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		<title>Wie kommen B&#252;cher zu mir / zu dir / zu Ihnen als Leser?</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 22:00:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich stelle mir vor, &#252;ber das ganze Land verteilt sitzen Literaturkritiker in ihren K&#228;mmerlein und lesen Neuerscheinungen. Ich stelle mir deren Arbeitsplatz als ein ganz besonders gem&#252;tliches Sitzm&#246;bel vor. Dort sitzen sie dann, neben sich auf einem Tisch oder auf &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/02/08/wie-kommen-bucher-zu-mir-zu-dir-zu-ihnen-als-leser/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stelle mir vor, &#252;ber das ganze Land verteilt sitzen Literaturkritiker in ihren K&#228;mmerlein und lesen Neuerscheinungen.</p>

<p>Ich stelle mir deren Arbeitsplatz als ein ganz besonders gem&#252;tliches Sitzm&#246;bel vor.</p>

<p>Dort sitzen sie dann, neben sich auf einem Tisch oder auf dem Boden gestapelt die neuesten Rezensionsexemplare gerade erst gedruckter B&#252;cher – der Geruch nach frischer Druckerschw&#228;rze ist noch stark ausgepr&#228;gt.</p>

<p>Sie lesen und lesen und lesen; zwischendurch aber stehen sie kurz auf, setzen sich an ihren Schreibtisch und verfassen ihre Rezensionen.</p>

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<p>Es ist die Zahl an <a href="http://www.dradio.de/portale/literatur/" target="_blank">Literaturbeitr&#228;gen</a>, die ich in meinem <a href="http://www.dradio.de/rss/podcast/sendungen/buechermarkt/?mode=text " target="_blank">Podcast-Abonnement des B&#252;chermarktes</a> auf dem <a href="http://www.dradio.de" target="_blank">Deutschlandfunk</a> gefunden habe, die mich zu solchen Vorstellungen gebracht hat. – Ich habe angefangen, diese meistens aus Rezensionen bestehenden Beitr&#228;ge zu h&#246;ren – manchmal sind auch Lesungen dazwischen, in denen dann Autorenstimmen zu h&#246;ren sind.</p>

<p>Die Bandbreite der vorgestellten B&#252;cher reicht von medizinkritischen oder philosophischen Essays &#252;ber anspruchsvolle Romane bis hin zu als lesenswert empfohlenen historischen Romanen, Liebesgeschichten und Reportagen.</p>

<p>W&#228;hrend ich diese Podcastfolgen h&#246;rte, kam mir die Frage in den Kopf, nach welchen Kriterien ich eigentlich ausw&#228;hle, welche B&#252;cher ich lesen will und welche B&#252;cher ich mir kaufe, denn alle im Blick zu behalten ist nun einmal nicht m&#246;glich.</p>

<p><em>Diese Frage stelle ich auch den Leserinnen und Lesern meines Weblogs: Nach welchen Kriterien w&#228;hlst du / w&#228;hlen Sie eigentlich die B&#252;cher aus, die du / Sie lesen und / oder anschaffen <em>willst / wollen</em>?</em></p>

<p><em>Ich k&#246;nnte die Frage auch umgekehrt stellen: Welche Wege m&#252;ssen B&#252;cher eigentlich gehen, damit sie bei dir / Ihnen ankommen k&#246;nnen?</em></p>

<p>Die Frage stelle ich, weil mir aufgefallen ist, dass es mir selbst gar nicht so leicht f&#228;llt, diese Frage zu beantworten. Ein paar Ideen sind mir gekommen, die ich hier nicht vorenthalten will.</p>

<p>Zun&#228;chst einmal gibt es Autoren und Autorinnen, die mir vertraut sind, deren Werk ich m&#246;glicherweise ansatzweise kenne und sch&#228;tze. Wenn es sich um lebende Autoren handelt, so beobachte ich nat&#252;rlich, was es da an Neuerscheinungen gibt. Wenn das Werk bereits abgeschlossen ist, dann lese ich durchaus auch einmal Texte &#252;ber diese Texte (Sekund&#228;rliteratur), um mich zu orientieren.</p>

<p>Neben Autoren und Autorinnen, die mich interessieren, stehen die Klassiker der deutschen und der Weltliteratur. Diese nehme ich, meistens ein wenig von meiner Stimmung geleitet, immer wieder in die Hand: Ich schm&#246;kere in den <a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/3670/1" target="_blank">Gedichten von Goethe</a>, g&#246;nnen mir eine Stunde mit einer der wunderbaren Geschichten aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Decamerone" target="_blank">Boccaccios „Decameron“</a>, wandere ein wenig durch die <a href="http://www.uni-due.de/lyriktheorie/texte/1914_stadler2.html" target="_blank">Geschichte der deutschen Lyrik</a> et <a href="http://poetenladen.de/" target="_blank">cetera</a>.</p>

<p>Ein dritter Weg, auf dem neue B&#252;cher zu mir finden, besteht darin, dass ich mich auf den Weg in eine Buchhandlung begebe und dort einen Blick in die Neuerscheinungen werfen. F&#228;llt mir dann ein Werk auf, so beobachte ich, ob sich das Interesse eine Weile halten kann – manchmal lege ich es auch wieder zur&#252;ck und denke bei mir, dass ich es beim n&#228;chsten Besuch in der Buchhandlung noch einmal anschauen werde – und &#252;berlege dann, ob ich denn in absehbarer Zeit Zeit zum Lesen habe, Zeit zur Besch&#228;ftigung mit einem bislang unbekannten literarischen Werk finden werde, einem Sach- oder Fachbuch oder zum Beispiel auch einmal einer Reisebeschreibung.</p>

<p>Die meisten mir bis dahin unbekannten B&#252;cher kommen tats&#228;chlich &#252;ber Literatursendungen im Radio in den Horizont meiner Aufmerksamkeit. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es im Radio so viele unterschiedliche Stimmen von Kritikern und Kritikerinnen gibt. Das ist anders als im Fernsehen, in dem es erstens weit weniger Literatursendungen gibt und zweitens entsprechend nur wenige Literatur kritisierende Gesichter. (Manchmal will es mir so scheinen, als habe das Fernsehen Angst, dass zu viele Literaturvorstellungen zu ihm als Unterhaltungsmedium eine Konkurrenz aufbauen k&#246;nnten; wahrscheinlich ist das aber nur eine Verschw&#246;rungstheorie <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_biggrin.gif' alt=':-D' class='wp-smiley' /> )</p>

<p>Ich merke den Stimmen der Kritker und Kritikerinnen im Radio &#252;berraschend h&#228;ufig &#252;berraschend schnell an, ob sie von einem literarischen Werk gepackt wurden oder ob es sie kalt gelassen hat. Au&#223;erdem mag ich es einfach, wenn in Kritikergespr&#228;chen die Rezensenten einfach so ins Erz&#228;hlen kommen und eben keinen vollst&#228;ndig vorgeschriebenen Beitrag alleine im Studio vorproduzieren.</p>

<p>Ich hab vorhin ca. 45 Minuten lang Beitr&#228;ge der Sendung „B&#252;chermarkt“ des Deutschlandfunks geh&#246;rt und habe jetzt schon wieder vier B&#252;cher auf meiner inneren Liste stehen, die ich mir demn&#228;chst wohl einmal anschauen werde. – Von dem einem oder dem anderen werde ich dann wohl auch hier berichten.</p>

<p>Und jetzt bist du / sind Sie dran: Wie kommst du / kommen Sie zu B&#252;chern, die gelesen werden? – Ich bin neugierig… <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>

<blockquote><span style="color: #999999;">
</span></blockquote>

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		<title>Der Mairisch-Verlag – Ein Interview mit Daniel Beskos auf der Frankfurter Buchmesse #fbm11</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 17:53:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Weil Finn-Ole Heinrichs Roman „R&#228;uberh&#228;nde“ nicht nur mir gefallen hat, sondern auch bei Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen sehr gut angekommen ist, bin ich nun mal zum Verlag gegangen, der diesen Roman ver&#246;ffentlicht hat. Die  haben auch noch viele andere Romane in &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/12/der-mairisch-verlag-ein-interview-mit-daniel-beskos-auf-der-frankfurter-buchmesse-fbm11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weil <a href="http://www.finnoleheinrich.de/raeuberhaende.php" target="_blank">Finn-Ole Heinrichs Roman „R&#228;uberh&#228;nde“</a> nicht nur mir gefallen hat, sondern auch bei Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen sehr gut angekommen ist, bin ich nun mal <a href="http://mairisch.de/" target="_blank">zum Verlag gegangen, der diesen Roman ver&#246;ffentlicht hat</a>. Die  haben auch noch viele andere Romane in ihrer Buchmessekoje ausgestellt gehabt. Und CDs auch noch. In diesem Verlag erscheinen n&#228;mlich die Platten von <a href="http://www.spaceman-spiff.de/" target="_blank">Spaceman Spiff</a>, der mich auch schon mit seinen Texten und seiner Musik zu &#252;berzeugen wusste.</p>

<p>Ja, auch Liedtexte sind Literatur, „Lyrics“ eben – warum also sollte ein Liedermacher wie Spaceman Spiff dann keinen Platz in einem tollen Verlagsprogramm haben, wie ich es hier auf dem Buchmessenstand vorgefunden habe?!</p>

<p>Aber was ist das f&#252;r ein Verlag, der sich mir da mehr und mehr als Geheimtipp entpuppt? Was zeichnet den in Hamburg angesiedelten Mairisch-Verlag aus? Als ich schon begonnen hatte, mit Daniel Beskos dar&#252;ber zu sprechen, fiel mir ein, dass ich mein Aufnahmeger&#228;t dabei habe und so haben wir das Gespr&#228;ch als Interview weiter gef&#252;hrt:</p>

<div class="ab-player" data-boourl="http://audioboo.fm/boos/503042-der-mairisch-verlag-hamburg-stellt-sich-vor-ein-interview-mit-daniel-beskos-fbm11/embed"><a href="http://audioboo.fm/boos/503042-der-mairisch-verlag-hamburg-stellt-sich-vor-ein-interview-mit-daniel-beskos-fbm11">listen to &lsquo;Der Mairisch-Verlag (Hamburg) stellt sich vor. Ein Interview mit Daniel Beskos #fbm11 &rsquo; on Audioboo</a></div>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 13 – Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 16:18:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nicht, dass ein irischer Expolizist und der sich nunmehr als Privatdektiv versuchende Jack Taylor weniger melancholisch als ein schwedischer Wallander-Held w&#228;re. Vielleicht ist das weiter n&#246;rdlich einfach so. Wer sich da mit den B&#246;sen befasst, wird von Melancholie getragen. Und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/02/herrn-larbigs-bibliothek-13-ken-bruen-jack-taylor-fliegt-raus/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht, dass ein irischer Expolizist und der sich nunmehr als Privatdektiv versuchende Jack Taylor weniger melancholisch als ein schwedischer Wallander-Held w&#228;re. Vielleicht ist das weiter n&#246;rdlich einfach so. Wer sich da mit den B&#246;sen befasst, wird von Melancholie getragen. Und Jack Taylor wird au&#223;erdem regem&#228;&#223;ig von zu vielen Pints irischem Bier, Brandy in Kaffee, Gin, Whiskey etc. flach gelegt, auch wenn er zwischenzeitlich mal<span id="more-16099"></span> ein paar Tage trocken bleibt.</p>

<p>Neben dieser als Ich-Erz&#228;hlung gestalteten Charakterstudie voller Ironie und eher abgedunkeltem als schwarzem Humor, wird in der Geschichte auch noch gemordet. Und es ist fast von Anfang an klar, dass Jack Taylor bei seinen zwischenzeitlich unternommenen Aufkl&#228;rungsversuchen eines angeblichen Selbstmords – zumindest den einen oder anderen aufschreckt und nerv&#246;s werden l&#228;sst.</p>

<p>Jack Taylor ist bei der Arbeit nicht unbedingt korrekt. Er l&#228;sst auch schon mal eine fahrl&#228;ssige T&#246;tung (die vielleicht auch als Mord angesehen werden k&#246;nnte) als „nat&#252;rlichen Todesfall“ durchgehen, verschl&#228;ft die Beerdigung eines seiner weniger Freunde, der ihm in seiner Kneipe nie Hausverbot gegeben hatte, volltrunken. Und den noch aus seinen vergangenen Polizeitagen stammenden „Artikel 8234“, „einen materialausgabe&#252;blichen Garda-Allwettermantel”, hat er auch noch nicht abgegeben. Das wird er wahrscheinlich auch nicht mehr tun.</p>

<p>Am Ende des Romans sind sechs Leute tot – beil&#228;ufig starben Sie, bei zwei Todesf&#228;llen ist der Leser im Text dabei. Und da der Roman aus der Ich-Erz&#228;hlperspektive verfasst ist, kann daraus zumindest geschlossen werden, dass Jack Taylor nicht weit vom Geschehen weg ist.</p>

<p>Am Ende des Romans ist zudem endg&#252;ltig klar: Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ ist kein Detektiv- oder Kriminalroman im engen Sinn. Und die &#220;bersetzung von Harry Rowohlt klingt so, wie Harry Rowohlt nun einmal klingt, sodass ich nicht ganz sicher bin, wie viel Rowohlt in die &#220;bersetzung eingeflossen ist.</p>

<p>Es gibt noch mehr Jack-Taylor-Romane. Bis ich den n&#228;chsten lese, wird wohl ein wenig Zeit vergehen. Nicht, dass es ein schlechter Roman w&#228;re, im Gegenteil, ihm ist viel literarisches eigen, doch diesen andauernd lakonisch-humorvollen Tonfall ertrage ich nur in kleinen Dosen.</p>

<blockquote><address>Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus. &#220;bersetzt von Harry Rowohlt. Z&#252;rich (Atrium Verlag) 2010 (5. Aufl., engl. Originial: 2001), 302 S., </address></blockquote>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 12 – James Wood: Die Kunst des Erz&#228;hlens</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 00:11:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe nun ja schon eine ganze Reihe an B&#252;chern dar&#252;ber gelesen, „wie Schriftsteller zu Werke gehen“ (Herlinde K&#246;lbl), was einen guten Roman ausmacht, wodurch Gedichte gepr&#228;gt sind. Mir ist noch kein Buch &#252;ber das Lesen und Schreiben von Literatur &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/18/herrn-larbigs-bibliothek-12-james-wood-die-kunst-des-erzahlens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/Wood_KunstDesErzaelens.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7663" title="Wood_KunstDesErzaelens" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/Wood_KunstDesErzaelens.jpg" alt="" width="72" height="110" /></a> Ich habe nun ja schon eine ganze Reihe an B&#252;chern dar&#252;ber gelesen, „wie Schriftsteller zu Werke gehen“ (<a href="http://www.amazon.de/Schreiben-Schriftsteller-gehen-Fotografien-Gespr&#228;che/dp/3896600419" target="_blank">Herlinde K&#246;lbl</a>), was einen guten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roman">Roman</a> ausmacht, wodurch <a title="&#220;ber das (schulische) Interpretieren von Gedichten" href="http://herrlarbig.de/2010/12/06/ueber-das-schulische-interpretieren-von-gedichten/" target="_blank">Gedichte</a> gepr&#228;gt sind.</p>

<p>Mir ist noch kein Buch &#252;ber das Lesen und Schreiben von Literatur begegnet, nach dessen Lekt&#252;re mein Arbeitsplatz so hell von „Kronleuchtern“ bestrahlt wurde, die mir w&#228;hrend der Lekt&#252;re aufgegangen sind.</p>

<p>Gleichzeitig wei&#223; ich , dass dieses Buch noch mehrfach zu lesen sein wird, um seinen Tiefgang, seine Differenziertheit und all seine Anregungen wirklich f&#252;r meinen Alltag fruchtbar zu machen.</p>

<p>Die Erstlekt&#252;re von <a href="http://www.rowohlt.de/magazin_artikel/James_Wood_Die_Kunst_des_Erzaehlens.2958054.html" target="_blank">James Woods „Die Kunst des Erz&#228;hlens“</a> hat mich gefesselt.<span id="more-7662"></span> Ich habe in diesem Buch nichts Neues erfahren, aber das Bekannte in einer Weise dargestellt bekommen, dass es mir nunmehr wieder unbekannt, fremd, einer erneuten Entdeckung wert scheint. Was <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers_3_1.htm" target="_blank">personale Erz&#228;hlperspektive</a> bedeutet, welche Bedeutung <a href="http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=ku&amp;dig=2009/01/10/a0108&amp;cHash=1bfd16a017" target="_blank">Flaubert</a> f&#252;r den modernen Roman hat, was es mit den Details, den Figuren, der Sprache, der Gestaltung von Dialogen, der Frage nach Wahrheit im Roman auf sich hat, wird von Wood erfrischend verst&#228;ndlich dargestellt.</p>

<p>in 123 &#252;bersichtlichen Abschnitten (Kapiteln) kommt Wood auf 240 Seiten auf den Punkt; und das st&#228;ndig. Dabei behauptet Wood nicht, dass Literatur die L&#246;sung aller Probleme sei, die es auf der Welt gibt. Aber er kommt zu einem Schluss, den ich voll und ganz teile: „Durch die Literatur werden wir zu besseren Beobachtern“.</p>

<p>Dies gilt bestimmt dann, wenn  wir wissen, wie wir Literatur, ob nun Lyrik oder Prosa, f&#252;r uns selbst erschlie&#223;en k&#246;nnen. Woods liefert einen beeindruckenden Beitrag, der dazu beitr&#228;gt, dass wir vielleicht den einen oder anderen Roman f&#252;r uns besser erschlie&#223;en k&#246;nne.</p>

<p>Andererseits ist „Die Kunst des Erz&#228;hlens“ ein Buch f&#252;r alle, die jenseits esoterischer Heilsversprechungen sich selbst dem kreativen Schreiben aussetzen. Wood zeigt Perspektiven auf, die den Leser seines Werkes nicht nur zu genaueren (=besseren) Lesern und Beobachtern machen, sondern auch f&#252;r Schreibende vielf&#228;ltige Anregungen enthalten, wie ein Text zu einem guten Text werden kann.</p>

<p>Eine gro&#223;artige Bereicherung f&#252;r alle „Hardcore“-Leser, die noch genauer lesen, noch mehr Details entdecken, noch mehr dar&#252;ber erfahren wollen, wie ein Roman funktioniert.</p>

<p>Eine gro&#223;artige Bereicherung f&#252;r alle Leser, die von Literatur fasziniert sind, aber 1. nicht genau wissen, warum eigentlich und die sich 2. fragen, ob es ein Handwerk des Schreibens gibt.</p>

<p>Woods gibt nicht nur klare Antworten, aber er zeigt Perspektiven auf, die dem Leser und der Leserin Anhaltspunkte f&#252;r die Reise durch literarische Welten bieten wollen, damit das Individuum nicht zuletzt im Sog digitaler Welten verloren geht.</p>

<blockquote><address>James Wood, Die Kunst des Erz&#228;hlens. Mit einem Vorwort von Daniel Kehlmann, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2011, 240 Seiten f&#252;r 19,95 Euro. (Mit einem Vorwort von Daniel Kehlmann; &#252;bersetzt aus dem Englischen von Imma Klemm unter Mitwirkung von Barbara Hofmeister.)</address></blockquote>

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		<title>Faust 1 – Studierzimmer – Verse 1178–1529</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 20:20:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn der Teufel Worte aus der Bibel h&#246;ren muss, einem religi&#246;sen Gef&#252;hl in seiner unmittelbaren Umgebung begegnet, so ist es naheliegend, dass er nicht ruhig sein kann, „hin und wider“ rennt (V 1186), dass er „zu den heiligen T&#246;nen, / Die jetzt &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/faust-i-studierzimmer-verse-11781529/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mephistopheles" target="_blank">Teufel</a> Worte aus der Bibel h&#246;ren muss, einem religi&#246;sen Gef&#252;hl in seiner unmittelbaren Umgebung begegnet, so ist es naheliegend, dass er nicht ruhig sein kann, „hin und wider“ rennt (V 1186), dass er „zu den heiligen T&#246;nen, / Die jetzt meine [Fausts] ganze Seel&#8217; umfassen” (V 1202f.) knurrt, auch wenn dazu „der tierische Laut nicht passen“ (V 1204) will.</p>

<p>Und als <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/faust-1/" target="_blank">Faust</a> dann auch noch beginnt,<span id="more-6125"></span> den <a title="»Im Anfang war die Tat« – Das Verb als Satzzentrum" href="http://herrlarbig.de/2008/09/25/im-anfang-war-die-tat-das-verb-als-satzzentrum/" target="_blank">Anfang des Johannesevangeliums </a>zu &#252;bersetzen (V1224–1237), beginnt der Pudel zu heulen, zu bellen und Faust kommt zu dem Schluss: „Solch einen st&#246;renden Gesellen / Mag ich nicht in der N&#228;he leiden.“ (V 1241f.) – Und doch treibt ihn die Neugier an. Die Spannung steigt, die Worte an den Pudel sind in k&#252;rzeren Versen als jene der religi&#246;sen Innigkeit. Und die Worte der Beschw&#246;rungsformel (V 1273–1321) Fausts angesichts des Pudels werden in noch k&#252;rzere Verse gefasst, die die Unruhe ausdr&#252;cken, die sich erst entspannt als der der Pudel sein Wesen zeigt. Hier steht dann auch der ber&#252;hmte Vers „Das also war des Pudels Kern.“ (V 1322)</p>

<p>Faust entspannt sich sprachlich in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alternanz_(Verslehre)" target="_blank">alternierenden Versen</a>. Und doch will er wissen, mit wem er es da zu tun hat, erinnert er sich doch an die alte <a href="http://www.sciacchitano.it/Pensatori%20epistemici/Benjamin/&#220;ber%20Sprache%20&#252;berhaupt.pdf" target="_blank">Vorstellung, dass der Namen das Wesen beschreibt, dass das Wissen um den Namen Macht &#252;ber das Benannte gibt</a>. „Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen / Gew&#246;hnlich aus dem Namen lesen” (V 1330f.) Und Faust erf&#228;hrt den Namen nicht, bekommt vielmehr ein „R&#228;tselwort“ (V 1337), in dem sich Mephistopheles mit seiner nihilistischen, alles verneinenden Lebenseinstellung vorstellt. „Goethes Mephistopheles pervertiert alles: die Welt geht vom Dunkel aus und l&#228;uft auf das Nichts hin – ein Gegenbild zu dem, was der <a title="Faust 1: Zueignung, Vorspiel auf dem Theater, Prolog im Himmel" href="http://herrlarbig.de/2008/09/04/goethes-faust-zueignung-vorspiel-auf-dem-theater-prolog-im-himmel/" target="_blank"><em>Prolog im Himmel</em></a> zeigte.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/faust-i-studierzimmer-verse-11781529/#footnote_0_6125" id="identifier_0_6125" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&amp;#252;nchen 1998, S. 533.">1</a></sup></p>

<p>Mephistopheles geht es um Zerst&#246;rung und er sagt dies offen. Gleichzeitig aber bekommt die Szene fast etwas kom&#246;dienhaftes, als Mephistopheles das Zimmer Fausts nicht verlassen kann. „Der Teufel kann nicht aus dem Haus“ (V 1408), weil ihn ein Pentagramm davon abh&#228;lt. Zwar ist es nicht ganz geschlossen gezeichnet, aber den Weg nach drau&#223;en versperrt es. Faust fragt (fast schon schelmisch?): „Doch warum gehst du nicht durchs Fenster?“ (V 1409) worauf ihm Mephistopheles die strengen Gesetze nennt, denen er offensichtlich unterworfen ist, obwohl er doch „stets verneint“ (V 1338):</p>

