten Stunde ist es gewesen, dass die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen ihr Wissen zusammenfassten. Ich bat sie, Zusammenfassungen f&#252;r oder aus der Sicht unterschiedlichster Zielgruppen zu schreiben. Zwei Sch&#252;ler &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/11/07/faust-der-tragodie-1-teil-als-rap-text-schulerarbeit/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<address>WIr haben im Grundkurs Deutsch gerade Faust 1 gelesen. Und in der letzten Stunde ist es gewesen, dass die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen ihr Wissen zusammenfassten. Ich bat sie, Zusammenfassungen f&#252;r oder aus der Sicht unterschiedlichster Zielgruppen zu schreiben. Zwei Sch&#252;ler fassten den erste Teil des Fausts als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rap" target="_blank">Rap</a> zusammen. </address>

<p><span id="more-29128"></span></p>

<address>Neben dem Wissen &#252;ber das Werk ist dabei die Leistung, eine Sprache zu benutzen, die nicht die Alltagssprache der Sch&#252;ler ist – also, zumindest mir gegen&#252;ber in der Schule sprechen sie ein gediegenes Hochdeutsch – und den Inhalt des Dramas in ein anderes Sprachspiel zu &#252;bertragen. </address>

<address>Dabei kommt gut heraus, dass „Faust“ alles andere als eine „harmlose“ Geschichte erz&#228;hlt.</address>

<address>Eine Ver&#246;ffentlichung der Texte war nicht als Teil des Unterrichts vorgesehen, aber wenn mich Sch&#252;ler so nett bitten, mal eine Sch&#252;lerarbeit auf herrlarbig.de zu ver&#246;ffentlichen – </address>

<blockquote><address>„hier ist die abgetippte Version und wir w&#252;rden uns sehr freuen, es auf ihrer Seite zu sehen und anderen als Lernmaterial (:P) zur Verf&#252;gung zu stellen.“</address></blockquote>

<address>– dann werde ich mich dem kaum verweigern. </address>

<address>&#220;brigens: In den Kommentaren ist durchaus Platz f&#252;r weitere Sch&#252;lerarbeiten zum Faust – auch von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen, die ich nicht unterrichte, die an anderen Schulen sind etc.</address>

<address>Und jetzt: Vielen Dank an Alex und Marc und Vorhang auf f&#252;r:</address>

<h3>Faust &#8211; Der Trag&#246;die erster Teil</h3>

<address><p>Faust fragt sich, wieso kriegt er kein M&#228;dchen ab</br>
Und zudem, wieso er &#252;berhaupt studiert hat</br>
Hat alles, den Style und das Geld</br>
Und sucht was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt</p>
<p>Schmei&#223;t sich ne Pille ein, sieht n junges M&#228;chen</br>
Ach, schei&#223; drauf Alter, ich nehm das kleine Gretchen</br>
Doch Meph, sein Homeboy, r&#228;t ihm von der Kleinen ab</br>
Nimmt ihn mit in den Puff und sie ziehn durch die Nacht</p>
<p>Er steigt trotzdem in ihr Bett</br>
Denn er findet sie sehr nett</br>
Doch der Bruder findets raus</br>
Und schiebt dem Faust ne Faust</p>
<p>Doch Meph hat wie immer sein Messer dabei</br>
Und schnitt des k&#252;hnen Bruders Herz entzwei</br>
Doch statt bei ihr zu bleiben</br>
Musste Faust es &#252;bertreiben</p>
<p>Sie ist dabei ein Kind zu kriegen</br>
Doch er l&#228;sst sie nur links liegen</br>
Kommt damit nicht klar</br>
Bringt das Baby um</p>
<p>Sagt das ist nicht wahr</br>
Wieso war ich nur so dumm?</br>
Am Kerkertor findet Faust zu ihr</br>
„Heinrich, mir grauts vor dir!“</p>

© Alex K &amp; Marc M

</address>

<blockquote><p>Und au&#223;erdem noch MC Phisto – Faust in der Langversion gerappt von Tobias Mann. Der ist kein Sch&#252;ler von mir. Der war auch kein Sch&#252;ler von mir. Aber hier passt die Nummer gerade super gut.</p>

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		<title>Der Mairisch-Verlag – Ein Interview mit Daniel Beskos auf der Frankfurter Buchmesse #fbm11</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 17:53:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Weil Finn-Ole Heinrichs Roman „R&#228;uberh&#228;nde“ nicht nur mir gefallen hat, sondern auch bei Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen sehr gut angekommen ist, bin ich nun mal zum Verlag gegangen, der diesen Roman ver&#246;ffentlicht hat. Die  haben auch noch viele andere Romane in &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/12/der-mairisch-verlag-ein-interview-mit-daniel-beskos-auf-der-frankfurter-buchmesse-fbm11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weil <a href="http://www.finnoleheinrich.de/raeuberhaende.php" target="_blank">Finn-Ole Heinrichs Roman „R&#228;uberh&#228;nde“</a> nicht nur mir gefallen hat, sondern auch bei Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen sehr gut angekommen ist, bin ich nun mal <a href="http://mairisch.de/" target="_blank">zum Verlag gegangen, der diesen Roman ver&#246;ffentlicht hat</a>. Die  haben auch noch viele andere Romane in ihrer Buchmessekoje ausgestellt gehabt. Und CDs auch noch. In diesem Verlag erscheinen n&#228;mlich die Platten von <a href="http://www.spaceman-spiff.de/" target="_blank">Spaceman Spiff</a>, der mich auch schon mit seinen Texten und seiner Musik zu &#252;berzeugen wusste.</p>

<p>Ja, auch Liedtexte sind Literatur, „Lyrics“ eben – warum also sollte ein Liedermacher wie Spaceman Spiff dann keinen Platz in einem tollen Verlagsprogramm haben, wie ich es hier auf dem Buchmessenstand vorgefunden habe?!</p>

<p>Aber was ist das f&#252;r ein Verlag, der sich mir da mehr und mehr als Geheimtipp entpuppt? Was zeichnet den in Hamburg angesiedelten Mairisch-Verlag aus? Als ich schon begonnen hatte, mit Daniel Beskos dar&#252;ber zu sprechen, fiel mir ein, dass ich mein Aufnahmeger&#228;t dabei habe und so haben wir das Gespr&#228;ch als Interview weiter gef&#252;hrt:</p>

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		<title>Faust 1 – Studierzimmer – Verse 1178–1529</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 20:20:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Faust 1 – Studierzimmer – Verse 1178–1529 von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Wenn der Teufel Worte aus der Bibel h&#246;ren muss, einem religi&#246;sen Gef&#252;hl in seiner unmittelbaren Umgebung begegnet, so ist &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/faust-i-studierzimmer-verse-11781529/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Faust 1 – Studierzimmer – Verse 1178–1529</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=6125" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Wenn der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mephistopheles" target="_blank">Teufel</a> Worte aus der Bibel h&#246;ren muss, einem religi&#246;sen Gef&#252;hl in seiner unmittelbaren Umgebung begegnet, so ist es naheliegend, dass er nicht ruhig sein kann, „hin und wider“ rennt (V 1186), dass er „zu den heiligen T&#246;nen, / Die jetzt meine [Fausts] ganze Seel&#8217; umfassen” (V 1202f.) knurrt, auch wenn dazu „der tierische Laut nicht passen“ (V 1204) will.</p>

<p>Und als <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/faust-1/" target="_blank">Faust</a> dann auch noch beginnt,<span id="more-6125"></span> den <a title="»Im Anfang war die Tat« – Das Verb als Satzzentrum" href="http://herrlarbig.de/2008/09/25/im-anfang-war-die-tat-das-verb-als-satzzentrum/" target="_blank">Anfang des Johannesevangeliums </a>zu &#252;bersetzen (V1224–1237), beginnt der Pudel zu heulen, zu bellen und Faust kommt zu dem Schluss: „Solch einen st&#246;renden Gesellen / Mag ich nicht in der N&#228;he leiden.“ (V 1241f.) – Und doch treibt ihn die Neugier an. Die Spannung steigt, die Worte an den Pudel sind in k&#252;rzeren Versen als jene der religi&#246;sen Innigkeit. Und die Worte der Beschw&#246;rungsformel (V 1273–1321) Fausts angesichts des Pudels werden in noch k&#252;rzere Verse gefasst, die die Unruhe ausdr&#252;cken, die sich erst entspannt als der der Pudel sein Wesen zeigt. Hier steht dann auch der ber&#252;hmte Vers „Das also war des Pudels Kern.“ (V 1322)</p>

<p>Faust entspannt sich sprachlich in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alternanz_(Verslehre)" target="_blank">alternierenden Versen</a>. Und doch will er wissen, mit wem er es da zu tun hat, erinnert er sich doch an die alte <a href="http://www.sciacchitano.it/Pensatori%20epistemici/Benjamin/&#220;ber%20Sprache%20&#252;berhaupt.pdf" target="_blank">Vorstellung, dass der Namen das Wesen beschreibt, dass das Wissen um den Namen Macht &#252;ber das Benannte gibt</a>. „Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen / Gew&#246;hnlich aus dem Namen lesen” (V 1330f.) Und Faust erf&#228;hrt den Namen nicht, bekommt vielmehr ein „R&#228;tselwort“ (V 1337), in dem sich Mephistopheles mit seiner nihilistischen, alles verneinenden Lebenseinstellung vorstellt. „Goethes Mephistopheles pervertiert alles: die Welt geht vom Dunkel aus und l&#228;uft auf das Nichts hin – ein Gegenbild zu dem, was der <a title="Faust 1: Zueignung, Vorspiel auf dem Theater, Prolog im Himmel" href="http://herrlarbig.de/2008/09/04/goethes-faust-zueignung-vorspiel-auf-dem-theater-prolog-im-himmel/" target="_blank"><em>Prolog im Himmel</em></a> zeigte.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/faust-i-studierzimmer-verse-11781529/#footnote_0_6125" id="identifier_0_6125" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&amp;#252;nchen 1998, S. 533.">1</a></sup></p>

<p>Mephistopheles geht es um Zerst&#246;rung und er sagt dies offen. Gleichzeitig aber bekommt die Szene fast etwas kom&#246;dienhaftes, als Mephistopheles das Zimmer Fausts nicht verlassen kann. „Der Teufel kann nicht aus dem Haus“ (V 1408), weil ihn ein Pentagramm davon abh&#228;lt. Zwar ist es nicht ganz geschlossen gezeichnet, aber den Weg nach drau&#223;en versperrt es. Faust fragt (fast schon schelmisch?): „Doch warum gehst du nicht durchs Fenster?“ (V 1409) worauf ihm Mephistopheles die strengen Gesetze nennt, denen er offensichtlich unterworfen ist, obwohl er doch „stets verneint“ (V 1338):</p>

<blockquote>„&#8217;s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster: / Wi sie hereingeschl&#252;pft, da m&#252;ssen sie hinaus. / Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.“ (V 1410–1412)</blockquote>

<p>Als Faust dies h&#246;rt, bietet <em>er</em> Mephistopheles einen Pakt an (V 1415), worauf dieser erst einmal ein wenig Abstand suchen will, was Faust gar nicht gef&#228;llt: „Den Teufel halte, wer ihn h&#228;lt! Er wird ihn so bald zum zweiten Male fangen.” (V 1429) Mephistopheles f&#252;gt sich scheinbar, zeigt aber dennoch seine Kraft, indem er Geister singen l&#228;sst (V 1447–1505), die in Kurzversen, fast durchgehend gereimt spreche, wobei das Klangliche und Sinnenhafte<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/faust-i-studierzimmer-verse-11781529/#footnote_1_6125" id="identifier_1_6125" class="footnote-link footnote-identifier-link" title=" Vgl.&nbsp;((Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&amp;#252;nnchen 1998, S. 535.">2</a></sup> vorherrscht. Es wird vor allem der Sehsinn angesprochen, hin und her pendelnde, kurze zweihebige Verse, fast wie ein Pendel bei einer Hypnose – einlullend und einschl&#228;fernd.</p>

<p>Doch dieses „Konzert“ (V 1508), ein weiterer Hinweis auf Mephistopheles begrenzte Macht, konnte Mephistopheles zwar herbeirufen, aber seine Wirkung nicht selbstst&#228;ndig erzeugen. Und nun braucht er auch noch eine Ratte, die das Holz, auf dass das Pentagramm gemalt ist, so anknabbert, dass es sich &#246;ffnet und Mephistopheles entfliehen kann. – Aber er kommt wieder, von sich aus, in einer anderen Verkleidung. Schon in der folgenden Szene, die wiederum im Studierzimmer spielt, klopft er an, ist bereit den Pakt mit Faust einzugehen, aber dies ist, wie schon gesagt, die n&#228;chste Szene.</p>

<p>Verwendete Literatur:</p>

<p>Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&#252;nchen 1998.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Was im Deutsch-Grundkurs zu lesen sein wird (Landesabitur Hessen 2013)</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 17:32:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach einem in seinen Lekt&#252;ren dem Deutsch-Unterricht noch Luft gebenden Einf&#252;hrungsjahr, beginnt f&#252;r die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die im Jahr 2013 ihr Abitur in Hessen machen wollen, nun die Phase, in der der offizielle Lehrplan mit verbindlichen Lekt&#252;ren verbunden ist. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einem in seinen Lekt&#252;ren dem Deutsch-Unterricht noch Luft gebenden Einf&#252;hrungsjahr, beginnt f&#252;r die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die im Jahr 2013 ihr Abitur in Hessen machen wollen, nun die Phase, in der der offizielle Lehrplan mit verbindlichen Lekt&#252;ren verbunden ist. Erstmals sind diese Lekt&#252;ren sogar Halbjahren zugeordnet, worauf die bisherigen Vorgaben verzichteten, wohl deshalb, weil sich durch die offiziellen Lehrpl&#228;ne eigentlich fast von alleine ergab, in welchen Halbjahren der Oberstufe die Lekt&#252;ren ihren Platz finden. – Dass die Lekt&#252;ren nun konkreten Halbjahren zugewiesen werden, hat vielleicht Gr&#252;nde. Doch &#252;ber diese will ich hier gar nicht spekulieren.</p>

<p>Was also wird im Grundkurs Deutsch in Hessen f&#252;r all die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu lesen sein, die n&#228;chsten Montag (8. August 2011) mit der Qualifikationsphase beginnen? – Hier die (subjektiv) kommentierte <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HKM_15/HKM_Internet/med/2fe/2fe7045d-2144-e031-f012-f31e2389e481,22222222-2222-2222-2222-222222222222,true" target="_blank">Lekt&#252;reliste</a> ((Der Link f&#252;hrt zum PDF mit den offiziellen Hinweisen zur Vorbereitung auf die schriftlichen Abiturpr&#252;fungen im Landesabitur 2013, gem&#228;&#223; Erlass vom 20. Juni 2011)), f&#252;r deren Richtigkeit ich &#252;brigens keine Gew&#228;hr &#252;bernehme.</p>

<p><span id="more-6019"></span>Die <a href="http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek_ii/" target="_blank">offiziellen Hinweise zu den Pr&#252;fungen des hessischen Landesabiturs</a> finden sich auf der <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/" target="_blank">Website des Hessischen Kultusministeriums</a> bzw. auf dem <a href="http://dms.bildung.hessen.de/index.html" target="_blank">Hessischen Bildungsserver</a>.</p>

<h2>Lekt&#252;ren im Grundkurs Deutsch<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/#footnote_0_6019" id="identifier_0_6019" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Angaben ohne Gew&amp;#228;hr">1</a></sup> im Verlauf der Qualifikationsphase 1 mit subjektivem Kommentar:</h2>

<h4>Kleist: Prinz Friedrich von Homburg</h4>

<p>Kleist ist neu im Reigen der f&#252;r das Landesabitur relevanten Lekt&#252;rverpflichtungen in der Qualifikationsphase. Endlich! Kleist! Mit „Prinz Friedrich von Homburg“ ist Kleists wohl ausgereiftestes B&#252;hnenwerk Teil der Leseliste f&#252;r das Landesabitur. Eine fremde Welt, die sich heutigen Leserinnen und Lesern da auftut, aber die Themen sind heute nach wie vor die gleichen geblieben. Richtig: Es geht nat&#252;rlich um …!</p>

<div>
<h4>Lyrik zum Menschenbild der Klassik</h4>
Stand so bislang nicht auf der Liste der f&#252;r das Landesabitur relevanten Lekt&#252;rverpflichtungen. Die Pr&#228;senz der Lyrik wird damit um ein Drittel erweitert. Standen bislang nur zwei Themenbereich mit Lyrikschwerpunkt auf der Leseliste, sind es nun derer drei. Allerdings standen auf bisherigen Leselisten f&#252;r das Landesabitur auch nur sieben Lekt&#252;revorgaben. Nunmehr sind es neun (Lyrik und Epik wurden um jeweils eine Lekt&#252;reverpflichtung aufgestockt, sodass nun aus jedem Bereich (Dramatik, Epik, Lyrik) drei Lekt&#252;reverpflichtungen vorgesehen sind). F&#252;r mich wird diese Unterrichtseinheit noch einmal eine Entdeckungsreise durch diese Epoche werden, in der nat&#252;rlich nicht nur Goethe schrieb. Und die Frage nach dem Menschenbild im Kontext der Lyrik zu stellen, halte ich f&#252;r eine bisherige Kenntnisse vertiefende Hinf&#252;hrung zur Lyrik im ersten Halbjahr der Qualifikationsphase nicht schlecht gew&#228;hlt. Hier bieten sich f&#252;r mich  Ankn&#252;pfungsm&#246;glichkeiten an die in der Einf&#252;hrungsphase intensiv erarbeitete Epoche der Aufkl&#228;rung, was ebenso f&#252;r die Lyrik der Romantik gilt.
<h4>Lyrik der Romantik</h4>
Ob es m&#246;glich ist, die Lyrik zum Menschenbild der Klassik gewinnbringend mit der Erarbeitung der romantischen Lyrik zu verbinden? Die Basis der romantischen Lyrik ist eng mit Fragen des Welt- und Menschenbildes verbunden. Die Frage einer Integration dieser Lekt&#252;rebereiche in eine Unterrichtseinheit ist naheliegend. Zumindest wenn ich in Klausuren denke<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/#footnote_1_6019" id="identifier_1_6019" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich wei&amp;#223;, dass unter meinen Leserinnen und Lesern auch solche sind, die Pr&amp;#252;fungen, Noten und die damit verbundenen Auswirkungen auf das schulische Lernen kritisch betrachten. Da ich aber konkret unterrichte, tue ich das im Rahmen der Vorgaben, die ich dann auch bei meine Vorbereitungen zu ber&amp;#252;cksichtigen habe.">2</a></sup>, so f&#228;llt mir auf, dass in jedem Halbjahr der Qualifikationsphase nach der mir vorliegenden &#220;bersicht drei Lekt&#252;ren vorgesehen sind. Es werden zwei Klausuren pro Halbjahr geschrieben. Daraus ergeben sich die M&#246;glichkeiten, 1. Lekt&#252;rebereiche aus der &#220;berpr&#252;fung mittels Klausuren heraus zu nehmen und andere Formen der Leistungsnachweise zu nutzen oder aber 2. Lekt&#252;revorgaben zu integrieren und somit das verkn&#252;pfende Denken auf noch einer weiteren Ebene gezielt zu f&#246;rdern, ist es doch durchaus f&#252;r viele Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen nicht trivial, &#252;ber die Grenzen eines literarischen Werkes bzw. einer literarischen Epoche hinaus zu denken.

Die Qualifikationsphase legt im ersten Halbjahr der Vorbereitung auf das hessische Landesabitur im Grundkurs Deutsch einen klaren Schwerpunkt auf die ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhundert. Das Halbjahr kann also durchaus auch als eine literarische Zeitreise in die Epoche vor nunmehr 200 Jahren gesehen und gestaltet werden. Wenn dann noch B&#252;chners Woyzeck in Q2 dazu genommen wird, ist dieses Drama doch auch in dieser Zeit entstanden, so zeigt sich in der zu lesenden Literatur die Differenziertheit literarischer Str&#246;mungen, aber auch die Zerrissenheit der Gesellschaft, insbesondere in der Gegen&#252;berstellung B&#252;chners Arbeiten mit denen der Romantik und der Klassik.
<h2>Lekt&#252;ren im Grundkurs Deutsch im Verlauf der Qualifikationsphase 2 mit subjektivem Kommentar:</h2>
<h3><span class="Apple-style-span" style="font-size: 14px;">B&#252;chner: Woyzeck</span></h3>
<div>

Woyzeck geh&#246;rt auf die Lekt&#252;reliste. Ganz klar. Doch dieses Mal werden die Briefe B&#252;chners und der von ihm mit verfasste „Hessische Landbote“ in den Hinweisen zum Landesabitur 2013 nicht genannt. Das ist aber nur eine kosmetische Frage, denn in gewisser Weise werden die Briefe bestimmt eine Rolle spielen – und wenn nicht im Unterricht, so bieten sie von ihrem Umfang her durchaus M&#246;glichkeiten f&#252;r die Gestaltung von Leistungsnachweisen. Eine rein werkimmanente Erarbeitung des Woyzeck, die zentrale Bez&#252;ge zu B&#252;chners politischem Engagement vernachl&#228;ssigt, kann ich mir bislang allerdings nur schwer vorstellen.
<h4>Fontane: Irrungen, Wirrungen</h4>
Dieses Werk bietet Einblicke in die Zeit der zweiten H&#228;lte des 19. Jahrhunderts unter literarischen Vorzeichen. Fontane ist ein durchaus in einigen Werken sehr spannender Erz&#228;hler. „Irrungen, Wirrungen“ bietet sich dazu an, einem Schriftsteller mal sehr genau auf die Finger zu schauen, sind manche „Tricks“, derer sich Autoren bedienen, hier doch so augenf&#228;llig und zug&#228;nglich, dass es wirklich keine gro&#223;e Herausforderung ist, Techniken der Vorausdeutung, der im Text diesen deutend integrierten Beschreibungen von Dingen etc. und weiteres Handwerkszeug von Autoren herauszuarbeiten. – Im Zusammenhang mit B&#252;chners Wirklichkeitsdarstellung kann, bei allem kritischen Geist, der im Werk Fontanes vorhanden ist, auch manche Einseitigkeit der Wirklichkeitswahrnehmung Fontanes im Kontext des B&#252;rgertums sicherlich nachvollziehbar heraus gearbeitet werden.  – F&#252;r die Sch&#252;ler ist „Irrungen, Wirrungen“ zum ersten Mal auf der Lekt&#252;reliste. F&#252;r mich als Lehrer f&#228;nde ich es nicht so schlecht, wenn mit Effie Briest oder gar Werken von Gerhart Hauptmann mal wieder ein anderes Werk diese Epoche repr&#228;sentieren w&#252;rde.
<h4>Kafka: Das Urteil</h4>
Ich mag Kafka und gerade „Das Urteil“ ist vielen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern weit zug&#228;nglicher, als es bei Kafka zu vermuten w&#228;re. Erinnere ich mich an meine eigene Schulzeit, wir lasen Kafka schon in den Klassen 9 und 10, so war Kafka ein Autor, dessen gesammelte Prosa ich mir direkt im Zusammenhang mit dem Unterricht zulegte, weil ich diesen Autor sehr spannend fand und finde. Dass in den vergangenen Jahren, in denen Kafka auf der Lekt&#252;reliste zum hessischen Landesabitur steht, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler teilweise immer noch richtig gut mit Kafka umgehen k&#246;nnen, zeigt mir einmal mehr, wie existentiell und &#252;ber die Zeiten hinweg Kafka geschrieben hat.

</div>
<h2>Lekt&#252;ren im Grundkurs Deutsch im Verlauf der Qualifikationsphase 3 mit subjektivem Kommentar:</h2>
<h4>Goethe: Faust I</h4>
<em>Der</em> deutsche Klassiker &#252;berhaupt. Zumindest angesichts des heute als relevant betrachteten Kanons; zumindest in dem Zeitraum deutscher Literaturgeschichte, der in der hessischen Oberstufe ber&#252;cksichtigt wird. Doch auch im Gesamtkontext deutschsprachiger Literaturgeschichte gibt es nur wenige Werke, die literarisch und inhaltlich so spannend sind, wie „Faust“. So sehe ich das zumindest. Einmal im Jahr „Faust“ lesen – das kann auch ohne berufliche Verpflichtungen, die mit der Lekt&#252;re verbunden sind, sehr lohnend sein. Mein Eindruck ist, dass diese Lekt&#252;re nach wie vor f&#252;r &#252;berraschend viele Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler als eine Art H&#246;hepunkt des Deutschunterrichts gilt. Dar&#252;ber hinaus sind die M&#246;glichkeiten des werkimmanenten Arbeitens sehr breit gef&#228;chert. Bez&#252;ge zur Klassik, zur Romantik, zu Kleist und … zu eigentlich der gesamten deutschsprachigen Literaturgeschichte (und zu Shakespeare und und und…) sind beim Faust immer m&#246;glich.
<h4>Hein: In seiner fr&#252;hen Kindheit ein Garten</h4>
Heins „In seiner fr&#252;hen Kindheit ein Garten“ ist der einzige nach 1945 entstandene Roman, der f&#252;r das hessische Landesabitur im Grundkurs Deutsch im Jahr 2013 relevant ist. Dieser Roman bietet sich, von den historischen Bez&#252;gen, die sehr viel spannende Hintergr&#252;nde liefern k&#246;nnen einmal abgesehen, vor allem dazu an, sich bei seiner Lekt&#252;re noch einmal grunds&#228;tzlich reflexiv mit der Frage nach Qualit&#228;tskriterien von Literatur zu befassen. Was macht einen guten literarischen Text aus? Und welche der in der Qualifikationsphase gelesenen Texte erf&#252;llen welche Qualit&#228;tskriterien.  Zu allererst muss sich aber Heins „In seiner fr&#252;hen Kindheit ein Garten“ diesen Kriterien stellen. Die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen k&#246;nnen dabei sicher zu unterschiedlichen Positionen gelangen.
<h4>Lyrik des Expressionismus</h4>
Der Expressionismus ist ein Ph&#228;nomen, dass in der gesamten Kunst seinen Niederschlag fand, vor allem aber in der bildenden Kunst, sodass die Verbindung von Bildern mit Gedichten so nahe liegt, dass sie eigentlich nicht erw&#228;hnt werden muss. In Frankfurt <del>liegen</del> h&#228;ngen aber nun auch noch einige Schl&#252;sselwerke dieser Epoche sehr nah im St&#228;del, sodass die Verbindung in der direkten Begegnung mit diesen Bildern geschehen kann. Die Bandbreite der Lyrik dieser Zeit ist enorm, so sehr sie sich auch eines beschr&#228;nkten Umfangs stilbildender Mittel bediente. Nach dem Sturm und Drang als Epoche des jungen Goethes ist der Expressionismus in der Lyrik vielleicht die erste Nachfolgeepoche, in der sich die Lyrik inhaltlich und formal sprunghaft weiter entwickelte und somit die gro&#223;en Ver&#228;nderungen hin zu Dadaismus und zur konkreten Poesie erm&#246;glichte.
<h2>Au&#223;erdem</h2>
Grundkategorien der Redeanalyse sind im Kontext der Sprachreflexion zu erarbeiten. Das halte ich angesichts unserer politischen Redekultur f&#252;r sehr sinnvoll und oft ist es erhellend, wenn man politische Reden unter rhetorischer Perspektive betrachtet. Doch finde ich, dass es nicht nur um die Analyse von Reden gehen sollte, sondern dar&#252;ber hinaus die Kompetenz zur Vorstellung eigener Reden gef&#246;rdert werden sollte.

