Kategorie-Archiv: lernen

Nur Ersatz? – Nutzung und Integration (digitaler) Medien im Unterricht (Vortragsskript)

An dieser Stelle veröffentliche ich mein „Skript“ – also das, was früher mal auf Karteikarten stand, wenn man einen Vortrag hielt – zu meinem Vortrag beim „Fachforum “E-Learning in der Lehrerbildung“ an der Justus-Liebig-Universität am 15. Mai 2012 mit dem Titel „Nur Ersatz? – Nutzung und Integration (digitaler) Medien im Unterricht“ Der Vortrag wird aufgezeichnet und steht später dann voraussichtlich auch online zur Verfügung.

Dieses „Skript“ ist erst mal nur eine Materialsammlung. Ich werde sicher nicht auf jeden Punkt ausführlich eingehen (die Zeit ist beschränkt) und wie heißt es so schön: Vor Ort zählt dann das gesprochene Wort ;-)

Gespannt, ob es im Kommentarteil oder per Blogbeitrag mit Pingback zu so etwas wie einer Diskussion kommt.

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„Open“ oder was?

Das ist jetzt schon der x-te Ansatz, eine Impulsbeitrag für die dritte Woche des MOOC-Maker-Course 2013 zu verfassen. Dabei soll ich doch Impulse nur zu folgenden Fragestellungen geben: Welche Bedeutungen stecken in dem Wort “open”? Was haben MOOCs mit der OER*-Bewegung zu tun? Wie viel OPEN verträgt meine Organisation? MOOCen als Organisationsentwicklung. Das kann doch nicht so schwer sein. Oh doch, das kann es. Quatsch. Doch. Mecker nicht. Ok.

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Die Zukunft des Lernens – Fragen bitte; bitte keine Antworten

Wenn es um „die Zukunft des Lernens“ geht, ist es anscheinend leicht, Antworten zu finden: Welche Trends zu erkennen sind, welche Technologien eine Rolle spielen werden, dass E-Books irgendwie wichtig sein werden / könnten, wie sich die Autonomie des Lerners (hier am Beispiel des Sprachenlernens) entwickeln wird und wie das mit dem informellen Lernen aussieht etc.

Überall Antworten, aber welche Fragen stehen eigentlich dahinter?

Liebe Besucher, ich bitte Sie und euch, Fragen zu formulieren, die ihr / Sie mit der Formulierung

„Die Zukunft des Lernens“ verbindet.

Bitte traut euch, alles zu fragen, was euch und Ihnen zu dieser Frage in den Sinn kommt. Solange ein Bezug zu „Die Zukunft des Lernens“ besteht, gibt es da keine „dumme“ Fragen.

Und noch einmal: – Formuliert / Formulieren Sie bitte ein paar Fragen, die ihr /sie mit „Die Zukunft des Lernens“ verbindet. Ich suche Fragen, keine Antworten ;-)

Ich bin sehr gespannt, ob und was da an Fragen zusammenkommt.

Computerräume, Schultaschen und „BYOD“ oder: Warum jeder Schüler und jede Schülerin einen mobilen Computer bekommen sollte

Schulen sind wirklich nicht so schlecht, wie ihr Ruf. Es kann bereits heute digital gearbeitet werden, denn die Ausstattung mit PCs in Computerräumen ist in vielen Schulen besser, als es von außen wirken mag. – In den PC-Räumen treten allerdings regelmäßig die gleichen Probleme auf: Weiterlesen

Wie motiviert man Unmotivierte? – Ein Versuch

Walter Böhme fragt: „Wie motiviert man Unmotivierte?“ und lädt zu einer Blogparade ein, in der dieser Frage nachgegangen werden soll.

Die Frage ist nicht neu. Eine Lösung nach Rezeptbuch ist mir noch nicht begegnet. – Wohl aber gibt es Rezeptgeber, die grundsätzlich besser als z. B. Lehrer und Lehrerinnen wissen, wie „gekocht“ werden müsste, damit alle sowohl „Kochen“ als auch „Essen“ wollen.

Wer die Metapher des „Kochens“ und „Essens“ für zu weit her geholt hält: Die häufig verwendete Metapher des „Bulimie-Lernens“ ist eine Nahrungsmetapher! – Dieser Metapher geht es allerdings vor allem um das genussfreie In-Sich-Hineinstopfen, dem der Akt des Auskotzens folgt. – Wer so lernt, leidet früher oder später an Anorexia Ediscere.

