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	<title>herrlarbig.de &#187; Kafka</title>
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		<title>Franz Kafka „Das Urteil“ – Ein Unterrichtsmodell (Einf&#252;hrung und Lekt&#252;re des gemeinfreien Textes)</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 22:04:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Franz Kafka „Das Urteil“ – Ein Unterrichtsmodell (Einf&#252;hrung und Lekt&#252;re des gemeinfreien Textes) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. 0 Rahmendaten Wurde das Unterrichtsmodell selbst entwickelt? – Ja. Wurde das Unterrichtsmodell &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/03/21/franz-kafka-das-urteil-ein-unterrichtsmodell-einfuhrung-und-lekture-des-gemeinfreien-textes/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a></em></p>

<p><span>Franz Kafka „Das Urteil“ – Ein Unterrichtsmodell (Einf&#252;hrung und Lekt&#252;re des gemeinfreien Textes)</span> von <a href="http://herrlarbig.de/?p=34719" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</p>

<h1>0 Rahmendaten</h1>

<ul>
    <li>Wurde das Unterrichtsmodell selbst entwickelt? – Ja.</li>
    <li>Wurde das Unterrichtsmodell in der Praxis erprobt? – Ja, in einem eigenen Deutsch-GK und mind. einem nicht von mir unterrichtetem Parallelkurs.</li>
    <li>F&#252;r welche Jahrgangsstufe ist das Modell geeignet:  – Sekundarstufe 2 (Hessen: Q2 Deutsch GK –  Aktuell auf der Leseliste zum Landesabitur 2013)</li>
    <li>Zeitbedarf: F&#252;r dieses Stunden-Modell eine Doppelstunde. F&#252;r die Unterrichtseinheit 12–16 Stunden, je nach verf&#252;gbarer Zeit im Kurshalbjahr.</li>
</ul>

<h1>1 Der Text kommt als Material zu den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen – sorgenfrei</h1>

<p>Auf Wikisource gibt es <a href="https://de.wikisource.org/wiki/Das_Urteil" target="_blank">eine Version des Kafkatextes</a>. Der Text wurde dem 1913 erschienenen und von Max Brod, einem engen Freund Franz Kafkas, herausgegebenen Band <em>Arkadia. Ein Jahrbuch f&#252;r Dichtkunst (Kurt Wolff Verlag, Leipzig).</em> entnommen und digitalisiert.</p>

<p>Da dieser Text die Seitenzahlen der Originalausgabe enth&#228;lt, kann er direkt im Unterricht eingesetzt werden.</p>

<p>Hier schlage ich jedoch einen methodisch Zugang vor, der neben der analytisch verstehenden (interpretierenden) Arbeit mit dem Text zu einer kreativen Ann&#228;herung und Auseinandersetzung mit ihm einladen will.</p>

<p>Den Text auf Wikisource verwandle ich zun&#228;chst in ein Buch. &#220;ber <em>&gt;Drucken/Exportieren &gt;Buch erstellen</em> in der linken Seitenleiste steht mir daf&#252;r direkt auf der Seite das entsprechende Werkzeug zur Verf&#252;gung. Zwar k&#246;nnte ich den Text auch direkt als PDF herunterladen, doch will ich ein Titelblatt erstellen, was ich mit der Buchfunktion auf Wikisource, die &#252;brigens in allen Projekten der Wikimedia-Foundation integriert ist, bewerkstellige. Mir wird automatisch das entsprechende PDF erstellt und mit der entsprechenden Lizenzseite versehen, die unbedingt bei der Nutzung erhalten bleiben und mit verbreitet werden muss, auch wenn ich das PDF ausdrucke! Um die Arbeit zu erleichtern, stelle ich das PDF-Buch, das ich mir erstellt habe, <a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/Kafka_Urteil.pdf" target="_blank">hier zum Download</a> zur Verf&#252;gung.</p>

<p>Die sieben Seiten kopiere ich einseitig und teile sie gelocht und geheftet an die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen aus.</p>

<h2>2 Medienp&#228;dagogisches Intermezzo – Die Lizenzfrage</h2>

<p>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler nicht nur der Oberstufe schaffen sich Lekt&#252;ren in der Regel auf eigene Kosten an. Gerade bei Klassikern bietet <a href="http://de.wikisource.org/wiki/Hauptseite" target="_blank">Wikisource</a> aber eine Alternative, die vor allem f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen interessant ist, die sich eines Leseger&#228;tes f&#252;r digital verf&#252;gbare B&#252;cher (E-Book-Reader) bedienen. Ja, solche gibt es.</p>

<p>Ich nutze die Ausgabe solcher freien Materilalien, die im Internetz legal kostenfrei verf&#252;gbar sind, um &#252;ber freie Materialien mit den Jugendlichen ins Gespr&#228;ch zu kommen und ihnen das Lizenzmodell der <a href="http://creativecommons.org/" target="_blank">CreativeCommons-</a>Bewegung zu erl&#228;utern.</p>

<p>Dabei gehe ich dann auch auf die Frage ein, dass in den meisten F&#228;llen von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sowie von Lehrerinnen und Lehrer Material von z. B. Wikipedia f&#228;lschlicher Weise ohne Lizenzangabe verwendet wird. Ich erkl&#228;re, wie man sich &#252;ber die Exportforunktion auf Wikipedia schnell die korrekte Lizenzangabe mit dem dazu geh&#246;renden Text erstellen lassen kann, sodass zuk&#252;nftig <em>korrekte</em> und <em>vollst&#228;ndige</em> Literaturangaben bei nicht nur in kleinen Teilen zitierten Texten m&#246;glich sind – und dann von mir auch (notenrelevant) erwartet werden.</p>

<h2>3 Die Erstlekt&#252;re</h2>

<p>Franz Kafkas „Das Urteil“ kann in ca. 30 Minuten vorgelesen werden. Um die im Text liegenden Wirkungsm&#246;glichkeiten zu nutzen empfiehlt es sich, das Vorlesen jemandem zu &#252;berlassen, der das kann. Wenn nicht ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin im Kurs ist, der oder die &#252;ber ein echtes Vorlesetalent verf&#252;gt, lese ich solche Texte selbst vor.</p>

<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler  haben die gedruckte Fassung vorher erhalten, sodass sie nun entscheiden k&#246;nnen, ob sie einfach zuh&#246;ren oder ob sie gleich mitlesen. So wird gleichzeitig die Vermittlung des Textes auf mehrern Kan&#228;len praktiziert, um von Anfang an unterschiedliche Lerntypen anzusprechen.</p>

<p>Bevor die Lekt&#252;re des Textes beginnt, legen sich die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler auf einer neuen Seite ihre Hefts oder Hefters ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cluster_(Kreatives_Schreiben)" target="_blank">Cluster</a> an, indem sie in der Mitte, genau wie bei einer Mindmap, Autor und Titel notieren. Anders als bei einer Mindmap geht es nun aber nicht um strukturierte Aufzeichnungen, sondern um eher assoziatives  Notieren von Gedanken, Ideen, Fragen etc., die w&#228;hrend des Lesens / Vorlesens auftauchen.</p>