<blockquote>„&#8217;s ist ein Gesetz der Teufel und Gespenster: / Wi sie hereingeschl&#252;pft, da m&#252;ssen sie hinaus. / Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte.“ (V 1410–1412)</blockquote>

<p>Als Faust dies h&#246;rt, bietet <em>er</em> Mephistopheles einen Pakt an (V 1415), worauf dieser erst einmal ein wenig Abstand suchen will, was Faust gar nicht gef&#228;llt: „Den Teufel halte, wer ihn h&#228;lt! Er wird ihn so bald zum zweiten Male fangen.” (V 1429) Mephistopheles f&#252;gt sich scheinbar, zeigt aber dennoch seine Kraft, indem er Geister singen l&#228;sst (V 1447–1505), die in Kurzversen, fast durchgehend gereimt spreche, wobei das Klangliche und Sinnenhafte<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/faust-i-studierzimmer-verse-11781529/#footnote_1_6125" id="identifier_1_6125" class="footnote-link footnote-identifier-link" title=" Vgl.&nbsp;((Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&amp;#252;nnchen 1998, S. 535.">2</a></sup> vorherrscht. Es wird vor allem der Sehsinn angesprochen, hin und her pendelnde, kurze zweihebige Verse, fast wie ein Pendel bei einer Hypnose – einlullend und einschl&#228;fernd.</p>

<p>Doch dieses „Konzert“ (V 1508), ein weiterer Hinweis auf Mephistopheles begrenzte Macht, konnte Mephistopheles zwar herbeirufen, aber seine Wirkung nicht selbstst&#228;ndig erzeugen. Und nun braucht er auch noch eine Ratte, die das Holz, auf dass das Pentagramm gemalt ist, so anknabbert, dass es sich &#246;ffnet und Mephistopheles entfliehen kann. – Aber er kommt wieder, von sich aus, in einer anderen Verkleidung. Schon in der folgenden Szene, die wiederum im Studierzimmer spielt, klopft er an, ist bereit den Pakt mit Faust einzugehen, aber dies ist, wie schon gesagt, die n&#228;chste Szene.</p>

<p>Verwendete Literatur:</p>

<p>Erich Trunz (Hrsg.), Goethes Werke Band 3, Dramatische Dichtungen 1, M&#252;nchen 1998.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2008/08/25/faust-1-studierzimmer-wie-ein-elefant/" rel="bookmark" title="25. August 2008">Faust 1 – Studierzimmer (»…wie ein Elefant«)</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/10/faust-1-die-gretchenfrage-marthens-garten-v-34143543/" rel="bookmark" title="10. November 2008">Faust 1 – Die Gretchenfrage (Marthens Garten – Verse 3414–3543)</a></li>
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		<title>Summertime Personal Learning Environment (PLE 2)</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 17:38:04 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Wie die pers&#246;nliche Lernmgebung aussieht, stand im „OpenCourse: Die Zukunft des Lernens“ vor einigen Wochen als Frage im Raum. Damals antwortete ich auch schon mit einem Bild . Doch im Laufe des Jahres, im Laufe der Jahreszeiten &#228;ndern sich die Arbeitsorte. Was &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/02/summertime-personal-learning-environment-ple-2/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
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<div id="attachment_6022" class="wp-caption aligncenter" style="width: 388px"><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/PLE_Larbig2.jpg"><img class="size-full wp-image-6022  " title="PLE_Larbig2" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/08/PLE_Larbig2.jpg" alt="Pers&#246;nliche Lernumgebung im Sommer (© Torsten Larbig)" width="378" height="567" /></a><p class="wp-caption-text">Summertime Personal Learning Environment – PLE (© Torsten Larbig) </p></div></blockquote>

<p>Wie die pers&#246;nliche Lernmgebung aussieht, stand im „OpenCourse: Die Zukunft des Lernens“ vor einigen Wochen als <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/agenda/woche-4/" target="_blank">Frage</a> im Raum. <a title="My Personal Learning Environment ( #opco11 )" href="http://herrlarbig.de/2011/05/22/my-personal-learning-environment-opco11/" target="_blank">Damals antwortete ich auch schon mit einem Bild </a>. Doch im Laufe des Jahres, im Laufe der Jahreszeiten &#228;ndern sich die Arbeitsorte.</p>

<p>Was hier wie „Urlaub auf Balkonien“ aussehen mag, ist einer meiner Sommerarbeitspl&#228;tze. Immer dabei: Die Tasse Tee. In diesem Fall kommen noch die <a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/flucht_und_verwandlung-aris_fioretos_42159.html" target="_blank">Biographie Nelly Sachs&#8217; von Aris Fioretos</a> und ein Bleistift zum Markieren markanter Textstellen hinzu. Und ja, da ist kein digitales Ger&#228;t zu sehen. Einfach nur in der warmen Sonne sitzen (in Wahrheit wird so ein S&#252;dbalkon sogar sehr warm, trotz Sonnenschutz) und genie&#223;end arbeiten.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 10 – Tino Hanekamp: So was von da</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 17:52:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Ende wissen wir es dann: Eine Party besteht aus lauter Musik, einem gewissen Hang zum destruktiven Auseinandernehmen der Partylocation, Partybesuchern, die so bedr&#246;hnt sind, dass sie eine MDMA-Bowle ohne MDMA dennoch f&#252;r eine solche halten und dem Placeboeffekt v&#246;llig &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/07/28/herrn-larbigs-bibliothek-10-tino-hanekamp-so-was-von-da/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Ende wissen wir es dann: Eine Party besteht aus lauter Musik, einem gewissen Hang zum destruktiven Auseinandernehmen der Partylocation, Partybesuchern, die so bedr&#246;hnt sind, dass sie eine MDMA-Bowle ohne MDMA dennoch f&#252;r eine solche halten und dem Placeboeffekt v&#246;llig erliegen.</p>

<p>Eine Party als Weltuntergang, nach dem das Leben weiter geht, dann aber eben als Erwachsener. Bis dahin aber ist der Ich-Erz&#228;hler Oskar Wrobel dauerbesch&#228;fitigt und weder die Nachricht, dass eine gute Freundin nicht mehr lange zu leben hat noch die Wiederkehr seiner geliebten Mathilde verm&#246;gen ihn von dieser Dauerbesch&#228;ftigung mit eingeschobenen Selbstbetrachtungen – Oscar Wrobel zitiert immer wieder aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Aurel" target="_blank">Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ </a>– abzuhalten.</p>

<p>Oskar hat Schulden, ein Ex-Zuh&#228;lter will mal eben so zehntausend Euro von ihm, Hamburgs f&#252;r das B&#252;rgermeisteramt kandidierende Justizsenatorin verbringt einen Teil dieser Nacht vom 31.12. zum 1.01. irgendeines der Nullerjahre des 21. Jahrhunderts im Aufzug, der zum Club f&#252;hrt, in dem die Party stattfindet, zum Club, der in einem alten Krankenhaus angesiedelt ist, bis dieses dann eben abgerissen wird. – So was machen Clubbetreiber gerne mit abrissreifen H&#228;usern, man „feiert“ Partys. Das war in <a href="http://www.max.de/cityguide/city/frankfurt/nightlife/club-disko/162870,1,cg_tip,2,Praesidium+1911.html" target="_blank">Frankfurts altem Polizeipr&#228;sidium</a> so, das ist in Tino Hanekamps Roman nicht anders.</p>

<p>Und dann ist die Party vorbei.</p>

<p>Man wird „erwachsen“, arbeitet vielleicht sogar in den modernen B&#252;ros, die an Stelle des Abrisshauses getreten sind, ist weiter auf Drogen, weil man es nicht mehr anders kann und ist „So was von da“, also genau im Hier &amp; Jetzt, ahnend, dass es ein Morgen gibt, aber noch nicht bereit, sich diesem Morgen zu stellen.</p>

<p>Zum Gl&#252;ck erz&#228;hlt Oskar Wrobel diese Geschichte, denn Tino Hanekamp hat ja auch schon einen Club betrieben, der abgerissen wurde, hat auch heute noch mit der Hamburger Clubszene zu tun, hat aber bestimmt keinen realistischen Club vorstellen wollen. Das w&#228;re zu &#246;de und kaum zu glauben, denn bei allem Tempo, den der Roman bekommt, so musste er doch geschrieben werden – und das wird wohl kaum w&#228;hrend einer schuldenbelasteten, zugedr&#246;hnt vorbeiziehenden Dauerparty passiert sein.</p>

<p>Hanekamp war laut Autorenportr&#228;t im Buch auch schon Journalist. Na, da haben wir es doch schon. Dieser Roman ist bestimmt ein literarische Portr&#228;t der „Generation“ der Nullerjahre: Party, Dr&#246;hnung, Destruktivit&#228;t und das dauernde Gef&#252;hl, „so was von da“ leben zu m&#252;ssen, weil die Zukunft nicht absehbar ist, die Bildungs- und Berufsbiografien gebrochen sind etc. Vielleicht also ist das die Story, die Oskar Wrobel als Ich-Erz&#228;hler in die Welt setzen will.</p>

<p>Also ist das Pop-Literatur?! –</p>

<p>– Mir ist die Einordnung solcher Romane in irgendwelche Schemata <del>eigentlich</del> zu l&#228;stig, weil solche Einordnungen immer so viel zu erkl&#228;ren versuchen, was sie gar nicht erkl&#228;ren k&#246;nnen.</p>

<p>Eines hat mich beim Lesen dieses Romans allerdings mehr und mehr &#252;berrascht: Beim Lesen kam nichts &#252;berraschendes, der Roman ist weit &#252;ber die H&#228;lfte absehbar – und doch habe ich weiter gelesen, habe zu Ende gelesen, bin in den Sog der literarischen Party geraten. Aber das macht die Party heute vielleicht aus: Jeder Partyg&#228;nger wei&#223;, wie sie sein soll, jeder wei&#223;, wie sich eine schlechte Party anf&#252;hlt, jede Party gleicht der anderen. Doch die gute Party entwickelt in diesem Altvertrauten einen Sog. Und das passiert auch bei diesem Roman. Als Leser wei&#223; ich, wie so ein Roman funktioniert, ich wei&#223;, wie so ein Roman sein soll, wie sich ein schlechter Roman liest. Und ein guter Roman entwickelt einen eigenen Sog. Ich bin mir sicher, Hanekamps „So was von da“ kann diese Sog nicht auf jeden Leser und jede Leserin aus&#252;ben, es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass ihm das gelingt.</p>

<p>Ein gut lesbarer Roman, in dem die Schrecken des Lebens auftauchen wie in mancher Nachmittagssendung im Privatfernsehen: Sie gehen im Augenblick des Auftauchens im Rausch des „Da“ wieder unter. Und doch ist da eine zarte Ernsthaftigkeit, die in alle dem L&#228;rm zu ber&#252;hren vermag.</p>

<blockquote>Tino Hanekamp: So was von da. Roman. K&#246;ln (Kiepenheuer und Witsch) 2011, 304 Seiten, Euro (D) 14,99 | sFr 21,90 | Euro (A) 15,50 ISBN: 978-3-462-04288-7</blockquote>

<p>Und seit neuestem werden B&#252;cher per Videotrailer beworben. Also dann… Will ich nicht vorenthalten:</p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 9 – Jussi Adler-Olsen: Erl&#246;sung</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jun 2011 20:31:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es geht nicht mehr darum, wer der T&#228;ter ist. Das wird in „Erl&#246;sung“ von Jussi Adler-Olsen sehr schnell erz&#228;hlt. Auch was die Opfer und die Beweggr&#252;nde des T&#228;ters angeht, kann man schon nach der H&#228;lfte des Krimis einiges sagen und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/06/30/herrn-larbigs-bibliothek-9-jussi-adler-olsen-erlosung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es geht nicht mehr darum, wer der T&#228;ter ist. Das wird in „Erl&#246;sung“ von Jussi Adler-Olsen sehr schnell erz&#228;hlt.</p>

<p>Auch was die Opfer und die Beweggr&#252;nde des T&#228;ters angeht, kann man schon nach der H&#228;lfte des Krimis einiges sagen und wissen.</p>

<p>Das liegt daran, dass zwei Handlungsstr&#228;nge parallel erz&#228;hlt werden: Einerseits werden die Ermittlungen Carl M&#246;rks, Assads und Rose bzw. deren „Schwester“ (?) Yrsa dargestellt, andererseits wird tiefer und tiefer in die Psyche und die Handlungsweisen Einblick gew&#228;hrt, die den T&#228;ter bewegen.</p>

<p>Die Geschichte die Adler-Olsen erz&#228;hlt, ist aber nicht nur interessant, weil da Ermittler und T&#228;ter parallel unterwegs sind. Vorrangig wird diese Geschichte erz&#228;hlt, weil in ihr f&#252;r den T&#228;ter alles, was in den vergangenen Jahren bei &#228;hnlichen Taten so perfekt zu funktionieren schien, aus den Fugen ger&#228;t.</p>

<p>Es kommt zu sehr vielen ungeplanten Situation, rasanten Verfolgungsjagden, Menschen, die nicht so handeln wie es der kontrolls&#252;chtige T&#228;ter erwartet… Kurz: Es ger&#228;t alles aus den Fugen und auch im Polizeipr&#228;sidium scheint es mehrere F&#228;lle gleichzeitig zu geben, an denen die Ermittler dran sind, die ihnen aber durchaus noch Zeit f&#252;r pers&#246;nliche Sympathien und Aversionen lassen.</p>

<p>Irgendwann aber m&#252;ssen sich die Wege von Carl M&#246;rk, Assad und dem sich so selbstsicher f&#252;hlenden T&#228;ter kreuzen. Dies geschieht, nachdem wieder mal etwas nicht so geklappt hat, wie sich der M&#246;rder sich das vorgestellt hatte und er fliehen muss. Kompositorisch ist dies Adler-Olsen richtig gut gelungen. Das meine ich vom ganzen Roman sagen zu k&#246;nnen: Er ist gut komponiert und das Tempo nimmt zum Ende hin mehr und mehr zu.</p>

<p>Es bleibt zwar sehr viel Dunkelheit &#252;ber der Vergangenheit des T&#228;ters, der sich so viele Identit&#228;ten zugelegt hat, dass er selbst nicht mehr zu wissen scheint, wer er eigentlich ist, aber die Figur ist ausreichend ausgearbeitet, sodass ihr Handeln in erschreckender Weise f&#252;r diese Figur als nachvollziehbar gelesen werden kann.</p>

<p>Der dritte M&#246;rk-Roman aus Adler-Olsens Thrillerwerkstatt. Wenn mich nicht alles t&#228;uscht, sind diese Romane von Band zu Band besser komponiert worden.</p>

<p>Adler-Olsen hat angek&#252;ndigt, dass er zehn B&#228;nde um die „Sonderkomission Q – Abteilung f&#252;r ungel&#246;ste F&#228;lle“ schreiben wolle. Die Figuren um Carl M&#246;rk herum, Assad, dessen Vorgeschichte nach wie vor im Dunkeln bleibt, und Rose, bei der noch zu kl&#228;ren ist, ob sie wirklich die in „Erl&#246;sung“ sich andeutende Pers&#246;nlichkeitsspaltung hat, bieten zumindest genug Potential als Figuren, um sich in der Besch&#228;ftigung mit weiteren F&#228;llen interessant weiter entwickeln zu k&#246;nnen.</p>

<blockquote>Jussi Adler-Olsen, Erl&#246;sung (aus dem D&#228;nischen von Hannes Thiess, M&#252;nchen (dtv) 2011, 592 Seiten (14,90 €)</blockquote>

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		<title>&#220;berlegungen zum Kulturwandel: Alte B&#252;cher und digitale, buch&#228;hnliche Produkte</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 11:41:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe hier B&#252;cher stehen, die hundert und mehr Jahre alt sind. Diese B&#252;cher hatten mehrere Besitzer. Diese B&#252;cher sind Zeugen des jeweiligen Geschmacks der Zeit, wenn es um die Gestaltung von Bucheinb&#228;nden oder auch des gesamten Buches geht. Zum &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/06/29/uberlegungen-zum-kulturwandel-alte-bucher-und-digitale-buchahnliche-produkte/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe hier B&#252;cher stehen, die hundert und mehr Jahre alt sind. Diese B&#252;cher hatten mehrere Besitzer. Diese B&#252;cher sind Zeugen des jeweiligen Geschmacks der Zeit, wenn es um die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bucheinband" target="_blank">Gestaltung von Bucheinb&#228;nden</a> oder auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buchgestaltung" target="_blank">des gesamten Buches</a> geht. Zum Teil haben Vorbesitzer Spuren in den B&#252;chern hinterlassen. Solche Spuren sind zum Beispiel die Eintragung des Namens auf dem Titelblatt, sodass man zum Teil sehen kann, wem das Buch alles geh&#246;rt hat, es kommen aber auch Anstreichugen in den Texten vor.</p>

<p>In Bibliotheken stehen <a href="http://www.bsb-muenchen.de/App-Famous-Books-Treasures-of-the-Bavarian-State-Library.virtuelle-angebote-app.0.html" target="_blank">Buchbest&#228;nde, die viel &#228;lter sind</a>. Ich erinnere einen Besuch in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L&#246;wen" target="_blank">L&#246;wen</a> (Belgien). Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Universit&#228;tsbibliothek_L&#246;wen" target="_blank">Bibliothek</a> dort hat, so ich mich richtig erinnere, &#252;ber 120000 alte B&#252;cher, teilweise auch Handschriften. Und in vielen Bibliotheken lagern Dokumente, die es erst noch (wieder) zu entdecken gilt.</p>

<p>Wenn die Digitalisierung so weitergehen w&#252;rde, dass digitale Speicher gedruckte B&#252;cher zu einem Randph&#228;nomen werden lie&#223;en,<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Langzeitarchivierung"> s&#228;he das mit den Altbest&#228;nden in Bibliotheken und Archiven anders aus</a>.</p>

<p>Statt B&#252;cher lagerten dort Festplatten. Statt Papierfra&#223; h&#228;tte man es mit Hardwarefehlern und Abnutzungserscheinungen der Datentr&#228;ger zu tun, die die Lesbarkeit der Dokumente gef&#228;hrden. Techniker w&#252;rden alte Leseger&#228;te einsatzf&#228;hig halten oder zu rekonstruieren versuchen. Andere Techniker h&#228;tten keine andere Aufgabe, als Daten von alten Datentr&#228;gern auf neue zu &#252;bertragen, so wie man alte B&#252;cher heute digitalisiert oder auf Microfilm festgehalten hat.</p>

<p>Es k&#246;nnte aber auch zu neuartigen „Copyright“-Problemen kommen. Wenn ich heute ein Buch kaufe, dann habe ich dieses Buch. Ich kann dieses Buch lesen, behalten, aber auch Freunden zum Lesen geben, es verschenken, es in &#246;ffentlich aufgestellte <a href="http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/frankfurt/buecherschrank-statt-bibliothek_rmn01.c.9016460.de.html" target="_blank">Buchschr&#228;nke</a> stellen. Solange ich das Buch nicht kopiere und eine Vervielf&#228;ltigung weitergebe, kann ich mit dem Buch so ziemlich alles machen, was m&#246;glich ist. Ich habe das Buch gekauft. Es geh&#246;rt mir.</p>

<p>Digitale Werke haben die Eigenart, dass digitalen Daten das Vervielf&#228;ltigen sehr nahe liegt. Digitale Daten sind auf Redundanz hin ausgelegt. Entsprechend wollen (Zeitungs)Verleger heute weg von dem Copyright im klassischen Sinne und hin zu einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f&#252;r_Presseverleger" target="_blank">Leistungsschutzrecht</a>, das sicherstellen soll, dass z. B. Dienste wie Google-News <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/keine_sympathien_fuer_ein_leistungsschutzrecht_1.7391789.html" target="_blank">f&#252;r die Nutzung der Leistung von Journalisten zahlen sollen</a>. Das k&#246;nnte aber durchaus soweit gehen, dass jemand, der auf eine Leistung eines Dritten verlinkt f&#252;r diesen Link bezahlen muss, weil er ja die Leistung des Dritten in Anspruch nimmt, sei es auch „nur“ als Link. Der Text ist dann dennoch, wenn nicht hinter einem Bezahlvorhang verborgen ist, vollst&#228;ndig zug&#228;ngilich. Wenn ich bislang aus einem Werk im wissenschaftlichen Kontext zitiere, dann muss mir irgendwie das (bezahlte) Original vorgelegen haben, ob nun in der Bibliothek oder als gekauftes Buch. Und wenn jemand meinen Literaturnachweis verfolgen will, muss er Zugang zu diesem Werk haben, das dann wiederum in einer bezahlten Form vorliegt.</p>

<p>Das alles ver&#228;ndert sich. Des Verlegers Traum heute scheint zu sein, nicht mehr Zeitungen / B&#252;cher zu verkaufen, sondern nur noch die Inhalte. Das hei&#223;t: Am liebsten, so stelle ich mir das teilweise vor, w&#252;rden Verleger ihre Werke an eine Person binden. Am liebsten w&#228;re es Verlegern wohl, w&#252;rde sie nicht mehr f&#252;r ein B&#252;cher sondern pro Leser eines Buches Geld bekommen (<a href="http://www.vgwort.de/" target="_blank">VG Wort</a> arbeitet, &#228;hnlich wie die Gema, aber nicht so im Blick der &#214;ffentlichkeit stehend daf&#252;r, dass Autoren Nutzungsgeb&#252;hren zum Beispiel aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe" target="_blank">Urheberrechtsabgaben von Kopierern</a> bekommen).</p>

<p>Mit pers&#246;nlichen digitalen Leseger&#228;ten und digitalem Kopierschutz scheint man dem Ziel schon n&#228;her gekommen zu sein. Es gibt aber auch <a href="http://www.zdnet.de/news/41543765/kindle-buecher-kann-man-jetzt-verleihen.htm" target="_blank">erste Versuche, B&#252;cher verleihen zu lassen</a>. Dann ist ein Buch f&#252;r einen begrenzten Zeitraum auf dem digitalen Leseger&#228;t eines Freundes oder Bekannten verf&#252;gbar, aber nicht beim Besitzer.</p>

<p>Mit ver&#228;nderten Copyrightregeln k&#246;nnte diese Art des Verleihens bald hinf&#228;llig sein. Es werden dann andere Regeln f&#252;r gedruckte und digitale Versionen des gleichen Werkes gelten. Das ist schon heute so. So gibt es <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Boersenverein-Buchpreisbindung-gilt-auch-fuer-E-Books-208646.html" target="_blank">Streit um das Thema der Buchpreisbindung</a>. Die Mehrwertsteuers&#228;tze f&#252;r gedruckte und digitale B&#252;cher sind unterschiedlich. <a href="http://www.zeit.de/digital/mobil/2010-09/ebooks-preisbindung-ereader" target="_blank">Oft sind digitale Ausgaben etwas billiger</a> als gedruckte Versionen, womit aber im Prinzip kein Besitzrecht an einer Kopie des Werkes erworben wird, sondern nur das Nutzungsrecht der zur Verf&#252;gung gestellten Daten, die im Zweifelsfall <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-loescht-gekaufte-Kindle-eBooks-6887.html" target="_blank">vom Anbieter auch von den Endger&#228;ten wieder gel&#246;scht werden</a> k&#246;nnen! In einer digitalen Lesegesellschaft wird es auch Zensoren erheblich leichter gemacht, Inhalte von Werken zu ver&#228;ndern oder Werke von Leseger&#228;ten verschwinden zu lassen.</p>

