Category Archives: Bilder mit Texten
Architektur in Frankfurt am Main – Der OpernTurm
Dieses Bild gefällt mir, so sehr es das Ergebnis eines Zweifels ist.
Was soll ich davon halten, fragte ich mich, dass da mitten in Frankfurt, direkt neben der Alten Oper, ein Hochhaus entstehen sollte, das mit seinen 170 Metern alles um sich herum erdrücken könnte?
Skeptisch sah ich den Bau, sah ich, wie sich er Beton mehr und mehr in die Höhe streckte, sah ich meine Befürchtungen Wirklichkeit werden. Das graue Betongerippe wirkte bedrohlich. – Um so erstaunlicher, wie der OpernTurm sich nun in das Stadtbild einfügt, seinen Ort neben der Alten Oper gefunden zu haben scheint.
Dennoch blieb da Fremdheit. Die strenge Symmetrie des Gebäudes, die sich aus Quadraten und Rechtecken als architektonischer Grundform ergibt, zog mich an und hielt mich gleichzeitig auf Distanz.
So sehr mir der neue OpernTurm – zu meiner eigenen Überraschung – gefällt, so ästhetisch kalt, anziehend, abstoßend, vertraut und fremd zugleich wirkt er auf mich als Bewohner dieser Stadt Frankfurt am Main.
Also nahm ich meinen Fotoapparat und versuchte auf diesem Wege, diesen zentral in der Stadt verorteten neuen Turm visuell und perspektivisch zu erkunden. Als ich da nun fotografierte, hatte ich immer stärkere Assoziationen in Richtung eines Raumschiffs, das hier in Frankfurt am Main gelandet ist und nun dort als Hochhaus steht. Diese Assoziation scheint die ambivalente Wahrnehmung des Gebäudes für mich widerzuspiegeln.
Nun galt es nur noch, diese Assoziation in ein Bild zu bekommen. In diesem Fall kam mir das Phänomen der „stürzenden Linien“ sehr entgegen, konnte ich es doch für meine Bildidee nutzen.
Ich versuchte also, die Symmetrie des Turms aufzugreifen, diese mit dem optischen Phänomen der stürzenden Linien zu kombinieren und so meine Wahrnehmung des Gebäudes in ein Bild zu bekommen.
Um zumindest aus meiner Sicht diesem Ziel abschließend so nah wie möglich zu kommen, waren noch zwei Arbeitsschritte nötig, die ich in der digitale „Dunkelkammer“ am Computer ging: Das Bild wurde in ein Schwarz-Weiß-Bild umgewandelt und um 180 Grad gedreht, sodass der Eindruck entstand, da schwebe tatsächlich ein Raumschiff über den schwarzen Blättern und nur andeutungsweise sichtbaren Bäumen.
Ob es gelungen ist, die ambivalente Wahrnehmung des Gebäudes fotografisch so umzusetzen, dass sie sich anderen aus diesem Bild erschließt, müssen andere entscheiden. Bei mir hat sich das Gefühl beim Betrachten des Bildes ein paar Monate nach seinem Entstehen wieder eingestellt. Aber das kann ja auch daran liegen, dass ich die Geschichte des Bildes einfach kenne – oder?
iPhone-Photographie – Ein erster Versuch
Wenn im Wort Bildung schon das „Bild“ vorhanden ist, dann ist es kein Widerspruch, dass ich auf dieser Website immer wieder auch Fotografien einbaue. Definiere ich „Bildung“ als die Fähigkeit zur reflexiven und gestaltenden Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, gehören Bilder hier erst recht mit hinein. Bei all der Theorie, die hier auch ihren Platz findet… Und die Bilder sollen gar nicht als eine metaphorische Illustration dienen, was Bildung bedeuten kann…
Bilder sind gestaltet. Bilder arbeiten mit den Möglichkeiten der Kamera. Und überraschenderweise beginne ich auch etwas freundlicher von Bildbearbeitungen zu denken, wobei ich mich immer im Rahmen der Möglichkeiten der eingesetzten Kameras bewegen will und andere Software als eine Art digitaler „Dunkelkammer“ einsetze, um Belichtung, im Falle digitaler Bilder auch den Weißabgleich und die Schärfe, Kontrast etc. anzupassen.
