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		<title>&#220;ber das (schulische) Interpretieren von Gedichten</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Dec 2010 20:48:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Schule werden Gedichte gelesen. In der Schule werden Gedichte interpretiert. In der Schule wird zu selten ein Gef&#252;hl f&#252;r die Sch&#246;nheit der Sprache und der Bedeutung, wie sie in Gedichten anzutreffen ist, nachhaltig entwickelt. Ich zumindest kenne keinen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/06/ueber-das-schulische-interpretieren-von-gedichten/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Schule werden Gedichte gelesen. In der Schule werden Gedichte interpretiert. In der Schule wird zu selten ein Gef&#252;hl f&#252;r die Sch&#246;nheit der Sprache und der Bedeutung, wie sie in Gedichten anzutreffen ist, nachhaltig entwickelt. Ich zumindest kenne keinen Sch&#252;ler und keine Sch&#252;lerin, der oder die in der Schule erlernte Analysef&#228;higkeiten gegen&#252;ber Gedichten anwenden w&#252;rde, die ihm oder ihr im Alltag begegnen. Ja, im Alltag sind wir von Gedichten (unterschiedlicher Qualit&#228;t freilich) umgeben, werden wir mit Gedichten &#252;bersch&#252;ttet – wenn wir Musik h&#246;ren. Oh ja: Die meisten Songtexte sind Gedichte.</p>

<p>Nach der Schule<span id="more-5401"></span> beschr&#228;nkt sich die intensive Besch&#228;ftigung mit der Kunst des Gedichts auf ein paar leidenschaftliche Lyrik-Geeks, GermanistikstudentInnen, GermanistikprofessorInnen und DeutschlehrerInnen bzw. Lehrende von Fremdsprachen. In der Breite werden Romane gelesen. Dramatische Werke hingegen teilen das bittere Schicksal der Lyrik, so es um die Lekt&#252;re solcher Werke geht.</p>

<p>Im Literaturstudium werden Gedichte gelesen. Im Literaturstudium werden Gedichtanalysen und -interpretationen gelesen, es werden eigene Analysen erstellt, die sich in der Regel auf das gedankliche Zusammenf&#252;hren der Forschungsergebnisse Dritter beschr&#228;nken. Ich erinnere mich nur an einen Literarturprofessor, der mich als Studenten mit der Herausforderung konfrontierte, &#252;ber Gedichte so, wie sie sind, nachzudenken, mir also substantielle eigene Gedanken zu meinem Verst&#228;ndnis eines Gedichtes zu machen und diese Gedanken dann auch noch so zu formulieren, dass Dritte diese nachvollziehen k&#246;nnen. – Aber auch hier wurde die Frage nach dem Gedicht als Kunstwerk (sic!) meist gar nicht gestellt. Die Frage, was literarische Kunst ist, steht in einem Studium nicht im Vordergrund, in dem es nicht um die Sprachkunst als solche geht.</p>

<p>Zugegeben: Die Frage nach dem Gedicht als Kunstwerk begann auch f&#252;r mich erst relevant zu werden, nachdem ich einer Kunstgeschichts- und Philosphiedozentin begegnete, die das Kunstwerk ins Zentrum stellte und nicht die Sekund&#228;rliteratur.</p>

<p>Eigentlich ist es verr&#252;ckt: Im Studium wird mehr mit Sekund&#228;rliteratur gearbeitet als mit den Prim&#228;rtexten. Das l&#228;sst sich kaum vemeiden, denn es ist toll, dass so viele Gedanken und Forschungen Dritter den Zugang zu den Gedichten erleichtern wollen.</p>

<p>In der Schule sieht das alles ein wenig anders aus. Deutschunterricht ist kein Germanistikstudium, vielmehr werden in ihm Grundlagen des Zugangs zur Sprache und zur Literatur gelegt, die, zumindest im Idealfall, dazu bef&#228;higen sollen, ein Studium, gegebenenfalls auch ein literaturwissenschaftliches Studium aufzunehmen.</p>

<p>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler werden meist an die Grundlagen der Gedichtanalyse herangef&#252;hrt, es werden die wichtigsten biographischen und zeitgeschichtlichen Hintergr&#252;nde eingef&#252;hrt, Gedichte werden in den Epochen verortet, Basistexte der Lyriktheorie – meist Opitz und vielleicht noch ein wenig Aristoteles, Schiller und Brecht – werden den Sch&#252;lern vorgelegt. Stilfiguren werden gelehrt und sollen gelernt werden. Etc.</p>

<p>Das ist gut so. Kunstverst&#228;ndnis, die Entwicklung eines &#228;sthetischen Gesp&#252;rs, hat immer auch mit Wissen zu tun. Man sieht nun einmal in der Regel vor allem das, was man wei&#223;. Das gilt auch f&#252;r Gedichte.</p>

<p>Diese Heranf&#252;hrung an Gedichte f&#252;hrt dann aber oft zu dem Ph&#228;nomen, dass mehr &#252;ber als mit den Gedichten ein Gespr&#228;ch gesucht wird, in dem auch und vor allem die pers&#246;nlichen, individuellen, biographisch und zeithistorisch gepr&#228;gten Zugangsweisen ernst genommen werden und sich einen Weg suchen k&#246;nnen, zur Sprache zu kommen – zur eigenen Sprache in der Besch&#228;ftigung mit Kunst.</p>

<p>Kunst, also auch Gedichte, entsteht nicht, damit anschlie&#223;end Schule und Wissenschaft an ihnen analytisches und interpretatorisches Handwerk lehren, sondern 1. als Dialog des K&#252;nstlers mit der (subjektiven) Wahrnehmung der Wirklichkeit und 2. als Einladung an Lesende und Betrachter bildlicher Werke, sich selbst in den Dialog mit der eigenen (subjektiven) Wahrnehmung der Wirklichkeit zu begeben – und diesen Dialog gegebenenfalls so formulieren zu k&#246;nnen, dass er f&#252;r Dritte zumindest nachvollziehbar wird.</p>

<p>Um diesen subjektiven Zugang zu Gedichten zu vertiefen ist Sekund&#228;rliteratur oft hilfreich. Wenn aber der Umgang mit Gedichten alleine das Ziel der (schulisch) angemessenen Interpretation hat, dann wundert es mich nicht, dass au&#223;erschulisch Gedichte in der Wahrnehmung der Mehrheit der Erwachsenen kaum noch eine Rolle spielen. Die Schule funktionalisiert Gedichte (und andere literarische Texte) so stark, dass die Literatur als Kunst im au&#223;erschulischen Kontext ihre Funktion ( = in Klausuren erfolgreich Analysen schreiben zu k&#246;nnen) verliert. &#196;sthetische Bildung scheint sich, vor allem gegen&#252;ber sprachlichen Kunstwerken, mehr auf das Verstehen von Kunst zu beschr&#228;nken, statt auf die existentielle Bedeutsamkeit der Kunst f&#252;r die Auseinandersetzung des Individuums mit sich selbst und der Wirklichkeit, in der es lebt, hin abzuzielen.</p>