<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bekommen so ein Instrument an die Hand, das sie dabei unterst&#252;tzen soll, den ersten Leseeindruck als Ausgangspunkt einer angemessenen Besch&#228;ftigung mit Literatur kennen- und erleben zu lernen. In der Regel untersch&#228;tzen Jugendliche die Relevanz ihrer eigenen Erfahrungen und Gedanken beim Lesen f&#252;r ihr Verst&#228;ndnis (literarischer) Texte, vor allem, wenn sie ihnen nicht zur von ihnen vermuteten Unterrichtserwartung zu passen scheinen.</p>

<p>Bereits im Vorfeld der Erstlekt&#252;re des Textes werden die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen au&#223;erdem darauf hingewiesen, dass sich nach der Lesephase direkt eine Phase von ca. 5 Minuten anschlie&#223;t, in der sie ihr Cluster erg&#228;nzen k&#246;nnen, nochmal in den Text schauen k&#246;nnen etc., sodass nach dem Lesen nicht noch ein Arbeitsschritt erkl&#228;rt werden muss, der die eigene Leseerfahrung wieder auf Distanz bringt.</p>

<p><strong>4 Das literarische Gespr&#228;ch</strong></p>

<p>Die letzte Phase der ersten Ann&#228;herung an Kafkas „Das Urteil“ wird durch <a href="http://wiki.zum.de/Literarisches_Unterrichtsgespr&#228;ch" target="_blank">das literarische Gespr&#228;ch</a> bestimmt, das in diesem Falle aus den Leseerfahrungen und die parallel entstandenen Cluster entsteht. – Der Lehrer gibt hier nach M&#246;glichhkeit nur das Startsignal und h&#228;lt sich in dem Gespr&#228;ch selbst weitgehend zur&#252;ck.</p>

<p>F&#252;r den weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit ist an dieser Stelle ein intensives Zuh&#246;ren und Mitschreiben des Lehrers angemessen, da sich in diesem ersten Zugang zum Text die Themen der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zeigen.</p>

<p>Es bietet sich an, die dann anstehende Unterrichtseinheit nicht schon vollst&#228;ndig im Vorfeld geplant zu haben, sondern die konkreten Fragestellungen im Kurs aufzugreifen und an diesen entlang die Unterrichtseinheit nach dieser Stunde zu planen.</p>

<p>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler  haben  zwar in unterschiedlichen Kursen oft sehr &#228;hnliche Fragen, aber welche Fragen f&#252;r den eigenen Kurs im Vordergrund stehen, zeigt sich in diesem Gespr&#228;ch nach der Erstlekt&#252;re, in dem die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen oft auch schon zu Interpretationsfragen &#252;bergehen.</p>

<p>Je nach Engagement der Lerngruppe kann das Gespr&#228;ch den Rest der Stunde einnehmen. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, f&#252;nf Minuten f&#252;r die Erl&#228;uterung des den Unterricht begleitenden Arbeitsauftrages zu reservieren.</p>

<h2>5 Einladung zur kreativen Auseinandersetzung mit der Geschichte von Franz Kafka und abschlie&#223;ende didaktische &#220;berlegungen</h2>

<p>Nat&#252;rlich k&#246;nnte Papier gespart werden, druckte man das mittels PDF-Buch-Generator auf Wikisource erstellte <a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/Kafka_Urteil.pdf" target="_blank">Dokument mit dem Text von Kafkas „Das Urteil“</a> doppelseitig aus. Ich hab mich f&#252;r den einseitigen Druck aus methodischen Gr&#252;nden entschieden.</p>

<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden sich im Laufe der Unterrichtseinheit nicht nur analytisch mit dem Kunstwerk befassen, sondern sollen mit Franz Kafka und seinem Text kreativ in eine aktive Auseinandersetzung kommen. Die „Leer“-Seiten des Textes sind dazu gedacht, dass die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen die „Leer“-Stellen des Textes aufgreifen und f&#252;r sich gestalten k&#246;nnen. Die „Leer“-Seiten laden dazu ein, dass jede und jeder im Kurs auf unterschiedlichste Weise kreativ werden kann.</p>

<p>Das Titelblatt ist von den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen zu gestalten. Auf den anderen „Leer“-Seiten k&#246;nnen Bilder entstehen, Comics die Handlung darstellen, Briefe an Georg Bendemann geschrieben, ein Tagebucheintrag verfasst werden, Portr&#228;ts der Figuren des Textes entstehen, Collagen zu den Inhalten der einzelnen Seiten und was den Kursteilnehmern noch so alles einf&#228;llt.</p>

<p>Auf den „Leer“-Seiten ist f&#252;r alles Platz, au&#223;er f&#252;r Unterrichtsnotizen. Wer diese in sein Leseexemplar direkt eintragen will, kann sich das entsprechende PDF-Dokument auf Wikisource noch einmal herunterladen und neben dem kreativ gestaltetem Exemplar eine Leseexemplar mit Unterrichtsnotizen f&#252;llen.</p>

<p>Ziel dieser Herangehensweise ist es, die kreativ-k&#252;nstlerische Ann&#228;herung an Kafka neben die analytische zu stellen, um so den Charakter der Literatur als Kunst im Bewusstsein zu halten, die vor allem zu einer pers&#246;nlichen bis existentiellen Auseinandersetzung und einer dialogischen Begegnung einladen will.</p>

<p>Dabei sollten die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Gestaltungsfreiheit bekommen. Sie k&#246;nnen auch mit der digitalen Kopie kreativ arbeiten, wenn sie das vorziehen.</p>

<p>Hier zeigt sich die wesentliche Bereicherung des Unterrichts durch die Nutzung von Material, das unter Creative-Commons-Lizenz steht und genutzt werden darf, unabh&#228;ngig vom Nutzungskanal. Analoge Schulb&#252;cher w&#252;rden ein solche Nutzung im Rahmen unterschiedlicher Medien nicht erm&#246;glichen k&#246;nnen, da deren Digitalisierung untersagt ist.</p>

<p>In diesem Unterrichtsvorschlag hingegen k&#246;nnen die unterschiedlichen Arbeits- und Lerntypen – ich gehe mittlerweile von der Hypothese aus, dass es neben den bekannten Lerntypen noch analoge und digitale Lerntypen gibt – sch&#252;lerorientiert und individualisiert ber&#252;cksichtig werden, sodass f&#252;r diese Unterrichtsreihe die Nutzung freier Materialien <em>notwendig</em> ist.</p>

<h2>6 &#220;bersicht der Struktur-Planung f&#252;r eine Doppelstunde (90 Minuten).</h2>

