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		<title>Franz Kafka „Das Urteil“ – Ein Unterrichtsmodell (Einf&#252;hrung und Lekt&#252;re des gemeinfreien Textes)</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 22:04:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Franz Kafka „Das Urteil“ – Ein Unterrichtsmodell (Einf&#252;hrung und Lekt&#252;re des gemeinfreien Textes) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. 0 Rahmendaten Wurde das Unterrichtsmodell selbst entwickelt? – Ja. Wurde das Unterrichtsmodell &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/03/21/franz-kafka-das-urteil-ein-unterrichtsmodell-einfuhrung-und-lekture-des-gemeinfreien-textes/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a></em></p>

<p><span>Franz Kafka „Das Urteil“ – Ein Unterrichtsmodell (Einf&#252;hrung und Lekt&#252;re des gemeinfreien Textes)</span> von <a href="http://herrlarbig.de/?p=34719" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</p>

<h1>0 Rahmendaten</h1>

<ul>
    <li>Wurde das Unterrichtsmodell selbst entwickelt? – Ja.</li>
    <li>Wurde das Unterrichtsmodell in der Praxis erprobt? – Ja, in einem eigenen Deutsch-GK und mind. einem nicht von mir unterrichtetem Parallelkurs.</li>
    <li>F&#252;r welche Jahrgangsstufe ist das Modell geeignet:  – Sekundarstufe 2 (Hessen: Q2 Deutsch GK –  Aktuell auf der Leseliste zum Landesabitur 2013)</li>
    <li>Zeitbedarf: F&#252;r dieses Stunden-Modell eine Doppelstunde. F&#252;r die Unterrichtseinheit 12–16 Stunden, je nach verf&#252;gbarer Zeit im Kurshalbjahr.</li>
</ul>

<h1>1 Der Text kommt als Material zu den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen – sorgenfrei</h1>

<p>Auf Wikisource gibt es <a href="https://de.wikisource.org/wiki/Das_Urteil" target="_blank">eine Version des Kafkatextes</a>. Der Text wurde dem 1913 erschienenen und von Max Brod, einem engen Freund Franz Kafkas, herausgegebenen Band <em>Arkadia. Ein Jahrbuch f&#252;r Dichtkunst (Kurt Wolff Verlag, Leipzig).</em> entnommen und digitalisiert.</p>

<p>Da dieser Text die Seitenzahlen der Originalausgabe enth&#228;lt, kann er direkt im Unterricht eingesetzt werden.</p>

<p>Hier schlage ich jedoch einen methodisch Zugang vor, der neben der analytisch verstehenden (interpretierenden) Arbeit mit dem Text zu einer kreativen Ann&#228;herung und Auseinandersetzung mit ihm einladen will.</p>

<p>Den Text auf Wikisource verwandle ich zun&#228;chst in ein Buch. &#220;ber <em>&gt;Drucken/Exportieren &gt;Buch erstellen</em> in der linken Seitenleiste steht mir daf&#252;r direkt auf der Seite das entsprechende Werkzeug zur Verf&#252;gung. Zwar k&#246;nnte ich den Text auch direkt als PDF herunterladen, doch will ich ein Titelblatt erstellen, was ich mit der Buchfunktion auf Wikisource, die &#252;brigens in allen Projekten der Wikimedia-Foundation integriert ist, bewerkstellige. Mir wird automatisch das entsprechende PDF erstellt und mit der entsprechenden Lizenzseite versehen, die unbedingt bei der Nutzung erhalten bleiben und mit verbreitet werden muss, auch wenn ich das PDF ausdrucke! Um die Arbeit zu erleichtern, stelle ich das PDF-Buch, das ich mir erstellt habe, <a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/Kafka_Urteil.pdf" target="_blank">hier zum Download</a> zur Verf&#252;gung.</p>

<p>Die sieben Seiten kopiere ich einseitig und teile sie gelocht und geheftet an die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen aus.</p>

<h2>2 Medienp&#228;dagogisches Intermezzo – Die Lizenzfrage</h2>

<p>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler nicht nur der Oberstufe schaffen sich Lekt&#252;ren in der Regel auf eigene Kosten an. Gerade bei Klassikern bietet <a href="http://de.wikisource.org/wiki/Hauptseite" target="_blank">Wikisource</a> aber eine Alternative, die vor allem f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen interessant ist, die sich eines Leseger&#228;tes f&#252;r digital verf&#252;gbare B&#252;cher (E-Book-Reader) bedienen. Ja, solche gibt es.</p>

<p>Ich nutze die Ausgabe solcher freien Materilalien, die im Internetz legal kostenfrei verf&#252;gbar sind, um &#252;ber freie Materialien mit den Jugendlichen ins Gespr&#228;ch zu kommen und ihnen das Lizenzmodell der <a href="http://creativecommons.org/" target="_blank">CreativeCommons-</a>Bewegung zu erl&#228;utern.</p>

<p>Dabei gehe ich dann auch auf die Frage ein, dass in den meisten F&#228;llen von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sowie von Lehrerinnen und Lehrer Material von z. B. Wikipedia f&#228;lschlicher Weise ohne Lizenzangabe verwendet wird. Ich erkl&#228;re, wie man sich &#252;ber die Exportforunktion auf Wikipedia schnell die korrekte Lizenzangabe mit dem dazu geh&#246;renden Text erstellen lassen kann, sodass zuk&#252;nftig <em>korrekte</em> und <em>vollst&#228;ndige</em> Literaturangaben bei nicht nur in kleinen Teilen zitierten Texten m&#246;glich sind – und dann von mir auch (notenrelevant) erwartet werden.</p>

<h2>3 Die Erstlekt&#252;re</h2>

<p>Franz Kafkas „Das Urteil“ kann in ca. 30 Minuten vorgelesen werden. Um die im Text liegenden Wirkungsm&#246;glichkeiten zu nutzen empfiehlt es sich, das Vorlesen jemandem zu &#252;berlassen, der das kann. Wenn nicht ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin im Kurs ist, der oder die &#252;ber ein echtes Vorlesetalent verf&#252;gt, lese ich solche Texte selbst vor.</p>

<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler  haben die gedruckte Fassung vorher erhalten, sodass sie nun entscheiden k&#246;nnen, ob sie einfach zuh&#246;ren oder ob sie gleich mitlesen. So wird gleichzeitig die Vermittlung des Textes auf mehrern Kan&#228;len praktiziert, um von Anfang an unterschiedliche Lerntypen anzusprechen.</p>

<p>Bevor die Lekt&#252;re des Textes beginnt, legen sich die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler auf einer neuen Seite ihre Hefts oder Hefters ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cluster_(Kreatives_Schreiben)" target="_blank">Cluster</a> an, indem sie in der Mitte, genau wie bei einer Mindmap, Autor und Titel notieren. Anders als bei einer Mindmap geht es nun aber nicht um strukturierte Aufzeichnungen, sondern um eher assoziatives  Notieren von Gedanken, Ideen, Fragen etc., die w&#228;hrend des Lesens / Vorlesens auftauchen.</p>

<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bekommen so ein Instrument an die Hand, das sie dabei unterst&#252;tzen soll, den ersten Leseeindruck als Ausgangspunkt einer angemessenen Besch&#228;ftigung mit Literatur kennen- und erleben zu lernen. In der Regel untersch&#228;tzen Jugendliche die Relevanz ihrer eigenen Erfahrungen und Gedanken beim Lesen f&#252;r ihr Verst&#228;ndnis (literarischer) Texte, vor allem, wenn sie ihnen nicht zur von ihnen vermuteten Unterrichtserwartung zu passen scheinen.</p>

<p>Bereits im Vorfeld der Erstlekt&#252;re des Textes werden die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen au&#223;erdem darauf hingewiesen, dass sich nach der Lesephase direkt eine Phase von ca. 5 Minuten anschlie&#223;t, in der sie ihr Cluster erg&#228;nzen k&#246;nnen, nochmal in den Text schauen k&#246;nnen etc., sodass nach dem Lesen nicht noch ein Arbeitsschritt erkl&#228;rt werden muss, der die eigene Leseerfahrung wieder auf Distanz bringt.</p>

<p><strong>4 Das literarische Gespr&#228;ch</strong></p>

<p>Die letzte Phase der ersten Ann&#228;herung an Kafkas „Das Urteil“ wird durch <a href="http://wiki.zum.de/Literarisches_Unterrichtsgespr&#228;ch" target="_blank">das literarische Gespr&#228;ch</a> bestimmt, das in diesem Falle aus den Leseerfahrungen und die parallel entstandenen Cluster entsteht. – Der Lehrer gibt hier nach M&#246;glichhkeit nur das Startsignal und h&#228;lt sich in dem Gespr&#228;ch selbst weitgehend zur&#252;ck.</p>

<p>F&#252;r den weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit ist an dieser Stelle ein intensives Zuh&#246;ren und Mitschreiben des Lehrers angemessen, da sich in diesem ersten Zugang zum Text die Themen der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zeigen.</p>

<p>Es bietet sich an, die dann anstehende Unterrichtseinheit nicht schon vollst&#228;ndig im Vorfeld geplant zu haben, sondern die konkreten Fragestellungen im Kurs aufzugreifen und an diesen entlang die Unterrichtseinheit nach dieser Stunde zu planen.</p>

<p>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler  haben  zwar in unterschiedlichen Kursen oft sehr &#228;hnliche Fragen, aber welche Fragen f&#252;r den eigenen Kurs im Vordergrund stehen, zeigt sich in diesem Gespr&#228;ch nach der Erstlekt&#252;re, in dem die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen oft auch schon zu Interpretationsfragen &#252;bergehen.</p>

<p>Je nach Engagement der Lerngruppe kann das Gespr&#228;ch den Rest der Stunde einnehmen. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, f&#252;nf Minuten f&#252;r die Erl&#228;uterung des den Unterricht begleitenden Arbeitsauftrages zu reservieren.</p>

<h2>5 Einladung zur kreativen Auseinandersetzung mit der Geschichte von Franz Kafka und abschlie&#223;ende didaktische &#220;berlegungen</h2>

<p>Nat&#252;rlich k&#246;nnte Papier gespart werden, druckte man das mittels PDF-Buch-Generator auf Wikisource erstellte <a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/Kafka_Urteil.pdf" target="_blank">Dokument mit dem Text von Kafkas „Das Urteil“</a> doppelseitig aus. Ich hab mich f&#252;r den einseitigen Druck aus methodischen Gr&#252;nden entschieden.</p>

<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden sich im Laufe der Unterrichtseinheit nicht nur analytisch mit dem Kunstwerk befassen, sondern sollen mit Franz Kafka und seinem Text kreativ in eine aktive Auseinandersetzung kommen. Die „Leer“-Seiten des Textes sind dazu gedacht, dass die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen die „Leer“-Stellen des Textes aufgreifen und f&#252;r sich gestalten k&#246;nnen. Die „Leer“-Seiten laden dazu ein, dass jede und jeder im Kurs auf unterschiedlichste Weise kreativ werden kann.</p>

<p>Das Titelblatt ist von den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen zu gestalten. Auf den anderen „Leer“-Seiten k&#246;nnen Bilder entstehen, Comics die Handlung darstellen, Briefe an Georg Bendemann geschrieben, ein Tagebucheintrag verfasst werden, Portr&#228;ts der Figuren des Textes entstehen, Collagen zu den Inhalten der einzelnen Seiten und was den Kursteilnehmern noch so alles einf&#228;llt.</p>

<p>Auf den „Leer“-Seiten ist f&#252;r alles Platz, au&#223;er f&#252;r Unterrichtsnotizen. Wer diese in sein Leseexemplar direkt eintragen will, kann sich das entsprechende PDF-Dokument auf Wikisource noch einmal herunterladen und neben dem kreativ gestaltetem Exemplar eine Leseexemplar mit Unterrichtsnotizen f&#252;llen.</p>

<p>Ziel dieser Herangehensweise ist es, die kreativ-k&#252;nstlerische Ann&#228;herung an Kafka neben die analytische zu stellen, um so den Charakter der Literatur als Kunst im Bewusstsein zu halten, die vor allem zu einer pers&#246;nlichen bis existentiellen Auseinandersetzung und einer dialogischen Begegnung einladen will.</p>

<p>Dabei sollten die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Gestaltungsfreiheit bekommen. Sie k&#246;nnen auch mit der digitalen Kopie kreativ arbeiten, wenn sie das vorziehen.</p>

