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		<title>Apples Bildungsinitiative oder: Vom Aufstellen weiterer Weidez&#228;une.</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 18:04:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Stellt Apple neue Produkte vor, entsteht schnell der Eindruck, dass es sich jedes Mal um eine gro&#223;e Innovation handele. – Schnell wird dann die Frage gestellt, welche Art von Technik oder welchen Teil der Gesellschaft Apple dieses Mal „revolutioniere“. Diese &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/01/21/apples-bildungsinitiative-oder-vom-aufstellen-weiterer-weidezaune/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stellt Apple neue Produkte vor, entsteht schnell der Eindruck, dass es sich jedes Mal um eine gro&#223;e Innovation handele. – Schnell wird dann die Frage gestellt, welche Art von Technik oder welchen Teil der Gesellschaft Apple dieses Mal „revolutioniere“.</p>

<p>Diese Reaktionen erfolgen mehr oder weniger reflexartig. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich oft, dass Apple bereits vorhandenen Konzepte popul&#228;rer und marktf&#228;hig macht, komplizierte Bedienungen vereinfacht und daf&#252;r sorgt, dass jeder, der sich auf dieses „gro&#223;artige“, „fantastische“, „innovative“ und „so noch nie da gewesene“ Produkt einl&#228;sst, fest in Apples Wertsch&#246;pfungskette eingebunden wird.</p>

<p>Keine Frage, ich selbst mag Design und Funktionalit&#228;t der Produkte aus Cupertino sehr, gehe mit ihnen gleichzeitig aber auf der Basis eines sehr ambivalenten Gef&#252;hles um.</p>

<p>Apple verbindet Design und Funktionalit&#228;t seiner Produkte mit einem geschickten und bislang &#228;u&#223;erst erfolgreichen Marketing. Beim iPad hat das mit dem geschlossenen System des App-Stores hervorragend funktioniert: Apple stellt entsprechende Werkzeuge kostenlos zur Verf&#252;gung, die es Entwicklern erm&#246;glichen, auf einfache Art und Weise Programme zu schreiben. Als „Gegenleistung“ lassen sich die Entwickler darauf ein, ihre Produkte erstens ausschlie&#223;lich &#252;ber Apples App-Store zu vertreiben und zweitens einem intransparenten Freigabeprozess zu unterwerfen.</p>

<p>Das gleiche Modell &#252;bertr&#228;gt Apple nun auf Schulb&#252;cher.</p>

<p>Sowohl die Software, die zum Lesen dieser Schulb&#252;cher notwendig ist, als auch die zum Erstellen dieser Schulb&#252;cher zu verwendende Software werden kostenlos zur Verf&#252;gung gestellt. Wenn die so entstandenen Schulb&#252;cher kommerziell vertrieben werden, darf dies, so sagt es die Lizenzvereinbarung des Programms iBooksAuthor, ausschlie&#223;lich &#252;ber Apples eigenen Store erfolgen; wie &#252;blich nimmt Apple 30 % des im Store erhobenen Preises f&#252;r sich.</p>

<p>Wiederum beh&#228;lt sich Apple zudem das Recht vor, Ver&#246;ffentlichungen nach eigenem Gutd&#252;nken zuzulassen oder abzulehnen.</p>

<p>An dieser Stelle sch&#228;tzt Apple zumindest den deutschen Schulbuchmarkt falsch ein. – Offizielle Schulb&#252;cher bed&#252;rfen der Freigabe durch die entsprechenden Pr&#252;fungsbeh&#246;rden der L&#228;nder: Ich stelle mir vor, ein solches freigegebenes Schulbuch enth&#228;lt Themenbereiche, die mit Apples Meinung, was in einem Schulbuch zu ver&#246;ffentlichen sei und was nicht, nicht &#252;bereinstimmen; ich stelle mir vor, Apple verweigerte einem von einem Bundesland freigegeben Schulbuch die Aufnahme in den iBooks-Store…</p>

<p>Gem&#228;&#223; der aktuellen Lizenzvereinbarung zur Nutzung von iBooksAuthor k&#246;nnte so etwas passieren.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus lassen sich Lehrer und Lehrerinnen in Deutschland nicht gerne vorschreiben, welche digitalen Endger&#228;te sie zu verwenden haben. Im Gegenteil: Es ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Lehrer und Lehrerinnen sich gegen die Verwendung von iPads aussprechen werden, da sie sich mit technischen Monokulturen schwer tun. – Der Vorwurf, Apple gehe es vor allem darum, durch fr&#252;hzeitige Gew&#246;hnung langfristige Kundenbindung zu erreichen, ist schon laut geworden und mit Sicherheit auch nicht <del>v&#246;llig</del> von der Hand zu weisen.</p>

<p>Dass Lehrerinnen und Lehrer Entscheidungsfreiheit in Sachen eingesetzter Bildungsmedien haben, insofern sie als solche zugelassen sind oder keiner Zulassung bed&#252;rfen, da es sich nicht um explizit als Schulb&#252;cher gekennzeichnete Bildungsmedien handelt, steht au&#223;er Frage.</p>

<p>Dass mit einer einmal getroffenen Entscheidung eine langfristige Bindung zum Beispiel an ein bestimmtes Schulbuch verbunden ist, steht ebenso au&#223;er Frage. In der Regel bleibt aber die relative Vielfalt der Verlage, die Schulb&#252;cher zuliefern, erhalten. Diese Vielfalt nehmen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler durchaus auch war – ob unreflektiert und bewusst oder, was wahrscheinlicher ist, einfach so nebenbei.</p>

<p>Wenn nun aber Lehrer und Lehrerinnen &#252;ber den Einsatz von Computertechnologie entscheiden m&#252;ssen, so sind Bildungsmedien anschlie&#223;end an ein Ger&#228;t gekoppelt.</p>

<p>Selbst wenn die Inhalte aus unterschiedlichen Verlagen kommen, sie sind immer mit einem Ger&#228;t verbunden. Dar&#252;ber hinaus ist es schwieriger, unterschiedliche Plattformen unterschiedlicher Anbieter zu verwenden.</p>

<p>Zudem haben die deutschen Schulbuchverlage bereits angek&#252;ndigt, im Februar eine eigene Branchenl&#246;sung vorzulegen, eine App vorzustellen, die selbstverst&#228;ndlich auch ein geschlossenes System sein d&#252;rfte, um so auf dem Markt einer zunehmenden Digitalisierung von Schule und Bildung Fu&#223; zu fassen.</p>

<p>Ob eine vorgestellte Softwarel&#246;sung f&#252;r den Bildungssektor rezipiert wird, ihren Weg zur Zielgruppe findet, h&#228;ngt immer von der Bereitschaft der Multiplikatoren ab, eine solche Softwarel&#246;sung im Bildungskontext zu akzeptieren oder auch nicht.</p>

<p>So sehr ich von den vorgestellten Produkten aus dem Hause Apple in Bezug auf den Bildungssektor beeindruckt bin, so skeptisch bin ich angesichts ihrer – schon im Vorfeld erwartbaren – geschlossenen Architektur.</p>

<p>Die bildungspolitischen Voraussetzungen m&#246;gen in anderen L&#228;ndern anders sein, sollen doch bereits jetzt ganze Schulbezirke in den USA auf digitale Endger&#228;te setzen, die in der Regel von einem Hersteller stammen. Es gibt Schulbezirke die haben sich auf Apples iPad festgelegt. Auf diesem Markt k&#246;nnte Apples Angebot funktionieren. Um auf dem deutschen Markt funktionieren zu k&#246;nnen, m&#252;sste Apple seine Vertriebsstrategie an die Gegebenheiten in Deutschland anpassen.</p>

<p>Dennoch werde ich mich mit den neu vorgestellten Produkten besch&#228;ftigen. Letztg&#252;ltige Entscheidungen, wie ich mit ihnen umgehen werde, habe ich noch nicht gef&#228;llt. Das hindert mich nicht daran, meine Skepsis kundzutun, zu formulieren, wie ich mir solche digitalen Bildungsl&#246;sungen eigentlich vorstelle. Ohne Visionen davon, wie Schule sein kann und sein soll, gibt es keine Ziele, die erreicht werden k&#246;nnen.</p>

<p>Bildungsprozesse haben in meinen Augen etwas mit Freiheit zu tun. Ich habe &#252;berhaupt kein Problem, die Produkte einer Firma zu m&#246;gen und zu benutzen, solange diese Produkte erlauben, etwas zu produzieren, dessen Rezeption nicht auf die gleichen Produkte der gleichen Firma beschr&#228;nkt ist. Idealerweise kann ich Inhalte erstellen, die in freien Formaten verf&#252;gbar gemacht werden k&#246;nnen, also unabh&#228;ngig von der genutzten Plattform sind.</p>

<p>Lernprozesse verlaufen individuell unterschiedlich, die Zugangsweisen unterschiedlicher Menschen zu &#228;hnlichen Themen sind &#228;u&#223;erst vielf&#228;ltig. Um Bildungsmedien an diese unterschiedlichen Bed&#252;rfnisse anpassen zu k&#246;nnen, m&#252;ssen sie dem Lehrer bzw. der Lehrerin gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Freiheiten geben. Diese Freiheiten haben schon Schulb&#252;cher nicht gegeben – geschlossene Softwarel&#246;sungen werden sie auch nicht f&#246;rdern.</p>

<p>Apples Vorstellungen, wie das Schulbuch der Zukunft aussehen k&#246;nnte, sind zudem &#228;u&#223;erst konservativ, wenn ich mir das von Apple zur Verf&#252;gung gestellte Ansichtsexemplar eines solchen Schulbuches anschaue. Dieses Musterbuch ist sehr stark instruktiv ausgerichtet, hat in meinen Augen sehr leichte Feedbackfragen integriert und kommt in der Regel immer erst am Ende eines Kapitels dazu, die Eigenaktivit&#228;t der Lernenden in den Vordergrund zu stellen. Entsprechend hie&#223; es bei der Keynote in New York auch, dass das Schulbuch als Schulbuch unpraktisch sei, seine Inhalte aber qualitativ wertvoll sein w&#252;rden. Bereits an dieser Stelle war zu ahnen, dass Apple selbstverst&#228;ndlich weder methodisch noch didaktisch irgendwelche Innovationen vorlegen w&#252;rde.</p>

<p>Selbstverst&#228;ndlich k&#246;nnen in mit iBooks-Author erstellten Schulb&#252;chern methodisch und didaktisch neue Wege gegangen werden, aber m&#246;glicherweise besteht der Grundfehler darin, dass Apple nach wie vor auf die Buchmetapher vertraut, dabei aber aus dem Blick verliert, dass ein multimediales „Buch“ eben kein Buch mehr ist. Einzig die Buchmetapher ist geblieben. – Entsprechend linearer ist das von Apple vorgelegte Beispielbuch aufgebaut, die nichtlinearen Grundstrukturen des Denkens und Lernens werden hier entsprechend nicht abgebildet, obwohl genau dies in digitalisierten Kontexten problemlos m&#246;glich ist.</p>

<p>Apple beantwortet nicht die Frage, die die Gegenwart an im Unterricht eingesetzte Materialien stellt. Apple beantwortet vielmehr vor allem die Frage, wie Verlage ihre Gesch&#228;ftsmodelle in die digitale Wirklichkeit hin&#252;berretten k&#246;nnen. Sich auf die von Apple gegebene Antwort zu verlassen, k&#246;nnte f&#252;r die Schulbuchverlage mittelfristig verheerende Folgen haben, so die Annahme stimmt, dass es das Buch selbst ist, das im Kontext der Nutzung digitaler Endger&#228;te aus dem Lernalltag verschwinden d&#252;rfte. Der Lernprozess selbst ver&#228;ndert sich grundlegend – so zumindest meine bisherigen Beobachtungen an mir selbst und an digitale Ger&#228;te bereits nutzenden Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern.</p>

<p>Apple hat aber trotz allem erreicht, dass die Diskussion um im Unterricht genutzte Computer einen neuen Ansto&#223; bekommen hat. Dies habe ich bereits einen Tag nach der Pr&#228;sentation Apples in New York unter Lehrerinnen und Lehrern beobachtet. Deshalb hoffe ich, dass von der Initiative dieses Computerherstellers ein Ansto&#223; ausgeht, der weitere Initiativen, Ideen und Projekte motivieren, intensivieren bzw. lostreten wird.</p>

<p>Letztlich wird es darum gehen, ob es gelingt, von geschlossenen L&#246;sungen hin zu offenen L&#246;sungen kommen, die vermutlich eher browsergest&#252;tzt zu denken sind.</p>

<p>Doch das Gef&#252;hl bleibt ambivalent: Der von Apple konstruierte „goldenen K&#228;fig“, das „Disneyland“ vieler, vieler bunter Apps, hat einen echten Wohlf&#252;hlwert, ist sch&#246;n gestaltet und in vielerlei Hinsicht hochgradig effizient. Andererseits, wenn man den Blick doch einmal von all den Attraktionen abwendet, hat man st&#228;ndig diesen Zaun im Nacken, der diese Welt massiv nach au&#223;en hin abgrenzt. Und dieser Zaun sieht aus, wie alle Z&#228;une letztlich aussehen: unfreundlich, abweisend, grau, kalt. Es ist ein Weidezaun, der die Konsumenten auf der Weide halten soll. Es k&#246;nnte aber sein, dass es wieder modern wird, sich gerne in der freien „Natur“ bewegen zu wollen. Ich hoffe, diese in meinen Augen w&#252;nschenswerte „Mode“ l&#228;sst nicht mehr lange auf sich warten.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Schule „muss“ sich nicht ver&#228;ndern; sie tut es einfach. Eine Provokation.</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 23:04:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich gerade in die Oberstufe gekommen war, wollte ich unbedingt dieses vierundzwanzig B&#228;nde umfassende Lexikon im Taschenbuchformat haben. Als ich es dann hatte, kamen in besonders ereignisreichen Jahren Einzelb&#228;nde dazu, die die Informationen im Lexikon aktualisierten.  Mir kam dieser &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/01/17/schule-muss-sich-nicht-verandern-sie-tut-es-einfach-eine-provokation/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich gerade in die Oberstufe gekommen war, wollte ich unbedingt dieses vierundzwanzig B&#228;nde umfassende Lexikon im Taschenbuchformat haben.</p>

<p>Als ich es dann hatte, kamen in besonders ereignisreichen Jahren Einzelb&#228;nde dazu, die die Informationen im Lexikon aktualisierten. </p>

<p>Mir kam dieser Regalmeter an Wissen damals so vor, als ob es unm&#246;glich sei, noch viel mehr zu wissen oder in noch kompakterer Form, Wissen zug&#228;nglich zu machen. </p>

<p>In der gleichen Zeit war ich zutiefst davon beeindruckt, dass Briefe an und von einem Brieffreund in Singapur in der Regel nur zwei Werktage unterwegs waren, bis sie ankamen und eine mir v&#246;llig unbekannte Welt ins Haus brachten. </p>

<p>Es gab f&#252;r solche Brieffreundschaften Vermittlungsagenturen, die damals bei uns Jugendlichen recht beliebt waren, konnte man auf dem Wege &#252;ber eine Brieffreundschaften doch Fremdsprachenkenntnissen so etwas wie Praxisrelevanz abtrotzen. </p>

<p>Das Lexikon steht noch immer in meinem Regal, aber weniger, weil ich davon einen Nutzen habe, sondern eher als eine Art „romantische“ Erinnerung an Zeiten, die gar nicht lange her sind, daf&#252;r aber sehr schnell vergangen sind. </p>

<p>Das Wissen der Welt steht heute tagesaktuell via Internet zur Verf&#252;gung. </p>

<p>Das Internet und Computer machen Englischkenntnisse unmittelbar praxisrelevant. Freundschaften auf Distanz werden heute via Facebook und Skype gepflegt. </p>

<p>Was einst ein f&#252;r mich mit schier unvorstellbaren Wissensmengen gef&#252;llter Regalmeter war, neben dem einige Zeit sp&#228;ter noch alle damals unter dem Label „Duden“ verf&#252;gbaren W&#246;rterb&#252;cher, zehn an der Zahl, einzogen und so auch umfassendes Sprachwissen f&#252;r mich greifbar machten, kommt mir heute so vor, als seien es letztlich doch sehr bescheidene Wissensmengen gewesen. Und der Regalmeter mit gewichtigen B&#252;chern reicht nicht im mindesten an das verf&#252;gbare Wissen in meiner Hosentasche heran, das ich immer bei mir trage.</p>

<p>Neben Lexikon und W&#246;rterb&#252;chern habe ich eine &#252;ber hundert B&#228;nde umfassende Klassikerbibliothek, die in Druckform einige Umzugskisten ben&#246;tigte, um transportiert werden zu k&#246;nnen, in der Hosentasche. Das Smartphone macht es m&#246;glich.</p>

<p>Au&#223;erdem trage ich eine vollwertige Schreibmaschine mit mir herum, die kleiner als ein Collegeblock ist, die mir komfortablen Internetzugang erlaubt, mit der ich mit anderen Menschen kommunizieren kann.</p>

<p>Fotoapparat, die M&#246;glichkeit, hochwertige Videos anzufertigen und sogar zu schneiden, ein Audiorekorder, einen Scanner mit OCR, eine vollst&#228;ndige Fahrplanauskunft (fr&#252;her war dazu ein dickes „Kursbuch“ n&#246;tig), eine Sammlung historischen Kartenmaterials, eine mehrere hundert „Platten“ umfassende Musiksammlung etc. f&#252;hre ich st&#228;ndig in der Hosentasche mit mir herum.</p>

<p>Das alles kam mir in den Sinn, als ich &#252;ber die mir k&#252;rzlich gestellte Frage nachdachte, ob Schule sich nicht ver&#228;ndern m&#252;sse. </p>

<p>Je mehr ich &#252;ber diese Frage nachdenke, deren Zielrichtung ich nat&#252;rlich verstehe (zu verstehen meine), um so sinnloser, an der eigentlich zu stellenden Frage vorbei gestellt erscheint sie mir. </p>

<p>Schule „muss“ sich nicht ver&#228;ndern. Das muss man nicht fordern, als ein „Muss“ in den Raum projizieren. Schule tut das einfach. Schule ver&#228;ndert sich. Schule ist l&#228;ngst vom informationstechnologischen Wandel durchdrungen und gepr&#228;gt – auch dort, wo die Ver&#228;nderungsresitenzen von Lehrenden noch versuchen, „alte Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ gegen den „Angriff“ aus der Welt des Internets und des Hosentaschenwissens am Leben zu erhalten. </p>

<p>Wenn dann Lehrer und Lehrerinnen im Lehrerzimmer „ihre Klausuren von vor ein paar Jahre, die sie bislang problemlos immer wieder verwenden konnten, die jetzt aber im Internet kursieren und die sie deshalb nicht mehr verwenden k&#246;nnen“ hochhalten, die sie bei Sch&#252;lern gefunden haben, w&#228;hrend diese Arbeit wieder einmal geschrieben wurde, so ist das ein fast tragikomischer Anblick.</p>

<p>Wenn Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen der Gebrauch mobiler Endger&#228;te mit Internetzugang verboten wird, wirkt das zunehmend so, als w&#252;rde man die Nutzung von W&#246;rterb&#252;chern verbieten. </p>

<p>Nein, Schulen sehen sich keinem „Muss“ zur Ver&#228;nderung ausgesetzt. Schulen ver&#228;ndern sich parallel zum Leitmedienwechsel von alleine, organisch, egal ob Lehrer, Eltern, Schultr&#228;ger, Kultusbeh&#246;rden,  Schulbuchverlage etc. sich gegen das „Wuchern dieses digitalen Unkrauts“ wehren oder ob sie sich auf den Medienwandel in der Wissensgesellschaft einlassen und Sch&#252;ler dabei unterst&#252;tzen, m&#252;ndige B&#252;rgern in dieser Wissensgesellschaft zu werden. </p>

<p>Weg also mit dem „Muss“, wenn es um Fragen der Ver&#228;nderung von Schule geht. </p>

<p>An die Stelle dieses „Muss“ sollte man die Forderung nach Professionalit&#228;t im Umgang mit diesem Leitmedienwechsel setzen und diese Professionalit&#228;t gleichzeitig einfordern.</p>

<p>Es ist nicht die Aufgabe von Lehrern, den Leitmedienwechsel (immer noch) zu verteufeln oder einfach zu ignorieren. </p>

<p>Es ist Aufgabe von Lehrern, kompetent mit dem Leitmedienwechsel umzugehen, theoretisches und Anwendungswissen zu erwerben, um den M&#246;glichkeiten und Chancen des Leitmedienwechsels auch reflektierend begegnen zu k&#246;nnen. </p>

<p>Nat&#252;rlich ist das mit Arbeit verbunden, aber als Fachlehrer kann man sich zum Beispiel in den Naturwissenschaften neuen fachlichen Erkenntnissen auch nicht verweigern, wenn man den eigenen Beruf wirklich ernst nimmt. </p>

<p>Es ist nicht so, dass man sich zur&#252;cklehnen und entscheiden kann, ob einen als Lehrer dieser Leitmedienwechsel betrifft oder nicht, ob man diesem gegen&#252;ber Kompetenzen erwerben m&#246;chte oder nicht. Diese Entscheidung mag mir als Privatperson m&#246;glich sein; will ich meinem Erziehungsauftrag angemessen nachkommen, muss ich zum kompetenten Umgang mit dem Leitmedium in der Lage sein. </p>

<p>Ich kann mich als Lehrer ja auch nicht weigern, B&#252;cher oder Fachzeitschriften in die Hand zu nehmen, wenn ich den Beruf ernst nehme. </p>

<p>Ich stelle mir vor, Automechaniker verhielten sich wie manche Lehrer, sie w&#252;rden sich weigern, von ihren mechanischen Reparaturkompetenzen auf Mechatronik umzustellen, sie w&#252;rden sich weigern, den Umgang mit Computern zu erlernen, um Fehleranalysen an der Bordelektronik eines Autos durchf&#252;hren zu k&#246;nnen: Wenn ein solcher Automechaniker nicht gerade in einer Werkstatt arbeitet, die sich auf Oldtimer spezialisiert hat, w&#252;rde er seinen Beruf verlieren. </p>

<p>Ich hielte es f&#252;r keinen Eingriff in die gesetzlich verankerte p&#228;dagogische Freiheit von Lehrerinnen und Lehrern, w&#252;rde eine Dienstanweisung ergehen, in der klar definiert ist, welche Kompetenzen der Leitmedienwechsel von Lehrenden fordert, damit dieser kompetent reflektiert und auch praktisch fruchtbar gemacht werden kann. Diese Dienstanweisung d&#252;rfte freilich nur von Leuten erarbeitet werden, denen man gen&#252;gend Wissen und F&#228;higkeiten zutraut, dies angemessen zu tun, also nicht von Politikern, die sich E-Mails nach wie vor ausdrucken lassen <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Ich hielte es f&#252;r keinen Eingriff in die gesetzlich verankerte p&#228;dagogische Freiheit von Lehrerinnen und Lehrern, bek&#228;me jede und jeder eine Dienstemailadresse, die verpflichtend mind. an den Tagen abzurufen w&#228;re, an denen die Kollegen in der Schule sind, wo Dienstrechner verf&#252;gbar sind. </p>

<p>Solange es aber nicht als seltsam angesehen wird, dass Lehrer und Lehrerinnen sich teilweise dem Leitmedienwechsel offensiv verweigern, solange nicht verbindlich eingefordert wird, dass Medienkompetenz ebenso wie Sprach- und Schreibkompetenz in allen F&#228;chern zu f&#246;rdern ist, solange wird sich Schule weiter ver&#228;ndern, worauf Lehrer weiter mit Restriktionen reagieren werden, um den StatusQuo zu bewahren, um die Ver&#228;nderungen vielleicht doch noch zu verhindern, wodurch die Atmosph&#228;re in den Schulen zunehmend von dem nicht reflektierten Konflikt zwischen „digitalen Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ im au&#223;erschulischen Alltag und der vor diesem Alltag „gesch&#252;tzten“ Schule gepr&#228;gt wird.</p>

<p>Der Leitmedienwechsel wird zu einer neuen Lernkultur f&#252;hren.</p>

<p>Die sich mit ihm ergebenden M&#246;glichkeiten und Risiken wollen reflektiert Einzug in die Schulwirklichkeit finden. </p>

<p>Um diesen reflektierten Umgang mit dem Leitmedienwechsel leisten zu k&#246;nnen, m&#252;ssen Lehrer und Lehrerinnen lernen. </p>

<p>Ja, das ist mit Arbeit verbunden. Aber diese Arbeit ist nicht zu vermeiden, soll sich in der Schule nicht ein Dauerkonflikt zwischen „digitalen Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ (das Vorhandensein einer dienstlichen  E-Mail-Adresse ist eine solche, der gemeinfreie Klassiker auf dem E-Book-Reader bzw. dem Smartphone oder dem Tablet ist gerade dabei eine solche zu werden) und analoger Beharrlichkeit festsetzen, der dem Auftrag der Schule und somit der P&#228;dagogen in der Schule zuwider liefe.</p>

<p>Schule „muss“ sich nicht ver&#228;ndern; Schule ver&#228;ndert sich angesichts des Leitmedienwechsels einfach; sie tut das einfach, v&#246;llig ohne „Muss“. </p>

<p>Die Frage lautet also, wie sehr die an der Gestaltung von Schule beteiligten Professionellen professionell in der Lage sind, diese Ver&#228;nderungen wahrzunehmen, zu beschreiben, zu reflektieren und dann in die Didaktik und Methodik der F&#228;cher zu integrieren. </p>

<p>Das ist f&#252;r alle Beteiligten eine Herausforderung. Und deshalb muss die Herausforderung noch umfassender beschrieben werden: Wie sehr sind Politik und gesamtgesellschaftliche Stimmungen bereit und in der Lage, den an der Gestaltung von Schule beteiligten Professionellen professionelle Fortbildungsm&#246;glichkeiten zu geben, die keine Zusatzbelastungen sind, sondern durch Entlastungen an anderen Stellen eigentlich erst erwartbar und m&#246;glich werden. </p>

<p>Solange dies nicht geschieht, ist freilich nicht unbedingt zu erwarten, dass Lehrer und Lehrerinnen die Kraft, Energie und Bereitschaft aufbringen (k&#246;nnen), sich den faktischen Ver&#228;nderungen von Schule im digitalen Kontext zu stellen; solange ist es durchaus nachvollziehbar, dass vielen Lehrer und Lehrerinnen der an „analogen Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ orientierte Schulalltag der „sicherere Grund“ zu sein scheint, auf dem sie agieren k&#246;nnen. </p>

<p>Doch von all dem unabh&#228;ngig: Schule ver&#228;ndert sich; Schule hat sich angesichts neuer „digitaler Selbstverst&#228;ndlichkeiten“ l&#228;ngst ver&#228;ndert. </p>

<p>Es ist Zeit, diese Ver&#228;nderungen reflexiv und praktisch  einzuholen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Von den Gegebenheiten zum Traum 1: Der das © achtende Lehrer. (K)ein Beitrag zum #Schultrojaner</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Nov 2011 17:52:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Begleiten wir heute einen das Copyright achtenden Lehrer ein wenig durch seinen Alltag. Aber Vorsicht! Sie werden dabei ungeahnten Problemen begegnen, die Sie, wenn Sie &#252;ber gro&#223;es Einf&#252;hlungsverm&#246;gen verf&#252;gen, gemeinsam mit dem Lehrer in das Reich des Wahnsinns treiben k&#246;nnen. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/11/04/von-den-gegebenheiten-zum-traum-1-der-das-achtende-lehrer-kein-beitrag-zum-schultrojaner/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Begleiten wir heute einen das Copyright achtenden Lehrer ein wenig durch seinen Alltag.</p>

<p>Aber Vorsicht!</p>

<p>Sie werden dabei ungeahnten Problemen begegnen, die Sie, wenn Sie &#252;ber gro&#223;es Einf&#252;hlungsverm&#246;gen verf&#252;gen, gemeinsam mit dem Lehrer in das Reich des Wahnsinns treiben k&#246;nnen.</p>

<p>Sagen Sie nicht, ich h&#228;tte Sie nicht gewarnt!<span id="more-28127"></span></p>

<p>Bildungsmedien – sprich: Schulb&#252;cher – traditioneller Art haben sich als sensible Form des Mediums f&#252;r den Unterricht heraus gestellt. So sensibel, dass den Lehrern der kreative Umgang mit ihnen fast nicht m&#246;glich ist, denn traditionelle Schulb&#252;cher unterliegen dem Copyright.</p>

<p>Der hier angenommene Lehrer mag das Copyright eigentlich sehr und achtet es nach bestem Wissen und Gewissen. Aber traditionelle Bildungsmedien sind mittlerweile in ein Alter gekommen, in dem sie mit Samthandschuhen angefasst werden m&#252;ssen, in dem man nicht mehr viel mit ihnen machen darf, wenn man legal mit ihnen umgehen will. – Unser Lehrer hier will legal mit ihnen umgehen. Und er will Bildungsmedien bearbeiten d&#252;rfen. Er will jeden Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin angemessen f&#246;rdern. Und das geht mit B&#252;chern, die die Klasse und das Kind nicht kennen, nur schwer.</p>

<p>Der Lehrer hingegen kennt die Klasse. Der Lehrer kennt die Kinder in denen von ihm unterrichteten Klassen zumindest so gut, dass er wei&#223;, was einem Kind beim Lernen helfen kann und was nicht. Nun gibt es im Schulbuch z. B. Material, das f&#252;r das eine Kind gut geeignet ist, ein anderes jedoch &#252;ber- oder unterfordern w&#252;rde.</p>

<p>Gut, denkt sich der Lehrer, das Problem l&#228;sst sich l&#246;sen. Ich hatte doch das richtige Material f&#252;r das andere Kind in dem anderen Schulbuch gefunden. Das sind zwei Seiten, die darf ich kopieren, denn das Schulbuch ist ja dicker als 20 Seiten, zwei Seiten sind also weniger als 12%.</p>

<p>Aber, denkt unser Lehrer, vielleicht will ein  drittes Kind beide Aufgaben machen, es gibt doch nicht nur diese zwei.</p>

<p>Also macht dieser Lehrer aus zwei B&#252;chern von je zwei Seiten Kopien und bastelt daraus ein Arbeitsblatt, mit dem er meint, die Bed&#252;rfnisse der Kinder in dieser einen Klasse abdecken zu k&#246;nnen. – Der Lehrer wei&#223; zwar, dass er aus B&#252;chern in beschr&#228;nktem Ma&#223; kopieren darf. Er ist aber ein Fan des Copyrights, er achtet die geistigen Leistungen Dritter und wird unsicher: „Darf ich denn Material neu zusammenf&#252;gen und es dann kopieren, solange es im Rahmen der Vorgaben bleibt, die ich <a href="http://www.schulbuchkopie.de/fragen_antworten.html" target="_blank">hier</a> finde?</p>

<p>Unser angenommener Lehrer stellt mit Schrecken fest, dass er auf der Website und in der zu Beginn des Jahres 2011 verteilten <a href="http://www.schulbuchkopie.de/pdf/Kopierbroschuere_2009.pdf" target="_blank">Brosch&#252;re</a>, die vom Sekretariat der Kultusministerkonferenz und dem VdS Bildungsmedien e. V. herausgegeben wurde, keine Antwort auf diese ganz spezielle Frage entdeckt.</p>

<p>Er geht davon aus, dass er Materialien aus zwei B&#252;chern zu einem Arbeitsblatt verarbeiten darf, wenn er die Quellen darauf notiert, und beginnt mit Schere und Papier zu basteln. Das ungute Gef&#252;hl bleibt. Er wei&#223; nicht, ob er das darf, was er da tut. Diese Unsicherheit macht den Lehrer unruhig und m&#252;de und er schneidet daneben, sodass von dem einen Text Teile fehlen.</p>

<p>„Ach Mann“, denkt der Lehrer, „der Kopierer ist doch mit dem Computer verbunden, ich scanne das jetzt ein, f&#252;ge die Texte dann zusammen und drucke sie aus.“ – Und jetzt hat dieser Lehrer potentiell ein echtes Problem. <em>Das darf er n&#228;mlich nicht.</em> Das verbietet das
Gesetz &#252;ber Urheberrecht und verwandte Schutzrechte im <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__53.html" target="_blank">Paragraphen 53</a>. Dieser Paragraph ist zwar nur schwer zu lesen, das hat unser Lehrer dann aber doch verstanden.</p>

<p>Er macht es trotzdem, denn die Schule hat das Budget f&#252;r neue B&#252;cher aufgebraucht, die Eltern haben auch schon zus&#228;tzliche Schullekt&#252;ren gekauft und er will den Kindern das optimale Material auch optisch sch&#246;n verf&#252;gbar machen, sch&#246;ner als es ihm per Hand in der Regel gelingt.</p>

<p>Ach, w&#228;re es sch&#246;n, wenn es gutes Material g&#228;be, das ohne mentalen Stress so bearbeitet werden darf und kann, dass m&#246;glichst alle Kinder in der Klasse ein Lernangebot bekommen. „Das ist zwar Arbeit, aber ehrlich“, so fl&#252;stert er mir ersch&#246;pft ins Ohr, „der Stress besteht darin, dass ich st&#228;ndig das Gef&#252;hl habe, in den Augen der Schulbuchverlage was falsch zu machen und damit zu derem finanziellen Untergang beizutragen. Was soll ich denn dann machen? Ich kann mit meinem Stundendeputat vielleicht f&#252;r ein Drittel der Stunden pro Woche in angemessener Zeit eigene Materialien erstellen, f&#252;r die anderen Klassen h&#228;tte ich, wenn mein Kopierverhalten zur Pleite der Schulbuchverlage f&#252;hrte, dann nur noch solange Material, wie es die alten Schulb&#252;cher noch tun.“</p>

<p>Erschrocken &#252;ber sein Tun, zuckt er zusammen, ein tiefes Schuldgef&#252;hl wabert durch ihn hindurch: „Das aber will ich nicht!“, ruft er, l&#246;scht die Dateien, schaltet den Kopierer aus und nimmt nun eben dieses eine Schulbuch f&#252;r seinen Unterricht, das an der Schule f&#252;r die Jahrgangsstufe vorhanden ist und das die Sch&#252;ler nun ausgeteilt bekommen.  Er st&#246;&#223;t zwar immer wieder darauf, dass  der Unterricht besser w&#228;re, wenn er kreativ bastelnd von Material aus unterschiedlichen Quellen ausgehen k&#246;nnte, um so jeweils f&#252;r unterschiedliche Klassen mit unterschiedlichen Anspr&#252;chen, Materialien zu erstellen, die das Lernen der Kinder in diesen Klassen jeweils optimal unterst&#252;tzen, aber am Ende will er es nicht gewesen sein, der die Arbeitspl&#228;tze in den Schulbuchverlagen auf dem Gewissen hat.</p>

<p>Zufrieden ist dieser Lehrer nicht. Er wei&#223;, dass er das Lernen der Kinder besser unterst&#252;tzen k&#246;nnte. Als rechtschaffener B&#252;rger, als Fan des Copyrights – und nat&#252;rlich aus Angst, dass sein Tun f&#252;r die Sch&#252;ler zu disziplinarischen Ma&#223;nahmen gegen ihn f&#252;hren k&#246;nnte, wie er es dem <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">Gesamtvertrag zur Einr&#228;umung und Verg&#252;tung von Anspr&#252;chen nach § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG)</a> dem Paragrafen 6 Abschnitt 7 entnommen hat – lebt er mit dieser Unzufriedenheit, frisst sie in sich hinein.</p>

<p>In §6 Abschnitt 7 hei&#223;t es:</p>

<blockquote><address>„Die L&#228;nder verpflichten sich, bei Bekanntwerden von Verst&#246;&#223;en gegen die in diesem Gesamtvertrag festgelegten Vorgaben f&#252;r das Vervielf&#228;ltigen von urheberrechtlich gesch&#252;tzten Werken gegen die betreffenden staatlichen Schulleiter und Lehrkr&#228;fte disziplinarische Ma&#223;nahmen einzuleiten. Zivil- und strafrechtliche Anspr&#252;che der Rechteinhaber bleiben unber&#252;hrt.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/11/04/von-den-gegebenheiten-zum-traum-1-der-das-achtende-lehrer-kein-beitrag-zum-schultrojaner/#footnote_0_28127" id="identifier_0_28127" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der VdS Bildungsmedien e. V., der als Lobbyverband die Schulbuchverlage vertritt, schreibt in einer &bdquo;FAQ zur Pr&amp;#252;f-Software f&amp;#252;r digitale Kopien&ldquo; (sic!: &bdquo;f&amp;#252;r&ldquo; steht da, nicht etwa &bdquo;gegen&ldquo; &ndash; das sind die Feinheiten der PR-Sprache):&nbsp;&bdquo;Wie und durch wen wird auf Verst&amp;#246;&amp;#223;e reagiert?
 Das ist allein Sache der Schultr&amp;#228;ger.&ldquo;&sect;5 Abschnitt 7 im &nbsp;Gesamtvertrag zur Einr&amp;#228;umung und Verg&amp;#252;tung von Anspr&amp;#252;chen nach &sect; 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG)&nbsp;sagt meines Erachtens ganz klar etwas anders. Das &bdquo;Wie&ldquo; ist festgelegt (disziplinarisch). Und die Tatsache, dass zivil- und strafrechtliche Anspr&amp;#252;che der Rechteinhaber unber&amp;#252;hrt bleiben widerspricht einer Aussage in der&nbsp;&nbsp;&bdquo;FAQ zur Pr&amp;#252;f-Software f&amp;#252;r digitale Kopien&ldquo;:&bdquo;Was passiert mit den Daten, die die Software ermittelt? Werden diese an die Verlage weitergegeben?
Nein. Die Informationen direkt aus der Software stehen allein dem Schultr&amp;#228;ger zur Verf&amp;#252;gung. Die Verlage werden lediglich einmal j&amp;#228;hrlich von den L&amp;#228;ndern &amp;#252;ber die &amp;#220;berpr&amp;#252;fungen informiert. Dabei ist der Datenschutz zu ber&amp;#252;cksichtigen: Die Verlage wissen zu keinem Zeitpunkt, wann welche Schule wie &amp;#252;berpr&amp;#252;ft wurde, die L&amp;#228;ndern berichten (in anonymisierter Form) lediglich &amp;#252;ber Art und Umfang der Rechtsverletzungen.&ldquo;Wie bitte soll dieses klare &bdquo;Nein&ldquo; damit einhergehen, dass zivil- und strafrechtliche Anspr&amp;#252;che der Verlage unber&amp;#252;hrt bleiben? Wie sollen die denn durchgesetzt werden, wenn die Daten nicht an die Verlage weiter gegeben werden? Soll der Schultr&amp;#228;ger dann auch noch den Schadenersatz bei seinen Lehrern f&amp;#252;r den VdS eintreiben?">1</a></sup></address></blockquote>