<p>Kulturg&#252;ter sind keine betonierten Ist-Zust&#228;nde. Der Blick in die Geschichte lehrt dies. Der Umgang mit Informationen und Informationstr&#228;gern hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder ver&#228;ndert. Und wie sich die digitale Gesellschaft, hier vor allem auf den Umgang mit B&#252;chern bezogen, letztlich faktisch ver&#228;ndern wird, ist nur begrenzt absehbar.</p>

<p>Neben wirtschaftlichen Entscheidungen werden auch politische Beschl&#252;sse die Ver&#228;nderungen mit bestimmen. Bleibt nur zu hoffen, dass Entscheidungstr&#228;ger nicht dem Irrglauben verfallen, es g&#228;be Zw&#228;nge, nur weil z. B. Firmen etwas aufgebaut haben und dann wollen, dass die Gesetze gef&#228;lltigs dem entsprechen, was sie aufgebaut haben. Entscheidungstr&#228;ger haben Gestaltungsm&#246;glichkeiten. Von der Nutzung dieser Gestaltungsm&#246;gichkeiten wird abh&#228;ngen, wie sich die nach wie vor wichtige Buchkultur entwickeln wird. Um allerdings Gestaltungsm&#246;glichkeiten nutzen zu k&#246;nnen, braucht es Visionen, wie mit dem Kulturgut „Buch“ in Zukunft umgegangen werden soll, welche Rolle es in der Gesellschaft spielen soll, ob es prim&#228;r als Kulturgut oder prim&#228;r als Wirtschaftsgut gesehen wird und wie ein Ausgleich der Interessen von Autoren, Verlegern, Lesern, Bibliotheken etc. gestaltet wird.</p>

<p>Vorschl&#228;ge, Visionen, Tr&#228;ume zur Entwicklung von Kulturg&#252;tern in der digitalen Gesellschaft k&#246;nnen gerne als Kommentar zu diesem Artikel hinzugef&#252;gt werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 8 – Peter Handke: Der gro&#223;e Fall</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2011/06/27/herrn-larbigs-bibliothek-8-peter-handke-der-grose-fall/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 21:55:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[M&#252;&#223;iggang ist in diesem Falle ein literarischer Genuss und nicht des Lasters Anfang. Das kann man anders sehen, ist man selbst der &#220;berzeugung, dass es unproduktiv sei, einen ganzen Tag lang sich zu Fu&#223; von den Randbezirken einer Metropole in &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/06/27/herrn-larbigs-bibliothek-8-peter-handke-der-grose-fall/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>M&#252;&#223;iggang ist <a target="_blank" href="http://www.perlentaucher.de/buch/36010.html">in diesem Falle</a> ein literarischer Genuss und nicht des Lasters Anfang.</p>

<p>Das kann man anders sehen, ist man selbst der &#220;berzeugung, dass es unproduktiv sei, einen ganzen Tag lang sich zu Fu&#223; von den Randbezirken einer Metropole in deren Zentrum zu begeben.</p>

<p>Es spricht viel daf&#252;r, dass die namenlose Metropole Paris ist. Manches von dem Flair, die beschriebenen Kaffees, das Nennen der Metro und das Wissen darum, dass Peter Handke in Frankreich lebt, sprechen f&#252;r diesen Ort. Aber das ist nur am Rande wichtig.</p>

<p>Im Zentrum der Erz&#228;hlung Handkes steht ein Schauspieler. Ein Tag im Leben des Schauspielers wird vom Morgen bis in die Nacht hinein erz&#228;hlt.</p>

<p>Er geht durch die sommerliche Gro&#223;stadt, beobachtet, reflektiert, begegnet Joggern, Obdachlosen, Alten, Jungen, einem den Krieg erkl&#228;renden Politiker in &#220;berlebensgr&#246;&#223;e auf einem Bildschirm am Rande des Weges.</p>

<p>&#220;ber der Stadtmitte steht ein Wetterleuchten.</p>

<p>Handke ist zum „sch&#246;nen Erz&#228;hlen“ zur&#252;ck gekehrt, nachdem er durch teilweise seltsam anmutende politische &#196;u&#223;erungen zur serbischen Politik ein wenig an den Rand des Erz&#228;hlens geraten war.</p>

<p>Nun erz&#228;hlt er in klingender Prosa vom Weg eines Schauspielers in die Stadt. Dabei gibt es durchaus die eine oder andere Lebensweisheit zu entdecken.</p>

<p>Handke hat eine interessante, nicht f&#252;r jeden leicht zu lesende Erz&#228;hlung verfasst. Sprachlich kann Handke sehr &#252;berzeugen. Inhaltlich ist es ein langsam erz&#228;hlter Text, der teilweise auch an die Grenze des Realismus geht. Ob man diese „Trockenheit“ eines Textes, der dennoch sprachlich schillert, mag, muss jeder f&#252;r sich selbst entscheiden.</p>

<p>Dass die Wahrnehmung der eigenen Gro&#223;stadterfahrung gesch&#228;rft werden kann, dass man wom&#246;glich selbst beginnt, die eigenen Wege in der Gro&#223;stadt in nahezu handkescher Sprache aich selbst zu erz&#228;hlen, kann ich aus eigener Erfahrung als eine Nebenwirkung dieser Erz&#228;hlung festhalten. Eine Nebenwirkung, die ich nicht als sch&#228;dlich anseehe.</p>

<p>Handkes j&#252;ngstes Werk ist kein Muss f&#252;r Leser und Leserinnen, aber durchaus eine Bereicherung f&#252;r <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Flaneur">Flaneure</a>.</p>

<blockquote>Peter Handke, Der Gro&#223;e Fall. Erz&#228;hlung, Berlin (Suhrkamp). 280 Seiten, 24,90.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Die Macht der Sprache</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 22:12:38 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ich finde, die Bedeutung des reflektierenden Schreibens und Sprechens wird oft v&#246;llig untersch&#228;tzt. Anders kann ich mir nicht erkl&#228;ren, wie h&#228;ufig das „Tun“ dem „Denken“ gegen&#252;bergestellt, entgegen gesetzt wird. Und sp&#228;testens wenn ein Denkprozess zu einer kritischen (Kritik bedeutet &#252;brigens &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/04/21/die-macht-der-sprache/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde, die Bedeutung des reflektierenden Schreibens und Sprechens wird oft v&#246;llig untersch&#228;tzt.</p>

<p style="text-align: left;">Anders kann ich mir nicht erkl&#228;ren, wie h&#228;ufig das „Tun“ dem „Denken“ gegen&#252;bergestellt, entgegen gesetzt wird. Und sp&#228;testens wenn ein Denkprozess zu einer kritischen (Kritik bedeutet &#252;brigens <span id="more-5966"></span>nicht „negative Kritik“, sondern Differenzierung eines Sachverhaltes) Position gelangt, holt mit Sicherheit jemand die Praxiskeule hervor. „Wenn dir das nicht gef&#228;llt“, wird dann gesagt, „dann tu doch was dagegen“. – Als ob die Sprachhhandlung der Kritik nicht schon ein Tun w&#228;re!</p>

<p>Ich wei&#223; nat&#252;rlich, was gemeint ist, wenn Praxis eingeklagt wird. (Na, dann gr&#252;nde doch einen Verein.) Dabei wird aber untersch&#228;tzt, dass bereits die sprachliche &#196;u&#223;erung eine Handlung ist.</p>

<p>Fr&#252;her war (kaum etwas besser, aber) weit bekannter als heute, dass das Kennen eines Namens Macht &#252;ber das Benannte bedeutet. („Ach wie gut, dass keiner wei&#223;, dass ich Rumpelstilzchen hei&#223;.“) Nicht nur in M&#228;rchen, sondern auch in religi&#246;sen Zusammenh&#228;ngen (D&#228;mon, wie hei&#223;t du?) wird dieser Zusammenhang immer wieder benannt.</p>

<p>Wo immer wir heute auf Unbekanntes sto&#223;en, ist es oft zun&#228;chst die Suche nach einer Sprache f&#252;r ein Ph&#228;nomen, die uns umtreibt. Deshalb ist die Frage, wer Begriffe wie definiert oft so bedeutend.</p>

<p>Wer ein Ph&#228;nomen benennt, kann dies auch wertend tun. In der Werbung, der Politik und interessanterweise auch in der Wissenschaft gibt es f&#252;r diese Frage nach der „Definitionsmacht“ reichlich Beispiele.</p>

<p>Ja. Es ist Macht &#252;ber etwas, die jemand hat, der etwas definiert.</p>

<p>In moderner, sprichw&#246;rtlicher Ausdrucksweise: „Wissen ist Macht.“ In sprachlicher Hinsicht ist das tats&#228;chlich genau so.</p>

<p>Wissen bedeutet aber in vielen F&#228;llen, &#252;ber die entsprechende (Fach)Sprache verf&#252;gen zu k&#246;nnen. Mathematische Formeln, die F&#228;higkeit, wissenschaftliche Experimente zu verstehen und darstellen zu k&#246;nnen etc. verstehe ich hier als eine Form der (Fach)Sprache.</p>

<p>Um so erstaunlicher ist es, wie oft auf sprachliche Reflexionshandlungen die Aufforderung folgt, man m&#246;ge dann doch bitte etwas tun, wenn schon die sprachliche Erfassung eines Problems erfolge.</p>

<p>Es wird immer wieder unterstellt, sich der Sprache zu bedienen sei keine Handlung. Was f&#252;r ein Irrtum. – Jede Reaktion auf einen Text zeigt ja schon, dass man etwas getan hat. Auf Nichtstun (das es &#252;brigens genau genommen gar nicht gibt) kann man nicht reagieren.</p>

<p>Weil aber Sprache so viel m&#228;chtiger ist, als es heute oft angenommen wird, hat Sprache und die F&#228;higkeit, sich ihrer zu bedienen, im Zusammenhang mit demokratischer Teilhabe, ein sehr gro&#223;es Gewicht.</p>

<p>Aus diesem Grunde ist sprachliche Bildung von zentraler Bedeutung f&#252;r die Entwicklung des Individuums.</p>

<p>Sprache bedeutet n&#228;mlich nicht nur, dass man der Welt m&#228;chtig wird. Sprache spielt auch im Prozess der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung eine entscheidende Rolle.</p>

<p>Das wird sp&#228;testens dann nachvollziehbar, wenn ein Mensch psychotherapeutische Unterst&#252;tzung sucht, weil er sich selbst nicht mehr versteht und seiner selbst (wieder) m&#228;chtiger werden will.</p>

<p>In den meisten Therapien spielt die Sprachfindung eine zentrale Rolle, die dazu verhilft, das eigene Ich wieder benennen zu k&#246;nnen und somit ihm gegen&#252;ber „Macht“ zu gewinnen, hat einen doch dieser Machtverlust &#252;ber sich selbst wom&#246;glich gen&#246;tigt, sich Unterst&#252;tzung zu holen.</p>

<p>Es ist also wichtig, Menschen zu einem m&#246;glichst gro&#223;en, differenzierten Wortschatz hin zu begleiten, um ihnen neben der demokratische Teilhabe auch im Prozess der Identit&#228;tsfindung unterst&#252;tzend zur Seite zu stehen.</p>

<p>Entsprechend bedeutet das f&#252;r alle, die solche Identit&#228;tsfindungsprozesse begleiten, dass sie selbst der Sprache m&#228;chtig sein m&#252;ssen.</p>

<p>Dabei gilt, dass man sich eben nicht immer an das Sprachniveau von z. B. Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen anpasst, sondern auch, dass man dieses gezielt weiter entwickelt.</p>

<p>Sprache ist nicht nur handlungsrelevant, Sprache selbst ist ein Tun.</p>

<p>Entsprechend gilt es, die Sprachentwicklung (bei jeder Altersgruppe) in den Vordergrund zu stellen.</p>

<p>Das Ziel dabei ist, Menschen (sprachlich) so autonom zu machen, wie das m&#246;glich ist. – Und vor jedem Verein, vor jeder Kritik steht diese Autonomit&#228;t. Sie wird bis heute viel zu selten erreicht. Doch gerade dies sollte Erzieherinnen, Erzieher, Lehrer, Lehrerinnen und alle, die mit der Ich-Werdung von Menschen betraut sind, nicht davon abhalten, genau dieses sprachliche Ziel st&#228;ndig vor Ohren zu haben und auf reiche Wortsch&#228;tze der Individuen hin zu arbeiten.</p>

<p style="text-align: center;"><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/Hzgzim5m7oU?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/Hzgzim5m7oU?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

<p style="text-align: center;"><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/9_tCtvmAm4M?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/9_tCtvmAm4M?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

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		<title>Gedichtinterpretation: Goethe – ein jugendgef&#228;hrdender Autor</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 22:17:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160; Johann Wolfgang Goethe (1815) &#160; Trunken m&#252;ssen wir alle sein! Jugend ist Trunkenheit ohne Wein; Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend, so ist es wundervolle Tugend. F&#252;r Sorgen sorgt das liebe Leben, und Sorgenbrecher sind die Reben. &#160; &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/04/05/gedichtinterpretation-goethe-ein-jugendgefahrdender-autor/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Times;"><span style="font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif;"> </span></span></p>

<p>&nbsp;</p>

<p style="text-align: center;">Johann Wolfgang Goethe (1815)</p>

<p style="text-align: center;">&nbsp;</p>

<p style="text-align: center;">Trunken m&#252;ssen wir alle sein!</p>

<p style="text-align: center;">Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;</p>

<p style="text-align: center;">Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,</p>

<p style="text-align: center;">so ist es wundervolle Tugend.</p>

<p style="text-align: center;">F&#252;r Sorgen sorgt das liebe Leben,</p>

<p style="text-align: center;">und Sorgenbrecher sind die Reben.</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>Goethe – ein jugendgef&#228;hrdender Autor?</p>

<p>Im „Faust“ werden Geister beschworen, Drogen konsumiert, Personen direkt oder indirekt dem Tode &#252;bereignet; im ,,Heidenr&#246;slein“ lesen viele Interpretationen die Darstellung einer Vergewaltigung und im „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/West-&#246;stlicher_Divan" target="_blank">West-&#246;stlichen Divan</a>“ gibt es das „Schenkenbuch“<span id="more-5955"></span> (<a href="http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/diwan/09.htm" target="_blank">Saki Nameh</a>), in dem nicht nur das oben zitierte Gedichte wie ein Loblied auf die Trunkenheit wirkt.</p>

<p>Gedichten – der Literatur, der Kunst – ist kein Thema fremd. Gro&#223;e K&#252;nstler waren oft erfahrungssatt – sind es vielleicht auch heute noch. Von politische Korrektheit sind Lyriker wie Goethe oft weit entfernt, weil Sie als K&#252;nstler das Leben interessiert und mit ihm verbunden die Frage, „Was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt“ (Faust I).</p>

<p>Wer sich der Kunst zu stellen bereit ist, wird schnell feststellen, dass sie der Wirklichkeit oft weit mehr abzutrotzen vermag, als platte Sauflieder oder faustische Exzesse.</p>

<p>Das gilt auch f&#252;r „Trunken m&#252;ssen wir alle sein“. (Nat&#252;rlich&#8230; Ist ja ein Gedicht Goethes <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  )</p>

<p>In diesem Gedicht werden drei Thesen aufgestellt, die jeweils zwei Verse umfassen, die, die Zusammengeh&#246;rigkeit betonend, in Paaren gereimt sind, auch wenn die Verse 1 und 2 nicht so eindeutig in einen solchen Zusammenhang passen.</p>

<p>Das Gedicht startet mit einem Imperativ, der einen absoluten Anspruch erhebt: „Trunken m&#252;ssen wir alle sein!“ (V1) Es folgt aber keine Aufforderung, diese Trunkenheit mittels Alkoholkonsum herzustellen, sondern die Feststellung: „Jugend ist Trunkenheit ohne Wein“ (V2).</p>

<p>Diese Feststellung will nun nicht sagen, dass „Jugend“ auf Wein verzichte und statt dessen zu andern Alkoholika greife, wie es heutzutage allzu oft passiert, sondern auf eine Privilegiertheit der Jugend hinweisen, die im Laufe des Erwachsenwerdens scheinbar verschwindet.</p>

<p>Vers 5 sagt, was sich im Laufe der Zeit ver&#228;ndert; das Leben bringe Sorgen mit sich, die die Reben brechen w&#252;rden.</p>

<p>Also doch ein Legitimationsversuch des Frustsaufens? Sprechen nicht auch die Verse 3 und 4  f&#252;r diese Vermutung?</p>

<p>„Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,</p>

<p>so ist es wundervolle Tugend.“</p>

<p>Aber geht er diesem Gedicht um einen funktionalen Wert alkoholischer Getr&#228;nke aus Weintrauben – oder vielleicht um etwas ganz anderes?</p>

<p>Unbestritten geht es um „Trunkenheit“ (V 1), aber um jene Form des „Vom Leben trunken Seins“, das das lyrische Ich des Gedichts bei Jugendlichen wahrnimmt, eine Trunkenheit ohne Wein. (V 2)</p>

<p>Das Ideal ist in diesem Gedicht Goethes ein Ideal von Jugendlichkeit. Dieses geht angesichts der Sorgen verloren, so das lyrische Ich, die das „liebe Leben“ (V 5) mit sich bringe.</p>

<p>Diesen Sorgen gilt es mit jugendlicher Sorglosigkeit zu begegnen. Mittel zum Erlangen dieses Zieles ist in Goethes Gedicht jenes Getr&#228;nk, in dem sprichw&#246;rtlich „Wahrheit“ zu finden sei (in vino veritas).</p>

<p>In diesem Gedicht wird die „Trunkenheit“ (V 2) der Jugend idealisiert. Parallel dazu wird das von Sorgen gepr&#228;gte Leben vieler Erwachsener als suboptimal betrachtet. – Das Streben nach jugendlicher, gelassener „Trunkenheit“ wird als positives Handeln gelobt. Da schwingt die Aufforderung mit, die Sorgen des Lebens nicht zu ernst zu nehmen, sondern ihnen gegen&#252;ber eine „trunkene“ Gelassenheit zu gewinnen, die aber nicht mit Kontrollverlust oder Vollrausch verbunden gedacht wird. – Es geht hier nicht um gew&#246;hnlichen Wein, sondern um einen Wein der „Seelengro&#223;mut und geistigen Vervollkommnung“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/04/05/gedichtinterpretation-goethe-ein-jugendgefahrdender-autor/#footnote_0_5955" id="identifier_0_5955" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Goethes Werke, Band II (Hamburger Ausgabe), M&amp;#252;nchen 1998, S. 648.">1</a></sup>, wie es im Kommentar Trunz’ zum Schenkenbuch des West-&#214;stlichen Divans zu lesen ist – so man dieser Interpretation folgen mag.</p>

<p>Und ein Gedicht wie „Trunken m&#252;ssen wir alle Seien“ mag selbst so &#228;hnlich wirken, wie es die Reben im Gedicht tun sollen: Das Gedicht erdet den auf so hohem Thron platzierten Goethe ein wenig.</p>

<p>Gleichzeitig erscheint mir dieses Gedicht als ein R&#252;ckblick auf Ihre Phase in Goethes Leben, in der er literarisch dem <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/stdrang.htm" target="_blank">Sturm und Drang</a> zugeordnet war.</p>

<p>In dieser Zeit entstanden lebenstrunkene Texte und Lieder, die so ganz anders waren als manche sp&#228;tere Schrift Goethes.</p>

<p>Und so stellt sich am Ende die Frage, ob „Trunken m&#252;ssen wir alle sein!“ unter der Hand nicht eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Poetik" target="_blank">poetologische</a> Seite hat, die Goethes Erfahrungen mit dem Schreiben thematisiert, auch wenn es sich bei dem Gedicht anhand der Oberfl&#228;che und entsprechend des konkreten Inhalts vielleicht aber auch tats&#228;chlich einfach um ein Gedicht zum Wein handeln k&#246;nnte, st&#252;nde es nicht im komplexen Kontext des Divans… – Aber das ist noch einmal eine andere Geschichte.</p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Lyrik heute – Das „Jahrbuch der Lyrik 2011“ – 1. Eindruck</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 22:49:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wird heute &#252;ber Lyrik gesprochen, so wird dem Mangel an Lesern oft die Vielfalt lyrischer Produktionen gegen&#252;bergestellt. In diesem Zusammenhang schlie&#223;t es sich nicht gegenseitig aus, wenn Harry Oberl&#228;nder von „lyrischer Massenproduktion“1 spricht und Theo Breuer nur ein paar Seiten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wird heute &#252;ber Lyrik gesprochen, so wird dem Mangel an Lesern oft die Vielfalt lyrischer Produktionen gegen&#252;bergestellt.</p>

<p>In diesem Zusammenhang schlie&#223;t es sich nicht gegenseitig aus, wenn <a href="http://www.karl-marx-buchhandlung.de/faq/faq.html" target="_blank">Harry Oberl&#228;nder</a> von „lyrischer Massenproduktion“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/#footnote_0_5943" id="identifier_0_5943" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Christoph Buchwald, Kathrin Schmidt, Jahrbuch der Lyrik 2011, M&amp;#252;nchen 2011, S. 232.">1</a></sup> spricht  und <a href="http://www.poetenladen.de/theo-breuer.htm" target="_blank">Theo Breuer</a> nur ein paar Seiten vorher betont, dass die Mehrzahl lyrischer Ver&#246;ffentlichtungen „praktisch unter Ausschluss der &#214;ffentlichkeit“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/#footnote_1_5943" id="identifier_1_5943" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., S. 218.">2</a></sup> stattfinde. – Lyrikb&#252;cher, so Breuer, f&#228;nden oft nur f&#252;nfzig bis zweihundert Leser, ab dreihundert verkauften Exemplaren habe man schon eine „Auflagenschallmauer&#8221; durchbrochen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/#footnote_2_5943" id="identifier_2_5943" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd.">3</a></sup>.</p>

<p>Der Teil „Sechs Anmerkungen zum Gedicht“ im <em>Jahrbuch der Lyrik 2011</em>, ist entsprechend weniger ein Raum der Reflexion des Gedichts im Jahre 2011, sondern ein Ort, an dem sehr stark die Frage nach der Rezeption von Gedichten gestellt wird.</p>

<p>Neben die eher melancholischen T&#246;ne<span id="more-5943"></span> tritt dann noch <a href="http://www.brocan.de/" target="_blank">J&#252;rgen Brôcan</a>s papierlastiger und schwerer Beitrag, der noch am ehesten wirklich eine Anmerkung zum Gedicht der Gegenwart darstellt – ohne sonderlich zum Lesen von Gedichten anzuregen. so zumindest mein erster Eindruck von diesem Text.</p>

<p>Dass solche Texte einer Sammlung von mehreren hundert Gedichten nachgestellt sind, ist – erstaunlich.</p>

<p>Dieses <em>Jahrbuch der Lyrik 2011</em> kann sowohl als Zeugnis gro&#223;er Lebendigkeit des Dichtens als auch als Beleg f&#252;r lyrische Massenproduktion gesehen werden, der aber nur sehr beschr&#228;nkte Abnehmerzahlen (Leser) gegen&#252;berstehen.</p>

<p>Dennoch schottet sich die Zunft ernstzunehmender Dichter von der &#214;ffentlichkeit zumindest so ab, dass mir kaum Stimmen (Websites) von Dichtern im Netz bekannt sind. Kein Zweifel, dass mir da sicherlich einiges noch nicht begegnet ist – fast str&#228;flich ist, dass ich <a href="http://www.poetenladen.de" target="”_blank“">http://www.poetenladen.de</a> erst k&#252;rzlich entdeckt habe –, doch zweifle ich genau so wenig, dass ein gro&#223;er Teil heutiger Literatur vielleicht am Rechner entsteht, aber dennoch vor allem analog behandelt, ausgedruckt wird, nicht im Netz stattfindet, obwohl vielleicht gerade gute Lyrik hier ihren Ort und ihre Leserschaft finden k&#246;nnte, weit mehr als &#252;ber Buchhandlungen, die oft sowieso keine zeitgen&#246;ssische Lyrik mehr im Angebot haben.</p>

