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	<title>herrlarbig.de &#187; Deutschland</title>
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		<title>Doppelfrost oder: Kalter Wind und kalte Herzen – Bei sibirischer K&#228;lte werden Obdachlose in Frankfurt aus Bahn-Stationen vertrieben.</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 12:11:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Donnerstag, 2. Februar 2012: Eiskalt zieht der schneidende Wind durch die Stra&#223;en Frankfurts. Menschen verdecken ihr Gesicht mit Schals, sind dick in ihre Jacken geh&#252;llt, &#252;ber die M&#252;tzen werden noch die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Es ist kurz vor &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/02/03/doppelfrost-oder-kalter-wind-und-kalte-herzen-bei-sibirischer-kalte-werden-obdachlose-in-frankfurt-aus-bahn-stationen-vertrieben/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Donnerstag, 2. Februar 2012: Eiskalt zieht der schneidende Wind durch die Stra&#223;en Frankfurts. Menschen verdecken ihr Gesicht mit Schals, sind dick in ihre Jacken geh&#252;llt, &#252;ber die M&#252;tzen werden noch die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen.</p>

<p>Es ist kurz vor 20:00 Uhr. Ich laufe Richtung Ausgang der B-Ebene an Frankfurts Hauptwache, auf den Ohren sitzen meine Kopfh&#246;rer und es l&#228;uft gerade <a href="http://www.youtube.com/watch?v=6n-8-A_W29A" target="_blank">Phantom/Ghosts „Thrown Out of Drama School“</a>.</p>

<p>Da sehe ich ein ganz anderes „Thrown Out“, einen Rauswurf. Drei Mitarbeiter des von den Frankfurter Verkehrsbetrieben VGF beauftragten Unternehmens WISAG begleiten einen Obdachlosen zum Ausgang, bis zur Rolltreppe. Ich bin so sprachlos, dass ich leider mein Handy vergesse, mit dem ich diese Szene h&#228;tte dokumentieren k&#246;nnen. Statt dessen twitter ich in Richtung Stadt Frankfurt am Main und der Verkehrsbetriebe:</p>

<p><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/Doppelfrost1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-34536" title="Doppelfrost1" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/Doppelfrost1.jpg" alt="" width="575" height="214" /></a></p>

<p>Die Reaktionen auf diese Kurznachricht via Twitter waren einhellig so, dass dieses Verhalten irritiert. Jeder, der an diesen Tagen mit sibirischer K&#228;lte in Deutschland unterwegs ist, wei&#223;, dass das keine normale K&#228;lte ist, wei&#223;, dass das eine K&#228;lte ist, die es einfach n&#246;tig macht, dass man sich zwischendurch aufw&#228;rmt.</p>

<p>Doch leider sind B&#252;rokratenherzen auch von diesen &#228;u&#223;eren Extrembedingungen scheinbar nicht zu erweichen. Das zumindest war mein Eindruck, als ich heute morgen via Twitter die Antwort der Verkehrsgesellschaft Frankfurt bekam:</p>

<blockquote>„Die Station kann t&#228;glich leider nur von 22 bis 6 Uhr f&#252;r Obdachlose zur Verf&#252;gung stehen. (sr)“

<a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/Doppelfrost2.tiff"><img class="aligncenter size-full wp-image-34537" title="Doppelfrost2" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/Doppelfrost2.tiff" alt="" /></a></blockquote>

<p>Hier wird von „kann“ gesprochen, als ob… Nun, die Begr&#252;ndungen wurden nachgeliefert. Der Feuerschutz verlange, dass w&#228;hrend des Betriebs die Fluchtwege frei blieben, man m&#252;sse auf Ladenbesitzter und Fahrg&#228;ste nehmen und &#252;berhaupt habe ja die VGF die Idee gehabt, die B-Ebene nachts zu &#246;ffnen. <em>(Im n&#228;chsten Bild steht der &#228;lteste Eintrag unten, also von unten nach oben lesen)</em></p>

<p><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/Doppelfrost3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-34538" title="Doppelfrost3" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/Doppelfrost3.jpg" alt="" width="535" height="539" /></a></p>

<p>Es wird also mit Flucht- und Rettungswegen argumentiert. Ok. Aber wenn das wirklich <em>der</em> entscheidende Grund w&#228;re, br&#228;uchte man eigentlich nicht mehr zu betonen, dass man auf Ladenbesitzer und Fahrg&#228;ste R&#252;cksicht nehmen m&#252;sse. – Wie: Wenn Menschen sich aufw&#228;rmen ist das r&#252;cksichtslos gegen&#252;ber Ladenbesitzern und Fahrg&#228;sten?</p>

<p>Ich bin einer dieser Fahrg&#228;ste und ich finde es nur angemessen, wenn bei dieser sibirischen K&#228;lte Menschen warme S-Bahnstationen und Bahnh&#246;fe aufsuchen (nicht nur die B-Ebene an der Hauptwache).</p>

<p>Es ist nicht nur die Verkehrsgesellschaft Frankfurt, die trotz K&#228;lte restriktiv gegen&#252;ber den &#196;rmsten in der Gesellschaft agiert. Die Bahn macht es und in anderen Gro&#223;st&#228;dten vertreibt man Obdachlose auch – trotz sibirischer K&#228;lte – mindestens tags&#252;ber aus den geheizten Stationen. Aber bleiben wir beim konkreten Anlass.</p>

<p>Der wahre Grund f&#252;r die Vertreibungsstrategie der VGF (der Bahn, der Stadt Frankfurt) d&#252;rfte die Sorge der Gesch&#228;ftsleute sein, die Anwesenheit von Obdachlosen k&#246;nnte ihre Ums&#228;tze in Frage stellen, aber ohne „Sicherheits“-Argumente kl&#228;nge diese Aussage einfach genau so kalt, wie sie ist.</p>

<p>Nein, ich bin kein Sozialromantiker. Ich wei&#223;, dass es viele Hilfsangebote f&#252;r Obdachlose und Arme in Deutschlands Gro&#223;st&#228;dten gibt. Als ich selbst eine Zeit lang bei einem t&#228;glichen Fr&#252;hst&#252;cksangebot f&#252;r Obdachlose und Arme mitarbeitete, habe ich auch erfahren, dass nicht alle Obdachlosen sozial vertr&#228;glich sind. Wenn jemand andere anp&#246;belte, wurde das nat&#252;rlich nicht akzeptiert. Aber es macht einen Unterscheid, ob man einen Obdachlosen des Platzes verweist, weil er obdachlos ist und sich etwas aufw&#228;rmen will oder weil er jemanden anp&#246;belt.</p>