<p>Die pers&#246;nlichkeitsbildende Begegnung mit Kunst hat in Schule und Studium eher Seltenheitswert und muss von denen, die trotz allem diese Kunstwerke nicht aus ihrem Leben verbannen wollen, oft erst m&#252;hevoll (wieder)erlernt werden.</p>

<p>Der schon erw&#228;hnte Professor, der uns in seinen Seminaren die wirkliche Auseinandersetzung mit unseren individuellen Zugangsweisen zu Gedichten abverlangte, gab sich mit allzu sehr angelesenen &#196;u&#223;erungen zu Gedichten selten zufrieden. „Das haben Sie sch&#246;n referiert. Aber jetzt sagen Sie uns doch einmal, was dieses Gedichte f&#252;r SIE bedeutet!“ – An dieser Stelle verstummten wir Studenten meist ratlos. Wir brauchten lange um zu verstehen, dass wir oft viel zu schnell und viel zu intensiv alleine auf Sekund&#228;rliteratur setzten, statt uns selbst wirklich mit dem Gedicht zu besch&#228;ftigen. Wir befassten uns mehr mit den Gedanken anderer zu einem Gedicht, statt uns eigene zu erlauben. Wir „t&#246;teten“ Gedichte, statt sie f&#252;r uns zum Leben zu erwecken.</p>

<p>Eine &#228;hnliche Situation erlebte ich als Referendar, als mir eine Ausbilderin zu einem didaktisch und methodisch stark strukturiertem Unterrichtsentwurf zwei Fragen stellte – ja, es ist oft ein langer Weg, Einsichten, die man doch l&#228;ngst f&#252;r sich selbst als wichtig erachtet, angemessen in die Wirklichkeit zu &#252;bertragen –, die mich schlagartig an die Situation als Student gegen&#252;ber der Frage des Professors nach eigenen Gedanken zu Gedichten zur&#252;ckwarfen: „Wo kommt in Ihrem Entwurf der Text vor? Wo kommen die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor? Sie haben da einen methodisch und didaktisch starken Entwurf, der aber den Text mit Methoden &#252;berlagert und mit diesen die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vom Text fern h&#228;lt.“ – Mir blieben vierundzwanzig Stunden bis zu einem wichtigen Unterrichtsbesuch. In der K&#252;rze der Zeit entschied ich mich, die Methoden drastisch zu reduzieren und die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in ein literarisches Gespr&#228;ch mit dem Text zu bringen. Es war die wohl methoden&#228;rmste Stunde, die ich je im Referendariat f&#252;r einen Unterrichtsbesuch zustande brachte – und eine der ganz spannenden Stunden, weil pl&#246;tzlich der Text durch die echten Fragen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler an ihn, im echten Gespr&#228;ch der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit dem Text und miteinander zu funkeln begann wie der Sternenhimmel in einer klaren, warmen Sommernacht, weit weg vom Streulicht der Gro&#223;st&#228;dte.</p>

<p>&#220;berdidaktisierter und methodisch &#252;berladender (Deutsch-)Unterricht wirkt oft wie das Streulicht der Gro&#223;st&#228;dte: Er &#252;berstrahlt den eigentlichen Gegenstand des Unterrichts, macht ihn so unsichtbar, wie die Lichtverschmutzung den Sternenhimmel.</p>

<p>Gro&#223;artige Kunstwerke bergen dieses Sternenglanzpotential in sich. Sie sind inhaltlich so stark, dass sich die notwendigen Methoden im Umgang mit ihnen in diesem Umgang selbst entwickeln. Dann muss sich pl&#246;tzlich nicht mehr der Lehrer im Rahmen der Unterrichtsvorbereitung Gedanken &#252;ber die Methoden der Erarbeitung eines Textes machen, sondern kann, unter der Voraussetzung, dass er viele Methoden beherrscht, um diese gegebenenfalls individuell professionell begleiten zu k&#246;nnen, den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen den Freiraum er&#246;ffnen, die ihnen vom Text her angemessenen Methoden selbst zu benennen, auch wenn dieser Prozess so moderiert werden muss, dass der / die Lehrende gegebenenfalls Angebote machen kann. Auf diesem Wege bekam ich schon Goethes „Wanderers Nachtlied“ als Rap vorgef&#252;hrt, Ausschnitte aus Jurek Beckers „Bronsteins Kinder“ verfilmt, Referate zu der Frage, warum ein Gedicht auf Sch&#252;ler die Wirkung erzielen konnte, die es auf sie hatte, eine Lesung zu einem Gedicht von Nelly Sachs als „Klanginstallation“ mit Sch&#252;lern, die den Raum mit ihren Stimmen und dem Text Nelly Sachs f&#252;llten – und in diesem Rahmen m&#252;hten sich Sch&#252;ler dann pl&#246;tzlich ganz freiwillig mit der Frage ab, mit welchen Stilmitteln es einem Dichter gelingt, Lesende „gefangen zu nehmen“. Etc.</p>

<p>Gute Kunst findet im Betrachter selbst zu den Methoden, die f&#252;r ein Kunstwerk und seinen Betrachter angemessen sind. Gro&#223;e Kunst „lehrt“ den ernsthaften Betrachter selbst, wie sie zu betrachten ist, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr sperrig wirkt. Lehrende m&#252;ssen Ann&#228;herungsformen an Kunst vermitteln, die einen solchen Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachter erm&#246;glichen.</p>

<p>Das ist angesichts der Lehrplanvorgaben und den &#252;blichen Zeitvorstellungen dieser Lehrpl&#228;ne nicht einfach umzusetzen, sollte aber zumindest mit einer gewissen Regelm&#228;&#223;igkeit Raum im Unterrichtsgeschehen finden. Es muss Raum bleiben, f&#252;r die Texte und die sie Lesenden, um zu nachhaltigen Interpretationen zu gelangen, in denen dann nicht mehr nur die klassischen und berechtigten Erwartungen der Schule vorkommen, sondern die Texte als Kunstwerke ebenso wie die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die sich ihnen auszusetzen lernen.</p>

<p><br /><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 7 – Robert Gernhardt: Texte zur Poetik</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Dec 2010 21:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manche Buchtitel sind f&#252;r &#220;berschriften einfach zu lang. Und so sei der ganze Titel hier gleich nachgereicht, womit auch die bibliographischen Angaben genannt sein sollen: Robert Gernhardt, Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik (hrsg. von Lutz Hagestolz &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/12/05/herrn-larbigs-bibliothek-7-robert-gernhardt-texte-zur-poetik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Buchtitel sind f&#252;r &#220;berschriften einfach zu lang. Und so sei der ganze Titel hier gleich nachgereicht, womit auch die bibliographischen Angaben genannt sein sollen:</p>

