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	<title>herrlarbig.de &#187; Bundestagswahl</title>
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		<title>Kommentar zur Bundestagswahl 2009</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 19:06:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Zentrum des Wahlabends steht die Erkenntnis reichlich vieler „schlechtester Ergebnisse seit Bestehen der Bundesrepublik“. Diese Aussage mag aus der Sicht der betroffenen Parteien (CDU, CSU, SPD) richtig sein. Doch bei genauer Betrachtung steht das Ergbnis nicht f&#252;r etwas „schlechtes“, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/27/kommentar-zur-bundestagswahl-2009/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zentrum des Wahlabends steht die Erkenntnis reichlich vieler „schlechtester Ergebnisse seit Bestehen der Bundesrepublik“. Diese Aussage mag aus der Sicht der betroffenen Parteien (CDU, CSU, SPD) richtig sein. Doch bei genauer Betrachtung steht das Ergbnis nicht f&#252;r etwas „schlechtes“, denn der W&#228;hlerwillen kann nichts „schlechtes“ sein, solange er sich der demokratischen Parteien zum Ausdruck dieses Willens bedient, sondern daf&#252;r, dass sich das Parteiensystem in Deutschland deutlich ver&#228;ndert hat.</p>

<p>Die  Volksparteien (CDU, SPD) erreichen gerade mal noch zwischen 56 und 57 Prozent, die bislang kleinen Parteien erreichen hingegen mittlerweile zwischen 43 und 44 Prozent der W&#228;hlerstimmen. F&#252;r mich ist dies ein deutliches Zeichen, dass die Volksparteien an zahlreichen Punkten an gro&#223;en Teilen der Bev&#246;lkerung vorbei regiert haben, die sich nun den deutlich st&#228;rker profilierten kleineren Parteien zugewandt haben.</p>

<p>Der Abstieg der SPD hat sicherlich damit zu tun, dass diese Partei unter der Kanzlerschaft Gerhard Schr&#246;ders reichlich Entscheidungen getroffen hat, die so eher von der CDU oder der FDP erwartet worden w&#228;ren (Arbeitslosengeld z. B.) und in der Koalition mit der CDU kaum zu vermitteln vermochte, wo denn bitte sozialdemokratisches Profil im Regierungshandeln eine Rolle gespielt hat.</p>

<p>Aber auch die CDU hat eigentlich ein Wahldesaster erlebt, das nur dadurch &#252;berdeckt wird, dass sie weiter st&#228;rkste Partei bleibt und gemeinsam mit der FDP regieren kann. Hat es noch eine Rolle gespielt, dass Angela Merkel ihr Versprechen des Verzichts auf eine Mehrwertsteuererh&#246;hung nach der Bundestagswahl 2005 gebrochen hat und der FDP hier mehr Glaubw&#252;rdigkeit zugesprochen wird? Hat die Wahlentscheidung damit zu tun, dass viele, die den Abbau von Freiheitsrechten durch SPD, Gr&#252;ne und CDU seit 2001 nicht mehr mitmachen wollen, die FDP hier – trotz klarer Aussagen im Wahlprogramm der Gr&#252;nen – f&#252;r einen glaubw&#252;rdigen Garanten der Wiederherstellung von Freiheitsrechten halten?</p>

<p>Die Gr&#252;nen haben mit knapp 10% ihr Ziel verfehlt, drittst&#228;rkste Kraft im Bundestag zu werden. Statt dessen sind sie nun die kleinste im Bundestag vertretene Oppositionspartei. Vielleicht liegt dies daran, dass W&#228;hlerinnen und W&#228;hler den Eindruck hatten, dass man bei den Gr&#252;nen nicht so genau wei&#223;, f&#252;r was sie eigentlich noch stehen. So sehr sich die Mitglieder der Partei auch bem&#252;ht haben, dies den W&#228;hlern zu vermitteln, gelang es ihnen dennoch nicht, ein klares Profil zu entwickeln.</p>