<ol>
    <li>Der Text kommt als Material zu den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen – sorgenfrei und medienp&#228;dagogisches Intermezzo (15 Minuten)</li>
<ol>
    <li>Nennung des Unterrichtsgegenstands und</li>
    <li>Inszenierung der Tatsache, dass diese Lekt&#252;re nicht angeschafft werden muss, sondern bereits gedruckt vorliegt. Der Grund: Gemeinfreiheit; Nutzung digitaler Quellen. Und doch sind solche Werke nicht Lizenzfrei. Deshalb:</li>
    <li>Exkurs zur Lizensierung mittels CreativeCommons und der Verpflichtung, bei Nutzung solcher Materialien entsprechende Lizenzangaben beizuf&#252;gen.</li>
    <li>Platz f&#252;r Sch&#252;lerfragen</li>
</ol>
    <li>Die Erstlekt&#252;re (ca. 45 Minuten)</li>
<ol>
    <li>Austeilen des Textes</li>
    <li>Der Text wird von einer des guten Vorlesens m&#228;chtigen Person vorgelesen. Die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen lesen mit und k&#246;nnen sich auf einem Extrablatt ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cluster_(Kreatives_Schreiben)" target="_blank">Cluster</a> f&#252;r Notizen, Gedanken, Fragen und Assoziationen erstellen. Um diese Arbeit zu erleichtern werden den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Beispielfragen genannt, wobei die folgenden wirklich nur als Vorschl&#228;ge gedacht sind. Die Beispielfragen sollten nicht visualisiert werden, um bei der Lekt&#252;re nicht den Blick auf sie abzulenken:</li>
<ol>
    <li>Was wundert mich?</li>
    <li>Was gef&#228;llt mir?</li>
    <li>Was &#228;rgert mich?</li>
    <li>Was kenne ich (als Gef&#252;hl) auch?</li>
    <li>Was verstehe ich?</li>
    <li>Was ist mir fremd?</li>
    <li>…</li>
</ol>
</ol>
    <li>Leseerfahrungen Raum geben (30-45 Minuten)</li>
<ol>
    <li>Nach der Erstlekt&#252;re angemessen Zeit geben, das gerade Gelesene / Geh&#246;rte zu verarbeiten. Damit nicht zwischen Lekt&#252;re und Verarbeitung der ersten Leseeindr&#252;cke ein Block mit dem Erkl&#228;ren eines Arbeitsauftrages steht, diesen Arbeitsschritt schon vor der Lekt&#252;re ank&#252;ndigen und das Vorlesen kommentarlos in diese Stillarbeitsphase &#252;bergehen lassen:</li>
<ol>
    <li>Wenn der Text fertig gelesen ist, bekommt ihr … Minuten Zeit, eure Gedanken, Gef&#252;hle, Fragen an den Text etc. in eurem Cluster zu erg&#228;nzen.</li>
</ol>
    <li>Die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen werden zu einem Gespr&#228;ch &#252;ber ihre erste Leseerfahrungen eingeladen. (Meldekette = Das Wort wird vom zuletzt an der Reihe gewesenen Sch&#252;ler oder der zuletzt das Wort habenden Sch&#252;lerin weiter gegeben, um wirklich die Leser und Leserinnen ins Gespr&#228;ch kommen zu lassen.)</li>
<ol>
    <li>In dieser Phase bietet sich f&#252;r den Lehrenden an, intensiv Notizen zu den Themen zu erstellen, die von den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen angesprochen und diskutiert werden, um die weitere Unterrichtsplanung auf diesen konkreten, von den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen angesprochenen Themen aufzubauen.</li>
<ol>
    <li>Eine M&#246;glichkeit ist, am Ende der Stunde zu sagen, dass man die Diskussion intensiv mitverfolgt habe und auf Basis der angesprochenen Themen einen Vorschlag zum Verlauf der Unterrichtseinheit vorlegen werde.</li>
    <li>Wenn hier Fragen auftauchen, zu denen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen einen Unterrichtsteil erarbeiten k&#246;nnen (Referat, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lernen_durch_Lehren" target="_blank">LdL</a>, Arbeitsauftr&#228;ge erstellen etc.), k&#246;nnen solche Arbeiten schon vergeben werden. Mit Sicherheit wird die Frage nach dem Autor aufkommen, den durchaus jemand aus dem Kurs vorstellen kann.</li>
    <li>Vorstellung des den Unterricht begleitenden kreativen Arbeitsauftrages, sowohl das Titelblatt als auch die Leerseiten des Textes so zu gestalten, dass eine kreative Interaktion mit dem Gesamttext (Titel) und den jeweils auf den einzelnen Textseiten erz&#228;hlten Geschehnissen stattfindet. (Da die Unterrichtseinheit bei mir je nach Halbjahresl&#228;nge zwischen 12 und sechzehn Unterrichtsstunden angelegt ist, wird dadurch der Zeitrahmen vorgegeben, der f&#252;r diese kreative Auseinandersetzung gegeben wird und an dessen Ende eine „Ausstellung“ steht,  deren Gestaltung je nach Kurs sehr unterschiedlich aussehen kann.)</li>
</ol>
</ol>
</ol>
    <li>F&#252;r die n&#228;chste Stunde…</li>
<ol>
    <li>Erstellt der Lehrer oder die Lehrerin eine Unterrichtsverlaufsplanung, die die Fragestellungen der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen ber&#252;cksichtigt und gleichzeitig die in der gymnasialen Oberstufe zu erwerbenden Kompetenzen im Umgang mit Prosatexten angemessen ber&#252;cksichtigt.</li>
</ol>
</ol>

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		<title>Was im Deutsch-Grundkurs zu lesen sein wird (Landesabitur Hessen 2013)</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 17:32:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Büchner, Woyzeck]]></category>
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		<description><![CDATA[Nach einem in seinen Lekt&#252;ren dem Deutsch-Unterricht noch Luft gebenden Einf&#252;hrungsjahr, beginnt f&#252;r die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die im Jahr 2013 ihr Abitur in Hessen machen wollen, nun die Phase, in der der offizielle Lehrplan mit verbindlichen Lekt&#252;ren verbunden ist. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einem in seinen Lekt&#252;ren dem Deutsch-Unterricht noch Luft gebenden Einf&#252;hrungsjahr, beginnt f&#252;r die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die im Jahr 2013 ihr Abitur in Hessen machen wollen, nun die Phase, in der der offizielle Lehrplan mit verbindlichen Lekt&#252;ren verbunden ist. Erstmals sind diese Lekt&#252;ren sogar Halbjahren zugeordnet, worauf die bisherigen Vorgaben verzichteten, wohl deshalb, weil sich durch die offiziellen Lehrpl&#228;ne eigentlich fast von alleine ergab, in welchen Halbjahren der Oberstufe die Lekt&#252;ren ihren Platz finden. – Dass die Lekt&#252;ren nun konkreten Halbjahren zugewiesen werden, hat vielleicht Gr&#252;nde. Doch &#252;ber diese will ich hier gar nicht spekulieren.</p>

<p>Was also wird im Grundkurs Deutsch in Hessen f&#252;r all die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu lesen sein, die n&#228;chsten Montag (8. August 2011) mit der Qualifikationsphase beginnen? – Hier die (subjektiv) kommentierte <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HKM_15/HKM_Internet/med/2fe/2fe7045d-2144-e031-f012-f31e2389e481,22222222-2222-2222-2222-222222222222,true" target="_blank">Lekt&#252;reliste</a> ((Der Link f&#252;hrt zum PDF mit den offiziellen Hinweisen zur Vorbereitung auf die schriftlichen Abiturpr&#252;fungen im Landesabitur 2013, gem&#228;&#223; Erlass vom 20. Juni 2011)), f&#252;r deren Richtigkeit ich &#252;brigens keine Gew&#228;hr &#252;bernehme.</p>

<p><span id="more-6019"></span>Die <a href="http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek_ii/" target="_blank">offiziellen Hinweise zu den Pr&#252;fungen des hessischen Landesabiturs</a> finden sich auf der <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/" target="_blank">Website des Hessischen Kultusministeriums</a> bzw. auf dem <a href="http://dms.bildung.hessen.de/index.html" target="_blank">Hessischen Bildungsserver</a>.</p>