<blockquote><p>Robert Gernhardt, Was das Gedicht alles kann: Alles. Texte zur Poetik (hrsg. von Lutz Hagestolz und Johannes M&#246;ller), Frankfurt am Main 2010, 602 Seiten, 22,95€.</p></blockquote>

<p><a href="http://http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Gernhardt" target="_blank">Robert Gernhardt</a> ist der zweite einigerma&#223;en bedeutende Dichter, der mit Frankfurt am Main verbunden ist und dessen Namen mit G beginnt, mit dem Buchstaben, der im Alphabet nur eine Position hinter dem Anfangsbuchstaben der Stadt steht, mit der diese beiden Gs verbunden sind. Ohne sie einen Topf werfen zu wollen oder den &#228;lteren zur Sakralisierung des j&#252;ngeren Dichters missbrauchen zu wollen: Goethe und Gernhardt und Frankfurt am Main – nicht etwa Berlin! Goethe wurde in Frankfurt geboren und zog von dannen, um in Weimar zum „Dichterf&#252;rst“ zu werden. Gernhardt wurde in Reval (Estland) geboren und zog von dannen, um dann in Frankfurt zumindest zum „F&#252;rsten des komischen Gedichts“ zu werden.</p>

<p>Wie aber hat er das gemacht? Auf 602 Seiten gibt Gernhardt nun selbst Auskunft, 602 Seiten, in deren Zentrum Gernhardts Poetikvorlesungen stehen, die hier als eine zusammenh&#228;ngende Vorstellung erscheinen, in Wirklichkeit aber aus drei Poetikvorlesungen zusammengesetzt wurden, n&#228;mlich denen in Frankfurt (2001), Essen (2002) und D&#252;sseldorf (2006).</p>

<p>Neben diesem umfassenden Einblick in Gernhardts Poetik versammelt der Band laut Auskunft der Herausgeber <del datetime="2010-12-07T14:57:14+00:00">alle Texte</del> bei weitem nicht alle Texte zur Poetik, die Gernhardt verfasst habe. Dazu geh&#246;ren Texte zu Dichtern, in denen Gernhardt sich mit Schiller ebenso befasst wie mit Brecht, Ringelnatz, Benn, R&#252;hmkorf und noch ein paar anderen.</p>

<p>Gernhardt hat sich auch &#252;ber Gedichte ausgelassen. Auch diese Texte finden sich in diesem Band. Alles aufzuz&#228;hlen ist hier m&#252;&#223;ig.</p>

<p>Was aber kann der geneigte Leser aus Gernhardts &#220;berlegungen lernen? Nun, das Wichtigste sei gleich am Anfang genannt: Dichter schreiben voneinander ab! – <a href="http://www.zeit.de/kultur/literatur/2010-02/hegemann-blogger-plagiat" target="_blank">Was das Anfang des Jahres 2010 ein Aufschrei</a>, als Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ erschien und man feststellt, dass da Zitate eines Bloggers &#252;bernommen worden waren. Das war nicht nett, ganz und gar nicht.</p>

<p>Wer aber wissen will, wie es unter Dichtern her geht, der lese Gerhardts Poetikvorlesung(en), die nun leicht zug&#228;nglich ist.</p>

<p>Gernhardt zitiert hier Goethe (wieder die zwei Gs), der in einem seiner Gespr&#228;che laut Gernhardt folgendes sagte:</p>

<blockquote><p>„So singt mein Mephistopheles ein Lied von Shakespeare – und warum sollte er das nicht? Warum sollte ich mir die M&#252;he geben, ein eigenes zu erfinden, wenn das von Shakespeare eben recht war und eben das saget, was es sollte, Hat daher auch die Exposition meines ,Faust‘ mit der des ,Hiob‘ einige &#196;hnlichkeit, so ist das wiederum ganz recht, und ich bin deswegen eher zu loben als zu tadeln…“ (42f)</p></blockquote>

<p>Die Zahl der &#220;bernahmen, der Anregungen, der Provokationen, also die Zahl all der Situationen, in denen ein Dichter vom andern „abschreibt“ ist enorm. Gernhardt zeigt in seiner Poetik ein paar davon. Denn das Haus der Poesie, das Gernhardt in seinen Poetikvorlesungen vor dem Zuh&#246;rer und nun dem Leser aufbaut, hat auch einen Lesesaal, ganz zu schweigen vom Chatraum. Kurz: Dichtung ist schon immer eine Art von „Hypertext“, manchmal sogar in Kooperation entstanden. Da wird zitiert, Dichter f&#252;hlen sich von Zeilen anderer Dichter provoziert, stimuliert etc.</p>

<p>Nat&#252;rlich: Der Titel der Frankfurter Poetikvorlesung (2001) „Was das Gedicht kann: Alles“ ist eine Provokation. Schon in der &#220;berschrift der Vorlesung wird klar, dass hier ein Loblied dem Gedicht gesungen werden soll.</p>

<p>Aber die &#220;berzeugung, dass Gedichte alles k&#246;nnen, wird heute nur noch von wenigen geteilt, es sei denn, man nimmt all die Dichtung mit ins Boot, die heute unter dem Namen „Lyrics“ bekannt ist und die Texte von Liedern meint. Und dennoch gilt auch hier Gerhardts Beobachtung:</p>

<blockquote><p>„Das Gedicht kann alles, behaupte ich, zugleich aber mu&#223; ich fortw&#228;hrend verbuchen, da&#223; der Dichter heutzutage wenig, wenn nicht gar nichts gilt.“ (17)</p></blockquote>

<p>Gernhardt hat nat&#252;rlich recht. Oder gibt es mehr als ein paar ausgewiesene Experten, die wissen, wer die Texte zu all den Liedern geschrieben hat, die heute in den Charts hoch und runter gespielt werden? Oft scheint es ja fast so, dass die, die ihre Texte selbst schreiben als „Singer-Songwriter“ oder gar als „Liedermacher“ in eine Ecke gestellt werden, von der aus das Treppenhaus zu den Charts unerreichbar scheint.</p>

<p>Dass gerade Gernhardt &#252;ber das Ansehen der Dichter klagt, ist allerdings &#252;berraschend, ist er doch fast der einzige Dichter deutscher Sprache der vergangenen Jahrzehnte, der &#252;berhaupt noch ein nennenswertes Publikum zu erreichen vermochte. Sein Rezept findet sich auch in seiner Poetik wieder: Kenne dich sehr gut in der Dichtung aus und finde eine leichte Sprache, in der elegant der k&#252;rzeste Weg von A nach B genommen werden kann.</p>

<p>Es beeindruckt mich, wie leichtf&#252;&#223;ig Gernhardt in der Geschichte des (modernen) Gedichtes unterwegs ist und in einfacher, lesbarer, an keiner Stelle akademisch m&#252;ffelnder Sprache Zusammenh&#228;nge, Sch&#246;nheiten und Plattheiten der Dichtung an den Mann, die Frau, den Leser, die Leserin und sogar den Nichtleser und die Nichtleserin bringt.</p>

