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	<title>herrlarbig.de &#187; Demokratie</title>
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		<title>Von der Umwertung von Werten oder: Kritische Anmerkungen zur „PostPrivacy“</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Oct 2011 17:08:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anonymit&#228;t galt fr&#252;her gilt als ein grundlegendes Recht des B&#252;rgers in einer Demokratie. Wann ich mich wo aufgehalten habe, wann ich mit wem telefonierte, wem ich wann einen Brief schrieb etc., ging geht weder den Staat noch irgendwelche Firmen etwas &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/11/von-der-umwertung-von-werten-oder-kritische-anmerkungen-zur-postprivacy/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anonymit&#228;t <del>galt fr&#252;her</del> gilt als ein grundlegendes Recht des B&#252;rgers in einer Demokratie. <em>Wann</em> ich mich <em>wo</em> aufgehalten habe, <em>wann</em> ich <em>mit wem telefoniert</em>e, <em>wem</em> ich <em>wann</em> einen <em>Brief</em> schrieb etc., <del>ging</del> geht weder den Staat noch irgendwelche Firmen etwas an.</p>

<p>F&#252;r den Staat <del>gab</del> gibt es <em>eine</em> Ausnahme: Wenn der berechtigte Verdacht <del>bestand</del> besteht, dass ein B&#252;rger schwere kriminelle Handlungen plant oder durchf&#252;hrt, <del>konnten</del> kann das Brief- und das Telefongeheimnis von einem Richter ohne Wissen der betroffenen Person eingeschr&#228;nkt werden. – Diese M&#246;glichkeiten gibt es heute auch noch, aber die Begehrlichkeiten der Sicherheitsbeh&#246;rden scheinen mit den M&#246;glichkeiten zur &#220;berwachung zu steigen.</p>

<p>Grunds&#228;tzlich aber <del>gilt</del> galt einmal: Der B&#252;rger kann sich unbeobachtet bewegen, unbeobachtet telefonieren, unbeobachtet Briefe schreiben und unbeobachtet seine Schreibmaschine benutzen.</p>

<p>Kurioserweise ist der Begriff „Anonymit&#228;t“ in den vergangenen Jahren mehr und mehr mit negativen Assoziationen verbunden worden, die „Anonymit&#228;t“ nicht mehr als ein grundlegendes Freiheitsrecht verstehen, sondern diese<span id="more-19380"></span> grunds&#228;tzlich mit der Frage rechtswidriger Handlungen verbinden. Fr&#252;her lautete die Grundannahme, dass der Staat  erst genauer hinschauen darf, wenn ein B&#252;rger berechtigten Anlass zur Annahme gibt, er sei in <em>schwere</em> kriminelle Handlungen verwickelt.</p>

<p>Dann kam die Kamera&#252;berwachung durch Polizeibeh&#246;rden. Und erstmals h&#246;rte ich den Satz: „Wer nichts zu verbergen hat, muss die Kamera&#252;berwachung auch nicht f&#252;rchten.“ Dann kam die Kamera&#252;berwachung durch Privatunternehmen (Bahn, &#214;ffentlicher Personennahverkehr…). „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu bef&#252;rchten.“ – Ein Resultat der Kamera&#252;berachung: Es gibt heute medial verwertbare Videoaufzeichnungen von Verbrechen, die aber trotz Kamera&#252;berwachung ver&#252;bt wurden.</p>

<p>Bei der Kamera&#252;berwachung des „&#246;ffentlichen“ Raums kann man bereits heute vermuten, dass nicht, wie versprochen, die Sicherheit zugenommen hat, sondern dass alleine die Aufkl&#228;rung von Verbrechen eine neue M&#246;glichkeit bekommen hat. Polizisten vor Ort k&#246;nnten Verbrechen verhindern, Kameras k&#246;nnen diese nur dokumentieren.</p>

<p>Mit dem Aufkommen des Internets wurde die Sache noch komplizierter, weil Kommunikation neue Wege ging.</p>

<p>Vor allem der Brief wurde in vielen F&#228;llen von der E-Mail abgel&#246;st, was um so erstaunlicher ist, weil eine E-Mail in etwa so offen ist, wie eine Postkarte und dem Brief eigentlich nur die <em>verschl&#252;sselte</em> E-Mail &#228;quivalent w&#228;re – und zwar mit einem wirklich privaten Schl&#252;ssel verschl&#252;sselte E-Mail. Ich spreche hier weder von <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kritik-am-E-Postbrief-waechst-1044814.html" target="_blank">E-Post-Briefen</a> noch von <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Scharfe-Kritik-am-De-Mail-Gesetzentwurf-im-Bundestag-1184961.html" target="_blank">DE-Mail</a>, da diese ja gerade nicht sicherstellen, dass alleine der Absender und Empf&#228;nger das Dokument lesen k&#246;nnen.</p>

<p>Die Implementierung von Verschl&#252;sselungstechnologien in die allt&#228;glich verwendeten Programme hat nach wie vor so gut wie nicht stattgefunden. Selbst verschl&#252;sselter Zugriff auf ein E-Mail-Postfach kostet bei manchen E-Mail-Anbietern extra, obwohl es eigentlich Standard sein m&#252;sste.</p>

<p>Da es technisch relativ einfach ist, unverschl&#252;sselte Kommunikation mitzulesen, ist es nat&#252;rlich naheliegend, dass der Staat auf den Gedanken kommen kann, dass man doch mal sicherheitshalber die Provider verpflichtet, die zentralen Daten der Kommunikation zu speichern, damit man, sollte es zu einem Verbrechen kommen, auf diese Daten zur&#252;ckgreifen k&#246;nne, die zumindest sagen, wer wann mit wem kommuniziert hat, wo jemand war, der mit dem Handy telefoniert hat oder auf ihm angerufen wurde und au&#223;erdem, wer wann welche Website aufgerufen hat. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vorratsdatenspeicherung" target="_blank">Dies nennt man „Vorratsdatespeicherung“ oder auch „Mindestdatenspeicherung“.</a></p>

<p>In nicht digitale Zeiten &#252;bertragen h&#228;tte dies bedeutet, dass nicht nur gespeichert worden w&#228;re, wann man wen angerufen hat und wie lange, sondern auch noch von wo aus, was in reinen Festnetzzeiten nicht so schwer festzustellen war, und dar&#252;ber hinaus auch noch, welche B&#252;cher man kauft, in der Bibliothek leiht, weiche Zeitung man liest, welche Zeitschriften man bevorzugt, welche Fernsehsender man schaut etc.</p>

<p>Obwohl <a href="http://netzpolitik.org/2011/vorratsdatenspeicherung-wird-verfassungswidrig-fortgefuhrt/" target="_blank">das BVerG das erste Gesetzt zur Vorratsdatenspeicherung verworfen hat, ohne dass dies manche Telekomunikationsanbieter scheinbar gro&#223; gest&#246;rt hat</a>, steht nach wie vor <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:105:0054:0063:DE:PDF" target="_blank">eine EU-Richtlinie</a> im Raum, die genau diese will.</p>

<p>Darum geht es hier aber weniger. Hier geht es um den Mentalit&#228;tswechsel, der in den vergangenen Jahren vorangetrieben wurde. Denn <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/diskussion-um-klarnamen-im-netz-innenminister-friedrich-heizt-debatte-an-1714282.html" target="_blank">mittlerweile gibt es Politiker, die fordern, dass man im Internet doch eigentlich immer mit seinem Klarnamen unterwegs sein solle</a>. Die logische Konsequenz ist dann der bei der Geburt dem Menschen eingepflanzte Chip, der daf&#252;r sorgt, dass man immer und &#252;berall mit Klarnamen unterwegs ist. Betritt man ein Gesch&#228;ft, wird man von den Angestellten mit Namen begr&#252;&#223;t, weil der auf dem Bildschirm erschienen ist, reist man von A nach B wei&#223; die Polizei immer, wo man ist, vielleicht aber auch der Arbeitgeber etc.</p>

<p>Wir erleben zur Zeit, in kleinen Schritten, einen radikalen (gewollten, systematisch betriebenen?!) Mentalit&#228;tswandel, der den Begriff der Privatsph&#228;re mehr und mehr ver&#228;ndert, ja, verdunsten l&#228;sst.</p>

<p>Im Hintergrund dieses Wandels werden Bedrohungsszenarien als Begr&#252;ndung genutzt, die mit dem 11. September 2001 einen H&#246;hepunkt erlebten. Aber diese von staatlichen Seiten genutzten Begr&#252;ndungen sind bei diesem radikalen Mentalit&#228;tswandel nur in kleines R&#228;dchen im Getriebe. Wesentlich aktiver sind wirtschaftliche Interessen am Abbau der Privatsph&#228;re beteiligt.</p>

<p>Es ist kein Zufall, dass Facebook und Google+ im Idealfall nur Anmeldungen mit Klarnamen haben wollen, was sie &#252;brigens von Twitter unterscheidet.</p>

<p>Es ist kein Zufall, dass ich bei Bestellungen im Internet nicht die M&#246;glichkeit habe, meine Daten bei jeder Bestellung neu einzugeben und meine Daten nach dem Abschluss eines Gesch&#228;ftes wieder gel&#246;scht werden, sondern dass &#252;berall „Profile” erstellt werden, deren Zweck es ist, personalisierte Angebote zu machen, mit denen die Hoffnung verbunden wird, dass man dann mehr kaufe.</p>

<p>Einst gab es solche Profile auch: Im Kopf des Fachh&#228;ndlers, der seine Kunden kannte und sie deshalb wirklich pers&#246;nlich beraten konnte! Ich war von ein paar Buchh&#228;ndlern sehr beeindruckt, die mir immer sagen konnte, welche B&#252;cher aus dem Reigen der Neuerscheinungen mit wohl gefallen k&#246;nnten. Es gab nur einen Unterscheid: Das war wirklich personalisiert, auch auf der Seite des Anbieters. Und wenn ein Empfehlung mal nicht stimmte, sagte ich das dem Buchh&#228;ndler.</p>

<p>Man versuche sich einmal bei einem personalisiertem Profil im Kontext eines Interneth&#228;ndlers zu beschweren oder eine Reklamation vorzubringen und man wird merken, dass die Personalisierung einseitig ist und sich dadurch grundlegend von der pers&#246;nlichen Beratung durch den Fachh&#228;ndler unterscheidet: Verlie&#223; ein Verk&#228;ufer ein Gesch&#228;ft, verlie&#223; in der Regel auch das Wissen um den Kunden das Gesch&#228;ft. Computer hingegen generieren Profile v&#246;llig unabh&#228;ngig vom Personal, das gerade in der Firma arbeitet. Einen pers&#246;nlichen Ansprechpartner habe ich in der Regel nicht.</p>

<p>Der Fachh&#228;ndler musste &#252;brigens weder wissen, wie ich hei&#223;e, wo ich wohne und wo ich sonst noch einkaufen gehe.</p>

<p>Digitale Vermarktungsstrategien, auch die Strategien zur Platzierung von Werbung, die mehr und mehr m&#246;glichst an pers&#246;nlichen Profilen ausgerichtet sein soll, werden bislang vor allem mithilfe von Personalisierung und Zur&#252;ckdr&#228;ngung der Privatsph&#228;re verfolgt. Geld wird mit der Vermarktung solcher Daten verdient.</p>

<p>Irgendwann wird es dann interaktive Plakatw&#228;nde geben, auf denen immer genau die Werbung auftauchen wird, die optimal an die gerade auf dem Bahnsteig wartenden Zugg&#228;ste angepasst ist, weil Mittelwerte aus den Profilen dieser Passanten erstellt werden k&#246;nnen.</p>

<p>Irgendwann wird vor jedem Platz im Zug ein Bildschirm platziert sein, auf dem ein personalisiertes Programm f&#252;r den jeweiligen Fahrgast, inklusive angepasster Werbung, laufen wird.</p>

<p>Irgendwann wird uns in kommerziellen Kontexten immer genau die Welt gezeigt, die auf die individuellen Interessen ausgerichtet ist und somit Kaufimpulse setzen will. Das Fremde, Neue, Unerwartete, das in diesem Leben so anregend ist, wird weniger werden.</p>

<p>Und weil wirtschaftliche Interessen scheinbar so harmlos sind, ist es so schwer, den grunds&#228;tzlich mit ihnen verbundenen gesellschaftlichen Wandel in digitalen Zeiten zu sehen oder zu vermitteln, denn personalisierte Angebote sind doch was tolles: Mir wird die Arbeit abgenommen, immer suchen zu m&#252;ssen, was mir gef&#228;llt. Und dass ich bei diesem Suchen Dinge finden k&#246;nnte, die ich nicht erwartet h&#228;tte, die mich ansprechen, obwohl sie meinen Interessen scheinbar zuwiderlaufen, mag ja nett sein, aber so wichtig ist das auch nicht.</p>

