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		<title>F&#228;cher verbindend Kompetenzen lehren – ein Vorschlag</title>
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		<pubDate>Tue, 17 May 2011 21:16:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Vorschlag f&#252;r f&#228;cherverbindendes, kompetenzenorientiertes Lernen aus der Sicht eines Deutschlehrers (Vertreter und Vertreterinnen anderer F&#228;cher sind herzlich eingeladen, ihre Ideen in den Kommentaren zu hinterlassen): Kompetenzen, die in Deutsch eingef&#252;hrt werden, aber auch f&#252;r andere F&#228;cher relevant sind, werden &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/17/facher-verbindend-kompetenzen-lehren-ein-vorschlag/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Vorschlag f&#252;r f&#228;cherverbindendes, kompetenzenorientiertes Lernen aus der Sicht eines Deutschlehrers (Vertreter und Vertreterinnen anderer F&#228;cher sind herzlich eingeladen, ihre Ideen in den Kommentaren zu hinterlassen):</p>

<p>Kompetenzen, die in Deutsch eingef&#252;hrt werden, aber auch f&#252;r andere F&#228;cher relevant sind, werden in den anderen F&#228;chern von beiden Fachlehrern &#252;berpr&#252;ft.</p>

<p>Beispiel: In Deutsch wird die <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_schreibf/schr_schule/beschr/beschr_1.htm" target="_blank">Beschreibung</a> ge&#252;bt und die Klassenarbeit ist dann z. B. eine Versuchsbeschreibung in der Chemie, die Beschreibung eines Ph&#228;nomens in der Biologie, eine Bildbeschreibung in der Kunst.</p>

<p>Die Benotung wird von beiden jeweils beteiligten Fachkollegen /Fachkolleginnen vorgenommen, wobei jede(r) den Teil bewertet, der schwerpunktm&#228;&#223;ig zu seinem / ihrem Fach geh&#246;rt, wobei aber dennoch beide Lehrende zu einer gemeinsamen Note kommen (m&#252;ssen).</p>

<p>Was haltet ihr von einer solchen Idee? Macht so etwas schon jemand meiner Leserinnen und Leser? Gibt es andere Ideen, wie F&#228;cher verbindend Kompetenzen von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler entwickelt werden k&#246;nnen? Und f&#246;rdert so ein Vorgehen wom&#246;glich nebenbei auch noch Kompetenzen Lehrender? Freu mich auf Kommentare.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Mondnacht</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 22:19:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Lineare und aspektorientierte Interpretationen stehen im Deutschunterricht in der Regel im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn es um die Deutung literarischer Texte geht. Die lineare Interpretation folgt dabei sehr kleinschrittig dem Verlauf eines Textes und baut eine Gesamtinterpretation linear entlang des &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/09/30/gedichtinterpretation-joseph-von-eichendorff-mondnacht/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>Lineare und aspektorientierte Interpretationen stehen im Deutschunterricht in der Regel im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn es um die Deutung literarischer Texte geht.</em></p>

<p><em>Die lineare Interpretation folgt dabei sehr kleinschrittig dem Verlauf eines Textes und baut eine Gesamtinterpretation linear entlang des Textes auf.</em></p>

<p><em> Im Extremfall wird Zeile f&#252;r Zeile, Satz f&#252;r Satz in den Blick genommen, sodass sich diese Form der Interpretation vor allem f&#252;r k&#252;rzere Texte anbietet und vor allem bei Gedichten ihre St&#228;rke ausspielen, aber auch bei k&#252;rzeren Prosatexten zum Einsatz kommen kann.</em></p>

<p><em> Bei l&#228;ngeren Texten werden Abs&#228;tze oder Kapitel in den Blick genommen, doch bietet sich solchen Texten eher die aspektorientierte Interpretation an, die von Anfang an auf einzelne Aspekte eines Textes als Schwerpunkt einer Interpretation hin ausgerichtet ist.</em></p>

<p><em>W&#228;hrend die lineare Interpretation theoretisch schon w&#228;hrend dem ersten Leseprozess geschrieben werden kann, praktisch wird auch meistens der Text mehrfach gelesen, bevor die interpretierende Ann&#228;herung beginnt, setzt die aspektorientierte Interpretation gute Textkenntnis voraus.</em></p>

<p><em>Soweit die Theorie. An dieser Stelle soll nun einmal, anders als bei meinen bisherigen Gedichtinterpretationen auf herrlarbig.de, eine m&#246;glichst konsequent durchgef&#252;hrte lineare Interpretation als Zugang zu einem lyrischen Werk versucht werden. </em></p>

