Vom Interpretieren literarischer Texte

Beim Interpretieren literarischer Texte steht die Vermittlung des individuellen Leseeindrucks im Zentrum.

Das, was ich beim Lesen entdecke, soll anderen transparent werden.

Es geht nicht zuerst darum, was der Autor sagen wollte; das ist eine nachgelagerten Frage, die literaturwissenschaftlich interessant sein mag, aber beim literarischen Lesen den Fokus verschiebt.

Wenn ich lese, dann geht es um niemanden anderen als um mich als Leser.

Für nichts, was ich als Leser mit einem Text erlebe, muss ich mich irgendwo rechtfertigen. Sogar die Erfahrung, einem Text die Rezeption zu verweigern, muss ich als Leser nicht rechtfertigen. Ich darf natürlich auch nicht lesen. – Es ist allerdings ein Unterschied, ob ein Leser nicht liest oder jemand so grundsätzlich nicht liest, dass er oder sie nicht als Leser oder Leserin bezeichnet werden kann.

Zurück aber zu dem, was es mit der Interpretation eines Textes auf sich hat.

Natürlich bin ich diesem Thema auch in meiner Rolle als Lehrer begegnet: Immer dann, wenn ich Schülerinnen und Schülern nahezulegen versuche, die je eigenen Leseeindrücke als Zugang zu einem Text zu nutzen.

Es ist fast in jeder Klasse das gleiche Phänomen: Frage ich, was beim Lesen der erste Zugang zum Text sei, bekomme ich in unterschiedlicher Reihenfolge doch immer die gleichen Antworten.

  • Man müsse zunächst den Text verstehen.

Damit ist oft nicht gemeint, dass der Text in schwieriger Sprache verfasst ist, gemeint ist wirklich nur das rein inhaltliche Verstehen. Das ist zwar wichtig, aber einen Eindruck von einem Text kann ich schon haben, wenn ich den Text noch nicht »verstanden« habe.

  • Man müsse den Text vor einem Epochenhintergrund sehen und ihn vor diesem zu verstehen versuchen.

Dagegen habe ich, das gilt übrigens für jede hier genannte Antwort, gar nichts einzuwenden. Aber sorry, wenn ich lese, dann passiert etwas zwischen dem Text und mir. Hier. Heute. In der Gegenwart. Die Epoche, aus der ein literarischer Text stammt, ist mir als Leser beim Lesen bis auf Weiteres egal. – Ich halte es entsprechend für keinen Zufall, dass eines meiner Lieblingswerke, Goethes Faust, sich ebenso jeder klaren Epochenzuweisung entzieht, wie das auch bei Shakespeare, Dante, Kleist, Kafka und anderen Giganten der Literatur der Fall ist.

Die ganz große Literatur ist kein Epochenphänomen, sondern entfaltet sich in ihrem Reichtum erst in den Erfahrungen, die Leser unterschiedlichster Epochen mit diesen Werken machen. Entsprechend emanzipieren sich solche Werke auch von ihren Autoren, sodass die Frage, was die Autoren mit Ihnen wollten, wirklich nur noch literaturhistorischer Natur ist. – Mich als Leser interessiert sie nicht. (Als Literaturwissenschaftler hingegen finde ich die Frage durchaus interessant, aber hier geht es um den Leser, der Literatur als Gegenstand persönlicher Begegnung mit dem Werk betrachtet.)

  • Man müsse den Text analysieren, um einen Zugang zu bekommen.

Vor allem, wenn ich mit Schülern und Schülerinnen Gedichte lese, bekomme ich diese Antwort. Vielleicht fällt die Beschäftigung mit Gedichten vielen Schülerinnen und vor allem Schülern deshalb so schwer, weil man die Gedichte gleich verstehen will, statt sie erst einmal auf sich wirken zu lassen und darauf zu achten, was zwischen dem Gedicht und mir als Leser so passiert, zunächst völlig unabhängig von irgendeinem »Veratehen« des Gedichts. Erst, wenn ich mich auf die Suche nach den Gründen mache, was das, was ich mit einem Gedicht (nicht) erlebe, verursachen könnte, kann eine formale Analyse sinnvoll sein. Aber erst dann und wirklich in Bezug auf den Inhalt.

Formale Analysen mögen zeigen, dass jemand Stilmittel zu erkennen gelernt hat, aber zum Veratehen eines Texte tragen sie nur etwas bei, wenn sie auf den Inhalt bezogen werden und möglicherweise Schichten des Verstehens freilegen, die der erste Leseeindruck nicht wahrgenommen hat, die den Leseeindruck vertiefen oder völlig verändern. – So ernst ich den ersten Leseeindruck auch nehme, so bedeutet das nicht, dass dieser sich bei der Beschäftigung mit einem literarischen Text nicht noch verändern kann. Es ist sogar möglich, dass ein erster Leseeindruck bei genauerem Hinsehen an einem literarischen Text nicht belegt werden kann, entsprechend falsch war und korrigiert werden muss.