<h2>Lekt&#252;ren im Grundkurs Deutsch<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/#footnote_0_6019" id="identifier_0_6019" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Angaben ohne Gew&amp;#228;hr">1</a></sup> im Verlauf der Qualifikationsphase 1 mit subjektivem Kommentar:</h2>

<h4>Kleist: Prinz Friedrich von Homburg</h4>

<p>Kleist ist neu im Reigen der f&#252;r das Landesabitur relevanten Lekt&#252;rverpflichtungen in der Qualifikationsphase. Endlich! Kleist! Mit „Prinz Friedrich von Homburg“ ist Kleists wohl ausgereiftestes B&#252;hnenwerk Teil der Leseliste f&#252;r das Landesabitur. Eine fremde Welt, die sich heutigen Leserinnen und Lesern da auftut, aber die Themen sind heute nach wie vor die gleichen geblieben. Richtig: Es geht nat&#252;rlich um …!</p>

<div>
<h4>Lyrik zum Menschenbild der Klassik</h4>
Stand so bislang nicht auf der Liste der f&#252;r das Landesabitur relevanten Lekt&#252;rverpflichtungen. Die Pr&#228;senz der Lyrik wird damit um ein Drittel erweitert. Standen bislang nur zwei Themenbereich mit Lyrikschwerpunkt auf der Leseliste, sind es nun derer drei. Allerdings standen auf bisherigen Leselisten f&#252;r das Landesabitur auch nur sieben Lekt&#252;revorgaben. Nunmehr sind es neun (Lyrik und Epik wurden um jeweils eine Lekt&#252;reverpflichtung aufgestockt, sodass nun aus jedem Bereich (Dramatik, Epik, Lyrik) drei Lekt&#252;reverpflichtungen vorgesehen sind). F&#252;r mich wird diese Unterrichtseinheit noch einmal eine Entdeckungsreise durch diese Epoche werden, in der nat&#252;rlich nicht nur Goethe schrieb. Und die Frage nach dem Menschenbild im Kontext der Lyrik zu stellen, halte ich f&#252;r eine bisherige Kenntnisse vertiefende Hinf&#252;hrung zur Lyrik im ersten Halbjahr der Qualifikationsphase nicht schlecht gew&#228;hlt. Hier bieten sich f&#252;r mich  Ankn&#252;pfungsm&#246;glichkeiten an die in der Einf&#252;hrungsphase intensiv erarbeitete Epoche der Aufkl&#228;rung, was ebenso f&#252;r die Lyrik der Romantik gilt.
<h4>Lyrik der Romantik</h4>
Ob es m&#246;glich ist, die Lyrik zum Menschenbild der Klassik gewinnbringend mit der Erarbeitung der romantischen Lyrik zu verbinden? Die Basis der romantischen Lyrik ist eng mit Fragen des Welt- und Menschenbildes verbunden. Die Frage einer Integration dieser Lekt&#252;rebereiche in eine Unterrichtseinheit ist naheliegend. Zumindest wenn ich in Klausuren denke<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/#footnote_1_6019" id="identifier_1_6019" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich wei&amp;#223;, dass unter meinen Leserinnen und Lesern auch solche sind, die Pr&amp;#252;fungen, Noten und die damit verbundenen Auswirkungen auf das schulische Lernen kritisch betrachten. Da ich aber konkret unterrichte, tue ich das im Rahmen der Vorgaben, die ich dann auch bei meine Vorbereitungen zu ber&amp;#252;cksichtigen habe.">2</a></sup>, so f&#228;llt mir auf, dass in jedem Halbjahr der Qualifikationsphase nach der mir vorliegenden &#220;bersicht drei Lekt&#252;ren vorgesehen sind. Es werden zwei Klausuren pro Halbjahr geschrieben. Daraus ergeben sich die M&#246;glichkeiten, 1. Lekt&#252;rebereiche aus der &#220;berpr&#252;fung mittels Klausuren heraus zu nehmen und andere Formen der Leistungsnachweise zu nutzen oder aber 2. Lekt&#252;revorgaben zu integrieren und somit das verkn&#252;pfende Denken auf noch einer weiteren Ebene gezielt zu f&#246;rdern, ist es doch durchaus f&#252;r viele Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen nicht trivial, &#252;ber die Grenzen eines literarischen Werkes bzw. einer literarischen Epoche hinaus zu denken.

Die Qualifikationsphase legt im ersten Halbjahr der Vorbereitung auf das hessische Landesabitur im Grundkurs Deutsch einen klaren Schwerpunkt auf die ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhundert. Das Halbjahr kann also durchaus auch als eine literarische Zeitreise in die Epoche vor nunmehr 200 Jahren gesehen und gestaltet werden. Wenn dann noch B&#252;chners Woyzeck in Q2 dazu genommen wird, ist dieses Drama doch auch in dieser Zeit entstanden, so zeigt sich in der zu lesenden Literatur die Differenziertheit literarischer Str&#246;mungen, aber auch die Zerrissenheit der Gesellschaft, insbesondere in der Gegen&#252;berstellung B&#252;chners Arbeiten mit denen der Romantik und der Klassik.
<h2>Lekt&#252;ren im Grundkurs Deutsch im Verlauf der Qualifikationsphase 2 mit subjektivem Kommentar:</h2>
<h3><span class="Apple-style-span" style="font-size: 14px;">B&#252;chner: Woyzeck</span></h3>
<div>

Woyzeck geh&#246;rt auf die Lekt&#252;reliste. Ganz klar. Doch dieses Mal werden die Briefe B&#252;chners und der von ihm mit verfasste „Hessische Landbote“ in den Hinweisen zum Landesabitur 2013 nicht genannt. Das ist aber nur eine kosmetische Frage, denn in gewisser Weise werden die Briefe bestimmt eine Rolle spielen – und wenn nicht im Unterricht, so bieten sie von ihrem Umfang her durchaus M&#246;glichkeiten f&#252;r die Gestaltung von Leistungsnachweisen. Eine rein werkimmanente Erarbeitung des Woyzeck, die zentrale Bez&#252;ge zu B&#252;chners politischem Engagement vernachl&#228;ssigt, kann ich mir bislang allerdings nur schwer vorstellen.
<h4>Fontane: Irrungen, Wirrungen</h4>
Dieses Werk bietet Einblicke in die Zeit der zweiten H&#228;lte des 19. Jahrhunderts unter literarischen Vorzeichen. Fontane ist ein durchaus in einigen Werken sehr spannender Erz&#228;hler. „Irrungen, Wirrungen“ bietet sich dazu an, einem Schriftsteller mal sehr genau auf die Finger zu schauen, sind manche „Tricks“, derer sich Autoren bedienen, hier doch so augenf&#228;llig und zug&#228;nglich, dass es wirklich keine gro&#223;e Herausforderung ist, Techniken der Vorausdeutung, der im Text diesen deutend integrierten Beschreibungen von Dingen etc. und weiteres Handwerkszeug von Autoren herauszuarbeiten. – Im Zusammenhang mit B&#252;chners Wirklichkeitsdarstellung kann, bei allem kritischen Geist, der im Werk Fontanes vorhanden ist, auch manche Einseitigkeit der Wirklichkeitswahrnehmung Fontanes im Kontext des B&#252;rgertums sicherlich nachvollziehbar heraus gearbeitet werden.  – F&#252;r die Sch&#252;ler ist „Irrungen, Wirrungen“ zum ersten Mal auf der Lekt&#252;reliste. F&#252;r mich als Lehrer f&#228;nde ich es nicht so schlecht, wenn mit Effie Briest oder gar Werken von Gerhart Hauptmann mal wieder ein anderes Werk diese Epoche repr&#228;sentieren w&#252;rde.
<h4>Kafka: Das Urteil</h4>
Ich mag Kafka und gerade „Das Urteil“ ist vielen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern weit zug&#228;nglicher, als es bei Kafka zu vermuten w&#228;re. Erinnere ich mich an meine eigene Schulzeit, wir lasen Kafka schon in den Klassen 9 und 10, so war Kafka ein Autor, dessen gesammelte Prosa ich mir direkt im Zusammenhang mit dem Unterricht zulegte, weil ich diesen Autor sehr spannend fand und finde. Dass in den vergangenen Jahren, in denen Kafka auf der Lekt&#252;reliste zum hessischen Landesabitur steht, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler teilweise immer noch richtig gut mit Kafka umgehen k&#246;nnen, zeigt mir einmal mehr, wie existentiell und &#252;ber die Zeiten hinweg Kafka geschrieben hat.