<p>Da spielt es f&#252;r mich nur am Rande eine Rolle, dass die mir vorliegende Ausgabe m&#246;glicherweise wissenschaftlichen Editionserwartungen nicht entsprechen kann, <a href="http://www.globe-m.de/de/experts/robert-gernhardts-texte-zur-poetik" target="_blank">wie Lino Wirag</a> anmerkte. Es entspricht zumindest Gernhardts eigener leichtf&#252;&#223;igen Art, ernsthaft mit Gedichten umzugehen, dass er nicht jeden Bezug, der in dem Band wiederum genommen wird, akribisch via Fu&#223;note nachwei&#223;t. – Ein wenig Arbeit soll dann noch f&#252;r die Literaturwissenschaftler bleiben.</p>

<p>Meine Bibliothek hat diesen Band freundlich aufgenommen. Er ist eine Fundgrube f&#252;r jeden, der sich leichtf&#252;&#223;ig und ernsthaft mit Gedichten befassen will. Und ganz nebenbei: Eine Fundgrube von Zitaten f&#252;r den Deutschunterricht ist der Band dann auch noch, Zitaten, die den Umgang mit Gedichten vielleicht auch in der Schule bei aller Ernsthaftigkeit ein wenig leichtf&#252;&#223;iger machen k&#246;nnen.</p>

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		<title>Immanuel Kant, Bertolt Brecht, das Web 2.0 und der Fall Jack Wolfskin</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 13:53:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Immanuel Kant schreibt in seiner „Beantwortung der Frage: Was ist Aufkl&#228;rung“: „Aufkl&#228;rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm&#252;ndigkeit. Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/20/immanuel-kant-bertolt-brecht-das-web-2-0-und-der-fall-jack-wolfskin/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immanuel Kant schreibt in seiner „Beantwortung der Frage: Was ist Aufkl&#228;rung“:</p>

<blockquote>„Aufkl&#228;rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm&#252;ndigkeit. Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie&#223;ung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufkl&#228;rung.“ (<a href="http://www.digbib.org/Immanuel_Kant_1724/Was_ist_Aufklaerung" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>&#220;bertrage ich diese Aussage einmal in die Gegenwart, k&#246;nnte sie lauten:</p>

<blockquote>Web 2.0 ist der Ausgang des Konsumenten aus einer strukturell bedingten Unm&#252;ndigkeit. Strukturell bedingte Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, die T&#228;tigkeit des eigenen Verstandes aufgrund begrenzter Kommunikationsm&#246;glichkeiten in den Diskurs einzubringen. Strukturell bedingt ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht im Mangel des Verstandes, sondern im Mangel der M&#246;glichkeit begr&#252;ndet liegt, den eigenen Verstand mit Hilfe verf&#252;gbarer Medien in den Prozess der &#246;ffentlichen Diskussion einzubringen. Habe den Mut mitzudenken und deinen eigenen Verstand in den Diskussionsprozess einzubringen, ist also der Wahlspruch des WEB 2.0.</blockquote>

<p>Gab es bis vor einigen Jahren kaum die M&#246;glichkeit, interaktiv vernetzt mit Hilfe digitaler Medien in einen Diskussionsprozess einzusteigen, haben wir heute den Idealzustand, den Bertolt Brecht in seiner Radio-Theorie beschrieb:</p>

<blockquote>„Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk w&#228;re der denkbar gro&#223;artigste Kommunikationsapparat des &#246;ffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das hei&#223;t, er w&#228;re es, wenn er es verst&#252;nde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuh&#246;rer nicht nur h&#246;ren, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/20/immanuel-kant-bertolt-brecht-das-web-2-0-und-der-fall-jack-wolfskin/#footnote_0_2151" id="identifier_0_2151" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat, in: Bertolt Brecht: Werke. Gro&amp;#223;e kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe (GBA). Berlin/Frankfurt 1988, Band 22.">1</a></sup></blockquote>

<p>Wer heute ein Blog schreibt, kann mit Reaktionen rechnen, wer sich auf Twitter, Facebook, MySpace und wie die auf Kommunikation hin angelegten Instrumente, die gegenw&#228;rtig zur Verf&#252;gung auch immer hei&#223;en m&#246;gen, bewegt, muss kommunizieren, im Gespr&#228;ch sein, zuh&#246;ren, nachdenken, reagieren, Ideen einspeisen… Im Idealfall steht heute jedem, der sich einen Internetzugang leisten kann, die M&#246;glichkeit zur Verf&#252;gung, den eigenen Verstand in den Diskussionsprozess einzubringen.</p>

<p>Nat&#252;rlich steht der Nutzer dieser Kommunikationsmedien damit auch vor neuen Herausforderungen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Die Kommunikationsm&#246;glichkeiten, die das interaktive Netz erlauben, stehen n&#228;mlich allen offen, die sich einbringen wollen. Die Informationen, die das Netz liefert, m&#252;ssen selbst noch einmal auf ihre Qualit&#228;t hin &#252;berpr&#252;ft werden, denn die M&#246;glichkeit des Einbringens des eigenen Verstandes im Rahmen dieser Prozesse ist noch kein Qulit&#228;tsgarant. Was im Netz ver&#246;ffentlicht ist, muss noch nicht richtig sein. Der Prozess der Genese von Inhalten entspricht also dem Brechtschen Ideal; die Geltungsanspr&#252;che der in diesem ideal Kontext entstandenen Inhalte bed&#252;rfen aber nach wie vor nat&#252;rlich der &#220;berpr&#252;fung und somit Kriterien.</p>

<p>In den meisten F&#228;llen geschieht diese &#220;berpr&#252;fung im interaktiven digitalen Netz durch andere, die Beitr&#228;ge kommentieren, erg&#228;nzen, auf m&#246;gliche Fehler hinweise etc. Hier bildet sich im Idealfall also ein Korrektiv aus der Vernetzung mit anderen, so es sich wirklich um ein ausdifferenziertes Netzwerk handelt. Ein Kriterium f&#252;r die Qualit&#228;t von Beitr&#228;gen im Netz ist heute also auch die Qualit&#228;t der Kommentare und des die Beitr&#228;ge begleitenden Netzwerkes.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/20/immanuel-kant-bertolt-brecht-das-web-2-0-und-der-fall-jack-wolfskin/#footnote_1_2151" id="identifier_1_2151" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auf herrlarbig.de finden sich beispielsweise Kommentare von Professoren, Mitarbeitern in Bildungsbeh&amp;#246;rden, die eigene Unterrichtspraxis reflektierenden Lehrerinnen und Lehrern, die nahezu alle &amp;#252;ber eigene Blogs im Netz transparent nachvollziehbare Qualifikationen nachweisen k&amp;#246;nnen.">2</a></sup></p>