Es ist eine Herausforderung, Schülern, Schülerinnen und auch anderen Lesenden, die sich interpretierend mit Texten befassen, nahezubringen, dass sie nicht gleich mit den oben skizzierten Antworten an einen Text herangehen, sondern zunächst wirklich darauf zu achten, was zwischen ihnen als individuell Lesenden und einem literarischen Text passiert. Einen Text schriftlich zu interpretieren ist dann nichts anderes, als den eigenen Leseeindruck für andere zugänglich, verständlich, nachvollziehbar zu machen, indem ich ihn verschriftliche.

Dabei überprüfe ich meinen Leseeindruck auch, den ich zu diesem Zwecke in eine Interpretationshypothese gefasst habe, um am Ende mein Leseverständnis nachvollziehbar dargelegt zu haben, um es für mich selbst und gegebenenfalls andere vertieft oder vielleicht auch verworfen zu haben, um zu einem anderen Verstehen des Textes zu gelangen.

Aber auch hier gilt: Wenn nicht literaturwissenschftliche Perspektiven andere Zugangsweisen fordern, fahre ich in der interpretierenden (schriftlichen) Auseinandersetzung mit einem Text immer gut, wenn ich meinen individuellen Leseeindruck solange wie möglich ernst nehme und diesen transparent zu machen versuche. In den meisten Fällen führt dieser Zugang zum Text weiter, als nach Intentionen von Autoren oder epochetypischen Anliegen von Literatur zu fragen. Und für Leser solcher Interpretationen führt dieser Zugang oft auch zu interessanteren Texten.

Die Bedeutung von Literatur liegt unter anderem in den unterschiedlichen Formen ihrer Wahrnehmung durch einzelne Lesende in Epochen und über Epochen hinweg. Vor diesem Hintergrund ist dann meine schriftliche Auseinandersetzung mit einem literarischen Text, die von meinem Leseeindruck ausgeht, für die Bedeutung eines Textes relevant. So übersteigt die schriftliche Fassung meines Leseeindrucks dann mich als Individuum und geht in den Fluss des Verstehens eines Textes über Raum und Zeit hinweg mit ein. Und das ist ja auch keine schlechte Perspektive.

Vom Beruf und dem Privatleben im Lehrerberuf (#EDchatDE)

Ob und wie man als Lehrer Arbeit und Privatleben trennen könne, solle oder vielleicht sogar müsse, wird beim nächsten EDchatDE am 24. Februar 2015 Thema sein. – Voraussetzung für dieses Thema ist, dass dahinter tatsächlich eine Frage steht, die relevant ist. Dies soll hier reflektiert werden.

Lehrer und Lehrerinnen sind in einer besonderen Berufssituation: Selbst wenn sie wollten, könnten Sie ihre Arbeitszeit unter den aktuellen Bedingungen in der Regel nicht in der Schule verbringen; es fehlt dort einfach an echten Arbeitsplätzen. Es gibt sogar Schulen, an denen sich mehrere Lehrer einen Sitzplatz im Lehrerzimmer teilen, weil es nicht genügend Plätze gibt.  Diese Plätze sind dann vielleicht 50 cm breit. Einen Dienstrechnern für jede Lehrkraft gibt es nicht; längst gibt es nicht wenigstens in jedem Lehrerzimmer WLan und die Zahl der verfügbaren Dienstrechner liegt in gar nicht so ungünstigen Situationen bei irgendwas um die 10% der an einer Schule arbeitenden Lehrkräfte, meist aber deutlich darunter.

Es wird vorausgesetzt, dass Lehrkräfte zuhause arbeiten. Sie müssen dort einen Arbeitsplatz haben, der hoffentlich ungestörtes Arbeiten ermöglicht, was gerade bei Lehrkräften mit Kinder in der Regel bedeutet, dass eine solche ungestörte Arbeit erst möglich ist, wenn die Kinder schon schlafen oder noch in der Tagesbetreuung sind, was aber wiederum  nur funktioniert, wenn ein Lehrer keinen Nachmittagsunterricht hat, was an immer mehr Schulen immer seltener wird.

Privatleben und Arbeit von Lehrkräften sind eng miteinander verbunden und beides konkurriert nicht selten miteinander.

Sitzt die Lehrkraft dann endlich am Schreibtisch und kommt zum Arbeiten, dann wird es gerne später, dann schmilzt die für den Schlaf zur Verfügung stehende Zeit schnell zusammen. – Damit aber die Übermüdung in der Woche nicht überhand nimmt, wird das Wochenende eben zusätzlich genutzt. – In den Ferien sind häufig Korrekturen zu erstellen, wird an Projekten der Schulentwicklung intensiver gearbeitet, plant man Unterricht. Und wenn Kinder im Haushalt sind, haben die Kindertageseinrichtungen ihre Schließzeiten auch in den Ferien, sodass die Arbeit dann wieder vermehrt in den Abend oder die frühen Morgenstunden wandert.

