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	<title>herrlarbig.de &#187; Allgemeinbildung</title>
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		<title>Strukturen allgemeiner Bildung und das Auswendiglernen von Gedichten</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jan 2011 22:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Deutschen gibt es so sch&#246;ne zusammengesetzte Worte. »Allgemeinbildung« ist ein solches Wort. Mit dem Anspruch, dieses Wort einmal praktisch zu f&#252;llen, twitterte ich vor einigen Tagen: »Welche #Gedichte sollte jeder (also auch Sch&#252;ler) auswendig k&#246;nnen? – Zauberlehrling, Erlk&#246;nig, Lied &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/01/06/strukturen-allgemeiner-bildung-und-das-auswendiglernen-von-gedichten-5/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Deutschen gibt es so sch&#246;ne zusammengesetzte Worte. »Allgemeinbildung« ist ein solches Wort. Mit dem Anspruch, dieses Wort einmal praktisch zu f&#252;llen, twitterte ich vor einigen Tagen: »<a target="_blank" href="http://twitter.com/#!/herrlarbig/statuses/16841531579179008">Welche #Gedichte sollte jeder (also auch Sch&#252;ler) auswendig k&#246;nnen? – Zauberlehrling, Erlk&#246;nig, Lied von der Glocke, An die Nachgeborenen? …</a>«</p>

<p>Wie erwartet, lie&#223; der Protest nicht lange auf sich warten.</p>

<p>Man k&#246;nne auch ohne Gedichte vortragen zu k&#246;nnen ganz gut leben, wurde da gesagt. Das habe keinen lebenspraktischen Nutzen, wurde mir entgegen gehalten. Am heftigsten intervenierte Kollege Drossmann, der dann vorschlug, wir k&#246;nnten zu dem Thema ja mal in Blogeintr&#228;gen unsere Positionen zu dem Thema abstecken. <a target="_blank" href="http://www.drossmann.de/wordpress/2010/12/21/qualitaetscontent-kritik-der-allgemeinbildung-teil-1/">Christian Drossman hat damit schon begonnen</a>; Zeit, meinen Teil zu dieser Absprache beizutragen.<span id="more-5470"></span></p>

<p>Um es gleich zu sagen: das hier ist keine Antwort auf Drossmanns &#220;berlegungen, sondern eine Darstellung der Hintergr&#252;nde, die Allgemeinbildung – f&#252;r mich geh&#246;rt dazu auch Wissen – in meinen Augen zu einer nach wie vor wichtigen Sache machen.</p>

<p>Da allerdings mit »Allgemeinbildung« heute oft lexikalisches Wissen verbunden wird, erlaube ich mir, mich hier einmal selbst zu zitieren. in einer Replik zu Schirrmachers »Payback« <a target="_blank" href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/">schrieb ich</a>:</p>

<blockquote>Das Problem ist ein „Wer-wird-Million&#228;r-”, ein „Trivial Pursuit-“, ein „Enzyklop&#228;die-Problem“. Das „Bescheid-Wissen“ wird an die Stelle des aktiven Suchens und Zweifeln gesetzt.</blockquote>

<p>Gehe ich mir selbst in die Falle, wenn ich vor diesem Hintergrund behaupte, dass das Erlernen von Gedichten eine Bildungsfunktion habe? Ist das nicht eine Form des »Bescheid-Wissens«, das ich vor nicht allzu langer Zeit kritisiert habe?</p>

<p>Ich halte mich f&#252;r lernf&#228;hig, beobachte immer wieder, wie sich mein Denken und die daraus folgende Praxis ver&#228;ndern. Ich weigere mich, mich auf Positionen festlegen zu lassen, die immer nur eine Station in dem f&#252;r mich hoffentlich nie abgeschlossenem Prozess der Praxisreflexion widerspiegeln, sehe ich mich doch als reflektierenden Praktiker. Die Fragen in der Praxis ver&#228;ndern sich, kehren in unterschiedlicher Gestalt wieder etc.</p>

<p>Das gilt auch f&#252;r die Frage, wie Bildungsprozesse aussehen k&#246;nnen, damit sie gelingen. Damit eng verbunden ist f&#252;r mich die Frage, was unter Bildung und damit unter Allgemeinbildung verstanden werden kann. Diese Frage h&#228;ngt stark mit dem jeweils vertretenen Menschenbild zusammen. Ein solches Bild vom Menschen ist, grob gesprochen, in der Diskussion der vergangenen mindestens zweihundert Jahre in zwei Formen, mit sehr vielen Zwischenformen, aufgetreten.</p>

<p>Auf der einen Seite steht das materialistisch-mechanistische Menschenbild, das vor allem nach der Funktion fragt, die ein Mensch in der Praxis einer Gesellschaft haben soll.</p>

<p>Auf der anderen Seite steht das idealistisch-humanistische Menschenbild, das die Frage nicht aufgeben mag, was es mit dem »Wesen des Menschen«, der »Humanitas« auf sich hat.</p>

<p>In heutigen Bgeriffen zusammengefasst: Es geht um die Frage des Verh&#228;ltnisses von &#246;konomischer Verwertbarkeit und des Eigenwerts des Menschen. Anders ausgedr&#252;ckt: Inwiefern ist der Mensch Tier in einem von animalischen Instinkten getriebenen Rudel und inwiefern ist der Mensch Individuum mit einem eigenen, von keinen »lebenspraktischen« Zwecken &#252;berbaubarem Zweck.</p>

<p>In der Bildungsdiskussion spiegelt sich dieser Unterschied der Menschenbilder in der Frage wider, welchen Anteil &#246;konomisch verwertbare, praktische F&#228;higkeiten in schulischen Abschlussprofilen gegen&#252;ber eher reflexiv theoretischen Anteilen haben sollen. Ist es wichtiger, dass ein Mensch mit Textverarbeitungsprogrammen, Tabellenkalkulationen etc. umgehen kann, wenn er die Schule verl&#228;sst oder ist es wichtiger, dass ein Mensch wissensbasierte Reflexionsf&#228;higkeit erworben hat?</p>

<p>Ohne Wissen geht es in beiden F&#228;llen nicht. Die Frage geht in die Richtung, ob es wichtiger ist, praktisch direkt verwertbares Wissen oder reflexive Prozesse erm&#246;glichendes Wissen in den Vordergrund zu stellen.</p>

<p>Wenn ich es richtig sehe, versucht die gegenw&#228;rtige schulische Wirklichkeit einen Ausgleich zwischen beiden Seiten der Diskussion zu verwirklichen, die diese beiden Seiten manchmal als sich nahezu ausschlie&#223;ende Gegens&#228;tze darzustellen scheint, obwohl sie zusammen geh&#246;ren und entsprechend zu denken und praktisch umzusetzen sind.</p>

<p>Und damit bin ich bei dem am Anfang dieses Beitrages bereits genannten Begriff der »Allgemeinbildung«, die ich 1. nicht als eine Form des »Bescheid-Wissens« sehe und 2. nicht f&#252;r ein Instrument zur Aufrechterhaltung sozialer Unterschiede oder gar elit&#228;rer Inselbildungen halte. Kurz: Allgemeinbildung ist in meiner Perspektive keine Form des »Herrschaftswissens«, mit dem in »elit&#228;ren« Zirkeln geprahlt werden kann oder mit dem man – mit etwas Gl&#252;ck und guten Nerven – in einer Sendung wie »Wer wird Million&#228;r« viel Geld gewinnen kann.</p>

<p>Wie so oft: Es geht um die Frage, welche Bedeutung man den Begriffen zuordnet, die in einer Diskussion verwendet werden. Deshalb hier ein paar Definitionsversuche:</p>

<blockquote>»Bildung
Der Weg oder auch Prozess, in dem der Mensch seine geistig-seelische Gestalt gewinnt. Heute versteht man unter Bildung vor allem auch das Allgemeinwissen, &#252;ber das ein Mensch verf&#252;gt« (<a target="_blank" href="http://www.fluter.de/look/issues/issue13/bildung.htm">Quelle: Fluter</a>)</blockquote>

<blockquote>»Bildung (von ahd. bildunga: Sch&#246;pfung; Bildnis, Gestalt) bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“, seine geistigen F&#228;higkeiten.« (Quelle: (<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung">Wikipedia</a></blockquote>

<p>Diese Definitionen gehen weit &#252;ber die Frage nach der »lebenspraktischen Verwertbarkeit« hinaus, wie sie Christian Drossmann in die Diskussion eingeworfen hat.</p>

<p>Mechanistisch gesprochen geht es darum, m&#246;glichst viele Synapsenverbindungen zu entwickeln, die es dem Individuum erm&#246;glichen, seine M&#246;glichkeiten des Denkens in unterschiedlichen Zusammenh&#228;ngen so weit zu nutzen, wie es im Idealfall m&#246;glich ist.</p>

<p>Neben diesen strukturellen Aufgaben hat Bildung aber auch die Aufgabe, all das Wissen zu vermitteln, das es nicht notwendig macht, in jeder Generation aufs Neue das Auto zu erfinden, den elektrischen Strom nutzen zu lernen oder in sonstigen Bereichen bei Null anzufangen.</p>

<p>Faktenwissen ist in diesem Zusammenhang alles andere als sekund&#228;r.</p>

<p>Faktenwissen spielt auch bei rein lebenspraktisch orientierten Lehrenden eine wichtige Rolle, vielleicht sogar eine noch gr&#246;&#223;ere Rolle als bei Lehrenden, die Wert auf Metaf&#228;higkeiten legen, auf F&#228;higkeiten, die nicht nur praktische Handlungsoptionen schaffen, sonder gleichzeitig auch die F&#228;higkeiten zur Reflexion des (eigenen / gesellschaftlichen) Handelns.</p>

<p>Bildung ist der Weg, auf dem das Individuum seine Gestalt gewinnt. Bildung ist der Prozess der Entwicklung der eigenen Pers&#246;nlichkeit, der Person. – Es geht um die Frage, was durch einen Menschen hindurch klingt (per sonare). Die unterschiedlichen Positionen gegen&#252;ber den Wegen und Zielen von Bildung sind letztlich unterschiedliche Positionen in Sachen Menschenbild.</p>

<p>Nat&#252;rlich, das stelle ich gar nicht in Frage: Schulische Bildung hat (auch) das Ziel, junge Menschen in die Lage zu versetzen, einen Ausbildungsberuf oder ein zum Beruf f&#252;hrendes Studium ausf&#252;llen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus aber geht es Bildung, so wie ich sie verstehe, auch darum, jungen Menschen mit reflexiven Strukturen vertraut zu machen, die sie in die Lage versetzen, reflexiv mit sich selbst und der (beruflichen) Wirklichkeit umzugehen, was einen enormen Praxisnutzen hat.</p>

<p>Wir bereiten heute in Schulen und Hochschulen Menschen auf eine Gesellschaft und auf Herausforderungen vor, von denen wir nicht einmal wissen, dass sie auf zu kommen werden.</p>

<p>Bildung muss in die Lage versetzen, auf Fragen Antworten zu finden, von denen wir heute noch gar nicht wissen, dass sie als Fragen auftauchen werden. Das bedeutet, dass die Entwicklung der F&#228;higkeit zur (auf Wissen aufbauenden) Reflexion zu den Kernbestandteilen von Schule, Ausbildung und Studium geh&#246;ren muss.</p>

<p>Neben der Erm&#246;glichung, dass sich in Bildungsprozessen Individuen entwickeln k&#246;nnen, steht nach wie vor die Frage nach der »Allgemeinbildung« im Raum. Au&#223;erdem habe ich die Frage noch nicht beantwortet, welche Rolle das Erlernen von Gedichten f&#252;r den Vortrag ohne Blick auf die geschriebene Vorlage f&#252;r einen solchen Bildungsprozess spielen kann.</p>

<p>Prim&#228;res Ziel beim (Auswendig)Lernen mag die Aneignung von Fakten sein, zu denen nicht nur geschichtliche Daten (Daten=Gegebenheiten), Formeln (die man freilich auch in Formelsammlungen nachschlagen kann), Vokabeln und Grammatikkenntnisse im Bereich der Mutter- und Fremdsprachen, Kenntnisse biologischer, chemischer, physikalischer Fakten und Modelle geh&#246;ren, sondern auch Kenntnisse der geistesgeschichtlichen Entwicklungen, wie sie sich beispielsweise in der Literatur und damit auch in Gedichten widerspiegeln.</p>

<p>All dieses Wissen kann man nachschlagen. Das mag dann l&#228;nger dauern, aber mit der Zeit muss man das Wissen, das man lebenspraktisch regelm&#228;&#223;ig ben&#246;tigt, nicht mehr nachschlagen, da es in den Strukturen des Ged&#228;chtnisses verankert ist; die Synapsenverbindungen sind stark genug, um das Wissen ohne Nachschlagen abrufen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Um diese Art des »Bescheid-Wissens« geht es mir, bei allem Beharren darauf, das Faktenwissen zumindest nicht unwichtig ist, aber nicht, wenn ich dar&#252;ber nachdenke, inwiefern Allgemeinbildung auch &#252;ber das Erlernen von Gedichten (und anderer Texte) erworben werden kann. Es geht weniger um das Heranf&#252;hren junger Menschen an pseudointellektuelle Abendgesellschaften, in denen man mit kulturellen F&#228;higkeiten prahlt, indem man Klavier spielt, Gedichte vortr&#228;gt, Name-Dropping betreibt, als vielmehr um die Frage, wie Pers&#246;nlichkeitsbildungprozesse gestaltet werden k&#246;nnen. Mechanistisch gesprochen verankern sich Pers&#246;nlichkeitsmerkmale in der Struktur von Synapsen und deren Verbindungen miteinander.</p>

<p>Diese Synapsenverbindungen m&#252;ssen trainiert werden, es m&#252;ssen (von konstruktivistischer P&#228;dagogik her betrachtet) Anschlussm&#246;glichkeiten an vorhandene Strukturen m&#246;gliche werden, es muss auf eine m&#246;glichst gro&#223;e Eigent&#228;tigkeit der Lernenden geachtet werden.</p>

