Kategorie-Archiv: kreatives Schreiben

Du sollst mehr bloggen ;-)

Es kommt mir manches Mal so vor, als gehöre es fast schon zum „State of the Art“, über das Nischendasein deutschsprachiger Blogs in der deutschsprachigen Internetlandschaft ein wenig zu jammern. Zum Spiel gehört wohl auch, dass Vorschläge gemacht werden, wie sich das ändern könnte.

Die Überschrift dieses Artikels verweist weder darauf, dass ich hier einschätzen will, wie der gesamtgesellschaftliche Status von Blogs ist, noch enthält dieser Beitrag ein Patentrezept, wie ein Blog „erfolgreich“ werden kann. Das „Du“ in der Überschrift könnte auch „Ich“ heißen, wobei man die Überschrift dann auch noch grammatikalisch anpassen müsste ;-)

Anlass für diese Überlegungen ist eine ganz andere Beobachtung: Es kommt vor, dass das eine oder andere Thema, das für mich eigentlich ein klassischer Gegenstand des Bloggens ist, in sozialen Netzwerken untergebracht wird, auf denen es sich relativ schnell „versendet“. Die Wahrnehmungsspanne, die ein Standardtweet bekommt, scheint mir deutlich unter vierundzwanzig Stunden zu liegen. Wie stark Beiträge auf Google+ wahrgenommen werden, vermag ich nicht zusagen, aber überbevölkert scheint diese Plattform nicht zu sein, die Aktivitäten der Nutzer sind meiner Wahrnehmung nach nicht als hyperaktiv zu bezeichnen. – Wie das auf Facebook aussieht, kann ich aufgrund anhaltender Abstinenz nicht bewerten, aber so wahnsinnig viel bekomme ich von außerhalb über die dortigen Aktivitäten nicht mit.

Kein Zweifel, ich schätze die ganz eigene Dynamik, die Twitter entwickeln kann. Das gilt auch für Inhalte: Den einen sind hundertvierzig Zeichen zu wenig, um sich ausdrücken zu können; andere vermuten, Tiefgang sei in dieser Kürze kaum zu erreichen. Ich halte es eher mit der sprichwörtlichen Würze, die der Kürze eigen ist. Hundertvierzig Zeichen und dennoch – oder gerade aus diesem Grund – auf den Punkt zu kommen, ist durchaus eine intellektuelle Herausforderung, die ich mag.

Trotz dieser starken Sympathien für die Kürze und die dynamische Kompexität, die der Austausch auf Twitter bekommen kann, ist mir in den vergangenen Wochen ein paar Mal aufgefallen, dass ich Themen auf Twitter kurz anreiße, die ich eigentlich vertiefen will, was nicht immer einen ewig langen Artikel mit sich bringen muss. Obwohl ich ein Werkzeug benutze, das mir die Wiederverwertung und nachhaltige Speicherung einer Serie von Tweets zu einem Thema komfortabel ermöglicht, mache ich es mir teilweise leicht, indem ich manche Themen, die mich interessieren, kürzer kommen lasse, als ich das eigentlich will.

Darüber hinaus ist ein Blog von seiner Struktur her ein Tagebuch und keine Fachzeitschrift. ;-) In einem Blog dürfen – ja, sollen – Gedanken entwickelt werden können und nicht vor allem Ergebnisse von Prozessen präsentiert werden. Natürlich sollen die Gedanken und auch Geschichten, die einem Blog anvertraut werden, zumindest soweit es mich betrifft, nicht allzu platt sein.

In diesem Sinne ist es gemeint, wenn ich mir und vielleicht der einen oder dem anderen zuraune: „Du sollst mehr bloggen“.

Das ist ja gar nicht so viel Aufwand. Man kann, mit ein wenig Übung, in überschaubaren Zeiten solch einen Eintrag verfassen. So ist einer der am meisten gelesen Artikel der vergangenen Wochen in weniger als fünfundvierzig Minuten entstanden. Ursprünglich als Notiz beim Lesen eines Buchs geschrieben, habe ich den Text dann online gestellt.

Diesen Artikel hier schreibe ich auf dem iPad unterwegs. Da steckt auch nicht so viel Aufwand dahinter, vorausgesetzt, man verzichtet auf die original WordPress-App für iOS-Geräte.

Es war immer Konzept meines Blogs, dass ich mir keine festen Regeln bezüglich des Inhaltes und der Frequenz der Beiträge gebe. Also kann ich mich der von mir an mich gestellten Aufforderung entspannt stellen: „Du sollst mehr bloggen“. – Vielleicht geht meine Phantasie ja mit mir durch, aber ich kann mir vorstellen, dass diese Aufforderung vor dem hier dargestellten Hintergrund nicht nur für mich selbst von Interesse ist.

„Du sollst mehr bloggen“, ist durchaus ein Aufruf, der dem Nischendasein von Blogs im deutschsprachigen Raum entgegenwirken kann, wenn es das denn gibt und wenn die Inhalte zumindest den einen oder anderen Anknüpfungspunkt für Diskussionen enthalten.

Es gibt aber noch einen Grund, warum ich vor allem Lehrern und anderen Bildungsmenschen diese Satz „Du sollst mehr bloggen“ mitgeben möchte: Die Themen Schule, Hochschule und Bildung sind schon lange ein Kernbestand des Diskurses in Deutschland, an dem alle möglichen Leute beteiligt sind, in dem aber professionelle Expertise von Lehrenden für meinen Geschmack zu wenig vorkommt.

Das liegt nicht an mangelnder Expertise der Lehrenden. Das liegt nicht an mangelndem Interesse der Öffentlichkeit, die diese Äußerungen nicht wahrnehmen würde. Das liegt vor allem daran, dass sich nur wenige Lehrende da ran wagen.

Hochschullehrer scheinen oft in einer Umgebung zu arbeiten, in der eventuelles Bloggen kritisch bis abfälllig beäugt wird.

Lehrerinnen und Lehrer hingegen finden oft keine Zeit und kommen oft nicht auf die Idee, dass so manches, was man im stillen Kämmerlein an Sachanalysen erstellt, eine gute inhaltliche Basis für ein Blog sein könnte, das man explizit als private Gedankenspielwiese kennzeichnet. Da könnten dann auch andere Themen ihren Platz finden, die bearbeitet werden, wenn man Zeit und Lust hat. Es geht auch, wenn nur Lust oder nur Zeit da sind, dann ist es eben etwas stärker eine Frage der Selbstdisziplin ;-).