<p>Was ich in der Stadt gestern gesehen habe, war ein friedlicher Obdachloser, der sich nicht wehrte, als man ihn des Platzes verwies. Etwas sp&#228;ter sah ich das gleiche Spiel bei der McDonalds-Filiale an der Konstablerwache. Wieder sich unauff&#228;llig verhaltende Obdachlose, die sich ein wenig aufw&#228;rmen wollten, denn in die B-Ebene der Hauptwache d&#252;rfen sie ja erst um 22:00.</p>

<p>Der B&#252;rokratismus, mit dem mein Entsetzen beantwortet wurde, der Eindruck, dass bei dieser Eisesk&#228;lte das Wort „Erbarmen“ bei den Besitzern der geheizten B-Ebenen und Bahnh&#246;fen nicht zu existieren scheint, kam wie eine zweite K&#228;ltewelle &#252;ber mich. Es herrscht doppleter Frost: Der Frost des sibirisch kalten, schneidenden Windes und der Frost in den Herzen, die sich hinter B&#252;rokratie verstecken und sich dann noch br&#252;sten, dass sie ja helfen w&#252;rden. Ja, von 22–6 Uhr hilft man. Au&#223;erhalb dieser Zeiten ist die b&#252;rokratisch streng umgesetzte Vorgabe gnadenlos und ohne Erbarmen, was man dann noch mit einem auf mich zynisch wirkendem „leider“ w&#252;rzt, als ob man nicht anders k&#246;nnte, wenn man nur wollte (oder wenn der Druck der &#214;ffentlichkeit in diese Richtung vorhanden w&#228;re).</p>

<p><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/Doppelfrost4.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-34539" title="Doppelfrost4" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/02/Doppelfrost4.jpg" alt="" width="584" height="496" /></a></p>

<p><em> Nachtrag: Dass es auch anders geht, zeigen die <a href="http://www.radiobremen.de/nachrichten/gesellschaft/gesellschaftbsagobdachlose100.html" target="_blank">Verkehrsbetriebe BSAG in Bremen</a>. „Die Bremer Stra&#223;enbahn AG l&#228;sst Obdachlose zum Aufw&#228;rmen kostenlos in ihren Bussen und Bahnen mitfahren.“ – In Frankfurt d&#252;rfen Obdachlose zum Aufw&#228;rmen zumindest tags&#252;ber (zwischen 6 und 22 Uhr) nicht mal die Stationen der Vekehrsbetriebe nutzen.</em><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Apples Bildungsinitiative oder: Vom Aufstellen weiterer Weidez&#228;une.</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 18:04:19 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Stellt Apple neue Produkte vor, entsteht schnell der Eindruck, dass es sich jedes Mal um eine gro&#223;e Innovation handele. – Schnell wird dann die Frage gestellt, welche Art von Technik oder welchen Teil der Gesellschaft Apple dieses Mal „revolutioniere“. Diese &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/01/21/apples-bildungsinitiative-oder-vom-aufstellen-weiterer-weidezaune/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stellt Apple neue Produkte vor, entsteht schnell der Eindruck, dass es sich jedes Mal um eine gro&#223;e Innovation handele. – Schnell wird dann die Frage gestellt, welche Art von Technik oder welchen Teil der Gesellschaft Apple dieses Mal „revolutioniere“.</p>

<p>Diese Reaktionen erfolgen mehr oder weniger reflexartig. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich oft, dass Apple bereits vorhandenen Konzepte popul&#228;rer und marktf&#228;hig macht, komplizierte Bedienungen vereinfacht und daf&#252;r sorgt, dass jeder, der sich auf dieses „gro&#223;artige“, „fantastische“, „innovative“ und „so noch nie da gewesene“ Produkt einl&#228;sst, fest in Apples Wertsch&#246;pfungskette eingebunden wird.</p>

<p>Keine Frage, ich selbst mag Design und Funktionalit&#228;t der Produkte aus Cupertino sehr, gehe mit ihnen gleichzeitig aber auf der Basis eines sehr ambivalenten Gef&#252;hles um.</p>

<p>Apple verbindet Design und Funktionalit&#228;t seiner Produkte mit einem geschickten und bislang &#228;u&#223;erst erfolgreichen Marketing. Beim iPad hat das mit dem geschlossenen System des App-Stores hervorragend funktioniert: Apple stellt entsprechende Werkzeuge kostenlos zur Verf&#252;gung, die es Entwicklern erm&#246;glichen, auf einfache Art und Weise Programme zu schreiben. Als „Gegenleistung“ lassen sich die Entwickler darauf ein, ihre Produkte erstens ausschlie&#223;lich &#252;ber Apples App-Store zu vertreiben und zweitens einem intransparenten Freigabeprozess zu unterwerfen.</p>

<p>Das gleiche Modell &#252;bertr&#228;gt Apple nun auf Schulb&#252;cher.</p>

<p>Sowohl die Software, die zum Lesen dieser Schulb&#252;cher notwendig ist, als auch die zum Erstellen dieser Schulb&#252;cher zu verwendende Software werden kostenlos zur Verf&#252;gung gestellt. Wenn die so entstandenen Schulb&#252;cher kommerziell vertrieben werden, darf dies, so sagt es die Lizenzvereinbarung des Programms iBooksAuthor, ausschlie&#223;lich &#252;ber Apples eigenen Store erfolgen; wie &#252;blich nimmt Apple 30 % des im Store erhobenen Preises f&#252;r sich.</p>

<p>Wiederum beh&#228;lt sich Apple zudem das Recht vor, Ver&#246;ffentlichungen nach eigenem Gutd&#252;nken zuzulassen oder abzulehnen.</p>

<p>An dieser Stelle sch&#228;tzt Apple zumindest den deutschen Schulbuchmarkt falsch ein. – Offizielle Schulb&#252;cher bed&#252;rfen der Freigabe durch die entsprechenden Pr&#252;fungsbeh&#246;rden der L&#228;nder: Ich stelle mir vor, ein solches freigegebenes Schulbuch enth&#228;lt Themenbereiche, die mit Apples Meinung, was in einem Schulbuch zu ver&#246;ffentlichen sei und was nicht, nicht &#252;bereinstimmen; ich stelle mir vor, Apple verweigerte einem von einem Bundesland freigegeben Schulbuch die Aufnahme in den iBooks-Store…</p>

<p>Gem&#228;&#223; der aktuellen Lizenzvereinbarung zur Nutzung von iBooksAuthor k&#246;nnte so etwas passieren.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus lassen sich Lehrer und Lehrerinnen in Deutschland nicht gerne vorschreiben, welche digitalen Endger&#228;te sie zu verwenden haben. Im Gegenteil: Es ist damit zu rechnen, dass zahlreiche Lehrer und Lehrerinnen sich gegen die Verwendung von iPads aussprechen werden, da sie sich mit technischen Monokulturen schwer tun. – Der Vorwurf, Apple gehe es vor allem darum, durch fr&#252;hzeitige Gew&#246;hnung langfristige Kundenbindung zu erreichen, ist schon laut geworden und mit Sicherheit auch nicht <del>v&#246;llig</del> von der Hand zu weisen.</p>