<p>Die &#246;ffentlich nachvollziehbare Nutzung des eigenen Verstandes, das „sapere aude“ Kants, erlebt heute eine Bl&#252;te wie nie zuvor; die Aufkl&#228;rung kann mit ihren Anspr&#252;chen heute so weitreichend umgesetzt werden, wie in kaum einer Zeit zuvor. Und Brechts Visionen eines diaologischen „Radios“ haben sich im Internet verwirklicht. – Und das hat Folgen.</p>

<p>Wenn sich die Nutzung des eigenen Verstandes heute in vernetzen Strukturen abbildet und in diesen wirkt, gilt es nicht nur, dies als eine neue Qualit&#228;t der Umsetzbarkeit des aufkl&#228;rerischen Ideals zu betrachten, sondern es m&#252;ssen die auch damit verbundenen Voraussetzungen ganz neu ernst genommen werden.</p>

<p>Eine zentrale Voraussetzung, die die Nutzung des eigenen Verstandes von einer rein philosophischen auf eine Handlungsebene hebt, dr&#252;ckt sich im „Kategorischen Imperativ“ der kantischen Ethik aus:</p>

<blockquote>„Der <strong>kategorische Imperativ</strong> (kurz KI) ist das grundlegende Prinzip der <a title="Ethik" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik" target="_blank">Ethik</a> <a title="Immanuel Kant" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant" target="_blank">Immanuel Kants</a>. Er gebietet allen endlichen vernunftbegabten Wesen und damit allen Menschen, Handlungen darauf zu pr&#252;fen, ob sie einer universalisierbaren Maxime folgen und ob dabei die betroffenen Menschen je auch in ihrer Selbstzweckhaftigkeit ber&#252;cksichtigt werden.“ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ" target="_blank">Wikipedia</a>)</blockquote>

<p>Vereinfacht ausgedr&#252;ckt: „Handle nur nach derjenigen <a title="Maxime" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxime" target="_blank">Maxime</a> (Gesetz, Grundsatz, &#220;berzeugung), durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ oder, etwas verk&#252;rzt und nicht ganz genau: Was du willst, dass man dir tu, das tu auch den anderen und vergesse dabei auch nicht, dass der andere Mensch einen Selbstzweck hat, einen Eigenwert, v&#246;llig jenseit von fuktionalen Interessen.</p>

<p>In dem KI inbegriffen ist die Vorstellung, dass nicht bewertet wird, was eine Handlung bewirkt, sondern welche Absichten hinter einer Handlung stehen. Der Wille zum Guten ist das, was moralisch gerechtfertigt ist.</p>

<p>Und wenn nun heute der eigene Verstand &#246;ffentlich gebraucht werden kann, dann stellen sich auch bez&#252;glich der Nutzung dieses Verstandes konkrete Fragen, die diese &#246;ffentlichen Kommunikationsprozesse ber&#252;cksichtigen m&#252;ssen, will man „Gutes“ im Kantischen Sinne bewirken.</p>

<p>Aus aktuellem Anlass und weil es in diesem Kontext bereits (am Ende <a href="http://blog.karlshochschule.de/2009/10/20/die-marke-jack-wolfskin-fletscht-seine-zahne/" target="_blank">des Artikels</a> Patrick Breitenbachs) schon eine Verweis auf Kant gibt, werden diese Gedanken am Fall <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,655890,00.html" target="_blank">Jack Wolfskin vs. Dawanda</a> hier einmal konkretisiert.</p>

<p>Die Vorgeschichte: Jack Wolfskin hat als Markenzeichen eine Wolfstatze. Dieses Markenzeichen unterliegt dem Markenschutz und ist somit rechtlich abgesichert. Nun st&#246;&#223;t die Firma, die zu den Riesen in der Bekleidungsbranche z&#228;hlt, auf die Produkte von Einzelpersonen, die Handarbeiten herstellen und diese &#252;ber Dawanda zum Kauf anbieten, auf denen sich ebenfalls Pfotenabbildungen befinden. Jack Wolfskin fordert Dawanda via Anwaltsschreiben auf, so die Darstellung Dawandas, die Produkte von der Plattform zu nehmen:</p>

<blockquote>„Als Reaktion auf das Schreiben der Anw&#228;lte von Jack Wolfskin haben wir die beanstandeten Produkte von der Seite genommen. Dennoch erhielten unsere Mitglieder Abmahnungen und dies, obwohl deren Artikel bereits nicht mehr auf DaWanda zu finden waren.“ (<a href="http://blog.dawanda.com/2009/10/20/jack-wolfskin-mahnt-dawanda-hersteller-ab/" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>Das Thema erregt Aufmerksamkeit, wird von stark wahrgenommenen Blogs wie <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/abwahnsinn-jack-wolfskin-mahnt-bastelcommunity-ab/" target="_blank">netzpolitik</a> und <a href="http://www.spreeblick.com/2009/10/19/jackass-wolfskin/" target="_blank">spreeblick</a> aufgenommen und ger&#228;t so in den &#246;ffentlichen Diskurs, den <a href="http://blog.karlshochschule.de/2009/10/20/die-marke-jack-wolfskin-fletscht-seine-zahne/" target="_blank">Patrick Breitenbach so hervorragend reflektiert</a>.</p>

<p>Das Ergebnis: Der Wille eines Unternehmens, sein Markenrecht zu „verteidigen“, so in einer im Netz kursierenden, Jack Wolfskin zugeschriebenen offziellen Stellungnahme zu lesen:</p>

<blockquote>„[…] Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war. Dabei handelt es sich nicht um eine „Strafzahlung“, sondern um die Kosten, die Jack Wolfskin durch die Einschaltung der Anw&#228;lte entstanden sind und die im Falle der begr&#252;ndeten Abmahnung stets vom Markenverletzer &#252;bernommen werden m&#252;ssen. Somit dient die Abmahnung auch einer schnellen und relativ kosteng&#252;nstigen Beendigung der Angelegenheit. Sie verhindert also zus&#228;tzliche h&#228;ufig weit h&#246;here Kosten im Falle einer Einschaltung der Gerichte.“  (<a href="http://www.werbeblogger.de/2009/10/19/jack-wolfskin-stellungnahme/" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>Der Aufschrei im Netz richtet sich nun auff&#228;lligerweise nicht gegen den Markenschutz und die Markenrechte, sondern gegen die Handlungsentscheidungen der Firma. Und damit sind wir wieder bei Kant angenommen:</p>

<p>Eine Firma sieht ihre Markenrechte verletzt. Schaue ich mir die beanstandenden Produkte als <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,655890,00.html" target="_blank">Bilder bei Spiegel-Online</a> an, komme ich tats&#228;chlich zu dem Schluss, dass hier Tatzen / Pfoten dargestellt werden, wie sie jede Katze im Schnee hinterl&#228;sst, wenn sie sich im Winter durch die Stra&#223;en bewegt. Es k&#246;nnte also durchaus sein, dass diese Zeichen aufgrund ihrer Verbreitung in der Natur (und jeder, der eine Katze hat, kennt diese Pfotenabdr&#252;cke) ihren Weg auf die Handarbeiten, die nun wahrlich kein weit verbreitetes Produkt sind, gefunden haben – und m&#246;glicherweise bei den Herstellern &#252;berhaupt kein bewusster Bezug zur Marke vorhanden war.</p>