<p>So, wie Sportler Bewegungsabl&#228;ufe im Training erlernen (quasi in der praktischen Anwendung auswendig lernen), so wie Musiker in Et&#252;den und Tonleiter&#252;bungen Ihre F&#228;higkeiten trainieren und erweitern, so gilt es auch, sprachliche F&#228;higkeiten zu erlernen, zu trainieren und flexibel in sprachlichen Kontexten anwenden zu k&#246;nnen: Texte m&#252;ssen sinnerfassend gelesen werden, Texte m&#252;ssen im Alltag, in der Ausbildung und im Studium erstellt werden – und zu allem &#220;berfluss findet ein gro&#223;er Teil der Wirklchkeitswahrnehmung und -reflexion in sprachlichen Mustern statt.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird nicht erwartet, dass im Alltag literarisch geschrieben wird und auch Gedichte spielen im Alltag oft nur noch eine Rolle, wenn f&#252;r Jubil&#228;en, runde Geburtstage etc. »gereimte« Texte oder Umdichtungen bekannter Lieder vorgenommen werden. Aber die sprachlichen Muster, die in Gedichten (und anderen [literarischen] Texten) entdeckt werden k&#246;nnen, der Wortschatz, der mit ihrer Hilfe erworben werde kann, geh&#246;ren in meinen Augen zu allgemein anzustrebenden F&#228;higkeiten und somit zur Allgemeinbildung, wie sie hier verstanden wird.</p>

<p>Ja. es ist richtig: Sprachliche F&#228;higkeiten sind oft Teil dessen, was zum »Herrschaftswissen« geh&#246;rt. H&#228;ufig werden Kenntnisse, wie sie hier reflektiert werden, mit Elitbegriffen verbunden. Wenn ich sie dennoch der Allgemeinbildung zuordne, dann deshalb, weil eine freiheitliche Demokratie auch davon lebt, dass Strukturen, die Teil des »Herrschaftswissens« sind, einem m&#246;glichst gro&#223;en Teil des Souver&#228;ns verf&#252;gbar sind.</p>

<p>Sp&#228;testens an dieser Stelle mag man mich einen unverbesserlichen Bildungsidealisten nennen. Man mag mir vorwerfen, ein praktisch nicht umsetzbares Bildungsideal zu verfolgen. Man mag sogar anmerken, dass hier ein rein bildungsb&#252;rgerliches, elit&#228;r ausgerichtetes Bild entworfen wird, v&#246;llig unabh&#228;ngig davon, dass ich noch so oft betonen kann, wie ich will, dass genau dies nicht das Ziel ist.</p>

<p>Was man aber nicht bestreiten kann ist, dass viele Probleme, die in den vergangenen Jahren im Bildungssystem diagnostiziert wurden, Probleme sind, die auch und vielleicht sogar zentral mit sprachlichen Problemen (Lesef&#228;higkeit, F&#228;higkeit zum den Sinn erfassendem Lesen, Probleme beim regelgerechten Schreiben etc.) verbunden sind.</p>

<p>Und entsprechend geht es bei der von mir auf Twitter kurz und undifferenziert angerissenen Frage nach den Erlernen von (bestimmten) Gedichten nicht um das stupide Auswendiglernen, von denen heutige Gro&#223;elterngenerationen berichten k&#246;nnen, sondern idealerweise um ein Lernen von Gedichten im Prozess des Nachvollziehens und Verstehens dieser Gedichte.</p>

<p>In diesem Rahmen kann dann die Frage gestellt werden, ob es bestimmte Gedichte gibt, an denen sprachliche, geistesgeschichtliche, formale (sprachstrukturelle, rhetorische Srukturen der Nutzung von Sprache) und auch k&#252;nstlerische (&#228;sthetische) F&#228;higkeiten erworben werden k&#246;nnen, die durchaus handlungsrelevant sind, selbst wenn man kein Dichter wird.</p>

<p>Gedichte zu lernen, ich kann mir &#252;brigens auch vorstellen, dass ebenso andere Texte bzw. Textausschnitte im Prozess des Nachvollziehens und Verstehens gelernt werden k&#246;nnen, hat dann nicht das Ziel, dass bestimmte Gedichte bescheidwissend erlernt werden, sondern das Ziel, dass die Kenntnis der Texte, das »Auswendiglernen«, ein Nebeneffekt der Ausbildung solcher Verstehensstrukturen und -f&#228;higkeiten ist, die es dann erm&#246;glichen, mit Texten ganz anderer Art verstehend umzugehen, wie sie im Alltag fast jeder Ausbildung und jeden Berufes begegnen.</p>

<p>Die Bedeutung solcher Sprachf&#228;higkeiten in Form ausgebildeter Synapsenstrkturen in Gehirnen f&#252;r Prozesse politischer Teilhabe habe ich schon erw&#228;hnt. Bleibt zum Schluss noch die Bemerkung, dass ein solches Lernen auch die F&#228;higkeiten des Ged&#228;chtnisses trainiert. Und trotz all der verf&#252;gbaren Wissensbest&#228;nde im Internet ist eine gute Ged&#228;chtnisleistung auch heute noch unmittelbar lebenspraktisch relevant. Das aber nur am Rande…</p>

<p><br /><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Kompetenzenorientierung im Unterricht? Ein Beispiel</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 23:02:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit einiger Zeit befasse ich mit Audioboos. Und seit ein paar Tagen gibt es jetzt auch welche zum Anh&#246;ren. Dazu habe ich hier ja schon was gesagt. Nun ist mir aber aufgefallen, dass diese Audioboos als ein Beispiel f&#252;r die &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/01/25/kompetenzenorientierung-im-unterricht-ein-beispiel/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einiger Zeit befasse ich mit Audioboos. Und seit ein paar Tagen gibt es jetzt auch welche zum Anh&#246;ren. Dazu habe ich <a href="http://herrlarbig.de/2010/01/17/herrlarbig-jetzt-auch-hoeren/">hier</a> ja schon was gesagt.</p>

<p>Nun ist mir aber aufgefallen, dass diese Audioboos als ein Beispiel f&#252;r die Rede von „Kompetenzen“ darstellen k&#246;nnen, die oft und ausf&#252;hrlich in der heutigen Bildungslandschaft anzutreffen ist. Auch dazu habe ich <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/">mich schon ge&#228;u&#223;ert</a>. In diesem &#228;lteren Beitrag legte ich Wert darauf, dass Inhalt und Kompetenzen, dass Wissen und Kompetenzen zusammengeh&#246;ren und eben nicht davon ausgegangen werden kann, dass nun pl&#246;tzlich irgendwelche F&#228;higkeiten das Wissen ersetzen sollen. Im Gegenteil: Ein recht verstandener Kompetenzenbegriff erweitert gleichzeitig das Wissen desjenigen, der sich die Kompetenzen aneignet</p>

<p>Mein Beispiel hier ist die Arbeit mit Audiodateien. Die Kompetenz als Ziel in einem Lernzusammenhang k&#246;nnte wie folgt formuliert werden:</p>

<p><em>Der Lernende ist in der Lage, mithilfe der ihm verf&#252;gbaren technischen M&#246;glichkeiten Audiodateien zu erzeugen und zu ver&#246;ffentlichen. Diese Audiodateien haben einen relevanten Inhalt.</em></p>

<p>Das klingt erst einmal sehr pauschal und ist im Grunde noch wenig differenziert, was die eigentlichen Herausforderungen betrifft, mit denen ein Lernender in diesem Falle konfrontiert ist. Die hier einmal beispielhaft formulierte Kompetenz kann n&#228;mlich auf ganz unterschiedlichem Niveau umgesetzt werden.</p>

<ol>
    <li>Der Lernende nimmt z. B. die Audioboo-App, spricht kurz und assoziativ etwas zu einem Thema ein, f&#252;gt ein Foto hinzu und l&#228;dt das Ganze hoch. Fertig.</li>
    <li>Der Lernende schreibt ein Manusskript f&#252;r einen Audiobeitrag, liest dieses als Audiodatei ein und l&#228;dt sie bei Audioboo hoch.</li>
    <li>Der Lernende entwickelt in Form von Stichworten ein Grundstruktur der Inhalte und des Verlaufs einer Aufnahme und spricht diese, seinen Notizen folgend, ein und l&#228;dt sie auf eine vorgefertigte Plattform hoch. (Neben audioboo sei hier z. B. noch audiyou.de genannt)</li>
    <li>Der Lernende produziert einen Beitrag und bearbeitet diesen in einer Software wie audacity nach. Der Beitrag wird geschnitten, gegebenenfall wird die Qualit&#228;t der Aufnahmen &#252;ber Filter optimiert. Anschlie&#223;end wird der Beitrag im Netz zur Verf&#252;gung gestellt.</li>
    <li>Der Lernende spricht einen Beitrag zu einem Thema frei und konsistent ein, da er sich mit dem Thema im Vorfeld intensiv besch&#228;ftigt hat und sich dementsprechend so gut auskennt, dass freies Sprechen zum Thema m&#246;glich ist. Zudem ist der Lernende in der Lage, dar&#252;ber zu entscheiden, ob eine Aufnahme nachbearbeitet werden muss und kann diese Nachbearbeitung auch angemessen durchf&#252;hren, um dann zu entscheiden, auf welcher Plattform und in welchem Kontext diese Aufnahme zur Verf&#252;gung gestellt wird. Dabei wird bevorzug eine Plattform gew&#228;hlt, die eine Diskussion zu dem Beitrag erm&#246;glicht. Diese Diskussion wird gegebenenfalls intensiv wahrgenommen und tr&#228;gt zur Reflexion der eigenen Arbeit bei.</li>
</ol>

<p>Es g&#228;be sicher noch Zwischenstufen zu den hier genannten Kompetenzstufen. Diese seien als Beispiel genannt, das sicher noch verbesserungsf&#228;hig ist, wenn es bis in die letzten Details dann auch diskutiert und angepasst w&#252;rde.</p>

<p>Die genannte Komptenzstufen setzen unterschiedliches Wissen voraus, die ihr Erreichen erm&#246;glichen. Was aber muss gewusst werden:</p>

<ol>
    <li>Je besser sich der Lernende in den Inhalten auskennt, zu denen er einen H&#246;rbeitrag konzipiert und produziert, um so freier kann der Text eingesprochen werden ohne nur rein assoziativ zu sein. Der Inhalt des H&#246;rbeitrages h&#228;ngt also zentral von dem ab, was klassischerweise als Wissensbest&#228;nde der Bildung angesehen wird. Diese Wissensbest&#228;nde werden klassischerweise vor allem mit schriftlichen Anwendungskompetenzen verbunden (Klassenarbeiten, Refereate [die verlesen werden]). Andere Kompetenzbereich werden in der Regel alleine auf die Inhalte hin abgestimmt und sind als Methoden im Unterricht vor allem f&#252;r das Erreichen didaktischer Zieler eingesetzt, ohne selbst in allen F&#228;llen eigenst&#228;ndig in dem Zusammenhang reflektierte Kompetenzen zu sein.</li>
    <li>Neben das „klassische“ Wissen aus einem Fach wird in dem hier vorgestellten Beispiel Wissen und Kompetenz in einem zweiten Bereich verlangt, der mit den Inhalten verbunden ist. Es soll eine H&#246;raufnahme produziert werden. Neben den fachlichen Inhalten, gilt es, an dieser Stelle auch Wissen &#252;ber eine und die F&#228;higkeit beim Umgang mit einer medialen Form zu erwerben und anzuwenden, wobei das Ziel eine Ver&#246;ffentlichung ist. Die Methode dient also nicht nur didaktischen Zwecken und somit zum Erlangen des Wissens, sondern ist als Kompetenz selbst noch einmal Wissen generierend. Hier wird also die fachliche Seite mit einer medienp&#228;dagogischen Seite verbunden, die &#252;ber das Fachwissen hinaus Kenntnisse (Wissen!) erm&#246;glicht, die selbst wieder reflexiv werden k&#246;nnen (Wie werden Rundfunkbeitr&#228;ge gemacht? Was sind technische Voraussetzungen? Welche Verk&#252;rzungen sind da n&#246;tig? Woran kann man h&#246;ren, ob ein Sprecher im Radio wei&#223;, wovon er spricht? Sind Produktionen aufwendig oder eher einfach? &#220;ber welche Kan&#228;le kann Aufmerksamkeit gewonnen werden? Wie geht das? Was ist beim Mikrofonsprechen anders als beim normalen Sprechen…)</li>
</ol>

<p>H&#228;ufig wird in der Kompetenzendiskussion als Beispiel zur Diskreditierung der Denkweise angef&#252;hrt, dass Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen nun lernen sollten, wie man einen beh&#246;rdlichen Fragebogen ausf&#252;llt. W&#252;rde Kompetenzenorientierung im Unterricht alleine auf so etwas hin ausgerichtet sein, so w&#228;re es sicher angebracht, diese Ausrichtung von Schule und Unterricht selbst kritisch zu hinterfragen. Wenn aber anhand eines solchen beh&#246;rdlichen Fragebogen die Hintergr&#252;nde der Fragen, der Grund und Art der Weiterverarbeitung der gemachten Angaben und die Konsequenzen aus m&#246;glichen Entscheidungen, die dann getroffen werden, mit thematisiert werden, dann w&#228;ren wir schon bei einem an Inhalten und Kompetenzen interessiertem Unterricht, der Wissen mit Relevanz zu verbinden vermag – und somit zu einem umfassenderen, integrierteren und wom&#246;glich auch &#252;ber einen Leistungsnachweis hinaus reichenden Wissen f&#252;hren kann.</p>

<p>Das klingt erst einmal nach einem problemorientiertem Unterricht. Es unterscheidet sich von diesem insofern, dass problemorientierter Unterricht sich oft an rein inhaltlichen Problemen orientiert und Wissen von einer anwendungsorientierten Problemorientierung unter Umst&#228;nden abtrennt.</p>