In anderen Ländern, ausdrücklich nenne ich hier die Länder Nordamerikas, ist das Angebot bildungsbezogener Websites und Blogs mit oft erstaunlicher hoher Qualität deutlich breiter und etablierter als in Deutschland. Das liegt auch an der deutlich größeren Zielgruppe als die auf Deutsch erreichbare, obwohl die Reichweite mit Deutsch gar nicht mal so schlecht ist.

Die bislang insgesamt eher geringe Wahrnehmbarkeit von Lehrenden im Netz dürfte aber auch daran liegen, dass es in anderen Ländern einen etwas entspannteren Umgang mit Netzaktivitäten Lehrender gibt als in Deutschland, wo Netzaktivitäten von Lehrenden von ministerialen Bedenkenträgern eher kritisch beäugt werden. Auch um hier Überzeugungsarbeit zu leisten und dabei gleichzeitig das Know-how im Umgang mit sozialen Netzwerken im Internet zu erwerben, zu erweitern bzw. zu vertiefen, das notwendig ist, um die Didaktik in diesen neuen Kontexten gewinnbringend weiterzuentwickeln, wiederhole ich den Imperativ dieses Blogeitrags am Ende noch einmal: „Du sollst mehr bloggen.“ – Es lohnt sich.

 

Lehrer mit Tablet-Computern oder: Was spielen Sie denn da?

Nachdem ich begonnen hatte, im Unterricht einen Tablet-Computer zu benutzen, hörte ich immer wieder von jüngeren Schülern die Frage, was ich denn während der Stunde da so alles spiele.

Die Frage kam bei mir so an, dass ich keinen Grund hatte anzunehmen, sie sei von den Schülern nicht genau so gemeint, wie sie gestellt wurde: sachlich, aber auch irritiert, denn mit einem Computer in der Stunde zu spielen, ist ihnen streng untersagt, es sei denn, es handelt sich um ein Spiel mit Unterrichtsbezug.

Den jüngeren Schülern war der Tablet-Computer tatsächlich nur als ein Gerät bekannt, mit dem man spielen kann. Ob sie dies nun aus eigener Anschauung geschlossen hatten oder ob sie sich diese Vorstellung aus all dem konstruiert hatten, was sie vor allem über das iPad gehört hatten, kann ich nicht recht einschätzen. – Doch abgesehen von dem Mangel an empirischen Daten für die Gründe diese Sicht und somit auch für die mir gestellte Frage, haben sich für mich einige Überlegungen aus dieser Frage heraus kristallisiert.

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Handschrift und Tastaturen. Ein subjektiver „Test“-Bericht

Tablet-Tastaturen, wie der des Samsung Galaxy oder des Apple iPad, wird oft nachgesagt, dass man nicht so schnell auf ihnen tippen könne, wie auf einer „echten“ Computertastatur

Das stimmt.

Mir geht es auch so: Während ich mit mechanisch gelagerten Tasten blind und sehr schnell schreiben kann, ist das Tempo auf der virtuellen Tastatur, die ich zugegebenermaßen mittlerweile auch fast blind bedienen kann, deutlich langsamer. – In Berichten über Tablets liest sich der Teil über die Bedienungsfreundlichkeit der Tastatur für mich allerdings immer so erschreckend, da ich diese Kritik nur in Teilen nachvollziehen kann

Ja, das Tippen auf dem iPad, ein solches Tablet nutze ich, ist anders und gemächlicher als auf der Tastatur.  Manchmal, wenn ich das mit der Tastatur erreichbare Schreibtempo brauche, nutze ich dann auch mit dem Tablet eine Bluetooth-Tastatur. Das kommt allerdings für mich selbst erstaunlich selten vor. — So kurios es angesichts der weit verbreiteten Kritik gegenüber virtuellen Tastaturen auch klingen mag: In der Regel genügt die virtuelle Tastatur meinen Ansprüchen, sie hat sogar manchmal einen Mehrwert, sodass ich auf sie zurückgreife, auch wenn eine „normale“ Tastatur griffbereit und der Computer im Schlafmodus auf dem Schreibtisch in unmittelbarer Nähe verfügbar ist.

Irgendwann fragte ich mich, warum das so ist. Lange brauchte ich nicht, um eine Antwort zu finden: Das iPad und seine Tastatur stehen für mich genau zwischen der von mir sehr geschätzten und eher langsamen Handschrift und dem mir manchmal zu zügig von der Hand gehendem Tippen am Computer.

Am Tablet tippe ich zügig, aber so „langsam“, dass meine Gedanken sich beim Schreiben im Fluss bleibend dennoch bereits beim Schreiben ganz gut organisieren können. Ich kann quasi beim Formulieren am Tablet jeden Satz schon einer kleinen Überarbeitung unterziehen, während die Handschrift mich da zum Teil den Faden verlieren lässt und die „normale Tastatur“ zu einem Schreiben verführt, dem die Gedanken manches Mal fast schon hinterher eilen.

Und so fällt mir auf, dass ich in letzter Zeit überraschend viele Blog-Beiträge mit dem Tablet geschrieben habe. Das gilt auch für diesen.

Genau genommen muss ich es anders sagen: Überaschend viele Blogartikel sind in letzter Zeit – bis hin zur direkten Übernahme – aus Notizen entstanden, die ich im Laufe der Zeit in meinem digitalen Notizbuch auf dem Tablet eigentlich zunächst nur einzig und alleine für mich selbst verfasst habe.

Dass das so möglich ist, mag allerdings tatsächlich daran liegen, dass mir die virtuelle Tastatur von Anfang an gelegen hat. Ich mag dieses nahezu geräuschlose Erstellen von Texten, das an nahezu jedem Ort möglich ist. Das ist auch der Grund, warum sich die Menge des Geschriebenen für mich seit der Anschaffung des Tablets deutlich erhöht hat: Ich habe plötzlich die Möglichkeit, an viel mehr Orten zu schreiben, als dies vorher für mich möglich war.

