Leitmedienwechsel und Lernpraxis

Im Rahmen einer Artikelserie unter der Überschrift „Wie wird die Schule 2021 aussehen?“ hatte  die Initiative „Schulen ans Netz“ mich 2011 eingeladen, einen Beitrag zu verfassen. Schulen ans Netz hat  Ende 2012 seinen Dienst eingestellt. Den dort im Februar 2012 erschienenen Beitrag mache ich hier nun wieder – ohne Überarbeitungen – zugänglich. 

Torsten Larbig: Leitmedienwechsel und Lernpraxis

Die Grenzen der Vorhersehbarkeit

Schulen haben angesichts eines Leitmedienwechsels hin zum Digitalen in den nächsten zehn Jahren enorme Aufgaben zu bewältigen. Sowohl Widerstände in den Schulen als auch die akuten ökonomischen Risiken, mit denen die Haushalte der Länder und des Bundes belastet sind, könnten zum Scheitern führen. Doch wenn die Bewältigung dieser Aufgaben gelingt, dann hat Schule in zehn Jahren akzeptiert, dass sich das Lernen angesichts digitaler Entwicklungen verändert. Entsprechende Didaktiken und Methodiken wären dann 2021 in den Schulalltag integriert.

Leitmedienwechsel zwischen Widerstand und Selbstverständlichkeit

Im Idealfall hat Schule dann aufgehört, der technischen Entwicklung hinterherzulaufen und dabei viel zu viel Energie für den Kampf um den erlaubten oder unerlaubten Einsatz digitaler Medien im und für den Lernprozess zu verschwenden.

Statt den Einsatz digitaler Technologien zu verhindern, werden Schulen und Lehrer diese Technologien in aller Selbstverständlichkeit in ihre Arbeit integriert haben und zu einem Ausgleich zwischen analogen und digitalen Lerntechniken kommen. Es geht um die Möglichkeiten des Phasenwechsels im Lernprozess, denn Monokulturen sind auf Dauer den Strukturen von Mischkulturen unterlegen.

Lerntypen ernstnehmen!

In den nächsten zehn Jahren wird es darum gehen, Konzepte zu entwickeln, die die unterschiedlichen Lerntypen nicht nur als visuelle, auditive, haptische, sondern auch als analoge und digitale ernst nehmen und methodisch-didaktisch berücksichtigen.

Misch- vs. Monokultur

Während bislang eher auf Totaldigitalisierung gesetzt oder dieser heftig widersprochen wurde, wird die Schule in zehn Jahren im Idealfall entspannt mit dieser Frage umgehen können, weil digitale Geräte neben Stift, Papier und Büchern eingesetzt werden, – auch wenn ich davon ausgehe, dass digitale Endgeräte sich für viele Lernzwecke als überlegen erweisen werden.

Sicherlich wird, wo immer es möglich ist, das Lernmaterial in digitaler Form vorliegen, schon alleine um die Schultaschen zu erleichtern.

Gleichzeitig werden produktive und die Eigentätigkeit fördernde Methoden nach wie vor eine wichtige Rolle spielen: Experimente im mathematisch-naturwissenschaftlichem Unterricht, kreative Entdeckungsreisen durch literarische Werke, Exkursionen, Forschungsprojekte, die die Interessen der Schüler berücksichtigen.

Kollaboration und Feedback-Kultur

Schüler nutzen zukünftig wesentlich häufiger eigenständig Kollaboration unterstützende Programme, wie sie heute als Etherpad oder bei Google Docs bereits verfügbar sind. Dabei werden die Arbeitsprozesse permanent dokumentiert und es geht kaum noch etwas verloren. Lehrer loggen sich in diese Arbeitsprozesse ein, beobachten, kommentieren, geben Tipps, kritisieren etc. Die Feedback-Kultur wird auf diesem Wege kontinuierlicher und sachbezogener als zum Beispiel bei der herkömmlichen Gruppenarbeit, die Lehrende eher bruchstückhaft begleiten können.