<p><em>Zum Teil werde ich Abschnitte der Interpretation selbst noch ein wenig erl&#228;utern. Solche  erl&#228;uternden Teile erscheinen in eigenen, einger&#252;ckten und farblich  abgesetzten Abs&#228;tzen, die kursiv gesetzt sind. Diese Teile k&#246;nnen  &#252;bersprungen werden, wenn alleine die Interpretation des Gedichtes  interessiert.</em></p></blockquote>

<h3><strong>Joseph von Eichendorff</strong></h3>

<h3><strong>Mondnacht (1837)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/09/30/gedichtinterpretation-joseph-von-eichendorff-mondnacht/#footnote_0_4591" id="identifier_0_4591" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Gedicht ist wohl schon um 1835 entstanden, wurde aber 1837 erstmals ver&amp;#246;ffentlicht.">1</a></sup></strong></h3>

<p>Es war, als h&#228;tt&#8217; der Himmel<br />
Die Erde still gek&#252;sst,<br />
Dass sie im Bl&#252;tenschimmer<br />
Von ihm nun tr&#228;umen m&#252;sst.</p>

<p>Die Luft ging durch die Felder,<br />
Die &#196;hren wogten sacht,<br />
Es rauschten leis&#8217; die W&#228;lder,<br />
So sternklar war die Nacht.</p>

<p>Und meine Seele spannte<br />
Weit ihre Fl&#252;gel aus,<br />
Flog durch die stillen Lande,<br />
Als fl&#246;ge sie nach Haus.</p>

<h2><strong>Schritt f&#252;r Schritt: Eichendorffs Mondnacht linear interpretiert</strong></h2>

<p>Die <strong>&#220;berschrift</strong> Joseph von Eichendorffs 1837 ver&#246;ffentlichten Gedichts „Mondnacht“ gibt dem Erwartungshorizont Lesender eine Richtung: Das Gedicht spielt nachts, in einer klaren Nacht oder zumindest in einer solchen, in der der Mond deutlich zu erkennen ist, sei es auch zwischen Wolkenfetzen hindurch. Es wird sich zeigen, ob dies im Verlaufe des Gedichts n&#228;her dargestellt wird, ob die &#220;berschrift mit dem Inhalt &#252;bereinstimmt oder, was Gedicht&#252;berschriften auch immer wieder tun, ob die &#220;berschrift eine falsche Erwartungshaltung weckt, die dann im Verlaufe des Textes mit Bedeutung angereichert wird. Doch bei Eichendorff als Dichter der Romantik ist zu erwarten, dass ein Gedicht folgt, das nicht nur eine Mondnacht beschreibt, sondern auch die Gef&#252;hle des lyrischen Ichs in einen Zusammenhang mit dieser Nacht stellt.</p>

<blockquote><em>In dieser Einleitung wird, was oft nicht gemacht wird, die &#220;berschrift als Teil des Gedichts ber&#252;cksichtigt. Ja, wenn ein Gedicht einen Titel hat, dann ist dieser Bestandteil des Gedichts – und angemessen zu ber&#252;cksichtigen. Dar&#252;ber hinaus wird das Gedicht mit Bezug auf den Autor bereits in den Rahmen einer Literaturepoche gestellt und Vorwissen &#252;ber diese Literaturepoche ber&#252;cksichtigt, um die Erwartungshaltung, die der Interpret gegen&#252;ber diesem Gedicht hat, darzustellen und zu begr&#252;nden. Das bedeutet nicht, dass eine solche Erwartungshaltung im Laufe des Gedichtes best&#228;tigt werden muss. Der Verlauf des Gedichtes kann auch eine ganz andere Richtung nehmen, die dieser von der &#220;berschrift ausgel&#246;sten Erwartungshaltung widerspricht. Wenn dies passiert, ist es im Verlauf der Interpretation angemessen zu ber&#252;cksichtigen und die Frage zu stellen, welche Bedeutung dies f&#252;r das Verst&#228;ndnis des Gedichtes hat.</em></blockquote>

<p>Ein Vergleich, nicht mit „wie“, sondern mit „Es war als“ eingeleitet, er&#246;ffnet in <strong>Vers 1</strong> das Gedicht und stellt sofort den Bezug zum lyrischen Ich her, das hier offensichtlich seinen Eindruck von dieser Mondnacht darzustellen beabsichtigt. Diese drei ersten W&#246;rter des Gedichts vermitteln den Eindruck, dass hier weniger eine Beschreibung der Mondnacht das Ziel ist als die Darstellung einer Stimmung, die in dieser Mondnacht erzeugt wird.</p>

