Architektur in Frankfurt am Main – Der OpernTurm


© T. Larbig 2010

Dieses Bild gefällt mir, so sehr es das Ergebnis eines Zweifels ist.

Was soll ich davon halten, fragte ich mich, dass da mitten in Frankfurt, direkt neben der Alten Oper, ein Hochhaus entstehen sollte, das mit seinen 170 Metern alles um sich herum erdrücken könnte?

Skeptisch sah ich den Bau, sah ich, wie sich er Beton mehr und mehr in die Höhe streckte, sah ich meine Befürchtungen Wirklichkeit werden. Das graue Betongerippe wirkte bedrohlich. – Um so erstaunlicher, wie der OpernTurm sich nun in das Stadtbild einfügt, seinen Ort neben der Alten Oper gefunden zu haben scheint.

Dennoch blieb da Fremdheit. Die strenge Symmetrie des Gebäudes, die sich aus Quadraten und Rechtecken als architektonischer Grundform ergibt, zog mich an und hielt mich gleichzeitig auf Distanz.

So sehr mir der neue OpernTurm – zu meiner eigenen Überraschung – gefällt, so ästhetisch kalt, anziehend, abstoßend, vertraut und fremd zugleich wirkt er auf mich als Bewohner dieser Stadt Frankfurt am Main.

Also nahm ich meinen Fotoapparat und versuchte auf diesem Wege, diesen zentral in der Stadt verorteten neuen Turm visuell und perspektivisch zu erkunden. Als ich da nun fotografierte, hatte ich immer stärkere Assoziationen in Richtung eines Raumschiffs, das hier in Frankfurt am Main gelandet ist und nun dort als Hochhaus steht. Diese Assoziation scheint die ambivalente Wahrnehmung des Gebäudes für mich widerzuspiegeln.

Nun galt es nur noch, diese Assoziation in ein Bild zu bekommen. In diesem Fall kam mir das Phänomen der „stürzenden Linien“ sehr entgegen, konnte ich es doch für meine Bildidee nutzen.

Ich versuchte also, die Symmetrie des Turms aufzugreifen, diese mit dem optischen Phänomen der stürzenden Linien zu kombinieren und so meine Wahrnehmung des Gebäudes in ein Bild zu bekommen.

Um zumindest aus meiner Sicht diesem Ziel abschließend so nah wie möglich zu kommen, waren noch zwei Arbeitsschritte nötig, die ich in der digitale „Dunkelkammer“ am Computer ging: Das Bild wurde in ein Schwarz-Weiß-Bild umgewandelt und um 180 Grad gedreht, sodass der Eindruck entstand, da schwebe tatsächlich ein Raumschiff über den schwarzen Blättern und nur andeutungsweise sichtbaren Bäumen.

Ob es gelungen ist, die ambivalente Wahrnehmung des Gebäudes fotografisch so umzusetzen, dass sie sich anderen aus diesem Bild erschließt, müssen andere entscheiden. Bei mir hat sich das Gefühl beim Betrachten des Bildes ein paar Monate nach seinem Entstehen wieder eingestellt. Aber das kann ja auch daran liegen, dass ich die Geschichte des Bildes einfach kenne – oder?

Aperture 3 – Erste Erfahrungen

Dies ist kein Test, kein Review der gerade erschienen Fotoverwaltungs- und RAW-Entwicklungssoftware von Apple. Solche Tests gibt es schon genug, wird es in den nächsten Wochen sogar noch wesentlich mehr geben, und wer sich für die neuen Funktionen in Aperture 3 interessiert, kann z. B. hier nachschauen. Darüber hinaus beschränke ich mich hier auf Aperture 3. Adobes Lightroom kenne ich nicht, sodass hier natürlich kein Vergleich dieser Konkurrenzprodukte möglich ist.

An dieser Stelle fasse ich meine ersten eigenen Erfahrungen als Fotoamateur mit diesem Programm zusammen – nicht mehr, aber auch nicht weniger, interessiert doch wahrscheinlich die meisten, wie mit einer solcher Software gearbeitet werden kann.

Dennoch zunächst: Was ist Aperture und was ist Aperture nicht?