Die digitalen Technologien müssen dabei nicht zu einer Omnipräsenz der Lehrenden führen, weil sich die Feedback-Kultur zwischen den Lernenden verändern wird. Wechselseitiges Feedback wird ein selbstverständlicher Teil des Lernens sein. Lehrer müssen diese Feedbackprozesse häufig nur noch beobachten, sich aber nicht immer selbst einklinken.

Lehrer werden nicht überflüssig

Dennoch wird die Expertise von Lehrenden auch in zehn Jahren eine zentrale Rolle spielen. Es wird weiter Instruktionen geben, Lehrende werden weiter ihr Fachwissen einbringen müssen, ihre Leidenschaft für ein Fach wahrnehmbar machen, denn Lernprozesse sind Prozesse personaler Art. Ein Lehrer, der in seinen Fächer kompetent ist und pädagogisch professionell arbeitet, wird auch noch in zehn Jahren ein wichtiger Teil gelingender Lernprozesse sein.

Außerdem können pädagogische Lernprozesse nicht digitalisiert werden. Wie Menschen zusammen leben, arbeiten, sich austauschen, streiten können, muss nach wie vor im Rahmen von Erziehung gelernt werden – entsprechend wird der Erziehungsauftrag der Schule nach wie vor eine zentrale Rolle spielen.

Vernetzte Lehrer

Lehrer werden zukünftig wesentlich häufiger vernetzt arbeiten. Viele werden darüber hinaus im Netz präsent sein, die einen als Lehrer, die anderen eher privat, aber dennoch themenbezogen.

Auch die Arbeitsweise der Lehrer wird sich verändern. In zehn Jahren werden Tools zur digitalen Schülerverwaltung und Unterrichtsvorbereitung, -gestaltung und -evaluation von den Schulträgern verfügbar gemacht, die die Frage des Datenschutzes so lösen, dass sie in den verwendeten Systeme integriert beantwortet wird. Lehrer werden mit den Systemen arbeiten, für die sicheren Strukturen im Hintergrund sorgt der Schulträger, wobei er vor allem darauf achtet, dass die Strukturen plattformunabhänig funktionieren und idealerweise mit „freien“ Lizenzen verfügbar gemacht werden.

Diese Systeme werden auch die Kooperation von Lehrenden, den Austausch von Unterrichtsmaterial etc. ermöglichen und sicherstellen, dass Lehrende, die ihr Unterrichtsmaterial als freies Lernmaterial im Sinne von „Open Educational Resources“ verfügbar machen, angemessen honoriert werden.

Grenzen und Gefahren

„Schule“ wird in zehn Jahren sicherlich nach wie vor Gebäude bezeichnen. Strukturell aber wird Schule noch weitaus differenzierter sein, als sie es bereits heute ist, denn sie wird durch digitale Technologien umfassender. Das bedeutet für Lehrer und Schüler, dass sich sichtbare Arbeit nicht auf die Präsenzzeit im Schulgebäude beschränkt, sondern über dieses hinaus ihren Raum finden kann.

Dennoch darf Schule nicht zu einem überbordenden Anspruch an Schüler und Lehrer werden. Es müssen auch Grenzen gezogen werden.

Es Kulturen des „Offline-Seins“ müssen etabliert werden, die es zu lernen gilt, sowohl für Lehrer, und Schüler als auch für Eltern. Weder dürfen Lehrer erwarten, dass Schüler „ständig“ online sind und arbeiten, noch dürfen sich Lehrern dem Anspruch gegenübersehen, dass sie mittels digitaler Kanäle rund um die Uhr erreichbar sind.

 

[Info-Box]

Torsten Larbig ist Gymnasiallehrer in Frankfurt am Main. Er unterrichtet Deutsch und katholische Religion. Sein privates Blog herrlarbig.de ist seit Juli 2008 online und bietet unter anderem Texte und Bilder zu unterschiedlichsten Fragestellungen rund um Literatur, Zeitgeschichte, Fragen des (digitalen) Leitmedienwechsels und des Lernens.

