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		<title>Wie kommen B&#252;cher zu mir / zu dir / zu Ihnen als Leser?</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 22:00:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich stelle mir vor, &#252;ber das ganze Land verteilt sitzen Literaturkritiker in ihren K&#228;mmerlein und lesen Neuerscheinungen. Ich stelle mir deren Arbeitsplatz als ein ganz besonders gem&#252;tliches Sitzm&#246;bel vor. Dort sitzen sie dann, neben sich auf einem Tisch oder auf &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/02/08/wie-kommen-bucher-zu-mir-zu-dir-zu-ihnen-als-leser/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich stelle mir vor, &#252;ber das ganze Land verteilt sitzen Literaturkritiker in ihren K&#228;mmerlein und lesen Neuerscheinungen.</p>

<p>Ich stelle mir deren Arbeitsplatz als ein ganz besonders gem&#252;tliches Sitzm&#246;bel vor.</p>

<p>Dort sitzen sie dann, neben sich auf einem Tisch oder auf dem Boden gestapelt die neuesten Rezensionsexemplare gerade erst gedruckter B&#252;cher – der Geruch nach frischer Druckerschw&#228;rze ist noch stark ausgepr&#228;gt.</p>

<p>Sie lesen und lesen und lesen; zwischendurch aber stehen sie kurz auf, setzen sich an ihren Schreibtisch und verfassen ihre Rezensionen.</p>

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<p>Es ist die Zahl an <a href="http://www.dradio.de/portale/literatur/" target="_blank">Literaturbeitr&#228;gen</a>, die ich in meinem <a href="http://www.dradio.de/rss/podcast/sendungen/buechermarkt/?mode=text " target="_blank">Podcast-Abonnement des B&#252;chermarktes</a> auf dem <a href="http://www.dradio.de" target="_blank">Deutschlandfunk</a> gefunden habe, die mich zu solchen Vorstellungen gebracht hat. – Ich habe angefangen, diese meistens aus Rezensionen bestehenden Beitr&#228;ge zu h&#246;ren – manchmal sind auch Lesungen dazwischen, in denen dann Autorenstimmen zu h&#246;ren sind.</p>

<p>Die Bandbreite der vorgestellten B&#252;cher reicht von medizinkritischen oder philosophischen Essays &#252;ber anspruchsvolle Romane bis hin zu als lesenswert empfohlenen historischen Romanen, Liebesgeschichten und Reportagen.</p>

<p>W&#228;hrend ich diese Podcastfolgen h&#246;rte, kam mir die Frage in den Kopf, nach welchen Kriterien ich eigentlich ausw&#228;hle, welche B&#252;cher ich lesen will und welche B&#252;cher ich mir kaufe, denn alle im Blick zu behalten ist nun einmal nicht m&#246;glich.</p>

<p><em>Diese Frage stelle ich auch den Leserinnen und Lesern meines Weblogs: Nach welchen Kriterien w&#228;hlst du / w&#228;hlen Sie eigentlich die B&#252;cher aus, die du / Sie lesen und / oder anschaffen <em>willst / wollen</em>?</em></p>

<p><em>Ich k&#246;nnte die Frage auch umgekehrt stellen: Welche Wege m&#252;ssen B&#252;cher eigentlich gehen, damit sie bei dir / Ihnen ankommen k&#246;nnen?</em></p>

<p>Die Frage stelle ich, weil mir aufgefallen ist, dass es mir selbst gar nicht so leicht f&#228;llt, diese Frage zu beantworten. Ein paar Ideen sind mir gekommen, die ich hier nicht vorenthalten will.</p>

<p>Zun&#228;chst einmal gibt es Autoren und Autorinnen, die mir vertraut sind, deren Werk ich m&#246;glicherweise ansatzweise kenne und sch&#228;tze. Wenn es sich um lebende Autoren handelt, so beobachte ich nat&#252;rlich, was es da an Neuerscheinungen gibt. Wenn das Werk bereits abgeschlossen ist, dann lese ich durchaus auch einmal Texte &#252;ber diese Texte (Sekund&#228;rliteratur), um mich zu orientieren.</p>

<p>Neben Autoren und Autorinnen, die mich interessieren, stehen die Klassiker der deutschen und der Weltliteratur. Diese nehme ich, meistens ein wenig von meiner Stimmung geleitet, immer wieder in die Hand: Ich schm&#246;kere in den <a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/3670/1" target="_blank">Gedichten von Goethe</a>, g&#246;nnen mir eine Stunde mit einer der wunderbaren Geschichten aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Decamerone" target="_blank">Boccaccios „Decameron“</a>, wandere ein wenig durch die <a href="http://www.uni-due.de/lyriktheorie/texte/1914_stadler2.html" target="_blank">Geschichte der deutschen Lyrik</a> et <a href="http://poetenladen.de/" target="_blank">cetera</a>.</p>

<p>Ein dritter Weg, auf dem neue B&#252;cher zu mir finden, besteht darin, dass ich mich auf den Weg in eine Buchhandlung begebe und dort einen Blick in die Neuerscheinungen werfen. F&#228;llt mir dann ein Werk auf, so beobachte ich, ob sich das Interesse eine Weile halten kann – manchmal lege ich es auch wieder zur&#252;ck und denke bei mir, dass ich es beim n&#228;chsten Besuch in der Buchhandlung noch einmal anschauen werde – und &#252;berlege dann, ob ich denn in absehbarer Zeit Zeit zum Lesen habe, Zeit zur Besch&#228;ftigung mit einem bislang unbekannten literarischen Werk finden werde, einem Sach- oder Fachbuch oder zum Beispiel auch einmal einer Reisebeschreibung.</p>

<p>Die meisten mir bis dahin unbekannten B&#252;cher kommen tats&#228;chlich &#252;ber Literatursendungen im Radio in den Horizont meiner Aufmerksamkeit. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es im Radio so viele unterschiedliche Stimmen von Kritikern und Kritikerinnen gibt. Das ist anders als im Fernsehen, in dem es erstens weit weniger Literatursendungen gibt und zweitens entsprechend nur wenige Literatur kritisierende Gesichter. (Manchmal will es mir so scheinen, als habe das Fernsehen Angst, dass zu viele Literaturvorstellungen zu ihm als Unterhaltungsmedium eine Konkurrenz aufbauen k&#246;nnten; wahrscheinlich ist das aber nur eine Verschw&#246;rungstheorie <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_biggrin.gif' alt=':-D' class='wp-smiley' /> )</p>

<p>Ich merke den Stimmen der Kritker und Kritikerinnen im Radio &#252;berraschend h&#228;ufig &#252;berraschend schnell an, ob sie von einem literarischen Werk gepackt wurden oder ob es sie kalt gelassen hat. Au&#223;erdem mag ich es einfach, wenn in Kritikergespr&#228;chen die Rezensenten einfach so ins Erz&#228;hlen kommen und eben keinen vollst&#228;ndig vorgeschriebenen Beitrag alleine im Studio vorproduzieren.</p>

<p>Ich hab vorhin ca. 45 Minuten lang Beitr&#228;ge der Sendung „B&#252;chermarkt“ des Deutschlandfunks geh&#246;rt und habe jetzt schon wieder vier B&#252;cher auf meiner inneren Liste stehen, die ich mir demn&#228;chst wohl einmal anschauen werde. – Von dem einem oder dem anderen werde ich dann wohl auch hier berichten.</p>

<p>Und jetzt bist du / sind Sie dran: Wie kommst du / kommen Sie zu B&#252;chern, die gelesen werden? – Ich bin neugierig… <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>

<blockquote><span style="color: #999999;">
</span></blockquote>

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		<title>Der Mairisch-Verlag – Ein Interview mit Daniel Beskos auf der Frankfurter Buchmesse #fbm11</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 17:53:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Weil Finn-Ole Heinrichs Roman „R&#228;uberh&#228;nde“ nicht nur mir gefallen hat, sondern auch bei Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen sehr gut angekommen ist, bin ich nun mal zum Verlag gegangen, der diesen Roman ver&#246;ffentlicht hat. Die  haben auch noch viele andere Romane in &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/12/der-mairisch-verlag-ein-interview-mit-daniel-beskos-auf-der-frankfurter-buchmesse-fbm11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weil <a href="http://www.finnoleheinrich.de/raeuberhaende.php" target="_blank">Finn-Ole Heinrichs Roman „R&#228;uberh&#228;nde“</a> nicht nur mir gefallen hat, sondern auch bei Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen sehr gut angekommen ist, bin ich nun mal <a href="http://mairisch.de/" target="_blank">zum Verlag gegangen, der diesen Roman ver&#246;ffentlicht hat</a>. Die  haben auch noch viele andere Romane in ihrer Buchmessekoje ausgestellt gehabt. Und CDs auch noch. In diesem Verlag erscheinen n&#228;mlich die Platten von <a href="http://www.spaceman-spiff.de/" target="_blank">Spaceman Spiff</a>, der mich auch schon mit seinen Texten und seiner Musik zu &#252;berzeugen wusste.</p>

<p>Ja, auch Liedtexte sind Literatur, „Lyrics“ eben – warum also sollte ein Liedermacher wie Spaceman Spiff dann keinen Platz in einem tollen Verlagsprogramm haben, wie ich es hier auf dem Buchmessenstand vorgefunden habe?!</p>

<p>Aber was ist das f&#252;r ein Verlag, der sich mir da mehr und mehr als Geheimtipp entpuppt? Was zeichnet den in Hamburg angesiedelten Mairisch-Verlag aus? Als ich schon begonnen hatte, mit Daniel Beskos dar&#252;ber zu sprechen, fiel mir ein, dass ich mein Aufnahmeger&#228;t dabei habe und so haben wir das Gespr&#228;ch als Interview weiter gef&#252;hrt:</p>

<div class="ab-player" data-boourl="http://audioboo.fm/boos/503042-der-mairisch-verlag-hamburg-stellt-sich-vor-ein-interview-mit-daniel-beskos-fbm11/embed"><a href="http://audioboo.fm/boos/503042-der-mairisch-verlag-hamburg-stellt-sich-vor-ein-interview-mit-daniel-beskos-fbm11">listen to &lsquo;Der Mairisch-Verlag (Hamburg) stellt sich vor. Ein Interview mit Daniel Beskos #fbm11 &rsquo; on Audioboo</a></div>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 12 – James Wood: Die Kunst des Erz&#228;hlens</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 00:11:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe nun ja schon eine ganze Reihe an B&#252;chern dar&#252;ber gelesen, „wie Schriftsteller zu Werke gehen“ (Herlinde K&#246;lbl), was einen guten Roman ausmacht, wodurch Gedichte gepr&#228;gt sind. Mir ist noch kein Buch &#252;ber das Lesen und Schreiben von Literatur &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/18/herrn-larbigs-bibliothek-12-james-wood-die-kunst-des-erzahlens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/Wood_KunstDesErzaelens.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7663" title="Wood_KunstDesErzaelens" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/Wood_KunstDesErzaelens.jpg" alt="" width="72" height="110" /></a> Ich habe nun ja schon eine ganze Reihe an B&#252;chern dar&#252;ber gelesen, „wie Schriftsteller zu Werke gehen“ (<a href="http://www.amazon.de/Schreiben-Schriftsteller-gehen-Fotografien-Gespr&#228;che/dp/3896600419" target="_blank">Herlinde K&#246;lbl</a>), was einen guten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roman">Roman</a> ausmacht, wodurch <a title="&#220;ber das (schulische) Interpretieren von Gedichten" href="http://herrlarbig.de/2010/12/06/ueber-das-schulische-interpretieren-von-gedichten/" target="_blank">Gedichte</a> gepr&#228;gt sind.</p>

<p>Mir ist noch kein Buch &#252;ber das Lesen und Schreiben von Literatur begegnet, nach dessen Lekt&#252;re mein Arbeitsplatz so hell von „Kronleuchtern“ bestrahlt wurde, die mir w&#228;hrend der Lekt&#252;re aufgegangen sind.</p>

<p>Gleichzeitig wei&#223; ich , dass dieses Buch noch mehrfach zu lesen sein wird, um seinen Tiefgang, seine Differenziertheit und all seine Anregungen wirklich f&#252;r meinen Alltag fruchtbar zu machen.</p>

<p>Die Erstlekt&#252;re von <a href="http://www.rowohlt.de/magazin_artikel/James_Wood_Die_Kunst_des_Erzaehlens.2958054.html" target="_blank">James Woods „Die Kunst des Erz&#228;hlens“</a> hat mich gefesselt.<span id="more-7662"></span> Ich habe in diesem Buch nichts Neues erfahren, aber das Bekannte in einer Weise dargestellt bekommen, dass es mir nunmehr wieder unbekannt, fremd, einer erneuten Entdeckung wert scheint. Was <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers_3_1.htm" target="_blank">personale Erz&#228;hlperspektive</a> bedeutet, welche Bedeutung <a href="http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=ku&amp;dig=2009/01/10/a0108&amp;cHash=1bfd16a017" target="_blank">Flaubert</a> f&#252;r den modernen Roman hat, was es mit den Details, den Figuren, der Sprache, der Gestaltung von Dialogen, der Frage nach Wahrheit im Roman auf sich hat, wird von Wood erfrischend verst&#228;ndlich dargestellt.</p>

<p>in 123 &#252;bersichtlichen Abschnitten (Kapiteln) kommt Wood auf 240 Seiten auf den Punkt; und das st&#228;ndig. Dabei behauptet Wood nicht, dass Literatur die L&#246;sung aller Probleme sei, die es auf der Welt gibt. Aber er kommt zu einem Schluss, den ich voll und ganz teile: „Durch die Literatur werden wir zu besseren Beobachtern“.</p>

<p>Dies gilt bestimmt dann, wenn  wir wissen, wie wir Literatur, ob nun Lyrik oder Prosa, f&#252;r uns selbst erschlie&#223;en k&#246;nnen. Woods liefert einen beeindruckenden Beitrag, der dazu beitr&#228;gt, dass wir vielleicht den einen oder anderen Roman f&#252;r uns besser erschlie&#223;en k&#246;nne.</p>

<p>Andererseits ist „Die Kunst des Erz&#228;hlens“ ein Buch f&#252;r alle, die jenseits esoterischer Heilsversprechungen sich selbst dem kreativen Schreiben aussetzen. Wood zeigt Perspektiven auf, die den Leser seines Werkes nicht nur zu genaueren (=besseren) Lesern und Beobachtern machen, sondern auch f&#252;r Schreibende vielf&#228;ltige Anregungen enthalten, wie ein Text zu einem guten Text werden kann.</p>

<p>Eine gro&#223;artige Bereicherung f&#252;r alle „Hardcore“-Leser, die noch genauer lesen, noch mehr Details entdecken, noch mehr dar&#252;ber erfahren wollen, wie ein Roman funktioniert.</p>

<p>Eine gro&#223;artige Bereicherung f&#252;r alle Leser, die von Literatur fasziniert sind, aber 1. nicht genau wissen, warum eigentlich und die sich 2. fragen, ob es ein Handwerk des Schreibens gibt.</p>

<p>Woods gibt nicht nur klare Antworten, aber er zeigt Perspektiven auf, die dem Leser und der Leserin Anhaltspunkte f&#252;r die Reise durch literarische Welten bieten wollen, damit das Individuum nicht zuletzt im Sog digitaler Welten verloren geht.</p>

<blockquote><address>James Wood, Die Kunst des Erz&#228;hlens. Mit einem Vorwort von Daniel Kehlmann, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2011, 240 Seiten f&#252;r 19,95 Euro. (Mit einem Vorwort von Daniel Kehlmann; &#252;bersetzt aus dem Englischen von Imma Klemm unter Mitwirkung von Barbara Hofmeister.)</address></blockquote>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 10 – Tino Hanekamp: So was von da</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 17:52:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Ende wissen wir es dann: Eine Party besteht aus lauter Musik, einem gewissen Hang zum destruktiven Auseinandernehmen der Partylocation, Partybesuchern, die so bedr&#246;hnt sind, dass sie eine MDMA-Bowle ohne MDMA dennoch f&#252;r eine solche halten und dem Placeboeffekt v&#246;llig &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/07/28/herrn-larbigs-bibliothek-10-tino-hanekamp-so-was-von-da/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Ende wissen wir es dann: Eine Party besteht aus lauter Musik, einem gewissen Hang zum destruktiven Auseinandernehmen der Partylocation, Partybesuchern, die so bedr&#246;hnt sind, dass sie eine MDMA-Bowle ohne MDMA dennoch f&#252;r eine solche halten und dem Placeboeffekt v&#246;llig erliegen.</p>

<p>Eine Party als Weltuntergang, nach dem das Leben weiter geht, dann aber eben als Erwachsener. Bis dahin aber ist der Ich-Erz&#228;hler Oskar Wrobel dauerbesch&#228;fitigt und weder die Nachricht, dass eine gute Freundin nicht mehr lange zu leben hat noch die Wiederkehr seiner geliebten Mathilde verm&#246;gen ihn von dieser Dauerbesch&#228;ftigung mit eingeschobenen Selbstbetrachtungen – Oscar Wrobel zitiert immer wieder aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Aurel" target="_blank">Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ </a>– abzuhalten.</p>

<p>Oskar hat Schulden, ein Ex-Zuh&#228;lter will mal eben so zehntausend Euro von ihm, Hamburgs f&#252;r das B&#252;rgermeisteramt kandidierende Justizsenatorin verbringt einen Teil dieser Nacht vom 31.12. zum 1.01. irgendeines der Nullerjahre des 21. Jahrhunderts im Aufzug, der zum Club f&#252;hrt, in dem die Party stattfindet, zum Club, der in einem alten Krankenhaus angesiedelt ist, bis dieses dann eben abgerissen wird. – So was machen Clubbetreiber gerne mit abrissreifen H&#228;usern, man „feiert“ Partys. Das war in <a href="http://www.max.de/cityguide/city/frankfurt/nightlife/club-disko/162870,1,cg_tip,2,Praesidium+1911.html" target="_blank">Frankfurts altem Polizeipr&#228;sidium</a> so, das ist in Tino Hanekamps Roman nicht anders.</p>

<p>Und dann ist die Party vorbei.</p>

<p>Man wird „erwachsen“, arbeitet vielleicht sogar in den modernen B&#252;ros, die an Stelle des Abrisshauses getreten sind, ist weiter auf Drogen, weil man es nicht mehr anders kann und ist „So was von da“, also genau im Hier &amp; Jetzt, ahnend, dass es ein Morgen gibt, aber noch nicht bereit, sich diesem Morgen zu stellen.</p>

<p>Zum Gl&#252;ck erz&#228;hlt Oskar Wrobel diese Geschichte, denn Tino Hanekamp hat ja auch schon einen Club betrieben, der abgerissen wurde, hat auch heute noch mit der Hamburger Clubszene zu tun, hat aber bestimmt keinen realistischen Club vorstellen wollen. Das w&#228;re zu &#246;de und kaum zu glauben, denn bei allem Tempo, den der Roman bekommt, so musste er doch geschrieben werden – und das wird wohl kaum w&#228;hrend einer schuldenbelasteten, zugedr&#246;hnt vorbeiziehenden Dauerparty passiert sein.</p>

<p>Hanekamp war laut Autorenportr&#228;t im Buch auch schon Journalist. Na, da haben wir es doch schon. Dieser Roman ist bestimmt ein literarische Portr&#228;t der „Generation“ der Nullerjahre: Party, Dr&#246;hnung, Destruktivit&#228;t und das dauernde Gef&#252;hl, „so was von da“ leben zu m&#252;ssen, weil die Zukunft nicht absehbar ist, die Bildungs- und Berufsbiografien gebrochen sind etc. Vielleicht also ist das die Story, die Oskar Wrobel als Ich-Erz&#228;hler in die Welt setzen will.</p>

<p>Also ist das Pop-Literatur?! –</p>

<p>– Mir ist die Einordnung solcher Romane in irgendwelche Schemata <del>eigentlich</del> zu l&#228;stig, weil solche Einordnungen immer so viel zu erkl&#228;ren versuchen, was sie gar nicht erkl&#228;ren k&#246;nnen.</p>

<p>Eines hat mich beim Lesen dieses Romans allerdings mehr und mehr &#252;berrascht: Beim Lesen kam nichts &#252;berraschendes, der Roman ist weit &#252;ber die H&#228;lfte absehbar – und doch habe ich weiter gelesen, habe zu Ende gelesen, bin in den Sog der literarischen Party geraten. Aber das macht die Party heute vielleicht aus: Jeder Partyg&#228;nger wei&#223;, wie sie sein soll, jeder wei&#223;, wie sich eine schlechte Party anf&#252;hlt, jede Party gleicht der anderen. Doch die gute Party entwickelt in diesem Altvertrauten einen Sog. Und das passiert auch bei diesem Roman. Als Leser wei&#223; ich, wie so ein Roman funktioniert, ich wei&#223;, wie so ein Roman sein soll, wie sich ein schlechter Roman liest. Und ein guter Roman entwickelt einen eigenen Sog. Ich bin mir sicher, Hanekamps „So was von da“ kann diese Sog nicht auf jeden Leser und jede Leserin aus&#252;ben, es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass ihm das gelingt.</p>

<p>Ein gut lesbarer Roman, in dem die Schrecken des Lebens auftauchen wie in mancher Nachmittagssendung im Privatfernsehen: Sie gehen im Augenblick des Auftauchens im Rausch des „Da“ wieder unter. Und doch ist da eine zarte Ernsthaftigkeit, die in alle dem L&#228;rm zu ber&#252;hren vermag.</p>

<blockquote>Tino Hanekamp: So was von da. Roman. K&#246;ln (Kiepenheuer und Witsch) 2011, 304 Seiten, Euro (D) 14,99 | sFr 21,90 | Euro (A) 15,50 ISBN: 978-3-462-04288-7</blockquote>

<p>Und seit neuestem werden B&#252;cher per Videotrailer beworben. Also dann… Will ich nicht vorenthalten:</p>