<p>Dass von dem programmatischen Niedergang der SPD die Linke profitieren w&#252;rde, war abzusehen. L&#228;ngst hat die Sozialdemokratie das, was sie als Partei ausmachte, bis zur Unkenntlichkeit verst&#252;mmelt, sodass sie von vielen W&#228;hlern und W&#228;hlerinnen als kaum noch von der CDU unterscheidbar wahrgenommen wurde. Und Frank Walter Steinmeier stand als Kanzlerkandidat eher f&#252;r die Linie Schr&#246;der als f&#252;r klares Profil in Sachen sozialer Gerechtigkeit, trotz klarer Aussagen des SPD-Wahlprogrammes. Hinzu kommt, dass die Zerstrittenheit in der SPD, auch wenn sie im Wahlkampf nicht sichtbar wurde, nicht wirklich von der Partei in Richtung einer klaren, von allen gemeinsam vertretenen Linie hin aufgearbeitet wurde. Da ist die Frage der &#214;ffnung zur Linkspartei, da ist die mangelnde Kontinuit&#228;t im Parteivorstand, da sind die Probleme, die das Verhalten Andrea Ypsilantis nach der letzten hessischen Landtagswahl ausgel&#246;st haben. Eine Partei, die in sich keine Einigkeit hat, kann kaum damit rechnen, dass ihr gerade in Krisenzeiten das Vertrauen entgegen gebracht wird, eine F&#252;hrungskraft in Deutschland zu sein.</p>

<p>Doch gerade diese Krisenzeiten f&#252;hren bei mir zu einem gewissen Erstaunen &#252;ber das Abschneiden der FDP, steht doch diese Partei wie kaum eine andere f&#252;r ein Wirtschaftssystem, in dem das Verhalten der Banken, das die aktuelle Krise mit ausgel&#246;st hat, gef&#246;rdert wurde. Es war in den vergangen Jahren die FDP, die wirtschaftspolitisch Positionen vertrat, die alles andere als g&#252;nstig f&#252;r die Arbeitnehmer waren. Und es zeichnet sich ab, dass bis heute von der FDP, abgesehen von dem Bereich der B&#252;rger- und Freiheitsrechte, Positionen vertreten werden, die nicht gerade dem sozialen Ausgleich in der Bundesrepublik dienen.</p>

<p>Andererseits kann die FDP f&#252;r sich in Anspruch nehmen, glaubw&#252;rdig zu sein. Und das verbindet sie mit den anderen im Bundestag vertretenen kleineren Parteien, auch wenn die Gr&#252;nen damit in den vergangenen Jahren, an der einen oder anderen Stelle, an der sie sich entgegen vorhergehender Aussagen der CDU &#246;ffneten, Probleme hatten.</p>

<p>Und trotz dieser zumindest bei den kleinen Parteien vorhandenen Glaubw&#252;rdigkeit, hat dies die eigentliche „Katastrophe“ dieser Bundestagswahl nicht verhindert: 28 Prozent der stimmberechtigten Bev&#246;lkerung haben ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2009 verweigert. Das sind bei 62 Millionen Wahlberechtigten 17.000.000 Stimmen, die nicht abgegeben wurden. 17 Millionen B&#252;rgerinnen und B&#252;rger haben sich dem politischen Entscheidungsprozess der Wahl entzogen, haben sich daf&#252;r entschieden, dass ihnen der Wahlausgang egal ist. Oder handelt es sich um B&#252;rgerinnen und B&#252;rger, die ihr Vertrauen darauf verloren haben, dass sie und ihre Interessen in der Bundespolitik &#252;berhaupt noch ber&#252;cksichtigt werden?</p>

<p>28 Prozent Nichtw&#228;hler – das ist die Herausforderung f&#252;r alle Parteien. 28 Prozent Nichtw&#228;hler: Das ist die st&#228;rkste politische Kraft nach der CDU in diesem Lande! Und genau diese 28 Prozent gilt es nun, zur&#252;ck in die politischen Entscheidungsprozesse der Bundesrepublik zu holen. Diese 28 Prozent m&#252;ssen in der zuk&#252;nftigen Arbeit von Regierung und Opposition als das, was sie sind, n&#228;mlich die zweitst&#228;rkste politische Kraft, wenn es auch die Kraft der Wahlverweigerung ist, ernst genommen werden.</p>

<p>Die Parteien m&#252;ssen schauen, wie viele der Nichtw&#228;hler solche sind, die sie als ihre eigentlichen Anh&#228;nger und Anh&#228;ngerinnen nicht mobilisieren konnten und dann intensiv daran arbeiten, hier wieder zu einer h&#246;heren Wahlbeteiligung zu kommen.</p>