<p>Diese Hersteller bekamen nun aber dennoch, glaubt man den Darstellungen online, nachdem die Produkte von Dawanda aus dem Angebot genommen wurde, Abmahnbriefe, die mit Kosten von ca. 800–900 Euro verbunden waren und Kosten um die 10000 Euro im Wiederholungsfall androhten. Und in der im Netz kursierenden Stellungnahme wird dezent auf die m&#246;glicherweise noch h&#246;heren Kosten im Gerichtsfall hingewiesen, was man durchaus als Drohung verstehen kann.</p>

<p>Kant: „Handle nur nach derjenigen <a title="Maxime" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxime" target="_blank">Maxime</a> (Gesetz, Grundsatz, &#220;berzeugung), durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“</p>

<p>Also: Das Markenrecht ist ein Gesetz und es gibt gute Gr&#252;nde, in unserem &#246;konomischen System, solche Schutzmechanismen zu haben. Das gilt auch f&#252;r den Schutz geistiger Leistungen im Rahmen von Copyright oder Creativ-Commons-Lizenzen. Und es k&#246;nnte sogar sein, dass Jack Wolfskin hier im Recht ist. Aber wurde dann so gehandelt, dass die Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des Handelns als eine gesehen werden kann, von der man wollen kann, das sie ein allgemeines Gesetz werde?</p>

<p>Um es ganz klar zu sagen: Es handelt sich um Handarbeiten, die in kleiner Menge hergestellt werden und als „Marke“ in der &#214;ffentlichkeit nicht bewusst sind, und nicht um Raubkopien, die in gro&#223;em Stil hergestellt und vermarket werden. Wie also w&#252;nscht man sich ein allgemeines Gesetz des Handelns in solchen F&#228;llen?</p>

<p>Wenn es sich um Raubkopien handelt, hat nat&#252;rlich der Rechtsweg seine v&#246;llige Berechtigung. Aber – und das muss Jack Wolfskin nun erfahren – es stellt sich die Frage, ob der finanziell die Betroffenen gleich so belastende Rechtsweg in dem hier beschriebenen Fall nicht ein Schie&#223;en mit Kanonen auf Spatzen ist.</p>

<p>Die M&#246;glichkeit des eigenen Gebrauchs des Verstandes, gepaart mit der M&#246;glichkeit, diesem Gebrauch des eigenen Verstandes in vernetzten Strukturen sehr schnell Ausdruck zu geben, hat nun dazu gef&#252;hrt, das „Netzb&#252;rger“ sich zu Wort melden und genau die Frage nach der Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des Handelns Jack Wolfskins stellen. Immer wieder ist, beispielsweise auf Twitter, genau die Kritik an der Abmanhung „kleiner Leute“ zu lesen. Diese Reaktionen w&#228;ren mit Sicherheit nicht entstanden, wenn Jack Wolfskin die eingesetzten Instrumente gegen kriminell agierende Raubkopierer genutzt h&#228;tte bzw. nutzt.</p>

<p>Was Jack Wolfskin gerade erlebt, und angesichts &#228;hnlicher Erfahrungen anderer Unternehmen in &#228;hnlichen F&#228;llen h&#228;tten sie es ahnen k&#246;nnen, ist also philosphisch betrachtet ein Zeichen daf&#252;r, dass Kants Kategorischer Imperativ lebt und in dem allgemeinen Bewusstsein vieler Menschen durchaus verankert ist. Die Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des eigenen Handelns kritisch zu &#252;berpr&#252;fen, ist die Herausforderung, die sich in Zeiten des Web 2.0 in einem ganz neuen qualitativen Ma&#223;e stellt. Es geht nicht mehr nur um das Recht haben, sondern auch um die Frage, wie man mit dieser Rechtsposition umgeht. Im hier vorgestellten Fall h&#228;tte ein guter PR-Berater vermutlich darauf gedr&#228;ngt, den direkten und pers&#246;nlichen Dialog zu suchen und offensiv einvernehmliche L&#246;sungen zu suchen.</p>

<p><a href="http://klauseck.typepad.com/prblogger/2009/10/jack-wolfskin-in-der-%C3%B6ffentlichen-abmahnfalle.html" target="_blank">Klaus Eck schreibt als PR-Blogger treffend</a>:</p>

<blockquote>„Obwohl der Bekleidungsanbieter das Markenrecht durchaus auf seiner Seite hat, muss das Unternehmen f&#252;r die Abmahnungen einen hohen Preis entrichten. Ausgerechnet am Wochenende fand das Thema viel Aufmerksamkeit. Was in der Vergangenheit durchaus notwendig zu sein schien, um die eigenen Markenrechte weiterhin in Anspruch nehmen zu d&#252;rfen, bedarf heute einer neuen Analyse. Wenn das Markenimage unter der &#246;ffentlichen Kritik leidet, stellt sich auch die Frage nach einer Abw&#228;gung und mehr Sensibilit&#228;t im Umgang mit den Prosumenten. Ist das Risiko einer Abmahnung f&#252;r eine Marke nicht inzwischen viel zu gro&#223;? Allzu schnell wird man an den Online-Pranger gestellt und k&#246;nnte dadurch Konsumenten zu verlieren? Meiner Ansicht nach sollten Markenartikler wie Jack Wolfskin immer auch mit den negativen Reaktionen rechnen und vor den juristischen Ma&#223;nahmen viel st&#228;rker auf den Dialog mit den Kunden setzen.“</blockquote>

<p>Es ist heute tats&#228;chlich so, dass das eigene Handeln, gerade von Unternehmen und von &#246;ffentlichen Personen, weit mehr &#214;ffentlichkeit bekommt als je zuvor. Dies gilt es zu ber&#252;cksichtigen. Und als ein Kriterium, wie man &#252;berzogene Reaktionen auf bestimmte Handlungen vermeiden kann, sei Kant einfach mal vorgeschlagen…</p>

<blockquote>„Handle nur nach derjenigen <a title="Maxime" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxime" target="_blank">Maxime</a> (Gesetz, Grundsatz, &#220;berzeugung), durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“</blockquote>