Darüber hinaus nutze ich in bestimmten Situationen die Spracherkennungssoftware, die das Diktieren von Texten auf dem Tablet oder dem PC möglich macht. Diese Option kann ich natürlich nur dann nutzen, wenn niemand durch mein Sprechen gestört wird. Aber in Kombination mit der Tablet-Tastatur ist dies durchaus eine Erleichterung.

So ist beispielsweise der letzte Absatz diktiert worden, während der gesamte restliche Text bis an diese Stelle in weniger als einer halben Stunde auf der virtuellen Tastatur eines iPads entstanden ist.

Idealerweise komme ich beim Tippen in meinen eigenen Rhythmus, der dann für das Entstehen eines Textes durchgehalten wird, sodass mir das Tippen manchmal wie das Bedienen eines Tastenintrumentes vorkommt.

Doch all dies ist, dessen bin ich mir sehr bewusst, eine subjektive Erfahrung des Umgangs mit unterschiedlichen Formen von Tastaturen. Ich will dabei auch nur sehr eingeschränkt werten, indem ich meine Erfahrung darlege, wie ich die unterschiedlichen Formen der Erstellung von Text für mich nutze.

Handschrift nutze ich, wenn flexibel Text und grafische Elemente miteinander kombiniert werden (müssen). Aber auch, wenn ich ein langsames Schreiben mit deutlich persönlicher Note pflegen will, wie es bespielsweise in handschriftlichen Briefen erreicht werden soll / wird.

Die „normale Tastatur“ am Computer nutze ich besonders gerne, wenn ich sehr schnell und eher assoziativ schreiben will oder an einem Thema arbeite, das ich in Form eines freien Vortrages schon gut meistern kann und entsprechend zügig dem inneren Sprachfluss folgen will.

Bei bestimmten Übungen des Kreativen Schreibens kommt mir das Gefühl mechanisch-digital arbeitender Tastaturen sehr entgegen, wenn es darum geht, so schnell zu schreiben, dass sich der Schreibfluss in gewissem Grade dem Reflexionsprozess entzieht und so auch überraschende Wendungen nehmen kann (Stichwort: écriture automatique – automatisches Schreiben).

Das Schreiben auf der virtuellen Tastatur eines Tablets liegt für mich zwischen der Handschriflichkeit und der „normalen Tastatur“. Das Ergebnis ist ein typografisches; der Schreibprozess liegt in seiner Zeitaufwändigkeit für mich zwischen der Handschrift und dem schnellen Tippen, so, dass das Tempo des Schreibens und die Möglichkeit der potentiellen Weiterverwertung eines Textes einen Kompromiss darstellen: Schriebe ich alleine per Hand, wären verwertbare Artikel abzuschreiben und kämen so auch noch in den immer wünschenswerten Überarbeitungsprozess; tippe ich schnell auf der „normalen Tastatur“, so ist oft vor der Veröffentlichung der so entstehenden verwertbaren Texten noch eine intensive Überarbeitung notwendig.

Mit dem Tablet geschriebene Texte liegen für mich zwischen diesen beiden Optionen: Sie brauchen in der Entstehung etwas mehr Zeit als schnell getippte Texte, müssen in der Regel aber weniger überarbeitet werden als diese; sie entstehen schneller als rein handschriftlich verfasste Texte und die Zeit der Überarbeitung ist kürzer als die für das Abtippen handschriftlicher Texte benötigte. Gleichzeitig aber ist das Tippen auf der virtuellen Tastatur so, dass sich für mich im Arbeitsprozess selbst bereits eine „Überarbeitung“ der Texte ergibt, weil ich Worte oder grammatikalische Konstrukte ebenso während dem Schreiben überdenken kann, wie eine ganze Argumentationsstruktur, was ich sonst eher vom handschriftlichen Arbeiten her kenne.

Und somit greifen für mich Praxisberichte über die Arbeit mit virtuellen Tastaturen zu kurz. Gut, ich halte mich für jemanden, der sehr gut mit Tastaturen arbeiten kann und diese ganz gut beherrscht. Aber ich traue dieses Maß an Freude beim Umgang mit Tastaturen auch vielen anderen zu. Testberichte zu Tastaturen, wie der hier von mir benutzten virtuellen auf dem iPad, gehen oft von absoluten Werten bezüglich der Schreibgeschwindigkeit aus. Dabei werden relative Werte, wie zum Beispiel der Nutzen einer geringeren Schreibgeschwindigkeit für die Textqualität, außen vor gelassen.

Ich ziehe es vor, mir Gedanken über die Qualität von Texten zu machen, die ich mit unterschiedlichen Schreibinstrumenten erreichen kann. Und wenn ich dieses Kriterium heran ziehe, dann steht die virtuelle Tastatur mit geringem Überarbeitungsaufwand bei den so entstehenden Texten auf Platz 1.

Subjektiv ist das Schreiben auf der „echten“ halb-mechanischen Tastatur deutlich schneller, wobei der Überarbeitungsaufwand für mich den Geschwindigkeitsvorteil im Vergleich zur virtuellen Tablet-Tastatur locker ausgleicht.

Die Handschrift ist für mich vor allem aufgrund des mit ihr verbundenen körperlichen Prozesses der rhythmisch runden Bewegungsabläufe attraktiv. Handschriftlich kann ich stromunabhänig viel und kontinuierlich schreiben. Um einen Text wie diesen allerdings zur Veröffentlichung fertig zu stellen, benötigte ich das zwei- bis dreifache an Zeit, was die gefühlte Hochwertigkeit der Handschrift dann in einen objektiven „Kosten-Nutzen-Konflikt“ bringt.

Ja, all diese Tests von Tablets mit virtuellen Tastaturen haben recht, wenn sie diese im Vergleich zu „normalen Tastaturen“ als schwächer ansehen. Mit der Handschriftlichkeit vergleichen solche Tests die Tastauren hingegen nicht, obwohl sie in diesem Lichte plötzlich viel positiver betrachtet werden könnten.