<p>Was die n&#228;chsten Jahre bringen werden, kann vom heutigen Standpunkt aus nur vermutet werden. Vielleicht gelingt es der FDP, wenn sie es mit den Freiheitsrechten wirklich ernst nimmt, die Vorratsdatenspeicherung zu kippen, die Online-Durchsuchungen zumindest deutlich zu erschweren und die Internetsperren noch einmal kritisch zu hinterfragen. Es ist aber auch damit zu rechnen, dass der K&#252;ndigungsschutz gelockert werden wird, die Laufzeit von Atomkraftwerken verl&#228;ngert und Regulierung der Wirtschaft als Folge der Finanzkrise lockerer ausfallen wird, als dies andere politische Konstellationen zugelassen h&#228;tten. Dies k&#246;nnte dann aber auch dazu f&#252;hren, dass die Profilierung der politischen Parteien wieder einfacher wird als zu Zeiten der gro&#223;en Koalition. Doch gerade die SPD muss aufpassen, dass es ihr &#252;ber die nun anstehenden Personaldebatten hinaus gelingt, ihr Profil zu sch&#228;rfen, um nicht von der Linken irgendwann &#252;berrundet zu werden. Und die Gr&#252;nen m&#252;ssen kl&#228;ren, wie sie ihr Programm mit m&#246;glichen Koalitionsoptionen der Zukunft in Einklang bringen k&#246;nnen.</p>

<p>Und das ist dann m&#246;glicherweise die gute Nachricht dieses Wahlabends: Nach dem langweiligsten Wahlkampf, an den ich mich erinnern kann, kann Politik nun wieder spannend werden, kann endlich wieder der politische Diskurs um langfristige Visionen lauter werden, der sich dann in zuk&#252;nftigen Wahlen auch niederschlagen kann.</p>

<p>Welche Visionen k&#246;nnen das sein?</p>

<ol>
    <li>Welche Wirtschafts- und Sozialpolitik in Deutschland wollen wir?</li>
    <li>Wie kann es gelingen, aus der Schuldenfalle heraus zu kommen und somit auch finanziell wieder gr&#246;&#223;eren politischen Handlungsspielraum zu haben?</li>
    <li>Mit welcher Konsequenz und mit welchen Antworten wird die Frage des Klimawandels und der damit verbundenen Energiepolitik beantwortet?</li>
    <li>Wie soll daf&#252;r gesorgt werden, dass Chancengleichheit in Sachen Bildung hergestellt wird und wir massiv das Problem des Mangels an Fachkr&#228;ften angehen?</li>
    <li>Wird Deutschland weiter zum Pr&#228;ventionsstaat mit der damit verbundenen &#220;berwachungsmentalit&#228;t ausgebaut oder haben wir den Mut zur Freiheit?</li>
</ol>

<p>F&#252;nf Punkte, die sicher noch um einige mehr erg&#228;nzt werden k&#246;nnen. F&#252;nf Punkte, bei denen das heutige Wahlergebnis dazu f&#252;hren kann, dass es in Deutschland wieder zu echten inhaltlichen Auseinandersetzungen kommt, die unter der gro&#223;en Koalition doch sehr gelitten haben. Und f&#252;r mich ist dies auch eine Botschaft des Wahlergebnisses: Der „W&#228;hlerwille“ will wieder Alternativen haben. Das sollte sich vor allem die SPD zu Herzen nehmen, darauf sollten die Gr&#252;nen achten. F&#252;r die CDU und FDP besteht nun die Chance zu zeigen, dass sie koalierend nicht wieder in die Falle des Turbokapitalismusses tappen, der uns in die gegenw&#228;rtige Krise gef&#252;hrt hat.</p>

<p>Ja, diese Wahl zeugt von einem Wandel im Parteiensystem und ist doch auch die R&#252;ckkehr zu einer „b&#252;rgerlichen“ Koalition. Die kommende Legislaturperiode verspricht von daher, eine sehr spannende zu werden. Bleibt zu hoffen, dass alle demokratischen Parteien dies nutzen und Deutschland wirklich wieder zu einem Land der Visionen machen, um die im demokratischen Diskurs auch gerungen wird.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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