<p>Und welches allgemeine Gesetz k&#246;nnte in diesem Fall greifen? Im Prinzip ist es ganz einfach: Sieht man Differenzen oder gar sein eigenes Recht bedroht (ob man sich bedroht sieht, h&#228;ngt &#252;brigens auch vom eigenen Selbstbewusstsein ab), dann gilt es zun&#228;chst einmal zu schauen, mit wem hat man es zu tun. Wenn es sich um Einzelpersonen handelt, bei denen die Unterstellung einer „b&#246;sen Absicht“ bei etwas gutem Willen nicht so recht gelingen will, dann suche ich den Dialog. Wenn es sich um Angriffe auf das eigene Recht im gro&#223;en Stil handelt (kriminelle Markenpiraterie), dann reagiere ich im gro&#223;en Stil. Im vorliegenden Fall h&#228;tte die Maxime wohl hei&#223;en m&#252;ssen: Suchen wir den Dialog. Oder: Die Produkte wurden von Dawanda offline genommen – und damit lassen wir es gut sein.</p>

<p>Vielleicht sollte man neben Anw&#228;lten in Unternehmen auch h&#228;ufiger Philosophen besch&#228;ftigen. Oder aber, man sucht den offensiven Dialog (beispielsweise &#252;ber Twitter oder Facebook) und sagt: Liebe Leute, wir haben das und das entdeckt und finden, dass das unser Markenrecht ankratzt, wie seht ihr das? So ungew&#246;hnlich solche Wege in heutiger Unternehmenspolitik auch sein m&#246;gen, sie h&#228;tten sicher kein so ramponiertes Markenimage zur Folge, wie es sich jetzt gerade via Twitter, via Blogs und auch schon via Zeitungsbeitr&#228;gen im Netz abzeichnet, ganz zu schweigen von dem gegenw&#228;rtigen <a href="http://www.google.de/search?q=jack+wolfskin&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">Suchbild bei Google</a>.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>100 Jahre Kafkas Tageb&#252;cher – Ein Autor in seiner Zeit</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 22:06:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Franz Kafka begann wohl im Sommer des Jahres 1909 mit den uns &#252;berlieferten Tagebuchaufzeichnungen, die bis in das Jahr 1923 reichen. Von kurzen Notizen bis zu gr&#246;&#223;eren literarischen Entw&#252;rfen, von Zeugnissen der Qual des Schreibens bis zu denen seiner gescheiterten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/13/100-jahre-kafkas-tagebuecher-ein-autor-in-seiner-zeit/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.franzkafka.de/franzkafka/home/" target="_blank">Franz Kafka </a>begann wohl im Sommer des Jahres 1909 mit den uns &#252;berlieferten Tagebuchaufzeichnungen, die bis in das Jahr 1923 reichen. Von kurzen Notizen bis zu gr&#246;&#223;eren literarischen Entw&#252;rfen, von Zeugnissen der Qual des Schreibens bis zu denen seiner gescheiterten Beziehungsversuche, findet sich alles in Kafkas Tageb&#252;chern. <span id="more-2130"></span>Er entschied sich f&#252;r eine Mischform, trennte nicht zwichen Arbeitsjournal und pers&#246;nlichen Reflexionen. Alles geh&#246;rte zueinander und hatte zugleich nicht immer miteinander zu tun.</p>

<p>In seinen Texten entsteht so der Eindruck des <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/txtsor/epi_klein/para/par0.htm" target="_blank">parabelhaften</a>, dessen, was zwar zusammengeh&#246;rt, seinen logischen Sinn und Zusammenhalt dem Leser aber zun&#228;chst verweigert. – Diese Zusammenhanglosigkeit der Ereignisse war nicht nur im Empfinden Kafkas stark. So vieles geschieht in den St&#228;dten (seiner Zeit) zur gleichen Zeit, geschieht dicht nebeneinander, steht in einem (geographischen) Zusammenhang, der sich zugleich als ein Mangel an Zusammenhang zeigt.</p>

<p>Es scheint als habe Kafka in seinen Texten dieses Ph&#228;nomen erz&#228;hlerisch eingefangen. Doch stellt er nicht, wie in vielen <a href="http://www.literaturwelt.com/epochen/express.html" target="_blank">expressionistischen</a> Texten, die zur gleichen Zeit die Auseinandersetzung mit diesen Ph&#228;nomen suchen, die Zusammenhanglosigkeit als solche dar. Vielmehr schreibt er Texte, die ganz klar einer inneren Handlungslogik, folgen, in dieser Logik aber zu keinem logischen Ziel kommen, da Handlungen eben nicht mehr miteinander in klaren Ursache- und Wirkungszusammenh&#228;ngen verbunden sind. Es treffen unterschiedliche Logiken aufeinander, deren Begegnung aus Mangel an Zusammenhang oft zu keinem (erwartbaren) Ziel f&#252;hrt.</p>

<p>Es ist nicht nur die Abarbeitung des eigenen Verh&#228;ltnisses zum Vater in Kafkas Texten wirksam. Vielmehr steht Kafkas Auseinandersetzung mit sich selbst, seiner Zeit und auch seinem Vater im Zusammenhang mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Urbanisierung" target="_blank">Urbanisierung</a> des fr&#252;hen 20. Jahrhunderts. Er greift auf, was zu dieser Zeit als Grunderfahrung, z. B. auch von expressionistischen Autoren, sprachlich zum Ausdruck gebracht wird.</p>

<p>Doch w&#228;hrend bei diesen auf formaler, inhaltlicher und sprachlicher Ebene nach meinem Eindruck viele Autoren sehr &#228;hnlich klingen, zu einem Sprachrohr der Zeit der industriellen Massenproduktion wurden und selbst nur in Ans&#228;tzen eine individuelle literarische Sprache fanden, ging Kafka einen eigenen Weg.</p>

<p>W&#228;hrend viele Autoren dieser Zeit zivilisatorische Prozess der Industrialisierung und Urbanisierung mit mystisch aufgeladenen Bildern einer Apokalypse verbanden, zieht der „Wahnsinn“ bei Kafka leiser und nachhaltiger in Texte ein, die das Individuum nicht vor allem als Teil der Masse darstellen, der gegen&#252;ber der Moloch „Stadt“ wie eine „Person“ oder gar ein „Gott der Stadt“ (<a href="http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=19&amp;autorid=273">Heym</a>) auftritt, sondern das Individuum selbst wird in diesen Texten weiter ins Zentrum gestellt.</p>

<p>Dieses Individuum trifft auf die dem Wert des Individuums stark zuwider laufenden Ph&#228;nomene des Fremden in unmittelbarer Nachbarschaft („Der Nachbar“), der B&#252;rokratie und der Kraft entindividualisierter Regelsysteme („Vor dem Gesetz“, „Der Prozess“, „Das Urteil“), der Willk&#252;r („Das Schloss“, „Das Urteil“, „In der Strafkolonie“).</p>

<p>Es scheint mir zunehmend, als habe Kafkas Vater f&#252;r Kafka als Mensch und Schriftsteller vor allem deshalb eine solche Machtinstanz darstellen k&#246;nnen („Brief an den Vater“), da in ihm sich f&#252;r Kafka die Erfahrungen in seiner Zeit unmittelbar personalisierten. Kafkas Vater als eine Figur, die zugleich eine Metapher f&#252;r die Zeit ist, in der Kafka lebte und der diese Zeit selbst repr&#228;sentiert?</p>