<p>Unser Lehrer hat in Abschnitt 4 dieses Paragrafen 6 gelesen, dass eine Software den Schultr&#228;gern helfen soll, eventuelle Rechtsverst&#246;&#223;e zu ermitteln. Er hat, <a href="http://netzpolitik.org/2011/der-schultrojaner-eine-neue-innovation-der-verlage/" target="_blank">nachdem Markus Beckedahl auf diese hingewiesen</a> hat und <a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://herrlarbig.de/2011/11/01/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage/" target="_blank">auch dieses Blog hier dazu schrieb</a>, mitbekommen, dass es diese Software noch gar nicht gibt, aber er ist v&#246;llig verunsichert: Sein Dienstherr scheint zumindest bereit, im Rahmen der Erstellung der Rechtssicherheit f&#252;r die Schultr&#228;ger, Ermittlungsarbeiten f&#252;r die Schulbuchverlage zu &#252;bernehmen. Anders kann unser angenommener Lehrer die Aussagen in diesem <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">Gesamtvertrag zur Einr&#228;umung und Verg&#252;tung von Anspr&#252;chen nach § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG</a>) nicht verstehen. Ob er das falsch verstanden hat.</p>

<p>Auf all das ist unser Lehrer gesto&#223;en, <em>weil er das Copyright mag und es achtet</em>.</p>

<p>Der Lehrer kommt ins Gr&#252;beln: „Ich habe das Copyright geachtet, obwohl ich doch besseres Material erstellen k&#246;nnte, wenn ich digitales Material habe, das ich auch bearbeiten darf. Es w&#252;rde mir dann leichter fallen, differenzierendes, den Bildungsprozess der Kinder f&#246;rderndes Material zu erstellen. Und da ich nicht noch neben dem Schulbuch jedes Mal eigenes Material erstellen kann, dazu reicht die Zeit nicht, nutze ich eben das Schulbuch, damit ich zumindest etwas Material habe, dass didaktisch ja auch nicht schlecht ist, aber eben f&#252;r diese Lerngruppe nicht optimal.“</p>

<p>Und der Lehrer kommt mehr und mehr zu dem Schluss, dass hier eine Werteverschiebung stattgefunden hat, die zumindest einen Teil der Qualit&#228;t von Bildung den &#246;konomischen Grenzen des Urheberrechts unterwirft. Er bem&#252;ht sich wirklich, er ist auch bereit mehr Stunden zu arbeiten, als eigentlich vorgesehen sind. Und wenn er mit vorhandenem Material digital basteln d&#252;rfte, ja, es sogar digital vorl&#228;ge, dann k&#246;nnte er in verantwortbarer Zeit wirklich f&#252;r die von ihm geleiteten Lerngruppen angemessen differenzierendes Lernmaterial erstellen. So aber gelingt ihm das nur hin und wieder, so aber nutzt er das Material, dass von Schulbuchverlagen gekauft wurde, das didaktisch durchdacht ist, aber eben leicht optimiert werden k&#246;nnte, wenn er, der Lehrer, mit seiner Kompetenz f&#252;r die konkrete Lerngruppe da ran d&#252;rfte…</p>

<p style="text-align: center;">Der Lehrer ist mit dieser Situation nicht zufrieden. Er beginnt zu tr&#228;umen…</p>

<p>(Fortsetztung folgt…)</p>

<blockquote><address>Bis die Fortsetzung soweit ist, unser Lehrer seinen Traum erz&#228;hlen kann, k&#246;nnen hier nat&#252;rlich eigene Geschichten beim Erstellen von Unterrichtsmaterial als das copyright sch&#228;tzender Lehrer oder Lehrerin notiert werden.</address><address>Und um das Thema Differenzierung weiter zu verfolgen, kann zum dieser Beitrag von <a href="http://www.vielfalt-lernen.de/2011/11/04/vielfalt-im-klassenzimmer-–-die-groste-herausforderung-fur-die-schule-der-zukunft/" target="_blank">J&#246;rg Dr&#228;ger</a> gelesen werden.</address><address>Was den noch auszuformulierenden Traum angeht, sei <a href="http://www.dotcomblog.de/?p=2276" target="_blank">ein kleiner Hinweis</a> gegeben.</address></blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_28127" class="footnote">Der VdS Bildungsmedien e. V., der als Lobbyverband die Schulbuchverlage vertritt, schreibt in einer „<a href="http://www.vds-bildungsmedien.de/presse/aktuelle-meldungen/01-11-11-faq-plagiats-software/" target="_blank">FAQ zur Pr&#252;f-Software f&#252;r digitale Kopien</a>“ (sic!: „f&#252;r“ steht da, nicht etwa „gegen“ – das sind die Feinheiten der PR-Sprache): </address><address><em><strong>„Wie und durch wen wird auf Verst&#246;&#223;e reagiert?</strong></em>
<em> Das ist allein Sache der Schultr&#228;ger.“</em></address><address>§5 Abschnitt 7 im  <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">Gesamtvertrag zur Einr&#228;umung und Verg&#252;tung von Anspr&#252;chen nach § 53 Urheberrechtsgesetz (UrhG)</a> sagt meines Erachtens ganz klar etwas anders. Das „Wie“ ist festgelegt (disziplinarisch). Und die Tatsache, dass zivil- und strafrechtliche Anspr&#252;che der Rechteinhaber unber&#252;hrt bleiben widerspricht einer Aussage in der  „FAQ zur Pr&#252;f-Software f&#252;r digitale Kopien“:</address><address><em><strong>„Was passiert mit den Daten, die die Software ermittelt? Werden diese an die Verlage weitergegeben?</strong></em>
<em>Nein. Die Informationen direkt aus der Software stehen allein dem Schultr&#228;ger zur Verf&#252;gung. Die Verlage werden lediglich einmal j&#228;hrlich von den L&#228;ndern &#252;ber die &#220;berpr&#252;fungen informiert. Dabei ist der Datenschutz zu ber&#252;cksichtigen: Die Verlage wissen zu keinem Zeitpunkt, wann welche Schule wie &#252;berpr&#252;ft wurde, die L&#228;ndern berichten (in anonymisierter Form) lediglich &#252;ber Art und Umfang der Rechtsverletzungen.“</em></address><address><em></em>Wie bitte soll dieses klare „Nein“ damit einhergehen, dass zivil- und strafrechtliche Anspr&#252;che der Verlage unber&#252;hrt bleiben? Wie sollen die denn durchgesetzt werden, wenn die Daten nicht an die Verlage weiter gegeben werden? Soll der Schultr&#228;ger dann auch noch den Schadenersatz bei seinen Lehrern f&#252;r den VdS eintreiben?</li></ol>
	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/2011/" title="2011" rel="tag">2011</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/21-jahrhundert/" title="21. Jahrhundert" rel="tag">21. Jahrhundert</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/bildung/" title="Bildung" rel="tag">Bildung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/bildung/" title="Bildung" rel="tag">Bildung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buch/" title="Buch" rel="tag">Buch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buecher/" title="Bücher" rel="tag">Bücher</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/digital/" title="digital" rel="tag">digital</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/digitaler-workflow/" title="Digitaler Workflow" rel="tag">Digitaler Workflow</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/paedagogik/forderung-beratung/" title="Förderung / Beratung" rel="tag">Förderung / Beratung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/kommunikation/" title="Kommunikation" rel="tag">Kommunikation</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kompetenz/" title="Kompetenz" rel="tag">Kompetenz</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/unterricht/kompetenzenfoerderung/" title="Kompetenzenförderung" rel="tag">Kompetenzenförderung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/notizen/lebenshilfe/" title="Lebenshilfe" rel="tag">Lebenshilfe</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lehre/" title="Lehre" rel="tag">Lehre</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lehrer/" title="Lehrer" rel="tag">Lehrer</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lektuere/" title="Lektüre" rel="tag">Lektüre</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lernen/" title="lernen" rel="tag">lernen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lernen/" title="lernen" rel="tag">lernen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lernen-und-lehren/" title="Lernen und Lehren" rel="tag">Lernen und Lehren</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lerngruppe/" title="Lerngruppe" rel="tag">Lerngruppe</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/macht/" title="Macht" rel="tag">Macht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/material/" title="Material" rel="tag">Material</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/medien/" title="Medien" rel="tag">Medien</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/medien/" title="Medien" rel="tag">Medien</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/medien/mediendidaktik/" title="Mediendidaktik" rel="tag">Mediendidaktik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/medien/medienkompetenz/" title="Medienkompetenz" rel="tag">Medienkompetenz</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/medien/medienkritik/" title="Medienkritik" rel="tag">Medienkritik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/medium/" title="Medium" rel="tag">Medium</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/unterricht/methoden/" title="Methoden" rel="tag">Methoden</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/netzpolitik/" title="Netzpolitik" rel="tag">Netzpolitik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/paedagogik/" title="Pädagogik" rel="tag">Pädagogik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/paedagogik/positionen/" title="Positionen" rel="tag">Positionen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/schluesselkompetenzen/" title="Schlüsselkompetenzen" rel="tag">Schlüsselkompetenzen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schulbuecher/" title="Schulbücher" rel="tag">Schulbücher</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schulbuchverlag/" title="Schulbuchverlag" rel="tag">Schulbuchverlag</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schule/" title="Schule" rel="tag">Schule</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schueler/" title="Schüler" rel="tag">Schüler</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schultrojaner/" title="Schultrojaner" rel="tag">Schultrojaner</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/sicherheit/" title="Sicherheit" rel="tag">Sicherheit</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/software/" title="Software" rel="tag">Software</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/tradition/" title="Tradition" rel="tag">Tradition</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/urheberrechtsgesetz/" title="Urheberrechtsgesetz" rel="tag">Urheberrechtsgesetz</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/verlag/" title="Verlag" rel="tag">Verlag</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lernen/vernetzen/" title="vernetzen" rel="tag">vernetzen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/medien/web-20-medien/" title="Web 2.0" rel="tag">Web 2.0</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/werte/" title="Werte" rel="tag">Werte</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wissen/" title="Wissen" rel="tag">Wissen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/schluesselkompetenzen/wissenserwerb/" title="Wissenserwerb" rel="tag">Wissenserwerb</a><br />
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		<title>Lehrersummit beim educamp in Bremen 2011 – 2. Teil</title>
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		<title>Lehrer brauchen keinen Talkmaster! – Lehrersummit beim educamp in Bremen 2011 – 1. Teil</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 19:48:56 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Vor gef&#252;hlt 209 Sonnenunterg&#228;ngen (dank an http://wolframalpha.com f&#252;r diese spontane Berechnung) sa&#223;en Andreas Kasche, Felix Schaumburg, Lisa Rosa, Maik Rieken, René Scheppler und Torsten Larbig auf Einladung Lutz Bergers beim educamp im Bremen auf zwei roten Sofas und diskutierten miteinander. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/14/lehrer-brauchen-keinen-talkmaster-lehrersummit-beim-educamp-in-bremen-2011-1-teil/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor gef&#252;hlt 209 Sonnenunterg&#228;ngen (dank an http://wolframalpha.com f&#252;r diese spontane Berechnung) sa&#223;en Andreas Kasche, Felix Schaumburg, Lisa Rosa, Maik Rieken, René Scheppler und Torsten Larbig auf Einladung Lutz Bergers beim <a href="http://educamp.mixxt.de/networks/wiki/index.archiv-ec11-7" target="_blank">educamp im Bremen</a> auf zwei roten Sofas und diskutierten miteinander.</p>

<p>Nun ist, mit h&#246;chst aufwendigen Schnitten, angemessenem Musikauffwand und in konsumierbarer L&#228;nger, der erste von (vermutlich ca.) drei Teilen dieses Lehrerzusammentreffens (Lehrer-Summits) erschienen, nicht nur, um Lust auf die Folgen 2 und 3 zu machen, sondern durchaus mit einem Eigenwert.</p>

<p>Wenn YouTube auch richtig viele Millionen Zuschauer hat, m&#246;ge es die Reichweite des Videos dieses Zusammentreffens zur Talkshow ohne Talkmaster erh&#246;hen, wenn es nun hier, in den Kontext meiner bescheidenen Webanwesenheit eingebettet wird.</p>

<p>M&#246;ge es Werbung sein f&#252;r das n&#228;chste <a href="http://educamp.mixxt.de" target="_blank">Educamp</a>, das vom 18.–20.11.2011 an der im Gespr&#228;ch von Lisa Rosa erw&#228;hnten Laborschule in Bielefeld stattfinden wird.</p>

<p>Jetzt aber… Der 1. Teil</p>

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		<title>Gefunden: Projektorientiertes Lernen erkl&#228;rt (Englisch – Common Craft)</title>
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		<pubDate>Sat, 08 Oct 2011 15:36:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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</ul>

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		<title>Lesekompetenz und Ausdrucksf&#228;higkeit – Beobachtungen</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 19:47:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Beobachtung, dass Jugendliche oft Probleme beim den Sinn eines Textes erfassenden und interpretierenden (=verstehenden) Lesen haben, ist hinl&#228;nglich bekannt; die enge Verbindung schriftlicher Ausdrucksf&#228;higkeit mit der Lesef&#228;higkeit wird ebenso umfassend beschrieben. F&#252;r mich zeigen sich diese Ph&#228;nomene an folgenden &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Beobachtung, dass Jugendliche oft Probleme beim den Sinn eines Textes erfassenden und interpretierenden (=verstehenden) Lesen haben, ist hinl&#228;nglich bekannt; die enge Verbindung schriftlicher Ausdrucksf&#228;higkeit mit der Lesef&#228;higkeit wird ebenso umfassend beschrieben.</p>

<p>F&#252;r mich zeigen sich diese Ph&#228;nomene an folgenden Punkten (in unterschiedlicher Intensit&#228;t in den unterschiedlichen Altersstufen, aber in allen Altersstufen (10–19 Jahre) beobachtbar).<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/#footnote_0_1692" id="identifier_0_1692" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich erhebe hier nicht den Anspruch etwas Neues zu sagen oder eine empirisch unangreifbare Darstellung zu verfassen, sondern stelle im Rahmen dieses Blogs genau die Diskussionsgrundlage zur Verf&amp;#252;gung, die ein privates Blog zun&amp;#228;chst einmal schaffen kann. Dabei gehe ich aber dennoch davon aus, dass die hier beschriebenen Beobachtungen und meine &amp;#220;berlegungen zum Umgang mit den Ph&amp;#228;nomenen mehr als eine Privatmeinung sind.">1</a></sup>:</p>

<ul>
    <li>Beim Vorlesen von Texten<span id="more-1692"></span> werden &#252;berraschend h&#228;ufig sinntragende W&#246;rter entweder ausgelassen (ohne dass sich in allen F&#228;llen ein „Protest“ der mitlesenden Jugendlichen regen w&#252;rde) oder durch andere, grammatikalisch passende, den Sinn aber verschiebende, W&#246;rter ersetzt, ohne dass ich hierbei bislang ein klares Muster sehen k&#246;nnte. Dabei handelt es sich nicht um Jugendliche mit diagnostizierter Lese-Rechtschreib-Schw&#228;che.</li>
    <li>Arbeitsauftr&#228;ge, selbst in Klassenarbeiten und Klausuren, werden nicht vollst&#228;ndig rezipiert und wichtige Teile einer notwendigen Bearbeitung ausgelassen. Dabei beobachte ich, dass es viele Jugendliche gibt, die die ihrer Auffassung nach wichtigen Aufgabenteile (mit einem Textmarker) anstreichen und dann scheinbar die Textteile ausblenden, die ihnen nicht entgegen „leuchten“. Dieses Ph&#228;nomen gibt es auch beim Markieren von literarischen oder Sachtexten, sodass wesentliche Details in den Texten bei der weiteren Bearbeitung nicht weiter ber&#252;cksichtigt werden.</li>
    <li>Texte werden weitgehend auf den Inhalt hin gelesen, Hinweise auf den Kontext des Textes werden dabei au&#223;en vor gelassen. Das Erlernen der Ber&#252;cksichtigung formaler Textelemente als Teil der Voraussetzung eines angemessenen Verstehens von Texten f&#228;llt vielen Jugendlichen enorm schwer. Dementsprechend schwer f&#228;llt vielen Jugendlichen das „Interpretieren“. Interpretieren bezieht sich hier sowohl auf die m&#252;ndliche also auch auf die schriftliche Form der Erarbeitung von Textinhalten, die &#252;ber die reine Handlungs- bzw. Inhaltsebene hinausgehen.</li>
    <li>Die Ausdrucksf&#228;higkeit jenseits der Orthographie ist bei &#252;berraschend vielen Jugendlichen nicht sonderlich ausgepr&#228;gt. Vor allem in den Bereichen des Satzbaus, des Ausdrucks und der Grammatik beobachte ich eine deutliche Differenz zwischen dem Wissen &#252;ber die jeweiligen Regeln und der F&#228;higkeit, diese f&#252;r eigene Texte fruchtbar werden zu lassen.</li>
    <li>Immer wieder sto&#223;e ich auf in meinen Augen einfache W&#246;rter, die im Wortschatz der Jugendlichen bislang keinen Platz gefunden haben. In eine &#228;hnliche Richtung geht meine Beobachtung, dass die Herleitung von Ableitungen aus W&#246;rtern, die bekannt sind oder aus dem Sinnzusammenhang eines Textes, h&#228;ufig erst dann funktioniert, wenn auf den Zusammenhang hingewiesen wurde. Die Nutzung vorhandenen Sprachwissens zum Verstehen &#228;hnlicher Ph&#228;nome oder Begriffe bedarf sehr h&#228;ufig der Hinweise, dass ein Zusammenhang besteht.</li>
    <li>Verbindungen zwischen im Unterricht (unterschiedlicher F&#228;cher) erarbeiteten Wissenszusammenh&#228;ngen im Kontext des Lesens und Schreibens, werden von vielen Jugendlichen wenig bis gar nicht hergestellt bzw. zur Verkn&#252;pfung und Vertiefung der vorhandenen Wissensbest&#228;nde genutzt. Der Unterricht in den unterschiedlichen F&#228;chern scheint f&#252;r viele Jugendliche eine jeweils in sich selbst abgschlossene Welt zu sein und f&#228;cher&#252;bergreifendes bzw. F&#228;cher verbindendes Arbeiten muss in vielen F&#228;llen erst m&#252;hsam gelernt werden – ohne immer von nachhaltigem Erfolg gekr&#246;nt zu sein.</li>
    <li>Die m&#252;ndliche Ausdrucksf&#228;higkeit weicht teilweise deutlich von der schriftlichen ab, auch wenn es im m&#252;ndlichen Bereich ebenso zahlreiche Ph&#228;nomene gibt, die auf Ausdrucksschw&#228;chen hinweisen und die gar nicht alle korrigiert werden k&#246;nnen, da dies 1. die Jugendlichen entmutigen w&#252;rde, sich am Unterrichtsgespr&#228;ch zu beteiligen und sie 2. oft &#252;berh&#246;rt werden bzw. gar nicht alle erinnert werden k&#246;nnen. Auff&#228;llig ist jedoch die Tendenz, in unvollst&#228;ndigen S&#228;tzen zu sprechen und kaum einmal zu l&#228;ngeren zusammenh&#228;ngenden m&#252;ndlichen Darstellungen der eigenen Gedanken zu kommen.</li>
    <li>In den Bereich der m&#252;ndliche Ausdrucksf&#228;higkeit geh&#246;rt auch, das Referate und Pr&#228;sentation weitgehend abgelesen und meist ohne erkennbares Interesse am Wecken der Neugier der Zuh&#246;renden gestaltet werden, was auch daran liegt, dass diese Darstellungsformen von Jugendlichen oft als etwas gesehen, werden, das man „f&#252;r den Lehrer“ macht. Das erkl&#228;rt die mit diesen Ausdrucksformen verbundenen Probleme im Bereich der Ausdrucksf&#228;higkeit aber nicht wirklich, so sehr ich auch zunehmend der Meinung zustimme, dass Referate so ziemlich das langweiligste Mittel sind, das im Unterricht eingesetzt werden kann – zumindest dann, wenn sie keine kognitiven Prozesse in einer Lerngruppe zu aktivieren verm&#246;gen.</li>
</ul>

<p>Es gibt zahlreiche, wissenschaftlich fundierte Ans&#228;tze zur Beschreibung der Anforderungen, die eine angemessene Lesekompetenz („reading literacy“) zu erf&#252;llen hat<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/10/04/lesekompetenz-und-ausdrucksfahigkeit-beobachtungen/#footnote_1_1692" id="identifier_1_1692" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="vgl. hierzu die zahlreichen Arbeiten von Norbert Groeben, aber auch: Cornelia Rosebrock, Lesesozialisation und Lesef&amp;#246;rderung &ndash; literarisches Leben an der Schule, in: Michael K&amp;#228;mper van den Boogarrt (Hg.), Deutschdidaktik. Ein Leitfaden f&amp;#252;r die Sekundarstufen I und II, Berlin 2003, 153&ndash;174.">2</a></sup>. Der Rahmen der zu erreichenden Lesekompetenz wurde in den vergangenen Jahren abgesteckt. Deshalb stellt sich die Frage, wie diese Kompetenz erreicht werden kann – und ob Schule strukturell dazu &#252;berhaupt in der Lage ist.</p>

<p>Bevor ich meine &#220;berlegungen zu dieser Frage ausf&#252;hre, m&#246;chte ich einige, den oben aufgez&#228;hlten Beobachtungen tendenziell zuwider laufende Beobachtungen festhalten:</p>

<ul>
    <li>&#220;berraschend viele Jugendliche sind in der Lage im Rahmen freien Schreibens spannende Geschichten zu erz&#228;hlen.</li>
    <li>Beim freien (kreativen) Schreiben – das nichts mit kreativen Schreibauftr&#228;gen im Sinne eines produktiven Umgangs mit Lekt&#252;ren zu tun hat – zeigen viele Jugendliche oft weit bessere F&#228;higkeiten im Ausdruck als im schulbezogenen Schreiben. Der Transfer dieser F&#228;higkeiten auf im Kontext des „normalen“ Unterrichts entstehende Texte ist eine Herausforderung, die oft nicht von Erfolg gekr&#246;nt wird.</li>
    <li>Ich begegne immer wieder Jugendlichen (darunter allen Statistiken zuwider laufend &#252;berraschend viele m&#228;nnliche Jugendliche), die privat schreiben, wobei sich hier das Klischee widerspiegelt, dass M&#228;dchen eher Liebesgeschichten schreiben und Jungen sich eher im Fantasy- und Abenteuerbereich produzieren. So bekomme ich von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen immer wieder einmal z.T. sehr umfangreiche Skripte zum Lesen, mit der Bitte um ein Urteil und vor allem Tipps zur Verbesserung der Texte. Dieses Angebot besteht &#252;ber den normalen Unterricht hinaus und flie&#223;t nicht in die Benotung ein. Dabei ist f&#252;r mich immer wieder faszinierend, mit welcher Ernsthaftigkeit und teilweise sehr deutlich erkennbarer Konsequenz Jugendliche an solchen Texten schreiben. Teilweise sind sie sogar in der Lage, die Texte vorbereitende Arbeiten verf&#252;gbar zu haben, in denen z.B. die einzelnen Figuren der Texte in ihrem Charakter und bez&#252;glich ihrer Handlungsmotivationen entwickelt werden. Ja, wirklich, das ist mir schon passiert.</li>
    <li>In Gespr&#228;chen im Unterricht, die nicht als Unterrichtsgespr&#228;ch im klassischen lehrerzentrierten Sinn wahrgenommen werden, z.B. in Gruppenarbeits- oder Partnerarbeitsphasen, beobachte ich, dass Sch&#252;ler durchaus in ganzen S&#228;tzen und auch differenziert &#252;ber Texte ins Gespr&#228;ch kommen k&#246;nnen, also &#252;ber eine eigentlich bessere Ausdrucksf&#228;higkeit verf&#252;gen, als oft im Unterricht beobachtbar. – Dies gilt auch, wenn Sch&#252;ler sich untereinander Dinge erkl&#228;ren. Dabei beobachte ich, dass wesentlich h&#228;ufiger auf die zur Verf&#252;gung stehenden Materialien Bezug genommen wird, als im „normalen“ Unterrichtsgespr&#228;ch.</li>
    <li>Jugendliche sind durchaus bereit, B&#252;cher zu lesen und sie lesen auch. In diesem Zusammenhang h&#246;re ich von den Jugendlichen selbst aber immer wieder die Aussage, dass die B&#252;cher, die sie gerade lesen, f&#252;r den schulischen Kontext wahrscheinlich ungeeignet seien. Aber, um hier nichts sch&#246;ner zu reden als es ist: Es gibt erschreckend viele Jugendliche, die au&#223;er den in der Schule von ihnen abverlangten Lekt&#252;ren keine B&#252;cher lesen – und auch hier teilweise, statt der Lekt&#252;ren selbst, vor allem auf Sekund&#228;rtexte zur&#252;ckgreifen und sich Wissen &#252;ber die B&#252;cher anzueignen versuchen, ohne die B&#252;cher selbst je in G&#228;nze gelesen zu haben.</li>
</ul>

<p>Zwei Beobachtungsrahmen, die mir einander scheinbar widersprechende Ph&#228;nomen vor Augen f&#252;hren. Welche Schlussfolgerungen sind daraus (f&#252;r mich und zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Textes) m&#246;glich?</p>

<p>Zun&#228;chst f&#228;llt mir auf, dass ich bei meinen Beobachtungen zwischen Lesekompetenzen und Ausdrucksf&#228;higkeiten unterscheide, die ich im Kontext von „normalem“ Unterricht mache und im Kontext des „freien“ Umgangs mit Texten und des Schreibens.</p>

<p>Dabei stellt sich die Frage, welche Kriterien ich zur zur Einsch&#228;tzung dieser Ph&#228;nomene zu Rate ziehe. Lege ich meinen Schwerpunkt auf die von der Schule zurecht geforderten Kompetenzen, so ist das Bild d&#252;ster. Ber&#252;cksichtige ich die Lesekompetenzen und Ausdrucksf&#228;higkeiten, die sich mir am Rande des Schulkontextes zeigen, komme ich zu einem deutlich besserem Urteil.</p>

<p>Diese Differenzierung f&#252;hrt nicht sonderlich weit, solange nicht die Frage gestellt wird, was diese unterschiedlichen Beobachtungen an Hinweisen f&#252;r eine Verbesserung der im schulischen Kontext (und somit letztlich f&#252;r die Bewertung relevanten) gezeigten Lese- und Ausdruckskompetenzen mit sich bringen, ohne die Ziele des Lese- und Sprachunterrichtes aus dem Augen zu verlieren.</p>

<p>Meine bislang gefundenen Antworten sind so banal wie folgenreich, wobei an erster Stelle die Frage stellt, welche Ziele ich als Lehrer eigentlich erreichen will (– und warum!). Erst wenn ich dies f&#252;r mich klar formuliert habe, kann ich nach Wegen fragen, diese Ziele zu erreichen, ohne dabei die von Lehrpl&#228;nen vorgegebenen Ziele aus dem Blick zu verlieren, solange diese nicht st&#228;rker an zu erreichenden Kompetenzen im Kontext zu wissender Inhalte ausgerichtet sind, so sehr diese Umstrukturierung auf Kompetenzen hin in Weiterentwicklungen der Lehrpl&#228;ne schon eine Rolle spielt.</p>

<ol>
    <li>Unterricht muss in Bezug auf Lese- und Ausdruckskompetenzen sch&#252;lerorientiert sein, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren, die vorhandenen Kompetenzen weiter zu entwickeln. Dabei muss der Begriff der „Sch&#252;lerorientierung“ m&#246;glichst konkret formuliert, aus dem Schattendaseins eines p&#228;dagogischen, methodischen und fachdidaktischen Modewortes befreit und m&#246;glichst konkret gedacht werden. Das bedeutet f&#252;r den Deutschunterricht unter anderem, dass die Lese- und Schreiberfahrungen der Jugendlichen ernst zu nehmen sind, nicht als p&#228;dagogischer Kniff, sondern als echte Lese- und Schreiberfahrungen. Mir ist es zun&#228;chst einmal v&#246;llig egal, ob Jugendliche von „Die wilden Kerle“ oder von Homers „Odysee“ begeistert sind (ja, diese Bandbreite hatte ich schon in Lerngruppen einer Schulstufe), da diese B&#252;cher f&#252;r die Jugendlichen bedeutsam sind. Und wenn ich in Klassen die jeweils zu einem Zeitpunkt aktuellen Lieblingsb&#252;cher der Jugendlichen vorstellen lasse, dann akzeptiere ich die B&#252;cher, die von den Jugendlichen eingebracht werden, egal, ob sie in meinen Augen literarischen Anspr&#252;chen gen&#252;gen oder eher nicht, egal, ob es sich um Thriller (bei denen ich mir manchmal die Frage stelle, ob sie f&#252;r die jeweilige Altersstufe schon geeignet sind oder nicht) oder Liebesromane handelt, die eher Klischees bedienen als neue Einsichten zu generieren. Ich empfinde die Lekt&#252;ren der Jugendlichen als interessant, weil sie mir sagen k&#246;nnen, was sie an diesen B&#252;chern fasziniert, ohne gleich meine Vorstellungen von „guten B&#252;chern“ ins Spiel zu bringen und somit die Leseerfahrungen der Jugendlichen als „weniger wertvoll“ zu betrachten.</li>
    <li>&#196;hnliches gilt f&#252;r die Schreiberfahrungen der Jugendlichen. Viele schreiben l&#228;ngere, in sich zusammenh&#228;ngende Texte heute oft ausschlie&#223;lich im Schulkontext, w&#228;hrend der Schreiballtag ganz anderen Regeln folgt. Die Formen der schriftlichen Kommunikation haben sich ver&#228;ndert, seit sich Jugendliche im Chat, per SMS und via E-Mail der Schriftsprache und den im Zusammenhang dieser medialen Formen verbreiteten Abk&#252;rzungen, Smileys etc. bedienen. Hier verf&#252;gen Jugendlichen in vielen F&#228;llen &#252;ber Kompetenzen, die im „normalen“ Unterricht oft als „minderwertig“ in Bezug auf die von Schule erwarteten Kompetenzen angesehen werden, sodass diese Schreibaktivit&#228;ten nicht nur diskreditiert werden, sondern diese Diskriminierung auch zu einer deutlichen Trennung zwischen Schreibkompetenzen, die im Unterricht gefordert werden, und der allt&#228;glichen Schreiberfahrung f&#252;hren. Nicht die Diskriminierung von Kommunikationsformen &#246;ffnet die T&#252;r zu einer differenzierteren Kommunikation, sondern das Aufgreifen und die Reflexion dieser Erfahrungen im Kontext anderer Schreibangebote /-anforderungen. Dabei geht es nicht um ein „besser“ oder „schlechter“ der unterschiedlichen sprachlichen Ausdrucksformen, sondern vielmehr darum, wie es Jugendlichen gelingen kann, das, was sie ausdr&#252;cken wollen, auch auszudr&#252;cken. Und damit bin ich</li>
    <li>bei den Zielen, die mit dem Lesen und dem Ausdruck verbunden sind. Damit meine ich jetzt nicht die Ziele, die sich in der F&#228;higkeit zur Interpretation eines Textes ersch&#246;pfen, sondern Ziele, die mit konkreter Lebensgestaltung zu tun haben. Auch wenn es Tendenzen gibt, die darunter die F&#228;higkeit zum korrekten Ausf&#252;llen von amtlichen Formularen sehen, sehe ich nach wie vor zwei zentrale Ziele: Zum einen bietet Literatur die M&#246;glichkeit, fremde Welten zu entdecken und eigene Erfahrungen im Kontext literarischer Texte zu reflektieren und anders zu erleben. Zum anderen bietet die Ausweitung der Ausdrucksf&#228;higkeit ein tieferes Verst&#228;ndnis von Welt und Selbst, begleitet von dem (in meinen Augen) lustvollen Erlebnis, endlich ein wenig mehr von dem ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, was einen selbst besch&#228;ftigt, f&#252;r das man so oft aber einfach keine Worte findet. Gerade das letztgenannt Ziel f&#252;hrt micht zum</li>
    <li>Wert des kreativen Schreibens, das mit echter Wertsch&#228;tzung der Produkte der Jugendlichen verbunden ist, gleichzeitig aber Techniken zur Verf&#252;gung stellt (und somit zur Kompetenzenerweiterung beitr&#228;gt), die erfahrbar machen, dass sie mehr ausdr&#252;cken und „erfinden“ k&#246;nnen, als sie bisher wahrgenommen haben. Solche Erfahrungen st&#228;rken das sprachliche Selbstbewusstsein auf lange Sicht deutlich, auch wenn sich dieses nicht direkt in Klassenarbeiten oder anderen gezielter auf schulische Lernzusammenh&#228;nge hin orientierten Texten niederschl&#228;gt.</li>
    <li>Bei allem Sch&#252;lerbezug und aller Ernsthaftigkeit, mit der die Lekt&#252;ren der Sch&#252;ler ber&#252;cksichtigt werden: Ich stehe auch der Erwartung an mich als Deutschlehrer gegen&#252;ber, den Horizont der Jugendlichen zu erweitern und meine eigene Leseerfahrungen ins Spiel zu bringen. Neben dem Sch&#252;lerbezug bedarf es im Deutschunterricht der authentischen Lesebegeisterung des Lehrenden, die eigenen Kriterien der Lekt&#252;reauswahl folgt, ohne die Auswahlkriterien der Jugendlichen zu diskreditieren, was nicht bedeutet, dass diese Kriterien nicht im Unterricht thematisiert und auf diesem Wege auch ver&#228;ndert werden k&#246;nnen.</li>
</ol>

<p>Die Widerspr&#252;chlichkeit meiner Beobachtungen und die ersten &#220;berlegungen zu praktischen Konsequenzen f&#252;hrt mich zu dem Kernpunkt meiner &#220;berlegungen: Um Lesekompetenz und Ausdrucksf&#228;higkeit zu f&#246;rdern, bedarf es nicht nur einer st&#228;rkeren Sch&#252;lerorientierung in Form von echtem Respekt von den Erfahrungen der Jugendlichen in diesem Bereich, sondern auch des Wissens, wie Lernen funktioniert. Denn schon vor den Einsichten der Hirnforschung war ich davon &#252;berzeugt: „Erkenntnis macht Lust, Lernen ist wie Sex” (<a href="http://www.zeit.de/online/2007/10/zeitgeschichte-kapiertrieb?page=all" target="_blank">Die Zeit</a>).</p>

<p>Aus meine eigenen Beobachtungen ziehe ich &#252;ber die bereits genannten Erkenntnisse hinaus folgende Schlussfolgerungen:</p>

<ol>
    <li>Das prim&#228;re Ziel von Unterricht muss es sein, R&#228;ume f&#252;r kognitive Prozesse zu schaffen, in denen Jugendliche nicht vor allem Wissen konsumieren (m&#252;ssen) und zum Pauken verdonnert werden, sondern Lernen, wie Wissen von ihnen selbst konstruiert werden kann. Ziel ist also, ein wenig pathetisch gesprochen, nicht alleine das Wissen oder die Kompetenz, sondern die Erkenntnis, die Wissen, Kompetenz und Relevanz in sich vereint.</li>
    <li>Daraus ergibt sich, auch wenn das klassische Lernen dadurch nicht verschwindet oder gar diskreditiert wird, dass sch&#252;lerorientierte Methoden darauf hin zu &#252;berpr&#252;fen sind, ob sie nur selbstst&#228;tige Pflichterf&#252;llung sind oder wirklich in kognitive Prozesse hinein f&#252;hren. Es ist ein Unterschied, ob ich z.B. Fachbegriffe im Bereich der rhetorischen Mittel auswendig lerne oder ob Neugier geweckt wird, rhetorische Ph&#228;nomene benennen zu k&#246;nnen, da auf diesem Weg viele sprachliche und literarische Ph&#228;nomen nicht nur besser verstanden werden, sondern auch die F&#228;higkeit vermittelt wird, diese F&#228;higkeiten f&#252;r sich selbst nutzen zu k&#246;nnen.</li>
</ol>