</div>
<h2>Lekt&#252;ren im Grundkurs Deutsch im Verlauf der Qualifikationsphase 3 mit subjektivem Kommentar:</h2>
<h4>Goethe: Faust I</h4>
<em>Der</em> deutsche Klassiker &#252;berhaupt. Zumindest angesichts des heute als relevant betrachteten Kanons; zumindest in dem Zeitraum deutscher Literaturgeschichte, der in der hessischen Oberstufe ber&#252;cksichtigt wird. Doch auch im Gesamtkontext deutschsprachiger Literaturgeschichte gibt es nur wenige Werke, die literarisch und inhaltlich so spannend sind, wie „Faust“. So sehe ich das zumindest. Einmal im Jahr „Faust“ lesen – das kann auch ohne berufliche Verpflichtungen, die mit der Lekt&#252;re verbunden sind, sehr lohnend sein. Mein Eindruck ist, dass diese Lekt&#252;re nach wie vor f&#252;r &#252;berraschend viele Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler als eine Art H&#246;hepunkt des Deutschunterrichts gilt. Dar&#252;ber hinaus sind die M&#246;glichkeiten des werkimmanenten Arbeitens sehr breit gef&#228;chert. Bez&#252;ge zur Klassik, zur Romantik, zu Kleist und … zu eigentlich der gesamten deutschsprachigen Literaturgeschichte (und zu Shakespeare und und und…) sind beim Faust immer m&#246;glich.
<h4>Hein: In seiner fr&#252;hen Kindheit ein Garten</h4>
Heins „In seiner fr&#252;hen Kindheit ein Garten“ ist der einzige nach 1945 entstandene Roman, der f&#252;r das hessische Landesabitur im Grundkurs Deutsch im Jahr 2013 relevant ist. Dieser Roman bietet sich, von den historischen Bez&#252;gen, die sehr viel spannende Hintergr&#252;nde liefern k&#246;nnen einmal abgesehen, vor allem dazu an, sich bei seiner Lekt&#252;re noch einmal grunds&#228;tzlich reflexiv mit der Frage nach Qualit&#228;tskriterien von Literatur zu befassen. Was macht einen guten literarischen Text aus? Und welche der in der Qualifikationsphase gelesenen Texte erf&#252;llen welche Qualit&#228;tskriterien.  Zu allererst muss sich aber Heins „In seiner fr&#252;hen Kindheit ein Garten“ diesen Kriterien stellen. Die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen k&#246;nnen dabei sicher zu unterschiedlichen Positionen gelangen.
<h4>Lyrik des Expressionismus</h4>
Der Expressionismus ist ein Ph&#228;nomen, dass in der gesamten Kunst seinen Niederschlag fand, vor allem aber in der bildenden Kunst, sodass die Verbindung von Bildern mit Gedichten so nahe liegt, dass sie eigentlich nicht erw&#228;hnt werden muss. In Frankfurt <del>liegen</del> h&#228;ngen aber nun auch noch einige Schl&#252;sselwerke dieser Epoche sehr nah im St&#228;del, sodass die Verbindung in der direkten Begegnung mit diesen Bildern geschehen kann. Die Bandbreite der Lyrik dieser Zeit ist enorm, so sehr sie sich auch eines beschr&#228;nkten Umfangs stilbildender Mittel bediente. Nach dem Sturm und Drang als Epoche des jungen Goethes ist der Expressionismus in der Lyrik vielleicht die erste Nachfolgeepoche, in der sich die Lyrik inhaltlich und formal sprunghaft weiter entwickelte und somit die gro&#223;en Ver&#228;nderungen hin zu Dadaismus und zur konkreten Poesie erm&#246;glichte.
<h2>Au&#223;erdem</h2>
Grundkategorien der Redeanalyse sind im Kontext der Sprachreflexion zu erarbeiten. Das halte ich angesichts unserer politischen Redekultur f&#252;r sehr sinnvoll und oft ist es erhellend, wenn man politische Reden unter rhetorischer Perspektive betrachtet. Doch finde ich, dass es nicht nur um die Analyse von Reden gehen sollte, sondern dar&#252;ber hinaus die Kompetenz zur Vorstellung eigener Reden gef&#246;rdert werden sollte.

Insgesamt ist das ein anspruchsvolles und recht umfangreiches Programm, dass die mit diesem Schuljahr in die hessische Qualifikationsphase eintretenden Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler da im GK Deutsch absolvieren sollen. Ich halte es aber auch f&#252;r ein spannendes Programm, das einiges an Optionen f&#252;r die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen bietet, so mit den Texten zu arbeiten, dass f&#252;r unterschiedlichste Herangehensweisen Platz ist, f&#252;r Herangehensweisen, die differenziert dazu qualifizieren, die Anforderungen einer zentralen Abiturpr&#252;fung erf&#252;llen zu k&#246;nnen.
<blockquote>Ebenfalls ohne Gew&#228;hr, aber der Vollst&#228;ndigkeit halber hier noch die Lekt&#252;ren, die f&#252;r den Deutsch-Leistungskurs f&#252;r das hessische Landesabitur 2013 die Grundlage bilden:</blockquote>
<blockquote>Q1: Schiller: Die Jungfrau von Orleans; Kleist: Die Marquise von O …; Lyrik zum Menschenbild der Klassik; Lyrik der Romantik</blockquote>
<blockquote>Q2: B&#252;chner: Woyzeck; Fontane: Irrungen, Wirrungen; Hofmannsthal: Brief des Lord Chandos; Kafka: Das Urteil</blockquote>
<blockquote>Q3: Goethe: Faust I; Wolf: Medea. Stimmen; Lyrik des Expressionismus</blockquote>
<blockquote>Au&#223;erdem, im Rahmen der sog. zus&#228;tzlichen Belesenheit von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen im Deutsch-LK: Thomas Mann: Mario und der Zauberer; S&#252;skind: Das Parf&#252;m</blockquote>
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		<title>Franz Kafka: Kleine Fabel</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 23:04:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Franz Kafka war ein Meister der kleinen Form. Hier seine „Kleine Fabel“ zum anh&#246;ren, gelesen von Torsten Larbig. (Als MP3 ohne Flashplayer) Franz Kafka Kleine Fabel »Ach«, sagte die Maus, »,die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/01/24/franz-kafka-kleine-fabel/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Franz Kafka war ein Meister der kleinen Form. Hier seine „Kleine Fabel“ zum anh&#246;ren, gelesen von Torsten Larbig.</p>