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<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>&#220;berlegungen zum Kulturwandel: Alte B&#252;cher und digitale, buch&#228;hnliche Produkte</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 11:41:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe hier B&#252;cher stehen, die hundert und mehr Jahre alt sind. Diese B&#252;cher hatten mehrere Besitzer. Diese B&#252;cher sind Zeugen des jeweiligen Geschmacks der Zeit, wenn es um die Gestaltung von Bucheinb&#228;nden oder auch des gesamten Buches geht. Zum &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/06/29/uberlegungen-zum-kulturwandel-alte-bucher-und-digitale-buchahnliche-produkte/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe hier B&#252;cher stehen, die hundert und mehr Jahre alt sind. Diese B&#252;cher hatten mehrere Besitzer. Diese B&#252;cher sind Zeugen des jeweiligen Geschmacks der Zeit, wenn es um die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bucheinband" target="_blank">Gestaltung von Bucheinb&#228;nden</a> oder auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buchgestaltung" target="_blank">des gesamten Buches</a> geht. Zum Teil haben Vorbesitzer Spuren in den B&#252;chern hinterlassen. Solche Spuren sind zum Beispiel die Eintragung des Namens auf dem Titelblatt, sodass man zum Teil sehen kann, wem das Buch alles geh&#246;rt hat, es kommen aber auch Anstreichugen in den Texten vor.</p>

<p>In Bibliotheken stehen <a href="http://www.bsb-muenchen.de/App-Famous-Books-Treasures-of-the-Bavarian-State-Library.virtuelle-angebote-app.0.html" target="_blank">Buchbest&#228;nde, die viel &#228;lter sind</a>. Ich erinnere einen Besuch in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L&#246;wen" target="_blank">L&#246;wen</a> (Belgien). Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Universit&#228;tsbibliothek_L&#246;wen" target="_blank">Bibliothek</a> dort hat, so ich mich richtig erinnere, &#252;ber 120000 alte B&#252;cher, teilweise auch Handschriften. Und in vielen Bibliotheken lagern Dokumente, die es erst noch (wieder) zu entdecken gilt.</p>

<p>Wenn die Digitalisierung so weitergehen w&#252;rde, dass digitale Speicher gedruckte B&#252;cher zu einem Randph&#228;nomen werden lie&#223;en,<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Langzeitarchivierung"> s&#228;he das mit den Altbest&#228;nden in Bibliotheken und Archiven anders aus</a>.</p>

<p>Statt B&#252;cher lagerten dort Festplatten. Statt Papierfra&#223; h&#228;tte man es mit Hardwarefehlern und Abnutzungserscheinungen der Datentr&#228;ger zu tun, die die Lesbarkeit der Dokumente gef&#228;hrden. Techniker w&#252;rden alte Leseger&#228;te einsatzf&#228;hig halten oder zu rekonstruieren versuchen. Andere Techniker h&#228;tten keine andere Aufgabe, als Daten von alten Datentr&#228;gern auf neue zu &#252;bertragen, so wie man alte B&#252;cher heute digitalisiert oder auf Microfilm festgehalten hat.</p>

<p>Es k&#246;nnte aber auch zu neuartigen „Copyright“-Problemen kommen. Wenn ich heute ein Buch kaufe, dann habe ich dieses Buch. Ich kann dieses Buch lesen, behalten, aber auch Freunden zum Lesen geben, es verschenken, es in &#246;ffentlich aufgestellte <a href="http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/frankfurt/buecherschrank-statt-bibliothek_rmn01.c.9016460.de.html" target="_blank">Buchschr&#228;nke</a> stellen. Solange ich das Buch nicht kopiere und eine Vervielf&#228;ltigung weitergebe, kann ich mit dem Buch so ziemlich alles machen, was m&#246;glich ist. Ich habe das Buch gekauft. Es geh&#246;rt mir.</p>

<p>Digitale Werke haben die Eigenart, dass digitalen Daten das Vervielf&#228;ltigen sehr nahe liegt. Digitale Daten sind auf Redundanz hin ausgelegt. Entsprechend wollen (Zeitungs)Verleger heute weg von dem Copyright im klassischen Sinne und hin zu einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f&#252;r_Presseverleger" target="_blank">Leistungsschutzrecht</a>, das sicherstellen soll, dass z. B. Dienste wie Google-News <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/keine_sympathien_fuer_ein_leistungsschutzrecht_1.7391789.html" target="_blank">f&#252;r die Nutzung der Leistung von Journalisten zahlen sollen</a>. Das k&#246;nnte aber durchaus soweit gehen, dass jemand, der auf eine Leistung eines Dritten verlinkt f&#252;r diesen Link bezahlen muss, weil er ja die Leistung des Dritten in Anspruch nimmt, sei es auch „nur“ als Link. Der Text ist dann dennoch, wenn nicht hinter einem Bezahlvorhang verborgen ist, vollst&#228;ndig zug&#228;ngilich. Wenn ich bislang aus einem Werk im wissenschaftlichen Kontext zitiere, dann muss mir irgendwie das (bezahlte) Original vorgelegen haben, ob nun in der Bibliothek oder als gekauftes Buch. Und wenn jemand meinen Literaturnachweis verfolgen will, muss er Zugang zu diesem Werk haben, das dann wiederum in einer bezahlten Form vorliegt.</p>

<p>Das alles ver&#228;ndert sich. Des Verlegers Traum heute scheint zu sein, nicht mehr Zeitungen / B&#252;cher zu verkaufen, sondern nur noch die Inhalte. Das hei&#223;t: Am liebsten, so stelle ich mir das teilweise vor, w&#252;rden Verleger ihre Werke an eine Person binden. Am liebsten w&#228;re es Verlegern wohl, w&#252;rde sie nicht mehr f&#252;r ein B&#252;cher sondern pro Leser eines Buches Geld bekommen (<a href="http://www.vgwort.de/" target="_blank">VG Wort</a> arbeitet, &#228;hnlich wie die Gema, aber nicht so im Blick der &#214;ffentlichkeit stehend daf&#252;r, dass Autoren Nutzungsgeb&#252;hren zum Beispiel aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe" target="_blank">Urheberrechtsabgaben von Kopierern</a> bekommen).</p>

<p>Mit pers&#246;nlichen digitalen Leseger&#228;ten und digitalem Kopierschutz scheint man dem Ziel schon n&#228;her gekommen zu sein. Es gibt aber auch <a href="http://www.zdnet.de/news/41543765/kindle-buecher-kann-man-jetzt-verleihen.htm" target="_blank">erste Versuche, B&#252;cher verleihen zu lassen</a>. Dann ist ein Buch f&#252;r einen begrenzten Zeitraum auf dem digitalen Leseger&#228;t eines Freundes oder Bekannten verf&#252;gbar, aber nicht beim Besitzer.</p>

<p>Mit ver&#228;nderten Copyrightregeln k&#246;nnte diese Art des Verleihens bald hinf&#228;llig sein. Es werden dann andere Regeln f&#252;r gedruckte und digitale Versionen des gleichen Werkes gelten. Das ist schon heute so. So gibt es <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Boersenverein-Buchpreisbindung-gilt-auch-fuer-E-Books-208646.html" target="_blank">Streit um das Thema der Buchpreisbindung</a>. Die Mehrwertsteuers&#228;tze f&#252;r gedruckte und digitale B&#252;cher sind unterschiedlich. <a href="http://www.zeit.de/digital/mobil/2010-09/ebooks-preisbindung-ereader" target="_blank">Oft sind digitale Ausgaben etwas billiger</a> als gedruckte Versionen, womit aber im Prinzip kein Besitzrecht an einer Kopie des Werkes erworben wird, sondern nur das Nutzungsrecht der zur Verf&#252;gung gestellten Daten, die im Zweifelsfall <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-loescht-gekaufte-Kindle-eBooks-6887.html" target="_blank">vom Anbieter auch von den Endger&#228;ten wieder gel&#246;scht werden</a> k&#246;nnen! In einer digitalen Lesegesellschaft wird es auch Zensoren erheblich leichter gemacht, Inhalte von Werken zu ver&#228;ndern oder Werke von Leseger&#228;ten verschwinden zu lassen.</p>

<p>Kulturg&#252;ter sind keine betonierten Ist-Zust&#228;nde. Der Blick in die Geschichte lehrt dies. Der Umgang mit Informationen und Informationstr&#228;gern hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder ver&#228;ndert. Und wie sich die digitale Gesellschaft, hier vor allem auf den Umgang mit B&#252;chern bezogen, letztlich faktisch ver&#228;ndern wird, ist nur begrenzt absehbar.</p>

<p>Neben wirtschaftlichen Entscheidungen werden auch politische Beschl&#252;sse die Ver&#228;nderungen mit bestimmen. Bleibt nur zu hoffen, dass Entscheidungstr&#228;ger nicht dem Irrglauben verfallen, es g&#228;be Zw&#228;nge, nur weil z. B. Firmen etwas aufgebaut haben und dann wollen, dass die Gesetze gef&#228;lltigs dem entsprechen, was sie aufgebaut haben. Entscheidungstr&#228;ger haben Gestaltungsm&#246;glichkeiten. Von der Nutzung dieser Gestaltungsm&#246;gichkeiten wird abh&#228;ngen, wie sich die nach wie vor wichtige Buchkultur entwickeln wird. Um allerdings Gestaltungsm&#246;glichkeiten nutzen zu k&#246;nnen, braucht es Visionen, wie mit dem Kulturgut „Buch“ in Zukunft umgegangen werden soll, welche Rolle es in der Gesellschaft spielen soll, ob es prim&#228;r als Kulturgut oder prim&#228;r als Wirtschaftsgut gesehen wird und wie ein Ausgleich der Interessen von Autoren, Verlegern, Lesern, Bibliotheken etc. gestaltet wird.</p>

<p>Vorschl&#228;ge, Visionen, Tr&#228;ume zur Entwicklung von Kulturg&#252;tern in der digitalen Gesellschaft k&#246;nnen gerne als Kommentar zu diesem Artikel hinzugef&#252;gt werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Lyrik heute – Das „Jahrbuch der Lyrik 2011“ – 1. Eindruck</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 22:49:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wird heute &#252;ber Lyrik gesprochen, so wird dem Mangel an Lesern oft die Vielfalt lyrischer Produktionen gegen&#252;bergestellt. In diesem Zusammenhang schlie&#223;t es sich nicht gegenseitig aus, wenn Harry Oberl&#228;nder von „lyrischer Massenproduktion“1 spricht und Theo Breuer nur ein paar Seiten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wird heute &#252;ber Lyrik gesprochen, so wird dem Mangel an Lesern oft die Vielfalt lyrischer Produktionen gegen&#252;bergestellt.</p>

<p>In diesem Zusammenhang schlie&#223;t es sich nicht gegenseitig aus, wenn <a href="http://www.karl-marx-buchhandlung.de/faq/faq.html" target="_blank">Harry Oberl&#228;nder</a> von „lyrischer Massenproduktion“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/#footnote_0_5943" id="identifier_0_5943" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Christoph Buchwald, Kathrin Schmidt, Jahrbuch der Lyrik 2011, M&amp;#252;nchen 2011, S. 232.">1</a></sup> spricht  und <a href="http://www.poetenladen.de/theo-breuer.htm" target="_blank">Theo Breuer</a> nur ein paar Seiten vorher betont, dass die Mehrzahl lyrischer Ver&#246;ffentlichtungen „praktisch unter Ausschluss der &#214;ffentlichkeit“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/#footnote_1_5943" id="identifier_1_5943" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., S. 218.">2</a></sup> stattfinde. – Lyrikb&#252;cher, so Breuer, f&#228;nden oft nur f&#252;nfzig bis zweihundert Leser, ab dreihundert verkauften Exemplaren habe man schon eine „Auflagenschallmauer&#8221; durchbrochen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/#footnote_2_5943" id="identifier_2_5943" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd.">3</a></sup>.</p>

<p>Der Teil „Sechs Anmerkungen zum Gedicht“ im <em>Jahrbuch der Lyrik 2011</em>, ist entsprechend weniger ein Raum der Reflexion des Gedichts im Jahre 2011, sondern ein Ort, an dem sehr stark die Frage nach der Rezeption von Gedichten gestellt wird.</p>

<p>Neben die eher melancholischen T&#246;ne<span id="more-5943"></span> tritt dann noch <a href="http://www.brocan.de/" target="_blank">J&#252;rgen Brôcan</a>s papierlastiger und schwerer Beitrag, der noch am ehesten wirklich eine Anmerkung zum Gedicht der Gegenwart darstellt – ohne sonderlich zum Lesen von Gedichten anzuregen. so zumindest mein erster Eindruck von diesem Text.</p>

<p>Dass solche Texte einer Sammlung von mehreren hundert Gedichten nachgestellt sind, ist – erstaunlich.</p>

<p>Dieses <em>Jahrbuch der Lyrik 2011</em> kann sowohl als Zeugnis gro&#223;er Lebendigkeit des Dichtens als auch als Beleg f&#252;r lyrische Massenproduktion gesehen werden, der aber nur sehr beschr&#228;nkte Abnehmerzahlen (Leser) gegen&#252;berstehen.</p>

<p>Dennoch schottet sich die Zunft ernstzunehmender Dichter von der &#214;ffentlichkeit zumindest so ab, dass mir kaum Stimmen (Websites) von Dichtern im Netz bekannt sind. Kein Zweifel, dass mir da sicherlich einiges noch nicht begegnet ist – fast str&#228;flich ist, dass ich <a href="http://www.poetenladen.de" target="”_blank“">http://www.poetenladen.de</a> erst k&#252;rzlich entdeckt habe –, doch zweifle ich genau so wenig, dass ein gro&#223;er Teil heutiger Literatur vielleicht am Rechner entsteht, aber dennoch vor allem analog behandelt, ausgedruckt wird, nicht im Netz stattfindet, obwohl vielleicht gerade gute Lyrik hier ihren Ort und ihre Leserschaft finden k&#246;nnte, weit mehr als &#252;ber Buchhandlungen, die oft sowieso keine zeitgen&#246;ssische Lyrik mehr im Angebot haben.</p>

<p>Haben wir uns damit abgefunden, dass Lyrik jenseits von den Lyrics der Chart-Hits quasi erledigt ist?</p>

<p>Je zeitgen&#246;ssischer ein Gedicht ist, um so schwerer f&#228;llt der Zugang. Es ist nicht m&#246;glich, Gedichte zu konsumieren, wie das mit Romanen oder Musik aus dem Charts oft m&#246;glich scheint.</p>

<p>Da Lyrik nun zu den in Schulen h&#228;ufiger behandelten literarischen Gattungen geh&#246;rt, ist es sicher nicht abwegig zu vermuten, dass man der &#220;berlegung begegnet, dass es zwischen der Behandlung von Gedichten in der Schule und dem Mangel an Lesern, die kompetent mit Lyrik umgehen, einen Zusammenhang geben K&#246;nnte.</p>

<p>Vielleicht gibt es diesen Zusammenhang, meine Vermutung geht jedoch in eine andere Richtung: Lyrik zu lesen muss man kontinuierlich lernen; hin und wieder ein Gedicht zur Hand zu nehmen, reicht dazu nicht aus. Diese Form des Lesens von Gedichten als kontinuierlichen Prozess wird in der Schule eher weniger einge&#252;bt.</p>

<p>Im Zentrum der schulischen Heranf&#252;hrung an Gedichte steht die Heranf&#252;hrung an literaturhistorisch bedeutende Gedichtformen und Epochen, ohne dass wir damit bis in die Gegenwart k&#228;men. Moderne, zeitgen&#246;ssische Literatur findet nur sehr beschr&#228;nkt ihren Platz im Deutschunterricht.</p>

<p>Auf diesem Acker gibt es viel zu tun, so man der &#220;berzeugung ist, dass sich die Besch&#228;ftigung mit Lyrik lohnt. – Da ich den Wert von Sprache zur Orientierung und zum Sein in der Welt nach wie vor als hoch ansehe, geh&#246;re ich zu denen, die in der Besch&#228;ftigung mit Gedichten durchaus etwas Lebensrelevantes sehen, das alles in allem lebenswichtig ist.</p>

<p>Entsprechend r&#228;ume ich Gedichten (zu wenig?) Platz in meinem Leben und auch in der Schule ein. Ich blogge Gedicht-Interpretationen, und versuche, m&#246;glichst vielen Personen zumindest eine Ahnung davon zu geben, dass die Besch&#228;ftigung mit Lyrik lohnt, auch wenn dies noch nicht dazu f&#252;hrt, dass ein nachhaltiger Zugang zu dieser literarischen Gattung m&#246;glich wird. – Dass es in ein paar F&#228;llen allerdings gelungen scheint, stimmt mich zuversichtlich, dass es m&#246;glich ist, diesen Zugang zu Gedichten zu schulen und nachhaltig zu erm&#246;glichen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 7 – Robert Gernhardt: Texte zur Poetik</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Dec 2010 21:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manche Buchtitel sind f&#252;r &#220;berschriften einfach zu lang. Und so sei der ganze Titel hier gleich nachgereicht, womit auch die bibliographischen Angaben genannt sein sollen: Robert Gernhardt, Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik (hrsg. von Lutz Hagestolz &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/05/herrn-larbigs-bibliothek-7-robert-gernhardt-texte-zur-poetik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Buchtitel sind f&#252;r &#220;berschriften einfach zu lang. Und so sei der ganze Titel hier gleich nachgereicht, womit auch die bibliographischen Angaben genannt sein sollen:</p>

<blockquote><p>Robert Gernhardt, Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik (hrsg. von Lutz Hagestolz und Johannes M&#246;ller), Frankfurt am Main 2010, 602 Seiten, 22,95€.</p></blockquote>

<p><a href="http://http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Gernhardt" target="_blank">Robert Gernhardt</a> ist der zweite einigerma&#223;en bedeutende Dichter, der mit Frankfurt am Main verbunden ist und dessen Namen mit G beginnt, mit dem Buchstaben, der im Alphabet nur eine Position hinter dem Anfangsbuchstaben der Stadt steht, mit der diese beiden Gs verbunden sind. Ohne sie einen Topf werfen zu wollen oder den &#228;lteren zur Sakralisierung des j&#252;ngeren Dichters missbrauchen zu wollen: Goethe und Gernhardt und Frankfurt am Main – nicht etwa Berlin! Goethe wurde in Frankfurt geboren und zog von dannen, um in Weimar zum „Dichterf&#252;rst“ zu werden. Gernhardt wurde in Reval (Estland) geboren und zog von dannen, um dann in Frankfurt zumindest zum „F&#252;rsten des komischen Gedichts“ zu werden.</p>

<p>Wie aber hat er das gemacht? Auf 602 Seiten gibt Gernhardt nun selbst Auskunft, 602 Seiten, in deren Zentrum Gernhardts Poetikvorlesungen stehen, die hier als eine zusammenh&#228;ngende Vorstellung erscheinen, in Wirklichkeit aber aus drei Poetikvorlesungen zusammengesetzt wurden, n&#228;mlich denen in Frankfurt (2001), Essen (2002) und D&#252;sseldorf (2006).</p>

<p>Neben diesem umfassenden Einblick in Gernhardts Poetik versammelt der Band laut Auskunft der Herausgeber <del datetime="2010-12-07T14:57:14+00:00">alle Texte</del> bei weitem nicht alle Texte zur Poetik, die Gernhardt verfasst habe. Dazu geh&#246;ren Texte zu Dichtern, in denen Gernhardt sich mit Schiller ebenso befasst wie mit Brecht, Ringelnatz, Benn, R&#252;hmkorf und noch ein paar anderen.</p>

<p>Gernhardt hat sich auch &#252;ber Gedichte ausgelassen. Auch diese Texte finden sich in diesem Band. Alles aufzuz&#228;hlen ist hier m&#252;&#223;ig.</p>

<p>Was aber kann der geneigte Leser aus Gernhardts &#220;berlegungen lernen? Nun, das Wichtigste sei gleich am Anfang genannt: Dichter schreiben voneinander ab! – <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-02/hegemann-blogger-plagiat" target="_blank">Was das Anfang des Jahres 2010 ein Aufschrei</a>, als Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ erschien und man feststellt, dass da Zitate eines Bloggers &#252;bernommen worden waren. Das war nicht nett, ganz und gar nicht.</p>

<p>Wer aber wissen will, wie es unter Dichtern her geht, der lese Gerhardts Poetikvorlesung(en), die nun leicht zug&#228;nglich ist.</p>

<p>Gernhardt zitiert hier Goethe (wieder die zwei Gs), der in einem seiner Gespr&#228;che laut Gernhardt folgendes sagte:</p>

<blockquote><p>„So singt mein Mephistopheles ein Lied von Shakespeare – und warum sollte er das nicht? Warum sollte ich mir die M&#252;he geben, ein eigenes zu erfinden, wenn das von Shakespeare eben recht war und eben das saget, was es sollte, Hat daher auch die Exposition meines ,Faust‘ mit der des ,Hiob‘ einige &#196;hnlichkeit, so ist das wiederum ganz recht, und ich bin deswegen eher zu loben als zu tadeln…“ (42f)</p></blockquote>

<p>Die Zahl der &#220;bernahmen, der Anregungen, der Provokationen, also die Zahl all der Situationen, in denen ein Dichter vom andern „abschreibt“ ist enorm. Gernhardt zeigt in seiner Poetik ein paar davon. Denn das Haus der Poesie, das Gernhardt in seinen Poetikvorlesungen vor dem Zuh&#246;rer und nun dem Leser aufbaut, hat auch einen Lesesaal, ganz zu schweigen vom Chatraum. Kurz: Dichtung ist schon immer eine Art von „Hypertext“, manchmal sogar in Kooperation entstanden. Da wird zitiert, Dichter f&#252;hlen sich von Zeilen anderer Dichter provoziert, stimuliert etc.</p>

<p>Nat&#252;rlich: Der Titel der Frankfurter Poetikvorlesung (2001) „Was das Gedicht kann: Alles“ ist eine Provokation. Schon in der &#220;berschrift der Vorlesung wird klar, dass hier ein Loblied dem Gedicht gesungen werden soll.</p>