<p>All das mag stimmen. Der Preis ist aber, dass das Verst&#228;ndnis von Privatsph&#228;re radikal ver&#228;ndert wird. Ich sage jetzt ganz bewusst nicht „sich ver&#228;ndert“, sondern „ver&#228;ndert wird“, weil hinter den Prozessen, die diese Ver&#228;nderungen herbei f&#252;hren, ganz klar erkennbare Interessen stehen. Vielleicht ist das Interesse nicht explizit die Umwertung des Begriffs der Privatsph&#228;re und der Anonymit&#228;t im allt&#228;glichen Leben, implizit findet diese Umwertung statt.</p>

<p>Die Wege der Profilbildung und des Hineinf&#252;hrens des freien, anonym und unbeobachtet seinen Alltag gestaltenden B&#252;rgers in die selbst verschuldete Bevormundung durch personalisierte Angebote sind vielf&#228;ltig: Kundenkarten, Profilbildungen bei Kreditkartenunternehmen, zunehmende Einf&#252;hrung personalisierter Registrierungspflichten und am umfassendsten im Kontext so genannter „sozialer Netzwerke“, deren Ziel nicht die Vernetzung ist. Diese ist vielmehr Voraussetzung f&#252;r das Gesch&#228;ftsmodell dieser Gro&#223;konzerne. Was dem Benutzer solcher Netzwerke auf der Oberfl&#228;che als „Nutzen“ angeboten wird, ist die Fassade, die den Rechenprozessen im Hintergrund &#252;bergest&#252;lpt wird, die den eigentlichen Nutzen der Netzwerke bilden, indem sie Daten nutzbar machen, die fr&#252;her (in der Regel) anonym blieben: Wer kennt wen, trifft sich mit wem, redet &#252;ber was, kauft wo was ein, geht wann in welchen Kinofilm, h&#246;rt welche Musik, kauft welche B&#252;cher, tritt welchen Fanpages bei etc.</p>

<p>Nat&#252;rlich: Wenn man nichts zu verbergen hat, braucht man all diese Aufl&#246;sung der Anonymit&#228;t, der Privatsph&#228;re nicht zu f&#252;rchten.</p>

<p>Wenn man kein Problem damit hat, dass man vom Staat unter Generalverdacht gestellt wird, indem m&#246;glichst alle Kontaktdaten aller Bundesb&#252;rger und -b&#252;rgerinnen erstmal gespeichert werden (bei Privatunternehmen, die damit in gro&#223;e Versuchung gef&#252;hrt werden!), dem kann dieses Schwinden der Privatsph&#228;re gleichg&#252;ltig sein.</p>

<p>Wenn man kein Problem damit hat, dass Profilbildung stattfindet, die personalisierte Angebote mit sich bringt, dabei aber die Privatsph&#228;re immer weiter verdr&#228;ngt und immer mehr Bereich des Privatlebens der wirtschaftlichen Verwertbarkeit zug&#228;nglich macht, man also immer seltener den &#246;konomischen Interessen um einen herum entgehen kann, der hat mit der Aufl&#246;sung von Anonymit&#228;t und Privatsph&#228;re im Internet kein Problem.</p>

<p>Wer kein Problem damit hat, dass Wirtschaft nicht mehr im Dienst der Menschen gedacht, sondern der Mensch nur noch im Dienst der Wirtschaft gesehen wird, indem Computer die Funktionalisierung des Individuums f&#252;r Interessen anderer vorantreiben, den werden das Schwinden der Privatsph&#228;re und der Anonymit&#228;t des Individuums im &#246;ffentlichen Raum nicht sonderlich viel ausmachen.</p>

<p>Wer aber der Meinung ist, dass das Individuum einen Wert an sich hat; wer der Meinung ist, dass der Mensch einen Anspruch auf Privatsph&#228;re hat, in die nicht st&#228;ndig der Staat oder Konzerne Einblick haben – ja, selbst dann, wenn man „nichts zu verbergen“ hat –; wer der Meinung ist, dass auch die Nutzung moderner Medien, wie dem Computer und dem Internet, m&#246;glich sein sollte, ohne dass st&#228;ndig jemand speichert, was wir gerade tun, der d&#252;rfte ein Problem mit dem Schwinden der Privatsph&#228;re und der Umwertung des Begriffs der „Anonymit&#228;t“ zu einem vorwiegend negativ verstandenen Begriff haben.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>„Geordnete Insolvenz“ #Sprachverwirrung</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2011/09/15/geordnete-insolvenz-sprachverwirrung/</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 22:07:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Gespenst geht um in Europa und in der Welt. Und weil es Menschen gibt, die vor Gespenstern Angst haben, m&#252;ssen diese Menschen beruhigt werden. Fr&#252;her hie&#223; das Gespenst schlicht „Staatspleite“. Viele Menschen bef&#252;rchten mit der Pleite eines Staates gro&#223;e &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/15/geordnete-insolvenz-sprachverwirrung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Gespenst geht um in Europa und in der Welt. Und weil es Menschen gibt, die vor Gespenstern Angst haben, m&#252;ssen diese Menschen beruhigt werden.</p>

<p>Fr&#252;her hie&#223; das Gespenst schlicht „Staatspleite“.</p>

<p>Viele Menschen bef&#252;rchten mit der Pleite eines Staates gro&#223;e eigene Schwierigkeiten. Da aber alles halb so schlimm ist, wenn alles seine Ordnung hat, wird nicht mehr von „Staatspleite“ gesprochen. So ein negativ besetztes Wort nimmt ein Politiker nicht in den Mund.</p>

<p>An die Stelle der Pleite ist sowieso schon das sch&#246;n dahinflie&#223;ende, leicht zischelnde „Insolvenz“ getreten.</p>

<p>Dieses Wort stammt aus dem Lateinischen. „Solvere“ hei&#223;t das lateinische Verb,<span id="more-6345"></span> das mit „l&#246;sen“ oder „zahlen“ &#252;bersetzt werden kann. Wird nun die verneinende Vorsilbe „in“ davor gesetzt, hei&#223;t das Wort „nicht zahlen“ oder „nicht l&#246;sen“. „Nicht l&#246;sen“ steht dabei f&#252;r die Unm&#246;glichkeit, sich von Schuldscheinen l&#246;sen zu k&#246;nnen. Wenn man aber Schuldscheine nicht einl&#246;sen kann, braucht man eine L&#246;sung.</p>

<p>Im alten Rom konnte man in dieser Situation schon mal versklavt werden.</p>

<p>Das passiert heute nicht mehr … — Zumindest w&#252;rde es niemand so nennen.</p>

<p>Wenn aber Staaten insolvent sind, dann geht das oft damit einher, dass andere Mitreden (wollen), wenn es um politische Entscheidungen im Land geht.</p>

<p>Es m&#252;ssen weiterhin die Gesetzgeber der L&#228;nder handeln, aber sie bekommen gesagt, was sie tun m&#252;ssen. Wenn sie es nicht tun, bekommen sie keine Hilfe mehr. Dann gehen sie pleite. Aber das geschieht nat&#252;rlich in aller Ordnung. Auch wenn das Volk ungeordnet demonstrieren sollte, geht alles seinen geordneten Gang.</p>

<p>Die, die da dem Land pl&#246;tzlich vor-sagen (vorschreiben), was es zu tun habe, um neue Hilfen zu bekommen, sind in dem Land nicht gew&#228;hlt. &#220;berhaupt haben so gro&#223;e Geldm&#228;chte wie der Internationale W&#228;hrungsfond (IWF) und die Weltbank nicht gerade eine demokratische Legitimation.</p>

<p>Wenn es um die Ordnung geht, obwohl das Chaos nur noch mit M&#252;he im Zaum gehalten werden kann, holt man die Ordnung bzw. den Traum von Ordnung mit der Sprache zur&#252;ck. Um was anderes geht es Politik denn sonst, als darum, st&#228;ndig W&#246;rter zu erfinden, die so tun als ob alles in Ordnung w&#228;re, obwohl vieles nicht in Ordnung ist.</p>

<p>„Geordnete Insolvenz“ wird das Gespenst nun also genannt, das in Europa und der Welt umhergeht. Aber frage mal einen Juristen, was das ist. Ein Jurist wei&#223; darauf keine Antwort. K&#252;rzlich schrieb ich auf Twitter:</p>

<blockquote><address>„Geordnete Insolvenz“ ist ein euphemistischer Begriff f&#252;r etwas, was im V&#246;lker- oder EU-Recht gar nicht vorgesehen ist. #Sprachverwirrung</address></blockquote>

<p>Darauf antwortet Rechtsanwalt <a href="https://twitter.com/rastadler" target="_blank">@RaStadler</a>:</p>

<blockquote><address>„@herrlarbig Ein politischer Begriff, den auch das deutsche Recht nicht kennt”</address></blockquote>

<p>Man spricht also &#252;ber etwas, das es rechtlich gar nicht gibt. Man projiziert eigene W&#252;nsche in einen Begriff, erhofft sich etwas, von dem keiner sagen kann, was es eigentlich ist. Aber geordnet muss es sein. Irgendwie.</p>

<p>Alles muss nun einmal seine Ordnung haben. Ordnung ist das halbe Leben. Geordnete Verh&#228;ltnisse gelten als anst&#228;ndig.</p>

<p>„Geordnete Insolvenz“ ist ein euphemistisches Paradoxon (ein sch&#246;nf&#228;rbender Widerspruch in sich selbst), ein rein politischer Begriff, ohne f&#252;r mich erkennbare juristische Basis, und hat das Zeug zum „Unwort des Jahres“.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>50000+ Zeichner der Petition f&#252;r das Verbot von Vorratsdatenspeicherung #vds</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 13:54:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Der Deutsche Bundestag m&#246;ge beschlie&#223;en, dass die verdachtlose Vorratsdatenspeicherung nicht zul&#228;ssig ist. Dar&#252;ber hinaus m&#246;ge er die Bundesregierung auffordern, sich f&#252;r eine Aufhebung der entsprechenden EU-Richtlinie und f&#252;r ein europaweites Verbot der Vorratsdatenspeicherung einzusetzen.“ So lautet der Inhalt, den &#252;ber &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/14/50000-zeichner-der-petition-fur-das-verbot-von-vorratsdatenspeicherung-vds/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="560" height="345" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/qKySz7eFi3E?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed width="560" height="345" type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/qKySz7eFi3E?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" allowFullScreen="true" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" /></object></p>

<p>„Der Deutsche Bundestag m&#246;ge beschlie&#223;en, dass die verdachtlose Vorratsdatenspeicherung nicht zul&#228;ssig ist. Dar&#252;ber hinaus m&#246;ge er die Bundesregierung auffordern, sich f&#252;r eine Aufhebung der entsprechenden EU-Richtlinie und f&#252;r ein europaweites Verbot der Vorratsdatenspeicherung einzusetzen.“</p>

<p>So lautet der Inhalt, den &#252;ber 50000 B&#252;rgerinnen und B&#252;rger nunmehr mit ihrer digitalen Zeichnung <a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=17143" target="_blank">einer Petition</a> unterst&#252;tzen und bis 6.10.2011 auch noch weiter unterst&#252;tzen k&#246;nnen.</p>

<p>In den vergangenen Tagen war immer wieder zu lesen, dass diese Zahl von 50000 bis heute erreicht sein m&#252;sse, denn dann <em>m&#252;sse</em> sich der Petitionsausschuss mit der Petition befassen. Hinter dieser Aussage steht etwas richtiges und etwas falsches:<span id="more-6326"></span></p>

<p>Der <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a02/Docs/Quorum.pdf" target="_blank">Petitionsausschuss erl&#228;utert hier</a>, was es mit der Zahl 50000 bis drei Wochen nach Ver&#246;ffentlichung der Petition auf sich hat. Dort hei&#223;t es zum Quorum:</p>

<blockquote><address>Die „Zahl von 50.000 Unterst&#252;tzern, hat der Petitionsausschuss im Jahre 2005 zus&#228;tzlich zu dem damals begonnenen Modellversuch &#246;ffentliche (besser: ver&#246;ffentlichte) Petitionen in seine Verfahrensregeln eingef&#252;gt und sich verpflichtet Petitionen, die bei Einreichung bzw. innerhalb von drei Wochen ab Einreichung von mehr als 50.000 Menschen unterst&#252;tzt werden, in einer &#246;ffentlichen Sitzung mit dem Petenten zu er&#246;rtern, es sei denn, dass der Ausschuss mit einer 2/3-Mehrheit etwas anderes beschlie&#223;t.“</address></blockquote>

<address><em>In der Regel</em> kann man wohl davon ausgehen, dass der Petitionsausschuss seiner Selbstverpflichtung folgt, denn 50000+ B&#252;rger und B&#252;rgerinnen ihr Engagement „um die Ohren zu schlagen“ und nicht &#246;ffentlich zum Thema der Petition zu tagen, w&#252;rde nur den Eindruck verst&#228;rken, dass „die Politiker“ sowieso keine Ahnung von der Stimmung im Volk haben – und sich f&#252;r diese auch nicht interessieren.</address>