<p>
(<a href="http://herrlarbig.de/podcasts/Franz Kafka_ Kleine Fabel.mp3" target="_blank">Als MP3 ohne Flashplayer</a>)</p>

<div>
<div id="gb_texte">
<blockquote>
<h3>Franz <span>Kafka</span></h3>
<h2>Kleine Fabel</h2>
»Ach«,  sagte die Maus, »,die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so  breit, da&#223; ich Angst hatte, ich lief weiter und war gl&#252;cklich, da&#223; ich  endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen  Mauern eilen so schnell aufeinander zu, da&#223; ich schon im letzten Zimmer  bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.« &#8211; »Du mu&#223;t  nur die Laufrichtung &#228;ndern«, sagte die Katze und fra&#223; sie.</blockquote>
33 Sekunden ist die oben eingef&#252;gte Lesung dieses Textes lang: Franz Kafka braucht nicht mehr Raum, um eine Fabel zu schreiben, in der scheinbar eine ganze Lebensphilosophie enthalten ist. Er verstand es offenbar, auf den Punkt zu kommen.

Die Botschaft scheint trist. Am Anfang des Lebens sieht die Welt weit und grenzenlos aus. Alle Wege scheinen offen und manchmal w&#252;nschte sich die Maus in der Fabel, dass es „Leitplanken“ g&#228;be. Hier sind es die Mauern, hinter denen vielleicht ein anderes Leben stattfindet, die aber keinen Blick auf dieses erlauben. Die Maus l&#228;uft zwischen diesen Mauern. Sie werden enger und enger und am Ende steht die Falle und bei der Falle wartet die Katze, um die Maus zu belehren und dann zu fressen.

Die Katze scheint zu wissen, dass die Maus diesen Weg zwischen den auf die Falle zulaufenden Mauern nehmen wird. Kann sie &#252;berhaupt anders? Kafka l&#228;sst die Frage offen. Diese kleine Fabel wirkt, als werde hier ein unweigerlich eintretendes Schicksal beschrieben. Am Ende, dort, wo die Einsicht wachsen k&#246;nnte, dass die Laufrichtung zu &#228;ndern sei, steht gleichzeitig die Unm&#246;glichkeit den gegangenen Weg r&#252;ckg&#228;ngig zu machen.

Ein pessimistisches Bild des Lebens wird hier gezeichnet. Fast wirkt der Text wie eine Skizze. Eine Maus im Selbstgespr&#228;ch mit sich selbst – oder erz&#228;hlt sie ihre Lebenserfahrung der Katze als einzigem Gegen&#252;ber, das sich gerade anbietet? Kafka l&#228;sst diese Frage offen. Und dennoch spricht die Maus. Die Antwort der Katze ist kurz, knapp: Warum l&#228;ufst du denn in diese Richtung? Du kannst dich doch entscheiden, in die andere Richtung zu laufen. – Doch genau diese M&#246;glichkeit verhindert die Katze: Sie frisst die Maus kurzerhand.

Zur&#252;ck bleibt der Leser oder die Leserin dieser kurzen Geschichte. Traditionelle Fabeln wollen eine Lehre vermitteln, die in die Gestalt des „sozialen Miteinanders“ von Tieren und derem „nat&#252;rlichen Verhalten“ gebracht wird. Welche Lehre also steckt in dieser kleinen Fabel?

Leser und Leserinnen zu unterschiedlichen Zeiten werden diese Lehre aus ihrer Zeit heraus ziehen. Kafka gibt hier also die Deutungshoheit an die seine Fabel Lesenden weiter. Und mir als Leser fallen viele Dinge ein, auf die ich diese Fabel anwenden k&#246;nnte. Hier sei nur eine kleine Auswahl genannt:
<ul>
    <li>Das Leben scheint in der Jugend oft be&#228;ngstigend offen. Auf der Suche nach Orientierung werden Entscheidungen getroffen, die den gesamten weiteren Lebensweg bestimmen. Menschen begeben sich zwischen Mauern. Ihre Entscheidungen schlie&#223;en andere Lebenswege aus. Und Kafka scheint der Meinung zu sein, dass die Einsicht, ob der Weg der richtige war oder nicht, erst dort f&#228;llt, wo der Weg an ein Ende oder an eine Grenze kommt. Doch dort, wo eine Umkehr vielleicht noch m&#246;glich ist, lauert die Katze, die nichts anders tut, als ihr eigen ist: Sie frisst die Maus und verhindert so die Umkehr, die Umsetzung der Einsicht.</li>
    <li>In der Gegenwart kommt es mir so vor, als sei die Maus durchaus mit dem Begehren nach Sicherheit zu verbinden. Die Freiheit macht der Maus Angst. Sie ist gl&#252;cklich, dass da Grenzen am Horizont auftauchen. Zu sp&#228;t entdeckt sie, dass am Ende dieses Weges eine Falle steht, in die sie unweigerlich ger&#228;t, wenn sie nicht vorher von einer Katze gefressen wird. – Wenn Freiheit f&#252;r Sicherheit aufgegeben wird, scheint f&#252;r Kafka dieses Schicksal unvermeidlich.</li>
</ul>
</div>
<div id="gb_texte">Doch trotz dieser Mahnung und Einsicht: Kafka scheint zu einer positiven Wende der Geschichte ein skeptisches Verh&#228;tnis zu haben. Er sieht keinen Ausweg. Am Ende steht das Ende, der Tod, die Enge als der Preis f&#252;r das heitere Begehen des Weges zwischen den Mauern, die keinen Blick mehr auf die Alternativen erlauben.</div>
<div>Kafkas „Kleine Fabel“ ist eine Mahnung, auf den Weg zu achten, den man beschreitet, sei es als Individuum, sei als Gesellschaft: Wer Freiheit will, muss aufpassen, dass er nicht gl&#252;cklich die Beschneidung der Freiheit in Kauf nimmt, um zu Orientierung zu gelangen. Doch gleichzeitig, in diesem Sinne handelt es sich hier um eine dialektische Geschichte, scheint es keinen anderen Weg zu geben, der dem Wunsch nach Orientierung und Sicherheit entspricht. – Kafka &#252;berl&#228;sst es den Lesenden, ihre L&#246;sung f&#252;r dieses Problem zu finden, das hier als eine Gegebenheit des Lebens dargestellt wird. Eine L&#246;sung selbst bietet Kafka nicht an. Das Ende bleibt offen.</div>
</div>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>100 Jahre Kafkas Tageb&#252;cher – Ein Autor in seiner Zeit</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 22:06:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Franz Kafka begann wohl im Sommer des Jahres 1909 mit den uns &#252;berlieferten Tagebuchaufzeichnungen, die bis in das Jahr 1923 reichen. Von kurzen Notizen bis zu gr&#246;&#223;eren literarischen Entw&#252;rfen, von Zeugnissen der Qual des Schreibens bis zu denen seiner gescheiterten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/13/100-jahre-kafkas-tagebuecher-ein-autor-in-seiner-zeit/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.franzkafka.de/franzkafka/home/" target="_blank">Franz Kafka </a>begann wohl im Sommer des Jahres 1909 mit den uns &#252;berlieferten Tagebuchaufzeichnungen, die bis in das Jahr 1923 reichen. Von kurzen Notizen bis zu gr&#246;&#223;eren literarischen Entw&#252;rfen, von Zeugnissen der Qual des Schreibens bis zu denen seiner gescheiterten Beziehungsversuche, findet sich alles in Kafkas Tageb&#252;chern. <span id="more-2130"></span>Er entschied sich f&#252;r eine Mischform, trennte nicht zwichen Arbeitsjournal und pers&#246;nlichen Reflexionen. Alles geh&#246;rte zueinander und hatte zugleich nicht immer miteinander zu tun.</p>