<p>Diese Gefahr besteht &#252;brigens auch im Kontext der Kompetenzenorientierung von Unterricht, wenn die Kompetenzen rein inhaltlich gedacht werden. Dann k&#246;nnte man z. B. als Kompetenz formulieren, dass ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin in der Lage ist, einen Text angemessen zusammenzufassen, ohne dass damit auch schon klar ist, wozu man diese Kompetenz braucht, au&#223;er zur Erreichung einer m&#246;glichst guten Note in einer Leistungs&#252;berpr&#252;fung.</p>

<p>Es will mir so scheinen, als ob Kompetenzenorientierung eigentlich immer zwei Bereich miteinander verbinden muss, die einerseits stark inhaltlich orientiert sind, andererseits aber auch Wissen und Kompetenzen in einem zweiten Bereich verlangen. Im hier angef&#252;hrten Beispiel m&#252;sste man also nicht nur inhaltlich fit sein, sondern auch im Bereich des Wissens um die Produktion von H&#246;rtexten, H&#246;rspielen, H&#246;rcollagen oder was sonst noch alles im Audiobereich gemacht werden kann.</p>

<p>Hilfreich k&#246;nnte es dabei zudem sein, wenn Kompetenzen nicht nur intern erworben werden, sondern immer mal wieder darauf hin angelgt sind, dass die entstandenen „Produkte“ selbst relevant werden, in dem sie eine gewisse &#214;ffentlichkeit erlangen. Das kann eine Ausstellung in der Schule sein, ein Theaterabend, eine Lesung, Pr&#228;sentation naturwissenschaftlichen Wissens im Rahmen von Tagen der offenen T&#252;r, ein Wettbewerb oder aber auch im Kontext des Internets.</p>

<p>Bleibt die Frage, ob auf diesem Wege dann nicht zu viel Zeit mit Nebenschaupl&#228;tzen verbracht werden muss, die dann f&#252;r die Erf&#252;llung des Lehrplans fehlt. Diese Frage muss in vielen F&#228;llen wohl leider nach wie vor mit „Ja“ beantwortet werden. Viele Lehrpl&#228;ne sind so voll, dass schon das Erreichen der fachlichen (inhaltlichen) Ziele oft unter gro&#223;em Zeitdruck steht, was durch standardisierte, zentral vorgegebene Pr&#252;fungen noch verst&#228;rkt wird. Dies f&#252;hrt dann dazu, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler unter Umst&#228;nden viel Wissen, dieses Wissen aber nicht mit anderem Wissen zu verkn&#252;pfen verm&#246;gen, dieses Wissen nicht praktisch relevant werden lassen k&#246;nnen, was durchaus manchmal schon dort beginnt, wo es „nur“ um eine schriftliche Reproduktion von Wissen und den Transfer dieses Wissen auf einen anderen inhaltlichen Bereich geht.</p>

<p>Hier m&#252;ssten die zur Zeit in einigen Bundesl&#228;ndern in der Entwicklung seienden kompetenzenorientierten Lehrpl&#228;ne neue M&#246;glichkeiten schaffen, in dem sie nicht nur Inhalte vorgeben, sondern auch eine Auswahl an m&#246;glichem „Sekund&#228;r-” (=Anwendungs-)Wissen mit den Inhalten verbinden. Hier b&#246;ten sich auch neue M&#246;glichkeiten des f&#228;cher&#252;bergreifenden und f&#228;cherverbindenden Unterrichts.</p>

<p>Vorl&#228;ufig ergibt sich f&#252;r mich dann folgende Beschreibung dessen, was mit kompetenzenorientiertem Unterricht gemeint sein kann:</p>

<p>An Kompetenzen orientierter Unterricht ist gleichzeitig Fachunterricht (Inhaltswissen) und auf Anwendbarkeit hin orientierter Unterricht, wobei die f&#252;r Anwendungen notwendigen Kenntnisse (Inhalte) &#252;ber die fachlichen Inhalte hinaus zu erwerben sind. Damit ist nicht gemeint, dass ein solcher Unterricht alleine auf berufliche Anwendbarkeit hin ausgerichtet ist. Die Verbindung von fachlichem Wissen und der kompetenten Anwendung des Wissens schlie&#223;t die kritische Reflexionsf&#228;higkeit gegen&#252;ber der Anwendung und den Inhalten mit ein.</p>

<p>F&#252;r den Deutschunterricht k&#246;nnte dies beispielsweise folgendes hei&#223;en:</p>

<ol>
<li><p>Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen erwerben nicht nur Kenntnisse in Rechtschreibung und Grammatik, sondern Wissen dar&#252;ber, wie mit Hilfe dieser Kenntnisse wirkungsvolle Texte verfasst werden k&#246;nnen.</p></li>
<li><p>Es geht nicht nur um einen literarischen Text, um Textanalyse, Stilanalyse und Interpretation, sondern auch um die Frage der wirkungsvollen Pr&#228;sentation solcher Ergebnisse und somit auch um die Wissensbest&#228;nde, die zum Erreichen der gew&#228;hlten Pr&#228;sentationsform notwendig sind. Diese unterscheiden sich, wenn es um eine Ausstellung, eine Lesung, eine Auff&#252;hrung oder auch um eine Audioproduktion geht.</p></li>
</ol>

<p>Dabei geht es im &#220;brigen nicht darum, neben die fachliche Kompetenz Methodenkompetenz zu stellen, sondern um die Verkn&#252;pfung dieser beiden Bereiche auf Relevanz hin.</p>

<p>F&#252;r die oben genannten Audioproduktionen hei&#223;t das konkret:</p>

<ol>
<li><p>Fachkenntnis, Fachkenntnis, Fachkenntnis.</p></li>
<li><p>Wissen &#252;ber Mikrofonsprechen und Wissen &#252;ber das (freie) Sprechen &#252;berhaupt. Hier geht es also schon in den Bereich der Rhetorik, der in vielen Bildungsprozessen meiner Wahrnehmung nach selten explizit und vor allem zur Praxisreflexion bef&#228;higend aufgegriffen wird.</p></li>
<li><p>Wissen &#252;ber die Rezeption von Audioaufnahmen (Radio)</p></li>
<li><p>F&#228;higkeiten im Umgang mit Audioschnittsoftware.</p></li>
<li><p>Kenntnisse &#252;ber m&#246;gliche Verbreitungswege und die F&#228;higkeit, diese kritisch daraufhin zu reflektieren, welche Verbreitungswege f&#252;r die eigene Produktion sinnvoll sein kann und welche eher nicht.</p></li>
<li><p>F&#228;higkeit zur Entwicklung von Kritierien, die die Qualit&#228;t einer entstandenen Audioaufnahme zu beurteilen in der Lage sind.</p></li>
<li><p>All das, was ich hier jetzt unber&#252;cksichtigt gelassen habe.</p></li>
</ol>

<p>Ein solcher an Kompetenzen orientierter Bildungsprozess ist ein hochdynamischer Bildungsprozess, der zahlreiche Verbindungslinien zwischen den bislang oft unverbunden nebeneinander her laufenden F&#228;chern schafft, nutzt und integrierte Wissensbest&#228;nde erm&#246;glicht, die auf Zusammenh&#228;nge hin ausgerichtet sind.</p>

<p>Und ganz „nebenbei“ k&#246;nnte auf diesem Wege ein neues Verst&#228;ndnis von Allgemeinbildung entstehen, das dann nicht mehr zuerst als ein eher lexikalisch ausgerichtes Wissen verstanden wird, wie es die vielen Wissenquizsendungen im Fernsehen heute tun, sondern auf die F&#228;higkeit, das vorhandene Wissen auf der Basis seiner Verkn&#252;pfbarkeit und Anwendbarkeit hin fruchtbar werden zu lassen, f&#252;r sich selbst aber auch in funktionalen Zusammenh&#228;ngen, wie beispielsweise im Beruf.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/01/25/kompetenzenorientierung-im-unterricht-ein-beispiel/#footnote_0_2388" id="identifier_0_2388" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich warte auf die Quizsendungen, in denen genau diese Kombination von Wissensbest&amp;#228;nden aus unterschiedlichen Bereichen ins Zentrum gestellt w&amp;#252;rde, in denen man nicht mehr aus einer Reihe von Antworten die richtige ausw&amp;#228;hlen, sondern konkret Wissen anwenden muss um zu zeigen, dass man wirklich gebildet ist.">1</a></sup></p>

<p>Zugegeben: Guter Unterricht wird auch schon heute so ausgerichtet sein, wie ich es hier beschrieben habe – im Rahmen der engen zeitlichen Grenzen, die die gegenw&#228;rtigen Lehrpl&#228;ne mit sich bringen. Es gilt, die Kritierien f&#252;r solchen guten Unterricht in das System selbst organisch einzubinden. – Ein so verstandener Kompetenzenbegriff k&#246;nnte meines Erachtens das deutsche Bildungssystem qualitativ sehr bereichern. Oder habe ich da falsche Fantasien?</p>

<p>Haben Sie Beispiele aus der Praxis, in der solche Verkn&#252;pfungen von Wissensbest&#228;nden stattfinden, wie ich sie hier beschrieben habe? Haben Sie Ideen, die meine &#220;berlegungen erg&#228;nzen? Oder sehen Sie das alles ganz anders? Gerne k&#246;nnen Sie die Kommentarfunktion dieses Artikels nutzen, um miteinandern und mit mir in eine konstruktive Diskussion zu kommen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Medienkompetenz als staatlicher (schulischer) Bildungsauftrag</title>
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		<pubDate>Sun, 24 May 2009 22:06:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Digitale Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir brauchen sie als Informationsquelle, als Kommunikationshilfe und f&#252;r unser allt&#228;gliches Tun und Handeln. Es kommt nun darauf an, allen Menschen Medienbildung zu erm&#246;glichen&#8221;, sagte Bundesforschungsministerin Anette Schavan laut einer Pressemeldung &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/25/medienkompetenz-als-staatlicher-schulischer-bildungsauftrag/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>„Digitale Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir brauchen sie als Informationsquelle, als Kommunikationshilfe und f&#252;r unser allt&#228;gliches Tun und Handeln. Es kommt nun darauf an, allen Menschen Medienbildung zu erm&#246;glichen&#8221;,</blockquote>

<p>sagte Bundesforschungsministerin Anette Schavan laut einer <a href="http://www.bmbf.de/press/2553.php" target="_blank">Pressemeldung des Bundesministeriums f&#252;r Bildung und Forschung</a> am 18.05. Anlass war die Ver&#246;ffentlichung eines Berichtes mit dem Titel „<a href="http://www.bmbf.de/pub/kompetenzen_in_digital_kultur.pdf" target="_blank">Kompetenzen in einer digital gepr&#228;gten Kultur</a>“, den eine vom Bundesministerium f&#252;r Bildung und Forschung (BMBF) eingesetzte Expertenkommission zur Medienbildung vorgelegt hat. Dort hei&#223;t es bereits in der Einleitung:</p>

<blockquote>„Digitale Medien pr&#228;gen mittlerweile die Lebenswelt junger Menschen in vielf&#228;ltiger und nachhaltiger Weise. Pers&#246;nlichkeitsentwicklung, Lebensbew&#228;ltigung und die Suche nach Orientierung und Sinn stellen sich unter ge&#228;nderten Informations- und Kommunikationsverh&#228;ltnissen f&#252;r die junge Generation in neuartiger Weise. Diese Technologien zeigen als Medien eine kommunikative und symbolische Dimension […] Digitale Medien verlangen von jedem Einzelnen stetig wachsende und sich &#228;ndernde Kompetenzen, deren Vermittlung staatlicher Bildungsauftrag ist.“ (S. 2)</blockquote>

<p>Diese &#196;u&#223;erungen Schavans und der Bericht der Expertenkommission selber geben zu denken, wenn es um die Frage der Entwicklung und F&#246;rderung von Medienkompetenz geht, denn bislang ist der Umgang mit dem allt&#228;glichen Tun und Handeln (junger) Menschen teilweise sehr restriktiv. So hat <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/117/376924/text/" target="_blank">Bayern bereits 2006 die Benutzung von Mobiltelefonen auf dem Schulgel&#228;nde tabuisiert</a>, da man Porno- und Gewaltvideos auf von Sch&#252;lern genutzten Mobiltelefonen gefunden hatte.</p>

<blockquote>„Die Schule ist nicht der Ort zum Telefonieren und schon gar nicht f&#252;r die Verbreitung jugendgef&#228;hrdender Machwerke“,</blockquote>

<p>sagte damals der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider laut S&#252;ddeutscher Zeitung. Und wer wollte dem widersprechen! Ebenso wenig ist die Schule der Ort, um sich von der Schulwirklichkeit mittels MP3-Abspielger&#228;ten in den Pausen von der Schulwirklichkeit<span id="more-1716"></span> zu isolieren und statt sich auf dem Schulhof auszutoben oder mit Mitsch&#252;lern soziale Kontakte zu pflegen bzw. den gerade durchgenommenen Lernstoff noch einmal zu reflektieren und sich geistig auf die n&#228;chste Stunde vorzubereiten, Musik auf die Ohren zu geben. Dem zu widersprechen w&#228;re t&#246;richt, gibt es doch gen&#252;gend Argumente, den Umgang mit diesen Medien auf die Zeit au&#223;erhalb der Schule zu verlagern.</p>

<p>Und doch f&#246;rdert das Papier der Expertenkommission des BMBFs einige Aspekte zu Tage, die f&#252;r die Frage nach dem Umgang mit digitalen Medien in Bildungsprozessen von entscheidender Bedeutung sind, sollen solche Prozesse nicht von der Wirklichkeit des Umgangs mit digitalen Medien abgekoppelt werden. Das Kommission schreibt unter anderem:</p>

<blockquote>„Eine Auseinandersetzung mit der bildungspolitischen Herausforderung muss an den qualitativen Aspekten und Ver&#228;nderungen ansetzen, die durch die digitalen Medien induziert sind.“ (Bericht der Expertenkommission des BMBF, S. 2.)</blockquote>