<p>Aber die &#220;berzeugung, dass Gedichte alles k&#246;nnen, wird heute nur noch von wenigen geteilt, es sei denn, man nimmt all die Dichtung mit ins Boot, die heute unter dem Namen „Lyrics“ bekannt ist und die Texte von Liedern meint. Und dennoch gilt auch hier Gerhardts Beobachtung:</p>

<blockquote><p>„Das Gedicht kann alles, behaupte ich, zugleich aber mu&#223; ich fortw&#228;hrend verbuchen, da&#223; der Dichter heutzutage wenig, wenn nicht gar nichts gilt.“ (17)</p></blockquote>

<p>Gernhardt hat nat&#252;rlich recht. Oder gibt es mehr als ein paar ausgewiesene Experten, die wissen, wer die Texte zu all den Liedern geschrieben hat, die heute in den Charts hoch und runter gespielt werden? Oft scheint es ja fast so, dass die, die ihre Texte selbst schreiben als „Singer-Songwriter“ oder gar als „Liedermacher“ in eine Ecke gestellt werden, von der aus das Treppenhaus zu den Charts unerreichbar scheint.</p>

<p>Dass gerade Gernhardt &#252;ber das Ansehen der Dichter klagt, ist allerdings &#252;berraschend, ist er doch fast der einzige Dichter deutscher Sprache der vergangenen Jahrzehnte, der &#252;berhaupt noch ein nennenswertes Publikum zu erreichen vermochte. Sein Rezept findet sich auch in seiner Poetik wieder: Kenne dich sehr gut in der Dichtung aus und finde eine leichte Sprache, in der elegant der k&#252;rzeste Weg von A nach B genommen werden kann.</p>

<p>Es beeindruckt mich, wie leichtf&#252;&#223;ig Gernhardt in der Geschichte des (modernen) Gedichtes unterwegs ist und in einfacher, lesbarer, an keiner Stelle akademisch m&#252;ffelnder Sprache Zusammenh&#228;nge, Sch&#246;nheiten und Plattheiten der Dichtung an den Mann, die Frau, den Leser, die Leserin und sogar den Nichtleser und die Nichtleserin bringt.</p>

<p>Da spielt es f&#252;r mich nur am Rande eine Rolle, dass die mir vorliegende Ausgabe m&#246;glicherweise wissenschaftlichen Editionserwartungen nicht entsprechen kann, <a href="http://www.globe-m.de/de/experts/robert-gernhardts-texte-zur-poetik" target="_blank">wie Lino Wirag</a> anmerkte. Es entspricht zumindest Gernhardts eigener leichtf&#252;&#223;igen Art, ernsthaft mit Gedichten umzugehen, dass er nicht jeden Bezug, der in dem Band wiederum genommen wird, akribisch via Fu&#223;note nachwei&#223;t. – Ein wenig Arbeit soll dann noch f&#252;r die Literaturwissenschaftler bleiben.</p>

<p>Meine Bibliothek hat diesen Band freundlich aufgenommen. Er ist eine Fundgrube f&#252;r jeden, der sich leichtf&#252;&#223;ig und ernsthaft mit Gedichten befassen will. Und ganz nebenbei: Eine Fundgrube von Zitaten f&#252;r den Deutschunterricht ist der Band dann auch noch, Zitaten, die den Umgang mit Gedichten vielleicht auch in der Schule bei aller Ernsthaftigkeit ein wenig leichtf&#252;&#223;iger machen k&#246;nnen.</p>

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		<title>Voraussetzungen zum Verstehen der Dramen Schillers etc.</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 23:01:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Milit&#228;rarzt, Geschichtsprofessor, Philosoph. Darf&#8217;s ein wenig mehr sein? – Schriftsteller war er auch noch. Und als Schriftsteller besch&#228;ftigte er sich mit Geschichte und Philosophie. Den Milit&#228;rarzt hatte er als Beruf hinter sich gelassen, nachdem er eher mehr als weniger desertiert &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/02/voraussetzungen-zum-verstehen-der-dramen-schillers-etc/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Milit&#228;rarzt, Geschichtsprofessor, Philosoph. Darf&#8217;s ein wenig mehr sein? – Schriftsteller war er auch noch. Und als Schriftsteller besch&#228;ftigte er sich mit Geschichte und Philosophie. Den Milit&#228;rarzt hatte er als Beruf hinter sich gelassen, nachdem er eher mehr als weniger desertiert hatte.<span id="more-5345"></span> Mit f&#252;nfundvierzig Jahren starb er am 9. Mai 1805 in Weimar.</p>

<p>Lebensbeschreibungen zu <strong>Friedrich Schiller</strong> gibt es viele. Statt diesen eine hinzuzuf&#252;gen, verweise ich lieber auf <a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Schiller/Biographie/Seite1" target="_blank">eine, die mir gut gef&#228;llt</a>, auch wenn sie nat&#252;rlich umfangreiche wissenschaftliche Biographien nicht ersetzen kann. Zur ersten Orientierung ist sie ganz gut geeignet</p>

<p>Und auch zu <strong>Schillers Drama »</strong><a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2439&amp;kapitel=1" target="_blank"><strong>Maria Stuart</strong></a><strong>«</strong> gibt es <a href="http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek_ii/deutsch/kurshalbjahre/12.1/staat_und_revolution/maria_stuart/" target="_blank">im Netz</a>, nat&#252;rlich auch in den Regalen der nach wie vor extrem besuchenswerten Einrichtung »Bibliothek«, gro&#223;e Mengen an Material. Was sollte ich dem hinzuf&#252;gen k&#246;nnen? Deshalb hier nur ein paar grundlegende, einf&#252;hrende Gedanken, die vielleicht den Zugang zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/B&#252;rgerliches_Trauerspiel" target="_blank">Trauerspiel</a> »Maria Stuart« und zu anderen Dramen bzw. literarischen Werken ein wenig erleichtern k&#246;nnen.</p>

<p>Schiller lebte in unruhigen Zeiten. Das Denken war dabei, einen grundlegenden Wandel zu erleben. <a href="http://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm" target="_blank">Angesto&#223;en vor allem durch Kant</a>, hatte die Aufkl&#228;rung ihren Siegeszug angetreten. Schiller hat Kants Werke als Philosoph nat&#252;rlich gekannt und wurde <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Erhabene" target="_blank">nicht gerade wenig von ihnen gepr&#228;gt.</a></p>

<p>Ebenso aufmerksam verfolgte Schiller pr&#228;gende Ereignisse seiner eigenen Zeit, die er als Historiker immer im Horizont der ihm bekannten Geschichte betrachtete, was ihn auch <a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=2446&amp;kapitel=1" target="_blank">zu geschichtsphilosophischen &#220;berlegungen f&#252;hrte</a>.</p>

<p>Als Historiker kannte er beispielsweise die <a href="http://www.oppisworld.de/zeit/kalender/england.html" target="_blank">Geschichte der Konkurrenz zwischen Elisabeth I., K&#246;nigin von England, und Maria Stuart</a>.<br /> Doch um es gleich zu sagen: <strong>Mit den historischen Fakten hat Schillers »Maria Stuart« wenig zu tun.</strong> Schiller war der Meinung, dass <a href="http://www.fachdidaktik-einecke.de/9b_Meth_Umgang_mit_Texten/sachtextanalyse_bsp_schiller.htm" target="_blank">Geschichte und Literatur unterschiedliche Aufgaben</a> haben und gestaltete den historischen Stoff gem&#228;&#223; dieser unterschiedlichen Ziele von Geschichtsschreibung und Literatur.</p>

<p>Schiller lebte in unruhigen Zeiten. Neben der <strong>Aufkl&#228;rung</strong> war es die <strong>Franz&#246;sische Revolution 1789</strong> und deren Folgen f&#252;r Frankreich und ganz Europa, <a href="http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2009/3802/index.html" target="_blank">die seine Aufmerksamkeit anzogen</a>. Wie so oft, wenn ganze Machtsysteme in Frage gestellt werden, kippte die Franz&#246;sische Revolution zu einer ziemlich gewaltt&#228;tigen Seite, trat an die Stelle des Rufs nach Freiheit, Gleichheit und Br&#252;derlichkeit das gr&#228;ssliche Ger&#228;usch des Schafotts. Schiller war dar&#252;ber reichlich ersch&#252;ttert – und schrieb in diesem Erfahrungszusammenhang »Maria Stuart«.</p>

<p>Schiller nahm also einen historischen Stoff, in dem ein K&#246;nigsmord enthalten war, einen Stoff, dessen historisches Umfeld selbst reichlich blutig war, und stellte ihn in den Kontext seiner Erfahrungen und &#220;berlegungen angesichts der Entwicklung der Franz&#246;sischen Revolution hin zu einer Tyrannenherrschaft, aus der Napoleon Bonaparte hervorging.</p>

<p>Auch in anderen Belangen ging Schiller sehr frei mit den historischen Fakten in Sachen Elisabeth I. vs. Maria Stuart um; zum Beispiel, indem er <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_ubausteine/aut_ub/sci_ub/sci_ms_ub/sci_ms_ub_6.htm" target="_blank">sein Frauenbild</a> im Drama unterbrachte.</p>

<p>Dieser <strong>freie Umgang mit Geschichte</strong> hat aber nichts willk&#252;rliches, schm&#228;lert nicht den Wert der Dichtung. Im Gegenteil: Schiller wusste sehr genau was er tat, kannte er doch <a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/arpoetik.htm" target="_blank">Aristoteles&#8217; Werk &#252;ber die Dichtkunst (Poetik)</a></p>

<p> </p>

<blockquote><p>»Es (ist) nicht Aufgabe des Dichters (&#8230;) mitzuteilen, was wirklich geschehen ist, sondern vielmehr, was geschehen k&#246;nnte, d. h. das nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit oder Notwendigkeit M&#246;gliche. Denn der Geschichtsschreiber und der Dichter unterscheiden sich nicht dadurch voneinander, dass sich der eine in Versen und der andere in Prosa mitteilt (&#8230;); sie unterscheiden sich vielmehr dadurch, dass der eine das wirklich Geschehene mitteilt, der andere, was geschehen k&#246;nnte. Daher ist die Dichtung etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung; denn die Dichtung teilt mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit.«<br /> Die Dichter »ahmen handelnde Menschen nach. Diese sind notwendigerweise entweder gut oder schlecht. Denn die Charaktere fallen fast stets unter eine dieser beiden Kategorien; alle Menschen unterscheiden sich n&#228;mlich, was ihren Charakter betrifft, durch Schlechtigkeit und G&#252;te. Demzufolge werden Handelnde nachgeahmt, die entweder besser oder schlechter sind, als wir zu sein pflegen, oder ebenso wie wir.«</p></blockquote>

<p>F&#252;r das Verst&#228;ndnis gro&#223;er Teile der Literatur – somit auch des Trauerspiels »Maria Stuart« –, ist die Aussage, dass »die Dichtung […] mehr das Allgemeine, die Geschichtsschreibung hingegen das Besondere mit[teilt]«, von gro&#223;er Bedeutung.</p>

<p><strong>Literatur geht es um allgemeine Themen, die Grundfragen des Menschen sind oder zu den grundlegenden Verhaltensweisen des Menschen geh&#246;ren.</strong> Ziel der Literatur ist also nicht die historisch korrekte Darstellung von Fakten, selbst dann nicht, wenn ein Autor um historische Korrektheit bem&#252;ht sein sollte oder ein literarisches Werk in das beliebte Genre historischer Romane f&#228;llt.</p>

<p>Die am st&#228;rksten das Gem&#252;t der Menschen bewegenden Themen sind <strong>Liebe</strong> und die <strong>Frage nach Gut und B&#246;se</strong>. Entsprechend stark werden solche Fragen in der Literatur thematisiert. Auch Schiller bedient sich der Grundthemen menschlichen Fragens, Empfindens, Strebens und Leidens.</p>

<p><a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/arpoetik.htm" target="_blank"> </a></p>

<p><a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/arpoetik.htm" target="_blank"> </a></p>

<p><a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/poetik/arpoetik.htm" target="_blank"> </a></p>

<p>Kurz gefasst: Der Literatur geht es in all ihren Facetten, zumindest der erz&#228;hlenden Literatur, um <strong>Grundfragen der Humanit&#228;t, der Ideale und des Scheiterns der Menschen an diesen</strong>.</p>

<p>Mit solchen Grundfragen sah sich Schiller konfrontiert, als er »Maria Stuart« schrieb. <a href="http://www.wcurrlin.de/links/basiswissen/basiswissen_franzoesische_revolution.htm#bwradikalephase" target="_blank">Das Freiheitsstreben der Franz&#246;sischen Revolution von 1789 wurde schon nach wenigen Jahren von einem Terrorregime &#252;berlagert, verdr&#228;ngt, ersetzt.</a></p>

<p>Die Frage nach dem <strong>Verh&#228;ltnis von Freiheit und Macht</strong>, eine Frage, die &#252;brigens <em>immer</em> in einem engen Zusammenhang steht, wird das Ma&#223; individueller Freiheit doch bis heute von den Machthabern bestimmt, auch in Demokratien, dr&#228;ngte sich in dieser Zeit Schillers in besonderem Ma&#223;e auf. F&#252;r Schiller hatte diese Frage zudem biographische Bez&#252;ge in seinen Erfahrungen mit dem Landesherrn, dem er einst als Milit&#228;rarzt verpflichtet war, da ihm die Freiheit des Denkens und Schreibens dort nicht zugestanden wurde.</p>

<p>In einem anderen gro&#223;en Drama, in »<a href="http://www.deutsch-online.net/don-karlos-friedrich-schiller/" target="_blank">Don Carlos</a>«, bringt Schiller diese Frage mit dem Ausspruch »<strong>Geben Sie Gedankenfreiheit</strong>, Sire« explizit auf den Punkt.</p>

<p>Entsprechend sind <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schiller#Dramatische_Werke" target="_blank">viele Dramen Schillers</a> auf den ersten Blick historische Dramen, ob nun »Wilhelm Tell«, »Die Jungfrau von Orlean«, die Wallenstein-Trilogie etc. Bei genauem Hinsehen aber sind die historischen Bez&#252;ge nur Hintergrund f&#252;r Schillers Auseinandersetzung mit seiner eigenen Zeit.</p>

<p><strong>Schiller nimmt historische Figuren und legt ihnen die Fragen seiner Zeit in den Mund</strong>, Fragen, die so grundlegend sind, dass seine Werke, zumindest dann, wenn man sich diesen Verstehenszusammenhang erst einmal erarbeitet hat, auch noch heute lesenswert sind, haben sich diese Grundfragen doch kaum ver&#228;ndert.</p>

<p>Ohne dieses Hintergrundwissen, wirken Schillers Dramen oft sperrig in ihren langen Dia- und Monologen. Lesende fragen dann zurecht, was das soll, was das mit der spannenden historischen Geschichte zu tun habe. Ohne diese Hintergrundwissen bleiben die Dramen Schillers (und viele andere Werke der Literatur bis heute) stumm. – Schillers Dramen stellen keine Geschichte dar, sondern haben sich viel mehr der Frage verschrieben, was den Menschen angesichts menschlicher Grundfragen zum Handeln treibt. <strong>Literatur ist philosophisch orientiert.</strong> Schillers Dramen fordern, wie gro&#223;e Teile der Weltliteratur, zum mitf&#252;hlenden Mit- und Nachdenken auf.</p>

<p>Schillers Dramen, wie weite Teile der Literatur, bleiben denjenigen verschlossen, die alleine Faktenwissen interessiert oder denen alleine die Inhalte, nicht aber <strong>die Voraussetzungen f&#252;r die Existenz von Literatur</strong> zug&#228;nglich werden oder gemacht werden. Dieses Voraussetzungen liegen im menschlichen Leben selbst, in den zentralen Grundfragen des Menschen, die auch die <strong>Grundfragen der Philosophie</strong> sind:</p>

<blockquote><p>Woher komme ich?<br /> Wohin gehe ich?<br /> Was kann ich wissen?<br /> Wie soll ich leben?</p></blockquote>

<p>Kurz: <strong>Was ist der Mensch, was zeichnet ihn aus, was ersehnt er, wie lebt er, wie k&#246;nnte er leben?</strong></p>

<p>Dieser Blick auf Literatur kann der Schl&#252;ssel sein, um einen Zugang zu gro&#223;en Teilen der Literatur zu finden, also auch zu auf den Blick eher trocken scheinenden Werken, die in der Schule gelesen werden (m&#252;ssen) – also auch zu Schillers »Maria Stuart« oder »Don Carlos« etc.</p>

<p> </p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 5 – Walt Whitman: Grasbl&#228;tter</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 23:22:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Neuzugang, der keiner ist und doch einer ist. Walt Whitmans „Leaves of Grass“ stehen in der amerikanischen Ausgabe von Sculley Bradley und Harold W. Blodgett schon l&#228;nger hier – auch, weil es bislang keine einzige vollst&#228;ndige &#220;bersetzung dieses zentralen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/12/07/herrn-larbigs-bibliothek-5-walt-whitman-grasblaetter/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Neuzugang, der keiner ist und doch einer ist. Walt Whitmans „Leaves of Grass“ stehen in der amerikanischen Ausgabe von Sculley Bradley und Harold W. Blodgett schon l&#228;nger hier – auch, weil es bislang keine einzige vollst&#228;ndige &#220;bersetzung dieses zentralen Werkes f&#252;r die amerikanische Moderne ins Deutsche gab. Das hat den Zugang zu Whitman nicht gerade erleichtert, schon gar nicht, wenn man den Nuancen des Sprachgebrauchs in diesen Gedichten als Nicht-Amerikanist kaum auf die Schliche zu kommen in der Lage ist.</p>

<p>Seit September 2009 ist dieser Missstand vorbei. Endlich, nach &#252;ber hundert Jahren, wurde Whitmans Hauptwerk <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23410-9" target="_blank">nun ins Deutsche</a> &#252;bersetzt, J&#252;rgen Brôcan hat das l&#228;ngst &#220;berf&#228;llige endlich getan – und er hat gute Arbeit geleistet, erlaubt es diese &#220;bersetzung doch problemlos, den amerikanischen Text und die &#220;bersetzung nebeneinander zu lesen.</p>

<p>Der <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23410-9" target="_blank">Hanser-Verlag</a> hat sich gegen eine zweisprachige Ausgabe entschieden. Gerade bei Gedichten finde ich das zwar &#228;u&#223;erst problematisch, aber angesichts der &#252;ber 860 Seiten, die J&#252;rgen Brôcans &#220;bersetzung bereits hat, erscheint mir diese Entscheidung zumindest nachvollziehbar. Und da mir die amerikanische Ausgabe auch vorliegt, ist das zumindest f&#252;r mich kein Problem, sondern endlich die notwendige Erg&#228;nzung, um den Zugang zu einem Werk, das mich schon lange fasziniert, zu erleichtern.</p>

<p>Das Verdienst Brôcans geht aber weiter: Er legt eine gute &#220;bersetzung vor, in der er die alles andere als einheitlichen Sprachstile Whitmans nachvollzieht. Was muss das f&#252;r eine Arbeit gewesen sein!</p>

<p>Die 39,50 €, mit denen die Anschaffung dieses auf D&#252;nndruckpapier publizierten Werkes zu Buche schlagen, spiegeln wohl auch die zu erwartenden Verkaufszahlen wider. Es ist kaum zu erwarten, dass Gedichte heute noch so gut verkauft werden, dass kurzfristig mit hohen Auflagen gerechnet werden k&#246;nnte. Aber diese &#220;bersetzung wird sich halten, wahrscheinlich wird sie in ein paar Jahre auch als Taschenbuch vorliegen, vielleicht wird sie auch noch um die Teile erg&#228;nzt, die dieser Ausgabe noch abgehen: Am wenigsten kann ich nachvollziehen, dass es kein alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanf&#228;nge gibt, das die Navigation im Buch  deutlich vereinfachen w&#252;rden; die wichtigsten W&#246;rter und &#220;bersetzungsentscheidungen sind in einem Anmerkungsapparat erl&#228;utert und dokumentiert, aber auch hier k&#246;nnten umfangreichere Anmerkungen den Wert dieses Buches noch einmal steigern und den Zugang zum Werk erleichtern.</p>

<p>Was aber ist so faszinierend an Whitmans Gedichten? F&#252;r mich ist es vor allem die Tatsache, dass zu der Zeit, in der Whitman ein Loblied der Demokratie schreibt, in Deutschland noch Kaiser herrschten und ein Werk wie Heinrichs Mann „Der Untertan“ erst noch erscheinen mussten. In diesem Werk Whitmans werden f&#252;r mich die enormen gesellschaftlichen Unterschiede nachvollziehbar, auch wenn in den USA die Abschaffung der Sklaverei erst durch einen Krieg zu Whitmans Lebenszeit erfolgte. Whitman setzt sich in seiner Lyrik f&#252;r die Sklaven ein, er fordert die Gleichberechtigung von M&#228;nnern und Frauen, greift die Indianerthematik aber eher romantisch verkl&#228;rt denn als blutige Hypothek der US-amerikanischen Geschichte auf.  Dar&#252;ber hinaus gelingt es ihm, in wenigen Versen ganze Bildlandschaften bei Lesenden los zu treten, die einen Eindruck des Lebens aller Schichten in den USA der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts vermitteln und in diesem Sinne auch inhaltlich zutiefst demokratisch sind.</p>

<p>Vergleichen mit den Zust&#228;nden in Deutschland und weiten Teilen Europas zur gleichen Zeit, f&#252;hrt dieses Werk auch die massiven Differenzen zu den damaligen USA vor Augen, die, zumindest in diesen Gedichten, weit moderner als das Europa dieser Zeit auf mich wirken.</p>

<p>Dabei f&#228;llt der teils sehr pathetische Ton auf, den Whitman dennoch anschl&#228;gt, der in Deutschland so bis heute weder m&#246;glich noch w&#252;nschenswert erscheint, aber f&#252;r ein vereinigtes Europa sprachlich wie inhaltlich Perspektiven auf den demokratischen Umgang mit Differenzen beinhaltet, auch heute noch, &#252;ber hundert Jahre nach dem Erscheinen der „Grasbl&#228;tter“.</p>