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Unterricht geht durch den Magen oder: Mein Beitrag zur Blogparade „Reflektierende Praktiker (Lehrende und Co)“

Mein Beitrag zu der von mir selbst ausgerufenen Blogparade „Reflektierende Praktiker (Lehrende und Co)“!

Unterricht geht mir durch den Magen. Ob eine Stunde gut gelungen oder ein Stundenkonzept grandios gescheitert ist, merke ich tatsächlich sehr schnell als „Gefühl in der Magengegend“.

Von einer strukturierten oder gar in Routinen verpackten Reflexionspraxis ist zu diesem Zeitpunkt aber noch nichts auf weiter Flur zu sehen.

Bei diesen eindeutigen Fällen, die durch Gasteromantie ;-) angemessen in den Vordergrund drängen, scheint es auf den ersten Blick auch nicht unbedingt nötig, in Reflexionsprozessen zu versinken.

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Lehrer mit Tablet-Computern oder: Was spielen Sie denn da?

Nachdem ich begonnen hatte, im Unterricht einen Tablet-Computer zu benutzen, hörte ich immer wieder von jüngeren Schülern die Frage, was ich denn während der Stunde da so alles spiele.

Die Frage kam bei mir so an, dass ich keinen Grund hatte anzunehmen, sie sei von den Schülern nicht genau so gemeint, wie sie gestellt wurde: sachlich, aber auch irritiert, denn mit einem Computer in der Stunde zu spielen, ist ihnen streng untersagt, es sei denn, es handelt sich um ein Spiel mit Unterrichtsbezug.

Den jüngeren Schülern war der Tablet-Computer tatsächlich nur als ein Gerät bekannt, mit dem man spielen kann. Ob sie dies nun aus eigener Anschauung geschlossen hatten oder ob sie sich diese Vorstellung aus all dem konstruiert hatten, was sie vor allem über das iPad gehört hatten, kann ich nicht recht einschätzen. – Doch abgesehen von dem Mangel an empirischen Daten für die Gründe diese Sicht und somit auch für die mir gestellte Frage, haben sich für mich einige Überlegungen aus dieser Frage heraus kristallisiert.

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Digitale Whiteboards in der Schule: Erfahrungen, Konsequenzen, Weiterentwicklungen.

Als meine Schule (einige wenige) digitale Whiteboards anschaffte, fand ich das gut. Endlich konnte diese Technik genutzt werden, konnte ich Erfahrungen mit ihr machen.

Das ist jetzt gut zwei Jahre her.

Wenn ich es recht überblicke, habe ich vielleicht zehn Mal das digitale Whiteboard als Tafelersatz genommen, mit den Stiften darauf herum geschrieben, hin und wieder eine Website eingeblendet oder es wurde für Präsentationen genutzt. Insgesamt aber fällt die Nutzungsquote bei mir – und frage ich Schüler und Schülerinnen, dann stellt sich heraus, dass dies durchaus repräsentativ für deren gesamten Unterricht ist – mager aus.

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Einladung zur Blogparade: Reflektierende Praktiker (Lehrende und Co)

Auf Twitter fragte ich heute:

Aus den ersten Antworten kristallisierte sich heraus, dass das keine Frage für 140 Zeichen auf Twitter ist. Deshalb lade ich zu einer Blogparade zu genau diesem Thema ein. Das mache ich in zwei Schritten:

  1. Ich erzähle kurz, was mich an der Frage interessiert und
  2. erläutere dann, was eine Blogparade ist und wie an ihr teilgenommen werden kann.

zu 1: Warum diese Frage nach der Praxisreflexion?

Mir wurde in meiner Ausbildung, sowohl im Studium als auch in der Zeit als – wie es in Hessen statt Referendar heute heißt – LiV (Lehrer im Vorbereitungsdienst) immer wieder nahegelegt, dass Lehrer reflektierende Praktiker sein sollten, sein müssten, um in dem Beruf professionell bestehen zu können. Damit war gemeint, dass Lehrer – und ich erlaube mir, das auf alle Lehrenden und auf mit Sicherheit viele andere Berufsgruppe auszudehnen – in der Lage sein sollen (müssen?), über ihre Berufspraxis eigenständig nachzudenken. Als LiV z. B. mussten wir nach jedem Unterrichtsbesuch darstellen können, wie die Stunde aus unserer Sicht warum gelaufen ist, was gut war, was nicht so gut war, wo es Überraschungen gab etc.