<p>Heinrich Mann greift diesen wohl auch f&#252;r Kafka wirksamen Zeitgeist,  allerdings  im wilhelmischen Detuschland, in „<a href="http://logos.kulando.de/post/2009/08/07/heinrich-mann-der-untertan-analysen" target="_blank">Der Untertan</a>“ auf; die Expressionisten sehen die zerst&#246;rerische Kraft des Zusammentreffens absolutistischer Machtsystem und den kriegerischen M&#246;glichkeiten, die mit der Industrialisierung und der am Flie&#223;band produzierten Waffen voraus. Hesse greift in „<a href="http://www.hhesse.de/werk.php?load=demian" target="_blank">Demian</a>“ und in „Der Steppenwolf“ die Spannung auf, die Menschen mit starkem Individualisierungswillen in einer von der Anpassung lebenden Massengesellschaft erfahren. Und schon der 1901 ver&#246;ffentlichte Roman „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann, hat den Zerfall der vertrauten gesellschaftlichen Beziehungssysteme zum Thema.</p>

<p>In dieser Zeit gelang es Kafka eine eigene Sprache zu finden, die seine Wahrnehmung des fr&#252;hen 20. Jahrhunderts widerspiegelt, mit der er sich ganz und gar seinem Empfinden dieser Zeit hingab, ohne dass den Figuren seiner Texte eine Integration in diese Zeit gelingt.</p>

<p>Kafkas Figuren sind den Gegebenheiten ausgeliefert (z. B. in „Die Verwandlung“) und der Autor sucht f&#252;r sie keine „befriedigenden“ L&#246;sungen, sondern folgt den Erfahrungen dieser Figuren gnadenlos, ohne Besch&#246;nigung, ohne die sich aus diesen Erfahrungen ergebenden Spannungen aufzul&#246;sen.</p>

<p>Kafka trauert in seinen Werken weder den Verlusten des B&#252;rgertums in dieser Zeit hinterher, noch bietet er L&#246;sungen an, wie es sp&#228;ter z. B. Brecht mit seiner N&#228;he zu kommunistischen Idealen versucht. Und so ist der Zugang zu Kafkas Texten bis heute so schwierig wie aktuell: Leser dieser Texte werden selbst in die Spannung des Aushaltens unlogischer, kaum integrierbarer Zusammenh&#228;nge als Teil des Systems gestellt, in dem sich das Individuum oft kaum noch jenseits funktionaler Zusamenh&#228;nge als Individuum zu erfahren vermag – und gleichzeitig als Individuum auf nicht am Individuum sondern an Verwaltungsabl&#228;ufen orientierten Strukturen trifft, deren Logik vor allem darauf hin ausgerichtet ist, mit „Massen“ umzugehen.</p>

<p>Doch auch in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Masse_und_Macht" target="_blank">Massengesellschaft</a>, mit Massenproduktion, Massenkonsum, Massengeschmack, Massenmedien usw. erf&#228;hrt sich der einzelne Mensch nach wie vor als Individuum, das als solches wahrgenommen und behandelt werden will, sich aber zugleich als Massenph&#228;nomenen ausgeliefert erf&#228;hrt, die in die Spannung von Anpassung und &#220;berleben des Individuellen f&#252;hren.</p>

<p>Zwischen von Marken beherrschten Imagefragen und einer von solchen Imagefragen unabh&#228;ngig als Eigenwert erfahrbarer Individualit&#228;t scheint es kaum m&#246;glich, den Spagat der Integration all dieser Ph&#228;nomen in die eigene Pers&#246;nlichkeit zu leisten. Das Individuum, so scheint es, kann sich nur noch anpassen oder zum Au&#223;enseiter werden, der vielleicht die eigene Individualit&#228;t zu leben vermag, gleichzeitig aber den Gesetzen ausgeliefert ist, die diesem Streben nach Individualit&#228;t zuwider laufen und dennoch immer wieder genau diese versprechen; in der Werbung kann dies Tag f&#252;r Tag beobachtet werden.</p>

<p>Das Individuum wird, wie Gregor Samsa, zum „Insekt“, zu einem von den Ph&#228;nomenen der Masse entpersonalisiertem Wesen und scheitert gleichzeitig an der Forderung, gef&#228;lligst individuelle zu sein.</p>

<p>Hesse stellt in „Demian“ und in der „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Steppenwolf" target="_blank">Der Steppenwolf</a>“ Figuren dar, die als starke Individuen die Existenz des Au&#223;enseiters leben; Heinrich Mann stellt den angepassten Mitl&#228;ufer in „Der Untertan“ dar. Kafkas Figuren stehen zwischen diesen L&#246;sungsangeboten der beginnenden Massengesellschaft und stellen Spannungen derer dar, die weder zu blo&#223;en Mitl&#228;ufern werden noch die Existenz von Au&#223;enseitern „w&#228;hlen“ wollen und gerade so in die Situation geraten, die Eigenlogik der letztlich auf Anpassung hin ausgerichteten Gesellschaft mit aller Macht zu erfahren und so in die Rolle von Au&#223;enseitern gedr&#228;ngt zu werden, die aber doch eigentlich „dazu geh&#246;ren“ wollen.</p>

<p>In den vor 100 Jahren begonnenen Tageb&#252;chern Kafkas dr&#252;ckt sich dieser Kampf &#252;ber 14 Jahre hinweg in gr&#246;&#223;ter Intensit&#228;t aus. Seine Werke spiegeln die Spannungen wider, die Kafka selbst (er-)lebte und literarisch zum Ausdruck zu bringen vermochte. Es gelingt ihm, der sich ganz der Literatur verschrieben hatte und an anderen Arbeitsnotwendigkeiten litt, den Spannungen seiner Zeit eine eigene, unabh&#228;ngige Sprache zu geben.</p>

<p>In den seit Kafkas Schaffen vergangenen Jahrzehnten ist die Massengesellschaft nicht verschwunden. Die Herausforderungen an das Individuum sind in den vergangenen 100 Jahren nicht geringer geworden, das sich nach wie vor als Individuum in den Massen zu verlieren droht.</p>

<p>Kafka gibt dieser Spannung bis heute Sprache; er f&#252;hrt Leser bis heute in die fast unertr&#228;gliche Spannung des Individuums in der Masse hinein. Deshalb ist Kafka anstrengend. Deshalb ist er aber nach wie vor aktuell. Und wenn es die &#252;ber die Zeit eines Autors hinaus wirkende Aktualit&#228;t eines Autors ist, die ihn, so er in Sprache und Ausdruckskraft den Weg zur k&#252;nstlerischen Meisterschaft zu bew&#228;ltigen vermochte, zum Klassiker macht, bin ich gerne bereit, Franz Kafka als einen der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts zu bezeichnen. Kafka ist ein Klassiker deutschsprachiger Literatur und weit &#252;ber den deutschen Sprachraum hinaus.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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