 

[Weiterführende Links]

Blog: herrlarbig

http://www.herrlarbig.de/

Twitter: @herrlarbig

https://twitter.com/#!/herrlarbig

»Bring your own device« ist in Schulen solange selbstverständlich, wie das »own device« der Bleistift ist…

Vorbemerkung: In diesem Text wird von Schulen ausgegangen, wie sie in Deutschland weit verbreitet sind. Dabei wird hier nicht berücksichtigt, dass es durchaus Schulen gibt, die als Brennpunktschulen bezeichnet werden, an denen die Ausgangslagen und Probleme ganz andere sind, als in diesem Text beschrieben. Das hier beschriebene Szenario ist auf solche Schulen möglicherweise nicht unmittelbar anwendbar. Da ich selbst keine Erfahrung mit der Arbeit an sozialen Brennpunktschulen habe, möge man mir die Grenzen, an die eine Reflexion, wie die hier vorgenommene stößt, verzeihen. 

Es gibt keine Diskussionen mehr, ob man in der Schule auf Schiefertafeln oder in Hefte schreibt. Und dass das Erlernen so mancher Fertigkeiten nicht ohne Eigenbeteiligung der Eltern geht, ist an sich in vielen Bereichen unumstritten: Schultaschen, Hefte, Stifte, Zeichenblöcke, Sportkleidung, Turnschuhe werden nicht von den Schulen gestellt. Die Lernmittelfreiheit hat überall, wo es sie gibt, ihre Grenzen. An vielen Schulen gilt das auch für Literatur, die im Sprachenunterricht gelesen wird.

Das Lernen und Lehren ist immer abhängig von Materialien und Werkzeugen, die im Lern- und Lehrprozess eingesetzt werden, völlig unabhängig davon, ob es sich um instruktiven Unterricht oder um Phasen mehr oder weniger selbständigen Arbeitens handelt.

Will man das Schreiben lehren, braucht man Schreibwerkzeug; Lesen lernen geht nicht ohne Texte; jede Sportart und jedes Instrument fordert ab einem bestimmten Leistungsniveau Werkzeuge, die über jene von Anfängern hinaus gehen, die eine andere Qualität haben und entsprechend auch teurer sein können.

Viele Schulen können Schülerinnen und Schüler mit Leihinstrumenten unterstützen, für bestimmte Sportarten werden die Sportgeräte zur Verfügung gestellt. Doch gerade im musischen Sektor verfügen viele Kinder über eigene Instrumente – und wenn es nicht gerade ein Achter-Ruderboot ist, haben viele Schüler auch ihre Sportgeräte bzw. für die Ausübung des Sports notwendige Kleidungsstücke in ihrem Privatbesitz.

Solche Vorgehensweisen und Selbstverständlichkeiten der Unterstützung an Schulen haben sich vielerorts eingespielt; dass es Unterschiede bei den elterlichen Möglichkeiten der Unterstützung eines Kindes gibt, wird (häufig) berücksichtigt. Jeder Schüler weiß, dass die Sportschuhe seines Mitschülers teurer oder billiger als die eigenen sind; Musiker wissen durchaus um die Qualität und den Preis der Instrumente ihrer Mitmusiker und dass ein Kolbenfüller unabhängig von den Kosten etwas anderes ausstrahlt als ein Einwegwerbekugelschreiber ist auch klar.

Es ist also weit verbreitet, dass nicht alle Werkzeuge, die in der Schule benötigt werden, von den Schulen gestellt werden; es ist auch üblich, dass Schüler keine Einheitsprodukte in der Schule verwenden müssen, um soziale Unterschiede zu verdecken. Ebenso verbreitet sind in einigen Bereichen Unterstützungsmaßnahmen, um die Teilhabe von Kindern weniger finanzstarker Eltern zu zu ermöglichen.

Wenn es aber um das Erlernen von Fertigkeiten geht, die für das digital unterstützte Lernen und Arbeiten notwendig sind, sieht das alles ganz schnell ganz anders aus. – Wenn ich überlege, in meinem Unterricht mit unter den Schülern weit verbreiteten Smartphones zu arbeiten, höre ich immer wieder, dass man das nicht machen könne, weil es diejenigen Schüler diskriminiere, die kein Smartphone oder Tablet besitzen. – Muss ich noch viel schreiben, um die (oft ausgeblendeten) Analogien1 zu Musikinstrumenten und Sportgeräten bzw. -kleidungsstücken erkennbar zu machen?