Routinen allerdings wurden uns für diesen Reflexionsprozess nicht beigebracht. Aber wenn diese Reflexion doch so wichtig ist, wo findet sie im Beruf ihren Platz?

Wie reflektieren unterschiedliche Praktiker (insbesondere Lehrende) ihr Praxis? Welche Instrumente setzen sie dazu ein? Wird – exemplarisch auf Lehrer bezogen, bitte auf den je eigenen Berufskontext hin anpassen – nur der Unterricht  reflektiert oder auch  die Lehrerrolle, Elterngespräche, Konferenzverhalten? FIndet Praxisreflexion im stillen Kämmerlein statt oder im Rahmen von Supervision?

Kommt der Reflexionsprozess nur zum Tragen, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll oder ist er kontinuierlicher Bestandteil der Arbeit? Wie wird er in den Arbeitsalltag (und in die Arbeitszeit, die eh schon voll ist) integriert?

Nein, es ist gar nicht wichtig, wie ich diese Fragen alle jeweils meine! Auf Twitter gab es schon Nachfragen in diese Richtung. Das interessante an einer Blogparade ist doch gerade, dass das Thema so aufgenommen werden soll, wie der einzelne Blogger es versteht, angehen will, mit Inhalten bereichern möchte.

Und damit sind wir auch schon bei

2. Was ist eine Blogparade und wie kann an ihr teilgenommen werden?

Nicht umsonst wird alternativ zum Begriff „Blog-Parade“ auch der Begriff „Blog-Karneval“ genutzt.

Ein bunter Reigen eigenständiger Blogs, der in einem bestimmten Zeitraum zu einem bestimmten Thema schreibt: Das ist eine Blogparade.

Damit das aber zu einer Parade werden kann, braucht es einen Ort, an dem diese Blogs gesammelt werden, an dem sie zur Parade „auflaufen“. Dieser Platz ist in der Regel dort, wo zum Blog-Karneval, zur Blogparade aufgerufen wurde.

Am einfachsten verlinkst du in deinem Beitrag zum Thema diesen Beitrag hier und dann erscheint dein Artikel als PingBack im Kommentarteil. Du kannst mich aber auch über das Kontaktformular oder via Twitter kontaktieren und mir den Link deines Artikels mitteilen, sodass ich ihn hier dokumentieren kann.

Hier also noch einmal die Schritte zum Mitmachen:

  1. Schreibe einen Blogartikel zu der Frage, wie für dich als reflektierender Praktiker im Beruf die Reflexionsroutine aussieht. Schreibe zu dieser Frage als Lehrende oder Lehrender – egal ob Lehrer, Professorin, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Mitarbeiterin an einer päd. Hochschule, als Fortbildner etc. – Oder als reflektierender Praktiker aus einer anderen Branche.
  2. Verlinke diesen Blogartikel mit diesem Artikel hier (http://herrlarbig.de/?p=35154), sodass automatisch ein PingBack erfolgt, also dein Beitrag hier im Kommentarteil verlinkt wird. (Da ich Kommentare immer freischalte, kann es ein paar Minuten dauern, bis dein Beitrag hier sichtbar wird.)
  3. Alternativ kannst du deinen Beitrag als Kommentar mit Link unten eintragen oder mich über das Kontaktformular oder über Twitter von deinem Beitrag informieren. Ich verlinke ihn dann hier.
  4. Das war es schon. Damit es aber noch lebendiger wird: Lest die Beiträge schreibt eure Kommentare dazu, bloggt zu Beiträgen, die ihr via PingBack in euren Artikel einbindet.

Die Blogparade läuft angesichts der gerade erst begonnenen Sommerferien in Bayern bis

zum 15. September.