<p>Dass Lehrerinnen und Lehrer Entscheidungsfreiheit in Sachen eingesetzter Bildungsmedien haben, insofern sie als solche zugelassen sind oder keiner Zulassung bed&#252;rfen, da es sich nicht um explizit als Schulb&#252;cher gekennzeichnete Bildungsmedien handelt, steht au&#223;er Frage.</p>

<p>Dass mit einer einmal getroffenen Entscheidung eine langfristige Bindung zum Beispiel an ein bestimmtes Schulbuch verbunden ist, steht ebenso au&#223;er Frage. In der Regel bleibt aber die relative Vielfalt der Verlage, die Schulb&#252;cher zuliefern, erhalten. Diese Vielfalt nehmen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler durchaus auch war – ob unreflektiert und bewusst oder, was wahrscheinlicher ist, einfach so nebenbei.</p>

<p>Wenn nun aber Lehrer und Lehrerinnen &#252;ber den Einsatz von Computertechnologie entscheiden m&#252;ssen, so sind Bildungsmedien anschlie&#223;end an ein Ger&#228;t gekoppelt.</p>

<p>Selbst wenn die Inhalte aus unterschiedlichen Verlagen kommen, sie sind immer mit einem Ger&#228;t verbunden. Dar&#252;ber hinaus ist es schwieriger, unterschiedliche Plattformen unterschiedlicher Anbieter zu verwenden.</p>

<p>Zudem haben die deutschen Schulbuchverlage bereits angek&#252;ndigt, im Februar eine eigene Branchenl&#246;sung vorzulegen, eine App vorzustellen, die selbstverst&#228;ndlich auch ein geschlossenes System sein d&#252;rfte, um so auf dem Markt einer zunehmenden Digitalisierung von Schule und Bildung Fu&#223; zu fassen.</p>

<p>Ob eine vorgestellte Softwarel&#246;sung f&#252;r den Bildungssektor rezipiert wird, ihren Weg zur Zielgruppe findet, h&#228;ngt immer von der Bereitschaft der Multiplikatoren ab, eine solche Softwarel&#246;sung im Bildungskontext zu akzeptieren oder auch nicht.</p>

<p>So sehr ich von den vorgestellten Produkten aus dem Hause Apple in Bezug auf den Bildungssektor beeindruckt bin, so skeptisch bin ich angesichts ihrer – schon im Vorfeld erwartbaren – geschlossenen Architektur.</p>

<p>Die bildungspolitischen Voraussetzungen m&#246;gen in anderen L&#228;ndern anders sein, sollen doch bereits jetzt ganze Schulbezirke in den USA auf digitale Endger&#228;te setzen, die in der Regel von einem Hersteller stammen. Es gibt Schulbezirke die haben sich auf Apples iPad festgelegt. Auf diesem Markt k&#246;nnte Apples Angebot funktionieren. Um auf dem deutschen Markt funktionieren zu k&#246;nnen, m&#252;sste Apple seine Vertriebsstrategie an die Gegebenheiten in Deutschland anpassen.</p>

<p>Dennoch werde ich mich mit den neu vorgestellten Produkten besch&#228;ftigen. Letztg&#252;ltige Entscheidungen, wie ich mit ihnen umgehen werde, habe ich noch nicht gef&#228;llt. Das hindert mich nicht daran, meine Skepsis kundzutun, zu formulieren, wie ich mir solche digitalen Bildungsl&#246;sungen eigentlich vorstelle. Ohne Visionen davon, wie Schule sein kann und sein soll, gibt es keine Ziele, die erreicht werden k&#246;nnen.</p>

<p>Bildungsprozesse haben in meinen Augen etwas mit Freiheit zu tun. Ich habe &#252;berhaupt kein Problem, die Produkte einer Firma zu m&#246;gen und zu benutzen, solange diese Produkte erlauben, etwas zu produzieren, dessen Rezeption nicht auf die gleichen Produkte der gleichen Firma beschr&#228;nkt ist. Idealerweise kann ich Inhalte erstellen, die in freien Formaten verf&#252;gbar gemacht werden k&#246;nnen, also unabh&#228;ngig von der genutzten Plattform sind.</p>

<p>Lernprozesse verlaufen individuell unterschiedlich, die Zugangsweisen unterschiedlicher Menschen zu &#228;hnlichen Themen sind &#228;u&#223;erst vielf&#228;ltig. Um Bildungsmedien an diese unterschiedlichen Bed&#252;rfnisse anpassen zu k&#246;nnen, m&#252;ssen sie dem Lehrer bzw. der Lehrerin gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Freiheiten geben. Diese Freiheiten haben schon Schulb&#252;cher nicht gegeben – geschlossene Softwarel&#246;sungen werden sie auch nicht f&#246;rdern.</p>

<p>Apples Vorstellungen, wie das Schulbuch der Zukunft aussehen k&#246;nnte, sind zudem &#228;u&#223;erst konservativ, wenn ich mir das von Apple zur Verf&#252;gung gestellte Ansichtsexemplar eines solchen Schulbuches anschaue. Dieses Musterbuch ist sehr stark instruktiv ausgerichtet, hat in meinen Augen sehr leichte Feedbackfragen integriert und kommt in der Regel immer erst am Ende eines Kapitels dazu, die Eigenaktivit&#228;t der Lernenden in den Vordergrund zu stellen. Entsprechend hie&#223; es bei der Keynote in New York auch, dass das Schulbuch als Schulbuch unpraktisch sei, seine Inhalte aber qualitativ wertvoll sein w&#252;rden. Bereits an dieser Stelle war zu ahnen, dass Apple selbstverst&#228;ndlich weder methodisch noch didaktisch irgendwelche Innovationen vorlegen w&#252;rde.</p>

<p>Selbstverst&#228;ndlich k&#246;nnen in mit iBooks-Author erstellten Schulb&#252;chern methodisch und didaktisch neue Wege gegangen werden, aber m&#246;glicherweise besteht der Grundfehler darin, dass Apple nach wie vor auf die Buchmetapher vertraut, dabei aber aus dem Blick verliert, dass ein multimediales „Buch“ eben kein Buch mehr ist. Einzig die Buchmetapher ist geblieben. – Entsprechend linearer ist das von Apple vorgelegte Beispielbuch aufgebaut, die nichtlinearen Grundstrukturen des Denkens und Lernens werden hier entsprechend nicht abgebildet, obwohl genau dies in digitalisierten Kontexten problemlos m&#246;glich ist.</p>