<p>Haben wir uns damit abgefunden, dass Lyrik jenseits von den Lyrics der Chart-Hits quasi erledigt ist?</p>

<p>Je zeitgen&#246;ssischer ein Gedicht ist, um so schwerer f&#228;llt der Zugang. Es ist nicht m&#246;glich, Gedichte zu konsumieren, wie das mit Romanen oder Musik aus dem Charts oft m&#246;glich scheint.</p>

<p>Da Lyrik nun zu den in Schulen h&#228;ufiger behandelten literarischen Gattungen geh&#246;rt, ist es sicher nicht abwegig zu vermuten, dass man der &#220;berlegung begegnet, dass es zwischen der Behandlung von Gedichten in der Schule und dem Mangel an Lesern, die kompetent mit Lyrik umgehen, einen Zusammenhang geben K&#246;nnte.</p>

<p>Vielleicht gibt es diesen Zusammenhang, meine Vermutung geht jedoch in eine andere Richtung: Lyrik zu lesen muss man kontinuierlich lernen; hin und wieder ein Gedicht zur Hand zu nehmen, reicht dazu nicht aus. Diese Form des Lesens von Gedichten als kontinuierlichen Prozess wird in der Schule eher weniger einge&#252;bt.</p>

<p>Im Zentrum der schulischen Heranf&#252;hrung an Gedichte steht die Heranf&#252;hrung an literaturhistorisch bedeutende Gedichtformen und Epochen, ohne dass wir damit bis in die Gegenwart k&#228;men. Moderne, zeitgen&#246;ssische Literatur findet nur sehr beschr&#228;nkt ihren Platz im Deutschunterricht.</p>

<p>Auf diesem Acker gibt es viel zu tun, so man der &#220;berzeugung ist, dass sich die Besch&#228;ftigung mit Lyrik lohnt. – Da ich den Wert von Sprache zur Orientierung und zum Sein in der Welt nach wie vor als hoch ansehe, geh&#246;re ich zu denen, die in der Besch&#228;ftigung mit Gedichten durchaus etwas Lebensrelevantes sehen, das alles in allem lebenswichtig ist.</p>

<p>Entsprechend r&#228;ume ich Gedichten (zu wenig?) Platz in meinem Leben und auch in der Schule ein. Ich blogge Gedicht-Interpretationen, und versuche, m&#246;glichst vielen Personen zumindest eine Ahnung davon zu geben, dass die Besch&#228;ftigung mit Lyrik lohnt, auch wenn dies noch nicht dazu f&#252;hrt, dass ein nachhaltiger Zugang zu dieser literarischen Gattung m&#246;glich wird. – Dass es in ein paar F&#228;llen allerdings gelungen scheint, stimmt mich zuversichtlich, dass es m&#246;glich ist, diesen Zugang zu Gedichten zu schulen und nachhaltig zu erm&#246;glichen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/category/21-jahrhundert/2011/" title="2011" rel="tag">2011</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/21-jahrhundert/" title="21. Jahrhundert" rel="tag">21. Jahrhundert</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/auflagenschallmauer/" title="Auflagenschallmauer" rel="tag">Auflagenschallmauer</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/blog/" title="Blog" rel="tag">Blog</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buch/" title="Buch" rel="tag">Buch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buecher/" title="Bücher" rel="tag">Bücher</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/christoph-buchwald/" title="Christoph Buchwald" rel="tag">Christoph Buchwald</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/deutsch/" title="deutsch" rel="tag">deutsch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/" title="Deutsch Sek. II" rel="tag">Deutsch Sek. II</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/deutschunterricht/" title="Deutschunterricht" rel="tag">Deutschunterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/dichter/" title="Dichter" rel="tag">Dichter</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedicht/" title="Gedicht" rel="tag">Gedicht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedichte/" title="Gedichte" rel="tag">Gedichte</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedichtform/" title="Gedichtform" rel="tag">Gedichtform</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedichtformen/" title="Gedichtformen" rel="tag">Gedichtformen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gegenwart/" title="Gegenwart" rel="tag">Gegenwart</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gegenwartig/" title="gegenwärtig" rel="tag">gegenwärtig</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/interpretation/" title="Interpretation" rel="tag">Interpretation</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/jahrbuch/" title="Jahrbuch" rel="tag">Jahrbuch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kathrin-schmidt/" title="Kathrin Schmidt" rel="tag">Kathrin Schmidt</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lernen/" title="lernen" rel="tag">lernen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lesen/" title="lesen" rel="tag">lesen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lesen/" title="lesen" rel="tag">lesen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lyrik/" title="Lyrik" rel="tag">Lyrik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/lyrik-deutsch-sek-ii/" title="Lyrik" rel="tag">Lyrik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/moderne/" title="Moderne" rel="tag">Moderne</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/reflexion/" title="Reflexion" rel="tag">Reflexion</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/sprache/" title="Sprache" rel="tag">Sprache</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/sprechen/" title="sprechen" rel="tag">sprechen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/literatur/theorie/" title="»Theorie«" rel="tag">»Theorie«</a><br />
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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 7 – Robert Gernhardt: Texte zur Poetik</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Dec 2010 21:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manche Buchtitel sind f&#252;r &#220;berschriften einfach zu lang. Und so sei der ganze Titel hier gleich nachgereicht, womit auch die bibliographischen Angaben genannt sein sollen: Robert Gernhardt, Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik (hrsg. von Lutz Hagestolz &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/05/herrn-larbigs-bibliothek-7-robert-gernhardt-texte-zur-poetik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Buchtitel sind f&#252;r &#220;berschriften einfach zu lang. Und so sei der ganze Titel hier gleich nachgereicht, womit auch die bibliographischen Angaben genannt sein sollen:</p>

<blockquote><p>Robert Gernhardt, Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik (hrsg. von Lutz Hagestolz und Johannes M&#246;ller), Frankfurt am Main 2010, 602 Seiten, 22,95€.</p></blockquote>

<p><a href="http://http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Gernhardt" target="_blank">Robert Gernhardt</a> ist der zweite einigerma&#223;en bedeutende Dichter, der mit Frankfurt am Main verbunden ist und dessen Namen mit G beginnt, mit dem Buchstaben, der im Alphabet nur eine Position hinter dem Anfangsbuchstaben der Stadt steht, mit der diese beiden Gs verbunden sind. Ohne sie einen Topf werfen zu wollen oder den &#228;lteren zur Sakralisierung des j&#252;ngeren Dichters missbrauchen zu wollen: Goethe und Gernhardt und Frankfurt am Main – nicht etwa Berlin! Goethe wurde in Frankfurt geboren und zog von dannen, um in Weimar zum „Dichterf&#252;rst“ zu werden. Gernhardt wurde in Reval (Estland) geboren und zog von dannen, um dann in Frankfurt zumindest zum „F&#252;rsten des komischen Gedichts“ zu werden.</p>

<p>Wie aber hat er das gemacht? Auf 602 Seiten gibt Gernhardt nun selbst Auskunft, 602 Seiten, in deren Zentrum Gernhardts Poetikvorlesungen stehen, die hier als eine zusammenh&#228;ngende Vorstellung erscheinen, in Wirklichkeit aber aus drei Poetikvorlesungen zusammengesetzt wurden, n&#228;mlich denen in Frankfurt (2001), Essen (2002) und D&#252;sseldorf (2006).</p>

<p>Neben diesem umfassenden Einblick in Gernhardts Poetik versammelt der Band laut Auskunft der Herausgeber <del datetime="2010-12-07T14:57:14+00:00">alle Texte</del> bei weitem nicht alle Texte zur Poetik, die Gernhardt verfasst habe. Dazu geh&#246;ren Texte zu Dichtern, in denen Gernhardt sich mit Schiller ebenso befasst wie mit Brecht, Ringelnatz, Benn, R&#252;hmkorf und noch ein paar anderen.</p>

<p>Gernhardt hat sich auch &#252;ber Gedichte ausgelassen. Auch diese Texte finden sich in diesem Band. Alles aufzuz&#228;hlen ist hier m&#252;&#223;ig.</p>

<p>Was aber kann der geneigte Leser aus Gernhardts &#220;berlegungen lernen? Nun, das Wichtigste sei gleich am Anfang genannt: Dichter schreiben voneinander ab! – <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-02/hegemann-blogger-plagiat" target="_blank">Was das Anfang des Jahres 2010 ein Aufschrei</a>, als Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ erschien und man feststellt, dass da Zitate eines Bloggers &#252;bernommen worden waren. Das war nicht nett, ganz und gar nicht.</p>

<p>Wer aber wissen will, wie es unter Dichtern her geht, der lese Gerhardts Poetikvorlesung(en), die nun leicht zug&#228;nglich ist.</p>

<p>Gernhardt zitiert hier Goethe (wieder die zwei Gs), der in einem seiner Gespr&#228;che laut Gernhardt folgendes sagte:</p>

<blockquote><p>„So singt mein Mephistopheles ein Lied von Shakespeare – und warum sollte er das nicht? Warum sollte ich mir die M&#252;he geben, ein eigenes zu erfinden, wenn das von Shakespeare eben recht war und eben das saget, was es sollte, Hat daher auch die Exposition meines ,Faust‘ mit der des ,Hiob‘ einige &#196;hnlichkeit, so ist das wiederum ganz recht, und ich bin deswegen eher zu loben als zu tadeln…“ (42f)</p></blockquote>

<p>Die Zahl der &#220;bernahmen, der Anregungen, der Provokationen, also die Zahl all der Situationen, in denen ein Dichter vom andern „abschreibt“ ist enorm. Gernhardt zeigt in seiner Poetik ein paar davon. Denn das Haus der Poesie, das Gernhardt in seinen Poetikvorlesungen vor dem Zuh&#246;rer und nun dem Leser aufbaut, hat auch einen Lesesaal, ganz zu schweigen vom Chatraum. Kurz: Dichtung ist schon immer eine Art von „Hypertext“, manchmal sogar in Kooperation entstanden. Da wird zitiert, Dichter f&#252;hlen sich von Zeilen anderer Dichter provoziert, stimuliert etc.</p>

<p>Nat&#252;rlich: Der Titel der Frankfurter Poetikvorlesung (2001) „Was das Gedicht kann: Alles“ ist eine Provokation. Schon in der &#220;berschrift der Vorlesung wird klar, dass hier ein Loblied dem Gedicht gesungen werden soll.</p>

<p>Aber die &#220;berzeugung, dass Gedichte alles k&#246;nnen, wird heute nur noch von wenigen geteilt, es sei denn, man nimmt all die Dichtung mit ins Boot, die heute unter dem Namen „Lyrics“ bekannt ist und die Texte von Liedern meint. Und dennoch gilt auch hier Gerhardts Beobachtung:</p>

<blockquote><p>„Das Gedicht kann alles, behaupte ich, zugleich aber mu&#223; ich fortw&#228;hrend verbuchen, da&#223; der Dichter heutzutage wenig, wenn nicht gar nichts gilt.“ (17)</p></blockquote>

<p>Gernhardt hat nat&#252;rlich recht. Oder gibt es mehr als ein paar ausgewiesene Experten, die wissen, wer die Texte zu all den Liedern geschrieben hat, die heute in den Charts hoch und runter gespielt werden? Oft scheint es ja fast so, dass die, die ihre Texte selbst schreiben als „Singer-Songwriter“ oder gar als „Liedermacher“ in eine Ecke gestellt werden, von der aus das Treppenhaus zu den Charts unerreichbar scheint.</p>

<p>Dass gerade Gernhardt &#252;ber das Ansehen der Dichter klagt, ist allerdings &#252;berraschend, ist er doch fast der einzige Dichter deutscher Sprache der vergangenen Jahrzehnte, der &#252;berhaupt noch ein nennenswertes Publikum zu erreichen vermochte. Sein Rezept findet sich auch in seiner Poetik wieder: Kenne dich sehr gut in der Dichtung aus und finde eine leichte Sprache, in der elegant der k&#252;rzeste Weg von A nach B genommen werden kann.</p>

<p>Es beeindruckt mich, wie leichtf&#252;&#223;ig Gernhardt in der Geschichte des (modernen) Gedichtes unterwegs ist und in einfacher, lesbarer, an keiner Stelle akademisch m&#252;ffelnder Sprache Zusammenh&#228;nge, Sch&#246;nheiten und Plattheiten der Dichtung an den Mann, die Frau, den Leser, die Leserin und sogar den Nichtleser und die Nichtleserin bringt.</p>

<p>Da spielt es f&#252;r mich nur am Rande eine Rolle, dass die mir vorliegende Ausgabe m&#246;glicherweise wissenschaftlichen Editionserwartungen nicht entsprechen kann, <a href="http://www.globe-m.de/de/experts/robert-gernhardts-texte-zur-poetik" target="_blank">wie Lino Wirag</a> anmerkte. Es entspricht zumindest Gernhardts eigener leichtf&#252;&#223;igen Art, ernsthaft mit Gedichten umzugehen, dass er nicht jeden Bezug, der in dem Band wiederum genommen wird, akribisch via Fu&#223;note nachwei&#223;t. – Ein wenig Arbeit soll dann noch f&#252;r die Literaturwissenschaftler bleiben.</p>

<p>Meine Bibliothek hat diesen Band freundlich aufgenommen. Er ist eine Fundgrube f&#252;r jeden, der sich leichtf&#252;&#223;ig und ernsthaft mit Gedichten befassen will. Und ganz nebenbei: Eine Fundgrube von Zitaten f&#252;r den Deutschunterricht ist der Band dann auch noch, Zitaten, die den Umgang mit Gedichten vielleicht auch in der Schule bei aller Ernsthaftigkeit ein wenig leichtf&#252;&#223;iger machen k&#246;nnen.</p>

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		<title>Voraussetzungen zum Verstehen der Dramen Schillers etc.</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 23:01:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Milit&#228;rarzt, Geschichtsprofessor, Philosoph. Darf&#8217;s ein wenig mehr sein? – Schriftsteller war er auch noch. Und als Schriftsteller besch&#228;ftigte er sich mit Geschichte und Philosophie. Den Milit&#228;rarzt hatte er als Beruf hinter sich gelassen, nachdem er eher mehr als weniger desertiert &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/02/voraussetzungen-zum-verstehen-der-dramen-schillers-etc/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Milit&#228;rarzt, Geschichtsprofessor, Philosoph. Darf&#8217;s ein wenig mehr sein? – Schriftsteller war er auch noch. Und als Schriftsteller besch&#228;ftigte er sich mit Geschichte und Philosophie. Den Milit&#228;rarzt hatte er als Beruf hinter sich gelassen, nachdem er eher mehr als weniger desertiert hatte.<span id="more-5345"></span> Mit f&#252;nfundvierzig Jahren starb er am 9. Mai 1805 in Weimar.</p>

<p>Lebensbeschreibungen zu <strong>Friedrich Schiller</strong> gibt es viele. Statt diesen eine hinzuzuf&#252;gen, verweise ich lieber auf <a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Schiller/Biographie/Seite1" target="_blank">eine, die mir gut gef&#228;llt</a>, auch wenn sie nat&#252;rlich umfangreiche wissenschaftliche Biographien nicht ersetzen kann. Zur ersten Orientierung ist sie ganz gut geeignet</p>

<p>Und auch zu <strong>Schillers Drama »</strong><a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2439&amp;kapitel=1" target="_blank"><strong>Maria Stuart</strong></a><strong>«</strong> gibt es <a href="http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek_ii/deutsch/kurshalbjahre/12.1/staat_und_revolution/maria_stuart/" target="_blank">im Netz</a>, nat&#252;rlich auch in den Regalen der nach wie vor extrem besuchenswerten Einrichtung »Bibliothek«, gro&#223;e Mengen an Material. Was sollte ich dem hinzuf&#252;gen k&#246;nnen? Deshalb hier nur ein paar grundlegende, einf&#252;hrende Gedanken, die vielleicht den Zugang zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B&#252;rgerliches_Trauerspiel" target="_blank">Trauerspiel</a> »Maria Stuart« und zu anderen Dramen bzw. literarischen Werken ein wenig erleichtern k&#246;nnen.</p>

<p>Schiller lebte in unruhigen Zeiten. Das Denken war dabei, einen grundlegenden Wandel zu erleben. <a href="http://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm" target="_blank">Angesto&#223;en vor allem durch Kant</a>, hatte die Aufkl&#228;rung ihren Siegeszug angetreten. Schiller hat Kants Werke als Philosoph nat&#252;rlich gekannt und wurde <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Erhabene" target="_blank">nicht gerade wenig von ihnen gepr&#228;gt.</a></p>

<p>Ebenso aufmerksam verfolgte Schiller pr&#228;gende Ereignisse seiner eigenen Zeit, die er als Historiker immer im Horizont der ihm bekannten Geschichte betrachtete, was ihn auch <a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2446&amp;kapitel=1" target="_blank">zu geschichtsphilosophischen &#220;berlegungen f&#252;hrte</a>.</p>

<p>Als Historiker kannte er beispielsweise die <a href="http://www.oppisworld.de/zeit/kalender/england.html" target="_blank">Geschichte der Konkurrenz zwischen Elisabeth I., K&#246;nigin von England, und Maria Stuart</a>.<br /> Doch um es gleich zu sagen: <strong>Mit den historischen Fakten hat Schillers »Maria Stuart« wenig zu tun.</strong> Schiller war der Meinung, dass <a href="http://www.fachdidaktik-einecke.de/9b_Meth_Umgang_mit_Texten/sachtextanalyse_bsp_schiller.htm" target="_blank">Geschichte und Literatur unterschiedliche Aufgaben</a> haben und gestaltete den historischen Stoff gem&#228;&#223; dieser unterschiedlichen Ziele von Geschichtsschreibung und Literatur.</p>

<p>Schiller lebte in unruhigen Zeiten. Neben der <strong>Aufkl&#228;rung</strong> war es die <strong>Franz&#246;sische Revolution 1789</strong> und deren Folgen f&#252;r Frankreich und ganz Europa, <a href="http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2009/3802/index.html" target="_blank">die seine Aufmerksamkeit anzogen</a>. Wie so oft, wenn ganze Machtsysteme in Frage gestellt werden, kippte die Franz&#246;sische Revolution zu einer ziemlich gewaltt&#228;tigen Seite, trat an die Stelle des Rufs nach Freiheit, Gleichheit und Br&#252;derlichkeit das gr&#228;ssliche Ger&#228;usch des Schafotts. Schiller war dar&#252;ber reichlich ersch&#252;ttert – und schrieb in diesem Erfahrungszusammenhang »Maria Stuart«.</p>

<p>Schiller nahm also einen historischen Stoff, in dem ein K&#246;nigsmord enthalten war, einen Stoff, dessen historisches Umfeld selbst reichlich blutig war, und stellte ihn in den Kontext seiner Erfahrungen und &#220;berlegungen angesichts der Entwicklung der Franz&#246;sischen Revolution hin zu einer Tyrannenherrschaft, aus der Napoleon Bonaparte hervorging.</p>

<p>Auch in anderen Belangen ging Schiller sehr frei mit den historischen Fakten in Sachen Elisabeth I. vs. Maria Stuart um; zum Beispiel, indem er <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_ubausteine/aut_ub/sci_ub/sci_ms_ub/sci_ms_ub_6.htm" target="_blank">sein Frauenbild</a> im Drama unterbrachte.</p>

<p>Dieser <strong>freie Umgang mit Geschichte</strong> hat aber nichts willk&#252;rliches, schm&#228;lert nicht den Wert der Dichtung. Im Gegenteil: Schiller wusste sehr genau was er tat, kannte er doch <a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/arpoetik.htm" target="_blank">Aristoteles&#8217; Werk &#252;ber die Dichtkunst (Poetik)</a></p>

<p> </p>

<blockquote><p>»Es (ist) nicht Aufgabe des Dichters (&#8230;) mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen k&#246;nnte, d. h. das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit M&#246;gliche. Denn der Geschichtsschreiber und der Dichter unterscheiden sich nicht dadurch voneinander, dass sich der eine in Versen und der andere in Prosa mitteilt (&#8230;); sie unterscheiden sich vielmehr dadurch, dass der eine das wirklich Geschehene mitteilt, der andere, was geschehen k&#246;nnte. Daher ist die Dichtung etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung; denn die Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit.«<br /> Die Dichter »ahmen handelnde Menschen nach. Diese sind notwendigerweise entweder gut oder schlecht. Denn die Charaktere fallen fast stets unter eine dieser beiden Kategorien; alle Menschen unterscheiden sich n&#228;mlich, was ihren Charakter betrifft, durch Schlechtigkeit und G&#252;te. Demzufolge werden Handelnde nachgeahmt, die entweder besser oder schlechter sind, als wir zu sein pflegen, oder ebenso wie wir.«</p></blockquote>

<p>F&#252;r das Verst&#228;ndnis gro&#223;er Teile der Literatur – somit auch des Trauerspiels »Maria Stuart« –, ist die Aussage, dass »die Dichtung […] mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit[teilt]«, von gro&#223;er Bedeutung.</p>

<p><strong>Literatur geht es um allgemeine Themen, die Grundfragen des Menschen sind oder zu den grundlegenden Verhaltensweisen des Menschen geh&#246;ren.</strong> Ziel der Literatur ist also nicht die historisch korrekte Darstellung von Fakten, selbst dann nicht, wenn ein Autor um historische Korrektheit bem&#252;ht sein sollte oder ein literarisches Werk in das beliebte Genre historischer Romane f&#228;llt.</p>

<p>Die am st&#228;rksten das Gem&#252;t der Menschen bewegenden Themen sind <strong>Liebe</strong> und die <strong>Frage nach Gut und B&#246;se</strong>. Entsprechend stark werden solche Fragen in der Literatur thematisiert. Auch Schiller bedient sich der Grundthemen menschlichen Fragens, Empfindens, Strebens und Leidens.</p>

<p><a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/arpoetik.htm" target="_blank"> </a></p>

<p><a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/arpoetik.htm" target="_blank"> </a></p>

<p><a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/arpoetik.htm" target="_blank"> </a></p>

<p>Kurz gefasst: Der Literatur geht es in all ihren Facetten, zumindest der erz&#228;hlenden Literatur, um <strong>Grundfragen der Humanit&#228;t, der Ideale und des Scheiterns der Menschen an diesen</strong>.</p>

<p>Mit solchen Grundfragen sah sich Schiller konfrontiert, als er »Maria Stuart« schrieb. <a href="http://www.wcurrlin.de/links/basiswissen/basiswissen_franzoesische_revolution.htm#bwradikalephase" target="_blank">Das Freiheitsstreben der Franz&#246;sischen Revolution von 1789 wurde schon nach wenigen Jahren von einem Terrorregime &#252;berlagert, verdr&#228;ngt, ersetzt.</a></p>

<p>Die Frage nach dem <strong>Verh&#228;ltnis von Freiheit und Macht</strong>, eine Frage, die &#252;brigens <em>immer</em> in einem engen Zusammenhang steht, wird das Ma&#223; individueller Freiheit doch bis heute von den Machthabern bestimmt, auch in Demokratien, dr&#228;ngte sich in dieser Zeit Schillers in besonderem Ma&#223;e auf. F&#252;r Schiller hatte diese Frage zudem biographische Bez&#252;ge in seinen Erfahrungen mit dem Landesherrn, dem er einst als Milit&#228;rarzt verpflichtet war, da ihm die Freiheit des Denkens und Schreibens dort nicht zugestanden wurde.</p>