<p>Das n&#228;chste Wort „h&#228;tte“ wird um das -e verk&#252;rzt. In der Folge wird es vom zweisilbigen zum einsilbigen Wort, was notwendig ist, da dieser Vers als dreihebiger Jambus (Es <strong>war</strong> als <strong>h&#228;tt</strong>’ der <strong>Him</strong>mel) mit weiblicher / klingender Kadenz gestaltet ist. Au&#223;erdem verst&#228;rkt das „h&#228;tt&#8217;“ als Konjunktiv Zwei (irrealis) den Eindruck, dass es um die Wahrnehmung der Mondnacht durch das lyrische Ich geht, denn bereits hier wird angedeutet, dass der Eindruck des lyrischen Ichs von einem Bild ausgeht, das also solches kein Teil der „Realit&#228;t“, sondern Teil des Eindrucks, der Stimmung des lyrischen Ichs ist.</p>

<p>Mit „der Himmel“ lenkt das lyrische Ich den Blick des Lesenden „nach oben“, zum Himmel, der sowohl f&#252;r den realen Himmel stehen kann, der in der deutschen Sprache aber auch den Bereich des Transzendenten umfasst. An dieser Stelle bleibt offen, welche Himmelsvorstellung gemeint ist und das fehlende Satzzeichen am Ende des Verses ist ein erster Hinweis, dass das Versende noch nicht das Satzende ist. Ein Enjambement leitet in <strong>Vers 2</strong> &#252;ber, der mit „die Erde“ beginnt und diese Erde somit unmittelbar mit dem Himmel formal verbindet. Dass es nicht nur eine formale Verbindung ist, zeigt der Rest des Vers 2, der wiederum dreihebig jambisch gestaltet ist, nun aber mit einer m&#228;nnlichen / stumpfen Kadenz endet und mit dieser auch den ersten Sinnschritt des Gedichts markiert. Das „still gek&#252;sst“ verbindet Himmel und Erde in der Vorstellung des lyrischen Ichs, doch da der erste Sinnschritt mit einem Komma endet, ist der Eindruck des lyrischen Ichs noch nicht vollendet, der hier dargestellt wird.</p>

<p>In <strong>Vers 3</strong> wird der Eindruck des lyrischen Ichs vertieft, eingeleitet mit der Konjunktion „dass“, die auf einen Nebensatz hinweist, also darauf, dass dieser Kuss von Himmel und Erde nun weiter charakterisiert wird. Diese Charakterisierung wird zun&#228;chst mit dem visuellen Eindruck des „Bl&#252;tenschimmers“ verbunden, der dem lyrischen Ich faktisch vor Augen steht. Es ist wohl eine Nacht im Fr&#252;hjahr oder Sommer, eine Nacht, in deren fahlem Licht die Bl&#252;ten schimmernd zu erkennen sind. Dieser visuelle Eindruck wird in <strong>Vers 4 </strong>personifiziert, dem „Bl&#252;tenschimmer“ wird, wiederum unter Verwendung des Konjunktivs Zwei (m&#252;sst), die F&#228;higkeit des Tr&#228;umens zugeschrieben, eine F&#228;higkeit, die aber alleine den Eindruck des lyrischen Ichs in bildlicher Sprache darstellt. Und wiederum wird um des Rhythmus Willen ein -e weggelassen („m&#252;sst“ statt „m&#252;sste“), sodass sp&#228;testens hier davon ausgegangen werden kann, dass der Rhythmus des Gedichts bewusst vom Autor gestaltet wurde und somit die Form unmittelbar dem Inhalt des Gedichtes verbunden ist.</p>

<blockquote><em>Auch wenn hier Zeile f&#252;r Zeile vorgegangen wird: Diese Interpretation entsteht vor dem Hintergrund, dass das Gedicht schon ganz gelesen wurde. Ohne dass hier die Form der linearen Interpretation verlassen w&#252;rde, flie&#223;t diese Kenntnis nat&#252;rlich in die Betrachtung der Einzelverse ein.</em></blockquote>