Aperture ist eine Software zur Verwaltung und grundlegenden Bearbeitung von Fotos, die zudem auch in der Lage ist, Videos und Audioaufnahmen in ihrer Mediathek zu verwalten und von dort aus über externe Programme zu bearbeiten. Der Schwerpunkt ist jedoch die Verwaltung und Bearbeitung von Bildern. Hier erinnert Aperture an vielen Punkten an Apples iPhoto, abgesehen davon, dass Aperture sich eher an ambitionierte Amateure und Profis wendet, zeigt die Software doch erst dort ihr ganzes Potentiale, wo es um die Entwicklung von RAW-Formaten geht. Hier hat Apple gegenüber Aperture 2 nachgebessert: Endlich werden auch so wunderbare Kameras wie Panasonics LX 3 und Leicas D-Lux 4 unterstützt. Doch auch für JPEG-Fotografen hat Aperture 3 einiges zu bieten, insbesondere, wenn es um die Verwaltung von großen Datenmengen und die Arbeit mit unterschiedlichen Mediatheken geht. Um es schon hier zu sagen: Anders als iPhoto unterstützt Aperture den Wechsel zwischen verschiedenen Mediatheken, ohne dass ein Neustart der Software nötig wäre.

Aperture 3 ist aber keine Software, die mit Photoshop oder GIMP vergleichbar wäre. Vergleichbar ist Aperture jedoch mit Adobes Lightroom, dessen Name deutlicher werden lässt, um was für eine Software es sich hier handelt: Aperture 3 ist eine digitale Dunkelkammer, eine Bildentwicklungslösung und ein Bildarchiv in einem. Bilder können so wie sie sind bearbeitet werden, aber es stehen keine Werkzeuge zur Verfügung, die massive Bildmanipulationen möglich machten, wie das in Photoshop oder GIMP der Fall ist.

Meine ersten Erfahrungen:

  1. Installation: Ich habe ein Update von Aperture 2 auf 3 gemacht. Hierzu benötigt man die Upgrade-Version von Aperture 3 für 99 € (gegenüber der Vollversion für 199 €). DVD einlegen, Installationsicon klicken, nach der Installation den Lizenzcode eingeben und Aperture 3 läuft. (Achtung: Die Systemvoraussetzungen von Aperture 3 sind relativ hoch, also erst schauen, ob der eigene Mac diesen entspricht. Wer Aperture 3 zunächst als Testversion ausprobieren will, sollte, falls vorhanden, Aperture 2 zunächst aus dem Ordner „Programme” entfernen, da Aperture 3 – auch als Testversion, diese überschreibt!)
  2. Import vorhandener iPhoto-Mediatheken: Der Import vorhandener iPhoto-Mediatheken war bei mir notwendig, weil ich bislang iPhoto und Aperture 2 nebeneinander verwendet habe. Da nun aber mit Aperture 3 z. B. der Export zu flickr und Facebook möglich wurde, da nun auch Gesichtserkennung und die Verwaltung von GPS-Daten in Bildern möglich ist, habe ich mich für eine Zusammenführung aller Bilder in Aperture entschieden. Der Import verlief bei mir problemlos und benötigte natürlich die Zeit, die große Datenmengen immer verlangt. Ich habe über 20000 Bilder aus 10 iPhoto-Mediatheken nun in einer Aperture-Mediathek zusammengefügt, was der Software scheinbar keine Probleme bereitet. Dennoch ist das eine Mediathek, die als Archiv dient und der ich keine weiteren Bilder hinzufügen werde. Da der Wechsel zwischen Mediatheken in iPhoto immer einen Neustart der Software verlangt (Ich gehe davon aus, dass eine neue Version von iPhoto unterschiedlichen Mediatheken unterstützen wird. Alles andere wäre enttäuschend.) hatte ich die Verwaltung einiger Mediatheken vernachlässigt, sodass ich nun, an einem Ort vereint, diese eine, große Aperture-Library zur Aufarbeitung und vor allem auch zum Löschen vorhandener Bilder nutzen werde. Das Verschieben eines Bildes aus einer Mediathek in eine andere bedarf aber nach wie vor, zumindest habe ich noch keine andere Möglichkeit entdeckt, den Umweg über einen vorhergehenden Export der gewünschten Bilder und anschließenden Import in die andere Mediathek.
  3. Arbeit mit großen Datenmengen / Mediatheken und Datensicherung mit TimeMachine (Vgl. auch 2.): Die Arbeit mit großen Mediatheken, bei mir z. B. mit über 20000 Bildern, die eine Größe von 80 Gigabyte hat, verläuft für mich überraschend zügig, wenn auch nicht so schnell, wie mit einer Mediathek, die weniger Objekte zu verwalten hat. Die bei mir vorgenommenen Veränderungen im Datenbestand hatten natürlich auch Auswirkungen auf die automatische Backuperstellung via TimeMachine: Da kamen insgesamt über 200 GB zusammen, sodass ich das Backup, anders als sonst üblich, über Nacht laufen ließ. Da dies aber ein einmaliger Vorgang ist, wirkt sich das auf Arbeit mit Aperture 3 nicht aus.
  4. Die automatischen, voreingestellten Schnellanpassungen für Bilder: Zugegeben, die automatische Bildverbesserung in Aperture erzeugt teilweise überraschende (äußerst bunte) Ergebnisse. Sie scheint am zuverlässigsten bei Bildern zu funktionieren, die bereits eine möglichst gute Qualität zeigen. Die anderen voreingestellten Schnellanpassungen laufen hingegen sehr zuverlässig. Zudem ist es möglich, eigene Anpassungsroutinen abzuspeichern und dem Menu für Schnellanpassungen hinzuzufügen. Hier zeigt sich, dass Aperture eine Profisoftware ist, die dem Benutzer wesentlich mehr Freiraum bei der Bildentwicklung erlaubt, als dies in iPhoto der Fall ist.
  5. Anpassungen: War es in Aperture 2 bislang nur möglich, Anpassungen auf ein ganzes Bild anzuwenden, ist es nun möglich, Anpassungen über Pinselwerkzeuge auch nur an Teilen eines Bildes vorzunehmen. Für mich ist das eine der wichtigsten und überzeugensten Weiterentwicklungen der Software. Wenn gewünscht, arbeiten die Pinselwerkzeuge kantensensitiv und mit Hilfe von Overlays lässt sich sehr genau kontrollieren, welche Bereiche eines Bildes von den Anpassungen erfasst wurden und welche nicht. Dort, wo die Kantenanpassung bei nicht klar erkennbaren Kanten nicht ganz zuverlässig funktioniert, sind über Radierfunktionen schnell Korrekturen möglich. Das funktioniert sowohl beim Nachschärfen, bei Farbanpassungen, beim Aufhellen oder Abdunkeln einzelner Bildpartien etc. Auch ein Polarisationsfilter ist jetzt bei den Anpassungen dabei. Deutliche Verbesserungen meine ich auch bei der Erstellung von Schwarzweißbildern wahrgenommen zu haben.