<address><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Petition" target="_blank">Eine Petition ist ein Ersuchen, eine Art Bittschrift</a>. Die Besch&#228;ftigung mit dem Thema einer Petition im Petitionsausschuss kann h&#246;chstens zu Empfehlungen f&#252;hren, bei Vorschl&#228;gen zu Gesetzen, wie in dem Fall dieser Petition, liegt die Entscheidungsmacht beim Parlament.</address>

<address>Konkret wird in der Petition ein<a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=17143" target="_blank"> Verbot der verdachtlosen Vorratsdatenspeicherung</a> verlangt. Die Bundesregierung zieht sich argumentativ darauf zur&#252;ck, dass sie eine EU-Verordnung umzusetzen habe. Deshalb wird in der Petition auch eine klare Positionierung gegen&#252;ber dieser Richtlinie gefordert.</address>

<address>&#220;ber 50000 B&#252;rgerinnen und B&#252;rger haben diese Petition innerhalb von drei Wochen unterzeichnet. Der Petitionsausschuss wird sich mit diesem Ersuchen aller Voraussicht nach in &#246;ffentlicher Sitzung befassen. – Die Politik wird gleichzeitig weiter in Richtung dessen arbeiten, was<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,786178,00.html" target="_blank"> Sascha Lobo die „vorauseilende Volks&#252;berwachung“ nennt</a>.</address>

<address>Die Pl&#228;ne zur Vorratsdatenspeicherung sind weitreichend, denn es handelt sich dabei um </address>

<blockquote><address>„eine automatisierte Kommunikations&#252;berwachung aller B&#252;rger, zu jeder Zeit, ohne Anlass, ohne jede richterliche Verf&#252;gung. In der Tat gab es eine solche st&#228;ndige Gro&#223;&#252;berwachung in der Bundesrepublik noch nie.“ (<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,786178,00.html" target="_blank">Der Spiegel</a>)</address></blockquote>

<address>Eine solche Kommunikations&#252;berwachung ist nichts, was eine lebendige, freiheitliche Demokratie auszeichnet. Eine solche „automatisierte Kommunikations&#252;berwachung aller B&#252;rger“ ist das Zeichen einer &#228;ngstlichen Demokratie, die dabei ist, ihre Freiheit aus lauter Angst aufzugeben und auf Pr&#228;vention zu setzen. </address>

<address>Wir sind auf dem <a href="http://www.amazon.de/Vom-Rechtsstaat-zum-Pr&#228;ventionsstaat-suhrkamp/dp/3518125435" target="_blank">Weg vom Rechtsstaat in den Pr&#228;ventionstaat</a>, auf dem Weg. Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pr&#228;ventionsstaat" target="_blank">Pr&#228;ventionsstaat</a> aber w&#228;re das Ergebnis einer Politik, die sich Freiheit nicht traut, die der Freiheit der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger misstraut. Und entsprechend misstrauen die B&#252;rger und B&#252;rgerinnen der Politik, was die Zahlen der Nicht- oder Protestw&#228;hler an den R&#228;ndern erh&#246;ht. </address>

<address>Wir m&#252;ssen „mehr Demokratie wagen“ (<a href="http://www.bwbs.de/UserFiles/File/PDF/Regierungserklaerung691028.pdf" target="_blank">Willy Brandt</a>). Wir m&#252;ssen uns emp&#246;ren (<a title="Stéphane Hessel" href="http://www.faz.net/artikel/C30351/stephane-hessels-pamphlet-empoert-euch-30323966.html" target="_blank">Stéphane Hessel</a>).</address>

<address>Wenn ich in meinem Freundeskreis zu h&#246;ren bekomme, dass die Zeichnung einer solchen Petition eh nichts bringe, da die Politik durch das <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,681255,00.html" target="_blank">Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur ersten Fassung des Vorratsdatenspeicherungs-Gesetzes</a> ja gen&#252;gend Spielraum zur Wiedereinf&#252;hrung der Vorratsdatenspeicherung bekommen habe und diesen garantiert auch nutzen werde. </address>

<address>Das Misstrauen gegen&#252;ber der Politik ist an vielen Stellen gro&#223;. Doch nach wie vor ist der Souver&#228;n der Bundesrepublik Deutschland nicht die Gruppe der Politiker sondern das ganze Volk. Entsprechend ist Einfluss m&#246;glich, auch wenn es manchmal schwer scheint. </address>

<address>Ich bin beeindruckt, dass &#252;ber 50000 Menschen in drei Wochen zeigten, dass das Thema Vorratsdatenspeicherung nach wie vor Thema in der Bev&#246;lkerung ist. Dass eine gro&#223;e Zahl von B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern sich gegen etwas ausspricht, was mit einem politischen Schlagwort auch schon „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stasi_2.0" target="_blank">Stasi 2.0</a>“ genannt wurde<em>, </em>l&#228;sst hoffen, dass sich fr&#252;her oder sp&#228;ter die Einsicht durchsetzt, dass ein &#220;berma&#223; an <a title="Wenn Pr&#228;vention Freiheit zerst&#246;rt: Juli Zehs „Corpus Delicti. Ein Prozess“" href="http://herrlarbig.de/2009/05/22/wenn-praevention-freiheit-zerstoert-juli-zehs-corpus-delicti-ein-prozess/" target="_blank">Pr&#228;vention letztlich Freiheit zerst&#246;rt</a> und somit eine der Grundlagen einer <em>freiheitlich</em>-demokratischen Grundordnung in Frage stellen w&#252;rde.</address>

<div><span class="Apple-style-span" style="font-family: verdana, arial, helvetica, geneva, sans-serif; font-size: 14px; line-height: 18px; color: #000000; font-weight: normal;">
</span></div>

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		<title>Strukturen allgemeiner Bildung und das Auswendiglernen von Gedichten</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jan 2011 22:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Deutschen gibt es so sch&#246;ne zusammengesetzte Worte. »Allgemeinbildung« ist ein solches Wort. Mit dem Anspruch, dieses Wort einmal praktisch zu f&#252;llen, twitterte ich vor einigen Tagen: »Welche #Gedichte sollte jeder (also auch Sch&#252;ler) auswendig k&#246;nnen? – Zauberlehrling, Erlk&#246;nig, Lied &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/01/06/strukturen-allgemeiner-bildung-und-das-auswendiglernen-von-gedichten-5/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Deutschen gibt es so sch&#246;ne zusammengesetzte Worte. »Allgemeinbildung« ist ein solches Wort. Mit dem Anspruch, dieses Wort einmal praktisch zu f&#252;llen, twitterte ich vor einigen Tagen: »<a target="_blank" href="http://twitter.com/#!/herrlarbig/statuses/16841531579179008">Welche #Gedichte sollte jeder (also auch Sch&#252;ler) auswendig k&#246;nnen? – Zauberlehrling, Erlk&#246;nig, Lied von der Glocke, An die Nachgeborenen? …</a>«</p>

<p>Wie erwartet, lie&#223; der Protest nicht lange auf sich warten.</p>

<p>Man k&#246;nne auch ohne Gedichte vortragen zu k&#246;nnen ganz gut leben, wurde da gesagt. Das habe keinen lebenspraktischen Nutzen, wurde mir entgegen gehalten. Am heftigsten intervenierte Kollege Drossmann, der dann vorschlug, wir k&#246;nnten zu dem Thema ja mal in Blogeintr&#228;gen unsere Positionen zu dem Thema abstecken. <a target="_blank" href="http://www.drossmann.de/wordpress/2010/12/21/qualitaetscontent-kritik-der-allgemeinbildung-teil-1/">Christian Drossman hat damit schon begonnen</a>; Zeit, meinen Teil zu dieser Absprache beizutragen.<span id="more-5470"></span></p>

<p>Um es gleich zu sagen: das hier ist keine Antwort auf Drossmanns &#220;berlegungen, sondern eine Darstellung der Hintergr&#252;nde, die Allgemeinbildung – f&#252;r mich geh&#246;rt dazu auch Wissen – in meinen Augen zu einer nach wie vor wichtigen Sache machen.</p>

<p>Da allerdings mit »Allgemeinbildung« heute oft lexikalisches Wissen verbunden wird, erlaube ich mir, mich hier einmal selbst zu zitieren. in einer Replik zu Schirrmachers »Payback« <a target="_blank" href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/">schrieb ich</a>:</p>

<blockquote>Das Problem ist ein „Wer-wird-Million&#228;r-”, ein „Trivial Pursuit-“, ein „Enzyklop&#228;die-Problem“. Das „Bescheid-Wissen“ wird an die Stelle des aktiven Suchens und Zweifeln gesetzt.</blockquote>

<p>Gehe ich mir selbst in die Falle, wenn ich vor diesem Hintergrund behaupte, dass das Erlernen von Gedichten eine Bildungsfunktion habe? Ist das nicht eine Form des »Bescheid-Wissens«, das ich vor nicht allzu langer Zeit kritisiert habe?</p>

<p>Ich halte mich f&#252;r lernf&#228;hig, beobachte immer wieder, wie sich mein Denken und die daraus folgende Praxis ver&#228;ndern. Ich weigere mich, mich auf Positionen festlegen zu lassen, die immer nur eine Station in dem f&#252;r mich hoffentlich nie abgeschlossenem Prozess der Praxisreflexion widerspiegeln, sehe ich mich doch als reflektierenden Praktiker. Die Fragen in der Praxis ver&#228;ndern sich, kehren in unterschiedlicher Gestalt wieder etc.</p>

<p>Das gilt auch f&#252;r die Frage, wie Bildungsprozesse aussehen k&#246;nnen, damit sie gelingen. Damit eng verbunden ist f&#252;r mich die Frage, was unter Bildung und damit unter Allgemeinbildung verstanden werden kann. Diese Frage h&#228;ngt stark mit dem jeweils vertretenen Menschenbild zusammen. Ein solches Bild vom Menschen ist, grob gesprochen, in der Diskussion der vergangenen mindestens zweihundert Jahre in zwei Formen, mit sehr vielen Zwischenformen, aufgetreten.</p>

<p>Auf der einen Seite steht das materialistisch-mechanistische Menschenbild, das vor allem nach der Funktion fragt, die ein Mensch in der Praxis einer Gesellschaft haben soll.</p>

<p>Auf der anderen Seite steht das idealistisch-humanistische Menschenbild, das die Frage nicht aufgeben mag, was es mit dem »Wesen des Menschen«, der »Humanitas« auf sich hat.</p>

<p>In heutigen Bgeriffen zusammengefasst: Es geht um die Frage des Verh&#228;ltnisses von &#246;konomischer Verwertbarkeit und des Eigenwerts des Menschen. Anders ausgedr&#252;ckt: Inwiefern ist der Mensch Tier in einem von animalischen Instinkten getriebenen Rudel und inwiefern ist der Mensch Individuum mit einem eigenen, von keinen »lebenspraktischen« Zwecken &#252;berbaubarem Zweck.</p>

<p>In der Bildungsdiskussion spiegelt sich dieser Unterschied der Menschenbilder in der Frage wider, welchen Anteil &#246;konomisch verwertbare, praktische F&#228;higkeiten in schulischen Abschlussprofilen gegen&#252;ber eher reflexiv theoretischen Anteilen haben sollen. Ist es wichtiger, dass ein Mensch mit Textverarbeitungsprogrammen, Tabellenkalkulationen etc. umgehen kann, wenn er die Schule verl&#228;sst oder ist es wichtiger, dass ein Mensch wissensbasierte Reflexionsf&#228;higkeit erworben hat?</p>

<p>Ohne Wissen geht es in beiden F&#228;llen nicht. Die Frage geht in die Richtung, ob es wichtiger ist, praktisch direkt verwertbares Wissen oder reflexive Prozesse erm&#246;glichendes Wissen in den Vordergrund zu stellen.</p>

<p>Wenn ich es richtig sehe, versucht die gegenw&#228;rtige schulische Wirklichkeit einen Ausgleich zwischen beiden Seiten der Diskussion zu verwirklichen, die diese beiden Seiten manchmal als sich nahezu ausschlie&#223;ende Gegens&#228;tze darzustellen scheint, obwohl sie zusammen geh&#246;ren und entsprechend zu denken und praktisch umzusetzen sind.</p>

<p>Und damit bin ich bei dem am Anfang dieses Beitrages bereits genannten Begriff der »Allgemeinbildung«, die ich 1. nicht als eine Form des »Bescheid-Wissens« sehe und 2. nicht f&#252;r ein Instrument zur Aufrechterhaltung sozialer Unterschiede oder gar elit&#228;rer Inselbildungen halte. Kurz: Allgemeinbildung ist in meiner Perspektive keine Form des »Herrschaftswissens«, mit dem in »elit&#228;ren« Zirkeln geprahlt werden kann oder mit dem man – mit etwas Gl&#252;ck und guten Nerven – in einer Sendung wie »Wer wird Million&#228;r« viel Geld gewinnen kann.</p>

<p>Wie so oft: Es geht um die Frage, welche Bedeutung man den Begriffen zuordnet, die in einer Diskussion verwendet werden. Deshalb hier ein paar Definitionsversuche:</p>