<p>Hier werden konkret Speicherkapazit&#228;ten, die M&#246;glichkeit zur leichten Weitergabe (Distribution) von Inhalten, die hohe Verf&#252;gbarkeit von Informationen und die Verschr&#228;nkung von Privatheit und &#214;ffentlichkeit genannt (wie sie z.B. in sozialen Gemeinschaften oder auch &#252;ber Blogs wie dieses entsteht). Zudem wird ausdr&#252;cklich auf die Verschmelzung bislang getrennt betrachteter Medien (Audio, Foto, Film etc.) hingewiesen. Kurz: All die Bereiche, die bislang vor allem im Kontext der mit ihnen verbundenen Problempotentialen betrachtet wurden, werden hier sachlich als Tendenzen der Medienentwicklung betrachtet, denen sich Bildungsprozesse so zu stellen haben, dass</p>

<blockquote>„eine systematische und nachhaltige Entwicklung von Medienbildung als integraler Bestandteil von Allgemeinbildung und wichtige Voraussetzung f&#252;r die pers&#246;nliche Entfaltung von Berufs- und Ausbildungsf&#228;higkeit”</blockquote>

<p>geschafft werden k&#246;nnen, bei der</p>

<blockquote>„technische, &#246;konomische, politische, rechtliche, ethische und &#228;sthetische Dimensionen von Bedeutung“</blockquote>

<p>sind. (Siehe Bericht der Expertenkommission des BMBF, S.3)</p>

<p>Damit ist ein Rahmen vorgegeben, dem sich Medienp&#228;dagogik, so sie die &#196;u&#223;erungen der Expertenkommission des BMBFs f&#252;r angemessen erachten, stellen muss. Voraussetzung hierf&#252;r ist die Akzeptanz der Entwicklung digitaler Medien als Bestandteil der Alltagskultur.</p>

<p>Eine kulturpessimistische Medienkritik wird diese Anforderung so nicht nachvollziehen k&#246;nne, da in deren Augen die immer umfassender werdende Vereinnahmung der Alltagskultur durch diese Medien und die damit verbundene angenommenen Verdr&#228;ngung des Analogen in sich eine nicht zu begr&#252;&#223;enden, h&#246;chstens distanziert hinzunehmende Entwicklung ist. – Und diese Kritiklinie ist, auch wenn mancher meinen sollte, sie sei hier &#252;berzeichnet dargestellt, bei an Bildungsprozessen beteiligten Fachkr&#228;ften, nach wie vor weit verbreitet.</p>

<p>Lehrkr&#228;fte, die sich praktische Kompetenzen aneignen, mit digitalen Medien selbst intensiv arbeiten und diese (freilich medienp&#228;dagogisch reflektiert) in den Unterrichts<em>alltag</em> integrieren (wollen), erleben sich nach wie vor, wie es ein Kollege – nat&#252;rlich im digitalen Netzwerk von Kollegen, das mittlerweile auch schon existiert – vor kurzem formulierte, als von Kollegen „geschnittene Outlaws“.</p>

<p>Gerade deshalb ist es wichtig, mit m&#246;glichst gut ausgearbeiteten Ans&#228;tzen zu einer Entwicklung von Medienkompetenz zu arbeiten und konkrete Arbeitsbereiche aufzuzeigen, in denen sich medienp&#228;dagogisches Arbeiten (und damit ist auch die Integration digitaler Medien in fachdidaktische &#220;berlegungen gemeint) bewegen muss. Die Expertenkommission des BMBFs nennt hier vier Bereiche:</p>

<blockquote>„1. Information und Wissen
2. Kommunikation und Kooperation
3. Identit&#228;tssuche und Orientierung
4. Digitale Wirklichkeiten und produktives Handeln“ (S. 3.)</blockquote>

<p>Dabei werden konkret folgende Kompetenzen genannt, die medienp&#228;dagogische Arbeit erreichen m&#252;sse, n&#228;mlich:</p>

<blockquote>„Digitale Medien nutzen, ihre Potenziale verstehen, sie kritisch beurteilen, mit ihnen interagieren und sie gestalten, und mit Medien am sozialen Leben und an der Gesellschaft teilhaben.“ (S. 4)</blockquote>

<p>Und dann folgt ein, wie ich finde, entscheidender Abschnitt, bezogen auf den Umgang mit digitalen Medien an Schulen und im konkreten Unterricht:</p>

<blockquote>„Mit den Digitalen Medien entwickeln sich gleichzeitig neue Lern- und Arbeitsformen, die sowohl f&#252;r Bildungs- als auch f&#252;r Arbeitsprozesse einschneidende Ver&#228;nderungen mit sich bringen. Medienbildung umfasst Medien als Gegenstand des Lernens und das in hohem Ma&#223;e selbstgesteuerte und selbstverantwortete Lernen mit Medien, das im Lebensverlauf zunehmende Bedeutung gewinnt und einge&#252;bt sein will.“ (S. 4)</blockquote>

<p>Es entwickeln sich „neue Lern- und Arbeitsformen“, die gerade im Bereich des heute neurodidaktisch so sehr geforderten selbstgesteuerten und selbstverantworteten Lernens das <em>Arbeiten mit Medien</em> verlangen, auch um f&#252;r sp&#228;tere Berufst&#228;tigkeit und Alltagsbew&#228;ltigung notwendige F&#228;higkeiten zu erwerben.</p>

<p>Genau betrachtet kann man sogar so weit gehen und sagen, dass diese neuen Lern- und Arbeitsformen eine offensive F&#246;rderung des Einsatzes digitaler Medien verlangen (immer unter Voraussetzung, dass diese Entwicklungen nicht kulturkritisch abgelehnt werden, wof&#252;r es durchaus den einen oder anderen nachvollziehbaren Grund geben kann), die zu einem selbstgesteuerten Lernen f&#252;hrt, das m&#246;glicherweise auch au&#223;erhalb des Klassenzimmers stattfindet und sich somit der Kontrollierbarkeit durch Lehrende ein St&#252;ck weit entzieht.</p>

<p>Die sich aus den oben genannten vier f&#252;r medienp&#228;dagogisches Handeln relevanten Handlungsfeldern ergebenden Anforderungen und Konsequenzen werden in dem Papier der Expertenkommission ausf&#252;hrlich behandelt (S. 4–7), sodass auf die dort bereits geleisteten Entfaltungen der Handlungsfelder hier verzichtet werden kann.</p>

<p>Und doch werden hier gro&#223;e Wahrheiten gelassen ausgesprochen, vor allem dort, wo auf die Bedeutung digitaler Medien f&#252;r die Jugendlichen selbst hingewiesen wird. Dort hei&#223;t es:</p>

<blockquote>„Die Entwicklung der Pers&#246;nlichkeit als ein Sich-ins-Verh&#228;ltnis-Setzen zur Welt kann heute nicht ohne technologische Bildung und ohne Medienbildung verstanden werden. Im Netz und in den virtuellen Gemeinschaften bewegen sich die meisten jungen Menschen wie selbstverst&#228;ndlich. Diese Umgebungen spielen eine ganz wesentliche Rolle in ihrer Sozialisation, im Freizeitverhalten, in der Selbstfindung, der Ausbildung von Gemeinschaftlichkeit und darin, wie junge Menschen sich ins Verh&#228;ltnis zur Welt setzen. Beim handelnden Bewusstwerden und Reflektieren dieser Erfahrungen m&#252;ssen Bildungseinrichtungen unterst&#252;tzen und begleiten.“</blockquote>

<p>Hier wird explizit der handelnde Umgang von Lernenden mit den M&#246;glichkeiten des Internets, insbesondere auch im Kontext virtueller Gemeinschaften, endlich einmal nicht diskriminierend, sondern als ein echtes Bed&#252;rfnis im Rahmen der Selbstfindung und des Sich-ins-Verh&#228;ltnis-Setzens zur Welt genannt. Dabei spielte gerade dieses Sich-ins-Verh&#228;ltnis-Setzen zur Welt f&#252;r die Pers&#246;nlichkeitsentwicklung in allen Jahrhunderten eine entscheidende Rolle, auch wenn die Erfindung der Schrift, des Buchdrucks, des Fernsehens etc. immer wieder genau zu dem heute wieder zu beobachtenden Abwehrverhalten von Bildungsprofis f&#252;hrten.</p>

<p>Welche Bedeutung diese Formen der Vergemeinschaftung haben, die entgegen immer wieder formulierter Bedenken meist eine Erg&#228;nzung zur konkreten Begegnung stehen und diese eben nicht ersetzen, l&#228;sst sich beispielsweise an den Reaktionen beobachten, die bei Sch&#252;lern ausgel&#246;st werden, wenn diese bspw. ein Mobiltelefon im Unterricht unterrichtsfremd verwenden und dieses dann auf der Basis von Vereinbarungen mit den Erziehungsberechtigten f&#252;r einen &#252;berschaubaren Zeitraum eingezogen wird. In genau diesen Situationen zeigt sich die Bedeutsamkeit digitaler Technologien f&#252;r die Kommunikation von Jugendlichen mit ihrem (konkreten und eben nicht auf das Netz beschr&#228;nkten) Freundeskreis – und somit auch die Bedeutung f&#252;r Prozesse der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung im Kontext von Vergemeinschaftungen.</p>

<p>In vielen medienp&#228;dagogischen Konzepten wird diese Bedeutsamkeit der Medien f&#252;r diese Prozess von Lehrenden meiner Wahrnehmung nach ausgeblendet oder diskriminiert, indem alleine auf die objektiv durchaus vorhandenen Gefahren der Nutzung digitialer Medien und der Vergemeinschaftung im Kontext virtueller Gemeinschaften hingewiesen und – das w&#228;re schon ein Schritt weiter – auf rechtliche Kl&#228;rungen z. B. beim Umgang mit copyrightgesch&#252;tztem Material oder mit Pers&#246;nlichkeitsrechten Wert gelegt wird.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus wird oft auch akzeptiert, dass der Umgang mit Medien f&#252;r die Berufspraxis zu einer zunehmend wichtigen Kompetenz geh&#246;rt. Weitaus seltener aber wird die im Expertenbereicht des BMBFs genannte <em>Bedeutsamkeit</em> dieser Medien f&#252;r (junge) Menschen ber&#252;cksichtigt – vielleicht auch, weil viele der Lehrenden diese Bedeutsamkeit nicht kennen und somit nicht nachvollziehen oder aber auch &#252;berhaupt nicht erkennen k&#246;nnen.</p>

<p>Es bedarf hier eines Paradigmenwechsels: Nicht die Kritik und das m&#246;gliche Gef&#228;hrdungspotential digitaler Medien kann den Anfang einer erfolgreichen medienp&#228;dagogischen Praxis ausmachen. Am Anfang muss vielmehr die Frage nach der Bedeutsamkeit digitaler Medien f&#252;r die Lernenden (Jugendlichen) selbst stehen. Also nicht: „Na, ihr seid ja fast alle bei Sch&#252;lerVZ, aber wisst ihr eigentlich, wie gef&#228;hrlich es ist, dort so viele pers&#246;nliche Daten &#246;ffentlich zug&#228;nglich zu machen…“, sondern eher: „Na, ihr seid ja fast alle bei Sch&#252;lerVZ. Was ist es eigentlich, das dies f&#252;r euch so wichtig macht?“ Auf dieser Basis der Wertsch&#228;tzung und des Respekts sind die auch in einem solchen Konzept geltenden Ziele einer auf reflektierten Umgang mit Medien hin abzielenden Medienp&#228;dagogik m&#246;glicherweise erfolgreicher zu erreichen als auf im Rahmen einer (eigentlich in jeder Generation wieder auftauchenden) Ablehnung oder vor allem kritischen Betrachtung der Jugendkultur.</p>

<p>68er, Punks, Raver, EMOs etc. wurden schon genau so von der Erwachsenenwelt vor allem abgelehnt, statt vor dem Hintergrund der Bedeutsamkeit f&#252;r die Jugendlichen selbst als Bereicherung und auch als kritisches Potential gegen&#252;ber der Erwachsenenkultur gesehen zu werden. Was im Augenblick im Kontext des Umgangs mit digitalen Medien im Kontext der Jugendkultur an Ablehung und Kritik ge&#252;bt wird, steht in der gleichen Tradition, die als Jugendlicher manch einer von denen erlebt hat, der oder die nun selbst diese Distanz zur Jugendkultur einnimmt – ohne die Parallelit&#228;t als solche &#252;berhaupt wahrzunehmen.</p>

<p>In diesem Kontext weisen die &#220;berlegungen der Expertenkommission des BMBFs in eine wohltuend andere Richtung:</p>

<blockquote>„&#220;berlegungen zur Umsetzung m&#252;ssen ankn&#252;pfen an den Kompetenzen und St&#228;rken, die junge Menschen in ihrem Alltag, in ihrer Lebenswelt und ihren Gemeinschaften Kompetenzen in einer digital gepr&#228;gten Kultur  entwickeln und diese als wichtige Ressourcen in Bildungsprozesse integrieren. Sie m&#252;ssen auch von einer wertsch&#228;tzenden Begleitung durch die Gesellschaft und von Unternehmenskulturen getragen werden, in denen die Menschen im Mittelpunkt der Arbeitswelt und der Wissensgesellschaft stehen.“</blockquote>

<p>Was hier gesagt wird, kann man gar nicht genug betonen: Ausgangspunkt ist Wertsch&#228;tzung dessen, was die Jugendlichen tun. Im Alltag werden von den Jugendlichen im Umgang mit digitalen Medien n&#228;mlich bereits Kompetenzen und St&#228;rken im Umgang mit diese Medien entwickelt (oft allerdings weit weniger an technischen Kompetenzen als den einfachen Interfaces entsprechender virtueller Gemeinschaften oder der virtuellen Vergemeinschaftung dienenden Programmen orientiert, wobei z.B. <a href="http://twitter.com" target="_blank">Twitter</a> bislang in der Jugendkultur kaum angekommen ist und als innovatives Medium eher von (jungen) Erwachsenen genutzt wird).</p>