  6. Gesichtserkennung: Aperture 3 unterstützt nun auch Gesichtserkennung. Erschreckend, wie zuverlässig das funktioniert – erschreckend, weil ich hier einen Eindruck bekomme, wie Gesichtserkennungsfunktionen in anderen Zusammenhängen (z. B. Videoüberwachung) funktionieren können. Positiv ausgedrückt: Zur Verwaltung von Aufnahmen, die von Personen gemacht wurden, ist diese Funktion sehr hilfreich und ja, sie funktioniert.
  7. GPS-Daten-Unterstützung: Die in den vergangenen Jahren immer weiter verbreitete Aufzeichnung von GPS-Daten mit Fotografien und die so mögliche Zuordnung zu den Orten, an denen Bilder gemacht wurden, wird nun auch von Aperture 3 unterstützt. Auch das nachträgliche Hinzufügen von Ortsdaten zu Bildern ist möglich, sodass Bilder auch nach den Orten ihrer Entstehung gesucht und verwaltet werden können. Das ist mit einer Landkarte grafisch ansprechend umgesetzt. Mein erster Eindruck: Bei konsequenter Einarbeitung von Orten in die Metadaten der Bilder, so die Kamera kein GPS unterstützt, ist das für die Verwaltung größerer Bildmengen wahrscheinlich ein sehr interessantes Instrument.
  8. Ausstehende Erfahrungen: Das Erstellen von Diashows und Fotobüchern habe ich mir bislang nur in der mit Aperture 3 ausgelieferten Beispielmediathek angeschaut. Die dort erkennbaren Möglichkeiten sind vielverprechend. Vor allem die Möglichkeit, erstellte Fotobücher nicht nur bei einem vordefiniertem Anbieter beziehen zu können, macht Aperture an diesem Punkt interessant. Fotobücher können auch einfach als PDF gespeichert und zur Verfügung gestellt oder zu einer Druckerei eigener Wahl weitergeleitet werden. Wie sich die Verwaltung von Videos und Audioaufnahmen in Aperture bewähren wird, muss ich noch ausprobieren. Der Eindruck angesichts der integrierten Videos und Audios in der mitgelieferten Beispielmediathek ist zunächst einmal ein guter.
  9. Anbindung an das Web 2.0: Neben dem kostenpflichtigem, hauseigenem Dienst „mobile me” unterstützt Apples Aperture 3 nun auch die direkte Synchronisation mit Facebook und Flickr. Das funktioniert weitgehend gut. Die Privatsphäreneinstellungen für Facebook werden nicht vollständig unterstützt, da z. B. die Sichtbarkeit nur für den registrierten Benutzer nicht direkt gewählt werden kann. Das muss man nachträglich in Facebook machen. Hier muss Apple nachbessern. Darüber hinaus fehlt die Möglichkeit der direkten Übertragung von Bildern in Blogging-Software, wie z. B. WordPress. Anders ausgedrückt: Eine selbst konfigurierbare Anbindung an eine eigene Website konnte ich bislang nicht entdecken. Aber die Erstellung von Webseiten wird in Aperture überzeugend unterstützt. Wie diese Funktion beispielsweise für dieses Blog genutzt werden kann, muss ich noch erkunden (und für Tipps in den Kommentaren bin ich immer dankbar).
  10. Von mir wahrgenommene Schwächen in Aperture 3: Nachdem ich bereits in iPhoto Alben zur Synchronisation mit Facebook angelegt hatte, suchte ich bislang vergeblich nach einer Möglichkeit, diese in Aperture 3 zu importieren, um mit ihnen weiter arbeiten zu können. Darüber hinaus ist die Anbindung an eigene Websites noch entwicklungsfähig. Außerdem sorgt die automatische Verbesserung von Bildern in den Fällen, in denen ich sie bislang ausprobiert habe, oft für überraschende Ergebnisse, die mir nicht gefallen. Da aber Aperture 3 im Bereich der individuellen Anpassung von Bildern sehr mächtig zu sein scheint und hier sehr viel zulässt, fällt diese Schwäche nicht sehr ins Gewicht. Damit verbunden ist aber auch, dass Aperture 3 von seinen Nutzern zumindest erweitertes Grundlagenwissen über die Prozesse der Entwicklung digitaler Bilder verlangt. Es handelt sich hier also nicht um ein auf einfachste Handhabung reduziertes Konumenten-Produkt. (Und entsprechend sorgt sein Erscheinen auch für weit weniger Wirbel, wie das bei anderen Apple-Produkten der Fall ist oder wie das bei „neuen“ Datensammelfunktionen auf Google von mir beobachtet wird.) Das ist aber keine wirkliche Schwäche des Programms, sondern zeigt seine Klientel: Fotografen, die mehr als nur eine Bildverwaltung mit minimalen Optionen zur Bildgestaltung haben wollen. – Eine Schwäche hat Apple mit dem Erscheinen von Aperture 3 ausgebessert, doch muss sie hier genannt werden: Es gab für Aperture bislang weit seltener Updates als für andere Softwareprodukte von Apple. Bleibt zu hoffen, dass Apple bei Apperture 3 die Benutzer nicht wieder so lange auf Integration von Neuentwicklungen warten lässt, wie das bei Aperture 2 der Fall war. Gleiches gilt für das Bereitstellen von im Programm bearbeitbaren RAW-Formaten. Die beliebte Panasonic LX 3 wurde beispielsweise erst jetzt aufgenommen, obwohl sie bereits seit Juli 2008 auf dem Markt ist.