<p>In einem anderen gro&#223;en Drama, in »<a href="http://www.deutsch-online.net/don-karlos-friedrich-schiller/" target="_blank">Don Carlos</a>«, bringt Schiller diese Frage mit dem Ausspruch »<strong>Geben Sie Gedankenfreiheit</strong>, Sire« explizit auf den Punkt.</p>

<p>Entsprechend sind <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schiller#Dramatische_Werke" target="_blank">viele Dramen Schillers</a> auf den ersten Blick historische Dramen, ob nun »Wilhelm Tell«, »Die Jungfrau von Orlean«, die Wallenstein-Trilogie etc. Bei genauem Hinsehen aber sind die historischen Bez&#252;ge nur Hintergrund f&#252;r Schillers Auseinandersetzung mit seiner eigenen Zeit.</p>

<p><strong>Schiller nimmt historische Figuren und legt ihnen die Fragen seiner Zeit in den Mund</strong>, Fragen, die so grundlegend sind, dass seine Werke, zumindest dann, wenn man sich diesen Verstehenszusammenhang erst einmal erarbeitet hat, auch noch heute lesenswert sind, haben sich diese Grundfragen doch kaum ver&#228;ndert.</p>

<p>Ohne dieses Hintergrundwissen, wirken Schillers Dramen oft sperrig in ihren langen Dia- und Monologen. Lesende fragen dann zurecht, was das soll, was das mit der spannenden historischen Geschichte zu tun habe. Ohne diese Hintergrundwissen bleiben die Dramen Schillers (und viele andere Werke der Literatur bis heute) stumm. – Schillers Dramen stellen keine Geschichte dar, sondern haben sich viel mehr der Frage verschrieben, was den Menschen angesichts menschlicher Grundfragen zum Handeln treibt. <strong>Literatur ist philosophisch orientiert.</strong> Schillers Dramen fordern, wie gro&#223;e Teile der Weltliteratur, zum mitf&#252;hlenden Mit- und Nachdenken auf.</p>

<p>Schillers Dramen, wie weite Teile der Literatur, bleiben denjenigen verschlossen, die alleine Faktenwissen interessiert oder denen alleine die Inhalte, nicht aber <strong>die Voraussetzungen f&#252;r die Existenz von Literatur</strong> zug&#228;nglich werden oder gemacht werden. Dieses Voraussetzungen liegen im menschlichen Leben selbst, in den zentralen Grundfragen des Menschen, die auch die <strong>Grundfragen der Philosophie</strong> sind:</p>

<blockquote><p>Woher komme ich?<br /> Wohin gehe ich?<br /> Was kann ich wissen?<br /> Wie soll ich leben?</p></blockquote>

<p>Kurz: <strong>Was ist der Mensch, was zeichnet ihn aus, was ersehnt er, wie lebt er, wie k&#246;nnte er leben?</strong></p>

<p>Dieser Blick auf Literatur kann der Schl&#252;ssel sein, um einen Zugang zu gro&#223;en Teilen der Literatur zu finden, also auch zu auf den Blick eher trocken scheinenden Werken, die in der Schule gelesen werden (m&#252;ssen) – also auch zu Schillers »Maria Stuart« oder »Don Carlos« etc.</p>

<p> </p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 5 – Walt Whitman: Grasbl&#228;tter</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 23:22:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Neuzugang, der keiner ist und doch einer ist. Walt Whitmans „Leaves of Grass“ stehen in der amerikanischen Ausgabe von Sculley Bradley und Harold W. Blodgett schon l&#228;nger hier – auch, weil es bislang keine einzige vollst&#228;ndige &#220;bersetzung dieses zentralen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/12/07/herrn-larbigs-bibliothek-5-walt-whitman-grasblaetter/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Neuzugang, der keiner ist und doch einer ist. Walt Whitmans „Leaves of Grass“ stehen in der amerikanischen Ausgabe von Sculley Bradley und Harold W. Blodgett schon l&#228;nger hier – auch, weil es bislang keine einzige vollst&#228;ndige &#220;bersetzung dieses zentralen Werkes f&#252;r die amerikanische Moderne ins Deutsche gab. Das hat den Zugang zu Whitman nicht gerade erleichtert, schon gar nicht, wenn man den Nuancen des Sprachgebrauchs in diesen Gedichten als Nicht-Amerikanist kaum auf die Schliche zu kommen in der Lage ist.</p>

<p>Seit September 2009 ist dieser Missstand vorbei. Endlich, nach &#252;ber hundert Jahren, wurde Whitmans Hauptwerk <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23410-9" target="_blank">nun ins Deutsche</a> &#252;bersetzt, J&#252;rgen Brôcan hat das l&#228;ngst &#220;berf&#228;llige endlich getan – und er hat gute Arbeit geleistet, erlaubt es diese &#220;bersetzung doch problemlos, den amerikanischen Text und die &#220;bersetzung nebeneinander zu lesen.</p>

<p>Der <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23410-9" target="_blank">Hanser-Verlag</a> hat sich gegen eine zweisprachige Ausgabe entschieden. Gerade bei Gedichten finde ich das zwar &#228;u&#223;erst problematisch, aber angesichts der &#252;ber 860 Seiten, die J&#252;rgen Brôcans &#220;bersetzung bereits hat, erscheint mir diese Entscheidung zumindest nachvollziehbar. Und da mir die amerikanische Ausgabe auch vorliegt, ist das zumindest f&#252;r mich kein Problem, sondern endlich die notwendige Erg&#228;nzung, um den Zugang zu einem Werk, das mich schon lange fasziniert, zu erleichtern.</p>

<p>Das Verdienst Brôcans geht aber weiter: Er legt eine gute &#220;bersetzung vor, in der er die alles andere als einheitlichen Sprachstile Whitmans nachvollzieht. Was muss das f&#252;r eine Arbeit gewesen sein!</p>

<p>Die 39,50 €, mit denen die Anschaffung dieses auf D&#252;nndruckpapier publizierten Werkes zu Buche schlagen, spiegeln wohl auch die zu erwartenden Verkaufszahlen wider. Es ist kaum zu erwarten, dass Gedichte heute noch so gut verkauft werden, dass kurzfristig mit hohen Auflagen gerechnet werden k&#246;nnte. Aber diese &#220;bersetzung wird sich halten, wahrscheinlich wird sie in ein paar Jahre auch als Taschenbuch vorliegen, vielleicht wird sie auch noch um die Teile erg&#228;nzt, die dieser Ausgabe noch abgehen: Am wenigsten kann ich nachvollziehen, dass es kein alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanf&#228;nge gibt, das die Navigation im Buch  deutlich vereinfachen w&#252;rden; die wichtigsten W&#246;rter und &#220;bersetzungsentscheidungen sind in einem Anmerkungsapparat erl&#228;utert und dokumentiert, aber auch hier k&#246;nnten umfangreichere Anmerkungen den Wert dieses Buches noch einmal steigern und den Zugang zum Werk erleichtern.</p>

<p>Was aber ist so faszinierend an Whitmans Gedichten? F&#252;r mich ist es vor allem die Tatsache, dass zu der Zeit, in der Whitman ein Loblied der Demokratie schreibt, in Deutschland noch Kaiser herrschten und ein Werk wie Heinrichs Mann „Der Untertan“ erst noch erscheinen mussten. In diesem Werk Whitmans werden f&#252;r mich die enormen gesellschaftlichen Unterschiede nachvollziehbar, auch wenn in den USA die Abschaffung der Sklaverei erst durch einen Krieg zu Whitmans Lebenszeit erfolgte. Whitman setzt sich in seiner Lyrik f&#252;r die Sklaven ein, er fordert die Gleichberechtigung von M&#228;nnern und Frauen, greift die Indianerthematik aber eher romantisch verkl&#228;rt denn als blutige Hypothek der US-amerikanischen Geschichte auf.  Dar&#252;ber hinaus gelingt es ihm, in wenigen Versen ganze Bildlandschaften bei Lesenden los zu treten, die einen Eindruck des Lebens aller Schichten in den USA der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts vermitteln und in diesem Sinne auch inhaltlich zutiefst demokratisch sind.</p>

<p>Vergleichen mit den Zust&#228;nden in Deutschland und weiten Teilen Europas zur gleichen Zeit, f&#252;hrt dieses Werk auch die massiven Differenzen zu den damaligen USA vor Augen, die, zumindest in diesen Gedichten, weit moderner als das Europa dieser Zeit auf mich wirken.</p>

<p>Dabei f&#228;llt der teils sehr pathetische Ton auf, den Whitman dennoch anschl&#228;gt, der in Deutschland so bis heute weder m&#246;glich noch w&#252;nschenswert erscheint, aber f&#252;r ein vereinigtes Europa sprachlich wie inhaltlich Perspektiven auf den demokratischen Umgang mit Differenzen beinhaltet, auch heute noch, &#252;ber hundert Jahre nach dem Erscheinen der „Grasbl&#228;tter“.</p>

<p>Diese „Modernit&#228;t“, in Wirklichkeit ist Whitman an vielen Stellen wohl konservativer als es hier nun den Eindruck erweckt, mag auch damit zu tun haben, dass Whitman seiner eigenen Zeit voraus war. Nicht umsonst wurde sein Werk in den USA seiner Zeit als „obsz&#246;n“ empfunden. Whitman verlor seine Arbeit im Innenministerium aufgrund dieses als „unsittlich“ empfundenen Buchs, das neben der Sch&#246;nheit von Land und Leuten aller sozialer Klassen in Hymnen auch Whitmans Blick auf das Erotische nicht verschweigt.</p>

<p>Whitman geh&#246;rt mit zu den zentralen Figuren der Gr&#252;ndung einer amerikanischen Literatur und hat somit literaturhistorisch eine &#228;hnliche Bedeutung wie Goethe und Schiller f&#252;r die deutschsprachige Literatur. H&#246;chste Zeit also, dass diese &#220;bersetzung vorgelegt wurde, die in meinen Augen zu den wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2009 gez&#228;hlt werden kann.</p>

<blockquote>Walt Whitman, Grasbl&#228;tter, &#252;bersetzt von J&#252;rgen Brôcan</blockquote>

<blockquote>Erscheinungsdatum: 07.09.2009 –  Fester Einband, 880 Seiten
Preis: 39.90 € (D) / 65.00 sFR (CH) / 41.10 € (A)
ISBN 978-3-446-23410-9  – Hanser Verlag</blockquote>

<blockquote>Amerikanische Ausgabe:</blockquote>

<blockquote>Leaves of Grass
Walt Whitman
ISBN 10: 0393093883 / 0-393-09388-3
ISBN 13: 9780393093889
Publisher: W W Norton &amp; Co Inc
Publication Date: 1973</blockquote>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 3: Laute Verse. Gedichte aus der Gegenwart</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Nov 2009 22:21:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[24 junge Autoren und Autorinnen, die den Mut haben Gedichte zu schreiben, hat Thomas Geiger in diesem Band versammelt. Und dann kommentieren alle Autoren und Autorinnen dort auch noch jeweils eines ihrer Gedichte. Das ist keine leichte Lekt&#252;re; Gedichte sind &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/11/02/herrn-larbigs-bibliothek-3-laute-verse-gedichte-aus-der-gegenwart/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>24 junge Autoren und Autorinnen, die den Mut haben Gedichte zu schreiben, hat Thomas Geiger <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/32332.html" target="_blank">in diesem Band </a>versammelt. Und dann kommentieren alle Autoren und Autorinnen dort auch noch jeweils eines ihrer Gedichte.</p>

<p>Das ist keine leichte Lekt&#252;re; Gedichte sind sperrig – und diese ganz besonders. Hoch reflektiert wird hier mit Sprache umgegangen. So entstehen spannende Texte.</p>

<p>Dennoch: Teilweise wirken diese Gedichte f&#252;r mich so reflektiert, dass sich die Reflexion in den Vordergrund schiebt. Doch dies mag auch an Auswahlkriterien liegen, die Geiger angesetzt hat, denn bei aller Unterschiedlichkeit: Teilweise wirken die Gedichte auf mich sehr „&#228;hnlich“, &#252;berreflektiert, so sehr, dass mir der Zugang zu manch einem dieser Texte nicht gerade leicht gefallen ist.</p>

<p>Ich will diesen Band nicht missen. Er zeigt einen wichtigen Ausschnitt „junger“ deutscher Lyrik. Die Autoren und Autorinnen wurden zwischen 1957 und 1982 geboren. „Junge“ Lyrik? Zeugnis einer Generation? Immerhin wurden die Autoren und Autorinnen in einem Zeitraum von 25 Jahren geboren und die meisten sind schon in ihren vierziger Jahren. Es stimmt also nur zum Teil, dass hier ein „neue Generation von Dichtern“ (Klappentext) vorgestellt wird.</p>

<p>„Neu“ wirken die meisten Autoren des Bandes vor allem deshalb, weil die Wahrnehmung f&#252;r Gedichte in Deutschland so verdammt schleppend und mager ist. Das mag daran liegen, dass diese Gedichte von einem gro&#223;en intellektuellen Anspruch gepr&#228;gt zu sein scheinen und in meinen Augen fast schon „Akademikerlyrik“ sind bzw. f&#252;r Leute geschrieben, die sich in Lyrik auskennen und sich wirklich auf sie einzulassen gewillt sind.</p>

<blockquote>Thomas Geiger (Hg.), Laute Verse. Gedichte aus der Gegenwart, M&#252;nchen (dtv) 2009.</blockquote>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 2 – Tania Blixen: Babettes Fest</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 23:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerh&#246;rte Begebenheit.“ (Goethe, Gespr&#228;che mit Eckermann, 29. Jan. 1827) Trotz dieser Definition Goethes ist es keine Novelle, dass Wikipedia den Film „Babettes Fest“ f&#252;r relevant genug h&#228;lt, einen eigenen Eintrag &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/28/herrn-larbigs-bibliothek-2-tania-blixen-babettes-fest/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>„Denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerh&#246;rte Begebenheit.“ (Goethe, Gespr&#228;che mit Eckermann, 29. Jan. 1827)</blockquote>

<p>Trotz dieser Definition Goethes ist es keine <a href="http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Novellen/gattung.htm" target="_blank">Novelle</a>, dass Wikipedia den Film „Babettes Fest“ f&#252;r relevant genug h&#228;lt, einen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Babettes_Fest" target="_blank">eigenen Eintrag</a> zu bekommen, die zugrunde liegende d&#252;nne, gerade mal 80 gro&#223; gedruckte Seiten umfassende Erz&#228;hlung (Novelle) aber nicht. Immer diese Dominanz des Films! Es handelt sich bei dem Film von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriel_Axel" target="_blank">Gabriel Axel</a> zwar um eine gelungen Adaption des Textes, aber dass der Film bekannter als der Text ist, mag ich nicht wirklich – so sehr ich den Film mag.</p>

<p>Zugegeben: Ich habe das Buch auch &#252;ber den Film entdeckt, ein Buch, dessen Lekt&#252;re kaum l&#228;nger dauert als der Film. Ein d&#252;nnes Buch, m&#228;rchenhafter Stil und hintergr&#252;ndige Geschichte.</p>

<p>Kurzfassung: Babette flieht aus Paris, wo sie K&#246;chin im ersten Restaurant vor Ort war. Sie bekommt bei zwei alten Damen in Norwegen als Haushaltshilfe Unterschlupf, die zu einer kleinen pietistischen Gemeinde geh&#246;ren und so asketisch leben, wie es nur m&#246;glich ist. Die alten Damen sind Schwestern, herzensgut und doch gefangen in ihrem asketisch gepr&#228;gten Weltbild. Ganz anders Babette: Sie ist K&#252;nstlerin des Kochens. Und als sie bei einer Lotterie gewinnt, bittet sie die Damen, dass sie ein franz&#246;siches Diner f&#252;r sie kochen d&#252;rfe.</p>

<p>Schreckliche Versuchung. Aber die Damen stimmen schlie&#223;lich zu, auch wenn sie mit Entsetzen die Zutaten sehen, die Babette aus Frankreich impotiert, inklusive lebender Schildkr&#246;ten und Wein.</p>

<p>Das Menu… Der Titel verr&#228;t es schon: Es ist ein Fest! Sinnlichkeit pur, wie sie die pietistische Gruppe nie zuvor erlebt hat… Eine Liebesaff&#228;re, ein Liebesmahl.</p>

<p>Und die Botschaft? Es gibt reichhaltige M&#246;glichkeiten der Interpretation: F&#252;r die einen ist die Novelle vielleicht eine Auseinandersetzung mit evangelisch-pietischtischer Verweigerung sinnlicher Gen&#252;sse im Vergleich zur katholisch-liturgischen Sinnlichkeit im Liebesmahl der Eucharistie, f&#252;r die anderen eine wundersch&#246;ne Geschichte &#252;ber die Bereicherung einer Kultur durch eine Migrantin, deren Lebenseinstellung und vor allem deren Kochk&#252;nste. Dritte werden die hoffnungslos begehrenden M&#228;nner ins Zentrum stellen, die bei den Schwestern abblitzen.</p>

<p>Das alles steckt in 80 Seiten Erz&#228;hlung. – So ruhig und flie&#223;end dieser Text auch ist, er hat Kraft, es passiert &#252;berraschend viel und was sprachlich wie ein M&#228;rchen daher kommt, ist  dicht komponiert, sachlich und dennoch emotional anr&#252;hrend erz&#228;hlt.</p>

<blockquote>Tania Blixen, Babettes Fest, Z&#252;rich (Manesse) 1993 (8. Auflage). Aus dem Englischen &#252;bertragen von W. E. S&#252;skind.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 1: Rainald Goetz – Abfall f&#252;r alle</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 22:05:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Abfall f&#252;r alle“ – wenn dieser Name nur nicht zum Motto dieser Reihe „Herrn Larbigs Bibliothek“ wird… Wir schreiben das Jahr 1998. Von Blogs hat noch keiner was geh&#246;rt und das Web 2.0 ist noch in weiter Ferne, da schreibt &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/27/herrn-larbigs-bibliothek-1-rainald-goetz-abfall-fuer-alle/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Abfall f&#252;r alle“ – wenn dieser Name nur nicht zum Motto dieser Reihe „Herrn Larbigs Bibliothek“ wird…</p>

<p>Wir schreiben das Jahr 1998. Von Blogs hat noch keiner was geh&#246;rt und das Web 2.0 ist noch in weiter Ferne, da schreibt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rainald_Goetz" target="_blank">Rainald Goetz</a> schon im Internet Tagebuch. Das gibt es dort zwar nicht mehr, das gab es schon Ende 1999 dort nicht mehr, aber es wurde ein Buch daraus. Und dieser „Roman eines Jahres“ hei&#223;t, war es Voraussicht oder Selbstironie, „<a href="http://www.perlentaucher.de/buch/237.html" target="_blank">Abfall f&#252;r alle</a>“.</p>

<p>Es ist das Jahr, in dem ich Rainald Goetz im Rahmen der <a href="http://www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de/" target="_blank">Frankfurter Poetikvorlesung</a> erlebe. Und ich erinnere noch gut jenen Dienstag, den 28. April 1998, 18:00 Uhr, als Goetz zum ersten Mal die B&#252;hne der Frankfurter Poetikvorlesung betrat und versuchte (sic!) frei zu reden. Das hat er so in den Folgewochen nicht mehr gewagt. Da gab es dann, ich erinnere mich daran und irgendwo m&#252;sste ich sie auch noch haben, winzigst gedruckte Textkonvolute als Skript zur Vorlesung. Aber nicht zur ersten.</p>

<p>Und dann lese ich in „Abfall f&#252;r alle“ unter dem 29.4.98:</p>

<blockquote>„941. Diese Unf&#228;higkeit, frei zu reden. Fast schon eine geistige Behinderung.“</blockquote>

<p>Stimmt. Aber <em>so</em> habe ich es nach wie vor in neugieriger Erinnerung. Es sind eben nicht die glatt gestylten Performances, die sich in der Erinnerung festbei&#223;en, sind die doch alle irgendwie geklont und gleich in ihrer (Nicht-)Wirkung; das Unerwartete, &#220;berraschende und in diesem Falle auch die Suchbewegung eines Autors, die er in einer Vorlesung (ungewollt) sichtbar macht. Da stand dieser Autor, in seinen vierziger Jahren, in diesem H&#246;rsaal VI, in dem schon so viele Autoren vor ihm zu Gast waren, und versucht eine freie Poetik-Vorlesung zum Titel „Praxis“ – und wirkt… improvisiert.</p>

<p>Eine Woche sp&#228;ter kommt der Autor dann schon mit einem ausgearbeiteteren Text, der, wie auch die Rekonstruktion der ersten Vorlesung, Einzug in „Abfall f&#252;r alle“ gefunden hat.</p>

<p>Das aber ist nicht der einzige Inhalt der 864 Seiten, die von diesem Jahr des Internettagebuchs des Rainald Goetz Zeugnis geben. Es soll keine Literatur werden! So sagt sich der Autor am Anfang immer wieder. Und heute steht das Buch in meiner Bibliothek. Keine Literatur? Was aber dann? Ein Arbeitstagebuch? Eine Selbstentbl&#246;&#223;ung des Autors im Netz? „Nur“ das Zeugnis einr Art Blog-Vorl&#228;ufer? Das Buch ist alles von dem und nichts von dem zugleich:</p>

<p>Teilweise knappste Notizen, die locker in eine Twitternachricht mit ihrer Beschr&#228;nkung auf 140 Zeichen passen w&#252;rde, teilweise l&#228;ngere Reflexionen &#252;ber Leseerfahrung, Begegnungen und eben Dokumentation der Poetikvorlesung.</p>

<p>Und im Zentrum des Buches? Es geht zum Teil um das Abschlie&#223;en eines Werkes, aber meist um das Anfangen. Banalit&#228;ten reihen sich an differenzierte Reflexionen. Eigentlich ein viel zu dickes Buch mit viel zu vielen Nebens&#228;chlichkeiten – und trotzdem nehme ich es ziemlich regelm&#228;&#223;ig zum Schm&#246;kern wieder in die Hand. Irgendwas fasziniert mich an diesem Buch. Bis heute wei&#223; ich nicht, was das eigentlich ist…</p>

<blockquote>Rainald Goetz, Abfall f&#252;r alle. Roman eines Jahres, Frankfurt am Main (Suhrkamp) 1999 (Taschenbuchausgabe 2003).</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 0: Einf&#252;hrung</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 20:38:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Lehrerblog eines Deutschlehrers ohne B&#252;cher? Das war herrlarbig.de bislang nicht und das wird es auch in Zukunft nicht sein. Ganz im Gegenteil Gab es hier bislang, wenn es um B&#252;cher oder Gedichte ging, eher ausf&#252;hrlichere Artikel, die es auch &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/26/herrn-larbigs-bibliothek-0-einfuehrung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Lehrerblog eines Deutschlehrers ohne B&#252;cher? Das war herrlarbig.de bislang nicht und das wird es auch in Zukunft nicht sein. Ganz im Gegenteil <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Gab es hier bislang, wenn es um B&#252;cher oder Gedichte ging, <span style="text-decoration: line-through;">eher</span> ausf&#252;hrlichere Artikel, die es auch zuk&#252;nftig weiter geben wird, so muss ich zugeben, dass mich meine B&#252;cher immer ein wenig traurig anschauen, wenn ich <em>einem</em> von ihnen mal wieder besondere Aufmerksamkeit schenke, obwohl doch auch die anderen endlich mal wieder ihre Seiten gebl&#228;ttert haben wollen und nat&#252;rlich schon viel zu lange unter v&#246;lliger Vernachl&#228;ssigung leiden. Noch schlimmer wird der Protest, wenn es nur ein paar Seiten aus einem Buch sind, denen ich meine Aufmerksamkeit schenke, weil auf ihnen beispielsweise ein bestimmtes Gedicht abgedruckt ist.</p>