<p>Bleibt am Ende die Frage, welche konkreten Konsequenzen solche Einsichten f&#252;r den Unterricht in Bezug auf Didaktik und Methodik haben.</p>

<p>F&#252;r mich lautet die zentrale Frage: Wie kann es gelingen, kognitive Prozesse bei Lernenden zu erm&#246;glichen?</p>

<p>Eine m&#246;gliche Antwort lautet: Indem die kongnitiven Prozesse nicht in einem lehrerzentrierten Frage- und Antwortspiel aktiviert werden, sondern vor wirkliche Probleme gestellt werden.</p>

<p>In der Didaktik wird hier von „problemorientiertem Unterricht“ gesprochen. Dabei werden oft &#252;ber Texte hinausgehende „Probleme“ als Themen konstruiert: „Krieg in der Literatur“; „Mit Sprache &#252;berzeugen k&#246;nnen“ etc. Mir f&#228;llt im Kontext des Deutschunterrichtes dabei allerdings auf, dass solche Themen gerade literarische Texte und die von ihnen erm&#246;glichten Zug&#228;nge zu solchen Texten, so sehr einengen, dass f&#252;r die kognitiven Zug&#228;nge der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die von diesen Themen abweichen, im Unterricht kaum noch Platz zu sein scheint. Warum nicht den Text als Text nehmen und dann die kognitiven Angebote der Lernenden aufgreifen und annehmen, statt methodisch-didaktisch &#252;berbordende Unterrichtsszenarien erstellen, in denen alles vorkommt, nur nicht der Text und seine Leser und Leserinnen, der Text und die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler?<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_1692" class="footnote">Ich erhebe hier nicht den Anspruch etwas Neues zu sagen oder eine empirisch unangreifbare Darstellung zu verfassen, sondern stelle im Rahmen dieses Blogs genau die Diskussionsgrundlage zur Verf&#252;gung, die ein privates Blog zun&#228;chst einmal schaffen kann. Dabei gehe ich aber dennoch davon aus, dass die hier beschriebenen Beobachtungen und meine &#220;berlegungen zum Umgang mit den Ph&#228;nomenen mehr als eine Privatmeinung sind.</li><li id="footnote_1_1692" class="footnote">vgl. hierzu die zahlreichen Arbeiten von Norbert Groeben, aber auch: Cornelia Rosebrock, Lesesozialisation und Lesef&#246;rderung – literarisches Leben an der Schule, in: Michael K&#228;mper van den Boogarrt (Hg.), Deutschdidaktik. Ein Leitfaden f&#252;r die Sekundarstufen I und II, Berlin 2003, 153–174.</li></ol>
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		<title>LdL als konstruktivistisch orientiertes Lernen</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Sep 2011 20:44:08 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der folgende Artikel liegt schon seit einigen Monaten im Ordner f&#252;r Entw&#252;rfe. Jetzt bin ich wieder &#252;ber ihn gestolpert und habe entschieden, ihn endlich zu ver&#246;ffentlichen und zur Diskussion zu stellen. Ich w&#252;rde mich sehr freuen, wenn ein konstruktiver Austausch &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/28/ldl-als-konstruktivistisch-orientiertes-lernen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der folgende Artikel liegt schon seit einigen Monaten im Ordner f&#252;r Entw&#252;rfe. Jetzt bin ich wieder &#252;ber ihn gestolpert und habe entschieden, ihn endlich zu ver&#246;ffentlichen und zur Diskussion zu stellen. Ich w&#252;rde mich sehr freuen, wenn ein konstruktiver Austausch in den Kommentaren oder in anderen Blogs via PingBack stattfinden w&#252;rde.</em></p>

<p>Als ich noch Referendar war (in Hessen hei&#223;t das heute LiV, was f&#252;r »Lehrer im Vorbereitungsdienst« oder »Lehrerin im Vorbereitungsdienst« steht), stie&#223; ich von Anfang an auf das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Lernpsychologie)" target="_blank">konstruktivistisch orientierte Modell des Lernens</a>.</p>

<p>Dieses Modell geht davon aus, dass Wissen nicht etwas ist, das ein Lehrer oder eine Lehrerin instruieren kann. Wissen wird in diesem Modell des Lernens vielmehr als etwas gesehen, das in kognitiven Prozessen aktiv von Lernenden konstruiert wird. Hierzu schrieb die <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/1942437_0_2147_klassiker-der-paedagogik-pestalozzis-geist-weht-bis-heute-durch-die-klassen.html" target="_blank">Stuttgarter Zeitung am 8.2.2009</a>:</p>

<blockquote><address>»In den Schulen ist der instruktive Ansatz als nicht zeitgem&#228;&#223;er Frontalunterricht in die Kritik geraten. Nur das autonome und entdeckende Lernen, bei dem Kinder selbst experimentieren und recherchieren, f&#252;hre zu nachhaltigen Ergebnissen, hei&#223;t das Gegenargument. Lehrer werden Lernbegleiter.«</address></blockquote>

<p>Im Zentrum der Aufgabe von Lehrenden steht in diesem Zusammenhang aktueller p&#228;dagogischer Debatten also, <span id="more-1221"></span> Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern die M&#246;glichkeit zu geben, nicht nur etwas Vorgegebenes zu lernen (zu pauken), sondern nachhaltige neuronale Strukturen im Gehirn zu entwickeln, die nicht nur Wissen repr&#228;sentieren, sondern dar&#252;ber hinaus den Prozess des Lernens in sich selbst tragen, sodass Wissen nicht nur lexikalischen Wert hat, sondern anwendbar wird. Dabei sollte jedoch der Wert guter Instruktion im Prozess der Lernbegleitung nicht untersch&#228;tzt werden.</p>

<p>Ziel ist dabei, neben der f&#252;r Schule nach wie vor zentralen Aufgabe des Aufbaus von Wissen, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Probleml&#246;sungskompetenzen praktisch erlernen zu lassen, die sie langfristig in die Lage versetzen, nicht nur vorgegebenes Wissen zu reproduzieren, sondern auch neues Wissen zu konstruieren. Anders ausgedr&#252;ckt: Konstruktivistisch orientierte Lernmodelle sollen dazu beitragen, in einer sich schnell ver&#228;ndernden Welt &#252;berhaupt in der Lage zu sein, der allenthalben konstatierten Notwendigkeit zu lebenslangem Lernen angemessen gerecht werden zu k&#246;nnen, indem der Prozess des Lernens selbst zu einer zentralen Kernkompetenz wird, die in Lernprozessen erlernt und angewendet wird.</p>

<p>Dem entsprechend lautete eine der zentralen Aussagen, mit der ich einst als Referendar konfrontiert wurde, dass ein Kriterium f&#252;r guten Unterricht darin liege, Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen eigene kognitive Prozesse zu erm&#246;glichen, die &#252;ber das Lernen von Fakten hinausgehen. – Und in den zahlreichen Unterrichtsbesuchen sollten dann solche kognitive Prozesse erkennbar und (auch f&#252;r die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler) reflektierbar werden.</p>

<p>Auch wenn mir dies damals einigerma&#223;en gelungen zu sein scheint, hatte ich bis zum Ende der Ausbildung nur eine Ahnung davon, was mit der Forderung des Aktivierens kognitiver Prozesse bei Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern eigentlich gemeint war. Meist lief das f&#252;r mich auf die Anwendung unterschiedlicher<a href="http://www.methodenpool.de" target="_blank"> konstruktivistisch orientierter Einzelmethoden</a> hinaus, ohne dass ich den Eindruck hatte, wirklich begriffen zu haben, was z. B. Kersten Reich mit »<a href="http://methodenpool.uni-koeln.de/schaubilder/Reich3.pdf" target="_blank">Unsch&#228;rfen der Erkenntnis</a>« meint.</p>

<p>An dieser Stelle brachte mich erst die Besch&#228;ftigung mit dem von <a href="http://jeanpol.wordpress.com" target="_blank">Jean-Pol Martin</a> praktisch angewendetem und theoretisch reflektiertem Konzept des »Lernens durch Lehren« (LdL) weiter, wobei interessanterweise der Prozess der Besch&#228;ftigung mit diesem Konzept dieses Konzept selbst abbildet: Will ich mich mit diesem Konzept wirklich besch&#228;ftigen, so, das wurde mir sehr schnell klar, muss ich mich selbst in den Reflexionsprozess einbringen, an dem unterschiedlichste Leute beteiligt sind, die die M&#246;glichkeiten des Web 2.0 nutzen, um miteinander vernetzt kollaborativ das Konzeptreflektieren und weiter entwickeln. Die Besch&#228;ftigung mit dieser Meta-Methodik des Unterrichtens f&#252;hrte dazu, dass sich f&#252;r mich eine Art von Lernumgebung herausbildete, die weit &#252;ber Konzepte des »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Integriertes_Lernen" target="_blank">blended learning</a>s« hinaus reicht. Pl&#246;tzlich wurde die Kommentarfunktion meines Blogs genutzt, entstanden Kontakte &#252;ber fachspezifisiche Communities und via Twitter. Ohne es intendiert zu haben, war ich pl&#246;tzlich mitten in einem p&#228;dagogischen (Fort)Bildungsprozess, der in sich selbst das abbildet und praktiziert, was LdL auch f&#252;r den Unterricht leisten kann.</p>

<p>Die Verbindung mit den Konzepten des konstruktivistisch orientierten Lernens und Lehrens liegt f&#252;r mich darin, dass LdL den Gedanken der kollaborativen Wissenskonstruktion so grundlegend ernst nimmt, wie es mir in bislang keiner anderen Konzeption begegnet ist. Und dabei ist LdL als Grundprinzip p&#228;dagogischen Arbeitens nun wirklich nicht neu, ist doch ein starker <a href="http://www.ku-eichstaett.de/Fakultaeten/SLF/romanistik/didaktik/Forschung/ldl_2008/uebersicht/geschichte.de" target="_blank">Bezug zur Reformp&#228;dogik</a> von Jean-Pol Martin selbst dargestellt worden. Neu erscheint mir an dieser Konzeption jedoch, dass hier, neben dem starken Bezug zur <a href="http://www.zum.de/Faecher/Eth/SA/stoff9/maslow.htm" target="_blank">Bed&#252;rfnispyramide nach Maslow</a>, die M&#246;glichkeiten der digitalen Vernetzung via <a class="zem_slink" title="World Wide Web" href="http://en.wikipedia.org/wiki/World_Wide_Web" rel="wikipedia" target="_blank">World-Wide-Web</a> in die Konzeption aktiv und reflexiv mit eingebunden werden. Die M&#246;glichkeiten der Vernetzung im Web 2.0 als Vernetzung zur Wissenskonstruktion sind zwar keine Voraussetzung f&#252;r LdL, werden aber konsequent mitgedacht, sodass LdL m&#246;glicherweise das erste p&#228;dagogische Modell ist, dass die M&#246;glichkeiten des 21. Jahrhunderts konsequent mit ber&#252;cksichtigt!</p>

<p>Die Konstruktion von Wissen bleibt aber nicht bei den M&#246;glichkeiten digitaler Vernetzungsstrategien stehen. Wissen ist keine Technik, sondern immer an Inhalten und Kompetenzen orientiert. Es geht nicht ohne intensive eigene Bem&#252;hungen, um Wissen zu gewinnen. Der Unterschied ist, dass der Prozess der Gewinnung von Wissen ein v&#246;llig anderer wird, wenn digitale Technologien nicht prim&#228;r als Konsummedien angesehen werden, sondern als Instrumente der Wissensgewinnung: Wie jedes Instrument muss das Spiel erst gelernt werden, bedarf es der &#220;bung. Lernende sind nicht von alleine in der Lage, gemeinsam Probleme zu bearbeiten und neben Probleml&#246;sungsstrategien auf diesem Wege auch Wissen zu emergieren.</p>

<p>In diesem Sinne bedeutet konstruktivistisches Lernen dann eben nicht, dass Lernende mal eben im Internet recherchieren und ihre Ergebnisse zusammentragen. Ein solches Lernen hat gegen&#252;ber der Arbeit mit Handb&#252;chern, Lexika und Fachpublikationen keinen anderen Mehrwert als die schnelle Verf&#252;gbarkeit und w&#252;rde klassische Arbeitstechniken auf ein neues Medium &#252;bertragen, ohne das Medium selbst zu ber&#252;cksichtigen. Lernen online muss produktionsorientiert sein, will es die M&#246;glichkeiten des Internets wirklich produktiv nutzen.</p>

<p>An dieser Stelle bietet LdL und das mit ihm verbundene <a href="http://wiki.zum.de/Netzsensibilit%C3%A4t?title=Lernen_durch_Lehren/Fortbildungen/Materialien" target="_blank">Menschenbild</a> einen Rahmen, der dieses Ideal praktisch umsetzbar macht.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/02/13/vernetzt-lernen-im-web-20/" rel="bookmark" title="13. Februar 2009">Vernetzt – Lernen im Web 2.0</a></li>

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		<title>Das iPad im Unterricht der Schule: Ein Gespr&#228;ch mit André Spang</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 19:50:06 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Am 1.9.2011 erschien in der Zeit ein Interview mit André Spang, der als Projektleiter die „iPad-Klasse“ an der Kaiserin-Augusta-Schule (KAS), einem Gymnasium in K&#246;ln, betreut. Ich war verwundert, dass so wenig Platz f&#252;r ein solches Thema bereit gestellt wurde, da es &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/18/das-ipad-im-unterricht-der-schule-ein-gesprach-mit-andre-spang/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Am 1.9.2011 erschien </em><a href="http://www.zeit.de/2011/36/C-Interview-Ipad" target="_blank"><em>in der Zeit ein Interview mit André Spang</em></a><em>, der als Projektleiter die „</em><a href="http://ipadkas.wordpress.com/" target="_blank"><em>iPad-Klasse</em></a><em>“ an der </em><a href="http://www.kas-koeln.de/"><em>Kaiserin-Augusta-Schule</em></a><em> (KAS), einem Gymnasium in K&#246;ln, betreut. Ich war verwundert, dass so wenig Platz f&#252;r ein solches Thema bereit gestellt wurde, da es sich um das erste Projekt dieser Art in Deutschland handelt. Deshalb fragte ich André Spang, <a href="https://twitter.com/#!/tastenspieler" target="_blank">den ich aus meinem Twitter-Netzwerk als „Tastenspieler“ kenne</a>, ob er zu einem ausf&#252;hrlicheren Interview bereit w&#228;re. Das war er. Wir haben das Interview mittels E-Mail gef&#252;hrt, wobei die Fragen nach und nach an André Spang gesendet wurden, weil sich aus seinen Antworten f&#252;r mich auch erst Fragen ergeben haben, sodass der Interviewcharakter trotz des Mediums als im besten Sinne „Vermittelndes“ erhalten geblieben sein d&#252;rfte.<span id="more-6233"></span></em></p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Welche Funktion haben f&#252;r dich Medien im Unterricht, angefangen von der Kreidetafel &#252;ber Schulb&#252;cher, Hefte und Overheadprojektor bis hin zu digitalen Medien?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Sie sind Mittel zum Zweck.</p>

<p>Sie existieren parallel, wobei ich ehrlich gesagt kein gro&#223;er Freund des Overheadprojektors bin, aber auch er erstaunt mich hin und wieder.</p>

<p>Ich setze das ein was gerade passt. Die Tafel, mal abgesehen davon, dass sie mich und das Klavier, das davor steht, st&#228;ndig zu staubt, ist ein super „Tool“ &#8211; schnell einsetzbar, ohne Latenzen, gut zur Visualisierung, schlecht zur Konservierung.</p>

<p>Deshalb wird sie zweckentfremdet: Ich lasse Sch&#252;ler meine Frontalanschriften mit meinem Smartphone abfilmen und stelle das sp&#228;ter oder schon in der Stunde online, z.B. auf YouToube, im Schul-Wiki oder auf dem Unterrichtsblog.</p>

<p>Digitale Medien haben f&#252;r mich die Chance, Inhalte „nach drau&#223;en“ zu bringen, sie sind schnell, bieten viele neue M&#246;glichkeiten und sie geh&#246;ren in die (Lebens-)Welt der Sch&#252;ler. Vielleicht ersetzen sie irgendwann die „traditionellen“ Medien. Wer wei&#223; das?</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Ihr habt an der KAS das iPad als digitales Medium f&#252;r den Unterricht angeschafft. Welche neuen M&#246;glichkeiten des Unterrichtens bietet es?  </em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Wir haben es prim&#228;r angeschafft, um dazu im Unterricht mit den Sch&#252;lern auf Weblogs und auf unserem <a href="http://wikis.zum.de/kas">Schulwiki</a> zu arbeiten. Dazu fehlten uns die notwendigen, zahlreichen Zugangsm&#246;glichkeiten, denn unsere Schule hat zwei Informatikr&#228;ume und 1000 Sch&#252;ler.</p>

<p>Die Nutzung von Web2.0 Techniken ist f&#252;r uns ein wichtiges Standbein des lebenslangen, vernetzenden und individuellen Lernens. Der Vorteil eines Tablets ist seine schnelle Einsetzbarkeit („Instant-On“), seine lange Akkulaufzeit, sein geschlossenes System (speziell beim iPad) und damit die geringe Anf&#228;lligkeit f&#252;r Manipulationen, die hohe Mobilit&#228;t und die intuitive Bedienbarkeit. Nachteile, wie fehlende Steckpl&#228;tze, keine Tastatur, kleiner Bildschirm haben wir gerne und bewusst in Kauf genommen, denn die Vorteile der Nutzung im Unterricht und in unterschiedlichsten R&#228;umen und Konstellationen &#252;berwiegen f&#252;r uns. Wir k&#246;nnen die 30 Devices mit einem Rollkoffersystem in alle R&#228;ume der KAS transportieren und die Ger&#228;te sind sofort an und online.</p>

<p>Es kann wenig daran kaputt gehen (keine Maus, keine anf&#228;llige Tastatur) und die Ger&#228;te funktionieren immer und stehen dem Unterrichtsflu&#223; nicht im Weg.</p>

<p>Man kann sie kurz einsetzen, danach ein Methodenwechsel und sie liegen umgedreht auf dem Tisch oder man reicht sie herum, um z.B. darauf erstellte Mindmaps oder Bilder oder Pr&#228;sentationen anderen Sch&#252;lergruppen zu zeigen oder schliesst sie am Ende der Stunde zur Frontalpr&#228;sentationen vorne an den Beamer an.</p>

<p>Durch das reichhaltige Angebot an Apps ergeben sich dar&#252;ber hinaus weitere M&#246;glichkeiten eines mediengest&#252;tzten und konstruktivistischen Unterrichtens.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Wie unterst&#252;tzt das iPad das eigenst&#228;ndige Lernen von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen? Beobachtest du da Ver&#228;nderungen im Vergleich zu anderen Methoden, wie z. B. Lernzirkeln, Projektarbeit?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Wie oben schon erw&#228;hnt vor allem durch das selbstst&#228;ndige Arbeiten im und mit dem Netz, aber auch durch die Erstellung von Pr&#228;sentationen oder z. B. durch die Produktion von Musik, Texten (durch z.B. kollaboratives Schreiben im Wiki oder per Google-docs) oder durch Produktion von Podcasts und <a href="http://audioboo.fm/">Audioboos</a>.</p>

<p>Ein Beispiel: eine Klasse 5 mit 30 Sch&#252;lern hat nach einer kurzen Einf&#252;hrung von mir in das App Garage Band (App zur Produktion von Musik) und ein paar Textbeispielen (Rhymes-Workshops) innerhalb zwei Doppelstunden selbstst&#228;ndig und ohne weitere Hilfe in 10 Dreiergruppen mit je einem iPad pro Gruppe 10 komplette Songs produziert, getextet im Wiki, aufgenommen, abgemischt und an mich gemailt.</p>

<p>Aber auch in anderen F&#228;chern war eine starke Motivation und sehr konzentriertes und genaues Arbeiten feststellbar. Dazu gibt es ja auch <a href="http://ipadkas.wordpress.com/2011/07/21/6-monate-ipad-eine-bilanz/">konkrete Umfrageergebnisse in der Sch&#252;lerschaft</a> und auch einige <a href="http://www.youtube.com/watch?v=oQLTvviItZA">O-T&#246;ne in Form von Interviews</a>.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Wo bleibt bei der Entscheidung f&#252;r eine Technologie Raum f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler die „analoge Lerntypen“ sind, die gerne per Hand schreiben?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Es ist ja nicht so, dass die Tablets ausschlie&#223;lich eingesetzt werden, das ist ja gerade das Gute daran, dass man sie z.B. nur kurz, f&#252;r eine Recherche oder f&#252;r einen Wiki- oder Blogeintrag einsetzt und dann ein anderes Medium einsetzt oder ins Heft schreibt. Wir werden allerdings ab n&#228;chster Woche auch die M&#246;glichkeit der Stifteingabe bzw. des Schreibens mit einem Stift und entsprechender App testen. Die Sch&#252;ler werden aber nicht zur Nutzung des Devices gezwungen, man kann auch seine Notizen ins Heft machen und dann z.B. innerhalb einer Gruppenarbeit einen anderen Sch&#252;ler mit dem Device arbeiten lassen. In einer Klasse 5 hatte ich das des &#214;fteren praktiziert, weil einige Sch&#252;ler, z.B. in der 7. und 8. Stunde nicht mehr mit einem leuchtenden Bildschirm arbeiten wollten, weil sie Kopfschmerzen hatten oder einfach nur m&#252;de Augen.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Ok. Soviel zur Technik und wie die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen damit arbeiten. Ich habe mir das Wiki angeschaut. Daf&#252;r, dass &#252;ber 1000 Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen an der KAS sind, sind die Eintr&#228;ge dort &#252;berraschend wenige. Und bei sehr vielen taucht der Name Spang auf.</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Es gibt einen Kern von Kollegen, die das Wiki nutzen. Dies waren nach einer initialen Fortbildung in 2009 ca 10 Kollegen, danach wurde das Kernteam kleiner (ca. 3-4). Aus diesem Grund haben wir auch kurz vor den Sommerferien <a href="http://wikis.zum.de/kas/index.php?title=Fortbildung">eine erneute Kollegiumsfortbildung zum Thema Wiki</a> angeboten. Die Kollegen, die diese Fortbildung besucht haben, werden nun auch die Arbeit mit dem Wiki beginnen. Eine weitere Fortbildung werden wir n&#228;chste Woche ausschreiben. Wir sind uns dessen bewusst, dass da noch einiges nach vorne gehen muss. Sehr gute Inhalte gibt es aber f&#252;r Mathematik (<a href="http://wikis.zum.de/kas/index.php?title=Leistungskurs_13_Mathematik_Vieth">Beispiel 1</a>; <a href="http://wikis.zum.de/kas/index.php?title=Mathematik">Beispiel 2</a>) oder <a href="http://wikis.zum.de/kas/index.php?title=Grundkurs_Erdkunde_DK">Erdkunde</a>  und <a href="http://wikis.zumde/kas/index.php?title=Kategorie:Chemie">Chemie</a>. In den ersten 10 Schultagen des neuen Schuljahres 2011/12 haben wir dar&#252;ber hinaus fast 100 Sch&#252;ler neu im Wiki angemeldet, weitere werden folgen &#8211; ich denke, das wird einen kr&#228;ftigen Schub geben.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Wie viel Lehrer und Lehrerinnen habt ihr an der der Schule und wie viele nutzen den Klassensatz an Tablets?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Wir haben 70 Kollegen und 30 arbeiten regelm&#228;ssig mit den Devices. Die genaue Entwicklung sieht man <a href="http://ipadkas.files.wordpress.com/2011/07/ipad-warumnutzung.jpg">hier</a>.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Wie viele Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen haben seit Februar mit den Ger&#228;ten gearbeitet?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Bis jetzt haben ca. 500 von den 1000 Sch&#252;lern haben damit gearbeitet. Ich denke, dass wir bis Ende dieses Halbjahres alle Sch&#252;ler erreichen werden.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Das Gleiche bei eurer Sechsmonatsbilanz: Da kommen drei Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zu Wort. Wo ist die Masse?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Von den 500 Sch&#252;lern die die Ger&#228;te eingesetzt haben, wurden knapp 300 per Googledocsabfrage befragt und <a href="http://ipadkas.wordpress.com/2011/07/21/6-monate-ipad-eine-bilanz/">es gab sehr positive R&#252;ckmeldungen</a>.</p>

<p>Die Sch&#252;ler hatten z.B. den Eindruck, dass sie ihre Arbeitsergebnisse mit den Ger&#228;ten verbessern und dass ihnen die Arbeit an Unterrichtsaufgaben damit mehr Spa&#223; macht, dass sie die Ger&#228;te gerne regelm&#228;ssig aber zumindest h&#228;ufiger einsetzen m&#246;chten. Die drei Sch&#252;lerinnen, auf die du in der Frage anspielst, sind in einem zus&#228;tzlich gef&#252;hrten, oben bereits erw&#228;hnten <a href="http://www.youtube.com/watch?v=oQLTvviItZA">Videointerview</a> zu sehen, um die Sch&#252;ler auch mal „live“ zu Wort kommen zu lassen.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Was sagen die Kollegen und Kolleginnen dazu?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Die Kollegen sagen &#196;hnliches – sie haben positive Erfahrungen mit den Devices gemacht und w&#252;rden diese gerne weiter und h&#228;ufig einsetzen (<a href="http://ipadkas.files.wordpress.com/2011/07/fachzahl.jpg">Abbildung 1</a>; <a href="http://ipadkas.files.wordpress.com/2011/07/anwendung1.jpg">Abbildung 2</a>; <a href="http://ipadkas.files.wordpress.com/2011/07/zukunft1.jpg">Abbildung 3</a>): 20 von 21 befragten Kollegen k&#246;nnen sich vorstellen, das iPad noch st&#228;rker in ihren Unterricht zu integrieren.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Vorhin sagtest du, ein Tablet w&#252;rde zur kurzen Recherche zwischendurch genutzt. W&#252;rden dazu nicht die paar Smartphones reichen, die in den meisten Klassen sowieso anzutreffen sind? W&#228;re es nicht sowieso besser, auf Ger&#228;te zu setzen, die den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen als Alltagsger&#228;te vertraut sind?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Zur Recherche w&#228;re dies schon m&#246;glich, allerdings schwierig wegen der Einbindung der unterschiedlichen Ger&#228;te ins Netzwerk und auch wegen Sicherheitsvorschriften. Zum Arbeiten im Netz, an Pr&#228;sentationen etc. sind die Screens dann aber doch zu klein bzw. die M&#246;glichkeiten zu eingeschr&#228;nkt.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Das war jetzt viel Statistik und viel Information rund um die Anwendung von Tablet-PCs im Unterricht der KAS. Jetzt mal konkret: Inwiefern haben Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die mit dem iPad im Unterricht arbeiten, &#252;berhaupt noch Anlass, sich auf Faktenwissen einzulassen, wenn doch eh alles recherchierbar ist?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Diese zentrale Frage stellt sich in der heutigen Wissensgesellschaft generell – warum muss man noch geschichtliche Zahlen auswendig lernen? Braucht man die Bruchrechnung noch?</p>

<p>Muss ich wirklich wissen wie eine Durtonleiter aufgebaut ist?</p>

<p>Ich glaube, wenn man all dies sinn- und anwendungsfrei einpaukt, ist man in Zukunft zum Scheitern verurteilt. Hier kann das iPad ins Spiel kommen, um zum Beispiel Fakten im Zusammenhang darzustellen und zu vernetzen (Stichwort: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wiki">Wiki</a>) oder konstruktiv &#252;ber Apps t&#228;tig zu werden und gelernte Fakten anwenden, als Pr&#228;sentation, Posterentwurf, Podcast, Videopr&#228;sentation, Musikproduktion, etc.</p>

<p>Au&#223;erdem gibt es gerade im Bereich der gezielten und qualitativen Recherche viele Einsatzm&#246;glichkeiten – hier liegt auch in Zukunft der Arbeitsschwerpunkt des Lehrers, hier muss er Anleitung und Unterst&#252;tzung geben und Diskussions- und Urteilsf&#228;higkeit der Sch&#252;ler herausarbeiten und Teamarbeit weiter ausbauen.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Welche Kompetenzen f&#246;rdert der Einsatz von Tablet-PCs? Und leidet die Kompetenz, sich der Handschrift als Kulturtechnik zu bedienen, nicht noch zus&#228;tzlich unter dem Computereinsatz im Unterricht?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Einige Kompetenzen hatte ich schon erw&#228;hnt: Selbstst&#228;ndiges Arbeiten, individuelles Lernen, F&#246;rderung und Arbeitstempo, Pr&#228;sentationskompetenz, versierter Umgang mit Office-Tools, Teamarbeit und Kollaboration, Portfolio bzw. „lebenslanges Lernen“ im Web, konstruktivistisches Vorgehen, das (Lern-)Ziel steht nicht im Mittelpunkt, sondern der (Arbeits-)Prozess, ganz allgemein: Medienkompetenz und zwar im Sinne der produktiven Nutzung und nicht des Konsums und um mit den Worten einer Sch&#252;lerin zu sprechen: „Wir lernen viel, was wir auch sp&#228;ter im Studium oder Beruf gut gebrauchen k&#246;nnen“.</p>

<p>Zur zweiten Frage: Wie hat <a href="http://www.omnisophie.com/">Gunter Dueck</a> gesagt: „Heute ist das Internet erfunden (und der Leitmedienwechsel hat stattgefunden), nehmen wir es hin und es f&#252;hrt zur notwendigen Krise und dann zu einer anderen Welt“.</p>

<p>Ich w&#252;rde dies relativieren und nat&#252;rlich wird nicht ausschliesslich nur noch mit iPad gearbeitet. Trotzdem stellt sich die Frage, welche Bedeutung die Handschrift in Zukunft noch haben wird. Oder mei&#223;elt heute noch jemand seine Notizen in Stein?</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Neue Technologien im Unterricht bedeuten, dass didaktische und methodische Modelle &#252;berdacht werden m&#252;ssen. Wie integriert ihr diese Reflexionsprozesse in die engen Zeitkorridore, die Lehrer und Lehrerinnen verf&#252;gbar haben? Werdet ihr didaktische und methodische &#220;berlegungen, die sich aus euren Erfahrungen ergeben ver&#246;ffentlichen?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Diesen Schritt haben wir der Anschaffung der iPads vorangestellt, soweit dies vorausschauend m&#246;glich war, zum Beispiel im Rahmen des Schulentwicklungsteams unserer Schule (= Steuergruppe : <a href="http://steuergruppe.wordpress.com">http://steuergruppe.wordpress.com</a>) unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung der Medienkompetenzen unserer Sch&#252;ler.</p>

<p>Im laufenden Projekt fanden und finden Fortbildungen der Kollegen zum Thema iPad, Web2.0, Apps etc. statt und alle Erfahrungen werden zeitgleich auf dem Projektblog (<a href="http://ipadkas.wordpress.com">http://ipadkas.wordpress.com</a>) ver&#246;ffentlicht.</p>

<p>Nach einem halben Jahr des Einsatzes haben wir au&#223;erdem eine Umfrage unter Sch&#252;lern und Kollegen durchgef&#252;hrt. Der Einsatz der Medien im Unterricht kann zur Entlastung des einsetzenden Kollegen beitragen, weil die Sch&#252;ler selbstst&#228;ndiger arbeiten und der Kollege dadurch Zeit im Unterricht gewinnt um individueller auf einzelne Sch&#252;ler einzugehen.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Gab es ein Erlebnis im Unterricht, das im Zusammenhang mit dem Einsatz von Tablet-PCs steht, dass dich besonders ersch&#252;ttert hat?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Nein, da muss ich leider passen – alles problemlos verlaufen, ohne „Ersch&#252;tterungen“ <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  .</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Und was war bisher deine sch&#246;nste Erfahrung im Zusammenhang mit dem Einsatz von Tablet-PCs im Unterricht?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Es gab viele positive Erfahrungen: Konzentriert und produktiv arbeitende Klassen, die vorher im Unterricht immer nur abgelenkt, laut und unproduktiv waren; erstaunliche Ergebnisse im Bereich Musikproduktion, gerade was das selbstst&#228;ndige Arbeiten und das kreative Vorgehen der Sch&#252;ler betrifft; aber am sch&#246;nsten war die Klasse 5, die in der letzten Doppelstunde am Nachmittag um 15.15 Uhr einfach nicht nach Hause gehen, sondern weiter arbeiten wollte. Dem habe ich allerdings nach 10 Minuten Verl&#228;ngerung einen Riegel vorgeschoben <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Vor gut acht Monaten habt ihr angefangen, euch eine neue M&#246;glichkeit des Unterrichtens an die Schule zu holen. Zum Schluss dann der Blick nach vorne: Wie sieht der Unterricht in deiner Vorstellung in 10 Jahren aus?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Als ich vor 10 Jahren an der KAS angefangen habe, sagte ich bei meinem Einstellungsgespr&#228;ch, ich w&#252;rde gerne in naher Zukunft mit meinen Sch&#252;lern vernetzt &#252;ber das Internet arbeiten um die Schule und den Unterricht ins heimische Zimmer der Sch&#252;ler, aber auch in mein eigenes erweitern zu k&#246;nnen und dar&#252;ber hinaus auch mit anderen Schulen und deren Sch&#252;lern zusammen zu arbeiten.</p>

<p>Ein bisschen davon ist nun wahr geworden, zum Beispiel &#252;ber die Arbeit in Wikis und Blogs und nat&#252;rlich auch &#252;ber die „gute, alte“ E-Mail.</p>

<p>In 10 Jahren? In der Schule werden alle ihre eigenen Devices im Unterricht nutzen um damit auf die Informationen und das Wissen der Menschheit zugreifen zu k&#246;nnen und dieses Wissen um eigenes, bedeutsames Wissen bereichern. Der „Lehrer“ wird zum Lerncoach und wird dann auf seinem Weg vom Wissensvermittler hin zum Berater eine motivierende, anleitende, organisierende und das Lernergebnis b&#252;ndelnde Rolle einnehmen, denn sein spezialisiertes Wissen ist dann nicht mehr (so) bedeutend – es geht um andere Dinge und Konzepte, um gemeinsames Lernen und Partizipation.</p>

<blockquote><address>Das Interview wurde im September 2011 via E-Mail gef&#252;hrt und erscheint hier in von André J. Spang autorisierter Form. </address></blockquote>

<address><em>
</em></address>

<p><em>
</em><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Wandern in der Schule zwischen Zweck und Selbstzweck</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Sep 2011 21:40:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen Wandern zu gehen, ist nicht erst in j&#252;ngerer Zeit zu einer mutigen Veranstaltung geworden. Bereits 1986 gr&#252;ndete sich der „P&#228;dagogische Arbeitskreis ‚Schulwandern‘“ am staatlichen Schulamt der Stadt Dortmund. Dieser Arbeitskreis hat[te?]… …„sich die Aufgabe gestellt, die Bereitschaft zum Wandern in &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/13/wandern-in-der-schule-zwischen-zweck-und-selbstzweck/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wandern" target="_blank">Wandern</a> zu gehen, ist nicht erst in j&#252;ngerer Zeit zu einer mutigen Veranstaltung geworden.</p>

<p>Bereits 1986 gr&#252;ndete sich der „<a href="http://www.do.nw.schule.de/schulwandern/intbeg.rtf" target="_blank">P&#228;dagogische Arbeitskreis ‚Schulwandern‘“ am staatlichen Schulamt der Stadt Dortmund.</a> Dieser Arbeitskreis hat[te?]…</p>

<blockquote><address>…„sich die Aufgabe gestellt, die Bereitschaft zum Wandern in der Dortmunder Lehrerschaft neu zu beleben. Er will eine kind‑ und jugendgerechte Form des Wanderns entwickeln, die attraktiv ist und das Interesse der Sch&#252;ler weckt.“</address></blockquote>

<address>Dabei wird betont, dass das Wandern Mittel zum Zweck sei und nicht an sich einen Wert habe. Anschlie&#223;end werden die wertvollen Kompetenzen aufgez&#228;hlt, die man beim Wandern vermitteln k&#246;nne, die zudem auch von hochwertigen sozialen Komponenten begleitet werden. Wer mag, lese sich ein <a href="http://www.do.nw.schule.de/schulwandern/intbeg.rtf" target="_blank">Dokument aus dem Jahre 1998</a> einmal vollst&#228;ndig durch – und vergleiche es mit eigenen Erfahrungen, die mit dem Mut verbunden sind, mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen auf wirkliche Wanderungen zu gehen…</address>

<address>Dar&#252;ber hinaus gibt es noch eine <a href="http://www.staff.uni-marburg.de/~braemer/Justu92.pdf" target="_blank">Jugendstudie Wandern aus dem Jahre 1992</a>, <span id="more-6306"></span>die von Rainer Br&#228;mer an der Uni Marburg angefertigt wurde. Diese Studie scheint zumindest zu belegen, dass die negative Haltung gegen&#252;ber dem Thema Wandern damals gar nicht so eindeutig war, wie man angenommen hatte.</address>