<p>Wichtig aber ist auf jeden Fall: Die Erfahrungen und Kompetenzen, die Jugendliche bei Aktivit&#228;ten mit digitalen Medien und im Netz entwickeln, gilt es als Ressourcen der medienp&#228;dagogischen Arbeit zu sehen und nicht als etwas, dem man nun erst einmal zeigen muss, wie das mit dem Internet wirklich geht und wie gef&#228;hrlich das alles eigentlich ist.</p>

<p>Wertsch&#228;tzung, Neugier und das Wissen um auch f&#252;r medienp&#228;dagogisches Arbeiten relevante Ressourcen im Umgang mit Medien: Das sind die zentrale Grundlagen f&#252;r erfolgreiche medienp&#228;dagogische Arbeit – und nicht die Kritik der Medien und insbesondere digitaler Medien.</p>

<p>„Was bedeutet das f&#252;r dich?“ Diese Frage sollten Lehrende Jugendlichen viel h&#228;ufiger stellen, auf jeden Fall aber, bevor kritische Aspekte der Mediennutzung in den Vordergrund gestellt werden. „Was bedeutet das f&#252;r dich? Warum ist dir Sch&#252;lerVZ so wichtig, warum chattest du, was bedeuten dir SMS…?“ – Sind das Fragen, die heute im Rahmen der Mediendidaktik &#252;berhaupt schon gestellt werden?</p>

<blockquote>„Digitale Medien erlauben individuelle F&#246;rderung, sie bieten sich durch ihre multimedialen Codes (z.B. auch visuelle Darstellungen) an, zielgruppenspezifisch an den konkreten Zugangsweisen anzusetzen, um junge Menschen zu bef&#228;higen, ihre  Kompetenzen zu sehen, weiter zu entwickeln und in die Gesellschaft einzubringen.“ (Bericht der Expertenkommission des BMBF, S. 8.)</blockquote>

<p>Und noch ein Punkt, den ich im Bericht der Expertenkommission des BMBFs f&#252;r wichtig erachte: Digitale Medien erlauben individuelle F&#246;rderung! Das gilt nicht nur f&#252;r die sehr komfortable M&#246;glichkeit, unterschiedliche Lerntypen (visuell, akustisch…) anzusprechen, sondern auch f&#252;r Vernetzungen in Lernprozessen selbst, sei es mit der Lehrkraft, sei es mit den anderen Sch&#252;lern, so wenig diese Formen der Arbeit von mit digitalen Medien arbeitenden Lehrkr&#228;ften bislang auch als Teil der Arbeitszeit ber&#252;cksichtigt werden.</p>

<p>Um aber Missverst&#228;ndnissen vorzubeugen: Die Schule ist nur <em>ein</em> Ort, an dem Medienbildung stattfindet. Und auch hier gibt es unterschiedliche Ans&#228;tze, wobei die Integration von Medienbildung in die Fachdidaktiken und Fachcurricula weit seltener stattfindet als das Angebot eines eigenst&#228;ndigen medienp&#228;dagogischen Angebotes ohne direkte Ankn&#252;pfung an die unterschiedlichen Fachdidaktiken. Und gerade in den Fachdidaktiken beobachte ich nach wie vor ein gro&#223;es Defizit der Reflexion und Integration digitaler Medien als gleichberechtigt neben den in meinen Augen nach wie vor unverzichtbaren analogen Formen des didaktischen Arbeitens.</p>

<p>Zum Schluss aber doch noch ein Wermutstropfen. Im Bericht der Expertenkommission des BMBFs hei&#223;t es:</p>

<blockquote>„F&#252;r alle Lehramtsstudierenden muss – unabh&#228;ngig von fachspezifischen Vertiefungen – eine Mediengrundbildung gew&#228;hrleistet sein (Medienkompetenz als Querschnittskompetenz im Rahmen der Verkn&#252;pfung von bildungswissenschaftlichen und fachwissenschaftlichen/-didaktischen Kompetenzbereichen). Der Generationenwechsel in der Lehrerschaft bietet dazu eine besondere
Chance.“</blockquote>

<p>W&#228;hrend ich den Forderungen gegen&#252;ber dem Studium, das ich nach wie vor als Fachstudium sehe, da nur so die f&#252;r einen fachlich souver&#228;nen Umgang mit den Inhalten der F&#228;cher notwendigen Kompetenz- und Wissensbest&#228;nde aufgebaut werden k&#246;nnen, folgen kann, sehe ich die &#196;u&#223;erungen zum Generationenwechsel in der Lehrerschaft als ein leider in der Praxis f&#252;r mich wenig nachvollziehbares Klischee.</p>

<p>Im Detail bleibt hier folgendes anzumerken: Die Forderung nach einer Mediengrundbildung im Lehramtsstudiengang setzt Lehrende voraus, die diese Grundbildung auf der Basis eigener Kompetenzen leisten k&#246;nnen. Diese Kompetenzen scheinen mir aber bei Lehrenden an der Hochschule nicht in allen F&#228;llen in h&#246;herem Ma&#223; gegeben als bei Lehrenden an der Schule, auch wenn digitale Technologien an Hochschulen mit weit gr&#246;&#223;erer Selbstverst&#228;ndlichkeit genutzt werden als an Schulen. Ein Beispiel: W&#228;hrend der Schultr&#228;ger in Frankfurt am Main, also die Stadt Frankfurt, drahtlose Netzwerke aufgrund von Bedenken bez&#252;glich der Strahlenbelastung nicht verf&#252;gbar macht, erm&#246;glicht die Frankfurter Universit&#228;t drahtloses Arbeiten im Netzwerk. In der Schule braucht man also kabelgebundene Computer oder den Internetzugang &#252;ber das mobile Telefonnetz, um vernetzt arbeiten zu k&#246;nnen. Der Einsatz von WLANf&#228;higen Ger&#228;ten an den Frankfurter Schulen ist also weder Lehrern noch Sch&#252;lern ohne Zusatzkosten f&#252;r den Zugang zum mobilen Telefonnetz nicht m&#246;glich, was die M&#246;glichkeiten des Einsatzes von heute weit verbreiteten WLANf&#228;higen Ger&#228;ten an den Schulen unm&#246;glich macht, w&#228;hrend kabelgebundene Arbeitsm&#246;glichkeiten nur sehr begrenzt zur Verf&#252;gung stehen.</p>

<p>Eine zweite Anmerkung: Meiner Erfahrung nach ist es ein Klischee, dass Generationenwechsel der Lehrerschaft heute schon eine besonder Chance in Sachen verf&#252;gbarer Grundbildung im Bereich der Medienkompetenz bedeutet. Junge Lehrende zeigen nur teilweise eine h&#246;here Bereitschaft und Bef&#228;higung im Umgang mit digitalen Medien wie &#228;ltere Lehrende. Betrachte ich meine pers&#246;nliche Vernetzung mit Lehrenden, so stelle ich fest, dass es hier Lehrkr&#228;fte aller Altersstufen in etwa gleicher Quantit&#228;t gibt. Gleichzeitig stelle ich fest, dass nach wie vor viele junge Lehrkr&#228;fte das Internet zwar privat als E-Mail- und Rechercheoption nutzen, ohne gleichzeitig zu einer medienp&#228;dagogisch relevanten Kompetenz im Umgang mit diesen Medien zu gelangen. Von daher ist die Forderung nach einer gr&#246;&#223;eren Ber&#252;cksichtigung digitaler Medien bereits in der Lehrerausbildung berchtigt, ohne dass damit schon die Frage beantwortet w&#228;re, wie die Medienkompetenz der Lehrenden an den Hochschulen in ihrer Qualit&#228;t sichergestellt werden kann.</p>

<p>Aus diesen &#220;berlegungen ergeben sich folgende Schlussfolgerungen:</p>

<ol>
    <li>Lehrende m&#252;ssen eigene Medienkompetenzen verf&#252;gbar haben oder entwickeln, um solche im medienp&#228;dgogischen Kontext (fachdidaktisch begr&#252;ndet) integrieren zu k&#246;nnen.</li>
    <li>Lehrende m&#252;ssen &#252;ber eigene Erfahrungen im Bereich des selbstgesteuerten Lernens mittels digitaler und vernetzter Ressourcen verf&#252;gen k&#246;nnen, um solche Lernprozesse initiieren zu k&#246;nnen.</li>
    <li>Der Zugang zu medienp&#228;dagogischen Lernprozessen muss &#252;ber die Wertsch&#228;tzung der bereits vorhanden Ressourcen der Jugendlichen er&#246;ffnet werden und nicht &#252;ber kritisch distanzierende Hinweise zu Gef&#228;hrdungspotentialen.</li>
    <li>Die Bedeutsamkeit digitaler Medien f&#252;r Jugendliche ist ernst zu nehmen und in den Unterricht zu integrieren.</li>
    <li>Medienp&#228;dagogik ist keine auf den Informatikunterricht oder sonstige zus&#228;tzliche Angebote zu begrenzende Aufgabe, sondern eine der zentralen Aufgabe der P&#228;dagogik in einer Wissensgesellschaft, die von einer optimalen Nutzung der gemeinsamen Wissenskonstruktion lebt.</li>
    <li>Die Schultr&#228;ger m&#252;ssen daf&#252;r Sorge tragen, dass die verf&#252;gbaren M&#246;glichkeiten digitaler Medien im Kontext selbstgesteuerten und selbstverantworteten Lernens von den Lernenden und den Lehrenden &#252;berhaupt genutzt werden k&#246;nne.</li>
</ol>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

<ul class="similar-posts"><li><a href="http://herrlarbig.de/2011/05/03/thesen-zur-zukunft-des-lernens-opco11/" rel="bookmark" title="3. Mai 2011">Thesen zur Zukunft des Lernens ( #opco11 )</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/01/19/prof-dr-martin-ist-pensioniert-und-wird-noch-immer-klueger/" rel="bookmark" title="19. Januar 2010">Prof. Dr. Martin ist pensioniert und wird noch immer kl&#252;ger…</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/03/12/herausforderung-medienpaedagogik/" rel="bookmark" title="12. M&#228;rz 2009">Herausforderung Medienp&#228;dagogik</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/06/28/die-bildungsfrage-als-medienfrage/" rel="bookmark" title="28. Juni 2009">Die Bildungsfrage als Medienfrage</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/18/medien-im-unterricht-ein-diskussionsbeitrag/" rel="bookmark" title="18. April 2009">Medien im Unterricht – Ein Diskussionsbeitrag</a></li>
</ul>

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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 22:08:49 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Belangloses Wissen hat Hochkonjunktur. Wissen ohne Bez&#252;ge zur eigenen Person ist allgegenw&#228;rtig. Und ich sage es lieber schon gleich zu Beginn, dass ich dagegen nach wie von dem Bildungsbegriff (ich weigere mich, in diesem Zusammenhang von einem Bildungsideal zu sprechen) &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Belangloses Wissen hat Hochkonjunktur. Wissen ohne Bez&#252;ge zur eigenen Person ist allgegenw&#228;rtig. Und ich sage es lieber schon gleich zu Beginn, dass ich dagegen nach wie von dem Bildungsbegriff (ich weigere mich, in diesem Zusammenhang von einem Bildungsideal zu sprechen) Wilhelm von Humboldts gepr&#228;gt bin und diesen nach wie vor f&#252;r bedeutsam halte. Zun&#228;chst eine Bestandsaufnahme:</p>

<ul>
    <li>Bildung wird heute mit Schulabschl&#252;ssen gleich gesetzt und dabei in h&#246;here und nicht h&#246;here Bildung aufgeteilt. Ohne Bildung in diesem formalen Sinne<span id="more-1468"></span> geraten Menschen heute schnell in die sogenannte „Bildungsarmut“. Eine interessante Zusammenstellung zum Thema liefert das von der <a href="http://www.bpb.de" target="_blank">Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung</a> herausgegebene Heft <a href="http://www.bpb.de/publikationen/JQJWQK,,0,Bildungsmisere.html" target="_blank">Aus Politik und Zeitgeschichte (B 21-22/2003)</a>, in dem die „Bildungsmisere“ in Deutschland umfassend aufgegriffen wird.</li>
    <li>„Wissen“ ist heute Gegenstand der Unterhaltung, in Quizsendungen mit sehr beeindruckenden Gewinnm&#246;glichkeiten (ohne diese Geldsummen w&#228;ren diese Sendungen wahrscheinlich noch offensichtlicher langweilig als sie es eh schon sind), aber auch in den zahlreichen, oft als „Dokumentationen“ daher kommenden „Wissens“-Sendungen vor allem im Fernsehen.</li>
    <li>Die Begriffe „Wissen“ und „Bildung“ werden oft synonym gebraucht, so z.B. im Titel von Dietrich Schwanitz’ „Bildung. Alles, was man wissen mu&#223;“, M&#252;nchen, 24. Auflage 2002.</li>
    <li>Neben den Begriffen „Wissen“ und „Bildung“ spielt in der gegenw&#228;rtige „Bildungs“-Debatte auch der „Kompetenz“-Begriff eine nicht unbedeutende Rolle.</li>
</ul>

<p>Mir kommt das wie ein gordischer Knoten der Vermengung, Gleichsetzung und Entleerung bis zur Bedeutungslosigkeit der W&#246;rter vor – Grund genug, den Begriffen einmal ein wenig nach zu gehen, ohne den Anspruch auf ein letztes Wort zu erheben. Das ist ein Blog-Eintrag, nicht mehr, aber auch nicht weniger.</p>

<p>Und schon sto&#223;e ich auf das erstes Problem: Alle hier von mir in den Fokus genommen Begriffe sind keine voraussetzungslosen Begriffe, alle drei Begriffe ergeben sich in ihrer Bedeutung aus einer Grundeigenschaft von (vielen) Lebewesen, n&#228;mlich der Eigenschaft, dass Lebewesen lernen. Den Menschen zeichnet dar&#252;ber hinaus (nach unserem bisherigen Kenntnisstand) die Eigenschaft aus, dass er &#252;ber solche Prozesse selbst nachdenken kann und daraus folgend die F&#228;higkeit entwickeln konnte „Ich“ zu sagen, sich also als ein &#252;ber sich selbst reflektieren k&#246;nnendes Individuum erf&#228;hrt, das nicht nur implizites, sondern auch explizites Wissen erzeugen kann.</p>