Deshalb will ich hier mit diesem durchaus sehr subjektiven Beitrag die Perspektive auf virtuelle Tastaturen erweitern, denn immer dann, wenn davon gesprochen wird, dass diese nicht an „normale Tastaturen“ heran reichten, zuckte ich bislang zusammen und dachte mir, dass doch genau dies einer der Gründe ist, warum ich Texte wie diesen so gerne mit dem Tablet schreibe. Und jetzt ist es für mich an der Zeit, das auch einmal öffentlich zu formulieren. Aber das weiß ich erst jetzt, denn ursprünglich ist dieser Text in meinem Notizbuch entstanden, dessen Texte eben nur dann und wann zur Veröffentlichung gelangen. – Seit ich das Notizbuch allerdings fast ausschließlich auf dem Tablet Pflege, fällt mir auf, dass die Zahl in ihm entstehenden Texte, die anschließend in irgend einer Form, meist allerdings in meinem Blog, veröffentlicht werden, doch deutlich zugenommen hat. – Ich führe das auf die  in diesem Beitrag hoffentlich nachvollziehbar gemachten, von mir zumindest subjektiv empfundenen Eigenschaften des Schreibens auf einer virtuellen Tastatur zurück.

Schülerarbeiten zu Theodor Fontanes „Irrungen, Wirrungen“

Theodor Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ wird zur Zeit im Rahmen der Vorbereitung auf das hessische Landesabitur in der Q2 (Qualifikationsphase = 11. Schuljahr im 12jährigen-Gymnasium) gelesen.

Nachdem wir im Unterricht die Arbeit am Roman beendet hatten, gab ich den Schülerinnen und Schülern den Auftrag, sich kreativ mit dem Werk auseinanderzusetzen. Einzige Bedingung war: Die Arbeit mit dem Werk sollte den Schülerinnen und Schülern Spaß machen. Außerdem gab ich eine relativ knappe Zeitvorgabe von einer Doppelstunde im Unterricht, auf die folgend eine Woche Zeit (inklusive des verlängerten Wochenendes nach Fronleichnam) blieb, um die Arbeiten fertigzustellen.

Teilweise darf ich die Ergebnisse dieses produktiven Umgangs mit Fontanes Werk hier veröffentlichen. Die Rechte der Ergebnisse liegen bei den jeweiligen Schülern und Schülerinnen. – Die Namensnennung der Schülerinnen und Schüler erfolgt nach deren Vorgaben und mit deren Einverständnis.

Vielleicht sind diese Ergebnisse eine Anregung, Schülerinnen und Schüler Freiräume für den kreativen Umgang mit im Deutschunterricht gelesenen literarischen Werken zu geben. Vielleicht sind diese Ergebnisse auch für Schüler und Schülerinnen interessant, die nach Möglichkeiten der Annäherung an einen Roman wie Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ suchen.

Nun aber zu den mir zur Veröffentlichung von Schülern freundlicherweise zur Verfügung gestellten Arbeiten:

  • Johannes Seyfried hat ein Kreuzworträtsel erstellt, das nach der Lektüre des Romans leicht genutzt werden kann, um die eigene Textkenntnis zu überprüfen und diese sogar noch zu vertiefen.
    Die Fragen als PDF:
    1. Alliteration im ersten Kapitel
    2. Straße, in der Botho wohnt
    3. Herkunft von Lene
    4. Beschreibung von Lene durch Dörr
    6. Was steigt auf? (1. Kapitel)
    7. Affäre von Käthe
    8. Was ist das Gasthaus?
    9. Name des Bootes, welches Botho möchte
    10. Boot, welches Lene möchte
    11. “Ort, wo Einsamkeit und Schönheit wunderbar seien”
    12. 1819-1898
    13. Zeitliche Epoche
    14. “…Schnittpunkte von Kurfürstendamm und Kurfürstenstraße, schräggegenüber…”
    15. Wasserdampf
    16. Ausgussrohr
    17. Dörr’sches Schloss
    18. Blume im elften Kapitel
    21. Kamerad von Botho
    22. Blumen des Beerdigungskranzes für Frau Nimptsch
    23. Beruf von Gideon
    25. Ziel der Flitterwochen
    26. Straße in der Botho und Käthe wohnen
    27. Zweiter Wohnort von Lene und Frau Nimptsch
    30. Vorname von Bothos Mutter
  • Das Kreuzworträtselgitter als PDF
    Die Lösungen als PDF
  • Cornelius Nensel und Johannes Krenzer haben sich Bothos Gedanken auf dessen Ausritt im 14. Kapitel vorgenommen und daraus ein Video gemacht. Ich empfehle, die Qualität auf HD einzustellen, insofern es die Geschwindigkeit des Internetzugangs erlaubt.

  • Zoë Lange hat sich dem Roman in der Form eines Gedichts angenähert. Der Titel greift eine zentrale Szene im zentralen Teil des Romans auf, während das Gedicht selbst den Inhalt des gesamten Romans reflektiert.

Forelle noch Hoffnung

Ein Engel ist die Lene nicht,
vielleicht eine Prinzessin.
Generell so gar nicht zimperlich;
von Realitätsnähe besessen.

„Wie gut sie schreibt!“,
sagt Botho sich.
Den Stift in der Hand,
ein Kringel, ein Strich.

Sie gibt ihm ihr Leben,
er schenkt ihr seins.
Eine hoffnungslose Forelle, unfähig
den klaffenden Spalt zu überschweben.

Sie stehen sich nahe,
sie haben sich gern.
Ihr Umgang geheim.
Schattengewächse verdecken den Kern.

Wäsche ist nicht das Einzige,
worin Lene gut ist im Plätten.
Der Baron ist von ihr hingerissen;
kann sie nicht mehr vergessen

von Zoë Lange

Kommentare dürfen gerne direkt hier beim Artikel hinterlassen werden.

Eine weitere Schülerarbeit, die zu Goethes „Faust I“ entstanden ist, gibt es hier.

Kreatives Schreiben in der Schule

Kleinere Kurse im kreativen Schreiben gebe ich seit einigen Jahren immer wieder einmal. Ich habe zwar kein Zertifikat, dass ich das kann, aber zum Glück traut man einem Deutschlehrer in der Regel zu, dass er unter Umständen weiß, was er tut, wenn er nicht nur Texte dem übenden Analyseskalpell der Schüler und Schülerinnen zuführt, sondern auch die künstlerische Seite des Schreibens in den Blick nimmt.