<address>Und <a href="http://www.news.de/reisen-und-leben/855209951/schulwanderungen-sind-wieder-im-kommen/1/" target="_blank">k&#252;rzlich behauptete Gaby Diethers</a> (Referentin beim Deutschen Wanderverband)  im Vorfeld des <a href="http://deutscher-wandertag2011.de/" target="_blank">111. Deutschen Wandertages (8. bis 15. August 2011)</a>, dass Schulwanderungen wieder im Trend l&#228;gen. In diesem Zusammenhang fiel auch der Begriff <a href="http://www.geocaching.de/" target="_blank">Geocaching</a>. Nun, mit den meisten Jahrg&#228;ngen ist Geocaching in der Schule nicht m&#246;glich, weil dabei der Aufsichtspflicht f&#252;r die meisten Schulstufen nicht nachgekommen werden kann, aber es werden auch andere Unterhaltungsprogramme genannt, die zum Wandern motivieren k&#246;nnen. <a href="http://www.news.de/reisen-und-leben/855209951/schulwanderungen-sind-wieder-im-kommen/1/" target="_blank">Diethers sagt</a>:</address>

<blockquote><address>„Es gibt aber auch andere Wege. Sch&#252;ler finden es zum Beispiel faszinierend, mit Karte und Kompass nach drau&#223;en zu gehen und sich in der Natur zurechtzufinden. Mit Kindern k&#246;nnen es auch ganz einfache Sachen sein, etwa barfu&#223; &#252;ber ein matschiges Feld laufen oder sich Tiere anschauen.“</address></blockquote>

<p>Erstaunlich: Um Wandern gehen zu k&#246;nnen, muss man Events schaffen, bei denen man Dinge tut, die zumindest teilweise nicht wirklich zu weit verbreiteten Alltagst&#228;tigkeiten geh&#246;ren (barfu&#223; im Matsch laufen), die aber gleichzeitig dazu beitragen, dass man dieses Wort „Wandern“ nicht in den Mund nehmen muss.</p>

<p>Beim „Wandern“ passiert etwas, das meiner Wahrnehmung nach (nicht nur) Kindern und Jugendlichen schon seit einiger Zeit kaum noch als sinnvoll vermittelbar ist: Man tut etwas um seiner selbst Willen. Mit diesem Etwas sind Nebeneffekte verbunden, die vom Kennenlernen der Umgebung &#252;ber die „sportliche“ Herausforderung, die Wandern f&#252;r manche Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen tats&#228;chlich darstellt, bis hin zur F&#246;rderung sozialen Miteinanders f&#252;hren kann. Au&#223;erdem bieten Wanderungen f&#252;r Lehrende wunderbare M&#246;glichkeiten, Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen in einer „Stress-Situation“ zu beobachten und kennen zu lernen.</p>

<p>Der „Stress“ besteht meiner Beobachtung nach darin, dass beim Wandern etwas in den Vordergrund gestellt wird, das im sonstigen Alltag weitgehend vermieden wird, n&#228;mlich das langsame &#220;berbr&#252;cken einer Distanz.</p>

<p>In der Regel sind wir an Zielen interessiert, die m&#246;glichst schnell erreicht werden sollen.</p>

<blockquote class="pull alignright"><address>In der Regel sind wir an Zielen interessiert, die m&#246;glichst schnell erreicht werden sollen.</address></blockquote>

<p>Zumindest ist unser Alltag weitgehend auf dieses Denken ausgerichtet: Man muss schnell den Schulabschluss erreichen, schnell studieren, fr&#252;h den Berufseinstieg schaffen, wenn man in bestimmten Berufen etwas werden will. Man will schnell ein Urlaubsziel erreichen, wobei der Weg zu diesem Ziel nicht als Teil der Reise angesehen wird, sondern purer Stress ist, den es zu <del>vermeiden</del> reduzieren gilt. Nat&#252;rlich fliegt man auch zu Reisezielen, die innerhalb Europas liegen. Interessant ist nur das Ziel, nicht aber der Weg dorthin.</p>

<p>Dabei r&#252;ckt alles so nah zusammen. Es kommt zu keiner Distanzierung vom Alltag mehr, wenn man verreist, weil man ja nur eine Flugstunde weg ist.</p>

<p>Wie anders klingt es, wenn man sagt, ich bin 10 Stunden mit dem Zug oder dem Auto von zuhause weg? Ich bin zehn Stunden weit in eine andere Kultur gereist. Oder: Ich bin 24 Stunden lang bis nach Spanien gefahren. Bis nach Portugal braucht man mit dem Bus sogar 36 Stunden, wobei man dabei eine unglaubliche Vielfalt europ&#228;ischer Landschaften erleben kann.</p>

<p>Diese Beispiele betreffen Schulwanderungen eher selten, greifen h&#246;chstens bei Studienfahrten kurz vor dem Abitur, die h&#228;ufig auch ins entferntere europ&#228;ische Ausland gehen. Diese Beispiele beschreiben aber ein Ph&#228;nomen, mit dem wir es schon sei l&#228;ngerem zu tun haben.</p>

<p>Nicht nur Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen werden unruhig, wenn das &#220;berwinden von Distanz in durchaus sportlichem Gehstil (Wandern) und die damit verbundenen Erfahrungen der zentrale Zweck eines Wandertages sind.</p>

<p>Es wird dann nach einem Ziel der Wanderung gefragt.</p>

<p>Wurde bewusst ein Rundweg ausgew&#228;hlt, erzeugt das Stress, wird Sinnlosigkeitsverdacht ge&#228;u&#223;ert.</p>

<p>Parallel dazu werden Handys herausgeholt, zwei Kinder teilen sich einen Kopfh&#246;rer, sodass jedes nur einen Stereokanal h&#246;rt, es werden SMS an Leute der gleichen Wandergruppe geschickt oder andere Alternativt&#228;tigkeiten gestartet, die zum Beispiel Rollenspielen gleich kommen, weil einige Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen untereinander gro&#223;e Zukunftspl&#228;ne <del>formulieren</del> phantasieren (?), gleichzeitig Rangordnungen in Cliquen &#252;berpr&#252;fen, erneuern oder in Frage stellen etc.</p>

<p>Es passiert auf so einer Wanderung sehr viel. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisbergmodell" target="_blank">Das meiste ist auf den ersten Blick nicht oder nur dem ge&#252;bten Beobachter erkennbar</a>.</p>

<p>Wenn dann Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen gefragt werden, wie gro&#223; ihre eigenen Erfahrungen mit dem Wandern au&#223;erhalb der Schule sind, dann gewinne ich den Eindruck, dass es in gro&#223;er Mehrheit mit dieser Form der Selbst- und Weltwahrnehmung wenig Erfahrungen gibt.</p>

<blockquote class="pull alignleft"><address>Jede Wanderung ist ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jakobsweg" target="_blank">Jakobsweg</a> im Kleinen.</address></blockquote>

<p>Wanderungen sind f&#252;r viele Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen eine Sonderwelt. F&#252;r viele Erwachsene aber auch, trotz der Mode, dass der eine oder andere auf dem Jakobsweg <del>wandert</del> pilgert.</p>

<p>Jede Wanderung, wenn man sie ernst nimmt und z. B. wirklich auf den Einsatz von Medien verzichtet, setzt den Wandernden der Erfahrung aus, mit sich selbst zu sein, auf dem Weg zu sein und neben der k&#246;rperlichen Anstrengungen, die manche Wanderung darstellt, zu erleben, welche Wege der Kopf einschl&#228;gt, wenn wenig M&#246;glichkeiten zur Ablenkung vorhanden sind.</p>

<p>Kein MP3-Abspielger&#228;t, das Handy abgeschaltet, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Flaneur" target="_blank">h&#246;chstens ein Notizbuch dabei</a>, um zwischendurch zu notieren, was die Gedanken einem so abverlangen: F&#252;r viele ist das zu einer Horrorvorstellung geworden. Geschickt weichen wir der Begegnung mit der uns am N&#228;chsten stehenden Person aus, indem wir sie gar nicht erst zu Wort kommen lassen: Der Begegnung mit uns selbst.</p>

<p>Wanderungen mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen k&#246;nnen diese Erfahrung thematisieren.</p>

<p>Bereits im Vorfeld k&#246;nnen diese „&#196;ngste“ aufgegriffen werden. Ja, die an sich zweckfreie Wanderung bekommt so wieder einen Zweck, n&#228;mlich jenen, eigene Erfahrungen mit der „Zweckfreiheit“ zu machen. Das ist ein Paradox. Aber vielleicht ein notwendiges Paradox, das erst in der Praxis aufgel&#246;st werden kann.</p>

<p>Wandern erzeugt Stress, vor allem, wenn die Wanderung so gestaltet ist, dass sie kein Ziel hat, sondern einen Rundweg nutzt. Wenn ein „Ziel“, z. B. ein Waldspielplatz, ein Kaffee oder &#228;hnliches, vorgegeben wird, sinkt dieser Stress, da die Orientierung an einem Ziel eine vertraute Orientierung ist, w&#228;hrend zweckfreie und dennoch sinnvolle T&#228;tigkeiten gerade von Jugendlichen in Gro&#223;st&#228;dten regelrecht als Erfahrungsoption (wieder)erlernt werden m&#252;ssen.</p>

<p>Begleiter solcher Wanderungen lernen gleichzeitig sehr viel &#252;ber die Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Das gilt nicht nur f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, auch erwachsene Wanderer zeigen sich bei Wanderungen interessante Verhaltensweisen, sodass sich diese durchaus auch als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Assessmentcenter" target="_blank">Assessmentcenter</a> eigenen k&#246;nnten.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird andererseits auch der Begleiter einer Wanderung transparenter in seinen Verhaltensweisen.</p>

<p>Sobald Wandertage mit Schulklassen auf Konsum hin ausgerichtet sind, besonders beliebt sind da Freizeitparks, f&#228;llt die M&#246;glichkeit der relativ zweckfreien Selbsterfahrung weg, r&#252;ckt das Ziel (der Freizeitpark, die Achterbahn, die n&#228;chste Attraktion) in den Vordergrund.</p>

<p>Ich frage mich, ob der schulische Bildungs- und Erziehungsauftrag erf&#252;llt werden kann, wenn nicht auch Erfahrungsr&#228;ume geschaffen werden, die mit einer relativen Reizarmut zur Selbsterfahrung beitragen. So hei&#223;t es im <a href="http://www.hessen.de/irj/HKM_Internet?rid=HKM_15/HKM_Internet/nav/374/3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2%26_ic_uCon=72920bec-b224-d901-be59-2697ccf4e69f.htm&amp;uid=3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2" target="_blank">Hessischen Schulgesetz §2 Abschnitt 1</a>:</p>

<blockquote><address>„Sie [die Schulen im Land Hessen] tragen dazu bei, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ihre Pers&#246;nlichkeit in der Gemeinschaft entfalten k&#246;nnen.“</address></blockquote>

<p>Pers&#246;nlichkeit ist f&#252;r mich das, was sichtbar und erfahrbar wird, wenn den Menschen fremdbestimmende Reize minimiert werden und das Individuum m&#246;glichst unabh&#228;ngig von bestimmten T&#228;tigkeiten f&#252;r sich selbst erfahrbar wird.</p>

<p>Pers&#246;nlichkeit ist das, was hinter Marken und imagebildenden T&#228;tigkeiten als Individuum „&#252;brig“ bleibt. Diese Pers&#246;nlichkeit muss R&#228;ume finden, vom Individuum entdeckt zu werden, um &#252;berhaupt in die Lage versetzt zu werden, die eigene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Person" target="_blank">Pers&#246;nlichkeit</a> „in der Gemeinschaft entfalten zu k&#246;nnen“.</p>

<p>Eine recht verstandene Wanderung, auch wenn sie als Zumutung empfunden wird, Widerst&#228;nde ausl&#246;st, in ihrem Sinngehalt in Frage gestellt wird, kann, so sie gut vorbereitet ist und Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor, w&#228;hrend und nach dieser Herausforderung von Lehrern und Lehrerinnen ernst genommen werden, nicht nur dazu beitragen, die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen n&#228;her kennen zu lernen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/09/13/wandern-in-der-schule-zwischen-zweck-und-selbstzweck/#footnote_0_6306" id="identifier_0_6306" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wer eine neue Klasse &amp;#252;bernimmt sollte bald mit ihr auf einem Rundweg wandern gehen, um die Sozialstruktur der Klasse zu erleben.">1</a></sup>, sondern vor allem auch dazu, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sich selbst erleben, erfahren und kennen lernen.</p>

<p>Das aber gilt nicht nur f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, sondern f&#252;r jeden und jede, der oder die ein wenig mehr &#252;ber sich selbst erfahren will. Das gelingt am besten, wenn man alle anderen Ziele ausschaltet, also in der Meditation oder eben in der Wanderung, die nur sich selbst zum Ziel hat.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Computer im Unterricht. Das digitale Paradox.</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Sep 2011 20:21:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist paradox: Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen haben oft zuhause Zugang zu Computer und Internet und nutzen diesen intensiv. In Schulen gibt es, so eine Bibliothek vorhanden ist, f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Zugangsm&#246;glichkeiten zu diesen Medien au&#223;erhalb von Computerr&#228;umen. Dennoch ist die Nutzung &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/04/computer-im-unterricht-das-digitale-paradox/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist paradox: Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen haben oft zuhause Zugang zu Computer und Internet und nutzen diesen intensiv. In Schulen gibt es, so eine Bibliothek vorhanden ist, f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Zugangsm&#246;glichkeiten zu diesen Medien au&#223;erhalb von Computerr&#228;umen.</p>

<p>Dennoch ist die <a href="http://www.welt.de/politik/bildung/article5882848/Deutsche-Schulen-bei-PC-Nutzung-Schlusslicht.html" target="_blank">Nutzung von Computern <em>im</em> Unterricht</a> nach wie vor keine Selbstverst&#228;ndlichkeit. Die verlinkte Studie ist zwar eineinhalb Jahre alt, aber im Prinzip spiegelt sie die Wirklichkeit meiner Wahrnehmung nach weiterhin wider.</p>

<p>Dies allein w&#228;re noch keine paradoxe Situation, w&#228;re da jetzt nicht eine zweite Studie zu dem Schluss gekommen, dass auch die <a href="http://www.bildungsSPIEGEL.de/aktuelles/technik-affine-lehrer.html?Itemid=262" target="_blank">Lehrer und Lehrerinnen in ihrer &#252;bergro&#223;en Mehrheit gut mit Computern und Internetzug&#228;ngen ausgestattet </a>sind. Sie nutzen diese zudem in vielen F&#228;llen auch f&#252;r die Vorbereitung des Unterrichts.</p>

<p>Das Paradox: Sowohl Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen also auch Lehrerinnen und Lehrer nutzen PC und Internet in ihrem privaten Alltag und auch f&#252;r die Schule; Lehrer und Lehrerinnen sind von den Zugangsm&#246;glichkeiten her sogar &#252;berdurchschnittlich gut ausger&#252;stet. Und dennoch spielt der Computer im Unterricht vor Ort nach wie vor eine untergeordnete Rolle.</p>

<p>Dieses Paradox w&#252;rde sich aufl&#246;sen, wenn<span id="more-6219"></span> es <a href="http://www.rete-mirabile.net/lernen/stoll-logout-warum-computer-nichts-im-klassenzimmer-zu-suchen-haben" target="_blank">eine p&#228;dagogische Entscheidung</a> w&#228;re zu sagen, dass der konkrete Unterricht in der Schule aus bestimmten, darstellbaren Gr&#252;nden auf die Nutzung des Computers verzichtet. Solche (medien)p&#228;dagogische Entscheidungen spielen in der Regel aber eben keine Rolle, wenn man fragt, warum so wenig mit Computern im „normalen“ Klassenraum gearbeitet wird.</p>

<p>In den meisten F&#228;llen bleibt das Paradox bestehen. Alle nutzen Computer, nur nicht im Klassenzimmen, denn in den Schulen spielt sich die Arbeit an Computern meist in PC-R&#228;umen ab, die in begrenzter Anzahl verf&#252;gbar sind. Liegt der eigene Unterricht dann wom&#246;glich parallel zu einer Informatikleiste, ist es das ganze Schuljahr &#252;ber nicht einmal theoretisch m&#246;glich, den PC im Unterricht zu nutzen.</p>

<p>Selbst wenn Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vom Auslandsjahr – meist aus angels&#228;chsischen L&#228;ndern – zur&#252;ckkehren und fragen, ob sie, wie sie es wohltuend erlebt haben, in der Schule den Laptop verwenden d&#252;rfen, verzichten viele darauf, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen: Entweder erlauben es nicht alle Lehrer und Lehrerinnen und man hat den Laptop dann f&#252;r Einzelf&#228;cher dabei oder aber es zeigt sich, dass es f&#252;r einen Sch&#252;ler mit Laptop schon etwas seltsam ist, als einziger so zu arbeiten. Entsprechend ist der Unterricht oft auch gar nicht auf deren Integration hin ausgerichtet. Und wenn kein WLan in der Schule verf&#252;gbar ist, reduzieren sich die methodischen Einsatzgebiete des Laptops im Unterricht drastisch.</p>

<p>Selbst erfahre ich die Nutzung von Computern f&#252;r die schulische Arbeit &#252;ber die statistische (selbstverst&#228;ndlich anonymisierte) Auswertung der Suchbegriffe, die Besucher von herrlarbig.de &#252;ber Suchmaschinen auf meine Website gebracht haben. Es handelt sich bei den TopTen nahezu ausschlie&#223;lich um Suchabfragen, die sich um Texte drehen, die in der Schule gelesen werden. Das schlie&#223;e ich daraus, dass ich mir anders nicht erkl&#228;ren kann, wie „<a href="https://encrypted.google.com/search?q=Clemens%20Brenatano%20Sprich%20aus%20der%20Ferne&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8#sclient=psy&amp;hl=de&amp;source=hp&amp;q=Clemens+Brentano+Sprich+aus+der+Ferne&amp;pbx=1&amp;oq=Clemens+Brentano+Sprich+aus+der+Ferne&amp;aq=f&amp;aqi=g2g-v3&amp;aql=&amp;gs_sm=e&amp;gs_upl=7673l7673l0l7919l1l1l0l0l0l0l178l178l0.1l1l0&amp;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.&amp;fp=9c41eb5c6c8dfde9&amp;biw=1280&amp;bih=664" target="_blank">Clemens Brenatano Sprich aus der Ferne</a>“ der am h&#228;ufigsten &#252;ber Suchmaschinen Besucher auf herrlarbig.de bringende Suchbegriff ist.</p>

<p>Ich stelle mir das so vor: An dem einen Wochenende sitzen Lehrende zuhause und bereiten Unterricht vor. Neben den Fachkenntnissen aus dem Studium und analog vorliegendem Material schaut man, was das Internet an Material zu bieten hat, liest dies auch, bekommt vielleicht Anregungen, die dann in den Unterricht einflie&#223;en und gibt eine Hausaufgabe.</p>

<p>Anschlie&#223;end sitzen die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zuhause und arbeiten an der Hausaufgabe. Vielleicht sollen sie eine Interpretation zu einem Gedicht schreiben. Und „nat&#252;rlich“ schauen auch die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, was das Internet zum Thema zu sagen hat, sto&#223;en auf die gleichen Artikel, die auch Lehrer und Lehrerinnen gefunden haben, lassen sich von ihnen anregen und diese Anregungen flie&#223;en dann wiederum in den Unterricht ein.</p>

<p>Der Lehrende erkennt die Gedanken wieder, die er sich selbst zu einem Thema gemacht hat bzw. die er auch im Netz gefunden hat – und ist wahrscheinlich zufrieden, denn die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen haben offensichtlich etwas gelernt.</p>

<p>Ob die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen aber gelernt haben, wie man, auch unter Zuhilfenahme externer Quellen, einen Text interpretierend erarbeitet, darf bezweifelt werden, ob es zu einem Kompetenzzugewinn auf Seiten der Lernenden gekommen ist, bleibt offen.</p>

<p>Aufgabenformate in Zeiten von Computer und Internet m&#252;ssen &#252;berdacht werden. <a href="http://herrlarbig.de/de/2010/11/19/kompetenzenorientiert-unterrichten-ein-vorschlag/" target="_blank">Dar&#252;ber habe ich mir schon Gedanken gemacht</a>. Und um an den Kompetenzen zu arbeiten, die n&#246;tig sind, um mit verf&#252;gbaren Ressourcen (in Bibliotheken, im Internet) umgehen zu lernen, ist die praktische Arbeit mit diesen Ressourcen <em>im</em> Unterricht n&#246;tig.</p>

<p>Dann kann man einen Text in eine Lerngruppe geben, der anspruchsvoll ist und die Entwicklung von Lesestrategien verlangt, die ein Verstehen erm&#246;glichen. Wenn die entsprechenden Verstehensressourcen nicht verf&#252;gbar sind, muss der Lehrer erl&#228;utern, was nicht unbedingt dazu beitr&#228;gt, dass die Lehrerzentrierung von Unterricht reduziert wird.</p>

<p>Wenn kein Fremdw&#246;rterbuch im Raum verf&#252;gbar ist, kann nicht nachgeschlagen werden und der Umgang mit dem W&#246;rterbuch nicht gelernt werden. Gleiches gilt, wenn die Nutzung einer Bibliothek nicht m&#246;glich ist oder verf&#252;gbare Internetzug&#228;nge, die dann meist privat bei den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen in Form eines Smartphones angesiedelt sind, wom&#246;glich nicht genutzt werden d&#252;rfen. Unter solchen Voraussetzung verweigert Unterricht den Lernenden die ihnen m&#246;gliche Autonomie, das eigenst&#228;ndige Lernen, zumindest ein St&#252;ck weit.</p>

<p>Dann werden entsprechende Ger&#228;te eben daheim verwendet. Nur dass dann ein Lehrender zum Beispiel nicht gemeinsam mit den Lernenden Strategien entwickeln kann, wie diese Instrumente effektiv genutzt werden k&#246;nnen, ohne das Selbstdenken zu ersetzen.</p>

<p>Nein, es muss nicht jede Stunde mit dem Internet gearbeitet werden; es gibt auch Stunden, in denen z. B. im Deutschunterricht das „Sehen“ dessen gelernt werden soll, was in einem Text als Text zu entdecken ist. Aber da dies ja die eher &#252;blichen Stunden sind, die durchaus sehr gut sein k&#246;nnen!, lege ich hier die Betonung mal auf die Seite des au&#223;erunterrichtlichen digitalen Paradoxes, dass alle an Schule Beteiligten digitale Instrumente nutzen, aber eben nicht im Unterricht.</p>

<p>Wo aber liegen die Gr&#252;nde dieses Paradoxes, dass Computer &#252;berall eingesetzt werden, auch in der Schule, denn Sekretariate ohne Computer sind undenkbar und die Computer im Lehrerzimmer in der Regel gut genutzt, aber eben nicht im Unterricht?</p>

<p>Und wenn dann Eltern einen Lehrer, der seine Unterrichtsvorbereitungen auf einem Tablet-Computer papierfrei im Unterricht vor sich hat, fragen, wie er zur Nutzung von Computern im Unterricht steht, ist das f&#252;r mich durchaus ein Zeichen, dass es auch bei Eltern die Wahrnehmung des hier beschriebenen digitalen Paradoxes gibt.</p>

<p>Ich antworte Eltern dann in der Regel, dass ich freundlich zur&#252;ckhaltend zur Nutzung von Computern im Unterricht stehe, denn &#252;ber die M&#246;glichkeiten von PC-R&#228;umen hinaus, die beschr&#228;nkt genutzt werden k&#246;nnen, kann ich nicht erwarten, dass Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen private Laptops mit in den Unterricht nehmen. Ich halte es durchaus f&#252;r einen Unterschied, ob Eltern „nur“ Hefte kaufen m&#252;ssen oder ob pl&#246;tzlich ein Laptop oder TabletPC im Unterricht erwartet wird. Das Argument der Lehrmittelfreiheit betrifft Schulb&#252;cher, nicht aber Stifte, Papier, Taschenrechner etc. Aber von Eltern erwarten, dass ihr Kind einen Laptop oder ein Tablet f&#252;r schulische Zwecke besitzt?</p>

<p>Ja: In Mathematik werden auf Kosten der Eltern Taschenrechner angeschafft; in Deutsch werden viele Lekt&#252;ren f&#252;r den Unterricht von den Eltern gekauft. Und ja: Viele &#228;ltere Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen haben einen Laptop verf&#252;gbar, m&#252;ssten also gar keinen zus&#228;tzlich kaufen.</p>

<p>Ich stehe „freundlich zur&#252;ckhaltend zur Nutzung von Computern im Unterricht”. Das hei&#223;t, dass ich die Nutzung f&#252;r Unterrichtszwecke grunds&#228;tzlich nicht verbiete, aber auch nicht erwarte. Faktisch bedeutet das vor allem, dass ich den Einsatz von Smartphones<em> f&#252;r klar definierte Unterrichtszwecke</em> zulasse, solange nicht erkennbar ist, dass Lernende ohne diese M&#246;glichkeit einen vermeidbaren Nachteil erleiden. Aber es hatten Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen auch schon Laptops dabei, die ihnen dann aber zu schwer waren, um neben den Schulb&#252;chern f&#252;r ein Fach dauerhaft mitgef&#252;hrt zu werden.</p>

<p>Nat&#252;rlich d&#252;rfen Begriffe nachgeschlagen werden. Nat&#252;rlich d&#252;rfen Quellen genutzt werden, solange entsprechende Nachweise erfolgen und ein wesentlicher, eigenst&#228;ndiger Denkanteil erkennbar wird.</p>

<p>Solche Lernprozesse m&#252;ssen begleitet werden. <em>Lehrende m&#252;ssen selbst zeigen, dass Computer zum Arbeiten genutzt werden k&#246;nnen und wie das geht. (sic!)</em> F&#252;r mich ist das einer der Gr&#252;nde, warum ich mit dem Tablet in den Unterricht gehe. Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen verbinden mit solchen Ger&#228;ten vor allem das „Herumspielen“ und reagieren oft erstaunt, wenn sie bemerken, dass da jemand mit arbeitet.</p>

<p>Wie sollen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Kompetenzen f&#252;r die Arbeitswelt erwerben, wenn das zentrale Instrument vieler Berufe, der Computer in all seinen Ausformungen, sie zwar ihre ganze Jugend begleitet, sie aber nicht <a href="http://herrlarbig.de/de/2009/03/12/herausforderung-medienpaedagogik/" target="_blank">medienp&#228;dagogisch begleitet das Arbeiten mit ihm erproben</a>?</p>

<p>Das „digitale Paradox“ erweist sich mir nach l&#228;ngerem Nachdenken zunehmend als ein gesellschaftliches und politisches Paradox.</p>

<p>Sowohl Lehrer und Lehrerinnen als auch Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen nutzen Computer, oft in der Form von Laptops – aber nur zuhause oder maximal noch im Lehrerzimmer. Die Ger&#228;te sind also in vielen F&#228;llen vorhanden und verf&#252;gbar. Sie k&#246;nnten im Unterricht genutzt werden.</p>

<p>Doch diese Nutzung wird nicht offensiv gef&#246;rdert: Weder bieten die Kultusbeh&#246;rden und Schultr&#228;ger Lehrern und Sch&#252;lern, die Rechner in der Schule nutzen (wollen) angemessene Infrastruktur (Anschluss an jedem Platz oder WLan), noch ist die Nutzung der Ger&#228;te im Versicherungsschutz enthalten, den Mitglieder einer Schulgemeinde genie&#223;en.</p>

<p>Gesellschaftlich wird mehr und mehr erwartet, dass Computer in der Schule eine gr&#246;&#223;ere Rolle spielen, aber es gibt keine Finanzierungsmodelle, an denen sich durchaus auch Gruppen beteiligen k&#246;nnten, die besonderen Wert auf angemessen Kompetenzen von Schulabg&#228;ngern legen. Es ist also nicht sichergestellt, dass alle Lernenden diese Arbeitsinstrumente verf&#252;gbar haben k&#246;nnen.</p>

<p>Eine offensive F&#246;rderung w&#252;rde aber vor allem bedeuten, dass Lernmaterial in digitaler Form in den Schulen und im Rahmen der Lernmittelfreiheit vorhanden w&#228;re! Solange die Nutzung neuer Medien im Unterricht &#252;ber die Nutzung im Rahmen von digitalen Pr&#228;sentationen und audiovisuellem Material nicht hinausgeht, steht die Frage im Raum, wie Schule ihrem allgemeinbildenden Auftrag auf Dauer nachkommen kann, wenn das Erlernen und die Verwendung einer neu entstandenen Kulturtechnik, der Umgang mit Computern und digitalen Netzwerken, nicht wirklich zum zentralen Bestand des Lernens an Schulen gemacht wird.</p>

<p>Neben den Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens stellt der Umgang mit dem Computer und mit digital vernetzten Strukturen in meinen Augen tats&#228;chlich etwas dar, das von &#228;hnlich zentraler Bedeutung ist.</p>

<p>Lehrer und Lehrerinnen benutzen Computer, um dann analoges Material mit in die Schule zu nehmen. Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen benutzen Computer und Netzwerke ebenfalls, um analoge Ergebnisse zu produzieren. Das digitale Paradox besteht auch darin, dass das digitale Arbeiten nahezu ausschlie&#223;lich auf die analoge Verwertung hin erfolgt – und gerade so den M&#246;glichkeiten und Anspr&#252;chen kompetenten Umgangs mit digitalen Technologien nicht entsprechen kann.</p>

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		<title>Ermutigung zur differenzierenden Autonomie</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Aug 2011 22:01:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zugegeben: Bei allem, was ich so tue, vertraue ich auf die Qualit&#228;t von Inhalten. Ich vertraue darauf, dass Inhalte, die zun&#228;chst einmal wenig individualisiert, wenig differenzierend wirken m&#246;gen, in der Lage sind, selbst in heterogenen Lerngruppen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/08/ermutigung-zur-differenzierenden-autonomie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben: Bei allem, was ich so tue, vertraue ich auf die Qualit&#228;t von Inhalten. Ich vertraue darauf, dass Inhalte, die zun&#228;chst einmal wenig individualisiert, wenig differenzierend wirken m&#246;gen, in der Lage sind, selbst in heterogenen Lerngruppen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen ansprechen zu k&#246;nnen. Ich vertraue darauf, dass Menschen in der Lage sind, mit Inhalten auf genau die Art und Weise umzugehen, die f&#252;r sie angemessen ist, so sie erst einmal das Vertrauen vermittelt bekommen, dass sie das d&#252;rfen!</p>

<p>Ich habe viele Unterrichtsvorbereitungen erlebt,<span id="more-6120"></span> bei mir selbst, bei Praktikanten und Praktikanntinnen, bei Lehrern und Lehrerinnnen im Vorbereitungsdienst (Referendare und Referendarinnen), die versuchten, f&#252;r unterschiedliche Leistungsstufen in einer Klasse Konzepte zu entwickeln, die dann im Sinne der Binnendifferenzierung umgesetzt werden sollten. Ich fragte mich immer, wie dieser Aufwand, den ich zugegebenerma&#223;en durchaus auch noch betreibe, wenn ich den Eindruck habe, dass es notwendig ist, angesichts der sowieso schon umfassenden Beanspruchung von Lehrenden reduziert werden kann, ohne dass es zum Nachteil der Lernenden ist.</p>

<p>Mir scheint es heute so, als ob Binnendifferenzierung im Unterricht oft daran krankt, dass sie versucht, unterschiedliche Zugangsweisen zu Inhalten und Kompetenzen zu inszenieren. Was im Prinzip n&#228;mlich gut und w&#252;nschenswert ist, dass Lehrende unterschiedliche Zugangsweisen zu Inhalten und Kompetenzen erm&#246;glichen, damit m&#246;glichst viele Lernende Ankn&#252;pfungsm&#246;glichkeiten und somit Lernoptionen finden, wird bevormundend, wenn eine Differenzierung nicht darauf hin ausgelegt ist, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sich trauen, Inhalte mit den unterschiedlichen Hintergr&#252;nden zu verbinden, die sie zweifellos mit in den Unterricht bringen.</p>

<p>Ich schreibe das, soviel muss vielleicht gesagt werden, um meinen eigenen Horizont zu verdeutlichen, als jemand, der sich im geisteswissenschaftlichen Bereich bewegt. Nat&#252;rlich gibt es in den Geisteswissenschaften Wissensbest&#228;nde, die es sich anzueignen gilt, aber es gibt eben unterschiedlichste Formen, wie Sch&#252;ler Zugang zu Themen finden, mit denen ich bei allen Differenzierungsversuchen wom&#246;glich gar nicht rechne.</p>

<p>Im Laufe der Jahre lehrt die Erfahrung zwar, welche Zugangsoptionen sinnvollerweise angeboten werden sollten, aber solche Erfahrung l&#246;st nicht das Problem der differenzierenden Vorbereitung von Unterricht, welche extrem zeitaufw&#228;ndig ist, aber gleichzeitig oft ohne Gew&#228;hr, dass der Nagel f&#252;r m&#246;glichst viele Zugangsweisen, Lerntypen, Denktypen, Ankn&#252;pfungshorizonte wirklich auf den Kopf getroffen wurde.</p>

<p>Im Laufe der Jahre waren es immer wieder Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die mich mit ihren pers&#246;nlichen Zugangsweisen zu Inhalten &#252;berrascht haben und meinen eigene Horizont erweiterten. Meist waren es Gedichte, aber auch bei umfangreicheren literarischen Texten machte ich diese Erfahrung, auf die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Kenntnisse aus anderen F&#228;chern anwendeten, um einem Verstehen n&#228;her zu kommen.</p>

<p>Mir haben schon Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler erkl&#228;rt, welche Elemente der Musiktheorie sie in Gedichten und auch in Prosatexten finden konnten, es haben aber auch schon Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mathematisch-naturwissenschaftliche Strukturen auf Inhalte anwenden k&#246;nnen, die im Deutsch und Religionsunterricht eine Rolle spielen.</p>

<p>Dabei kamen immer wieder Erkenntnisse zustande, die ich selbst, der ich ja nun wirklich nicht in jedem Fachgebiet sonderlich kompetent bin, nie in der Planung von Unterricht h&#228;tte vorweg denken (antizipieren) k&#246;nnen. Und genau diese Erfahrung war es, die mich zu der Frage brachte, warum wir Lehrende jede Kleinigkeit inhaltlich zu antizipieren versuchen, wenn wir Unterricht planen?</p>

<p>Ich erinnere mich, dass ich einmal eine sehr differenzierte, methodisch vielf&#228;ltig gestaltete Stunde vorbereitet hatte. Mir wurden zu dieser Stunde, die durchaus von Methoden gepr&#228;gt wurde, damals zwei Fragen gestellt, die das Konezpt durcheinander wirbelten. Frage 1: Wo ist der Text? (Die Stunde geh&#246;rte zu einer Einheit zu einem Roman.) Frage 2: Wo sind die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen.</p>

<p>Darauf hin entschied ich mich, meine Konzentration auf den Text zu richten, diesen wirklich ins Zentrum meiner Vorbereitung der Stunde zu stellen, ohne didaktische und methodische Fragen aus dem Blick zu verlieren. Es war geradezu so, dass ich methodisch intensiv mit der Frage befasst war, wie ich den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen des Deutschkurses Freiheit im Umgang mit dem Text geben konnte, ohne dabei die Perspektive des Lernfortschritts aus den Augen zu verlieren. – Die auf diesen &#220;berlegungen beruhende Stunde war extrem lebendig und, so will ich meinen, fruchtbar.</p>

<p>Jedes Mal, wenn ich h&#246;re oder lese, dass es nicht so sehr um den Inhalt gehe, sondern um die Bed&#252;rfnisse von anderen, die es, um des eigenen Erfolges willen zu befriedigen gelte, zucke ich innerlich zusammen. Ein solches Zucken war auch der Ausgangspunkt dieses Blogartikel.</p>

<p>Ich stie&#223; heute auf den Artikel „<a href="http://www.business2community.com/marketing/content-is-no-longer-king-a-look-at-what-really-matters-047210" target="_blank">Content Is No Longer King; A Look At What Really Matters</a>“, indem gesagt wird, dass der Erfolg (eines Webauftritts) davon abh&#228;nge, dass man das Publikum (Audience) angemessen anspreche. Auch wenn es vielleicht nicht so gemeint ist, h&#246;re ich aus solchen Aufforderungen, das Publikum ins Zentrum zu stellen, die Aufforderung, sich so um die Inhalte zu k&#252;mmern, dass diese genau das liefern, was sich das Publikum w&#252;nscht.</p>

<p>Meine &#220;berzeugung ist, dass die Lesenden im Internet und anderswo durchaus in der Lage sind, selbst ihre Bed&#252;rfnisse auf Inhalte im Netz hin zu wenden und von diesen ausgehend Erkenntnisgewinne selbst zu generieren. Anders ausgedr&#252;ckt: Wenn ich mich auf die Inhalte konzentriere, sie m&#246;glichst differenziert reflektiere, kann ich &#252;berhaupt erst die fachliche Sicherheit erlangen, die es mir erlaubt, differenzierend mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen zu arbeiten, weil ich dann Platz habe, Raum zu geben, in dem Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit den Inhalten arbeiten d&#252;rfen.</p>

<p>Anders ausgedr&#252;ckt: Die produktiven Freir&#228;ume im Unterricht liegen dort, wo Freir&#228;ume &#252;berhaupt erst einmal gegeben werden. Ein voll durchgeplanter Unterricht verhindert solche Freir&#228;ume viel zu oft, weil er sie nicht gibt, weil er mit ihnen nicht rechnet.</p>

<p>Als Deutschlehrer k&#246;nnte ich diese Aussage auch so formulieren: Die Autonomie des Lernens erm&#246;glichen Lehrer und Lehrerinnen dann, wenn sie nicht nur die autonomen Zug&#228;ngen zu Wissensstrukturen und Kompetenzen von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern erm&#246;glichen, sondern gleichzeitig  die Autonomie des Lerngegenstandes (des literarischen Textes) ernst nehmen, die sich zumindest teilweise gegen die methodisch-didaktisch orientierte Planbarkeit stellt.</p>