<blockquote>»Bildung
Der Weg oder auch Prozess, in dem der Mensch seine geistig-seelische Gestalt gewinnt. Heute versteht man unter Bildung vor allem auch das Allgemeinwissen, &#252;ber das ein Mensch verf&#252;gt« (<a target="_blank" href="http://www.fluter.de/look/issues/issue13/bildung.htm">Quelle: Fluter</a>)</blockquote>

<blockquote>»Bildung (von ahd. bildunga: Sch&#246;pfung; Bildnis, Gestalt) bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“, seine geistigen F&#228;higkeiten.« (Quelle: (<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung">Wikipedia</a></blockquote>

<p>Diese Definitionen gehen weit &#252;ber die Frage nach der »lebenspraktischen Verwertbarkeit« hinaus, wie sie Christian Drossmann in die Diskussion eingeworfen hat.</p>

<p>Mechanistisch gesprochen geht es darum, m&#246;glichst viele Synapsenverbindungen zu entwickeln, die es dem Individuum erm&#246;glichen, seine M&#246;glichkeiten des Denkens in unterschiedlichen Zusammenh&#228;ngen so weit zu nutzen, wie es im Idealfall m&#246;glich ist.</p>

<p>Neben diesen strukturellen Aufgaben hat Bildung aber auch die Aufgabe, all das Wissen zu vermitteln, das es nicht notwendig macht, in jeder Generation aufs Neue das Auto zu erfinden, den elektrischen Strom nutzen zu lernen oder in sonstigen Bereichen bei Null anzufangen.</p>

<p>Faktenwissen ist in diesem Zusammenhang alles andere als sekund&#228;r.</p>

<p>Faktenwissen spielt auch bei rein lebenspraktisch orientierten Lehrenden eine wichtige Rolle, vielleicht sogar eine noch gr&#246;&#223;ere Rolle als bei Lehrenden, die Wert auf Metaf&#228;higkeiten legen, auf F&#228;higkeiten, die nicht nur praktische Handlungsoptionen schaffen, sonder gleichzeitig auch die F&#228;higkeiten zur Reflexion des (eigenen / gesellschaftlichen) Handelns.</p>

<p>Bildung ist der Weg, auf dem das Individuum seine Gestalt gewinnt. Bildung ist der Prozess der Entwicklung der eigenen Pers&#246;nlichkeit, der Person. – Es geht um die Frage, was durch einen Menschen hindurch klingt (per sonare). Die unterschiedlichen Positionen gegen&#252;ber den Wegen und Zielen von Bildung sind letztlich unterschiedliche Positionen in Sachen Menschenbild.</p>

<p>Nat&#252;rlich, das stelle ich gar nicht in Frage: Schulische Bildung hat (auch) das Ziel, junge Menschen in die Lage zu versetzen, einen Ausbildungsberuf oder ein zum Beruf f&#252;hrendes Studium ausf&#252;llen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus aber geht es Bildung, so wie ich sie verstehe, auch darum, jungen Menschen mit reflexiven Strukturen vertraut zu machen, die sie in die Lage versetzen, reflexiv mit sich selbst und der (beruflichen) Wirklichkeit umzugehen, was einen enormen Praxisnutzen hat.</p>

<p>Wir bereiten heute in Schulen und Hochschulen Menschen auf eine Gesellschaft und auf Herausforderungen vor, von denen wir nicht einmal wissen, dass sie auf zu kommen werden.</p>

<p>Bildung muss in die Lage versetzen, auf Fragen Antworten zu finden, von denen wir heute noch gar nicht wissen, dass sie als Fragen auftauchen werden. Das bedeutet, dass die Entwicklung der F&#228;higkeit zur (auf Wissen aufbauenden) Reflexion zu den Kernbestandteilen von Schule, Ausbildung und Studium geh&#246;ren muss.</p>

<p>Neben der Erm&#246;glichung, dass sich in Bildungsprozessen Individuen entwickeln k&#246;nnen, steht nach wie vor die Frage nach der »Allgemeinbildung« im Raum. Au&#223;erdem habe ich die Frage noch nicht beantwortet, welche Rolle das Erlernen von Gedichten f&#252;r den Vortrag ohne Blick auf die geschriebene Vorlage f&#252;r einen solchen Bildungsprozess spielen kann.</p>

<p>Prim&#228;res Ziel beim (Auswendig)Lernen mag die Aneignung von Fakten sein, zu denen nicht nur geschichtliche Daten (Daten=Gegebenheiten), Formeln (die man freilich auch in Formelsammlungen nachschlagen kann), Vokabeln und Grammatikkenntnisse im Bereich der Mutter- und Fremdsprachen, Kenntnisse biologischer, chemischer, physikalischer Fakten und Modelle geh&#246;ren, sondern auch Kenntnisse der geistesgeschichtlichen Entwicklungen, wie sie sich beispielsweise in der Literatur und damit auch in Gedichten widerspiegeln.</p>

<p>All dieses Wissen kann man nachschlagen. Das mag dann l&#228;nger dauern, aber mit der Zeit muss man das Wissen, das man lebenspraktisch regelm&#228;&#223;ig ben&#246;tigt, nicht mehr nachschlagen, da es in den Strukturen des Ged&#228;chtnisses verankert ist; die Synapsenverbindungen sind stark genug, um das Wissen ohne Nachschlagen abrufen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Um diese Art des »Bescheid-Wissens« geht es mir, bei allem Beharren darauf, das Faktenwissen zumindest nicht unwichtig ist, aber nicht, wenn ich dar&#252;ber nachdenke, inwiefern Allgemeinbildung auch &#252;ber das Erlernen von Gedichten (und anderer Texte) erworben werden kann. Es geht weniger um das Heranf&#252;hren junger Menschen an pseudointellektuelle Abendgesellschaften, in denen man mit kulturellen F&#228;higkeiten prahlt, indem man Klavier spielt, Gedichte vortr&#228;gt, Name-Dropping betreibt, als vielmehr um die Frage, wie Pers&#246;nlichkeitsbildungprozesse gestaltet werden k&#246;nnen. Mechanistisch gesprochen verankern sich Pers&#246;nlichkeitsmerkmale in der Struktur von Synapsen und deren Verbindungen miteinander.</p>

<p>Diese Synapsenverbindungen m&#252;ssen trainiert werden, es m&#252;ssen (von konstruktivistischer P&#228;dagogik her betrachtet) Anschlussm&#246;glichkeiten an vorhandene Strukturen m&#246;gliche werden, es muss auf eine m&#246;glichst gro&#223;e Eigent&#228;tigkeit der Lernenden geachtet werden.</p>

<p>So, wie Sportler Bewegungsabl&#228;ufe im Training erlernen (quasi in der praktischen Anwendung auswendig lernen), so wie Musiker in Et&#252;den und Tonleiter&#252;bungen Ihre F&#228;higkeiten trainieren und erweitern, so gilt es auch, sprachliche F&#228;higkeiten zu erlernen, zu trainieren und flexibel in sprachlichen Kontexten anwenden zu k&#246;nnen: Texte m&#252;ssen sinnerfassend gelesen werden, Texte m&#252;ssen im Alltag, in der Ausbildung und im Studium erstellt werden – und zu allem &#220;berfluss findet ein gro&#223;er Teil der Wirklchkeitswahrnehmung und -reflexion in sprachlichen Mustern statt.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird nicht erwartet, dass im Alltag literarisch geschrieben wird und auch Gedichte spielen im Alltag oft nur noch eine Rolle, wenn f&#252;r Jubil&#228;en, runde Geburtstage etc. »gereimte« Texte oder Umdichtungen bekannter Lieder vorgenommen werden. Aber die sprachlichen Muster, die in Gedichten (und anderen [literarischen] Texten) entdeckt werden k&#246;nnen, der Wortschatz, der mit ihrer Hilfe erworben werde kann, geh&#246;ren in meinen Augen zu allgemein anzustrebenden F&#228;higkeiten und somit zur Allgemeinbildung, wie sie hier verstanden wird.</p>

<p>Ja. es ist richtig: Sprachliche F&#228;higkeiten sind oft Teil dessen, was zum »Herrschaftswissen« geh&#246;rt. H&#228;ufig werden Kenntnisse, wie sie hier reflektiert werden, mit Elitbegriffen verbunden. Wenn ich sie dennoch der Allgemeinbildung zuordne, dann deshalb, weil eine freiheitliche Demokratie auch davon lebt, dass Strukturen, die Teil des »Herrschaftswissens« sind, einem m&#246;glichst gro&#223;en Teil des Souver&#228;ns verf&#252;gbar sind.</p>

<p>Sp&#228;testens an dieser Stelle mag man mich einen unverbesserlichen Bildungsidealisten nennen. Man mag mir vorwerfen, ein praktisch nicht umsetzbares Bildungsideal zu verfolgen. Man mag sogar anmerken, dass hier ein rein bildungsb&#252;rgerliches, elit&#228;r ausgerichtetes Bild entworfen wird, v&#246;llig unabh&#228;ngig davon, dass ich noch so oft betonen kann, wie ich will, dass genau dies nicht das Ziel ist.</p>

<p>Was man aber nicht bestreiten kann ist, dass viele Probleme, die in den vergangenen Jahren im Bildungssystem diagnostiziert wurden, Probleme sind, die auch und vielleicht sogar zentral mit sprachlichen Problemen (Lesef&#228;higkeit, F&#228;higkeit zum den Sinn erfassendem Lesen, Probleme beim regelgerechten Schreiben etc.) verbunden sind.</p>

<p>Und entsprechend geht es bei der von mir auf Twitter kurz und undifferenziert angerissenen Frage nach den Erlernen von (bestimmten) Gedichten nicht um das stupide Auswendiglernen, von denen heutige Gro&#223;elterngenerationen berichten k&#246;nnen, sondern idealerweise um ein Lernen von Gedichten im Prozess des Nachvollziehens und Verstehens dieser Gedichte.</p>

<p>In diesem Rahmen kann dann die Frage gestellt werden, ob es bestimmte Gedichte gibt, an denen sprachliche, geistesgeschichtliche, formale (sprachstrukturelle, rhetorische Srukturen der Nutzung von Sprache) und auch k&#252;nstlerische (&#228;sthetische) F&#228;higkeiten erworben werden k&#246;nnen, die durchaus handlungsrelevant sind, selbst wenn man kein Dichter wird.</p>

<p>Gedichte zu lernen, ich kann mir &#252;brigens auch vorstellen, dass ebenso andere Texte bzw. Textausschnitte im Prozess des Nachvollziehens und Verstehens gelernt werden k&#246;nnen, hat dann nicht das Ziel, dass bestimmte Gedichte bescheidwissend erlernt werden, sondern das Ziel, dass die Kenntnis der Texte, das »Auswendiglernen«, ein Nebeneffekt der Ausbildung solcher Verstehensstrukturen und -f&#228;higkeiten ist, die es dann erm&#246;glichen, mit Texten ganz anderer Art verstehend umzugehen, wie sie im Alltag fast jeder Ausbildung und jeden Berufes begegnen.</p>

<p>Die Bedeutung solcher Sprachf&#228;higkeiten in Form ausgebildeter Synapsenstrkturen in Gehirnen f&#252;r Prozesse politischer Teilhabe habe ich schon erw&#228;hnt. Bleibt zum Schluss noch die Bemerkung, dass ein solches Lernen auch die F&#228;higkeiten des Ged&#228;chtnisses trainiert. Und trotz all der verf&#252;gbaren Wissensbest&#228;nde im Internet ist eine gute Ged&#228;chtnisleistung auch heute noch unmittelbar lebenspraktisch relevant. Das aber nur am Rande…</p>

<p><br /><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Aus aktuellem Anlass (und &#252;ber diesen hinaus…): »Stuttgart 21«, das Recht, die Moral und die Politik</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2010/10/01/aus-aktuellem-anlass-und-ueber-diesen-hinaus-stuttgart-21-das-recht-die-moral-und-die-politik/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 17:14:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik/Zeitgeschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag enth&#228;lt, wie auch andere Beitr&#228;ge dieses Blogs, subjektive Meinungen und pers&#246;nliche, aber hoffentlich zumindest argumentativ nachvollziehbare, Einsch&#228;tzungen. Bitte hinterfragen Sie diese und beziehen Sie weitere Informationen aus anderen Quellen. – Und bevor Sie zu einer Einsch&#228;tzung dieses Beitrages &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/10/01/aus-aktuellem-anlass-und-ueber-diesen-hinaus-stuttgart-21-das-recht-die-moral-und-die-politik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><i>Dieser Beitrag enth&#228;lt, wie auch andere Beitr&#228;ge dieses Blogs, subjektive Meinungen und pers&#246;nliche, aber hoffentlich zumindest argumentativ nachvollziehbare, Einsch&#228;tzungen. Bitte hinterfragen Sie diese und beziehen Sie weitere Informationen aus anderen Quellen</i>. <i>– Und bevor Sie zu einer Einsch&#228;tzung dieses Beitrages kommen, lesen Sie ihn bitte ganz, auch wenn das aufgrund seiner L&#228;nge eine gewisse Herausforderung ist <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </i><br /><br />Ein paar rein subjektive &#220;berlegungen, die zwar einen konkreten Anlass haben, aber als &#220;berlegungen hoffentlich grunds&#228;tzlicherer Art sind.<br /></p>