Nicht wenige Lehrkräfte wohnen zumindest in Großstädten nicht ganz zufällig eher außerhalb des Einzugsbereichs ihrer Schule, aber doch möglichst so, dass sie den Arbeitsplatz einigermaßen gut erreichen können. Wohnt man aber im Einzugsbereich der Schule, trifft man im Alltag des Öfteren Schülerinnen, Schüler, Eltern; man weiß nie, ob zufällig jemand aus dem Fenster schaut und einen vorbeigehen sieht, wenn man im Stadtteil unterwegs ist. – Damit sind zwar in der Regel keine Probleme verbunden, aber es muss der Lehrkraft klar sein: Sie wird von Schülern oder Eltern nie (nur) als Privatperson wahrgenommen.

Entsprechend schwierig ist es, als Lehrer oder Lehrerin die Arbeit und das Privatleben zu trennen.

Diese Situation wird noch verschärft, wenn persönliche Interessen sowohl privater als auch beruflicher Natur sind. Wenn ein von Literatur begeisterter Mensch auch noch Deutschlehrer ist oder eine Fremdsprache unterrichtet, ist die Auseinandersetzung mit Literatur nie nur persönlicher oder nur dienstlicher Natur. Wenn ein Sportlehrer seine Disziplinen trainiert, hat das nicht automatisch einen rein privaten Charakter. Überhaupt bietet der Lehrberuf an vielen Stellen Anknüpfungspunkte mit Hobbys und Interessen, sodass Beruf und Freizeit oft kaum scharf zu trennen sind.

Will man einen Beruf, in dem Arbeits- und Freizeit durch klare Vorgaben voneinander getrennt sind, dann ist der Lehrberuf sicher ein völlig ungeeigneter Beruf. Und selbst die anscheinend üppigen Ferien täuschen, denn Lehrkräfte haben genauso eine vorgegebene Zahl an Tagen Erholungsurlaub, wie jeder Arbeitnehmer. Dieser Erholungsurlaub ist in den Ferien zu nehmen. Gut, man muss ihn nicht beantragen, wenn er in den Ferien liegt und man kann in den Ferien auch an anderen Orten arbeiten. Um aber auf die zustehende Tage Erholungsurlaub zu kommen, bedarf es bei mancher Lehrkraft durchaus ein gehörig Maß an Selbstdisziplin, konträr zu allen Vorstellungen von Lehrkräften, denen man soviel freie Zeit unterstellt, weil deren Arbeit in der Regel nur in geringen Teilen sichtbar ist.

Die Trennung von Beruf und Privatleben ist im Lehrberuf also schwierig, vielleicht gar nicht möglich. Entsprechend gilt es, dieses Leben so zu gestalten, dass genügend Erholungsphasen eingehalten werden, um den Beruf langfristig angemessen ausüben zu können. Das bedeutet aber nicht, dass man kein Privatleben habe. Dieses muss man gegebenenfalls einfordern. So passiert es schon einmal, dass man in der Stadt Schüler trifft, die etwas mit schulischem Bezug fragen. Gegebenenfalls muss man kurz darauf hinweisen, dass man gerade nicht ansprechbar ist, was normalerweise sofort akzeptiert wird, oder eben die Frage knapp beantworten.

Diese vielleicht gar nicht mögliche Trennung von Beruf und Privatleben mag für viele zunächst erschreckend klingen. Mit ihr verbunden ist aber auch, dass man idealerweise das Privileg hat, einen Beruf auszuüben, der an vielen Stellen mit Interessen des nichtschulischen Lebens verknüpft ist. Einen Beruf auszuüben, in dem meine Interessen und berufliche Erfordernisse eng miteinander verbunden sind, erlebe ich tatsächlich eher bereichernd als belastend.

Voraussetzung für eine solche positive Grundeinstellung ist aber dennoch, dass man sich eine professionelle Nähe und Distanz zu den Schülerinnen, Schülern und deren Eltern bewahrt. Zudem gilt es, den Alltag so zu gestalten, dass man entsprechende Vorsorge gegen die in diesem Beruf durchaus lauernde Burn-Out-Gefahr betreibt.

Was kann man tun, um in einem Beruf, der eben nicht nur fachliche Qualifikationen fordert, fit zu bleiben. Wie kann mit dem Stress umgegangen werden, der mit schwierigen Schülern und Eltern und Kollegen verbunden ist? Wie kann man mit administrativen Pflichten umgehen, wie Inklusion leisten, den Stoff in seiner Fülle unterbringen, wie die in manchen Phasen des Schuljahres überbordenden Korrekturen bewältigen?

Neben hohe fachliche Kompetenz muss hohe pädagogische Kompetenz treten, um professionell nicht nur mit besonders fordernden pädagogischen Situationen umgehen zu können. Aus dieser Kompetenz erwächst das nötige Selbstvertrauen, die konkreten Begegnungen auf allen Ebenen professionell zu gestalten. Übertriebene Identifizierung, die zu starkem emotionalen Mitleiden führt, ist dabei eher ein Zeichen dafür, dass der Prozess der Professionalisierung noch nicht abgeschlossen ist. Humor ist sicher nicht die schlechteste Strategie, angemessene Diatanz zu wahren.