Insgesamt ist das ein anspruchsvolles und recht umfangreiches Programm, dass die mit diesem Schuljahr in die hessische Qualifikationsphase eintretenden Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler da im GK Deutsch absolvieren sollen. Ich halte es aber auch f&#252;r ein spannendes Programm, das einiges an Optionen f&#252;r die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen bietet, so mit den Texten zu arbeiten, dass f&#252;r unterschiedlichste Herangehensweisen Platz ist, f&#252;r Herangehensweisen, die differenziert dazu qualifizieren, die Anforderungen einer zentralen Abiturpr&#252;fung erf&#252;llen zu k&#246;nnen.
<blockquote>Ebenfalls ohne Gew&#228;hr, aber der Vollst&#228;ndigkeit halber hier noch die Lekt&#252;ren, die f&#252;r den Deutsch-Leistungskurs f&#252;r das hessische Landesabitur 2013 die Grundlage bilden:</blockquote>
<blockquote>Q1: Schiller: Die Jungfrau von Orleans; Kleist: Die Marquise von O …; Lyrik zum Menschenbild der Klassik; Lyrik der Romantik</blockquote>
<blockquote>Q2: B&#252;chner: Woyzeck; Fontane: Irrungen, Wirrungen; Hofmannsthal: Brief des Lord Chandos; Kafka: Das Urteil</blockquote>
<blockquote>Q3: Goethe: Faust I; Wolf: Medea. Stimmen; Lyrik des Expressionismus</blockquote>
<blockquote>Au&#223;erdem, im Rahmen der sog. zus&#228;tzlichen Belesenheit von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen im Deutsch-LK: Thomas Mann: Mario und der Zauberer; S&#252;skind: Das Parf&#252;m</blockquote>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 23:01:11 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Voraussetzungen zum Verstehen der Dramen Schillers etc. von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Milit&#228;rarzt, Geschichtsprofessor, Philosoph. Darf&#8217;s ein wenig mehr sein? – Schriftsteller war er auch noch. Und als Schriftsteller besch&#228;ftigte &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/02/voraussetzungen-zum-verstehen-der-dramen-schillers-etc/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a></em></p>

<p><em> <span>Voraussetzungen zum Verstehen der Dramen Schillers etc.</span> von <a href="http://herrlarbig.de/?p=5345" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p><em></em>Milit&#228;rarzt, Geschichtsprofessor, Philosoph. Darf&#8217;s ein wenig mehr sein? – Schriftsteller war er auch noch. Und als Schriftsteller besch&#228;ftigte er sich mit Geschichte und Philosophie. Den Milit&#228;rarzt hatte er als Beruf hinter sich gelassen, nachdem er eher mehr als weniger desertiert hatte.</p>

<p><span id="more-5345"></span> Mit f&#252;nfundvierzig Jahren starb er am 9. Mai 1805 in Weimar.</p>

<p>Lebensbeschreibungen zu <strong>Friedrich Schiller</strong> gibt es viele. Statt diesen eine hinzuzuf&#252;gen, verweise ich lieber auf <a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Schiller/Biographie/Seite1" target="_blank">eine, die mir gut gef&#228;llt</a>, auch wenn sie nat&#252;rlich umfangreiche wissenschaftliche Biographien nicht ersetzen kann. Zur ersten Orientierung ist sie ganz gut geeignet</p>

<p>Und auch zu <strong>Schillers Drama »</strong><a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2439&amp;kapitel=1" target="_blank"><strong>Maria Stuart</strong></a><strong>«</strong> gibt es <a href="http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek_ii/deutsch/kurshalbjahre/12.1/staat_und_revolution/maria_stuart/" target="_blank">im Netz</a>, nat&#252;rlich auch in den Regalen der nach wie vor extrem besuchenswerten Einrichtung »Bibliothek«, gro&#223;e Mengen an Material. Was sollte ich dem hinzuf&#252;gen k&#246;nnen? Deshalb hier nur ein paar grundlegende, einf&#252;hrende Gedanken, die vielleicht den Zugang zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B&#252;rgerliches_Trauerspiel" target="_blank">Trauerspiel</a> »Maria Stuart« und zu anderen Dramen bzw. literarischen Werken ein wenig erleichtern k&#246;nnen.</p>

<p>Schiller lebte in unruhigen Zeiten. Das Denken war dabei, einen grundlegenden Wandel zu erleben. <a href="http://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm" target="_blank">Angesto&#223;en vor allem durch Kant</a>, hatte die Aufkl&#228;rung ihren Siegeszug angetreten. Schiller hat Kants Werke als Philosoph nat&#252;rlich gekannt und wurde <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Erhabene" target="_blank">nicht gerade wenig von ihnen gepr&#228;gt.</a></p>

<p>Ebenso aufmerksam verfolgte Schiller pr&#228;gende Ereignisse seiner eigenen Zeit, die er als Historiker immer im Horizont der ihm bekannten Geschichte betrachtete, was ihn auch <a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2446&amp;kapitel=1" target="_blank">zu geschichtsphilosophischen &#220;berlegungen f&#252;hrte</a>.</p>

<p>Als Historiker kannte er beispielsweise die <a href="http://www.oppisworld.de/zeit/kalender/england.html" target="_blank">Geschichte der Konkurrenz zwischen Elisabeth I., K&#246;nigin von England, und Maria Stuart</a>.
Doch um es gleich zu sagen: <strong>Mit den historischen Fakten hat Schillers »Maria Stuart« wenig zu tun.</strong> Schiller war der Meinung, dass <a href="http://www.fachdidaktik-einecke.de/9b_Meth_Umgang_mit_Texten/sachtextanalyse_bsp_schiller.htm" target="_blank">Geschichte und Literatur unterschiedliche Aufgaben</a> haben und gestaltete den historischen Stoff gem&#228;&#223; dieser unterschiedlichen Ziele von Geschichtsschreibung und Literatur.</p>

<p>Schiller lebte in unruhigen Zeiten. Neben der <strong>Aufkl&#228;rung</strong> war es die <strong>Franz&#246;sische Revolution 1789</strong> und deren Folgen f&#252;r Frankreich und ganz Europa, <a href="http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2009/3802/index.html" target="_blank">die seine Aufmerksamkeit anzogen</a>. Wie so oft, wenn ganze Machtsysteme in Frage gestellt werden, kippte die Franz&#246;sische Revolution zu einer ziemlich gewaltt&#228;tigen Seite, trat an die Stelle des Rufs nach Freiheit, Gleichheit und Br&#252;derlichkeit das gr&#228;ssliche Ger&#228;usch des Schafotts. Schiller war dar&#252;ber reichlich ersch&#252;ttert – und schrieb in diesem Erfahrungszusammenhang »Maria Stuart«.</p>

<p>Schiller nahm also einen historischen Stoff, in dem ein K&#246;nigsmord enthalten war, einen Stoff, dessen historisches Umfeld selbst reichlich blutig war, und stellte ihn in den Kontext seiner Erfahrungen und &#220;berlegungen angesichts der Entwicklung der Franz&#246;sischen Revolution hin zu einer Tyrannenherrschaft, aus der Napoleon Bonaparte hervorging.</p>

<p>Auch in anderen Belangen ging Schiller sehr frei mit den historischen Fakten in Sachen Elisabeth I. vs. Maria Stuart um; zum Beispiel, indem er <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_ubausteine/aut_ub/sci_ub/sci_ms_ub/sci_ms_ub_6.htm" target="_blank">sein Frauenbild</a> im Drama unterbrachte.</p>

<p>Dieser <strong>freie Umgang mit Geschichte</strong> hat aber nichts willk&#252;rliches, schm&#228;lert nicht den Wert der Dichtung. Im Gegenteil: Schiller wusste sehr genau was er tat, kannte er doch <a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/arpoetik.htm" target="_blank">Aristoteles&#8217; Werk &#252;ber die Dichtkunst (Poetik)</a></p>

<p>&nbsp;</p>

<blockquote>»Es (ist) nicht Aufgabe des Dichters (&#8230;) mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen k&#246;nnte, d. h. das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit M&#246;gliche. Denn der Geschichtsschreiber und der Dichter unterscheiden sich nicht dadurch voneinander, dass sich der eine in Versen und der andere in Prosa mitteilt (&#8230;); sie unterscheiden sich vielmehr dadurch, dass der eine das wirklich Geschehene mitteilt, der andere, was geschehen k&#246;nnte. Daher ist die Dichtung etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung; denn die Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit.«
Die Dichter »ahmen handelnde Menschen nach. Diese sind notwendigerweise entweder gut oder schlecht. Denn die Charaktere fallen fast stets unter eine dieser beiden Kategorien; alle Menschen unterscheiden sich n&#228;mlich, was ihren Charakter betrifft, durch Schlechtigkeit und G&#252;te. Demzufolge werden Handelnde nachgeahmt, die entweder besser oder schlechter sind, als wir zu sein pflegen, oder ebenso wie wir.«</blockquote>

<p>F&#252;r das Verst&#228;ndnis gro&#223;er Teile der Literatur – somit auch des Trauerspiels »Maria Stuart« –, ist die Aussage, dass »die Dichtung […] mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit[teilt]«, von gro&#223;er Bedeutung.</p>

<p><strong>Literatur geht es um allgemeine Themen, die Grundfragen des Menschen sind oder zu den grundlegenden Verhaltensweisen des Menschen geh&#246;ren.</strong> Ziel der Literatur ist also nicht die historisch korrekte Darstellung von Fakten, selbst dann nicht, wenn ein Autor um historische Korrektheit bem&#252;ht sein sollte oder ein literarisches Werk in das beliebte Genre historischer Romane f&#228;llt.</p>

<p>Die am st&#228;rksten das Gem&#252;t der Menschen bewegenden Themen sind <strong>Liebe</strong> und die <strong>Frage nach Gut und B&#246;se</strong>. Entsprechend stark werden solche Fragen in der Literatur thematisiert. Auch Schiller bedient sich der Grundthemen menschlichen Fragens, Empfindens, Strebens und Leidens.</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>Kurz gefasst: Der Literatur geht es in all ihren Facetten, zumindest der erz&#228;hlenden Literatur, um <strong>Grundfragen der Humanit&#228;t, der Ideale und des Scheiterns der Menschen an diesen</strong>.</p>

<p>Mit solchen Grundfragen sah sich Schiller konfrontiert, als er »Maria Stuart« schrieb. <a href="http://www.wcurrlin.de/links/basiswissen/basiswissen_franzoesische_revolution.htm#bwradikalephase" target="_blank">Das Freiheitsstreben der Franz&#246;sischen Revolution von 1789 wurde schon nach wenigen Jahren von einem Terrorregime &#252;berlagert, verdr&#228;ngt, ersetzt.</a></p>

<p>Die Frage nach dem <strong>Verh&#228;ltnis von Freiheit und Macht</strong>, eine Frage, die &#252;brigens <em>immer</em> in einem engen Zusammenhang steht, wird das Ma&#223; individueller Freiheit doch bis heute von den Machthabern bestimmt, auch in Demokratien, dr&#228;ngte sich in dieser Zeit Schillers in besonderem Ma&#223;e auf. F&#252;r Schiller hatte diese Frage zudem biographische Bez&#252;ge in seinen Erfahrungen mit dem Landesherrn, dem er einst als Milit&#228;rarzt verpflichtet war, da ihm die Freiheit des Denkens und Schreibens dort nicht zugestanden wurde.</p>

<p>In einem anderen gro&#223;en Drama, in »<a href="http://www.deutsch-online.net/don-karlos-friedrich-schiller/" target="_blank">Don Carlos</a>«, bringt Schiller diese Frage mit dem Ausspruch »<strong>Geben Sie Gedankenfreiheit</strong>, Sire« explizit auf den Punkt.</p>

<p>Entsprechend sind <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schiller#Dramatische_Werke" target="_blank">viele Dramen Schillers</a> auf den ersten Blick historische Dramen, ob nun »Wilhelm Tell«, »Die Jungfrau von Orlean«, die Wallenstein-Trilogie etc. Bei genauem Hinsehen aber sind die historischen Bez&#252;ge nur Hintergrund f&#252;r Schillers Auseinandersetzung mit seiner eigenen Zeit.</p>

<p><strong>Schiller nimmt historische Figuren und legt ihnen die Fragen seiner Zeit in den Mund</strong>, Fragen, die so grundlegend sind, dass seine Werke, zumindest dann, wenn man sich diesen Verstehenszusammenhang erst einmal erarbeitet hat, auch noch heute lesenswert sind, haben sich diese Grundfragen doch kaum ver&#228;ndert.</p>

<p>Ohne dieses Hintergrundwissen, wirken Schillers Dramen oft sperrig in ihren langen Dia- und Monologen. Lesende fragen dann zurecht, was das soll, was das mit der spannenden historischen Geschichte zu tun habe. Ohne diese Hintergrundwissen bleiben die Dramen Schillers (und viele andere Werke der Literatur bis heute) stumm. – Schillers Dramen stellen keine Geschichte dar, sondern haben sich viel mehr der Frage verschrieben, was den Menschen angesichts menschlicher Grundfragen zum Handeln treibt. <strong>Literatur ist philosophisch orientiert.</strong> Schillers Dramen fordern, wie gro&#223;e Teile der Weltliteratur, zum mitf&#252;hlenden Mit- und Nachdenken auf.</p>

<p>Schillers Dramen, wie weite Teile der Literatur, bleiben denjenigen verschlossen, die alleine Faktenwissen interessiert oder denen alleine die Inhalte, nicht aber <strong>die Voraussetzungen f&#252;r die Existenz von Literatur</strong> zug&#228;nglich werden oder gemacht werden. Dieses Voraussetzungen liegen im menschlichen Leben selbst, in den zentralen Grundfragen des Menschen, die auch die <strong>Grundfragen der Philosophie</strong> sind:</p>

<blockquote>Woher komme ich?
Wohin gehe ich?
Was kann ich wissen?
Wie soll ich leben?</blockquote>

<p>Kurz: <strong>Was ist der Mensch, was zeichnet ihn aus, was ersehnt er, wie lebt er, wie k&#246;nnte er leben?</strong></p>

<p>Dieser Blick auf Literatur kann der Schl&#252;ssel sein, um einen Zugang zu gro&#223;en Teilen der Literatur zu finden, also auch zu auf den Blick eher trocken scheinenden Werken, die in der Schule gelesen werden (m&#252;ssen) – also auch zu Schillers »Maria Stuart« oder »Don Carlos« etc.</p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Kompetenzorientiert unterrichten: Ein Vorschlag.</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Nov 2010 23:01:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Das folgende Szenario ist zwar nicht unrealistisch, in der hier vorgelegten Form aber frei erfunden. &#196;hnlichkeiten mit realen Erlebnissen im Unterricht sind nicht gewollt, werden nicht angestrebt, d&#252;rften aber nicht vermeidbar sein. Oberstufe, Deutsch Grundkurs. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bekommen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/19/kompetenzenorientiert-unterrichten-ein-vorschlag/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das folgende Szenario ist zwar nicht unrealistisch, in der hier vorgelegten Form aber frei erfunden. &#196;hnlichkeiten mit realen Erlebnissen im Unterricht sind nicht gewollt, werden nicht angestrebt, d&#252;rften aber nicht vermeidbar sein.</p>

<p>Oberstufe, Deutsch Grundkurs. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bekommen nach der (vom Lehrer unterstellen, nicht in allen F&#228;llen tats&#228;chlich erfolgten) Lekt&#252;re eines Dramas den <strong>Auftrag</strong>, die Figuren des Dramas in ihren Beziehungen zueinander in einer grafischen Form darzustellen. Der Lehrer erwartet, dass die Sch&#252;lerinnen auf der Basis des Personenverzeichnisses des Dramas, ihrer beim Lesen erworbenen Textkenntnis und der gezielten, wiederholten Lekt&#252;re einzelner Szenen, zu einem vertieften Verst&#228;ndnis des Dramas kommen. Die Aufgabe wird Mittwochs erteilt und soll bis zur n&#228;chsten Stunde am Dienstag der Folgewoche bearbeitet sein.</p>

<p>Am Dienstag macht der Lehrer die ihn &#252;berraschende <strong>Entdeckung</strong>, dass zwar 80% des Kurses die Aufgabe gemacht haben, von diesen aber 50% zwei Nebenfiguren nicht ber&#252;cksichtigt haben und durchweg den gleichen Fehler in der Grafik gemacht haben.</p>

<p>Alternative: Am Dienstag macht der Lehrer die ihn &#252;berraschende Entdeckung, dass zwar 80% des Kurses die Aufgabe gemacht haben, die Grafiken aber alle super korrekt sind und sich extrem &#228;hneln, als ob sie voneinander abgeschrieben worden w&#228;ren.</p>

<p>Welcher Fall auch eintreten mag, der hier gedachte Lehrer ist &#228;u&#223;erst &#252;berrascht und fragt sich, was da passiert ist.</p>

<p>Hier nun ein paar <strong>Beispiele</strong>, wie es abgelaufen sein k&#246;nnte: <span id="more-5234"></span></p>

<p>- Der Lehrer ist mit der Aufgabenstellung in eine Klausurenwoche geraten, die so aussah, dass Donnerstag, Freitag und Montag Arbeiten geschrieben wurden. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben hier ihre Schwerpunkte gesetzt. Um so erstaunlicher, dass dennoch 80% des Kurses die Aufgabe „gemacht“ haben.</p>

<p>- Die Sch&#252;ler haben in weit geringerem Ausma&#223; die Lekt&#252;re gelesen, als der Lehrer angenommen hat. Er geht davon aus, dass das Lesen Hausaufgabe war und er jetzt mit dem Werk so arbeiten k&#246;nne, als sei diese auch von allen bew&#228;ltigt worden. In Wirklichkeit haben 25% den Text bereits ganz gelesen, w&#228;hrend weitere 30% etwa bei der H&#228;lfte angelangt sind, 25% die Textausgabe zwar vorliegen, aber mit der Lekt&#252;re noch nicht begonnen haben, und 20% die Textausgabe noch gar nicht verf&#252;gbar haben, aus welchen Gr&#252;nden auch immer. — Auch in diesem Falle ist es erstaunlich, dass so viele Sch&#252;ler die Hausaufgabe „gemacht“ haben.</p>

<p>Was aber ist passiert? Ein nicht unrealistisches Szenario ist, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zur Bew&#228;ltigung der Aufgabe, die bei einem Drama alles andere als untypisch ist, im <strong><a href="http://weblog.histnet.ch/archives/4285" target="_blank">Internet</a></strong> recherchierten und dort entdeckten, dass die <strong>L&#246;sung der Aufgabe</strong>, sogar in Form von Schaubildern, abrufbar ist. Im Szenario mit den kollektiv auftretenden, identischen M&#228;ngeln, wurden die Sch&#252;ler via hoch geranktem Suchmaschineneintrag zu einer fehlerhaften Grafik gef&#252;hrt, die ohne &#220;berpr&#252;fung &#252;bernommen wurde, wenn auch vielleicht nicht einfach ausgedruckt; im Szenario mit den richtigen, einander sehr &#228;hnelnden Grafiken ist das gleiche passsiert, nur das mittels <strong>Suchmaschine</strong> gefundene Ergebnis war zuverl&#228;ssiger als im ersten Fall.</p>

<p>Der <strong>Lerneffekt</strong> dieser Aufgabe kann angesichts des Umgangs der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit ihr als sehr niedrig angesetzt werden. Dies mag man mangelnder Motivation zuschreiben, den Umst&#228;nden anlasten, in deren Kontext die Aufgabe gestellt wurde oder aber als „ganz normales Sch&#252;lerverhalten“ abtun und so die gesamte  Verantwortung f&#252;r den geringen Lerneffekt den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen anlasten.</p>

<p>All diese Einsch&#228;tzungen m&#246;gen der Realit&#228;t sehr nahe kommen. Aber selbst dann, wenn die Sch&#252;ler unmotiviert sind, sich durch Klausurendichte &#252;berlastet f&#252;hlen oder „normales Sch&#252;lerverhalten“ angesichts solcher Aufgaben zeigen, entlastet das den Lehrer nicht von der Frage, warum solche Aspekte in der Unterrichts- und Aufgabenplanung nicht ber&#252;cksichtigt wurden, geh&#246;rt Lerngruppenanalyse doch durchaus zu den Ausbildungsgegenst&#228;nden im Referendariat — und f&#252;r gelingenden Unterricht zum Kerngesch&#228;ft des Lehrers.</p>

<p>Aber auf <strong>Lehrerseite</strong> gilt, eigentlich &#228;hnlich wie auf der Sch&#252;lerseite, dass das Stundendeputat, die Zahl der anstehenden Korrekturen etc., m&#246;glicherweise nicht in jedem Fall eine den Anspr&#252;chen von Unterrichtsbesuchen im Referendariat angemessene Ber&#252;cksichtigung aller Details bei der Unterrichtsplanung zul&#228;sst. Die Aufgabe wurde m&#246;glicherweise einem vorhandenen Unterrichtsentwurf, einem Schulbuch oder gar, man achte auf die Parallelit&#228;t im Verhalten zu dem der Sch&#252;ler, einer Website entnommen, ohne dass &#252;ber die Aufgabenstellung und die in ihr liegenden M&#246;glichkeiten und Grenzen n&#228;her nachgedacht wurde.</p>

<p>Nun k&#246;nnte man annehmen, die Wurzel allen &#220;bels l&#228;ge im „verdammten“ Internet, l&#228;ge darin, dass der Mensch wenig Sinn darin sieht, bereits vorhandenes und leicht greifbares Wissen noch einmal wirklich zu erarbeiten, v&#246;llig unabh&#228;ngig davon, ob es sich dabei um Lernende oder Lehrende handelt.</p>

<p>Man kann aber auch in Erw&#228;gung ziehen, dass es nicht unangebracht sein k&#246;nnte, die Tatsache des heute viel leichter greifbaren Wissens via Internet in die didaktische und methodische Planung des Unterrichts einzubeziehen.</p>

<p>Wie aber k&#246;nnten <strong>L&#246;sungen</strong> f&#252;r das Problem aussehen?</p>

<p>Antworten auf diese Frage sind l&#228;ngst vorhanden. In vielen F&#228;llen werden sie auch von Lehrenden schon lange ber&#252;cksichtigt. Mal werden diese Antworten mit dem Begriff „<em>Projektunterricht</em>“ zusammengefasst, mal wird von „<em>problemorientiertem Unterricht</em>“ gesprochen, auf jeden Fall aber sind diese Antworten seit mindestens den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts verf&#252;gbar. Und auch der Begriff der „<em>Kompetenzorientierung</em>“ f&#252;gt diesen Antworten weit weniger Neues hinzu, als es die &#246;ffentliche Darstellung vermuten l&#228;sst. Nein, Kompetenzorientierung ist im Unterricht vieler Lehrender bereits seit l&#228;ngerem viel st&#228;rker angezielt, als man angesichts des Get&#246;ses um diesen Begriff meinen k&#246;nnte.</p>

<p>Kompetenzorientierung von Unterricht ist vor allem eine Differenzierung und Erg&#228;nzung bisheriger Antworten, aber mitnichten eine Neuerfindung des Unterrichtens. Zumindest wer konstruktivistischen Modellen des Lernens und Lehrens folgt, orientiert sich l&#228;ngst an Kompetenzen. Die Ver&#228;nderungen, die mit diesem Begriff verbunden sind, liegen 1. im Wechsel der Vorgaben von input-orientierten hin zu output-orientierten Formulierung in Lehrpl&#228;nen, die nun Bildungsstandards kreieren und kerncurriular orientierte Vorgaben machen und 2. in der st&#228;rkeren Ber&#252;cksichtigung metakognitiver Prozesse der Lernenden, die den eigenen Lernprozess st&#228;rker reflexiv in den Blick nehmen, als dies bislang der Fall gewesen sein d&#252;rfte.</p>

<p>Doch zur&#252;ck zu Ausgangsfrage. Wie k&#246;nnten oben angesprochene, f&#252;r das Lernen wenig effektive Szenarien anders gestaltet werden?</p>

<p>Voraussetzung f&#252;r eine <strong>Aufgabenkultur</strong>, die <strong>Lernprogression</strong> m&#246;glich macht, ist, dass die leicht greifbare Verf&#252;gbarkeit von Wissen via Internet akzeptiert wird, ohne den Anspruch aufzugeben, dass Wissen anzueignen ist. Ja, auch im Begriff der Kompetenzorientierung wird Wissen im Idealfall nicht zum &#252;berfl&#252;ssigen Appendix, sondern bleibt nach wie vor Teil dessen, was Schule leisten soll. Kompetent zu sein bedeutet eben nicht, nur zu wissen, wo ich Wissen nachschlagen kann <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Kompetenzorientierung zielt vor allem auf die Frage ab, wie mit Wissensbest&#228;nden, die verf&#252;gbar sind, so gearbeitet werden kann, dass das Wissen dabei auch erworben wird und in einen Kontext des handelnden Umgangs mit Wissen gestellt wird.</p>

<p>Ein <strong>Beispiel aus meiner eigenen Praxis</strong>, das bewusst fern der von mir studierten F&#228;cher angesiedelt ist. Dieses Blog betreibe ich mit <a href="http://wordpress-deutschland.org" target="_blank">WordPress</a>. Ich bediene mich also einer von anderen programmierten Plattform und arbeite mit ihr. Bei dieser Arbeit komme ich aber immer wieder an Punkte, an denen ich &#252;ber die Vorgaben des Programms und des gew&#228;hlten Themes meines Blogs hinaus etwas umsetzen m&#246;chte. Ich beginne dann, im Code des Programms oder des Themes etwas zu ver&#228;ndern. Da ich aber von PHP eigentlich keine Ahnung habe, muss ich recherchieren, bedienen ich mich bei dem Wissen, das andere generiert und zur Verf&#252;gung gestellt haben. Ich kann dieses Wissen aber nicht einfach abschreiben, sondern muss es im Kontext der Aufgabe, die ich mir gerade selbst gestellt habe, anwenden. Und auch ein Auswendiglernen der Regeln dieser Programmiersprache w&#252;rde mir nicht viel helfen, solange ich keine Ahnung davon habe, was die einzelnen Codeschnipsel im Zusammenhang bewirken.</p>

<p>Im Laufe der Zeit beobachtete ich, dass ich f&#252;r immer mehr der von mir angestrebten Eingriffe in den Code, der diese Website am Laufen h&#228;lt, immer seltener in Referenzwerken nachschlagen musste. Ja, nachdem ich ein wenig von dem Grundprinzip der Programmiersprache verstanden hatte, konnte ich sogar an Stellen von dem mir angeeigneten Grundverst&#228;ndnis der Programmiersprache (wirklich nur Grundverst&#228;ndnis, da ich mir die Aufgabe bislang nicht stellte, richtig komplexe PHP-Probleme anzugehen) ausgehend, ohne einen Blick in Referenzwerke zu werfen, L&#246;sungen f&#252;r Aufgaben finden, die mir vorher nicht begegnet waren. Ich habe mir also eine Grundkompetenz im Umgang mit PHP angeeignet.</p>

<p>In einem Kompetenzenmodell k&#246;nnte das so umschrieben werden: „Hat sich auf der Basis vorhandenen PHP-Codes die Komptenz angeeignet, einfache bis mittelschwere Aufgaben zu l&#246;sen, die zu dem vorhandenen Code neue Funktionen hinzuf&#252;gen oder vorhandene Funktionen an eigene Bed&#252;rfnisse anpassen. Dabei ist er in der Lage, Referenzwerke angemessen einzusetzen und, von vorhandenen Kenntnissen ausgehend, auch L&#246;sungen auf der Basis eines erworbenen Grundverst&#228;ndnisses, zumindest bei einfachen Arbeiten im Code, zu finden, ohne erneut in einem Referenzwerk nachzuschlagen.“</p>

<p>Nun scheint es auf den ersten Blick leichter, Aufgaben mit <a href="http://runningtom.wordpress.com/2010/11/11/handlungsorientierter-unterricht-2/" target="_blank">Handlungsorientierung</a> zu entwerfen, wenn es um die Anwendung einer Programmiersprache geht, als im Kontext des Umgangs mit Literatur. Dennoch bin ich der &#220;berzeugung, dass das hier beschriebene Lernprinzip in allen F&#228;chern anwendbar ist, auch dort, wo es um weit mehr als nur Grundkompetenzen geht, wie zum Beispiel in Leistungskursen oder im Studium.</p>