<p>Diese „Modernit&#228;t“, in Wirklichkeit ist Whitman an vielen Stellen wohl konservativer als es hier nun den Eindruck erweckt, mag auch damit zu tun haben, dass Whitman seiner eigenen Zeit voraus war. Nicht umsonst wurde sein Werk in den USA seiner Zeit als „obsz&#246;n“ empfunden. Whitman verlor seine Arbeit im Innenministerium aufgrund dieses als „unsittlich“ empfundenen Buchs, das neben der Sch&#246;nheit von Land und Leuten aller sozialer Klassen in Hymnen auch Whitmans Blick auf das Erotische nicht verschweigt.</p>

<p>Whitman geh&#246;rt mit zu den zentralen Figuren der Gr&#252;ndung einer amerikanischen Literatur und hat somit literaturhistorisch eine &#228;hnliche Bedeutung wie Goethe und Schiller f&#252;r die deutschsprachige Literatur. H&#246;chste Zeit also, dass diese &#220;bersetzung vorgelegt wurde, die in meinen Augen zu den wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2009 gez&#228;hlt werden kann.</p>

<blockquote>Walt Whitman, Grasbl&#228;tter, &#252;bersetzt von J&#252;rgen Brôcan</blockquote>

<blockquote>Erscheinungsdatum: 07.09.2009 –  Fester Einband, 880 Seiten
Preis: 39.90 € (D) / 65.00 sFR (CH) / 41.10 € (A)
ISBN 978-3-446-23410-9  – Hanser Verlag</blockquote>

<blockquote>Amerikanische Ausgabe:</blockquote>

<blockquote>Leaves of Grass
Walt Whitman
ISBN 10: 0393093883 / 0-393-09388-3
ISBN 13: 9780393093889
Publisher: W W Norton &amp; Co Inc
Publication Date: 1973</blockquote>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 3: Laute Verse. Gedichte aus der Gegenwart</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Nov 2009 22:21:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[24 junge Autoren und Autorinnen, die den Mut haben Gedichte zu schreiben, hat Thomas Geiger in diesem Band versammelt. Und dann kommentieren alle Autoren und Autorinnen dort auch noch jeweils eines ihrer Gedichte. Das ist keine leichte Lekt&#252;re; Gedichte sind &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/11/02/herrn-larbigs-bibliothek-3-laute-verse-gedichte-aus-der-gegenwart/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>24 junge Autoren und Autorinnen, die den Mut haben Gedichte zu schreiben, hat Thomas Geiger <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/32332.html" target="_blank">in diesem Band </a>versammelt. Und dann kommentieren alle Autoren und Autorinnen dort auch noch jeweils eines ihrer Gedichte.</p>

<p>Das ist keine leichte Lekt&#252;re; Gedichte sind sperrig – und diese ganz besonders. Hoch reflektiert wird hier mit Sprache umgegangen. So entstehen spannende Texte.</p>

<p>Dennoch: Teilweise wirken diese Gedichte f&#252;r mich so reflektiert, dass sich die Reflexion in den Vordergrund schiebt. Doch dies mag auch an Auswahlkriterien liegen, die Geiger angesetzt hat, denn bei aller Unterschiedlichkeit: Teilweise wirken die Gedichte auf mich sehr „&#228;hnlich“, &#252;berreflektiert, so sehr, dass mir der Zugang zu manch einem dieser Texte nicht gerade leicht gefallen ist.</p>

<p>Ich will diesen Band nicht missen. Er zeigt einen wichtigen Ausschnitt „junger“ deutscher Lyrik. Die Autoren und Autorinnen wurden zwischen 1957 und 1982 geboren. „Junge“ Lyrik? Zeugnis einer Generation? Immerhin wurden die Autoren und Autorinnen in einem Zeitraum von 25 Jahren geboren und die meisten sind schon in ihren vierziger Jahren. Es stimmt also nur zum Teil, dass hier ein „neue Generation von Dichtern“ (Klappentext) vorgestellt wird.</p>

<p>„Neu“ wirken die meisten Autoren des Bandes vor allem deshalb, weil die Wahrnehmung f&#252;r Gedichte in Deutschland so verdammt schleppend und mager ist. Das mag daran liegen, dass diese Gedichte von einem gro&#223;en intellektuellen Anspruch gepr&#228;gt zu sein scheinen und in meinen Augen fast schon „Akademikerlyrik“ sind bzw. f&#252;r Leute geschrieben, die sich in Lyrik auskennen und sich wirklich auf sie einzulassen gewillt sind.</p>

<blockquote>Thomas Geiger (Hg.), Laute Verse. Gedichte aus der Gegenwart, M&#252;nchen (dtv) 2009.</blockquote>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 2 – Tania Blixen: Babettes Fest</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2009/10/28/herrn-larbigs-bibliothek-2-tania-blixen-babettes-fest/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 27 Oct 2009 23:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerh&#246;rte Begebenheit.“ (Goethe, Gespr&#228;che mit Eckermann, 29. Jan. 1827) Trotz dieser Definition Goethes ist es keine Novelle, dass Wikipedia den Film „Babettes Fest“ f&#252;r relevant genug h&#228;lt, einen eigenen Eintrag &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/28/herrn-larbigs-bibliothek-2-tania-blixen-babettes-fest/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>„Denn was ist eine Novelle anders als eine sich ereignete unerh&#246;rte Begebenheit.“ (Goethe, Gespr&#228;che mit Eckermann, 29. Jan. 1827)</blockquote>

<p>Trotz dieser Definition Goethes ist es keine <a href="http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Novellen/gattung.htm" target="_blank">Novelle</a>, dass Wikipedia den Film „Babettes Fest“ f&#252;r relevant genug h&#228;lt, einen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Babettes_Fest" target="_blank">eigenen Eintrag</a> zu bekommen, die zugrunde liegende d&#252;nne, gerade mal 80 gro&#223; gedruckte Seiten umfassende Erz&#228;hlung (Novelle) aber nicht. Immer diese Dominanz des Films! Es handelt sich bei dem Film von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriel_Axel" target="_blank">Gabriel Axel</a> zwar um eine gelungen Adaption des Textes, aber dass der Film bekannter als der Text ist, mag ich nicht wirklich – so sehr ich den Film mag.</p>

<p>Zugegeben: Ich habe das Buch auch &#252;ber den Film entdeckt, ein Buch, dessen Lekt&#252;re kaum l&#228;nger dauert als der Film. Ein d&#252;nnes Buch, m&#228;rchenhafter Stil und hintergr&#252;ndige Geschichte.</p>

<p>Kurzfassung: Babette flieht aus Paris, wo sie K&#246;chin im ersten Restaurant vor Ort war. Sie bekommt bei zwei alten Damen in Norwegen als Haushaltshilfe Unterschlupf, die zu einer kleinen pietistischen Gemeinde geh&#246;ren und so asketisch leben, wie es nur m&#246;glich ist. Die alten Damen sind Schwestern, herzensgut und doch gefangen in ihrem asketisch gepr&#228;gten Weltbild. Ganz anders Babette: Sie ist K&#252;nstlerin des Kochens. Und als sie bei einer Lotterie gewinnt, bittet sie die Damen, dass sie ein franz&#246;siches Diner f&#252;r sie kochen d&#252;rfe.</p>

<p>Schreckliche Versuchung. Aber die Damen stimmen schlie&#223;lich zu, auch wenn sie mit Entsetzen die Zutaten sehen, die Babette aus Frankreich impotiert, inklusive lebender Schildkr&#246;ten und Wein.</p>

<p>Das Menu… Der Titel verr&#228;t es schon: Es ist ein Fest! Sinnlichkeit pur, wie sie die pietistische Gruppe nie zuvor erlebt hat… Eine Liebesaff&#228;re, ein Liebesmahl.</p>

<p>Und die Botschaft? Es gibt reichhaltige M&#246;glichkeiten der Interpretation: F&#252;r die einen ist die Novelle vielleicht eine Auseinandersetzung mit evangelisch-pietischtischer Verweigerung sinnlicher Gen&#252;sse im Vergleich zur katholisch-liturgischen Sinnlichkeit im Liebesmahl der Eucharistie, f&#252;r die anderen eine wundersch&#246;ne Geschichte &#252;ber die Bereicherung einer Kultur durch eine Migrantin, deren Lebenseinstellung und vor allem deren Kochk&#252;nste. Dritte werden die hoffnungslos begehrenden M&#228;nner ins Zentrum stellen, die bei den Schwestern abblitzen.</p>

<p>Das alles steckt in 80 Seiten Erz&#228;hlung. – So ruhig und flie&#223;end dieser Text auch ist, er hat Kraft, es passiert &#252;berraschend viel und was sprachlich wie ein M&#228;rchen daher kommt, ist  dicht komponiert, sachlich und dennoch emotional anr&#252;hrend erz&#228;hlt.</p>

<blockquote>Tania Blixen, Babettes Fest, Z&#252;rich (Manesse) 1993 (8. Auflage). Aus dem Englischen &#252;bertragen von W. E. S&#252;skind.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 1: Rainald Goetz – Abfall f&#252;r alle</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 22:05:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Abfall f&#252;r alle“ – wenn dieser Name nur nicht zum Motto dieser Reihe „Herrn Larbigs Bibliothek“ wird… Wir schreiben das Jahr 1998. Von Blogs hat noch keiner was geh&#246;rt und das Web 2.0 ist noch in weiter Ferne, da schreibt &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/27/herrn-larbigs-bibliothek-1-rainald-goetz-abfall-fuer-alle/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Abfall f&#252;r alle“ – wenn dieser Name nur nicht zum Motto dieser Reihe „Herrn Larbigs Bibliothek“ wird…</p>

<p>Wir schreiben das Jahr 1998. Von Blogs hat noch keiner was geh&#246;rt und das Web 2.0 ist noch in weiter Ferne, da schreibt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rainald_Goetz" target="_blank">Rainald Goetz</a> schon im Internet Tagebuch. Das gibt es dort zwar nicht mehr, das gab es schon Ende 1999 dort nicht mehr, aber es wurde ein Buch daraus. Und dieser „Roman eines Jahres“ hei&#223;t, war es Voraussicht oder Selbstironie, „<a href="http://www.perlentaucher.de/buch/237.html" target="_blank">Abfall f&#252;r alle</a>“.</p>

<p>Es ist das Jahr, in dem ich Rainald Goetz im Rahmen der <a href="http://www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de/" target="_blank">Frankfurter Poetikvorlesung</a> erlebe. Und ich erinnere noch gut jenen Dienstag, den 28. April 1998, 18:00 Uhr, als Goetz zum ersten Mal die B&#252;hne der Frankfurter Poetikvorlesung betrat und versuchte (sic!) frei zu reden. Das hat er so in den Folgewochen nicht mehr gewagt. Da gab es dann, ich erinnere mich daran und irgendwo m&#252;sste ich sie auch noch haben, winzigst gedruckte Textkonvolute als Skript zur Vorlesung. Aber nicht zur ersten.</p>

<p>Und dann lese ich in „Abfall f&#252;r alle“ unter dem 29.4.98:</p>

<blockquote>„941. Diese Unf&#228;higkeit, frei zu reden. Fast schon eine geistige Behinderung.“</blockquote>

<p>Stimmt. Aber <em>so</em> habe ich es nach wie vor in neugieriger Erinnerung. Es sind eben nicht die glatt gestylten Performances, die sich in der Erinnerung festbei&#223;en, sind die doch alle irgendwie geklont und gleich in ihrer (Nicht-)Wirkung; das Unerwartete, &#220;berraschende und in diesem Falle auch die Suchbewegung eines Autors, die er in einer Vorlesung (ungewollt) sichtbar macht. Da stand dieser Autor, in seinen vierziger Jahren, in diesem H&#246;rsaal VI, in dem schon so viele Autoren vor ihm zu Gast waren, und versucht eine freie Poetik-Vorlesung zum Titel „Praxis“ – und wirkt… improvisiert.</p>

<p>Eine Woche sp&#228;ter kommt der Autor dann schon mit einem ausgearbeiteteren Text, der, wie auch die Rekonstruktion der ersten Vorlesung, Einzug in „Abfall f&#252;r alle“ gefunden hat.</p>

<p>Das aber ist nicht der einzige Inhalt der 864 Seiten, die von diesem Jahr des Internettagebuchs des Rainald Goetz Zeugnis geben. Es soll keine Literatur werden! So sagt sich der Autor am Anfang immer wieder. Und heute steht das Buch in meiner Bibliothek. Keine Literatur? Was aber dann? Ein Arbeitstagebuch? Eine Selbstentbl&#246;&#223;ung des Autors im Netz? „Nur“ das Zeugnis einr Art Blog-Vorl&#228;ufer? Das Buch ist alles von dem und nichts von dem zugleich:</p>

<p>Teilweise knappste Notizen, die locker in eine Twitternachricht mit ihrer Beschr&#228;nkung auf 140 Zeichen passen w&#252;rde, teilweise l&#228;ngere Reflexionen &#252;ber Leseerfahrung, Begegnungen und eben Dokumentation der Poetikvorlesung.</p>

<p>Und im Zentrum des Buches? Es geht zum Teil um das Abschlie&#223;en eines Werkes, aber meist um das Anfangen. Banalit&#228;ten reihen sich an differenzierte Reflexionen. Eigentlich ein viel zu dickes Buch mit viel zu vielen Nebens&#228;chlichkeiten – und trotzdem nehme ich es ziemlich regelm&#228;&#223;ig zum Schm&#246;kern wieder in die Hand. Irgendwas fasziniert mich an diesem Buch. Bis heute wei&#223; ich nicht, was das eigentlich ist…</p>

<blockquote>Rainald Goetz, Abfall f&#252;r alle. Roman eines Jahres, Frankfurt am Main (Suhrkamp) 1999 (Taschenbuchausgabe 2003).</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 0: Einf&#252;hrung</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 20:38:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Lehrerblog eines Deutschlehrers ohne B&#252;cher? Das war herrlarbig.de bislang nicht und das wird es auch in Zukunft nicht sein. Ganz im Gegenteil Gab es hier bislang, wenn es um B&#252;cher oder Gedichte ging, eher ausf&#252;hrlichere Artikel, die es auch &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/26/herrn-larbigs-bibliothek-0-einfuehrung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Lehrerblog eines Deutschlehrers ohne B&#252;cher? Das war herrlarbig.de bislang nicht und das wird es auch in Zukunft nicht sein. Ganz im Gegenteil <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Gab es hier bislang, wenn es um B&#252;cher oder Gedichte ging, <span style="text-decoration: line-through;">eher</span> ausf&#252;hrlichere Artikel, die es auch zuk&#252;nftig weiter geben wird, so muss ich zugeben, dass mich meine B&#252;cher immer ein wenig traurig anschauen, wenn ich <em>einem</em> von ihnen mal wieder besondere Aufmerksamkeit schenke, obwohl doch auch die anderen endlich mal wieder ihre Seiten gebl&#228;ttert haben wollen und nat&#252;rlich schon viel zu lange unter v&#246;lliger Vernachl&#228;ssigung leiden. Noch schlimmer wird der Protest, wenn es nur ein paar Seiten aus einem Buch sind, denen ich meine Aufmerksamkeit schenke, weil auf ihnen beispielsweise ein bestimmtes Gedicht abgedruckt ist.</p>

<p>Der entt&#228;uschte Blick von ca. 45 Regalmetern B&#252;chern kann ganz sch&#246;n belastend sein <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> , auch wenn die literarischen Werke da etwas eitler zu sein scheinen als Lexika und Fachb&#252;cher, die ca. 40% der Bibliothek ausmachen und weit weniger kritisch blicken, wenn ich eines von ihnen intensiver zur Hand nehme, als es die Romane und Gedichtb&#228;nde tun.</p>

<p>Sie meinen, das sei metaphorisch gesprochen? Bitte sehr. Aber ich wei&#223;, wovon ich spreche, kenne das fordernde Eigenleben, das gerade Prosa und Lyrik entwickeln k&#246;nnen. Von wegen metaphorische Sprache <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Ich werde mich dem Druck nun beugen. Nicht, dass man mich dazu gro&#223; unter Druck setzen m&#252;sste, mir fehlte bislang nur eine Idee… Diese ist jetzt so simpel, dass ich gar nicht wei&#223;, warum das so lange dauerte.</p>

<p>Wie &#252;blich: Als die Herbstferien fast vorbei waren, h&#246;rte ich das Klopfen auf Holz, das um Einlass in meinen Kopf bat. Herausgekommen ist erst einmal eine neue Kategorie, die nun als „<a href="http://herrlarbig.de/category/herrn-larbigs-bibliothek/" target="_self">Herrn Larbigs Bibliothek</a>“ in der Seitenleiste auftaucht.</p>

<p>In dieser Kategorie werde ich (durchaus pers&#246;nlich gepr&#228;gte) Kurzvorstellungen von B&#252;chern versammeln, die alle eins verbindet: Es handelt sich ausschlie&#223;lich um B&#252;cher, die mir in meiner Bibliothek st&#228;ndig verf&#252;gbar sind – au&#223;er ich bin auf Reisen nat&#252;rlich…</p>

<p>Warum aber mache ich das? Zum einen und vor allem, weil ich B&#252;cher mag. Zum anderen aber auch, um Lust auf B&#252;cher zu machen. Entsprechend will ich wirklich versuchen, mich in diesen Beitr&#228;gen kurz zu fassen, zumindest k&#252;rzer, als im Schnitt meiner Beitr&#228;ge auf herrlarbig.de.</p>

<p>Die Lust an B&#252;chern ist auch der Grund, warum ich mich auf meine Bibliothek beschr&#228;nke, nicht etwa auf Neuerscheinungen st&#252;rze oder auf B&#252;cher, die ich in einer Bibliothek entliehen habe.</p>

<p>In „<a href="http://herrlarbig.de/category/herrn-larbigs-bibliothek/" target="_self">Herrn Larbigs Bibliothek</a>“ werden B&#252;cher aufgenommen, die es mir Wert waren, angeschafft zu werden – und nur diese. — Das hei&#223;t nicht, dass es sich alleine um tolle, literarisch hochwertige Schriften handelt; manche Einsicht kommt auch erst, nachdem ein Buch zun&#228;chst f&#252;r anschaffenswert angesehen wurde!</p>

<p>Mit „Herrn Larbigs Bibliothek“ soll auch ein Raum geschaffen werden, in dem sich andere Leser und Leserinnen dieser B&#252;cher zu Wort melden und von eigenen Leseerfahrungen mit diesen erz&#228;hlen k&#246;nnen. Daf&#252;r kann die Kommentarfunktion sehr gerne genutzt werden.</p>

<p>Die Reihenfolge der vorgestellten B&#252;cher ist &#252;brigens zuf&#228;llig, keine Wertung oder sonst irgendwie durchdacht, sondern Ergebnis meiner „zuf&#228;lligen“ Aufmerksamkeit beim Vorbeischlendern an den Regalen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>100 Jahre Kafkas Tageb&#252;cher – Ein Autor in seiner Zeit</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 22:06:29 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Franz Kafka begann wohl im Sommer des Jahres 1909 mit den uns &#252;berlieferten Tagebuchaufzeichnungen, die bis in das Jahr 1923 reichen. Von kurzen Notizen bis zu gr&#246;&#223;eren literarischen Entw&#252;rfen, von Zeugnissen der Qual des Schreibens bis zu denen seiner gescheiterten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/13/100-jahre-kafkas-tagebuecher-ein-autor-in-seiner-zeit/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.franzkafka.de/franzkafka/home/" target="_blank">Franz Kafka </a>begann wohl im Sommer des Jahres 1909 mit den uns &#252;berlieferten Tagebuchaufzeichnungen, die bis in das Jahr 1923 reichen. Von kurzen Notizen bis zu gr&#246;&#223;eren literarischen Entw&#252;rfen, von Zeugnissen der Qual des Schreibens bis zu denen seiner gescheiterten Beziehungsversuche, findet sich alles in Kafkas Tageb&#252;chern. <span id="more-2130"></span>Er entschied sich f&#252;r eine Mischform, trennte nicht zwichen Arbeitsjournal und pers&#246;nlichen Reflexionen. Alles geh&#246;rte zueinander und hatte zugleich nicht immer miteinander zu tun.</p>

<p>In seinen Texten entsteht so der Eindruck des <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/txtsor/epi_klein/para/par0.htm" target="_blank">parabelhaften</a>, dessen, was zwar zusammengeh&#246;rt, seinen logischen Sinn und Zusammenhalt dem Leser aber zun&#228;chst verweigert. – Diese Zusammenhanglosigkeit der Ereignisse war nicht nur im Empfinden Kafkas stark. So vieles geschieht in den St&#228;dten (seiner Zeit) zur gleichen Zeit, geschieht dicht nebeneinander, steht in einem (geographischen) Zusammenhang, der sich zugleich als ein Mangel an Zusammenhang zeigt.</p>

<p>Es scheint als habe Kafka in seinen Texten dieses Ph&#228;nomen erz&#228;hlerisch eingefangen. Doch stellt er nicht, wie in vielen <a href="http://www.literaturwelt.com/epochen/express.html" target="_blank">expressionistischen</a> Texten, die zur gleichen Zeit die Auseinandersetzung mit diesen Ph&#228;nomen suchen, die Zusammenhanglosigkeit als solche dar. Vielmehr schreibt er Texte, die ganz klar einer inneren Handlungslogik, folgen, in dieser Logik aber zu keinem logischen Ziel kommen, da Handlungen eben nicht mehr miteinander in klaren Ursache- und Wirkungszusammenh&#228;ngen verbunden sind. Es treffen unterschiedliche Logiken aufeinander, deren Begegnung aus Mangel an Zusammenhang oft zu keinem (erwartbaren) Ziel f&#252;hrt.</p>