Darüber hinaus muss man seine Energiereserven kennen und so mit ihnen umgehen, dass diese immer wieder erneuert werden. Dabei können Bewegung und Praktiken der Meditation helfen. Aber nicht nur auf Bewegung kommt es an, sondern auch auf Genussfähigkeit, die z. B. ermöglicht, als Deutschlehrer ein Theaterstück nicht in den Blick unterrichtlicher Verwertbarkeit zu nehmen, sondern als solches „einfach“ zu genießen.

Professionalität bedeutet beim Lehrer nicht nur, professionell den Arbeitsalltag zu gestalten. Die professionelle Gestaltung der kaum einmal sich auflösenden Verbindung von Beruf und Privatleben ist ebenso Teil dieser Professionalität. Das Ziel muss der Erhalt der Freude an der Arbeit und entsprechend die Reduktion von Burn-Out-Risiken sein, soweit es in der jeweils eigenen Macht steht.

Ein Dokument zu den besonderen Belastungen im Lehrberuf und deren Bearbeitung aus medizinische Sicht gibt es als Download auf der Website der Schulberatung Bayern, das ich hier gerne verlinke (PDF).

Leitmedienwechsel und Lernpraxis

Im Rahmen einer Artikelserie unter der Überschrift „Wie wird die Schule 2021 aussehen?“ hatte  die Initiative „Schulen ans Netz“ mich 2011 eingeladen, einen Beitrag zu verfassen. Schulen ans Netz hat  Ende 2012 seinen Dienst eingestellt. Den dort im Februar 2012 erschienenen Beitrag mache ich hier nun wieder – ohne Überarbeitungen – zugänglich. 

Torsten Larbig: Leitmedienwechsel und Lernpraxis

Die Grenzen der Vorhersehbarkeit

Schulen haben angesichts eines Leitmedienwechsels hin zum Digitalen in den nächsten zehn Jahren enorme Aufgaben zu bewältigen. Sowohl Widerstände in den Schulen als auch die akuten ökonomischen Risiken, mit denen die Haushalte der Länder und des Bundes belastet sind, könnten zum Scheitern führen. Doch wenn die Bewältigung dieser Aufgaben gelingt, dann hat Schule in zehn Jahren akzeptiert, dass sich das Lernen angesichts digitaler Entwicklungen verändert. Entsprechende Didaktiken und Methodiken wären dann 2021 in den Schulalltag integriert.

Leitmedienwechsel zwischen Widerstand und Selbstverständlichkeit

Im Idealfall hat Schule dann aufgehört, der technischen Entwicklung hinterherzulaufen und dabei viel zu viel Energie für den Kampf um den erlaubten oder unerlaubten Einsatz digitaler Medien im und für den Lernprozess zu verschwenden.

Statt den Einsatz digitaler Technologien zu verhindern, werden Schulen und Lehrer diese Technologien in aller Selbstverständlichkeit in ihre Arbeit integriert haben und zu einem Ausgleich zwischen analogen und digitalen Lerntechniken kommen. Es geht um die Möglichkeiten des Phasenwechsels im Lernprozess, denn Monokulturen sind auf Dauer den Strukturen von Mischkulturen unterlegen.

Lerntypen ernstnehmen!

In den nächsten zehn Jahren wird es darum gehen, Konzepte zu entwickeln, die die unterschiedlichen Lerntypen nicht nur als visuelle, auditive, haptische, sondern auch als analoge und digitale ernst nehmen und methodisch-didaktisch berücksichtigen.

Misch- vs. Monokultur

Während bislang eher auf Totaldigitalisierung gesetzt oder dieser heftig widersprochen wurde, wird die Schule in zehn Jahren im Idealfall entspannt mit dieser Frage umgehen können, weil digitale Geräte neben Stift, Papier und Büchern eingesetzt werden, – auch wenn ich davon ausgehe, dass digitale Endgeräte sich für viele Lernzwecke als überlegen erweisen werden.

Sicherlich wird, wo immer es möglich ist, das Lernmaterial in digitaler Form vorliegen, schon alleine um die Schultaschen zu erleichtern.

Gleichzeitig werden produktive und die Eigentätigkeit fördernde Methoden nach wie vor eine wichtige Rolle spielen: Experimente im mathematisch-naturwissenschaftlichem Unterricht, kreative Entdeckungsreisen durch literarische Werke, Exkursionen, Forschungsprojekte, die die Interessen der Schüler berücksichtigen.

Kollaboration und Feedback-Kultur

Schüler nutzen zukünftig wesentlich häufiger eigenständig Kollaboration unterstützende Programme, wie sie heute als Etherpad oder bei Google Docs bereits verfügbar sind. Dabei werden die Arbeitsprozesse permanent dokumentiert und es geht kaum noch etwas verloren. Lehrer loggen sich in diese Arbeitsprozesse ein, beobachten, kommentieren, geben Tipps, kritisieren etc. Die Feedback-Kultur wird auf diesem Wege kontinuierlicher und sachbezogener als zum Beispiel bei der herkömmlichen Gruppenarbeit, die Lehrende eher bruchstückhaft begleiten können.