<p>Hier zeigt sich die wesentliche Bereicherung des Unterrichts durch die Nutzung von Material, das unter Creative-Commons-Lizenz steht und genutzt werden darf, unabh&#228;ngig vom Nutzungskanal. Analoge Schulb&#252;cher w&#252;rden ein solche Nutzung im Rahmen unterschiedlicher Medien nicht erm&#246;glichen k&#246;nnen, da deren Digitalisierung untersagt ist.</p>

<p>In diesem Unterrichtsvorschlag hingegen k&#246;nnen die unterschiedlichen Arbeits- und Lerntypen – ich gehe mittlerweile von der Hypothese aus, dass es neben den bekannten Lerntypen noch analoge und digitale Lerntypen gibt – sch&#252;lerorientiert und individualisiert ber&#252;cksichtig werden, sodass f&#252;r diese Unterrichtsreihe die Nutzung freier Materialien <em>notwendig</em> ist.</p>

<h2>6 &#220;bersicht der Struktur-Planung f&#252;r eine Doppelstunde (90 Minuten).</h2>

<ol>
    <li>Der Text kommt als Material zu den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen – sorgenfrei und medienp&#228;dagogisches Intermezzo (15 Minuten)</li>
<ol>
    <li>Nennung des Unterrichtsgegenstands und</li>
    <li>Inszenierung der Tatsache, dass diese Lekt&#252;re nicht angeschafft werden muss, sondern bereits gedruckt vorliegt. Der Grund: Gemeinfreiheit; Nutzung digitaler Quellen. Und doch sind solche Werke nicht Lizenzfrei. Deshalb:</li>
    <li>Exkurs zur Lizensierung mittels CreativeCommons und der Verpflichtung, bei Nutzung solcher Materialien entsprechende Lizenzangaben beizuf&#252;gen.</li>
    <li>Platz f&#252;r Sch&#252;lerfragen</li>
</ol>
    <li>Die Erstlekt&#252;re (ca. 45 Minuten)</li>
<ol>
    <li>Austeilen des Textes</li>
    <li>Der Text wird von einer des guten Vorlesens m&#228;chtigen Person vorgelesen. Die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen lesen mit und k&#246;nnen sich auf einem Extrablatt ein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cluster_(Kreatives_Schreiben)" target="_blank">Cluster</a> f&#252;r Notizen, Gedanken, Fragen und Assoziationen erstellen. Um diese Arbeit zu erleichtern werden den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler Beispielfragen genannt, wobei die folgenden wirklich nur als Vorschl&#228;ge gedacht sind. Die Beispielfragen sollten nicht visualisiert werden, um bei der Lekt&#252;re nicht den Blick auf sie abzulenken:</li>
<ol>
    <li>Was wundert mich?</li>
    <li>Was gef&#228;llt mir?</li>
    <li>Was &#228;rgert mich?</li>
    <li>Was kenne ich (als Gef&#252;hl) auch?</li>
    <li>Was verstehe ich?</li>
    <li>Was ist mir fremd?</li>
    <li>…</li>
</ol>
</ol>
    <li>Leseerfahrungen Raum geben (30-45 Minuten)</li>
<ol>
    <li>Nach der Erstlekt&#252;re angemessen Zeit geben, das gerade Gelesene / Geh&#246;rte zu verarbeiten. Damit nicht zwischen Lekt&#252;re und Verarbeitung der ersten Leseeindr&#252;cke ein Block mit dem Erkl&#228;ren eines Arbeitsauftrages steht, diesen Arbeitsschritt schon vor der Lekt&#252;re ank&#252;ndigen und das Vorlesen kommentarlos in diese Stillarbeitsphase &#252;bergehen lassen:</li>
<ol>
    <li>Wenn der Text fertig gelesen ist, bekommt ihr … Minuten Zeit, eure Gedanken, Gef&#252;hle, Fragen an den Text etc. in eurem Cluster zu erg&#228;nzen.</li>
</ol>
    <li>Die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen werden zu einem Gespr&#228;ch &#252;ber ihre erste Leseerfahrungen eingeladen. (Meldekette = Das Wort wird vom zuletzt an der Reihe gewesenen Sch&#252;ler oder der zuletzt das Wort habenden Sch&#252;lerin weiter gegeben, um wirklich die Leser und Leserinnen ins Gespr&#228;ch kommen zu lassen.)</li>
<ol>
    <li>In dieser Phase bietet sich f&#252;r den Lehrenden an, intensiv Notizen zu den Themen zu erstellen, die von den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen angesprochen und diskutiert werden, um die weitere Unterrichtsplanung auf diesen konkreten, von den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen angesprochenen Themen aufzubauen.</li>
<ol>
    <li>Eine M&#246;glichkeit ist, am Ende der Stunde zu sagen, dass man die Diskussion intensiv mitverfolgt habe und auf Basis der angesprochenen Themen einen Vorschlag zum Verlauf der Unterrichtseinheit vorlegen werde.</li>
    <li>Wenn hier Fragen auftauchen, zu denen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen einen Unterrichtsteil erarbeiten k&#246;nnen (Referat, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lernen_durch_Lehren" target="_blank">LdL</a>, Arbeitsauftr&#228;ge erstellen etc.), k&#246;nnen solche Arbeiten schon vergeben werden. Mit Sicherheit wird die Frage nach dem Autor aufkommen, den durchaus jemand aus dem Kurs vorstellen kann.</li>
    <li>Vorstellung des den Unterricht begleitenden kreativen Arbeitsauftrages, sowohl das Titelblatt als auch die Leerseiten des Textes so zu gestalten, dass eine kreative Interaktion mit dem Gesamttext (Titel) und den jeweils auf den einzelnen Textseiten erz&#228;hlten Geschehnissen stattfindet. (Da die Unterrichtseinheit bei mir je nach Halbjahresl&#228;nge zwischen 12 und sechzehn Unterrichtsstunden angelegt ist, wird dadurch der Zeitrahmen vorgegeben, der f&#252;r diese kreative Auseinandersetzung gegeben wird und an dessen Ende eine „Ausstellung“ steht,  deren Gestaltung je nach Kurs sehr unterschiedlich aussehen kann.)</li>
</ol>
</ol>
</ol>
    <li>F&#252;r die n&#228;chste Stunde…</li>
<ol>
    <li>Erstellt der Lehrer oder die Lehrerin eine Unterrichtsverlaufsplanung, die die Fragestellungen der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen ber&#252;cksichtigt und gleichzeitig die in der gymnasialen Oberstufe zu erwerbenden Kompetenzen im Umgang mit Prosatexten angemessen ber&#252;cksichtigt.</li>
</ol>
</ol>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Die 8 besten (?) Werkzeuge des analogen Lernens und Lehrens</title>
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		<pubDate>Wed, 18 May 2011 21:09:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die einen fragen, was heute zu lernen sei und gehen damit wohltuend von den Tools des Lernens weg hin zu den Inhalten. Prima. An anderer Stelle geht es in einem Offenen Kurs (Open Course) um die Zukunft des Lernens und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/18/die-8-besten-werkzeuge-des-analogen-lernens-und-lehrens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die einen fragen, <a href="http://imgriff.com/2011/04/18/unsere-zukunft-was-wir-wirklich-lernen-muessen/" target="_blank">was heute zu lernen sei</a> und gehen damit wohltuend von den Tools des Lernens weg hin zu den Inhalten. Prima. </em></p>

<p><em>An anderer Stelle geht es in einem Offenen Kurs (Open Course) um die Zukunft des Lernens und in der dritten Woche, in der sich dieser Kurs nun befindet, geht es um die Tools des Lernens, mit denen dann gelernt werden soll, was zu lernen ist, <a href="http://blog.guykawasaki.com/2006/08/ten_things_to_l.html#axzz1MdqfZX7m" target="_blank">wie auch immer diese Inhalte / Kompetenzen dann n&#228;her definiert sind</a>. </em></p>

<p><em>Die &#220;berschrift der dritten Woche des Offenen Kurses zur »Zukunft des Lernen« lautet: »<a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/agenda/woche-3/" target="_blank">Von iPads, eBooks &amp; Virtual Classrooms. Lerntechnologien</a>«.</em></p>

<p><em>Die Selbstverst&#228;ndlichkeit, so sehr ich diese im Gesamtkontext dieses Kurses auch nachvollziehen kann und mich ihrer oft selbst bediene, mit der bei Lerntechnologien heute von digitalen Lerntechnologien gesprochen wird, erstaunt mich immer wieder.</em></p>

<p><em>Lernende lernen analog, unabh&#228;ngig davon, wie digital die zum Lernen genutzten Medien auch immer sein m&#246;gen. Der Lernprozess des individuellen Menschen findet nicht bin&#228;r statt, sondern in der komplexen Struktur des Gehirns und des ganzen K&#246;rpers.</em></p>

<p><em>Deshalb gibt es von mir an dieser Stelle keine Top-Ten-Liste der wunderbarsten digitalen Lernwerkzeuge, auch wenn ich eine solche erstellen k&#246;nnte, sondern – v&#246;llig unzeitgem&#228;&#223; – eine Liste analoger  <em>»Werkzeuge« des analogen Lernens und Lehrens. Die Reihenfolge ist zumindest nicht konsequent hierarchisch gemeint; die Liste ist bestimmt nicht vollst&#228;ndig und &#252;berhaupt vor allem eine Anregung zur Erweiterung der Diskussion. Die Zukunft des Lernens bringt neue Technologien mit sich. Sollen diese Technologien die analogen ersetzen? Wo k&#246;nnen sie das? Was k&#246;nnen sie nicht leisten? Wo sind analoge Werkzeuge vielleicht unabdingbar?</em></em></p>

<p><em><em>Wenn der offene Kurs <em>»<a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/" target="_blank">Die Zukunft des Lernens</a>« hei&#223;t, so halte ich eine Reduktion auf zuk&#252;nftige Lerntechnologien zu kurz gegriffen. </em></em></em></p>

<p><em><em><em>Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier nun zuspitze, &#252;bertreibe, provozieren will, denn ich wei&#223; sehr wohl, dass nicht alle meine &#196;u&#223;erungen in diesem Beitrag auf umfassende Gegenliebe sto&#223;en d&#252;rften. Aber dennoch: Ich finde, es lohnt, nicht nur von digitalen Tools zu sprechen (obwohl ich ja zum Beispiel hier genau ein solches nutze, um &#252;ber analoge Werkzeuge zu sprechen), sondern auch einmal zu fragen, welchen Wert und welchen Platz analoge Werkzeuge des Lernens in der <em><em><em>»Zukunft des Lernens« haben.</em></em></em></em></em></em></p>

<p><em><em><em><em><em><em>Also los…:</em></em></em></em></em></em></p>

<h2>Die Sinne (Sense Organs)</h2>

<p>Die Sinnesorgane des Menschen sind nach wie vor in der Regel analog, solange nicht digitale Prothesen zum Einsatz kommen. Sie sind f&#252;r Lernprozesse unerl&#228;sslich. Und damit sind nicht nur der H&#246;r- und Sehsinn gemeint, die auch bei digitalen Lernprozessen am Computer zum Einsatz kommen. Der Tastsinn kommt in digitalen Zusammenh&#228;ngen viel zu kurz. Will ich etwas &#252;ber B&#228;ume und W&#228;lder wissen, so muss ich Baumrinde sp&#252;ren k&#246;nnen, den Geruch des Waldes (zu unterschiedlichen Tages- / Jahreszeiten) einatmen. Will ich etwas &#252;ber (gesunde) Ern&#228;hrung wissen, dann f&#246;rdert der Einsatz des Geschmackssinnes dieses Lernen sehr. Lernen ist ein sinnlicher Prozess. Digitale Lernprozesse f&#252;hren oft zu einer Entsinnlichung des Lernens. Vielleicht sind deshalb zum Beispiel Videos von Vortr&#228;gen viel beliebter als reine Audiomitschnitte, obwohl der Informationsgehalt zur Sache identlisch ist.</p>

<h2>Lehrervortrag (Teachers Lecture)</h2>

<p>Ja, es gibt viel zu wenige Lehrende, die in der Lage sind, einen guten Lehrervortrag zu halten. Oder sind es doch die Bedingungen, die es unm&#246;glich machen, sich angemessen auf einen guten Lehrervortrag vorzubereiten, da in den meisten Lehr-Lern-Zusammenh&#228;ngen die zur Vorbereitung ben&#246;tigten Zeitfenster nicht gelassen werden?</p>