<ol><li>Demokratische getroffene Entscheidungen gelten und haben den Anspruch, auch durchgesetzt zu werden. Das ist eine der Grundlagen einer funktionierenden Demokratie.</li><li>Blockaden sind rechtswidrig. Ist der Einsatz von Wasserwerfern, Reizgas und Pfefferspray ein angemessenes Mittel, einen solche Blockade aufzul&#246;sen und dabei die Gef&#228;hrdung von Demonstranten an Leib und Leben in Kauf zu nehmen?</li></ol>

<p>zu 1.) Wenn ich zu einer Abstimmung gebeten werden, schaue ich mir zun&#228;chst an, wor&#252;ber ich da abstimme. Wenn ich zustimme, dann aber feststelle, dass sich die Voraussetzungen, unter denen ich zugestimmt habe, bis zur Umsetzung des Beschlusses ver&#228;ndert haben, stellt sich die Frage, ob das, was nun umgesetzt wird, noch das ist, dem ich zugestimmt habe. <br /><br />Beschlie&#223;t beispielsweise ein Vereinsgremium ein Projekt, das 100 Euro kosten soll und es stellt sich dann heraus, dass das Projekt in Wirklichkeit 200 Euro kostet, so ist es nur schwer zu vermitteln, wenn man sagt, man habe das Projekt ja beschlossen und dieser Beschluss gelte auch dann noch, wenn sich die (finanziellen) Voraussetzungen massiv ver&#228;ndern, die Teil der Beschlussvorlage waren und &#252;berall kommuniziert wurden.<br /><br />Anders ausgedr&#252;ckt: Was passiert eigentlich, wenn demokratisch gefasste Beschl&#252;sse von finanziellen Gegebenheiten ausgehen, die sich dann nach und nach st&#228;ndig erh&#246;hen? Liegt da nicht der Verdacht nahe, dass f&#252;r die Beschlussvorlage ein bewusst niedriger Betrag ausgewiesen wurde – und dann davon ausgegangen wird, dass die Mehrkosten schon getragen werden, das Projekt ist ja demokratisch beschlossen… <br /><br />Mich irritiert schon seit Jahren, dass bei &#246;ffentlichen Bauprojekten in vielen F&#228;llen urspr&#252;nglich genannte Kosten im Endeffekt Makulatur werden und faktische Kosten oft deutlich h&#246;her sind. Zugegeben: Ich habe keine Ahnung, woran das liegt, vielleicht gibt es ja eine v&#246;llig von »Verschw&#246;rungstheorien« freie Erkl&#228;rung, ich gebe hier nur einen subjektiven Eindruck wieder, aus dem sich die Frage ableitet, wie lange ein Beschluss f&#252;r sich Geltung in Anspruch nehmen kann, wenn die Voraussetzungen, unter denen er einst getroffen wurde, sich deutlich ver&#228;ndert haben.<br /><br />Wenn es um Milliardenbetr&#228;ge geht und die Mehrkosten auch im Milliardenbereich liegen, stellt sich diese Frage in erh&#246;htem Ma&#223;e.<br /><br />Wenn in einer solchen Situation Menschen auf die Stra&#223;e gehen und sich gegen ein solches Projekt friedlich (wenn auch in Form von Sitzblockaden rechtswidrig) zur Wehr setzen, ist es, so sich die Bedingungen ver&#228;ndert haben, unter denen das Projekt beschlossen wurde, dann noch redlich, auf die demokratische Beschlusslage zu verweisen, die z. B. unter ganz anderen finanziellen Annahmen getroffen wurde? <br /><br />Das ist eine echte Frage. Vielleicht gibt es unter den Lesern und Leserinnen dieses Beitrages ja kompetente Personen, die dazu etwas sagen k&#246;nnen.<br /><br />zu 2.) Blockadeaktionen gelten <a target="_blank" href="http://www.lto.de/de/html/nachrichten/1334/Stuttgart-21-Zwischen-friedlichem-Protest-und-strafbarer-Noetigung/">nicht als Teil des Rechtes auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit</a>. Sie werden als Selbstvollzug angesehen und unterlaufen somit bspw. das Baurecht Dritter, wenn dieses auf den &#252;blichen rechtsstaatlichen Wegen erteilt wurde. Entsprechend hat der Rechtsstaat ein erteiltes Recht zu sch&#252;tzen und dessen Umsetzung zu erm&#246;glichen. Im oben verlinkten Artikel von Alfred Scheidler wird in diesem Zusammenhang davon gesprochen, dass das Friedlichkeitsgebot durch gezielte Aktionen gegen z. B. Bauarbeiten verletzt werde. Anders ausgedr&#252;ckt: Diese Wortwahl scheint darauf hinzuweisen, dass solche Blockaden und gezielte Aktionen gegen Bauarbeiten als »Gewalt« angesehen werden. <br /><br />Dass die Polizei regelm&#228;&#223;ig bei Blockaden im Rahmen von Demonstrationen gegen diese vorgeht, ist also legitim. Es ist auch legitim, dass Polizisten Ma&#223;nahmen zu ihrem Eigenschutz vornehmen. <br /><br />Einzig in Frage steht, welche Mittel angemessen sind, um rechtsstaatlich und demokratisch legitimierte Ma&#223;nahmen durchzusetzen. Die Frage ist schnell beantwortet, wenn bei Demonstrationen direkte Gewalt gegen Personen oder Sachen auftritt. Brennende Blockade, wie in Berlin regelm&#228;&#223;ig bei sogenannten Mai-Demonstrationen, fallen unter diese Kategorie; werden Polizisten direkt angegriffen, sodass Gefahr f&#252;r deren Leib und Leben besteht, haben diese das Recht auf Eigenschutz, auch wenn dabei Demonstrationsteilnehmer durch den Einsatz von Reiszgas, Pfefferspray, Wasserwerfern oder Schlagst&#246;cken verletzt werden.<br /><br />Und nat&#252;rlich kann man sagen, dass Polizisten, die dazu auffordern, eine Blockade zu beenden, diese auch unter Einsatz direkter Mittel aufl&#246;sen k&#246;nnen, wenn der Aufforderung nicht nachgekommen wird.<br /><br />Intuitiv hei&#223;t das f&#252;r mich: Wenn da Menschen sitzen, die da nicht sitzen d&#252;rfen, dann trage man sie eben weg. Und wenn da so viele Menschen sitzen, die da nicht sitzen d&#252;rfen, dass das Wegtragen eines jeden Einzelnen kaum zu bew&#228;ltigen ist, dann mag es rechtlich gesch&#252;tzt sein, dass z. B. Fl&#228;chen mit Hilfe von Wasserwerfern »ger&#228;umt« werden, aber sp&#228;testens hier kommt die moralische Frage ins Spiel, die Frage des Ermessens und der Angemessenheit.<br /><br /><a target="_blank" href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-10/stuttgart21-protest-merkel-rech">Entlang dieser Frage scheiden sich angesichts des Polizeieinsatzes zur Absicherung der Bauma&#223;nahmen im Rahmen des Projektes »Stuttgart 21« am 30. September 2010 die Geister</a>. <br /><br />&#220;ber Wochen fanden Demonstrationen statt, &#252;ber Wochen wurde deren friedlicher Charakter betont. Und die gleichen Demonstranten, die &#252;ber Wochen friedlich, aber energisch demonstrierten, sollen nun pl&#246;tzlich gewaltt&#228;tig geworden sein? Sicher, die Stimmung in Stuttgart scheint, so meine Wahrnehmung aus der Distanz, aufgeheizt, emotional geladen zu sein, gleichzeitig aber hatte ich bei den Bildern aus Stuttgart an diesem Donnerstag das st&#228;ndige Gef&#252;hl, dass die Angemessenheit der Mittel, die von der Polizei eingesetzt wurden, f&#252;r mich alles andere als nachvollziehbar erschien. Ist es angemessen, gro&#223;e Zahlen an Verletzten in Kauf zu nehmen, um ein Baurecht durchzusetzen, solange die Demonstranten keine direkte Gewalt einsetzen?<br /><br />Dass nun davon gesprochen wird, dass die Demonstrationen gewaltt&#228;tig verlaufen seien, kann ich, von meiner Wahrnehmung aus der Distanz heraus, nur darauf zur&#252;ckf&#252;hren, dass der Gewaltbegriff direkt mit Sitzblockaden, dem Bauen von Baumh&#252;tten etc. verbunden wird. Es findet sprachlich eine Wertung der Aktionen der Demonstranten statt, die in der &#214;ffentlichkeit in der Regel mit konkreter k&#246;rperlicher Gewalt oder mit konkreter Gewalt gegen Sachen verbunden wird (Steine werfen, Autos anz&#252;nden, Fensterscheiben einwerfen etc.), kaum aber damit, dass sich Menschen auf Zufahrtswege zu einer Baustelle setzen, ohne dass z. B. Baufahrzeuge zerst&#246;rt werden.<br /><br />Ist es moralisch legitim, Menschen einer Gef&#228;hrdung von Leib und Leben auszusetzen, die kein Leib und Leben gef&#228;hrden? Das ist die <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik">ethische</a> Frage, die sich f&#252;r mich nach den Bildern stellt, die mich online aus Stuttgart erreicht haben. Und diese Frage stellt sich immer, wenn Menschen sich gegen Situationen wehren, die in ihren Augen nicht akzeptabel sind. Schon <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mohandas_Karamchand_Gandhi">Gandhi</a> setzte auf Mittel, die zwar nach der Gesetzgebung nicht rechtens waren, erreichte aber durch die radikale Friedlichkeit seiner Aktionen eine weltweite moralische Anerkennung, die den Einsatz von Gewalt gegen die Demonstranten rund um Gandhi zu einer moralischen und dann auch politischen Niederlage f&#252;r die britische Kolonialregierung machte, sodass diese sich am Ende aus Indien zur&#252;ckziehen musste.<br /><br />Das bedeutet nat&#252;rlich nicht, dass rechtswidrige Mittel in irgendeiner Form gut gehei&#223;en werden sollen, sondern dient alleine einer analytischen Beschreibung der Situation, wie ich sie wahrnehme, denn genau in diese Falle der Frage nach moralischer Legitimation tritt eine Politik, die sich, bei aller demokratischen Legitimation, solcher Mittel bedient, die von vielen B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern als unangemessene Reaktionsweisen angesehen werden, die rechtlich abgesichert sind, aber durchaus als moralisch bedenklich angesehen werden k&#246;nnen. <br /><br />Neben der rechtlichen Legitimit&#228;t der Ereignisse in Stuttgart steht also die Frage nach der moralisch-ethischen Legitimit&#228;t. Diese Frage wird insbesondere dann aufgeworfen, wenn im Rahmen von Polizeima&#223;nahmen Jugendliche oder Senioren zu Schaden kommen, denen man nun wirklich kein sonderlich gro&#223;es Gewaltpotential unterstellen kann. Es ist die Macht der Bilder, der sich die Exekutive dann pl&#246;tzlich erwehren muss und dabei auf die Entscheidungen der Legislative und Judikative verweist.<br /><br />Rechtlich geht in Stuttgart wohl alles mit rechten Dingen zu; zumindest gehe ich davon aus. <i>(Mittlerweile, am 2.10.2010, gibt es <a target="_blank" href="http://www.stern.de/politik/deutschland/stuttgart-21-war-das-abholzen-illegal-1609749.html">Hinweise, dass ich davon zu unrecht ausgegangen bin</a>.)</i>  Und gerade aus diesem Grund sind die jetzigen Proteste, die von Menschen getragen werden, die nicht gerade unter der Kategorie »Berufsdemonstranten« eingeteilt werden k&#246;nnen, weit &#252;ber Stuttgart hinaus interessant.<br /><br />Die Zusammensetzung der Demonstranten in Stuttgart scheint mir auf ein Ph&#228;nomen zur&#252;ckzuf&#252;hren zu sein, dass im allgemeinen Sprachgebrauch mit »Politik-« oder »Politikerverdrossenheit« verbunden ist und in den Kern des Demokratieverst&#228;ndnisses hinein zu reichen scheint. <br /><br />Sicher: Eine repr&#228;sentative Demokratie, wie wir sie in Deutschland haben, lebt davon, dass Entscheidungen in Parlamenten getroffen werden. Anders w&#228;ren notwendige, aber unpopul&#228;re Entscheidungen nicht m&#246;glich. Mehr und mehr B&#252;rgerinnen und B&#252;rger scheinen aber den Eindruck zu haben, dass Entscheidungen nicht nur in einem gew&#228;hlten, repr&#228;sentativen Gremium getroffen werden, sondern dass diese Gremien ihre Entscheidungen nicht mehr nachvollziehbar vermitteln k&#246;nnen, sodass bei B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern der Eindruck eines »&#252;ber die K&#246;pfe hinweg Regierens« entsteht oder gar der Eindruck, dass Politik bestimmte Interessengruppen st&#228;rker »bedient« als andere.<br /><br />Anders ausgedr&#252;ckt: Die Glaubw&#252;rdigkeit der Politik wird in Frage gestellt. So ist es meiner pers&#246;nlichen Meinung nach kein Zufall, dass im Rahmen der Proteste gegen »Stuttgart 21« immer wieder darauf hingewiesen wird, dass zwar ein demokratisch legitimierter Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft in Frage gestellt werde, gleichzeitig aber gesagt werde, dass ein demokratisch legitimierter Beschluss zum Projekt »Stuttgart 21« unter ver&#228;nderten Bedingungen (z. B. <a target="_blank" href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1038307">deutlich steigernder Kosten</a>) nicht ver&#228;ndert werden k&#246;nne. Es entsteht der Eindruck, dass Behauptungen nach Interessenlagen aufgestellt werden, selbst dann, wenn der Eindruck entsteht, dass in &#228;hnlichen Situationen sich einander widersprechende Behauptungen aufgestellt werden. <br /><br />Wenn dann das Argument der demokratischen Legitimation auch im Rahmen von Polizeiaktionen auftaucht, die rechtlich legitim sind, aber von vielen B&#252;rgerinnen und B&#252;rger auf moralisch-ethischer Ebene nicht nachvollzogen werden k&#246;nnen, entsteht ein massiver Schaden f&#252;r die ethisch-moralische Glaubw&#252;rdigkeit der Politik und somit auch f&#252;r die Demokratie. Wenn das Recht moralisch-ethische Geltungsanspr&#252;che einb&#252;&#223;t, weil Mittel eingesetzt werden, die zumindest als unangemessen wahrgenommen werden k&#246;nnen, wenn die Politik an Glaubw&#252;rdigkeit verliert, weil Entscheidungen getroffen werden, die zumindest den Eindruck erwecken k&#246;nnen, sie zielten auf einzelne Interessengruppen ab (Senkung der Mehrwertsteuer f&#252;r Hotel&#252;bernachtungen und dann kommt heraus, dass die diese Entscheidung vorantreibende Kraft entsprechende <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,672756,00.html">Parteispenden aus dem Hotelgewerbe</a> bekommen hat; Verl&#228;ngerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken entgegen einem demokratisch legitimierten Beschluss etc.), dann entsteht ein massiver Schaden f&#252;r die Glaubw&#252;rdigkeit der Politik und somit auch f&#252;r die Demokratie.<br /><br />In Stuttgart geben B&#252;rgerinnen und B&#252;rger, die sich noch vor kurzem nie h&#228;tten vorstellen k&#246;nnen, an Demonstrationen teilzunehmen, diesem Gef&#252;hl, dass &#252;ber ihre K&#246;pfe hinweg regiert wird, Ausdruck. Und deshalb ist das, was zur Zeit in Stuttgart und Baden-W&#252;rttemberg und mehr und mehr auch dar&#252;ber hinaus, die Gem&#252;ter erhitzt, das Land spaltet und den Eindruck entstehen l&#228;sst, die B&#252;rgerinnen und B&#252;rger w&#252;rden den n&#228;chsten Landtagswahltermin in Baden-W&#252;rttemberg im Jahr 2011 herbeisehnen, um von ihrem demokratischen Recht als Souver&#228;n Gebrauch machen zu k&#246;nnen, von Bedeutung – &#252;ber den konkreten Anlass hinaus.<br /><br /><br /></p>

