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	<title>herrlarbig.de &#187; Bundesrepublik Deutschland</title>
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	<description>Bildungs-Neuron &#124; Lehrerblog &#124; Etc.</description>
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		<title>50000+ Zeichner der Petition f&#252;r das Verbot von Vorratsdatenspeicherung #vds</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 13:54:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Der Deutsche Bundestag m&#246;ge beschlie&#223;en, dass die verdachtlose Vorratsdatenspeicherung nicht zul&#228;ssig ist. Dar&#252;ber hinaus m&#246;ge er die Bundesregierung auffordern, sich f&#252;r eine Aufhebung der entsprechenden EU-Richtlinie und f&#252;r ein europaweites Verbot der Vorratsdatenspeicherung einzusetzen.“ So lautet der Inhalt, den &#252;ber &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/14/50000-zeichner-der-petition-fur-das-verbot-von-vorratsdatenspeicherung-vds/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="560" height="345" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/qKySz7eFi3E?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed width="560" height="345" type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/qKySz7eFi3E?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" allowFullScreen="true" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" /></object></p>

<p>„Der Deutsche Bundestag m&#246;ge beschlie&#223;en, dass die verdachtlose Vorratsdatenspeicherung nicht zul&#228;ssig ist. Dar&#252;ber hinaus m&#246;ge er die Bundesregierung auffordern, sich f&#252;r eine Aufhebung der entsprechenden EU-Richtlinie und f&#252;r ein europaweites Verbot der Vorratsdatenspeicherung einzusetzen.“</p>

<p>So lautet der Inhalt, den &#252;ber 50000 B&#252;rgerinnen und B&#252;rger nunmehr mit ihrer digitalen Zeichnung <a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=17143" target="_blank">einer Petition</a> unterst&#252;tzen und bis 6.10.2011 auch noch weiter unterst&#252;tzen k&#246;nnen.</p>

<p>In den vergangenen Tagen war immer wieder zu lesen, dass diese Zahl von 50000 bis heute erreicht sein m&#252;sse, denn dann <em>m&#252;sse</em> sich der Petitionsausschuss mit der Petition befassen. Hinter dieser Aussage steht etwas richtiges und etwas falsches:<span id="more-6326"></span></p>

<p>Der <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a02/Docs/Quorum.pdf" target="_blank">Petitionsausschuss erl&#228;utert hier</a>, was es mit der Zahl 50000 bis drei Wochen nach Ver&#246;ffentlichung der Petition auf sich hat. Dort hei&#223;t es zum Quorum:</p>

<blockquote><address>Die „Zahl von 50.000 Unterst&#252;tzern, hat der Petitionsausschuss im Jahre 2005 zus&#228;tzlich zu dem damals begonnenen Modellversuch &#246;ffentliche (besser: ver&#246;ffentlichte) Petitionen in seine Verfahrensregeln eingef&#252;gt und sich verpflichtet Petitionen, die bei Einreichung bzw. innerhalb von drei Wochen ab Einreichung von mehr als 50.000 Menschen unterst&#252;tzt werden, in einer &#246;ffentlichen Sitzung mit dem Petenten zu er&#246;rtern, es sei denn, dass der Ausschuss mit einer 2/3-Mehrheit etwas anderes beschlie&#223;t.“</address></blockquote>

<address><em>In der Regel</em> kann man wohl davon ausgehen, dass der Petitionsausschuss seiner Selbstverpflichtung folgt, denn 50000+ B&#252;rger und B&#252;rgerinnen ihr Engagement „um die Ohren zu schlagen“ und nicht &#246;ffentlich zum Thema der Petition zu tagen, w&#252;rde nur den Eindruck verst&#228;rken, dass „die Politiker“ sowieso keine Ahnung von der Stimmung im Volk haben – und sich f&#252;r diese auch nicht interessieren.</address>

<address><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Petition" target="_blank">Eine Petition ist ein Ersuchen, eine Art Bittschrift</a>. Die Besch&#228;ftigung mit dem Thema einer Petition im Petitionsausschuss kann h&#246;chstens zu Empfehlungen f&#252;hren, bei Vorschl&#228;gen zu Gesetzen, wie in dem Fall dieser Petition, liegt die Entscheidungsmacht beim Parlament.</address>

<address>Konkret wird in der Petition ein<a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=17143" target="_blank"> Verbot der verdachtlosen Vorratsdatenspeicherung</a> verlangt. Die Bundesregierung zieht sich argumentativ darauf zur&#252;ck, dass sie eine EU-Verordnung umzusetzen habe. Deshalb wird in der Petition auch eine klare Positionierung gegen&#252;ber dieser Richtlinie gefordert.</address>