<p>Es ist nicht nur die Abarbeitung des eigenen Verh&#228;ltnisses zum Vater in Kafkas Texten wirksam. Vielmehr steht Kafkas Auseinandersetzung mit sich selbst, seiner Zeit und auch seinem Vater im Zusammenhang mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Urbanisierung" target="_blank">Urbanisierung</a> des fr&#252;hen 20. Jahrhunderts. Er greift auf, was zu dieser Zeit als Grunderfahrung, z. B. auch von expressionistischen Autoren, sprachlich zum Ausdruck gebracht wird.</p>

<p>Doch w&#228;hrend bei diesen auf formaler, inhaltlicher und sprachlicher Ebene nach meinem Eindruck viele Autoren sehr &#228;hnlich klingen, zu einem Sprachrohr der Zeit der industriellen Massenproduktion wurden und selbst nur in Ans&#228;tzen eine individuelle literarische Sprache fanden, ging Kafka einen eigenen Weg.</p>

<p>W&#228;hrend viele Autoren dieser Zeit zivilisatorische Prozess der Industrialisierung und Urbanisierung mit mystisch aufgeladenen Bildern einer Apokalypse verbanden, zieht der „Wahnsinn“ bei Kafka leiser und nachhaltiger in Texte ein, die das Individuum nicht vor allem als Teil der Masse darstellen, der gegen&#252;ber der Moloch „Stadt“ wie eine „Person“ oder gar ein „Gott der Stadt“ (<a href="http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=19&amp;autorid=273">Heym</a>) auftritt, sondern das Individuum selbst wird in diesen Texten weiter ins Zentrum gestellt.</p>

<p>Dieses Individuum trifft auf die dem Wert des Individuums stark zuwider laufenden Ph&#228;nomene des Fremden in unmittelbarer Nachbarschaft („Der Nachbar“), der B&#252;rokratie und der Kraft entindividualisierter Regelsysteme („Vor dem Gesetz“, „Der Prozess“, „Das Urteil“), der Willk&#252;r („Das Schloss“, „Das Urteil“, „In der Strafkolonie“).</p>

<p>Es scheint mir zunehmend, als habe Kafkas Vater f&#252;r Kafka als Mensch und Schriftsteller vor allem deshalb eine solche Machtinstanz darstellen k&#246;nnen („Brief an den Vater“), da in ihm sich f&#252;r Kafka die Erfahrungen in seiner Zeit unmittelbar personalisierten. Kafkas Vater als eine Figur, die zugleich eine Metapher f&#252;r die Zeit ist, in der Kafka lebte und der diese Zeit selbst repr&#228;sentiert?</p>

<p>Heinrich Mann greift diesen wohl auch f&#252;r Kafka wirksamen Zeitgeist,  allerdings  im wilhelmischen Detuschland, in „<a href="http://logos.kulando.de/post/2009/08/07/heinrich-mann-der-untertan-analysen" target="_blank">Der Untertan</a>“ auf; die Expressionisten sehen die zerst&#246;rerische Kraft des Zusammentreffens absolutistischer Machtsystem und den kriegerischen M&#246;glichkeiten, die mit der Industrialisierung und der am Flie&#223;band produzierten Waffen voraus. Hesse greift in „<a href="http://www.hhesse.de/werk.php?load=demian" target="_blank">Demian</a>“ und in „Der Steppenwolf“ die Spannung auf, die Menschen mit starkem Individualisierungswillen in einer von der Anpassung lebenden Massengesellschaft erfahren. Und schon der 1901 ver&#246;ffentlichte Roman „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann, hat den Zerfall der vertrauten gesellschaftlichen Beziehungssysteme zum Thema.</p>

<p>In dieser Zeit gelang es Kafka eine eigene Sprache zu finden, die seine Wahrnehmung des fr&#252;hen 20. Jahrhunderts widerspiegelt, mit der er sich ganz und gar seinem Empfinden dieser Zeit hingab, ohne dass den Figuren seiner Texte eine Integration in diese Zeit gelingt.</p>

<p>Kafkas Figuren sind den Gegebenheiten ausgeliefert (z. B. in „Die Verwandlung“) und der Autor sucht f&#252;r sie keine „befriedigenden“ L&#246;sungen, sondern folgt den Erfahrungen dieser Figuren gnadenlos, ohne Besch&#246;nigung, ohne die sich aus diesen Erfahrungen ergebenden Spannungen aufzul&#246;sen.</p>

<p>Kafka trauert in seinen Werken weder den Verlusten des B&#252;rgertums in dieser Zeit hinterher, noch bietet er L&#246;sungen an, wie es sp&#228;ter z. B. Brecht mit seiner N&#228;he zu kommunistischen Idealen versucht. Und so ist der Zugang zu Kafkas Texten bis heute so schwierig wie aktuell: Leser dieser Texte werden selbst in die Spannung des Aushaltens unlogischer, kaum integrierbarer Zusammenh&#228;nge als Teil des Systems gestellt, in dem sich das Individuum oft kaum noch jenseits funktionaler Zusamenh&#228;nge als Individuum zu erfahren vermag – und gleichzeitig als Individuum auf nicht am Individuum sondern an Verwaltungsabl&#228;ufen orientierten Strukturen trifft, deren Logik vor allem darauf hin ausgerichtet ist, mit „Massen“ umzugehen.</p>

<p>Doch auch in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Masse_und_Macht" target="_blank">Massengesellschaft</a>, mit Massenproduktion, Massenkonsum, Massengeschmack, Massenmedien usw. erf&#228;hrt sich der einzelne Mensch nach wie vor als Individuum, das als solches wahrgenommen und behandelt werden will, sich aber zugleich als Massenph&#228;nomenen ausgeliefert erf&#228;hrt, die in die Spannung von Anpassung und &#220;berleben des Individuellen f&#252;hren.</p>

<p>Zwischen von Marken beherrschten Imagefragen und einer von solchen Imagefragen unabh&#228;ngig als Eigenwert erfahrbarer Individualit&#228;t scheint es kaum m&#246;glich, den Spagat der Integration all dieser Ph&#228;nomen in die eigene Pers&#246;nlichkeit zu leisten. Das Individuum, so scheint es, kann sich nur noch anpassen oder zum Au&#223;enseiter werden, der vielleicht die eigene Individualit&#228;t zu leben vermag, gleichzeitig aber den Gesetzen ausgeliefert ist, die diesem Streben nach Individualit&#228;t zuwider laufen und dennoch immer wieder genau diese versprechen; in der Werbung kann dies Tag f&#252;r Tag beobachtet werden.</p>

<p>Das Individuum wird, wie Gregor Samsa, zum „Insekt“, zu einem von den Ph&#228;nomenen der Masse entpersonalisiertem Wesen und scheitert gleichzeitig an der Forderung, gef&#228;lligst individuelle zu sein.</p>

<p>Hesse stellt in „Demian“ und in der „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Steppenwolf" target="_blank">Der Steppenwolf</a>“ Figuren dar, die als starke Individuen die Existenz des Au&#223;enseiters leben; Heinrich Mann stellt den angepassten Mitl&#228;ufer in „Der Untertan“ dar. Kafkas Figuren stehen zwischen diesen L&#246;sungsangeboten der beginnenden Massengesellschaft und stellen Spannungen derer dar, die weder zu blo&#223;en Mitl&#228;ufern werden noch die Existenz von Au&#223;enseitern „w&#228;hlen“ wollen und gerade so in die Situation geraten, die Eigenlogik der letztlich auf Anpassung hin ausgerichteten Gesellschaft mit aller Macht zu erfahren und so in die Rolle von Au&#223;enseitern gedr&#228;ngt zu werden, die aber doch eigentlich „dazu geh&#246;ren“ wollen.</p>

<p>In den vor 100 Jahren begonnenen Tageb&#252;chern Kafkas dr&#252;ckt sich dieser Kampf &#252;ber 14 Jahre hinweg in gr&#246;&#223;ter Intensit&#228;t aus. Seine Werke spiegeln die Spannungen wider, die Kafka selbst (er-)lebte und literarisch zum Ausdruck zu bringen vermochte. Es gelingt ihm, der sich ganz der Literatur verschrieben hatte und an anderen Arbeitsnotwendigkeiten litt, den Spannungen seiner Zeit eine eigene, unabh&#228;ngige Sprache zu geben.</p>

<p>In den seit Kafkas Schaffen vergangenen Jahrzehnten ist die Massengesellschaft nicht verschwunden. Die Herausforderungen an das Individuum sind in den vergangenen 100 Jahren nicht geringer geworden, das sich nach wie vor als Individuum in den Massen zu verlieren droht.</p>

<p>Kafka gibt dieser Spannung bis heute Sprache; er f&#252;hrt Leser bis heute in die fast unertr&#228;gliche Spannung des Individuums in der Masse hinein. Deshalb ist Kafka anstrengend. Deshalb ist er aber nach wie vor aktuell. Und wenn es die &#252;ber die Zeit eines Autors hinaus wirkende Aktualit&#228;t eines Autors ist, die ihn, so er in Sprache und Ausdruckskraft den Weg zur k&#252;nstlerischen Meisterschaft zu bew&#228;ltigen vermochte, zum Klassiker macht, bin ich gerne bereit, Franz Kafka als einen der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen. Kafka ist ein Klassiker deutschsprachiger Literatur und weit &#252;ber den deutschen Sprachraum hinaus.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Im Gehege des Deutschunterrichts oder: Der Zoo und die Wildnis</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 22:42:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“, schreibt Reiner Werner auf Seite Vier der Einleitung des Schroedel-Bandes „Deutsch SII (Kompetenzen, Themen, Training), Kompetent in Kurzgeschichten“, der 2009 erschienen ist. Er zeigt damit, m&#246;glicherweise, ohne sich dessen bewusst &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/07/im-gehege-des-deutschunterrichts-oder-der-zoo-und-die-wildnis/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“,</blockquote>

<p>schreibt Reiner Werner auf Seite Vier der Einleitung des Schroedel-Bandes „Deutsch SII (Kompetenzen, Themen, Training), Kompetent in Kurzgeschichten“, der 2009 erschienen ist. Er zeigt damit, m&#246;glicherweise, ohne sich dessen bewusst zu sein (?), schon im ersten Satz des von ihm erarbeiteten Bandes, die Ambivalenz des Einsatzes von Kurzgeschichten auf: Einerseits geh&#246;ren Kurzgeschichten mit Gedichten zu den am h&#228;ufigsten im Deutschunterricht eingesetzten literarischen Kunstwerken. Andererseits handelt es sich dabei aber um literarische Gattungen, die au&#223;erhalb der Schule so gut wie gar nicht gelesen werden.</p>

<p>In der Schule werden diese „kleinen“ literarischen Gattung „gehegt“ und „gepflegt“; auf dem Buchmarkt spielen sie eine kaum wahrnehmbare Rolle. „Gehegt“ und „gepflegt“ – oder vielleicht doch eher missbraucht, vergewaltigt und get&#246;tet? Dieser Frage will ich hier nachgehen. Dabei nehme ich das Vorwort in dem schon zitierten Schroedel-Band als Leitfaden, weil es sich um 1. um einen gerade erschienenen und 2. um einen von seiner Zielrichtung her an Komptenzen orientierten Band handelt, der zumindest davon Zeugnis gibt, wie sich ein Schulbuchverlag „Kompetenzen“ im Umgang mit Literatur vorstellt.</p>

<p>Entscheidend ist f&#252;r mich eigentlich immer, was Lehrer und Didaktiker – nein, es ist kein Zufall, dass ich diese beiden Begriffe nicht synonym gebrauche – zum Thema der Methodik zu sagen haben. Dazu Rainer Werner:</p>

<blockquote>„Der moderne Literaturunterricht zielt darauf ab, den Sch&#252;lern wichtige Kompetenzen der Textinterpretation zu vermitteln, die sie in die Lage versetzen, ihre F&#228;higkeiten im Umgang mit Sprache und Literatur stetig zu erweitern.“ (a.a.O., S. 5.)</blockquote>

<p>Ja, genau so ist es und so muss es auch sein, will ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin Klausuren in der Oberstufe bestehen und schlie&#223;lich den Anforderungen des Abiturs entsprechen. Dementsprechend geht der Autor dann noch kurz darauf ein, welchen Grunds&#228;tzen sein Ansatz folgt, der die „herk&#246;mmliche lehrerzentrierte Unterrichtsform“ auflockern will, in dem so „sch&#252;lerzentrierte“ Methoden, wie Gruppen und Partnerarbeit, aber auch kreative Schreibaufgaben eingesetzt werden, ohne die „strukturierende Hand des Lehrers“ aus dem Blick zu verlieren, dessen „&#252;berlegenes Wissen“ nun nicht mehr nur eingesetzt werde, „um den Gang der Interpretation immer zum ‚richtigen‘ Ziel hin zu steuern“ (ebd.). Au&#223;erdem behauptet Werner auch noch richtig, dass Lehrer Sch&#252;lern das fachliche Wissen voraus h&#228;tte, aber auch, dass dieses Voraus ebenso f&#252;r die Erfahrung im Umgang mit literarischen Texten gelte.</p>

<p>Und dann werden all die Wege genannt, die Lehrer (und Lehrerinnen) mit dem nun vorgelegten Band gehen k&#246;nnten. – Wer w&#252;rde von einem Lehrerband zum Thema „Kurzgeschichten“ auch etwas anderes erwarten, stimmt Werners Darstellung des Literaturunterrichtes doch ziemlich genau mit einer zumindest nach wie vor weit verbreiteten Wirklichkeit des Deutschunterrichts &#252;berein, die man sich bei den genannten und faktisch so in Pr&#252;fungen ja wirklich erwarteten Zielen, auch kaum anders vorstellen kann.</p>

<p>F&#252;r Lehrende ist das im t&#228;glichen Prozess der Reflexion auf ihren Unterricht ein wirklich guter Band zum Thema Kurzgeschichten geworden. Und f&#252;r den Band spricht auch, dass Reiner Werner scheinbar alle Unterrichtsvorschl&#228;ge am Berliner John-Lennon-Gymnasium ausprobiert hat. Die Inhalte sind also erfahrungsges&#228;ttigt und kommen zudem Lehrerinnen und Lehrern entgegen, die sich zwar der Kompetenzenorientierung des Unterrichts nicht entziehen wollen, gleichzeitig aber auch, um ihrer Verantwortung gerecht werden zu k&#246;nnen, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler kompetent im Umgang mit literarischen Texten zu machen, die strukturierenden F&#228;den in den H&#228;nden behalten wollen. Das st&#246;rt mich nicht, das geh&#246;rt nach wie vor zum Alltag des Deutschlehrers – und die Frage nach der Lehrerrolle im Deutschunterricht soll hier auch gar nicht im Vordergrund stehen, so sehr sie im Hintergrund immer mitschwingen mag.</p>

<p>Viel mehr interessieren mich hier zwei andere Fragen:</p>

<ol>
    <li>Wo kommen in solchen Ans&#228;tzen, wie er von Reiner Werner im Vorwort des Bandes „Kompetent in Kurzgeschichten“ vertreten wird, die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor?</li>
    <li>Welche Rolle haben literarischen Kurzformen im Deutschunterricht.</li>
</ol>

<p>Beginnen wir mit der zweiten Frage:</p>

<p>Die Rolle von literarischen Kurzformen im Unterricht steht in einem deutlichen Gegensatz zu der Rolle, die diese Textsorten im Alltag durchschnittlicher Leser und Leserinnen spielen. Sie werden gew&#228;hlt, weil sie gut in den Zusammenhang von Unterrichtsstunden passen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus kann an literarischen Kurzformen in kompakter Form Wissen im Umgang mit Texten vermittelt werden. Das m&#246;gen ehrenwerte Ziele und ein nachvollziehbarer Mehrwert von Gedichten und Kurzgeschichten sein, aber am wichtigsten finde ich, dass diese f&#252;r mich literarisch anspruchsvollsten literarischen Gattungen im Deutschunterricht am Leben erhalten werden. Die Schule &#252;bernimmt f&#252;r diese literarischen Gattungen, insbesondere f&#252;r Kurzgeschichten, kommen Gedichte doch immerhin auf den MP3-Playern der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler als „Lyrics“ nach wie vor in Massen vor, in etwa die Rolle, die Zoos f&#252;r vom Aussterben bedrohte Tierarten &#252;bernehmen: Es wird ein Schauraum geschaffen, in dem man gesch&#252;tzt und strukturiert und angeleitet, von W&#228;rtern gehegte und gepflegte Tiere betrachten kann, die einem in freier Wildbahn oftmals kaum noch begegnen. Die Gehege werden mit Tafeln versehen, die alles erkl&#228;ren – und der Besucher kann den Zoo mit dem guten Gef&#252;hl verlassen, etwas gelernt zu haben. Au&#223;erdem wird das Einsperren der Tiere mit der in Zoos stattfindenden wissenschaftlichen Arbeit begr&#252;ndet, die ja in Einzelf&#228;llen auch wieder zur Auswilderung der Tiere f&#252;hren kann.</p>

<p>Sicher, eine authentische Begegnung mit einer Wildkatze, einer Giftschlange oder einem Krokodil sieht anders aus. Sie ist aufregender und deutlich gef&#228;hrlicher als im Zoo. Und sp&#228;testens dann, wenn ein solches Tier seziert wird, ist klar: Jetzt geht es um die anatomische Zerlegung einer Leiche.</p>

<p>Kurzgeschichten (Gedichten und eigentlich fast jeder literarischen Form) ergeht es im Deutschunterricht nicht besser. Die unmittelbare, „gef&#228;hrliche“ Begegnung mit Literatur wird h&#246;chstens noch methodisch geleitet zugelassen, die Frage nach dem ersten Leseeindruck der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler wird fast zu einer rhetorischen Frage, da sie oft beim weiteren Umgang mit einem literarischen Kunstwerk kaum noch eine Rolle spielt. Dort, wo das „Wilde“ und das „Gef&#228;hrliche“ der Literatur zu Hause ist, dort, wo ein Mensch mit seiner Biographie auf einen Text trifft und aus dieser existentiellen Begegnung etwas wachsen kann, liegen die Seziermesser der Textanalyse schon bereit, mit denen das m&#246;glicherweise im ersten Leseeindruck aufgeflackerte Leben, das in der Begegnung von Text und Leser bzw. Leserin gezeugt wird, schnellstm&#246;glich auf funktional einsetzbare Kompetenzen hin beschnitten wird.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird ein Deutschlehrer vermutlich mehr gelesen haben als die Jugendlichen. Nat&#252;rlich hat die Deutschlehrerin aus dem Studium mehr Fachwissen als Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler. Aber kann man in der unmittelbaren Begegnung mit Literatur je erfahrener sein, abgesehen von der Erfahrung, was Literatur mit einem „echten“ Leser machen kann, als die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler?</p>

<p>Wenn es stimmt, dass jeder Text in der Begegnung mit jedem Leser und jeder Leserin „neu“ entsteht, „neu“ gelesen wird; wenn es stimmt, dass in der Begegnung des Textes mit dem Lesenden ein Text v&#246;llig neue Seiten Preis geben kann, dann wertet die Behauptung, dass ein Lehrer „besser“ lesen k&#246;nne diese Leseerfahrungen ab – und zwar so sehr, dass es Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern eine gro&#223;e Herausforderung ist, wenn ein Lehrer versucht, sie wirklich mit dem Text in eine Begegnung zu bringen, aus der m&#246;glicherweise das nachgelagerte Interesse an den Techniken erw&#228;chst, derer sich ein Autor (ob nun gezielt oder nicht) bedient hat.</p>

<p>Oft steht die Aussage, dass  das Ziel beim Umgang mit Literatur in der Schule „sowohl die pers&#246;nliche Erfahrung der Leser bzw. Sch&#252;ler       in die Auseinandersetzung mit dem literarischen Text einzubeziehen, als       auch ein angemessenes Verst&#228;ndnis f&#252;r die Aussage und Form solcher Texte       zu f&#246;rdern“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/07/im-gehege-des-deutschunterrichts-oder-der-zoo-und-die-wildnis/#footnote_0_2095" id="identifier_0_2095" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Lensch, Martin (2000):         Spielen, was (nicht) im Buche steht. Die Bedeutung der Leerstelle f&amp;#252;r         das literarische Rollenspiel, M&amp;#252;nster: Waxmann 2000, S.11">1</a></sup> im didaktischen Vordergrund des Deutschunterrichtes stehen m&#252;sse, zwar im Zentrum literaturdidaktischer Seminare, seltener aber im Zentrum des literarischen Zoos des Deutschunterrichtes.</p>

<p>Dies gilt insbesondere, wenn das Unplanbare der pers&#246;nlichen Erfahrung der Leser in der Begegnung mit einem Text ernst genommen wird, da der Unterricht dann nur noch in Grenzen planbar ist, sobald die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen erst einmal wieder gelernt haben, dass diese pers&#246;nlichen Eindr&#252;cke, Emotionen und auch Langeweilen, relevant f&#252;r ihre Begegnung mit einem literarischen Kunstwerk sind.</p>

<p>L&#228;ngst aber hat sich das „Wilde“ in der Begegnung mit Literatur andere Orte als die Schule gesucht, in der selbst B&#252;chners „Woyzeck“ zu einem harmlosen Schmusek&#228;tzchen wird, die Leidenschaft, die in Dramen wie „Don Carlos“ w&#252;tet, auf den Tisch des nach Stilmitteln suchenden Pathologen gelegt wird, das Sozialkritische eines Brechts in der Langeweile von Zeitgeschichte ers&#228;uft.</p>

<p>Das „Wilde“ findet au&#223;erhalb der Schule statt: In der gierigen Lekt&#252;re von „Harry Potter“ hat es sich gezeigt; in der Verwechslung von Dichtung und Wahrheit, die manche Leser dazu brachte, Dan Browns (schlecht geschriebenes) Buch „Sakrileg. Der Da Vinci Code“ als ein von seinen Aussagen her vielleicht richtiges Werk zu betrachten; im Zittern beim Lesen von Thrillern, bei denen die meisten Erwachsenen die Frage stellen, ob die Jugendlichen denn schon in dem Alter sind, so etwas zu verkraften; in der Liebesschnulze, dem Fantasyroman etc., die in der S-Bahn aus der Tristesse des Zuges entf&#252;hren und Phantasien ebenso wie Gr&#246;&#223;enphantasien befriedigen.</p>