<p>Ja, es ist verdammt schwer, einen guten Lehrervortrag zu halten. Ja, es ist v&#246;llig unmodern, &#252;berhaupt davon zu sprechen, dass das mit dem Lehrervortrag eine tolle Sache ist. Und dennoch z&#228;hle ich den (gelungenen) Lehrervortrag zu den Top-Ten der Werkzeuge des analogen Lernens. Was aber ein gelungener Lehrervortrag ist, ist damit noch nicht gesagt:</p>

<ul>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag hat die Lernenden im Blick. Inhaltlich und sprachlich hat er sich an den F&#228;higkeiten der Lernenden zu orientieren und diese gleichzeitig zu erweitern.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag f&#252;hrt zu einem Mitdenken der Lernenden.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag f&#246;rdert Erkenntnisprozesse und die Lust an der Erkenntnis.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag bef&#228;higt zu praktischem Handeln, leitet zu diesem &#252;ber, leitet von einem frontalen Lehr-Lern-Zusammenhang in andere Arbeitsformen &#252;ber, in denen ge&#252;bt wird, in denen Teilaspekte des »Inputs« vertieft, in denen »Output« entsteht und »Wissen« praktisch angewendet wird.</li>
</ul>

<blockquote>
<ul>
    <li>Anmerkung: Auch Vortr&#228;ge im universit&#228;ren Kontext und z. B. auch die <a href="http://www.ustream.tv/channel/opco11" target="_blank">Mittwoch-Live-Streams des #opco11</a> geh&#246;ren zu den Lehrervortr&#228;gen.</li>
</ul>
</blockquote>

<h2>Lernendenaktivit&#228;t (Activities of Learners)</h2>

<ul>
    <li>Es ist zun&#228;chst einmal kein Werkzeug, wenn Lernende eigenst&#228;ndig arbeiten, bei dieser Arbeit bedient man sich eher unterschiedlicher Werkzeuge – und die Frage, ob diese analog oder digital sind ist eine nachgelagerte Frage.</li>
    <li>Dennoch f&#252;hre ich die Eigenaktivit&#228;t Lernender hier unter den Werkzeugen auf, weil es sich dabei aus der Sicht des Lehrenden durchaus um ein »Instrument« handelt, das Lernen erm&#246;glicht. Und da ich hier von den besten analogen Werkzeugen des Lernens und Lehrens schreibe, hat diese Eigenaktivit&#228;t hier ihren Platz.</li>
    <li>Der Lehrende soll sich, sein Wissen und seine Erfahrungen den Lernenden nicht verweigern. Deshalb der eigene Unterpunkt zum »Lehrervortrag«. Ich habe an der Universit&#228;t selbst Veranstaltungen erlebt, in denen der Professor nur auftrat, wenn es darum ging, die Referate f&#252;r das Semester zu verteilen und in der letzten Sitzung eine Zusammenfassung der Veranstaltung zu versuchen. Dazwischen wurde in den »selbst verwalteten Lernprozess« der Studierenden selbst dann nicht eingegriffen, wenn gr&#246;bste Fehler in langweilgsten Referaten verbreitet wurden.</li>
    <li>Zu diesem Nicht-Verweigern des Lehrenden geh&#246;rt aber auch, dass er den Lernenden ihren Freiraum l&#228;sst, um sich selbst und die gewonnenen Kenntnisse auszuprobieren, um aus Kenntnissen Erkenntnisse werden zu lassen. Da es sich aber um <em>Lernenden</em>aktivit&#228;t handelt, begleitet der Lehrende diese wertsch&#228;tzend und kritisch. Das kann durchaus auch darauf hinaus laufen, dass eine Ergebnispr&#228;sentation, die oberfl&#228;chlich und ohne gro&#223;en Erkenntniswert ist, in der sich auch Beratungsversuche der Lehrenden nicht erfolgreich niedergeschlagen haben, entsprechend kritisch besprochen wird.</li>
    <li>Diese Freir&#228;ume, die durchaus gro&#223;z&#252;gig bemessen sein d&#252;rfen, m&#252;ssen nicht analog sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit einem Sportger&#228;t oder &#228;hnliches gelernt).</li>
    <li>Diese Freir&#228;ume m&#252;ssen nicht digital sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit digitalen sozialen Netzen oder &#228;hnliches gerlernt).</li>
</ul>

<h2>Kreidetafel (Blackboard)</h2>

<p>Stromunabh&#228;ngig und sofort zu Stundenbeginn einsatzbereit. Die einzige Voraussetzung ist, dass Kreide vorhanden ist. Entweder der Kreidevorrat wird zentral gepflegt oder aber man hat seine eigenen Vorr&#228;te dabei. Wenn aber Kreide vorhanden ist, ist die Tafel das flexibelste, am schnellsten verf&#252;gbare und alles in allem zuverl&#228;ssigste Instrument zur Darstellung von Gedanken, das in Klassenzimmern vorhanden ist. Mehrfarbigkeit des Tafelbildes ist mit farbiger Kreide schnell umsetzbar. Seit ihrer Einf&#252;hrung in Schulen im 19. Jahrhunderts als ausgereifte und auch in &#228;rmeren Regionen der Welt als Instrument zur Unterst&#252;tzung von Lernprozessen einsetzbar.</p>

<h2>Bibliothek (Library)</h2>

<ul>
    <li>Eine Gruppe Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in einer Bibliothek reagiert eigentlich immer gleich, wenn die Jugendlichen nicht sofort an die Computer d&#252;rfen: Eigenst&#228;ndig werden B&#252;cher aus den Regalen genommen, durchgebl&#228;ttert und wenn etwas als interessant empfunden wird, wird das genauer gelesen und auch anderen vorgelesen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen stellt die analoge Bibliothek einen Lernraum dar, der selbstt&#228;tige Lernprozesse f&#246;rdern kann. Wichtig ist dabei, dass es von Lehrern akzeptiert wird, dass dieses Lernen nicht in Gruppen stattfindet, sondern die Lernenden zumindest phasenweise auf deren eigene Interessen konzentriert sein l&#228;sst.</li>
    <li>Bemerkenswert: Die Bibliothek als »Lernwerkzeug« ist ein Ort! Auch wenn vielleicht nicht unbedingt ein klassisches Lernwerkzeug, so spielen die »Lernr&#228;ume« als »Spielr&#228;ume« gelingender Lern-und Bildungsprozesse eine wichtige Rolle.</li>
</ul>

<h2>Notizblock / Schulheft (Exercise Books)</h2>

<p>Sicherlich wird die Frage fr&#252;her oder sp&#228;ter auftauchen, ob mobile Tablet-Computer analoge Formen des Notierens und &#220;bens nicht &#252;berfl&#252;ssig machen, aber da es hier nun einmal um analoge Werkzeuge des Lernens geht, geht es ohne das Schulheft und den Notizblock nicht. Dieses Instrument hat &#228;hnliche Vorteile wie die Kreidetafel. Und da im neuen Kerncurriculum f&#252;r das Fach Deutsch in Hessen unter anderem die f&#252;r andere lesbare Handschrift als Kompetenz aufgenommen wurde, gehe ich nicht davon aus, dass die Handschrift in absehbarer Zeit aus der Schule verschwinden wird. Handschriftliches Erarbeiten von Wissen, die h&#228;ndische Aneignung von Fertigkeiten und Kompetenzen, das Erlernen des Handwerks in den einzelnen F&#228;chern und auch f&#228;cher&#252;bergreifend, ist nach wie vor wichtig und zwar schon alleine, weil unser Gehirn auf eine solche »analoge« Weise lernt.</p>

<h2>Stifte (Pen / Pencil)</h2>

<ul>
    <li>Ganz ehrlich: Wenn ich Bilder von manchen meiner Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sehe, die mit viel Hingabe gemalt wurden, dann wei&#223; ich um den Wert von Stifen; wenn ich Texte lese, die mit der Handschrift auch etwas von der Person widerspiegeln, die diese Handschrift nutzt, dann mag das Lesen manchmal schwer sein, aber gerade dieses nicht glatte, nicht einfach &#252;berfliegbare der Texte hebt noch einmal hervor, dass wir es mit Pers&#246;nlichkeiten zu tun haben. Im Internet und in Zusammenh&#228;ngen, in denen es nur noch genormte Druckbuchstabenschriften gibt, geht diese Seite des Pers&#246;nlichen oft verloren.</li>
    <li>Wenn ich mir schnell &#220;bersicht &#252;ber einen Gedankengang verschaffen will, benutze ich nach wie vor Papier und Stifte zum Anfertigen von Notizen, Skizeen etc. – Das geht zwar alles auch auf dem Computer, aber wenn ich etwas wirklich lernen will, brauche ich immer wieder auch einfach mein analoges Werkzeug.</li>
</ul>

<h2>Overheadprojektor (Overhead Projector)</h2>

<p>Ich hatte mal eine Lehrerin, die malte wirkliche Tafel<em>bilder</em> – sie muss an den Tagen vor dem Unterricht richtig lange an der Tafel gestanden haben, um ihre Tafel<em>bilder</em> zu zeichnen, was nur ging, weil es sich um einen Lehrgang au&#223;erhalb der Schule handelte, bei dem sicher war, dass das Tafelbild am n&#228;chsten Tag auch noch da sein w&#252;rde. Und &#228;hnlich hochwertige, handgefertigte Zeichnungen zur Verdeutlichung von Zusammenh&#228;ngen brachte diese Lehrerin auf Folien unter. Nie zuvor und nie danach habe ich solch k&#252;nstlerisch spannenden, &#228;sthetisch ansprechenden Lehrmaterialien gesehen, wie bei dieser Sprachlehrerin.</p>

<p>Klar, heutzutage entstehen die meisten Folien unter Benutzung digitaler Technologie, wenn sie nicht direkt mit einer digitalen Pr&#228;sentation und Beamer ersetzt werden. Und doch haben Folien nach wie vor auch in analoger, handbeschrifter Form einen m&#246;glichen Platz im Unterricht: So k&#246;nnen per Folien »Tafelbilder« entstehen, die dauerhafter aufbewahrt werden k&#246;nnen und wieder einsetzbar sind. Der Mehrwert gegen&#252;ber per Computer generierten »Folien« besteht darin, dass wirklich die &#228;sthetische Erfahrung der Handschriftlichkeit, des analogen Schaubildes erreicht werden, auch wenn Lehrende oder Lernende nicht die genialen Zeichner sind.</p>

<p>Auch wenn der Computer in Kombination mit dem Beamer einen ad&#228;quaten Ersatz f&#252;r den Overheadprojektor (OHP) darstellt: Analog erstellte Folien haben oft eine sehr pers&#246;nliche, unverwechselbare Note, die genau auf einen Lehrenden verweist. Diese Option sollten wir uns (zumindest hin und wieder) einfach nicht entgehen lassen, denn das au&#223;ergew&#246;hnliche pr&#228;gt sich ein, f&#246;rdert den Lernprozess. Digital erstellte Materialien sind manchmal so »aalglatt« und uniform gestaltet, dass sie das Lernen zumindest nicht durch »pers&#246;nliche Noten« f&#246;rdern.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Lernen im Museum mit iPad und Internet</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 18:53:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Um zu erfahren, wie mit digitalen Medien Lernprozesse ablaufen k&#246;nnen, unterziehe ich jede mir spannend erscheinende M&#246;glichkeit einem Praxistest, bevor ich sie gegebenenfalls f&#252;r schulische Belange in Betracht ziehe. Mein letzter Test f&#252;hrte mich ins Museum, nicht in irgendein Museum, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/01/18/lernen-im-museum-mit-ipad-und-internet/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um zu erfahren, wie mit digitalen Medien Lernprozesse ablaufen k&#246;nnen, unterziehe ich jede mir spannend erscheinende M&#246;glichkeit einem Praxistest, bevor ich sie gegebenenfalls f&#252;r schulische Belange in Betracht ziehe.</p>

<p>Mein letzter Test f&#252;hrte mich ins Museum, nicht in irgendein Museum, sondern in das Frankfurter <a href="http://www.staedelmuseum.de/" target="_blank">St&#228;del</a>, wo zur Zeit die Ausstellung „Die Chronologie der Bilder. St&#228;delwerke vom 14.–21. Jahrhundert“ l&#228;uft (noch bis 26. Juni 2011). Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass die Bilder streng nach ihrer Entstehungszeit geordnet sind, sodass ganz andere Bildzusammenh&#228;nge erkennbar werden k&#246;nnen, als das in der sonst &#252;blichen H&#228;ngung nach Regionen &#252;blich ist.</p>