<address>&#220;ber 50000 B&#252;rgerinnen und B&#252;rger haben diese Petition innerhalb von drei Wochen unterzeichnet. Der Petitionsausschuss wird sich mit diesem Ersuchen aller Voraussicht nach in &#246;ffentlicher Sitzung befassen. – Die Politik wird gleichzeitig weiter in Richtung dessen arbeiten, was<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,786178,00.html" target="_blank"> Sascha Lobo die „vorauseilende Volks&#252;berwachung“ nennt</a>.</address>

<address>Die Pl&#228;ne zur Vorratsdatenspeicherung sind weitreichend, denn es handelt sich dabei um </address>

<blockquote><address>„eine automatisierte Kommunikations&#252;berwachung aller B&#252;rger, zu jeder Zeit, ohne Anlass, ohne jede richterliche Verf&#252;gung. In der Tat gab es eine solche st&#228;ndige Gro&#223;&#252;berwachung in der Bundesrepublik noch nie.“ (<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,786178,00.html" target="_blank">Der Spiegel</a>)</address></blockquote>

<address>Eine solche Kommunikations&#252;berwachung ist nichts, was eine lebendige, freiheitliche Demokratie auszeichnet. Eine solche „automatisierte Kommunikations&#252;berwachung aller B&#252;rger“ ist das Zeichen einer &#228;ngstlichen Demokratie, die dabei ist, ihre Freiheit aus lauter Angst aufzugeben und auf Pr&#228;vention zu setzen. </address>

<address>Wir sind auf dem <a href="http://www.amazon.de/Vom-Rechtsstaat-zum-Pr&#228;ventionsstaat-suhrkamp/dp/3518125435" target="_blank">Weg vom Rechtsstaat in den Pr&#228;ventionstaat</a>, auf dem Weg. Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pr&#228;ventionsstaat" target="_blank">Pr&#228;ventionsstaat</a> aber w&#228;re das Ergebnis einer Politik, die sich Freiheit nicht traut, die der Freiheit der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger misstraut. Und entsprechend misstrauen die B&#252;rger und B&#252;rgerinnen der Politik, was die Zahlen der Nicht- oder Protestw&#228;hler an den R&#228;ndern erh&#246;ht. </address>

<address>Wir m&#252;ssen „mehr Demokratie wagen“ (<a href="http://www.bwbs.de/UserFiles/File/PDF/Regierungserklaerung691028.pdf" target="_blank">Willy Brandt</a>). Wir m&#252;ssen uns emp&#246;ren (<a title="Stéphane Hessel" href="http://www.faz.net/artikel/C30351/stephane-hessels-pamphlet-empoert-euch-30323966.html" target="_blank">Stéphane Hessel</a>).</address>

<address>Wenn ich in meinem Freundeskreis zu h&#246;ren bekomme, dass die Zeichnung einer solchen Petition eh nichts bringe, da die Politik durch das <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,681255,00.html" target="_blank">Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur ersten Fassung des Vorratsdatenspeicherungs-Gesetzes</a> ja gen&#252;gend Spielraum zur Wiedereinf&#252;hrung der Vorratsdatenspeicherung bekommen habe und diesen garantiert auch nutzen werde. </address>

<address>Das Misstrauen gegen&#252;ber der Politik ist an vielen Stellen gro&#223;. Doch nach wie vor ist der Souver&#228;n der Bundesrepublik Deutschland nicht die Gruppe der Politiker sondern das ganze Volk. Entsprechend ist Einfluss m&#246;glich, auch wenn es manchmal schwer scheint. </address>

<address>Ich bin beeindruckt, dass &#252;ber 50000 Menschen in drei Wochen zeigten, dass das Thema Vorratsdatenspeicherung nach wie vor Thema in der Bev&#246;lkerung ist. Dass eine gro&#223;e Zahl von B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern sich gegen etwas ausspricht, was mit einem politischen Schlagwort auch schon „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stasi_2.0" target="_blank">Stasi 2.0</a>“ genannt wurde<em>, </em>l&#228;sst hoffen, dass sich fr&#252;her oder sp&#228;ter die Einsicht durchsetzt, dass ein &#220;berma&#223; an <a title="Wenn Pr&#228;vention Freiheit zerst&#246;rt: Juli Zehs „Corpus Delicti. Ein Prozess“" href="http://herrlarbig.de/2009/05/22/wenn-praevention-freiheit-zerstoert-juli-zehs-corpus-delicti-ein-prozess/" target="_blank">Pr&#228;vention letztlich Freiheit zerst&#246;rt</a> und somit eine der Grundlagen einer <em>freiheitlich</em>-demokratischen Grundordnung in Frage stellen w&#252;rde.</address>