<blockquote>Ein lohnender <br /><a target="_blank" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/10/01/dlf_20101001_1905_a14ce7de.mp3">Kommentar im Deutschlandfunk</a>, der mir zeigt, dass meine Gedanken gar nicht so abwegig sind, sondern dass es tats&#228;chlich um mehr als um einen Bahnhof geht…</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Kommentar zur Wahl des 10. Bundespr&#228;sidenten</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 19:59:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Bundespr&#228;sidenten. Christian Wulff ist, das sagen Vertreter und Verterinnen vieler Parteien, eine durchaus f&#252;r das Amt geeignete Pers&#246;nlichkeit. Er wird etwas Neues ins Schloss Bellevue bringen: Wulff ist mit 51 Jahren der j&#252;ngste Pr&#228;sident, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/06/30/kommentar-zur-wahl-des-10-bundespraesidenten/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Bundespr&#228;sidenten.</p>

<p>Christian Wulff ist, das sagen Vertreter und Verterinnen vieler Parteien, eine durchaus f&#252;r das Amt geeignete Pers&#246;nlichkeit. Er wird etwas Neues ins Schloss Bellevue bringen: Wulff ist mit 51 Jahren der j&#252;ngste Pr&#228;sident, den Deutschland bislang hatte und er ist meines Wissens der erste Pr&#228;sident, der mit einem zweij&#228;hrigen Kind Leben in den Sitz des Bundespr&#228;sidenten bringen wird.</p>

<p>Doch seine Wahl ist mehr als die Neuvergabe des protokollarisch h&#246;chsten, aber mit relativ wenig Macht ausgestatteten Amtes, das die Bundesrepublik zu vergeben hat, denn die Bundesversammlung zur Wahl des 10. Bundespr&#228;sidenten hat die politischen Zust&#228;nde in Deutschland auf den Punkt gebracht und so sichtbar gemacht.</p>

<p>Den Spitzenkr&#228;ften der CDU/CSU-FDP-Koalition ist es in den ersten zwei Wahlg&#228;ngen nicht gelungen, die eigentlich vorhandene absolute Mehrheit ihrer Wahlm&#228;nner und Wahlfrauen f&#252;r den eigenen Kandidaten zu bekommen.</p>

<p>Und auch im dritten Wahlgang gab es weiter Verweigerer in den Reihen von CDU/CSU und FDP.</p>

<p>So wurde die mittlerweile kein Geheimnis mehr darstellende Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik dieser Koalition in den eigenen Reihen offen sichtbar.</p>

<p>Bundeskanzlerin Merkel h&#228;tte dies vermeiden k&#246;nnen, h&#228;tte sie nicht als Parteipolitikerin sondern als Staatsfrau die notwendig gewordene Neuwahl des Bundespr&#228;sidenten organsiert und einen Kandidaten gesucht, der von CDU/CSU, FDP, SPD und auch Gr&#252;nen h&#228;tte getragen werden k&#246;nnen. Die Begr&#252;ndung w&#228;re leicht gewesen: Wir befinden uns einer wirtschaftlich und politisch schwierigen Situation, in der wir ein Staatsoberhaupt brauchen, das verbindet, zusammenf&#252;hrt und als Repr&#228;sentant aller B&#252;rger und B&#252;rgerinnen Deutschlands &#252;berparteilich Anerkennung und Stimmen findet.</p>

<p>Christian Wulff kann ein solcher Pr&#228;sident werden, doch seine Wahl spiegelt diese wichtige Aufgabe dieses Amtes in keiner Weise wider.</p>

<p>H&#228;tte Frau Merkel vielleicht doch, als Sigmar Gabriel sie &#252;ber den Vorschlag von SPD und Gr&#252;nen informierte, das Heft in die Hand nehmen sollen und Joachim Gauck zum gemeinsamen Kandidaten k&#252;ren sollen, zu einem Kandidaten, der laut Umfragen die Mehrheit der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger hinter sich hat?</p>

<p>Doch da ist dann noch die FDP, die einen solchen Weg als Koalitionspartner h&#228;tter mitgehen m&#252;ssen und die sich in der Bundesversammlung vor allem dadurch hervor tat, dass sie immer wieder behauptete, dass die fehlenden Stimmen der Regierungskoalition nicht von ihnen kommen k&#246;nnten, abgesehen von den bekannten und akzeptierten Abweichlern in den eigenen Reihen – die in unterschiedlichen &#196;u&#223;erungen mal vier, mal drei oder auch mal vier bis f&#252;nf waren, wobei die Zahl von vier Abweichlern bei der FDP am h&#228;ufigsten zugegeben wurde.</p>

<p>Dass die FDP den ganzen Tag damit besch&#228;ftigt war, immer wieder auf die CDU/CSU zu zeigen, ist mehr als nur ein symbolischer Akt. In diesem Akt zeigt sich ein Selbstbewusstsein, das doch eigentlich nur seine Berechtigung h&#228;tte, wenn man den eigenen Wahlleuten auf die Stimmzettel geschaut h&#228;tte. Dies kann kaum der Fall gewesen sein, waren die Wahlen doch geheim.</p>

<p>Dieses wohl auch in der Tagespolitik vorhandene – an Selbst&#252;bersch&#228;tzung grenzende – Selbstbewusstsein der FDP mag mit dazu beigetragen haben, dass momentan bei Bundestagswahlen ein Einzug der FDP in den Bundestag alles andere als sicher w&#228;re. Gleichzeitig zeigte sich hier im Kleinen, wie Verantwortung zwischen den Koalitionspartnern hin- und her geschoben wird, statt gemeinsam Verantwortung zu &#252;bernehmen. In der Bundesversammlung m&#246;gen andere Gesetze als in der Tagespolitik gelten, aber hier zeigte sich im Kleinen, warum L&#246;sungsans&#228;tze f&#252;r die gro&#223;en Probleme der Bundesrepublik in dieser Koalition bislang nicht zu erkennen sind.</p>

<p>Auf Seiten der Opposition finden sich die eigentlichen politischen „Gewinner“ dieser Wahl. Die Spitzenkr&#228;fte von SPD und Gr&#252;nen haben mit Joachim Gauch einen Kandidaten vorgeschlagen, der im „b&#252;rgerlichen“ Lager &#252;ber gro&#223;e Sympathien verf&#252;gt. Dieser Kandidat sollte Angela Merkel in die Enge treiben, die Koalition vorf&#252;hren – und das scheint gelungen zu sein. Doch darf man dabei nicht vergessen, dass SPD und Gr&#252;ne Gauck wohl nicht nominiert h&#228;tten, wenn sie zum Zeitpunkt der Nominierung wirklich mit einer gro&#223;en Chance gerechnet h&#228;tten, dass er die Wahl gewinnen k&#246;nnte. Es war eine strategische Nominierung, die &#252;berraschte, sich aber im Nachhinein dadurch auszeichnete, dass hier wirklich ein Kandidat nominiert wurde, dem auch in der Bev&#246;lkerung gro&#223;e Sympathie entgegen kam.</p>

<p>Vielleicht haben SPD und Gr&#252;ne gedacht, dass es f&#252;r die Linken ein attraktives Angebot sein k&#246;nnte, &#252;ber eine Wahl Gaucks die Koalition massiv ins Wanken zu bekommen. Doch da haben sie die machtpolitischen Ambitionen der Linken offensichtlich falsch eingesch&#228;tzt oder aber die nach wie vor vorhandenen Empfindlichkeiten untersch&#228;tzt, die die Linken nach wie vor pr&#228;gen.</p>

<p>Vielleicht wollten SPD und Gr&#252;ne Gauck aber auch als einen Versuchballon bez&#252;glich einer Rot-Rot-Gr&#252;nen Koalition absenden. Gauck, der erste Leiter der Stasi-Unterlagenbeh&#246;rde, ein B&#252;rgerrechtler in der DDR, eine Person, deren Wahl durch die Linke gezeigt h&#228;tte, dass diese historischen Ballast abzuwerfen bereit ist: Es w&#228;re ein enorm symbolischer Akt gewesen, w&#228;re die Linke hier &#252;ber ihren eigenen Schatten gesprungen.</p>

<p>F&#252;r diese &#220;berlegungen von SPD und Gr&#252;nen spricht, dass sie w&#228;hrend der Bundesversammlung eher leise die M&#246;glichkeit eines Angriffs auf die Koalition formulierten, aber sehr laut auf die Chance zur Bearbeitung der eigenen Geschichte der Linken hinwiesen.</p>

<p>Dabei war es aber wom&#246;glich ein Fehler, dass vor allem die SPD-F&#252;hrung die Linken scheinbar nicht offensiv umwarb, was wahrscheinlich auch damit zusammh&#228;ngt, dass die Wunde Oskar Lafontaine nach wie vor nicht geheilt ist und die Regierungsf&#228;higkeit der Linken im Bund nach wie vor bezweifelt wird.</p>

<p>Die Linke nominiert schlie&#223;lich eine eigene Kandidatin, die am Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Protestbewegung in der DDR am 17. Juni 1953, dem Hamburger Abendblatt gegen&#252;ber sagte:</p>

<blockquote>„Die DDR war ein Staat, der unverzeihliches Unrecht an seinen B&#252;rgern begangen hat. Nach juristischer Definition war sie allerdings kein Unrechtsstaat…”</blockquote>