<p>Es k&#246;nnte also (mindestens in geisteswissenschaftlichen F&#228;chern) eine doppelte Autonomie proklamiert werden, welche im Lernprozess in produktive Spannung ger&#228;t: Die Autonomie des Lernenden gegen&#252;ber dem Lerngegenstand trifft (in geisteswissenschaftlichen, ganz sicher aber in k&#252;nstlerischen F&#228;chern) auf die Autonomie des Lerngegenstandes gegen&#252;ber dem Lernende.</p>

<p>Lehrer und Lehrerinnen versuchen nach wie vor viel zu h&#228;ufig, die Lerngegenst&#228;nde im sprachlichen und geisteswissenschaftlichen Aufgabenfeld sehr funktional zu sehen. Dabei &#252;bersehen sie oft die zu relevanten Erkenntnissen bef&#228;higende Autonomie der Lerngegenst&#228;nde, die Wissens-, Kompetenzen- und Erkenntnisszuwachs &#252;berhaupt erst erm&#246;glicht, weil sie den auf die Lerngest&#228;nde treffenden Lernenden selbst befragt – und in diesem Sinne auch ernst nimmt.</p>

<p>So verstehe ich den Begriff der „differenzierende Autonomie“, der als Begriff in der Didaktik meine Kenntnis nach bislang nicht verwendet wird. „Differenzierende Autonomie“ meint eine doppelte Autonomie. Lehrende (in den Geisteswissenschaften)  sind Vermittler (Medien), die die Aufgabe haben, die Freiheit des Lernenden mit der Freiheit des zu Lernenden zu konfrontieren und das Lernen zu erm&#246;glichen, das sich aus der Begegnung dieser Freiheiten ergeben kann, f&#252;r den Lehrenden aber nicht immer Vorhersehbar ist.</p>

<p>„Differenzierende Autonomie“ stellt sich als Begriff gegen die Bevormundung von Lernenden durch eine &#220;berdifferenzierung von Inhalten schulischen Unterrichtes durch Lehrende, die den Differenzierungsgedanken nicht dazu nutzen, um M&#246;glichkeiten zu er&#246;ffnen, sondern vielmehr als Festlegung von Individuen gebrauchen, denen sie bestimmte Leistungen zutrauen, ohne damit zu rechnen, dass der Lernende selbst m&#246;glicherweise Ankn&#252;pfungspunkte mitbringt, die ein Lehrender bei seinen Differenzierungsbem&#252;hungen vielleicht nicht ber&#252;cksichtigen kann, weil er sie nicht kennt.</p>

<p>„Differenzierende Autonomie“ steht als Begriff f&#252;r die &#220;berzeugung, dass es Dimensionen des Lernens gibt, die &#252;ber die Planbarkeit durch den Lehrenden hinaus gehen. F&#252;r mich als geisteswissenschaftlich orientierten Lehrer bedeutet „differenzierende Autonomie“, dass ich die Autonomie nicht nur der Lernenden sondern auch der Lerngegenst&#228;nde, die oft Kunstwerke sind, ernst nehme und als Realit&#228;t bei der Planung von Unterricht ber&#252;cksichtige.</p>

<p>„Differenzierende Autonomie“ – f&#252;r mich selbst ist das ein Begriff, der sich im Laufe der Zeit aus meinen Reflexionen von Unterricht ergeben hat. Mir selbst scheint er einleuchtend. Es geht darum, einzelnen Lernenden das Vertrauen zu geben, dass sie mit ihren M&#246;glichkeiten des Umgangs mit Lerngegenst&#228;nden einen Lernprozess gestalten k&#246;nnen, darum, die Lernhorizonte der Lernenden wirklich ernst zu nehmen, ohne z. B. literarische Texte zu funktionalisieren und diese damit ihres k&#252;nstlerischen Wertes zu entleeren, um bestimmte Ziele zu erreichen, die eben nicht die Autonomie von Lernenden und Lerngegenst&#228;nden ernst nehmen.</p>

<p>Wie aber wird der Begriff der „differenzierenden Autonomie“ von anderen verstanden? – Lieber Leser! Liebe Leserin! Ich w&#252;rde mich sehr freuen, wenn Sie / du mir einen Kommentar hinterlassen w&#252;rden /w&#252;rdest, ob Sie / du, diesen Begriff als analytischen und als praxisorientierten Begriff nachvollziehen k&#246;nnen / kannst.</p>

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		<title>Was im Deutsch-Grundkurs zu lesen sein wird (Landesabitur Hessen 2013)</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 17:32:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Büchner, Woyzeck]]></category>
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		<description><![CDATA[Nach einem in seinen Lekt&#252;ren dem Deutsch-Unterricht noch Luft gebenden Einf&#252;hrungsjahr, beginnt f&#252;r die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die im Jahr 2013 ihr Abitur in Hessen machen wollen, nun die Phase, in der der offizielle Lehrplan mit verbindlichen Lekt&#252;ren verbunden ist. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einem in seinen Lekt&#252;ren dem Deutsch-Unterricht noch Luft gebenden Einf&#252;hrungsjahr, beginnt f&#252;r die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die im Jahr 2013 ihr Abitur in Hessen machen wollen, nun die Phase, in der der offizielle Lehrplan mit verbindlichen Lekt&#252;ren verbunden ist. Erstmals sind diese Lekt&#252;ren sogar Halbjahren zugeordnet, worauf die bisherigen Vorgaben verzichteten, wohl deshalb, weil sich durch die offiziellen Lehrpl&#228;ne eigentlich fast von alleine ergab, in welchen Halbjahren der Oberstufe die Lekt&#252;ren ihren Platz finden. – Dass die Lekt&#252;ren nun konkreten Halbjahren zugewiesen werden, hat vielleicht Gr&#252;nde. Doch &#252;ber diese will ich hier gar nicht spekulieren.</p>

<p>Was also wird im Grundkurs Deutsch in Hessen f&#252;r all die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu lesen sein, die n&#228;chsten Montag (8. August 2011) mit der Qualifikationsphase beginnen? – Hier die (subjektiv) kommentierte <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HKM_15/HKM_Internet/med/2fe/2fe7045d-2144-e031-f012-f31e2389e481,22222222-2222-2222-2222-222222222222,true" target="_blank">Lekt&#252;reliste</a> ((Der Link f&#252;hrt zum PDF mit den offiziellen Hinweisen zur Vorbereitung auf die schriftlichen Abiturpr&#252;fungen im Landesabitur 2013, gem&#228;&#223; Erlass vom 20. Juni 2011)), f&#252;r deren Richtigkeit ich &#252;brigens keine Gew&#228;hr &#252;bernehme.</p>

<p><span id="more-6019"></span>Die <a href="http://lernarchiv.bildung.hessen.de/sek_ii/" target="_blank">offiziellen Hinweise zu den Pr&#252;fungen des hessischen Landesabiturs</a> finden sich auf der <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/" target="_blank">Website des Hessischen Kultusministeriums</a> bzw. auf dem <a href="http://dms.bildung.hessen.de/index.html" target="_blank">Hessischen Bildungsserver</a>.</p>

<h2>Lekt&#252;ren im Grundkurs Deutsch<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/#footnote_0_6019" id="identifier_0_6019" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Angaben ohne Gew&amp;#228;hr">1</a></sup> im Verlauf der Qualifikationsphase 1 mit subjektivem Kommentar:</h2>

<h4>Kleist: Prinz Friedrich von Homburg</h4>

<p>Kleist ist neu im Reigen der f&#252;r das Landesabitur relevanten Lekt&#252;rverpflichtungen in der Qualifikationsphase. Endlich! Kleist! Mit „Prinz Friedrich von Homburg“ ist Kleists wohl ausgereiftestes B&#252;hnenwerk Teil der Leseliste f&#252;r das Landesabitur. Eine fremde Welt, die sich heutigen Leserinnen und Lesern da auftut, aber die Themen sind heute nach wie vor die gleichen geblieben. Richtig: Es geht nat&#252;rlich um …!</p>

<div>
<h4>Lyrik zum Menschenbild der Klassik</h4>
Stand so bislang nicht auf der Liste der f&#252;r das Landesabitur relevanten Lekt&#252;rverpflichtungen. Die Pr&#228;senz der Lyrik wird damit um ein Drittel erweitert. Standen bislang nur zwei Themenbereich mit Lyrikschwerpunkt auf der Leseliste, sind es nun derer drei. Allerdings standen auf bisherigen Leselisten f&#252;r das Landesabitur auch nur sieben Lekt&#252;revorgaben. Nunmehr sind es neun (Lyrik und Epik wurden um jeweils eine Lekt&#252;reverpflichtung aufgestockt, sodass nun aus jedem Bereich (Dramatik, Epik, Lyrik) drei Lekt&#252;reverpflichtungen vorgesehen sind). F&#252;r mich wird diese Unterrichtseinheit noch einmal eine Entdeckungsreise durch diese Epoche werden, in der nat&#252;rlich nicht nur Goethe schrieb. Und die Frage nach dem Menschenbild im Kontext der Lyrik zu stellen, halte ich f&#252;r eine bisherige Kenntnisse vertiefende Hinf&#252;hrung zur Lyrik im ersten Halbjahr der Qualifikationsphase nicht schlecht gew&#228;hlt. Hier bieten sich f&#252;r mich  Ankn&#252;pfungsm&#246;glichkeiten an die in der Einf&#252;hrungsphase intensiv erarbeitete Epoche der Aufkl&#228;rung, was ebenso f&#252;r die Lyrik der Romantik gilt.
<h4>Lyrik der Romantik</h4>
Ob es m&#246;glich ist, die Lyrik zum Menschenbild der Klassik gewinnbringend mit der Erarbeitung der romantischen Lyrik zu verbinden? Die Basis der romantischen Lyrik ist eng mit Fragen des Welt- und Menschenbildes verbunden. Die Frage einer Integration dieser Lekt&#252;rebereiche in eine Unterrichtseinheit ist naheliegend. Zumindest wenn ich in Klausuren denke<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/#footnote_1_6019" id="identifier_1_6019" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich wei&amp;#223;, dass unter meinen Leserinnen und Lesern auch solche sind, die Pr&amp;#252;fungen, Noten und die damit verbundenen Auswirkungen auf das schulische Lernen kritisch betrachten. Da ich aber konkret unterrichte, tue ich das im Rahmen der Vorgaben, die ich dann auch bei meine Vorbereitungen zu ber&amp;#252;cksichtigen habe.">2</a></sup>, so f&#228;llt mir auf, dass in jedem Halbjahr der Qualifikationsphase nach der mir vorliegenden &#220;bersicht drei Lekt&#252;ren vorgesehen sind. Es werden zwei Klausuren pro Halbjahr geschrieben. Daraus ergeben sich die M&#246;glichkeiten, 1. Lekt&#252;rebereiche aus der &#220;berpr&#252;fung mittels Klausuren heraus zu nehmen und andere Formen der Leistungsnachweise zu nutzen oder aber 2. Lekt&#252;revorgaben zu integrieren und somit das verkn&#252;pfende Denken auf noch einer weiteren Ebene gezielt zu f&#246;rdern, ist es doch durchaus f&#252;r viele Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen nicht trivial, &#252;ber die Grenzen eines literarischen Werkes bzw. einer literarischen Epoche hinaus zu denken.

Die Qualifikationsphase legt im ersten Halbjahr der Vorbereitung auf das hessische Landesabitur im Grundkurs Deutsch einen klaren Schwerpunkt auf die ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhundert. Das Halbjahr kann also durchaus auch als eine literarische Zeitreise in die Epoche vor nunmehr 200 Jahren gesehen und gestaltet werden. Wenn dann noch B&#252;chners Woyzeck in Q2 dazu genommen wird, ist dieses Drama doch auch in dieser Zeit entstanden, so zeigt sich in der zu lesenden Literatur die Differenziertheit literarischer Str&#246;mungen, aber auch die Zerrissenheit der Gesellschaft, insbesondere in der Gegen&#252;berstellung B&#252;chners Arbeiten mit denen der Romantik und der Klassik.
<h2>Lekt&#252;ren im Grundkurs Deutsch im Verlauf der Qualifikationsphase 2 mit subjektivem Kommentar:</h2>
<h3><span class="Apple-style-span" style="font-size: 14px;">B&#252;chner: Woyzeck</span></h3>
<div>

Woyzeck geh&#246;rt auf die Lekt&#252;reliste. Ganz klar. Doch dieses Mal werden die Briefe B&#252;chners und der von ihm mit verfasste „Hessische Landbote“ in den Hinweisen zum Landesabitur 2013 nicht genannt. Das ist aber nur eine kosmetische Frage, denn in gewisser Weise werden die Briefe bestimmt eine Rolle spielen – und wenn nicht im Unterricht, so bieten sie von ihrem Umfang her durchaus M&#246;glichkeiten f&#252;r die Gestaltung von Leistungsnachweisen. Eine rein werkimmanente Erarbeitung des Woyzeck, die zentrale Bez&#252;ge zu B&#252;chners politischem Engagement vernachl&#228;ssigt, kann ich mir bislang allerdings nur schwer vorstellen.
<h4>Fontane: Irrungen, Wirrungen</h4>
Dieses Werk bietet Einblicke in die Zeit der zweiten H&#228;lte des 19. Jahrhunderts unter literarischen Vorzeichen. Fontane ist ein durchaus in einigen Werken sehr spannender Erz&#228;hler. „Irrungen, Wirrungen“ bietet sich dazu an, einem Schriftsteller mal sehr genau auf die Finger zu schauen, sind manche „Tricks“, derer sich Autoren bedienen, hier doch so augenf&#228;llig und zug&#228;nglich, dass es wirklich keine gro&#223;e Herausforderung ist, Techniken der Vorausdeutung, der im Text diesen deutend integrierten Beschreibungen von Dingen etc. und weiteres Handwerkszeug von Autoren herauszuarbeiten. – Im Zusammenhang mit B&#252;chners Wirklichkeitsdarstellung kann, bei allem kritischen Geist, der im Werk Fontanes vorhanden ist, auch manche Einseitigkeit der Wirklichkeitswahrnehmung Fontanes im Kontext des B&#252;rgertums sicherlich nachvollziehbar heraus gearbeitet werden.  – F&#252;r die Sch&#252;ler ist „Irrungen, Wirrungen“ zum ersten Mal auf der Lekt&#252;reliste. F&#252;r mich als Lehrer f&#228;nde ich es nicht so schlecht, wenn mit Effie Briest oder gar Werken von Gerhart Hauptmann mal wieder ein anderes Werk diese Epoche repr&#228;sentieren w&#252;rde.
<h4>Kafka: Das Urteil</h4>
Ich mag Kafka und gerade „Das Urteil“ ist vielen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern weit zug&#228;nglicher, als es bei Kafka zu vermuten w&#228;re. Erinnere ich mich an meine eigene Schulzeit, wir lasen Kafka schon in den Klassen 9 und 10, so war Kafka ein Autor, dessen gesammelte Prosa ich mir direkt im Zusammenhang mit dem Unterricht zulegte, weil ich diesen Autor sehr spannend fand und finde. Dass in den vergangenen Jahren, in denen Kafka auf der Lekt&#252;reliste zum hessischen Landesabitur steht, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler teilweise immer noch richtig gut mit Kafka umgehen k&#246;nnen, zeigt mir einmal mehr, wie existentiell und &#252;ber die Zeiten hinweg Kafka geschrieben hat.

</div>
<h2>Lekt&#252;ren im Grundkurs Deutsch im Verlauf der Qualifikationsphase 3 mit subjektivem Kommentar:</h2>
<h4>Goethe: Faust I</h4>
<em>Der</em> deutsche Klassiker &#252;berhaupt. Zumindest angesichts des heute als relevant betrachteten Kanons; zumindest in dem Zeitraum deutscher Literaturgeschichte, der in der hessischen Oberstufe ber&#252;cksichtigt wird. Doch auch im Gesamtkontext deutschsprachiger Literaturgeschichte gibt es nur wenige Werke, die literarisch und inhaltlich so spannend sind, wie „Faust“. So sehe ich das zumindest. Einmal im Jahr „Faust“ lesen – das kann auch ohne berufliche Verpflichtungen, die mit der Lekt&#252;re verbunden sind, sehr lohnend sein. Mein Eindruck ist, dass diese Lekt&#252;re nach wie vor f&#252;r &#252;berraschend viele Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler als eine Art H&#246;hepunkt des Deutschunterrichts gilt. Dar&#252;ber hinaus sind die M&#246;glichkeiten des werkimmanenten Arbeitens sehr breit gef&#228;chert. Bez&#252;ge zur Klassik, zur Romantik, zu Kleist und … zu eigentlich der gesamten deutschsprachigen Literaturgeschichte (und zu Shakespeare und und und…) sind beim Faust immer m&#246;glich.
<h4>Hein: In seiner fr&#252;hen Kindheit ein Garten</h4>
Heins „In seiner fr&#252;hen Kindheit ein Garten“ ist der einzige nach 1945 entstandene Roman, der f&#252;r das hessische Landesabitur im Grundkurs Deutsch im Jahr 2013 relevant ist. Dieser Roman bietet sich, von den historischen Bez&#252;gen, die sehr viel spannende Hintergr&#252;nde liefern k&#246;nnen einmal abgesehen, vor allem dazu an, sich bei seiner Lekt&#252;re noch einmal grunds&#228;tzlich reflexiv mit der Frage nach Qualit&#228;tskriterien von Literatur zu befassen. Was macht einen guten literarischen Text aus? Und welche der in der Qualifikationsphase gelesenen Texte erf&#252;llen welche Qualit&#228;tskriterien.  Zu allererst muss sich aber Heins „In seiner fr&#252;hen Kindheit ein Garten“ diesen Kriterien stellen. Die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen k&#246;nnen dabei sicher zu unterschiedlichen Positionen gelangen.
<h4>Lyrik des Expressionismus</h4>
Der Expressionismus ist ein Ph&#228;nomen, dass in der gesamten Kunst seinen Niederschlag fand, vor allem aber in der bildenden Kunst, sodass die Verbindung von Bildern mit Gedichten so nahe liegt, dass sie eigentlich nicht erw&#228;hnt werden muss. In Frankfurt <del>liegen</del> h&#228;ngen aber nun auch noch einige Schl&#252;sselwerke dieser Epoche sehr nah im St&#228;del, sodass die Verbindung in der direkten Begegnung mit diesen Bildern geschehen kann. Die Bandbreite der Lyrik dieser Zeit ist enorm, so sehr sie sich auch eines beschr&#228;nkten Umfangs stilbildender Mittel bediente. Nach dem Sturm und Drang als Epoche des jungen Goethes ist der Expressionismus in der Lyrik vielleicht die erste Nachfolgeepoche, in der sich die Lyrik inhaltlich und formal sprunghaft weiter entwickelte und somit die gro&#223;en Ver&#228;nderungen hin zu Dadaismus und zur konkreten Poesie erm&#246;glichte.
<h2>Au&#223;erdem</h2>
Grundkategorien der Redeanalyse sind im Kontext der Sprachreflexion zu erarbeiten. Das halte ich angesichts unserer politischen Redekultur f&#252;r sehr sinnvoll und oft ist es erhellend, wenn man politische Reden unter rhetorischer Perspektive betrachtet. Doch finde ich, dass es nicht nur um die Analyse von Reden gehen sollte, sondern dar&#252;ber hinaus die Kompetenz zur Vorstellung eigener Reden gef&#246;rdert werden sollte.

Insgesamt ist das ein anspruchsvolles und recht umfangreiches Programm, dass die mit diesem Schuljahr in die hessische Qualifikationsphase eintretenden Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler da im GK Deutsch absolvieren sollen. Ich halte es aber auch f&#252;r ein spannendes Programm, das einiges an Optionen f&#252;r die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen bietet, so mit den Texten zu arbeiten, dass f&#252;r unterschiedlichste Herangehensweisen Platz ist, f&#252;r Herangehensweisen, die differenziert dazu qualifizieren, die Anforderungen einer zentralen Abiturpr&#252;fung erf&#252;llen zu k&#246;nnen.
<blockquote>Ebenfalls ohne Gew&#228;hr, aber der Vollst&#228;ndigkeit halber hier noch die Lekt&#252;ren, die f&#252;r den Deutsch-Leistungskurs f&#252;r das hessische Landesabitur 2013 die Grundlage bilden:</blockquote>
<blockquote>Q1: Schiller: Die Jungfrau von Orleans; Kleist: Die Marquise von O …; Lyrik zum Menschenbild der Klassik; Lyrik der Romantik</blockquote>
<blockquote>Q2: B&#252;chner: Woyzeck; Fontane: Irrungen, Wirrungen; Hofmannsthal: Brief des Lord Chandos; Kafka: Das Urteil</blockquote>
<blockquote>Q3: Goethe: Faust I; Wolf: Medea. Stimmen; Lyrik des Expressionismus</blockquote>
<blockquote>Au&#223;erdem, im Rahmen der sog. zus&#228;tzlichen Belesenheit von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen im Deutsch-LK: Thomas Mann: Mario und der Zauberer; S&#252;skind: Das Parf&#252;m</blockquote>
</div>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_6019" class="footnote">Angaben ohne Gew&#228;hr</li><li id="footnote_1_6019" class="footnote">Ich wei&#223;, dass unter meinen Leserinnen und Lesern auch solche sind, die Pr&#252;fungen, Noten und die damit verbundenen Auswirkungen auf das schulische Lernen kritisch betrachten. Da ich aber konkret unterrichte, tue ich das im Rahmen der Vorgaben, die ich dann auch bei meine Vorbereitungen zu ber&#252;cksichtigen habe.</li></ol>
	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/19-jahrhundert/" title="19. Jahrhundert" rel="tag">19. Jahrhundert</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/abitur/" title="Abitur" rel="tag">Abitur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/analyse/" title="Analyse" rel="tag">Analyse</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/aufklaerung/" title="Aufklärung" rel="tag">Aufklärung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/buechner/" title="Büchner, Woyzeck" rel="tag">Büchner, Woyzeck</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/" title="Deutsch Sek. II" rel="tag">Deutsch Sek. II</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/deutschunterricht/" title="Deutschunterricht" rel="tag">Deutschunterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/drama/" title="Drama" rel="tag">Drama</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/literaturgeschichte/expressionismus/" title="Expressionismus" rel="tag">Expressionismus</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/expressionismus/" title="Expressionismus" rel="tag">Expressionismus</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/lyrik-deutsch-sek-ii/expressionistisch/" title="expressionistisch" rel="tag">expressionistisch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/faust-1/" title="Faust 1" rel="tag">Faust 1</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedicht/" title="Gedicht" rel="tag">Gedicht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedichte/" title="Gedichte" rel="tag">Gedichte</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gesellschaft/" title="Gesellschaft" rel="tag">Gesellschaft</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/goethe/" title="Goethe" rel="tag">Goethe</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kafka/" title="Kafka" rel="tag">Kafka</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/kafka-schullektueren-deutsch-sek-ii/" title="Kafka" rel="tag">Kafka</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/klassiker/" title="Klassiker" rel="tag">Klassiker</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kultur/" title="Kultur" rel="tag">Kultur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kunst/" title="Kunst" rel="tag">Kunst</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lektuere/" title="Lektüre" rel="tag">Lektüre</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/literaturgeschichte/" title="Literaturgeschichte" rel="tag">Literaturgeschichte</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lyrik/" title="Lyrik" rel="tag">Lyrik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/lyrik-deutsch-sek-ii/" title="Lyrik" rel="tag">Lyrik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/menschenbild/" title="Menschenbild" rel="tag">Menschenbild</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/romantik/" title="Romantik" rel="tag">Romantik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/literaturgeschichte/romantik-litertaturgeschichte-deutsch-sek-ii/" title="Romantik" rel="tag">Romantik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/lyrik-deutsch-sek-ii/romantik/" title="Romantik" rel="tag">Romantik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/romantisch/" title="romantisch" rel="tag">romantisch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/schluesselkompetenzen/" title="Schlüsselkompetenzen" rel="tag">Schlüsselkompetenzen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schriftsteller/" title="Schriftsteller" rel="tag">Schriftsteller</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schueler/" title="Schüler" rel="tag">Schüler</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schuelerinnen/" title="Schülerinnen" rel="tag">Schülerinnen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/shakespeare/" title="Shakespeare" rel="tag">Shakespeare</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/sprachreflexion/" title="Sprachreflexion" rel="tag">Sprachreflexion</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/sturm-und-drang/" title="Sturm und Drang" rel="tag">Sturm und Drang</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/unterrichtsvorbereitung/" title="Unterrichtsvorbereitung" rel="tag">Unterrichtsvorbereitung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wahrnehmung/" title="Wahrnehmung" rel="tag">Wahrnehmung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wirklichkeit/" title="Wirklichkeit" rel="tag">Wirklichkeit</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/wirklichkeitswahrnehmung/" title="Wirklichkeitswahrnehmung" rel="tag">Wirklichkeitswahrnehmung</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/schluesselkompetenzen/wissenserwerb/" title="Wissenserwerb" rel="tag">Wissenserwerb</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/schullektueren/" title="»Schul«-Lektüren" rel="tag">»Schul«-Lektüren</a><br />
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		<title>Produktive Beratung und F&#246;rderung in der Schule</title>
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		<pubDate>Mon, 23 May 2011 20:51:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Lassen Sie uns jetzt gemeinsam &#252;berlegen, wie eine L&#246;sung aussehen kann und was wir tun werden, um diese m&#246;glichst zu erreichen…“ Dieser Satz in Gespr&#228;chen mit Eltern f&#252;hrt manchmal zu Reaktionen, die mich wirklich ersch&#252;ttern. Nicht, dass Eltern da unh&#246;flich &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/23/produktive-beratung-und-forderung-in-der-schule/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Lassen Sie <em>uns</em> jetzt <em>gemeinsam</em> &#252;berlegen, wie eine L&#246;sung aussehen kann und was <em>wir</em> tun werden, um diese m&#246;glichst zu erreichen…“</p>

<p>Dieser Satz in Gespr&#228;chen mit Eltern f&#252;hrt manchmal zu Reaktionen, die mich wirklich ersch&#252;ttern. Nicht, dass Eltern da unh&#246;flich w&#252;rden, weil der Lehrer davon spricht, dass man <em>gemeinsam</em> &#252;berlegen solle, da doch eigentlich immer der Lehrer „schuld“ sei. Ganz im Gegenteil: Ich sto&#223;e <del>oft</del> meistens auf Eltern, die &#252;berrascht sind, dass<span id="more-5991"></span> ihnen nicht einfach empfohlen wird, dass ihr Kind jetzt aber mal mehr &#252;ben solle oder sich „halt mal“ mehr melden m&#252;sse, sondern dass konkret &#252;berlegt wird: Was kann dem Kind helfen, die (seine) Ziele zu erreichen. Was mich daran ersch&#252;ttert: Ausgesprochen oder unausgesprochen sagen Eltern an dieser Stelle in Gespr&#228;chen, dass sie diese Art des <em>gemeinsamen Suchens nach L&#246;sungen</em> nicht als selbstverst&#228;ndlich erfahren / erwarten.</p>

<p>Wenn man dann gemeinsam nachdenkt, geht es in vielen Situationen  – und das folgende ist nun ein Beispiel und kein Allheilmittel – um konrete R&#252;ckmeldeoptionen, die Kindern die Selbstbeobachtung des Verhaltens (im Unterricht, bei den Hausaufgaben etc.) erm&#246;glichen und konkrete R&#252;ckmeldemechanismen beinhalten.</p>

<p>Wenn sich ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin zum Beispiel kaum m&#252;ndlich beteiligt und man zu dem Schluss kommt, dass eine solche Beteiligung objektiv m&#246;glich ist<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/05/23/produktive-beratung-und-forderung-in-der-schule/#footnote_0_5991" id="identifier_0_5991" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wie bei allen beobachteten Ph&amp;#228;nomenen in Schule und Unterricht sollte man immer auch mit der M&amp;#246;glichkeit rechnen, dass m&amp;#246;glicherweise einzelne Ver&amp;#228;nderungen von Verhaltensweisen einem Kind nicht immer einfach so m&amp;#246;glich sind. Das gilt zum Beispiel bei ADHS, bei gesundheitlichen oder psychischen Belastungen eines Kindes etc. Es gilt also gegebenenfalls durchaus abzukl&amp;#228;ren, ob die L&amp;#246;sungsm&amp;#246;glichkeiten f&amp;#252;r &bdquo;Probleme&ldquo; in der Schule liegen oder ob nicht externe Unterst&amp;#252;tzung n&amp;#246;tig sein k&amp;#246;nnte. Hier wird davon ausgegangen, dass es keine erkennbaren Hinderungsgr&amp;#252;nde gibt, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen.">1</a></sup>, kann man z. B. &#252;berlegen, mit dem Kind eine Vereinbarung zu treffen, dass es &#252;ber seine m&#252;ndliche Beteiligung Buch f&#252;hrt – und dann gegebenenfalls die ganze Stunde das leere Blatt vor sich liegen hat, das ihm sagt, dass es in dieser Stunde vielleicht doch noch etwas tun sollte…</p>

<p>Man kann eine solche Vereinbarung ausbauen, ohne dass sie f&#252;r die Beteiligten zur Arbeits&#252;berlast wird, und die Aufzeichungen des Kindes z. B. am Ende der Stunde abzeichnen und zuhause zeichnet ein Elternteil gegen. Dieses erweiterte Verfahren kann helfen, wenn ein Kind nicht nur eine R&#252;ckmeldung f&#252;r sich selbst braucht, sondern dar&#252;ber hinaus die Unterst&#252;tzung der „Kontrolle“ f&#252;r dieses Kind hilfreich sein kann, um f&#252;r sich etwas so zu ver&#228;ndern, dass Ziele erreicht werden, die das Kind eigentlich erreichen will.</p>

<p>Die Suche nach solchen konkreten Perspektiven, die nicht nur vergangene Ph&#228;nomene darstellen,  die nicht nur darlegen, dass und vielleicht auch noch warum es gerade bei einem Kind im Unterricht nicht optimal l&#228;uft, sondern wirklich mit Handlungen verbunden sind, an denen sich der Lehrer oder die Lehrerin auch aktiv beteiligt, wird von Eltern in <del>vielen</del> den meisten F&#228;llen sehr positiv aufgenommen und unterst&#252;tzt.</p>

<p>Ich kann mich an keine Situation erinnern, in der solche Unterst&#252;tzung auch durch den Lehrenden bislang je zu einer riesigen Arbeits&#252;berlast geworden w&#228;re, sind es in Wirklichkeit doch eigentlich immer nur ein paar Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die solch „aufw&#228;ndige“ Unterst&#252;tzung &#252;berhaupt brauchen, sodass solch eine Unterst&#252;tzung in der Regel leistbar ist. In vielen F&#228;llen tut solch eine Untert&#252;tzung, die nat&#252;rlich auch anders aussehen kann als hier beschrieben, je nachdem, was beim <em>gemeinsamen Nachdenken</em> an Ideen entwickelt wird, nicht nur dem einzelnen Kind gut, sondern wirkt sich <del>meist</del> immer auch auf die Atmosph&#228;re in ganzen Lerngruppen positiv aus, sodass sich der „Aufwand“ also auf jeden Fall lohnt.</p>

<p>Und ganz nebenbei: Das mit dem „<em>gemeinsam Nachdenken</em>“ meine ich ganz ernst. Zwar sollten Lehrende Handlungsoptionen kennen und auch einsch&#228;tzten k&#246;nnen, welche p&#228;dagogischen Instrumente in welchen Zusammenh&#228;ngen greifen k&#246;nnen, aber in der Regel  kennt weder der Lehrende das Kind in seinem h&#228;uslichen Umfeld und Verhalten noch kennen viele Eltern das Verhalten ihres Kindes in konkreten Unterrichtssituationen. – Doch das Nachdenken &#252;ber L&#246;sungen in f&#252;r die Kinder problematischen Situationen setzt voraus, dass beide Perspektiven ber&#252;cksichtigt werden, um m&#246;glichst zu solchen Handlungsans&#228;tzen zu kommen, die nicht nur von allen Seiten mitgetragen werden, sondern auch alle M&#246;glichkeiten in den unterschiedlichen Lebensr&#228;umen der Kinder <del>zu ber&#252;cksichtigen versuchen</del> ber&#252;cksichtigen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

<ul class="similar-posts"><li><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/08/schueleraktivitaet-im-unterricht-die-affenmetapher/" rel="bookmark" title="8. November 2010">Sch&#252;leraktivit&#228;t im Unterricht: Die Affenmetapher</a></li>

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		<description><![CDATA[Die einen fragen, was heute zu lernen sei und gehen damit wohltuend von den Tools des Lernens weg hin zu den Inhalten. Prima. An anderer Stelle geht es in einem Offenen Kurs (Open Course) um die Zukunft des Lernens und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/18/die-8-besten-werkzeuge-des-analogen-lernens-und-lehrens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die einen fragen, <a href="http://imgriff.com/2011/04/18/unsere-zukunft-was-wir-wirklich-lernen-muessen/" target="_blank">was heute zu lernen sei</a> und gehen damit wohltuend von den Tools des Lernens weg hin zu den Inhalten. Prima. </em></p>

<p><em>An anderer Stelle geht es in einem Offenen Kurs (Open Course) um die Zukunft des Lernens und in der dritten Woche, in der sich dieser Kurs nun befindet, geht es um die Tools des Lernens, mit denen dann gelernt werden soll, was zu lernen ist, <a href="http://blog.guykawasaki.com/2006/08/ten_things_to_l.html#axzz1MdqfZX7m" target="_blank">wie auch immer diese Inhalte / Kompetenzen dann n&#228;her definiert sind</a>. </em></p>

<p><em>Die &#220;berschrift der dritten Woche des Offenen Kurses zur »Zukunft des Lernen« lautet: »<a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/agenda/woche-3/" target="_blank">Von iPads, eBooks &amp; Virtual Classrooms. Lerntechnologien</a>«.</em></p>

<p><em>Die Selbstverst&#228;ndlichkeit, so sehr ich diese im Gesamtkontext dieses Kurses auch nachvollziehen kann und mich ihrer oft selbst bediene, mit der bei Lerntechnologien heute von digitalen Lerntechnologien gesprochen wird, erstaunt mich immer wieder.</em></p>

<p><em>Lernende lernen analog, unabh&#228;ngig davon, wie digital die zum Lernen genutzten Medien auch immer sein m&#246;gen. Der Lernprozess des individuellen Menschen findet nicht bin&#228;r statt, sondern in der komplexen Struktur des Gehirns und des ganzen K&#246;rpers.</em></p>

<p><em>Deshalb gibt es von mir an dieser Stelle keine Top-Ten-Liste der wunderbarsten digitalen Lernwerkzeuge, auch wenn ich eine solche erstellen k&#246;nnte, sondern – v&#246;llig unzeitgem&#228;&#223; – eine Liste analoger  <em>»Werkzeuge« des analogen Lernens und Lehrens. Die Reihenfolge ist zumindest nicht konsequent hierarchisch gemeint; die Liste ist bestimmt nicht vollst&#228;ndig und &#252;berhaupt vor allem eine Anregung zur Erweiterung der Diskussion. Die Zukunft des Lernens bringt neue Technologien mit sich. Sollen diese Technologien die analogen ersetzen? Wo k&#246;nnen sie das? Was k&#246;nnen sie nicht leisten? Wo sind analoge Werkzeuge vielleicht unabdingbar?</em></em></p>

<p><em><em>Wenn der offene Kurs <em>»<a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/" target="_blank">Die Zukunft des Lernens</a>« hei&#223;t, so halte ich eine Reduktion auf zuk&#252;nftige Lerntechnologien zu kurz gegriffen. </em></em></em></p>

<p><em><em><em>Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier nun zuspitze, &#252;bertreibe, provozieren will, denn ich wei&#223; sehr wohl, dass nicht alle meine &#196;u&#223;erungen in diesem Beitrag auf umfassende Gegenliebe sto&#223;en d&#252;rften. Aber dennoch: Ich finde, es lohnt, nicht nur von digitalen Tools zu sprechen (obwohl ich ja zum Beispiel hier genau ein solches nutze, um &#252;ber analoge Werkzeuge zu sprechen), sondern auch einmal zu fragen, welchen Wert und welchen Platz analoge Werkzeuge des Lernens in der <em><em><em>»Zukunft des Lernens« haben.</em></em></em></em></em></em></p>

<p><em><em><em><em><em><em>Also los…:</em></em></em></em></em></em></p>

<h2>Die Sinne (Sense Organs)</h2>

<p>Die Sinnesorgane des Menschen sind nach wie vor in der Regel analog, solange nicht digitale Prothesen zum Einsatz kommen. Sie sind f&#252;r Lernprozesse unerl&#228;sslich. Und damit sind nicht nur der H&#246;r- und Sehsinn gemeint, die auch bei digitalen Lernprozessen am Computer zum Einsatz kommen. Der Tastsinn kommt in digitalen Zusammenh&#228;ngen viel zu kurz. Will ich etwas &#252;ber B&#228;ume und W&#228;lder wissen, so muss ich Baumrinde sp&#252;ren k&#246;nnen, den Geruch des Waldes (zu unterschiedlichen Tages- / Jahreszeiten) einatmen. Will ich etwas &#252;ber (gesunde) Ern&#228;hrung wissen, dann f&#246;rdert der Einsatz des Geschmackssinnes dieses Lernen sehr. Lernen ist ein sinnlicher Prozess. Digitale Lernprozesse f&#252;hren oft zu einer Entsinnlichung des Lernens. Vielleicht sind deshalb zum Beispiel Videos von Vortr&#228;gen viel beliebter als reine Audiomitschnitte, obwohl der Informationsgehalt zur Sache identlisch ist.</p>