Die digitalen Technologien müssen dabei nicht zu einer Omnipräsenz der Lehrenden führen, weil sich die Feedback-Kultur zwischen den Lernenden verändern wird. Wechselseitiges Feedback wird ein selbstverständlicher Teil des Lernens sein. Lehrer müssen diese Feedbackprozesse häufig nur noch beobachten, sich aber nicht immer selbst einklinken.

Lehrer werden nicht überflüssig

Dennoch wird die Expertise von Lehrenden auch in zehn Jahren eine zentrale Rolle spielen. Es wird weiter Instruktionen geben, Lehrende werden weiter ihr Fachwissen einbringen müssen, ihre Leidenschaft für ein Fach wahrnehmbar machen, denn Lernprozesse sind Prozesse personaler Art. Ein Lehrer, der in seinen Fächer kompetent ist und pädagogisch professionell arbeitet, wird auch noch in zehn Jahren ein wichtiger Teil gelingender Lernprozesse sein.

Außerdem können pädagogische Lernprozesse nicht digitalisiert werden. Wie Menschen zusammen leben, arbeiten, sich austauschen, streiten können, muss nach wie vor im Rahmen von Erziehung gelernt werden – entsprechend wird der Erziehungsauftrag der Schule nach wie vor eine zentrale Rolle spielen.

Vernetzte Lehrer

Lehrer werden zukünftig wesentlich häufiger vernetzt arbeiten. Viele werden darüber hinaus im Netz präsent sein, die einen als Lehrer, die anderen eher privat, aber dennoch themenbezogen.

Auch die Arbeitsweise der Lehrer wird sich verändern. In zehn Jahren werden Tools zur digitalen Schülerverwaltung und Unterrichtsvorbereitung, -gestaltung und -evaluation von den Schulträgern verfügbar gemacht, die die Frage des Datenschutzes so lösen, dass sie in den verwendeten Systeme integriert beantwortet wird. Lehrer werden mit den Systemen arbeiten, für die sicheren Strukturen im Hintergrund sorgt der Schulträger, wobei er vor allem darauf achtet, dass die Strukturen plattformunabhänig funktionieren und idealerweise mit „freien“ Lizenzen verfügbar gemacht werden.

Diese Systeme werden auch die Kooperation von Lehrenden, den Austausch von Unterrichtsmaterial etc. ermöglichen und sicherstellen, dass Lehrende, die ihr Unterrichtsmaterial als freies Lernmaterial im Sinne von „Open Educational Resources“ verfügbar machen, angemessen honoriert werden.

Grenzen und Gefahren

„Schule“ wird in zehn Jahren sicherlich nach wie vor Gebäude bezeichnen. Strukturell aber wird Schule noch weitaus differenzierter sein, als sie es bereits heute ist, denn sie wird durch digitale Technologien umfassender. Das bedeutet für Lehrer und Schüler, dass sich sichtbare Arbeit nicht auf die Präsenzzeit im Schulgebäude beschränkt, sondern über dieses hinaus ihren Raum finden kann.

Dennoch darf Schule nicht zu einem überbordenden Anspruch an Schüler und Lehrer werden. Es müssen auch Grenzen gezogen werden.

Es Kulturen des „Offline-Seins“ müssen etabliert werden, die es zu lernen gilt, sowohl für Lehrer, und Schüler als auch für Eltern. Weder dürfen Lehrer erwarten, dass Schüler „ständig“ online sind und arbeiten, noch dürfen sich Lehrern dem Anspruch gegenübersehen, dass sie mittels digitaler Kanäle rund um die Uhr erreichbar sind.

 

[Info-Box]

Torsten Larbig ist Gymnasiallehrer in Frankfurt am Main. Er unterrichtet Deutsch und katholische Religion. Sein privates Blog herrlarbig.de ist seit Juli 2008 online und bietet unter anderem Texte und Bilder zu unterschiedlichsten Fragestellungen rund um Literatur, Zeitgeschichte, Fragen des (digitalen) Leitmedienwechsels und des Lernens.

 

[Weiterführende Links]

Blog: herrlarbig

http://www.herrlarbig.de/

Twitter: @herrlarbig

https://twitter.com/#!/herrlarbig

Im Alltag bloggen und 13 Tipps für Blogger

Die Frage, wie ich das mit dem Bloggen in meinem Alltag unter bekomme, taucht so regelmäßig auf, dass es Zeit ist, mir selbst einmal schriftlich darüber Rechenschaft zu geben.

Wie geht das, einen durchaus mehr als die regulär abverlangten 42 Wochenstunden fordernden Beruf mit dem auf den ersten Blick auch sehr zeitaufwendigen Hobby des Bloggens zu verbinden?