<p>Die Antwort auf die oben dargestellten Ph&#228;nomene im Umgang mit Aufgaben im Unterricht muss also ber&#252;cksichtigen, dass Aufgaben nicht so gestellt werden sollten, dass Antworten 1:1 aus Referenzwerken &#252;bernommen werden k&#246;nnen. Im Gegenteil: Es sollte sogar der <strong>Umgang mit</strong> solchen <strong>Referenzen</strong> vorausgesetzt und gef&#246;rdert werden. Es kann nicht darum gehen, Lernende oder Lehrende schief anzuschauen, wenn sie Internetressourcen nutzen. Es muss vielmehr darum gehen, diese in den <strong><a href="http://basedow1764.wordpress.com/2010/10/14/der-bluff-der-kompetenzorientierung/" target="_blank">Prozess der Lernprogression</a></strong> (des nachvollziehbaren und vielleicht sogar messbaren Lernfortschritts) einzubeziehen und entsprechende Aufgaben zu kreieren.</p>

<p>Eine einfache Form im Kontext der oben genannten Aufgabe zu den Figurenkonstellationen in einem Drama k&#246;nnte zum Beispiel lauten: „Wie stehen die Figuren im Drama zueinander in Beziehung? Im Internet finden sie unter xxx und yyy zwei Grafiken, die diese Konstellationen darzustellen beanspruchen. Die Ergebnisse dieser Grafiken sind unterschiedlich. Welche stimmt? Wo liegt in einer der beiden Grafiken der Fehler? K&#246;nnen Sie erkl&#228;ren, wie es zu diesem Fehlern gekommen ist?“</p>

<p>Wie gesagt, dieses Beispiel ist eines der weniger komplexen Art, unter anderem auch deshalb, weil es noch wenig Differenzierungsm&#246;glichkeiten f&#252;r unterschiedliche Leistungsstufen oder Lerntypen beinhaltet. Es gibt aber ein wenig die Richtung vor, in die <strong>effektive Lernaufgaben heute</strong> zielen sollten / m&#252;ssen.</p>

<p>Die Voraussetzung f&#252;r effektives Lernen ist, dass <strong>echte Aufgaben</strong> zu bew&#228;ltigen sind. Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen kennen das in der Regel aus Zusammenh&#228;ngen, in denen sie ihren Hobbys folgen, sei es im Sport, sei es im Kontext von Musik, Kunst oder auch Computerspielen der komplexeren Art, zu denen es teilweise auch Referenzseiten mit Wissensbest&#228;nden zum Spiel gibt.</p>

<p>Wie k&#246;nnten solche Aufgaben im Deutschunterricht aussehen, die zum Teil zumindest auch Kompetenzen f&#246;rdern, die zum Deutschunterricht geh&#246;ren, aber nicht zwangsl&#228;ufig zu einer Lekt&#252;re?</p>

<p>Ich <strong>konstruiere hier ein paar Beispiele</strong>, w&#252;rde mich aber sehr freuen, wenn im Rahmen der Kommentare zu diesem Artikel ein ganzer Reigen solcher Aufgabentypen zusammenkommen w&#252;rde.</p>

<p>- Bei historischen Texten kann man die Aufgabe stellen, eine Zeitungsseite zum Thema zu erstellen und so gleichzeitig, dem Ansatz eines integrierten Unterrichtsmodells folgend, den Aufbau von Nachrichten, Berichten Reportagen, Kommentaren und Glossen als zu erwerbende, zu wiederholende oder auszubauende Kompetenzen kennen lernen, vertiefen und &#252;ben.</p>

<p>- Bei Texten, die neben textimanenter Arbeit auch einen stark biographischen Bezug zum Autor erlauben (z. B. Texte von Kafka oder Brecht), k&#246;nnen Formen des Interviews nicht nur in schriftlicher Form als Aufgabe gegeben werden &#8211; sondern auch als Audioproduktion oder Video.</p>

<p>- Im Rahmen der sprachreflexiven Arbeit k&#246;nnen kreative Aufgaben gestellt, werden, die mit bestimmten sprachlichen Ph&#228;nomenen so umgehen, dass z. B. eine Ausstellung oder auch Lesungen m&#246;glich sind.</p>

<p>- Kurzgeschichten k&#246;nnen als Video, als Theaterst&#252;ck, als H&#246;rspiel etc. erarbeitet werden.</p>

<p><strong>Zusammengefasst</strong>: Aufgaben in der Schule m&#252;ssen heute davon ausgehen, dass Wissen via Internet oft sehr leicht greifbar ist und darauf ausgerichtet sein, dass sie nicht schon als Aufgabe dazu verleiten, dem Copy&amp;Paste-Prinzip zu folgen. Vielmehr scheint es f&#252;r die Progression des Lernens sinnvoll, den handelnden Umgang mit solchen Ressourcen zu f&#246;rdern und so die M&#246;glichkeit zu schaffen, sich dieses Wissen angesichts wirklich herausfordernder Aufgabenstellungen anzueignen und somit idealerweise nachhaltig verf&#252;gbar zu machen.</p>

<p><strong>Ziel</strong> solcher Lernarrangements ist es, Lernende in <strong>eine handelnde Auseinandersetzung (Zusammensetzung! — im konstruktivistischen Sinne) mit dem zu Lernenden</strong> zu bringen. Dabei k&#246;nnen <strong>unterschiedliche Lerntypen</strong> ber&#252;cksichtigt werden und <strong>Differenzierungen</strong> vorgenommen werden, ohne dass f&#252;r jeden Lernenden eine eigene Aufgabe erstellt werden m&#252;sste, kann die Form der Auseinandersetzung (per Text, Grafik, andere Formen der visuellen oder auditiven Umsetzung) je nach Aufgabentyp und angesichts der gleichen Aufgabe doch durchaus unterschiedlich sein.</p>

<p>Im Rahmen solcher Aufgaben werden <a href="http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article6905488/Generation-Copy-amp-Paste.html" target="_blank">Wikipedia</a> und <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/der-copy-schock/1791902.html" target="_blank">Co</a> von Seiten zum Kopieren von Text zu Referenzseiten, die man nutzt, um ein Problem zu l&#246;sen, ohne das vorhandene Wissen 1:1 &#252;bernehmen zu k&#246;nnen, weil es Teil der Auseinandersetzung (Zusammensetzung) mit einer echten Herausforderung wird. Und auch f&#252;r analoge Wissensspeicher gilt dies, wenn zum Beispiel Bibliotheken f&#252;r den Unterricht nutzbar sind. Museen k&#246;nnen auf diesem Wege unterrichtsrelevant werden, regionale M&#246;glichkeiten integriert werden …</p>

<p>Und am Ende steht vielleicht der Schluss, dass Kompetenzorientierung weder die Neuerfindung des Rades ist, noch eine &#252;berfordernde Herausforderung, sondern eine Form des Unterrichts, die (auch in Sachen Wissen) echte Lernfortschritte erm&#246;glicht, die reflektierbar sind und auch noch Spa&#223; machen, den Lernenden wom&#246;glich genau so wie den Lehrenden. Das aber w&#228;re eine echte Bildungsreform: Ein Lernen, das h&#228;ufiger wirklich Spa&#223; macht, als das Klischee der Schule vermuten l&#228;sst.</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>140 Zeichen Deutschunterricht: Ein Twitterprojekt</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 22:53:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwischendurch immer mal wieder einen Tweet, in dem es um die deutsche Sprache und Literatur geht – so lautet die Idee, die hinter dem in der Seitenleiste neu aufgef&#252;hrtem Feld „Herr Larbigs „Deutschstunde“ auf Twitter” steckt. Wer der „Deutschstunde“ auf &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/17/140-zeichen-deutschunterricht-ein-twitterprojekt/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwischendurch immer mal wieder einen Tweet, in dem es um die deutsche Sprache und Literatur geht – so lautet die Idee, die hinter dem in der Seitenleiste neu aufgef&#252;hrtem Feld „<a href="http://twitter.com/deutschstunde" target="_blank">Herr Larbigs „Deutschstunde</a>“ auf Twitter” steckt.</p>

<p>Wer der „Deutschstunde“ auf Twitter folgt (in der Twittersprache hei&#223;t das „followed“), bekommt immer wieder zwischen all den anderen Meldungen (Tweets) kurze Hinweise, in denen es um Fragen der Rechtschreibung geht, um Grammatik und Ausdruck. Au&#223;erdem gibt es Links zu Beitr&#228;gen, die f&#252;r alle interessant sein k&#246;nnen, die sich f&#252;r deutsche Sprache und Literatur interessieren.</p>

<p>Eine kleine Besonderheit ist, dass in dieser „Twitter Timeline“ auch Fotos auftauchen, die ich immer dann mache, wenn mir irgendwo in der &#214;ffentlichkeit etwas auff&#228;llt, das mit Sprache zu tun hat. Dabei interessiert mich, welchen sprachlichen „S&#252;nden” wir in unserer Umgebung tagt&#228;glich ausgesetzt sind. – Ich finde es spannend, mit einem solch forschenden Blick durch die Stadt zu gehen; vielleicht bin ich da nicht der einzige.</p>

<p>Ziel des Projekts ist es nicht, als der st&#228;ndig korrigierende Lehrer durch das Netz zu laufen. Ziel ist es auch nicht, die Tweets anderer nach Rechtschreibfehlern zu durchforsten und sie dann in einer Antwort an die betreffenden Personen zu korrigieren. Es gibt <a href="http://twitter.com/oberlehrer" target="_blank">jemanden bei Twitter</a>, der macht solche Korrekturen. Ich bin es nicht. Nach wie vor bin ich der &#220;berzeugung, dass sich die <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/18/rechtschreibung-wichtig-und-sekundaer-oder-vom-lesen-und-schreiben/" target="_blank">F&#228;higkeiten im Umgang mit Sprache</a> Schritt f&#252;r Schritt und dennoch kontinuierlich entwickeln, so sich jemand der (Schrift)Sprache wirklich aussetzt, in dem zum Beispiel viel gelesen und geschrieben wird.</p>

<p>Das Ziel des Projekts „Deutschstunde“ auf Twitter ist zun&#228;chst einmal ein vielleicht &#252;berraschend egoistisches: Mir dient dieses Projekt als Motivationshilfe, meine F&#252;hler wirklich in dem Ma&#223;e auf Sprache und Literatur hin ausgerichtet zu halten, wie ich mir das f&#252;r mich w&#252;nsche.</p>

<p>Das zweite Ziel besteht darin, interessierten Twitternutzern Anregungen aus meinem wachsenden Fundus rund um Sprache und Literatur zu geben. Zumindest die Sensibilit&#228;t f&#252;r sprachliche Ph&#228;nomene und im Umgang mit Literatur soll da unterst&#252;tzt werden. Vielleicht w&#228;chst sie bei dem einen oder anderen mithilfe dieser Tweets auch noch ein wenig.</p>

<p>Das Interesse f&#252;r einen solchen Twitter-Stream ist da. In weniger als 24 Stunden haben sich 18 Twitterer entschieden, dass sie diesem Account folgen wollen.</p>

<p>Ich hoffe, dass „Deutschstunde“ auf Twitter dabei keine Einbahnstra&#223;e bleibt, auf der ich mit Inhalten hausieren gehe, sondern dass sich dieses Projekt dahin entwickelt, dass &#252;ber sprachliche Ph&#228;nomene via Twitter diskutiert wird, dass Fragen gestellt werden etc.</p>

<p>Au&#223;erdem kann diesem Account nat&#252;rlich auch gerne von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern gefolgt werden, solchen, die ich unterrichte genauso wie solchen, die ich nicht unterrichte. Und in diesem Rahmen k&#246;nnen durchaus auch Fragen an mich gestellt werden, denn wenn ich auf konkrete Fragen Antworten suche, oft muss ich sie tats&#228;chlich erst suchen, bin ich doch alles anderes als „Mr. Allwissend“, lerne ich selbst in der Regel eine ganze Menge dabei.</p>

<p>Noch aber steht das Projekt, dessen „Basislager“ im Netz dieses Blog herrlarbig.de ist, ganz am Anfang. Als „Basislager“ wird es im Blog auch (weiterhin) l&#228;ngere Beitr&#228;ge zu Themen rund um Sprache und Literatur geben, die auf Twitter dann nat&#252;rlich als Links auftauchen. Ich wei&#223;, dass solche Beitr&#228;ge durchaus gelesen werden, denn die meist gelesenen Beitr&#228;ge hier sind Beitr&#228;ge, in denen literarische Werke im Zentrum stehen.</p>

<p>Ich bin neugierig, wie sich dieses Projekt „Deutschstunde“ auf Twitter entwickeln wird. Dabei werde ich in diesem Rahmen die klassische Twitterfrage „What are you doing“ (Was machst du gerade) nicht beantworten, sondern mich tats&#228;chlich alleine auf die Inhalte konzentrieren. Dabei kann sich der Charakter dieser Twitter-Timeline  „Deutschstunde“ aus dem Hause <a href="http://twitter.com/herr_larbig" target="_blank">herrlarbig.de</a> im Laufe der Zeit auch &#228;ndern. Dies wird die Zeit dann aber zeigen, das kann ich heute nicht voraussehen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Sprache und Macht – Zu Georg B&#252;chners „Woyzeck“</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Feb 2010 23:07:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sprache und Macht – Zu Georg B&#252;chners „Woyzeck“ von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.. Mangelnde Sprachbeherrschung wird meist als ein Mangel an Bildung angesehen. Aber kann „Bildung“ gleich „Sprache“ gesetzt werden? &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a></p>

<p><em>Sprache und Macht – Zu Georg B&#252;chners „Woyzeck“ von <a href="http://herrlarbig.de/?p=2496" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>..</em></p>

<p>Mangelnde Sprachbeherrschung wird meist als ein Mangel an Bildung angesehen. Aber kann „Bildung“ gleich „Sprache“ gesetzt werden? Georg B&#252;chners vermutlich im Sommer 1836 entstandenes Dramenfragment „Woyzeck“ gibt darauf eine Antwort, die auch im Lichte der Bildungsdebatte im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts gesehen werden kann.</p>

<p>Zun&#228;chst zur Sprache in B&#252;chners „Woyzeck“, die im Vergleich mit der von Autoren der ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts benutzten Sprache auff&#228;llig „volksnah“ und gleichzeitig weit entfernt von der Sprache der literarischen <a href="http://xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">Romantik</a> angesiedelt ist. Die Romantik erw&#228;hne ich hier, weil deren Autoren und Autorinnen zu gleichen Zeit schrieben wie Georg B&#252;chner – und ein ganz anderes Wirklichkeitsempfinden widerspiegeln, als es in B&#252;chners Texten zu finden ist.</p>

<p>B&#252;chner nutzt dialektale F&#228;rbungen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_0_2496" id="identifier_0_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="zum hier gesagten vergleiche z. B. die Szene &bdquo;Kammer&ldquo; &ndash; da die Szenen des Dramenfragments in unterschiedlichen Ausgaben unterschiedlich angeordnet sind, setze ich hier Links zu den entsprechenden Szenen im Zeno-Projekt.">1</a></sup>, l&#228;sst seine Figuren falsch gesetzte Fragepronomen verwenden und Probleme mit dem Satzbau (der Syntax) haben. Er nutzt umgangssprachliche Formen der Wortk&#252;rzung („S’ ist gewiss Gold!“; „S&#8217; ist gut Marie“), <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ellipse_%28Sprache%29" target="_blank">Elipsen,</a> reiht kurze Haupts&#228;tze aneinander und l&#228;sst so eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parataxe" target="_blank">parataktische Struktur</a> der Textoberfl&#228;che entstehen.</p>

<p>Das „einfache Volk“ verf&#252;gt &#252;ber eine „einfache“ Sprache. Somit entstehen im Drama Figuren, vor allem sind hier Woyzeck und Marie zu nennen, die kaum in der Lage sind, ihre Empfindungen und Wahrnehmungen der Wirklichkeit so auszudr&#252;cken, dass diese selbst zum Gegenstand ihrer Reflexion werden k&#246;nnten.</p>

<p>Das ungebildete Individuum ist vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskurs" target="_blank">Diskurs</a> ausgeschlossen, isoliert, machtlos.</p>

<p>Das „einfache Volk“ verf&#252;gt &#252;ber eingeschr&#228;nkte Ausdrucksm&#246;glichkeiten und muss, um &#252;berhaupt etwas ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, zu vorgegebenen Sprachmustern  Zuflucht nehmen.</p>

<p>Woyzeck zitiert die Bibel („Lasset die Kindlein zu mir kommen“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_1_2496" id="identifier_1_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hauptmann. Woyzeck (Rasierszene) ">2</a></sup>, Marie sucht Orientierung in der Bibel<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_2_2496" id="identifier_2_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kammer &ndash; Marie. Der Narr">3</a></sup>. Dar&#252;ber hinaus kommen Volkslieder zum Tragen.</p>

<p>Nur an Stellen, an denen B&#252;chner seinen Kommentar zu dargestellten Ereignissen gibt, sprechen „einfache Menschen“ pl&#246;tzlich eine komplexere Sprache, die eine h&#246;here Reflexionsstufe m&#246;glich macht, so der Handwerksbursch als Prediger<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_3_2496" id="identifier_3_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wirtshaus">4</a></sup> und die Gro&#223;mutter<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_4_2496" id="identifier_4_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Marie mit M&amp;#228;dchen vor der Haust&amp;#252;r">5</a></sup> als Erz&#228;hlerin eines Anti-M&#228;rchens.</p>

<p>Auf der anderen Seite stehen die Sprachen von Wissenschaft und des Milit&#228;rs, die vom Hauptmann und dem Doktor genutzt werden, welche gleichzeitig Woyzeck nicht nur von oben herab anschauen, sondern ihn auch f&#252;r ihre eigenen Zwecke missbrauchen.</p>

<p>Sprache wird von B&#252;chner in einer engen Verbindung zur „Macht“ gesehen. Wer keine ausdifferenzierten sprachlichen F&#228;higkeiten besitzt, der hat auch keine M&#246;glichkeiten, die eigene Situation angemessen in den Blick zu nehmen, bleibt sprachlos und somit irrelevant f&#252;r die gesellschaftliche Entwicklung – zumindest solange es keine Stimme f&#252;r die Not dieser Armen gibt.</p>

<p>B&#252;chner will den Missst&#228;nden des 19. Jahrhunderts eine Stimme geben. In „<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Schrift/Der+hessische+Landbote" target="_blank">Der Hessische Landbote</a>“ ruft er zur Revolution auf, was ihm Verfolgung als Staatsfeind einbringt. Und „Woyzeck“ blieb aufgrund seines fragmentarischen Charakters und des Todes B&#252;chners im Jahre 1837 unbeachtet. Erst 1919 kam es in M&#252;nchen zur Urauff&#252;hrung des St&#252;cks.</p>

<p>Diese Stimme B&#252;chners aber war dringend n&#246;tig, denn die gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen der Zeit (Aufl&#246;sung der St&#228;ndegesellschaft, Bev&#246;lkerungswachstum, Protoindustriaisierung) f&#252;hrten strukturell zu den von B&#252;chner angegriffenen Missst&#228;nden.</p>

<p>Armut war nicht mehr das Produkt von Alter, Krankheit oder gesellschaftlicher &#196;chtung, sondern ein Massenph&#228;nomen, das noch m&#228;chtigere Stimmen bekommen sollte, da es als gesellschaftliches Ph&#228;nomen politische Relevanz bekam und beispielsweise Marx zu seinen Theorien brachte und den Kommunismus bzw. den Sozialismus erst m&#246;glich machte. Es sollte bis weit in die zweite H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts dauern, bis die Probleme in der Form eines Sozialversicherungssystems einigerma&#223;en erfolgreich angegangen wurden.</p>

<p>B&#252;chner scheint in seiner Darstellung, in der er die Sprache zur Darstellung der „Ungebildeten“ in realistischer Form auf die B&#252;hne bringen wollte, von den Gedanken der Aufkl&#228;rung beeinflusst. So zeigt er, wie „Ungebildete“ nicht in der Lage sind, ihre Situation selbst reflektierend in den Blick zu nehmen – und Reflexionsprozesse finden in dieser Zeit in der Regel sprachlich statt – und sich entsprechend auf die Leitung durch andere einlassen (m&#252;ssen). In diesem Fall ist diese Leitung einerseits die Autorit&#228;t der Bibel, in der diese „einfachen Leute“ gen&#252;gend Aussagen finden, die f&#252;r den Versuch des Ausdrucks der eigenen Situation taugen, andererseits &#252;bernehmen gesellschaftliche Autorit&#228;ten (Hauptmann, Doktor) diese Leitung, die sich dann aber auch noch z. T. zynisch zur Freiheit des Menschen &#228;u&#223;ern („Woyzeck, der Mensch ist frei, in dem Menschen verkl&#228;rt sich die Individualit&#228;t zur Freiheit.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_5_2496" id="identifier_5_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Beim Doktor">6</a></sup>).</p>

<p>Mangelnde sprachliche F&#228;higkeiten werden hier zu einem Kriterium f&#252;r unaufgekl&#228;rtes Handeln. Gleichzeitig aber erweisen sich auch die „gebildeteren“ Figuren als „unaufgekl&#228;rte“ Menschen, da sie das Instrumentarium der Sprache zum Machtinstrument werden lassen. Doch vor allem der Doktor, als Vertreter einer Naturwissenschaft, wirkt in dem Drama eher wie ein Scharlatan, der Sprache nicht zur Aufkl&#228;rung, sondern zur pseudointellektuellen &#220;bert&#252;nchung seiner menschenverachtenden Experimente nutzt. Der Hauptmann versucht sich an anderer Stelle in pseudointellektuellen &#220;berlegungen. („Moral, das ist, wenn man moralisch ist…“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/26/sprache-und-macht-zu-georg-buechners-woyzeck/#footnote_6_2496" id="identifier_6_2496" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hauptmann, Woyzeck. (Rasierszene">7</a></sup>)</p>

<p>Diese Verbindung von Sprache und Macht erscheint nach wie vor aktuell. Es ist auff&#228;llig, dass die PISA-Studie bereits 2001 auf die Probleme im Zusammenhang mit dem Textverstehen verwies, die interessanterweise bis in die Gymnasien hinein in signifikanter Weise beobachtet wurden. W&#228;chst hier eine „machtlose“, der Sprache nicht mehr m&#228;chtige (sic!) Generation auf, die mit ihren mangelnden Kenntnissen im Umgang mit der eigenen Muttersprache oder der erlernten Zweitsprache auch nicht mehr zur gesellschaftlich relevanten Reflexion f&#228;hig sind und somit wieder in eine (selbst?)verschuldete Unm&#252;ndigkeit geraten?</p>

<p>Ich lasse dies als Frage stehen, denn das Problem der Sprache erscheint auf anderer Ebene wesentlich relevanter; relevanter, weil mit dem Mangel an „sprachlichen Ventilen“ auch die Suche nach anderen „Druckausgleichmechanismen“ einhergeht, die scheinbar oft in gesteigerter Aggressivit&#228;t und Gewaltbereitschaft bestehen.</p>

<p>Franz Woyzeck wird im Rahmen seiner (sprachlichen) Hilflosigkeit zum M&#246;rder an der Frau, f&#252;r die er all die Last der drei Jobs (einfacher Soldat, Barbier des Hauptmanns, Proband des Doktors) letztlich wohl auf sich genommen hat, ohne dass er das Bed&#252;rfnis Maries nach einem Minimalluxus h&#228;tte erf&#252;llen k&#246;nnen.</p>

<p>Politisch und im Zusammenhang mit der aktuellen Bildungsdebatte scheint mir diese an Hypothesen orientierte Darstellung B&#252;chners nach wie vor hoch brisant.</p>

<p>Sprache und die mit ihr verbundenen M&#246;glichkeiten des Ausdrucks, aber fast noch mehr die mit ihr verbundenen Reflexionsm&#246;glichkeiten, scheinen nach wie vor Voraussetzung f&#252;r Einfluss in der Gesellschaft zu sein. Analog kann geschlossen werden, dass ein Mangel an sprachlichen Ausdrucksm&#246;glichkeiten nicht nur den gesellschaftlichen Einfluss reduziert, sondern auch dazu f&#252;hrt, dass Menschen sich den Gegebenheiten hilflos ausgeliefert sehen. Folglich wird nach anderen Mitteln des Ausdrucks der als mangelhaften erlebten Einflussm&#246;glichkeiten gesucht werden m&#252;ssen. Und diese Ausdrucksmittel sind, so die in Anlehnung an B&#252;chners „Woyzeck“ hier vertretene Hypothese, tendenziell mit Gewalt verbunden.</p>

<p>Wenn es stimmt, dass die sprachlichen F&#228;higkeiten in schulischen Zusammenh&#228;ngen (und vor allem hier scheint es entsprechend aussagekr&#228;ftige Studien zu geben, auch wenn die Kriterien der PISA-Studien kritisierbar sind) abnehmen und parallel eine Zunahme der Gewaltbereitschaft (nicht nur) unter Jugendlichen beobachtet werden kann, so scheint es nicht abwegig, die Hypothese aufzustellen, dass es hier einen Zusammenhang geben k&#246;nnte.</p>

<p>Gleiches k&#246;nnte dann f&#252;r extremistische Str&#246;mungen gelten, in denen wenige, aber sprachlich kompetente, Personen, &#228;hnlich dem Doktor oder dem Hauptmann in B&#252;chners „Woyzeck“, Menschen f&#252;r ihre Zwecke funktionalisieren und missbrauchen, Menschen, die sich der Leitung ihrer Gedanken durch Dritte bedienen wollen bzw. m&#252;ssen, wollen sie &#252;berhaupt noch den Eindruck haben, ihre eigene Wahrnehmung der Gesellschaft ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen bzw. ausgedr&#252;ckt zu finden.</p>

<p>Das Projekt der Aufkl&#228;rung m&#252;sste dann also in der Gegenwart ein Projekt der massiven F&#246;rderung sprachlicher F&#228;higkeiten (Kompetenzen) sein, das &#252;berall dort stattfindet, wo sprachliche Bildung stattfindet, insbesondere aber in den Schulen und in den Familien, aber auch zumindest in den &#246;ffentlich-rechtlichen Medien. Dies scheint vor allem deshalb notwendig, weil Sprache und die mit ihr verbundene Reflexionsf&#228;higkeit &#252;berhaupt erst die Grundvoraussetzungen daf&#252;r sind, dass sich das Individuum seines eigenen Verstandes ohne die Leitung eines Dritten bedienen kann und somit f&#252;r den gesellschaftlichen Diskurs (gewaltfrei) relevant wird.</p>

<p>Auf der anderen Seite bedarf es dringend sprachlich kompetenter Individuen, die ihre reflexiven F&#228;higkeiten nutzen, um Br&#252;cken &#252;ber sprachliche (oft wird hier von „sozialen“) Abgr&#252;nde zu bauen und somit den sprachlich (=gesellschaftlich?) Ausgegrenzten eine Stimme zu geben.</p>

<p>Gleichzeitig m&#252;ssten demokratische Politiker und Politikerinnen ihre, im Spiel mit medialer Pr&#228;szenz entstehenden, sprachlichen Vernebelungen beenden und nach einer Sprache suchen, die m&#246;glichst weiten Bev&#246;lkerungsschichten zug&#228;nglich und verst&#228;ndlich ist, um so in einen die Gesellschaft relevant gestaltenden Dialog mit dem Souver&#228;n eines demokratischen Staates zur&#252;ck zu finden.</p>

<p>Doch auch &#252;ber Grenzen hinweg haben B&#252;chners durchaus auch sprachkritisch zu verstehenden Darstellungen gesellschaftlicher Zusammenh&#228;nge im „Woyzeck“ Relevanz. In der globalen Gesellschaft gilt es, &#252;ber sprachliche oder gar dialektal gepr&#228;gte Grenzen hinaus zu schauen und denen eine M&#246;glichkeit des (sprachlichen) Ausdrucks zu geben, die im globalen Ma&#223;stab als die <a href="http://weltzeugen.blogspot.com/2010/01/outsourced-slavory.html" target="_blank">Verlierer im System &#246;konomisch gepr&#228;gter Machtzusammenh&#228;nge</a> gelten.</p>