<h2>Lehrervortrag (Teachers Lecture)</h2>

<p>Ja, es gibt viel zu wenige Lehrende, die in der Lage sind, einen guten Lehrervortrag zu halten. Oder sind es doch die Bedingungen, die es unm&#246;glich machen, sich angemessen auf einen guten Lehrervortrag vorzubereiten, da in den meisten Lehr-Lern-Zusammenh&#228;ngen die zur Vorbereitung ben&#246;tigten Zeitfenster nicht gelassen werden?</p>

<p>Ja, es ist verdammt schwer, einen guten Lehrervortrag zu halten. Ja, es ist v&#246;llig unmodern, &#252;berhaupt davon zu sprechen, dass das mit dem Lehrervortrag eine tolle Sache ist. Und dennoch z&#228;hle ich den (gelungenen) Lehrervortrag zu den Top-Ten der Werkzeuge des analogen Lernens. Was aber ein gelungener Lehrervortrag ist, ist damit noch nicht gesagt:</p>

<ul>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag hat die Lernenden im Blick. Inhaltlich und sprachlich hat er sich an den F&#228;higkeiten der Lernenden zu orientieren und diese gleichzeitig zu erweitern.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag f&#252;hrt zu einem Mitdenken der Lernenden.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag f&#246;rdert Erkenntnisprozesse und die Lust an der Erkenntnis.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag bef&#228;higt zu praktischem Handeln, leitet zu diesem &#252;ber, leitet von einem frontalen Lehr-Lern-Zusammenhang in andere Arbeitsformen &#252;ber, in denen ge&#252;bt wird, in denen Teilaspekte des »Inputs« vertieft, in denen »Output« entsteht und »Wissen« praktisch angewendet wird.</li>
</ul>

<blockquote>
<ul>
    <li>Anmerkung: Auch Vortr&#228;ge im universit&#228;ren Kontext und z. B. auch die <a href="http://www.ustream.tv/channel/opco11" target="_blank">Mittwoch-Live-Streams des #opco11</a> geh&#246;ren zu den Lehrervortr&#228;gen.</li>
</ul>
</blockquote>

<h2>Lernendenaktivit&#228;t (Activities of Learners)</h2>

<ul>
    <li>Es ist zun&#228;chst einmal kein Werkzeug, wenn Lernende eigenst&#228;ndig arbeiten, bei dieser Arbeit bedient man sich eher unterschiedlicher Werkzeuge – und die Frage, ob diese analog oder digital sind ist eine nachgelagerte Frage.</li>
    <li>Dennoch f&#252;hre ich die Eigenaktivit&#228;t Lernender hier unter den Werkzeugen auf, weil es sich dabei aus der Sicht des Lehrenden durchaus um ein »Instrument« handelt, das Lernen erm&#246;glicht. Und da ich hier von den besten analogen Werkzeugen des Lernens und Lehrens schreibe, hat diese Eigenaktivit&#228;t hier ihren Platz.</li>
    <li>Der Lehrende soll sich, sein Wissen und seine Erfahrungen den Lernenden nicht verweigern. Deshalb der eigene Unterpunkt zum »Lehrervortrag«. Ich habe an der Universit&#228;t selbst Veranstaltungen erlebt, in denen der Professor nur auftrat, wenn es darum ging, die Referate f&#252;r das Semester zu verteilen und in der letzten Sitzung eine Zusammenfassung der Veranstaltung zu versuchen. Dazwischen wurde in den »selbst verwalteten Lernprozess« der Studierenden selbst dann nicht eingegriffen, wenn gr&#246;bste Fehler in langweilgsten Referaten verbreitet wurden.</li>
    <li>Zu diesem Nicht-Verweigern des Lehrenden geh&#246;rt aber auch, dass er den Lernenden ihren Freiraum l&#228;sst, um sich selbst und die gewonnenen Kenntnisse auszuprobieren, um aus Kenntnissen Erkenntnisse werden zu lassen. Da es sich aber um <em>Lernenden</em>aktivit&#228;t handelt, begleitet der Lehrende diese wertsch&#228;tzend und kritisch. Das kann durchaus auch darauf hinaus laufen, dass eine Ergebnispr&#228;sentation, die oberfl&#228;chlich und ohne gro&#223;en Erkenntniswert ist, in der sich auch Beratungsversuche der Lehrenden nicht erfolgreich niedergeschlagen haben, entsprechend kritisch besprochen wird.</li>
    <li>Diese Freir&#228;ume, die durchaus gro&#223;z&#252;gig bemessen sein d&#252;rfen, m&#252;ssen nicht analog sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit einem Sportger&#228;t oder &#228;hnliches gelernt).</li>
    <li>Diese Freir&#228;ume m&#252;ssen nicht digital sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit digitalen sozialen Netzen oder &#228;hnliches gerlernt).</li>
</ul>

<h2>Kreidetafel (Blackboard)</h2>

<p>Stromunabh&#228;ngig und sofort zu Stundenbeginn einsatzbereit. Die einzige Voraussetzung ist, dass Kreide vorhanden ist. Entweder der Kreidevorrat wird zentral gepflegt oder aber man hat seine eigenen Vorr&#228;te dabei. Wenn aber Kreide vorhanden ist, ist die Tafel das flexibelste, am schnellsten verf&#252;gbare und alles in allem zuverl&#228;ssigste Instrument zur Darstellung von Gedanken, das in Klassenzimmern vorhanden ist. Mehrfarbigkeit des Tafelbildes ist mit farbiger Kreide schnell umsetzbar. Seit ihrer Einf&#252;hrung in Schulen im 19. Jahrhunderts als ausgereifte und auch in &#228;rmeren Regionen der Welt als Instrument zur Unterst&#252;tzung von Lernprozessen einsetzbar.</p>

<h2>Bibliothek (Library)</h2>

<ul>
    <li>Eine Gruppe Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in einer Bibliothek reagiert eigentlich immer gleich, wenn die Jugendlichen nicht sofort an die Computer d&#252;rfen: Eigenst&#228;ndig werden B&#252;cher aus den Regalen genommen, durchgebl&#228;ttert und wenn etwas als interessant empfunden wird, wird das genauer gelesen und auch anderen vorgelesen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen stellt die analoge Bibliothek einen Lernraum dar, der selbstt&#228;tige Lernprozesse f&#246;rdern kann. Wichtig ist dabei, dass es von Lehrern akzeptiert wird, dass dieses Lernen nicht in Gruppen stattfindet, sondern die Lernenden zumindest phasenweise auf deren eigene Interessen konzentriert sein l&#228;sst.</li>
    <li>Bemerkenswert: Die Bibliothek als »Lernwerkzeug« ist ein Ort! Auch wenn vielleicht nicht unbedingt ein klassisches Lernwerkzeug, so spielen die »Lernr&#228;ume« als »Spielr&#228;ume« gelingender Lern-und Bildungsprozesse eine wichtige Rolle.</li>
</ul>

<h2>Notizblock / Schulheft (Exercise Books)</h2>

<p>Sicherlich wird die Frage fr&#252;her oder sp&#228;ter auftauchen, ob mobile Tablet-Computer analoge Formen des Notierens und &#220;bens nicht &#252;berfl&#252;ssig machen, aber da es hier nun einmal um analoge Werkzeuge des Lernens geht, geht es ohne das Schulheft und den Notizblock nicht. Dieses Instrument hat &#228;hnliche Vorteile wie die Kreidetafel. Und da im neuen Kerncurriculum f&#252;r das Fach Deutsch in Hessen unter anderem die f&#252;r andere lesbare Handschrift als Kompetenz aufgenommen wurde, gehe ich nicht davon aus, dass die Handschrift in absehbarer Zeit aus der Schule verschwinden wird. Handschriftliches Erarbeiten von Wissen, die h&#228;ndische Aneignung von Fertigkeiten und Kompetenzen, das Erlernen des Handwerks in den einzelnen F&#228;chern und auch f&#228;cher&#252;bergreifend, ist nach wie vor wichtig und zwar schon alleine, weil unser Gehirn auf eine solche »analoge« Weise lernt.</p>

<h2>Stifte (Pen / Pencil)</h2>

<ul>
    <li>Ganz ehrlich: Wenn ich Bilder von manchen meiner Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sehe, die mit viel Hingabe gemalt wurden, dann wei&#223; ich um den Wert von Stifen; wenn ich Texte lese, die mit der Handschrift auch etwas von der Person widerspiegeln, die diese Handschrift nutzt, dann mag das Lesen manchmal schwer sein, aber gerade dieses nicht glatte, nicht einfach &#252;berfliegbare der Texte hebt noch einmal hervor, dass wir es mit Pers&#246;nlichkeiten zu tun haben. Im Internet und in Zusammenh&#228;ngen, in denen es nur noch genormte Druckbuchstabenschriften gibt, geht diese Seite des Pers&#246;nlichen oft verloren.</li>
    <li>Wenn ich mir schnell &#220;bersicht &#252;ber einen Gedankengang verschaffen will, benutze ich nach wie vor Papier und Stifte zum Anfertigen von Notizen, Skizeen etc. – Das geht zwar alles auch auf dem Computer, aber wenn ich etwas wirklich lernen will, brauche ich immer wieder auch einfach mein analoges Werkzeug.</li>
</ul>

<h2>Overheadprojektor (Overhead Projector)</h2>

<p>Ich hatte mal eine Lehrerin, die malte wirkliche Tafel<em>bilder</em> – sie muss an den Tagen vor dem Unterricht richtig lange an der Tafel gestanden haben, um ihre Tafel<em>bilder</em> zu zeichnen, was nur ging, weil es sich um einen Lehrgang au&#223;erhalb der Schule handelte, bei dem sicher war, dass das Tafelbild am n&#228;chsten Tag auch noch da sein w&#252;rde. Und &#228;hnlich hochwertige, handgefertigte Zeichnungen zur Verdeutlichung von Zusammenh&#228;ngen brachte diese Lehrerin auf Folien unter. Nie zuvor und nie danach habe ich solch k&#252;nstlerisch spannenden, &#228;sthetisch ansprechenden Lehrmaterialien gesehen, wie bei dieser Sprachlehrerin.</p>

<p>Klar, heutzutage entstehen die meisten Folien unter Benutzung digitaler Technologie, wenn sie nicht direkt mit einer digitalen Pr&#228;sentation und Beamer ersetzt werden. Und doch haben Folien nach wie vor auch in analoger, handbeschrifter Form einen m&#246;glichen Platz im Unterricht: So k&#246;nnen per Folien »Tafelbilder« entstehen, die dauerhafter aufbewahrt werden k&#246;nnen und wieder einsetzbar sind. Der Mehrwert gegen&#252;ber per Computer generierten »Folien« besteht darin, dass wirklich die &#228;sthetische Erfahrung der Handschriftlichkeit, des analogen Schaubildes erreicht werden, auch wenn Lehrende oder Lernende nicht die genialen Zeichner sind.</p>

<p>Auch wenn der Computer in Kombination mit dem Beamer einen ad&#228;quaten Ersatz f&#252;r den Overheadprojektor (OHP) darstellt: Analog erstellte Folien haben oft eine sehr pers&#246;nliche, unverwechselbare Note, die genau auf einen Lehrenden verweist. Diese Option sollten wir uns (zumindest hin und wieder) einfach nicht entgehen lassen, denn das au&#223;ergew&#246;hnliche pr&#228;gt sich ein, f&#246;rdert den Lernprozess. Digital erstellte Materialien sind manchmal so »aalglatt« und uniform gestaltet, dass sie das Lernen zumindest nicht durch »pers&#246;nliche Noten« f&#246;rdern.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2008/08/21/lernen-bei-goethe/" rel="bookmark" title="21. August 2008">Lernen bei Goethe</a></li>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/05/03/thesen-zur-zukunft-des-lernens-opco11/" rel="bookmark" title="3. Mai 2011">Thesen zur Zukunft des Lernens ( #opco11 )</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/01/29/podcasts-eine-kurze-einfuehrung/" rel="bookmark" title="29. Januar 2009">Podcasts &#8211; Eine kurze Einf&#252;hrung</a></li>
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		<title>F&#228;cher verbindend Kompetenzen lehren – ein Vorschlag</title>
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		<pubDate>Tue, 17 May 2011 21:16:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Vorschlag f&#252;r f&#228;cherverbindendes, kompetenzenorientiertes Lernen aus der Sicht eines Deutschlehrers (Vertreter und Vertreterinnen anderer F&#228;cher sind herzlich eingeladen, ihre Ideen in den Kommentaren zu hinterlassen): Kompetenzen, die in Deutsch eingef&#252;hrt werden, aber auch f&#252;r andere F&#228;cher relevant sind, werden &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/17/facher-verbindend-kompetenzen-lehren-ein-vorschlag/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Vorschlag f&#252;r f&#228;cherverbindendes, kompetenzenorientiertes Lernen aus der Sicht eines Deutschlehrers (Vertreter und Vertreterinnen anderer F&#228;cher sind herzlich eingeladen, ihre Ideen in den Kommentaren zu hinterlassen):</p>

<p>Kompetenzen, die in Deutsch eingef&#252;hrt werden, aber auch f&#252;r andere F&#228;cher relevant sind, werden in den anderen F&#228;chern von beiden Fachlehrern &#252;berpr&#252;ft.</p>

<p>Beispiel: In Deutsch wird die <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_schreibf/schr_schule/beschr/beschr_1.htm" target="_blank">Beschreibung</a> ge&#252;bt und die Klassenarbeit ist dann z. B. eine Versuchsbeschreibung in der Chemie, die Beschreibung eines Ph&#228;nomens in der Biologie, eine Bildbeschreibung in der Kunst.</p>

<p>Die Benotung wird von beiden jeweils beteiligten Fachkollegen /Fachkolleginnen vorgenommen, wobei jede(r) den Teil bewertet, der schwerpunktm&#228;&#223;ig zu seinem / ihrem Fach geh&#246;rt, wobei aber dennoch beide Lehrende zu einer gemeinsamen Note kommen (m&#252;ssen).</p>

<p>Was haltet ihr von einer solchen Idee? Macht so etwas schon jemand meiner Leserinnen und Leser? Gibt es andere Ideen, wie F&#228;cher verbindend Kompetenzen von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler entwickelt werden k&#246;nnen? Und f&#246;rdert so ein Vorgehen wom&#246;glich nebenbei auch noch Kompetenzen Lehrender? Freu mich auf Kommentare.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Thesen zur Zukunft des Lernens ( #opco11 )</title>
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		<pubDate>Tue, 03 May 2011 20:31:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hier ein paar Thesen zur Zukunft des Lernens. Sie werden an dieser Stelle nur als Thesen genannt und nicht n&#228;her erl&#228;utert. Entsprechend pointiert klingen sie zum Teil vielleicht. In ihrer „Undifferenziertheit“ sollen sie zur Diskussion einladen. Am Ende dieser Thesen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/03/thesen-zur-zukunft-des-lernens-opco11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier ein paar Thesen zur Zukunft des Lernens. Sie werden an dieser Stelle nur als Thesen genannt und nicht n&#228;her erl&#228;utert. Entsprechend pointiert klingen sie zum Teil vielleicht. In ihrer „Undifferenziertheit“ sollen sie zur Diskussion einladen.</p>

<p>Am Ende dieser Thesen versuche ich eine erste vorl&#228;ufige &#220;berlegung zu der Frage zu formulieren, <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/open-course-2011/agenda/lern-und-bildungs-visionen-warum-sich-etwas-verandern-muss/" target="_blank">Warum sich etwas ver&#228;ndern muss. </a>Ich werde f&#252;r mich die Frage nach der Basis von <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/open-course-2011/agenda/lern-und-bildungs-visionen-warum-sich-etwas-verandern-muss/" target="_blank">Lern- und Bildungsvisionen</a> stellen.</p>

<p>Dieser Artikel ist eine kleine Einsicht in meine Ideensammlung: Wor&#252;ber lohnt es sich vielleicht mal in Form eines (bislang noch nicht geschriebenen) Blogartikels nachzudenken:</p>

<ul>
    <li><em>Die Zukunft des Lernens ist seine Vergangenheit und Gegenwart</em>: Lernen ist ein (hirn)physiologischer Prozess, der analog abl&#228;uft und heute genau so funktioniert, wie er vor hundert oder tausend Jahren funktioniert hat und auch noch in hundert Jahren funktionieren wird, wenn es nicht zu einer Mensch-Maschineverbindung kommt, in deren Rahmen z. B. Chips mit dem Gehirn gekoppelt werden.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>In der Ausbildung von professionellen Lernprozessbegleitern und -begleiterinnen wird mehr und mehr auf Praxisanteile in der Ausbildung (dem Studium) Wert gelegt (werden)</em>. Ist Lernpsychologie (z. B. in Lehramtsstudieng&#228;ngen) schon heute kaum Teil der professionelle Ausbildung, so ist zu bef&#252;rchten, dass sie auch zuk&#252;nftig nur in Form von Lernprozessbegleitungsrezepten eine Rolle spielen und nicht soweit in die Ausbildung integriert wird, dass Lernprozessbegleiter und -begleiterinnen ihre Praxis &#252;ber Rezeptbuchwissen hinaus, also wissenschaftlich und mit umfassenden theoretischen Kenntnissen versehen, werden reflektieren k&#246;nnen.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Die Zukunft des Lernens ist mit starken Ver&#228;nderungen im Bereich der Methodik verbunden</em>, die den Prozess des Lernens optimal unterst&#252;tzen soll. Diese Methodik ver&#228;ndert nicht das Lernen im biologischen Sinne, sondern soll dieses optimiert unterst&#252;tzen. Die Zukunft des Lernens besteht also darin, die Erkenntnisse der Lernforschung, die heute oft mit der Gehirnforschung (Hirnphysiologie) verbunden ist, optimal zu nutzen, um den gew&#252;nschten Lernerfolg optimiert erreichen zu k&#246;nnen. <em>Die Zukunft des Lernens l&#228;uft auf Lernprozessoptimierungen hinaus.</em></li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Die Zukunft des Lernens ist mit einer Ver&#228;nderung bei den eingesetzten Medien verbunden.</em> Es wird zu einer deutlichen Verschiebung des Verh&#228;ltnisses von analogen und digitalen Informationstr&#228;gern in Lernprozessen kommen.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Die Diskussion um das Lernen und die Bildung ist eine vor allem materialistische Diskussion</em> (geworden), da der Bildungsbegriff seine Bedeutung mehr und mehr in Richtung &#246;konomischer N&#252;tzlichkeit verschoben bekommen hat. Lernprozessoptimierung bedeutet auch, dass die Funktionsf&#228;higkeit von Menschen in &#246;konomischen Prozessen erh&#246;ht werden soll.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Idealistische Bildungsbegriffe werden auf absehbare Zeit weiterhin als zunehmend exotische „Tr&#228;umereien“ gesehen</em> und solange akzeptiert werden, wie sie gesellschaftliche Reproduktionsprozesse nicht relevant kritisch zu hinterfragen und zu gestalten beginnen.</li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Der leichte Zugang zu Ressourcen des Wissens in digitalen Kontexten, wird die Rolle des Wissens in Lernprozessen ver&#228;ndern.</em></li>
</ul>

<ul>
    <li><em>Der leichte Zugang zu Ressourcen des Wissens in digitalen Kontexten wird den Umgang mit Wissen in Lernprozessen ver&#228;ndern.</em></li>
</ul>

<p>Die Diskussion um die Zukunft des Lernens ist, so mein Resumee an dieser Stelle, eher eine Diskussion um die Zukunft von Lernmitteln, Lerninstrumenten und somit der Methodik des Lernens.</p>

<p>Es stellt sich nach wie vor die Frage (Antworten beginnen sich erst langsam abzuzeichnen), wie digitale Vernetzung und die damit verbundenen Medien den Prozess des Lernens mit pr&#228;gen werden / sollen.</p>

<p>In der gegenw&#228;rtigen Diskussion scheint es Konsens, dass sich in der Bildungslandschaft etwas ver&#228;ndern m&#252;sse, weil gegenw&#228;rtige Lernkontexte nicht den Strukturen entsprechen, die lernpsychologisch und hirnphysiologisch als optimal angesehen werden. Es muss sich etwas ver&#228;ndern, weil Ziele von Bildung nicht mehr erreicht werden.</p>

<p>Gleichzeitig muss mit diesem Konsens eine Debatte einhergehen, worin diese Ziele von Bildung bestehen.</p>

<p>Lebensgl&#252;ck ist nicht nur eine Frage von Kompetenzen, sondern dar&#252;ber hinaus zentral von Haltungen, vom Selbstbild und von &#220;berzeugungen abh&#228;ngig.</p>

<p>Die Fragen, was Lernen sei und wie sich Bildung zeigt, wird in heutigen Diskussionsprozessen oft ausgeblendet.</p>

<p>Viele Diskussionen um das Lernen scheinen mir heute eher technokratischer Natur zu sein: Welche (selbstverst&#228;ndlich digitalen) Medien setzen wir wie ein?</p>

<p>Viele Diskussionen um die Zukunft des Lernens neigen heute dazu, den an ihnen beteiligten Personen im Rahmen eines „heimlichen Lehrplanes“ vor allem Technologien nahe zu bringen und diese methodisch auf die Nutzbarkeit in Lernprozessen hin anzuwenden.</p>

<p>Eine solche Ann&#228;herung an konkrete Methoden und Technologien finde ich spannend und notwendig, solange klar ist, dass die Nutzung digitaler Technologien selbst nur ein Teil des mit ihnen m&#246;glichen Lernprozesses ist, ja, dass das Erlernen der M&#246;glichkeiten, die solche Technologien bieten, selbst ein enormer Lernprozess ist, der zun&#228;chst geleistet werden muss, bevor das Medium nicht mehr das zentrale Thema des Lernprozesses ist.</p>

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		<title>Die Macht der Sprache</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 22:12:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich finde, die Bedeutung des reflektierenden Schreibens und Sprechens wird oft v&#246;llig untersch&#228;tzt. Anders kann ich mir nicht erkl&#228;ren, wie h&#228;ufig das „Tun“ dem „Denken“ gegen&#252;bergestellt, entgegen gesetzt wird. Und sp&#228;testens wenn ein Denkprozess zu einer kritischen (Kritik bedeutet &#252;brigens &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/04/21/die-macht-der-sprache/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde, die Bedeutung des reflektierenden Schreibens und Sprechens wird oft v&#246;llig untersch&#228;tzt.</p>

<p style="text-align: left;">Anders kann ich mir nicht erkl&#228;ren, wie h&#228;ufig das „Tun“ dem „Denken“ gegen&#252;bergestellt, entgegen gesetzt wird. Und sp&#228;testens wenn ein Denkprozess zu einer kritischen (Kritik bedeutet &#252;brigens <span id="more-5966"></span>nicht „negative Kritik“, sondern Differenzierung eines Sachverhaltes) Position gelangt, holt mit Sicherheit jemand die Praxiskeule hervor. „Wenn dir das nicht gef&#228;llt“, wird dann gesagt, „dann tu doch was dagegen“. – Als ob die Sprachhhandlung der Kritik nicht schon ein Tun w&#228;re!</p>

<p>Ich wei&#223; nat&#252;rlich, was gemeint ist, wenn Praxis eingeklagt wird. (Na, dann gr&#252;nde doch einen Verein.) Dabei wird aber untersch&#228;tzt, dass bereits die sprachliche &#196;u&#223;erung eine Handlung ist.</p>

<p>Fr&#252;her war (kaum etwas besser, aber) weit bekannter als heute, dass das Kennen eines Namens Macht &#252;ber das Benannte bedeutet. („Ach wie gut, dass keiner wei&#223;, dass ich Rumpelstilzchen hei&#223;.“) Nicht nur in M&#228;rchen, sondern auch in religi&#246;sen Zusammenh&#228;ngen (D&#228;mon, wie hei&#223;t du?) wird dieser Zusammenhang immer wieder benannt.</p>

<p>Wo immer wir heute auf Unbekanntes sto&#223;en, ist es oft zun&#228;chst die Suche nach einer Sprache f&#252;r ein Ph&#228;nomen, die uns umtreibt. Deshalb ist die Frage, wer Begriffe wie definiert oft so bedeutend.</p>

<p>Wer ein Ph&#228;nomen benennt, kann dies auch wertend tun. In der Werbung, der Politik und interessanterweise auch in der Wissenschaft gibt es f&#252;r diese Frage nach der „Definitionsmacht“ reichlich Beispiele.</p>

<p>Ja. Es ist Macht &#252;ber etwas, die jemand hat, der etwas definiert.</p>

<p>In moderner, sprichw&#246;rtlicher Ausdrucksweise: „Wissen ist Macht.“ In sprachlicher Hinsicht ist das tats&#228;chlich genau so.</p>

<p>Wissen bedeutet aber in vielen F&#228;llen, &#252;ber die entsprechende (Fach)Sprache verf&#252;gen zu k&#246;nnen. Mathematische Formeln, die F&#228;higkeit, wissenschaftliche Experimente zu verstehen und darstellen zu k&#246;nnen etc. verstehe ich hier als eine Form der (Fach)Sprache.</p>

<p>Um so erstaunlicher ist es, wie oft auf sprachliche Reflexionshandlungen die Aufforderung folgt, man m&#246;ge dann doch bitte etwas tun, wenn schon die sprachliche Erfassung eines Problems erfolge.</p>

<p>Es wird immer wieder unterstellt, sich der Sprache zu bedienen sei keine Handlung. Was f&#252;r ein Irrtum. – Jede Reaktion auf einen Text zeigt ja schon, dass man etwas getan hat. Auf Nichtstun (das es &#252;brigens genau genommen gar nicht gibt) kann man nicht reagieren.</p>

<p>Weil aber Sprache so viel m&#228;chtiger ist, als es heute oft angenommen wird, hat Sprache und die F&#228;higkeit, sich ihrer zu bedienen, im Zusammenhang mit demokratischer Teilhabe, ein sehr gro&#223;es Gewicht.</p>

<p>Aus diesem Grunde ist sprachliche Bildung von zentraler Bedeutung f&#252;r die Entwicklung des Individuums.</p>

<p>Sprache bedeutet n&#228;mlich nicht nur, dass man der Welt m&#228;chtig wird. Sprache spielt auch im Prozess der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung eine entscheidende Rolle.</p>

<p>Das wird sp&#228;testens dann nachvollziehbar, wenn ein Mensch psychotherapeutische Unterst&#252;tzung sucht, weil er sich selbst nicht mehr versteht und seiner selbst (wieder) m&#228;chtiger werden will.</p>

<p>In den meisten Therapien spielt die Sprachfindung eine zentrale Rolle, die dazu verhilft, das eigene Ich wieder benennen zu k&#246;nnen und somit ihm gegen&#252;ber „Macht“ zu gewinnen, hat einen doch dieser Machtverlust &#252;ber sich selbst wom&#246;glich gen&#246;tigt, sich Unterst&#252;tzung zu holen.</p>

<p>Es ist also wichtig, Menschen zu einem m&#246;glichst gro&#223;en, differenzierten Wortschatz hin zu begleiten, um ihnen neben der demokratische Teilhabe auch im Prozess der Identit&#228;tsfindung unterst&#252;tzend zur Seite zu stehen.</p>

<p>Entsprechend bedeutet das f&#252;r alle, die solche Identit&#228;tsfindungsprozesse begleiten, dass sie selbst der Sprache m&#228;chtig sein m&#252;ssen.</p>

<p>Dabei gilt, dass man sich eben nicht immer an das Sprachniveau von z. B. Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen anpasst, sondern auch, dass man dieses gezielt weiter entwickelt.</p>

<p>Sprache ist nicht nur handlungsrelevant, Sprache selbst ist ein Tun.</p>

<p>Entsprechend gilt es, die Sprachentwicklung (bei jeder Altersgruppe) in den Vordergrund zu stellen.</p>

<p>Das Ziel dabei ist, Menschen (sprachlich) so autonom zu machen, wie das m&#246;glich ist. – Und vor jedem Verein, vor jeder Kritik steht diese Autonomit&#228;t. Sie wird bis heute viel zu selten erreicht. Doch gerade dies sollte Erzieherinnen, Erzieher, Lehrer, Lehrerinnen und alle, die mit der Ich-Werdung von Menschen betraut sind, nicht davon abhalten, genau dieses sprachliche Ziel st&#228;ndig vor Ohren zu haben und auf reiche Wortsch&#228;tze der Individuen hin zu arbeiten.</p>

<p style="text-align: center;"><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/Hzgzim5m7oU?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/Hzgzim5m7oU?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

<p style="text-align: center;"><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/9_tCtvmAm4M?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/9_tCtvmAm4M?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

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		<title>&#220;berlegungen zur Medienp&#228;dagogik</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Mar 2011 23:04:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Res&#252;mee: &#220;ber Medienp&#228;dagogik wird viel diskutiert. K&#252;rzlich wieder auf dem Kongress zum so genannten „Medienp&#228;dagogischen Manifest“, &#252;ber das die hier verlinkte Website n&#228;here Auskunft gibt. In diesem Beitrag fasse ich meinen aktuellen Stand der Reflexion der Frage zusammen, wie Medienp&#228;dagogik &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/27/uberlegungen-zur-medienpadagogik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Res&#252;mee: &#220;ber Medienp&#228;dagogik wird viel diskutiert. K&#252;rzlich wieder auf dem Kongress zum so genannten <a href="http://www.keine-bildung-ohne-medien.de/" target="_blank">„Medienp&#228;dagogischen Manifest“, &#252;ber das die hier verlinkte Website n&#228;here Auskunft gibt</a>. </em> <em>In diesem Beitrag fasse ich meinen aktuellen Stand der Reflexion der Frage zusammen, wie Medienp&#228;dagogik heute aussehen kann.</em></p>

<blockquote>„Meine Nichte, die ist 12, die hat sich tierisch dar&#252;ber aufgeregt, dass die Deutschlehrerin sagte: Die Nutzung von Wikipedia ist verboten, weil das keine zuverl&#228;ssigen, verifizierten Quellen sind. Das ist bei den Jugendlichen schlecht angekommen, das Verbot von sozialen Medien.“</blockquote>

<p>Eine &#196;u&#223;erung, die ich auf dem <a href="http://www.livescribe.com/cgi-bin/WebObjects/LDApp.woa/wa/MLSOverviewPage?sid=Q8SFq1LVsxf4" target="_blank">Bremer Educamp</a> h&#246;rte.</p>

<p>Vor noch ein paar Jahren h&#228;tte ich bez&#252;glich Wikipedia wohl &#228;hnlich Restriktives sagen k&#246;nnen.</p>

<p>In Wirklichkeit aber will ich den Lehrer sehen, der sich nicht auch der Wikipedia bedient.<span id="more-5935"></span></p>

<p>Ja, man kann darauf dr&#228;ngen, wie es in Bremen ein Kollege von einer anderen Schule berichtete, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler die Prim&#228;rquellen nutzen sollen, die am Ende entsprechender Artikel Wikipedias angegeben sind. Das finde ich gut, denn wenn ich Wikipedia nutze, dann nutze ich diese Prim&#228;rquellen so h&#228;ufig es geht.  Viele dieser Prim&#228;rquellen f&#228;nde ich ohne die leicht zug&#228;ngliche Wikipedia nicht. Und, das ist das besondere Schmankerl der Wikipediakonzeption, wenn ich der Meinung bin, dass wichtige Prim&#228;rquellen fehlen, dann kann ich diese erg&#228;nzen und so den Charakter von Wikipedia als enzyklop&#228;disches Portal aktiv mitgestalten.</p>

<p>Das Verbot der Nutzung digital zug&#228;nglicher Wissensspeicher, ein Verbot, das vor allem an Schulen weiter verbreitet zu sein scheint, als ich das fr&#252;her angenommen habe, ist keine Medienp&#228;dagogik.</p>

<p>Das Argument, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sollten sich das Wissen selbst erarbeiten und eben nicht bereits vorgekautes, in der Regel v&#246;llig kritiklos, wiederk&#228;uen, klingt plausibel. – Aber auch ein solches Argument ist kein medienp&#228;dagogischer Ansatz.</p>

<p>Dieses Argument blendet viel mehr die Wirklichkeit aus, dass trotz Verboten Wikipedia genutzt wird.</p>

<p>Auch Lehrer und Lehrerinnen nutzen diese und andere Plattformen im Netz, um an Wissen zu gelangen.</p>

<p>W&#228;re je ein Lehrer auf die Idee gekommen, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern die Lekt&#252;re des Brockhaus in 24 B&#228;nden zu untersagen? – Es wird argumentiert, dass redigierte Nachschlagewerke zuverl&#228;ssig seien und deshalb genutzt werden d&#252;rften.</p>

<p>Wikipedia hingegen k&#246;nne als „Mitmach-Format“ den Qualit&#228;tskritierien nicht standhalten, die ein klassisches Lexikon bieten konnte.  Dem kann widersprochen werden: Bei zeitgeschichtlichen Fragestellungen waren gedruckte Lexika in der Regel nicht auf dem neuesten Stand, also unzuverl&#228;ssig.</p>

<p>Zu &#252;berlegen, ob ein Wissensspeicher erlaubt werden soll oder nicht, ist in meinen Augen keine Medienp&#228;dagogik, sondern bevormundendes Verhalten, das im schlimmsten anzunehmenden Fall medienp&#228;dagogisches Handeln „ersetzt“ bzw. verhindert.</p>

<p>Das Problem solcher „Verbote“ im Kontext bildenden, p&#228;dagogischen und somit auch medienp&#228;dagogischen Handelns, sei es nun der &#252;ber das Internet zug&#228;nglichen Inhaltsspeicher oder sei es auch der Zugangsger&#228;te selbst, besteht darin, dass Inhalt und Ger&#228;te in den Vordergrund gestellt werden, ohne dass, um mit Georg R&#252;ckriem zu sprechen, eine Bedeutungslogik entsteht.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/27/uberlegungen-zur-medienpadagogik/#footnote_0_5935" id="identifier_0_5935" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="R&amp;#252;ckriems Vortrag, in dem er dies so formuliert, ist in Lisa Rosas Beitrag zum Medienbegriff vom 18. Oktober 2010 verlinkt und von dort aus zug&amp;#228;nglich.">1</a></sup></p>

<p>Es entsteht der Eindruck, dass in vielen „medienp&#228;dagogischen Debatten“ keine Medienp&#228;dagogik, sondern eine Ger&#228;te- und Inhalts„p&#228;dagogik“ betrieben wird.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/27/uberlegungen-zur-medienpadagogik/#footnote_1_5935" id="identifier_1_5935" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zur Differenzierung von Ger&amp;#228;te, Inhalt und Medien vgl. den in Lisa Rosas Beitrag zum Medienbegriff vom 18. Oktober 2010 verlinkten R&amp;#252;ckriem-Vortrag">2</a></sup></p>

<p>Es gibt reichlich Schulen, die die Nutzung, ja zum Teil sogar das Mitf&#252;hren von Mobiltelefonen verbieten. Es wird mit illegalem Datenaustausch, diskreditierendem Gebrauch der in Mobiltelefonen integrierten Kameras und auch mit der Annahme argumentiert, dass die Nutzung digitaler Medien in der Schule, also z. B. auch MP3-Ger&#228;ten, den Aufgaben der Schule zuwider laufe.</p>

<p>Wer in den Pausen Musik h&#246;re, l&#246;sche, was er vorher gelernt habe, h&#246;rte ich in solchen Diskussionen auch schon als Argument, nie aber, dass der schulische Ger&#228;uschpegel in Pausen einen solchen Effekt habe und deshalb ein Sprech-, Spiel-, Lachverbot einzuf&#252;hren sei.</p>

<p>Doch selbst, wenn man die Argumente f&#252;r einen restriktiven Umgang mit Handys akzeptiert, sich mit ihnen arrangieren kann: In vielen Schulen scheinen in der Folge dieses restriktiven Umgangs dann &#228;hnliche Restriktionen auch f&#252;r Laptops und Tablet-PCs zu gelten.</p>

<p>Dies ist so wenig Medienp&#228;dagogik, wie es das Erkl&#228;ren von Funktionen in Textverarbeitungsprogrammen etc. ist.</p>

<p>Medien sind, um hier eine Definition zu wagen, komplexe Systeme der Generierung von Weltverst&#228;ndnis.</p>

<p>Diese Systeme werden jeweils von Vermittlungs- und Kommunikationsinstrumenten getragen, die angesichts der Komplexit&#228;t solcher Systeme oft selbst als „Medium“ angesehen werden.</p>

<p>Wenn wir angesichts von Fernsehen, Zeitungen, Radio, und Internet diese Erscheinungsformen als „die Medien“ bezeichnen, meinen wir in der Regel nicht nur die „Produkte“. Eine Zeitung als papierne oder digitale Sammlung von Artikeln ist nicht das Medium Zeitung. Das Medium ist vielmehr der komplexe Zusammenhang des Zustandebringens solcher Produkte im medialen Prozess, dessen Gesamtheit erst das Medium ausmacht.</p>

<p>Medien sind soziale Beziehungsgeflechte, die in „Produkten“ erkennbar werden.</p>