Fazit: Der erste Eindruck, den ich beim Arbeiten mit Aperture 3 gewonnen habe, ist hervorragend. Für meine Zwecke, Bildverwaltung und Bildentwicklung, habe ich hier eine Software gefunden, die diesen Zwecken sehr gut entspricht. Wollte ich darüber hinaus mit Photoshop oder GIMP zu komplexeren Bildmanipulationen übergehen, wäre ihre Anbindung als externe Bearbeitungprogramme möglich. Zudem ist Aperture durch Plug-Ins erweiterbar, wobei bislang nur wenige Plug-Ins im 64 Bit-Format vorliegen, mit dem Aperture von Hause aus arbeitet. Sie sind nach meinen Erfahrungen dennoch nutzbar, wenn Aperture im 32-Bit-Modus gestartet wird.

Neben der Verwaltung von Fotografien bietet Aperture die Möglichkeit, andere Medienformen (Video, Audio) zu verwalten und mit externen Programmen zu bearbeiten, sodass hier die Möglickeit einer zentralen Mediendatenbank besteht.

Sehr gut gefällt mir die integrierte Option des Arbeitens mit mehreren Mediatheken, da so ein differenziertes Arbeiten möglich wird.

Auch wenn Apple die Aperture-Nutzer lange auf dieses Update hat warten lassen: Aperture 3 ist ein rundes Programm geworden, das seine Aufgaben gut zu erfüllen scheint und auf zu viele Gimmicks verzichtet. Aperture 3 ist ein Programm für alle, die ambitionierter mit Fotografien arbeiten wollen, kein Spielzeug. Die Ergebnisse sind, sowohl bei der Bearbeitung von JPEGs als auch von RAW-Formaten, meinem ersten Eindruck nach sehr überzeugend, auch wenn Aperture 3 erst bei RAW-Fotografie zeigt, wie mächtig es als Foto-Entwicklungswerkzeug, als digitale Dunkelkammer wirklich ist.

Bildklischees – (am Beispiel „Bremen“)

Der hier veröffentlichte Artikel ist in den gerade zu Ende gegangenen Osterferien in Bremen entstanden.

Klischees bezeichnen im Zusammenhang mit Bildern solche Bilder, die es x-fach in gleicher oder zum Verwechseln ähnlicher Ausführung gibt und die eine überkommen Vorstellung repräsentieren. Überkommen ist eine solche Vorstellung, weil diese Bilder einerseits schnell erkannt und zugeordnet werden können, andererseits aber über das „Wesen“ dessen, für das sie stehen nichts aussagen. In London sind es die Tower-Bridge und das Parlament, in Paris der Eifelturm und seit einigen Jahren die Pyramide vor dem Louvre, in New York Freiheitsstatue und Skyline, in Frankfurt am Main Römer und Skyline. In Bremen sind es die Stadtmusikanten (auf deren Abbildung ich hier erst einmal verzichte!), das Rathaus und der Roland.

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Bremen: Böttcherstraße (Detail)

Selbst in Zeiten digitaler Reproduzierbarkeit von Bildern werden diese Bilder von Touristen nahezu zwangsläufig angefertigt, als wolle man sich auf diesem Wege endlich das zu eigen machen, was man eh schon kennt und sagen: Schaut her, jetzt war auch ich da und auch ich erzähle euch nichts Neues. Solche Bilder sind die Reproduktion der Reproduktion der Reproduktion – und eigentlich kaum noch Fotografien zu nennen, da sie keinen eigenen Blick des Fotografierenden repräsentieren, sondern wie bei Wiederkäuern einfach hochgewürgt und in die Kamera gebannt werden, während sich vielleicht um die Ecke ein Motiv befinden könnte, das wirklich den eigenen Blick auf eine Stadt zeigt.

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Bremen: Rathaus

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Bremen: Rathaus (Detail)

Doch das Problem liegt nicht nur bei den Fotografierenden, sondern auch bei den Motiven. Es scheint am Abgebildeten nichts mehr zu sehen zu geben, das überraschen könnte. Von diesen Bildern wurden so oft Fotos „geschossen“, dass sie irgendwann dann eben „erschossen“ waren und heute zwar als Kulturdenkmale großen Wert besitzen, der Bremer Roland und das Rathaus werden z. B. sogar als Weltkulturerbe bei der UNESCO geführt, als Motive für Fotografien aber in der Regel leblos geworden sind.

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Bremer Roland

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Bremer Roland (Detail)

Neben den hundertausendfach anaolog und digital abgelichteten touristischen Motiven, spielt das Klischee aber auch dort eine Rolle, wo (Hobby)-Fotografen technisch gute Bilder von allzu vertrauten Motiven machen, ohne zu einer eigenen Bildsprache zu finden. – Um nicht missverstanden zu werden: An dieser Stelle beschreibe ich dieses Phänomen nur, ohne es zu werten, denn ich weiß selbst, dass das Finden einer eigenen Bildsprache ein langer Prozess ist, der gerade für Hobby-Fotografen eine echte Herausforderung ist, also auch für mich.