<p>Dies alles hat zudem mit „Bildung“ zu tun. „Bildung“ wird hier als die M&#246;glichkeit verstanden, sich selbst ein m&#246;glichst differenziertes Bild von sich selbst, der Welt und den dieses Ich und die globalen Zusammenh&#228;nge pr&#228;genden Faktoren zu machen, eine Sprache f&#252;r eigene  Erfahrungen zu finden und in den Diskurs einzubringen, der gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen vermag. „Bildung“ wird hier als M&#246;glichkeit der Einflussnahme im Kontext gesellschaftlich relevanter Diskussionen verstanden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2496" class="footnote">zum hier gesagten vergleiche z. B. die Szene „<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+4%5D" target="_blank">Kammer</a>“ – da die Szenen des Dramenfragments in unterschiedlichen Ausgaben unterschiedlich angeordnet sind, setze ich hier Links zu den entsprechenden Szenen im Zeno-Projekt.</li><li id="footnote_1_2496" class="footnote">Der Hauptmann. Woyzeck (<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+5%5D" target="_blank">Rasierszene</a>) </li><li id="footnote_2_2496" class="footnote"><a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+16%5D" target="_blank">Kammer</a> – Marie. Der Narr</li><li id="footnote_3_2496" class="footnote"><a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+11%5D" target="_blank">Wirtshaus</a></li><li id="footnote_4_2496" class="footnote"><a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Erste+Fassung.+Szenengruppe+1+%28H1%29/%5BH1,+Szene+14%5D" target="_blank">Marie mit M&#228;dchen vor der Haust&#252;r</a></li><li id="footnote_5_2496" class="footnote"><a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+8%5D" target="_blank">Beim Doktor</a></li><li id="footnote_6_2496" class="footnote">Der Hauptmann, Woyzeck. (<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/B%C3%BCchner,+Georg/Dramen/Woyzeck/Vorl%C3%A4ufige+Reinschrift+%28H4%29/%5BH4,+Szene+5%5D" target="_blank">Rasierszene</a></li></ol>
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		<title>Georg B&#252;chner: „Woyzeck“ – Strukturelle Armut als Deutungshintergrund</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 21:07:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Georg B&#252;chner: „Woyzeck“ – Strukturelle Armut als Deutungshintergrund von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. „Woyzeck“ liegt als Dramenfragment in unterschiedlichen Ausgaben vor. Um das Auffinden der hier verwendeten Zitate zu erleichtern, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/02/17/georg-buechner-woyzeck-strukturelle-armut-als-deutungshintergrund/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a></p>

<p><em>Georg B&#252;chner: „Woyzeck“ – Strukturelle Armut als Deutungshintergrund von <a href="http://herrlarbig.de/?p=2481" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p><em></em><em>„<a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=263&amp;kapitel=1#gb_found" target="_blank">Woyzeck</a></em><em>“ liegt als <a href="http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Buechner/woyzeck.htm" target="_blank">Dramenfragment</a></em><em> in unterschiedlichen Ausgaben vor. Um das Auffinden der hier verwendeten Zitate zu erleichtern, wird jeweils die „Szenen&#252;berschrift“ angegeben. Die Nummer der Szene und die angegebenen Zeilenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe der Reihe „Einfach Deutsch“, Paderborn 1999.</em></p>

<p>W&#228;hrend die Autoren der <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">Romantik</a> in einer aus der <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Aufklaerung" target="_blank">Aufkl&#228;rung</a> hervorgegangenen Bewegung versuchten, der Welt den Zauber zur&#252;ckzugeben, den sie in ihren Augen verloren hatte, k&#228;mpften gro&#223;e Teile der Bev&#246;lkerung um das nackte &#220;berleben. Nichts an ihrem Alltag kam auch nur in die N&#228;he der Welterfahrung, die die finanziell meist abgesicherten Romantiker beschworen haben. Die Armen der ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland lebten von der Hand der Mund. – Woyzeck geh&#246;rt zu dieser Sorte von <a href="http://www.jenspeterkutz.de/000187.pdf" target="_blank">„neuen Armen“, die die St&#228;ndegesellschaft nicht kannte.</a> In der St&#228;ndegesellschaft gab es das Ph&#228;nomen der <em>st&#228;ndigen</em> Armut gro&#223;er Menschenmassen nicht, wie es das 19. Jahrhundert nun hervorbrachte. Fr&#252;her waren Menschen arm, die schwach und gebrechlich waren, alle anderen wurden mehr oder weniger von den M&#246;glichkeiten und Grenzen des je eigenen Standes, aber auch durch Almosen der Reichen vor radikaler Armut gesch&#252;tzt, sodass Armut kein Massenph&#228;nomen sondern ein individuelles Schicksal war.</p>

<p>An die Stelle dieser individuellen Schicksale trat mit dem Aufkommen erster Schritte in Richtung Industrialisierung nun eine <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Armut#Transitorische_und_strukturelle_Armut" target="_blank">strukturelle</a></em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Armut#Transitorische_und_strukturelle_Armut" target="_blank"> Armut</a>, die breite Bev&#246;lkerungsschichten ergriff, die nicht alt und gebrechlich, sondern durchaus zur Arbeit in der Lage gewesen w&#228;ren. Und selbst jene, die arbeiten konnten und Arbeit fanden, konnten oft ihren Lebensunterhalt nur mit M&#252;he und Not verdienen. Zu dieser Gruppe geh&#246;rt Franz Woyzeck. „Er sieht immer so verhetzt aus.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/17/georg-buechner-woyzeck-strukturelle-armut-als-deutungshintergrund/#footnote_0_2481" id="identifier_0_2481" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hauptmann. Woyzeck [5, S. 12, Z. 20]">1</a></sup></p>

<p>Zu diesem Ph&#228;nomen einer strukturellen Massenarmut trug vor allem das starke <a href="http://buber.de/christl/unterrichtsmaterialien/soziale_frage" target="_blank">Bev&#246;lkerungswachstum in der ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts</a> bei. Die Landwirtschaft war produktiver geworden, sodass die Ern&#228;hrungslage grunds&#228;tzlich eine bessere geworden war, in der Medizin und vor allem in dem praktischen Wissen in Sachen Hygiene gab es Verbesserungen. Die Folge war ein „&#220;berangebot“ an Arbeitskr&#228;ften. Und da Angebot und Nachfrage den Preis regulieren, war der Preis sehr hoch, den die Arbeitskr&#228;fte bezahlen mussten: Vorhandene Arbeitspl&#228;tze wurden angesichts der verf&#252;gbaren Massen arbeitsf&#228;higer Menschen entwertet.</p>

<p>War also auf der einen Seite die Ern&#228;hrungslage besser geworden, sodass die Bev&#246;lkerung wachsen konnte, waren die fr&#252;hindustriellen Strukturen auf der anderen Seite nicht in der Lage, die gro&#223;e Zahl der Menschen aufzunehmen und mit den n&#246;tigen Mitteln auszustatten, die ein Leben jenseits eines Lebens von der Hand in den Mund erm&#246;glicht h&#228;tte. Diese Situation &#228;nderte sich erst, als die Industrialisierung fortgeschrittener war, der Bedarf an Arbeitskr&#228;ften also stark wuchs und gleichzeitig die Armut politisiert wurde, was im ausgehenden 19. Jahrhundert zur Entwicklung von Sozialversicherungssystemen beitrug.</p>

<p>Es blieb den b&#252;rgerlichen Schichten auch nicht mehr viel Spielraum, sie mussten sich etwas einfallen lassen, nachdem es in den Jahren 1840–1847 zu zahlreichen Aufst&#228;nden gekommen war. Hier sei nur der Schlesische <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weberaufstand#Schlesischer_Weberaufstand_1844" target="_blank">Weberaufstand des Jahres 1844</a> genannt, der sp&#228;ter in <a href="http://www.hamburger-bildungsserver.de/welcome.phtml?unten=/faecher/deutsch/autoren/hauptmann/index.htm" target="_blank">Gerhart Hauptmanns Drama „Die Weber“</a> aufgenommen wurde. Der Hauptgrund f&#252;r diese Aufst&#228;nde war, dass Menschen gegen ihren Hunger revoltierten und nicht l&#228;nger bereit waren, diese Situation hinzunehmen.</p>

<p>Doch an diesem Punkt ist Woyzeck noch lange nicht. Er ist zwar in der Lage, seine Lage in Worte zu fassen, wenn er sagt: „Wir arme Leut. Sehn Sie, Herr Hauptmann, Geld. Geld. Wer kein Geld hat. Da setz einmal einer seinsgleichen auf die Moral in die Welt. […] Unseins ist doch einmal unselig in der und der andern Welt, ich glaub, wenn wir in Himmel k&#228;men, so m&#252;ssten wir donnern helfen.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/17/georg-buechner-woyzeck-strukturelle-armut-als-deutungshintergrund/#footnote_1_2481" id="identifier_1_2481" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="(Der Hauptmann. Woyzeck [5 &ndash; S. 13, Z. 8&ndash;13].">2</a></sup>, aber gegen diese Lage wehren kann er sich nicht. Im Gegenteil: Seine finanzielle Bed&#252;rftigkeit f&#252;hrt ihn in den k&#246;rperlichen („Herr Doktor, ich habs’s Zittern“)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/17/georg-buechner-woyzeck-strukturelle-armut-als-deutungshintergrund/#footnote_2_2481" id="identifier_2_2481" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hof des Doktors [18 &ndash; S. 25, Z. 21].">3</a></sup> und psychischen Ruin, macht ihn zum M&#246;rder Maries.</p>

<p>Woyzeck spricht gegen&#252;ber dem Hauptmann &#252;brigens im Konjunktiv 2, in der Form des Konjunktivs, die eine irreale M&#246;glichkeit darstellt („Wenn wir in Himmel k&#228;men“). Selbst der Weg in den Himmel als m&#246;gliche Projektionsfl&#228;che auf ein besseres „Leben“ im Jenseits, scheint Woyzeck verstellt. Die sp&#228;ter von Marx postulierte Rolle der Religion als „Opium des Volkes“ greift hier nicht. B&#252;chner stellt Woyzeck in einen rein materialistischen Kontext: Wer um das nackte &#220;berleben k&#228;mpfen muss, der kann mit Moral nicht anfangen.</p>

<p>Diese Haltung Woyzecks w&#252;rde zu B&#252;chners Position passen, die dieser in der Flugschrift „<a href="http://de.wikisource.org/wiki/Der_Hessische_Landbote" target="_blank">Der Hessische Landbote</a>“ vertritt, in welcher er unverbl&#252;mt zur Revolution, mindestens aber zum Aufstand aufruft. „Friede den H&#252;tten! Krieg den Pal&#228;sten!“, lautet die Formel, auf die er seine Schlussfolgerungen angesichts der Massenarmut bringt, ohne freilich selbst je eine solche Revolution anzuzetteln.</p>

<p>Neben dieser „idealistische“ Haltung B&#252;chners wirkt seine Darstellung des Woyzecks dann so, als habe er in dieser Figur die „realistische“ Situation aufgegriffen und dargestellt, wenn auch wohl mit dem „Ideal“, dass dieses Drama einst das Publikum wachr&#252;tteln solle. Doch es blieb Fragment, wurde erst 1913 im Residenztheater M&#252;nchen uraufgef&#252;hrt, nachdem es erstmals 1879 in einer stark &#252;berarbeiteten Fassung im Druck erschienen war. „Woyzeck“ begann seine Wirkungsgeschichte erst, als die in ihm angegriffenen Ph&#228;nomene der strukturellen Massenarmut l&#228;ngst einer anderen Zeit anzugeh&#246;ren schienen, trotz der Armut, die nach dem Ersten Weltkrieg herrschte. Das System, vor dessen Hintergrund B&#252;chner „Woyzeck“ schrieb, schien in der jungen Weimarer Republik ein f&#252;r alle Mal &#252;berwunden.</p>

<p>Und dennoch geriet „Woyzeck“ seit seiner Urauff&#252;hrung nicht mehr in Vergessenheit. Und dennoch geh&#246;rt „Woyzeck“ bis heute in den Kanon klassischer Schullekt&#252;ren. All dies h&#228;ngt sicherlich nicht nur damit zusammen, dass es sich bei B&#252;chners Werk um eines der herausragenden Werke des so genannten „<a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Vormaerz" target="_blank">Vorm&#228;rzes</a>“ handelt. Vielmehr bedarf es kaum gro&#223;er Anstrengungen, um die Frage der mit struktureller Armut verbundenen Probleme in unsere Gegenwart zu &#252;bertragen, auch wenn dabei f&#252;r uns in der Regel nicht mehr die konkret erlebte Armut im Vordergrund steht, wie sie B&#252;chner erlebte, sondern das Wissen um strukturelle Ungerechtigkeiten, die die <a href="http://weltzeugen.blogspot.com/2010/01/outsourced-slavory.html" target="_blank">Armut ausgelagert</a> haben. – Woyzeck? Das sind heute Menschen in so genannten „Niedriglohnl&#228;ndern“; das sind die Slumbewohner in den so genannten „Schwellenl&#228;ndern“, aber das sind vielleicht auch Menschen, die bei uns arbeiten, vielleicht sogar mehr als einen „Job“ haben, aber dennoch kaum von dem leben k&#246;nnen, was sie verdienen. „Woyzeck“ ist leider keine Vergangenheit.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2481" class="footnote">Der Hauptmann. Woyzeck [5, S. 12, Z. 20]</li><li id="footnote_1_2481" class="footnote">(Der Hauptmann. Woyzeck [5 – S. 13, Z. 8–13].</li><li id="footnote_2_2481" class="footnote">Der Hof des Doktors [18 – S. 25, Z. 21].</li></ol>
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		<title>Franz Kafka: Kleine Fabel</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 23:04:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Franz Kafka war ein Meister der kleinen Form. Hier seine „Kleine Fabel“ zum anh&#246;ren, gelesen von Torsten Larbig. (Als MP3 ohne Flashplayer) Franz Kafka Kleine Fabel »Ach«, sagte die Maus, »,die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/01/24/franz-kafka-kleine-fabel/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Franz Kafka war ein Meister der kleinen Form. Hier seine „Kleine Fabel“ zum anh&#246;ren, gelesen von Torsten Larbig.</p>

<p>
(<a href="http://herrlarbig.de/podcasts/Franz Kafka_ Kleine Fabel.mp3" target="_blank">Als MP3 ohne Flashplayer</a>)</p>

<div>
<div id="gb_texte">
<blockquote>
<h3>Franz <span>Kafka</span></h3>
<h2>Kleine Fabel</h2>
»Ach«,  sagte die Maus, »,die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so  breit, da&#223; ich Angst hatte, ich lief weiter und war gl&#252;cklich, da&#223; ich  endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen  Mauern eilen so schnell aufeinander zu, da&#223; ich schon im letzten Zimmer  bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.« &#8211; »Du mu&#223;t  nur die Laufrichtung &#228;ndern«, sagte die Katze und fra&#223; sie.</blockquote>
33 Sekunden ist die oben eingef&#252;gte Lesung dieses Textes lang: Franz Kafka braucht nicht mehr Raum, um eine Fabel zu schreiben, in der scheinbar eine ganze Lebensphilosophie enthalten ist. Er verstand es offenbar, auf den Punkt zu kommen.

Die Botschaft scheint trist. Am Anfang des Lebens sieht die Welt weit und grenzenlos aus. Alle Wege scheinen offen und manchmal w&#252;nschte sich die Maus in der Fabel, dass es „Leitplanken“ g&#228;be. Hier sind es die Mauern, hinter denen vielleicht ein anderes Leben stattfindet, die aber keinen Blick auf dieses erlauben. Die Maus l&#228;uft zwischen diesen Mauern. Sie werden enger und enger und am Ende steht die Falle und bei der Falle wartet die Katze, um die Maus zu belehren und dann zu fressen.

Die Katze scheint zu wissen, dass die Maus diesen Weg zwischen den auf die Falle zulaufenden Mauern nehmen wird. Kann sie &#252;berhaupt anders? Kafka l&#228;sst die Frage offen. Diese kleine Fabel wirkt, als werde hier ein unweigerlich eintretendes Schicksal beschrieben. Am Ende, dort, wo die Einsicht wachsen k&#246;nnte, dass die Laufrichtung zu &#228;ndern sei, steht gleichzeitig die Unm&#246;glichkeit den gegangenen Weg r&#252;ckg&#228;ngig zu machen.

Ein pessimistisches Bild des Lebens wird hier gezeichnet. Fast wirkt der Text wie eine Skizze. Eine Maus im Selbstgespr&#228;ch mit sich selbst – oder erz&#228;hlt sie ihre Lebenserfahrung der Katze als einzigem Gegen&#252;ber, das sich gerade anbietet? Kafka l&#228;sst diese Frage offen. Und dennoch spricht die Maus. Die Antwort der Katze ist kurz, knapp: Warum l&#228;ufst du denn in diese Richtung? Du kannst dich doch entscheiden, in die andere Richtung zu laufen. – Doch genau diese M&#246;glichkeit verhindert die Katze: Sie frisst die Maus kurzerhand.

Zur&#252;ck bleibt der Leser oder die Leserin dieser kurzen Geschichte. Traditionelle Fabeln wollen eine Lehre vermitteln, die in die Gestalt des „sozialen Miteinanders“ von Tieren und derem „nat&#252;rlichen Verhalten“ gebracht wird. Welche Lehre also steckt in dieser kleinen Fabel?

Leser und Leserinnen zu unterschiedlichen Zeiten werden diese Lehre aus ihrer Zeit heraus ziehen. Kafka gibt hier also die Deutungshoheit an die seine Fabel Lesenden weiter. Und mir als Leser fallen viele Dinge ein, auf die ich diese Fabel anwenden k&#246;nnte. Hier sei nur eine kleine Auswahl genannt:
<ul>
    <li>Das Leben scheint in der Jugend oft be&#228;ngstigend offen. Auf der Suche nach Orientierung werden Entscheidungen getroffen, die den gesamten weiteren Lebensweg bestimmen. Menschen begeben sich zwischen Mauern. Ihre Entscheidungen schlie&#223;en andere Lebenswege aus. Und Kafka scheint der Meinung zu sein, dass die Einsicht, ob der Weg der richtige war oder nicht, erst dort f&#228;llt, wo der Weg an ein Ende oder an eine Grenze kommt. Doch dort, wo eine Umkehr vielleicht noch m&#246;glich ist, lauert die Katze, die nichts anders tut, als ihr eigen ist: Sie frisst die Maus und verhindert so die Umkehr, die Umsetzung der Einsicht.</li>
    <li>In der Gegenwart kommt es mir so vor, als sei die Maus durchaus mit dem Begehren nach Sicherheit zu verbinden. Die Freiheit macht der Maus Angst. Sie ist gl&#252;cklich, dass da Grenzen am Horizont auftauchen. Zu sp&#228;t entdeckt sie, dass am Ende dieses Weges eine Falle steht, in die sie unweigerlich ger&#228;t, wenn sie nicht vorher von einer Katze gefressen wird. – Wenn Freiheit f&#252;r Sicherheit aufgegeben wird, scheint f&#252;r Kafka dieses Schicksal unvermeidlich.</li>
</ul>
</div>
<div id="gb_texte">Doch trotz dieser Mahnung und Einsicht: Kafka scheint zu einer positiven Wende der Geschichte ein skeptisches Verh&#228;tnis zu haben. Er sieht keinen Ausweg. Am Ende steht das Ende, der Tod, die Enge als der Preis f&#252;r das heitere Begehen des Weges zwischen den Mauern, die keinen Blick mehr auf die Alternativen erlauben.</div>
<div>Kafkas „Kleine Fabel“ ist eine Mahnung, auf den Weg zu achten, den man beschreitet, sei es als Individuum, sei als Gesellschaft: Wer Freiheit will, muss aufpassen, dass er nicht gl&#252;cklich die Beschneidung der Freiheit in Kauf nimmt, um zu Orientierung zu gelangen. Doch gleichzeitig, in diesem Sinne handelt es sich hier um eine dialektische Geschichte, scheint es keinen anderen Weg zu geben, der dem Wunsch nach Orientierung und Sicherheit entspricht. – Kafka &#252;berl&#228;sst es den Lesenden, ihre L&#246;sung f&#252;r dieses Problem zu finden, das hier als eine Gegebenheit des Lebens dargestellt wird. Eine L&#246;sung selbst bietet Kafka nicht an. Das Ende bleibt offen.</div>
</div>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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		<title>100 Jahre Kafkas Tageb&#252;cher – Ein Autor in seiner Zeit</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 22:06:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Franz Kafka begann wohl im Sommer des Jahres 1909 mit den uns &#252;berlieferten Tagebuchaufzeichnungen, die bis in das Jahr 1923 reichen. Von kurzen Notizen bis zu gr&#246;&#223;eren literarischen Entw&#252;rfen, von Zeugnissen der Qual des Schreibens bis zu denen seiner gescheiterten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/13/100-jahre-kafkas-tagebuecher-ein-autor-in-seiner-zeit/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.franzkafka.de/franzkafka/home/" target="_blank">Franz Kafka </a>begann wohl im Sommer des Jahres 1909 mit den uns &#252;berlieferten Tagebuchaufzeichnungen, die bis in das Jahr 1923 reichen. Von kurzen Notizen bis zu gr&#246;&#223;eren literarischen Entw&#252;rfen, von Zeugnissen der Qual des Schreibens bis zu denen seiner gescheiterten Beziehungsversuche, findet sich alles in Kafkas Tageb&#252;chern. <span id="more-2130"></span>Er entschied sich f&#252;r eine Mischform, trennte nicht zwichen Arbeitsjournal und pers&#246;nlichen Reflexionen. Alles geh&#246;rte zueinander und hatte zugleich nicht immer miteinander zu tun.</p>

<p>In seinen Texten entsteht so der Eindruck des <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/txtsor/epi_klein/para/par0.htm" target="_blank">parabelhaften</a>, dessen, was zwar zusammengeh&#246;rt, seinen logischen Sinn und Zusammenhalt dem Leser aber zun&#228;chst verweigert. – Diese Zusammenhanglosigkeit der Ereignisse war nicht nur im Empfinden Kafkas stark. So vieles geschieht in den St&#228;dten (seiner Zeit) zur gleichen Zeit, geschieht dicht nebeneinander, steht in einem (geographischen) Zusammenhang, der sich zugleich als ein Mangel an Zusammenhang zeigt.</p>

<p>Es scheint als habe Kafka in seinen Texten dieses Ph&#228;nomen erz&#228;hlerisch eingefangen. Doch stellt er nicht, wie in vielen <a href="http://www.literaturwelt.com/epochen/express.html" target="_blank">expressionistischen</a> Texten, die zur gleichen Zeit die Auseinandersetzung mit diesen Ph&#228;nomen suchen, die Zusammenhanglosigkeit als solche dar. Vielmehr schreibt er Texte, die ganz klar einer inneren Handlungslogik, folgen, in dieser Logik aber zu keinem logischen Ziel kommen, da Handlungen eben nicht mehr miteinander in klaren Ursache- und Wirkungszusammenh&#228;ngen verbunden sind. Es treffen unterschiedliche Logiken aufeinander, deren Begegnung aus Mangel an Zusammenhang oft zu keinem (erwartbaren) Ziel f&#252;hrt.</p>

<p>Es ist nicht nur die Abarbeitung des eigenen Verh&#228;ltnisses zum Vater in Kafkas Texten wirksam. Vielmehr steht Kafkas Auseinandersetzung mit sich selbst, seiner Zeit und auch seinem Vater im Zusammenhang mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Urbanisierung" target="_blank">Urbanisierung</a> des fr&#252;hen 20. Jahrhunderts. Er greift auf, was zu dieser Zeit als Grunderfahrung, z. B. auch von expressionistischen Autoren, sprachlich zum Ausdruck gebracht wird.</p>

<p>Doch w&#228;hrend bei diesen auf formaler, inhaltlicher und sprachlicher Ebene nach meinem Eindruck viele Autoren sehr &#228;hnlich klingen, zu einem Sprachrohr der Zeit der industriellen Massenproduktion wurden und selbst nur in Ans&#228;tzen eine individuelle literarische Sprache fanden, ging Kafka einen eigenen Weg.</p>

<p>W&#228;hrend viele Autoren dieser Zeit zivilisatorische Prozess der Industrialisierung und Urbanisierung mit mystisch aufgeladenen Bildern einer Apokalypse verbanden, zieht der „Wahnsinn“ bei Kafka leiser und nachhaltiger in Texte ein, die das Individuum nicht vor allem als Teil der Masse darstellen, der gegen&#252;ber der Moloch „Stadt“ wie eine „Person“ oder gar ein „Gott der Stadt“ (<a href="http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=19&amp;autorid=273">Heym</a>) auftritt, sondern das Individuum selbst wird in diesen Texten weiter ins Zentrum gestellt.</p>

<p>Dieses Individuum trifft auf die dem Wert des Individuums stark zuwider laufenden Ph&#228;nomene des Fremden in unmittelbarer Nachbarschaft („Der Nachbar“), der B&#252;rokratie und der Kraft entindividualisierter Regelsysteme („Vor dem Gesetz“, „Der Prozess“, „Das Urteil“), der Willk&#252;r („Das Schloss“, „Das Urteil“, „In der Strafkolonie“).</p>

<p>Es scheint mir zunehmend, als habe Kafkas Vater f&#252;r Kafka als Mensch und Schriftsteller vor allem deshalb eine solche Machtinstanz darstellen k&#246;nnen („Brief an den Vater“), da in ihm sich f&#252;r Kafka die Erfahrungen in seiner Zeit unmittelbar personalisierten. Kafkas Vater als eine Figur, die zugleich eine Metapher f&#252;r die Zeit ist, in der Kafka lebte und der diese Zeit selbst repr&#228;sentiert?</p>

<p>Heinrich Mann greift diesen wohl auch f&#252;r Kafka wirksamen Zeitgeist,  allerdings  im wilhelmischen Detuschland, in „<a href="http://logos.kulando.de/post/2009/08/07/heinrich-mann-der-untertan-analysen" target="_blank">Der Untertan</a>“ auf; die Expressionisten sehen die zerst&#246;rerische Kraft des Zusammentreffens absolutistischer Machtsystem und den kriegerischen M&#246;glichkeiten, die mit der Industrialisierung und der am Flie&#223;band produzierten Waffen voraus. Hesse greift in „<a href="http://www.hhesse.de/werk.php?load=demian" target="_blank">Demian</a>“ und in „Der Steppenwolf“ die Spannung auf, die Menschen mit starkem Individualisierungswillen in einer von der Anpassung lebenden Massengesellschaft erfahren. Und schon der 1901 ver&#246;ffentlichte Roman „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann, hat den Zerfall der vertrauten gesellschaftlichen Beziehungssysteme zum Thema.</p>

<p>In dieser Zeit gelang es Kafka eine eigene Sprache zu finden, die seine Wahrnehmung des fr&#252;hen 20. Jahrhunderts widerspiegelt, mit der er sich ganz und gar seinem Empfinden dieser Zeit hingab, ohne dass den Figuren seiner Texte eine Integration in diese Zeit gelingt.</p>

<p>Kafkas Figuren sind den Gegebenheiten ausgeliefert (z. B. in „Die Verwandlung“) und der Autor sucht f&#252;r sie keine „befriedigenden“ L&#246;sungen, sondern folgt den Erfahrungen dieser Figuren gnadenlos, ohne Besch&#246;nigung, ohne die sich aus diesen Erfahrungen ergebenden Spannungen aufzul&#246;sen.</p>

<p>Kafka trauert in seinen Werken weder den Verlusten des B&#252;rgertums in dieser Zeit hinterher, noch bietet er L&#246;sungen an, wie es sp&#228;ter z. B. Brecht mit seiner N&#228;he zu kommunistischen Idealen versucht. Und so ist der Zugang zu Kafkas Texten bis heute so schwierig wie aktuell: Leser dieser Texte werden selbst in die Spannung des Aushaltens unlogischer, kaum integrierbarer Zusammenh&#228;nge als Teil des Systems gestellt, in dem sich das Individuum oft kaum noch jenseits funktionaler Zusamenh&#228;nge als Individuum zu erfahren vermag – und gleichzeitig als Individuum auf nicht am Individuum sondern an Verwaltungsabl&#228;ufen orientierten Strukturen trifft, deren Logik vor allem darauf hin ausgerichtet ist, mit „Massen“ umzugehen.</p>