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</span></div>

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		<title>Kommentar zur Wahl des 10. Bundespr&#228;sidenten</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 19:59:28 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Bundespr&#228;sidenten.</p>

<p>Christian Wulff ist, das sagen Vertreter und Verterinnen vieler Parteien, eine durchaus f&#252;r das Amt geeignete Pers&#246;nlichkeit. Er wird etwas Neues ins Schloss Bellevue bringen: Wulff ist mit 51 Jahren der j&#252;ngste Pr&#228;sident, den Deutschland bislang hatte und er ist meines Wissens der erste Pr&#228;sident, der mit einem zweij&#228;hrigen Kind Leben in den Sitz des Bundespr&#228;sidenten bringen wird.</p>

<p>Doch seine Wahl ist mehr als die Neuvergabe des protokollarisch h&#246;chsten, aber mit relativ wenig Macht ausgestatteten Amtes, das die Bundesrepublik zu vergeben hat, denn die Bundesversammlung zur Wahl des 10. Bundespr&#228;sidenten hat die politischen Zust&#228;nde in Deutschland auf den Punkt gebracht und so sichtbar gemacht.</p>

<p>Den Spitzenkr&#228;ften der CDU/CSU-FDP-Koalition ist es in den ersten zwei Wahlg&#228;ngen nicht gelungen, die eigentlich vorhandene absolute Mehrheit ihrer Wahlm&#228;nner und Wahlfrauen f&#252;r den eigenen Kandidaten zu bekommen.</p>

<p>Und auch im dritten Wahlgang gab es weiter Verweigerer in den Reihen von CDU/CSU und FDP.</p>

<p>So wurde die mittlerweile kein Geheimnis mehr darstellende Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik dieser Koalition in den eigenen Reihen offen sichtbar.</p>

<p>Bundeskanzlerin Merkel h&#228;tte dies vermeiden k&#246;nnen, h&#228;tte sie nicht als Parteipolitikerin sondern als Staatsfrau die notwendig gewordene Neuwahl des Bundespr&#228;sidenten organsiert und einen Kandidaten gesucht, der von CDU/CSU, FDP, SPD und auch Gr&#252;nen h&#228;tte getragen werden k&#246;nnen. Die Begr&#252;ndung w&#228;re leicht gewesen: Wir befinden uns einer wirtschaftlich und politisch schwierigen Situation, in der wir ein Staatsoberhaupt brauchen, das verbindet, zusammenf&#252;hrt und als Repr&#228;sentant aller B&#252;rger und B&#252;rgerinnen Deutschlands &#252;berparteilich Anerkennung und Stimmen findet.</p>

<p>Christian Wulff kann ein solcher Pr&#228;sident werden, doch seine Wahl spiegelt diese wichtige Aufgabe dieses Amtes in keiner Weise wider.</p>

<p>H&#228;tte Frau Merkel vielleicht doch, als Sigmar Gabriel sie &#252;ber den Vorschlag von SPD und Gr&#252;nen informierte, das Heft in die Hand nehmen sollen und Joachim Gauck zum gemeinsamen Kandidaten k&#252;ren sollen, zu einem Kandidaten, der laut Umfragen die Mehrheit der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger hinter sich hat?</p>

<p>Doch da ist dann noch die FDP, die einen solchen Weg als Koalitionspartner h&#228;tter mitgehen m&#252;ssen und die sich in der Bundesversammlung vor allem dadurch hervor tat, dass sie immer wieder behauptete, dass die fehlenden Stimmen der Regierungskoalition nicht von ihnen kommen k&#246;nnten, abgesehen von den bekannten und akzeptierten Abweichlern in den eigenen Reihen – die in unterschiedlichen &#196;u&#223;erungen mal vier, mal drei oder auch mal vier bis f&#252;nf waren, wobei die Zahl von vier Abweichlern bei der FDP am h&#228;ufigsten zugegeben wurde.</p>

<p>Dass die FDP den ganzen Tag damit besch&#228;ftigt war, immer wieder auf die CDU/CSU zu zeigen, ist mehr als nur ein symbolischer Akt. In diesem Akt zeigt sich ein Selbstbewusstsein, das doch eigentlich nur seine Berechtigung h&#228;tte, wenn man den eigenen Wahlleuten auf die Stimmzettel geschaut h&#228;tte. Dies kann kaum der Fall gewesen sein, waren die Wahlen doch geheim.</p>