Wenn ich Kindern den sinnvollen, für ihr Lernen hilfreichen Umgang mit digitalen Werkzeugen beibringen soll, unter anderem, weil der Umgang mit digitalen Werkzeugen im Arbeitsleben längst selbstverständlich ist, dann muss ich diese Werkzeuge mit den Kindern nutzen können. Das heißt, ich will auf schülereigene Geräte ebenso setzen können, wie ich Leihgeräte für Schüler brauche, bei denen eigene Geräte jenseits des finanziell Machbaren sind.

Was aber, wenn Eltern nicht wollen, dass ihr Kind digital unterwegs ist oder ein Schüler sich bewusst gegen ein Smartphone entscheidet?

Zum ersten kann ich nur sagen, dass es möglicherweise auch Eltern gibt, die Bücher für überflüssig halten, was die Schule nicht davon abhält, den Umgang mit ihnen zu lehren und den Umgang mit Büchern auch einzufordern. Und zu letzterem: Es kommt nicht auf Gerätekategorien an! Das bei Lösungen mit schülereigenen Geräten fast immer von Smartphones ausgegangen wird, liegt alleine daran, dass diese am verbreitetsten verfügbar sind. Tablets und v. a. Laptops sind natürlich an vielen Stellen komfortabler, aber eben in der Schule heute noch nicht selbstverständlich in den Schultaschen als Werkzeuge des Lernens vorhanden.

Es kommt nicht auf die Gerätekategorie und schon gar nicht auf das Betriebssystem an, weil es natürlich auch nicht auf bestimmte Apps ankommen kann. Ob Texte nun mit Word, LibreOffice, Pages oder unter Nutzung von LaTeX etc. erstellt werden, ist egal. Es muss nur die Möglichkeit geben, Formate zu nutzen, die austauschbar sind, wenn es nötig ist.

Der Staat muss für die Infrastruktur sorgen, so wie er heute für die Strom- und Wasserversorgung zu sorgen hat, was ja durchaus auch seinen Preis hat. Vor allem heißt das, dass WLan in jede Schule gehört und dieses – mit personalisierten Zugangsdaten? – von den Schülern genutzt werden kann. Darüber hinaus muss es Lösungen geben, die sicherstellen, dass jeder Schüler und jede Schülerin diese Infrastruktur dann auch (zum Lernen) nutzen kann, indem z. B. Leihgeräte zur Verfügung gestellt werden könne.

Die Lizenzen für Lehrmaterialien sind in Ländern, in denen es heute Schulbücher kostenfrei gibt, von den Ländern zu finanzieren und in den Ländern, in denen Eltern Schulbücher schon heute kaufen müssen, von den Eltern. In diesem Bereich würde sich wenig ändern, mal abgesehen von den Möglichkeiten, die sich eventuell durch OER noch ergeben werden.

Dass wir in Deutschland nicht so weit sind, mag an lange eingeübten Mentalitätsfragen liegen. Denn wenn man einmal zurückschaut: Auch der Übergang von der Schiefertafel zum Schulheft lief in Deutschland alles andere als zügig, wie in diesem Bericht recht anschaulich gezeigt wird.

Und an den Hochschulen setzt sich das Problem dann übrigens fort: Es gibt Professoren, die das Mitschreiben in Vorlesungen über Tablet, Laptop etc. zu untersagen versuchen. – Wenn solche dann Lehramtsstudierende begleiten, ist ungefähr absehbar, wie lange die selbstverständliche Integration digitaler Werkzeuge in den Lehr-Lern-Prozess noch auf sich warten lassen wird..

  1. Analogien sind Ähnlichkeiten, keine Gleichheiten []

Amazon-Bashing allenthalben. Ein Kommentar.

Buchhandelsketten bekommen im Vergleich zur „kleinen Buchhandlung um die Ecke“ größere Rabatte und machen Bücher mit Top-Rabatten leichter verfügbar als andere Bücher,  z. B. durch die Positionierung im Laden.

Bei 3sat heißt es bereits 2010: „Thalia fordert für verkaufsfördernde Büchertische und Anzeigen oft Geld, manchmal zehntausende Euro.”