Schreiben als Kunst, deren Gegenstand die Literatur ist, verstehe ich Weiterlesen

Die Rückkehr der Schiefertafel oder: Arbeiten mit dem iPad

Kaum größer als einst Schiefertafeln, ähnlich »dick« oder auch »dünn«, je nachdem, wie man es gerade betrachten will, liegt seit ein paar Tagen nun also das iPad vor mir. Es ist dabei, das kann ich schon jetzt sagen, mein Arbeiten zu verändern, wobei ich diese Veränderung bislang als eine Verdichtung und Intensivierung meiner Arbeit ansehe.

Diesen Blogartikel schreibe ich auf diesem Gerät, womit das Thema »Tastatur« rein praktisch schon bearbeitet ist, denn hätte ich nicht die Erfahrung gemacht, dass es mir faktisch möglich ist, die virtuelle Tastatur dieses Tablet-Computers in ähnlicher Souveränität zu bedienen wie eine Hardware-Tastatur, würde ich sie für solch lange Texte nicht nutzen.

Doch es ist gerade die Arbeit an Texten, die für mich eines der Haupteinsatzgebiete des iPads werden soll — und auch schon ist — sei es die schreibende oder sei die lesende Arbeit an Texten.

Hier geht es nicht um einen Testbericht, sondern um eine erste Praxisreflexion der Arbeit mit diesem Gerät. Und bereits als sein Erscheinen im Januar 2010 angekündigt wurde, erinnerte ich mich an meinen Eindruck des ersten Tablet-PCs, der einst von Microsoft vorgestellt wurde und den ich vor ein paar Jahren in Wien längere Zeit in Händen halten und testen konnte. Mit dieser Erinnerung ist für mich der erste große Unterschied in der Praxis feststellbar: Brauchte ich bei Microsofts Erstling eines solchen Computertyps noch eine ganze Weile, bis ich überhaupt verstanden hatte, wie das System funktionierte, habe auf dem iPad einfach angefangen zu schreiben und machte nach weniger als vierundzwanzig Stunden die verblüffende Entdeckung, dass ich hier nicht nur schnell, sondern sogar sehr zügig nahezu blind mit der Tastatur zu Schreiben in der Lage bin.

Fazit 1: Das Arbeiten mit dem iPad erscheint mir sehr intuitiv, ja fast kommt es mir so vor, als habe mein Arbeitsstil geradezu auf diesen Rechner gewartet, mit dem ich einfach los arbeiten kann, ohne mich groß in die Hard- oder Software hineindenken zu müssen, was mich aber natürlich dennoch nicht davon abhalten soll, auch die Frage zu stellen, wie dies alles funktioniert, aber nicht in diesem Beitrag.

Zunächst einmal ist das iPad für mich also ein Schreibgerät, die erste, wirklich portable Schreibmaschine, die ich je hatte. Anders als bei meinem Laptop beobachte ich, dass ich das iPad wirklich fast immer dabei habe, außer vielleicht, wenn ich einkaufen gehe. Aber ein Laptop, so schön er ist, wiegt dann doch über zwei Kilo und nimmt viel Platz in der Tasche weg, macht aber, wenn ich ihn über UMTS online bringe, schon nach relativ kurzer Anlaufzeit schlapp, sodass es nicht wirklich ein Vergnügen ist, mit ihm vernetzt zu arbeiten.

Doch genau darum geht es mir: Konzentriert arbeiten können und dennoch die Ressourcen verfügbar zu haben, die ich in vernetzten Strukturen gerne nutze. Außerdem habe ich mehr und mehr Zugriff auf aktuell von mir verwendete Materialien, die ich in dieser Fülle in einer Tasche gar nicht mit mir herum tragen könnte.

Fazit 2: Das iPad kommt meiner Vorstellung des mobilen Arbeitens sehr entgegen.

Mit mobilem Arbeiten meine ich nun nicht einmal, dass ich ständig im Kaffee arbeiten wollte oder es gar tue. Lehrer haben aber nun einmal mindestens zwei Arbeitsplätze, hat eine Schule auch noch verschiedene Standorte, dann sind es oft sogar noch mehr. Und dann gibt es noch die Stunden zwischen den Unterrichtsstunden, in denen dann ideal vor Ort gearbeitet werden kann, wenn die entsprechenden Werkzeuge verfügbar sind.

Immer einen Duden dabei, einige Dutzend Bücher ständig als Lesestoff und Arbeitsmaterial auf dem Rechner und auch noch das Schreibgerät, mit dem ich gleich gedruckte Versionen meiner Arbeitsergebnisse anfertigen kann, wenn ich die Dateien per E-Mail an mich schicke und dann ausdrucke, was aber nicht in jedem Fall nötig ist.

Aber zunächst ist das iPad nicht als Dienstgerät gedacht, auch wenn es in diesem Rahmen absehbar eine wahrscheinlich wichtige Rolle spielen wird, vor allem wenn es um Unterrichtsentwürfe geht. Beruf und private Interessen laufen bei mir allerdings sowieso ineinander über, was ich als eigentlich die ideale berufliche Situation betrachte, so dass auch das mehr oder weniger private Arbeiten mit diesem Gerät neue Formen annimmt.

Ich lese nach wie vor sehr viele echte Bücher, auch wenn mich iBooks als digitales Lesegerät durchaus überzeugt, vor allem auch, weil Anstreichungen und Notizen möglich sind, aber auch beim analogen Lesen habe ich nun endlich meine eigenen Lesenotizen nicht nur umfassend dabei, sondern ich kann diese direkt tippen, weil das iPad neben einem Buch eigentlich immer in die Tasche passt und, anders als in vielen Fällen der Laptop, wirklich verfügbar ist.

Fazit 3: Vor allem die wirkliche Mobilität dieses Rechners ermöglicht ein anderes Arbeiten und, da handschriftliche Notizen von unterwegs direkt getippt werden können, auch eine straffere Organisation der Arbeit, fällt in vielen Fällen dann doch das Übertragen in den getippten Text weg und das Ausdrucken kann gleich beginnen, wenn ich zu Hause bin.

Notizen, Kalender, Lexika…, das alles ist zwar auch per iPhone verfügbar, aber ein Smartphone ist eben kein Arbeitsgerät für jemanden, der wirklich viel schreibt. Da ich aber auch im Bereich des kreativen Schreibens verortet bin, brauche ich genau diese Möglichkeit des Schreibens, möglichst überall. Das geht auch mit Notizbuch und Füller, eine Kombination, die ich nach wie vor sehr schätze und auch nutze, aber ich tippe nun einmal auch sehr gern. In dieser Hinsicht hat das Smartphone wenig zu bieten und all die Subnotebooks, die ich in Händen hielt, erschienen mir nicht nur oft sehr billig gemacht, sondern irgendwie auch unpraktisch für meinen Arbeitsstil.