<p>Dieses wohl auch in der Tagespolitik vorhandene – an Selbst&#252;bersch&#228;tzung grenzende – Selbstbewusstsein der FDP mag mit dazu beigetragen haben, dass momentan bei Bundestagswahlen ein Einzug der FDP in den Bundestag alles andere als sicher w&#228;re. Gleichzeitig zeigte sich hier im Kleinen, wie Verantwortung zwischen den Koalitionspartnern hin- und her geschoben wird, statt gemeinsam Verantwortung zu &#252;bernehmen. In der Bundesversammlung m&#246;gen andere Gesetze als in der Tagespolitik gelten, aber hier zeigte sich im Kleinen, warum L&#246;sungsans&#228;tze f&#252;r die gro&#223;en Probleme der Bundesrepublik in dieser Koalition bislang nicht zu erkennen sind.</p>

<p>Auf Seiten der Opposition finden sich die eigentlichen politischen „Gewinner“ dieser Wahl. Die Spitzenkr&#228;fte von SPD und Gr&#252;nen haben mit Joachim Gauch einen Kandidaten vorgeschlagen, der im „b&#252;rgerlichen“ Lager &#252;ber gro&#223;e Sympathien verf&#252;gt. Dieser Kandidat sollte Angela Merkel in die Enge treiben, die Koalition vorf&#252;hren – und das scheint gelungen zu sein. Doch darf man dabei nicht vergessen, dass SPD und Gr&#252;ne Gauck wohl nicht nominiert h&#228;tten, wenn sie zum Zeitpunkt der Nominierung wirklich mit einer gro&#223;en Chance gerechnet h&#228;tten, dass er die Wahl gewinnen k&#246;nnte. Es war eine strategische Nominierung, die &#252;berraschte, sich aber im Nachhinein dadurch auszeichnete, dass hier wirklich ein Kandidat nominiert wurde, dem auch in der Bev&#246;lkerung gro&#223;e Sympathie entgegen kam.</p>

<p>Vielleicht haben SPD und Gr&#252;ne gedacht, dass es f&#252;r die Linken ein attraktives Angebot sein k&#246;nnte, &#252;ber eine Wahl Gaucks die Koalition massiv ins Wanken zu bekommen. Doch da haben sie die machtpolitischen Ambitionen der Linken offensichtlich falsch eingesch&#228;tzt oder aber die nach wie vor vorhandenen Empfindlichkeiten untersch&#228;tzt, die die Linken nach wie vor pr&#228;gen.</p>

<p>Vielleicht wollten SPD und Gr&#252;ne Gauck aber auch als einen Versuchballon bez&#252;glich einer Rot-Rot-Gr&#252;nen Koalition absenden. Gauck, der erste Leiter der Stasi-Unterlagenbeh&#246;rde, ein B&#252;rgerrechtler in der DDR, eine Person, deren Wahl durch die Linke gezeigt h&#228;tte, dass diese historischen Ballast abzuwerfen bereit ist: Es w&#228;re ein enorm symbolischer Akt gewesen, w&#228;re die Linke hier &#252;ber ihren eigenen Schatten gesprungen.</p>

<p>F&#252;r diese &#220;berlegungen von SPD und Gr&#252;nen spricht, dass sie w&#228;hrend der Bundesversammlung eher leise die M&#246;glichkeit eines Angriffs auf die Koalition formulierten, aber sehr laut auf die Chance zur Bearbeitung der eigenen Geschichte der Linken hinwiesen.</p>

<p>Dabei war es aber wom&#246;glich ein Fehler, dass vor allem die SPD-F&#252;hrung die Linken scheinbar nicht offensiv umwarb, was wahrscheinlich auch damit zusammh&#228;ngt, dass die Wunde Oskar Lafontaine nach wie vor nicht geheilt ist und die Regierungsf&#228;higkeit der Linken im Bund nach wie vor bezweifelt wird.</p>

<p>Die Linke nominiert schlie&#223;lich eine eigene Kandidatin, die am Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Protestbewegung in der DDR am 17. Juni 1953, dem Hamburger Abendblatt gegen&#252;ber sagte:</p>

<blockquote>„Die DDR war ein Staat, der unverzeihliches Unrecht an seinen B&#252;rgern begangen hat. Nach juristischer Definition war sie allerdings kein Unrechtsstaat…”</blockquote>