<p>Apple beantwortet nicht die Frage, die die Gegenwart an im Unterricht eingesetzte Materialien stellt. Apple beantwortet vielmehr vor allem die Frage, wie Verlage ihre Gesch&#228;ftsmodelle in die digitale Wirklichkeit hin&#252;berretten k&#246;nnen. Sich auf die von Apple gegebene Antwort zu verlassen, k&#246;nnte f&#252;r die Schulbuchverlage mittelfristig verheerende Folgen haben, so die Annahme stimmt, dass es das Buch selbst ist, das im Kontext der Nutzung digitaler Endger&#228;te aus dem Lernalltag verschwinden d&#252;rfte. Der Lernprozess selbst ver&#228;ndert sich grundlegend – so zumindest meine bisherigen Beobachtungen an mir selbst und an digitale Ger&#228;te bereits nutzenden Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern.</p>

<p>Apple hat aber trotz allem erreicht, dass die Diskussion um im Unterricht genutzte Computer einen neuen Ansto&#223; bekommen hat. Dies habe ich bereits einen Tag nach der Pr&#228;sentation Apples in New York unter Lehrerinnen und Lehrern beobachtet. Deshalb hoffe ich, dass von der Initiative dieses Computerherstellers ein Ansto&#223; ausgeht, der weitere Initiativen, Ideen und Projekte motivieren, intensivieren bzw. lostreten wird.</p>

<p>Letztlich wird es darum gehen, ob es gelingt, von geschlossenen L&#246;sungen hin zu offenen L&#246;sungen kommen, die vermutlich eher browsergest&#252;tzt zu denken sind.</p>

<p>Doch das Gef&#252;hl bleibt ambivalent: Der von Apple konstruierte „goldenen K&#228;fig“, das „Disneyland“ vieler, vieler bunter Apps, hat einen echten Wohlf&#252;hlwert, ist sch&#246;n gestaltet und in vielerlei Hinsicht hochgradig effizient. Andererseits, wenn man den Blick doch einmal von all den Attraktionen abwendet, hat man st&#228;ndig diesen Zaun im Nacken, der diese Welt massiv nach au&#223;en hin abgrenzt. Und dieser Zaun sieht aus, wie alle Z&#228;une letztlich aussehen: unfreundlich, abweisend, grau, kalt. Es ist ein Weidezaun, der die Konsumenten auf der Weide halten soll. Es k&#246;nnte aber sein, dass es wieder modern wird, sich gerne in der freien „Natur“ bewegen zu wollen. Ich hoffe, diese in meinen Augen w&#252;nschenswerte „Mode“ l&#228;sst nicht mehr lange auf sich warten.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Wulff – Ein Kommentar</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 12:37:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schweigt er noch immer? Im Augenblick ist die Stimmung so gespannt, dass man nicht wei&#223;, ob Deutschland nicht schon ein ganz anderes ist, wenn man solch einen Blogartikel abgeschlossen hat. Siegt das Aussitzen eines Bundespr&#228;sidenten, der zwecks Selbstschutz den Chefredakteur &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/01/03/wulff-ein-kommentar/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schweigt er noch immer?</p>

<p>Im Augenblick ist die Stimmung so gespannt, dass man nicht wei&#223;, ob Deutschland nicht schon ein ganz anderes ist, wenn man solch einen Blogartikel abgeschlossen hat. Siegt das Aussitzen eines Bundespr&#228;sidenten, der zwecks Selbstschutz den Chefredakteur (mind.) einer Zeitung anruft? Oder siegt der Anstand, kommt auch bei Christian Wulff die Einsicht, dass er aus der Kreditaff&#228;re noch herausgekommen w&#228;re, h&#228;tte er gutes Krisenmanagement betrieben, es aber „Fehler&#8221; gibt, die nicht entschuldigt werden. Die Bedrohung von Journalisten ist solch ein unentschuldbarer Fehler.</p>

<p>Es besch&#228;digt das Amt des Bundespr&#228;sidenten, zieht man sich hinter dem Amt zur&#252;ck, statt pers&#246;nliches Versagen einzugestehen.</p>

<p>Entsprechend darf die Person Christian Wulff nicht erwarten, dass mit ihr respektvoll umgegangen wird: Zu sehr hat sich Wulff in diesen Tagen als amtsunf&#228;hig erwiesen. Vielleicht w&#228;re er als der schweigende Bundespr&#228;sident in die Geschichte eingegangen. Nun aber kommen Zweifel am Intellekt, an der F&#228;higkeit des Krisenmangements und an der Unabh&#228;ngigkeit dieses Inhabers des Amtes.</p>

<p>Herr Wulff ist im Amt nicht mehr zu halten. Dass Merkel und Co ihn noch st&#252;tzen, liegt alleine am noch nicht so lange zur&#252;ckliegenden R&#252;cktritt Horst K&#246;hlers. K&#246;hler h&#228;tte bleiben k&#246;nnen und ist doch gegangen. Wulff kann nicht bleiben, schweigt aber, als fiele es ihm schwer, politische Gr&#246;&#223;e zu zeigen – wenigstens jetzt, dieses eine Mal.</p>

<p>Statt dessen wird die Salamitaktik eingesetzt: Gib nicht mehr zu als andere schon wissen. Das Staatsoberhaupt verh&#228;lt sich so und in Zukunft k&#246;nnten auch Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen darauf verweisen, dass ihr Vorbild das Staatsoberhaupt sei.</p>

<p>Und wenn Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen schlechte Leistungen bringen, werden Eltern bei der jeweiligen Schulleitung anrufen und mit dem Verweis auf das Staatsoberhaupt darum bitten, dass die Schulleitung doch diese (berechtigte) schlechte Note angesichts ihres gesellschaftlichen Ansehens verhindern m&#246;ge. „Mein Kind hat nur Vierer geschrieben, aber ich erwarte aus Respekt f&#252;r meine gesellschaftliche Stellung, dass da eine Zwei rausspringt.“</p>

<p>Wenn Wulff bliebe, w&#252;rde es zuk&#252;nftig schwerer, sich gegen solche Argumente zu stemmen. Und auch deshalb: Wulff kann nicht bleiben, schweigt aber, als fiele es ihm schwer, politische Gr&#246;&#223;e zu zeigen – wenigstens jetzt, dieses eine Mal.</p>

<p>Damit ist die bei einem R&#252;cktritt bef&#252;rchtete Staatskrise l&#228;ngst da. Frau Merkel hatte in ihrer Neujahrsansprache recht: 2012 wird ein schwieriges Jahr.</p>

<p>Herr Wulff, bitte erkl&#228;ren Sie sich – und wenn Sie die Vorw&#252;rfe der Manipulationsversuche gegen&#252;ber Journalisten nicht entkr&#228;ften oder dementieren k&#246;nnen, dann treten Sie endlich zur&#252;ck.</p>