Blicke ich zur Beantwortung der Frage auf die nunmehr fast sechs Jahre meines Bloggerlebens zurück, so fällt mir zunächst auf, dass die in dieser Zeit entstandenen Inhalte (Fotos, Audioaufnahmen, Texte … ) ein Vielfaches von den veröffentlichen Inhalten ausmachen. – Naheliegend ist da der Hinweis, dass das Blog nicht das Ziel meines Schreibens ist, sondern ein Nebenprodukt meiner Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit in Form von Fotos, Tonaufnahmen (Podcast) und eben Texten. Einzelne Inhalte finden ihren Weg in das Blog. Somit ist das Blog selbst vom darauf verwendeten Zeitbudget gar nicht ein so großer Posten, der in die Summe der verfügbaren (Frei)Zeit einzubinden ist.

Das Blog ist eine Spielwiese, ohne Ziel, aber öffentlich.

Das Blog ist der Ort, an dem ich Inhalte verfügbar mache, die in anderen Zusammenhängen entstanden sind. Nur selten (früher häufiger als heute) sind Texte mit dem Ziel erstellt worden, dass sie ins Blog sollen.

Das bedeutet nicht, dass die Notiz, die zum Blogbeitrag wird, unbearbeitet online ginge. – Komme ich zu dem Schluss, dass ich einen Text aus meinem (digitalen) Notizbuch in das Blog setzen will, dann geht es (heute häufiger als früher) an die Überarbeitung: Es wird (unterschiedlich erfolgreich) Korrektur gelesen, an der einen oder anderen Stelle werden Sätze umgebaut, Absätze aus der Ursprungsnotiz rausgeworfen, neue Absätze eingefügt, die es einem Außenstehenden leichter machen, den Text zu verstehen. Zudem werden immer mal wieder zum Beitrag passende Links gesucht und an passender Stelle ergänzt. – Und dann geht der Text raus.

Dieses Blog wäre anders denn als Nebenprodukt für mich als einzelne Person nicht machbar. Da ich 2008 nicht erwartet hatte, dass dieses Blog eine allzu lange Lebensdauer haben würde, hatte ich auch keine weiteren Ziele, als mittels dieses Blogs ein wenig Erfahrungen zu sammeln, wie das mit dem Publizieren im Netz eigentlich funktioniert.

Das Blog gibt es nach wie vor.

Das liegt unter anderem daran, dass es nach wie vor Notizen gibt, die als Keimzellen von Inhalten und als Gedächtnisstütze kontinuierlich entstehen.

Ich habe immer mein Notizbuch dabei. Bei mir ist mittlerweile fast ausschließlich ein digitales Notizbuch.

Wenn ein Gedanke kommt, ich eine Beobachtung mache oder ich den Eindruck habe, ich müsste über eine Fragestellung einmal genauer nachdenken, kommt dieses „Notizbuch“ ins Spiel. Es ist das Zentrum meines Nachdenkens, meines „Dialogs mit der Wirklichkeit“, aus dem sich Erfahrungen entwickeln. Diese Erfahrungen stehen mir dann für den weiteren „Dialog mit der Wirklichkeit“ zur Verfügung.

Das ist mein Weg des Bloggens. – Da dieser nicht ganz ohne externe Wahrnehmung geblieben ist, werde ich heute nicht mehr nur gefragt, wie ich das mit dem Bloggen in meinem Alltag unter bekomme, sondern auch, ob ich nicht ein paar Tipps hätte, die man als Blogger, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener, beachten sollte.

Deshalb habe ich angefangen solche Tipps – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – zu sammeln. Diese Tipps beziehen sich vor allem auf Blogs ohne kommerzielle Ambitionen.

  1. Mache dir keine Gedanken darüber, was gute Voraussetzungen für das Bloggen sind, sondern blogge los.
  2. Wenn du losbloggst, kannst du fast alle Fettnäpfchen umschiffen, wenn du nur schreibst, was du auch öffentlich Menschen ins Gesicht sagen würdest.
  3. Produziere deine eigenen Inhalte, dann bekommst du auch keinen Ärger mit dem Urheberrecht.
  4. Nutze Inhalte Dritter nur, wenn du dir sicher bist, dass du das darfst. Ansonsten verlinke auf diese Inhalte, denn das darfst du immer, vorausgesetzt, es handelt sich nicht um Inhalte, die strafrechtlich relevant sind.
  5. Sieh ein Blog als den Ort, an dem du ausführliche Inhalte veröffentlichen kannst und vernetze dich über andere soziale Netzwerke. (Ich habe mich da für Twitter und im reduzierteren Maße für Google+ entschieden.)
  6. Dein Blog wird nicht gelesen, wenn du nicht davon erzählst.
  7. Mach keine „Suchmaschinenoptimierung“. Die beste Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist nach wie vor, gute Inhalte bereitzustellen.
  8. Warte nicht, bis du Ideen für Blogartikel hast, sondern mach das Schreiben zu einem Bestandteil deines Lebens und wähle dann aus den entstehenden Inhalten aus, was du in das Blog setzen magst und was nicht.
  9. Lies andere Blogs, auch solche, die mit deinen Themen nichts zu tun haben.
  10. Mach, was du willst und nicht das, von dem du vermutest, dass es andere gut finden.
  11. Wundere dich täglich darüber, dass es Leser gibt, die dein Blog finden und vielleicht sogar lesen. (Wenn das denn der Fall ist 😉 )
  12. Mache dir keine Vorgaben, wie oft du bloggen willst; behalte aber dennoch dein schlechtes Gewissen, wenn schon wieder eine Woche ohne Blogartikel vorbei gegangen ist: Nicht, weil jemand von dir erwarten würde, dass du häufiger publizierst, sondern weil du wahrscheinlich schon wieder einmal weniger geschrieben hast, als möglich wäre.
  13. Mache dir keine Gedanken darüber, was gute Voraussetzungen für das Bloggen sind, sondern blogge los.