<p>In seinen Texten entsteht so der Eindruck des <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/txtsor/epi_klein/para/par0.htm" target="_blank">parabelhaften</a>, dessen, was zwar zusammengeh&#246;rt, seinen logischen Sinn und Zusammenhalt dem Leser aber zun&#228;chst verweigert. – Diese Zusammenhanglosigkeit der Ereignisse war nicht nur im Empfinden Kafkas stark. So vieles geschieht in den St&#228;dten (seiner Zeit) zur gleichen Zeit, geschieht dicht nebeneinander, steht in einem (geographischen) Zusammenhang, der sich zugleich als ein Mangel an Zusammenhang zeigt.</p>

<p>Es scheint als habe Kafka in seinen Texten dieses Ph&#228;nomen erz&#228;hlerisch eingefangen. Doch stellt er nicht, wie in vielen <a href="http://www.literaturwelt.com/epochen/express.html" target="_blank">expressionistischen</a> Texten, die zur gleichen Zeit die Auseinandersetzung mit diesen Ph&#228;nomen suchen, die Zusammenhanglosigkeit als solche dar. Vielmehr schreibt er Texte, die ganz klar einer inneren Handlungslogik, folgen, in dieser Logik aber zu keinem logischen Ziel kommen, da Handlungen eben nicht mehr miteinander in klaren Ursache- und Wirkungszusammenh&#228;ngen verbunden sind. Es treffen unterschiedliche Logiken aufeinander, deren Begegnung aus Mangel an Zusammenhang oft zu keinem (erwartbaren) Ziel f&#252;hrt.</p>

<p>Es ist nicht nur die Abarbeitung des eigenen Verh&#228;ltnisses zum Vater in Kafkas Texten wirksam. Vielmehr steht Kafkas Auseinandersetzung mit sich selbst, seiner Zeit und auch seinem Vater im Zusammenhang mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Urbanisierung" target="_blank">Urbanisierung</a> des fr&#252;hen 20. Jahrhunderts. Er greift auf, was zu dieser Zeit als Grunderfahrung, z. B. auch von expressionistischen Autoren, sprachlich zum Ausdruck gebracht wird.</p>

<p>Doch w&#228;hrend bei diesen auf formaler, inhaltlicher und sprachlicher Ebene nach meinem Eindruck viele Autoren sehr &#228;hnlich klingen, zu einem Sprachrohr der Zeit der industriellen Massenproduktion wurden und selbst nur in Ans&#228;tzen eine individuelle literarische Sprache fanden, ging Kafka einen eigenen Weg.</p>

<p>W&#228;hrend viele Autoren dieser Zeit zivilisatorische Prozess der Industrialisierung und Urbanisierung mit mystisch aufgeladenen Bildern einer Apokalypse verbanden, zieht der „Wahnsinn“ bei Kafka leiser und nachhaltiger in Texte ein, die das Individuum nicht vor allem als Teil der Masse darstellen, der gegen&#252;ber der Moloch „Stadt“ wie eine „Person“ oder gar ein „Gott der Stadt“ (<a href="http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=19&amp;autorid=273">Heym</a>) auftritt, sondern das Individuum selbst wird in diesen Texten weiter ins Zentrum gestellt.</p>

<p>Dieses Individuum trifft auf die dem Wert des Individuums stark zuwider laufenden Ph&#228;nomene des Fremden in unmittelbarer Nachbarschaft („Der Nachbar“), der B&#252;rokratie und der Kraft entindividualisierter Regelsysteme („Vor dem Gesetz“, „Der Prozess“, „Das Urteil“), der Willk&#252;r („Das Schloss“, „Das Urteil“, „In der Strafkolonie“).</p>

<p>Es scheint mir zunehmend, als habe Kafkas Vater f&#252;r Kafka als Mensch und Schriftsteller vor allem deshalb eine solche Machtinstanz darstellen k&#246;nnen („Brief an den Vater“), da in ihm sich f&#252;r Kafka die Erfahrungen in seiner Zeit unmittelbar personalisierten. Kafkas Vater als eine Figur, die zugleich eine Metapher f&#252;r die Zeit ist, in der Kafka lebte und der diese Zeit selbst repr&#228;sentiert?</p>

<p>Heinrich Mann greift diesen wohl auch f&#252;r Kafka wirksamen Zeitgeist,  allerdings  im wilhelmischen Detuschland, in „<a href="http://logos.kulando.de/post/2009/08/07/heinrich-mann-der-untertan-analysen" target="_blank">Der Untertan</a>“ auf; die Expressionisten sehen die zerst&#246;rerische Kraft des Zusammentreffens absolutistischer Machtsystem und den kriegerischen M&#246;glichkeiten, die mit der Industrialisierung und der am Flie&#223;band produzierten Waffen voraus. Hesse greift in „<a href="http://www.hhesse.de/werk.php?load=demian" target="_blank">Demian</a>“ und in „Der Steppenwolf“ die Spannung auf, die Menschen mit starkem Individualisierungswillen in einer von der Anpassung lebenden Massengesellschaft erfahren. Und schon der 1901 ver&#246;ffentlichte Roman „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann, hat den Zerfall der vertrauten gesellschaftlichen Beziehungssysteme zum Thema.</p>

<p>In dieser Zeit gelang es Kafka eine eigene Sprache zu finden, die seine Wahrnehmung des fr&#252;hen 20. Jahrhunderts widerspiegelt, mit der er sich ganz und gar seinem Empfinden dieser Zeit hingab, ohne dass den Figuren seiner Texte eine Integration in diese Zeit gelingt.</p>

<p>Kafkas Figuren sind den Gegebenheiten ausgeliefert (z. B. in „Die Verwandlung“) und der Autor sucht f&#252;r sie keine „befriedigenden“ L&#246;sungen, sondern folgt den Erfahrungen dieser Figuren gnadenlos, ohne Besch&#246;nigung, ohne die sich aus diesen Erfahrungen ergebenden Spannungen aufzul&#246;sen.</p>