<p>Zugegeben: Die Literaturauswahl in den Schulen ist meist tats&#228;chlich so, dass literarische hochwertige Werke gelesen werden. Aber wo bleibt das Entsetzen, wenn Faust Gretchen in den Tod treibt, wo der Aufschrei, wenn ein Hauptmann oder ein Doktor mit Woyzeck ihr „Spiel“ treiben, wo das Sehnsuchtslechzen, wenn die Romantiker der Wirklichkeit mehr als nur die K&#228;lte der radikal entmystifizierenden rationalen Zugangsweise abtrotzen wollen? – F&#252;r solche emotionalen Regungen scheint in der Schule kein Platz zu sein, so wenig, wie im Zoo in der Regel Platz f&#252;r die „Angst“ ist, wenn man einem wilden Tier nur durch einen Zaun oder eine Glasscheibe getrennt gegen&#252;ber steht.</p>

<p>Und das gilt auch (und besonders) f&#252;r Kurzgeschichten, in denen so oft massive existentielle Fragen im Zentrum stehen und hoch konzentriert auf Leser und Leserinnen treffen wollen. Was hier an Destillat der Wirklichkeit hochprozentig eingeschenkt wird, macht dennoch selten besoffen, weil schnell das konservierende und die Kost ungenie&#223;bar machende Formalin der analytischen Konservierung &#252;ber die Texte gesch&#252;ttet wird, bis selbst die Begegnung mit den Texten und deren eigentlich oft existentiellen Herausforderungen und Reflexionspotentiale in Formalia erstickt ist.</p>

<p>Kurzgeschichten und Gedichte sind aber zuerst Kunstwerke! Sie sind keine harmlosen Tierchen, die man zu Demonstrationszwecken halten kann, ohne dass sie ihren Reiz und ihre Faszination verlieren.</p>

<p>Kurzgeschichten und Gedichte sind nicht zuerst &#220;bungen, an denen Autoren und Autorinnen ihre formalen F&#228;higkeiten erproben wollten, sondern, oft hochgradig existentielle Auseinandersetzungen der Autoren und Autorinnen mit einer Wirklichkeit, der sie ausgesetzt sind.</p>

<p>Die so oft im Unterricht benutzten Kurzgeschichten der sp&#228;ten 40er und der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts sind keine Darstellung der Nachkriegszeit, sondern existentielle Auseinandersetzungen mit den Schrecken dieser Zeit. Paul Celan schrieb keine Gedichte, die zuerst der Analyse dienen sollten. „Todesfuge“ ist eine existentielle Auseinandersetzung mit dem Schrecken, der Celan sp&#228;ter in den Selbstmord trieb. Und &#228;hnliches gilt f&#252;r so ziemlich alles, was im Deutschunterricht gelesen wird (werden soll): B&#252;chners verzweifelter Aufschrei gegen&#252;ber der Ungerechtigkeit zu Zeiten der fr&#252;hen Industrialisierung im „Woyzeck“, Schillers massive Abarbeitung an einer Biographie zwischen unaufgekl&#228;rten F&#252;rsten und Freiheitsdrang, die radikale Erfahrung der Zerst&#252;ckelung des Menschen im Kontext der Massenmenschenhaltung in von der Industrialisierung lebensfeindlich gewordenen St&#228;dten usw.</p>

<p>Schullekt&#252;ren waren einmal „wilde“ B&#252;cher. Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ rief zur Zeit des Erscheinens Massenph&#228;nome zwischen Kleidungsstil und Selbstmord hervor; Heinrich Mann galt als „gef&#228;hrlicher“ Schriftsteller, weil er nicht nur schrieb, sondern auch noch Kommunist war; Kafka durchlebte in der k&#252;nstlerischen Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Zeit die Verzweiflung an sich selbst und seiner Zeit. – Wo ist davon noch etwas im &#252;blichen Deutschunterricht zu sp&#252;ren, der Kompetenzen in den Vordergrund stellt, die letztlich eben doch nichts anderes sind als Anleitungen zum Gebrauch von Werkzeugen zur Zerlegung von Texten und eben nicht die Hinf&#252;hrung zu der F&#228;higkeit sind, sich einem Text existentiell auszusetzen?</p>

<blockquote>„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“,</blockquote>

<p>richtig. Das gilt auch f&#252;r Gedichte. Aber die Beliebtheit hat nichts damit zu tun, dass hier Hochprozentiges genossen wird und existentiell „besoffen“ macht, sondern darin, dass es nun einmal leichter ist, eine Maus zu fangen und mit dem Skalpell in relativ kurzer Zeit zu zerlegen als es dies bei einer Wildkatze, einer Giftschlange oder einem Elefanten der Fall ist. Etwas Kleines bzw. klein Gemachtes kann leichter im Gehege gehalten werden als etwas Gro&#223;es uns Wildes.</p>

<p>Das Resultat ist verheerend: Die Kunstformen, die die gr&#246;&#223;ten Herausforderungen an ihre Verfasser in Hinsicht auf (Ver)Dichtung stellen, werden so Kunstformen, die im au&#223;erschulischen Leben so wenig anzutreffen sind, wie W&#246;lfe in deutschen W&#228;ldern. Wildkatzen werden zu Hauskatzen konditioniert; der revolution&#228;re Schrei nach Gerechtigkeit wird zum historischen Quellchen herab gew&#252;rdigt.</p>

<p>Nein, ich geh&#246;re nicht zu denen, die meinen, dass Literatur die Welt ver&#228;ndern k&#246;nnte. Aber ich geh&#246;re zu denen, die Prousts Diktum am eigenen Leib erfahren haben, dass der Leser, wenn er wirklich liest, immer ein Leser seiner selbst sei.</p>

<p>Kompetenter Umgang mit Literatur? Ja, dazu geh&#246;ren auch alle Fragen nach den Techniken, die Literatur wirksam machen, nach Stilmitteln, die die Wirkung von Literatur begr&#252;nden – und auch nach den oft als existentiell empfunden „Kompetenzen“, die es erm&#246;glichen, Pr&#252;fungen zu bestehen.</p>

<p>Doch die wichtigste, handlungsorientierende Kompetenz im Umgang mit Literatur ist die Kompetenz, sich literarischen Texten &#252;berhaupt mit Haut und Haaren auszusetzen zu k&#246;nnen, um so etwas &#252;ber sich selbst und die Welt zu erfahren.</p>

<p>Es ist immer das „Ich“, das liest, das einen Text erlebt oder in ihm die eigene Gelangweiltheit erf&#228;hrt. Doch dieses lesende „Ich“ muss ermutigt werden, seine eigene Auseinandersetzung mit einem literarischen Werk auch zuzulassen, sie als wertvoll f&#252;r das Leben des Textes, f&#252;r dessen Rezeptionsgeschichte zu erfahren, findet das lebendige, wilde und eben nicht immer vom Lehrer oder von der Lehrerin voraussehbare Leben eines Textes doch genau in dieser Begegnung eines Lesers oder einer Leserin mit einem Text statt, in einem letztlich unverf&#252;gbaren Aufeinandertreffen. Die Aufgabe des Deutschunterrichtes ist es dann, diese Begegnung kommunizierbar zu machen, die Kompetenz zu vermitteln, anderen, die diese individuelle Begegnung m&#246;glicherweise ganz anders erleben, von diesen Erfahrungen nachvollziebar berichten zu k&#246;nnen. Hier, und erst hier, kommen all die Kompetenzen ins Spiel, die Deutschunterricht nat&#252;rlich auch vermitteln muss: Die F&#228;higkeiten, die notwendig sind, um Dritte an den eigenen Erfahrungen mit einem Text Anteil zu geben, also auch die Begr&#252;ndung und &#220;berpr&#252;fung des subjektiven Leseerlebnisses gegen&#252;ber anderen – nicht, um diese von der eigenen Wahrnehmung als die „einzig richtige“ zu &#252;berzeugen, sondern um die Differenz im Umgang mit Texten als eine solche zu erleben, die den eigenen Blick bereichert und m&#246;glicherweise sogar ver&#228;ndert oder auch als sehr pers&#246;nlichen relativiert.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Schm&#246;ker-Schnipsel: Vom Auswendiglernen</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 21:42:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Irgendwo in Frankfurt h&#228;ngen sie noch, jene Aufkleber, die zum letzten „Bildungsstreik“ in Frankfurt aufriefen. Dort steht: „Heute schon auswendig gelernt?“ Damit soll nat&#252;rlich gesagt werden, dass Bildung, die in Auswendiglernen bestehe, keine gute Bildung sein k&#246;nne. Und entsprechend m&#252;ssten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/01/schmoeker-schnipsel-vom-auswendiglernen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwo in Frankfurt h&#228;ngen sie noch, jene Aufkleber, die zum letzten „Bildungsstreik“ in Frankfurt aufriefen. Dort steht: „Heute schon auswendig gelernt?“ Damit soll nat&#252;rlich gesagt werden, dass Bildung, die in Auswendiglernen bestehe, keine gute Bildung sein k&#246;nne. Und entsprechend m&#252;ssten wir die gebildetsten Jugendlichen seit Menschengedenken auf ihren Lebensweg lassen.</p>

<p>Und dann kommt Daniel Pennac und schreibt in „<a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/937916/" target="_blank">Schulkummer</a>“</p>

<blockquote>„Beim Auswendiglernen ersetze ich nichts, sondern f&#252;ge allem etwas hinzu.“</blockquote>

<p>Pennac singt ein Loblied des (richtigen) Auswendiglernens von Texten – und eben nicht nur oder vor allem Gedichten! Da stehen kurze Sentenzen von Woody Allen ebenso auf dem Programm, wie philosophische Texte. Jede Woche lernen seine Sch&#252;ler einen Text – und alle m&#252;ssen sie an jedem Tag vortragen k&#246;nnen. Und der Vortrag wird nat&#252;rlich benotet.</p>

<p>Ich geh&#246;re schon zu einer der Generationen, die im Deutschunterricht auf Kurzzeitged&#228;chtnis getrimmt wurden: Wir lernten in der Grundschule das letzte Gedicht auswendig. Dass wir so etwas im Gymnasium gemacht h&#228;tten, kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Und im Studium verlangte das sowieso keiner.</p>

<p>Wenn ich es wie Pennac machen w&#252;rde – was k&#228;me dabei heraus? Am Anfang vielleicht Protest. Anschlie&#223;end gelangweilte Ergebenheit. Es k&#228;me erst einmal nichts dabei heraus, das nicht ein extrem hohes Durchhalteverm&#246;gen erfordete.</p>

<p>Wann haben Sch&#252;ler denn auch Zeit zum Lernen? Nach mittlerweile bis 18 Uhr reichende Schultage in Deutschland – und das schlie&#223;t nicht aus, dass man dennoch schon zur ersten Stunde anwesend sein musste, um dann durch den Unterricht und vor allem die Freistunden zu kommen. Vielleicht bleibt noch Zeit f&#252;r einen Verein, ein Instrument – aber Hausaufgaben… Ich kann gut nachvollziehen, dass daf&#252;r oft keine Zeit bleibt oder aber die Zeit, in der sie gemacht werden, verlorene Zeit ist, da von der verf&#252;gbaren Konzentration da oft nichts mehr &#252;brig bleibt. Und dann auch noch was auswendig lernen?</p>

<p>Pennac beschreibt solche Reaktionen selbst. Er beschreibt aber auch, wie viel ist davon gesch&#246;nt oder ist er wirklich so motivierend?, dass sich die Haltung der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zum Auswendiglernen im Laufe der Zeit ver&#228;nderte und sie sogar mit den gelernten Texten spielten, die ihnen wohl in Fleisch und Blut &#252;bergangen sein m&#252;ssen.</p>

<p>Jede Woche einen Text auswendig lernen? Das klingt extrem mechanisch.</p>

<p>Warum aber bedauere ich es dann, dass ich nicht selbst in einer solchen Kultur aufgewachsen bin, in der ich lernte, mir Sprache inwendig zu machen, Gedanken anderer so mir selbst zu eigen zu machen, dass ich sie nicht nur als schemenhafte Erinnerung, sondern w&#246;rtlich zur Verf&#252;gung habe?</p>

<p>Zugegeben: An Gedichten habe ich mich immer wieder probiert. Aber an „normalen“ Texten? Gedichte liegen ein paar in meinem Gehirn, doch selbst das Studium hat mich nicht mit den Texten und ihrer Sprache als solchen in Ber&#252;hrung gebracht, sondern immer nur mit dem Erfassen der Gedanken, die sprachlich &#252;bermittelt werden. Und selbst ein Professor, der hunderte Texte auswendig konnte, hat dies von uns nie eingefordert, sondern sprach immer nur &#252;ber die Texte. Welche Sch&#246;nheiten der Sprache wurden so von uns zerpfl&#252;ckt!</p>

<p>Nun: Eine Voraussetzung m&#252;ssen Texte allerdings haben, die auswendig gelernt werden sollen: Es geht nicht um das Auswendiglernen als solches, es m&#252;ssen relvante Texte sein. Ein relevanter Text(ausschnitt) pro Woche, mehr muss es gar nicht sein. Keine sinnlosen Gedichte, keine zweitrangigen Texte oder solche, die didaktisch aufbereitet pr&#228;sentiert werden. Einfach nur Texte, die vom Papier in das Gehirn bef&#246;rdert werden und k&#246;rperlich als Wissen verf&#252;gbar werden. – Mehr muss es gar nicht sein. Aber weniger war es viel zu lang.</p>

<p>Ich schaue bei solchen &#220;berlegungen gerne auf Sportler. Es ist doch &#252;berraschend, wie viel auch Jugendliche im Sportbereich zu tun bereit sind. St&#228;ndig werden gleiche Bewegungsabl&#228;ufe trainiert, st&#228;ndig bringen sie sich an die Grenze ihrer Leistungsf&#228;higkeit, st&#228;ndig sind sie im Wettbewerb. Doch viele von ihnen sind nicht bereit, st&#228;ndig die gleichen S&#228;tze zu trainieren, st&#228;ndig vor neuen sprachlichen Herausforderungen zu stehen und dabei auch st&#228;ndig im Wettbewerb zu stehen.</p>

<p>Und so lautet mein Schm&#246;ker-Schnipsel heute dann auch:</p>

<blockquote>„Beim Auswendiglernen ersetze ich nichts, sondern f&#252;ge allem etwas hinzu.“</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>„Schadstoff f&#252;r die Seele“ – Des ZDFs „Die Vorleser“ kritisch betrachtet</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Jul 2009 11:37:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es mag der Aufgeregtheit geschuldet sein, dass Amelie Fried das erste in der neuen ZDF-Sendung „Die Vorleser“ vorgestellte Buch nicht in die Hand nimmt. Statt dessen beginnt sie mit einer auswendig gelernt wirkenden Inhaltsangabe. Und dann: „Ich finde, dass diese &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/07/12/schadstoff-fuer-die-seele-des-zdfs-die-vorleser-kritisch-betrachtet/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es mag der Aufgeregtheit geschuldet sein, dass <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amelie_Fried" target="_blank">Amelie Fried</a> das erste in der neuen <a href="http://zdf.de" target="_blank">ZDF</a>-Sendung „<a href="http://vorleser.zdf.de" target="_blank">Die Vorleser</a>“ vorgestellte Buch nicht in die Hand nimmt. Statt dessen beginnt sie mit einer auswendig gelernt wirkenden Inhaltsangabe. Und dann:</p>

<blockquote>„Ich finde, dass diese Autorin ganz toll geschrieben hat, wie eine Kindheit endet. Das hat mir gut gefallen.“</blockquote>

<p>In „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Literarische_Quartett" target="_blank">Das literarische Quartett</a>“ stritten sich leidenschaftliche Literaturkritiker. In „<a href="http://www.lesen.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,2042868,00.html" target="_blank">Lesen!</a>“ lobte eine leidenschaftliche Literatin B&#252;cher und k&#228;mpfte in einer Zeit, in der er es um die Lesekultur nicht mehr allzu toll zu stehen scheint, um die Vermittlung der Lust am Lesen.</p>

<p><a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,583614,00.html" target="_blank">Reich-Ranicki lehnte den Deutschen Fernsehpreis ab</a>. Elke Heidenreich wurde <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/zdf-wirft-moderatorin-raus/" target="_blank">vom ZDF gefeuert</a>. Und jetzt wird ein sich andeutender Streit &#252;ber Per Olov Enquists literarische „Autobiographie“ (Ein anderes Leben) in Harmonieges&#252;lze zwischen Amelie Fried und Ijoma Mangold ausgepl&#228;tschert. O-Ton Fried:</p>

<blockquote>„Es ist sicher ein lesenwertes Buch. Man muss ja nicht alles toll finden.”</blockquote>

<p>Anschlie&#223;end kommt<span id="more-1871"></span> doch noch die kollektive Empfehlung, dass dieses Buch ein toller Einstieg f&#252;r all diejenigen sei, die noch nichts von Enquist kennen w&#252;rden.</p>

<p>Es folgt ein buntes Familienbildchen, das zur Untermalung des Gejammers &#252;ber die Krise der Literatur in der (deutschen! – ja, das wird ausdr&#252;cklich betont) Familie nat&#252;rlich ideal geeignet ist, vor allem, weil diese zu illustrativen Zwecken aufgestellte Familie mit zwei Eltern und drei Kindern alles andere als der bundesdeutsche Durchschnitt ist. Nein, hier wurden Bilder nur als Hintergrundillustration eines mit literarischen Zitaten reich geschm&#252;ckten, aber nicht zum Punkt kommenden Kurzbeitrages in der Manier privater Rundfunkanstalten geboten. Da halfen die Bez&#252;ge zu Fontane oder gar Schophenhauer (Die Welt als Wille und Vorstellung) kein St&#252;ck weiter.</p>

<p>Nach diesem kurzen Film,  mittlerweile &#252;berraschen die Textbausteine der Banalit&#228;t endg&#252;ltig nicht mehr, bekommt das Fernsehen schauende und die Zeit nicht mit Lesen sinnvoll f&#252;llendere Publikum einen Satz von kaum zu unterbietender inhaltlicher Qualit&#228;t zu h&#246;ren:</p>

<blockquote>„Ja, das stimmt uns nat&#252;rlich auch nachdenklich. Um so besser, dass wir Ihnen jetzt zwei B&#252;cher vorstellen k&#246;nnen, die – &#228;hm – wirklich klasse Lesestoff fast f&#252;r die ganze Familie sind. Also nehmen wir mal die Kinder, die ganz jungen Jugendlichen, aus.“</blockquote>

<p>Das ewige „Man“ Amelie Frieds kann ich nach f&#252;nfzehn Minuten <span style="text-decoration: line-through;">fast schon</span> nicht mehr ertragen. Da f&#252;hlt „man sich betroffen“, obwohl „man“ doch eigentlich „Ich“ h&#228;tte sagen m&#252;ssen.</p>

<p>Doch immerhin, genau zu diesem Zeitpunkt, etwa in der Mitte der Sendung, fasst Amelie Fried die Erstausgabe von „Die Vorleser“ schon einmal ganz toll zusammen, auch wenn sie sich dabei auf ein von ihr vorgestelltes Buch bezieht: „Fernsehen ist Schadstoff f&#252;r die Seele“. „Ja“ will ich da rufen, richtig, das stimmt, zumindest f&#252;r diese Art des Fernsehens, das es gar nicht br&#228;uchte, da man diese Sendung auch als Radiosendung h&#228;tte senden k&#246;nnen, so wenig, wie die &#228;sthetischen M&#246;glichkeiten des Fernsehens ausgenutzt wurden.</p>

<p>Das einzig Wohltuende an dieser Sendung ist, dass Ijoma Mangold, seit kurzem stellvertretender Feuilletonchef der Hamburger Wochenzeitung <a title="Die Zeit" href="http://zeit.de" target="_blank">Die Zeit</a>,  Fried auch einmal widerspricht und zumindest in Ans&#228;tzen Leidenschaft zeigt, so sehr dies in einer knappen halbe Stunde m&#246;glich ist.</p>

<p>Argumentativ reicht Fried an Mangold in diesen Situationen der M&#246;glichkeit des Streites &#252;ber Qualit&#228;tskriterien, an denen Literatur gemessen werden kann, nicht heran. Der Streit wird dann auch nicht ausgetragen, sondern im Nichts der Begr&#252;&#223;ung Walter Sittlers erstickt, der vor allem f&#252;r sich selbst werbend auftrat.</p>

<p>Der Titel des von Sittler mitgebrachten K&#228;stner-Buches (Als ich ein kleiner Junge war) wird &#252;brigens im Gespr&#228;ch kein einziges Mal genannt, sondern nur einmal kurz eingeblendet, w&#228;hrend Sittler gerade &#252;ber das Schulsystem jammert.</p>

<p>Aber geht es da &#252;berhaupt um das Buch? O-Ton Sittler (Man beachte die grauenhafte Satzkonstruktion mit auf „weil“ folgendem Hauptsatz, die in der Sendung mehr als einmal vorkam!):</p>

<blockquote>„Und warum ich es mitgebracht habe ist, weil (kurzes nachdenkliches Schweigen) ich habe jetzt &#252;ber hundertvierzig Vorstellungen mit diesem St&#252;ck gehabt.“</blockquote>

<p>– Eigenwerbung oder literarische Begeisterung? Wahrscheinlich kann ein St&#252;ck nicht hundertvierzig Mal aufgef&#252;hrt werden, wenn das vorgestellte Buch nicht als spannend erlebt w&#252;rde.</p>