<p>(Stand der Informationlage am 3. Januar 2012, 13:03 Uhr)
<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>#Educamp – Bielefeld: Die Reisemetapher – oder: Das Ziel wird dennoch erreicht  #ecbi11</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Nov 2011 10:08:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Zug kam schon vom Bahnsteig in Frankfurt nicht richtig weg. Kaum war er angefahren, blieb er ruckelnd wieder stehen. Dann schlich er, ein Modell des schnellsten und modernsten Zuges, der in Deutschland unterwegs ist, Richtung Frankfurter Flughafen. Doch bereits am &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/11/18/educamp-bielefeld-die-reisemetapher-oder-das-ziel-wird-dennoch-erreicht-ecbi11/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
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<p>Der Zug kam schon vom Bahnsteig in Frankfurt nicht richtig weg.</p>

<p>Kaum war er angefahren, blieb er ruckelnd wieder stehen.</p>

<p>Dann schlich er, ein Modell des schnellsten und modernsten Zuges, der in Deutschland unterwegs ist, Richtung Frankfurter Flughafen. Doch bereits am Stadion kam die Ansage, dass der Zug am Flughafen enden w&#252;rde, da es eine St&#246;rung am Antrieb gebe, mit der man nicht nach K&#246;ln fahren k&#246;nne. </p>

<p>Werden eigentlich Z&#252;ge vor der Abfahrt nicht technisch gepr&#252;ft? Gibt es an einem so zentralen Knotenpunkt der Bahn, wie es Frankfurt nun einmal ist, keine Ersatzz&#252;ge?</p>

<p>Der Zug wurde ger&#228;umt und der n&#228;chste angebotene Zug Richtung K&#246;ln w&#228;re ca. 30 Minuten sp&#228;ter gefahren – allerdings nur bis K&#246;ln-Deutz. Ich musste aber zum Hauptbahnhof, um von dort meine Reise zum Educamp in Bielefeld fortsetzen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Und da gab es einen ICE, der fr&#252;her fuhr. Ich bin rein gekommen. Ich habe einen Sitzplatz bekommen und dann – <span id="more-31896"></span>versp&#228;tete sich dieser ICE, weil er &#252;berf&#252;llt war und die Bahnmitarbeiter darauf warteten, dass das Volk den Zug doch bitte wieder verlasse. Das hat mit den angebotenen Alternativz&#252;gen dann auch geklappt, auch wenn die Bahn nicht sagte, dass diese Z&#252;ge garantiert funktionieren und au&#223;erdem noch gen&#252;gend Kapazit&#228;ten bieten w&#252;rden.</p>

<p>Kurz vor K&#246;ln wurde dann durchgesagt, dass mein Anschlusszug zu denen geh&#246;re, die nicht h&#228;tten warten k&#246;nnen. Das irritierte mich, denn wir kamen ja drei Minuten vor der offiziellen Abfahrtszeit dieses Zuges an. Und man musste auch nur von Gleis 5 auf Gleis 2. der Zug h&#228;tte nur zwei Minuten sp&#228;ter losfahren m&#252;ssen, dann h&#228;tten ihn wohl auch die Fahrg&#228;ste erreichen k&#246;nnen, die nicht so eilten, wie ich das tat. </p>

<p>Die Z&#252;ge, die ich bekommen konnte, fuhren nicht wie angek&#252;ndigt; den Zug, den ich mit Ank&#252;ndigung gar nicht h&#228;tte erreichen sollen, habe ich erreicht. </p>

<p>Nehme ich diese Erfahrungen mit in dieses Wochenende? kann da schnell mal ein Gleichnis draus gemacht werden?</p>

<p>Zu wissen, dass man ankommen wird; zu wissen, dass es Wege gibt, auch wenn ein Zug ausf&#228;llt, weil man ihn vor Bereitstellung nicht noch einmal technisch &#252;berpr&#252;ft hat, aber schlie&#223;lich nur noch davon auszugehen, dass man ankommen wird – nicht mal mit Umwegen, nur mit etwas zeitlicher Verz&#246;gerung — soll mir ein Bild daf&#252;r sein, wie sich die Entwicklung der Lernkultur in den n&#228;chsten Jahren wahrscheinlich darstellen wird. </p>

<p>Lernen wird viel digitaler werden. Das ist eine Entwicklung, aber das ist auch ein Ziel, wenn man das aufkl&#228;rerische  Potential von Bildungsprozessen voll nutzen will, denn nie zuvor gab es ein Instrument, das Menschen, denen die Ressourcen zu dessen Nutzung verf&#252;gbar sind, in einem solchen Ma&#223;e M&#246;glichkeiten der Partizipation gab, wie es das Internet und die ihm zugrunde liegende Digitalisierung erlauben. </p>

<p>Die Integration digitaler Lernformen, die das Lernen selbst ver&#228;ndern werden, ist sicher kein Selbstl&#228;ufer, sondern Bedarf der Entscheidung, dass gegenw&#228;rtige Entwicklungen so relevant sind, dass sie integriert werden sollen. Doch es scheint eine Breite Mehrheit zu geben, die diesen Weg f&#252;r vorgezeichnet ansehen und diesen Weg auch gehen wollen. </p>

<p>Dabei mag ein Zug mal mit Getriebeschaden stehen bleiben, ein anderer &#252;berf&#252;llt sein, ein Zug erreicht werden, der gar nicht mehr h&#228;tte erreicht werden d&#252;rfen, h&#228;tte man den Ansagen im versp&#228;teten Zug geglaubt. Am Ende werden wir in einer Lernkultur ankommen, die anders ist als die, die wir heute kennen.</p>

<p>Es wird keine Lernkultur sein, in der alles neu ist. So schnell &#228;ndern sich die lernphysiologischen Voraussetzungen des Menschen nicht.</p>

<p>Es werden aber andere Wege sein, die diesen lernphysiologischen Gegebenheiten offen stehen.</p>

<p>Es werden andere Orte sein, von denen aus gelernt werden kann, wenn das Internet erst einmal zuverl&#228;ssig und nahezu &#252;berall verf&#252;gbar ist und funktioniert. </p>

<p>Ich komme sp&#228;ter in Bielefeld an als geplant. Am Zug, in dem ich jetzt sitze, liegt es nicht, denn der ist &#252;berp&#252;nktlich. Es waren die modernen Schnellstrecken der deutschen Bahn, auf denen die Nachfrage heute nicht auf angemessene technische Zuverl&#228;ssigkeit traf.
 