<p>Die <strong>erste Strophe</strong> Eichendorffs „Mondnacht“ stellt, so kann zusammenfassend gesagt werden, eine die Stimmung des lyrischen Ichs in dieser Naturerfahrung deutenden Zugang zu dieser Erfahrung dar. Dabei ist sich das lyrische Ich dieser Deutung bewusst, nutzt den Konjunktiv Zwei, um diese in gleichm&#228;&#223;ig flie&#223;endem Rhythmus gesprochene Erfahrung als solche zu kennzeichnen. Dennoch ist die Erfahrung nicht irreal, sie geht vielmehr &#252;ber die rein sachliche Ebene der Naturwahrnehmung hinaus. Der klare Himmel, die Erde, der Bl&#252;tenschimmer bilden in der Wahrnehmung des lyrischen Ich eine Einheit, sie sind nicht getrennt. Der Eindruck geht &#252;ber die reine Beschreibung dessen, was f&#252;r das lyrische Ich in dieser Situation „ist“ hinaus. Und doch erfolgt die Versprachlichung dieser Erfahrung erst im Nachhinein, wie die Nutzung der Vergangenheitsform in <strong>Vers 5</strong> verdeutlicht.</p>

<p><strong>Vers 5</strong> holt nun die Beschreibung der eigentlichen Situation nach. „Die Luft ging durch die Felder“, ist erst einmal nichts anderes, als der Versuch einer Versprachlichung einer nicht weiter gedeuteten Wahrnehmung, auch wenn an dieser Stelle statt „ging“ das dem im Alltagsgebrauch mit der Luft eher verbundene Verb „wehte“ h&#228;tte genutzt werden k&#246;nnen. Dennoch scheint das lyrische Ich der Luft hier keine „Beine machen“ zu wollen oder, anders ausgedr&#252;ckt, hier liegt keine Personifizierung der Luft vor, sondern tats&#228;chlich nur eine Beschreibung der Situation, in der das lyrische Ich die in der ersten Strophe bereits bildhaft angedeutete existenzielle Erfahrung verortet. Daf&#252;r spricht auch, dass Vers 5 eine abgeschlossene Sinneinheit bildet und mit einem Komma endet.</p>

<p>Ein solches Komma steht auch am Ende von <strong>Vers 6</strong>, in dem eine erste Folge der wohl nur sehr leichten Luftbewegung in dieser Nacht beschrieben wird, die die &#196;hren auf den Felder in eine leichte, sachte Bewegung versetzt. W&#228;hrend also in Strophe 1 jeweils zwei Verse (1 – 2 und 3 – 4) durch vers&#252;bergreifende Sinnzusammenh&#228;nge und formal durch ein Enjambement verbunden sind, erfolgt in Strophe 2 eine Aufz&#228;hlung von Sachverhalten. Strophe 2 ist in diesem Sinne eine Bestandsaufnahme, der Versuch, die Situation sprachlich zu vermitteln, in der die Stimmung auftrat, die im Zentrum des Gedichtes steht.</p>

<p>Diese Bestandsaufnahme wird in <strong>Vers 7</strong> fortgef&#252;hrt. Neben den visuellen Eindruck der sich leicht im Wind wiegenden Felder tritt hier die Wahrnehmung des leisen Rauschens der W&#228;lder, das durch diesen leichten Wind erzeugt wird. Und wiederum ein Komma am Zeilenende.</p>

<p><strong>Vers 8</strong> wechselt nun die Wahrnehmungsebene, stellt eine Art H&#246;hepunkt der sinnlichen Wahrnehmung des lyrischen Ich dar, die in <strong>Strophe 2</strong> im Zentrum steht. &#220;ber all diesen Detailwahrnehmungen steht die Wahrnehmung der sternklaren Nacht, eine Situation, die bis heute in der Lage ist, bei Menschen „romantische Gef&#252;hle“ auszul&#246;sen.</p>

<p>Das „Und meine Seele spannte“ in <strong>Vers 9</strong> er&#246;ffnet die dritte Strophe mit dem ersten direkten Auftauchen des lyrischen Ichs in diesem Gedicht. Es erf&#228;hrt so etwas wie „Weite“, eine „Weite“, die unmittelbar an die Erfahrung der Einheit von Himmel und Erde in Strophe 1 und an die beschriebenen Gegebenheiten in Strophe 2 anschlie&#223;t, nun aber die eigentliche Erfahrung, die in dem Gedicht aufgegriffene Stimmung ins Zentrum stellt, wie <strong>Vers 10</strong> direkt best&#228;tigt, sind es doch „Fl&#252;gel“, die die Seele ausspannt. Sie erhebt sich, sie fliegt, sie wird weit. Was muss das f&#252;r ein Gef&#252;hl gewesen sein, dass das lyrische Ich in diesem Gedicht nicht nur zu versprachlichen versucht, sondern auch an Leser des Gedichtes weitergeben will!?</p>