<p>Der entt&#228;uschte Blick von ca. 45 Regalmetern B&#252;chern kann ganz sch&#246;n belastend sein <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> , auch wenn die literarischen Werke da etwas eitler zu sein scheinen als Lexika und Fachb&#252;cher, die ca. 40% der Bibliothek ausmachen und weit weniger kritisch blicken, wenn ich eines von ihnen intensiver zur Hand nehme, als es die Romane und Gedichtb&#228;nde tun.</p>

<p>Sie meinen, das sei metaphorisch gesprochen? Bitte sehr. Aber ich wei&#223;, wovon ich spreche, kenne das fordernde Eigenleben, das gerade Prosa und Lyrik entwickeln k&#246;nnen. Von wegen metaphorische Sprache <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Ich werde mich dem Druck nun beugen. Nicht, dass man mich dazu gro&#223; unter Druck setzen m&#252;sste, mir fehlte bislang nur eine Idee… Diese ist jetzt so simpel, dass ich gar nicht wei&#223;, warum das so lange dauerte.</p>

<p>Wie &#252;blich: Als die Herbstferien fast vorbei waren, h&#246;rte ich das Klopfen auf Holz, das um Einlass in meinen Kopf bat. Herausgekommen ist erst einmal eine neue Kategorie, die nun als „<a href="http://herrlarbig.de/category/herrn-larbigs-bibliothek/" target="_self">Herrn Larbigs Bibliothek</a>“ in der Seitenleiste auftaucht.</p>

<p>In dieser Kategorie werde ich (durchaus pers&#246;nlich gepr&#228;gte) Kurzvorstellungen von B&#252;chern versammeln, die alle eins verbindet: Es handelt sich ausschlie&#223;lich um B&#252;cher, die mir in meiner Bibliothek st&#228;ndig verf&#252;gbar sind – au&#223;er ich bin auf Reisen nat&#252;rlich…</p>

<p>Warum aber mache ich das? Zum einen und vor allem, weil ich B&#252;cher mag. Zum anderen aber auch, um Lust auf B&#252;cher zu machen. Entsprechend will ich wirklich versuchen, mich in diesen Beitr&#228;gen kurz zu fassen, zumindest k&#252;rzer, als im Schnitt meiner Beitr&#228;ge auf herrlarbig.de.</p>

<p>Die Lust an B&#252;chern ist auch der Grund, warum ich mich auf meine Bibliothek beschr&#228;nke, nicht etwa auf Neuerscheinungen st&#252;rze oder auf B&#252;cher, die ich in einer Bibliothek entliehen habe.</p>

<p>In „<a href="http://herrlarbig.de/category/herrn-larbigs-bibliothek/" target="_self">Herrn Larbigs Bibliothek</a>“ werden B&#252;cher aufgenommen, die es mir Wert waren, angeschafft zu werden – und nur diese. — Das hei&#223;t nicht, dass es sich alleine um tolle, literarisch hochwertige Schriften handelt; manche Einsicht kommt auch erst, nachdem ein Buch zun&#228;chst f&#252;r anschaffenswert angesehen wurde!</p>

<p>Mit „Herrn Larbigs Bibliothek“ soll auch ein Raum geschaffen werden, in dem sich andere Leser und Leserinnen dieser B&#252;cher zu Wort melden und von eigenen Leseerfahrungen mit diesen erz&#228;hlen k&#246;nnen. Daf&#252;r kann die Kommentarfunktion sehr gerne genutzt werden.</p>

<p>Die Reihenfolge der vorgestellten B&#252;cher ist &#252;brigens zuf&#228;llig, keine Wertung oder sonst irgendwie durchdacht, sondern Ergebnis meiner „zuf&#228;lligen“ Aufmerksamkeit beim Vorbeischlendern an den Regalen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

<ul class="similar-posts"><li><a href="http://herrlarbig.de/2008/08/23/schmoeker-schnipsel/" rel="bookmark" title="23. August 2008">Schm&#246;ker-Schnipsel</a></li>

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		<title>Sprechend lernen – oder: Vom Einsatz des Diktierger&#228;tes im Lehrberuf</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Oct 2009 22:08:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pause. F&#252;nf Minuten oder f&#252;nfzehn oder auch mal zwanzig Minuten, vielleicht auch eine Springstunde; im Grunde ist es egal, wie lange eine Unterbrechung des t&#228;glichen Unterrichtsgeschehen dauert, die Zeit ist immer voll. Notizen zur letzten Stunde, zu einzelnen Sch&#252;lerinnen und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/23/sprechend-lernen-oder-vom-einsatz-des-diktiergeraetes-im-lehrberuf/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pause. F&#252;nf Minuten oder f&#252;nfzehn oder auch mal zwanzig Minuten, vielleicht auch eine Springstunde; im Grunde ist es egal, wie lange eine Unterbrechung des t&#228;glichen Unterrichtsgeschehen dauert, die Zeit ist immer voll. Notizen zur letzten Stunde, zu einzelnen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, Gedanken zum Unterrichtsverlauf, Reflexion der Stunde und daraus folgend die Feinplanung der Folgestunde im Kontext der Unterrichtsverlaufsplanung, Aktennotizen, Fachgespr&#228;che mit Kollegen oder gemeinsame p&#228;dagogische &#220;berlegungen… Kurz: Zeit bleibt nie, also f&#252;llen wir sie.</p>

<p>Nachmittags und Abend am Schreibtisch. Korrekturen, Notizen, &#220;berlegungen zum weiteren Unterrichtsverlauf, Stundenverlaufsplanungen, p&#228;dagogische &#220;berlegungen, wie einzelnen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen in einem „normalen“ Unterricht gef&#246;rdert werden k&#246;nnen, wo es in einer Lerngruppe gemeinsamen F&#246;rderbedarf gibt und au&#223;erdem liegt da noch ein Stapel an Fachliteratur und als Deutschlehrer will ich auch an literarischen Texten dran bleiben und einfach mal lesen. Kurz: Zeit bleibt nie, also f&#252;llen wir sie. Nur wie? Und was kann dabei hilfreich sein?</p>

<p>Im Prinzip ist alles, was ein Lehrer macht, genau betracht selbst ein st&#228;ndiger Lernprozess, der als Lern-Lehr-Zusammenhang auch reflektiert werden will. Und dieser Prozess ist unglaublich zeitintensiv, so sehr, dass pl&#246;tzlich f&#252;r kaum noch etwas anderes Zeit bleibt, Lehrende w&#228;hrende der Unterrichtszeit entweder pl&#246;tzlich gar kein Privatleben mehr haben oder aber, wenn die Kraft nachl&#228;sst, dem eigenen Anspruch kaum noch gerecht werden k&#246;nnen und so an Effektivit&#228;t der eigenen Arbeit verlieren. – Wie gut t&#228;te da ein Spaziergang! Vielleicht ist ein Park in der N&#228;he oder man hat das Gl&#252;ck, wie der Verfasser dieses Beitrages, in der Gro&#223;stadt nah an einem Fluss mit Streuobstwiesen, Altarmen und Feldern zu wohnen, an dem man nicht st&#228;ndig von Menschenmassen umgeben ist. Und wenn die Arbeit einen schon nicht verl&#228;sst, warum sie als solche nicht anders gestalten?<span id="more-2173"></span></p>

<p>Mit diesem Gedanken im Kopf machte ich mich auf die Suche. Und da ich mir manchmal wirklich wie ein Manager vorkomme, habe ich mich auch im Bereich der Arbeitsorganisation von Managern, Anw&#228;lten und Co umgeschaut. Dabei stie&#223; ich schnell auf die zentrale Funktionen der Sekretariate, die mir als Lehrer so nicht zur Verf&#252;gung stehen. Damit w&#228;re die Sache eigentlich schon erledigt gewesen, denn was soll mir z. B. das Diktieren von Schriftst&#252;cken bringen, wenn ich sie dann eh selbst tippen muss?</p>

<p>Doch da ich bei meiner Besch&#228;ftigung immer wieder auf das Diktierger&#228;t als zentrales Arbeitsinstrument gesto&#223;en bin und mit der Tatsache konfrontiert wurde, dass wir nun einmal ca. sieben Mal schneller sprechen als schreiben k&#246;nnen, selbst wenn man bei einer ganz guten Anschlagzahl auf der Tastatur angekommen ist, wollte ich so schnell nicht aufgeben. Sieben Mal schneller per Diktierger&#228;t? Da muss es doch Einsatzgebiete geben! Und ich habe sie gefunden. Ich sage es gleich: Es sind Einsatzgebiete die mit meinen Eigenarten zu tun haben und vielleicht nicht f&#252;r jeden &#252;bertragbar sind, interessant finde ich die Entwicklung f&#252;r mich dann aber schon. Die erste Eigenart: Ich habe in meinem Leben schon ein wenig Radio gemacht und stehe dem Sprechen als Instrument der Informations&#252;bermittlung damit nicht fremd gegen&#252;ber. Au&#223;erdem habe ich meine MP3-Ger&#228;t eigentlich immer dabei und nutze es sowieso schon als Bildungsinstrument, indem ich reichlich fachbezogene Podcasts h&#246;re oder direkt das Radioprogramm. Au&#223;erdem kann ich beim Spazieren gut nachdenken.</p>

<p>Vor diesem Hintergrund habe ich dann begonnen, das Diktierger&#228;t in meine Arbeitsabl&#228;ufe zu integrieren, sowohl als Instrument des Lehrers als auch als Instrument des Lernenden.</p>

<p>So habe ich begonnen, die Aufforderung, Unterrichtsstunden zu antizipieren (gedanklich vorwegnehmend durchzuspielen), in meinen Vorbereitung so zu gestalten, dass ich auf (langen) Spazierg&#228;nge, mir einfach die eine oder andere Stunde ins Diktierger&#228;t spreche. (Ja, ich habe Wege, auf denen ich so wenigen Leuten begegne, dass ich dabei nicht unangenehme Blick auf mich ziehe.) Sehr oft muss ich dann zuhause nur noch eine ganz kurze Skizze niederschreiben und was ich an Material m&#246;glicherweise bislang falsch geplant hatte  oder so noch gar nicht ber&#252;cksichtig hatte korrigieren bzw. erstellen (wenn nicht entsprechendes in den den Sch&#252;lern vorliegenden Schulb&#252;chern enthalten ist).</p>

<p>In einer Pause habe ich in der Regel keine Zeit, mir ausf&#252;hrliche Notizen zu machen. Aber selbst in der Schule gibt es M&#246;glichkeiten, eher unauff&#228;llig kurz eine Ged&#228;chtnisst&#252;tze ins Diktierger&#228;t zu sprechen und angesichts der Empfindlichkeit der Mikrofone, verliere ich so langsam die Bedenken gegen&#252;ber den Blicken der Kollegen, wenn ich an meinem Platz leise was ins Mikro spreche. Das entlastet das Ged&#228;chtnis enorm und nimmt das l&#228;stige Gef&#252;hl am Nachmittag oder Abend, dass da doch noch etwas war, an das ich mich jetzt aber nicht mehr erinnere… Aber da war doch noch was…</p>

<p>Nat&#252;rlich ist meine Literaturdatenbank mit Exzerpten und Zitaten wunderbar. Doch im merke, dass gerade in den Unterrichtswochen keine Zeit bleibt, zu lesen und entsprechend umf&#228;ngliche Notizen in Schriftform anzulegen. Also lege ich mein Diktierger&#228;t mit aktivierter Sprachsteuerung auf den Tisch oder neben das Lesesofa. Sprachsteuerung bedeutet, dass nur etwas aufgezeichnet wird, wenn ich auch spreche, in der Aufnahme also keine langen Sprechpausen entstehen. Zwar ist ein so entstandenes Notat nicht auf dem Computer durchsuchbar und Zitate k&#246;nnen nicht einfach in Dokumente &#252;bernommen werden, aber ich bin bereit, diese Begrenzung in Kauf zu nehmen, wenn ich so zu einem sinnvollen Arbeitsablauf gelange. Und ganz ehrlich: Solche Aufnahmen h&#246;re ich mir h&#228;ufiger (in der S-Bahn, auf dem Weg zum Supermarkt oder beim Spaziergehen) an, als ich entsprechende Notizen in meiner Literaturdatenbank lese. Zudem setze ich mit dem Sprechen und dem H&#246;ren mehr Sinne ein als es die reine Arbeit mit Text erlaubt, was meinem Hang zum Lernen auf unterschiedlichen Kan&#228;len sehr entgegen kommt. Wenn mir also beim Lesen etwas einf&#228;llt, bringe ich die Gedanken sprechend zum Ausdruck und merke dar&#252;ber meist auch schnell, wo ich etwas noch nicht so verstanden habe, dass ich es sprechend formulieren kann. Und nat&#252;rlich lese ich dann auch Stellen, die mir spannend erscheinen, einfach laut und kann mich drauf verlassen, dass mir das Exzerpt als Aufnahme anschlie&#223;end zuverl&#228;ssig vorliegt.</p>

<p>Grenzen dieses Einsatzes liegen dort, wo es der Datenschutz verlangt:</p>

<ol>
<li><p>Keine Aufnahmen im Unterricht. (Es sei denn diese sind abgesprochen und stehen im Zusammenhang mit dem Unterricht, aber diesen Fall hatte ich bislang noch nicht)</p></li>
<li><p>Keine Aufnahmen bei Konferenzen oder von Beratungsgespr&#228;chen. Hier sind handschriftliche Notizen knapper und au&#223;erdem ist ein Ergebnisprotokoll schriftlich einfach &#252;bersichtlicher, ganz abgesehen davon, dass es rechtlich nicht zul&#228;ssig ist.</p></li>
<li><p>Viele Notizen, gerade solche, die in Pausen vor allem als Ged&#228;chtnisentlastung entstehen, m&#252;ssen nat&#252;rlich in eine schriftliche Form gebracht werden. Hier dient das Diktierger&#228;t vor allem der Entlastung jenes Gef&#252;hls, was vergessen zu haben, das man unbedingt schriftlich festhalten wollte.</p></li>
<li><p>Ich bin Fan von Schriftlicheit und m&#246;chte den (kreativen)  Wert des Schreibens – insbesondere auch des Schreibens per Hand – nicht missen. Der Einsatz des Diktierger&#228;t ist hier erg&#228;nzend und in Hochzeiten entlastend, aber f&#252;r mich keine ausschlie&#223;liche L&#246;sung. Wo immer es geht, arbeite ich schriftlich. Angesichts der Unterrichtsverpflichtung mit den mit ihr verbundenen Aufgaben, schreibe ich in unterrichtsfreien Zeiten und am Wochenende weit mehr als an Unterrichtstagen (obwohl ich selbst da oft lange &#252;ber meinen Notizen, Entw&#252;rfen etc. sitze).</p></li>
<li><p>Ich bin noch dabei, das Instrument in den Arbeitsablauf zu integrieren, denn interessanterweise ist das sprechende Arbeiten einfach anders als das schreibende. Einen Text (frei) zu sprechen bedarf der &#220;bung und dem Finden eigener Konventionen des Sprechens, um den Aufnahmen (Diktaten) Struktur zu geben.</p></li>
</ol>

<p>Ohne Integration von Technik geht ein solches Arbeiten nat&#252;rlich nicht. Aber da ich auch sonst gerne mit T&#246;nen arbeite, steht mir Technik zur Verf&#252;gung, die sogar ausreicht, um radiogerechte O-T&#246;ne zu erstellen. Im Augenblick arbeite ich mit einem <a href="http://audiotranskription.de/vergleichstest-digitaler-rekorder.htm" target="_blank">Olympus DM 550</a> Digital Voice Recorder, der klein ist und eine Aufnahmequalit&#228;t hat, die sich h&#246;ren lassen kann. Das ist im Prinzip mein „Hab ich immer dabei“-Ger&#228;t, nachdem mir der Vorg&#228;nger (DS 75) leider &#252;ber den Jordan gegangen ist. Will ich professionellere Aufnahmen erstellen, das geht dann aber weit &#252;ber Notizen hinaus in den Bereich des Field Recordings, sei hier aber erw&#228;hnt, nutze ich das <a href="http://audiotranskription.de/vergleichstest-digitaler-rekorder.htm" target="_blank">Olympus LS 10</a>, das allerdings &#252;ber keine Sprachsteuerung verf&#252;gt. Und schlie&#223;lich nutze ich die iPhone-App <a href="http://www.jotomi.de/dictamus" target="_blank">Dictamus</a>, da ich mein Mobiltelefon nat&#252;rlich noch h&#228;ufiger dabei habe als mein „Hab ich immer dabei“-Ger&#228;t. Au&#223;erdem verf&#252;gt diese App &#252;ber eine hervorragende Sprachsteuerung und erm&#246;glicht mir zudem nicht nur das &#220;berschreiben von Aufnhamen sondern auch das Einf&#252;gen von Passagen in die Aufnahme. Allerdings reicht diese App in ihrer Tonqualit&#228;t an meine sonstigen L&#246;sungen bislang nicht heran, auch wenn sie f&#252;r ihre Zwecke sehr aktzeptabel ist.</p>

<p>Insgesamt hat sich f&#252;r mich eine sp&#252;rbare Entlastung in bestimmten Arbeitsbereichen ergeben und je mehr ich mit dieser Methode arbeite, um so mehr Einsatzgebiete finde ich: So wie ich fotografiere nehme ich Atmosph&#228;ren z. B. bei der Besichtigung einer Kirche auf; ich lese f&#252;r mich selbst gemeinfreie Gedichte ein oder zeichne auch mal einen &#246;ffentlichen (!) Vortrag auf. Und ich bin mir sicher, dass ich damit noch nicht am Ende der Entdeckungsreise bin.</p>

<p>F&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen sehe ich dar&#252;ber hinaus noch weitere Einsatzgebiete: Diktierger&#228;te k&#246;nnen als Instrument der &#220;bung beim und der &#220;berpr&#252;fung des eigenen Vorlesens zuhause genutzt werden; Referate k&#246;nnen auf diesem Wege, gerade wenn sie nur mithilfe von Notizen und nicht ausformuliert gesprochen werden sollen, ge&#252;bt werden und so weiter. Doch diese Einsatzgebiete, die interessant werden, weil nahezu jedes Mobiltelefon und jeder Computer &#252;ber eine Diktierfunktion, wenn auch oft im reduzierten Ma&#223;e, verf&#252;gt, stehen hier nicht im Zentrum; hier geht es um meinen Einsatz dieser Technlogie. Und je mehr Erfahrungen ich damit mache, um so weniger will ich sie missen; genauso wenig wie Anregungen, Erg&#228;nzungen und Kommentare der Leser und Leserinnen dieses Beitrags, f&#252;r die nur die Kommentarfelder ausgef&#252;llt werden m&#252;ssen <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> <strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Im Gehege des Deutschunterrichts oder: Der Zoo und die Wildnis</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 22:42:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“, schreibt Reiner Werner auf Seite Vier der Einleitung des Schroedel-Bandes „Deutsch SII (Kompetenzen, Themen, Training), Kompetent in Kurzgeschichten“, der 2009 erschienen ist. Er zeigt damit, m&#246;glicherweise, ohne sich dessen bewusst &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/07/im-gehege-des-deutschunterrichts-oder-der-zoo-und-die-wildnis/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“,</blockquote>

<p>schreibt Reiner Werner auf Seite Vier der Einleitung des Schroedel-Bandes „Deutsch SII (Kompetenzen, Themen, Training), Kompetent in Kurzgeschichten“, der 2009 erschienen ist. Er zeigt damit, m&#246;glicherweise, ohne sich dessen bewusst zu sein (?), schon im ersten Satz des von ihm erarbeiteten Bandes, die Ambivalenz des Einsatzes von Kurzgeschichten auf: Einerseits geh&#246;ren Kurzgeschichten mit Gedichten zu den am h&#228;ufigsten im Deutschunterricht eingesetzten literarischen Kunstwerken. Andererseits handelt es sich dabei aber um literarische Gattungen, die au&#223;erhalb der Schule so gut wie gar nicht gelesen werden.</p>

<p>In der Schule werden diese „kleinen“ literarischen Gattung „gehegt“ und „gepflegt“; auf dem Buchmarkt spielen sie eine kaum wahrnehmbare Rolle. „Gehegt“ und „gepflegt“ – oder vielleicht doch eher missbraucht, vergewaltigt und get&#246;tet? Dieser Frage will ich hier nachgehen. Dabei nehme ich das Vorwort in dem schon zitierten Schroedel-Band als Leitfaden, weil es sich um 1. um einen gerade erschienenen und 2. um einen von seiner Zielrichtung her an Komptenzen orientierten Band handelt, der zumindest davon Zeugnis gibt, wie sich ein Schulbuchverlag „Kompetenzen“ im Umgang mit Literatur vorstellt.</p>

<p>Entscheidend ist f&#252;r mich eigentlich immer, was Lehrer und Didaktiker – nein, es ist kein Zufall, dass ich diese beiden Begriffe nicht synonym gebrauche – zum Thema der Methodik zu sagen haben. Dazu Rainer Werner:</p>

<blockquote>„Der moderne Literaturunterricht zielt darauf ab, den Sch&#252;lern wichtige Kompetenzen der Textinterpretation zu vermitteln, die sie in die Lage versetzen, ihre F&#228;higkeiten im Umgang mit Sprache und Literatur stetig zu erweitern.“ (a.a.O., S. 5.)</blockquote>

<p>Ja, genau so ist es und so muss es auch sein, will ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin Klausuren in der Oberstufe bestehen und schlie&#223;lich den Anforderungen des Abiturs entsprechen. Dementsprechend geht der Autor dann noch kurz darauf ein, welchen Grunds&#228;tzen sein Ansatz folgt, der die „herk&#246;mmliche lehrerzentrierte Unterrichtsform“ auflockern will, in dem so „sch&#252;lerzentrierte“ Methoden, wie Gruppen und Partnerarbeit, aber auch kreative Schreibaufgaben eingesetzt werden, ohne die „strukturierende Hand des Lehrers“ aus dem Blick zu verlieren, dessen „&#252;berlegenes Wissen“ nun nicht mehr nur eingesetzt werde, „um den Gang der Interpretation immer zum ‚richtigen‘ Ziel hin zu steuern“ (ebd.). Au&#223;erdem behauptet Werner auch noch richtig, dass Lehrer Sch&#252;lern das fachliche Wissen voraus h&#228;tte, aber auch, dass dieses Voraus ebenso f&#252;r die Erfahrung im Umgang mit literarischen Texten gelte.</p>

<p>Und dann werden all die Wege genannt, die Lehrer (und Lehrerinnen) mit dem nun vorgelegten Band gehen k&#246;nnten. – Wer w&#252;rde von einem Lehrerband zum Thema „Kurzgeschichten“ auch etwas anderes erwarten, stimmt Werners Darstellung des Literaturunterrichtes doch ziemlich genau mit einer zumindest nach wie vor weit verbreiteten Wirklichkeit des Deutschunterrichts &#252;berein, die man sich bei den genannten und faktisch so in Pr&#252;fungen ja wirklich erwarteten Zielen, auch kaum anders vorstellen kann.</p>

<p>F&#252;r Lehrende ist das im t&#228;glichen Prozess der Reflexion auf ihren Unterricht ein wirklich guter Band zum Thema Kurzgeschichten geworden. Und f&#252;r den Band spricht auch, dass Reiner Werner scheinbar alle Unterrichtsvorschl&#228;ge am Berliner John-Lennon-Gymnasium ausprobiert hat. Die Inhalte sind also erfahrungsges&#228;ttigt und kommen zudem Lehrerinnen und Lehrern entgegen, die sich zwar der Kompetenzenorientierung des Unterrichts nicht entziehen wollen, gleichzeitig aber auch, um ihrer Verantwortung gerecht werden zu k&#246;nnen, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler kompetent im Umgang mit literarischen Texten zu machen, die strukturierenden F&#228;den in den H&#228;nden behalten wollen. Das st&#246;rt mich nicht, das geh&#246;rt nach wie vor zum Alltag des Deutschlehrers – und die Frage nach der Lehrerrolle im Deutschunterricht soll hier auch gar nicht im Vordergrund stehen, so sehr sie im Hintergrund immer mitschwingen mag.</p>