<p>Es ist &#252;brigens, anders als ich am Anfang angenommen habe, doch nicht dem Lampenfieber geschuldet, dass das erste in der Sendung vorgestellte Buch weder von Fried noch von Mangold in die Hand genommen wurde. Die auf dem Tisch vor den Sofas liegenden B&#252;cher bleiben w&#228;hrend der gesamten pure Dekoration! Erst in den letzten Minuten, in der Kategorie „Drei B&#252;cher in drei Minuten“ nimmt Mangold dann doch noch ein paar B&#252;cher in die Hand.  Hier erinnert er mich an Denis Scheck in „<a href="http://www.daserste.de/druckfrisch/" target="_blank">Druckfrisch</a>“ – und das ist dann schon ein Kompliment aus meiner Tastatur.</p>

<p>Als Zusammenfassung ziehe ich die Dekoration des Studios heran: Diese besteht aus bunten, buch&#228;hnlichen, v&#246;llig leeren Pappschachteln, abgesehen von den Teilen des Regals, an dem Mangold „drei B&#252;cher in drei Minuten“ vorstellt. Zu viele B&#252;cher, zu wenig Zeit und am Ende habe ich keinerlei Ahnung, was denn nun an den vorgestellten B&#252;chern lesenswert sein soll (obwohl sie es teilweise bestimmt sind!).<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<pubDate>Tue, 27 Jan 2009 20:47:05 +0000</pubDate>
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		<title>Faust 1 – Die Gretchenfrage (Marthens Garten – Verse 3414–3543)</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Nov 2008 23:22:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Goethes »Faust – Der Trag&#246;die erster Teil« kann als eine Auseinandersetzung mit dem Ungen&#252;gen des &#252;berlieferten und anerkannten Wissens gelesen werden, eine Auseinandersetzung, die in der sogenannten »Gretchenfrage« auf den Punkt gebracht wird: »Nun sag, wie hast du&#8217;s mit der &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/11/10/faust-1-die-gretchenfrage-marthens-garten-v-34143543/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Goethes »Faust – Der Trag&#246;die erster Teil« kann als eine Auseinandersetzung mit dem Ungen&#252;gen des &#252;berlieferten und anerkannten Wissens gelesen werden, eine Auseinandersetzung, die in der sogenannten »Gretchenfrage« auf den Punkt gebracht wird:</p>

<blockquote>»Nun sag, wie hast du&#8217;s mit der Religion?« (V 3415)</blockquote>

<p>Religion steht hier f&#252;r all das, was Gretchen in ihrem Leben als Ma&#223;stab des Handelns ansieht, als Orientierung in ethischen Fragen und im ganz allt&#228;glichen Leben.</p>

<p>Es geht in der Gretchenfrage also um das Selbstverst&#228;ndnis Fausts als Menschen. Es ist keine »<a href="http://lexikon.meyers.de/wissen/Gretchenfrage" target="_blank">Gewissensfrage</a>« im traditionellen Sinn, sondern die Frage nach der Norm, nach der ein Mensch sein Leben ausrichtet.<span id="more-591"></span></p>

<p>F&#252;r Gretchen ist die Antwort auf diese Frage klar: Der kirchlich gepr&#228;gte Glaube an Gott bildet die Norm, nach der ein Mensch zu leben habe.</p>

<p>Faust hingegen zeigt sich dieser institutionalisierten Religiosit&#228;t gegen&#252;ber skeptisch:</p>

<blockquote>»Ich habe keinen Namen / Daf&#252;r!« (V 3455f)</blockquote>

<p>Fausts Skepsis richtet sich gegen ein allzu klares Wissen dessen, was er selbst als etwas erfahren hat, das sein Wissen &#252;bersteigt. Er will wissen, was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt, will sich nicht mit den vorgefertigten Antworten der Wissenschaft und der Religion begn&#252;gen. Wenn es um Religion und Gott geht, dann ist alles Wissen »Umnebelnd Himmelsglut« (V 4358).</p>

<p>Doch Faust will wissen. Deshalb hat er sich mit Mephistopheles eingelassen, auch wenn er zunehmend erkennt, dass dieser ihn auf Bahnen f&#252;hrt, die v&#246;llig au&#223;erhalb der gesellschaftlichen Norm f&#252;hren. Margarete erkennt dies intuitiv. (V 3471–3493)</p>

<p>Die <a href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;q=gretchenfrage&amp;btnG=Suche&amp;meta=cr%3DcountryDE" target="_blank">sprichw&#246;rtlich gewordene »Gretchenfrage«</a> ist also eine Frage nach den Kriterien, an denen Faust sein Leben ausrichtet, nach den ethischen Normen, denen er folgt und letztlich eine Frage, nach der Akzeptanz gesellschaftlicher Regeln durch Faust.</p>

<p>Faust h&#228;lt diese Regeln f&#252;r unangemessen. Und doch sind es genau diese Regeln, die Gretchen zuletzt den Tod bringen werden und Faust schuldig werden lassen. Faust wird von Mephistopheles auf Bahnen gef&#252;hrt, die au&#223;erhalb aller gesellschaftlicher Normen liegen. Doch damit werden gleichzeitig diese Normen in Frage gestellt.</p>

<p>M&#246;glicherweise spiegelt sich in diesem Konflikt wider, was die Zeit ausmachte, in der Goethe am Faust arbeitete: Der <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/stdrang.htm" target="_blank">Sturm und Drang</a> gab dem subjektiven Gef&#252;hl Bedeutung (»Gef&#252;hl ist alles« – V 3456), die <a href="http://www.zum.de/Faecher/G/BW/neuzeit/frzrev/fr1.htm" target="_blank">franz&#246;sische Revolution </a>und die <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/aufklaer.htm" target="_blank">Aufkl&#228;rung</a> stellten die normative Bedeutung der Religion in Frage, die <a href="http://kriegundfrieden.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,2026097,00.html?dr=1" target="_blank">Restauration</a> versuchte, »neue Werte« zu schaffen und dem ins Wanken geratene gesellschaftlichem System wieder Halt zu geben.</p>

<p>Faust spiegelt vor diesem Hintergrund auch die Zerissenheit der Intellektuellen der Zeit wider. Die Gretchenfrage w&#228;re vor dem Hintergrund eines solchen Verst&#228;ndnisses dann auch eine Frage an die Zeit, in der Goethe lebte.</p>

<p>Sprichw&#246;rtlich aber wurde die Frage, weil sie sich an jede Generation neu wendet. Die Gretchenfrage fordert dazu heraus, sich selbst Rechenschaft abzugeben, nach welchen Kritierien das eigene Leben gestaltet wird: Auf welcher Basis steht die Moral, welche Ma&#223;st&#228;be gelten f&#252;r das eigene Handeln und wie gehen wir mit der Erfahrung um, dass es Fragen gibt, die die F&#228;higkeiten empirischer Wissenschaften &#252;bersteigen?<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Ein Panther im botanischen Garten – Rilkes »Der Panther«</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 21:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris Der Panther Im Jardin des Plantes, Paris &#60; p style=&#8221;text-align: center;&#8221;> &#60; p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Sein Blick ist vom Vor&#252;bergehn der St&#228;be so m&#252;d geworden, dass er nichts mehr h&#228;lt. Ihm ist, als ob es tausend &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4 style="text-align: center;"><a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Rilke/Biographie/Seite1" target="_blank">Rainer Maria Rilke</a>, 6.11.1902, Paris</h4>

<h3 style="text-align: center;">Der Panther</h3>

<h4 style="text-align: center;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jardin_des_Plantes" target="_blank">Im Jardin des Plantes</a>, Paris</h4>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/V2UMGVTcX3Q&amp;hl=de&amp;fs=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/V2UMGVTcX3Q&amp;hl=de&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Sein Blick ist vom Vor&#252;bergehn der St&#228;be
so m&#252;d geworden, dass er nichts mehr h&#228;lt.
Ihm ist, als ob es tausend St&#228;be g&#228;be
und hinter tausend St&#228;ben keine Welt.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der bet&#228;ubt ein gro&#223;er Wille steht.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und h&#246;rt im Herzen auf zu sein.</p>

<p style="text-align: left;">Ein <a href="http://www.big-cats.de/panther.htm" target="_blank">Panther</a> ist ein Leopard<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/#footnote_0_578" id="identifier_0_578" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&raquo;Panther&laquo; bezeichnet aber auch einfach nur eine Gattung von Gro&amp;#223;katzen (Pantherinae) ">1</a></sup>, eine Wildkatze, die in einer Gro&#223;stadt wie Paris nichts verloren hat. Bereits die von <a href="http://www.radiobremen.de/online/rilke/" target="_blank">Rilke</a> dem Titel beigef&#252;gte Ortsbezeichnung weist auf einen Un-Ort hin, einen Ort, der keine Heimat f&#252;r ein solch majestisches Tier ist.<span id="more-578"></span></p>

<p style="text-align: left;">Um an diesem Un-Ort den Panther dennoch halten zu k&#246;nnen, werden die Menschen vor der Kraft und dem nat&#252;rlichen Verhalten der Raubkatze gesch&#252;tzt, indem das Tier, in einen K&#228;fig gesperrt, die v&#246;llig unnat&#252;rliche N&#228;he von Menschen ertragen muss. Hier, das macht bereits der erste Vers klar, gibt es keine artgerechte Haltung (und f&#252;r den Panther keine Chance auf ein Entkommen); hier gibt es einen kleinen K&#228;fig, dessen St&#228;be ein Eigenleben entwickeln (»Vor&#252;bergang der St&#228;be«), wenn das Tier seinem Bewegungsdrang auf kleinstem Raum nachkommt.</p>

<p style="text-align: left;">Es muss also ein »kleines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gedicht" target="_blank">Gedicht</a>« werden, soll es auch den Raum abbilden, in dem es angesiedelt ist: Drei <a href="http://www.uni-duisburg-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/strophe.htm" target="_blank">Strophen</a> mit je vier Versen bilden diesen engen Raum ab; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verslehre" target="_blank">alternierende</a>, f&#252;nfhebige (vom letzten Vers abgesehen), <a href="http://www.textlog.de/2734.html" target="_blank">jambische</a> <a href="http://www.uni-duisburg-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/vers.htm" target="_blank">Verse</a> bilden die regelm&#228;&#223;igen Schritte des Panthers ab. Der letzte Vers »h&#246;rt auf zu sein«, hat nur vier Hebungen, die eigentlich erwartbare f&#252;nfte Hebung verklingt im Schweigen, im Nichts, im Aufh&#246;ren des Seins.</p>

<p style="text-align: left;">Ein au&#223;en stehender Beobachter beschreibt seine Eindr&#252;cke von diesem Tier, beschreibt das »Ding« vor sich. So &#252;berraschend es sich angesichts eines lebendigen Wesens als Gegenstand des Gedichtes auch anh&#246;ren mag: Rilkes »Der Panther« geh&#246;rt zu den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dinggedicht" target="_blank">Ding-Gedichten</a>: Aus der erkennbare Distanz des Beobachters in dem Gedicht, wird der Panther doch so beschrieben, als k&#246;nne sich dieser Beobachter in die Gef&#252;hle des Panthers hinein versetzen (vor allem in der ersten Strophe). Doch bereits in der zweiten Strophe ver&#228;ndert sich die Perspektive, es werden Vergleiche herangezogen. Der Beobachter wird von dem »Ding« zu Assoziationen angeregt. Zun&#228;chst beschreibt er noch (Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, / der sich im allerkleinsten Kreise dreht), verbindet diese Beschreibung dann aber mit einem Vergleich (ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, / in der bet&#228;ubt ein gro&#223;er Wille steht).</p>

<p style="text-align: left;">Bereits hier deutet sich an, dass es in dem Gedicht nur &#228;u&#223;erlich betrachtet um die Beschreibung eines Panthers in einem botanischen Garten geht. Dem entsprechend nutzt der Dichter zu Beginn der dritten Strophe eine Metapher, um die Augenlider des Tiers zu beschreiben (Vorhang der Pupille), ohne das Tier, das mittlerweile endg&#252;ltig als passiv seinem Schicksal ergeben erscheint, v&#246;llig aus dem Blick zu verlieren.</p>

<p style="text-align: left;">Dieses Tier ist nicht Herr der Lage, es ist seiner Situation ausgeliefert, kann nichts dagegen tun. Nicht der Panther ist hier aktiv: Seine Augen dienen nicht mehr der Orientierung in der Weite des Reviers, sind eigentlich &#252;berfl&#252;ssig, da er best&#228;ndig den gleichen kleinen Kreis gehen muss, und dienen auch nicht dem Ersp&#228;hen von Nahrung. Der Panther hat seinen nat&#252;rlichen Lebens»sinn« verloren. Nun ist das »Bild« aktiv, das in die Pupille hinein geht (Vers 10) und dem Panther nichts mehr zu sagen, f&#252;r den Panther keine Funktion mehr hat – und so letztlich aufh&#246;rt zu sein.</p>

<p style="text-align: left;">Der gefangene, eingesperrte, seiner ureigensten Lebensform beraubte Panther, wird f&#252;r den Betrachter zu einem Gegenstand der Reflexion. Er stellt gefangene Kr&#228;fte und Energie dar, er wird zum Symbol »f&#252;r Kr&#228;fte und F&#228;higkeiten, die durch &#228;u&#223;ere Umst&#228;nde (den K&#228;fig) und das eigene Leben (das Leben im K&#228;fig) nutzlos geworden sind«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/#footnote_1_578" id="identifier_1_578" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Siehe http://www.rilke-gedichte.de/rilke_symbolismus.htm">2</a></sup>.</p>

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		<title>Wenn wilde G&#246;tter zahm sind und Kinder unterfordert werden</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Nov 2008 20:30:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abenteuer, Amazonas-Dschungel, eine Verschw&#246;rung und Kulturkritik: Isabel Allendes Roman »Die Stadt der wilden G&#246;tter« enth&#228;lt so ziemlich alles, was eine spannende Handlung und einen guten Roman ausmachen kann. Doch beim Lesen tauchen Zweifel auf, ob die chilenische Autorin hier tats&#228;chlich &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/11/03/wenn-wilde-goetter-zahm-sind-und-kinder-unterfordert-werden/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Abenteuer, Amazonas-Dschungel, eine Verschw&#246;rung und Kulturkritik: <a href="http://www.isabelallende.com/" target="_blank">Isabel Allende</a>s Roman »<a href="http://buchjournal.buchhandel.de/sixcms/detail.php?id=49210" target="_blank">Die Stadt der wilden G&#246;tter</a>« enth&#228;lt so ziemlich alles, was eine spannende Handlung und einen guten Roman ausmachen kann. Doch beim Lesen tauchen Zweifel auf, ob die chilenische Autorin hier tats&#228;chlich einen gelungenen Roman vorlegt: <span id="more-560"></span></p>

<p>Ja, die Geschichte hat ein wenig Spannung in sich, ist nicht wirklich aufregend; ja, die Figuren des Romans haben das Potential, sie in richtig verwickelte Situationen geraten zu lassen, in denen sich ihre »Pers&#246;nlichkeiten« entfalten und vertiefen k&#246;nnen. Au&#223;erdem ist die Rahmenhandlung geeignet, die Entwicklung eines Jugendlichen zum Erwachsenen in einer Romanhandlung darzustellen, die die innere Reise zum erwachsenen Ich mit der &#228;u&#223;eren Reise an den Amazonas verbindet.</p>

<p>Der Roman hat Potential. Und dennoch bleiben am Ende Zweifel – nicht nur bei mir, sondern auch bei nahezu allen, mit denen ich &#252;ber den Roman sprach: Aus anf&#228;nglicher Neugier wurde bei nahezu allen schnell Ungeduld, es wird dar&#252;ber geklagt, dass manches in dem Roman zu ausf&#252;hrlich gerate, ohne dass der Sinn f&#252;r die Handlung wirklich nachvollzogen werden k&#246;nne.  Woran liegt es, dass beim Lesen des Romans zunehmend Zweifel dar&#252;ber auftauchen, ob dieses Buch gelungen ist?</p>

<p>Eine erste Ann&#228;herung an diese Frage scheint mir m&#246;glich, wenn ich die Figuren des Romans ein wenig n&#228;her in den Blick nehme und mir die Frage stelle, wie diese gestaltet sind, welchen Charakter ich als Leser bei ihnen feststellen kann.</p>

<p>Alex Cold ist f&#252;nfzehn Jahre alt. Weil seine Mutter schwer krank wird und der Vater sie in die weit entfernte Klink begleiten will, soll er f&#252;r einige Zeit bei seiner Gro&#223;mutter unterkommen. Die Reisejournalistin Kate Cold, die nicht Oma genannt werden will, ist nicht gerade das, was sich »normale Menschen« unter einer Oma vorstellen, was vor allem mit ihren sehr unkonventionellen Erziehungsmethoden  zu tun hat, die darauf bauen, dass ein Kind am besten lerne, wenn man es eigene Erfahrungen machen l&#228;sst. Diese Erfahrungen k&#246;nnen auch darin bestehen, dass Alex von ihr Schwimmen lernte, indem sie ihn als Vierj&#228;hrigen einfach ins Wasser stie&#223;.</p>

<p>Und nun soll Alex mit ihr in den Regenwald des Amazonas, wo Kate Cold sich auf die Suche nach einer »Bestie« macht, die dort Angst und Schrecken verbreitet. Alex ist w&#252;tend und traurig vor Sorge um seine Mutter (S. 9<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/03/wenn-wilde-goetter-zahm-sind-und-kinder-unterfordert-werden/#footnote_0_560" id="identifier_0_560" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Seitenangaben folgen der Ausgabe im Deutschen Taschenbuchverlag und unterscheiden sich sowohl von der Suhrkamp- als auch von der Hanser-Ausgabe">1</a></sup> ) und muss sich nun auch noch mit Kate und den Herausforderungen einer Expedition in den Regenwald herumschlagen.  Erstaunlicher Weise ver&#228;ndert der Regenwald und Alex’ Erfahrungen bei den Nebelmenschen, die ihn unter anderem einem Initiationsritus unterziehen, Alex kaum. Zumindest bekommt der Leser nicht wirklich erz&#228;hlt oder gar gezeigt, dass sich hier eine Reise ins Erwachsensein abspielt.</p>

<p>Das mag damit zu tun haben, dass Allende zwar viel erz&#228;hlt, aber bei allen Figuren wenig Tiefgang zu erzeugen vermag. Statt dessen strotzt das Buch nur so vor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Klischee" target="_blank">Klischees</a>.</p>

<p>Alex ist ein typischer Jugendlicher, der am Ende einer Reise in die Welt l&#228;ngst vergessener Urwald»g&#246;tter« behauptet, die Begegnung mit Nadja, einem im Regenwald lebenden M&#228;dchen mit kanadischen Wurzeln, sei Wichtigste an dieser Reise f&#252;r ihn gewesen. Und das, nachdem er das Wasser des Lebens f&#252;r seine Mutter im Gep&#228;ck hat, in lebensbedrohliche Situationen gekommen ist und ganz nebenbei, gemeinsam mit Nadja, einem Indianerstamm das &#220;berleben gerettet hat. Und wenn Nadja dann antwortet, dass sie einander mit dem Herzen sehen k&#246;nnten (S. 377), bin ich wirklich froh, dass das Buch zu Ende ist, denn das ist mir dann doch ein wenig zu sehr »Der Kleine Prinz«.</p>

<p>Doch neben diesen misslungenen Hauptfiguren, stehen auch keine besser gelungenen Nebenfiguren: Es gibt einen Anthropologen, der (nat&#252;rlich) vollkommen &#252;berdreht ist und kaum platter als »wirrer Professor« dargestellt werden k&#246;nnte; es gibt eine h&#252;bsche &#196;rztin, die sich als die B&#246;se entpuppt; die Wesen, die das Magische in dem Roman darstellen, wirken wie Abziehbilder aus M&#228;rchen und erinnern irgendwie an Tolkiens Ents im Herrn der Ringe; der auftretende Schamane ist geheimnisvoll, bekommt aber in dem Roman keine wirkliche Pers&#246;nlichkeit, ja, er wirkt ein wenig wie eine folkloristische Gestalt, die Touristen aufgezwungen wird; die Mitglieder des Stammes der Nebelmenschen bekommen die &#252;blichen Klischees &#252;ber indigene V&#246;lker verpasst und sind gar nicht so »wild«, wie sie auf den ersten Blick wirken. Und schlie&#223;lich gibt es da nat&#252;rlich auch noch den klassischen Kampf zwischen Gut und B&#246;se, verbunden mit einer ach so zarten Liebesgeschichte zwischen Alex und Nadja, die so erz&#228;hlt wird, dass es mir bis zum Ende nicht gelingt, diese Liebe nachf&#252;hlen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Doch was mir bei der Gestaltung der Figuren auff&#228;llt, scheint mir in engem Zusammenhang mit der Zielgruppe des Buches zu stehen. Auch wenn es in zwei Ausgaben (eine f&#252;r Jugendliche im Hanser-Verlag und eine f&#252;r Erwachsene im Suhrkamp-Verlag) erschienen ist: »Die Stadt der wilden G&#246;tter« ist als Kinder- und Jugendbuch konzipiert, f&#252;r Kinder und Jugendliche, die dieses Buch nicht wirklich ernst nimmt, die es untersch&#228;tzt und nicht &#252;berfordern will. Anders kann ich es mir nicht erkl&#228;ren, dass Jugendliche im Alter Alex Colds, mit denen ich das Buch gelesen habe, das Buch als langweilig beschreiben, &#252;ber L&#228;ngen in der Erz&#228;hlung klagen und den Abenteuerroman alles andere als spannend finden. Allende traut Kindern und Jugendlichen scheinbar nicht zu, dass sie komplexe Figuren und deren Gef&#252;hlsleben verstehen k&#246;nnen. Und so kann Allende in einem <a href="http://buchjournal.buchhandel.de/sixcms/detail.php?id=49210" target="_blank">Interview</a> sagen:</p>