<p>Und hier taucht das Enjambement aus Strophe 1 wieder auf. Wieder wird das Gef&#252;hl der Einheit formal widergespiegelt.</p>

<blockquote><em>Schon gemerkt: Auch bei einer linearen Interpretation steht nicht streng wirklich nur die einzelne Zeile im Mittelpunkt. Nat&#252;rlich kann auf alles Bezug genommen werden, was bereits erarbeitet wurde. „Linear“ ist diese Art der Interpretation nur in der Art, wie sie Schritt f&#252;r Schritt Zeile f&#252;r Zeile in den Blick nimmt und sich an dieser „linearen“ Lesart entlang arbeitet. Am Ende soll idealerweise trotz dieses kleinschrittigen Vorgehens ein Gesamtbild des Gedichts stehen, ein Gesamtbild, das auch dadurch entsteht, dass auf bereits  erarbeitete Zeilen und Strophen intensiv Bezug genommen wird.</em></blockquote>

<p>Und wieder ein Hauptsatz, der die ersten zwei Verse der Strophe umfasst und der somit parallel zu Strophe 1 gestaltet ist. <strong>Vers 11</strong> f&#252;hrt das begonnene Bild weiter. Nicht nur spannt die Seele ihre Fl&#252;gel aus, sie fliegt auch, fliegt „durch die stillen Lande“, nimmt diese Lande aus einer Art Vogelperspektive war, also aus einer Perspektive, in der die Gesamtheit der Wirklichkeit in den Blick genommen, die Einheit von Himmel und Erde, die Verbundenheit von allem wahrgenommen werden kann. Brentano fasst dieses romantische Gef&#252;hl in „<a href="http://herrlarbig.de/2010/09/24/gedichtinterpretation-clemens-brentano-sprich-aus-der-ferne/" target="_blank">Sprich aus der Ferne</a>“ mit den Versen „Alles ist freundlich wohlwollend verbunden, / Bietet sich tr&#246;stend und traurend die Hand, / Sind durch die N&#228;chte die Lichter gewunden, / Alles ist ewig im Innern verwandt.“</p>

<p>Es ist ein Gef&#252;hl der Ganzheit, das das lyrische Ich als eine Form des „Zuhause“ erlebt, denn in <strong>Vers 12</strong> wird diese erfahrene Weite der Seele, die durch die stillen Lande fliegt, mit einem „als fl&#246;ge sie nach Haus“ charakterisiert; nun durch ein Komma von Vers 11 abgesetzt und somit hervorgehoben, da nicht in einer Aufz&#228;hlung sondern als deutende Beschreibung des Fliegens gedacht. Vers 12 ist der Vers, auf den das ganze Gedicht zu l&#228;uft, in dem es seinen H&#246;hepunkt findet, in dem das Gef&#252;hl des lyrischen Ichs kulminiert, das sich selbst in der Naturwahrnehmung in seiner Ganzheit wahrzunehmen vermag.</p>

<p><strong>Resumee:</strong></p>

<p>Ein Klassiker der romantischen Lyrik, eines der wohl bekanntesten Gedichte dieser literarischen Epoche und dabei auch ein das Lebensgef&#252;hl der Romantik treffend darstellendes Gedicht! Was von aufgekl&#228;rten Geistern auseinander gerissen wurde, f&#252;gen Romantiker wieder zusammen. Himmel und Erde sind verbunden, die Naturwahrnehmung ist mit der Psyche des Menschen auf das Engste verbunden, hinter der Wirklichkeit gibt es eine Kraft, die &#252;ber das Beobachtbare hinaus geht. Die Romantiker gehen so weit zu sagen, dass diese Kraft den Menschen zu sich selbst kommen l&#228;sst, den Menschen als Ganzheit Mensch sein l&#228;sst.</p>

<p>Eichendorffs „Mondnacht“ greift diese Weltsicht der Romantik nicht nur auf, verbindet diese nicht nur mit der Sehnsucht nach Weite (des Geistes, der Wahrnehmung, der gesamten menschlichen Existenz), sondern vermag sogar, dieses Gef&#252;hl beim Leser zu erzeugen.</p>

<p>Das Gedicht ist ein Zeugnis der Kraft, die der Dichtung inne wohnt. Sie ist in der Lage, die Wirklichkeit in Sprache zum Singen zu bringen, Erfahrungen, die ein lyrisches Ich in einer konkreten Naturerfahrung macht, in eine Sprache zu fassen, die selbst diese Erfahrung der Ganzheitlichkeit beim Leser ausl&#246;sen kann oder aber zumindest eine Sensibilit&#228;t f&#252;r diese Erfahrungen schafft; eine Sensibilit&#228;t, die den Menschen in dieser Hinsicht erfahrungsf&#228;hig macht.</p>