Bis dahin macht bitte Werbung (via Twitter, in eurem Facebook-Account, im Lehrerzimmer, bei Bloggern im In- und Ausland, die zur Zielgruppe gehören und zum Thema was zu sagen haben. Wie schon angedeutet: Von mir aus darf auch jemand, der seine Berufspraxis in einer Reflexionsroutine immer wieder in den Blick nimmt, davon berichten. Ja, von mir aus darf das auch ein Vorstandsvorsitzender eines DAX-Unternehmens sein ;-)

Leuten, Unternehmen, Marketingabteilungen, die meinen, sie könnten diese Blogparade offensichtlich für PR, Marketing, Werbung oder SPAM missbrauchen, sei gleich gesagt: Ich behalte mir vor, offensichtlich missbräuchlich gesetzte PingBacks nicht freizuschalten.

Wenn du kein Blog hast, aber zu dem Thema was sagen willst, kannst du deinen „Blogbeitrag“ als Kommentar hier hinterlassen – oder du nimmst diese Blogparade zum Anlass, selbst ein Blog zu beginnen… ;-)

Und was hast du davon?

  1. Du musst dir über das Thema eines Blogartikels keine Gedanken machen, weil es hier schon genannt ist.
  2. Du bekommst wahrscheinlich ein paar Leser für deinen Beitrag und vielleicht sogar Kommentare.
  3. Du bekommst vielleicht Leser, die noch gar nicht wissen, dass es dein Blog gibt!
  4. Du erfährst, wie andere mit dem Thema umgehen.
  5. Du stärkst dein soziales Netzwerk.
  6. Du trägst dazu bei, dass erfahrbar wird, wie Blogs miteinander vernetzt nachdenken können.
  7. Du befriedigst die Neugier anderer und deine eigene.
  8. Du lässt uns an deinen Ideen teilhaben und kannst mitbekommen, wie andere denken.
  9. Du machst dich um die deutsche Blogosphäre verdient.
  10. Du … (such dir aus, was hier stehen soll, um dich, falls du noch zweifeln solltest, zu motiveren, an dieser Blogparade mitzuwirken.)

Los geht’s!

Zur Erinnerung noch einmal der Tweet, mit dem die Idee zu dieser Blogparade kam:

(Und natürlich werde ich auch noch einen Artikel zum Thema schreiben. Klar. Ehrensache.)

Ende der Blogparade: Samstag, 15. September 2012.

 

Über den Bildungsauftrag der Schule und digitale Medien

Schule hat den Auftrag, junge Menschen im Rahmen ihrer Sozialisation zu bilden und zu erziehen.

Das habe nicht ich mir ausgedacht.

Das steht im für mich verbindliche Schulgesetz des Landes Hessen. –  Das erste dort genannte Ziel von Bildung ist es, die Grundrechte für sich und andere wirksam werden zu lassen.

Es geht dort um Beziehungen zu anderen Menschen, die von Achtung und Toleranz, Gerechtigkeit und Solidarität geprägt sein sollen.

Es geht um die Beförderung der Gleichberechtigung, um das Verständnis anderer Kulturen und deren Leistungen, um die Fähigkeit, das eigene Handeln auf seine Konsequenzen befragen zu können.

Erst nachdem diese Ziele deutlich formuliert worden sind – meiner Kenntnis nach unterscheiden sich die Gesetze der unterschiedlichen Länder in ihren Zielen nicht sonderlich voneinander –, wird der Auftrag der Schule konkretisiert: Wissen, Kompetenzen und auch Werthaltungen sollen vermittelt werden.

Das Sachwissen spielt eine große Rolle, wenn es um das Erreichen dieser Ziele geht; doch dieses Sachwissen muss immer mit dem Handeln in Beziehungen verbunden werden, ja, das Ergebnis des Handelns in Beziehungen sein: Achtung und Toleranz sind keine theoretischen Konstrukte, Gerechtigkeit und Solidarität sind Teil einer Grundhaltung von Menschen, die sich in konkreten Handlungsweisen zeigen.

Schlagwörter, mag mancher sagen, lauter leere Phrasen, deren ermüdende Kraft nicht unterschätzt werden darf; Achtung, Toleranz, Solidarität, Gerechtigkeit – nichts davon läuft irgendwo auf der Straße herum, das sind alles abstrakte Begriffe. – Ob und wie es gelingt diese Worthülsen mit Inhalt zu füllen, mit konkreten Handlungskompetenzen zu verbinden, ist für mich zu einem der zentralen Kriterien für die Frage nach der Qualität von Unterricht geworden.