<p>Viel mehr interessieren mich hier zwei andere Fragen:</p>

<ol>
    <li>Wo kommen in solchen Ans&#228;tzen, wie er von Reiner Werner im Vorwort des Bandes „Kompetent in Kurzgeschichten“ vertreten wird, die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor?</li>
    <li>Welche Rolle haben literarischen Kurzformen im Deutschunterricht.</li>
</ol>

<p>Beginnen wir mit der zweiten Frage:</p>

<p>Die Rolle von literarischen Kurzformen im Unterricht steht in einem deutlichen Gegensatz zu der Rolle, die diese Textsorten im Alltag durchschnittlicher Leser und Leserinnen spielen. Sie werden gew&#228;hlt, weil sie gut in den Zusammenhang von Unterrichtsstunden passen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus kann an literarischen Kurzformen in kompakter Form Wissen im Umgang mit Texten vermittelt werden. Das m&#246;gen ehrenwerte Ziele und ein nachvollziehbarer Mehrwert von Gedichten und Kurzgeschichten sein, aber am wichtigsten finde ich, dass diese f&#252;r mich literarisch anspruchsvollsten literarischen Gattungen im Deutschunterricht am Leben erhalten werden. Die Schule &#252;bernimmt f&#252;r diese literarischen Gattungen, insbesondere f&#252;r Kurzgeschichten, kommen Gedichte doch immerhin auf den MP3-Playern der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler als „Lyrics“ nach wie vor in Massen vor, in etwa die Rolle, die Zoos f&#252;r vom Aussterben bedrohte Tierarten &#252;bernehmen: Es wird ein Schauraum geschaffen, in dem man gesch&#252;tzt und strukturiert und angeleitet, von W&#228;rtern gehegte und gepflegte Tiere betrachten kann, die einem in freier Wildbahn oftmals kaum noch begegnen. Die Gehege werden mit Tafeln versehen, die alles erkl&#228;ren – und der Besucher kann den Zoo mit dem guten Gef&#252;hl verlassen, etwas gelernt zu haben. Au&#223;erdem wird das Einsperren der Tiere mit der in Zoos stattfindenden wissenschaftlichen Arbeit begr&#252;ndet, die ja in Einzelf&#228;llen auch wieder zur Auswilderung der Tiere f&#252;hren kann.</p>

<p>Sicher, eine authentische Begegnung mit einer Wildkatze, einer Giftschlange oder einem Krokodil sieht anders aus. Sie ist aufregender und deutlich gef&#228;hrlicher als im Zoo. Und sp&#228;testens dann, wenn ein solches Tier seziert wird, ist klar: Jetzt geht es um die anatomische Zerlegung einer Leiche.</p>

<p>Kurzgeschichten (Gedichten und eigentlich fast jeder literarischen Form) ergeht es im Deutschunterricht nicht besser. Die unmittelbare, „gef&#228;hrliche“ Begegnung mit Literatur wird h&#246;chstens noch methodisch geleitet zugelassen, die Frage nach dem ersten Leseeindruck der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler wird fast zu einer rhetorischen Frage, da sie oft beim weiteren Umgang mit einem literarischen Kunstwerk kaum noch eine Rolle spielt. Dort, wo das „Wilde“ und das „Gef&#228;hrliche“ der Literatur zu Hause ist, dort, wo ein Mensch mit seiner Biographie auf einen Text trifft und aus dieser existentiellen Begegnung etwas wachsen kann, liegen die Seziermesser der Textanalyse schon bereit, mit denen das m&#246;glicherweise im ersten Leseeindruck aufgeflackerte Leben, das in der Begegnung von Text und Leser bzw. Leserin gezeugt wird, schnellstm&#246;glich auf funktional einsetzbare Kompetenzen hin beschnitten wird.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird ein Deutschlehrer vermutlich mehr gelesen haben als die Jugendlichen. Nat&#252;rlich hat die Deutschlehrerin aus dem Studium mehr Fachwissen als Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler. Aber kann man in der unmittelbaren Begegnung mit Literatur je erfahrener sein, abgesehen von der Erfahrung, was Literatur mit einem „echten“ Leser machen kann, als die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler?</p>

<p>Wenn es stimmt, dass jeder Text in der Begegnung mit jedem Leser und jeder Leserin „neu“ entsteht, „neu“ gelesen wird; wenn es stimmt, dass in der Begegnung des Textes mit dem Lesenden ein Text v&#246;llig neue Seiten Preis geben kann, dann wertet die Behauptung, dass ein Lehrer „besser“ lesen k&#246;nne diese Leseerfahrungen ab – und zwar so sehr, dass es Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern eine gro&#223;e Herausforderung ist, wenn ein Lehrer versucht, sie wirklich mit dem Text in eine Begegnung zu bringen, aus der m&#246;glicherweise das nachgelagerte Interesse an den Techniken erw&#228;chst, derer sich ein Autor (ob nun gezielt oder nicht) bedient hat.</p>

<p>Oft steht die Aussage, dass  das Ziel beim Umgang mit Literatur in der Schule „sowohl die pers&#246;nliche Erfahrung der Leser bzw. Sch&#252;ler       in die Auseinandersetzung mit dem literarischen Text einzubeziehen, als       auch ein angemessenes Verst&#228;ndnis f&#252;r die Aussage und Form solcher Texte       zu f&#246;rdern“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/07/im-gehege-des-deutschunterrichts-oder-der-zoo-und-die-wildnis/#footnote_0_2095" id="identifier_0_2095" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Lensch, Martin (2000):         Spielen, was (nicht) im Buche steht. Die Bedeutung der Leerstelle f&amp;#252;r         das literarische Rollenspiel, M&amp;#252;nster: Waxmann 2000, S.11">1</a></sup> im didaktischen Vordergrund des Deutschunterrichtes stehen m&#252;sse, zwar im Zentrum literaturdidaktischer Seminare, seltener aber im Zentrum des literarischen Zoos des Deutschunterrichtes.</p>

<p>Dies gilt insbesondere, wenn das Unplanbare der pers&#246;nlichen Erfahrung der Leser in der Begegnung mit einem Text ernst genommen wird, da der Unterricht dann nur noch in Grenzen planbar ist, sobald die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen erst einmal wieder gelernt haben, dass diese pers&#246;nlichen Eindr&#252;cke, Emotionen und auch Langeweilen, relevant f&#252;r ihre Begegnung mit einem literarischen Kunstwerk sind.</p>

<p>L&#228;ngst aber hat sich das „Wilde“ in der Begegnung mit Literatur andere Orte als die Schule gesucht, in der selbst B&#252;chners „Woyzeck“ zu einem harmlosen Schmusek&#228;tzchen wird, die Leidenschaft, die in Dramen wie „Don Carlos“ w&#252;tet, auf den Tisch des nach Stilmitteln suchenden Pathologen gelegt wird, das Sozialkritische eines Brechts in der Langeweile von Zeitgeschichte ers&#228;uft.</p>

<p>Das „Wilde“ findet au&#223;erhalb der Schule statt: In der gierigen Lekt&#252;re von „Harry Potter“ hat es sich gezeigt; in der Verwechslung von Dichtung und Wahrheit, die manche Leser dazu brachte, Dan Browns (schlecht geschriebenes) Buch „Sakrileg. Der Da Vinci Code“ als ein von seinen Aussagen her vielleicht richtiges Werk zu betrachten; im Zittern beim Lesen von Thrillern, bei denen die meisten Erwachsenen die Frage stellen, ob die Jugendlichen denn schon in dem Alter sind, so etwas zu verkraften; in der Liebesschnulze, dem Fantasyroman etc., die in der S-Bahn aus der Tristesse des Zuges entf&#252;hren und Phantasien ebenso wie Gr&#246;&#223;enphantasien befriedigen.</p>

<p>Zugegeben: Die Literaturauswahl in den Schulen ist meist tats&#228;chlich so, dass literarische hochwertige Werke gelesen werden. Aber wo bleibt das Entsetzen, wenn Faust Gretchen in den Tod treibt, wo der Aufschrei, wenn ein Hauptmann oder ein Doktor mit Woyzeck ihr „Spiel“ treiben, wo das Sehnsuchtslechzen, wenn die Romantiker der Wirklichkeit mehr als nur die K&#228;lte der radikal entmystifizierenden rationalen Zugangsweise abtrotzen wollen? – F&#252;r solche emotionalen Regungen scheint in der Schule kein Platz zu sein, so wenig, wie im Zoo in der Regel Platz f&#252;r die „Angst“ ist, wenn man einem wilden Tier nur durch einen Zaun oder eine Glasscheibe getrennt gegen&#252;ber steht.</p>

<p>Und das gilt auch (und besonders) f&#252;r Kurzgeschichten, in denen so oft massive existentielle Fragen im Zentrum stehen und hoch konzentriert auf Leser und Leserinnen treffen wollen. Was hier an Destillat der Wirklichkeit hochprozentig eingeschenkt wird, macht dennoch selten besoffen, weil schnell das konservierende und die Kost ungenie&#223;bar machende Formalin der analytischen Konservierung &#252;ber die Texte gesch&#252;ttet wird, bis selbst die Begegnung mit den Texten und deren eigentlich oft existentiellen Herausforderungen und Reflexionspotentiale in Formalia erstickt ist.</p>

<p>Kurzgeschichten und Gedichte sind aber zuerst Kunstwerke! Sie sind keine harmlosen Tierchen, die man zu Demonstrationszwecken halten kann, ohne dass sie ihren Reiz und ihre Faszination verlieren.</p>

<p>Kurzgeschichten und Gedichte sind nicht zuerst &#220;bungen, an denen Autoren und Autorinnen ihre formalen F&#228;higkeiten erproben wollten, sondern, oft hochgradig existentielle Auseinandersetzungen der Autoren und Autorinnen mit einer Wirklichkeit, der sie ausgesetzt sind.</p>

<p>Die so oft im Unterricht benutzten Kurzgeschichten der sp&#228;ten 40er und der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts sind keine Darstellung der Nachkriegszeit, sondern existentielle Auseinandersetzungen mit den Schrecken dieser Zeit. Paul Celan schrieb keine Gedichte, die zuerst der Analyse dienen sollten. „Todesfuge“ ist eine existentielle Auseinandersetzung mit dem Schrecken, der Celan sp&#228;ter in den Selbstmord trieb. Und &#228;hnliches gilt f&#252;r so ziemlich alles, was im Deutschunterricht gelesen wird (werden soll): B&#252;chners verzweifelter Aufschrei gegen&#252;ber der Ungerechtigkeit zu Zeiten der fr&#252;hen Industrialisierung im „Woyzeck“, Schillers massive Abarbeitung an einer Biographie zwischen unaufgekl&#228;rten F&#252;rsten und Freiheitsdrang, die radikale Erfahrung der Zerst&#252;ckelung des Menschen im Kontext der Massenmenschenhaltung in von der Industrialisierung lebensfeindlich gewordenen St&#228;dten usw.</p>

<p>Schullekt&#252;ren waren einmal „wilde“ B&#252;cher. Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ rief zur Zeit des Erscheinens Massenph&#228;nome zwischen Kleidungsstil und Selbstmord hervor; Heinrich Mann galt als „gef&#228;hrlicher“ Schriftsteller, weil er nicht nur schrieb, sondern auch noch Kommunist war; Kafka durchlebte in der k&#252;nstlerischen Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Zeit die Verzweiflung an sich selbst und seiner Zeit. – Wo ist davon noch etwas im &#252;blichen Deutschunterricht zu sp&#252;ren, der Kompetenzen in den Vordergrund stellt, die letztlich eben doch nichts anderes sind als Anleitungen zum Gebrauch von Werkzeugen zur Zerlegung von Texten und eben nicht die Hinf&#252;hrung zu der F&#228;higkeit sind, sich einem Text existentiell auszusetzen?</p>

<blockquote>„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“,</blockquote>

<p>richtig. Das gilt auch f&#252;r Gedichte. Aber die Beliebtheit hat nichts damit zu tun, dass hier Hochprozentiges genossen wird und existentiell „besoffen“ macht, sondern darin, dass es nun einmal leichter ist, eine Maus zu fangen und mit dem Skalpell in relativ kurzer Zeit zu zerlegen als es dies bei einer Wildkatze, einer Giftschlange oder einem Elefanten der Fall ist. Etwas Kleines bzw. klein Gemachtes kann leichter im Gehege gehalten werden als etwas Gro&#223;es uns Wildes.</p>

<p>Das Resultat ist verheerend: Die Kunstformen, die die gr&#246;&#223;ten Herausforderungen an ihre Verfasser in Hinsicht auf (Ver)Dichtung stellen, werden so Kunstformen, die im au&#223;erschulischen Leben so wenig anzutreffen sind, wie W&#246;lfe in deutschen W&#228;ldern. Wildkatzen werden zu Hauskatzen konditioniert; der revolution&#228;re Schrei nach Gerechtigkeit wird zum historischen Quellchen herab gew&#252;rdigt.</p>

<p>Nein, ich geh&#246;re nicht zu denen, die meinen, dass Literatur die Welt ver&#228;ndern k&#246;nnte. Aber ich geh&#246;re zu denen, die Prousts Diktum am eigenen Leib erfahren haben, dass der Leser, wenn er wirklich liest, immer ein Leser seiner selbst sei.</p>

<p>Kompetenter Umgang mit Literatur? Ja, dazu geh&#246;ren auch alle Fragen nach den Techniken, die Literatur wirksam machen, nach Stilmitteln, die die Wirkung von Literatur begr&#252;nden – und auch nach den oft als existentiell empfunden „Kompetenzen“, die es erm&#246;glichen, Pr&#252;fungen zu bestehen.</p>

<p>Doch die wichtigste, handlungsorientierende Kompetenz im Umgang mit Literatur ist die Kompetenz, sich literarischen Texten &#252;berhaupt mit Haut und Haaren auszusetzen zu k&#246;nnen, um so etwas &#252;ber sich selbst und die Welt zu erfahren.</p>

<p>Es ist immer das „Ich“, das liest, das einen Text erlebt oder in ihm die eigene Gelangweiltheit erf&#228;hrt. Doch dieses lesende „Ich“ muss ermutigt werden, seine eigene Auseinandersetzung mit einem literarischen Werk auch zuzulassen, sie als wertvoll f&#252;r das Leben des Textes, f&#252;r dessen Rezeptionsgeschichte zu erfahren, findet das lebendige, wilde und eben nicht immer vom Lehrer oder von der Lehrerin voraussehbare Leben eines Textes doch genau in dieser Begegnung eines Lesers oder einer Leserin mit einem Text statt, in einem letztlich unverf&#252;gbaren Aufeinandertreffen. Die Aufgabe des Deutschunterrichtes ist es dann, diese Begegnung kommunizierbar zu machen, die Kompetenz zu vermitteln, anderen, die diese individuelle Begegnung m&#246;glicherweise ganz anders erleben, von diesen Erfahrungen nachvollziebar berichten zu k&#246;nnen. Hier, und erst hier, kommen all die Kompetenzen ins Spiel, die Deutschunterricht nat&#252;rlich auch vermitteln muss: Die F&#228;higkeiten, die notwendig sind, um Dritte an den eigenen Erfahrungen mit einem Text Anteil zu geben, also auch die Begr&#252;ndung und &#220;berpr&#252;fung des subjektiven Leseerlebnisses gegen&#252;ber anderen – nicht, um diese von der eigenen Wahrnehmung als die „einzig richtige“ zu &#252;berzeugen, sondern um die Differenz im Umgang mit Texten als eine solche zu erleben, die den eigenen Blick bereichert und m&#246;glicherweise sogar ver&#228;ndert oder auch als sehr pers&#246;nlichen relativiert.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Schm&#246;ker-Schnipsel: Vom Auswendiglernen</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 21:42:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Irgendwo in Frankfurt h&#228;ngen sie noch, jene Aufkleber, die zum letzten „Bildungsstreik“ in Frankfurt aufriefen. Dort steht: „Heute schon auswendig gelernt?“ Damit soll nat&#252;rlich gesagt werden, dass Bildung, die in Auswendiglernen bestehe, keine gute Bildung sein k&#246;nne. Und entsprechend m&#252;ssten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/01/schmoeker-schnipsel-vom-auswendiglernen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwo in Frankfurt h&#228;ngen sie noch, jene Aufkleber, die zum letzten „Bildungsstreik“ in Frankfurt aufriefen. Dort steht: „Heute schon auswendig gelernt?“ Damit soll nat&#252;rlich gesagt werden, dass Bildung, die in Auswendiglernen bestehe, keine gute Bildung sein k&#246;nne. Und entsprechend m&#252;ssten wir die gebildetsten Jugendlichen seit Menschengedenken auf ihren Lebensweg lassen.</p>

<p>Und dann kommt Daniel Pennac und schreibt in „<a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/937916/" target="_blank">Schulkummer</a>“</p>

<blockquote>„Beim Auswendiglernen ersetze ich nichts, sondern f&#252;ge allem etwas hinzu.“</blockquote>

<p>Pennac singt ein Loblied des (richtigen) Auswendiglernens von Texten – und eben nicht nur oder vor allem Gedichten! Da stehen kurze Sentenzen von Woody Allen ebenso auf dem Programm, wie philosophische Texte. Jede Woche lernen seine Sch&#252;ler einen Text – und alle m&#252;ssen sie an jedem Tag vortragen k&#246;nnen. Und der Vortrag wird nat&#252;rlich benotet.</p>

<p>Ich geh&#246;re schon zu einer der Generationen, die im Deutschunterricht auf Kurzzeitged&#228;chtnis getrimmt wurden: Wir lernten in der Grundschule das letzte Gedicht auswendig. Dass wir so etwas im Gymnasium gemacht h&#228;tten, kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Und im Studium verlangte das sowieso keiner.</p>

<p>Wenn ich es wie Pennac machen w&#252;rde – was k&#228;me dabei heraus? Am Anfang vielleicht Protest. Anschlie&#223;end gelangweilte Ergebenheit. Es k&#228;me erst einmal nichts dabei heraus, das nicht ein extrem hohes Durchhalteverm&#246;gen erfordete.</p>

<p>Wann haben Sch&#252;ler denn auch Zeit zum Lernen? Nach mittlerweile bis 18 Uhr reichende Schultage in Deutschland – und das schlie&#223;t nicht aus, dass man dennoch schon zur ersten Stunde anwesend sein musste, um dann durch den Unterricht und vor allem die Freistunden zu kommen. Vielleicht bleibt noch Zeit f&#252;r einen Verein, ein Instrument – aber Hausaufgaben… Ich kann gut nachvollziehen, dass daf&#252;r oft keine Zeit bleibt oder aber die Zeit, in der sie gemacht werden, verlorene Zeit ist, da von der verf&#252;gbaren Konzentration da oft nichts mehr &#252;brig bleibt. Und dann auch noch was auswendig lernen?</p>

<p>Pennac beschreibt solche Reaktionen selbst. Er beschreibt aber auch, wie viel ist davon gesch&#246;nt oder ist er wirklich so motivierend?, dass sich die Haltung der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zum Auswendiglernen im Laufe der Zeit ver&#228;nderte und sie sogar mit den gelernten Texten spielten, die ihnen wohl in Fleisch und Blut &#252;bergangen sein m&#252;ssen.</p>

<p>Jede Woche einen Text auswendig lernen? Das klingt extrem mechanisch.</p>

<p>Warum aber bedauere ich es dann, dass ich nicht selbst in einer solchen Kultur aufgewachsen bin, in der ich lernte, mir Sprache inwendig zu machen, Gedanken anderer so mir selbst zu eigen zu machen, dass ich sie nicht nur als schemenhafte Erinnerung, sondern w&#246;rtlich zur Verf&#252;gung habe?</p>

<p>Zugegeben: An Gedichten habe ich mich immer wieder probiert. Aber an „normalen“ Texten? Gedichte liegen ein paar in meinem Gehirn, doch selbst das Studium hat mich nicht mit den Texten und ihrer Sprache als solchen in Ber&#252;hrung gebracht, sondern immer nur mit dem Erfassen der Gedanken, die sprachlich &#252;bermittelt werden. Und selbst ein Professor, der hunderte Texte auswendig konnte, hat dies von uns nie eingefordert, sondern sprach immer nur &#252;ber die Texte. Welche Sch&#246;nheiten der Sprache wurden so von uns zerpfl&#252;ckt!</p>

<p>Nun: Eine Voraussetzung m&#252;ssen Texte allerdings haben, die auswendig gelernt werden sollen: Es geht nicht um das Auswendiglernen als solches, es m&#252;ssen relvante Texte sein. Ein relevanter Text(ausschnitt) pro Woche, mehr muss es gar nicht sein. Keine sinnlosen Gedichte, keine zweitrangigen Texte oder solche, die didaktisch aufbereitet pr&#228;sentiert werden. Einfach nur Texte, die vom Papier in das Gehirn bef&#246;rdert werden und k&#246;rperlich als Wissen verf&#252;gbar werden. – Mehr muss es gar nicht sein. Aber weniger war es viel zu lang.</p>

<p>Ich schaue bei solchen &#220;berlegungen gerne auf Sportler. Es ist doch &#252;berraschend, wie viel auch Jugendliche im Sportbereich zu tun bereit sind. St&#228;ndig werden gleiche Bewegungsabl&#228;ufe trainiert, st&#228;ndig bringen sie sich an die Grenze ihrer Leistungsf&#228;higkeit, st&#228;ndig sind sie im Wettbewerb. Doch viele von ihnen sind nicht bereit, st&#228;ndig die gleichen S&#228;tze zu trainieren, st&#228;ndig vor neuen sprachlichen Herausforderungen zu stehen und dabei auch st&#228;ndig im Wettbewerb zu stehen.</p>

<p>Und so lautet mein Schm&#246;ker-Schnipsel heute dann auch:</p>

<blockquote>„Beim Auswendiglernen ersetze ich nichts, sondern f&#252;ge allem etwas hinzu.“</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Rechtschreibung – wichtig und sekund&#228;r, oder: Vom Lesen und Schreiben</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2009/09/18/rechtschreibung-wichtig-und-sekundaer-oder-vom-lesen-und-schreiben/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 23:36:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch Sek. I]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag greift die Einsichten auf, die der Verfasser im Rahmen einer Fortbildung mit  Ingrid Naegele zu Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten gemacht hat. Zentrale Gedanken, denen ich hier meine eigene Ausdrucksform zu geben versuche, verdanke ich dementsprechend Ingrid Naegele, an deren &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/18/rechtschreibung-wichtig-und-sekundaer-oder-vom-lesen-und-schreiben/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Beitrag greift die Einsichten auf, die der Verfasser im Rahmen einer Fortbildung mit  <a href="http://www.abc-netzwerk.de/" target="_blank">Ingrid Naegele</a></em> <em>zu Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten gemacht hat. Zentrale Gedanken, denen ich hier meine eigene Ausdrucksform zu geben versuche, verdanke ich dementsprechend <a href="http://www.abc-netzwerk.de/" target="_blank">Ingrid Naegele</a>, an deren reicher Erfahrung ich im Rahmen der Fortbildung partizipieren durfte.
</em></p>