<p>Mich interessierte aber etwas anderes: Ist es m&#246;glich, mit einem mobilen, digitalen Endger&#228;t (Smartphone oder Tablet-PC), den Bildern lernend zu begegnen? Kann ich auch diesem Wege meine eigene F&#252;hrung zu Werken, die mir auffallen, gestalten? Wie fruchtbar sind die Informationen zu Kunstwerken und K&#252;nstlern, die ich auf diesem Wege, vor dem Original stehend oder sitzend, bekomme, f&#252;r mein eigenes Lernen in Sachen Malerei?</p>

<p>Also nahm ich mein iPad mit in die Ausstellung. Dagegen hatte offensichtlich keine der Aufsichtspersonen etwas einzuwenden. Im Gegenteil: Als ich da sa&#223;, ein Bild anschaute und las, was ich zu dem Bild finden konnte, wurde ich neugierig befragt, was ich da mache. Meine Auskunft, dass ich mich &#252;ber die Bilder kundig mache und dazu das Internet nutze, reduzierte die Neugier nicht, was mir ein Zeichen war, dass, selbst in einem so renomierten und gut besuchten Museum wie dem St&#228;del, mein Vorgehen alles andere als allt&#228;gliches Besucherverhalten zu sein scheint.</p>

<p>Zun&#228;chst nahm ich mir eines der ber&#252;hmtesten Bilder im St&#228;del vor,  Jan van Eycks „Lucca-Madonna“. Es war &#252;berhaupt kein Problem, umfassende Informationen zu diesem Bild online zu finden. Der zugeh&#246;rige <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lucca-Madonna" target="_blank">Wikipedia-Artikel</a> ist sogar richtig gut (auch wenn das beigef&#252;gte Bild in seiner Farbtreue gegen&#252;ber dem Original keinerlei realen Eindruck von der wirklichen Aura dieses Bildes vermitteln kann). Und so begann ich meine Reise durch das Bild, entdeckte Details, die mir beim bisherigen Betrachten des Bildes immer wieder gar nicht aufgefallen waren, erfuhr etwas &#252;ber den Entstehungsprozess des Bildes, bekam Anregungen, wie das Bild gedeutet werden k&#246;nnte, von denen ausgehend ich mir dann meine eigenen Gedanken machen konnte.</p>

<p>Wenn ich gewollt h&#228;tte, h&#228;tte ich mich nun auf die im Saal vorhandene Sitzbank setzen (leider sind nicht in allen S&#228;len Sitzb&#228;nke verf&#252;gbar) und meine eigenen Eindr&#252;cke aufschreiben k&#246;nnen. Darauf habe ich bei diesem Test einmal verzichtet, weil ich das gleiche Vorgehen auch noch bei anderen Werken ausprobieren wollte.</p>

<p>Das zweite Bild, das ich mir ausw&#228;hlte, war <a href="http://www.staedelmuseum.de/sm/index.php?StoryID=337&amp;ObjectID=436" target="_blank">Adam Elsheimers „Sintflut“</a>. Eine Basisinformation zu dem Bild fand ich <a href="http://www.staedelmuseum.de/sm/index.php?StoryID=337&amp;ObjectID=436" target="_blank">auf der St&#228;del-Website</a>.  &#196;hnlich ausf&#252;hrliche Darstellungen, wie ich sie bei van Eycks „Lucca-Madonna“ online gefunden hatte, konnte ich zu diesem Bild zwar nicht finden, st&#252;rzte mich dann aber auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Elsheimer" target="_blank">Wikipedia-Seite zu Adam Elsheimer</a>. Und auf diesem Wege bekam ich zumindest Hilfestellung f&#252;r den Zugang zu dem Werk, wenn auch keine umfassende Bilddeutung.</p>

<p>Meinen letzten Versuch startete ich beim neusten Bild, das in der Ausstellung zu sehen ist: Daniel Richters 2007 entstandenes <a href="http://arttattler.com/Images/Europe/Germany/Frankfurt/die%20Stadel/Chronological%20Order/o_24_Richter_Horde_2007.jpg" target="_blank">Bild „Horde“</a>. Dass es von der „Lucca-Madonna“ bis zu „Horde“ einiges an Umbr&#252;chen in der Malerei gegeben haben muss, ist auf den ersten Blick zu erkennen, auch wenn Richters Bild selbst fig&#252;rlich gehalten ist, nicht zur abstrakten Kunst gez&#228;hlt werden kann. Aber was w&#252;rde ich &#252;ber ein so neues Bild mithilfe meines Online-Zugriffs herausfinden?</p>

<p>In diesem Falle waren ein A<a href="http://www.twocoatsofpaint.com/2010/01/daniel-richter-at-essl-museum.html" target="_blank">rtikel &#252;ber eine Ausstellung des K&#252;nstlers auf Englisch</a> und <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-51373607.html" target="_blank">ein Spiegel-Artikel, der Daniel Richter vorstellt</a>. Wieder keine ausf&#252;hrliche Bildinterpretation, wie ich sie bei van Eyck gefunden hatte und bei sicherlich vielen Werken der Ausstellung finden k&#246;nnte, aber doch Informationen zum K&#252;nstler und seiner Malerei, die es mir erm&#246;glichten, einen Zugang zu diesem monumentalen Werk zu bekommen.</p>

<p>Zufrieden beendete ich diesen Besuch im St&#228;del, packte das iPad wieder ein und hatte den Eindruck, in diesen knapp 90 Minuten wieder etwas mehr &#252;ber Malerei und Kunst gelernt zu haben – obwohl und gerade weil nicht zu allen Bildern ausf&#252;hrliche Bildbeschreibungen zu finden waren.</p>

<p>Beim Lernen geht es ja gerade nicht darum, dass Informationen vorgekaut aufgenommen werden, sondern darum, eigene (auf Wissen basierende) Kompetenzen aufzubauen. In diesem Falle steht also die Frage im Raum, ob ein Betrachten von Bildern in einem Museum mit Hilfe von online vor Ort verf&#252;gbaren Informationen zu einem solchen Kompetenzaufbau beitragen kann.</p>

<ol>
    <li>Bei van Eycks „Lucca-Madonna“ hatte ich eine exemplarische Bildanalyse verf&#252;gbar, die mir zeigte, worauf bei einer Bildanalyse alles geachtet werden kann und mich zus&#228;tzlich mit interessanten, aber f&#252;r die Analyse nicht unbedingt notwendigen, Informationen versorgte. Auf dieser Basis sollte dann aber auch die Begegnung mit anderen Bildern m&#246;glich sein, an denen ich die durch die exemplarische Bildanalyse geschulte Aufmerksamkeit erproben k&#246;nnte, auch wenn ich keine ausf&#252;hrliche Bildanalyse finden kann.</li>
    <li>Bei Adam Elsheimers „Sintflut“ fand ich mich dann (zum Gl&#252;ck) auch gleich in der Situation vor, dass ich keine ausf&#252;hrliche Bildanalyse im Netz ausfindig machen konnte, aber Basisinformationen, die als Grundlage f&#252;r ein genaues Betrachten des Bildes ausreichen sollten, hatte ich doch an van Eycks Bild zuvor gelernt, worauf alles bei einer Bildanalyse geachtet werden kann. Hier konnte ich nun erproben, ob dieses Wissen reicht, um eine Kompetenzsteigerung im Umgang mit einem mir bis dahin unbekannten Bild festzustellen. Wenn ich den in meinem Kopf stattgefunden habenden Dialog mit dem Bild &#252;berdenke, gewinne ich den Eindruck, dass ich mehr von Elsheimers „Sintflut“ gesehen habe, als ich es ohne diesen ersten Schritt der exemplarisch durchgef&#252;hrten Bildanalyse h&#228;tte sehen k&#246;nnen.</li>
    <li>Bei Daniel Richters „Horde” erging es mir &#228;hnlich, wie bei Elsheimers Sintflut. Ich fand Artikel zum Maler, ein paar Hintergr&#252;nde zur grunds&#228;tzlichen Ausrichtung der Bilder und konnte dazu auch noch auf Vorwissen in Sachen „Moderne Malerei / Kunst“ zur&#252;ckgreifen, weil ich mich mit diesem Bereich der Kunstgeschichte schon in anderen Zusammenh&#228;ngen besch&#228;ftigt habe.</li>
</ol>

<p>Der Zugang zum Internet, die Recherche nach Informationen zu Bildern, die ich w&#228;hrend meines Besuches spontan ausw&#228;hlte, weil sie mich angesprochen haben, hat nicht dazu gef&#252;hrt, dass ich vorgekautes, enzyklop&#228;disches Wissen zu den Bildern bekommen habe. Mir scheint das eine der &#196;ngste zu sein, wenn man sich fragt, ob man mobile Computer mit Internetzugang in Bildungszusammenh&#228;ngen einsetzen soll oder nicht. Die Angst ist nicht unbegr&#252;ndet, aber ich entdeckte, dass es eben nicht zu jedem Bild (und das gilt auch f&#252;r Gedichte, Dramen und Romane im Deutschunterricht) ausf&#252;hrliche Einzelanalysen gibt, aber Informationen, die meinen eigenen Prozess der Besch&#228;ftigung mit Bildern, die mich angesprochen haben, f&#246;rdern k&#246;nnen.</p>

<p>Auch wenn ich es toll finde, wie das MoMa in New York mittlerweile <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/26/apps-nicht-nur-fuer-lehrer-moma-abexny/" target="_blank">Smartphones und das iPad nutzt</a>, um Besucherinnen und Besuchern, aber auch Interessierten, die nicht die M&#246;glichkeit haben, das Museum mal eben so zu besuchen, Unterst&#252;tzung beim lernenden Zugang zur Kunst zu geben, so kann ich auch der von mir gemachten, nicht durch Museumskuratoren gepr&#228;gten, Erfahrung etwas abgewinnen, externe Informationen zu Bildern und K&#252;nstlern im Internet w&#228;hrend der direkten Begegnung mit Originalen zu nutzen.</p>

<p>Interessant fand ich dabei, dass ich wirklich meinen Sehinteressen gefolgt bin. Wenn mich ein Bild neugierig machte, ansprach, blieb ich stehen, betrachtete es, suchte nach zus&#228;tzlichen Informationen online, die meine Betrachtung vertieften. Diese Informationen waren didaktisch nicht aufbereitet, sondern „einfach so“ verf&#252;gbar, was dieses Form des Lernens nat&#252;rlich nur dann sinnvoll sein l&#228;sst, wenn z. B. Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern, mit denen ich mir einen solchen Museumsbesuch vorstellen k&#246;nnte, mit solchen Texten sinnerfassend angemessen umgehen k&#246;nnen. Oberstufensch&#252;ler und Oberstufensch&#252;lerinnen, vielleicht noch mit Kunst-LK, aber das w&#228;re nicht unbedingt n&#246;tig, k&#246;nnten dies sicherlich leisten.</p>

<p>Bleibt die Technikbarriere, denn nicht jeder Sch&#252;ler hat ein Smartphone oder gar einen Tablet-PC, das oder der einen mobilen Internetzugang hat; noch weniger k&#246;nnen Schulen solche Endger&#228;te in der Regel zur Verf&#252;gung stellen. Aber dieses Problem ist f&#252;r meinen Test erst einmal zweitrangig.</p>

<p>Ich wollte wissen, ob ein Lernen im Museum mit digitalen Endger&#228;ten, die den Zugriff auf Ressourcen im Internet erlauben, m&#246;glich ist und einen Lernfortschritt bringen kann. Die Antwort nach diesem Besuch im St&#228;del lautet eindeutig „Ja“. Ich werde, zumindest im Geltungsbereich meines mobilen Datenvertrages, zuk&#252;nftig wohl kaum noch ohne iPad im Museum anzutreffen sein, weil ich den Zugriff auf Informationen w&#228;hrend des Museumsbesuchs als fruchtbar erlebt habe, die Bildschirmgr&#246;&#223;e dem Smartphone deutlich &#252;berlegen ist und ich gegebenenfalls meine eigenen Gedanken zu den Bilder direkt vor Ort lesbar und sogar im Stehen notieren kann.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Gegenwart und Zukunft der Informationsmedien: Zeitung, Radio, Fernsehen und digitale Verkn&#252;pfungen</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Oct 2010 15:01:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Medien sind Vermittler1. Fr&#252;her wurden auch Menschen als »Medien« gesehen, so z. B. das Orakel von Delphi; in der Gegenwart wird mit dem Begriff »Medien« eher der technische Tr&#228;ger und &#220;bermittler von Informationen gemeint: Zeitung, Buch, Internet, Fernsehen, Radio etc. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/10/10/gegenwart-und-zukunft-der-informationsmedien-zeitung-radio-fernsehen-und-digitale-verknuepfungen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Medien sind Vermittler<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/10/10/gegenwart-und-zukunft-der-informationsmedien-zeitung-radio-fernsehen-und-digitale-verknuepfungen/#footnote_0_4721" id="identifier_0_4721" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Medienbegriff ist vielf&amp;#228;ltig und somit unscharf. Unterschiedliche Bedeutungen, die &amp;#252;ber den hier genutzten Medienbegriff hinaus gehen finden sich hier">1</a></sup>. Fr&#252;her wurden auch Menschen als »Medien« gesehen, so z. B. das Orakel von Delphi; in der Gegenwart wird mit dem Begriff »Medien« eher der technische Tr&#228;ger und &#220;bermittler von Informationen gemeint: Zeitung, Buch, Internet, Fernsehen, Radio etc. F&#252;r pers&#246;nlich vermittelnde Aktivit&#228;ten haben sich andere, nach T&#228;tigkeiten differenzierende Begriffe durchgesetzt, wie z. B. Mediator, Lehrer, Schlichter etc.</p>