Ob digitale Medien dabei helfen können, den Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schulen zu erreichen? Können sie dazu beitragen, die Qualität von Unterricht zu stützen, zu fördern und wenn nötig auch zu verbessern?

Nach wie vor wird auf diese Fragen mehr mit Vorurteilen reagiert als mit sachlich reflektierten Argumenten. Die Ablehnung digitaler Skepsis gegenüber digitalen Technologien als Instrumente des Unterrichts ist oft ebenso irrational wie deren glühende Befürwortung.

Dabei wird weitgehend ausgeblendet, dass die Frage eingesetzter Technologien im Kontext des Bildungsauftrags von Schulen zu betrachten ist. – Als Lehrer bevorzuge ich selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen und im Rahmen struktureller Gegebenheiten auf Dauer jene Instrumente, die das Erreichen der Ziele von Bildung und Erziehung am nachhaltigsten unterstützen.

Deshalb war es für mich naheliegend, zuerst für mich selbst herausfinden zu wollen, wie das von digitalen Strukturen gestützte Internet für mich selbst als Bildungsmedium funktioniert: Ich habe angefangen im Internet zu schreiben, Artikel zu Bildungsthemen zu lesen und zu kommentieren, die andere geschrieben haben, mich mithilfe des Instruments „Twitter“ zu vernetzen.

Das hat zu meinem großen Erstaunen eine große Dynamik entwickelt.

Hatte ich zu Beginn meiner Zeit im Internet noch mit einseitig Informationen verteilenden Websites zu tun, so befinde ich mich heute in einem kontinuierlichen Kommunikationsprozess. Der kontinuierliche Dialog – unter anderem mit sehr vielen Menschen, die professionell mit Bildungsfragen zu tun haben –, ist für mich selbst zum Lernprozess geworden. Dabei geht es zentral um Fragen der gegenseitigen Achtung, Toleranz, praktische Solidarität wird geübt und viele nutzen digitale Medien auch, um Gerechtigkeit einzufordern und zu deren Umsetzung beizutragen.

Dass elektronische Bücher die Schultaschen von Schülerinnen und Schülern erleichtern können, dass digitale Medien leichter aktuell gehalten werden können als analoge, dass Computer und Internet eine enorme Anziehungskraft für Schülerinnen und Schüler haben, sind marginale Nebeneffekte, angesichts der hochkarätig kommunikativ ausgelegten Strukturen, die digitale Medien bereithalten – auch für Schule und Unterricht.

Bereits heute halten Schüler und Schülerinnen, die sich im Rahmen internationaler Schüleraustauschprogramme kennen gelernt haben, intensiven Kontakt mittels sozialer Netzwerk. Dabei erfahren Sie ganz konkret, welchen Wert sprachliche und auch fremdsprachliche Kompetenzen haben, um überhaupt kommunizieren zu können. Auch wenn es früher die Möglichkeit für Brieffreundschaften gab, so hat diese alltägliche und sehr kontinuierliche Konfrontation mit der Notwendigkeit, über entsprechende sprachliche Kompetenzen verfügen zu müssen, wenn mit anderen Menschen Kommunikation gelingen soll, in meiner Wahrnehmung eine ganz andere Qualität.

Das von Bertolt Brecht in seiner Radiotheorie noch als anzustrebendes Ziel formulierte Ideal, dass das Radio von einem Instrument der einseitigen Verteilung von Inhalten zu einem Kommunikationsmedium werden möge, ist Wirklichkeit geworden. Das Internet hat das Potenzial, jedem und jeder Möglichkeiten der Teilnahme am Diskurs der Gesellschaft (weit über Schule hinaus!) zu ermöglichen. – Entsprechend haben digitale Medien ein enormes Potenzial, die Qualität von Unterricht zu unterstützen, weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Dazu sind selbstverständlich Wissen und Kompetenzen nötig: zunächst bei Lehrerinnen und Lehrer, die diese dann den Schülerinnen und Schülern vermitteln. Zu diesen Kompetenzen gehört aber auch, dass Lehrerinnen und Lehrer akzeptieren, dass im Kontext digitaler Medien zumindest hin und wieder Schüler und Schülerinnen bereits kompetenter sind als sie selbst.