Und Filter, wie sie ja auch bei analogen Kameras als Aufsatz für das Objektiv dienen, nutze ich vor allem bei der Kamera, die ich nun wirklich immer dabei habe. Zugegeben, ich werde jetzt nicht behaupten, dass das iPhone, dessen fotografischen Möglichkeiten ich gerade am Entdecken bin, eine technisch optimale Kamera bietet. Aber da es die Kamera ist, die ich immer dabei habe, ist es ein oft eingesetztes Instrument für meine Auseinandersetzung, meine Beschäftigung mit der mich umgebenden Wirklichkeit. Neben der Kamera nutze ich folgende iPhone Apps: Camera-Genius, The-Best-Camera, Camera-Bag, Photogene und seit neuestem auf ColorSplash, auch wenn diese App hier noch nicht mit Bildern vertreten ist.
Der Einsatz der Filter verändert den Blick auf die Wirklichkeit, macht aus Abbildern Bilder – so empfinde ich das zumindest. Und weil ich jetzt schon länger keine Bilder mehr im Blog hatte, gibt es heute gleich eine ganze Galerie, in der ich mich auch nicht mehr scheue, im Lomo- und Holga-Stil zu arbeiten. Aber ganz habe ich meine Meinung natürlich nicht geändert: Da das iPhone, ähnlich wie Holga und Lomo, über eine Kamera mit durchaus einem erkennbaren Eigenleben bezüglich der (gar nicht so schlechten) Abbildungseigenschaften, der Schärfe etc. verfügt habe ich hier auch keine Scheu Filter einzusetzen – aber gezielt und ganz im Sinne der Beschäftigung mit der in Bildern gestalteten Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Nach wie vor verändere ich nicht die Motive. Diese werden, von Beschneidungen abgesehen, alleine mit der Kamera gestaltet. Und auch wenn ich auch mit neuen Ausdrucksmöglichkeiten im Kontext der Fotografie zu experimentieren begonnen habe: Es gilt nach wie vor, dass das Motiv und dessen zentrale Gestaltung mit der Kamera und deren Möglichkeiten und Grenzen erfolgt.
Aber: Da die Kamera des iPhone, die übrigens überraschend gute Videos aufnehmen kann, Teil des Gesamtkonzepts „iPhone“ ist, zu dem auch Apps gehören, werde ich mir nicht einmal sonderlich untreu, wenn ich dieses Konzept als Mittel zur Gestaltung von Bildern verwende. Was natürlich nicht bedeutet, dass meine wirklich gute LX3 jetzt verstauben würde – ganz im Gegenteil: Der neue Blick auf Motive, die andere Form der Auseinandersetzung mit Motiven, bereichert meine Auseinandersetzung mit der gestaltenden Abbildung von Wirklichkeit – und da ich diese kleine Kamera im Telefon nun einmal immer dabei habe, ist sie in dieser Hinsicht meine „beste“ Kamera.
Und wenn ich dieses Mal auch auf ein Wasserzeichen verzichtet habe: Nach wie vor unterliegen die Bilder dem Coypright © by Torsten Larbig.
Abi-Bet-Tücher und Psychologie – Abitur 2009
Als auch dieses Jahr zum schriftlichen Abitur wieder all die beschrifteten, bemalten oder bedruckten Betttücher, Plakate und Fahnen vor der Schule hingen, erinnerte mich dies an die Tradition der Gebetsfahnen im tibetischen Buddhismus.
Eine letzte Botschaft vor dem Schulgebäude, soll den Prüflingen Glück und Zuversicht mit auf den Weg geben. Hier denken andere an einen. Psychologisch ist dieses Wissen wichtig (zumindest dann, wenn die positive Unterstützung auch dann gewiss ist, wenn eine Prüfung nicht wie gewünscht ausgehen sollte, auch wenn man sich so gut wie einem möglich vorbereitet hat).