<p>Wer aber diese „Produkte“ verstehen und reflektieren will, der darf nicht bei dem „Produkt“ Tageszeitung (Radionachricht, Fernsehprogramm, Webseite) stehen bleiben und dieses schon f&#252;r das Medium halten.</p>

<p>Da aber Medienp&#228;dagogik in meinen Augen auch das Ziel hat, Medien als zentrale Elemente der kollektiven Konstruktion von Wirklichkeit und Weltdeutung reflektieren und kritisieren zu k&#246;nnen, bringt es z. B. nichts, alternativ zu digitalen Technologien t&#228;glich in Schulen analoge, papierne Zeitungen auszuteilen, solange nicht auch der Prozess der Genese dieses Produktes in den Blick genommen und damit reflektierbar gemacht wird.</p>

<p>Medienp&#228;dagogik kommt also noch lange nicht zu sich selbst, wenn mit medial relevanten Instrumenten gearbeitet wird: Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist noch keine Medienp&#228;dagogik, aber wom&#246;glich Voraussetzung daf&#252;r, dass diese stattfinden kann.</p>

<p>So wenig eine Zeitung als Zeitung verstanden werden kann, wenn man nicht journalistische Arbeitsprozess versteht, die Struktur von Zeitungsverlagen in den Blick nimmt etc., so wenig kann sie als solche verstanden werden, wenn die Zeitung erst einmal verboten wird, weil da jemand Angst hat, die Lekt&#252;re von Zeitungen in den Pausen k&#246;nne den gerade gelernten Stoff &#252;berlagern und verdr&#228;ngen; au&#223;erdem kann man Zeitungen zusammenrollen und unangemessen als Schlaginstrumente nutzen.</p>

<p>Analog gilt: Medienp&#228;dagogik in Zeiten eines digitalen Leitmediums, das mehr als je zuvor globale Interaktion erlaubt, in Zeiten von Web 2.0, Cloud Computing etc. kann sich nicht auf Produkte beschr&#228;nken, sondern muss auch den Prozess verstehen lernen und lehren, der diese medialen Erscheinungsformen des Leitmediums pr&#228;gt.</p>

<p>Medienp&#228;dagogisches Handeln setzt Wissen und Kompetenz der Handelnden voraus.</p>

<p>So, wie ich Literatur nicht verstehe, wenn ich keine Romane, Gedichte etc. lese, kein guter Physiker bin, wenn ich zwar Formeln beherrsche, aber keine Experimente durchf&#252;hren kann etc., so bin ich im Kontext des digitalen Leitmediums in alle seinen Erscheinungsformen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/27/uberlegungen-zur-medienpadagogik/#footnote_2_5935" id="identifier_2_5935" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Biologistisch ausgedr&amp;#252;ckt: Das Leitmedium ist der Genotyp (analog, digital), die medialen Erscheinungsformen sind der Ph&amp;#228;notyp (analog: B&amp;#252;cher, Zeitungen, Briefe &hellip;; digital: Blogs, Foren, E-Mails, Computer, Navigationsger&amp;#228;te &hellip;) ">3</a></sup> nur dann kompetent, wenn ich praktisch mit ihnen arbeite.</p>

<p>Kritiker k&#246;nnten nun anf&#252;hren, dass man zur Reflexion eines Prozesses nicht unbedingt selbst in die Praxis eingebunden sein muss. Im Kontext des neuen Leitmediums widerspreche ich dieser in manch anderem Zusammenhang zutreffenden Aussage, weil erstmals in der Menschheitsgeschichte der mediale Prozess nicht mehr systembedingt in abgeschlossenen „Medien“ wie Zeitungen (Redaktionen, Herausgeber, Verlage), Fernsehen, Radio, B&#252;chern, Zeitschriften … stattfindet.</p>

<p>Die M&#246;glichkeit der Teilhabe ist Teil des digitalen Mediums.</p>

<p>Solange mediale Prozesse vor allem &#252;ber Distributionsmedien (Verteilungsmedien) weitgehend nur in eine Richtung verliefen, von der M&#246;glichkeit des Leserbriefes abgesehen, waren die H&#252;rden zur eigenen Produktion von Inhalten, die auch wahrgenommen wurden, sehr hoch. Es waren nicht nur Inhalte zu erstellen, sondern es musste auch noch ein Weg gefunden werden, diese zu ver&#246;ffentlichen.</p>

<p>Medienp&#228;dagogik in Zeit von Distributionsmedien war vor allem Reflexion &#252;ber diese Medien, ohne dringende Notwendigkeit, selbst in der Lage zu sein, solch ein Medienprodukt herzustellen.</p>

<p>An die Stelle des Distributionsmediums ist heute aber das Kommunikationsmedium getreten. In der Umgangssprache ist das das „Mitmach-Web“. Und in einem solchen Zusammenhang funktioniert eine rein reflexive Medienp&#228;dagogik nicht mehr:</p>

<ul>
    <li>Wurden fr&#252;her Filmszenen analysiert um im Rahmen medienp&#228;dagogischen Handelns zu einem tieferen Verst&#228;ndnis des Films als mediale Form zu gelangen, gilt es heute, den Prozess der Reflexion der medialen Form in den Kontext kompetenten Umgangs mit ihm einzubetten, was praktisch bedeutet, dass Medienp&#228;dagogik die M&#246;glichkeit mit ber&#252;cksichtigen muss, dass heute jeder via Vimeo, YouTube etc. Videos ver&#246;ffentlichen und dank digitaler Videokameras und Schnittsoftware auf dem Computer diese auch produzieren kann.</li>
    <li>Es geht nicht mehr nur darum, das System Zeitung reflexiv in die medienp&#228;dagogische Praxis einzubinden, sondern es wird mehr und mehr zu einer wichtigen Kompetenz, sich selbst in den Prozess einbringen zu k&#246;nnen, der fr&#252;her alleine von Zeitungen und Zeitschriften betrieben wurde.</li>
</ul>

<p>Medienp&#228;dagogik braucht heute Leute, die kompetent mit Medien umgehen und die kompetent &#252;ber Medien reflektieren k&#246;nnen.</p>

<p>Eine solche Verbindung kann zum Beispiel darin ihren Ausdruck finden, dass der Reflexionsprozss in den Formen zeitgen&#246;ssischer medialer Wirklichkeitskonstruktion eingebettet ist.</p>

<p>So wurde in analogen Zeiten auf Papier analog reflektiert; so wird in digitalen Zeiten digital in Blogs, auf Websites etc. reflektiert, auch wenn hier durchaus auch die analoge Form der Reflexion nach wie vor verf&#252;gbar ist.</p>

<p>Medienp&#228;dagogen m&#252;ssen nicht unbedingt gro&#223;e Inhalts-(Content)-Produzenten sein und bloggen, aber Medienp&#228;dagogen m&#252;ssen heute aktiv mit medialen Prozessen umgehen (k&#246;nnen), um &#252;berhaupt medienp&#228;dagogisch arbeiten zu k&#246;nnen. Das ist wichtig, weil von Medienp&#228;dagogen heute auch erwartet wird, dass ein angemessener Umgang mit den medialen Ausdrucksmitteln (-instrumenten) vermittelt wird.</p>

<p>So, wie Musikp&#228;dagogen ein paar Instrumente spielen m&#252;ssen, um &#252;berhaupt musikp&#228;dagogisch arbeiten zu k&#246;nnen, so m&#252;ssen Medienp&#228;dagogen ein paar digitalen „Instrumente“ spielen k&#246;nnen, um wirklich medienp&#228;dagogisch zu arbeiten. – Anders ausgedr&#252;ckt: Medienp&#228;dagogen m&#252;ssen heute selbst ins Netz, m&#252;ssen selbst mit Computer und Co vertraut sein.</p>

<blockquote>„Meine Nichte, die ist 12, die hat sich tierisch dar&#252;ber aufgeregt, dass  die Deutschlehrerin sagte: Die Nutzung von Wikipedia ist verboten, weil die Artikel  keine zuverl&#228;ssigen, verifizierten Quellen sind. Das ist bei den  Jugendlichen schlecht angekommen, das Verbot von sozialen Medien.“</blockquote>

<p>Medienp&#228;dagogik verbietet ein Produkt des zeitgen&#246;ssischen medialen Prozesses nicht, sondern ist mit diesem Ph&#228;nomen so vertraut, dass ein Reflexionsprozess stattfinden kann. Die nackte Behauptung, dass Wikipedia keine zuverl&#228;ssigen Artikel liefere, ist nicht in der Lage, angemessen mit dieser medialen Form umzugehen.  Und so ist es f&#252;r mich zweifelhaft, ob der zum Teil sehr restriktive Umgang mit digitalen Medien in Schulen medienp&#228;dagogisch w&#252;nschenswerte Ziele nicht unerreichbar macht. In dem von Prof. Dr. Horst Niesyto angesto&#223;enen „<a href="http://www.keine-bildung-ohne-medien.de/" target="_blank">Medienp&#228;dagogischen Manifest</a>“ liest sich das so:</p>

<blockquote>„Medienkompetentes Handeln setzt fundierte Kenntnisse &#252;ber die verschiedenen Medien voraus: Kenntnisse &#252;ber technische Grundlagen und &#228;sthetische Formen, &#252;ber die Bedingungen und Formen medialer Produktion und Verbreitung in der Gesellschaft, ein Bewusstsein f&#252;r die kulturell‐kommunikative, &#246;konomische und politische Bedeutung, die Medien in globalisierten Gesellschaften haben. Medienkompetenz zielt auf die F&#228;higkeit zur sinnvollen, reflektierten und verantwortungsbewussten Nutzung der Medien. Hierzu geh&#246;ren u.a. die F&#228;higkeit zu &#252;berlegter Auswahl, zum Verstehen und Interpretieren medialer Kodes, zu einer reflektierten Verwendung von Medien in Freizeit, Schule und Beruf. Das aktive und kreative Gestalten mit Medien f&#252;r Selbstausdruck, f&#252;r die Artikulation eigener Themen, f&#252;r Kontakt und Kommunikation ist ein weiterer, zentraler Bereich von Medienkompetenz. Schlie&#223;lich f&#246;rdert Medienp&#228;dagogik die Medienkritik, die sich sowohl auf die gesellschaftliche Medienentwicklung als auch die (selbstreflexive) Mediennutzung und die eigene Gestaltung mit Medien bezieht.“</blockquote>

<p>Um die Entwicklung einer solche Medienkompetenz zu unterst&#252;tzen, bedarf es Medienp&#228;dagogen, die diese Kompetenzen selbst haben und vorleben.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_5935" class="footnote">R&#252;ckriems Vortrag, in dem er dies so formuliert, ist in <a href="http://shiftingschool.wordpress.com/2010/11/18/medienbegriff/" target="_blank">Lisa Rosas Beitrag zum Medienbegriff vom 18. Oktober 2010</a> verlinkt und von dort aus zug&#228;nglich.</li><li id="footnote_1_5935" class="footnote">Zur Differenzierung von Ger&#228;te, Inhalt und Medien vgl. den in <a href="http://shiftingschool.wordpress.com/2010/11/18/medienbegriff/" target="_blank">Lisa Rosas Beitrag zum Medienbegriff vom 18. Oktober 2010</a> verlinkten R&#252;ckriem-Vortrag</li><li id="footnote_2_5935" class="footnote">Biologistisch ausgedr&#252;ckt: Das Leitmedium ist der Genotyp (analog, digital), die medialen Erscheinungsformen sind der Ph&#228;notyp (analog: B&#252;cher, Zeitungen, Briefe …; digital: Blogs, Foren, E-Mails, Computer, Navigationsger&#228;te …) </li></ol>
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		<title>Dokumentation: Session @herrlarbig @Educamp @echb11</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2011/03/24/dokumentation-session-herrlarbig-educamp-echb11/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 20:40:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Educamps sind keine geschlossenen Veranstaltungen. Educamps verbreiten das, was in ihrem Rahmen passiert. Entsprechend gibt es audiovisuelle Dokumentationen der von mir auf dem Educamp in Bremen angebotenen Session mit dem Titel „Aufgabenformate in Zeiten von Internet, Wikipedia und Kompetenzorientierung“. Zun&#228;chst &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/24/dokumentation-session-herrlarbig-educamp-echb11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://educamp.mixxt.de" target="_blank"><img src="http://elearning2null.de/learnmedia/echb11/banner_285px.png" border="0" alt="EduCamp Bremen :: 19./20. M&#228;rz 2011" /></a></p>

<p><a href="http://edumcamp.mixxt.de" target="_blank">Educamps</a> sind keine geschlossenen Veranstaltungen.</p>

<p>Educamps verbreiten das, was in ihrem Rahmen passiert.</p>

<p>Entsprechend gibt es audiovisuelle Dokumentationen der <a href="http://educamp.mixxt.de/networks/wiki/index.echb11-E3" target="_blank">von mir auf dem Educamp in Bremen angebotenen Session</a> mit dem Titel „Aufgabenformate in Zeiten von Internet, Wikipedia und Kompetenzorientierung“.</p>

<p>Zun&#228;chst ein Interview, das unmittelbar nach der Session gef&#252;hrt wurde und dann eine vollst&#228;ndige Audio-Dokumentation der Session inkl. einer Mitschrift (ein so genannter „Pencast“), die <a href="http://twitter.com/akasche" target="_blank">@akasche</a> angefertigt hat.
Viel mehr Material und Dokumentation des Educamps mit unglaublich vielen und spannenden Sessions, so mein Eindruck, gibt es <a href="http://educamp.mixxt.de/networks/wiki/index.echb11-mixxtmatrix" target="_blank">auf der Webpr&#228;senz des Educmaps</a>.</p>

<p><object width="480" height="390"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/poYiFEYcYWI?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="390" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/poYiFEYcYWI?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>

<p><br /><br /><a href="http://www.livescribe.com/cgi-bin/WebObjects/LDApp.woa/wa/MLSOverviewPage?sid=Q8SFq1LVsxf4" target="_blank">Pencast: Aufgaben im Zeitalter von Wikipedia und Co.</a>:</p>

<p>&nbsp;</p>

<div class="pencast"><object width="228" height="316"><param name="movie" value="http://www.livescribe.com/media/swf/embedPlayer.swf" /><param name="FlashVars" value="path=http%3A//www.livescribe.com/cgi-bin/WebObjects/LDApp.woa/wa/flashXML%3Fxml%3D0000C0A8011500003A99E8110000012ECF6C896CC71986F7&amp;embedversion=1" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="228" height="316" src="http://www.livescribe.com/media/swf/embedPlayer.swf?path=http%3A//www.livescribe.com/cgi-bin/WebObjects/LDApp.woa/wa/flashXML%3Fxml%3D0000C0A8011500003A99E8110000012ECF6C896CC71986F7&amp;embedversion=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></div>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Media@School – Bremer Medientag 2011</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Mar 2011 22:32:30 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#160; Auf dem media@school-Medientag gab es einen Eindruck, was faktisch in Sachen Medieneinsatz an Schulen los ist. Das Bild, das ich hier bekommen habe, ist sehr vielseitig. Es gibt, das sei gleich am Anfang gesagt, an vielen Schulen Lehrer, die &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/18/mediaschool-bremer-medientag-2011/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://educamp.mixxt.de" target="_blank"><img src="http://elearning2null.de/learnmedia/echb11/banner_285px.png" border="0" alt="EduCamp Bremen :: 19./20. M&#228;rz 2011" /></a></p>

<p style="text-align: right;">&nbsp;</p>

<p>Auf dem <a href="http://educamp.mixxt.de/networks/events/show_event.31590" target="_blank">media@school-Medientag</a> gab es einen Eindruck, was faktisch in Sachen Medieneinsatz an Schulen los ist.</p>

<p>Das Bild, das ich hier bekommen habe, ist sehr vielseitig.</p>

<p>Es gibt, das sei gleich am Anfang gesagt, an vielen Schulen Lehrer, die sich um Medienp&#228;dagogik k&#252;mmern. Es gibt an <em>vielen</em> Schulen <em>wenige</em> (vereinzelte?) Lehrer, die sich um p&#228;dagogisch verantworteten Gebrauch von Medien Gedanken machen und praktische Umsetzungen wagen.</p>

<p>Das Bild ver&#228;ndert sich, wenn der Begriff „Medien“ etwas breiter verstanden wird, als ich es normalerweise tue, rede ich von Medieneinsatz an Schulen.</p>

<p>Normalerweise denke ich dabei an Video, Audio, Computer, Internet. Dass man auch „Robotik“<span id="more-5875"></span> und Projekte, die eher auf die T&#228;tigkeit von Ingenieuren hin ausgerichtet sind, in den Medienbegriff miteinschlie&#223;t &#252;berraschte mich zumindest kurzzeitig, aber als pragmatisch integrierendes Vorgehen war diese Mischung irgendwie f&#252;r mich auch stimmig.</p>

<p><a href="http://www.mintzukunftschaffen.de/" target="_blank">MINT</a>-Projekte gibt es weiter verbreitet, als ich es bei Medienprojekten sehe. Und so ergab sich eine Mischung solcher Projekte: Ein wenig MINT (Robotik in der Schule, <a href="http://www.techkreativ.de/" target="_blank">TechKreativ</a>), wobei hier die Verbindung zu den „Medien“ wohl darin gesehen werden konnte, dass diese Projekte darauf hin ausgerichtet sind, digitale Technologien in produktiven Zusammenh&#228;ngen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern nahe zu bringen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus wurde <a href="http://draufhaber.tv" target="_blank">draufhaber.tv</a> vorgestellt, eine Video-Community vor allem f&#252;r Jugendliche (faktisch wohl f&#252;r von Lehrern angeleitete Jugendliche, die von den Lehrern auf diese Plattform gebracht werden [sollen], die von Prof. Dr. Andreas Breiter und Prof. Dr. Karsten D. Wolf betreut wird. Noch befindet sich draufhaber.tv in der Entwicklungsphase, noch dauert es ein paar Monate bis zur geschlossenen Beta, die interessanterweise genau in der Sommerferienzeit liegen wird, bevor dann im September eine offene Beta gestartet wird.</p>

<p>Mathematik und das Programm <a href="http://www.geogebra.org/" target="_blank">GeoGebra</a> wurden ausf&#252;hrlich vorgestellt, wobei allerdings auffiel, dass es dem <a href="http://www.bnmc.uni-bremen.de/" target="_blank">Bremer Netzwerk Mathematik und Computer (BNMC)</a> scheinbar vor allem darum geht, die Lehrer in die Lage zu versetzen, Computer und Beamer im Rahmen des Mathematikunterrichts unterweisend einzusetzen, im Rahmen von Frontalphasen zu nutzen. &#220;ber die Nutzung des Programmes von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lerin im Unterricht erfuhren wir in der ausf&#252;hrlichen Vorstellung des Netzwerkes und des Programmes nichts.</p>

<p>Richtig spannend wurde es, als die ersten <a href="http://www.szdrebberstrasse.de/" target="_blank">Sch&#252;lerinnen mit ihrem Lehrer</a> auftraten. Nicht, dass die Sch&#252;lerinnen einen gro&#223;en Anteil an der Vorstellung des Einsatzes von Medien im Spanischunterricht hatten, aber dass sie dabei waren, sagte viel &#252;ber die Einstellung des Lehrers.</p>

<p>Daniel Weber l&#228;sst Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler intensiv mit Medien arbeiten und konnte einiges an Videomaterial vorlegen, das in seiner Qualit&#228;t gut war. Bemerkenswert dabei: Weber hat (nicht repr&#228;sentativ) evaluiert, was der Medieneinsatz f&#252;r die Unterrichtsmotivation bringt und ob das auch Auswirkungen auf deren Leistungen hat. – Die Ergebnisse sprechen erst einmal f&#252;r die aktive Gestaltung medialer Formen durch Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler im Fremdsprachenunterricht, auch wenn manche fragen k&#246;nnte, was das Schneiden eines Videos mit der Grammatik einer Fremdsprache zu tun hat.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus wurden Projekte mit bremischem Bezug vorgestellt. So gibt es hier <a href="http://www.lis.bremen.de/detail.php?gsid=bremen56.c.13805.de" target="_blank">eine sehr professionell ausgestattete Einrichtung, in der professionelle Audio- und Filmproduktionen mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen produziert werden k&#246;nnen</a>.</p>

<p>Es gibt an der <a href="http:Wilhelm-Wagenfeld-Schule.de//" target="_blank">Wilhelm-Wagenfeld-Schule</a> umfassende Gestaltungsprojekte von der Komposition von Bildern bis hin zu Kunstobjekten. Matthias Streicher und Armin Wahl gaben einen f&#252;r mich beeindruckenden &#220;berblick, was an dieser Schule mit dem Schwerpunkt Gestaltung (Fachoberschule, berufliches Gymnasium und Werksschule unter einem Dach) an Produkten entsteht.</p>

<p>Der Vorspann des Educamps, das war noch kein Educamp!, war sehr mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet. Die vorgestellten „Medien“ waren &#252;berraschend internetarm: Ingenieurskunst und k&#252;nstlerische Projekte standen im Zentrum, was zumindest den Blick darauf erweiterte, wie digitale Technologien in Schulen eingesetzt werden k&#246;nnen und auch f&#252;r die Gestaltung konkreter Produkte genutzt werden k&#246;nnen.</p>

<p>Digitale Vernetzung als Instrument des Lernens spielte an diesem Nachmittag wenn &#252;berhaupt eine sehr nachgeordenete Rolle. Es ging zwar um die produktive Nutzung digitaler Technologien, aber diese bezog sich eher auf konkrete, zeitlich eingeschr&#228;nkte Projekte und nicht auf ein Lernen, in dem vernetzte Strukturen eine Rolle spielen.</p>

<p>Das fiel mir wohl deshalb so sehr auf, weil ich selbst spannende Lernerfahrungen in vernetzten Strukturen gemacht habe und mache. Erfahrungen, die hier in Bremen bereits an diesem dem eigentlichen Educamp vorgelagerten Tag mit Gesichtern verbunden wurden.</p>

<p>Media@School bot wenig zu diesen Fragen, aber viel an konkreten Beispielen, was an Schulen m&#246;glich ist, auch wenn das Web-2.0 bei solchen Projekten eher weniger vorzukommen scheint.</p>

<p>Der Nachmittag bei Media@School war &#252;brigens ein klassischer Pr&#228;sentationsnachmittag. Er war daraufhin angelegt Projekte vorzustellen und entsprechend frontal. Das entsprach dem Format der Veranstaltung, so spannend es f&#252;r mich immer wieder ist, zu erleben, wie mit Schule und Unterricht befasste Profis (!) ihre Pr&#228;sentationen aufbauen.</p>

<p>Nach diesen Pr&#228;sentationen startet das Educamp selbst mit Veranstaltungen durch, in denen es zwar auch Input gibt, in denen aber vor allem gemeinsam gedacht wird. Morgen geht es los: Das Educamp, das keine Unterrichtungsveranstaltung ist, sondern ein Think-Tank rund um das Motto des Camps „Neue Lernr&#228;ume gestalten“.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Lernr&#228;ume f&#252;r Kinder ohne Raum zum Lernen</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 21:48:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In jedem Land gibt es Orte, an die gute Lehrer nicht gehen wollen. Diese Orte sind die Orte, an denen es gro&#223;e Probleme gibt, von denen viele Probleme ausgehen. So entsteht eine paradoxe Situation: Gute Lehrer wollen nicht dorthin gehen, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/17/lernraume-fur-kinder-ohne-raum-zum-lernen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><a href="http://educamp.mixxt.de" target="_blank"><img src="http://elearning2null.de/learnmedia/echb11/banner_285px.png" border="0" alt="EduCamp Bremen :: 19./20. M&#228;rz 2011" /></a></p>

<blockquote><p>In jedem Land gibt es Orte, an die gute Lehrer nicht gehen wollen. Diese Orte sind die Orte, an denen es gro&#223;e Probleme gibt, von denen viele Probleme ausgehen. So entsteht eine paradoxe Situation: Gute Lehrer wollen nicht dorthin gehen, wo sie am meisten gebraucht werden.</p></blockquote>

<p>Sugata Mitras Ausf&#252;hren haben mich ber&#252;hrt.</p>

<p>Die von ihm im folgenden Video vorgestellte Initiative „<a href="http://www.hole-in-the-wall.com/index.html" target="_blank">Hole-in-the-Wall</a>“ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hole_in_the_Wall" target="_blank">Loch in der Wand</a>) will Kindern in den &#228;rmsten Regionen dieser Welt Zugang zu Bildung verschaffen und vertraut dabei auf die Eigen-Lern-Kr&#228;fte dieser Kinder, die ohne Lehrer und ohne Schule lernen m&#252;ssen.</p>

<p>Mitras kommt in seinen Forschungen zu dieser Art des Lernens zu interessanten Ergebnissen.</p>

<p>Ein Ergebnis &#252;berzeugt mich: Nicht jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin braucht in der Schule einen eigenen Computer, sondern es scheint deutlich lernintensiver zu sein, wenn Kinder in Gruppen zu ca. vier Personen an einem Rechner arbeiten.</p>

<p>Gegen Ende des Filmes wird gezeigt, wie die Computerarbeitspl&#228;tze nach einem solchen Experiment an einer Schule in Gro&#223;britannien gestaltet wurden.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/17/lernraume-fur-kinder-ohne-raum-zum-lernen/#footnote_0_5850" id="identifier_0_5850" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Damit ist nicht gesagt, dass Gro&amp;#223;britannien ein armes Land sei oder ein Land, in das keine guten Lehrer gehen wollten, sondern nur kurz notiert, was Mitras in seiner TED-Vorlesung vorstellt.">1</a></sup></p>

<p>Es geht in Mitras Vortrag um Lernr&#228;ume an Orten, an denen es keine Lernr&#228;ume gibt, in denen „L&#246;cher in der Wand“ Kindern den Weg zum Wissen der Welt frei machen.</p>

<p>Kinder nutzen diese M&#246;glichkeit.</p>

<p>Das <a href="http://educamp.mixxt.de/" target="_blank">Motto des Educamps in Bremen lautet „Neue Lernr&#228;ume gestalten“</a>.</p>

<p>Mitras Ausf&#252;hrungen sind f&#252;r mich ein Beispiel, wie das mit Hilfe digitaler Technologien zug&#228;ngliche Wissen zu einem Lernraum f&#252;r Kinder wird, die in der Regel zu weder zu diesem Wissen noch zu digitalen Technologien Zugang haben.</p>

<p>Mitras gibt au&#223;erdem Hinweise, wie in industrialisierten L&#228;ndern Lernr&#228;ume mit digitalen Technologien gestaltet werden k&#246;nnen. – Wenn sich vier Kinder einen Computer teilen, wie viele PC-R&#228;ume k&#246;nnte man dann mit den heutigen Computer einrichten, die in vielen Schulen in den knapp vorhandenen PC-R&#228;umen meist so aufgestellt sind, dass meist jeder PC als Einzelarbeitsplatz gedacht ist…</p>

<p>Jetzt aber zu Mitras Vortrag, der auf Englisch gehalten wurde.</p>

<p><object width="560" height="349"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/dk60sYrU2RU?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="349" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/dk60sYrU2RU?fs=1&amp;hl=de_DE" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Sitzordnung im Unterricht: Lehrer-, Gruppen-, Themenzentrierung</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Mar 2011 23:25:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Res&#252;mee: Was als eine Unterrichtsstunde begann, in der das Nachdenken &#252;ber Metaphern zum Lernen in einer Lerngruppe im Zentrum stand, welches dann zur Gestaltung einer Sitzordnung im Sinne der Diskussionsergebnisse f&#252;hrte, ist als eine Stunde gedacht gewesen, die praktisch und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/10/sitzordnung-im-unterricht-lehrer-gruppen-themenzentrierung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Res&#252;mee: Was als eine Unterrichtsstunde begann, in der das Nachdenken &#252;ber Metaphern zum Lernen in einer Lerngruppe im Zentrum stand, welches dann zur Gestaltung einer Sitzordnung im Sinne der Diskussionsergebnisse f&#252;hrte, ist als eine Stunde gedacht gewesen, die praktisch und konkret in die Besch&#228;ftigung mit der Epoche der Aufkl&#228;rung und ihrer Literatur einf&#252;hrt.</em></p>

<p>Am Ende sollten die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler eines Oberstufenkurses die Sitzordnung im Raum so gestalten, dass sie den Ergebnissen unserer &#220;berlegungen entspricht. Reihen, Gruppentische oder gar das Sitzen in U-Form wurden <strong>nicht</strong> bevorzugt. Am Ende stand ein Viereck, an dessen vier Seiten auch Sch&#252;ler sa&#223;en und nicht an einer alleine der Lehrer und die Sch&#252;ler doch wieder in einer U-Form verteilt.</p>

<p>Das Ergebnis hat mich &#252;berrascht. Es war anders, als ich das erwartet hatte. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sind selbst auf die Idee gekommen, dass eine konsequente Aufl&#246;sung der Lehrerzentrierung im Unterricht auch damit einher gehen muss, dass es keine vom Lehrer dominierte Seite des Raums gibt.</p>

<p>Zur Verdeutlichung habe ich schnell mal ein paar Skizzen angefertigt<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/10/sitzordnung-im-unterricht-lehrer-gruppen-themenzentrierung/#footnote_0_5788" id="identifier_0_5788" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die Skizzen wurden in aller Schnelle mit Penultimate auf dem iPad angefertigt">1</a></sup>, die die unterschiedlichen Gestaltungskonzepte von Sitzordnungen im Klassenraum und die Position des Lehrenden verdeutlichen sollen. Die Skizzen k&#246;nnen durch anklicken vergr&#246;&#223;ert werden:</p>

<ul> <li>Die klassische <strong>Lehrerzentrierung</strong>, mit in Reihen gestellten Sch&#252;lertischen. Der Blick der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ist auf den Lehrer / die Lehrerin konzentiert. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler kommen in dieser Form kaum miteinander ins Gespr&#228;ch, sehen einander h&#246;chstens jeweils von hinten.</li> </ul>

<div style="text-align: center; "><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/LZent.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5795" title="LZent" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/LZent-249x300.jpg" alt="" width="249" height="300" /></a></div>

<p> </p>

<ul> <li>Die <strong>U-Form und das „Notfall“-U</strong>: In dieser Sitzform sehen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler einander besser (U-Form), auch wenn sehr oft, meist mangels Platz, das „Notfall“-U gebildet wird, in dem innerhalb des U noch Sitzpl&#228;tze genutzt werden, sodass hier der bessere Sichtkontakt der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler wieder „gest&#246;rt“ wird. Dass das „Notfall“-U in vielen F&#228;llen als Option gesehen wird, liegt daran, dass auch diese Sitzordnung in Wirklichkeit <strong>auf den Lehrer hin orientiert</strong>, wenn vielleicht auch nicht so stark zentriert ist.</li> </ul>

<div style="text-align: center;"><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/U.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5796" title="U" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/U-249x300.jpg" alt="" width="249" height="300" /></a></div>

<div style="text-align: left;"><ul> <li>In vielen Klassenr&#228;umen gibt es <strong>Gruppentische</strong>. Bei dieser Sitzordnung passiert oft folgendes: Die Lehrerzentrierung wird aufgehoben, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sitzen in Gruppen zusammen, wenden vielen anderen Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen den R&#252;cken zu, in Plenumsphasen m&#252;ssen sich viele umdrehen, um Mitsch&#252;ler und Mitsch&#252;lerinnen wahrnehmen zu k&#246;nnen – gleiches gilt, wenn die Tafel, Projektoren etc. genutzt werden. Die Sitzordnung ist auf Kleingruppenarbeit hin ausgerichtet. Der Lehrer / die Lehrerin ist phasenweise bei den Sitzgruppen pr&#228;sent oder leitet Plenumsphasen. Vielleicht die radikalste Form des Sitzens im Sinne einer Sch&#252;lerzentrierung des Unterrichts, zu der sich der von mir geleitete Oberstufenkurs jedoch nicht entschloss… (Die Gr&#252;nde f&#252;r die Entscheidund des Kurses kommen gleich!)</li> </ul> <div style="text-align: center;"><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/Gruppen2.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5792" title="Gruppen" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/Gruppen2-249x300.jpg" alt="" width="249" height="300" /></a></div> <div style="text-align: left;"><ul> <li>Meine Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben sich f&#252;r <strong>ein Viereck als Sitzordnung</strong> entschieden. Das bedeutet zwar auch, dass bei der Arbeit mit der Tafel ein paar Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit dem R&#252;cken zur Tafel sitzen (sich also gegebenenfalls auf die andere Seite des Tisches setzen m&#252;ssen, um sich nicht zu sehr verrenken zu m&#252;ssen), aber die Lerngruppe bildet so eine Gruppe um eine „Mitte“, in der der Prozess des Denkens und Lernens, in der das <a href="http://herrlarbig.de/2009/02/03/ldl-und-tzi/" target="_blank">Thema</a> steht. Der Lehrer / die Lehrerin bleibt Lehrer / Lehrerin (deshalb weiter in Rot dargstellt), ist aber Teil dieser Lerngruppe, wenn auch in anleitender, besonders verantwortlicher Stellung f&#252;r den Lernprozess. – Hier die Skizze und dann erz&#228;hle ich etwas von dem Prozess in der Lerngruppe, der zu dieser Sitzordnung f&#252;hrte:</li> </ul> <div style="text-align: center;"><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/Konf.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-5790" title="Konf" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/03/Konf-249x300.jpg" alt="" width="249" height="300" /></a></div> <div style="text-align: left;">Diese in der letzten Skizze dargestellte Sitzordnung w&#228;hlten die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler eines von mir geleiteten Oberstufenkurses, ohne dass ich interventiert h&#228;tte. Der Auftrag lautete: „Gestalten Sie die Sitzordnung so, wie Sie meinen, dass sie am ehesten den Ergebnissen unseres Nachdenkens &#252;ber das Lernen im Unterricht entspricht.“ Es dauerte ca. drei Minuten, bis diese Sitzordnung stand. – Welche Diskussion aber hat zu dieser Entscheidung gef&#252;hrt?</div></div></div>

<p>Der Impuls zum Nachdenken &#252;ber Unterricht wurde mittels Metaphern gesetzt. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sollten &#252;ber folgende S&#228;tze nachdenken:</p>

<p>„Die Synapsen klackern.“</p>

<p>„Die Neuronen feuern.“</p>

<p>Sehr schnell erkannten die Jugendlichen, dass die metaphorisch f&#252;r den Lernprozess stehenden Synapsen und Neuronen anders funktionieren, als sie Unterricht bislang einsch&#228;tzten. Es wurde sogar an einer Stelle gesagt: „Neuronen <em>antworten</em> auf die Fragen, die der Lehrer stellt.“ Es dauerte nicht lange, bis deutlich wurde, dass dieses Schema, das letztlich lehrerzentriert ist, f&#252;r den Lernprozess nicht sonderlich hilfreich ist und dass Neuronen ganz anders funktionieren: Kommt ein Reiz, so reagieren sie – und sollte da mal ein Impuls auf eine falsche Bahn geraten, gelingt es einem Netzwerk aus Neuronen in den meisten F&#228;llen, diesen „falschen“ Impuls aufzudecken und zu korrigieren.</p>

<p>Bei den Impulss&#228;tzen orientierte ich mich (nat&#252;rlich <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ) an <a href="http://www.adz-netzwerk.de/wiki/index.php?title=Benutzer:Jeanpol/Folie_3" target="_blank">Jean-Pol Martins Neuronenmetapher</a>, die ich auf den konkreten Unterricht vor Ort umm&#252;nzte.</p>

<p>Nachdem das Gespr&#228;ch die Struktur der Neuronen (in metaphorischem Sinn!) verdeutlichen konnte, speiste ich zwei weitere Metapher in die Diskussion ein:</p>

<p>„<a href="http://herrlarbig.de/2010/11/08/schueleraktivitaet-im-unterricht-die-affenmetapher/" target="_blank">Wer hat den Affen auf der Schulter?</a>“</p>

<p>„<a href="http://herrlarbig.de/2010/11/07/aktivitaetsverteilung-im-unterricht-die-infrarotkamera-metapher/" target="_blank">Wie wird die</a><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/07/aktivitaetsverteilung-im-unterricht-die-infrarotkamera-metapher/" target="_blank"> ‚W&#228;rmeverteilung‘ (das Engagement // die Sch&#252;leraktivit&#228;t) im Unterricht von einer Infrarotkamera wahrgenommen.</a>“</p>

<p>Ich griff auf die <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/08/schueleraktivitaet-im-unterricht-die-affenmetapher/" target="_blank">Affen</a>- und <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/07/aktivitaetsverteilung-im-unterricht-die-infrarotkamera-metapher/" target="_blank">Infrarotkamerametapher</a> zur&#252;ck, die ich hier im Blog bereits erl&#228;utert habe, zwei Metaphern, die von den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern schnell produktiv aufgegriffen wurden. Dabei fiel mir (wieder einmal) auf, dass viele im Kurs sehr positiv auf den Hinweis reagierten, dass Unterricht in meinen Augen aus zwei Prozessen bestehe: Zun&#228;chst steht der Lernprozess im Mittelpunkt, ein Prozess, in dem gemeinsam daran gearbeitet wird, Wissen und Denkstrukturen, Kompetenzen etc. aufzubauen, wobei eben nicht davon ausgegangen wird, dass es nur richtige Antworten (sic!) gibt, sondern vielmehr auch der Irrtum, der Umweg f&#252;r das Lernen produktiv sein kann bzw. ist. An zweiter Stelle steht der Prozess der &#220;berpr&#252;fung von Wissen, der F&#228;higkeit zur praktischen Anwendung von Denkstrukturen, von Kompetenzen etc.</p>