Auch beim Einsatz digitaler Medien kommt es, mittlerweile ist es fast schon eine Binsenweisheit, zentral auf den Lehrer oder die Lehrerin an. Bildungsprozesse sind nach wie vor personalisierte Prozesse, die von Persönlichkeit und Feedback-Kultur leben

Zugegeben, ich habe keine großen Projekte am laufen, in denen es um digitale Medien in der Schule gehen würde. Und dennoch befindet sich ein zentrales Instrument zur Verbesserung des Unterrichts in den Hosentaschen überraschend vieler meiner Schüler. Es ist nicht nur das Wissen der Welt einen Klick weit entfernt, es ist auch die Möglichkeit zur Kommunikation ständig vorhanden. Sicher: Die ständige Verfügbarkeit von Kommunikationsmöglichkeiten verlangt selbst wieder Lernprozesse, die dazu beitragen, die Möglichkeiten digitaler Vernetzung reflektiert zu nutzen – und auch den aktiven Verzicht auf diese Optionen zu erlernen.

Ging ich früher in den PC-Raum der Schule, musste ich damit rechnen, dass in dem Augenblick, in dem die Schüler Platz genommen und die Rechner eingeschaltet worden waren, auch schon die ersten Ausflüge auf nicht zum Unterricht gehörende, für die Schüler aber sehr spannend Websites losgingen. Immer wieder war es nötig, Schülerinnen und Schülern der Sonderwelt des PC-Raums zu ermahnen, den Besuch auf unterrichtsfremden Seiten doch bitte zu unterlassen.

Neben dieser Erfahrung, dass der Einsatz von PC-Räumen der Qualität von Unterricht mehr schadet als nutzt, war es für mich die Irritation darüber, dass die Gestaltung der PC-Räume an den meisten Schulen den didaktischen Grundsatz angemessener Phasenwechsel nahezu unmöglich machte, die mich fragen ließ, wo eigentlich der große Unterschied zu meinem eigenen sehr positiven Lernerfahrungen im Internet liegt.

Anders als in der Schule nutze ich digitalen Medien immer dann, wenn es mir in einem Arbeitsprozess notwendig erscheint. Manchmal muss ich nur ein Wort recherchieren, manchmal fehlt mir ein bestimmtes Sachwissen, auf das ich via Internet sehr schnell zugreifen kann

Ich begann vor ca. eineinhalb Jahren, mein eigenes digitales Endgerät (Tablet) als ein selbstverständlich im Unterricht verfügbares Instrument zu betrachten. Das führte dazu, dass nun auch Schüler und Schülerinnen die ihren verfügbaren digitalen Endgeräte zu Zwecken des Unterrichts nutzen. Die Notwendigkeit zur Ermahnung, doch bitte nur unterrichtsrelevante Websites zu besuchen, ist seitdem deutlich zurück gegangen. Digitale Medien werden vielmehr ganz selbstverständlich zum Teil des Arbeitsprozesses im Klassenraum. Dies führt immer wieder zu Metagesprächen, zur Reflexion über die Nutzung dieser Instrumente, sei es nun in Bezug auf die Seriosität aufgefundener Materialien oder auch in Bezug auf Fragen der Privatsphäre und des Datenschutzes.

Andere Lehrer und Lehrerinnen, andere Schulen gehen andere Wege. Es gibt mehr und mehr Schulen, die das System produktiv nutzen, das auch so große Projekte wie die Wikipedia ermöglicht. In diesen Fällen zum Einsatz kommende Software ermöglicht es allen Schülerinnen und Schülern, aber auch den Lehrenden, gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten. Interaktivität wird hier also produktiv für schulische Zwecke genutzt.

Dass solche schulspezifischen Plattformen allerdings akzeptiert werden, ist meist mit großen Mühen verbunden. Sie werden oftmals wiederum als Sonderwelten im Internet wahrgenommen, so dass sie nicht mit der Anziehungskraft, die digitale Strukturen auf Schülerinnen und Schüler ausüben können, mithalten können.

Ist aber erst einmal die Versuchung überwunden, beim Einsatz digitaler Medien im schulischen Unterricht wiederum nicht zu differenzieren, sondern alle Schüler und Schülerinnen das gleiche machen zu lassen, können diese Instrumente außerordentlich fruchtbar werden.