<p>Kurz: Dass wir Menschen lernen ist die Voraussetzung f&#252;r das Sprechen &#252;ber Bildung, Wissen und Kompetenzen.  Dabei lernt der Mensch schon alleine, weil er Mensch ist. Das Gelernte ist zun&#228;chst allerdings  kein explizierbares, also aussprechbares und damit in Pr&#252;fungen abrufbares Wissen (<a href="http://www.teachsam.de/psy/psy_kog/lernth/wiss/wiss_2_2_1_1.htm" target="_blank">explizites Wissen</a>), sondern ein Wissen, dass nicht (vollst&#228;ndig) in Worten ausgedr&#252;ckt werden kann und vor allem ein „K&#246;nnen“ ist (<a href="http://www.teachsam.de/psy/psy_kog/lernth/wiss/wiss_2_2_1_2.htm" target="_blank">implizites Wissen</a>).</p>

<p>Ein Beispiel: Kinder lernen sprechen und k&#246;nnen es dann, ohne dass sie zun&#228;chst in der Lage w&#228;ren, die Regeln, denen ihre nach einer gewissen Zeit meist korrekt gebildeten S&#228;tze folgen, benennen zu k&#246;nnen. Kinder lernen laufen, ohne erkl&#228;ren zu k&#246;nnen, wie das Laufen funktioniert etc. (implizites Wissen).</p>

<p>Sp&#228;ter lernen Kinder dann in der Schule die Grammatik, die in die Lage versetzt &#252;ber korrekten Satzbau zu sprechen, Satzstrukturen zu analsysieren und die als Wissen &#252;berpr&#252;ft werden kann (explizites Wissen).</p>

<p>Betrachte ich die heutige Bildungsdiskussion, so scheint mir mit dem Begriff „Wissen“ vor allem dieses explizite, &#252;berpr&#252;fbare Wissen gemeint zu sein, solches Wissen also, dass in Lexika, Lehrb&#252;chern etc. zur Verf&#252;gung steht und das Menschen seit der Aufkl&#228;rung im Rahmen von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4die" target="_blank">Enzyklop&#228;dien</a>“ sammeln und zur Verf&#252;gung stellen.</p>

<p>In diese Reihe geh&#246;rt auch Wikipedia, wenn es um das Ziel geht, m&#246;glichst gro&#223;e Teile des verf&#252;gbaren Wissens zug&#228;nglich zu machen.</p>

<p>Implizites Wissen rangiert in der Werteskala der „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wissensgesellschaft" target="_blank">Wissensgesellschaft</a>“ unter dem expliziten Wissen und wird entweder als selbstverst&#228;ndlich vorausgesetzt oder in eine explizierbare Form &#252;bertragen, deren Beherrschung dann &#252;berpr&#252;ft werden kann. Wer solche Pr&#252;fungen nachweisen kann, verf&#252;gt &#252;ber „formale Bildung“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_0_1468" id="identifier_0_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Auszug aus einem Werk zum Thema im Rahmen eines Projektes zur Ideengeschichte von der Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Ingrid Lohmann findet sich als PDF-Dokument hier.">1</a></sup></p>

<p>Um „formale Bildung“ zu erreichen, sind bestimmte Kompetenzen notwendig, wobei der <a href="http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/eval-qs-qm/forschung/dfg-projekt_gesundheit/Kompetenzbegriff/index.html" target="_blank">Kompetenzbegriff</a> als solcher in Bildungszusammenh&#228;ngen <a href="http://www.ash-berlin.eu/uploads/media/Was_sind_Kompetenzen.pdf" target="_blank">sehr vielf&#228;ltig verwendet</a> und h&#228;ufig mit dem <a href="http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000000908/04_KapA4.pdf;jsessionid=BC7958906E17F681CF261F5D93D797A6?hosts=" target="_blank">Qualifikationsbegriff</a> verbunden wird. In diesem Rahmen wird dann auch von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselqualifikation" target="_blank">Schl&#252;sselqualifikationen</a>“ gesprochen, zu denen unter anderem z. B. das Lesen und das Schreiben geh&#246;ren.</p>

<p>Und um die Vielfalt und Unsch&#228;rfe der Begriffe noch ein wenig weiter vorzuf&#252;hren, nenne ich noch die Weiterf&#252;hrung des Kompetenzenbegriffs in der Rede von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Kompetenz" target="_blank">sozialen Kompetenzen</a>“, die heute auch unter dem Begriff „soft skills“ bekannt sind.</p>

<p>Der Kompetenzenbegriff ist also schillernd, mit der Folge, dass er in jedem Zusammenhang, in dem er verwendet wird, eigens ausdifferenziert werden muss, was auch nicht gerade zur Sch&#228;rfung des Begriffs im Sinne eines „expliziten Wissens“ beitr&#228;gt – aber nicht zu vermeiden ist, soll er von einem abstrakten Begriff in handhabbare Handlungszusammenh&#228;nge, wie sie beispielsweise in Bildungprozessen unabdingbar sind, &#252;bertragbar sein.</p>

<p>Der Kompetenzenbegriff ist in diesem Sinne ein Metabegriff, der sich von Schl&#252;sselqualifikationen (die ich hier lieber Schl&#252;sselkomeptenzen nenne) ausgehend in unterschiedlichen Handlungszusammenh&#228;ngen unterschiedlich zeigt, sodass man im konkreten Anwendungsfall von „Fachkompetenzen“ spricht.</p>

<p>Diese Fachkompetenzen sind dann mit Fachwissen verbunden, wobei es auch hier Wissensbest&#228;nde gibt, die als „Schl&#252;sselkompetenzen“ fach&#252;bergreifend vorausgesetzt werden, wobei wir z. B. einmal mehr beim Lesen und Schreiben w&#228;ren, das dementsprechend z. B. in der Schule eben nicht nur im Deutschunterricht gelernt werden kann, sondern auch im Verantwortungsbereich nahezu aller F&#228;cher, insbesondere aber von F&#228;chern wie Geschichte, Religion, Politik und Wirtschaft (Sozialkunde, Gemeinschaftskunde), Ethik, den Fremdsprachen…, liegt.</p>

<p>Im Deutschunterricht werden die explizierbaren Grundlagen und Anwendungsformen dieses „Wissens“ ins Zentrum gestellt, die Feinabstimmung kann nur im Zusammenspiel der unterschiedlichen F&#228;cher gelingen, was f&#252;r mich dann auch wieder das zentrale Merkmal von „Schl&#252;sselkompetenzen“ widerspiegelt: Sie sind in ihrer Bedeutung f&#228;cher&#252;bergreifend und werden in den unterschiedlichen F&#228;chern mit fachspezifischen Zusatzqualifikationen angereichert.</p>

<p>====&gt;</p>

<p>Zusammenfassung:  Das Lernen ist Teil der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Conditio_humana" target="_blank">Conditio Humana</a>, des Wesens des Menschen, und f&#252;hrt immer und bei jedem Menschen zu implizitem Wissen. Dieses implizite Wissen kann zu explizitem Wissen werden, wobei explizites Wissen dar&#252;ber hinaus in der Lage ist, dem Menschen neue Wissensgebiete zu erschlie&#223;en<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_1_1468" id="identifier_1_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="z. B. in der Physik, der Astronomie, der Philosophie, der Mathematik, der Geschichte, der Religion, der Ethik, in den Bereichen von Politik und Wirtschaft, kurz: in allen Gebieten, die f&amp;#252;r eine Wissensgesellschaft bezeichnend sind und deshalb z. B. f&amp;#252;r die Bundesrepublik Deutschland von zentraler Bedeutung sind">2</a></sup>. Explizites Wissen kann enzyklop&#228;discher Natur sein (ich nenne das in Anschluss an <a href="http://www.martin-wagenschein.de/" target="_blank">Martin Wagenschein</a> und <a href="http://www.adz-netzwerk.de/SCHULEN-DER-KORPERLOSIGKEIT-Vortrag-von-Horst-Rumpf-beim-Muensteraner-Konvent.php" target="_blank">Horst Rumpf</a> „Bescheid wissen“) oder anwendungsorientiert<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_2_1468" id="identifier_2_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So macht es einen Unterschied, ob z. B. eine Fremdsprache auf Beherrschen der grammatikalischen Regeln, Vokabelwissen und Schriftlichkeit hin gelernt wird oder ob, von diesen unabdingbaren Voraussetzungen ausgehend, auf Anwendbarkeit in konkreten Gespr&amp;#228;chen hin gelernt wird.">3</a></sup>, wobei es dann vom Wissen zum anwendbaren Wissen, also zur Kompetenz wird.</p>

<p>&lt;====</p>

<p>Und was hat das nun mit Bildung zu tun?</p>

<p>Die Antwort kann weder „Nichts“ noch alles „Alles“ hei&#223;en, sondern, wer h&#228;tte das gedacht, bedarf einer weiteren Differenzierung.</p>

<p>Und so kommt  jetzt endlich, wie oben angek&#252;ndigt, Humboldt ins Spiel.</p>

<p>„Bildung“, wie ich den Begriff hier verstehe, ist weder mit „Wissen“ noch mit „Kompetenzen“ identisch, noch von „Wissen“ und „Kompetenzen“ getrennt zu verstehen. Ich betone das an dieser Stelle, weil ich zunehmend den Eindruck habe, dass der Bildungsbegriff mehr und mehr mit verwertbarem „Wissen“ und somit mit „Kompetenzen“ gleich gesetzt wird, es vielleicht sogar die Tendenz gibt, im Rahmen eines „kompetenzenorientierten Unterrichts“ im schulischen Bereich die „Kompetenzen“ alleine ins Zentrum zu stellen, obwohl nat&#252;rlich jeder Lehrende wei&#223;, dass „Kompetenzen“ ohne „Wissen“ wie Autos ohne Motor, Fahrr&#228;der ohne Ketten, K&#246;rper ohne Gehirn sind. Vielleicht mit einer der Gr&#252;nde, warum erfahrene Lehrkr&#228;fte das Reden &#252;ber „Kompetenzen“ befremdlich finden…  Also, <a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Humboldt,+Wilhelm+von?hl=humboldt" target="_blank">Humboldt</a>, jetzt endlich, mit einem<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung" target="_blank"> Zitat aus den enzyklop&#228;dischen Wissensbest&#228;nden der Wikipedia</a>:</p>

<blockquote>
<p style="text-align: left;"><strong>Bildung</strong> bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“.</p>

W&#228;hrend in der Umgangssprache mit dem Begriff Bildung eher andere Begriffe, wie „Belehrung“, „Schulbildung“ oder „Wissensvermittlung“ assoziiert werden, haftet seit <a title="Wilhelm von Humboldt" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt" target="_blank">Wilhelm von Humboldt</a> in der Theorie und der Programmatik „dem Wort Bildung das Moment der Selbst&#228;ndigkeit, also des Sich-Bildens der Pers&#246;nlichkeit“ an (<a title="Hartmut von Hentig" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmut_von_Hentig" target="_blank">Hartmut von Hentig</a>).

Nach Humboldt ist Bildung „die Anregung aller Kr&#228;fte des Menschen, damit diese sich &#252;ber die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualit&#228;t und Pers&#246;nlichkeit f&#252;hren“.<sup id="cite_ref-0" class="reference"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung#cite_note-0" target="_blank">[1]</a></sup></blockquote>

<p><a href="http://www.didaktik.uni-jena.de/did_04/humboldt.htm" target="_blank">Anders ausgedr&#252;ckt</a>: Bildung findet dort statt, wo der Mensch als Individuum zu sich selbst findet.</p>

<p>Als Individuum zu sich selbst finden?  Diese Aussage ist zun&#228;chst einmal ein Hinweis darauf, dass sich Bildung nicht auf verwertbares und anwendbares, wom&#246;glich rein berufsbezogenes Wissen bezieht, dieses aber auch nicht ausschlie&#223;t, sondern &#252;ber es hinaus geht. Um es in einem nahe am Klischee scheinenden, kurzen Satz auszudr&#252;cken:</p>

<p>Bildung ist Pers&#246;nlichkeits- und eben nicht prim&#228;r Berufsbildung.</p>

<p>Bildung ist weit mehr als die mit ihr nat&#252;rlich verbundene Ausbildungs- oder Studierf&#228;higkeit, ist mehr als Qualifikation, mehr als Kompetenzen.</p>

<p>Die Aufgabe von Bildungsprozessen ist, inklusive all der qualifizierenden Aufgaben, den Prozess der ganzheitlichen Pers&#246;nlichkeitsentwicklung zu unterst&#252;tzen, zu begleiten und zu f&#246;rdern. Und somit findet Bildung nicht nur in der Schule statt, die aber auch in diesem Sinne einen ganz klaren Erziehungsauftrag hat. So hei&#223;t es in <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/HKM_Internet?rid=HKM_15/HKM_Internet/nav/374/3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2%26_ic_uCon=72920bec-b224-d901-be59-2697ccf4e69f.htm&amp;uid=3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2" target="_blank">§2 Abschnitt 1 des Hessischen (also des f&#252;r mich relevanten) Schulgesetzes</a> ausdr&#252;cklich:</p>

<blockquote><strong>Die Schulen</strong> im Lande Hessen erf&#252;llen in ihren verschiedenen Schulstufen und Schulformen den ihnen in Art. 56 der Verfassung des Landes Hessen erteilten gemeinsamen Bildungsauftrag, der auf humanistischer und christlicher Tradition beruht. Sie <strong>tragen dazu bei, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ihre Pers&#246;nlichkeit in der Gemeinschaft entfalten k&#246;nnen</strong>. (Hervorhebungen von Herrn Larbig)</blockquote>