<p>Die F&#228;higkeit der Menschen, zu lesen und zu schreiben, hat die Welt ver&#228;ndert. Erst seit diese Kulturtechniken entwickelt wurden, ist ein „Gespr&#228;ch“ &#252;ber Raum und Zeit mit nicht anwesenden Menschen m&#246;glich. Menschen m&#252;ssen nicht l&#228;nger an einem Ort sein, um ihre Gedanken auszutauschen und so voneinander und miteinander zu lernen. Au&#223;erdem hilft uns die F&#228;higkeit des Lesens, mehr &#252;ber das Leben zu fr&#252;heren Zeiten zu erfahren als es f&#252;r einen Nicht-Arch&#228;ologen mittels arch&#228;ologischer Funde m&#246;glich ist.</p>

<p>Das Ziel des Schreibens und des Lesens ist prim&#228;r, Texte f&#252;r nicht Anwesende zu verfassen und solche Texte in die eigene Auseinandersetzung mit der Welt und deren Wirklichkeit zu integrieren.</p>

<p>Dieses Ziel muss jedem vor Augen stehen, der in Bildungsprozessen mit dem Lesen und Schreiben zu tun hat – also nicht nur Deutschlehrern, sondern Lehrenden in allen F&#228;chern der Schule, den Eltern und allen anderen an Bildungsprozessen beteiligten Personen und Institutionen.</p>

<p>Das Ziel f&#252;r die Lernenden besteht in erster Linie also darin, <span id="more-2002"></span>sich auszudr&#252;cken zu lernen. Doch das alleine reicht nicht. Wenn Texte darauf hin ausgelegt sind, f&#252;r andere Menschen verfasst zu sein, stellt sich f&#252;r jeden, der schreibt, die Frage, wie die Texte dann auch Leser finden.</p>

<p>Voraussetzungen f&#252;r die F&#228;higkeit, etwas f&#252;r Abwesende ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, sind das K&#246;nnen mindestens einer Sprache, deren Grammatik und die Beherrschung mindestens eines Zeichensystems, mit dessen Hilfe die Inhalte &#252;ber den m&#252;ndlichen Sprachgebrauch in der unmittelbaren Begegnung bzw. &#252;ber den m&#252;ndlichen Kontakt, z.B. mit Hilfe des Telefons, hinaus &#252;bermittelt werden k&#246;nnen. Im Deutschen ist dieses Zeichensystem eine Buchstabensprache. Wenn diese in Grundz&#252;gen beherrscht wird, ist Kommunikation m&#246;glich, die um so differenzierter wird, je gr&#246;&#223;er der Wortschatz ist und je genauer die Grammatik einer Sprache und die Vereinbarungen &#252;ber Schreibung von W&#246;rtern beherrscht werden. Au&#223;erdem ist Zeichensetzung f&#252;r das Verst&#228;ndnis von Texten nicht nur eine Hilfe, sondern geradezu Voraussetzung.</p>

<p>Doch im Bereich der Kenntnisse &#252;ber die Vereinbarungen zum Schreiben von W&#246;rtern ist die Verst&#228;ndlichkeit von Texten in der Regel auch dann noch m&#246;glich, wenn in einem gewissen Rahmen regelwidrig geschrieben wird. Anders ausgedr&#252;ckt: Rechtschreibfehler verhindern nicht unbedingt, dass das Ziel des Schreibens erreicht werden kann. Das Gespr&#228;ch &#252;ber Raum und Zeit hinweg ist auch mit Rechtschreibfehlern m&#246;glich.</p>

<p>Dass bedeutet nun nicht, dass Rechtschreibung kein anzustrebendes Ziel sei. Da wir in der Regel vom regelkonformen Gebrauch der Vereinbarungen zur Rechtschreibung ausgehen und dieser auch erwartet wird, ist das Ziel nat&#252;rlich eine regelkonforme Schreibweise, die in der Schule zu lernen ist.</p>

<p>Da aber das Ziel des Schreibens nicht <em>prim&#228;r </em>in der Rechtschreibung liegt, ist Rechtschreibung ein Beiprodukt, so eine Formulierung, die <a href="http://www.abc-netzwerk.de/" target="_blank">Ingrid Naegele</a> im Rahmen einer von mir besuchten Fortbildung gebrauchte. Im Zentrum aber muss die F&#228;higkeit stehen, sich f&#252;r nicht anwesende Personen auszudr&#252;cken. Rechtschreibung ist dabei nicht das Ziel, sondern ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, was aber auch gelingt, solange ein Wort zumindest im gr&#246;&#223;eren Zusammenhang f&#252;r den Leser verst&#228;ndlich ist.</p>

<p>Dieses zu erlernende Mittel muss ge&#252;bt werden – und zwar nicht nur in Form des Lernens der Schreibung einzelner W&#246;rter, sondern im Zusammenhang mit Satzbau und Zeichensetzung.</p>

<p>Texte k&#246;nnen aber auch schon gelungen sein, bevor die Regelkonformit&#228;t erreicht wird, gelungen in dem Sinne, dass sie f&#252;r einen nicht anwesenden Leser oder eine nicht anwesende Leserin verst&#228;ndlich sind. Und dieses Ziel muss beim Erlernen und Lehren einer Sprache im Zentrum stehen.</p>

<p>Wesentlich f&#252;r das Erreichen einer guten Ausdrucksf&#228;higkeit ist das Lesen. Fremde Texte werden zum Vorbild daf&#252;r, was mit dem Schreiben m&#246;glich ist und sie sind motivierend bez&#252;glich der eigenen Schreibkompetenz.</p>

<p>Das erste Ziel eines Lehrenden muss meines Erachtens also die F&#246;rderung der Lust am Lesen und Schreiben sein, da nur so das Ziel einer formgerechten Schreibung auf Dauer erzielt werden kann.</p>

<p>Dieser Lust ist eine &#220;bergewichtung des Ziels einer formgerechten Schreibung, ein Ziel, dass nat&#252;rlich nie aus den Augen verloren oder gar verneint werden darf, abtr&#228;glich. Um das Ziel zu erreichen, gilt es, das Selbstvertrauen in das eigene Lesen und Schreiben zu f&#246;rdern, um so mehr, wenn ein Kind Schwierigkeiten mit dem Lesen und dem Schreiben hat.</p>

<p>Das hat f&#252;r die t&#228;gliche Arbeit als Lehrer, aber auch f&#252;r den Einsatz aller anderen an Bildungsprozessen beteiligten Personen Konsequenzen.</p>

<p>Um Missverst&#228;ndnissen vorzubeugen: Ich pl&#228;diere im Folgenden nicht f&#252;r eine Vernachl&#228;ssigung des formgerechten Schreibens, ich pl&#228;diere vielmehr f&#252;r eine Herangehensweise an das Thema des Lesens und der Rechtschreibung, die das eigentliche Ziel des Lesens und Schreibens nicht aus den Augen verlieren: Es geht um die F&#228;higkeit, Gedanken so ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, dass nicht anwesende Leser und Leserinnen diese verstehen k&#246;nnen. Formgerechtes Schreiben, verbunden mit einem angemessen Wortschatz, macht dies deutlich leichter, wobei ein gr&#246;&#223;erer Wortschatz zudem auch das Lesen von Texten und somit das Verstehen der Gedanken anderer, nicht anwesender, Personen erleichtert oder &#252;berhaupt erst m&#246;glich macht.</p>

<p>Doch dieses Ziel muss idealerweise zu einem eigenen Ziel der Lernenden werden. Es muss also einerseits alles getan werden, dass Lernende dieses Ziel erreichen – es idealerweise sogar zu ihrem eigenen Ziel machen und nicht nur zu einem Ziel, dem sie sich in der Schule zu unterwerfen haben – und andererseits alles unterlassen werden, was das Erreichen dieses Ziels verhindert. Eine zu fr&#252;he &#252;bertriebene Konzentration auf die Rechtschreibung geh&#246;rt in dem meisten F&#228;llen wohl zu den zu unterlassenden Verhaltensweisen, soll die Lust am Lesen und Schreiben angemessen gef&#246;rdert werden, auch wenn das Ziel einer formgerechten Schreibung nie aus dem Auge verloren werden darf.</p>

<p>Was also ist zu tun und womit sollte man vorsichtig sein, wenn man mit Lernenden an den Zielen des Lesens und Schreibens arbeitet?</p>

<ol>
    <li>Das Hauptprodukt des Lernprozesses ist die Lust am Lesen und Schreiben als M&#246;glichkeiten der Entdeckung und der Reflexion des Selbst und der Welt, aber auch als M&#246;glichkeit, sich selbst auszudr&#252;cken bzw. Ausdrucksformen zu kennen und vielleicht sogar f&#252;r sich nutzen zu lernen.</li>
    <li>Formgerechte Schreibung ist ein Beiprodukt dieses Hauptproduktes des Bildungsprozesses und Fehler sollten nicht der Grund sein, dass ein Kind zu einem fr&#252;hen Zeitpunkt eine Schulform verlassen muss.</li>
    <li>Der Inhalt von Texten, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler verfassen, sollte nicht (zu fr&#252;h) im Rahmen der R&#252;ckmeldung von Fehlern &#252;berdeckt werden. Eine (zu fr&#252;he) Einf&#252;hrung verbindlicher und vor allem notenrelevanter Fehlerindizees sollte unterbleiben.</li>
    <li>An die Stelle der blo&#223;en Markierung und Bewertung von Fehlern m&#252;ssen Formen treten, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern einen reflexiven Umgang mit den Fehlern erm&#246;glichen. Es geht also nicht nur darum, Rechtschreibung zu &#252;ben (darum geht es auch!), sondern darum, die Gr&#252;nde f&#252;r die Fehler zu erkennen und diese somit reflexiv zu vermeiden.</li>
    <li>Korrekturen sollten immer den Respekt vor dem Text des / der Lernenden widerspiegeln und den Text eben nicht in ein Feld der bombengleichen Einschl&#228;ge des Rotstiftes machen. Ja, auch Korrektur kann &#228;sthetisch angemessen und unangemessen sein.</li>
    <li>Aufgabe des Lehrers ist es nicht, ein Kind zu demotivieren, sondern dieses von seinen St&#228;rken ausgehend zu f&#246;rdern. Wenn in einem Text von 150 W&#246;rtern 30 W&#246;rter falsch geschrieben sind, macht es, vor allem f&#252;r Kinder mit Schwierigkeiten beim Schreiben und beim Lesen, einen riesigen Unterschied, ob ich unter eine Arbeit oder eine Hausaufgabe „Du hast 30 Fehler“ oder „Du hast 120 von 150 W&#246;rtern richtig geschrieben“ schreibe.</li>
    <li>Die F&#246;rderung des Schreibens muss sich an dem orientieren, was Kinder k&#246;nnen und ebenso an dem, was Kinder &#252;ben m&#252;ssen. Angesichts der nach wie vor beeindruckenden Klassengr&#246;&#223;en gilt es hier, kreative ( = umsetzbare) Binnendifferenzierungsm&#246;glichkeiten zu suchen, die zumindest phasenweise eine individuelle F&#246;rderung m&#246;glich machen.</li>
    <li>Klassenarbeiten sind nicht nur Leistungs&#252;berpr&#252;fungen am Ende einer Unterrichtsphase, sondern Instrumente im Lernprozess. Deshalb gilt es, Wege zu finden, die mit Klassenarbeiten diagnostizierend und den weiteren Lernprozess f&#246;rdernd umgehen. Verbesserungen erf&#252;llen nur dann ihren Zweck, wenn sie in einen Reflexionsprozess &#252;ber die Fehler einf&#252;hren und diesen f&#252;r die weitere Arbeit fruchtbar machen.</li>
    <li>Die F&#246;rderung des lustvollen Umgangs mit Texten und dem Schreiben ist in der Schule nicht nur Aufgabe der Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen, sondern eine Aufgabe der gesamte Schule und somit aller F&#228;cher! Die F&#228;higkeit, sich angemessen ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, ist f&#252;r alle F&#228;cher relevant und f&#252;r die Teilhabe an der Gesellschaft und die Entfaltung der Pers&#246;nlichkeit von so zentraler Bedeutung, dass alle Lehrer und Lehrerinnen entsprechende Kenntnisse &#252;ber F&#246;rderm&#246;glichkeiten haben m&#252;ssen.</li>
    <li>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler lernen am besten mit positiven Emotionen. Es geht also darum, f&#252;r Erfolgserlebnisse zu sorgen. Dazu kann es auch hilfreich sein, Fehler zwar als solche kenntlich zu machen, diese aber gegebenenfalls nicht notenrelevant werden lassen. Dies gilt insbesondere f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, aber nicht nur.</li>
    <li>Wenn es beim Schreiben strukturell darum geht, Gedanken so auszudr&#252;cken, dass sie sie von einem anderen, nicht anwesenden Menschen verstanden werden k&#246;nnen, sollten viel h&#228;ufiger und intensiver M&#246;glichkeiten genutzt werden, diese Texte auch wirklich wichtig werden zu lassen. Hierzu k&#246;nnen „Ver&#246;ffentlichungen“ in der Lerngruppe ebenso dienen wie beispielsweise Sch&#252;lerzeitungen, Lesungen in einer Klasse oder &#252;ber diese hinaus, Schreibwettbewerbe, gemeinsam erstellte Weblogs und Wikis und einfach alles, was zum Schreiben f&#252;r andere einl&#228;dt. Es geht also auch um die Frage, wie Texte Leser und Leserinnen finden  – und ein solcher Leser oder eine solche Leserin sollte eben nicht nur der Lehrer oder die Lehrerin sein, wenn man will, dass Lernende nicht prim&#228;r f&#252;r Lehrende schreiben.</li>
    <li>Um das Schreiben zu lernen muss viel gelesen werden. Dabei ist auch das Vorlesen von zentraler Bedeutung, da dies f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler motivierend ist und diese auf diesem Wege ganz viel Wissen erwerben k&#246;nnen (auch &#252;ber das Lesen).</li>
    <li>Vor allem Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, aber nat&#252;rlich auch alle anderen, d&#252;rfen nicht blo&#223; gestellt werden. Will ich etwas &#252;ber die  Lesef&#228;higkeiten der Kinder erfahren, kann es eine durchaus bedenkenswerte Alternative sein, Texte auf Kassette oder als MP3 aufzeichnen zu lassen, statt jeden vor der Klasse lesen zu lassen. In diesem Zusammenhang kann es auch hilfreich sein, wenn Kinder Texte mitlesen, die sie vorgelesen bekommen. Gut eingelesene H&#246;rb&#252;cher k&#246;nnen hier eine gro&#223;e Hilfe sein.</li>
    <li>Es gilt, mit den Kindern &#220;bungsstrategien zu erlernen und einzusetzen, die eher dem Prinzip der Kontinuit&#228;t als des gro&#223;en Umfangs in kurzer Zeit dienen.</li>
    <li>Und weil es so wichtig ist, noch einmal: Im Zentrum des Lesens und Schreibens stehen die Ausdrucksf&#228;higkeit, das „Gespr&#228;ch“ &#252;ber Raum und Zeit und vor allem die Lust am Lesen und Schreiben. Ohne diese Lust wird das Erreichen eines formgerechten Schreibens erschwert. Rechtschreibung ist ein Beiwerk, ein Mittel und nicht der Zweck, so wenig sie aus dem Blick verloren werden darf.</li>
</ol>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>„Schadstoff f&#252;r die Seele“ – Des ZDFs „Die Vorleser“ kritisch betrachtet</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Jul 2009 11:37:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es mag der Aufgeregtheit geschuldet sein, dass Amelie Fried das erste in der neuen ZDF-Sendung „Die Vorleser“ vorgestellte Buch nicht in die Hand nimmt. Statt dessen beginnt sie mit einer auswendig gelernt wirkenden Inhaltsangabe. Und dann: „Ich finde, dass diese &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/07/12/schadstoff-fuer-die-seele-des-zdfs-die-vorleser-kritisch-betrachtet/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es mag der Aufgeregtheit geschuldet sein, dass <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amelie_Fried" target="_blank">Amelie Fried</a> das erste in der neuen <a href="http://zdf.de" target="_blank">ZDF</a>-Sendung „<a href="http://vorleser.zdf.de" target="_blank">Die Vorleser</a>“ vorgestellte Buch nicht in die Hand nimmt. Statt dessen beginnt sie mit einer auswendig gelernt wirkenden Inhaltsangabe. Und dann:</p>

<blockquote>„Ich finde, dass diese Autorin ganz toll geschrieben hat, wie eine Kindheit endet. Das hat mir gut gefallen.“</blockquote>

<p>In „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Literarische_Quartett" target="_blank">Das literarische Quartett</a>“ stritten sich leidenschaftliche Literaturkritiker. In „<a href="http://www.lesen.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,2042868,00.html" target="_blank">Lesen!</a>“ lobte eine leidenschaftliche Literatin B&#252;cher und k&#228;mpfte in einer Zeit, in der er es um die Lesekultur nicht mehr allzu toll zu stehen scheint, um die Vermittlung der Lust am Lesen.</p>

<p><a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,583614,00.html" target="_blank">Reich-Ranicki lehnte den Deutschen Fernsehpreis ab</a>. Elke Heidenreich wurde <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/zdf-wirft-moderatorin-raus/" target="_blank">vom ZDF gefeuert</a>. Und jetzt wird ein sich andeutender Streit &#252;ber Per Olov Enquists literarische „Autobiographie“ (Ein anderes Leben) in Harmonieges&#252;lze zwischen Amelie Fried und Ijoma Mangold ausgepl&#228;tschert. O-Ton Fried:</p>

<blockquote>„Es ist sicher ein lesenwertes Buch. Man muss ja nicht alles toll finden.”</blockquote>

<p>Anschlie&#223;end kommt<span id="more-1871"></span> doch noch die kollektive Empfehlung, dass dieses Buch ein toller Einstieg f&#252;r all diejenigen sei, die noch nichts von Enquist kennen w&#252;rden.</p>

<p>Es folgt ein buntes Familienbildchen, das zur Untermalung des Gejammers &#252;ber die Krise der Literatur in der (deutschen! – ja, das wird ausdr&#252;cklich betont) Familie nat&#252;rlich ideal geeignet ist, vor allem, weil diese zu illustrativen Zwecken aufgestellte Familie mit zwei Eltern und drei Kindern alles andere als der bundesdeutsche Durchschnitt ist. Nein, hier wurden Bilder nur als Hintergrundillustration eines mit literarischen Zitaten reich geschm&#252;ckten, aber nicht zum Punkt kommenden Kurzbeitrages in der Manier privater Rundfunkanstalten geboten. Da halfen die Bez&#252;ge zu Fontane oder gar Schophenhauer (Die Welt als Wille und Vorstellung) kein St&#252;ck weiter.</p>

<p>Nach diesem kurzen Film,  mittlerweile &#252;berraschen die Textbausteine der Banalit&#228;t endg&#252;ltig nicht mehr, bekommt das Fernsehen schauende und die Zeit nicht mit Lesen sinnvoll f&#252;llendere Publikum einen Satz von kaum zu unterbietender inhaltlicher Qualit&#228;t zu h&#246;ren:</p>

<blockquote>„Ja, das stimmt uns nat&#252;rlich auch nachdenklich. Um so besser, dass wir Ihnen jetzt zwei B&#252;cher vorstellen k&#246;nnen, die – &#228;hm – wirklich klasse Lesestoff fast f&#252;r die ganze Familie sind. Also nehmen wir mal die Kinder, die ganz jungen Jugendlichen, aus.“</blockquote>

<p>Das ewige „Man“ Amelie Frieds kann ich nach f&#252;nfzehn Minuten <span style="text-decoration: line-through;">fast schon</span> nicht mehr ertragen. Da f&#252;hlt „man sich betroffen“, obwohl „man“ doch eigentlich „Ich“ h&#228;tte sagen m&#252;ssen.</p>

<p>Doch immerhin, genau zu diesem Zeitpunkt, etwa in der Mitte der Sendung, fasst Amelie Fried die Erstausgabe von „Die Vorleser“ schon einmal ganz toll zusammen, auch wenn sie sich dabei auf ein von ihr vorgestelltes Buch bezieht: „Fernsehen ist Schadstoff f&#252;r die Seele“. „Ja“ will ich da rufen, richtig, das stimmt, zumindest f&#252;r diese Art des Fernsehens, das es gar nicht br&#228;uchte, da man diese Sendung auch als Radiosendung h&#228;tte senden k&#246;nnen, so wenig, wie die &#228;sthetischen M&#246;glichkeiten des Fernsehens ausgenutzt wurden.</p>

<p>Das einzig Wohltuende an dieser Sendung ist, dass Ijoma Mangold, seit kurzem stellvertretender Feuilletonchef der Hamburger Wochenzeitung <a title="Die Zeit" href="http://zeit.de" target="_blank">Die Zeit</a>,  Fried auch einmal widerspricht und zumindest in Ans&#228;tzen Leidenschaft zeigt, so sehr dies in einer knappen halbe Stunde m&#246;glich ist.</p>

<p>Argumentativ reicht Fried an Mangold in diesen Situationen der M&#246;glichkeit des Streites &#252;ber Qualit&#228;tskriterien, an denen Literatur gemessen werden kann, nicht heran. Der Streit wird dann auch nicht ausgetragen, sondern im Nichts der Begr&#252;&#223;ung Walter Sittlers erstickt, der vor allem f&#252;r sich selbst werbend auftrat.</p>

<p>Der Titel des von Sittler mitgebrachten K&#228;stner-Buches (Als ich ein kleiner Junge war) wird &#252;brigens im Gespr&#228;ch kein einziges Mal genannt, sondern nur einmal kurz eingeblendet, w&#228;hrend Sittler gerade &#252;ber das Schulsystem jammert.</p>

<p>Aber geht es da &#252;berhaupt um das Buch? O-Ton Sittler (Man beachte die grauenhafte Satzkonstruktion mit auf „weil“ folgendem Hauptsatz, die in der Sendung mehr als einmal vorkam!):</p>

<blockquote>„Und warum ich es mitgebracht habe ist, weil (kurzes nachdenkliches Schweigen) ich habe jetzt &#252;ber hundertvierzig Vorstellungen mit diesem St&#252;ck gehabt.“</blockquote>

<p>– Eigenwerbung oder literarische Begeisterung? Wahrscheinlich kann ein St&#252;ck nicht hundertvierzig Mal aufgef&#252;hrt werden, wenn das vorgestellte Buch nicht als spannend erlebt w&#252;rde.</p>

<p>Es ist &#252;brigens, anders als ich am Anfang angenommen habe, doch nicht dem Lampenfieber geschuldet, dass das erste in der Sendung vorgestellte Buch weder von Fried noch von Mangold in die Hand genommen wurde. Die auf dem Tisch vor den Sofas liegenden B&#252;cher bleiben w&#228;hrend der gesamten pure Dekoration! Erst in den letzten Minuten, in der Kategorie „Drei B&#252;cher in drei Minuten“ nimmt Mangold dann doch noch ein paar B&#252;cher in die Hand.  Hier erinnert er mich an Denis Scheck in „<a href="http://www.daserste.de/druckfrisch/" target="_blank">Druckfrisch</a>“ – und das ist dann schon ein Kompliment aus meiner Tastatur.</p>

<p>Als Zusammenfassung ziehe ich die Dekoration des Studios heran: Diese besteht aus bunten, buch&#228;hnlichen, v&#246;llig leeren Pappschachteln, abgesehen von den Teilen des Regals, an dem Mangold „drei B&#252;cher in drei Minuten“ vorstellt. Zu viele B&#252;cher, zu wenig Zeit und am Ende habe ich keinerlei Ahnung, was denn nun an den vorgestellten B&#252;chern lesenswert sein soll (obwohl sie es teilweise bestimmt sind!).<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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