<p><em>
</em><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_4591" class="footnote">Das Gedicht ist wohl schon um 1835 entstanden, wurde aber 1837 erstmals ver&#246;ffentlicht.</li></ol>
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		<title>Ein Panther im botanischen Garten – Rilkes »Der Panther«</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 21:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris Der Panther Im Jardin des Plantes, Paris &#60; p style=&#8221;text-align: center;&#8221;> &#60; p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Sein Blick ist vom Vor&#252;bergehn der St&#228;be so m&#252;d geworden, dass er nichts mehr h&#228;lt. Ihm ist, als ob es tausend &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4 style="text-align: center;"><a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Rilke/Biographie/Seite1" target="_blank">Rainer Maria Rilke</a>, 6.11.1902, Paris</h4>

<h3 style="text-align: center;">Der Panther</h3>

<h4 style="text-align: center;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jardin_des_Plantes" target="_blank">Im Jardin des Plantes</a>, Paris</h4>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/V2UMGVTcX3Q&amp;hl=de&amp;fs=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/V2UMGVTcX3Q&amp;hl=de&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Sein Blick ist vom Vor&#252;bergehn der St&#228;be
so m&#252;d geworden, dass er nichts mehr h&#228;lt.
Ihm ist, als ob es tausend St&#228;be g&#228;be
und hinter tausend St&#228;ben keine Welt.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der bet&#228;ubt ein gro&#223;er Wille steht.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und h&#246;rt im Herzen auf zu sein.</p>

<p style="text-align: left;">Ein <a href="http://www.big-cats.de/panther.htm" target="_blank">Panther</a> ist ein Leopard<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/#footnote_0_578" id="identifier_0_578" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&raquo;Panther&laquo; bezeichnet aber auch einfach nur eine Gattung von Gro&amp;#223;katzen (Pantherinae) ">1</a></sup>, eine Wildkatze, die in einer Gro&#223;stadt wie Paris nichts verloren hat. Bereits die von <a href="http://www.radiobremen.de/online/rilke/" target="_blank">Rilke</a> dem Titel beigef&#252;gte Ortsbezeichnung weist auf einen Un-Ort hin, einen Ort, der keine Heimat f&#252;r ein solch majestisches Tier ist.<span id="more-578"></span></p>

<p style="text-align: left;">Um an diesem Un-Ort den Panther dennoch halten zu k&#246;nnen, werden die Menschen vor der Kraft und dem nat&#252;rlichen Verhalten der Raubkatze gesch&#252;tzt, indem das Tier, in einen K&#228;fig gesperrt, die v&#246;llig unnat&#252;rliche N&#228;he von Menschen ertragen muss. Hier, das macht bereits der erste Vers klar, gibt es keine artgerechte Haltung (und f&#252;r den Panther keine Chance auf ein Entkommen); hier gibt es einen kleinen K&#228;fig, dessen St&#228;be ein Eigenleben entwickeln (»Vor&#252;bergang der St&#228;be«), wenn das Tier seinem Bewegungsdrang auf kleinstem Raum nachkommt.</p>

<p style="text-align: left;">Es muss also ein »kleines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gedicht" target="_blank">Gedicht</a>« werden, soll es auch den Raum abbilden, in dem es angesiedelt ist: Drei <a href="http://www.uni-duisburg-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/strophe.htm" target="_blank">Strophen</a> mit je vier Versen bilden diesen engen Raum ab; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verslehre" target="_blank">alternierende</a>, f&#252;nfhebige (vom letzten Vers abgesehen), <a href="http://www.textlog.de/2734.html" target="_blank">jambische</a> <a href="http://www.uni-duisburg-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/vers.htm" target="_blank">Verse</a> bilden die regelm&#228;&#223;igen Schritte des Panthers ab. Der letzte Vers »h&#246;rt auf zu sein«, hat nur vier Hebungen, die eigentlich erwartbare f&#252;nfte Hebung verklingt im Schweigen, im Nichts, im Aufh&#246;ren des Seins.</p>