<p>Damit brachte die linke Kandidatin die eigene Vergangenheit der Linken auf die Tagesordnung, ist diese Partei doch aus der SED und deren Rechtsnachfolgerin PDS hervorgegangen, die sich mit der WASG zur Linken vereinigte.</p>

<p>&#214;ffentlich wird von der Linken die gro&#223;e Distanz der politischen Positionen von Linken, SPD und Gr&#252;nen, aber auch die Distanz zu den „konservativen Positionen“ Gaucks angef&#252;hrt, wenn sie von dessen Unw&#228;hlbarkeit f&#252;r sie spricht.</p>

<p>Dennoch scheint die Vermutung nicht allzu sehr an den Haaren herbei gezogen, dass die &#220;berreste der SED und auch der Stasi in der Partei „Die Linke“ als nicht aufgearbeitete Vergangenheit, aber auch die Geschichte des Ex-Vorsitzenden der SPD Oskar Lafontaines, letztlich den Ausschlag gegeben haben, nicht den SPD-Kandidaten, DDR-B&#252;rgerrechtler und Stasi-Aufkl&#228;rer Gauck zu w&#228;hlen.</p>

<p>Zum Schluss lagen Gregor Gysis Nerven blank, als er sich in einer Pressekonferenz provozieren lie&#223; und &#228;u&#223;erst emotional den R&#252;ckzug Lukrezia Jochimsens verk&#252;ndete und sagte, dass er mit einem gro&#223;en Teil an Enthaltungen bei der Linken rechne. Man k&#246;nnte es als konsequente Einstellung sehen, wenn da eben nicht das Geschm&#228;ckle der Frage des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit im Raum st&#252;nde, die sich in der Person Gaucks manifestierte.</p>

<p>Die Linke applaudierte nach dem dritten Wahlgang dem neuen Bundespr&#228;sidenten nicht, zeigte dem Amt gegen&#252;ber erst einmal nicht den notwendigen Respekt, was angesichts des langen Wahltages und der aufgebrochenen Wunden noch nachvollziehbar sein kann. Aber auch die Nationalhymne sangen viele Vertreter und Vertreterinnen der Linken nicht mit. Vielleicht ist dies zum Schluss eines der bittersten Zeugnisse des Verh&#228;ltnisses von Teilen der Linken zur Demokratie der Bundesrepublik Deutschland.</p>

<p>Das einzige, nicht zu untersch&#228;tzende Positive dieser Bundesversammlung ist, dass sich hier gezeigt hat, wie Demokratie funktioniert. Deutschlands Demokratie ist lebendig, auch wenn die Bundesversammlung als indirekte Vertrauensabstimmung vielleicht nicht wirklich geeignet ist.</p>

<p>Merkel und Westerwelle gehen geschw&#228;cht aus dieser Wahl. Nun liegt es an Christian Wulff, das Amt auszuf&#252;llen und sich als unabh&#228;ngiger Pr&#228;sident aller Bundesb&#252;rger und Bundesb&#252;rgerinnen zu etablieren.</p>

<p>Auf die Koalition sollte er dabei nicht rechnen, denn mit dem heutigen Tag stellt sich durchaus erneut die Frage, ob die Koalition die Probleme Deutschlands wirklich wird l&#246;sen k&#246;nnen, ob sie bald zerbrechen oder sich neues F&#252;hrungspersonal suchen wird, das noch nicht zur&#252;ckgetreten ist oder nun zum Bundespr&#228;sidenten gew&#228;hlt wurde. Die heutige Bundesversammlung k&#246;nnte ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Machtverlust Angela Merkels und, bei allen Beschw&#246;rungen der Einheit der eigenen Partei, auch Guido Westerwelles gewesen sein.</p>

<p>Politikerverdrossenheit? Ich habe das Thema bislang bewusst ausgespart. Aber ja, der heutige Tag, so sehr er eine lebendige, spannende Demokratie zeigte, k&#246;nnte durchaus bei einigen B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern genau eine solche weiter gef&#246;rdert haben, subjektiv, denn objektiv l&#228;sst sich eine solche ja nicht messen.</p>

<p>Herzlichen Gl&#252;ckwunsch an Christian Wulff. Einen guten Start nach dieser schweren Wahl.</p>

<p>Herzlichen Dank an Joachim Gauck, der uns drei spannende Wochen geschenkt hat und von dem hoffentlich auch zuk&#252;nftig noch viel zu h&#246;ren sein wird. Er war ein w&#252;rdiger Kandidat und ist ein fairer Verlierer.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 5 – Walt Whitman: Grasbl&#228;tter</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 23:22:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Neuzugang, der keiner ist und doch einer ist. Walt Whitmans „Leaves of Grass“ stehen in der amerikanischen Ausgabe von Sculley Bradley und Harold W. Blodgett schon l&#228;nger hier – auch, weil es bislang keine einzige vollst&#228;ndige &#220;bersetzung dieses zentralen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/12/07/herrn-larbigs-bibliothek-5-walt-whitman-grasblaetter/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Neuzugang, der keiner ist und doch einer ist. Walt Whitmans „Leaves of Grass“ stehen in der amerikanischen Ausgabe von Sculley Bradley und Harold W. Blodgett schon l&#228;nger hier – auch, weil es bislang keine einzige vollst&#228;ndige &#220;bersetzung dieses zentralen Werkes f&#252;r die amerikanische Moderne ins Deutsche gab. Das hat den Zugang zu Whitman nicht gerade erleichtert, schon gar nicht, wenn man den Nuancen des Sprachgebrauchs in diesen Gedichten als Nicht-Amerikanist kaum auf die Schliche zu kommen in der Lage ist.</p>

<p>Seit September 2009 ist dieser Missstand vorbei. Endlich, nach &#252;ber hundert Jahren, wurde Whitmans Hauptwerk <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23410-9" target="_blank">nun ins Deutsche</a> &#252;bersetzt, J&#252;rgen Brôcan hat das l&#228;ngst &#220;berf&#228;llige endlich getan – und er hat gute Arbeit geleistet, erlaubt es diese &#220;bersetzung doch problemlos, den amerikanischen Text und die &#220;bersetzung nebeneinander zu lesen.</p>

<p>Der <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23410-9" target="_blank">Hanser-Verlag</a> hat sich gegen eine zweisprachige Ausgabe entschieden. Gerade bei Gedichten finde ich das zwar &#228;u&#223;erst problematisch, aber angesichts der &#252;ber 860 Seiten, die J&#252;rgen Brôcans &#220;bersetzung bereits hat, erscheint mir diese Entscheidung zumindest nachvollziehbar. Und da mir die amerikanische Ausgabe auch vorliegt, ist das zumindest f&#252;r mich kein Problem, sondern endlich die notwendige Erg&#228;nzung, um den Zugang zu einem Werk, das mich schon lange fasziniert, zu erleichtern.</p>

<p>Das Verdienst Brôcans geht aber weiter: Er legt eine gute &#220;bersetzung vor, in der er die alles andere als einheitlichen Sprachstile Whitmans nachvollzieht. Was muss das f&#252;r eine Arbeit gewesen sein!</p>

<p>Die 39,50 €, mit denen die Anschaffung dieses auf D&#252;nndruckpapier publizierten Werkes zu Buche schlagen, spiegeln wohl auch die zu erwartenden Verkaufszahlen wider. Es ist kaum zu erwarten, dass Gedichte heute noch so gut verkauft werden, dass kurzfristig mit hohen Auflagen gerechnet werden k&#246;nnte. Aber diese &#220;bersetzung wird sich halten, wahrscheinlich wird sie in ein paar Jahre auch als Taschenbuch vorliegen, vielleicht wird sie auch noch um die Teile erg&#228;nzt, die dieser Ausgabe noch abgehen: Am wenigsten kann ich nachvollziehen, dass es kein alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanf&#228;nge gibt, das die Navigation im Buch  deutlich vereinfachen w&#252;rden; die wichtigsten W&#246;rter und &#220;bersetzungsentscheidungen sind in einem Anmerkungsapparat erl&#228;utert und dokumentiert, aber auch hier k&#246;nnten umfangreichere Anmerkungen den Wert dieses Buches noch einmal steigern und den Zugang zum Werk erleichtern.</p>

<p>Was aber ist so faszinierend an Whitmans Gedichten? F&#252;r mich ist es vor allem die Tatsache, dass zu der Zeit, in der Whitman ein Loblied der Demokratie schreibt, in Deutschland noch Kaiser herrschten und ein Werk wie Heinrichs Mann „Der Untertan“ erst noch erscheinen mussten. In diesem Werk Whitmans werden f&#252;r mich die enormen gesellschaftlichen Unterschiede nachvollziehbar, auch wenn in den USA die Abschaffung der Sklaverei erst durch einen Krieg zu Whitmans Lebenszeit erfolgte. Whitman setzt sich in seiner Lyrik f&#252;r die Sklaven ein, er fordert die Gleichberechtigung von M&#228;nnern und Frauen, greift die Indianerthematik aber eher romantisch verkl&#228;rt denn als blutige Hypothek der US-amerikanischen Geschichte auf.  Dar&#252;ber hinaus gelingt es ihm, in wenigen Versen ganze Bildlandschaften bei Lesenden los zu treten, die einen Eindruck des Lebens aller Schichten in den USA der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts vermitteln und in diesem Sinne auch inhaltlich zutiefst demokratisch sind.</p>

<p>Vergleichen mit den Zust&#228;nden in Deutschland und weiten Teilen Europas zur gleichen Zeit, f&#252;hrt dieses Werk auch die massiven Differenzen zu den damaligen USA vor Augen, die, zumindest in diesen Gedichten, weit moderner als das Europa dieser Zeit auf mich wirken.</p>

<p>Dabei f&#228;llt der teils sehr pathetische Ton auf, den Whitman dennoch anschl&#228;gt, der in Deutschland so bis heute weder m&#246;glich noch w&#252;nschenswert erscheint, aber f&#252;r ein vereinigtes Europa sprachlich wie inhaltlich Perspektiven auf den demokratischen Umgang mit Differenzen beinhaltet, auch heute noch, &#252;ber hundert Jahre nach dem Erscheinen der „Grasbl&#228;tter“.</p>

<p>Diese „Modernit&#228;t“, in Wirklichkeit ist Whitman an vielen Stellen wohl konservativer als es hier nun den Eindruck erweckt, mag auch damit zu tun haben, dass Whitman seiner eigenen Zeit voraus war. Nicht umsonst wurde sein Werk in den USA seiner Zeit als „obsz&#246;n“ empfunden. Whitman verlor seine Arbeit im Innenministerium aufgrund dieses als „unsittlich“ empfundenen Buchs, das neben der Sch&#246;nheit von Land und Leuten aller sozialer Klassen in Hymnen auch Whitmans Blick auf das Erotische nicht verschweigt.</p>

<p>Whitman geh&#246;rt mit zu den zentralen Figuren der Gr&#252;ndung einer amerikanischen Literatur und hat somit literaturhistorisch eine &#228;hnliche Bedeutung wie Goethe und Schiller f&#252;r die deutschsprachige Literatur. H&#246;chste Zeit also, dass diese &#220;bersetzung vorgelegt wurde, die in meinen Augen zu den wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2009 gez&#228;hlt werden kann.</p>

<blockquote>Walt Whitman, Grasbl&#228;tter, &#252;bersetzt von J&#252;rgen Brôcan</blockquote>

<blockquote>Erscheinungsdatum: 07.09.2009 –  Fester Einband, 880 Seiten
Preis: 39.90 € (D) / 65.00 sFR (CH) / 41.10 € (A)
ISBN 978-3-446-23410-9  – Hanser Verlag</blockquote>

<blockquote>Amerikanische Ausgabe:</blockquote>

<blockquote>Leaves of Grass
Walt Whitman
ISBN 10: 0393093883 / 0-393-09388-3
ISBN 13: 9780393093889
Publisher: W W Norton &amp; Co Inc
Publication Date: 1973</blockquote>

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		<title>Kommentar zur Bundestagswahl 2009</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 19:06:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zentrum des Wahlabends steht die Erkenntnis reichlich vieler „schlechtester Ergebnisse seit Bestehen der Bundesrepublik“. Diese Aussage mag aus der Sicht der betroffenen Parteien (CDU, CSU, SPD) richtig sein. Doch bei genauer Betrachtung steht das Ergbnis nicht f&#252;r etwas „schlechtes“, denn der W&#228;hlerwillen kann nichts „schlechtes“ sein, solange er sich der demokratischen Parteien zum Ausdruck dieses Willens bedient, sondern daf&#252;r, dass sich das Parteiensystem in Deutschland deutlich ver&#228;ndert hat.</p>

<p>Die  Volksparteien (CDU, SPD) erreichen gerade mal noch zwischen 56 und 57 Prozent, die bislang kleinen Parteien erreichen hingegen mittlerweile zwischen 43 und 44 Prozent der W&#228;hlerstimmen. F&#252;r mich ist dies ein deutliches Zeichen, dass die Volksparteien an zahlreichen Punkten an gro&#223;en Teilen der Bev&#246;lkerung vorbei regiert haben, die sich nun den deutlich st&#228;rker profilierten kleineren Parteien zugewandt haben.</p>