Wenn du bloggst, schreibe doch einmal auf, wie du das Blog in deinen Alltag integrierst. Das kannst du hier als Kommentar oder in deinem eigenen Blog tun.

Wenn du weitere Tipps hast, wie das mit dem Bloggen für den Autor (und möglicherweise auch für dessen Leser) eine bereichernde Tätigkeit sein / werden kann, freue ich mich über Ergänzungen im Kommentarteil oder in deinem eigenen Blog.

Lehrerblogs sind tot.

Blogs sind schon seit drei Jahren tot. Möglicherweise sind Blogs aber auch erst seit Weihnachten 2013 tot. – Wer daran glauben mag, kann an dieser Stelle aufhören, diesen Artikel zu lesen.

Wer jetzt weiterliest, vertritt möglicherweise die Position, dass das mit dem Schwarz und Weiß bei Formen des Auftretens im Internet ganz so einfach dann doch nicht ist. Nach wie vor gibt es Leute, die Blogs schreiben, die mit ihren Inhalten nicht in geschlossene Biotope sozialer Netzwerke abwandern – und gelesen werden.

Sicher: Das mit dem Bloggen ist harte Arbeit. So etwas hält nicht jeder über einen längeren Zeitraum durch. Manch einer schätzt da die interaktivere Form sozialer Netzwerke, in die eher knappere Beiträge eingebracht werden.

Aber es gibt nach wie vor immer wieder neue Blogs und damit auch neue Blogger.

In den vergangenen Jahren sind pro Jahr ca. 15 bis 20 neue Blogs von Lehrern entstanden, glaubt man der Aufstellung der Lehrerblogs, die seit ein paar Tagen bei der „Zentrale für Unterrichtsmedien“ (ZUM) zu finden ist. Beginnend mit dem Jahre 2000 sind da zur Zeit etwa 170 Blogs verzeichnet, die als Lehrerblogs bezeichnet werden.

Es gibt in Deutschland ca. 800.000 Lehrer und Lehrerinnen an allgemeinbildenden Schulen.

Das Lehrerblog muss man also nicht für tot erklären.

Es hat nie gelebt.

Bei ca. 800.000 Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland ist das sich explizit als Lehrerblog sehende Blog eine marginale Erscheinung, sodass man eigentlich nur dann glauben kann, es sei etwas lebendiges, wenn man sich innerhalb dieser kleinen Gruppe von (mehr oder weniger) aktiven Bloggern bewegt und dabei durchaus ein wenig Nabelschau und Selbstbespiegelung betreibt.

Es ist ein kleiner Haufen von Geeks, die als Lehrer bloggen und das dann auch noch Lehrerblog nennen. – Das mit den „Geeks“ ist gar nicht so despektierlich gemeint, wie es klingen mag, denn der Autor dieser Zeilen gehört ja irgendwie auch zu dieser Gruppe dazu.

Wenn es nie eine Kultur der Lehrerblogs gab, dann hat dies möglicherweise unter anderem mit dieser Geek-Kultur zu tun: Man schmort im eigenen Saft, wählt untereinander das Lehrerblog des Jahres, wobei nur die Stimmen von ausgewiesenen Lehrerbloggern zugelassen werden, als rechne man gar nicht mehr damit, dass es eine Außenwirkung über die Lehrerblogger-Mini-Welt hinaus geben könnte, die sich möglicherweise auch in einer solchen Abstimmung widerspiegeln würde.

Frage ich im Lehrerzimmer, welche Lehrerblogs Lehrerkollegen kennen, bestätigt sich dieser Eindruck übrigens: Es ist eine marginale Bekanntheit, die Lehrerblogs unter Lehrern haben.

Und welche Lehrerblogs werden über Lehrerbloggerkreise hinaus im Internet wahrgenommen? – Es sind Lehrerblogs, die sehr lange aktiv sind oder die irgendwann mal irgendwo in den größeren Tagesmedien auftauchten; und es sind Blogger, die sich aktiv vernetzen, die die engen Grenzen derjenigen, die sich mit Blogs im Hintergrund in sozialen Netzwerken herumtreiben, aufbrechen wollen, um für die Sache Öffentlichkeit zu schaffen.

Das bedeutet ja nicht, dass man das „Geekige“ aufgeben müsste. Ich bin gerne (in gewissem Maße) „Geek“.