<p>Im Laufe der Geschichte haben sich bislang immer die Informationstr&#228;ger und technischen Wege zur Informations&#252;bertragung durchgesetzt, die die jeweils h&#246;chste Informationsdichte und den schnellsten Weg zu ihrer Vermittlung erm&#246;glichten. Dabei hat die &#220;bertragungsgeschwindigkeit die Informationsdichte manchmal &#252;berlagert. Dies geschah insbesonder dann, wenn ein neues Medium eingef&#252;hrt wurde und die Informationsverdichte, die auf diesem Wege zu erreichen war, erst nach und nach erh&#246;ht wurde, wie z. B. beim Telegrafen, dessen Grundprinzip der &#220;bertragung von Information mit Hilfe elektrischen Stroms weiter entwickelt wurde. Der bislang letzte Schritt dieser Entwicklung ist das Internet.</p>

<p>Zeitungen waren bei ihrem Aufkommen Informationstr&#228;ger, die schnell und weit verbreitet werden konnten und als Sammlungen von auf anderen Wegen zusammengetragenen Informationen gelten konnten. Das Radio beschleunigte den Prozess der &#220;bertragung von Informationen, die sowohl redaktionell bearbeitet oder direkt vom Ort des Geschehens live gesendet werden. Bis heute ist das so und das Radio war dennoch nicht in der Lage, die Zeitung zu verdr&#228;ngen. Gleiches gilt f&#252;r die Entwicklungen des Fernsehens. Der schriftliche Datentr&#228;ger »Zeitung« als Medium verlangt, dass seine Nutzer Lesen k&#246;nnen; das Lesen scheint eine sehr effektive Form der Aufnahme von Informationen zu sein, die Radio und Fernsehen mit ihren vorgegebenen Sendezeiten und den von ihnen angesprochenen Sinnen, verbunden mit einer vorgegebenen Zeitspanne der Informations&#252;bermittlung, nicht zu ersetzen vermochten. Und das gilt auch noch in Zeiten von Podcasts, Mediatheken, Aufnhameger&#228;ten etc.</p>

<p>Digitale Technologien und das Internet scheinen nun erstmals in der Lage, Texte, Audio oder audiovisuelle Formate zu transportieren. Das hat kein Informationskanal vorher gekonnt, ganz zu schweigen von der M&#246;glichkeit, die unterschiedlichen medialen Formate miteinander zu kombinieren.</p>

<p>Entsprechend ist die Vorstellung, dass Computer als Datenvermittler, -empf&#228;nger und Informationstr&#228;ger Zeitungen abl&#246;sen k&#246;nnten, erstmals in der langen Geschichte der Zeitungen ein m&#246;gliches Szenario, wobei Zeitung auf diesem Wege zum ersten Mal die M&#246;glichkeit bekommen, &#228;hnlich wie Radio und Fernsehen, zeitnah oder gar fast live zu berichten.</p>

<p>Es zeichnet sich ein neues Format der medialen &#220;ber- und Vermittlung (tagesaktueller) Informationen ab. Die lange nebeneinander existierenden Medien Zeitung, Radio und Fernsehen wachsen mehr und mehr zusammen. Die neue Form hatte bislang allerdings mit der Gr&#246;&#223;e und dem Gewicht der f&#252;r ihre Wahrnehmung notwendigen Computer zu k&#228;mpfen, sodass eine Kapitalisierung der digitalen Inhalte lange sehr schwierig war und vor allem die Tageszeitungen die Konkurrenz des Internets finanziell zu sp&#252;ren bekommen haben.</p>

<p>Aus diesem Grunde jubelten die Verleger wohl, als im Jahre 2010 der erste, die Massen erreichende Tablet-Computer auf den Markt kam, der leicht genug war und einen angemessenen Bildschirm mit sich brachte, um als transportables Konsumger&#228;t die Rezeption von Informationen in die gewohnten Lebenssituationen der Konsumenten bringen zu k&#246;nnen: in den &#246;ffentlichen Personennahverkehr, der viel Raum f&#252;r das Zeitunglesen bietet (wenn auch oft wenig Platz, angesichts mancher Zeitungsformate).</p>

<p>Setzten sich Tablet-Computer wirklich dauerhaft durch, so ist tats&#228;chlich zu erwarten, dass sie das Potential haben, die bisherige Tageszeitung abzul&#246;sen. Sie k&#246;nnten sich aber auch auf das Fernsehen und auch auf weitgehend nebenbei genutzte Radio auswirken.</p>

<p>Die eigentliche Revolution, die wir im medialen Kontext derzeit erleben, ist die Zusammenf&#252;hrung medialer Formen, die bislang aufgrund der von ihnen bedienten Vermittlungskan&#228;len nebeneinander bestanden und je eigene Vermittlungsformen und -kompetenzen aufzuweisen hatten, sodass keines dieser Medien ein anderes Medium nachhaltig verdr&#228;ngen konnte.</p>

<p>Entsprechend leben wir gegenw&#228;rtig in einer &#220;bergangsphase, in der die unterschiedlichen, organisatorisch getrennten Medienanbieter (Zeitungsverlag, Fernseh- und Radiosender) auf die M&#246;glichkeit der Verkn&#252;pfung reagieren und jeder f&#252;r sich einen Weg der Integration der unterschiedlichen medialen Formen sucht. Dabei wird sich eine Angleichung der Angebote (zumindest via Internet) ergeben, die zuletzt nicht nur die M&#246;glichkeit hat, Zeitungen zu verdr&#228;ngen, sondern dar&#252;ber hinaus die Frage aufwerfen wird, wie Kooperationen der einzelnen Medienanbier aussehen k&#246;nnten. Kurz: Es wird zu Fusionen von Zeitungsverlagen, Fernseh- und Radiosendern kommen, die die gesamte Breite des Medienmarktes v&#246;llig ver&#228;ndern werden, mit denen aber auch eine Konzentration im Medienbereich noch st&#228;rker einhergehen wird, als es schon heute der Fall ist.</p>

<p>In solch einem absehbaren Konzentrationsprozess wird die Meinungsvielfalt dann nicht mehr durch die Zahl der unterschiedlichen Anbieter medialer Produkte gesichert, sondern durch nicht an eine dieser dann noch kleineren Zahl an Firmen gebundene Formen medial gest&#252;tzter Berichterstattung. In diesem Rahmen werden soziale Netzwerke eine Rolle spielen, aber vielmehr werden Einzelpersonen oder Netzwerke von Einzelpersonen, von denen bekannt ist, dass sie zuverl&#228;ssig und vertrauensw&#252;rdig arbeiten, diese Rolle der Sicherung der Meinungsvielfalt &#252;bernehmen, wenn es um die Frage des Vertrauens in die Richtigkeit von Informationen geht. In Ans&#228;tzen k&#246;nnen wir beide Tendenzen bereits heute beobachten.</p>

<p>Die Folgen dieser Entwicklung, so sie so eintritt, wie es hier phantasiert wird, werden weitreichende Ver&#228;nderungen mit sich bringen, die weit &#252;ber die Verlage und Sender hinausreichen. Der Zeitungs- und auch Zeitschriftenmarkt, wie wir ihn heute kennen, wird zusammenbrechen. Die Zwischenh&#228;ndler (Kioske, Zeitschriftenl&#228;den etc.) werden immer seltener im Stadtbild anzutreffen sein, was die Gewinnmargen der Anbieter der entsprechenden Produkte in digitaler Form steigern d&#252;rfte, da sie die Gewinne der H&#228;ndler nicht mehr einpreisen m&#252;ssen, aber die Preise sicher auch nicht senken werden. Z. T. sind heute digitale Ausgaben von Zeitschriften und Zeitungen sogar schon teurer als das Pendant im Zeitschriftladen.</p>

<h3>Resumee</h3>

<p>Es spricht vieles daf&#252;r, dass die Verkn&#252;pfung von Text, Bild, Video und Audio zumindest im Informationsbereich zur Entwicklung eines neuen, integrierten Formates f&#252;hren wird. Z. T. sind diese Verkn&#252;pfungen schon heute sehr deutlich. Zeitungen haben eigene Fernsehsendungen (SpiegelTV, SternTV…), auf Websites von Zeitungen gibt es Videonachrichten, Fernsehsender bieten schriftliche Inhalte im Internet an etc. Mit diesem integrierten Format wird sich der Markt v&#246;llig ver&#228;ndern. Gleichzeitig wird sich die Frage nach der Vielfalt der Argumentationsweisen im Rahmen von Meinungsbildungsprozessen stellen. Blogger und auch soziale Netzwerke werden hier eine kritische Funktion bekommen, st&#228;rker noch, als es bisher der Fall ist. Dabei werden sich einzelne Blogger und soziale Netzwerker den Ruf der Zuverl&#228;ssigkeit und des Vertrauens erwerben; auch das l&#228;sst sich bereits heute beobachten, wird sich aber wohl verst&#228;rken.  Somit werden diese Einzelpersonen oder Netzwerke von Einzelpersonen ein Teil des Meinungsbildungsprozesses, was ebenfalls schon heute erkennbar ist. Meinungsbildungsprozesse werden also viel mehr &#252;ber institutionalisierte Medienunternehmen hinaus gehen als dies bis heute der Fall ist, wobei ich hier auch die &#246;ffentlich-rechtlichen Medienanstalten zun&#228;chst einmal zu den Medienunternehmen z&#228;hle. Inwiefern sich dadurch v&#246;llig neue Strukturen bei tagesaktuellen Informations- und Meinungsbildungsprozessen bilden, ist heute noch nicht absehbar. Dass ein solcher Strukturwandel aber m&#246;glich ist, ist Teil des nicht nur integrierenden, sondern auch differenzierenden Potentials digitaler Medien.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_4721" class="footnote">Der Medienbegriff ist vielf&#228;ltig und somit unscharf. Unterschiedliche Bedeutungen, die &#252;ber den hier genutzten Medienbegriff hinaus gehen finden sich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Medium" target="_blank">hier</a></li></ol>
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		<title>Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Mondnacht</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 22:19:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Mondnacht von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Lineare und aspektorientierte Interpretationen stehen im Deutschunterricht in der Regel im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn es um die Deutung literarischer &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/09/30/gedichtinterpretation-joseph-von-eichendorff-mondnacht/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a>
<span>Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Mondnacht</span> von <a href="http://herrlarbig.de/?p=4591" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a></em>.</p>

<blockquote><em>Lineare und aspektorientierte Interpretationen stehen im Deutschunterricht in der Regel im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn es um die Deutung literarischer Texte geht.</em>

<em>Die lineare Interpretation folgt dabei sehr kleinschrittig dem Verlauf eines Textes und baut eine Gesamtinterpretation linear entlang des Textes auf.</em>

<em> Im Extremfall wird Zeile f&#252;r Zeile, Satz f&#252;r Satz in den Blick genommen, sodass sich diese Form der Interpretation vor allem f&#252;r k&#252;rzere Texte anbietet und vor allem bei Gedichten ihre St&#228;rke ausspielen, aber auch bei k&#252;rzeren Prosatexten zum Einsatz kommen kann.</em>

<em> Bei l&#228;ngeren Texten werden Abs&#228;tze oder Kapitel in den Blick genommen, doch bietet sich solchen Texten eher die aspektorientierte Interpretation an, die von Anfang an auf einzelne Aspekte eines Textes als Schwerpunkt einer Interpretation hin ausgerichtet ist.</em>

<em>W&#228;hrend die lineare Interpretation theoretisch schon w&#228;hrend dem ersten Leseprozess geschrieben werden kann, praktisch wird auch meistens der Text mehrfach gelesen, bevor die interpretierende Ann&#228;herung beginnt, setzt die aspektorientierte Interpretation gute Textkenntnis voraus.</em>