Wenn Schüler Facharbeiten erstellen, so stelle ich ihnen mittlerweile frei, ob diese analog oder digital produziert werden. Ich bestehe zwar in der Regel darauf, dass neben digitalen ein Mindestzahl an analogen Quellen genutzt wird, doch pendelt sich das Verhältnis der eingesetzten Medien und Produktionsformen interessanterweise fast immer sehr gleichmäßig ein: etwa ein Drittel erstellt die Arbeiten rein digital, etwa ein Drittel nutzt sowohl digitale als auch analoge Darstellungsmöglichkeiten, ein letztes Drittel zieht nach wie vor analogen Medien vor. – Unmöglich, eine solche Heterogenität der Arbeitsformen und damit verbunden auch der Lernstile in einem PC-Raum oder einen Raum ohne PC methodisch und didaktisch fruchtbar werden zu lassen.

Natürlich, es gibt mittlerweile viele Beispiele, wie digitale Quellen und Darstellungsformen für den Unterricht genutzt werden können. Dabei werden diese Quellen häufig jedoch zu einem Ersatz für den Frontalunterricht, weil Ihnen ein oft rein instruktiver Charakter zugeschrieben wird.

In vielen Fällen bedeutet der Einsatz von Computern im Unterricht, dass Schülerinnen und Schüler Inhalte von Websites aufnehmen. Die kommunikativen Grundstrukturen des Web 2.0 werden dabei sehr häufig völlig ausgeblendet, auch weil sie vielen Lehrern und Lehrerinnen nach wie vor sehr fremd sind.

Die Notwendigkeit des Erwerbs von Medienkompetenz beschränkt sich nicht auf Schüler; sehr viele Lehrer und Lehrerinnen müssen sich die Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien als Kommunikationsmedien noch aneignen. Darüber hinaus entfalten digitale Medien dann ihren Charme, wenn sie genutzt werden.

Anfang April 2012 hatte ich abends eine kurze, aber intensive Diskussion mit zwei Schülern, die auf Twitter präsent sind, in der es um nichts geringeres ging als um die Philosophie Immanuel Kants. Diese Diskussion fand öffentlich statt und war öffentlich fruchtbar, erwuchs doch aus ihr die Idee, dass ein Kollege aus Köln und ich in Frankfurt am Main gemeinsam überlegen, ob und wie wir unsere Schüler und Schülerinnen miteinander in einen Kommunikationsprozess bringen können, der fachbezogen die Möglichkeiten des Netzes nutzt, um gemeinsam und dialogisch an konkreten Themen zu arbeiten und dabei gleichzeitig auch Grundformen demokratischen Miteinanders einzuüben. Das Projekt selbst noch nicht umgesetzt, zeigt aber, was mit Öffnung von Schule und Unterricht gemeint sein kann.

Nach wie vor gilt: die Qualität des Unterrichts hängt sehr stark von der Person des Lehrers ab. In Zeiten digitaler Medien und des Internets bedeutet dies auch, dass die Qualität von Unterricht, der sich digitaler Medien bedient, auch davon abhängt, welche Kompetenz der unterrichtenden Lehrer selbst hat, um mit diesen digitalen Medien souverän umgehen zu können. Die Chancen moderner Medien zur Bereicherung des Unterrichts, zur Verbesserung des Unterrichts, hängen von der Medienkompetenz der Lehrerinnen und Lehrer ab.

Da diese Kompetenz häufig noch einen großen Fortbildungsbedarf hat, bedeutet dies natürlich auch, dass Kultusminister Kultusministerinnen dringend darüber nachdenken müssen, wo sie Lehrer und Lehrerinnen einerseits zu den notwendigen Fortbildung verpflichten können, aber auch, wie sie zur Ermöglichung solcher Fortbildungen Entlastungen anbieten.

Digitale Medien können Schüler und Schülerinnen sehr schnell in kommunikative Prozesse hineinführen, die sowohl dem Erwerb von Fachwissen dienen, die aber gleichzeitig all jene Kompetenzen und Werthaltungen fördern können, die mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schule verbunden sind. Und dieser Bildungs- und Erziehungsauftrag steht im Zentrum. Die Debatte um Instrumente, die diesem Ziel dienen, ist diesem Auftrag untergeordnet und immer auch darauf hin zu befragen, ob dieser Auftrag im Blick behalten oder von Technikdebatten überlagert wird.