Dass es heute so viele Menschen gibt, die sich beim Dialog mit der Wirklichkeit im Rahmen der Fotografie richtig viel Mühe geben, finde ich toll. Und ich finde es auch schön, dass es so viele (technisch) gelungene Bilder zum Anschauen im Netz gibt. Der Unterschied zu Fotografierenden mit künstlerischem oder journalistischem Anspruch ist dann in vielen Fällen auch gar nicht mehr die technische Seite der Bilder, sondern die Frage der individuellen Bildsprache, die ein Fotografierender entwickelt (oder auch nicht).

In diesem Zusammenhang stimmt der mittlerweile auch schon ein Klischee darstellende Ausspruch, dass der Fotograf und nicht die Kamera die Bilder mache. Natürlich können die treffendsten Motive durch ein schlechtes Objektiv zu miserablen Fotos werden, aber manchmal entsteht bei mir, vor allem im Rahmen digitaler Fotografie, der Eindruck, dass die benutzten Kameras wie ein Fetisch genannt werden, der alleine durch seinen Besitz fast schon so etwas wie die Garantie für gute Bilder in sich trägt.

Nein, ein Fotografierender braucht nicht immer die „neuste“ Kamera, um gute Bilder machen zu können, sondern eine Kamera, die es ihm ermöglicht, sich ganz auf das Motiv (und nicht etwa auf die Eigenarten der Software) konzentrieren zu können. Die Kamera ist ein Werkzeug und nicht der Gegenstand der Fotografie. Im Zentrum der Fotografie steht das Motiv und dessen Gestaltung; diese Gestaltung muss letztlich die technische Seite der Entstehung eines Fotos vergessen lassen, um mich als Betrachter in seien Bann ziehen zu können.

Es ist letztlich die Art des Sehens, die einen Fotografierenden ausmacht. Fotografierende sehen genau hin, gestalten sehend ihre Motive und die die Motive zeigenden Bilder. Fotografie lebt von dem eigenen Blick, der sich im Laufe der Zeit entwickelt und wesentlich zur Bildsprache eines Fotografierenden beiträgt. Dabei muss sich der Fotografierende Klischees stellen, um nicht in ihre Falle zu gehen; er muss sie erkennen, um um die Gestaltung eines Bild-Klischees herum zu kommen, so er nicht gezielt ein solches produzieren will.

Die in diesem Beitrag gezeigten Bilder, die ich selbst angefertigt habe, sind für mich eine Art der Auseinandersetzung mit genau diesem Problem. Es sind (gezielt gemachte) Klischeebilder, für mich aber auch Bilder, die so vertraut sind (vom Bild, das ein Detail der Böttcherstraße zeigt vielleicht einmal abgesehen), dass sie für mich in einer enormen Spannung dazu stehen, wie ich eine Stadt wie Bremen wahrnehme. Das Rathaus und der Roland sind nicht das Bremen, das ich hier und heute wahrnehme, sondern Verweise auf längst vergangene Zeiten, die hier ihre Spuren hinterlassen haben.

Um Klischee-Bilder zu umgehen, muss ich mich als Fotografierender der Frage stellen, wie ich etwas (einen Ort, eine Situation, einen Menschen) wahrnehme, um von dieser Frage zu der Frage zu gelangen, wie ich das Wahrgenommene für mich möglichst authentisch in einer Fotografie zu fassen bekomme.

Digitale Erinnerung an analoge Zeiten – Beispiel: Fotografie

Kürzlich veröffentlichte Sebastian Schröder einen Blog-Eintrag, in dem er von seinen Erfahrungen bei einem analogen Fotoauftrag im Rahmen seiner Ausbildung zum Fotografen berichtet. Zehn Tage hat er für den Auftrag Zeit – und es läuft so ziemlich alles schief, was nur irgendwie schief laufen kann. Im Blog liest sich das für mich als eine spannende Geschichte, aber ich hätte nicht in der Haut der beiden im Blog erwähnten Fotografen stecken wollen. Doch die Schlussfolgerung Sebastian Schröders halte ich angesichts all des vorhergehenden Stress’ für bemerkenswert:

„Wie einfach wäre es gewesen eine Digitale Kamera zu nehmen und ein Bild zu machen? Zu einfach, Continue reading

Ereignisse und deren Bilder – eine Symbiose?