<em>Soweit die Theorie. An dieser Stelle soll nun einmal, anders als bei meinen bisherigen Gedichtinterpretationen auf herrlarbig.de, eine m&#246;glichst konsequent durchgef&#252;hrte lineare Interpretation als Zugang zu einem lyrischen Werk versucht werden. </em>

<em>Zum Teil werde ich Abschnitte der Interpretation selbst noch ein wenig erl&#228;utern. Solche erl&#228;uternden Teile erscheinen in eigenen, einger&#252;ckten und farblich abgesetzten Abs&#228;tzen, die kursiv gesetzt sind. Diese Teile k&#246;nnen &#252;bersprungen werden, wenn alleine die Interpretation des Gedichtes interessiert.</em></blockquote>

<h3><strong>Joseph von Eichendorff</strong></h3>

<h3><strong>Mondnacht (1837)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/09/30/gedichtinterpretation-joseph-von-eichendorff-mondnacht/#footnote_0_4591" id="identifier_0_4591" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Das Gedicht ist wohl schon um 1835 entstanden, wurde aber 1837 erstmals ver&amp;#246;ffentlicht.">1</a></sup></strong></h3>

<p>Es war, als h&#228;tt&#8217; der Himmel</p>

<p>Die Erde still gek&#252;sst,</p>

<p>Dass sie im Bl&#252;tenschimmer</p>

<p>Von ihm nun tr&#228;umen m&#252;sst.</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>Die Luft ging durch die Felder,</p>

<p>Die &#196;hren wogten sacht,</p>

<p>Es rauschten leis&#8217; die W&#228;lder,</p>

<p>So sternklar war die Nacht.</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>Und meine Seele spannte</p>

<p>Weit ihre Fl&#252;gel aus,</p>

<p>Flog durch die stillen Lande,</p>

<p>Als fl&#246;ge sie nach Haus.</p>

<p>&nbsp;</p>

<h2><strong>Schritt f&#252;r Schritt: Eichendorffs Mondnacht linear interpretiert</strong></h2>

<p>Die <strong>&#220;berschrift</strong> Joseph von Eichendorffs 1837 ver&#246;ffentlichten Gedichts „Mondnacht“ gibt dem Erwartungshorizont Lesender eine Richtung: Das Gedicht spielt nachts, in einer klaren Nacht oder zumindest in einer solchen, in der der Mond deutlich zu erkennen ist, sei es auch zwischen Wolkenfetzen hindurch. Es wird sich zeigen, ob dies im Verlaufe des Gedichts n&#228;her dargestellt wird, ob die &#220;berschrift mit dem Inhalt &#252;bereinstimmt oder, was Gedicht&#252;berschriften auch immer wieder tun, ob die &#220;berschrift eine falsche Erwartungshaltung weckt, die dann im Verlaufe des Textes mit Bedeutung angereichert wird. Doch bei Eichendorff als Dichter der Romantik ist zu erwarten, dass ein Gedicht folgt, das nicht nur eine Mondnacht beschreibt, sondern auch die Gef&#252;hle des lyrischen Ichs in einen Zusammenhang mit dieser Nacht stellt.</p>

<blockquote><em>In dieser Einleitung wird, was oft nicht gemacht wird, die &#220;berschrift als Teil des Gedichts ber&#252;cksichtigt. Ja, wenn ein Gedicht einen Titel hat, dann ist dieser Bestandteil des Gedichts – und angemessen zu ber&#252;cksichtigen. Dar&#252;ber hinaus wird das Gedicht mit Bezug auf den Autor bereits in den Rahmen einer Literaturepoche gestellt und Vorwissen &#252;ber diese Literaturepoche ber&#252;cksichtigt, um die Erwartungshaltung, die der Interpret gegen&#252;ber diesem Gedicht hat, darzustellen und zu begr&#252;nden. Das bedeutet nicht, dass eine solche Erwartungshaltung im Laufe des Gedichtes best&#228;tigt werden muss. Der Verlauf des Gedichtes kann auch eine ganz andere Richtung nehmen, die dieser von der &#220;berschrift ausgel&#246;sten Erwartungshaltung widerspricht. Wenn dies passiert, ist es im Verlauf der Interpretation angemessen zu ber&#252;cksichtigen und die Frage zu stellen, welche Bedeutung dies f&#252;r das Verst&#228;ndnis des Gedichtes hat.</em></blockquote>

<p>Ein Vergleich, nicht mit „wie“, sondern mit „Es war als“ eingeleitet, er&#246;ffnet in <strong>Vers 1</strong> das Gedicht und stellt sofort den Bezug zum lyrischen Ich her, das hier offensichtlich seinen Eindruck von dieser Mondnacht darzustellen beabsichtigt. Diese drei ersten W&#246;rter des Gedichts vermitteln den Eindruck, dass hier weniger eine Beschreibung der Mondnacht das Ziel ist als die Darstellung einer Stimmung, die in dieser Mondnacht erzeugt wird.</p>

<p>Das n&#228;chste Wort „h&#228;tte“ wird um das -e verk&#252;rzt. In der Folge wird es vom zweisilbigen zum einsilbigen Wort, was notwendig ist, da dieser Vers als dreihebiger Jambus (Es <strong>war</strong> als <strong>h&#228;tt</strong>’ der <strong>Him</strong>mel) mit weiblicher / klingender Kadenz gestaltet ist. Au&#223;erdem verst&#228;rkt das „h&#228;tt&#8217;“ als Konjunktiv Zwei (irrealis) den Eindruck, dass es um die Wahrnehmung der Mondnacht durch das lyrische Ich geht, denn bereits hier wird angedeutet, dass der Eindruck des lyrischen Ichs von einem Bild ausgeht, das also solches kein Teil der „Realit&#228;t“, sondern Teil des Eindrucks, der Stimmung des lyrischen Ichs ist.</p>

<p>Mit „der Himmel“ lenkt das lyrische Ich den Blick des Lesenden „nach oben“, zum Himmel, der sowohl f&#252;r den realen Himmel stehen kann, der in der deutschen Sprache aber auch den Bereich des Transzendenten umfasst. An dieser Stelle bleibt offen, welche Himmelsvorstellung gemeint ist und das fehlende Satzzeichen am Ende des Verses ist ein erster Hinweis, dass das Versende noch nicht das Satzende ist. Ein Enjambement leitet in <strong>Vers 2</strong> &#252;ber, der mit „die Erde“ beginnt und diese Erde somit unmittelbar mit dem Himmel formal verbindet. Dass es nicht nur eine formale Verbindung ist, zeigt der Rest des Vers 2, der wiederum dreihebig jambisch gestaltet ist, nun aber mit einer m&#228;nnlichen / stumpfen Kadenz endet und mit dieser auch den ersten Sinnschritt des Gedichts markiert. Das „still gek&#252;sst“ verbindet Himmel und Erde in der Vorstellung des lyrischen Ichs, doch da der erste Sinnschritt mit einem Komma endet, ist der Eindruck des lyrischen Ichs noch nicht vollendet, der hier dargestellt wird.</p>

<p>In <strong>Vers 3</strong> wird der Eindruck des lyrischen Ichs vertieft, eingeleitet mit der Konjunktion „dass“, die auf einen Nebensatz hinweist, also darauf, dass dieser Kuss von Himmel und Erde nun weiter charakterisiert wird. Diese Charakterisierung wird zun&#228;chst mit dem visuellen Eindruck des „Bl&#252;tenschimmers“ verbunden, der dem lyrischen Ich faktisch vor Augen steht. Es ist wohl eine Nacht im Fr&#252;hjahr oder Sommer, eine Nacht, in deren fahlem Licht die Bl&#252;ten schimmernd zu erkennen sind. Dieser visuelle Eindruck wird in <strong>Vers 4 </strong>personifiziert, dem „Bl&#252;tenschimmer“ wird, wiederum unter Verwendung des Konjunktivs Zwei (m&#252;sst), die F&#228;higkeit des Tr&#228;umens zugeschrieben, eine F&#228;higkeit, die aber alleine den Eindruck des lyrischen Ichs in bildlicher Sprache darstellt. Und wiederum wird um des Rhythmus Willen ein -e weggelassen („m&#252;sst“ statt „m&#252;sste“), sodass sp&#228;testens hier davon ausgegangen werden kann, dass der Rhythmus des Gedichts bewusst vom Autor gestaltet wurde und somit die Form unmittelbar dem Inhalt des Gedichtes verbunden ist.</p>

<blockquote><em>Auch wenn hier Zeile f&#252;r Zeile vorgegangen wird: Diese Interpretation entsteht vor dem Hintergrund, dass das Gedicht schon ganz gelesen wurde. Ohne dass hier die Form der linearen Interpretation verlassen w&#252;rde, flie&#223;t diese Kenntnis nat&#252;rlich in die Betrachtung der Einzelverse ein.</em></blockquote>

<p>Die <strong>erste Strophe</strong> Eichendorffs „Mondnacht“ stellt, so kann zusammenfassend gesagt werden, eine die Stimmung des lyrischen Ichs in dieser Naturerfahrung deutenden Zugang zu dieser Erfahrung dar. Dabei ist sich das lyrische Ich dieser Deutung bewusst, nutzt den Konjunktiv Zwei, um diese in gleichm&#228;&#223;ig flie&#223;endem Rhythmus gesprochene Erfahrung als solche zu kennzeichnen. Dennoch ist die Erfahrung nicht irreal, sie geht vielmehr &#252;ber die rein sachliche Ebene der Naturwahrnehmung hinaus. Der klare Himmel, die Erde, der Bl&#252;tenschimmer bilden in der Wahrnehmung des lyrischen Ich eine Einheit, sie sind nicht getrennt. Der Eindruck geht &#252;ber die reine Beschreibung dessen, was f&#252;r das lyrische Ich in dieser Situation „ist“ hinaus. Und doch erfolgt die Versprachlichung dieser Erfahrung erst im Nachhinein, wie die Nutzung der Vergangenheitsform in <strong>Vers 5</strong> verdeutlicht.</p>

<p><strong>Vers 5</strong> holt nun die Beschreibung der eigentlichen Situation nach. „Die Luft ging durch die Felder“, ist erst einmal nichts anderes, als der Versuch einer Versprachlichung einer nicht weiter gedeuteten Wahrnehmung, auch wenn an dieser Stelle statt „ging“ das dem im Alltagsgebrauch mit der Luft eher verbundene Verb „wehte“ h&#228;tte genutzt werden k&#246;nnen. Dennoch scheint das lyrische Ich der Luft hier keine „Beine machen“ zu wollen oder, anders ausgedr&#252;ckt, hier liegt keine Personifizierung der Luft vor, sondern tats&#228;chlich nur eine Beschreibung der Situation, in der das lyrische Ich die in der ersten Strophe bereits bildhaft angedeutete existenzielle Erfahrung verortet. Daf&#252;r spricht auch, dass Vers 5 eine abgeschlossene Sinneinheit bildet und mit einem Komma endet.</p>

<p>Ein solches Komma steht auch am Ende von <strong>Vers 6</strong>, in dem eine erste Folge der wohl nur sehr leichten Luftbewegung in dieser Nacht beschrieben wird, die die &#196;hren auf den Felder in eine leichte, sachte Bewegung versetzt. W&#228;hrend also in Strophe 1 jeweils zwei Verse (1 – 2 und 3 – 4) durch vers&#252;bergreifende Sinnzusammenh&#228;nge und formal durch ein Enjambement verbunden sind, erfolgt in Strophe 2 eine Aufz&#228;hlung von Sachverhalten. Strophe 2 ist in diesem Sinne eine Bestandsaufnahme, der Versuch, die Situation sprachlich zu vermitteln, in der die Stimmung auftrat, die im Zentrum des Gedichtes steht.</p>

<p>Diese Bestandsaufnahme wird in <strong>Vers 7</strong> fortgef&#252;hrt. Neben den visuellen Eindruck der sich leicht im Wind wiegenden Felder tritt hier die Wahrnehmung des leisen Rauschens der W&#228;lder, das durch diesen leichten Wind erzeugt wird. Und wiederum ein Komma am Zeilenende.</p>

<p><strong>Vers 8</strong> wechselt nun die Wahrnehmungsebene, stellt eine Art H&#246;hepunkt der sinnlichen Wahrnehmung des lyrischen Ich dar, die in <strong>Strophe 2</strong> im Zentrum steht. &#220;ber all diesen Detailwahrnehmungen steht die Wahrnehmung der sternklaren Nacht, eine Situation, die bis heute in der Lage ist, bei Menschen „romantische Gef&#252;hle“ auszul&#246;sen.</p>