<p>Damit brachte die linke Kandidatin die eigene Vergangenheit der Linken auf die Tagesordnung, ist diese Partei doch aus der SED und deren Rechtsnachfolgerin PDS hervorgegangen, die sich mit der WASG zur Linken vereinigte.</p>

<p>&#214;ffentlich wird von der Linken die gro&#223;e Distanz der politischen Positionen von Linken, SPD und Gr&#252;nen, aber auch die Distanz zu den „konservativen Positionen“ Gaucks angef&#252;hrt, wenn sie von dessen Unw&#228;hlbarkeit f&#252;r sie spricht.</p>

<p>Dennoch scheint die Vermutung nicht allzu sehr an den Haaren herbei gezogen, dass die &#220;berreste der SED und auch der Stasi in der Partei „Die Linke“ als nicht aufgearbeitete Vergangenheit, aber auch die Geschichte des Ex-Vorsitzenden der SPD Oskar Lafontaines, letztlich den Ausschlag gegeben haben, nicht den SPD-Kandidaten, DDR-B&#252;rgerrechtler und Stasi-Aufkl&#228;rer Gauck zu w&#228;hlen.</p>

<p>Zum Schluss lagen Gregor Gysis Nerven blank, als er sich in einer Pressekonferenz provozieren lie&#223; und &#228;u&#223;erst emotional den R&#252;ckzug Lukrezia Jochimsens verk&#252;ndete und sagte, dass er mit einem gro&#223;en Teil an Enthaltungen bei der Linken rechne. Man k&#246;nnte es als konsequente Einstellung sehen, wenn da eben nicht das Geschm&#228;ckle der Frage des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit im Raum st&#252;nde, die sich in der Person Gaucks manifestierte.</p>

<p>Die Linke applaudierte nach dem dritten Wahlgang dem neuen Bundespr&#228;sidenten nicht, zeigte dem Amt gegen&#252;ber erst einmal nicht den notwendigen Respekt, was angesichts des langen Wahltages und der aufgebrochenen Wunden noch nachvollziehbar sein kann. Aber auch die Nationalhymne sangen viele Vertreter und Vertreterinnen der Linken nicht mit. Vielleicht ist dies zum Schluss eines der bittersten Zeugnisse des Verh&#228;ltnisses von Teilen der Linken zur Demokratie der Bundesrepublik Deutschland.</p>

<p>Das einzige, nicht zu untersch&#228;tzende Positive dieser Bundesversammlung ist, dass sich hier gezeigt hat, wie Demokratie funktioniert. Deutschlands Demokratie ist lebendig, auch wenn die Bundesversammlung als indirekte Vertrauensabstimmung vielleicht nicht wirklich geeignet ist.</p>

<p>Merkel und Westerwelle gehen geschw&#228;cht aus dieser Wahl. Nun liegt es an Christian Wulff, das Amt auszuf&#252;llen und sich als unabh&#228;ngiger Pr&#228;sident aller Bundesb&#252;rger und Bundesb&#252;rgerinnen zu etablieren.</p>

<p>Auf die Koalition sollte er dabei nicht rechnen, denn mit dem heutigen Tag stellt sich durchaus erneut die Frage, ob die Koalition die Probleme Deutschlands wirklich wird l&#246;sen k&#246;nnen, ob sie bald zerbrechen oder sich neues F&#252;hrungspersonal suchen wird, das noch nicht zur&#252;ckgetreten ist oder nun zum Bundespr&#228;sidenten gew&#228;hlt wurde. Die heutige Bundesversammlung k&#246;nnte ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Machtverlust Angela Merkels und, bei allen Beschw&#246;rungen der Einheit der eigenen Partei, auch Guido Westerwelles gewesen sein.</p>

<p>Politikerverdrossenheit? Ich habe das Thema bislang bewusst ausgespart. Aber ja, der heutige Tag, so sehr er eine lebendige, spannende Demokratie zeigte, k&#246;nnte durchaus bei einigen B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern genau eine solche weiter gef&#246;rdert haben, subjektiv, denn objektiv l&#228;sst sich eine solche ja nicht messen.</p>

<p>Herzlichen Gl&#252;ckwunsch an Christian Wulff. Einen guten Start nach dieser schweren Wahl.</p>

<p>Herzlichen Dank an Joachim Gauck, der uns drei spannende Wochen geschenkt hat und von dem hoffentlich auch zuk&#252;nftig noch viel zu h&#246;ren sein wird. Er war ein w&#252;rdiger Kandidat und ist ein fairer Verlierer.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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