<p style="text-align: left;">Ein au&#223;en stehender Beobachter beschreibt seine Eindr&#252;cke von diesem Tier, beschreibt das »Ding« vor sich. So &#252;berraschend es sich angesichts eines lebendigen Wesens als Gegenstand des Gedichtes auch anh&#246;ren mag: Rilkes »Der Panther« geh&#246;rt zu den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dinggedicht" target="_blank">Ding-Gedichten</a>: Aus der erkennbare Distanz des Beobachters in dem Gedicht, wird der Panther doch so beschrieben, als k&#246;nne sich dieser Beobachter in die Gef&#252;hle des Panthers hinein versetzen (vor allem in der ersten Strophe). Doch bereits in der zweiten Strophe ver&#228;ndert sich die Perspektive, es werden Vergleiche herangezogen. Der Beobachter wird von dem »Ding« zu Assoziationen angeregt. Zun&#228;chst beschreibt er noch (Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, / der sich im allerkleinsten Kreise dreht), verbindet diese Beschreibung dann aber mit einem Vergleich (ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, / in der bet&#228;ubt ein gro&#223;er Wille steht).</p>

<p style="text-align: left;">Bereits hier deutet sich an, dass es in dem Gedicht nur &#228;u&#223;erlich betrachtet um die Beschreibung eines Panthers in einem botanischen Garten geht. Dem entsprechend nutzt der Dichter zu Beginn der dritten Strophe eine Metapher, um die Augenlider des Tiers zu beschreiben (Vorhang der Pupille), ohne das Tier, das mittlerweile endg&#252;ltig als passiv seinem Schicksal ergeben erscheint, v&#246;llig aus dem Blick zu verlieren.</p>

<p style="text-align: left;">Dieses Tier ist nicht Herr der Lage, es ist seiner Situation ausgeliefert, kann nichts dagegen tun. Nicht der Panther ist hier aktiv: Seine Augen dienen nicht mehr der Orientierung in der Weite des Reviers, sind eigentlich &#252;berfl&#252;ssig, da er best&#228;ndig den gleichen kleinen Kreis gehen muss, und dienen auch nicht dem Ersp&#228;hen von Nahrung. Der Panther hat seinen nat&#252;rlichen Lebens»sinn« verloren. Nun ist das »Bild« aktiv, das in die Pupille hinein geht (Vers 10) und dem Panther nichts mehr zu sagen, f&#252;r den Panther keine Funktion mehr hat – und so letztlich aufh&#246;rt zu sein.</p>

<p style="text-align: left;">Der gefangene, eingesperrte, seiner ureigensten Lebensform beraubte Panther, wird f&#252;r den Betrachter zu einem Gegenstand der Reflexion. Er stellt gefangene Kr&#228;fte und Energie dar, er wird zum Symbol »f&#252;r Kr&#228;fte und F&#228;higkeiten, die durch &#228;u&#223;ere Umst&#228;nde (den K&#228;fig) und das eigene Leben (das Leben im K&#228;fig) nutzlos geworden sind«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/#footnote_1_578" id="identifier_1_578" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Siehe http://www.rilke-gedichte.de/rilke_symbolismus.htm">2</a></sup>.</p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Terézia Mora, Alle Tage: 0. Jetzt – Wochenende – V&#246;gel (S. 9f)</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 18:41:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach dem »Vorspann« kann nun also der Roman beginnen. Irritierend: Er beginnt mit einem Abschnitt der »0. Jetzt Wochenende« betitelt ist. Und dann erste Kapitel dieses Abschnittes, kaum zwei Seiten lang, mit dem Titel »V&#246;gel« obwohl kein Vogel in dem &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-0-jetzt-wochenende-voegel-s-9f/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem »<a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-der-vorspann-des-romans-s-5/" target="_blank">Vorspann</a>« kann nun also der Roman beginnen. Irritierend: Er beginnt mit einem Abschnitt der »0. Jetzt  Wochenende« betitelt ist. Und dann erste Kapitel dieses Abschnittes, kaum zwei Seiten lang, mit dem Titel »V&#246;gel«  obwohl kein Vogel in dem Kapitel auftaucht.</p>

<p>Die Zeit »Jetzt«, der Ort »Hier«. Na, toll. Welches »Jetzt« denn? Das »Jetzt« Lesers, der Autorin, des Erz&#228;hlers/der Erz&#228;hlerin des Romans? Und die gleiche Verwirrung beim Ort »Hier«. Ein Hinweis, das Ort und Zeit unwesentlich sind? Dem widerspricht die folgende Beschreibung des Ortes, die mit Adjektiven nur so gespickt ist. Eine Auswahl:</p>