<p>Doch auch in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Masse_und_Macht" target="_blank">Massengesellschaft</a>, mit Massenproduktion, Massenkonsum, Massengeschmack, Massenmedien usw. erf&#228;hrt sich der einzelne Mensch nach wie vor als Individuum, das als solches wahrgenommen und behandelt werden will, sich aber zugleich als Massenph&#228;nomenen ausgeliefert erf&#228;hrt, die in die Spannung von Anpassung und &#220;berleben des Individuellen f&#252;hren.</p>

<p>Zwischen von Marken beherrschten Imagefragen und einer von solchen Imagefragen unabh&#228;ngig als Eigenwert erfahrbarer Individualit&#228;t scheint es kaum m&#246;glich, den Spagat der Integration all dieser Ph&#228;nomen in die eigene Pers&#246;nlichkeit zu leisten. Das Individuum, so scheint es, kann sich nur noch anpassen oder zum Au&#223;enseiter werden, der vielleicht die eigene Individualit&#228;t zu leben vermag, gleichzeitig aber den Gesetzen ausgeliefert ist, die diesem Streben nach Individualit&#228;t zuwider laufen und dennoch immer wieder genau diese versprechen; in der Werbung kann dies Tag f&#252;r Tag beobachtet werden.</p>

<p>Das Individuum wird, wie Gregor Samsa, zum „Insekt“, zu einem von den Ph&#228;nomenen der Masse entpersonalisiertem Wesen und scheitert gleichzeitig an der Forderung, gef&#228;lligst individuelle zu sein.</p>

<p>Hesse stellt in „Demian“ und in der „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Steppenwolf" target="_blank">Der Steppenwolf</a>“ Figuren dar, die als starke Individuen die Existenz des Au&#223;enseiters leben; Heinrich Mann stellt den angepassten Mitl&#228;ufer in „Der Untertan“ dar. Kafkas Figuren stehen zwischen diesen L&#246;sungsangeboten der beginnenden Massengesellschaft und stellen Spannungen derer dar, die weder zu blo&#223;en Mitl&#228;ufern werden noch die Existenz von Au&#223;enseitern „w&#228;hlen“ wollen und gerade so in die Situation geraten, die Eigenlogik der letztlich auf Anpassung hin ausgerichteten Gesellschaft mit aller Macht zu erfahren und so in die Rolle von Au&#223;enseitern gedr&#228;ngt zu werden, die aber doch eigentlich „dazu geh&#246;ren“ wollen.</p>

<p>In den vor 100 Jahren begonnenen Tageb&#252;chern Kafkas dr&#252;ckt sich dieser Kampf &#252;ber 14 Jahre hinweg in gr&#246;&#223;ter Intensit&#228;t aus. Seine Werke spiegeln die Spannungen wider, die Kafka selbst (er-)lebte und literarisch zum Ausdruck zu bringen vermochte. Es gelingt ihm, der sich ganz der Literatur verschrieben hatte und an anderen Arbeitsnotwendigkeiten litt, den Spannungen seiner Zeit eine eigene, unabh&#228;ngige Sprache zu geben.</p>

<p>In den seit Kafkas Schaffen vergangenen Jahrzehnten ist die Massengesellschaft nicht verschwunden. Die Herausforderungen an das Individuum sind in den vergangenen 100 Jahren nicht geringer geworden, das sich nach wie vor als Individuum in den Massen zu verlieren droht.</p>

<p>Kafka gibt dieser Spannung bis heute Sprache; er f&#252;hrt Leser bis heute in die fast unertr&#228;gliche Spannung des Individuums in der Masse hinein. Deshalb ist Kafka anstrengend. Deshalb ist er aber nach wie vor aktuell. Und wenn es die &#252;ber die Zeit eines Autors hinaus wirkende Aktualit&#228;t eines Autors ist, die ihn, so er in Sprache und Ausdruckskraft den Weg zur k&#252;nstlerischen Meisterschaft zu bew&#228;ltigen vermochte, zum Klassiker macht, bin ich gerne bereit, Franz Kafka als einen der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen. Kafka ist ein Klassiker deutschsprachiger Literatur und weit &#252;ber den deutschen Sprachraum hinaus.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Genie, „Sturm und Drang“ – Goethes Hymnen „Prometheus“ und „Ganymed“</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 14 May 2009 21:16:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch Sek. II]]></category>
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		<description><![CDATA[Vorbemerkung In diesem Beitrag finden sich zahlreiche Links auf Seiten, die hier verwendete Begriffe n&#228;her erkl&#228;ren oder erw&#228;hnte Schriften zug&#228;nglich machen, die gemeinfrei vorliegen. Damit versuche ich hier konsequent die Hyptertextstruktur des Internets zu nutzen: Begriffe, die erkl&#228;rt werden m&#252;ssen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Vorbemerkung</em></p>

<p><em>In diesem Beitrag finden sich zahlreiche Links auf Seiten, die hier verwendete Begriffe n&#228;her erkl&#228;ren oder erw&#228;hnte Schriften </em><em>zug&#228;nglich machen</em><em>, die <a title="Die Gemeinfreiheit bezeichnet alle Werke, welche keinem Urheberrecht mehr unterliegen oder ihm nie unterlegen haben. Das im angloamerikanischen Raum anzutreffende Public Domain ist &#228;hnlich, aber nicht identisch mit der europ&#228;ischen Gemeinfreiheit." href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfreiheit" target="_blank">gemeinfrei</a> vorliegen. Damit versuche ich hier konsequent die Hyptertextstruktur des Internets zu nutzen: Begriffe, die erkl&#228;rt werden m&#252;ssen und bereits an anderer Stelle angemessen erl&#228;utert werden, werden hier nicht im Detail dargestellt: Einerseits soll so der Umfang des Artikels im ertr&#228;glichen Ma&#223;e gehalten werden und andererseits wird so der st&#228;ndige Bezug auch des Wissens, an dessen Konstruktion ich mich beteilige, auf bereits vorhandenes Wissen in der Form des Beitrags widergespiegelt. </em></p>

<hr />

<p>Der Mensch solle den Mut haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, <a title="Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufkl&#228;rung." href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=1366&amp;kapitel=1#gb_found" target="_blank">schrieb Imanuel Kant 1784</a>, zwei Jahre vor dem von vielen Forschern als Enddatum der Sturm-und-Drang-Epoche in der Literatur angenommenen <a title="Den 3. September fr&#252;h drei Uhr stahl ich mich aus dem Karlsbad weg, man h&#228;tte mich sonst nicht fortgelassen. Man merkte wohl, da&#223; ich fort wollte. Ich lie&#223; mich aber nicht hindern, denn es war Zeit. Goethes Tagebuch, 3.9.1786" href="http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=4096" target="_blank">Aufbruch Goethes zur Italienreise am 03. September 1786</a>.</p>

<p>Kant, der oft als Begr&#252;nder der Aufkl&#228;rung gesehen wird, fasst in seiner Schrift in Wirklichkeit die <a href="http://xlibris.de/Epochen/Aufklaerung" target="_blank">Ph&#228;nomene</a> zusammen, im 17. und 18. Jahrhundert die gesamte Gesellschaft ver&#228;nderten und das Ende des <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=JDW30I" target="_blank">Feudalismus</a> einleiteten.</p>

<p>Die <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=191O27" target="_blank">Ratio</a>, also die Vernunft, wird zum obersten Prinzip der Welterkenntnis und des Handelns in der Welt erhoben.</p>

<p>Der mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance" target="_blank">Renaissance</a> und dem <a href="http://www.philolex.de/humanism.htm" target="_blank">Humanismus</a> angesto&#223;ene Prozess der <a href="http://www.scienzz.de/magazin/art6439.html" target="_blank">Entdeckung des Individuums</a> wird hier konsequent weiter gedacht, was auch zur Folge hatte, dass die <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=A0W3AE" target="_blank">Empirie</a> und und ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mechanistisches_Weltbild" target="_blank">mechanistisches Weltverst&#228;ndnis</a> die Oberhand gewannen. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes" target="_blank"></a></p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes" target="_blank">Descartes</a> hatte die Grundlage dieses Weltbildes, das von st&#228;ndigem rationalen Zweifel gegen&#252;ber angenommenen Selbstverst&#228;ndlichkeiten des &#252;berlieferten Weltbildes gepr&#228;gt war, bereits 1641 in dem ber&#252;hmten Satz „<a href="http://www.descartes-cogito-ergo-sum.de/" target="_blank">Cogito, ergo sum</a>“ zusammengefasst.</p>

<p>Es entwickelte sich eine „vern&#252;nftelnde“ Geisteshaltung, die sich in der theoretischen Besch&#228;ftigung mit <a href="http://xlibris.de/Epochen/Aufklaerung" target="_blank">Literatur</a> vor allem in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christoph_Gottsched" target="_blank">Gottscheds</a> „<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Gottsched,+Johann+Christoph/Theoretische+Schriften/Versuch+einer+critischen+Dichtkunst" target="_blank">Versuch einer critischen Dichtkunst</a>“ ausdr&#252;ckte und aus heutiger Sicht zu seltsam leblos wirkenden Gedichten und Theaterst&#252;cken f&#252;hrte.</p>

<p>Als <a href="http://www.zeno.org/Eisler-1912/A/Kant,+Immanuel?hl=kant" target="_blank">Kant</a> 1784 seinen ber&#252;hmten Aufkl&#228;rungstext schreibt, haben einige damals zwanzig bis drei&#223;ig Jahre alte Intellektuelle l&#228;ngst begonnen, einer Rationalit&#228;t den Kampf anzusagen, die den Menschen nicht als ganzes Individuum wahrnimmt, das neben dem Verstand auch Gef&#252;hle und Leidenschaften als schaffende Kr&#228;fte in sich tr&#228;gt. – So sehr die <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Sturm%20und%20Drang" target="_blank">Epoche des Sturm-und-Drangs</a> oft als eine Gegenbewegung zur Aufkl&#228;rung gesehen wird: Im Grunde wird erst hier die gesamte Dimension der Schaffenskraft des <a href="http://www.fremdwort.de/suche.php?term=Individuum" target="_blank">Individuums</a> &#252;ber die Rationalit&#228;t hinaus aufgekl&#228;rt.</p>

<p>An die Stelle des rein rationalen Denkers wird das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Genie" target="_blank">Genie</a> gesetzt, jenes Individuum, das aus sich selbst heraus m&#246;gliche Welten schafft.</p>

<p>Doch zun&#228;chst wurde das Genie nur beschrieben, wurden Autoren im R&#252;ckblick mit dem Attribut des Genies versehen, wie z.B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/William_Shakespeare" target="_blank">Shakespeare</a>.</p>

<p>Der erste Autor, der den Geniegedanken f&#252;r sein Werk fruchtbar machte, war <a href="http://xlibris.de/Autoren/Goethe" target="_blank">Johann Wolfgang Goethe</a>. Erich Trunz schreibt<span id="more-1608"></span> in seinem nach wie vor hervorragendem Kommentar der Hamburger Ausgabe der Werke Goethes:</p>

<blockquote>„F&#252;r Goethe, den sch&#246;pferischen K&#252;nstler, verschmolz die Genielehre mit der Ich-Erfahrung. Er, als erster, stellt dar, wie dem Genie zumute ist. W&#228;hrend jene [Theoretiker] das Wesen des Genies beschreibend fa&#223;ten, fa&#223;te er es dichtend.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/#footnote_0_1608" id="identifier_0_1608" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Gothes Werke, Band 1:&nbsp; Gedichte und Epen I &ndash; Textkritisch durchgesehen und kommentiert von Erich Trunz, M&amp;#252;nchen 1998, 465.">1</a></sup></blockquote>

<p>Ihren Niederschlag fand dieser Ausdruck des Genies bei Goethe in den gro&#223;en <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hymne" target="_blank">Hymnen</a>.</p>

<blockquote>„Sie waren selbst &#252;berst&#246;mend kraftvoll, waren neu, einmalig, eigenartig, innerlich notwendig. In ihnen gipfelt die Geniebewegung des 18. Jahrhundert.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/#footnote_1_1608" id="identifier_1_1608" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd.">2</a></sup></blockquote>

<p>Einer dieser Hymnen ist Goethes „Prometheus“.</p>

<p>Dieses Gedicht kann als eines gesehen werden, in dem das Programm des Sturm-und-Drangs zum Ausdruck kommt – ein Gedicht, das nicht nur das Lebensgef&#252;hl des Genies zeigt, sondern auch als Gedicht in einer solchen Form und mit einer solchen Aussage nie vorher dagewesen ist.</p>

<hr />

<p style="text-align: center;">Johann Wolfgang Goethe</p>

<p style="text-align: center;">Prometheus</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und &#252;be, Knaben gleich,
Der Disteln k&#246;pft,
An Eichen dich und Bergesh&#246;hn!
Mu&#223;t mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine H&#252;tte,
Die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Ich kenne nichts &#196;rmeres
Unter der Sonn als euch G&#246;tter.
Ihr n&#228;hret k&#252;mmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majest&#228;t
Und darbtet, w&#228;ren
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Da ich ein Kind war,
Nicht wu&#223;te, wo aus, wo ein,
Kehrte mein verirrtes Aug
Zur Sonne, als wenn dr&#252;ber w&#228;r
Ein Ohr zu h&#246;ren meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedr&#228;ngten zu erbarmen.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Wer half mir wider
Der Titanen &#220;bermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du&#8217;s nicht alles selbst vollendet,
Heilig gl&#252;hend Herz?
Und gl&#252;htest, jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden dadroben?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Ich dich ehren? Wof&#252;r?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tr&#228;nen gestillet
Je des Ge&#228;ngsteten?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allm&#228;chtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herren und deine?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>W&#228;hntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In W&#252;sten fliehn,
Weil nicht alle Knabenmorgen-
Bl&#252;tentr&#228;ume reiften?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,
Genie&#223;en und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich.</p>

<hr style="text-align: center;" />

<p>Sechsundf&#252;nfzig unregelm&#228;&#223;ige Verse, ohne Reime: Schon die &#228;u&#223;ere Form des von Johann Wolfgang Goethe 1773 verfassten Gedichts dr&#252;ckt die Unabh&#228;ngikeit eines leidenschaftlichen Ichs aus. In der &#220;berschrift bekommt dieses Ich einen Namen: Prometheus. Schon im Titel ist der Hinweis auf die sprechende Person gegeben, wie es in „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rollengedicht" target="_blank">Rollengedichten</a>“ oft der Fall ist.</p>

<p>Goethe greift in diesem Gedicht, so neu diese Art von Gedichten in seiner Zeit auch war, den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mythos" target="_blank">Mythos</a> eines griechischen Halbgottes auf. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus" target="_blank">Dieser Mythos</a>, der freilich in unterschiedlichen Formen vorliegt, erz&#228;hlt, wie Prometheus Menschen aus Ton formt und diesen das Feuer (=Kultur) bringt, obwohl Zeus damit &#252;berhaupt nicht einverstanden war.</p>

<p>Zur Strafe wird Prometheus an den Kaukasus geschmiedet. Er wird sp&#228;ter befreit und macht Karriere am g&#246;ttlichen Hofe, als Berater der G&#246;tter.  Doch von Strafe ist in dem Gedicht noch nichts zu sp&#252;ren. In dem Gedicht ist Prometheus auf dem Gipfel seines sch&#246;pferischen Erfolges und wendet sich direkt an Zeus (V 1), den er verh&#246;hnt und seine Selbstst&#228;ndigkeit hervorhebt (V  1–12). Prometheus sieht sich als Sch&#246;pfer, dem die G&#246;tter die Erde nicht streitig machen k&#246;nnen (V 6f) und der die Glut des Feuers besitzt, die er gegen den Willen der G&#246;tter den Menschen als wichtige Voraussetzung der Entwicklung der Kultur zu Verf&#252;gung stellen wird.  Diese Glut (V 11) bereits kann im Kontext des Geniegedankens als Teil des leidenschaftlichen Gl&#252;hens des Genies verstanden werden, dass eigenst&#228;ndig, aus sich selbst heraus schaffend ist (V 31f: „Hast du’s nicht alles selbst vollendet / Heilig gl&#252;hend Herz?“) , neues auf die Welt bringt, im Falle Prometheus’ Menschen (V 50). Jenes „Gl&#252;hen“ taucht im Gedicht auch an anderer Stelle zwei Mal auf (V 32; V 33) und beschreibt das Genie als Menschen, dessen Herz vor Leidenschaft und Schaffenskraft gl&#252;ht.</p>

<p>Die langsame und best&#228;ndig sich von der ihr zur Verf&#252;gung stehenden Energiequelle n&#228;hrende Glut wird hier dem Feuer vorgezogen. Das Genie ist kein brennender, er ist ein gl&#252;hender Mensch.  Und die Energiequelle ist in diesem Hymnus das Selbst (V 32), das Ich (auch in Formen von „mein“, die einen Besitzanspruch formulieren – V 6; 8; 10; 12; 13; 20; 21; 24; 25; 27; 29; 31; 36; 41; 46; 50; 51; 52; 56), das eigenst&#228;ndig, von g&#246;ttlichen Vorgaben unabh&#228;ngige Individuum.  Der Vorwurf Prometheus’ an die G&#246;tter ist schon ein Vorklang an die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Religionskritik" target="_blank">Religionskritik</a>, die im 19. Jahrhundert von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feuerbach" target="_blank">Ludwig Feurbach</a> und <a href="http://www.zum.de/Faecher/kR/Saar/gym/projekt/rel_krit/marx/marx.htm" target="_blank">Karl Marx</a> ausformuliert wird, aber in der Aufkl&#228;rung und im Geniegedanken seine Vorl&#228;ufer hat.</p>

<p>Prometheus sagt, dass er nichts &#228;rmeres kenne als die G&#246;tter (V 13f), die von der Verehrung der Menschen lebten (V 15–17), die als Kinder, Bettler und „hoffnungsvolle Tohren“ (V 18f) bezeichnet werden.  Hier klingt auch an, dass Goethe und der Sturm und Drang eben keine Gegenbewegung zur Aufkl&#228;rung sind, sondern deren Erwachsene. Kinder und Bettler stehen hier f&#252;r unaufgekl&#228;rte Menschen f&#252;r „Tohren“, die in ihrer Unselbstst&#228;ndigkeit und Armut das eigene Heil auf die G&#246;tter projizieren (sp&#228;ter von Feuerbach in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Projektionstheorie" target="_blank">Projektionstheorie</a> n&#228;her ausgearbeitet) und nicht einsehen, dass die Rettung vom Tod und aus der Sklaverei die Leistung des eigenst&#228;ndig denkenden und aktiven Menschen ist, der sich gegen das Unrecht im Namen der G&#246;tter erhebt (V 27–49 sp&#228;ter in der <a href="http://www.zum.de/Faecher/kR/Saar/gym/projekt/rel_krit/marx/marx2.htm" target="_blank">Marx’schen Religionskritik</a> mit revolution&#228;ren Zielen theoretisch ausgearbeitet).  Vom Umfang steht der Angriff an die G&#246;tter im Zentrum des Gedichtes, damit zuletzt das sch&#246;pferische Ich des Prometheus’ selbst ins Zentrum r&#252;cken kann, wie es sich in der letzten Strophe ausdr&#252;ckt (V 50–56), die ihren Gipfel im letzten, nur aus zwei Worten bestehenden Vers „Wie ich.“ (V 56) erreicht.  Das Genie ist ein Mensch, der aus sich selbst Welten und Weltbilder schafft, er pr&#228;gt das Denken und die Weltsicht von Menschen. – Und so lautet das letzte Wort des Gedichtes dann auch „Ich“.</p>

<p>Doch dieses „Ich“ ist kein auf sich selbst bezogenes, so wenig es sich noch von den vorgegebenen Gedanken seiner Gesellschaft, von Kreativit&#228;t und Sch&#246;pferkraft  verhindernden, nicht weiter hinterfragten „Selbstverst&#228;ndlichkeiten“, von seiner schaffenden T&#228;tigkeit abhalten l&#228;sst. Hier erscheint in der Literatur der Mensch, der sich von seinem &#252;berlieferten Gott abwendet, der die Theodizeefrage in eine Ablehung Gottes &#252;berf&#252;hrt: „Wer rettete vom Tode mich / Von Sklaveri?“ (V 29) und Hast du die Schmerzen gelindert / Je des Beladenen?/ Hast du die Tr&#228;nen gestillet / Je des Ge&#228;ngsteten?“ (V 37–40).</p>

<p>Das Werden des Genies wird hier in den thematisch gleichen Kontext gestellt, dem sich Menschen nach der gro&#223;en <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Tod" target="_blank">Pest in den Jahren 1347 bis 1353</a> und auch nach dem gro&#223;en <a href="http://wiki.zum.de/Erdbeben_von_Lissabon" target="_blank">Erdbeben von Lissabon </a>und dem ihm folgenden Tsunami 1755 ausgeliefert waren. Es gibt Kulturhistoriker, die einen direkten Zusammenhang der hier genannten Katastrophen und der der Ver&#228;nderung des Selbstbildes der Menschen in Europa sehen. Mir scheint eine Annahme solcher Zusammenh&#228;nge sehr plausibel.</p>

<p>„Prometheus“ ist also mehr als nur eine Beschreibung des Empfindens und Selbstbildes eines Genies. Das Gedicht kann vielmehr als eine hochgradig verdichtete Darstellung mit der Entdeckung des Ich-Bewusstseins der Menschen in Europa einhergehender geistesgeschichtlicher Ver&#228;nderungen und deren Folgen gelesen werden. Und am Ende steht das selbstbewusste „Ich“ und formt Menschen nach seinem Bilde (V 50f).</p>

<p>Heute gelesen kommt das Gedicht fast wie ein prophetischer Text vor, in dem der Geniegedanke bis zum Ende durchdacht wurde. Ob Goethe es so gemeint hat, wie ich das Gedicht heute lese, halte ich f&#252;r unwahrscheinlich, aber als Leser erlaube ich mir die Assoziation, dass die Versuche der „Verbesserung des Menschen“ im 20. und 21. Jahrhunderts durchaus mit dieser letzten Strophe des „Prometheus“ im Sinne eines <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_int/herm/werktrans/rezept/herm_rezept0.htm" target="_blank">rezeptions&#228;sthtetischen Ansatzes</a> in Verbindung gebracht werden k&#246;nnen.</p>

<p>Und dann tauchen im Kontext der geschichtlichen Entwicklungen seit dem Entstehen des Gedichtes dunkle Schatten auf, die sich auf ein Genieverst&#228;ndnis legen, das alleine die Schaffenskraft des Individuums ins Zentrum stellt, sodass zuletzt dar&#252;ber diskutiert wird, ob es erlaubt sein k&#246;nne, Menschen nach dem Bilde der lebenden Menschen zu schaffen, zu designen und entsprechende Bem&#252;hungen in der Genforschung zu unternehmen.</p>

<p>Das bis zum Geniegedanken gesteigerte Selbstbewusstsein des Menschen f&#252;hrt zum „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Homo_faber_(Buch)" target="_blank">Homo Faber</a>“, dem haltlosen, nur noch machenden Menschen, mit wiederum verdr&#228;ngten Gef&#252;hlen und Leidenschaften, die der Sturm und Drang doch als Kr&#228;fte erwecken wollte, die den Menschen erst vollst&#228;ndig machen, da er eben nicht nur Vernunft ist.</p>

<p>Und hier kommt die andere, in „Prometheus“ nicht angesprochene Seite des Geniegedankens der St&#252;rmer und Dr&#228;nger ins Spiel, die von Goethe im Hymnus „Ganymed“ gestaltet wird.</p>

<hr />

<p style="text-align: center;">Johann Wolfgang Goethe</p>

<p style="text-align: center;">Ganymed</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Wie im Morgenglanze
Du rings mich angl&#252;hst,
Fr&#252;hling, Geliebter!
Mit tausendfacher Liebeswonne
Sich an mein Herz dr&#228;ngt
Deiner ewigen W&#228;rme
Heilig Gef&#252;hl,
Unendliche Sch&#246;ne!</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Da&#223; ich dich fassen m&#246;cht
In diesen Arm!</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Ach, an deinem Busen
Lieg ich, schmachte,
Und deine Blumen, dein Gras
Dr&#228;ngen sich an mein Herz.
Du k&#252;hlst den brennenden
Durst meines Busens,
Lieblicher Morgenwind!
Ruft drein die Nachtigall
Liebend nach mir aus dem Nebeltal.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Ich komm, ich komme!
Wohin? Ach, wohin?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Hinauf! Hinauf strebts.
Es schweben die Wolken
Abw&#228;rts, die Wolken
Neigen sich der sehnenden Liebe.
Mir! Mir!
In eurem Scho&#223;e
Aufw&#228;rts!
Umfangend umfangen!
Aufw&#228;rts an deinen Busen,
Alliebender Vater!</p>

<hr />

<p>Was f&#252;r anderer Ton, den Johann Wolfgang Goethe im Fr&#252;hjahr 1784 in dem Gedicht „Ganymed“ anschl&#228;gt. Lag es wom&#246;glich an der Jahreszeit. W&#228;hrend „Prometheus” im Herbst entstand – und herbstliche Gedanken widerspiegelt, Gedanken von Menschen, die sich den unfreundlichen Kr&#228;ften der Natur im Winter gegen&#252;ber sehen? – klingt hier nun die Faszination &#252;ber das hereinbrechende Fr&#252;hjahr an.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/#footnote_2_1608" id="identifier_2_1608" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu und zum folgenden: Ebd., 485&ndash;487.">3</a></sup></p>

<p>Wie auch im <a href="http://http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=3793&amp;kapitel=1#gb_found" target="_blank">Brief vom 10. Mai</a> im ersten Buch des Briefromans „Die Leiden des jungen Werther“, den Goethe ebenfalls im Jahre 1774 ver&#246;ffentlichte, steht im Ganymed die Gotteserfahrung in der Natur im Zentrum.</p>

<p>Im „Werther“ hei&#223;t es:</p>

<blockquote>„Ich k&#246;nnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein gr&#246;&#223;erer Maler gewesen als in diesen Augenblicken. Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfl&#228;che der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und n&#228;her an der Erde tausend mannigfaltige Gr&#228;schen mir merkw&#252;rdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unz&#228;hligen, unergr&#252;ndlichen Gestalten der W&#252;rmchen, der M&#252;ckchen n&#228;her an meinem Herzen f&#252;hle, und f&#252;hle die Gegenwart des Allm&#228;chtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Alliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend tr&#228;gt und erh&#228;lt…“</blockquote>

<p>Wie in „Ganymed“ (V 1–19) wird hier die Faszination an der Natur mit G&#246;ttlichem verbunden. Doch in „Ganymed“ geht Goethe noch weiter. In nur 32 Zeilen, wiederum reimlos und unregelm&#228;&#223;ig, kommt der ebenfalls der griechischen Mythologie entstammende Hirtenknabe <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ganymed_(Mythologie)" target="_blank">Ganymed</a> zu Wort. Als Hirte ist er der Natur verbunden, doch wurde er im Mythos von Zeus entf&#252;hrt, der ihn auf dem Olymp als Mundschenk haben wollte.</p>

<p>In Goethes Ganymed sind diese beiden Seiten, die Verbundenheit mit der Natur und das Streben nach oben: „Hinauf, hinauf strebt’s“ (V 22), anzutreffen.  Mag auch mit „Alliebender Vater!“ im letzten Vers (V 32) eine Gottheit stehen, so erreicht dieses Gedicht seinen H&#246;hepunkt schon in V 29, in jenem mit h&#246;chstem Sprachgef&#252;hl verfassten „Umfangend umfangen“.</p>