Es sind sicher nicht die &#252;bervollen Wege im Netz, die uns den Weg in eine neue Lernkultur ebnen werden. Es sind nicht Facebook oder Google+ die Lernen pr&#228;gen werden, sondern eher die Nebenstrecken in Blogs, auf Plattformen engagierter Bildungsarbeiter, die sich in Vereinen oder in Einzelinitiativen vernetzen.</p>

<p>Das mag ein gewisses Durchhalteverm&#246;gen unabdingbar machen. Aber auch wenn eine Reise l&#228;nger dauert oder das Ziel nur &#252;ber Umwege erreicht werden kann: Auch dabei gibt es in den Landschaften vieles zu entdecken, was bei gerade Wegen und ohne Verz&#246;gerungen so wahrscheinlich nie entdeckt worden w&#228;re. <strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Von der Umwertung von Werten oder: Kritische Anmerkungen zur „PostPrivacy“</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Oct 2011 17:08:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anonymit&#228;t galt fr&#252;her gilt als ein grundlegendes Recht des B&#252;rgers in einer Demokratie. Wann ich mich wo aufgehalten habe, wann ich mit wem telefonierte, wem ich wann einen Brief schrieb etc., ging geht weder den Staat noch irgendwelche Firmen etwas &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/10/11/von-der-umwertung-von-werten-oder-kritische-anmerkungen-zur-postprivacy/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anonymit&#228;t <del>galt fr&#252;her</del> gilt als ein grundlegendes Recht des B&#252;rgers in einer Demokratie. <em>Wann</em> ich mich <em>wo</em> aufgehalten habe, <em>wann</em> ich <em>mit wem telefoniert</em>e, <em>wem</em> ich <em>wann</em> einen <em>Brief</em> schrieb etc., <del>ging</del> geht weder den Staat noch irgendwelche Firmen etwas an.</p>

<p>F&#252;r den Staat <del>gab</del> gibt es <em>eine</em> Ausnahme: Wenn der berechtigte Verdacht <del>bestand</del> besteht, dass ein B&#252;rger schwere kriminelle Handlungen plant oder durchf&#252;hrt, <del>konnten</del> kann das Brief- und das Telefongeheimnis von einem Richter ohne Wissen der betroffenen Person eingeschr&#228;nkt werden. – Diese M&#246;glichkeiten gibt es heute auch noch, aber die Begehrlichkeiten der Sicherheitsbeh&#246;rden scheinen mit den M&#246;glichkeiten zur &#220;berwachung zu steigen.</p>

<p>Grunds&#228;tzlich aber <del>gilt</del> galt einmal: Der B&#252;rger kann sich unbeobachtet bewegen, unbeobachtet telefonieren, unbeobachtet Briefe schreiben und unbeobachtet seine Schreibmaschine benutzen.</p>

<p>Kurioserweise ist der Begriff „Anonymit&#228;t“ in den vergangenen Jahren mehr und mehr mit negativen Assoziationen verbunden worden, die „Anonymit&#228;t“ nicht mehr als ein grundlegendes Freiheitsrecht verstehen, sondern diese<span id="more-19380"></span> grunds&#228;tzlich mit der Frage rechtswidriger Handlungen verbinden. Fr&#252;her lautete die Grundannahme, dass der Staat  erst genauer hinschauen darf, wenn ein B&#252;rger berechtigten Anlass zur Annahme gibt, er sei in <em>schwere</em> kriminelle Handlungen verwickelt.</p>

<p>Dann kam die Kamera&#252;berwachung durch Polizeibeh&#246;rden. Und erstmals h&#246;rte ich den Satz: „Wer nichts zu verbergen hat, muss die Kamera&#252;berwachung auch nicht f&#252;rchten.“ Dann kam die Kamera&#252;berwachung durch Privatunternehmen (Bahn, &#214;ffentlicher Personennahverkehr…). „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu bef&#252;rchten.“ – Ein Resultat der Kamera&#252;berachung: Es gibt heute medial verwertbare Videoaufzeichnungen von Verbrechen, die aber trotz Kamera&#252;berwachung ver&#252;bt wurden.</p>

<p>Bei der Kamera&#252;berwachung des „&#246;ffentlichen“ Raums kann man bereits heute vermuten, dass nicht, wie versprochen, die Sicherheit zugenommen hat, sondern dass alleine die Aufkl&#228;rung von Verbrechen eine neue M&#246;glichkeit bekommen hat. Polizisten vor Ort k&#246;nnten Verbrechen verhindern, Kameras k&#246;nnen diese nur dokumentieren.</p>

<p>Mit dem Aufkommen des Internets wurde die Sache noch komplizierter, weil Kommunikation neue Wege ging.</p>

<p>Vor allem der Brief wurde in vielen F&#228;llen von der E-Mail abgel&#246;st, was um so erstaunlicher ist, weil eine E-Mail in etwa so offen ist, wie eine Postkarte und dem Brief eigentlich nur die <em>verschl&#252;sselte</em> E-Mail &#228;quivalent w&#228;re – und zwar mit einem wirklich privaten Schl&#252;ssel verschl&#252;sselte E-Mail. Ich spreche hier weder von <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kritik-am-E-Postbrief-waechst-1044814.html" target="_blank">E-Post-Briefen</a> noch von <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Scharfe-Kritik-am-De-Mail-Gesetzentwurf-im-Bundestag-1184961.html" target="_blank">DE-Mail</a>, da diese ja gerade nicht sicherstellen, dass alleine der Absender und Empf&#228;nger das Dokument lesen k&#246;nnen.</p>

<p>Die Implementierung von Verschl&#252;sselungstechnologien in die allt&#228;glich verwendeten Programme hat nach wie vor so gut wie nicht stattgefunden. Selbst verschl&#252;sselter Zugriff auf ein E-Mail-Postfach kostet bei manchen E-Mail-Anbietern extra, obwohl es eigentlich Standard sein m&#252;sste.</p>

<p>Da es technisch relativ einfach ist, unverschl&#252;sselte Kommunikation mitzulesen, ist es nat&#252;rlich naheliegend, dass der Staat auf den Gedanken kommen kann, dass man doch mal sicherheitshalber die Provider verpflichtet, die zentralen Daten der Kommunikation zu speichern, damit man, sollte es zu einem Verbrechen kommen, auf diese Daten zur&#252;ckgreifen k&#246;nne, die zumindest sagen, wer wann mit wem kommuniziert hat, wo jemand war, der mit dem Handy telefoniert hat oder auf ihm angerufen wurde und au&#223;erdem, wer wann welche Website aufgerufen hat. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vorratsdatenspeicherung" target="_blank">Dies nennt man „Vorratsdatespeicherung“ oder auch „Mindestdatenspeicherung“.</a></p>