<blockquote>»Das Schreiben [eines Romans f&#252;r Kinder und Jugendliche – TL] selbst ist anders. Es ist insgesamt direkter. Es gibt mehr Action, mehr Dialoge. Die Kapitel sind k&#252;rzer und &#252;berschaubarer. Zwangsl&#228;ufig. Der Leser ist ein anderer. Das bedeutet nicht, dass ich mir weniger M&#252;he geben w&#252;rde, sorgf&#228;ltig mit der Sprache umzugehen oder auch etwa mit der Konstruktion der Geschichte selbst. Dazu respektiere ich Jugendliche viel zu sehr.«</blockquote>

<p>Ja, der Roman ist »direkter« geschrieben: Es gibt kaum etwas zwischen den Zeilen zu lesen, Lesende bekommen alles erkl&#228;rt. Die Geschichte ist sorgf&#228;ltig konstruiert, wobei aber die Charaktere, die die Geschichte tragen sollen, deutlich zu kurz kommen. Doch Romane, die zu direkt geschrieben sind, in denen Lesende quasi vorgekaute Nahrung vorgesetzt bekommen, statt ihnen wirklich etwas zu bei&#223;en zu geben, schaffen es selten, wirklich gute Romane zu werden.</p>

<blockquote>Isabell Allende, Die Stadt der wilden G&#246;tter, M&#252;nchen (dtv) 2008 (6. Auflage).</blockquote>

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	</item>
		<item>
		<title>Zum Frankfurt-Marathon ein Sonett von Platen</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Oct 2008 18:08:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Frankfurt-Marathon ging heute nur ein paar Meter von hier entfernt vorbei. Also bewaffnete ich mich mit dem Fotoapparat und ging auf Suche nach m&#246;glichen Motiven. Als ich diese durchsah, erinnerte ich mich an Gedicht von August von Platen, ein &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/10/26/frankfurt-marathon-2008/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Der Frankfurt-Marathon ging heute nur ein paar Meter von hier entfernt vorbei. Also bewaffnete ich mich mit dem Fotoapparat und ging auf Suche nach m&#246;glichen Motiven. Als ich diese durchsah, erinnerte ich mich an Gedicht von August von Platen, ein Sonett, um genau zu sein, in dessen letzter Zeile »der L&#228;ufer« ausdr&#252;cklich genannt wird. Was passiert, wenn ein paar der Bilder, die L&#228;ufer und auch Publikum zeigen, neben dieses Gedicht gestellt werden?</p>

<p><span id="more-543"></span></p>

<h4 style="text-align: center;">August von Platen: Wer wu&#223;te je das Leben recht zu fassen</h4>

<p style="text-align: center;">
<a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/frankfurt_marathon/Frankfurt_Marathon_21.jpg" title="Frankfurt-Marathon am 26.10.2008 (am Straßenrand in FfM-Nied)" class="shutterset_singlepic133" >
	<img class="ngg-singlepic ngg-center" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/cache/133__320x240_Frankfurt_Marathon_21.jpg" alt="Frankfurt_Marathon_21.jpg" title="Frankfurt_Marathon_21.jpg" />
</a>
</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Wer wu&#223;te je das Leben recht zu fassen,
wer hat die H&#228;lfte nicht davon verlorn
im Traum, im Fieber, im Gespr&#228;ch mit Toren,
in Liebesqual, im leeren Zeit verprassen?</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Ja, der sogar, der ruhig und gelassen,
mit dem Bewu&#223;tsein, was er soll, geboren,
fr&#252;hzeitig einen Lebensgang erkoren,
mu&#223; vor des Lebens Widerspruch erblassen.</p>

<p style="text-align: center;">
<a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/frankfurt_marathon/Frankfurt_Marathon_23.jpg" title="Frankfurt-Marathon am 26.10.2008 (Warten auf die Staffel-Übergabe in FfM-Nied)" class="shutterset_singlepic135" >
	<img class="ngg-singlepic ngg-center" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/cache/135__320x240_Frankfurt_Marathon_23.jpg" alt="Frankfurt_Marathon_23.jpg" title="Frankfurt_Marathon_23.jpg" />
</a>
</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Denn jeder hofft doch, da&#223; das Gl&#252;ck ihm lache,
allein das Gl&#252;ck, wenn´s wirklich kommt, ertragen,
ist keines Menschen, w&#228;re Gottes Sache.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Auch kommt es nie, wir w&#252;nschen blo&#223; und wagen:
Dem Schl&#228;fer f&#228;llt es nimmermehr vom Dache,
und auch der L&#228;ufer wird es nicht erjagen.</p>

<p style="text-align: center;">
<a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/frankfurt_marathon/Frankfurt_Marathon_12.jpg" title="Frankfurt-Marathon am 26.10.2008 (Feld in FfM-Nied)" class="shutterset_singlepic128" >
	<img class="ngg-singlepic ngg-center" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/cache/128__320x240_Frankfurt_Marathon_12.jpg" alt="Frankfurt_Marathon_12.jpg" title="Frankfurt_Marathon_12.jpg" />
</a>
</p>

<p style="text-align: center;">
<a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/frankfurt_marathon/Frankfurt_Marathon_22.jpg" title="Frankfurt-Marathon am 26.10.2008 (Feld in FfM-Nied)" class="shutterset_singlepic134" >
	<img class="ngg-singlepic ngg-center" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/cache/134__320x240_Frankfurt_Marathon_22.jpg" alt="Frankfurt_Marathon_22.jpg" title="Frankfurt_Marathon_22.jpg" />
</a>
</p>

<p style="text-align: center;">
<a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/frankfurt_marathon/Frankfurt_Marathon_14.jpg" title="Frankfurt-Marathon am 26.10.2008 (Die Spitzengruppe der Herren in FfM-Nied)" class="shutterset_singlepic130" >
	<img class="ngg-singlepic ngg-center" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/gallery/cache/130__320x240_Frankfurt_Marathon_14.jpg" alt="Frankfurt_Marathon_14.jpg" title="Frankfurt_Marathon_14.jpg" />
</a>
</p>

<p style="text-align: center;"></p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Terézia Mora, Alle Tage: 0. Jetzt – Wochenende – V&#246;gel (S. 9f)</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 18:41:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach dem »Vorspann« kann nun also der Roman beginnen. Irritierend: Er beginnt mit einem Abschnitt der »0. Jetzt Wochenende« betitelt ist. Und dann erste Kapitel dieses Abschnittes, kaum zwei Seiten lang, mit dem Titel »V&#246;gel« obwohl kein Vogel in dem &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-0-jetzt-wochenende-voegel-s-9f/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem »<a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-der-vorspann-des-romans-s-5/" target="_blank">Vorspann</a>« kann nun also der Roman beginnen. Irritierend: Er beginnt mit einem Abschnitt der »0. Jetzt  Wochenende« betitelt ist. Und dann erste Kapitel dieses Abschnittes, kaum zwei Seiten lang, mit dem Titel »V&#246;gel«  obwohl kein Vogel in dem Kapitel auftaucht.</p>

<p>Die Zeit »Jetzt«, der Ort »Hier«. Na, toll. Welches »Jetzt« denn? Das »Jetzt« Lesers, der Autorin, des Erz&#228;hlers/der Erz&#228;hlerin des Romans? Und die gleiche Verwirrung beim Ort »Hier«. Ein Hinweis, das Ort und Zeit unwesentlich sind? Dem widerspricht die folgende Beschreibung des Ortes, die mit Adjektiven nur so gespickt ist. Eine Auswahl:</p>

<blockquote>&#246;stlicherer, braune, leere, vollgestopft, winzig, w&#252;st, spitz, zerkl&#252;ftet, h&#246;lzern, alt, frei, nah, klappernd …<span id="more-539"></span></blockquote>

<p>Es sind diese Adjektive, die das Bild dieses Ortes »Hier« pr&#228;gen, das Bild einer Gro&#223;stadt, wie die verwendeten Substantive in Verbindung mit den Adjektiven verraten. Es ist Samstagmorgen im Herbst. Dann treten drei Arbeiterinnen auf, die beschreiben, was ihnen an jenem Samstag widerfahren ist, gefolgt vom ersten Auftritt Abel Nemas, an den F&#252;&#223;en mit Klebeband an einem Kletterger&#252;st aufgeh&#228;ngt, den Kopf nach unten, der schwarze Mantel ist &#252;ber den Kopf gefallen, sodass er wie ein Vogel, eine Fledermaus ausgesehen habe, so die Arbeiterinnen. Es folgt eine Beschreibung, die in all ihrer Offenheit doch irgendwie ein ziemlich genaues Bild von Abel Nema zeichnet. Es taucht Abels Frau Mercedes auf, die Abel in der Klinik im k&#252;nstlichen Koma vorfindet  »bis wir wissen, wie es um sein Gehirn steht«. Und dann sagt sie noch, sie habe Abel zuletzt bei ihrer Scheidung gesehen.</p>

<p>Mag die erste Zeile noch auf einen Allerweltsort zu einer Allerweltszeit verweisen: Wenn das, was dann folgt, die Beschreibung einer ganz allt&#228;glichen Stadt sein soll, einer Gro&#223;stadt, wie wir sie &#252;berall vorfinden, dann ist das ein d&#252;steres Bild, verwirrend, eng  zerkl&#252;ftet eben. Und in dieser zerkl&#252;fteten Stadtlandschaft Abel, der kein Wort spricht, der da nur h&#228;ngt, die F&#252;&#223;e mit Klebeband an ein Kletterger&#252;st gefesselt, Kopf nach unten, erst einmal unsichtbar, wie ein schwarzer Vogel aussehend. Dann Abel im Koma und jener Halbsatz »bis wir wissen, wie es um sein Gehirn steht«.</p>

<p>Ich will hier noch gar nicht &#252;ber den Namen nachdenken, &#252;ber »Abel«, der einst von Kain erschlagen wurde<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-0-jetzt-wochenende-voegel-s-9f/#footnote_0_539" id="identifier_0_539" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Eine ganze Magisterarbeit zu Moras Roman, in der es auch um den Namen geht, findet sich hier als PDF.">1</a></sup>. Mir reichen auch die sonstigen Hinweise, die ich<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-0-jetzt-wochenende-voegel-s-9f/#footnote_1_539" id="identifier_1_539" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ja, ich tue hier einfach mal so, als w&amp;#252;rde ich noch nicht weiter gelesen haben, auch wenn das nat&amp;#252;rlich eigentlich nicht m&amp;#246;glich ist.">2</a></sup> in diesen knapp zwei Seiten finde: Ein schweigend auftretender Mensch mit Namen »Abel Nema«, der in eine extreme, von au&#223;en komisch wirkende, aber leidvolle Situation hinein geraten ist, in der er zun&#228;chst gar nicht zu erkennen ist, der dann im Koma liegt (Mercedes stellt fest, dass sie ihn noch nie schlafend sah) und der so lange in diesem Zustand gehalten werden soll, bis klar ist, » wie es um sein Gehirn steht«</p>

<p>Wenn das die Voraussetzungen des Romans sind  und irgendwie m&#252;ssen sie es sein, werden sie doch an einer der prominentesten Stellen des Buches, seinem Anfang, erz&#228;hlt  dann erwarte ich die »zerkl&#252;ftete«  ja, dieses Adjektiv hat es mir besonders angetan  Geschichte, eines Menschen, bei dem man erst einmal schauen muss, wie es um sein Gehirn steht, der in Trag&#246;dien, extreme und skurrile Situationen ger&#228;t, in st&#228;ndige Katastrophen  ist wom&#246;glich sein ganzes Leben eine Katastrophe  und der dennoch, so ist zumindest mein Eindruck in diesem ersten Kapitel, auch wenn Abel kein Wort sagt, irgendwie liebenswert ist.  Ob der Roman h&#228;lt, was er verspricht?</p>

<blockquote>Terézia Mora, Alle Tage. Roman, M&#252;chen (Luchterhand) 2004.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_539" class="footnote">Eine ganze Magisterarbeit zu Moras Roman, in der es auch um den Namen geht, findet sich <a href="http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2007/1295/pdf/kraft_magister.pdf">hier</a> als PDF.</li><li id="footnote_1_539" class="footnote">Ja, ich tue hier einfach mal so, als w&#252;rde ich noch nicht weiter gelesen haben, auch wenn das nat&#252;rlich eigentlich nicht m&#246;glich ist.</li></ol>
	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/abel-nema/" title="Abel Nema" rel="tag">Abel Nema</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/adjektive/" title="Adjektive" rel="tag">Adjektive</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/alle-tage/" title="Alle Tage" rel="tag">Alle Tage</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/allerweltsort/" title="Allerweltsort" rel="tag">Allerweltsort</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/beschreibung/" title="Beschreibung" rel="tag">Beschreibung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/" title="Deutsch Sek. II" rel="tag">Deutsch Sek. II</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erzaehler/" title="Erzähler" rel="tag">Erzähler</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erzaehlerin/" title="Erzählerin" rel="tag">Erzählerin</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gehirn/" title="Gehirn" rel="tag">Gehirn</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/herbst/" title="Herbst" rel="tag">Herbst</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/klettergeruest/" title="Klettergerüst" rel="tag">Klettergerüst</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lesen/" title="lesen" rel="tag">lesen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/roman/" title="Roman" rel="tag">Roman</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/samstagmorgen/" title="Samstagmorgen" rel="tag">Samstagmorgen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/substantiv/" title="Substantiv" rel="tag">Substantiv</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/t-mora-alle-tage/" title="T. Mora, Alle Tage" rel="tag">T. Mora, Alle Tage</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/terezia-mora/" title="Terézia Mora" rel="tag">Terézia Mora</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wochenende/" title="Wochenende" rel="tag">Wochenende</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/" title="»Schul«-Lektüren" rel="tag">»Schul«-Lektüren</a><br />
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		<title>Terézia Mora, Alle Tage: Der Vorspann des Romans (S. 5)</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 17:59:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Anfang eines Romans soll alles enthalten sein, was sich im weiteren Verlauf des Buches entfaltet. Zumindest ist dies f&#252;r mich ein Kriterium f&#252;r gelungene Literatur und ich wei&#223; aus Gespr&#228;chen mit Autoren, dass nicht nur den ersten Seiten eines &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-der-vorspann-des-romans-s-5/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Anfang eines Romans soll alles enthalten sein, was sich im weiteren Verlauf des Buches entfaltet. Zumindest ist dies f&#252;r mich ein Kriterium f&#252;r gelungene Literatur und ich wei&#223; aus Gespr&#228;chen mit Autoren, dass nicht nur den ersten Seiten eines Romans noch mehr M&#252;he gewidmet wird als dem Rest, sondern dass der erste Satz hier noch einmal eine herausragende Stellung hat.</p>

<p>Manchmal aber gibt es vor dem ersten Satz noch eine Seite mit einer Art Motto des Romans: Das k&#246;nnen Zitate bekannterer, unbekannterer und sogar erfundener Leute sein. Bei Terézia Mora wirkt diese der eigentlichen Geschichte voran gestellte Seite ein wenig wie Vorwort, das auch »Bekenntnis« zu sein scheint  zumindest auf den ersten Blick. Erst gegen Ende der Seite wird klar: Hier spricht bereits der Protagonist des Romans; hier spricht bereits Abel Nema  von dem wir erst sp&#228;ter erfahren, dass er der Protagonist ist, so wir nicht schon den Klappentext gelesen haben…<span id="more-530"></span></p>

<p>Und auch, welche Rolle diese Aneinanderreihung von kurzen Textabschnitten in Bezug auf den ganzen Roman spielt, blende ich hier erst einmal aus. Als ich das Buch begann, waren dies die ersten Zeilen, die mich verwirrten, mich sprachlich aber auch schon anzogen.</p>

<p>Ich erfahre hier, wenn auch erst im dritten der vier Textabschnitte, dass offensichtlich ein nicht n&#228;her namentlich benannter Redakteur mit Abel Nema im Gespr&#228;ch ist. Ich erfahre nicht, auf welche Fragen Abel antwortet. Doch Abel spricht davon, dass er von »herzzerrei&#223;enden undoder komische(n) Geschichten« rede, von »Katastrophen« und von »Wundern«, da wir &#252;berhaupt in der »Zeit der Wunder« leben.</p>

<p>Es folgt ein Verweis auf die »lateinischen« L&#228;nder, auf Babylon<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-der-vorspann-des-romans-s-5/#footnote_0_530" id="identifier_0_530" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Assoziation  Turm zu Babel und die Sprachverwirrung in Genesis 11, 1 9: &raquo;1 Alle Menschen hatten die gleiche Sprache und gebrauchten die gleichen Worte. 2 Als sie von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an. 3 Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als M&amp;#246;rtel. 4 Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel und machen wir uns damit einen Namen, dann werden wir uns nicht &amp;#252;ber die ganze Erde zerstreuen. 5 Da stieg der Herr herab, um sich Stadt und Turm anzusehen, die die Menschenkinder bauten. 6 Er sprach: Seht nur, ein Volk sind sie und eine Sprache haben sie alle. Und das ist erst der Anfang ihres Tuns. Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen. 7 Auf, steigen wir hinab und verwirren wir dort ihre Sprache, sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht. 8 Der Herr zerstreute sie von dort aus &amp;#252;ber die ganze Erde und sie h&amp;#246;rten auf, an der Stadt zu bauen. 9 Darum nannte man die Stadt Babel (Wirrsal), denn dort hat der Herr die Sprache aller Welt verwirrt, und von dort aus hat er die Menschen &amp;#252;ber die ganze Erde zerstreut.&laquo;">1</a></sup>, Transylvanien<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-der-vorspann-des-romans-s-5/#footnote_1_530" id="identifier_1_530" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dracula?">2</a></sup>, den Balkan im allgemeinen etc.</p>

<p>Ich erfahre, dass da einer zehn Sprachen beherrsche  nicht: spreche!  und werde anschlie&#223;end mit dem Klischee eines »Christus ohne Bart« konfrontiert, oder von einem »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grigori_Jefimowitsch_Rasputin" target="_blank">Rasputin</a>«, dem Pilger, »Heiligen«, dem Zeit seines Lebens wilde Sexorgien vorgeworden wurden, der am Ende, als seine »Wunderkraft« versagte, ermordet wurde.</p>

<p>Wer spricht in diesem dritten Textabschnitt? Der Redakteur, Abel Nema oder beide? Wenn beide, wer sagt hier was?</p>

<p>Und dann noch ein Hinweis, dass L&#252;gen (f&#252;r die zu erz&#228;hlende Geschichte) gar nicht n&#246;tig seien: »Das Leben ist voller furtbarer Zuf&#228;lle und unz&#228;hlbaren Ereignissen. <em>Sie verstehen.</em>«</p>

<blockquote>Terézia Mora, Alle Tage. Roman, M&#252;chen (Luchterhand) 2004.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/abel-nema/" title="Abel Nema" rel="tag">Abel Nema</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/alle-tage/" title="Alle Tage" rel="tag">Alle Tage</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/babel/" title="Babel" rel="tag">Babel</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/babylon/" title="Babylon" rel="tag">Babylon</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/" title="Deutsch Sek. II" rel="tag">Deutsch Sek. II</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/genesis-11/" title="Genesis 11" rel="tag">Genesis 11</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lesen/" title="lesen" rel="tag">lesen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/literarische-motive/" title="literarische Motive" rel="tag">literarische Motive</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/roman/" title="Roman" rel="tag">Roman</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/t-mora-alle-tage/" title="T. Mora, Alle Tage" rel="tag">T. Mora, Alle Tage</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/terezia-mora/" title="Terézia Mora" rel="tag">Terézia Mora</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/transylvanien/" title="Transylvanien" rel="tag">Transylvanien</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/turm-zu-babel/" title="Turm zu Babel" rel="tag">Turm zu Babel</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/zitate/" title="Zitate" rel="tag">Zitate</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/" title="»Schul«-Lektüren" rel="tag">»Schul«-Lektüren</a><br />
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		<title>Schm&#246;ker-Schnipsel: Die Dinge der Literatur</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Oct 2008 10:46:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Immer wenn Buchmesse in Frankfurt ist, schwebt angesichts der Masse an literarischen Werken und Autorenauftritten, die in diesen f&#252;nf Oktobertagen die Stimmung in der Stadt pr&#228;gen, f&#252;r mich die Frage im Raum, was Literatur denn nun eigentlich sei. Eine Antwort &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/10/16/schmoeker-schnipsel-die-dinge-der-literatur/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wenn <a href="http://www.buchmesse.de" target="_blank">Buchmesse in Frankfurt</a> ist, schwebt angesichts der Masse an literarischen Werken und Autorenauftritten, die in diesen f&#252;nf Oktobertagen die Stimmung in der Stadt pr&#228;gen, f&#252;r mich die Frage im Raum, was Literatur denn nun eigentlich sei. Eine Antwort fand ich beim Schm&#246;kern in <a href="http://www.sophieswoods.com/carver.html" target="_blank">Raymond Carver</a>s Erh&#228;hlungenband »<a href="http://www.u-lit.de/rezension/raymond-carver-still.html" target="_blank">W&#252;rdest du bitte endlich still sein, bitte</a>« (Berlin 2001, amerikanische Originalausgabe 1976). <a href="http://www.zeit.de/2007/29/L-Interview-Ford" target="_blank">Richard Ford</a> schreibt dort im Vorwort (Der gute alte Raymond – S. 9–40):</p>

<blockquote>»Auf die eine oder andere Art geht es in Literatur nat&#252;rlich immer um diese einfachen Dinge: mit den Folgen zurechtkommen zu m&#252;ssen, wenn die Vergangenheit sich in der Gegegenwart auswirkt und auf manchmal erstaunliche Weise die Zukunft in Gang setzt.« (S. 27)</blockquote>

<p>Von dieser einfachen Definition dessen, um was es in Literatur geht, ausgehend, einfach mal das n&#228;chste Buch danach befragen: Was aus der Vergangenheit wirkt sich in dieser Geschichte auf die Gegenwart so aus, dass sich daraus eine Zukunft (also m&#246;glicherweise der Handlungsverlauf des Romans) entwickelt?</p>

<blockquote>Raymond Carver: W&#252;rdest du bitte endlich still sein, bitte. Erz&#228;hlungen. Berlin 2001 (Berliner Taschenbuch Verlag).</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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