<p>Kafka trauert in seinen Werken weder den Verlusten des B&#252;rgertums in dieser Zeit hinterher, noch bietet er L&#246;sungen an, wie es sp&#228;ter z. B. Brecht mit seiner N&#228;he zu kommunistischen Idealen versucht. Und so ist der Zugang zu Kafkas Texten bis heute so schwierig wie aktuell: Leser dieser Texte werden selbst in die Spannung des Aushaltens unlogischer, kaum integrierbarer Zusammenh&#228;nge als Teil des Systems gestellt, in dem sich das Individuum oft kaum noch jenseits funktionaler Zusamenh&#228;nge als Individuum zu erfahren vermag – und gleichzeitig als Individuum auf nicht am Individuum sondern an Verwaltungsabl&#228;ufen orientierten Strukturen trifft, deren Logik vor allem darauf hin ausgerichtet ist, mit „Massen“ umzugehen.</p>

<p>Doch auch in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Masse_und_Macht" target="_blank">Massengesellschaft</a>, mit Massenproduktion, Massenkonsum, Massengeschmack, Massenmedien usw. erf&#228;hrt sich der einzelne Mensch nach wie vor als Individuum, das als solches wahrgenommen und behandelt werden will, sich aber zugleich als Massenph&#228;nomenen ausgeliefert erf&#228;hrt, die in die Spannung von Anpassung und &#220;berleben des Individuellen f&#252;hren.</p>

<p>Zwischen von Marken beherrschten Imagefragen und einer von solchen Imagefragen unabh&#228;ngig als Eigenwert erfahrbarer Individualit&#228;t scheint es kaum m&#246;glich, den Spagat der Integration all dieser Ph&#228;nomen in die eigene Pers&#246;nlichkeit zu leisten. Das Individuum, so scheint es, kann sich nur noch anpassen oder zum Au&#223;enseiter werden, der vielleicht die eigene Individualit&#228;t zu leben vermag, gleichzeitig aber den Gesetzen ausgeliefert ist, die diesem Streben nach Individualit&#228;t zuwider laufen und dennoch immer wieder genau diese versprechen; in der Werbung kann dies Tag f&#252;r Tag beobachtet werden.</p>

<p>Das Individuum wird, wie Gregor Samsa, zum „Insekt“, zu einem von den Ph&#228;nomenen der Masse entpersonalisiertem Wesen und scheitert gleichzeitig an der Forderung, gef&#228;lligst individuelle zu sein.</p>

<p>Hesse stellt in „Demian“ und in der „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Steppenwolf" target="_blank">Der Steppenwolf</a>“ Figuren dar, die als starke Individuen die Existenz des Au&#223;enseiters leben; Heinrich Mann stellt den angepassten Mitl&#228;ufer in „Der Untertan“ dar. Kafkas Figuren stehen zwischen diesen L&#246;sungsangeboten der beginnenden Massengesellschaft und stellen Spannungen derer dar, die weder zu blo&#223;en Mitl&#228;ufern werden noch die Existenz von Au&#223;enseitern „w&#228;hlen“ wollen und gerade so in die Situation geraten, die Eigenlogik der letztlich auf Anpassung hin ausgerichteten Gesellschaft mit aller Macht zu erfahren und so in die Rolle von Au&#223;enseitern gedr&#228;ngt zu werden, die aber doch eigentlich „dazu geh&#246;ren“ wollen.</p>

<p>In den vor 100 Jahren begonnenen Tageb&#252;chern Kafkas dr&#252;ckt sich dieser Kampf &#252;ber 14 Jahre hinweg in gr&#246;&#223;ter Intensit&#228;t aus. Seine Werke spiegeln die Spannungen wider, die Kafka selbst (er-)lebte und literarisch zum Ausdruck zu bringen vermochte. Es gelingt ihm, der sich ganz der Literatur verschrieben hatte und an anderen Arbeitsnotwendigkeiten litt, den Spannungen seiner Zeit eine eigene, unabh&#228;ngige Sprache zu geben.</p>

<p>In den seit Kafkas Schaffen vergangenen Jahrzehnten ist die Massengesellschaft nicht verschwunden. Die Herausforderungen an das Individuum sind in den vergangenen 100 Jahren nicht geringer geworden, das sich nach wie vor als Individuum in den Massen zu verlieren droht.</p>

<p>Kafka gibt dieser Spannung bis heute Sprache; er f&#252;hrt Leser bis heute in die fast unertr&#228;gliche Spannung des Individuums in der Masse hinein. Deshalb ist Kafka anstrengend. Deshalb ist er aber nach wie vor aktuell. Und wenn es die &#252;ber die Zeit eines Autors hinaus wirkende Aktualit&#228;t eines Autors ist, die ihn, so er in Sprache und Ausdruckskraft den Weg zur k&#252;nstlerischen Meisterschaft zu bew&#228;ltigen vermochte, zum Klassiker macht, bin ich gerne bereit, Franz Kafka als einen der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen. Kafka ist ein Klassiker deutschsprachiger Literatur und weit &#252;ber den deutschen Sprachraum hinaus.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<pubDate>Wed, 02 Jul 2008 22:16:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[»Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Tr&#228;umen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten R&#252;cken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gew&#246;lbten, braunen, von &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/07/03/happy-birthday-to-franz/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>»Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Tr&#228;umen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten R&#252;cken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gew&#246;lbten, braunen, von bogenf&#246;rmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen H&#246;he sich die Bettdecke, zum g&#228;nzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kl&#228;glich d&#252;nnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen.«</blockquote>

<p>Kann ein Mensch solche Zeilen schreiben, ohne in den Verdacht zu geraten, <a href="http://lexikon.meyers.de/meyers/Psychedelisch" target="_blank">psychedelisch</a>e Substanzen eingesetzt zu haben?</p>

<p>Ganz klar, das ist eine rhetorische Frage <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  – Ja, er kann, auch wenn in diesem Fall m&#246;glicherweise der Mangel an Schlaf des Mitarbeiters einer <a title="Allgemeine Unfallversicherungsanstalt" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Unfallversicherungsanstalt" target="_blank">Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt</a> bei seinen n&#228;chtlichen Schreiborgien zu dem einen oder anderen Trancezustand gef&#252;hrt haben mag, in deren Folge dann die »verr&#252;ckten« Geschichten Franz Kafkas entstanden sind: Geschichten, die den Blick auf die Realit&#228;t verr&#252;cken, um die Wirklichkeit zu erfassen, der sich Kafka ausgesetzt sah. Dass er dies mit gro&#223;em k&#252;nstlerischen Willen tat, mit stilistischem Ehrgeiz und sprachlichem Perfektionstrieb, hat aus dem schm&#228;chtigen Mann einen gewichtigen Schriftsteller gemacht.</p>

<p>Heute vor 125 Jahren, am 03. Juli 1883, wurde Franz Kafka in Prag geboren. Vierzig Jahre und elf Monate sp&#228;ter starb er schon. Alt ist Kafka nicht geworden. Das h&#228;lt seine Texte jung und ich wage die Prognose, dass Kafkas Texte immer noch gelesen werden, wenn die meisten Schriftsteller der Gegenwart l&#228;ngst in Vergessenheit geraten sein werden.</p>

<blockquote>»Ein Buch muss die Axt sein f&#252;r das gefrorene Meer in uns.« &#8211; Aus einem Brief Kafkas vom 27. Januar 1904</blockquote>

<p>Lasse ich also diese Axt zuschlagen, die Kafkas Texte selbst sind. Und so wie Kafkas Geist nachts &#252;ber Texten br&#252;tete, so nutze ich diese Nacht, mich seines Geburtstages zu erinnern: Happy Birthday, Franz!<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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