<p>Alles „Wissen“, alle „Kompetenzen“ sind also der Aufgabe unterstellt, dazu beizutragen, dass Menschen ihre Pers&#246;nlichkeit in der Gemeinschaft entwickeln und entfalten k&#246;nnen. Das Gesetz spricht zwar nicht von der Entwicklung, aber diese geh&#246;rt zur Entfaltung unabdingbar dazu.</p>

<p>Um zur Pers&#246;nlichkeitsentwicklung und -entfaltung in Gemeinschaft beitragen zu k&#246;nnen, reicht die Vermittlung und das (Auswendig)Lernen von enzyklop&#228;dischen Wissensbest&#228;nden also nicht aus. Die fr&#252;her (und auch heute noch verbreitete) Rede von Lernzielen griff / greift zu kurz, da damit oft die Beherrschung eines gewissen Unterrichtsstoffes im Sinne von explizitem Wissen verstanden wurde / wird (Vokabeln, Jahreszahlen in Geschichte, Formeln in den Naturwissenschaften etc.).</p>

<p>Um dieser Tendenz entgegen zu wirken, wurde in j&#252;ngerer Zeit der Kompetenzbegriff in die Bildungsdebatte eingebracht, der in der Lehrerausbildung, zumindest in der mir bekannten hessischen Lehrerausbildung, zunehmend an Gewicht gewinnt. Diesem Kompetenzbegriff geht es um anwendbares Wissen, womit wir dem Bildungsbegriff, wie ich ihn hier vertrete, schon ein gutes St&#252;ck n&#228;her gekommen sind, solange der Kompetenzbegriff nicht, was meiner Wahrnehmung nach leider durchaus geschieht, alleine auf einen Bereich der (berufs)praktischen Verwertbarkeit beschr&#228;nkt wird.</p>

<p>Vom humboldtschen Bildungsbegriff ausgehend, muss der Kompetenzenbegriff so verstanden werden, dass Menschen lernen, ihre individuellen Talente und F&#228;higkeiten in der Gemeinschaft entfalten zu k&#246;nnen. Und ein so verstandener Bildungsbegriff ist f&#252;r mich dann „Allgemeinbildung“, weit mehr also als Wissensbest&#228;nde, die allgemein als bekannt vorausgesetzt werden.</p>

<p>====&gt;</p>

<p>Zusammenfassung:</p>

<p>Mit dem humboldtschen Bildungsbegriff, der Wissen und Kompetenzen einschlie&#223;t, sich aber nicht auf diese Seiten der Bildung beschr&#228;nkt, ist zentral die Frage nach den Voraussetzungen, Bedingungen und M&#246;glichkeiten der Entfaltung der eigenen Pers&#246;nlichkeit in Gemeinschaft verbunden. Bildung bezieht sich hier ganzheitlich auf individuelle Pers&#246;nlichkeiten und nicht prim&#228;r auf &#246;konomisch verwertbares Wissen.</p>

<p>&lt;====</p>

<p>Bleibt, nach so viel Theorie, die Frage nach den praktischen Konsequenzen, wobei ich mich hier weitgehend auf die Konsequenzen f&#252;r den Teil des individuellen Bildungsprozesses beschr&#228;nke, der in der Schule bzw. im Umfeld der Schule stattfindet. Und um es gleich zu sagen: Bei allen Diskussionen um PISA, TIMMS und Co, hat sich gerade in der Richtung auf „Bildung“ hin, in den vergangenen Jahren sehr viel getan, ohne dass die Probleme wirklich gel&#246;st worden w&#228;ren:</p>

<ul>
    <li>Die hier erarbeitete Bestimmung des Bildungsbegriffs verlangt, dass das Individuum eine Chance zur Entfaltung der ihm / ihr eigenen Pers&#246;nlichkeit bekommt. Die heute mehr und mehr geforderte Sch&#252;lerorientierung von Unterricht verstehe ich in dieser Richtung.</li>
    <li>Es gibt Bedingungen, unter denen diese Entfaltung des Individuums besser oder schlechter gelingt. PISA und die entsprechenden OECD-Studien haben deutlich darauf hingewiesen, dass in Deutschland nach wie vor die sozialen (im Sinne von &#246;konomischen) Voraussetzungen mit dazu beitragen, wie weit dieser Prozess der Entfaltung des Individuums in Gemeinschaft mehr oder weniger gelingt. „Bildung“, wie sie hier verstanden wird und wenn sie genau diese Entfaltung f&#246;rdern soll, muss in ihrer Organisation daf&#252;r sorgen, dass diese sozialen (&#246;konomischen) Grenzen keine Rolle spielen. Und bei aller Kritik am deutschen Schulwesen, die in dieser Hinsicht immer wieder und als kritisches Korrektiv auch v&#246;llig zurecht laut wird, haben wir ein Schulsystem, das zumindest von der Idee her, so durchl&#228;ssig ist, wie es f&#252;r solche Bildungsprozesse theoretische notwendig ist. Dass dies in der Praxis nicht gelingt ist ein Problem, zu dem es zwar viele Ideen (Gemeinschaftsschule, Gesamtschule etc.) gibt, aber nur wenige die vorhandenen Grenzen durchl&#228;ssiger machende oder auf aufl&#246;sende L&#246;sungen. Und wenn ich auch nicht zu denen geh&#246;re, die im Zusammenhang von gelingender Bildung als erstes nach Geld rufen: Hier scheinen die sozialen Unterst&#252;tzungsma&#223;nahmen (Sch&#252;ler-BAF&#214;G…) bislang nicht angemessen zu greifen.</li>
    <li>In der Unterrichtspraxis geht es darum, die Individuen auch als solche wahrnehmen zu k&#246;nnen. Rechne ich einmal durch, wie viele dieser Individuen ich als solche zu f&#246;rdern haben, komme ich mit momentan 145 auf eine f&#252;r einen Lehrer noch recht &#252;bersichtliche Zahl, die aber, wenn ich mir vorstelle, dass ich 145 Mal individuell der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung dienen (sic!) soll, schon erschreckend genug ist und in der Regel auch deutlich h&#246;her liegen kann. (Gehe ich von einem „Nebenfach”-Lehrer aus, der jeweils nur zweist&#252;ndig in den Jahrgangsstufen unterricht, kann dies z.B. in Sekundarstufe I zu bis zu 390 individuell zu f&#246;rdernden Kindern und Jugendlichen gehen.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_3_1468" id="identifier_3_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier wird eine Klassengr&amp;#246;&amp;#223;e von 30 und ein Stundendeputat von 26 Stunden zu Grunde gelegt.">4</a></sup> Ob in diesem Rahmen der Bildungsauftrag mit dem hier zu Grunde gelegten Bildungsbegriff gelingen kann, m&#246;ge jeder selbst entscheiden.</li>
</ul>

<p>Wenn ich aber dennoch davon ausgehe, dass Unterricht gelingen kann, stellt sich die Frage, welche Methoden oder Metamethoden vor dem Hintergrund des hier vertretenen Bildungsbegriffs m&#246;glicherweise hilfreich sein k&#246;nnen.</p>

<p>F&#252;r mich ist klar, dass es sich um Methoden handeln muss, die in sich den Auftrag zur Erm&#246;glichung der Entfaltung von Individuuen in Gemeinschaft aufgreifen und m&#246;glichst weitgehend erf&#252;llen.</p>

<ul>
    <li>Unterricht muss m&#246;glichst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binnendifferenzierung" target="_blank">binnendifferenziert </a>erfolgen. Es m&#252;ssen also m&#246;glichst innerhalb einer Lerngruppe individualisierte Lernwege erm&#246;glicht werden. (Klassengr&#246;&#223;en mit 30 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern erschweren dies zumindest erheblich.)</li>
    <li>Die Lernden m&#252;ssen aktiv sein k&#246;nnen und Unterricht nicht nur konsumieren. Methodische M&#246;glichkeiten, dies zu erreichen, stehen in der Gruppenarbeit, deren Konzeption und Durchf&#252;hrung h&#246;chste Anspr&#252;che an die Lehrenden stellen, in Projektarbeit, in problemorientiertem Unterricht, der es Lernenden erm&#246;glicht, individuelle L&#246;sungswege zu entwickeln und in nahezu allen <a href="http://methodenpool.uni-koeln.de/" target="_blank">Ans&#228;tzen der konstruktivistischen P&#228;dagogik</a> zur Verf&#252;gung. Dazu geh&#246;rt auch der Ansatz „<a href="http://www.ku-eichstaett.de/Forschung/forschungsprojekte/ldl.de" target="_blank">Lernen durch Lehren</a>“, der hochgradig auf die Aktivierung (Entfaltung) der Jugendlichen als Individuen in Gemeinschaft hin ausgerichtet ist und bei genauer Betrachtung einen radikal humanistischen Ansatz repr&#228;sentiert. Kurz: Handlungsorientierte Ans&#228;tze scheinen nach wie vor einen der besten Ans&#228;tze zur Erm&#246;glichung der Entfaltung des Individuums in Gemeinschaft zu bieten.</li>
</ul>

<p>Nat&#252;rlich wei&#223; ich, dass auch der hier vertretene Bildungsbegriff in Vergangenheit und Gegenwart nicht unumstritten geblieben ist. Die einen fordern mit Bezug auf Humboldt und Friedrich Schiller die<a href="http://www.zeit.de/2005/10/Kulturnation" target="_blank"> R&#252;ckkehr zur Kulturnation</a>, die anderen <a href="http://www.polwiss.fu-berlin.de/fsi/ap/ap5-humboldt.htm" target="_blank">stellen den humboldtschen Bildungsbegriff in Frage</a>. Und wer mag, kann &#252;ber Suchmaschinen noch mehr Artikel zu den Pro- und Contra-Diskussionen um diesen Bildungsbegriff finden.</p>

<p>Und ich gebe zu, dass dem Verst&#228;ndnis des humboldtschen Bildungsbegriffs oft etwas elit&#228;res anhaftet, hoffe aber, das meine, f&#252;r ein Blog sehr umfangreichen, f&#252;r die Sache aber eher marginalen, Gedanken zum Thema, zumindest deutlich machen konnten, dass ein Begriff von „Bildung“, der das Individuum im Rahmen der differenzierten Talente, die jedes von ihnen mit sich bringt, ins Zentrum der &#220;berlegungen stellt (Ein Leitspruch der Schule, an der ich unterrichte lautet dann auch „Das Kind in die Mitte“ gepr&#228;gt von dem schillerschen Schulmotto „Der Menschheit W&#252;rde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie! Sie sinkt mit euch; mit euch wird sie sich heben.“) in der heutigen Bildungsdebatte zumindest ein wenig zur Kl&#228;rung von Begriffen beizutragen vermag.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

<ul class="similar-posts"><li><a href="http://herrlarbig.de/2011/06/30/herrn-larbigs-bibliothek-9-jussi-adler-olsen-erlosung/" rel="bookmark" title="30. Juni 2011">Herrn Larbigs Bibliothek 9 – Jussi Adler-Olsen: Erl&#246;sung</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/01/29/podcasts-eine-kurze-einfuehrung/" rel="bookmark" title="29. Januar 2009">Podcasts &#8211; Eine kurze Einf&#252;hrung</a></li>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/gefunden-add-on-to-the-face-to-face-learning-at-adelaide-university-podcast-english/" rel="bookmark" title="21. November 2010">Gefunden: Free iPads as an Add-On to the Face-to-Face-Learning at Adelaide-University (Podcast / English)</a></li>
</ul>

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		<title>Medien im Unterricht – Ein Diskussionsbeitrag</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Apr 2009 01:19:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Blog von Fontanefan fand ich einen Artikel, der sich mit einem Medienp&#228;dgogischen Manifest und einem Artikel von Ralf Hilgenstock besch&#228;ftigt und der mich zu ein paar eigenen &#220;berlegungen angeregt hat. Fontanefan schreibt: „1. P&#228;dagogik im Medienzeitalter ist notwendigerweise u.a. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/04/18/medien-im-unterricht-ein-diskussionsbeitrag/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Blog von <a href="http://fontanefan.blogspot.com/" target="_blank">Fontanefan</a> fand ich <a href="http://fontanefan.blogspot.com/2009/04/medien-im-unterricht.html" target="_blank">einen Artikel</a>, der sich mit einem <a href="http://www.medienpaed.de/news/pdf/MedienpaedagogischesManifest_2009.pdf" target="_blank">Medienp&#228;dgogischen Manifest</a> und einem <a href="http://dialoge.info/b2/index.php/2009/04/03/vom-arg-begrenzten-wert-der-oeffentliche" target="_blank">Artikel von Ralf Hilgenstock</a> besch&#228;ftigt und der mich zu ein paar eigenen &#220;berlegungen angeregt hat.</p>

<p>Fontanefan schreibt:<span id="more-1356"></span></p>

<blockquote>„1. P&#228;dagogik im Medienzeitalter ist notwendigerweise u.a. Medienp&#228;dagogik. Das gilt aber schon, seit es B&#252;cher gibt.“</blockquote>

<p>Und somit ist jeder Umgang mit einem Informationstr&#228;ger mit Medienp&#228;dagogik gleich zu setzen: Handschrift als Kulturtechnik geh&#246;rt ebenso zur Medienp&#228;dagogik wie der Umgang mit B&#252;chern, Theater, Film, Tontr&#228;gern, Fotografie, Malerei, Internet, Handy und Festnetztelefon, Zeitung, Zeitschrift, Magazin und was nicht noch alles unter dem Begriff Medien gefasst werden kann.</p>

<p>Es ist kein Zufall, dass selten von der P&#228;dagogik eines Mediums gesprochen wird, sondern  meist im Plural von Medienp&#228;dagogik. Dieser Begriff ist schillernd. Bei Fontanefan beginnt das mit B&#252;chern, die <a href="http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=R009C6" target="_blank">Definition der Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung</a> ist da ein wenig einschr&#228;nkender, wenn sie den Begriff „Medien“ als einen „Sammelbegriff f&#252;r alle <em>audiovisuellen</em> Mittel und Verfahren zur Verbreitung von Informationen, Bildern Nachrichten etc.“ beschreibt. Wor&#252;ber sprechen wir also, wenn wir von „Medienp&#228;dagogik“ sprechen?</p>