<p>Das „Und meine Seele spannte“ in <strong>Vers 9</strong> er&#246;ffnet die dritte Strophe mit dem ersten direkten Auftauchen des lyrischen Ichs in diesem Gedicht. Es erf&#228;hrt so etwas wie „Weite“, eine „Weite“, die unmittelbar an die Erfahrung der Einheit von Himmel und Erde in Strophe 1 und an die beschriebenen Gegebenheiten in Strophe 2 anschlie&#223;t, nun aber die eigentliche Erfahrung, die in dem Gedicht aufgegriffene Stimmung ins Zentrum stellt, wie <strong>Vers 10</strong> direkt best&#228;tigt, sind es doch „Fl&#252;gel“, die die Seele ausspannt. Sie erhebt sich, sie fliegt, sie wird weit. Was muss das f&#252;r ein Gef&#252;hl gewesen sein, dass das lyrische Ich in diesem Gedicht nicht nur zu versprachlichen versucht, sondern auch an Leser des Gedichtes weitergeben will!?</p>

<p>Und hier taucht das Enjambement aus Strophe 1 wieder auf. Wieder wird das Gef&#252;hl der Einheit formal widergespiegelt.</p>

<blockquote><em>Schon gemerkt: Auch bei einer linearen Interpretation steht nicht streng wirklich nur die einzelne Zeile im Mittelpunkt. Nat&#252;rlich kann auf alles Bezug genommen werden, was bereits erarbeitet wurde. „Linear“ ist diese Art der Interpretation nur in der Art, wie sie Schritt f&#252;r Schritt Zeile f&#252;r Zeile in den Blick nimmt und sich an dieser „linearen“ Lesart entlang arbeitet. Am Ende soll idealerweise trotz dieses kleinschrittigen Vorgehens ein Gesamtbild des Gedichts stehen, ein Gesamtbild, das auch dadurch entsteht, dass auf bereits  erarbeitete Zeilen und Strophen intensiv Bezug genommen wird.</em></blockquote>

<p>Und wieder ein Hauptsatz, der die ersten zwei Verse der Strophe umfasst und der somit parallel zu Strophe 1 gestaltet ist. <strong>Vers 11</strong> f&#252;hrt das begonnene Bild weiter. Nicht nur spannt die Seele ihre Fl&#252;gel aus, sie fliegt auch, fliegt „durch die stillen Lande“, nimmt diese Lande aus einer Art Vogelperspektive war, also aus einer Perspektive, in der die Gesamtheit der Wirklichkeit in den Blick genommen, die Einheit von Himmel und Erde, die Verbundenheit von allem wahrgenommen werden kann. Brentano fasst dieses romantische Gef&#252;hl in „<a href="http://herrlarbig.de/2010/09/24/gedichtinterpretation-clemens-brentano-sprich-aus-der-ferne/" target="_blank">Sprich aus der Ferne</a>“ mit den Versen „Alles ist freundlich wohlwollend verbunden, / Bietet sich tr&#246;stend und traurend die Hand, / Sind durch die N&#228;chte die Lichter gewunden, / Alles ist ewig im Innern verwandt.“</p>

<p>Es ist ein Gef&#252;hl der Ganzheit, das das lyrische Ich als eine Form des „Zuhause“ erlebt, denn in <strong>Vers 12</strong> wird diese erfahrene Weite der Seele, die durch die stillen Lande fliegt, mit einem „als fl&#246;ge sie nach Haus“ charakterisiert; nun durch ein Komma von Vers 11 abgesetzt und somit hervorgehoben, da nicht in einer Aufz&#228;hlung sondern als deutende Beschreibung des Fliegens gedacht. Vers 12 ist der Vers, auf den das ganze Gedicht zu l&#228;uft, in dem es seinen H&#246;hepunkt findet, in dem das Gef&#252;hl des lyrischen Ichs kulminiert, das sich selbst in der Naturwahrnehmung in seiner Ganzheit wahrzunehmen vermag.</p>

<p><strong>Resumee:</strong></p>

<p>Ein Klassiker der romantischen Lyrik, eines der wohl bekanntesten Gedichte dieser literarischen Epoche und dabei auch ein das Lebensgef&#252;hl der Romantik treffend darstellendes Gedicht! Was von aufgekl&#228;rten Geistern auseinander gerissen wurde, f&#252;gen Romantiker wieder zusammen. Himmel und Erde sind verbunden, die Naturwahrnehmung ist mit der Psyche des Menschen auf das Engste verbunden, hinter der Wirklichkeit gibt es eine Kraft, die &#252;ber das Beobachtbare hinaus geht. Die Romantiker gehen so weit zu sagen, dass diese Kraft den Menschen zu sich selbst kommen l&#228;sst, den Menschen als Ganzheit Mensch sein l&#228;sst.</p>

<p>Eichendorffs „Mondnacht“ greift diese Weltsicht der Romantik nicht nur auf, verbindet diese nicht nur mit der Sehnsucht nach Weite (des Geistes, der Wahrnehmung, der gesamten menschlichen Existenz), sondern vermag sogar, dieses Gef&#252;hl beim Leser zu erzeugen.</p>

<p>Das Gedicht ist ein Zeugnis der Kraft, die der Dichtung inne wohnt. Sie ist in der Lage, die Wirklichkeit in Sprache zum Singen zu bringen, Erfahrungen, die ein lyrisches Ich in einer konkreten Naturerfahrung macht, in eine Sprache zu fassen, die selbst diese Erfahrung der Ganzheitlichkeit beim Leser ausl&#246;sen kann oder aber zumindest eine Sensibilit&#228;t f&#252;r diese Erfahrungen schafft; eine Sensibilit&#228;t, die den Menschen in dieser Hinsicht erfahrungsf&#228;hig macht.</p>

<p><em>
</em><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Gedichtinterpretation: Clemens Brentano, Sprich aus der Ferne</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Sep 2010 22:12:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gedichtinterpretation: Clemens Brentano, Sprich aus der Ferne von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.Beruht auf einem Inhalt unter herrlarbig.de.&#220;ber diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse k&#246;nnen Sie unter http://herrlarbig.de/kontakt erhalten. Clemens Brentano (1778–1842) Sprich &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/09/24/gedichtinterpretation-clemens-brentano-sprich-aus-der-ferne/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Gedichtinterpretation: Clemens Brentano, Sprich aus der Ferne</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.<br />Beruht auf einem Inhalt unter <a xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://herrlarbig.de/2010/09/24/gedichtinterpretation-clemens-brentano-sprich-aus-der-ferne/" rel="dct:source">herrlarbig.de</a>.<br />&#220;ber diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse k&#246;nnen Sie unter <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/kontakt " rel="cc:morePermissions">http://herrlarbig.de/kontakt </a> erhalten.</em></p>

<p><h3><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_Brentano" target="_blank">Clemens Brentano</a> (1778–1842)</h3>
<h2>Sprich aus der Ferne (1801)</h2><br /></p>

<p>Sprich aus der Ferne<br />
Heimliche Welt,<br />
Die sich so gerne<br />
Zu mir gesellt.</p>

<p>Wenn das Abendrot niedergesunken,<br />
Keine freudige Farbe mehr spricht,<br />
Und die Kr&#228;nze still leuchtender Funken<br />
Die Nacht um die schattigte Stirne flicht:</p>

<p>Wehet der Sterne<br />
Heiliger Sinn<br />
Leis durch die Ferne<br />
Bis zu mir hin.</p>

<p>Wenn des Mondes still lindernde Tr&#228;nen<br />
L&#246;sen der N&#228;chte verborgenes Weh;<br />
Dann wehet Friede. In goldenen K&#228;hnen<br />
Schiffen die Geister im himmlischen See.</p>

<p>Gl&#228;nzender Lieder<br />
Klingender Lauf<br />
Ringelt sich nieder,<br />
Wallet hinauf.</p>

<p>Wenn der Mitternacht heiliges Grauen<br />
Bang durch die dunklen W&#228;lder hinschleicht,<br />
Und die B&#252;sche gar wundersam schauen,<br />
Alles sich finster tiefsinnig bezeugt:</p>

<p>Wandelt im Dunkeln<br />
Freundliches Spiel,<br />
Still Lichter funkeln<br />
Schimmerndes Ziel.</p>

<p>Alles ist freundlich wohlwollend verbunden,<br />
Bietet sich tr&#246;stend und traurend die Hand,<br />
Sind durch die N&#228;chte die Lichter gewunden,<br />
Alles ist ewig im Innern verwandt.</p>

<p>Sprich aus der Ferne<br />
Heimliche Welt,<br />
Die sich so gerne<br />
Zu mir gesellt.</p>

<p>Das Offensichtliche liegt dem lyrischen Ich in Clemens Brentanos 1801 erschienenem Gedicht „Sprich aus der Ferne” viel zu nah. Das Ferne, das nicht Offensichtliche, das Verborgene, die „heimliche Welt” (V. 2) interessieren dieses <a href="http://gedichtinterpretation.org/lyrisches-ich-gedichtinterpretation/" target="_blank">lyrische Ich</a> viel mehr. M&#246;ge diese „heimliche Welt“ einmal mehr zu ihm sprechen! Mit dieser Sehnsucht beginnt das Gedicht; diese Sehnsucht wird am Ende wieder aufgegriffen, indem exakt die gleiche Strophe wiederholt wird. Ein Rahmen, der sieben weitere Strophen umschlie&#223;t.</p>

<p>Doch unter welchen Bedingungen kann diese Sehnsucht Wirklichkeit werden? Die <a href="http://web.uni-frankfurt.de/fb10/zimmermann/cecile/PDF-files/psem09-handout-08.pdf" target="_blank">Konditionals&#228;tze</a> in den Strophen 2, 4 und 6 geben Antwort, wenn auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Metapher" target="_blank">metaphorisch</a> verschl&#252;sselt:</p>

<p>– Wenn die Sonne untergegangen ist und die Farben der Welt undeutlich werden, verblassen (V. 5f.),</p>

<p>– wenn die Sterne (V. 7f) und der Mond (V 13f.) aufgegangen sind,</p>

<p>– wenn die Sterne am Himmel funkeln (V 15f.) und</p>

<p>– (unheimliches) Dunkel &#252;ber der Erde liegt, das lyrische Ich im Wald begleitet (V 21–24),</p>

<p>dann kann die „heimliche Welt“ zum lyrischen Ich sprechen. Und dieses „Sprechen“ spricht den ganzen Menschen an, packt ihn bei allen Sinnen. „Wenn“ (V. 5, 13, 21) die Bedingungen ideal sind, dann sieht das Auge nicht die naheliegende Welt im glei&#223;enden Sonnenlicht, sondern das „leis“ (V. 11) sich verstr&#246;mende Licht der Sterne dringt in das Auge, das Licht aus der „Ferne“ (V. 11). Und damit das Dunkel nicht zu gro&#223;es „Grauen“ (V. 21) ausl&#246;st, scheint der Mond und wie ein leichter Wind „wehet Friede“ (V. 15), ein Friede, der den ganzen K&#246;rper erfasst, die Spannungen des Tages abfallen l&#228;sst, zu einer k&#246;rperlich sp&#252;rbaren Erfahrung wird. Doch vor allem das Sehen und das H&#246;ren bilden das Zentrum der metaphorischen Sprache. Die Sinne werden jedoch in einer ganz bestimmten Form angesprochen: Zwar soll die „heimliche Welt“ (V. 1, 33) zum lyrischen Ich sprechen (V. 1, 33), doch dies geschieht in einem Umfeld, dass als „leis[e]“ (V. 11) charakterisiert wird, als „still“ (V. 7), voller an Musik erinnernder Kl&#228;nge (V. 17f.).</p>

<p>Diese akustischen Wahrnehmungen sind eng an visuelle Formen der Wahrnehmung gebunden, werden in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Syn%C3%A4sthesie" target="_blank">syn&#228;sthetisch</a> gestalteten Versen sogar direkt miteinander verbunden. Die Farbe muss zum schweigen kommen (V. 6), jene Farbe, die im hellen Licht das Auge erreicht und in der Masse der Reize, die am hellichten Tage das lyrische Ich umgeben, jener heimlichen Welt kaum Resonanzr&#228;ume bietet. Die „leuchtende[n] Funken“ (V. 7) sind „still“ (ebd.), ebenso die Tr&#228;ne, die den Mond charakterisiert (V. 13) und die Lieder „gl&#228;nzen“ (vgl. V. 17f.).</p>