Mich erinnern diese Tücher darüber hinaus an die Tradition der Fürbitte im Christentum, in der ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen einen anderen Menschen oder eine Gruppe von Menschen in sein oder ihr Gebet mit aufnimmt bzw. aufnehmen.
In diese Tüchern, Plakaten und Fahnen drückt sich ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen aus: Continue reading
Basel – ein erster Blick
Zwei Tage in einer Stadt geben nur einen ersten Eindruck und es wäre vermessen, aus diesem Eindruck entstandene Fotografien mit „Porträt einer Stadt“ zu bezeichnen. Erste Blicke auf die Stadt Basel, wenig differenziert und vielleicht sogar zum Teil ein wenig plakativ – mehr ging in der Kürze der Zeit einfach nicht, die auch noch davon geprägt war, dass ich einen Teil der Zeit in einem kleinen Dorf bei Basel mit Freunden grillte und feierte und zudem „nur“ meine „kleine“ Kamera (Panasonic Lumix DMC LX3) dabei hatte und somit bewusst auf die Einsatzmöglichkeit eines Teleobjektives verzichtete.
Der Vorteil einer solchen Annäherung an eine Stadt ist die damit verbundene „Naivität“ (besser: „Unschuld“). Ohne vorgebildete Meinung von der Stadt, ich hatte zuvor auch eigentlich nichts über Basel gelesen, zog ich in der mir verbleibenden Zeit einige Stunden durch die vielen Gassen, die Hügel hinauf und wieder hinab, umschiffte dabei die typischen „Sehenswürdigkeiten“ einigermaßen und hatte auch noch einen Tag mit phantastischem Licht erwischt.
Mir fällt auf, dass auf meinen (hier in Auswahl veröffentlichten) Bildern fast nichts von dem zu sehen ist, was den offiziellen Blick auf die Stadt prägt, sodass ich mit mehr Fragen als Antworten nach Hause gefahren bin, was die wirkliche Atmosphäre in der Stadt angeht. Ich habe nur Spuren des Lebens und der Atmosphäre in der Stadt in mich aufnehmen können, die allerdings insgesamt wesentlich wuseliger daher kam, als die hier veröffentlichten Bilder es ahnen lassen. Doch im Gegensatz zu meinem Beitrag über Bildklischees am Beispiel Bremens habe ich einmal versucht die Seiten jenseits der Postkartenidyllen, von denen es in Basel Massen gibt, in den Blick zu nehmen.
Hier gilt übrigens, wie bei allen Fotografien auf der Website: Durch Anklicken der Bilder können diese vergrößert werden (Java-Script aktiv optimiert hier den optischen Genuss
):
Gespenster
Der Titel dieses Fotos „Gespenster” ist gar nicht so abwegig, denn so nennt man die Erscheinung von schemenhaft sich bewegenden Gestalten in einem Bild wie diesem wirklich. Der Trick ist einfach: Man nehme ein Stativ, wenig verfügbares Licht (available light), stelle eine relativ lange Belichtungszeit ein – und beginne die Aufnahme so, dass einem bereits absehbar Menschen gegen Ende der Belichtungszeit ins Bild laufen werden. Das klingt jetzt arbeitstechnisch so ruhig; in Wirklichkeit muss man aber verdammt schnell sein oder warten, bis sich die gewünschte Situation ergibt.