<p>In unnachahmlicher Pr&#228;szision beschreibt Erich Trunz diesen Vers:</p>

<blockquote>„Das <em>Fassen</em> und <em>Kommen </em>der vorhergehenden Verse m&#252;ndet in das <em>Umfangend</em>, das <em>Angl&#252;hen, Dr&#228;ngen, Rufen</em> Gottes kommt zur Ruhe in der zweiten H&#228;lfte des Verses, dem <em>Umfangen</em>, das freilich in seiner passivischen Form nicht mehr die handelnde Bewegung ausdr&#252;ckt, sondern ihr Ziel, ihren Ertrag; den Zustand des Ich, das von der nahenden Gottheit sich nun umschlossen und getragen f&#252;hlt. Der endg&#252;ltige Zustand, auf den das ganze Gedicht sich hinbewegt, die wahre N&#228;he zum G&#246;ttlichen, ist vom Menschen her ausgesprochen in einer Verkn&#252;pfung der aktivischen mit der passivischen Form.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/05/14/genie-sturm-und-drang-und-goethes-hymnen-prometheus-und-ganymed/#footnote_3_1608" id="identifier_3_1608" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., 486.">4</a></sup></blockquote>

<p>Ist der Mensch in „Prometheus“ der Gottheit gegen&#252;ber in einer anklagenden Position, die von erfahrenem Leid ausgehend der Gottheit seine eigene Sch&#246;pferkraft gegen&#252;berstellt und so aus der Passivit&#228;t des Leidens heraus tritt, zum aktiv gestaltenden Genie wird, so sieht es in „Ganymed“ ganz anders aus. Hier wird der Mensch von der Sch&#246;nheit der Natur ergriffen, die den Menschen schmachten (V 12) l&#228;sst, in ihm ein Dr&#228;ngen und Brennen ausl&#246;st (V 14f) und aktiv das Streben zur Gottheit mit sich bringt, bei dem sich Aktivit&#228;t und Passivit&#228;t („Umfangend umfangen!“ [V 29]) miteinander vereinen, in dem sich – und hier wird der Geniegedanke wieder unmittelbar greifbar – die Gottheit so sehr mit Menschen vereint, dass der Mensch in seinem Streben mit der Gottheit vereint wird.</p>

<p>Und genau diese Vorstellung wird, wenn auch nicht mehr dem Sturm und Drang zugeh&#246;rig, sp&#228;ter in „Faust” aufgenommen, wo es am im f&#252;nften Akt, in dem die Engel den unsterblich gewordenen Leib Faustens in den Himmel tragen, hei&#223;t: „Wer immer strebend sich bem&#252;ht, / Den k&#246;nnen wir erl&#246;sen.“ (V 11936f)</p>

<p>„Prometheus“ und „Ganymed“ spiegeln die zwei Seiten der „Ich-Erfahrung“ des Genies wider und bieten nur in der Zusammenschau einen Einblick in das ganze Genieverst&#228;ndnis Goethes, das die im Rahmen meiner Besch&#228;ftigung mit dem Hymnus aufgetauchten Gedanken an die Gefahren eines <em>solchen</em> prometheischen Genies dann doch deutlich relativiert, solange das Genie beide Seiten in sich hat, also auch die schaffende, strebende, die nicht nur umf&#228;ngt, sondern sich auch umfangen l&#228;sst – und so die gro&#223;artige Sch&#246;nheit ebensowenig aus den Augen und aus dem eigenen Gestaltungswillen verliert, wie den Schmerz und das Leid.</p>

<blockquote>Link: Eine <a href="http://logos.kulando.de/post/2009/07/18/goethe-ganymed-interpretation" target="_blank">eigenst&#228;ndige Interpretation des Ganymeds aus Lehrerhand</a> findet sich bei Norbert Tholen.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Faust 1 – Die Gretchenfrage (Marthens Garten – Verse 3414–3543)</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Nov 2008 23:22:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Faust 1 – Die Gretchenfrage (Marthens Garten – Verse 3414–3543) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Goethes »Faust – Der Trag&#246;die erster Teil« kann als eine Auseinandersetzung mit dem Ungen&#252;gen des &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/11/10/faust-1-die-gretchenfrage-marthens-garten-v-34143543/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Faust 1 – Die Gretchenfrage (Marthens Garten – Verse 3414–3543)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=591" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Goethes »Faust – Der Trag&#246;die erster Teil« kann als eine Auseinandersetzung mit dem Ungen&#252;gen des &#252;berlieferten und anerkannten Wissens gelesen werden, eine Auseinandersetzung, die in der sogenannten »Gretchenfrage« auf den Punkt gebracht wird:</p>

<blockquote>»Nun sag, wie hast du&#8217;s mit der Religion?« (V 3415)</blockquote>

<p>Religion steht hier f&#252;r all das, was Gretchen in ihrem Leben als Ma&#223;stab des Handelns ansieht, als Orientierung in ethischen Fragen und im ganz allt&#228;glichen Leben.</p>

<p>Es geht in der Gretchenfrage also um das Selbstverst&#228;ndnis Fausts als Menschen. Es ist keine »<a href="http://lexikon.meyers.de/wissen/Gretchenfrage" target="_blank">Gewissensfrage</a>« im traditionellen Sinn, sondern die Frage nach der Norm, nach der ein Mensch sein Leben ausrichtet.<span id="more-591"></span></p>

<p>F&#252;r Gretchen ist die Antwort auf diese Frage klar: Der kirchlich gepr&#228;gte Glaube an Gott bildet die Norm, nach der ein Mensch zu leben habe.</p>

<p>Faust hingegen zeigt sich dieser institutionalisierten Religiosit&#228;t gegen&#252;ber skeptisch:</p>

<blockquote>»Ich habe keinen Namen / Daf&#252;r!« (V 3455f)</blockquote>

<p>Fausts Skepsis richtet sich gegen ein allzu klares Wissen dessen, was er selbst als etwas erfahren hat, das sein Wissen &#252;bersteigt. Er will wissen, was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt, will sich nicht mit den vorgefertigten Antworten der Wissenschaft und der Religion begn&#252;gen. Wenn es um Religion und Gott geht, dann ist alles Wissen »Umnebelnd Himmelsglut« (V 4358).</p>

<p>Doch Faust will wissen. Deshalb hat er sich mit Mephistopheles eingelassen, auch wenn er zunehmend erkennt, dass dieser ihn auf Bahnen f&#252;hrt, die v&#246;llig au&#223;erhalb der gesellschaftlichen Norm f&#252;hren. Margarete erkennt dies intuitiv. (V 3471–3493)</p>

<p>Die <a href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;q=gretchenfrage&amp;btnG=Suche&amp;meta=cr%3DcountryDE" target="_blank">sprichw&#246;rtlich gewordene »Gretchenfrage«</a> ist also eine Frage nach den Kriterien, an denen Faust sein Leben ausrichtet, nach den ethischen Normen, denen er folgt und letztlich eine Frage, nach der Akzeptanz gesellschaftlicher Regeln durch Faust.</p>

<p>Faust h&#228;lt diese Regeln f&#252;r unangemessen. Und doch sind es genau diese Regeln, die Gretchen zuletzt den Tod bringen werden und Faust schuldig werden lassen. Faust wird von Mephistopheles auf Bahnen gef&#252;hrt, die au&#223;erhalb aller gesellschaftlicher Normen liegen. Doch damit werden gleichzeitig diese Normen in Frage gestellt.</p>

<p>M&#246;glicherweise spiegelt sich in diesem Konflikt wider, was die Zeit ausmachte, in der Goethe am Faust arbeitete: Der <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/stdrang.htm" target="_blank">Sturm und Drang</a> gab dem subjektiven Gef&#252;hl Bedeutung (»Gef&#252;hl ist alles« – V 3456), die <a href="http://www.zum.de/Faecher/G/BW/neuzeit/frzrev/fr1.htm" target="_blank">franz&#246;sische Revolution </a>und die <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/aufklaer.htm" target="_blank">Aufkl&#228;rung</a> stellten die normative Bedeutung der Religion in Frage, die <a href="http://kriegundfrieden.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,2026097,00.html?dr=1" target="_blank">Restauration</a> versuchte, »neue Werte« zu schaffen und dem ins Wanken geratene gesellschaftlichem System wieder Halt zu geben.</p>

<p>Faust spiegelt vor diesem Hintergrund auch die Zerissenheit der Intellektuellen der Zeit wider. Die Gretchenfrage w&#228;re vor dem Hintergrund eines solchen Verst&#228;ndnisses dann auch eine Frage an die Zeit, in der Goethe lebte.</p>

<p>Sprichw&#246;rtlich aber wurde die Frage, weil sie sich an jede Generation neu wendet. Die Gretchenfrage fordert dazu heraus, sich selbst Rechenschaft abzugeben, nach welchen Kritierien das eigene Leben gestaltet wird: Auf welcher Basis steht die Moral, welche Ma&#223;st&#228;be gelten f&#252;r das eigene Handeln und wie gehen wir mit der Erfahrung um, dass es Fragen gibt, die die F&#228;higkeiten empirischer Wissenschaften &#252;bersteigen?<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Terézia Mora, Alle Tage: 0. Jetzt – Wochenende – V&#246;gel (S. 9f)</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 18:41:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch Sek. II]]></category>
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		<description><![CDATA[Nach dem »Vorspann« kann nun also der Roman beginnen. Irritierend: Er beginnt mit einem Abschnitt der »0. Jetzt Wochenende« betitelt ist. Und dann erste Kapitel dieses Abschnittes, kaum zwei Seiten lang, mit dem Titel »V&#246;gel« obwohl kein Vogel in dem &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-0-jetzt-wochenende-voegel-s-9f/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem »<a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-der-vorspann-des-romans-s-5/" target="_blank">Vorspann</a>« kann nun also der Roman beginnen. Irritierend: Er beginnt mit einem Abschnitt der »0. Jetzt  Wochenende« betitelt ist. Und dann erste Kapitel dieses Abschnittes, kaum zwei Seiten lang, mit dem Titel »V&#246;gel«  obwohl kein Vogel in dem Kapitel auftaucht.</p>

<p>Die Zeit »Jetzt«, der Ort »Hier«. Na, toll. Welches »Jetzt« denn? Das »Jetzt« Lesers, der Autorin, des Erz&#228;hlers/der Erz&#228;hlerin des Romans? Und die gleiche Verwirrung beim Ort »Hier«. Ein Hinweis, das Ort und Zeit unwesentlich sind? Dem widerspricht die folgende Beschreibung des Ortes, die mit Adjektiven nur so gespickt ist. Eine Auswahl:</p>

<blockquote>&#246;stlicherer, braune, leere, vollgestopft, winzig, w&#252;st, spitz, zerkl&#252;ftet, h&#246;lzern, alt, frei, nah, klappernd …<span id="more-539"></span></blockquote>

<p>Es sind diese Adjektive, die das Bild dieses Ortes »Hier« pr&#228;gen, das Bild einer Gro&#223;stadt, wie die verwendeten Substantive in Verbindung mit den Adjektiven verraten. Es ist Samstagmorgen im Herbst. Dann treten drei Arbeiterinnen auf, die beschreiben, was ihnen an jenem Samstag widerfahren ist, gefolgt vom ersten Auftritt Abel Nemas, an den F&#252;&#223;en mit Klebeband an einem Kletterger&#252;st aufgeh&#228;ngt, den Kopf nach unten, der schwarze Mantel ist &#252;ber den Kopf gefallen, sodass er wie ein Vogel, eine Fledermaus ausgesehen habe, so die Arbeiterinnen. Es folgt eine Beschreibung, die in all ihrer Offenheit doch irgendwie ein ziemlich genaues Bild von Abel Nema zeichnet. Es taucht Abels Frau Mercedes auf, die Abel in der Klinik im k&#252;nstlichen Koma vorfindet  »bis wir wissen, wie es um sein Gehirn steht«. Und dann sagt sie noch, sie habe Abel zuletzt bei ihrer Scheidung gesehen.</p>

<p>Mag die erste Zeile noch auf einen Allerweltsort zu einer Allerweltszeit verweisen: Wenn das, was dann folgt, die Beschreibung einer ganz allt&#228;glichen Stadt sein soll, einer Gro&#223;stadt, wie wir sie &#252;berall vorfinden, dann ist das ein d&#252;steres Bild, verwirrend, eng  zerkl&#252;ftet eben. Und in dieser zerkl&#252;fteten Stadtlandschaft Abel, der kein Wort spricht, der da nur h&#228;ngt, die F&#252;&#223;e mit Klebeband an ein Kletterger&#252;st gefesselt, Kopf nach unten, erst einmal unsichtbar, wie ein schwarzer Vogel aussehend. Dann Abel im Koma und jener Halbsatz »bis wir wissen, wie es um sein Gehirn steht«.</p>

<p>Ich will hier noch gar nicht &#252;ber den Namen nachdenken, &#252;ber »Abel«, der einst von Kain erschlagen wurde<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-0-jetzt-wochenende-voegel-s-9f/#footnote_0_539" id="identifier_0_539" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Eine ganze Magisterarbeit zu Moras Roman, in der es auch um den Namen geht, findet sich hier als PDF.">1</a></sup>. Mir reichen auch die sonstigen Hinweise, die ich<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-0-jetzt-wochenende-voegel-s-9f/#footnote_1_539" id="identifier_1_539" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ja, ich tue hier einfach mal so, als w&amp;#252;rde ich noch nicht weiter gelesen haben, auch wenn das nat&amp;#252;rlich eigentlich nicht m&amp;#246;glich ist.">2</a></sup> in diesen knapp zwei Seiten finde: Ein schweigend auftretender Mensch mit Namen »Abel Nema«, der in eine extreme, von au&#223;en komisch wirkende, aber leidvolle Situation hinein geraten ist, in der er zun&#228;chst gar nicht zu erkennen ist, der dann im Koma liegt (Mercedes stellt fest, dass sie ihn noch nie schlafend sah) und der so lange in diesem Zustand gehalten werden soll, bis klar ist, » wie es um sein Gehirn steht«</p>

<p>Wenn das die Voraussetzungen des Romans sind  und irgendwie m&#252;ssen sie es sein, werden sie doch an einer der prominentesten Stellen des Buches, seinem Anfang, erz&#228;hlt  dann erwarte ich die »zerkl&#252;ftete«  ja, dieses Adjektiv hat es mir besonders angetan  Geschichte, eines Menschen, bei dem man erst einmal schauen muss, wie es um sein Gehirn steht, der in Trag&#246;dien, extreme und skurrile Situationen ger&#228;t, in st&#228;ndige Katastrophen  ist wom&#246;glich sein ganzes Leben eine Katastrophe  und der dennoch, so ist zumindest mein Eindruck in diesem ersten Kapitel, auch wenn Abel kein Wort sagt, irgendwie liebenswert ist.  Ob der Roman h&#228;lt, was er verspricht?</p>

<blockquote>Terézia Mora, Alle Tage. Roman, M&#252;chen (Luchterhand) 2004.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_539" class="footnote">Eine ganze Magisterarbeit zu Moras Roman, in der es auch um den Namen geht, findet sich <a href="http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2007/1295/pdf/kraft_magister.pdf">hier</a> als PDF.</li><li id="footnote_1_539" class="footnote">Ja, ich tue hier einfach mal so, als w&#252;rde ich noch nicht weiter gelesen haben, auch wenn das nat&#252;rlich eigentlich nicht m&#246;glich ist.</li></ol>
	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/abel-nema/" title="Abel Nema" rel="tag">Abel Nema</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/adjektive/" title="Adjektive" rel="tag">Adjektive</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/alle-tage/" title="Alle Tage" rel="tag">Alle Tage</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/allerweltsort/" title="Allerweltsort" rel="tag">Allerweltsort</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/beschreibung/" title="Beschreibung" rel="tag">Beschreibung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/" title="Deutsch Sek. II" rel="tag">Deutsch Sek. II</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erzaehler/" title="Erzähler" rel="tag">Erzähler</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erzaehlerin/" title="Erzählerin" rel="tag">Erzählerin</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gehirn/" title="Gehirn" rel="tag">Gehirn</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/herbst/" title="Herbst" rel="tag">Herbst</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/klettergeruest/" title="Klettergerüst" rel="tag">Klettergerüst</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lesen/" title="lesen" rel="tag">lesen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/roman/" title="Roman" rel="tag">Roman</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/samstagmorgen/" title="Samstagmorgen" rel="tag">Samstagmorgen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/substantiv/" title="Substantiv" rel="tag">Substantiv</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/t-mora-alle-tage/" title="T. Mora, Alle Tage" rel="tag">T. Mora, Alle Tage</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/terezia-mora/" title="Terézia Mora" rel="tag">Terézia Mora</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wochenende/" title="Wochenende" rel="tag">Wochenende</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/" title="»Schul«-Lektüren" rel="tag">»Schul«-Lektüren</a><br />
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		<title>Terézia Mora, Alle Tage: Der Vorspann des Romans (S. 5)</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 17:59:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Anfang eines Romans soll alles enthalten sein, was sich im weiteren Verlauf des Buches entfaltet. Zumindest ist dies f&#252;r mich ein Kriterium f&#252;r gelungene Literatur und ich wei&#223; aus Gespr&#228;chen mit Autoren, dass nicht nur den ersten Seiten eines &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-der-vorspann-des-romans-s-5/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Anfang eines Romans soll alles enthalten sein, was sich im weiteren Verlauf des Buches entfaltet. Zumindest ist dies f&#252;r mich ein Kriterium f&#252;r gelungene Literatur und ich wei&#223; aus Gespr&#228;chen mit Autoren, dass nicht nur den ersten Seiten eines Romans noch mehr M&#252;he gewidmet wird als dem Rest, sondern dass der erste Satz hier noch einmal eine herausragende Stellung hat.</p>

<p>Manchmal aber gibt es vor dem ersten Satz noch eine Seite mit einer Art Motto des Romans: Das k&#246;nnen Zitate bekannterer, unbekannterer und sogar erfundener Leute sein. Bei Terézia Mora wirkt diese der eigentlichen Geschichte voran gestellte Seite ein wenig wie Vorwort, das auch »Bekenntnis« zu sein scheint  zumindest auf den ersten Blick. Erst gegen Ende der Seite wird klar: Hier spricht bereits der Protagonist des Romans; hier spricht bereits Abel Nema  von dem wir erst sp&#228;ter erfahren, dass er der Protagonist ist, so wir nicht schon den Klappentext gelesen haben…<span id="more-530"></span></p>

<p>Und auch, welche Rolle diese Aneinanderreihung von kurzen Textabschnitten in Bezug auf den ganzen Roman spielt, blende ich hier erst einmal aus. Als ich das Buch begann, waren dies die ersten Zeilen, die mich verwirrten, mich sprachlich aber auch schon anzogen.</p>

<p>Ich erfahre hier, wenn auch erst im dritten der vier Textabschnitte, dass offensichtlich ein nicht n&#228;her namentlich benannter Redakteur mit Abel Nema im Gespr&#228;ch ist. Ich erfahre nicht, auf welche Fragen Abel antwortet. Doch Abel spricht davon, dass er von »herzzerrei&#223;enden undoder komische(n) Geschichten« rede, von »Katastrophen« und von »Wundern«, da wir &#252;berhaupt in der »Zeit der Wunder« leben.</p>

<p>Es folgt ein Verweis auf die »lateinischen« L&#228;nder, auf Babylon<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-der-vorspann-des-romans-s-5/#footnote_0_530" id="identifier_0_530" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Assoziation  Turm zu Babel und die Sprachverwirrung in Genesis 11, 1 9: &raquo;1 Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte. 2 Als sie von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an. 3 Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als M&amp;#246;rtel. 4 Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel und machen wir uns damit einen Namen, dann werden wir uns nicht &amp;#252;ber die ganze Erde zerstreuen. 5 Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten. 6 Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen. 7 Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht. 8 Der Herr zerstreute sie von dort aus &amp;#252;ber die ganze Erde und sie h&amp;#246;rten auf, an der Stadt zu bauen. 9 Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die Menschen &amp;#252;ber die ganze Erde zerstreut.&laquo;">1</a></sup>, Transylvanien<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-der-vorspann-des-romans-s-5/#footnote_1_530" id="identifier_1_530" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dracula?">2</a></sup>, den Balkan im allgemeinen etc.</p>

<p>Ich erfahre, dass da einer zehn Sprachen beherrsche  nicht: spreche!  und werde anschlie&#223;end mit dem Klischee eines »Christus ohne Bart« konfrontiert, oder von einem »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grigori_Jefimowitsch_Rasputin" target="_blank">Rasputin</a>«, dem Pilger, »Heiligen«, dem Zeit seines Lebens wilde Sexorgien vorgeworden wurden, der am Ende, als seine »Wunderkraft« versagte, ermordet wurde.</p>

<p>Wer spricht in diesem dritten Textabschnitt? Der Redakteur, Abel Nema oder beide? Wenn beide, wer sagt hier was?</p>

<p>Und dann noch ein Hinweis, dass L&#252;gen (f&#252;r die zu erz&#228;hlende Geschichte) gar nicht n&#246;tig seien: »Das Leben ist voller furtbarer Zuf&#228;lle und unz&#228;hlbaren Ereignissen. <em>Sie verstehen.</em>«</p>

<blockquote>Terézia Mora, Alle Tage. Roman, M&#252;chen (Luchterhand) 2004.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_530" class="footnote">Assoziation  Turm zu Babel und die Sprachverwirrung in Genesis 11, 1 9: »1 Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte. 2 Als sie von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an. 3 Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als M&#246;rtel. 4 Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel und machen wir uns damit einen Namen, dann werden wir uns nicht &#252;ber die ganze Erde zerstreuen. 5 Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten. 6 Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen. 7 Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht. 8 Der Herr zerstreute sie von dort aus &#252;ber die ganze Erde und sie h&#246;rten auf, an der Stadt zu bauen. 9 Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die Menschen &#252;ber die ganze Erde zerstreut.«</li><li id="footnote_1_530" class="footnote">Dracula?</li></ol>
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		<title>Faust 1 – Verweile doch, du bist so sch&#246;n (V 1700)</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Sep 2008 22:03:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Faust 1 – Verweile doch, du bist so sch&#246;n (V 1700) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. MotorFM ist ein alternatives Musikprogramm. Doch auch den Faust scheinen die Onlineredakteure dieses Musikprogramms &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/10/01/faust-1-verweile-doch-du-bist-so-schoen-v-1700/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Faust 1 – Verweile doch, du bist so sch&#246;n (V 1700)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=380" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p><a href="http://www.motor.de/" target="_blank">MotorFM</a> ist ein alternatives Musikprogramm. Doch auch den Faust scheinen die Onlineredakteure dieses Musikprogramms (Motto: Alternative Musikpropaganda) sehr alternativ zu lesen:</p>

<blockquote>»Schon Goethe belehrte uns in seinem ›Faust‹, dass man im richtigen Moment sagen sollte: ›Verweile doch, du bist so sch&#246;n.‹!«

<a href="http://www.motor.de/news/0983028;bloc_party_verweile_doch_du_bist_so_schoen.html" target="_blank">Bloc Party: Verweile doch, du bist so sch&#246;n (News )</a>.</blockquote>

<p>So sch&#246;n das Zitat – »Verweile doch, du bist so sch&#246;n« – f&#252;r sich genommen ist, weder Faust noch Goethe propagieren das Verweilen.</p>

<p>Wir befinden uns mitten in der Szene (Studierzimmer), in der Faust dem Mephistopheles eine Wette vorschl&#228;gt. Faust wettet, dass es Mephistopheles nicht gelingen wird, ihn von seinem Streben nach immer mehr Wissen abzubringen: Wenn Faust sich aus dem Streben nach Wissen in die Bequemlichkeit verabschiede, so Fausts Angebot, dann d&#252;rfe ihn Mephistopheles ins Verderben mitnehmen, dann solle dies sein letzter Tag sein. (V 1692–1706)</p>

<p>Faust sagt hier w&#246;rtlich:</p>

<blockquote>»Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so sch&#246;n! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zugrunde gehn!« (V 1699–1702)</blockquote>

<p>Und ein wenig sp&#228;ter:</p>

<blockquote>»Wie ich beharre [d. h. nicht weiter strebe], bin ich Knecht, / Ob dein, was frag ich, oder wessen.« (V 1710f – Erg&#228;nzung von herrlarbig.)</blockquote>

<p>Wenn also jemand sagt, Faust haben das Verweilen des sch&#246;nen Augenblickes »gelehrt«, dann hat er entweder den Text nicht (genau) gelesen [was ich f&#252;r die wahrscheinlichere Option halte] oder aber er will genau das erreichen, was Mephistopheles dem Faust gegen&#252;ber erreichen will: Einen Menschen dazu zu bringen, nicht weiter zu streben, nicht mehr wissen zu wollen, zu verharren und sich letztlich auf dem »Faulbett« (V 1692) auszuruhen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/04/goethes-faust-zueignung-vorspiel-auf-dem-theater-prolog-im-himmel/" rel="bookmark" title="4. September 2008">Faust 1: Zueignung, Vorspiel auf dem Theater, Prolog im Himmel</a></li>
</ul>

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		<title>Alle Tage (Ingeborg Bachmann)</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Sep 2008 23:23:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle Tage (Ingeborg Bachmann) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Ingeborg Bachmanns Gedicht »Alle Tage« hat das Zeug zum Klassiker. Sprachlich und formal einfach gebaut, inhaltlich daf&#252;r um so gehaltvoller, lesbar und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/30/alle-tage-ingeborg-bachmann/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Alle Tage (Ingeborg Bachmann)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=367" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p><a href="http://www.ingeborg-bachmann-forum.de/" target="_blank">Ingeborg Bachmann</a>s Gedicht »<a href="http://www.lyrikline.org/index.php?id=162&amp;L=0&amp;author=ib00&amp;show=Poems&amp;poemId=265&amp;cHash=e052e3311b" target="_blank">Alle Tage</a>« hat das Zeug zum Klassiker. Sprachlich und formal einfach gebaut, inhaltlich daf&#252;r um so gehaltvoller, lesbar und immer wieder neu verstehbar in den unterschiedlichsten Zeiten. Machen wir das &#220;bliche also kurz:</p>

<blockquote>1953 erschien das Gedicht in Bachmanns Gedichtband »Gestundete« Zeit, der sie als Autorin bekannt machte. Der zweite Weltkrieg war gerade vorbei, der Kalte Krieg in vollem Gange. Es lag also nahe, &#252;ber die Allt&#228;glichkeit des Krieges auch in der Poesie nachzudenken.</blockquote>

<p>Wenn nun also jemand kommt und sagt, <a href="http://logos.kulando.de/post/2007/08/11/bachmann_alle_tage_-_interpretation" target="_blank">man </a><em><a href="http://logos.kulando.de/post/2007/08/11/bachmann_alle_tage_-_interpretation" target="_blank">m&#252;sse</a></em><a href="http://logos.kulando.de/post/2007/08/11/bachmann_alle_tage_-_interpretation" target="_blank"> ein solches Gedicht vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund verstehen</a>, hat er zwar Recht, doch gleichzeitig erkl&#228;rt er das Gedicht, wahrscheinlich ohne es zu wollen, f&#252;r tot: Ja, ich kann ein Gedicht vor dem zeithistorischen Hintergrund <em>verstehen</em> (oder vor dem Hintergrund der Biographie einer Autorin), aber wenn ich ein Gedicht verstehe – f&#252;r mich ist es dann kein Gedicht mehr.</p>

<p>Klar: Ich habe Formanalysen gelernt, kann mit einigen rhetorischen Begriffen was anfangen und bin auch nach wie vor davon &#252;berzeugt, dass ein historischer oder ein auf die Biographie von Autoren und Autorinnen hin ausgerichteter Zugang zu einem Gedicht sehr hilfreich sind, wenn ich mit einem Gedicht ins Gespr&#228;ch kommen will, aber best&#252;nde der Reiz von Gedichten nur daraus, w&#228;ren sie nicht mehr als nette kulturhistorische Dokumente. Diese Zugangsweisen helfen, ein Gedicht im Kontext seiner Entstehung zu verstehen. Aber ein Gedicht beginnt f&#252;r mich erst da zu leben, wo ich selbst mit ihm in ein Gespr&#228;ch eintrete und es nicht f&#252;r das literaturhistorische Seminar oder den Unterricht analysiere. Dort, wo ein Gedicht meine Gedanken zum rotieren bringt, mich ein Sog erfasst, der mir immer neue Gedanken und Ideen bringt und mich auch mit meinen Gef&#252;hlen in ein Gedicht hinein zieht – dort lebt f&#252;r mich ein Gedicht.<span id="more-367"></span></p>