Das hörte man, nahm man zur Kenntnis und gut war’s.

Jetzt macht Amazon im digitalen Maßstab ähnliches. Bei Amazon aber schreien viel mehr Leute auf, als es angesichts der Marktmacht von Thalia, Hugendubel, Weltbild und Co je der Fall gewesen ist. Und zur großen Überraschung: Auch der „deutsche“ EBook-Reader Tolino hat nichts mit der „kleinen Buchhandlungen um die Ecke“ zu tun. Die gibt es ja auch gar nicht mehr so oft, was aber weniger von Amazon als viel mehr von Hugendubel, Thalia, Weltbild und „Der Club” (mit der Telekom zusammen die Tolino-Allianz) verschuldet wurde.

Den deutschen Buchmarkt hat nicht Amazon kaputt gemacht. Nun aber, da Amazon diejenigen in die Enge treibt, die den deutschen Buchmarkt „konsolidiert“ haben, koordinieren diese Handelsketten ihren ganzen Einfluss und behaupten, Amazon würde den Buchmarkt zerstören.

In Frankfurt verschwanden einige Buchhandlungen, nachdem Hugendubel eröffnet hatte. Damals gab es zwar Stimmen, die vor dem Buchkaufhaus warnten, aber heute gehen trotzdem die meisten Frankfurter bei Hugendubel Bücher kaufen, wenn sie nicht schon zu Amazon abgewandert sind.

Ja, Amazon ist mehr als ein Buchhändler. Das weiß ich. Amazon geht aggressiver vor. Amazon will die Wertschöpfungskette im Buchsegment möglichst vollständig abdecken. Amazon ist böse. Oder?

Vielleicht macht Amazon nur das, was jedes x-beliebige Unternehmen in der Situation Amazons auch tun würde: Den Regeln des Marktes folgen.

Über diese Entwicklung zu jammern, ist nichts, was in den Regeln des Marktes als erfolgsversprechende Strategie bekannt wäre. Aber möglicherweise geht es auch gar nicht um den Markt, sondern um Selbstmitleid, um das Bedauern, dass man nicht selbst mit seinem Unternehmen in der Situation ist, in der Amazon ist.

Oh ja, ich vergaß: Es geht nicht um den Markt, sondern um das Kulturgut „Buch“. Nun, wenn das so ist, dann könnten wir auch jammern, dass das Kulturgut „handgeschriebener Brief“ sehr weitgehend verschwunden ist und nur noch in ganz bestimmen Situationen als „notwendig“ angesehen wird. Informationen, die früher in handgeschriebenen Briefen ausgetauscht wurden, werden aber nach wie vor ausgetauscht. Man mag über den Stil jammern, der damit verbunden ist, aber sogar Liebesbekundungen können ohne Verlust an Glaubwürdigkeit in digitaler Form übermittelt werden.

Das „Kulturgut“ Buch ist in Deutschland durch die Preisbindung und  den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für gedruckte Bücher durchaus als besonderes Gut vom Staat schon subventioniert. Für E-Books gilt übrigens der volle Mehrwertsteuersatz. – Dennoch unterliegt das Buch den Regeln des Marktes, auch wenn diese mit der Buchpreisbindungen schon in gewisse Grenzen gewiesen wurden.

Doch all diese Entwicklungen auf dem Buchmarkt werden Menschen, die wirklich was zu sagen haben, nicht davon abhalten, die Inhalte, um die es in Büchern ja vor allem geht und denen das Träger-Medium eigentlich egal sein kann, weiter zu erstellen. Und für diese Inhalte wird es auch weiter Verbreitungswege geben.

Es ist schick geworden, schnell Schuldige zu finden, wenn es in Wirklichkeit um komplexere Zusammenhänge geht. – Ja, Amazon ist ein Unternehmen, das in dieser Form nur im digitalen Kontext als globales Phänomen auftreten konnte. Das ist eine Entwicklung, die mit dem massiven Strukturwandel zu tun hat, der mit der Digitalisierung ebenso eingesetzt hat, wie er einst mit der Industrialisierung verbunden gewesen ist. In Deutschland hat man diesen Strukturwandel lange verschlafen und läuft nun eben hinterher. – Aber daran ist bestimmt nicht Amazon schuld, was natürlich nicht heißt, dass man ein solches Unternehmen nicht unsympathisch finden darf. Aber es für alles verantwortlich zu machen und für alles schuldig zu sprechen, was man selbst verpennt hat, das sollte man lieber bleiben lassen.