Bei diesem Bild war die Wartezeit kurz, da die Straßensituation einen relativ weiten Blick auf sich ergebende Situationen gab: Ich sah die Gruppe aus fünf Personen so rechtzeitig, dass ich in Ruhe das Stativ mit der Kamera positionieren und die Blende so wählen konnte, dass sich gewünschte lange Belichtungszeit ergabe. Dann hieß es nur noch, den richtigen Augenblick für das Auslösen zu finden. Ich hatte nur diese eine Möglichkeit für dieses Bild, konnte ich doch nicht schnell mal ein „Cut! – Bitte noch einmal” reinrufen, arbeite ich bislang doch nur selten mit Modellen. In diesem Fall hat es geklappt und von all den Bildern, in denen es nicht gelungen ist, die Situation so einzufangen, wie ich mir das vorgestellt hatte, schweige ich an dieser Stelle…
Die blaue Stunde – Acht Sekunden
Schon hat sich die Nacht fast ganz über die Stadt gelegt und lässt die letzten Reste der »blauen Stunde« im Lichtkegel über Frankfurt verschwinden. Das Auge vermag an diesem Dienstagabend im März kaum noch die Farben zu unterscheiden und dem schon begonnenen Frühling trotzend dringt kalter Wind zwischen die Häuser – und langsam aber bestimmt in alle Glieder des Fotografen, der fast reglos am Brückengeländer steht und das kleine Stativ argwöhnisch im Auge behält. „Dass es bloß nicht seinen Halt verliert“, denkt er. Zwar ist die Kamera mit einer Handgelenkschlaufe gesichert, aber bei acht Sekunden Belichtungszeit würde ein größeres Zittern des Stativs oder der Brücke die Fotographie zu einer Schmiererei werden lassen. Die Zeit ist knapp. In zehn Minuten wird auch der letzte Rest des blauen Lichtes, das das Ende der Dämmerung prägt, nahezu verschwunden sein. Dann müsste er wieder auf den nächsten Tag warten, an dem der Himmel einmal nicht schwer mit Regenwolken bestückt wäre. Die Wettervorhersage prognostiziert für diesen Fall eine lange Wartezeit auf die nächste Möglichkeit für dieses Bild. Er will aber nicht schon wieder auf besseres Wetter und besseres Licht warten.
Leise, für ihn aber deutlich vernehmbar, gibt der Verschluss des Objektives den Weg für die letzten Reste des Tageslichtes zum Bildsensor frei. Auf dem Bildschirm der Kamera laufen die Sekunden rückwärts: 8…7…6…5…4…3…2…1…0 – und ein weiteres leises Geräusch gibt Zeugnis davon, dass die Lichtzufuhr wieder gestoppt ist. Auf dem Bildschirm sieht er erstaunt die Farbigkeit und Helligkeit, die sein Auge nicht wahrnehmen kann, obwohl sie „objektiv“ vorhanden sind. Auf den ersten Blick wirkt die Aufnahme gelungen. Selbst die unruhig von Autos überrollte Straße passt in das gewählte Motiv, das knapp über der waagrechten Mittellinie von einem dünnen Leuchtband durchzogen wird, das von den Scheinwerfern stammt, die in diesen acht Sekunden das Sichtfeld des Objektivs gekreuzt hatten.
Langsam dreht er das eiserne, mittlerweile fast ebenso kalt wie der schneidende Wind gewordene Stativ von der Kamera, dreht dessen drei Beine wieder übereinander und lässt es erneut in seiner Hosentasche verschwinden. Erst als er fast zuhause angekommen ist, kommt es noch einmal zum Einsatz. Die Lichtreste des Tages sind bereits nahezu vollständig der Kuppel von Licht gewichen, die Nacht für Nacht über der Großstadt hängt. Ob die Häuser der Straße vor ihm, eines in einem nicht gerade dezentem Orange-Pink–Ton gestrichen, bei diesem Licht und durch das Objektiv betrachtet mehr leuchten würden.
Dieses Mal findet er keinen Abstellplatz für das kleine Stativ, drückt es deshalb fest gegen eine Hauswand, um die Kamera bewegungslos zu halten, während mit Lichtgeschwindigkeit die wenigen noch vorhandenen, dem Augen unsichtbaren Lichtstrahlen acht Sekunden lang den Bildsensor füttern, bis dieser satt genug für diese Farben ist, die sich kurz darauf auf dem Bildschirm der Kamera zeigen.