<p>Ingeborg Bachmanns »Alle Tage« ist f&#252;r mich ein solches Gedicht. Es begegnet mir gerade jetzt, weil ich mich neu mit <a href="http://www.tereziamora.de/" target="_blank">Terézia Mora</a>s Roman <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/18624.html" target="_blank">gleichen Titels</a> befasse und mich an die Namensgleichheit der Titel erinnerte. Ob es eine Verbindung gibt, ist mir noch nicht klar. Dass aber Bachmanns Gedicht f&#252;r mich eine erschreckende Aktualit&#228;t hat, das habe ich diese Tage neu entdecken d&#252;rfen.</p>

<p>Das Formale: Drei reimlose Strophen, einmal acht und zweimal sechs Verse – zwanzig Verse insgesamt. »Alle Tage« ist ein kurzes Gedicht. Auffallend sind die &#220;berg&#228;nge der Verse, die in vielen F&#228;llen als <a href="http://abgedichtet.org/?p=31" target="_blank">Enjambement</a> gestaltet sind. – Lese ich nun das Gedicht<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/30/alle-tage-ingeborg-bachmann/#footnote_0_367" id="identifier_0_367" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Aus urheberrechtlichen Gr&amp;#252;nde kann der Text des Gedichtes hier nicht ver&amp;#246;ffentlicht werden.">1</a></sup>, so werde ich die Frage aufnehmen m&#252;ssen, was dieses Ph&#228;nomen f&#252;r mein Verst&#228;ndnis des Textes bedeutet.</p>

<p>Es geht von Anfang an um den Krieg; um keinen bestimmten Krieg, sondern um den Krieg an sich, der mit einem bestimmten Artikel eingef&#252;hrt wird: »Der Krieg wird nicht mehr erkl&#228;rt, / sondern fortgesetzt. Das Unerh&#246;rte / ist allt&#228;glich geworden.« (V 1–3a) – Und da ist es schon, das erste Enjambement: Dass »Der Krieg« fortgesetzt wird, ohne erkl&#228;rt zu werden, ist unerh&#246;rt. Doch au&#223;erdem ist er »allt&#228;glich« geworden.</p>

<p>Ich sehe hier das Enjambement als die formale Umsetzung des Ausbruchs des Krieges aus den bislang gewohnte Grenzen: Er ist in den Alltag eingekehrt. Und auch an anderen Stellen kennzeichnet dieses Stilmittel die &#220;berschreitung von Grenzen des Gewohnten, des Unerh&#246;rten, dessen, was eigentlich sein darf<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/30/alle-tage-ingeborg-bachmann/#footnote_1_367" id="identifier_1_367" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. z. B. V 3/4; 4/5">2</a></sup>, das durch das »Unerh&#246;rte« dessen, was nicht »normal« sein darf &#252;berlagert wird.</p>

<p>Komme ich selbst, einigerma&#223;en unabh&#228;ngig von den Zeitumst&#228;nden der Entstehung des Gedichtes, mit dem Gedicht ins Gespr&#228;ch, so habe ich mehrere Assoziationen, was dieses »Unerh&#246;rte« in der Gegenwart sein k&#246;nnte:</p>

<ul>
    <li>Ich denke an Umgangsformen, die in immer mehr Bereichen von Konkurrenzgedanken gepr&#228;gt sind. Doch bei diesem Gedanken str&#228;ubt sich etwas in mir: Ist es nicht eine Verharmlosung dessen, was Krieg bedeutet, wenn ich dieses Begriff f&#252;r Umgangsformen verwende, die trotz allem, zumindest in meinem bisherigen Erfahrungskontext, relativ friedlich ablaufen?</li>
    <li>Ich denke daran, wie das Ende des Kalten Krieges 1989 fast unmittelbar in neue Kriege f&#252;hrte (Jugoslawien, Kuwait-Krieg…) und das »Unerh&#246;rte« Schritt f&#252;r Schritt auf f&#252;r die deutsche Au&#223;enpolitik zu etwas M&#246;glichem wurde, wenn auch aus der Perspektive der humanit&#228;ren Hilfe in Krisenregionen.</li>
    <li>Ich denke an den 11. September und daran, dass das bis dahin »Unerh&#246;rte« in den letzten Jahren mehr und mehr »allt&#228;glich geworden« ist: Bundeswehrsoldaten im dauerhaften Auslandseinsatz; die zunehmende Selbstverst&#228;ndlichkeit von Video&#252;berwachung; die Vorratsdatenspeicherung und alle weiteren Ma&#223;nahmen, die Sorgen begr&#252;nden, dass sich ein &#220;berwachungsstaat am Horizont abzeichnen k&#246;nnte. – Es scheint »allt&#228;glich geworden«, dass Freiheit nicht mehr als etwas verstanden wird, dass einem erlaubt, nichts zu verbergen zu haben und doch gegen &#220;berwachung und Vorratsdatenspeicherung zu sein.</li>
    <li>Ich denke an die Schlacht um die pers&#246;nlichen Daten m&#246;glichst vieler Menschen, in der noch viel mehr Daten gespeichert werden, als es Staaten heute durchsetzen wollen – Daten, die viele Menschen einfach Preis geben, ohne sich der m&#246;glichen Folgen bewusst zu sein.</li>
    <li>Und gerade in diesen Tagen denke ich daran, wie unerh&#246;rt es eigentlich ist, dass private Banken so wirtschaften k&#246;nnen und d&#252;rfen, dass pl&#246;tzlich Milliarden an Steuergeldern eingesetzt werden, um sie vor dem Konkurs zu retten.</li>
</ul>

<p>»Das Unerh&#246;rte / ist allt&#228;glich geworden.« – So allt&#228;glich, dass es oft gar nicht mehr als »Unerh&#246;rtes« wahrgenommen wird.</p>

<p>Bis an diese Stelle lese ich Bachmanns »Alle Tage« als ein politisch deutbares Gedicht. Doch in den folgenden Versen wird es pers&#246;nlicher, da es indirekt die Frage aufwirft, wo Lesende selbst in diesen allt&#228;glichen Ungeh&#246;rigkeiten angesiedelt sind.</p>

<p>Statt sich, wie bislang &#252;blich, ins Get&#252;mmel zu st&#252;rzen, sind Helden, folge ich dem Gedankengang in Bachmanns Gedicht, heute eher jene, die sich diesem Get&#252;mmel entziehen und sich kritisch mit den »Ungeh&#246;rigkeiten« der je eigenen Gegenwart zu befassen. (V 9–14)</p>

<p>Nun aber taucht das erste R&#228;tsel f&#252;r mich auf: »Der Schwache / ist in die Feuerzonen ger&#252;ckt.« (V 4f) Denke ich hier an Arme etc., die z. B. besonders h&#228;ufig beim Milit&#228;r landen? Oder denke ich an die zivilen Opfer, die die aktuellen Kriege fordern? Oder sind es Schwache bez&#252;glich der Reflexionsf&#228;higkeit auf die eigene Gegenwart? Das Gedicht zieht mich hier in einen Raum der Unbestimmtheit. Ich kann mich nicht entscheiden, wer eigentlich mit den »Schwachen« gemeint ist – zu viele Assoziationen werden da in mir wach.</p>

<p>Ebenso r&#228;tselhaft blieb mir lange die Formulierung, dass die Uniform der Gegenwart die Geduld sei (V 6). Ist damit vielleicht gemeint, dass der Langmut und die Geduld, die gegen&#252;ber den »Ungeh&#246;rigkeiten« aufgebracht wird, schon so allt&#228;glich geworden sind, dass sie mit der Metapher der »Uniform« gefasst werden k&#246;nnen? Oder ist diese Aussage eher positiv gemeint, indem sie den »Kampfanzug« derer meint, die sich gegen diese »Ungeh&#246;rigkeiten« z. B. auf juristischem Wege zur Wehr setzen? – Ich neige zu dem zweiten Verst&#228;ndnis, denn die von Ingeborg Bachmann in den folgenden Versen (V 7f) genannte Auszeichung der »Helden« der Gegenwart ist nichts anderes als »armselige Stern / der Hoffnung &#252;ber dem Herzen«. – Die Hoffnung nicht aufgeben, dass der »Krieg«, das »Ungeh&#246;rige« ein Ende finden wird?</p>

<p>Die Hoffenden, die Widerst&#228;ndigen gegen die »Ungeh&#246;rigkeiten« werden ihre »Auszeichnung« erst erhalten, wenn das »Ungeh&#246;rige« nicht mehr geschieht. Ich denke da an <a href="http://www.dadalos.org/deutsch/Vorbilder/Vorbilder/gandhi/gandhi.htm" target="_blank">Gandhi</a>, <a href="http://www.dadalos.org/deutsch/Vorbilder/Vorbilder/mlk/ml_king.htm" target="_blank">Martin Luther King</a> oder auch <a href="http://www.kindernetz.de/infonetz/gewusst/apartheid/-/id=16024/nid=16024/did=34216/153e1hm/index.html" target="_blank">Nelson Mandela</a>. Sie k&#228;mpften gegen die allt&#228;glich gewordenen »Ungeh&#246;rigkeiten«, wurden verfolgt, inhaftiert, die ersten beiden sogar ermordet – und doch von ihrer Hoffnung nicht verlassen. Als ihre Feinde »unsichtbar« geworden waren, wurde ihnen der »armselige Stern / der Hoffnung &#252;ber dem Herzen« zur Auszeichung.</p>

<p>In der dritten Strophe nun schreibt Ingeborg Bachmann, was diese Hoffenden ausmacht: Sie fliehen vor den Fahnen, zeigen sich dem Freund gegen&#252;ber tapfer, verraten unw&#252;rdige Geheimnisse (sind also Aufkl&#228;rer, wie z. B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Investigativer_Journalismus" target="_blank">investigativ</a> arbeitende Journalisten und Journalistinnen…) und missachten die Befehle, die im Rahmen des »Unerh&#246;rten« gegeben werden (V 15–20). Es sind die Mutigen, die den »armseligen Stern / der Hoffnung &#252;ber dem Herzen« tragen.</p>

<p>Interessanterweise verschwinden die Enjambements in der zweiten und dritten Strophe des Gedichts fast vollst&#228;ndig oder es handelt sich nur noch um sehr schwache Enjambements. Die<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Form_(Philosophie)" target="_blank"> Form spiegelt hier den Inhalt</a> wider: Es geht hier um diejenigen, die die Grenze nicht &#252;berschreiten, welche an die Stelle des Friedens den allt&#228;glich gewordenen »Krieg« mit all seine »Ungeh&#246;rigkeiten« setzt. Klare Aufz&#228;hlungen machen hier einen gro&#223;en Teil der Verse aus (V 10–14; 16–19), ohne die verschlungenen Pfade, die das Enjambement in einem Gedicht f&#252;r die Bedeutung der Verse er&#246;ffnet.</p>

<p>Mir ist bewusst, dass eine solche Herangehensweise an »Alle Tage« selbst wieder eine an den Bedingungen der Gegenwart des Lesers orientierte ist – und somit veralten wird. Doch genau das ist das f&#252;r mich Spannende an einem Gedicht wie Bachmanns »Alle Tage«: Jede Zeit kann und muss es neu f&#252;r sich erschlie&#223;en; jeder Leser und jede Leserin muss es neu f&#252;r sich schlie&#223;en. Dies hier ist nur eine m&#246;gliche Variante – und ich w&#252;rde mich sehr freuen, regte diese Beitrag den einen oder die andere Leser oder Leserin an, selbst eine Interpretation des Gedichtes zu verfassen und als Kommentar hier zu hinterlassen.</p>

<blockquote>Ingeborg Bachmann, Alle Tage, in: Ingeborg Bachmann, S&#228;mtliche Gedichte, M&#252;nchen 1998 (zuerst 1978), 56.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>»Im Anfang war die Tat« – Das Verb als Satzzentrum</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Sep 2008 21:45:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Goethe l&#228;sst Faust den Beginn des Johannes-Evangeliums aus der Bibel &#252;bersetzen (Joh 1,1: Im Anfang war das Wort.). Nach einigem Hin und Her entschlie&#223;t er sich f&#252;r die &#220;bersetzung: »Im Anfang war die Tat.« ( Vers 1237) Das ist zwar &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/25/im-anfang-war-die-tat-das-verb-als-satzzentrum/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Goethe l&#228;sst Faust den Beginn des Johannes-Evangeliums aus der Bibel &#252;bersetzen (Joh 1,1: Im Anfang war das Wort.). Nach einigem Hin und Her entschlie&#223;t er sich f&#252;r die &#220;bersetzung:</p>

<blockquote>»Im Anfang war die Tat.« ( Vers 1237)</blockquote>

<p>Das ist zwar eine sehr freie &#220;bersetzung des griechischen Wortes »logos«, das an dieser Stelle des griechischen Urtextes steht, beschreibt aber ziemlich genau die Bedeutung, die das Verb in einem Satz hat.</p>

<p>Was ein Satz sagen will, steckt, grammatikalisch betrachtet, im Verb. Das Verb ist die T&#252;r zu den Informationen, die n&#246;tig sind, damit ein Satz entstehen kann.</p>

<p>Als Beispiel nehme ich hier das Verb »pfl&#252;cken« –  <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/23/das-einzelne-wort-will-nicht-einsam-sein-oder-einfuehrung-in-die-grammatik/" target="_blank">Alleine stehend ist diese Wort einsam</a>. Mit ihm verbinden sich aber sofort Fragen, die beantwortet werden wollen, soll das Wort einen Sinn bekommen:</p>

<blockquote>
    <li> Wer? (Subjekt)</li>
pfl&#252;cken (Verb | Pr&#228;dikat)
    <li> was? (Objekt)</li>
</blockquote>

<p>M&#246;gliche Antworten:</p>

<blockquote>Wir pfl&#252;cken Blumen. | Sie pfl&#252;cken &#196;pfel.</blockquote>

<p>Damit haben wir einen grammatikalisch vollst&#228;ndigen Satz (Pr&#228;dikat – pfl&#252;cken; Subjekt – Wir | Sie; Objekt – Blumen | &#196;pfel), auch wenn sich neue Fragen ergeben: Wo? Wann? Wie? Warum?</p>

<p>Diese neuen Fragen &#246;ffnen den Satz f&#252;r weitere zu vergebende Aufgaben (Positionen), die durch Adverbiale, Nebens&#228;tze, Attribute ausgef&#252;llt werden k&#246;nnen.</p>

<p>Doch wie viele Antworten (Postionen; Aussagen) auch in einen Satz gefasst werden: das Zentrum, um das sich ein Satz wie ein Hurrikan oder ein Tornado um ihr »Auge«, bleibt das Verb als (Teil des) Pr&#228;dikat(s).</p>

<p>Aus diesem Grunde ist das Verb in allen Sprachen die spannendste (und auch schwierigste) Wortart. In ihm selbst werden zahlreiche weitere Informationen untergebracht: Tempus, Modus, infinites (vom Subjekt nicht beeinflusstes) und finites (vom Subjekt beeinflusstes) Verb…</p>

<p>Doch welche Form ein Verb auch immer annehmen mag (das wird hier im Laufe der Zeit noch Thema werden m&#252;ssen), so bleibt es doch immer das Zentrum des Satzes, das sich im Satz zum (Teil des) Pr&#228;dikat(s) verwandelt und so bestimmend f&#252;r die gesamtes Bedeutung eines Satzes ist.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Faust 1 – Vor dem Tor (Gelehrtentrag&#246;die 2 – V 808–1177)</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Sep 2008 19:39:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Was bereits in den letzten Versen der <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/10/faust-1-nacht-nachts-in-einem-hoch-gewoelbten-engen-gotischen-zimmer-gelehrtentragoedie-1-verse-354521/" target="_blank">Nacht-Szene</a> in Goethes Faust (V 737–807) von Engeln verk&#252;ndet und von Faust in seiner tiefen Zerrissenheit vernommen wird, wird in den Versen 808–1177 (Vor dem Tor) ausgearbeitet: Es ist die <a href="http://www.festjahr.de/festtage/ostern.html" target="_blank">Osternacht</a>, in der Faust in seinem Studierzimmer nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik_%28Aristoteles%29" target="_blank">metaphysischer</a> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit" target="_blank">Wahrheit</a> strebt. Ostern: Das christliche Fest der Auferstehung Jesu Christi, das Fest, in dem sich im christlichen Glauben die <a href="http://www.theologie-skripten.de/menschenbild/2offenbarung.pdf" target="_blank">Selbstoffenbarung Gottes </a>vollendet. Faust Suchen nach <a href="http://www.phillex.de/wahrheit.htm" target="_blank">Wahrheit</a> k&#246;nnte hier eine Antwort finden, doch er sagt:</p>

<blockquote>»Die Botschaft h&#246;r ich wohl, allein mir fehlt der Glaube; / Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind. / Zu jenen Sph&#228;ren wag ich nicht zu streben, / Woher die holde Nachricht t&#246;nt. (V 765–768)</blockquote>

<p>Und doch erinnert sich Faust an die Gef&#252;hle, die das Osterfest in seiner Jugend bei ihm ausgel&#246;st haben. Gemeinsam mit Wagner begibt er sich am Ostertage vor das Tor, so dass die folgende Szene oft auch als »Osterspaziergang« bekannt ist, wenn manche diese Bezeichnung auch alleine auf die Verse 903–940 anwenden.</p>

<p>Faust f&#252;hlt sich angesichts des bunten Treibens »vor dem Tor« sichtlich wohl: »Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein« (V 940). Doch dieses Gef&#252;hl h&#228;lt nicht lange.<span id="more-324"></span> Faust begegnet Bauern und wird von einem Alten als Arzt besonders gelobt. Dies erinnert Faust an seine eigene Biographie, in der miterleben musst, wie sein Vater angesichts der Pest als Alchimist ein unwirksames, ja giftiges, Medikament erschuf, dass er gemeinsam mit seinem Sohn vertrieb. Faust sieht sich selbst als (Sohn eines) M&#246;rder(s) (V 1055).</p>

<p>Goethe erz&#228;hlt diese Geschichte an dieser Stelle, weil sie m&#246;glicherweise einen biographischen Hintergrund f&#252;r Fausts gegenw&#228;rtiges Streben bietet. Zumindest bringt Faust im Anschluss an diese Begegnung sein Lebensproblem auf den Punkt:</p>

<blockquote>»O gl&#252;cklich, wer noch hoffen kann, / aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen! / Was man nicht wei&#223;, das eben brauchte man, / Und was man wei&#223;, kann man nicht brauchen.« (V 1064–1067)</blockquote>

<p>Und kurz darauf wird es richtig kompliziert: <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/15/faust-1-wagner-und-faust-nacht-osterspaziergang/" target="_blank">Wagner singt ein Loblied auf die Buchgelehrsamkeit</a> (V 1100–1109), worauf Faust antwortet:</p>

<blockquote>»Du bist dir nur des einen Triebs bewusst; / O lerne nie den andern kennen! / Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust, / Die eine will sich von der andern trennen; / Die eine h&#228;lt, in derber Liebeslust, / Sich an die Welt mit klammernden Organen; / Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust / Zu den Gefilden hoher Ahnen.« (V 1110–1117)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/22/faust-1-vor-dem-tor-gelehrtentragoedie-2-v-8081177/#footnote_0_324" id="identifier_0_324" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu auch: Friedrich Schiller, Briefe zur &amp;#228;sthetischen Erziehung des Menschengeschlechts (Brief 12 und 13). ">1</a></sup></blockquote>

<p>So kompliziert diese Verse klingen: Im Prinzip nehmen sie das bereits im »<a href="http://herrlarbig.de/2008/09/10/faust-1-nacht-nachts-in-einem-hoch-gewoelbten-engen-gotischen-zimmer-gelehrtentragoedie-1-verse-354521/" target="_blank">Studierzimmer</a>« aufgebrochene Problem wieder auf, dass Faust an der Erkenntnis seiner eigenen Begrenztheit leidet, eine Begrenztheit, die deshalb so qu&#228;lend sein kann, wie Faust sie erlebt, weil der Mensch sie erkennen kann, ohne ihr entfliehen zu k&#246;nnen. Die eine, sich an die Welt mit klammernden Organen haltende, Seele ist jene Seite des Menschen, die man auch als Sinnlichkeit beschreiben kann, die die Vernunft zwar denkend &#252;bersteigen kann, aus der die Vernunft aber nicht befreit.</p>

<p>Faust leidet an seiner Forschung, weil sie rein rationaler Natur ist. Er erlebt sich als lebensfern und hofft zun&#228;chst auf die Magie als eine M&#246;glichkeit, die rein rationale Erkenntnis zu &#252;bersteigen. Doch der Erdgeist macht ihm klar: So l&#228;uft das nicht. Aus seiner Haut – und damit der k&#246;rperlichen Beschr&#228;nktheit und Bed&#252;rftigkeit – kommt ein Mensch nicht raus.</p>

<p>Der Mensch ist in der Lage Dinge zu denken, die er nicht erfahren, erreichen oder gar beweisen kann. Hierzu geh&#246;ren die Begriffe »Gott« und »Unendlichkeit«. Dies ist eine der Seelen in Fausts Brust. Die andere ist jene, die ihn als Menschen an seine Sinnlichkeit, besser k&#246;nnte man hier wohl von seiner K&#246;rperlichkeit sprechen, bindet, an seine Begrenztheit oder mit einem Fachbegriff – Faust leidet an seiner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kontingenz_(Soziologie)" target="_blank">Kontingenz</a>, deren &#220;berstieg er aber zugleich denken kann.</p>

<p>Goethes Faust hat also nicht mit einem sehr pers&#246;nlichen Problem zu k&#228;mpfen, das ihn als Wissenwollenden qu&#228;lt, sondern mit einem Grundproblem des Menschen – vielleicht sogar dem Grundproblem menschlicher Existenz: Wie kann ein Mensch begrenzt und sterblich sein, der Unendlichkeit und Unsterblichkeit denken kann?</p>

<p>An dieser Stelle begegnet Faust der schwarze Pudel, der sich als Verk&#246;rperung des Mephistopheles entpuppen wird, der schon im »Prolog im Himmel« Fausts Problem so treffend beschrieb:</p>

<blockquote>»Nicht irdisch ist des Toren Trank und Speise. / Ihn treibt die G&#228;rung in die Ferne, / Er ist sich seiner Tollheit halb bewusst; / Vom Himmel fordert er die sch&#246;nsten Sterne / Und von der Erde jede h&#246;chste Lust, / Und alle N&#228;h und alle Ferne / Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.« (V 301–307)</blockquote>

<p>Und so ist es jetzt fast so weit. Ein wenig wird Faust in der n&#228;chsten Szene noch seinen Studien nachh&#228;ngen – dann wird ihm Mephistopheles den Ausbruch aus dem Studierzimmer anbieten und ihn mit auf »Weltfahrt« nehmen, mit dem Versprechen, zumindest die tiefsten sinnliche Bed&#252;rfnisse befriedigt zu bekommen. – Doch dazu sp&#228;ter mehr…<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Faust 1 – Wagner und Faust (Nacht, Osterspaziergang)</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Sep 2008 21:54:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Faust 1 – Wagner und Faust (Nacht, Osterspaziergang) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Hier geht es um Wagner im Faust 1 in den Versen 522–601; 941–949; 1011–1021; 1056–1063; 1100–1109) Was &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/15/faust-1-wagner-und-faust-nacht-osterspaziergang/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Faust 1 – Wagner und Faust (Nacht, Osterspaziergang)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=265" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p><em>Hier geht es um Wagner im Faust 1 in den Versen 522–601; 941–949; 1011–1021; 1056–1063; 1100–1109)</em></p>

<p><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/10/faust-1-nacht-nachts-in-einem-hoch-gewoelbten-engen-gotischen-zimmer-gelehrtentragoedie-1-verse-354521/" target="_blank">Was Faust beunruhigt und unbefriedigt l&#228;sst</a>, ist Wagners h&#246;chstes Ziel: Wissen aus B&#252;chern zu erlangen.</p>

<blockquote>»Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt! / Da werden Wintern&#228;chte hold und sch&#246;n, / EIn selig Leben w&#228;rmet alle Glieder, / Und ach! Entrollst du gar ein w&#252;rdig Pergamen, / So steigt der ganze Himmel nieder.« ( V 1105–1109)</blockquote>

<p>Wagner hat seinen ersten Auftritt (V 522–601) im Schlafrock, mit Nachtm&#252;tze und Lampe in der Hand. Eine l&#228;cherliche Gestalt taucht hier auf. W&#228;hrend Faust darunter leidet, dass er nicht zu erkennen vermag, was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt, beginnt Wagner ein Gespr&#228;ch &#252;ber die Redekunst (<a href="http://www.uni-tuebingen.de/uni/nas/definition/rhetorik.htm" target="_blank">Rhetorik</a>). Sein Ziel ist es, von Faust die Kunst des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deklamation" target="_blank">Deklamierens</a> zu erlernen, um so zu Anerkennung zu gelangen. Dabei vertritt Wagner eine arrogante Position. Klagt er zu Beginn des Osterspazierganges &#252;ber die Freude des Volkes am wieder aufbrechenden Leben in der Natur (V 941–948; hier besonders 944–948), so beneidet er zugleich Faust um die Verehrung, die dieser bei der Menge genie&#223;t (V 1011–1021).</p>

<p>Diese Arroganz spiegelt sich auch in Wagners Antwort wider, die er auf Fausts Selbstvorw&#252;rfe gibt, die sich dieser wegen eines &#228;rztlichen Versagens seines Vaters macht. (V 1022–1055) Wagner meint, es sei genug, angemessene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sekund%C3%A4rtugend" target="_blank">Sekund&#228;rtugenden</a> zu leben – P&#252;nktlichkeit und Gewissenhaftigkeit –, um ein guter Arzt zu sein. Keinen Gedanken verschwendet er an die Frage der Verantwortung des Handelnden. Wagner erstickt in <a href="http://www.multimediaxis.de/showthread.php?t=108438" target="_blank">Buchwissen</a> und der Gen&#252;gsamkeit, die er mit diesem verbindet.<span id="more-265"></span></p>

<p>Mir f&#228;llt an dieser Stelle Konstantin Weckers Lied »Genug ist nicht genug« ein, in dem er Teile von <a href="http://www.conrad-ferdinand-meyer.de/" target="_blank">Conrad Ferdinand Meyer</a>s Gedicht »<a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Meyer,+Conrad+Ferdinand/Gedichte/Gedichte+(Ausgabe+1892)/1.+Vorsaal/F%C3%BClle" target="_blank">F&#252;lle</a>« verarbeitet. – Wagner vermag diese F&#252;lle nicht zu empfinden; selbst Fausts  »Wenn ihr’s nicht f&#252;hlt, ihr werdet’s nicht erjagen, / Wenn es nicht aus eurer Seele dringt, / Und mit urkr&#228;ftigem Behagen / Die Seele aller H&#246;rer zwingt« (V 534–537) versteht er nicht. – Wagner strebt nicht nach Wissen, sondern alleine nach der Kunst des sch&#246;nen Redens. Und hier findet sich ein weiteres Zitat, das zum Sprichwort geworden ist – wie so viele Verse aus Goethes Faust:  »Die Kunst ist lang! Und kurz ist unser Leben.« (V 558f)</p>

<p>In gewissem Sinne stellt Wagner einen <a href="http://www.philolex.de/sophiste.htm" target="_blank">Sophisten</a> dar, mit denen sich schon <a href="http://www.philolex.de/sokrates.htm" target="_blank">Sokrates</a> herumge&#228;rgert hat. Ob Faust an diese f&#252;r die europ&#228;ische Geistesgeschichte so wichtige Zeit gedacht haben mag, als er den Wagner als den Gegencharakter zu Faust, quasi als Anti-Faust erdacht hat? – Faust ist der &#220;berzeugung, dass Wagner nur totes Faktenwissen anh&#228;ufe und nichts anderes als ein »trockne[r] Schleicher« sei (V 521).</p>