<p>Auf der anderen Seite ist das Gedicht, trotz der Dunkelheit, in der es seinen Raum findet, voller visueller Wahrnehmungen: Da sind das „Abendrot“ (V. 5), die „Farbe“ (V. 6), „leuchtende Funken“ (V. 7), eine „schattigte Stirn“ (V. 8), es gl&#228;nzt (V. 17), es ist dunkel (V. 22f.), „finster“ (V. 25) gar, Lichter funkeln (V. 27), ein „Schimmern“ (V. 28) ist zu sehen, „N&#228;chte“ und „Lichter“ (V. 31) werden unmittelbar miteinander verbunden.</p>

<p>Und in dieser Ganzheitlichkeit, in der das lyrische Ich in diesen Versen angesprochen wird, in dieser Ganzheitlichkeit, in der es „da ist“, pr&#228;sent, anwesend, lauschend, schauend, staunend, zeigt sich sich die Erkenntnis, die in dieser Dunkelheit gewonnen werden kann, als Gegenpart zur <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/aufklaer.htm" target="_blank">aufgekl&#228;rten</a> Erkenntnis, deren Lichtmetaphorik des Tages diejenige der Nacht gegen&#252;ber gestellt wird. W&#228;hrend das analytische Denken der Aufkl&#228;rung das Einzelne in seinen Details wahrnimmt, ist die Einsicht des n&#228;chtlich schauenden lyrischen Ichs, entsprechend der Ganzheitlichkeit, mit der es sich ansprechen l&#228;sst, eine ganzheitliche, die wahrzunehmen vermag, dass „alles […] freundlich verbunden“ (V. 29) ist, das Trost und Trauer einander verwandt sind (V. 30), dass „alles […] ewig im Innern verwandt“ (V. 32) ist.</p>

<p>Diese Wahrnehmung der Welt aber ist keine, die ihre ganze Kraft im Verstande alleine entfalten kann, sie will erlebt, gef&#252;hlt werden. Die Einsicht, die das lyrische Ich aus fr&#252;heren Erlebnissen genau dieses Zustandes, dieser Stimmung gewonnen hat, geht &#252;ber den Verstand hinaus, ergreift den ganzen K&#246;rper, ist ein Wiegen und Wogen, das die Sinnlichkeit mit dem Verstand vereint. Diese Bewegung der Ganzheitlichkeit, die sich dem lyrischen Ich gleichzeitig aber nicht in der Klarheit des Tageslichtes zeigt, mag der Grund f&#252;r das gew&#228;hlte, wechselnde, dem Leser nicht leicht zug&#228;ngliche, Verma&#223; sein, das in den Langstrophen 2, 4, 6 und 8 aus vierhebigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Daktylus" target="_blank">Daktylen</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Troch%C3%A4us" target="_blank">Troch&#228;en</a>, in den Kurzstrophen aus zweihebigen Daktylen und Troch&#228;en gebildet ist. Dass dieses Metrum kein Zufall ist, was ja durchaus der Fall sein k&#246;nnte, zeigt sich in der Konsequenz, mit der es durch alle Strophen durchgehalten wird, was angesichts der Kompliziertheit des Metrums kein Zufall sein kann. Dies sei hier beispielhaft an den ersten zwei Strophen gezeigt (betonte Silben sind hier fett dargestellt):</p>

<p><strong>Sprich</strong> aus der <strong>Fer</strong>ne (Daktylus, Troch&#228;us mit weiblicher <a href="http://www.uni-muenster.de/MhdMetrikOnline/sites/metrik/3.1.1.19_reichston_strophenformel.php" target="_blank">Kadenz</a>)<br />

<strong>Heim</strong>-lich-e <strong>Welt</strong>, (Daktylus; Troch&#228;us mit m&#228;nnlicher Kadenz)<br />

<strong>Die</strong> sich so <strong>ger</strong>ne<br />

<strong>Zu</strong> mir ge<strong>sellt</strong>.</p>

<p><strong>Wenn</strong> das <strong>A</strong>-bend-rot <strong>nie-</strong>der-ge-<strong>sunk-</strong>en, (Troch&#228;us, Daktylus, Troch&#228;us mit weibl. Kadenz)<br />

<strong>Kei</strong>-ne <strong>freu</strong>di-ge <strong>Far-</strong>be mehr <strong>spricht</strong>, (Troch&#228;us, Daktylus, Troch&#228;us, mit m&#228;nnl. Kadenz)<br />
<strong>Und</strong> die <strong>Kr&#228;n</strong>ze still <strong>leuch-</strong>ten-der <strong>Funk</strong>en<br />
Die <strong>Nacht</strong> um die <strong>schat</strong>-tig-te<strong> Stir</strong>ne <strong>flicht</strong>:</p>

<p>Das Gedicht entspringt dem Willen des Dichters, eine Situation zu gestalten und ist deshalb formal bewusst gestaltet. Doch anders als in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ballade" target="_blank">Balladen</a>, wird hier keine Geschichte erz&#228;hlt, anders als in <a href="http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/7260.htm" target="_blank">Gedankenlyrik</a> werden keine philosophischen, religi&#246;sen oder weltanschaulichen Fragen reflektiert, sondern eine <a href="http://www.literatur-im-foyer.de/Sites/Lyrik/lyriktheorie.htm" target="_blank">Stimmung</a> dargestellt, in der das Objektive (die Nacht, der Sternenschein, das Mondlicht…) von subjektiven Empfindungen durchdrungen und von diesen in  einen &#252;ber-objektiven Zusammenhang hinein sogar „aufgel&#246;st“. Und diese Subjektivit&#228;t dr&#252;ckt sich in der metaphorischen Sprache aus, zu der Lesende einen subjektiven Zugang finden m&#252;ssen, soll der in dem Stimmungsgedicht enthaltene Funke auf ihn &#252;berspringen.</p>

<p>Doch auch damit ist es noch nicht getan. Die letzte Strophe schlie&#223;t den Rahmen, greift den Wunsch wieder auf, dass die „heimliche Welt“ (V. 2) „aus der Ferne“ (V. 1) zum lyrischen Ich sprechen m&#246;ge. Und so stellt das Gedicht nicht die Stimmung selbst dar, die in ihr doch beschrieben wird, sondern ist Ausdruck nach der Sehnsucht, dass sich diese Stimmung wieder einstelle. Das Gedicht reflektiert auf die Ursachen („Wenn“), aus denen sich die Stimmung ergibt („dann“), ist eine Art Bedienungsanleitung, unter welchen Bedingungen sich das <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">romantische</a> Gef&#252;hl und die Erfahrung des „Alles ist freundlich wohlwollend verbunden“ (V. 29) einstellt.</p>

<p>Das lyrische Ich hat diesen Zustand erfahren; in diesen Zustand sehnt es sich zur&#252;ck und l&#228;dt die Lesenden dazu ein, sich mit ihm und doch f&#252;r sich selbst auf den Weg zu dieser Erfahrung zu machen, die die Welt in ihren Tiefendimensionen erschlie&#223;t, die Augen, das Ohr, das ganze F&#252;hlen des Menschen auf diese Tiefendimensionen hin einstellt und diese f&#252;r die „heimliche Welt“ (V 2, 34) &#246;ffnet.</p>

<p>Clemens Brentano hat mit „Sprich aus der Ferne“ ein programmatisch f&#252;r den Weltzugang der Romantik stehendes Gedicht geschaffen, das in seiner komplexen Verwobenheit von Inhalt und Form selbst die Ganzheitlichkeit abbildet, die es ansprechen,  die es wecken und ausdr&#252;cken will. Diese Ganzheitlichkeit des Gedichtes macht dieses Gedicht zu einem meisterhaften Kunstwerk, das die M&#246;glichkeiten des sprachlichen Ausdrucks zur Zeit seiner Entstehung umfassend nutzt und sie in seiner Zeit auch an die Grenzen des Ausdr&#252;ckbaren heranf&#252;hrt. Und dort, wo diese Grenze des Ausdr&#252;ckbaren erreicht ist, beginnt der „leis[e]“ (V. 11), gl&#228;nzend „klingender“ (V 17f.), „freundlich[e]“ (V. 26) „schimmernde[…]“ (V. 26, 27) Erfahrungsraum, der das lyrische Ich schweigend staunend in die Tiefendimensionen der Wirklichkeit, in die schweigende Faszination angesichts der Wirklichkeit eintauchen l&#228;sst.</p>

<p><em></p>

<blockquote>Diese Interpretation ist eine m&#246;gliche. Wenn Sie andere Gedanken zu dem Gedicht haben, andere Ideen, etwas vertiefen oder erg&#228;nzen wollen, w&#252;rde ich mich sehr freuen, wenn Sie die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag nutzen w&#252;rden.</em></blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Was ist Bildung? Ein Vorschlag</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 23:32:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Nachdenken &#252;ber Jean-Pol Martins Vorschlag zum Bildungsbegriff ist dieser Audiobeitrag entstanden. Jean-Pol Martin sagt: „Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, die erlauben, mit einstr&#246;menden Daten gelassen umzugehen, wobei es gilt, diese Konzepte fl&#252;ssig und beweglich zu halten. Die &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/01/was-ist-bildung-ein-vorschlag/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Im Nachdenken &#252;ber <a href="http://jeanpol.wordpress.com/2010/02/25/meine-definition-von-bildung-youtubehttpwww-youtube-comwatchvyfvgsiynrqmhlde_defs1/" target="_blank">Jean-Pol Martins Vorschlag zum Bildungsbegriff</a> ist dieser Audiobeitrag entstanden.</p>

<p>Jean-Pol Martin sagt:</p>

<blockquote>„Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, die  erlauben, mit einstr&#246;menden Daten gelassen umzugehen, wobei es gilt, diese Konzepte fl&#252;ssig und beweglich zu halten. Die neuerstellten Konzepte erm&#246;glichen die Planung und Durchf&#252;hrung von weiteren  Handlungen. Sie schaffen die Sicherheit, die notwendig  ist, um unbekannte Felder zu betreten, in denen neues Wissen generiert  wird.“</blockquote>

<p>Meine Position in einem kurzen Resume – f&#252;r die Feinheiten, die immer noch grob genug sind, empfehle ich, den Audiobeitrag  anzuh&#246;ren. Soviel Zeit muss (sollte) sein <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p><em>Resume: Bildung wird hier mit der Frage des Selbstbildes und des Weltbildes bzw. der Bildung (dem Entstehen) dieser Bilder in Verbindung gebracht. Es geht um eine Orientierung in Zeit und Raum, die der eigenen Positionierung in der eigenen Gegenwart und am eigenen Ort dient. In diesem Zusammenhang ist eine Orientierung nicht nur in der Gegenwart und in globalen Zusammenh&#228;ngen notwendig, sondern auch eine Orientierung &#252;ber die eigene Zeit und den eigenen Raum hinaus. Wissen ist notwendig, aber (wieder einmal) Hilfsmittel und nicht prim&#228;res Ziel eines Bildungsprozesses.</em></p>

<p><em>Ein paar Links zur Orientierung:</em></p>

<ul>
    <li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/A_priori" target="_blank">Zeit und Raum (A priori)</a></li>
    <li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mystik">Mystik</a></li>
    <li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mechthild_von_Magdeburg" target="_blank"><em>Mechthild von Magdeburg</em></a></li>
    <li><em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eckhart" target="_blank">Meister Eckhart</a></em></li>
    <li><em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Tod" target="_blank">Die Pest im Mittelalter</a></em></li>
    <li><em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konfuzianismus" target="_blank">Konfuzianismus</a></em></li>
    <li><em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Naturreligion" target="_blank">Naturreligion</a></em></li>
    <li><em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hinduismus" target="_blank">Hinduismus</a></em></li>
    <li><em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus" target="_blank">Buddhismus</a></em></li>
    <li><em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung" target="_blank">Bildung</a></em></li>
</ul>

<p> (MP3)</p>

<p style="text-align: center;"></p>

<p style="text-align: left;">Ich bin gespannt, was andere zu dem Thema zu sagen haben. Die Kommentare d&#252;rfen f&#252;r diese Diskussion gerne genutzt werden. Und noch einmal der Hinweis auf <a href="http://jeanpol.wordpress.com/2010/02/25/meine-definition-von-bildung-youtubehttpwww-youtube-comwatchvyfvgsiynrqmhlde_defs1/" target="_blank">Jean-Pol Martins Beitrag</a>, zu dem es auch schon eine lebendige Diskussion gibt…</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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