<p>In nicht digitale Zeiten &#252;bertragen h&#228;tte dies bedeutet, dass nicht nur gespeichert worden w&#228;re, wann man wen angerufen hat und wie lange, sondern auch noch von wo aus, was in reinen Festnetzzeiten nicht so schwer festzustellen war, und dar&#252;ber hinaus auch noch, welche B&#252;cher man kauft, in der Bibliothek leiht, weiche Zeitung man liest, welche Zeitschriften man bevorzugt, welche Fernsehsender man schaut etc.</p>

<p>Obwohl <a href="http://netzpolitik.org/2011/vorratsdatenspeicherung-wird-verfassungswidrig-fortgefuhrt/" target="_blank">das BVerG das erste Gesetzt zur Vorratsdatenspeicherung verworfen hat, ohne dass dies manche Telekomunikationsanbieter scheinbar gro&#223; gest&#246;rt hat</a>, steht nach wie vor <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:105:0054:0063:DE:PDF" target="_blank">eine EU-Richtlinie</a> im Raum, die genau diese will.</p>

<p>Darum geht es hier aber weniger. Hier geht es um den Mentalit&#228;tswechsel, der in den vergangenen Jahren vorangetrieben wurde. Denn <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/diskussion-um-klarnamen-im-netz-innenminister-friedrich-heizt-debatte-an-1714282.html" target="_blank">mittlerweile gibt es Politiker, die fordern, dass man im Internet doch eigentlich immer mit seinem Klarnamen unterwegs sein solle</a>. Die logische Konsequenz ist dann der bei der Geburt dem Menschen eingepflanzte Chip, der daf&#252;r sorgt, dass man immer und &#252;berall mit Klarnamen unterwegs ist. Betritt man ein Gesch&#228;ft, wird man von den Angestellten mit Namen begr&#252;&#223;t, weil der auf dem Bildschirm erschienen ist, reist man von A nach B wei&#223; die Polizei immer, wo man ist, vielleicht aber auch der Arbeitgeber etc.</p>

<p>Wir erleben zur Zeit, in kleinen Schritten, einen radikalen (gewollten, systematisch betriebenen?!) Mentalit&#228;tswandel, der den Begriff der Privatsph&#228;re mehr und mehr ver&#228;ndert, ja, verdunsten l&#228;sst.</p>

<p>Im Hintergrund dieses Wandels werden Bedrohungsszenarien als Begr&#252;ndung genutzt, die mit dem 11. September 2001 einen H&#246;hepunkt erlebten. Aber diese von staatlichen Seiten genutzten Begr&#252;ndungen sind bei diesem radikalen Mentalit&#228;tswandel nur in kleines R&#228;dchen im Getriebe. Wesentlich aktiver sind wirtschaftliche Interessen am Abbau der Privatsph&#228;re beteiligt.</p>

<p>Es ist kein Zufall, dass Facebook und Google+ im Idealfall nur Anmeldungen mit Klarnamen haben wollen, was sie &#252;brigens von Twitter unterscheidet.</p>

<p>Es ist kein Zufall, dass ich bei Bestellungen im Internet nicht die M&#246;glichkeit habe, meine Daten bei jeder Bestellung neu einzugeben und meine Daten nach dem Abschluss eines Gesch&#228;ftes wieder gel&#246;scht werden, sondern dass &#252;berall „Profile” erstellt werden, deren Zweck es ist, personalisierte Angebote zu machen, mit denen die Hoffnung verbunden wird, dass man dann mehr kaufe.</p>

<p>Einst gab es solche Profile auch: Im Kopf des Fachh&#228;ndlers, der seine Kunden kannte und sie deshalb wirklich pers&#246;nlich beraten konnte! Ich war von ein paar Buchh&#228;ndlern sehr beeindruckt, die mir immer sagen konnte, welche B&#252;cher aus dem Reigen der Neuerscheinungen mit wohl gefallen k&#246;nnten. Es gab nur einen Unterscheid: Das war wirklich personalisiert, auch auf der Seite des Anbieters. Und wenn ein Empfehlung mal nicht stimmte, sagte ich das dem Buchh&#228;ndler.</p>

<p>Man versuche sich einmal bei einem personalisiertem Profil im Kontext eines Interneth&#228;ndlers zu beschweren oder eine Reklamation vorzubringen und man wird merken, dass die Personalisierung einseitig ist und sich dadurch grundlegend von der pers&#246;nlichen Beratung durch den Fachh&#228;ndler unterscheidet: Verlie&#223; ein Verk&#228;ufer ein Gesch&#228;ft, verlie&#223; in der Regel auch das Wissen um den Kunden das Gesch&#228;ft. Computer hingegen generieren Profile v&#246;llig unabh&#228;ngig vom Personal, das gerade in der Firma arbeitet. Einen pers&#246;nlichen Ansprechpartner habe ich in der Regel nicht.</p>

<p>Der Fachh&#228;ndler musste &#252;brigens weder wissen, wie ich hei&#223;e, wo ich wohne und wo ich sonst noch einkaufen gehe.</p>

<p>Digitale Vermarktungsstrategien, auch die Strategien zur Platzierung von Werbung, die mehr und mehr m&#246;glichst an pers&#246;nlichen Profilen ausgerichtet sein soll, werden bislang vor allem mithilfe von Personalisierung und Zur&#252;ckdr&#228;ngung der Privatsph&#228;re verfolgt. Geld wird mit der Vermarktung solcher Daten verdient.</p>

<p>Irgendwann wird es dann interaktive Plakatw&#228;nde geben, auf denen immer genau die Werbung auftauchen wird, die optimal an die gerade auf dem Bahnsteig wartenden Zugg&#228;ste angepasst ist, weil Mittelwerte aus den Profilen dieser Passanten erstellt werden k&#246;nnen.</p>

<p>Irgendwann wird vor jedem Platz im Zug ein Bildschirm platziert sein, auf dem ein personalisiertes Programm f&#252;r den jeweiligen Fahrgast, inklusive angepasster Werbung, laufen wird.</p>

<p>Irgendwann wird uns in kommerziellen Kontexten immer genau die Welt gezeigt, die auf die individuellen Interessen ausgerichtet ist und somit Kaufimpulse setzen will. Das Fremde, Neue, Unerwartete, das in diesem Leben so anregend ist, wird weniger werden.</p>

<p>Und weil wirtschaftliche Interessen scheinbar so harmlos sind, ist es so schwer, den grunds&#228;tzlich mit ihnen verbundenen gesellschaftlichen Wandel in digitalen Zeiten zu sehen oder zu vermitteln, denn personalisierte Angebote sind doch was tolles: Mir wird die Arbeit abgenommen, immer suchen zu m&#252;ssen, was mir gef&#228;llt. Und dass ich bei diesem Suchen Dinge finden k&#246;nnte, die ich nicht erwartet h&#228;tte, die mich ansprechen, obwohl sie meinen Interessen scheinbar zuwiderlaufen, mag ja nett sein, aber so wichtig ist das auch nicht.</p>