<p>Heute mag Faust ber&#252;hmter sein – mir scheint, Wagner habe die Schlacht um das Wissen gewonnen. Betrachte ich vom »Faust« ausgehend die Gegenwart, so sehe ich &#252;berall Wagner, kaum einmal einen Faust dazwischen. B&#252;cherwissen! – Ich denke an diese Quizshows, in denen nichts als B&#252;cherwissen z&#228;hlt (vom Geld einmal abgesehen, das es damit zu gewinnen gibt). Das leidenschaftliche Wissenwollen ist oft dem funktionalen oder rein lexikalischem Wissen verdr&#228;ngt worden. An die Stelle eines Wissens, das auch Antworten auf »letzte Fragen« sucht, ist ein Wissen der Gen&#252;gsamkeit getreten. Nicht mehr die Frage nach dem, was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt« steht im Zentrum, sondern die Frage nach dem, was Eindruck schinden kann oder eine Karriere erm&#246;glicht.</p>

<p>Faust baut darauf, dass ein Redner, der wirklich etwas zu sagen hat, alleine aus seinem Verstand und seiner Leidenschaft heraus die rechten Worte finden wird, in denen sich Wissen und leidenschaftliches Leben vereinen:</p>

<blockquote>»Es tr&#228;gt Verstand und rechter Sinn / Mit wenig Kunst sich selber vor; / Und wenn’s euch ernst ist, was zu sagen, / Ist’s n&#246;tig, Worten nachzujagen? / Ja, Eure Reden, die so blinkend sind, / In denen Ihr der Menschheit Schnitzel kr&#228;uselt, / Sind unerquicklich wie der Nebelwind, / Der herbstlich durch die d&#252;rren Bl&#228;tter s&#228;uselst.« (V 550–557)</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<pubDate>Wed, 10 Sep 2008 21:26:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Faust 1: Nacht – »Nachts in einem hoch gew&#246;lbten, engen gotischen Zimmer.« (Gelehrtentrag&#246;die 1 – Verse 354–521) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Goethes Faust ist nicht dumm – und das ist &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/10/faust-1-nacht-nachts-in-einem-hoch-gewoelbten-engen-gotischen-zimmer-gelehrtentragoedie-1-verse-354521/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Faust 1: Nacht – »Nachts in einem hoch gew&#246;lbten, engen gotischen Zimmer.« (Gelehrtentrag&#246;die 1 – Verse 354–521)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=250" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Goethes Faust ist nicht dumm – und das ist sein Problem. Um dies zu erkennen, muss keine Zeile des Eingangsmonolog gelesen werden, schon die Regieanweisung Goethes reicht:</p>

<blockquote>»Nachts in einem hoch gew&#246;lbten, engen gotischen Zimmer. Faust unruhig auf seinem Sessel am Pulte.«</blockquote>

<p>Auch ohne sich in der Kunst- und der mit ihr verbundenen Ideengeschichte auszukennen, l&#228;sst dieser Rahmen f&#252;r Fausts Auftreten die Figur und ihre Situation erfassen:</p>

<p><span id="more-250"></span> Es ist dunkel, eng und das Zimmer strebt nach oben. Der Raum spiegelt hier bereits die Situation Fausts wider. Er f&#252;hlt sich eingeengt und strebt nach h&#246;heren Wissen. Wir finden uns in Fausts Studierstube. Dunkelheit umgibt ihn, obwohl er, wie wir gleich in den ersten Versen erfahren, die zentralen F&#228;cher der Wissenschaft seiner Zeit studiert hat: Philosophie, Jura, Medizin und Theologie. (V354–357).</p>

<p>Das Ergebnis ist niederschmetternd:</p>

<blockquote>»Da steh ich nun, ich armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor; / Hei&#223;e Magister, hei&#223;e Doktor gar / […] / Und sehe, dass wir nichts wissen k&#246;nnen! / Das will mir schier das Herz verbrennen.« (V358–360; V364f)</blockquote>

<p>Da hat sich einer mit dem gesamten Wissen seiner Zeit befasst und doch keine Antwort auf die einzige Frage bekommen, die ihn wirklich besch&#228;ftigt, die Frage nach dem <em>Ur</em>-Grund von allem, nach dem, »was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt« (V382f)</p>

<p>Goethe platziert Faust hier in einem »Mauerloch, / Wo selbst das liebe Himmelslicht / Tr&#252;b durch gemalte Scheiben bricht!« (V400f). Der klare Blick zum Himmel ist versperrt, sein Licht bricht sich nur in den Fenstern, die wir mit unseren Werken bemalt haben, die aber auch den direkten Zugang zum <em>Ur</em>-Grund verbauen. Hier wird der Raum zum Symbol f&#252;r den Wissenden, f&#252;r den, der die Enge des Wissens kennengelernt hat und die Unschuld des »einfachen Volkes« verlor.</p>

<p>Die <a href="http://www.philolex.de/metaphys.htm" target="_blank">Metaphysik</a> und die Theologie, jene Disziplinen, die sich in der gotischen Baukunst vereinen und die Faust anhand von B&#252;chern sich anzueignen vermochten, scheitern bei der f&#252;r ihn zentralen Frage nach einer Art »Weltformel«. Und so versucht es Faust mit der <a href="http://www.uni-leipzig.de/%7Egerm/mitarb/lehre/dok/stock_2007_WiSe08_Faust_Handout-Szene_Nacht.pdf" target="_blank">Magie</a>.</p>

<p>Zun&#228;chst ger&#228;t ihm ein Buch des <a href="http://www.relinfo.ch/nostradamus/info.html" target="_blank">Nostradamus</a> in die H&#228;nde: Faust meditiert das Zeichen des Makrokosmos, in dem die Natur als Gesamtheit, als ein Ganzes dem Meditierenden als harmonisches Universum entgegen tritt. Doch auch dies reicht ihm nicht:</p>

<blockquote>»Welch Schauspiel! Aber ach! Ein Schauspiel nur! / Wo fass ich dich, unendliche Natur? / Euch Br&#252;ste, wo? Ihr Quellen allen Lebens, / An denen Himmel und Erde h&#228;ngt, / Dahin die welke Brust sich dr&#228;ngt – / Ihr quellt, ihr tr&#228;nkt, ihr tr&#228;nkt, und schmacht ich so vergebens?« (V454–459)</blockquote>

<p>Nun kann man sagen, Faust lasse sich auf das Zeichen nicht wirklich meditierend ein, sondern bezeichnet es intellektuell gleich als Schauspiel, letztlich also als eine von einem begrenzten Menschen geschaffene, begrenzte »Schauspielerei«. So ist er aber nun einmal von Goethe gestaltet worden, der ihn als Gegenst&#252;ck zum gro&#223;en Makrokosmos nun das Zeichen des Erdgeistes, ein aus dem Werk heraus kaum n&#228;her zu erkl&#228;renden Wesen, erblicken l&#228;sst.</p>

<p>Der Erdgeist f&#252;hrt Faust von der Betrachtung zum t&#228;tigen Handeln. Er beschw&#246;rt den Geist (V460–481), der ihm erscheint und sich als &#252;berlegen erweist. Mit der Zur&#252;ckweisung von Fausts Identifikationsphantasien – »Du gleichst dem Geist, den du begreifst, / Nicht mir« (V512f) – bricht Faust in sich zusammen.</p>

<p>Faust muss seine eigene Begrenztheit erkennen. Er ist ein Mensch, an die irdische Existenz, an seine Verg&#228;nglichkeit gefesselt, die ihm nur im <em>gedanklichen </em>Selbst&#252;berstieg erkennbar ist. Erhoffte sich Faust eben noch im Umgang mit den Geistern eine Befreiung aus der Enge seines begrenzten Wissens, muss er nun erkennen, dass er ihnen unterlegen ist.</p>

<p>Und genau in dieser Situation erscheint Fausts Sch&#252;ler Wagner »im Schlafrock und mit Nachtm&#252;tze, eine Lampe in der Hand« als nahezu groteske Gestalt, angesichts der Situation eines mit der tiefsten Sehnsucht nach umfassendem Wissen besch&#228;ftigten Fausts.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Faust 1: Zueignung, Vorspiel auf dem Theater, Prolog im Himmel</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Sep 2008 20:41:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Faust 1: Zueignung, Vorspiel auf dem Theater, Prolog im Himmel von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Warum kann Goethe mit dem »Faust« nicht einfach anfangen? 353 Verse braucht er, bis endlich &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/04/goethes-faust-zueignung-vorspiel-auf-dem-theater-prolog-im-himmel/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Faust 1: Zueignung, Vorspiel auf dem Theater, Prolog im Himmel</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=203" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Warum kann <a href="http://www.goethezeitportal.de/" target="_blank">Goethe</a> mit dem »<a href="http://www.hamburger-bildungsserver.de/welcome.phtml?unten=/faecher/deutsch/autoren/goethe/" target="_blank">Faust</a>« nicht einfach anfangen? 353 Verse braucht er, bis endlich »Der Trag&#246;die erster Teil« beginnt und Faust selbst mit den Worten »Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin, / Und leider auch Theologie / Durchaus studiert, mit hei&#223;em Bem&#252;hn. / Da steh ich nun ich armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor;« (V354–359) auftreten darf.</p>

<p>Bis dahin muss sich der Leser durch eine »<a title="interner Link" href="http://herrlarbig.de/2008/08/26/faust-1-zueignung-vers-132/" target="_blank">Zueignung</a>«, ein »Vorspiel auf dem Theater« und auch noch einen »Prolog im Himmel« hindurch lesen. Erst dann darf das Klagelied des Gelehrten beginnen, dessen Wissen bis an die Grenzen des Wissens vorgedrungen ist – und ihn doch nicht zufriedenstellen kann. – Was haben die drei »Vorworte« damit zu tun?<span id="more-203"></span></p>

<p>Um es gleich zu sagen: Zur Handlung des  »Faust« geh&#246;rt nur der Prolog im Himmel; die  »Zueignung« und das  »Vorspiel auf dem Theater« sind eher  »pers&#246;nliche« Reflexionen des Dichters bez&#252;glich eines Werkes, das ihn &#252;ber viele Jahrzehnte besch&#228;ftigt hat und entsprechend auch Erfahrungen und &#220;berlegungen angeregt hat, die &#252;ber die eigentliche Dramenhandlung hinaus gehen – und doch irgendwie mit ihr zu tun haben.</p>

<h3>Die »Zueignung« (V 1–32)</h3>

<p>Die  »Zueignung« ist eine pers&#246;nliche Reflexion auf das Verh&#228;ltnis des Autors zu seinem Werk, in einer Phase, da er es wieder zur Hand nimmt (vgl. Beitrag zur »<a title="interner Link" href="http://herrlarbig.de/2008/08/26/faust-1-zueignung-vers-132/" target="_blank">Zueignung</a>« auf dieser Seite). Dabei bedient sich Goethe der »feierlich-klangvollen Form der <a href="http://lexikon.meyers.de/meyers/Stanze" target="_blank">Stanze</a>«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/04/goethes-faust-zueignung-vorspiel-auf-dem-theater-prolog-im-himmel/#footnote_0_203" id="identifier_0_203" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&amp;#252;nchen 1998, S. 505. &ndash; Die Stanze ist eine Strophenform, die ihren Ursprung in der italienischen Dichtung hat. Das Wort &raquo;stanza&laquo; hei&amp;#223;t &amp;#252;bersetzt &raquo;Strophe&laquo;. Der mit dieser Strophenform erzeugte Klang wird als ein besonders poetischer angesehen, so dass sie auch als &raquo;Zuhause&laquo; poetischer Gedanken betrachtet wird und dabei einen feierlichen Klang bekommt. Die Stanze, die im 17. Jahrhundert in die deutschsprachige Dichtung &amp;#252;bernommen wurde, besteht in der Regel aus acht Versen mit dem Reimschema abababcc, wobei die a-Verse eine weibliche Endung (Kadenz), die b- und c-Verse hingegen eine m&amp;#228;nnliche Kadenz aufweisen. Die a- und c-Verse umfassen dabei elf, die b-Verse zehn Silben.">1</a></sup></p>

<p>Die Rahmen- oder auch Eck–Strophen greifen das Verh&#228;ltnis des Dichters (genauer: des lyrischen Ichs, das hier aber guten Gewissens mit Goethe identifiziert werden kann) zu seiner Dichtung selbst auf; in den Binnen-Strophen stehen Beziehungen zu Mitmenschen im Zentrum, wobei ein eher melancholischer Tonfall vernehmbar wird.</p>

<h3>»Vorspiel auf dem Theater« (V 33–242)</h3>

<p>Das »Vorspiel auf dem Theater« thematisiert das Verh&#228;ltnis von Dichtung und Publikum aus drei unterschiedlichen Perspektiven: Der Direktor hat nat&#252;rlich Interesse daran, dass das Gesch&#228;ft l&#228;uft. Ohne dieses Interesse k&#246;nnte er keine Miete bezahlen, keine Schauspieler engagieren – und nat&#252;rlich auch pers&#246;nlich kein Gesch&#228;ft machen. (V 49–56).</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus ist der Direktor bereit, dem Publikumsgeschmack so weit wie nur m&#246;glich entgegen zu kommen (V 37, 95–103) und alles an (technischen) Hilfsmitteln einsetzen, um das Auge der Besucher mit Effekten zum staunenden »Gaffen« zu bringen (V 90–93, 233-244).</p>

<p>Der Dichter hingegen betont den eigenst&#228;ndigen und eigengesetzlichen Wert der Kunst. Sie steht nicht im Dienste weltlicher Interessen, sondern folgt eigenen Gesetzen.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/04/goethes-faust-zueignung-vorspiel-auf-dem-theater-prolog-im-himmel/#footnote_1_203" id="identifier_1_203" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Formal greift Goethe in V 59&ndash;74 die Stanzenform erneut auf, in der die Figur des Dichters hier den hohen, feierlichen Wert der Dichtung verk&amp;#252;ndet. Im Gegensatz hierzu sind die Verse von Direktor und Schauspieler (Lustige Person) als wechselnd lange, alternierende Verse gestaltet, die der &raquo;strengen&laquo; Sicht des Dichters die Vorstellung eines abwechslungsreichen und bunten Werkes entgegen stellen.">2</a></sup></p>

<p>Den Positionen des Direktors nahe stehend, vertritt der Schauspieler (Lustige Person) &#228;hnlich pers&#246;nliche und eben nicht am Ideal der Kunst orientierte Interessen, wenn er ein St&#252;ck fordert, dass ihm die M&#246;glichkeit bietet, sich so zu pr&#228;sentieren, dass das Publikum ihn liebt. (V 75–84) Um dies zu erreichen, will er Darstellungen aus dem »vollen Menschenleben«, gerne mit Humor – und es muss nicht immer die Wahrheit sein, die auf der B&#252;hne gezeigt wird. (167–183)</p>

<p>Wenn man wei&#223;, dass Goethe in Weimar auch als Theaterdirektor arbeitete, so liegt der Verdacht nahe, dass dieses Vorspiel ein wenig von den unterschiedlichen Erfahrungen widerspiegelt, die er wom&#246;glich selbst als K&#252;nstler und Theaterchef gemacht hat. Und wo, wenn nicht im Faust, an dem er Jahrzehnte arbeitete, w&#228;re ein besserer Platz gewesen, diese Erfahrungen in der Hinf&#252;hrung zu diesem Hauptwerk Goethes zu Papier zu bringen?!</p>

<h3>Prolog im Himmel (V 243–353)</h3>

<p>Eigentlich beginnt die Handlung des Fausts in diesem dritten »Vorwort«, doch Goethe hat den »<a href="http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/faust/faust1.htm" target="_blank">Prolog im Himmel</a>« vor den ersten Akt gestellt. Formal mag das daran liegen, dass der Himmel au&#223;erhalb der im Faust dargestellten wirklichen Welt liegt. Und hier findet ein Spiel statt, dass einen &#252;berweltlichen Verstehenshorizont f&#252;r die irdische Handlung des Dramas er&#246;ffnet.</p>

<p>Die Szene hebt mit einem Lobgesang der Erzengel <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Raphael_(Erzengel)" target="_blank">Raphael</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriel_(Erzengel)" target="_blank">Gabriel</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_(Erzengel)" target="_blank">Michael</a> an. Raphael preist die Sonne als Lebensspenderin (V 243–250), Gabriel wirft einen Blick auf die Erde und das Toben von Naturgewalten (V 251–258), w&#228;hrend Michael auf zerst&#246;rerische Energie schaut, die dennoch nicht in der Lage seien, das »sanfte Wandeln« der Sch&#246;pfung in Frage zu stellen (V 259–266).</p>

<p>Doch Gott selbst verm&#246;gen auch die Engel nicht zu ergr&#252;nden, sodass sie ihn im Loblied auf die Sch&#246;pfung verehren (267–270).</p>

<p>Ihr Gesang ist wohl dem Stil von Kirchenliedern im 17. Jahrhundert nachempfunden: In feierlichen Viertaktern schreitet er gem&#228;chlich und feierlich voran – bis dann Mephistopheles auftritt (271).</p>

<p>Mephistopheles verstrickt den Herrn in ein Gespr&#228;ch, in dem zwei unterschiedliche Menschenbilder aufeinander treffen: Mephistopheles geht davon aus, dass Menschen ihr Leben als eine Plage verstehen und  bei aller Vernunft doch vor allem tierischen Instinkten folgen. Mephistopheles reduziert den Menschen auf seine k&#246;rperliche (physische) Seite, benutzt zu seiner Beschreibung den Verweis auf Tiere. (279–292)</p>

<p>Gott hingegen vertritt die Position, dass Menschen zwar irren k&#246;nnen (»Es irrt der Mensch, solang’ er strebt. (V 317 ), letztlich aber auf den rechten Weg zur&#252;ckfinden k&#246;nnen. Dabei bedient sich Gott einer Wachstumsmetaphorik (V 310f), um seine Position (gegen&#252;ber Faust) darzustellen.</p>

<p>Mephistopheles bekommt freie Bahn, den Faust von seiner Bahn abzubringen, ihn in seine Tiefen zu ziehen. Doch Gott ist vom Misslingen &#252;berzeugt – und &#252;bereignet den Faust bei genauem Hinschauen gar nicht an Mephistopheles, der selbst Teil der Sch&#246;pfung ist und mit Gott eigentlich gar nicht »wetten« kann. Aber er l&#228;sst sich auf das Spiel ein, wei&#223; er doch um das Gute im Menschen.</p>

<p>Goethe greif hier eine &#228;hnliche Szene im biblischen Buch Hiob auf (Hiob 1), in der Gott dem Satan erlaubt, einen frommen Menschen auf die Probe zu stellen.</p>

<h3>Fazit</h3>

<p>Einzig der »Prolog im Himmel« ist als Teil des »Vorwortes« f&#252;r die Handlung des »Faust« notwendig. Hier werden die Basis f&#252;r das Verstehen der Figur des Mephistopheles gelegt, aber auch erste Charakterz&#252;ge des Faust ins Licht ger&#252;ckt. Nach dieser Szene wird das Spiel aus dem metaphysischen Bereich auf die Erde verlagert. Der Vorhang &#246;ffnet sich, das Spiel beginnt.</p>

<p>Angesichts der Bedeutung des »Faust« f&#252;r Goethe und die Nachwelt, »erweitert« er das »Vorwort« um zwei weitere Szenen, die einen Eindruck des Spannungsfeldes geben, in dem das Drama selbst entstanden ist und von dem Goethe ein Teil war. In diesem Sinne geh&#246;ren diese Teile organisch zum Ganzen des Werkes.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_203" class="footnote">Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&#252;nchen 1998, S. 505. – Die Stanze ist eine Strophenform, die ihren Ursprung in der italienischen Dichtung hat. Das Wort »stanza« hei&#223;t &#252;bersetzt »Strophe«. Der mit dieser Strophenform erzeugte Klang wird als ein besonders poetischer angesehen, so dass sie auch als »Zuhause« poetischer Gedanken betrachtet wird und dabei einen feierlichen Klang bekommt. Die Stanze, die im 17. Jahrhundert in die deutschsprachige Dichtung &#252;bernommen wurde, besteht in der Regel aus acht Versen mit dem Reimschema abababcc, wobei die a-Verse eine weibliche Endung (Kadenz), die b- und c-Verse hingegen eine m&#228;nnliche <a href="http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/interpretation/index_6.htm" target="_blank">Kadenz</a> aufweisen. Die a- und c-Verse umfassen dabei elf, die b-Verse zehn Silben.</li><li id="footnote_1_203" class="footnote">Formal greift Goethe in V 59–74 die Stanzenform erneut auf, in der die Figur des Dichters hier den hohen, feierlichen Wert der Dichtung verk&#252;ndet. Im Gegensatz hierzu sind die Verse von Direktor und Schauspieler (Lustige Person) als wechselnd lange, alternierende Verse gestaltet, die der »strengen« Sicht des Dichters die Vorstellung eines abwechslungsreichen und bunten Werkes entgegen stellen.</li></ol>
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		<title>Faust 1 – Zueignung (Vers 1–32)</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Aug 2008 23:59:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Faust 1 – Zueignung (Vers 1–32) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Von 1773 bis 1832 finden sich &#196;u&#223;erungen Goethes &#252;ber den »Faust« – fast sechzig Jahre, die sich ein Autor &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/08/26/faust-1-zueignung-vers-132/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Faust 1 – Zueignung (Vers 1–32)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/2008/08/26/faust-1-zueignung-vers-132/" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Von 1773 bis 1832 finden sich &#196;u&#223;erungen Goethes &#252;ber den »Faust« – fast sechzig Jahre, die sich ein Autor immer wieder und in unterschiedlichen Formen mit diesem Stoff besch&#228;ftigt hat. Dies mag die Dichte und den Gehalt des Dramas erkl&#228;ren, aber auch, dass der »Faust« als das Hauptwerk Goethes angesehen werden kann.</p>

<p>Die »Zueignung«, mit der das Werk beginnt, erweckt nicht den Eindruck, dass es ich hier um ein Werk handelt, das geplant war: Aufdringlich zeigen sich die Figuren, als Goethe vermutlich am 24. Juni 1797<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/08/26/faust-1-zueignung-vers-132/#footnote_0_163" id="identifier_0_163" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&amp;#252;nchen 1998, S. 505.">1</a></sup> das Werk nach langer Pause wieder aufnahm. Da lag die erste Besch&#228;ftigung mit dem Fauststoff bereits zwanzig Jahre zur&#252;ck – und er l&#228;sst den Autor offensichtlich nicht los.</p>

<p>Im Zentrum der »Zueignung« steht nicht der aktive Wille eines Autors, einen Stoff zu gestalten, sondern vielmehr ein passives Verhalten, in dem der Stoff sich zudr&#228;ngt (V 5), nun aber auf einen Autor trifft, der bereit ist, sich als Instrument dieser »schwankenden Gestalten« (V 1) zur Verf&#252;gung zu stellen und einer Windharfe (&#196;olsharfe) gleich, sich dem Stoff auszuliefern (V 28).</p>

<p>Doch diese Selbstauslieferung an einen Stoff, den Goethe bis zu seinem Tod verfolgen wird, erscheint in diesem ersten der drei Prologe als ein ein z&#228;rtliches Verh&#228;ltnis des Dichters zu seinem Werk, das sich »in der zarten lyrischen Sprache«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/08/26/faust-1-zueignung-vers-132/#footnote_1_163" id="identifier_1_163" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&amp;#252;nchen 1998, S. 505.">2</a></sup> ausdr&#252;ckt, die hier benutzt wird.</p>

<p>Die »Zueignung« entsteht im Rahmen einer Wiederaufnahme des Stoffs, beschreibt das Verh&#228;ltnis des Dichters zu diesem Werk, dass weder in seinen Anfangswehen liegt, noch als vollendet betrachtet werden kann.</p>

<p>Gleichzeitig stellt dieser Prolog das Werk in den Zusammenhang von Goethes Biographie: Er denkt an die Freunde aus Stra&#223;burger und Frankfurter Zeit, wohl aber auch aus den ersten Jahren in Weimar (V 12), an die Schwester Cornelia und an seinen Vater, an Susanna Katharina von Klettenberg, an Merck, Lenz etc. (V 16)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/08/26/faust-1-zueignung-vers-132/#footnote_2_163" id="identifier_2_163" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. ebd. 505f.">3</a></sup></p>

<p>Die Zueignung, obwohl noch vor Schillers Tod entstanden, verweist in besonderm Ma&#223;e auf die Stellung des »Faust« in Goethes Schaffen. Fast sein ganzes Leben als Erwachsener stellt sich Goethe der Frage, was einen Menschen ausmacht, der nicht nach Gier und Lebensgenuss, sondern vor allem nach Erkenntnis strebt – und dabei auch den Bund mit dem Teufel nicht verschm&#228;ht. – In diesesm Sinne ist der »Faust« ein »modernes« Werk, in dem sich bereits all die Probleme andeuten, die mit dem Streben nach Erkenntnis in der Zeit seit der Aufkl&#228;rung eigen sind: Neben der tieferen Einsicht in das, »was die Welt im innersten zusammenh&#228;lt« (V 382f), stellt dieses Werk die Frage, welchen Preis Menschen zu zahlen bereit sind, die sich dieser tiefen Sehnsucht hingeben.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/aufklaerung/" title="Aufklärung" rel="tag">Aufklärung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/oer-freie-bildungsmedien/deutsch-oer-freie-bildungsmedien/" title="Deutsch" rel="tag">Deutsch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/" title="Deutsch Sek. II" rel="tag">Deutsch Sek. II</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/dichter/" title="Dichter" rel="tag">Dichter</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/drama/" title="Drama" rel="tag">Drama</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erkenntnis/" title="Erkenntnis" rel="tag">Erkenntnis</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/faust-1/" title="Faust 1" rel="tag">Faust 1</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/faust-1/" title="Faust 1" rel="tag">Faust 1</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/oer-freie-bildungsmedien/deutsch-oer-freie-bildungsmedien/faust-1-teil/" title="Faust 1. Teil" rel="tag">Faust 1. Teil</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/goethe/" title="Goethe" rel="tag">Goethe</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/literarische-motive/" title="literarische Motive" rel="tag">literarische Motive</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/oer-freie-bildungsmedien/" title="OER / Freie Bildungsmedien" rel="tag">OER / Freie Bildungsmedien</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/zueignung/" title="Zueignung" rel="tag">Zueignung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/" title="»Schul«-Lektüren" rel="tag">»Schul«-Lektüren</a><br />
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		<title>Faust 1 – Studierzimmer (»…wie ein Elefant«)</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Aug 2008 22:06:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Deutsch Sek. II]]></category>
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		<category><![CDATA[Pudels Kern]]></category>
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</a>


<p><em><span class="speaker">Faust:</span></em></p>

<p>…</p>

<p>&lt;</p>

<p>p class=&#8221;vers&#8221;>Hinter den Ofen gebannt,
Schwillt es wie ein Elefant
Den ganzen Raum f&#252;llt es an,
Es will zum Nebel zerflie&#223;en.
Steige nicht zur Decke hinan!
Lege dich zu des Meisters F&#252;&#223;en!
Du siehst, da&#223; ich nicht vergebens drohe.
Ich versenge dich mit heiliger Lohe!
Erwarte nicht
Das dreimal gl&#252;hende Licht!
Erwarte nicht
Die st&#228;rkste von meinen K&#252;nsten!</p>

<p><span class="action"><em>Mephistopheles tritt, indem der Nebel f&#228;llt, gekleidet wie ein fahrender Scholastikus, hinter dem Ofen hervor.</em></span></p>

<p><em><span class="speaker">Mephistopheles:</span></em></p>

<p class="vers">Wozu der L&#228;rm? was steht dem Herrn zu Diensten?</p>

<p><em><span class="speaker">Faust:</span></em></p>

<p>&lt;</p>

<p>p class=&#8221;vers&#8221;>Das also war des Pudels Kern!
Ein fahrender Skolast? Der Kasus macht mich lachen.</p>

<blockquote>
<p class="vers">Faust 1, Verse 1310–1324.</p>
</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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