Selbst am heimischen Schreibtisch greife ich in überraschend vielen Situationen zu dem von mir lange sehr kritisch beäugtem Tablet-Computer. Auch wenn er kein Ersatz für den PC sein will, man braucht einen solchen für die Verwaltung des Gerätes dann doch immer mal wieder, erlebe ich das iPad sehr oft als genau diesen Ersatz, der zudem noch absolut leise läuft, so dass keine Lüfter oder Festplattengeräusche noch ein wenig Lärmpegel verursachen.

Und doch wirkt das iPad auf mich zunächst wie eine Schiefertafel: Es ist einfach in seiner äußeren Erscheinung, aber, anders als eine Schiefertafel, im Innern hoch komplexe Technologie, was es von der Schiefertafel unterscheidet, es sei denn man sieht die molekulare Zusammensetzung der in einer Schiefertafel verarbeiteten Materialien als komplexe Struktur ;-)

Lernen ist Arbeit. Entsprechend ist jedes Gerät, dass diese Arbeit unterstützt, ein Gerät, das für das Lernen geeignet ist, so der eigene Lernstil zum Gerät passt. Ist das iPad also ein Gerät, das für die Nutzung im Unterricht geeignet ist, auch für Schüler? Meine Antwort auf diese Frage fällt im Augenblick noch ambivalent aus. Vor allem spricht der hohe Preis gegen eine Standardnutzung durch Schüler und Schülerinnen. Es kann einfach nicht erwartet werden, dass so ein Gerät verfügbar ist, es sei denn, es muss nicht von den Eltern bezahlt werden.

Gegen den Einsatz in der Schule spricht auch die Bindung an einen Anbieter, so sehr dies faktisch in Richtung Microsoft an vielen Schulen auch der Fall ist. Aber diese Monokultur gefällt mir ja auch nicht. Wie sollte mir dann eine andere Monokultur gefallen können?

Gegen die Nutzung eines solches Gerätes als Standard im Unterricht spricht aber auch, dass er nur dann sinnvoll sein kann, wenn es gelingen würde, Schülerinnen und Schüler zu Arbeitsformen zu bringen, die in einem Computer eben nicht primär ein Unterhaltungs-, sondern ein Arbeitsmedium sehen können.

Und doch sehe ich im iPad für mich eine echte Bereicherung im Lern-Arbeits-Zusammenhang. Dies könnte so auch für einzelne Schüler und Schülerinnen gelten, die eher in die Nerd-Kategorie fallen, ist doch die Rede vom Digital Nativ meist nicht in Hinsicht auf die Mediennutzungskompetenz hin passend.

Ja, ich bin der Meinung, dass Tablet-PCs durchaus, anders als Notebooks, für Schule interessant sein können, meine aber auch, dass das analoge Lernen, das nach wie vor ganz einfach die Conditio humana in Sachen Lernen ist, dennoch im Vordergrund stehen muss, was natürlich auch möglich ist, wenn diese Gattung Computer das Schulbuch und das Schulheft ergänzen, auf lange Sicht vielleicht auch ablösen kann.

Wenn es Bildungsprozessen gelingt, den Computer stärker als Arbeitsinstrument im Bewusstsein aller an Bildungsprozessen beteiligten zu verankern, ihm neben dem Image des Unterhaltungsmediums das Image eines tollen Lernmediums zu geben, dann wird er im Unterricht mittelfristig die Rolle spielen können, die sinnvoll ist, so durch die Kosten solcher Geräte keine weiteren strukturellen Ungerechtigkeiten ins Bildungssystem selbst einfließen.

Ich selbst, um auf den Anfang dieses Beitrages zurück zu kommen, habe Computer noch nie zum Spielen benutzt. Meinen ersten Computer kaufte ich mir im Studium, weil ich ihn als Lern- und Arbeitsgerät brauchte. Das ist der Computer für mich immer geblieben. Doch schon seit längerem wünschte ich mir für den mich prägenden Arbeitsstil ein wirklich portables Arbeitsgerät, ein Gerät, das klein, leicht und doch mit allen für mich notwendigen Fähigkeiten ausgestattet ist. Für mich erfüllt zur Zeit das iPad diese praktischen Erwartungen. Es passt zu meinem Arbeitsstil und unterstützt ihn. Und ja, ich finde, dass Schiefertafeln eine tolle Sache sind, so dass ich froh bin, dass mir jetzt ein digitales Pendant der Schiefertafel bei meiner Arbeit zur Seite steht.

Ich schreibe wie…

… tja… das scheint so eindeutig nicht zu sein…

Für intellektuelle Spielchen bin ich offen. Deshalb habe ich einige meiner Blogeinträge dem FAZ-Stiltest unterzogen.

Hier nun ein (nicht ganz ernst gemeinter?!) Überblick, welche sprachlichen Einflüsse mein eigenes Schreiben (laut FAZ-Test) unter anderem beeinflussen. Die Ergebnisse werde ich jeweils kurz kommentieren:



Dieses Ergebnis kam am häufigsten vor, wenn ich einige Beiträge dieses Blogs analysieren ließ. Das überrascht mich, da ich von Freud, außer der Traumdeutung, nicht sonderlich viel gelesen habe. Ob ich wohl (psycho)-analytische Fähigkeiten habe…?



Gut so. Handkes Stil gefällt mir nämlich. Vor allem seine tagebuchartigen Notizen lese ich immer wieder – und sie haben scheinbar Eindruck hinterlassen, obwohl ich immer über diesen Texten sitze und mir wünschte, so schreiben zu können… Nun, zumindest der FAZ-Test scheint der Meinung zu sein, dass mir das hin und wieder doch gelingt.



Na, das freut mich. Ich mag Heines Texte und wenn sein Stil einige meiner Blogbeiträge hier prägt, schäme ich mich nicht dafür. Vor allem mag ich an Heine, dass er einerseits die romantische Weltdeutung in sich aufnahme, diese aber gleichzeitig weiter entwickelte, sie überwand und deutlich politischer schrieb, als dies in der Romantik der Fall war.