 

@tastenspieler und @herrlarbig stellen den #EDchatDE im Gespräch mit @mons7 vor

Im Rahmen des Web-2.0-Kurses der zentralen eLearning-Einrichtung der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität zu Frankfurt/Main „studiumdigitale” hatten André Spang aus Köln (@tastenspieler) und ich (@herrlarbig) das große Vergnügen, von Monika König (@mons7) zum EDchatDE interviewt zu werden.

Mit dabei waren noch die Veranstalter des Web-2.0-Kurses, Claudia Bremer (@clbremer) und Ralph Müller.

Das Gespräch war ein riesiger Spaß.

Mir hat es viel Freude bereitet, zum ersten Mal mit Googles Online-Konferenz-Tool „HangOut” zu arbeiten und zu entdecken, was da mit jedem modernen Computer heute an Video-Konferenzen möglich ist, die auch noch life übertragen werden können, bevor das zugehörige Video nahezu direkt nach der Übertragung online abgerufen werden kann.

Früher hätten Fernsehsender enorm viel Technik benötigt, um so eine Zusammenschaltung von 5 Menschen an unterschiedlichen Orten möglich zu machen.

André Spang, Monika König und ich haben uns übrigens in einem Vortreffen zum Webinar gemeinsam auch über die ästhetische Gestaltung des Gesprächs abgesprochen. Dass man uns live, aber nicht in Farbe sehen kann, war eine sehr bewusste Entscheidung: Das gefällt uns einfach besser. 😉

Und nun die herzliche Einladung, sich ein wenig Zeit zu nehmen, sich zurückzulehnen und aufmerksam zu verfolgen, was es über eine Lehrerfortbildung zu sagen gibt, die Woche für Woche dienstags von 20-21 Uhr unter edchat.de (#EDchatDE) in diesem Internet stattfindet.

11 Tipps für Lehrer, wie digitale Geräte das Arbeiten erleichtern können

Fast alle Lehrerinnen und Lehrer arbeiten heute mit dem Computer. Dennoch scheint die Arbeitsbelastung oft nicht ab-, sondern sogar zuzunehmen. So zumindest mein Eindruck aus Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern.

Ich selbst erlebe das digitale Arbeiten als eine große Erleichterung.

Deshalb hier nun eine Sammlung von Tipps, die sich in meiner Praxis bewährt haben und die vielleicht dazu beitragen, dass ein paar Leute mehr digitales Arbeiten als Erleichterung empfinden.

Die Tipps sind subjektiv und garantiert unvollständig. Gerne darfst du sie in den Kommentaren um deine Tipps bereichern. – Ich bin sehr neugierig, was andere als wichtig für ihre eigenen (gelungenen) Arbeitsabläufe (Workflow) sehen.

Hier meine Tipps:

  1. Digitale Geräte helfen dann beim Arbeiten, wenn man sie beherrscht. Ein Tischler muss einen Hobel gekonnt benutzen können. Wer digital arbeitet, muss die Technik so beherrschen, dass nicht jedes Mal aufs Neue überlegt werden muss, auf welcher Taste des Computers welcher Befehl liegt.
  2. Mit zehn Fingern schnell, fehlerarm und möglichst blind schreiben zu können, ist weit weniger verbreitet, als es sein sollte, selbst unter Leuten, die täglich mit der Tastatur zu tun haben. An dieser Stelle steckt viel verschwendete Zeit, da mangelndes Können zum Zeitfresser wird.
  3. Wenn Protokolle z. B. von Konferenzen geschrieben werden, dann werden die direkt am Computer (Laptop oder Tablet) getippt, anschließend noch einmal überarbeitet und noch am gleichen Tag verschickt. Wer heute noch per Hand Protokoll schreibt, es dann abtippt und über eine zu hohe Arbeitslast klagt, sollte sich nicht wundern, wenn das mit der hohen Arbeitslast möglicherweise vom Gegenüber nicht so ganz ernst genommen werden kann 😉
  4. Auf dienstliche EMails sollte man möglichst sofort reagieren, wenn eine Reaktion nötig ist. Die meisten Reaktionen dauern nicht mehr als zwei Minuten, sodass hier sowieso die Zweiminutenregel greift.
  5. Den täglichen Weg zur Arbeit kann man im Auto ebenso verschwenden wie im ÖPNV. In Bus und Bahn aber kann man die Zeit z. B. für die Bearbeitung von EMails nutzen oder auf dem Heimweg schon die Grundstrukturen der nächsten zu planenden Unterrichtsstunden notieren. Der Mehrwert von Tablets wird spätestens an dieser Stelle massiv greifbar.
  6. Alternativ zur Nutzung des Weges zur und von der Schule nach Hause kann man diesen Weg auch – wenn man die Möglichkeit dazu hat – verkürzen, wenn man sich an eine wohnortnahe Schule versetzen lässt oder in die Nähe der Schule zieht.
  7. Lehrer neigen nach wie vor dazu, Unterrichtsmaterial nach Unterrichtseinheiten zu sortieren. Effizienter ist es, digitales Material zu verschlagworten und Unterrichtseinheiten dann mithilfe intelligenter und passgenauer Suchroutinen zu erstellen, sodass Material, das für mehr als eine Unterrichtseinheit und vielleicht auch in mehreren Altersstufen genutzt werden kann, dennoch nur einmal im Archiv abgelegt werden muss. Zudem kann man so auch neue Unterrichtsreihen auf der Grundlage verfügbaren Materials erstellen.
  8. Den Wert von Vernetzung in sozialen Netzwerken erkennt man häufig erst dann, wenn man nicht nur einen Account hat, sondern wirklich aktiv Vernetzungsarbeit betreibt. Inhalte geben ist mit die beste Strategie, um von anderen Hinweise auf Inhalte zu bekommen.
  9. Kollaboration bedeutet nicht, dass man sich Word-Dokumente hin und her schickt und dann irgendwann Version 876 hat. Kollaboration bedeutet, an einem Dokument zu arbeiten, das in der Cloud liegt, insofern der Datenschutz das zulässt. Für z. B. das gemeinsame Erstellen von Förderplänen ist die Cloud nicht geeignet; für das Erstellen von Unterrichtsentwürfen hingegen sehr wohl. Noch muss man fast jedes Mal, wenn man Kollegen Kollaboration mittels Google Docs oder Etherpad vorschlägt, erst einmal erklären, was das ist. – Wenn du aber doch einmal Dokumente verschicken musst, dann verschicken Sie als PDF und nicht als Word Dokument. Denke immer daran: Nicht jeder Nutzer eines Computers kann oder will Word Dokumente problemlos öffnen und lesen.
  10. Teile dein Wissen bzw. von dir erstellte Materialien etc. großzügig. Das heißt an dieser Stelle: Teile hier als Kommentar oder durch einen Artikel in deinem eigenen Blog deine Tipps für das effiziente Arbeiten mit digitalen Werkzeugen. Einen Blogartikel könntest du dann in einem Kommentar oder per Backlink einfach vernetzen.
  11. Nutze, wann immer es möglich ist, Diktierfunktionen. Wir können viel schneller sprechen, als wir tippen können. Deshalb lohnen sich diese mittlerweile zum Teil sehr zuverlässigen Diktierfunktionen in vielen Fällen. Dabei sollte man aber noch einmal besonders auf das Thema Datenschutz achten: Diktiere nie etwas, das im Netz übersetzt wird, wenn das Diktierte persönliche Daten enthält. (Gerade dieser letzte Abschnitt über das Diktieren wurde diktiert und von der das Gesprochene ins Geschriebene übersetzenden Software zuverlässig übertragen.)


Ich hoffe, der eine oder andere Tipp ist für dich hilfreich. Ich freue mich über (konstruktive) Kommentare zu diesem Artikel und bin auf jeden gespannt, der sich via Twitter mit mir aktiv vernetzen mag.