Nach nunmehr fast sechs Jahren als Blogger merke ich, dass ich zunehmend von deutschsprachigen Lehrerblogs abwandere und mehr und mehr englische Blogs und Websites rund um Schule und Bildung lese. Ich merke, dass ich neue Formen der Vernetzung pflege, weil ich weiß, dass Form und Inhalt zusammenhängen und ich endlich auch neue Inhalte will.

In den alten Formen (der Blogs) weiß ich zu oft schon bei der Überschrift, was anschließend zu erwarten ist. Selten werde ich da überrascht, angeregt, auf neue Ideen gebracht.

Wenn ich sage, dass Lehrerblogs tot sind, dann schließe ich natürlich mein eigenes mit ein, sehe ich mir an, wie viele Kommentare nicht geschrieben werden. In den meisten Blogs schreibe ich auch kaum noch Kommentare. Warum auch, wenn ein großer Teil der kontinuierlichen Diskussion auf Twitter läuft? Diskussionen erlebe ich in Twitter-Chats.

Also doch in soziale Netzwerke abwandern, was ich oben noch zwischen den Zeilen kritisiert habe?

Mitnichten. Ganz im Gegenteil. Ein Hoch auf den hiermit verkündeten Tod der Lehrerblogs, denn dieser gibt die Freiheit zurück, ein Blogger sein zu dürfen, der Lehrer ist und in seiner „Freizeit“ bloggt, wobei eben auch Themen rund um den Beruf einfließen. Denn in Wirklichkeit lese ich keine Blogs, weil jemand einen spannenden Beruf hat und diesen in einem Blog (ausschließlich) reflektiert. Ich lese Blogs, weil ich auf den von mir gelesenen Blogs für mich spannende Inhalte finde, die in der Regel von für mich spannenden Persönlichkeiten stammen, von denen einige dann auch noch Lehrer oder Lehrerin sind.

Natürlich kann es in einem von einem Lehrer betriebenen Blog auch um den Beruf und um Schule gehen. Deshalb lasse ich im Untertitel dieses Blogs das mit dem „Lehrerblog“ auch zwischen „Bildungs-Neuron“ und „etc.“ stehen. Aber ich habe mich nie auf den Beruf beschränkt und werde das auch in Zukunft nicht tun. Das gilt auch für meine Vernetzung, die nach wie vor vor allem über Twitter läuft. – Da geht es auch um Bildung, Schule, Unterricht, aber eben nicht nur.

Und nein: Wenn ich Lehrerblogs für tot erkläre, dann eben nicht, weil ich sie nicht zu schätzen wüsste, sondern als Aufruf, wieder mehr zu spielen, weniger mit den Blogs zu wollen. – Was das dann aber wieder für jeden Einzelnen heißt, der das Blog als eine Form seines Ausdrucks zu nutzen und zu schätzen weiß, muss jeder Einzelne selbst herausfinden. Denn das gehört auch zu lebendigen Blogs dazu: Jedes wird von der Person geprägt, die es schreibt, jedes besetzt eine eigene Nische, hat einen eigenen Stil und seinen eigenen Charakter.

Und damit ist es höchste Zeit, an die Regeln für Neuronen (nicht nur im Netz) zu erinnern, die Jean-Pol Martin formuliert hat und an die ich mich anlehne, wenn ich mich im Untertitel des Blogs als „Bildungs-Neuron“ bezeichne, das (auch) einen „Lehrerblog“ schreibt und sich die Freiheit für ein offenes „etc.“ nimmt.

Ich empfehle an dieser Stelle, die Lektüre im Netz bei Jean-Paul Martin fortzusetzen, neben den Regeln für Neuronen die „Basisregeln für Internet-Projekte“ zu verinnerlichen und mal wieder zur Kenntnis zu nehmen, was Jean-Paul Martin mit „Netzsensibiltät“ meint, über die auch in diesem Blog bereits nachgedacht wurde.

Lehrerblogs sind tot. Lassen wir sie als Knotenpunkte im neuronalen Netz des Internets wiedererstehen und zum Teil eines komplexen Ganzen werden, in dem „Lehrerblogs“ Teil eines Diskurses sind, der über „Lehrer“ und „Schule“ hinausgeht. In diesem Diskurs werden nicht nur die Stimmen von ausgewiesenen Lehrerbloggern zugelassen, sondern gerade das Übersteigen der Grenzen der „Lehrerblogs“ wird in ihm als notwendig angesehen. Neben die digitale Vernetzung in unterschiedlichste Richtungen tritt die breite Vernetzung in analogen Formen der Begegnung und des Diskurses.

Die Fortentwicklung des „Lehrerblogs“ ist der „vernetzte Lehrer“, in dessen Netzwerk das Blog ein Baustein unter vielen sein kann, der aber nicht unbedingt ein solches führen muss. Solche „vernetzten Lehrer“ sind regional, überregional und gegebenenfalls sogar überkontinental vernetzt. Man diskutiert miteinander, man arbeitet zusammen, man lernt andere Bildungssysteme und vieles darüber hinaus kennen.

Lehrerblogs sind tot.

Die Netzwerke vernetzter Lehrer (connected educators) aber sind quicklebendig.