<p>Es handelt sich vom Wortsinn her um eine p&#228;dagogisch gest&#252;tzte Heranf&#252;hrung an Medien. Ist das Heranf&#252;hren an B&#252;cher also Medienp&#228;dagogik? Oder gilt die Beschr&#228;nkung auf audiovisuelle Medien, wie sie von der Bundeszentrale f&#252;r politischen Bildung vorgeschlagen wird?</p>

<p>Fontanefan sagt etwas v&#246;llig richtiges, wenn P&#228;dagogik im Medienzeitalter notwendigerweise unter anderem Medienp&#228;dagogik sein m&#252;sse. Das „unter anderem“ darf dabei nicht &#252;berlesen werden, denn nat&#252;rlich ist die Heranf&#252;hrung an Medien nur ein Teil der p&#228;dagogischen Aufgabe aller an p&#228;dagogischen Prozessen beteiligten Personen.</p>

<p>Das Problem liegt beim Begriff „Medien“. Nicht nur hier, sondern in allen medienwissenschaftlichen Zusammenh&#228;ngen ist der Begriff eher unscharf bestimmt. Jeder, der in medienp&#228;dagogischen Kontexten arbeitet, muss sich also mehr oder weniger selbst eine Definition suchen, die dem Medienbegriff zumindest eine pragmatische Sch&#228;rfe gibt. Und damit sind wir beim zweiten Punkt, den Fontanefan anspricht:</p>

<blockquote>„2. Nicht zuf&#228;llig werden neuerdings fast nur noch die ‚neuen Medien’, also aufw&#228;ndige, teure und vom Verschlei&#223; besonders stark betroffene Medien im Zusammenhang mit Medienp&#228;dagogik diskutiert. Das liegt im Interesse der entsprechenden Industrie.“</blockquote>

<p>Dieser Aussage kann ich nur sehr begrenzt folgen, da hier Interessen ins Spiel gebracht werden, die ohne Zweifel vorhanden sind, aber eben auch wenn es um B&#252;cher, Zeitungen etc. geht. Wo immer ein Medium ins Spiel kommt, kommen heute auch wirtschaftliche Interessen ins Spiel – und das gilt auf f&#252;r B&#252;cher oder gar Schulb&#252;cher.</p>

<p>Aufgabe der Medienp&#228;dagogik ist aber nat&#252;rlich auch die Heranf&#252;hrung an die Kompetenz des kritischen Umgangs auch mit der wirtschaftlichen Bedeutung von Medien, wie weit dieser Begriff auch immer verstanden werden mag. Dazu geh&#246;rt unter anderem die Diskussion um propriet&#228;re und offene Software.</p>

<p>Schon der Begriff „Power-Point-Pr&#228;sentation“ ist n&#228;mlich Werbung, da damit ein propriet&#228;res Produkt zum „Standard“ erhoben wird und z.B. die Pr&#228;sentationsm&#246;glichkeiten im Bereich der OpenSource-Software ausgeblendet werden.</p>

<p>Medienp&#228;dagogik ist also auch eine P&#228;dagogik, die Lehrende zur Reflexion des eigenen Sprachgebrauchs zwingt, um eben zumindest auf Seiten der Software keine teuren propriet&#228;ren „Standards“ zu bef&#246;rdern. Dass dies in Bezug auf die Hardware nicht so einfach ist, steht au&#223;er Frage.</p>

<p>Ist Medienp&#228;dagogik also Schleichwerbung f&#252;r z.B. die Computerindustrie? Dem w&#228;re so, wenn Medienp&#228;dagogik das Ziel h&#228;tte, z.B. den Computer erst einzuf&#252;hren. Hier wird &#252;bersehen, dass Medienp&#228;dagogik, zumindest an Schulen, dann doch eher eine reagierende P&#228;dagogik ist. In ihr werden nicht die innovativen Produkte der Zukunkft „vermarktet“, sondern auf eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung aufgegriffen.</p>

<p>Dabei hat Medienp&#228;dagogik die Aufgabe, zur Reflexionsf&#228;higkeit gegen&#252;ber diesen Entwicklungen zu f&#252;hren. Dass mit diesen Entwicklungen auch Fragen der „Kurzlebigkeit“ der Produkte verbunden sind, hat nichts damit zu tun, dass medienp&#228;dagogisch aktive Lehrende die Industrie f&#246;rderten, sondern damit, dass sich in der Gesellschaft eine Entwicklung ergeben hat, die es notwendig macht, solche Medien in den Fokus zu nehmen – und zwar sowohl von der reflektierenden als auch von der praktischen Seite her.</p>

<p>Diese praktische Seite verlangt von Lehrenden sehr viel, da sie diese nat&#252;rlich erst einmal selbst beherrschen m&#252;ssen, bevor hier medienp&#228;dagogisch angemessen (und eben nicht nur in einseitiger Kulturkritik die jeweils neuen Medien verdammend) gearbeitet werden kann. – In diesem Zusammenhang stellt sich dann auch die Frage nach M&#246;glichkeiten des produktiven Umgangs mit diesen „neuen Medien“, denn zurecht wird oft beklagt, dass diese Medien (wie B&#252;cher &#252;brigens auch) vor allem rezeptiv konsumierend eingesetzt werden. Doch gerade hier gibt es im Kontext „neuer Medien“ zahlreiche M&#246;glichkeiten der aktiven Nutzung, die Wissen mit konstruiert und somit Lernprozesse f&#246;rdern und unterst&#252;tzten kann. Dies wird im dritten Punkt des Beitrags von Fontanefan auch zurecht angesprochen:</p>

<blockquote>3. Ich pers&#246;nlich nutze Web 2.0 gern und viel. Es hat viele Vorteile, auch f&#252;r das Lernen, aber auch viele Nachteile. &#8211; Doch ohne das Internet h&#228;tten sich nie so viele intelligente Menschen darauf eingelassen, mich bei meiner Arbeit zu unterst&#252;tzen, wie es inzwischen der Fall war. Ich nenne keine Namen.</blockquote>

<p>Dem stimme ich weitgehend zu. Nat&#252;rlich bringt jedes Medium immer auch m&#246;gliche Nachteile mit sich. Das wusste schon Platon, der Sokrates im Phaidros eine leidenschaftliche Kritik an der Schrift formulieren l&#228;sst, die fast so klingt, als ginge mit der Einf&#252;hrung der Schrift das Abendland, zumindest aber die Ged&#228;chtniskultur, zu Grunde. Andererseits ist es ebenfalls meine Erfahrung, dass ein gezielter, reflektierter (und auch gekonnter) Einsatz „neuer Medien“ Kontakte zu vielen intelligenten Menschen aufbauen kann, die so sonst nicht entstanden w&#228;ren. Auch ich nenne keine Namen, aber schon dieser von Fontanefan angeregte Diskussionsbeitrag ist genau so eine M&#246;glichkeit des produktiven Umgangs mit Medien und deren Inhalten.</p>

<blockquote>„4. Mir w&#228;re ein Ausbau der psychologischen Beratung von Sch&#252;lern, Eltern und Lehrern viel wichtiger als zus&#228;tzlicher Aufwand f&#252;r Medienp&#228;dagogik. Es besteht ein ungeheurer Bedarf, und der wird nur zu einem <span style="font-style: italic;">sehr</span> kleinen Teil abgedeckt.“</blockquote>

<p>Wer k&#246;nnte dem widersprechen? Ich tue es an einer Stelle, n&#228;mlich dort, wo bei mir der Eindruck entsteht, dass hier ein entweder–oder gemeint sein k&#246;nnte. Dass an der einen Stelle ein Mangel besteht, sogar ein sehr gro&#223;er Mangel, kann doch nicht bedeuten, dass an einer anderen Stelle ein solcher Mangel auch entstehen sollte. Heranwachsende wachsen mit Medien auf, Eltern und Lehrer leben, zumindest in den Kontexten, mit denen wir in Deutschland zu tun haben, in einer medial gepr&#228;gten Welt auf. Es bedarf zus&#228;tzlichen Aufwandes f&#252;r Medienp&#228;dagogik <span style="text-decoration: underline;">und</span> die Verbesserung der psychologischen Beratungsangebote. Das eine gegen das andere zu setzen wird den Herausforderungen und Problemen in p&#228;dagogischen Kontexten, die es ohne Frage in reichem Ma&#223;e gibt, nicht gerecht.</p>

<blockquote>„5. Wer Web 2.0 propagiert, sollte zumindest mit den Hauptgedanken der Computerkritik von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Weizenbaum" target="_blank">Joseph Weizenbaum</a> und der Internetkritik von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Clifford_Stoll" target="_blank">Clifford Stoll</a> vertraut sein.“</blockquote>

<p>Ich kenne beide Positionen und halte beide Positionen zumindest f&#252;r ertr&#228;glicher als jene von <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15817/1.html" target="_blank">Neil Postman</a>, w&#252;rde an dieser Stelle aber vielleicht doch ein wenig offener sagen, dass der Umgang mit Web 2.0 ein reflektierter Umgang sein muss. Reflektiert bedeutet nat&#252;rlich auch, dass man zumindest einige theoretische Ans&#228;tze kennen sollte, die einen Reflexionsrahmen herstellen. Weizenbaum und Stoll bieten in diesem Zusammenhang einige wichtige Hinweise. Allerdings ist gerade Stolls Sichtweise eine vom Web 1.0 gepr&#228;gte Position, in der die partizipierende Teilhabe des Web 2.0 noch unber&#252;cksichtigt bleibt. Stoll kritisiert den reinen Konsumcharakter, den der Umgang mit dem Internet in weiten Teilen – auch noch in Web 2.0 Zeiten – hat. Und damit spricht er ein wichtiges Problem der Mediendidaktik und -p&#228;dagogik an.</p>

<blockquote>„6. Das Web dient mehr der Informationsbeschaffung als dem Lernen, aber wer keine solide Bildung hat, wird 10 Jahren ohne Nutzung des Internets einen wesentlichen Nachteil gegen&#252;ber Benutzern des Internets haben.“</blockquote>

<p>Jaein. Das Ph&#228;nomen wird hier richtig benannt und meine Beobachtung geht in genau die gleiche Richtung. Doch ist dies keine wirkliche Kritik an Medienp&#228;dagik oder ein Todesurteil f&#252;r den Einsatz von „neuen Medien“ im Unterricht, da gerade diese Informationsbeschaffungsmentalit&#228;t, mit der viele nahezu ausschlie&#223;lich an das Netz herangehen, ein echtes Problem f&#252;r das Lernen ist.</p>

<p>Ich habe selbst schon das Ph&#228;nomen beobachtet, dass Lernende, die mit Hilfe des Internets eigene Produkte erstellen sollen, pl&#246;tzlich vor dem Problem stehen, dass sie gar nicht wissen, wie das geht. Hier reproduziert sich ein Problem, das ich auch in anderen – analogen! – Lernprozessen beobachten kann, denn mit Hilfe von B&#252;chern ist das Erstellen eigener, die Ergebnisse aufgreifenden, &#252;bertragenden und z.B. f&#252;r eine Pr&#228;sentation umgestaltenden Produkte mit ebenso gro&#223;en Problemen verbunden, trotz Anleitungen.</p>

<p>Und ja: Die Nutzung des Internets ist in vielen F&#228;llen tats&#228;chlich auf Informationbeschaffung beschr&#228;nkt. Das gilt auch f&#252;r B&#252;cher, die oft mehr der Informationsbeschaffung als dem Lernen dienen. Doch gerade hier setzen ja all jene an, die die Nutzung des Web 2.0 „propagieren“. Hier wird versucht, das Internet f&#252;r Lernprozesse fruchtbar zu machen und gleichzeitig eine solide Bildung im kompetenten und produktiven Umgang mit dem Web 2.0 zu erm&#246;glichen, denn dies ist heute, neben all den anderen Inhalten und Kompetenzen, die mit einer soliden Bildung verbunden sind, <span style="text-decoration: underline;">ein</span><em> </em>wichtiger Teil einer solchen Bildung.</p>

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		<title>Wahrheit als philosophisches Thema</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jan 2009 16:06:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute sage ich hier nicht viel. &#220;ber das Thema »Wahrheit« hat Prof. Dr. Maarten J.F.M. Hoenen wesentlich mehr zu sagen als ich. Ich mag das Internet, weil es mir solche Vorlesungen per Podcast verf&#252;gbar macht. – Und f&#252;r alle, die &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/01/26/wahrheit-als-philosophisches-thema/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute sage ich hier nicht viel. &#220;ber das Thema »Wahrheit« hat Prof. Dr. Maarten J.F.M. Hoenen wesentlich mehr zu sagen als ich. Ich mag das Internet, weil es mir solche Vorlesungen per Podcast verf&#252;gbar macht. – Und f&#252;r alle, die mal h&#246;ren wollen, wie eine Vorlesung an der Universit&#228;t klingen kann, ist das hier ein Beispiel, in dem es um eine echte Grundfrage geht.</p>

<blockquote>
<h1 class="documentFirstHeading">Podcast »Theorien der Wahrheit«</h1>
<p style="margin: 0pt;">Die Universit&#228;tsbibliothek dokumentiert die Vortr&#228;ge der <a href="http://www3.ub.uni-freiburg.de/index.php?id=3142" target="_blank">Vorlesung »Theorien der Wahrheit«</a> (Wintersemester 2008/09) von Prof. Dr. Maarten J.F.M. Hoenen als Tonmitschnitte und stellt sie als Podcast und <a href="http://www3.ub.uni-freiburg.de/index.php?id=3142" target="_blank">Einzeldownload</a> bereit.</p>
<p style="margin: 0pt;"></p>
<p style="margin: 0pt;"><a href="http://deimos3.apple.com/WebObjects/Core.woa/Browse/uni-freiburg.de.1830475631.01875424202" target="_blank">Als Podcast f&#252;r iTunes</a></p>
</blockquote>

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