Die hier besprochenen Fotografien finden sich auf http://www.boston.com/bigpicture/2009/04/protests_at_the_g20_summit.html – Bilder 11 und 12. Es könnte sinnvoll sein, diese Bilder in einem weiteren Tab oder einem zweiten Fenster geöffnet zu haben, da ich die Bilder hier aus Copyright-Gründen nicht veröffentliche. Beide Fotos wurden von Andrew Winning für Reuters gemacht.

Wird etwas fotografiert, weil es geschieht – oder geschieht etwas, weil es fotografiert wird?

Ich war gerade auf der Fotoseite des Boston Globe. Dort gibt es eine Fotoserie zu den Protesten im Rahmen des G20-Gipfels in London am 1. und 2. April 2009. (Protests at the G20 summit – The Big Picture – Boston.com)

Zwei der dort gezeigten Bilder, die Andrew Winning für Reuters gemacht hat (Bild 11 und 12), haben mich irritiert: Mein erster Gedanke war, dass es sich um gestellte Bilder handeln müsse, da es doch unwahrscheinlich ist, dass so viele Fotografen zur gleichen Zeit an Orten sind, an denen eine sehr kurze, scheinbar sehr spontane Handlung geschieht, wie vor allem auf Bild 11 dieser Serie. Was ist dort zu sehen:

Ein Demonstrant wirft einen Computerbildschirm in eine Fensterscheibe, die allerdings schon zuvor zerstört worden war. Das Foto zeigt den Moment, in dem der Bildschirm die Hand des Demonstranten verlassen hat Continue reading

Fotografie und die Kunst des Sehens in Schule und Unterricht

Resume: Auf herrlarbig.de gab es in der Vergangenheit immer wieder Fotos zu sehen – und dies wird in Zukunft auch wieder so sein. Grund genug also, sich hier einmal Gedanken darüber zu machen, was Bilder mit Bildungsprozessen zu tun haben und welche Fragen dabei eine Rolle spielen.

Hier wird die These vertreten, dass Fotografie nach wie vor ein Leitmedium unserer Gesellschaft ist und gleichberechtigt neben audiovisuellen Medien und  dem Internet steht, mit dem die Veröffentlichung von Fotografien heute sehr eng verbunden ist.

Dennoch erscheint mir die Berücksichtung und Reflexion von Fotografien im schulischen Unterricht eher ein Randphänomen zu sein. Warum es interessant sein kann, Fotografie an geeigneten Stellen im Unterricht (auch außerhalb des Kunstunterrichtes) in didaktische Überlegungen mit einzubauen, wird hier zur Diskussion gestellt. Darüber hinaus werden konkrete Vorschläge in Form eines Brainstormings für den Einsatz von Fotografie in unterschiedlichen Fächern vorgelegt.

Fotografie als Thema der Mediendidaktik

In der Mediendiaktik der Gegenwart scheint mir eine der meist genutzten visuellen Medienformen ein wenig „unterbelichtet“ zu sein. Film, Internet und auch Produkte der darstellenden und bildenden Kunst spielen z.B. im Deutschunterricht eine Rolle, so in Unterrichtsteilen, in denen es um  Theater,  Schreiben im Museum oder nach Bildvorlagen, Filmanalyse, Nutzung von Foren und Weblogs etc. geht. Fotografie hingegen begegnete mir explizit bislang nur im Rahmen des Kunstunterrichts oder im Rahmen von Unterrichtseinheiten, in denen die manipulative Kraft von Bilder zu Propagandazwecken – beispielsweise im Dritten Reich – reflektiert werden. Darüber hinaus werden ans Bild gebundene Gestaltungsformen bislang vor allem dann aufgegriffen, wenn pädagogische Interventionen nötig sind, weil beispielsweise viele Jugendliche, ohne groß darüber nachzudenken, „kompromittierende“ Party-Bilder in Online-Communities einstellen oder problematische Videos auf Videoplattformen veröffentlichen.

Die Fotografie, als das erste visuelle Massenmedium, dem der Film folgte, kommt in meiner Wahrnehmung der Mediendidaktik trotz der Vielfalt ihrer Formen überraschend wenig vor, Continue reading