<p>Der Abstieg der SPD hat sicherlich damit zu tun, dass diese Partei unter der Kanzlerschaft Gerhard Schr&#246;ders reichlich Entscheidungen getroffen hat, die so eher von der CDU oder der FDP erwartet worden w&#228;ren (Arbeitslosengeld z. B.) und in der Koalition mit der CDU kaum zu vermitteln vermochte, wo denn bitte sozialdemokratisches Profil im Regierungshandeln eine Rolle gespielt hat.</p>

<p>Aber auch die CDU hat eigentlich ein Wahldesaster erlebt, das nur dadurch &#252;berdeckt wird, dass sie weiter st&#228;rkste Partei bleibt und gemeinsam mit der FDP regieren kann. Hat es noch eine Rolle gespielt, dass Angela Merkel ihr Versprechen des Verzichts auf eine Mehrwertsteuererh&#246;hung nach der Bundestagswahl 2005 gebrochen hat und der FDP hier mehr Glaubw&#252;rdigkeit zugesprochen wird? Hat die Wahlentscheidung damit zu tun, dass viele, die den Abbau von Freiheitsrechten durch SPD, Gr&#252;ne und CDU seit 2001 nicht mehr mitmachen wollen, die FDP hier – trotz klarer Aussagen im Wahlprogramm der Gr&#252;nen – f&#252;r einen glaubw&#252;rdigen Garanten der Wiederherstellung von Freiheitsrechten halten?</p>

<p>Die Gr&#252;nen haben mit knapp 10% ihr Ziel verfehlt, drittst&#228;rkste Kraft im Bundestag zu werden. Statt dessen sind sie nun die kleinste im Bundestag vertretene Oppositionspartei. Vielleicht liegt dies daran, dass W&#228;hlerinnen und W&#228;hler den Eindruck hatten, dass man bei den Gr&#252;nen nicht so genau wei&#223;, f&#252;r was sie eigentlich noch stehen. So sehr sich die Mitglieder der Partei auch bem&#252;ht haben, dies den W&#228;hlern zu vermitteln, gelang es ihnen dennoch nicht, ein klares Profil zu entwickeln.</p>

<p>Dass von dem programmatischen Niedergang der SPD die Linke profitieren w&#252;rde, war abzusehen. L&#228;ngst hat die Sozialdemokratie das, was sie als Partei ausmachte, bis zur Unkenntlichkeit verst&#252;mmelt, sodass sie von vielen W&#228;hlern und W&#228;hlerinnen als kaum noch von der CDU unterscheidbar wahrgenommen wurde. Und Frank Walter Steinmeier stand als Kanzlerkandidat eher f&#252;r die Linie Schr&#246;der als f&#252;r klares Profil in Sachen sozialer Gerechtigkeit, trotz klarer Aussagen des SPD-Wahlprogrammes. Hinzu kommt, dass die Zerstrittenheit in der SPD, auch wenn sie im Wahlkampf nicht sichtbar wurde, nicht wirklich von der Partei in Richtung einer klaren, von allen gemeinsam vertretenen Linie hin aufgearbeitet wurde. Da ist die Frage der &#214;ffnung zur Linkspartei, da ist die mangelnde Kontinuit&#228;t im Parteivorstand, da sind die Probleme, die das Verhalten Andrea Ypsilantis nach der letzten hessischen Landtagswahl ausgel&#246;st haben. Eine Partei, die in sich keine Einigkeit hat, kann kaum damit rechnen, dass ihr gerade in Krisenzeiten das Vertrauen entgegen gebracht wird, eine F&#252;hrungskraft in Deutschland zu sein.</p>

<p>Doch gerade diese Krisenzeiten f&#252;hren bei mir zu einem gewissen Erstaunen &#252;ber das Abschneiden der FDP, steht doch diese Partei wie kaum eine andere f&#252;r ein Wirtschaftssystem, in dem das Verhalten der Banken, das die aktuelle Krise mit ausgel&#246;st hat, gef&#246;rdert wurde. Es war in den vergangen Jahren die FDP, die wirtschaftspolitisch Positionen vertrat, die alles andere als g&#252;nstig f&#252;r die Arbeitnehmer waren. Und es zeichnet sich ab, dass bis heute von der FDP, abgesehen von dem Bereich der B&#252;rger- und Freiheitsrechte, Positionen vertreten werden, die nicht gerade dem sozialen Ausgleich in der Bundesrepublik dienen.</p>

<p>Andererseits kann die FDP f&#252;r sich in Anspruch nehmen, glaubw&#252;rdig zu sein. Und das verbindet sie mit den anderen im Bundestag vertretenen kleineren Parteien, auch wenn die Gr&#252;nen damit in den vergangenen Jahren, an der einen oder anderen Stelle, an der sie sich entgegen vorhergehender Aussagen der CDU &#246;ffneten, Probleme hatten.</p>

<p>Und trotz dieser zumindest bei den kleinen Parteien vorhandenen Glaubw&#252;rdigkeit, hat dies die eigentliche „Katastrophe“ dieser Bundestagswahl nicht verhindert: 28 Prozent der stimmberechtigten Bev&#246;lkerung haben ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2009 verweigert. Das sind bei 62 Millionen Wahlberechtigten 17.000.000 Stimmen, die nicht abgegeben wurden. 17 Millionen B&#252;rgerinnen und B&#252;rger haben sich dem politischen Entscheidungsprozess der Wahl entzogen, haben sich daf&#252;r entschieden, dass ihnen der Wahlausgang egal ist. Oder handelt es sich um B&#252;rgerinnen und B&#252;rger, die ihr Vertrauen darauf verloren haben, dass sie und ihre Interessen in der Bundespolitik &#252;berhaupt noch ber&#252;cksichtigt werden?</p>

<p>28 Prozent Nichtw&#228;hler – das ist die Herausforderung f&#252;r alle Parteien. 28 Prozent Nichtw&#228;hler: Das ist die st&#228;rkste politische Kraft nach der CDU in diesem Lande! Und genau diese 28 Prozent gilt es nun, zur&#252;ck in die politischen Entscheidungsprozesse der Bundesrepublik zu holen. Diese 28 Prozent m&#252;ssen in der zuk&#252;nftigen Arbeit von Regierung und Opposition als das, was sie sind, n&#228;mlich die zweitst&#228;rkste politische Kraft, wenn es auch die Kraft der Wahlverweigerung ist, ernst genommen werden.</p>

<p>Die Parteien m&#252;ssen schauen, wie viele der Nichtw&#228;hler solche sind, die sie als ihre eigentlichen Anh&#228;nger und Anh&#228;ngerinnen nicht mobilisieren konnten und dann intensiv daran arbeiten, hier wieder zu einer h&#246;heren Wahlbeteiligung zu kommen.</p>

<p>Was die n&#228;chsten Jahre bringen werden, kann vom heutigen Standpunkt aus nur vermutet werden. Vielleicht gelingt es der FDP, wenn sie es mit den Freiheitsrechten wirklich ernst nimmt, die Vorratsdatenspeicherung zu kippen, die Online-Durchsuchungen zumindest deutlich zu erschweren und die Internetsperren noch einmal kritisch zu hinterfragen. Es ist aber auch damit zu rechnen, dass der K&#252;ndigungsschutz gelockert werden wird, die Laufzeit von Atomkraftwerken verl&#228;ngert und Regulierung der Wirtschaft als Folge der Finanzkrise lockerer ausfallen wird, als dies andere politische Konstellationen zugelassen h&#228;tten. Dies k&#246;nnte dann aber auch dazu f&#252;hren, dass die Profilierung der politischen Parteien wieder einfacher wird als zu Zeiten der gro&#223;en Koalition. Doch gerade die SPD muss aufpassen, dass es ihr &#252;ber die nun anstehenden Personaldebatten hinaus gelingt, ihr Profil zu sch&#228;rfen, um nicht von der Linken irgendwann &#252;berrundet zu werden. Und die Gr&#252;nen m&#252;ssen kl&#228;ren, wie sie ihr Programm mit m&#246;glichen Koalitionsoptionen der Zukunft in Einklang bringen k&#246;nnen.</p>

<p>Und das ist dann m&#246;glicherweise die gute Nachricht dieses Wahlabends: Nach dem langweiligsten Wahlkampf, an den ich mich erinnern kann, kann Politik nun wieder spannend werden, kann endlich wieder der politische Diskurs um langfristige Visionen lauter werden, der sich dann in zuk&#252;nftigen Wahlen auch niederschlagen kann.</p>

<p>Welche Visionen k&#246;nnen das sein?</p>

<ol>
    <li>Welche Wirtschafts- und Sozialpolitik in Deutschland wollen wir?</li>
    <li>Wie kann es gelingen, aus der Schuldenfalle heraus zu kommen und somit auch finanziell wieder gr&#246;&#223;eren politischen Handlungsspielraum zu haben?</li>
    <li>Mit welcher Konsequenz und mit welchen Antworten wird die Frage des Klimawandels und der damit verbundenen Energiepolitik beantwortet?</li>
    <li>Wie soll daf&#252;r gesorgt werden, dass Chancengleichheit in Sachen Bildung hergestellt wird und wir massiv das Problem des Mangels an Fachkr&#228;ften angehen?</li>
    <li>Wird Deutschland weiter zum Pr&#228;ventionsstaat mit der damit verbundenen &#220;berwachungsmentalit&#228;t ausgebaut oder haben wir den Mut zur Freiheit?</li>
</ol>

<p>F&#252;nf Punkte, die sicher noch um einige mehr erg&#228;nzt werden k&#246;nnen. F&#252;nf Punkte, bei denen das heutige Wahlergebnis dazu f&#252;hren kann, dass es in Deutschland wieder zu echten inhaltlichen Auseinandersetzungen kommt, die unter der gro&#223;en Koalition doch sehr gelitten haben. Und f&#252;r mich ist dies auch eine Botschaft des Wahlergebnisses: Der „W&#228;hlerwille“ will wieder Alternativen haben. Das sollte sich vor allem die SPD zu Herzen nehmen, darauf sollten die Gr&#252;nen achten. F&#252;r die CDU und FDP besteht nun die Chance zu zeigen, dass sie koalierend nicht wieder in die Falle des Turbokapitalismusses tappen, der uns in die gegenw&#228;rtige Krise gef&#252;hrt hat.</p>

<p>Ja, diese Wahl zeugt von einem Wandel im Parteiensystem und ist doch auch die R&#252;ckkehr zu einer „b&#252;rgerlichen“ Koalition. Die kommende Legislaturperiode verspricht von daher, eine sehr spannende zu werden. Bleibt zu hoffen, dass alle demokratischen Parteien dies nutzen und Deutschland wirklich wieder zu einem Land der Visionen machen, um die im demokratischen Diskurs auch gerungen wird.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Zum neuen Jahr</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jan 2009 23:43:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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<p>Bei Google finden sich unter dem Suchbegriff »<a href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;q=krisenjahr+2009&amp;btnG=Suche&amp;meta=" target="_blank">Krisenjahr 2009</a>« bereits jetzt mehrere zehntausend Eintr&#228;ge: Die Pforte des neuen Jahres erinnert mich an diese rostige T&#252;r, die ohne Aufgang am Torhaus des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Hohenlupfen" target="_blank">Schlosses Hohenlupfen</a> oberhalb des s&#252;dbadischen St&#228;dtchens <a href="http://www.stuehlingen.de" target="_blank">St&#252;hlingen</a> zu finden ist, verrostet, verbogen, die Farbe an der umgebenden Wand bl&#228;ttert ab. – Und das Schloss selbst steht zum Verkauf, sucht nach einer neuen Bestimmung.</p>

<p>Und es scheint tats&#228;chlich so, als sei pl&#246;tzlich der Lack ab, als sei pl&#246;tzlich vieles in Frage gestellt, was bislang als selbstverst&#228;ndlich galt.</p>

<p>Ich w&#252;nsche uns allen ein Jahr 2009, in dem das Vertrauen darauf, dass Krisen immer auch dazu geeignet sind, neue Formen der Kreativit&#228;t freizusetzen und bislang als selbstverst&#228;ndlich angesehene Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen, neu entdeckt wird und wachsen kann.</p>

<p>Ich w&#252;nsche uns allen ein Jahr 2009, in dem wir erkennen, dass unsere Demokratie nicht nur von den Wahlen lebt, die wir in diesem Jahr zur Gen&#252;ge haben werden, sondern auch von einem Engagement der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger, das &#252;ber die &#196;u&#223;erung von Politikverdrossenheit hinaus geht und aktiv, das hei&#223;t nat&#252;rlich auch kritisch, die Arbeit der Parlamentarier und Parlamentarierinnen begleitet und unterst&#252;tzt.</p>

<p>Ich w&#252;nsche uns allen ein gutes neues Jahr!</p>

<p><em></em><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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