<blockquote>&#246;stlicherer, braune, leere, vollgestopft, winzig, w&#252;st, spitz, zerkl&#252;ftet, h&#246;lzern, alt, frei, nah, klappernd …<span id="more-539"></span></blockquote>

<p>Es sind diese Adjektive, die das Bild dieses Ortes »Hier« pr&#228;gen, das Bild einer Gro&#223;stadt, wie die verwendeten Substantive in Verbindung mit den Adjektiven verraten. Es ist Samstagmorgen im Herbst. Dann treten drei Arbeiterinnen auf, die beschreiben, was ihnen an jenem Samstag widerfahren ist, gefolgt vom ersten Auftritt Abel Nemas, an den F&#252;&#223;en mit Klebeband an einem Kletterger&#252;st aufgeh&#228;ngt, den Kopf nach unten, der schwarze Mantel ist &#252;ber den Kopf gefallen, sodass er wie ein Vogel, eine Fledermaus ausgesehen habe, so die Arbeiterinnen. Es folgt eine Beschreibung, die in all ihrer Offenheit doch irgendwie ein ziemlich genaues Bild von Abel Nema zeichnet. Es taucht Abels Frau Mercedes auf, die Abel in der Klinik im k&#252;nstlichen Koma vorfindet  »bis wir wissen, wie es um sein Gehirn steht«. Und dann sagt sie noch, sie habe Abel zuletzt bei ihrer Scheidung gesehen.</p>

<p>Mag die erste Zeile noch auf einen Allerweltsort zu einer Allerweltszeit verweisen: Wenn das, was dann folgt, die Beschreibung einer ganz allt&#228;glichen Stadt sein soll, einer Gro&#223;stadt, wie wir sie &#252;berall vorfinden, dann ist das ein d&#252;steres Bild, verwirrend, eng  zerkl&#252;ftet eben. Und in dieser zerkl&#252;fteten Stadtlandschaft Abel, der kein Wort spricht, der da nur h&#228;ngt, die F&#252;&#223;e mit Klebeband an ein Kletterger&#252;st gefesselt, Kopf nach unten, erst einmal unsichtbar, wie ein schwarzer Vogel aussehend. Dann Abel im Koma und jener Halbsatz »bis wir wissen, wie es um sein Gehirn steht«.</p>

<p>Ich will hier noch gar nicht &#252;ber den Namen nachdenken, &#252;ber »Abel«, der einst von Kain erschlagen wurde<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-0-jetzt-wochenende-voegel-s-9f/#footnote_0_539" id="identifier_0_539" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Eine ganze Magisterarbeit zu Moras Roman, in der es auch um den Namen geht, findet sich hier als PDF.">1</a></sup>. Mir reichen auch die sonstigen Hinweise, die ich<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/10/23/terezia-mora-alle-tage-0-jetzt-wochenende-voegel-s-9f/#footnote_1_539" id="identifier_1_539" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ja, ich tue hier einfach mal so, als w&amp;#252;rde ich noch nicht weiter gelesen haben, auch wenn das nat&amp;#252;rlich eigentlich nicht m&amp;#246;glich ist.">2</a></sup> in diesen knapp zwei Seiten finde: Ein schweigend auftretender Mensch mit Namen »Abel Nema«, der in eine extreme, von au&#223;en komisch wirkende, aber leidvolle Situation hinein geraten ist, in der er zun&#228;chst gar nicht zu erkennen ist, der dann im Koma liegt (Mercedes stellt fest, dass sie ihn noch nie schlafend sah) und der so lange in diesem Zustand gehalten werden soll, bis klar ist, » wie es um sein Gehirn steht«</p>

<p>Wenn das die Voraussetzungen des Romans sind  und irgendwie m&#252;ssen sie es sein, werden sie doch an einer der prominentesten Stellen des Buches, seinem Anfang, erz&#228;hlt  dann erwarte ich die »zerkl&#252;ftete«  ja, dieses Adjektiv hat es mir besonders angetan  Geschichte, eines Menschen, bei dem man erst einmal schauen muss, wie es um sein Gehirn steht, der in Trag&#246;dien, extreme und skurrile Situationen ger&#228;t, in st&#228;ndige Katastrophen  ist wom&#246;glich sein ganzes Leben eine Katastrophe  und der dennoch, so ist zumindest mein Eindruck in diesem ersten Kapitel, auch wenn Abel kein Wort sagt, irgendwie liebenswert ist.  Ob der Roman h&#228;lt, was er verspricht?</p>

<blockquote>Terézia Mora, Alle Tage. Roman, M&#252;chen (Luchterhand) 2004.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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