Ups… Sind meine Sätze z. T. wirklich soooooooooo lang und kompliziert?



Schulze?. Außer Schulzes »Simple Stories« habe ich wenig von ihm gelesen. Wie also kommen Artikel in diesem Stil zustande? Hat dieser »Roman« solch einen Eindruck bei mir hinterlassen?



Ein Autor, von dem ich deutlich mehr gelesen habe als von Ingo Schulze. Kann ich gut mit leben, werde ich doch Goetz’ Frankfurter Poetikvorlesung lange nicht vergessen, so  wenig, wie den Niederschlag, den diese Vorlesung in Gotz’ »Abfall für alle« gefunden hat.

Möge die Ironie, die in der Bündelung dieser – immerhin von der FAZ-Website erstellten – Zertifikate liegt, dem aufmerksamen Leser nicht entgehen… Der Test ist ein schönes Spiel, scheitert aber (natürlich?) an der rein digitalen Auswertung der Textproben, die überraschend (erschreckend?) schnell geschieht. Mal schauen, wie weit ich dieses Spiel treiben werde, denn das Ergebnis war mir schon vorher klar, nur dass es in dem FAZ-Test nicht eingearbeitet ist, ich scheibe wie Herr Larbig. Aber das merkt die Test-Software einfach nicht ;-)

Und gebe ich diesen Text in die FAZ-Testoberlfäche ein, so ist dieser Text übrigens im Stile Ingo Schulzes geschrieben.

Vergiss alles – oder: Vom literarischen Schreiben

Der hier veröffentlichte Text ist bereits im Jahr 2001 entstanden – und ist mir vor einiger Zeit bei einer Suchabfrage auf meinem Computer wieder begegnet. Schön, was sich alles über die Jahre erhält, wenn nur fleißig und regelmäßig Daten gesichert werden.

Ich habe den Text leicht überarbeitet, aber in seinen Grundzügen unverändert gelassen. Auch wenn sich meine Einstellung gegenüber der Handschrift seit 2001 deutlich geändert hat: Nach wie vor gefallen mir die Gedanken, die hier in einen kurzen Prosatext Einzug gefunden haben. – Da ich gegenwärtig selbst auch in der Rolle des »Trainers« in Sachen »Kreatives Schreiben« unterwegs bin, habe ich mich entschlossen, diesen Text nun auch im Rahmen meines Blogs verfügbar zu machen. Das Urheberrecht des Textes liegt, wie bei allen Texten hier, so nicht anders gekennzeichnet, bei Torsten Larbig.


»Vergessen sie alles, damit sie sich endlich erinnern können.«

So hatte Elise mit mir gesprochen. Da stand sie vor mir, mitten im Wald. Um uns nur die kahlen Bäume, auf dem Boden lagen noch die braunen Blätter, raschelten, knisterten unter unseren Füßen. Und vor uns dieser kurze Wegabschnitt, der von Nadelbäumen gesäumt war, zwischen denen der Weg ins Dunkel hineinführte.

In dem Schweigen um uns her, verstand ich nicht, was sie mir sagen wollte. Und sie bemerkte dies sofort – es war, als könne man vor Elise keine Geheimnisse haben.

»Sie können es vielleicht noch nicht verstehen, weil sie noch nie wirklich versucht haben einen Text zu schreiben. – Werfen sie den alten Kugelschreiber in den Müll, besorgen sie sich einen tragbaren Computer, lernen sie, blind zu schreiben, schließen sie dann ihre Augen und schreiben sie ihre Bilder auf. Glauben sie mir, es wird alles anders werden für sie. Wenn sie sich dann aber zu sehr erinnern, dann kommt nichts brauchbares dabei heraus.«

Ich war dabei, ihr ins Wort zu fallen, ihr mit einer Verteidigungsrede für die Handschrift den Wind aus den Segeln zu nehme, aber sie fuhr einfach fort.

»Was soll das Klammern an altem, wenn es für unsere Zwecke bessere Hilfsmittel gibt. Sven, sie sind so jung und schon so konservativ. Hören sie mir einfach weiter zu. Ich will ja nicht, dass sie die Intensität aus dem Schreiben heraus nehmen. Ich will, dass ihre Texte endlich intensiv werden. Also: Setzen sie sich blind an den Computer und schreiben sie die Bilder, die sie sehen. Versetzen sie sich in Landschaften, die sie gesehen haben. Aber bleiben sie nicht zu sehr bei der Wahrheit. Fügen sie hinzu, was sie sehen, machen sie es wie beim Träumen. Da sehen sie auch bekannte Räume, aber ist ihnen schon mal aufgefallen, dass die immer irgendwie anders sind, als sie sie aus der Realität kennen? So müssen sie schreiben. Stellen sie sich Menschen so wirklich wie nur irgend möglich vor. Und vergessen sie nie, dass sie eine Geschichte schreiben und nicht etwa Tagebuch. Obwohl…«, sie zögerte, »ein wenig hat es schon von Tagebuch schreiben – und ist doch ganz anders. Aber ich will ihr Unwohlsein gegenüber dem Vergessen noch ein wenig stärker machen.«

Da kam dieses Gefühl wieder hoch, diese Unsicherheit, als ob da ein Mensch anhebt, etwas für mich ganz wichtiges zu sagen, das ich eigentlich gar nicht hören wollte. Aber sie ließ sich nicht beirren.

»Ich weiß, sie arbeiten seit Jahren am Thema ›Gedächtnis‹. Darum geht es hier auch gar nicht – zumindest nicht so, wie sie sich das denken. Ich meine nur: Verwechseln sie ›Erinnerung‹ nicht mit Faktenwissen. Sie müssen keinen Lexikonbeitrag schreiben, was sie da planen ist ein Roman!«

Mein Blick fiel auf das Moos an den Bäumen. Immer an einer Seite der Stämme hatte sich eine dicke Moosschicht gebildet. Da kommt wohl der Regen am häufigsten her dachte ich, als ich plötzlich aufschreckte und merkte, dass Elise stehen geblieben war und mich anschaute.