<p>In diesem Denkprozess ging es auch um die Rolle des Lehrers, die von keinem in Frage gestellt, aber durchaus befragt wurde. Dabei kam die Gruppe zu dem Schluss, dass ein gemeinsamer Lernprozess die Rolle des Lehrers ver&#228;ndert. Das wurde sehr deutlich, nachdem sich die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ihre Sitzordnung gesucht hatten.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/10/sitzordnung-im-unterricht-lehrer-gruppen-themenzentrierung/#footnote_1_5788" id="identifier_1_5788" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die an einen Konferenzraum erinnernde Sitzordnung ist nur m&amp;#246;glich, wenn die Lerngruppe und die&nbsp;Unterrichtsr&amp;#228;ume dies von ihrer Gr&amp;#246;&amp;#223;e her zulassen. Wenn dies nicht der Fall ist, dann ist es aber durchaus Teil der Herausforderung f&amp;#252;r die Sch&amp;#252;lerinnen und Sch&amp;#252;ler, eine den Gegebenheiten angemessene, pragmatische L&amp;#246;sung zu entwickeln.">2</a></sup> W&#228;hrend dieses Prozesses hielt ich mich v&#246;llig zur&#252;ck, beobachtete, was passieren w&#252;rde, hatte ich doch wirklich kein Ahnung, welche Konsequenzen die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen aus unseren &#220;berlegungen ziehen w&#252;rden. Als wir eine Weile so sa&#223;en, meldete sich ein Mitglied der Lerngruppe und meinte sinngem&#228;&#223;: „Eigentlich sind Sie noch immer viel zu pr&#228;sent. Immer wenn ich etwas sagen m&#246;chte, sehe ich Sie, spreche ich doch wieder Sie an, aber wir hatten doch dar&#252;ber gesprochen, dass der Denkprozess von uns Sch&#252;lern f&#252;r unser Lernen wichtig ist.“ – Der Widerspruch kam sofort: „Es ist wohl eher eine Sache der Gewohnheit und wenn wir uns an die neue Sitzordnung erst einmal gew&#246;hnt haben, werden wir schon wirklich miteinander nachdenken, ohne st&#228;ndig den Lehrer im Blick zu haben.“</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus fiel den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler auf, was f&#252;r ein gro&#223;er, leerer Raum im Zentrum des Vierecks entstanden war, ein Leerraum (Freiraum!), um den wir herum sitzen, der einerseits daf&#252;r stehe, dass wir ihn zu f&#252;llen haben, der aber auch ein Freiraum sei, um z. B. auch einmal Arbeitsergebnisse zu pr&#228;sentieren.</p>

<p>Zwischendurch wurde dar&#252;ber nachgedacht, ob dieser Leerraum nicht eigentlich der Ort sei, an dem der Lehrer seinen Platz im Kurs habe, aber dieser Gedanke wurde im Gespr&#228;ch schnell verworfen, weil es ja gerade darum gehe, nicht den Lehrer, sondern die Themen des Unterrichts in die Mitte zu stellen.</p>

<p>In einer Blitzlichtrunde fassten die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zusammen, was sie aus dieser Stunde mitnehmen (Die dort gemachten Aussagen sind bereits in diesen Beitrag eingeflossen, ohne explizit als solche kenntlich gemacht worden zu sein, sodass ich hier auf eine detaillierte Wiedergabe verzichte.)</p>

<p>Bleibt die Frage, was diese Unterrichtstunde mit den Inhalten des Unterrichts zu tun hat. Obwohl ich der &#220;berzeugung bin, dass die Reflexion &#252;ber Unterricht – auch mit den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern – hin und wieder Teil des Unterrichts sein sollte, so war diese Unterrichtsstunde als Einleitung in ein neues Thema gedacht, das den Deutschunterricht nun pr&#228;gen wird. Die Stunde war als Einleitung in das nun anstehende Nachdenken &#252;ber die Epoche der Aufkl&#228;rung und der mit ihr verbundenen Literatur angelegt, wobei die Frage nach M&#246;glichkeiten der Widerspiegelung des Prozesses der Aufkl&#228;rung im Unterricht selbst leitend war. Hinzu kam, dass ich gerade in diesen Tagen mit einer Kollegin &#252;ber die Metaphern gesprochen hatte und so wieder einmal angeregt wurde, die Sprache der Metaphern im Unterricht selbst als Instrument des Nachdenkens &#252;ber Unterricht zu nutzen.</p>

<p>Was die Impulse, das gemeinsam Nachdenken in dieser Stunde und die Ver&#228;nderung der Sitzordnung mit Aufkl&#228;rung zu tun haben, gilt es es nun im weiteren Prozess des Nachdenkens zu kl&#228;ren, um auf diesem Wege, so zumindest meine Vorstellung, einen praktisch untermauerten Zugang zu dieser Epoche zu bekomme. Als Impuls f&#252;r diesen Prozess des Nachdenkens bekamen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler folgenden Arbeitsauftrag:</p>

<p><span style="white-space: pre;"> </span>„Er&#246;rtern Sie ob es – und wenn ja welche – Verbindungen zwischen unserem heutigen <span style="white-space: pre;"> </span>Nachdenken &#252;ber das Lernen und Immanuel Kants „<a href="http://de.wikisource.org/wiki/Beantwortung_der_Frage:_Was_ist_Aufkl&#228;rung" target="_blank">Beantwortung der Frage: Was ist Aufkl&#228;rung</a>“ <span style="white-space: pre;"> </span>gibt.“</p>

<p>Ich bin davon &#252;berzeugt, dass es diese Verbindungen gibt, werde diese hier aber nicht darstellen, sondern lade vielmehr dazu ein, eigene Gedanken zu dieser Fragestellung oder auch andere Kommentare zu diesem Beitrag zu formulieren und zu hinterlassen, sodass wir auch hier (noch) st&#228;rker in den Prozess des Lernens durch gemeinsames Nachdenken hinein geraten.</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Strukturen allgemeiner Bildung und das Auswendiglernen von Gedichten</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jan 2011 22:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Deutschen gibt es so sch&#246;ne zusammengesetzte Worte. »Allgemeinbildung« ist ein solches Wort. Mit dem Anspruch, dieses Wort einmal praktisch zu f&#252;llen, twitterte ich vor einigen Tagen: »Welche #Gedichte sollte jeder (also auch Sch&#252;ler) auswendig k&#246;nnen? – Zauberlehrling, Erlk&#246;nig, Lied &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/01/06/strukturen-allgemeiner-bildung-und-das-auswendiglernen-von-gedichten-5/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Deutschen gibt es so sch&#246;ne zusammengesetzte Worte. »Allgemeinbildung« ist ein solches Wort. Mit dem Anspruch, dieses Wort einmal praktisch zu f&#252;llen, twitterte ich vor einigen Tagen: »<a target="_blank" href="http://twitter.com/#!/herrlarbig/statuses/16841531579179008">Welche #Gedichte sollte jeder (also auch Sch&#252;ler) auswendig k&#246;nnen? – Zauberlehrling, Erlk&#246;nig, Lied von der Glocke, An die Nachgeborenen? …</a>«</p>

<p>Wie erwartet, lie&#223; der Protest nicht lange auf sich warten.</p>

<p>Man k&#246;nne auch ohne Gedichte vortragen zu k&#246;nnen ganz gut leben, wurde da gesagt. Das habe keinen lebenspraktischen Nutzen, wurde mir entgegen gehalten. Am heftigsten intervenierte Kollege Drossmann, der dann vorschlug, wir k&#246;nnten zu dem Thema ja mal in Blogeintr&#228;gen unsere Positionen zu dem Thema abstecken. <a target="_blank" href="http://www.drossmann.de/wordpress/2010/12/21/qualitaetscontent-kritik-der-allgemeinbildung-teil-1/">Christian Drossman hat damit schon begonnen</a>; Zeit, meinen Teil zu dieser Absprache beizutragen.<span id="more-5470"></span></p>

<p>Um es gleich zu sagen: das hier ist keine Antwort auf Drossmanns &#220;berlegungen, sondern eine Darstellung der Hintergr&#252;nde, die Allgemeinbildung – f&#252;r mich geh&#246;rt dazu auch Wissen – in meinen Augen zu einer nach wie vor wichtigen Sache machen.</p>

<p>Da allerdings mit »Allgemeinbildung« heute oft lexikalisches Wissen verbunden wird, erlaube ich mir, mich hier einmal selbst zu zitieren. in einer Replik zu Schirrmachers »Payback« <a target="_blank" href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/">schrieb ich</a>:</p>

<blockquote>Das Problem ist ein „Wer-wird-Million&#228;r-”, ein „Trivial Pursuit-“, ein „Enzyklop&#228;die-Problem“. Das „Bescheid-Wissen“ wird an die Stelle des aktiven Suchens und Zweifeln gesetzt.</blockquote>

<p>Gehe ich mir selbst in die Falle, wenn ich vor diesem Hintergrund behaupte, dass das Erlernen von Gedichten eine Bildungsfunktion habe? Ist das nicht eine Form des »Bescheid-Wissens«, das ich vor nicht allzu langer Zeit kritisiert habe?</p>

<p>Ich halte mich f&#252;r lernf&#228;hig, beobachte immer wieder, wie sich mein Denken und die daraus folgende Praxis ver&#228;ndern. Ich weigere mich, mich auf Positionen festlegen zu lassen, die immer nur eine Station in dem f&#252;r mich hoffentlich nie abgeschlossenem Prozess der Praxisreflexion widerspiegeln, sehe ich mich doch als reflektierenden Praktiker. Die Fragen in der Praxis ver&#228;ndern sich, kehren in unterschiedlicher Gestalt wieder etc.</p>

<p>Das gilt auch f&#252;r die Frage, wie Bildungsprozesse aussehen k&#246;nnen, damit sie gelingen. Damit eng verbunden ist f&#252;r mich die Frage, was unter Bildung und damit unter Allgemeinbildung verstanden werden kann. Diese Frage h&#228;ngt stark mit dem jeweils vertretenen Menschenbild zusammen. Ein solches Bild vom Menschen ist, grob gesprochen, in der Diskussion der vergangenen mindestens zweihundert Jahre in zwei Formen, mit sehr vielen Zwischenformen, aufgetreten.</p>

<p>Auf der einen Seite steht das materialistisch-mechanistische Menschenbild, das vor allem nach der Funktion fragt, die ein Mensch in der Praxis einer Gesellschaft haben soll.</p>

<p>Auf der anderen Seite steht das idealistisch-humanistische Menschenbild, das die Frage nicht aufgeben mag, was es mit dem »Wesen des Menschen«, der »Humanitas« auf sich hat.</p>

<p>In heutigen Bgeriffen zusammengefasst: Es geht um die Frage des Verh&#228;ltnisses von &#246;konomischer Verwertbarkeit und des Eigenwerts des Menschen. Anders ausgedr&#252;ckt: Inwiefern ist der Mensch Tier in einem von animalischen Instinkten getriebenen Rudel und inwiefern ist der Mensch Individuum mit einem eigenen, von keinen »lebenspraktischen« Zwecken &#252;berbaubarem Zweck.</p>

<p>In der Bildungsdiskussion spiegelt sich dieser Unterschied der Menschenbilder in der Frage wider, welchen Anteil &#246;konomisch verwertbare, praktische F&#228;higkeiten in schulischen Abschlussprofilen gegen&#252;ber eher reflexiv theoretischen Anteilen haben sollen. Ist es wichtiger, dass ein Mensch mit Textverarbeitungsprogrammen, Tabellenkalkulationen etc. umgehen kann, wenn er die Schule verl&#228;sst oder ist es wichtiger, dass ein Mensch wissensbasierte Reflexionsf&#228;higkeit erworben hat?</p>

<p>Ohne Wissen geht es in beiden F&#228;llen nicht. Die Frage geht in die Richtung, ob es wichtiger ist, praktisch direkt verwertbares Wissen oder reflexive Prozesse erm&#246;glichendes Wissen in den Vordergrund zu stellen.</p>

<p>Wenn ich es richtig sehe, versucht die gegenw&#228;rtige schulische Wirklichkeit einen Ausgleich zwischen beiden Seiten der Diskussion zu verwirklichen, die diese beiden Seiten manchmal als sich nahezu ausschlie&#223;ende Gegens&#228;tze darzustellen scheint, obwohl sie zusammen geh&#246;ren und entsprechend zu denken und praktisch umzusetzen sind.</p>

<p>Und damit bin ich bei dem am Anfang dieses Beitrages bereits genannten Begriff der »Allgemeinbildung«, die ich 1. nicht als eine Form des »Bescheid-Wissens« sehe und 2. nicht f&#252;r ein Instrument zur Aufrechterhaltung sozialer Unterschiede oder gar elit&#228;rer Inselbildungen halte. Kurz: Allgemeinbildung ist in meiner Perspektive keine Form des »Herrschaftswissens«, mit dem in »elit&#228;ren« Zirkeln geprahlt werden kann oder mit dem man – mit etwas Gl&#252;ck und guten Nerven – in einer Sendung wie »Wer wird Million&#228;r« viel Geld gewinnen kann.</p>

<p>Wie so oft: Es geht um die Frage, welche Bedeutung man den Begriffen zuordnet, die in einer Diskussion verwendet werden. Deshalb hier ein paar Definitionsversuche:</p>

<blockquote>»Bildung
Der Weg oder auch Prozess, in dem der Mensch seine geistig-seelische Gestalt gewinnt. Heute versteht man unter Bildung vor allem auch das Allgemeinwissen, &#252;ber das ein Mensch verf&#252;gt« (<a target="_blank" href="http://www.fluter.de/look/issues/issue13/bildung.htm">Quelle: Fluter</a>)</blockquote>

<blockquote>»Bildung (von ahd. bildunga: Sch&#246;pfung; Bildnis, Gestalt) bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“, seine geistigen F&#228;higkeiten.« (Quelle: (<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung">Wikipedia</a></blockquote>

<p>Diese Definitionen gehen weit &#252;ber die Frage nach der »lebenspraktischen Verwertbarkeit« hinaus, wie sie Christian Drossmann in die Diskussion eingeworfen hat.</p>

<p>Mechanistisch gesprochen geht es darum, m&#246;glichst viele Synapsenverbindungen zu entwickeln, die es dem Individuum erm&#246;glichen, seine M&#246;glichkeiten des Denkens in unterschiedlichen Zusammenh&#228;ngen so weit zu nutzen, wie es im Idealfall m&#246;glich ist.</p>

<p>Neben diesen strukturellen Aufgaben hat Bildung aber auch die Aufgabe, all das Wissen zu vermitteln, das es nicht notwendig macht, in jeder Generation aufs Neue das Auto zu erfinden, den elektrischen Strom nutzen zu lernen oder in sonstigen Bereichen bei Null anzufangen.</p>

<p>Faktenwissen ist in diesem Zusammenhang alles andere als sekund&#228;r.</p>

<p>Faktenwissen spielt auch bei rein lebenspraktisch orientierten Lehrenden eine wichtige Rolle, vielleicht sogar eine noch gr&#246;&#223;ere Rolle als bei Lehrenden, die Wert auf Metaf&#228;higkeiten legen, auf F&#228;higkeiten, die nicht nur praktische Handlungsoptionen schaffen, sonder gleichzeitig auch die F&#228;higkeiten zur Reflexion des (eigenen / gesellschaftlichen) Handelns.</p>

<p>Bildung ist der Weg, auf dem das Individuum seine Gestalt gewinnt. Bildung ist der Prozess der Entwicklung der eigenen Pers&#246;nlichkeit, der Person. – Es geht um die Frage, was durch einen Menschen hindurch klingt (per sonare). Die unterschiedlichen Positionen gegen&#252;ber den Wegen und Zielen von Bildung sind letztlich unterschiedliche Positionen in Sachen Menschenbild.</p>

<p>Nat&#252;rlich, das stelle ich gar nicht in Frage: Schulische Bildung hat (auch) das Ziel, junge Menschen in die Lage zu versetzen, einen Ausbildungsberuf oder ein zum Beruf f&#252;hrendes Studium ausf&#252;llen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus aber geht es Bildung, so wie ich sie verstehe, auch darum, jungen Menschen mit reflexiven Strukturen vertraut zu machen, die sie in die Lage versetzen, reflexiv mit sich selbst und der (beruflichen) Wirklichkeit umzugehen, was einen enormen Praxisnutzen hat.</p>

<p>Wir bereiten heute in Schulen und Hochschulen Menschen auf eine Gesellschaft und auf Herausforderungen vor, von denen wir nicht einmal wissen, dass sie auf zu kommen werden.</p>

<p>Bildung muss in die Lage versetzen, auf Fragen Antworten zu finden, von denen wir heute noch gar nicht wissen, dass sie als Fragen auftauchen werden. Das bedeutet, dass die Entwicklung der F&#228;higkeit zur (auf Wissen aufbauenden) Reflexion zu den Kernbestandteilen von Schule, Ausbildung und Studium geh&#246;ren muss.</p>

<p>Neben der Erm&#246;glichung, dass sich in Bildungsprozessen Individuen entwickeln k&#246;nnen, steht nach wie vor die Frage nach der »Allgemeinbildung« im Raum. Au&#223;erdem habe ich die Frage noch nicht beantwortet, welche Rolle das Erlernen von Gedichten f&#252;r den Vortrag ohne Blick auf die geschriebene Vorlage f&#252;r einen solchen Bildungsprozess spielen kann.</p>

<p>Prim&#228;res Ziel beim (Auswendig)Lernen mag die Aneignung von Fakten sein, zu denen nicht nur geschichtliche Daten (Daten=Gegebenheiten), Formeln (die man freilich auch in Formelsammlungen nachschlagen kann), Vokabeln und Grammatikkenntnisse im Bereich der Mutter- und Fremdsprachen, Kenntnisse biologischer, chemischer, physikalischer Fakten und Modelle geh&#246;ren, sondern auch Kenntnisse der geistesgeschichtlichen Entwicklungen, wie sie sich beispielsweise in der Literatur und damit auch in Gedichten widerspiegeln.</p>

<p>All dieses Wissen kann man nachschlagen. Das mag dann l&#228;nger dauern, aber mit der Zeit muss man das Wissen, das man lebenspraktisch regelm&#228;&#223;ig ben&#246;tigt, nicht mehr nachschlagen, da es in den Strukturen des Ged&#228;chtnisses verankert ist; die Synapsenverbindungen sind stark genug, um das Wissen ohne Nachschlagen abrufen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Um diese Art des »Bescheid-Wissens« geht es mir, bei allem Beharren darauf, das Faktenwissen zumindest nicht unwichtig ist, aber nicht, wenn ich dar&#252;ber nachdenke, inwiefern Allgemeinbildung auch &#252;ber das Erlernen von Gedichten (und anderer Texte) erworben werden kann. Es geht weniger um das Heranf&#252;hren junger Menschen an pseudointellektuelle Abendgesellschaften, in denen man mit kulturellen F&#228;higkeiten prahlt, indem man Klavier spielt, Gedichte vortr&#228;gt, Name-Dropping betreibt, als vielmehr um die Frage, wie Pers&#246;nlichkeitsbildungprozesse gestaltet werden k&#246;nnen. Mechanistisch gesprochen verankern sich Pers&#246;nlichkeitsmerkmale in der Struktur von Synapsen und deren Verbindungen miteinander.</p>

<p>Diese Synapsenverbindungen m&#252;ssen trainiert werden, es m&#252;ssen (von konstruktivistischer P&#228;dagogik her betrachtet) Anschlussm&#246;glichkeiten an vorhandene Strukturen m&#246;gliche werden, es muss auf eine m&#246;glichst gro&#223;e Eigent&#228;tigkeit der Lernenden geachtet werden.</p>

<p>So, wie Sportler Bewegungsabl&#228;ufe im Training erlernen (quasi in der praktischen Anwendung auswendig lernen), so wie Musiker in Et&#252;den und Tonleiter&#252;bungen Ihre F&#228;higkeiten trainieren und erweitern, so gilt es auch, sprachliche F&#228;higkeiten zu erlernen, zu trainieren und flexibel in sprachlichen Kontexten anwenden zu k&#246;nnen: Texte m&#252;ssen sinnerfassend gelesen werden, Texte m&#252;ssen im Alltag, in der Ausbildung und im Studium erstellt werden – und zu allem &#220;berfluss findet ein gro&#223;er Teil der Wirklchkeitswahrnehmung und -reflexion in sprachlichen Mustern statt.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird nicht erwartet, dass im Alltag literarisch geschrieben wird und auch Gedichte spielen im Alltag oft nur noch eine Rolle, wenn f&#252;r Jubil&#228;en, runde Geburtstage etc. »gereimte« Texte oder Umdichtungen bekannter Lieder vorgenommen werden. Aber die sprachlichen Muster, die in Gedichten (und anderen [literarischen] Texten) entdeckt werden k&#246;nnen, der Wortschatz, der mit ihrer Hilfe erworben werde kann, geh&#246;ren in meinen Augen zu allgemein anzustrebenden F&#228;higkeiten und somit zur Allgemeinbildung, wie sie hier verstanden wird.</p>

<p>Ja. es ist richtig: Sprachliche F&#228;higkeiten sind oft Teil dessen, was zum »Herrschaftswissen« geh&#246;rt. H&#228;ufig werden Kenntnisse, wie sie hier reflektiert werden, mit Elitbegriffen verbunden. Wenn ich sie dennoch der Allgemeinbildung zuordne, dann deshalb, weil eine freiheitliche Demokratie auch davon lebt, dass Strukturen, die Teil des »Herrschaftswissens« sind, einem m&#246;glichst gro&#223;en Teil des Souver&#228;ns verf&#252;gbar sind.</p>

<p>Sp&#228;testens an dieser Stelle mag man mich einen unverbesserlichen Bildungsidealisten nennen. Man mag mir vorwerfen, ein praktisch nicht umsetzbares Bildungsideal zu verfolgen. Man mag sogar anmerken, dass hier ein rein bildungsb&#252;rgerliches, elit&#228;r ausgerichtetes Bild entworfen wird, v&#246;llig unabh&#228;ngig davon, dass ich noch so oft betonen kann, wie ich will, dass genau dies nicht das Ziel ist.</p>

<p>Was man aber nicht bestreiten kann ist, dass viele Probleme, die in den vergangenen Jahren im Bildungssystem diagnostiziert wurden, Probleme sind, die auch und vielleicht sogar zentral mit sprachlichen Problemen (Lesef&#228;higkeit, F&#228;higkeit zum den Sinn erfassendem Lesen, Probleme beim regelgerechten Schreiben etc.) verbunden sind.</p>

<p>Und entsprechend geht es bei der von mir auf Twitter kurz und undifferenziert angerissenen Frage nach den Erlernen von (bestimmten) Gedichten nicht um das stupide Auswendiglernen, von denen heutige Gro&#223;elterngenerationen berichten k&#246;nnen, sondern idealerweise um ein Lernen von Gedichten im Prozess des Nachvollziehens und Verstehens dieser Gedichte.</p>

<p>In diesem Rahmen kann dann die Frage gestellt werden, ob es bestimmte Gedichte gibt, an denen sprachliche, geistesgeschichtliche, formale (sprachstrukturelle, rhetorische Srukturen der Nutzung von Sprache) und auch k&#252;nstlerische (&#228;sthetische) F&#228;higkeiten erworben werden k&#246;nnen, die durchaus handlungsrelevant sind, selbst wenn man kein Dichter wird.</p>

<p>Gedichte zu lernen, ich kann mir &#252;brigens auch vorstellen, dass ebenso andere Texte bzw. Textausschnitte im Prozess des Nachvollziehens und Verstehens gelernt werden k&#246;nnen, hat dann nicht das Ziel, dass bestimmte Gedichte bescheidwissend erlernt werden, sondern das Ziel, dass die Kenntnis der Texte, das »Auswendiglernen«, ein Nebeneffekt der Ausbildung solcher Verstehensstrukturen und -f&#228;higkeiten ist, die es dann erm&#246;glichen, mit Texten ganz anderer Art verstehend umzugehen, wie sie im Alltag fast jeder Ausbildung und jeden Berufes begegnen.</p>

<p>Die Bedeutung solcher Sprachf&#228;higkeiten in Form ausgebildeter Synapsenstrkturen in Gehirnen f&#252;r Prozesse politischer Teilhabe habe ich schon erw&#228;hnt. Bleibt zum Schluss noch die Bemerkung, dass ein solches Lernen auch die F&#228;higkeiten des Ged&#228;chtnisses trainiert. Und trotz all der verf&#252;gbaren Wissensbest&#228;nde im Internet ist eine gute Ged&#228;chtnisleistung auch heute noch unmittelbar lebenspraktisch relevant. Das aber nur am Rande…</p>

<p><br /><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>&#220;ber das (schulische) Interpretieren von Gedichten</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2010/12/06/ueber-das-schulische-interpretieren-von-gedichten/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 06 Dec 2010 20:48:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Schule werden Gedichte gelesen. In der Schule werden Gedichte interpretiert. In der Schule wird zu selten ein Gef&#252;hl f&#252;r die Sch&#246;nheit der Sprache und der Bedeutung, wie sie in Gedichten anzutreffen ist, nachhaltig entwickelt. Ich zumindest kenne keinen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/06/ueber-das-schulische-interpretieren-von-gedichten/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Schule werden Gedichte gelesen. In der Schule werden Gedichte interpretiert. In der Schule wird zu selten ein Gef&#252;hl f&#252;r die Sch&#246;nheit der Sprache und der Bedeutung, wie sie in Gedichten anzutreffen ist, nachhaltig entwickelt. Ich zumindest kenne keinen Sch&#252;ler und keine Sch&#252;lerin, der oder die in der Schule erlernte Analysef&#228;higkeiten gegen&#252;ber Gedichten anwenden w&#252;rde, die ihm oder ihr im Alltag begegnen. Ja, im Alltag sind wir von Gedichten (unterschiedlicher Qualit&#228;t freilich) umgeben, werden wir mit Gedichten &#252;bersch&#252;ttet – wenn wir Musik h&#246;ren. Oh ja: Die meisten Songtexte sind Gedichte.</p>

<p>Nach der Schule<span id="more-5401"></span> beschr&#228;nkt sich die intensive Besch&#228;ftigung mit der Kunst des Gedichts auf ein paar leidenschaftliche Lyrik-Geeks, GermanistikstudentInnen, GermanistikprofessorInnen und DeutschlehrerInnen bzw. Lehrende von Fremdsprachen. In der Breite werden Romane gelesen. Dramatische Werke hingegen teilen das bittere Schicksal der Lyrik, so es um die Lekt&#252;re solcher Werke geht.</p>

<p>Im Literaturstudium werden Gedichte gelesen. Im Literaturstudium werden Gedichtanalysen und -interpretationen gelesen, es werden eigene Analysen erstellt, die sich in der Regel auf das gedankliche Zusammenf&#252;hren der Forschungsergebnisse Dritter beschr&#228;nken. Ich erinnere mich nur an einen Literarturprofessor, der mich als Studenten mit der Herausforderung konfrontierte, &#252;ber Gedichte so, wie sie sind, nachzudenken, mir also substantielle eigene Gedanken zu meinem Verst&#228;ndnis eines Gedichtes zu machen und diese Gedanken dann auch noch so zu formulieren, dass Dritte diese nachvollziehen k&#246;nnen. – Aber auch hier wurde die Frage nach dem Gedicht als Kunstwerk (sic!) meist gar nicht gestellt. Die Frage, was literarische Kunst ist, steht in einem Studium nicht im Vordergrund, in dem es nicht um die Sprachkunst als solche geht.</p>

<p>Zugegeben: Die Frage nach dem Gedicht als Kunstwerk begann auch f&#252;r mich erst relevant zu werden, nachdem ich einer Kunstgeschichts- und Philosphiedozentin begegnete, die das Kunstwerk ins Zentrum stellte und nicht die Sekund&#228;rliteratur.</p>

<p>Eigentlich ist es verr&#252;ckt: Im Studium wird mehr mit Sekund&#228;rliteratur gearbeitet als mit den Prim&#228;rtexten. Das l&#228;sst sich kaum vemeiden, denn es ist toll, dass so viele Gedanken und Forschungen Dritter den Zugang zu den Gedichten erleichtern wollen.</p>

<p>In der Schule sieht das alles ein wenig anders aus. Deutschunterricht ist kein Germanistikstudium, vielmehr werden in ihm Grundlagen des Zugangs zur Sprache und zur Literatur gelegt, die, zumindest im Idealfall, dazu bef&#228;higen sollen, ein Studium, gegebenenfalls auch ein literaturwissenschaftliches Studium aufzunehmen.</p>

<p>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden meist an die Grundlagen der Gedichtanalyse herangef&#252;hrt, es werden die wichtigsten biographischen und zeitgeschichtlichen Hintergr&#252;nde eingef&#252;hrt, Gedichte werden in den Epochen verortet, Basistexte der Lyriktheorie – meist Opitz und vielleicht noch ein wenig Aristoteles, Schiller und Brecht – werden den Sch&#252;lern vorgelegt. Stilfiguren werden gelehrt und sollen gelernt werden. Etc.</p>

<p>Das ist gut so. Kunstverst&#228;ndnis, die Entwicklung eines &#228;sthetischen Gesp&#252;rs, hat immer auch mit Wissen zu tun. Man sieht nun einmal in der Regel vor allem das, was man wei&#223;. Das gilt auch f&#252;r Gedichte.</p>

<p>Diese Heranf&#252;hrung an Gedichte f&#252;hrt dann aber oft zu dem Ph&#228;nomen, dass mehr &#252;ber als mit den Gedichten ein Gespr&#228;ch gesucht wird, in dem auch und vor allem die pers&#246;nlichen, individuellen, biographisch und zeithistorisch gepr&#228;gten Zugangsweisen ernst genommen werden und sich einen Weg suchen k&#246;nnen, zur Sprache zu kommen – zur eigenen Sprache in der Besch&#228;ftigung mit Kunst.</p>

<p>Kunst, also auch Gedichte, entsteht nicht, damit anschlie&#223;end Schule und Wissenschaft an ihnen analytisches und interpretatorisches Handwerk lehren, sondern 1. als Dialog des K&#252;nstlers mit der (subjektiven) Wahrnehmung der Wirklichkeit und 2. als Einladung an Lesende und Betrachter bildlicher Werke, sich selbst in den Dialog mit der eigenen (subjektiven) Wahrnehmung der Wirklichkeit zu begeben – und diesen Dialog gegebenenfalls so formulieren zu k&#246;nnen, dass er f&#252;r Dritte zumindest nachvollziehbar wird.</p>

<p>Um diesen subjektiven Zugang zu Gedichten zu vertiefen ist Sekund&#228;rliteratur oft hilfreich. Wenn aber der Umgang mit Gedichten alleine das Ziel der (schulisch) angemessenen Interpretation hat, dann wundert es mich nicht, dass au&#223;erschulisch Gedichte in der Wahrnehmung der Mehrheit der Erwachsenen kaum noch eine Rolle spielen. Die Schule funktionalisiert Gedichte (und andere literarische Texte) so stark, dass die Literatur als Kunst im au&#223;erschulischen Kontext ihre Funktion ( = in Klausuren erfolgreich Analysen schreiben zu k&#246;nnen) verliert. &#196;sthetische Bildung scheint sich, vor allem gegen&#252;ber sprachlichen Kunstwerken, mehr auf das Verstehen von Kunst zu beschr&#228;nken, statt auf die existentielle Bedeutsamkeit der Kunst f&#252;r die Auseinandersetzung des Individuums mit sich selbst und der Wirklichkeit, in der es lebt, hin abzuzielen.</p>

<p>Die pers&#246;nlichkeitsbildende Begegnung mit Kunst hat in Schule und Studium eher Seltenheitswert und muss von denen, die trotz allem diese Kunstwerke nicht aus ihrem Leben verbannen wollen, oft erst m&#252;hevoll (wieder)erlernt werden.</p>

<p>Der schon erw&#228;hnte Professor, der uns in seinen Seminaren die wirkliche Auseinandersetzung mit unseren individuellen Zugangsweisen zu Gedichten abverlangte, gab sich mit allzu sehr angelesenen &#196;u&#223;erungen zu Gedichten selten zufrieden. „Das haben Sie sch&#246;n referiert. Aber jetzt sagen Sie uns doch einmal, was dieses Gedichte f&#252;r SIE bedeutet!“ – An dieser Stelle verstummten wir Studenten meist ratlos. Wir brauchten lange um zu verstehen, dass wir oft viel zu schnell und viel zu intensiv alleine auf Sekund&#228;rliteratur setzten, statt uns selbst wirklich mit dem Gedicht zu besch&#228;ftigen. Wir befassten uns mehr mit den Gedanken anderer zu einem Gedicht, statt uns eigene zu erlauben. Wir „t&#246;teten“ Gedichte, statt sie f&#252;r uns zum Leben zu erwecken.</p>

<p>Eine &#228;hnliche Situation erlebte ich als Referendar, als mir eine Ausbilderin zu einem didaktisch und methodisch stark strukturiertem Unterrichtsentwurf zwei Fragen stellte – ja, es ist oft ein langer Weg, Einsichten, die man doch l&#228;ngst f&#252;r sich selbst als wichtig erachtet, angemessen in die Wirklichkeit zu &#252;bertragen –, die mich schlagartig an die Situation als Student gegen&#252;ber der Frage des Professors nach eigenen Gedanken zu Gedichten zur&#252;ckwarfen: „Wo kommt in Ihrem Entwurf der Text vor? Wo kommen die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor? Sie haben da einen methodisch und didaktisch starken Entwurf, der aber den Text mit Methoden &#252;berlagert und mit diesen die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vom Text fern h&#228;lt.“ – Mir blieben vierundzwanzig Stunden bis zu einem wichtigen Unterrichtsbesuch. In der K&#252;rze der Zeit entschied ich mich, die Methoden drastisch zu reduzieren und die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in ein literarisches Gespr&#228;ch mit dem Text zu bringen. Es war die wohl methoden&#228;rmste Stunde, die ich je im Referendariat f&#252;r einen Unterrichtsbesuch zustande brachte – und eine der ganz spannenden Stunden, weil pl&#246;tzlich der Text durch die echten Fragen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler an ihn, im echten Gespr&#228;ch der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit dem Text und miteinander zu funkeln begann wie der Sternenhimmel in einer klaren, warmen Sommernacht, weit weg vom Streulicht der Gro&#223;st&#228;dte.</p>

<p>&#220;berdidaktisierter und methodisch &#252;berladender (Deutsch-)Unterricht wirkt oft wie das Streulicht der Gro&#223;st&#228;dte: Er &#252;berstrahlt den eigentlichen Gegenstand des Unterrichts, macht ihn so unsichtbar, wie die Lichtverschmutzung den Sternenhimmel.</p>

<p>Gro&#223;artige Kunstwerke bergen dieses Sternenglanzpotential in sich. Sie sind inhaltlich so stark, dass sich die notwendigen Methoden im Umgang mit ihnen in diesem Umgang selbst entwickeln. Dann muss sich pl&#246;tzlich nicht mehr der Lehrer im Rahmen der Unterrichtsvorbereitung Gedanken &#252;ber die Methoden der Erarbeitung eines Textes machen, sondern kann, unter der Voraussetzung, dass er viele Methoden beherrscht, um diese gegebenenfalls individuell professionell begleiten zu k&#246;nnen, den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen den Freiraum er&#246;ffnen, die ihnen vom Text her angemessenen Methoden selbst zu benennen, auch wenn dieser Prozess so moderiert werden muss, dass der / die Lehrende gegebenenfalls Angebote machen kann. Auf diesem Wege bekam ich schon Goethes „Wanderers Nachtlied“ als Rap vorgef&#252;hrt, Ausschnitte aus Jurek Beckers „Bronsteins Kinder“ verfilmt, Referate zu der Frage, warum ein Gedicht auf Sch&#252;ler die Wirkung erzielen konnte, die es auf sie hatte, eine Lesung zu einem Gedicht von Nelly Sachs als „Klanginstallation“ mit Sch&#252;lern, die den Raum mit ihren Stimmen und dem Text Nelly Sachs f&#252;llten – und in diesem Rahmen m&#252;hten sich Sch&#252;ler dann pl&#246;tzlich ganz freiwillig mit der Frage ab, mit welchen Stilmitteln es einem Dichter gelingt, Lesende „gefangen zu nehmen“. Etc.</p>

<p>Gute Kunst findet im Betrachter selbst zu den Methoden, die f&#252;r ein Kunstwerk und seinen Betrachter angemessen sind. Gro&#223;e Kunst „lehrt“ den ernsthaften Betrachter selbst, wie sie zu betrachten ist, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr sperrig wirkt. Lehrende m&#252;ssen Ann&#228;herungsformen an Kunst vermitteln, die einen solchen Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachter erm&#246;glichen.</p>

<p>Das ist angesichts der Lehrplanvorgaben und den &#252;blichen Zeitvorstellungen dieser Lehrpl&#228;ne nicht einfach umzusetzen, sollte aber zumindest mit einer gewissen Regelm&#228;&#223;igkeit Raum im Unterrichtsgeschehen finden. Es muss Raum bleiben, f&#252;r die Texte und die sie Lesenden, um zu nachhaltigen Interpretationen zu gelangen, in denen dann nicht mehr nur die klassischen und berechtigten Erwartungen der Schule vorkommen, sondern die Texte als Kunstwerke ebenso wie die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die sich ihnen auszusetzen lernen.</p>

<p><br /><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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