Ich fühlte mich bei einer Unaufmerksamkeit ertappt. Aber das schien sie gar nicht zu stören. Unbeirrt fuhr sie fort. »Vergessen sie endlich all ihr angelerntes Wissen und schreiben sie einen Roman. Oder ist ihnen noch nie aufgefallen, wie gefühllos ihre Texte sind. Sie beschrieben wunderbar, aber in einer Art, die für einen Reiseführer besser geeignet ist als für einen Roman. Vergessen sie alles und erinnern sie sich – mit ihren Sinnen. Erzählen sie, wie sie es in Märchen finden. Schreiben sie Texte, die weniger eine Realität behaupten als vielmehr Texte, die die Möglichkeit einer Realität darstellen.«

So hatte ich mir ein Schreibseminar eigentlich nicht vorgestellt. Ich hatte mich darauf gefreut, endlich an meiner Technik weiter feilen zu können – und nun kommt diese Elise daher und will mir etwas von ›Sinnen‹ und von ›Märchen‹ erzählen.

»Wissen sie Sven, ich wünschte mir, endlich mal einen Roman zu lesen, der nur von Nebensächlichkeiten handelt. Verstehen sie mich richtig, von Neben-Sächlichkeiten! Hören sie auf, Sachen zu schreiben. Das will doch keiner Lesen, der nicht allzu masochistisch in seinem Umgang mit Literatur ist. Schreiben sie Bilder der Gefühle, die mit den Sachen verbunden sind. Erinnern sie sich weniger an die Fakten als an die Gefühle, die in den Situationen, die sie schreiben, mit den Sachen verbunden sind. Oder wollen sie zum x-ten Male den Satz verwenden, mit dem in schlechten Filmen der eine zur anderen sagt, dass er sie liebt? Setzen sie der Flut von Wörtern Bilder entgegen. Versinken sie – wie ein Maler in sein Bild – in ihren Text. Setzen sie da einen Pinselstrich an, nehmen sie da die eine Farbe, und dort eine andere. Bringen sie Schatten und Perspektive in ihren Text und machen sie nichts langweiliges mehr. Schreiben sie keine Texte, die sie langweilen, sondern nur solche, die sie selber gerne lesen möchten. Sind das etwa Texte, in denen ein wunderbar nachrecherchiertes Faktum neben dem andern steht? Sieht so das Leben aus, das sie Tag für Tag erleben? Nein Sven, ihr Leben setzt sich vor allem aus Gefühlen zusammen. Und erst wenn sie diese in einen Text bringen, beginnt er zu leben.«

Und damit verfiel sie für den Rest unseres Spaziergang ins Schweigen. Eigentlich war das gerade die Stunde meiner Einzelkritik bei Elise. Und sie war die erste, die sie nicht nutzte, um meine Arbeitsproben Wort für Wort auseinander zu nehmen, jedes Detail nach seinem Platz im Text zu befragen. Als ich in ihr Zimmer kam, legte sie ein Buch zur Seite, nahm ihren Mantel und sagte nur, dass ich auch meinen Mantel holen solle und sie mich in fünf Minuten am Eingang des Tagungshauses erwarte. Irritiert, doch ohne Widerworte, ging ich also in mein Zimmer zurück, zog meine Jacke und die Turnschuhe an, die ich eigentlich immer trug, wenn ich draußen unterwegs war und ging zum Eingang, wo sie tatsächlich schon auf mich wartete. »Kommen sie«, war alles, was sie da sagte und dann hielt sie mir diesen Vortrag über das Schreiben und das Vergessen und das Erinnern mit den Sinnen. Und jetzt, nach kaum der Hälfte der vereinbarten Zeit für die Einzelkritik verfiel sie einfach so ins Schweigen.

Sie ging jetzt auch schneller, viel schneller, als ich es von einer so alten Frau erwartet hätte. Die musste doch mindestens schon siebzig sein.

Das Knistern, der durch unsere Fußtritte zerbrechenden Blätter drang mit einer ungewohnten Lautstärke in meine Ohren, der Magen hatte sich an seine Gefühle erinnert, die immer dann hochkamen, wenn ich mich von einem Lehrer ertappt fühlte oder wenn ich mit einer schlechten Klassenarbeit nach Hause gehen musste.

In leichten Serpentinen führte der Weg wieder hinunter ins Tal. Ich war den Weg in den vergangenen fünf Tagen schon ein paar Mal gegangen, aber diese Intensität verspürte ich noch nie. Wir hatten gerade wieder eine Kurve hinter uns gelassen, da tauchten vor uns die Wiesen auf, die sich direkt an den Wald anschlossen. Zwei Pferde liefen da und auf einer anderen Weide grasten Schafe neben einem alten, morsch wirkenden Holzstall. Dazwischen schlängelte sich der flache, aber mit viel Wasser sehr laute Bach, der dem Tal den Namen gegeben hatte. Wutachtal. Aber über diesen Namen hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die waren jetzt eher beim letzten Stück des Weges, der über eine anstrengende Steigung zurück in das Tagungshaus führte, das in einem alten Kloster untergebracht war. Ob Elise dieses Stück schaffen würde oder ob da ihr Alter endlich mal zum Vorschein käme. Als ob ich es nicht ertragen konnte, dass eine solche Frau mir etwas sagte, das ich sofort verstand und das mir dennoch Angst macht. Aber ohne ihre Schrittfrequenz zu verlangsamen sorgte sie nur dafür, dass ich außer Atem war, als wir das Tor in den Innenhof des Hauses durchquerten. Bislang hatte ich immer nur Rückmeldungen zur Technik meiner Texte bekommen. Dieses Mal stand ich da und wußte, dass es nicht mit ein paar Korrekturen handwerklicher Art getan war. Elise schien mich zwingen zu wollen, mit meinem Schreiben endlich anzufangen…

© by Torsten Larbig 2001–2010

Wie Wilhelm Busch schreiben

Wilhelm Busch? Na, Max und Moritz sind wahrscheinlich bekannt!

Wenn Wilhelm Busch zu den folgenden drei Bildern eine eine kleine Geschichte gereimt hätte – was könnte er geschrieben haben? –  Vorschläge können Du durch Anklicken der Kommentarfunktion hier hinterlassen werden. Viel Spaß beim Schreiben!1

  1. Zum Vergrößern der Bilder einfach auf eines der Bilder klicken. Dann kann auch von einem zum anderen gesprungen werden. []