<p>All das mag stimmen. Der Preis ist aber, dass das Verst&#228;ndnis von Privatsph&#228;re radikal ver&#228;ndert wird. Ich sage jetzt ganz bewusst nicht „sich ver&#228;ndert“, sondern „ver&#228;ndert wird“, weil hinter den Prozessen, die diese Ver&#228;nderungen herbei f&#252;hren, ganz klar erkennbare Interessen stehen. Vielleicht ist das Interesse nicht explizit die Umwertung des Begriffs der Privatsph&#228;re und der Anonymit&#228;t im allt&#228;glichen Leben, implizit findet diese Umwertung statt.</p>

<p>Die Wege der Profilbildung und des Hineinf&#252;hrens des freien, anonym und unbeobachtet seinen Alltag gestaltenden B&#252;rgers in die selbst verschuldete Bevormundung durch personalisierte Angebote sind vielf&#228;ltig: Kundenkarten, Profilbildungen bei Kreditkartenunternehmen, zunehmende Einf&#252;hrung personalisierter Registrierungspflichten und am umfassendsten im Kontext so genannter „sozialer Netzwerke“, deren Ziel nicht die Vernetzung ist. Diese ist vielmehr Voraussetzung f&#252;r das Gesch&#228;ftsmodell dieser Gro&#223;konzerne. Was dem Benutzer solcher Netzwerke auf der Oberfl&#228;che als „Nutzen“ angeboten wird, ist die Fassade, die den Rechenprozessen im Hintergrund &#252;bergest&#252;lpt wird, die den eigentlichen Nutzen der Netzwerke bilden, indem sie Daten nutzbar machen, die fr&#252;her (in der Regel) anonym blieben: Wer kennt wen, trifft sich mit wem, redet &#252;ber was, kauft wo was ein, geht wann in welchen Kinofilm, h&#246;rt welche Musik, kauft welche B&#252;cher, tritt welchen Fanpages bei etc.</p>

<p>Nat&#252;rlich: Wenn man nichts zu verbergen hat, braucht man all diese Aufl&#246;sung der Anonymit&#228;t, der Privatsph&#228;re nicht zu f&#252;rchten.</p>

<p>Wenn man kein Problem damit hat, dass man vom Staat unter Generalverdacht gestellt wird, indem m&#246;glichst alle Kontaktdaten aller Bundesb&#252;rger und -b&#252;rgerinnen erstmal gespeichert werden (bei Privatunternehmen, die damit in gro&#223;e Versuchung gef&#252;hrt werden!), dem kann dieses Schwinden der Privatsph&#228;re gleichg&#252;ltig sein.</p>

<p>Wenn man kein Problem damit hat, dass Profilbildung stattfindet, die personalisierte Angebote mit sich bringt, dabei aber die Privatsph&#228;re immer weiter verdr&#228;ngt und immer mehr Bereich des Privatlebens der wirtschaftlichen Verwertbarkeit zug&#228;nglich macht, man also immer seltener den &#246;konomischen Interessen um einen herum entgehen kann, der hat mit der Aufl&#246;sung von Anonymit&#228;t und Privatsph&#228;re im Internet kein Problem.</p>

<p>Wer kein Problem damit hat, dass Wirtschaft nicht mehr im Dienst der Menschen gedacht, sondern der Mensch nur noch im Dienst der Wirtschaft gesehen wird, indem Computer die Funktionalisierung des Individuums f&#252;r Interessen anderer vorantreiben, den werden das Schwinden der Privatsph&#228;re und der Anonymit&#228;t des Individuums im &#246;ffentlichen Raum nicht sonderlich viel ausmachen.</p>

<p>Wer aber der Meinung ist, dass das Individuum einen Wert an sich hat; wer der Meinung ist, dass der Mensch einen Anspruch auf Privatsph&#228;re hat, in die nicht st&#228;ndig der Staat oder Konzerne Einblick haben – ja, selbst dann, wenn man „nichts zu verbergen“ hat –; wer der Meinung ist, dass auch die Nutzung moderner Medien, wie dem Computer und dem Internet, m&#246;glich sein sollte, ohne dass st&#228;ndig jemand speichert, was wir gerade tun, der d&#252;rfte ein Problem mit dem Schwinden der Privatsph&#228;re und der Umwertung des Begriffs der „Anonymit&#228;t“ zu einem vorwiegend negativ verstandenen Begriff haben.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Das iPad im Unterricht der Schule: Ein Gespr&#228;ch mit André Spang</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 19:50:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 1.9.2011 erschien in der Zeit ein Interview mit André Spang, der als Projektleiter die „iPad-Klasse“ an der Kaiserin-Augusta-Schule (KAS), einem Gymnasium in K&#246;ln, betreut. Ich war verwundert, dass so wenig Platz f&#252;r ein solches Thema bereit gestellt wurde, da es &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/18/das-ipad-im-unterricht-der-schule-ein-gesprach-mit-andre-spang/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Am 1.9.2011 erschien </em><a href="http://www.zeit.de/2011/36/C-Interview-Ipad" target="_blank"><em>in der Zeit ein Interview mit André Spang</em></a><em>, der als Projektleiter die „</em><a href="http://ipadkas.wordpress.com/" target="_blank"><em>iPad-Klasse</em></a><em>“ an der </em><a href="http://www.kas-koeln.de/"><em>Kaiserin-Augusta-Schule</em></a><em> (KAS), einem Gymnasium in K&#246;ln, betreut. Ich war verwundert, dass so wenig Platz f&#252;r ein solches Thema bereit gestellt wurde, da es sich um das erste Projekt dieser Art in Deutschland handelt. Deshalb fragte ich André Spang, <a href="https://twitter.com/#!/tastenspieler" target="_blank">den ich aus meinem Twitter-Netzwerk als „Tastenspieler“ kenne</a>, ob er zu einem ausf&#252;hrlicheren Interview bereit w&#228;re. Das war er. Wir haben das Interview mittels E-Mail gef&#252;hrt, wobei die Fragen nach und nach an André Spang gesendet wurden, weil sich aus seinen Antworten f&#252;r mich auch erst Fragen ergeben haben, sodass der Interviewcharakter trotz des Mediums als im besten Sinne „Vermittelndes“ erhalten geblieben sein d&#252;rfte.<span id="more-6233"></span></em></p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Welche Funktion haben f&#252;r dich Medien im Unterricht, angefangen von der Kreidetafel &#252;ber Schulb&#252;cher, Hefte und Overheadprojektor bis hin zu digitalen Medien?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Sie sind Mittel zum Zweck.</p>

<p>Sie existieren parallel, wobei ich ehrlich gesagt kein gro&#223;er Freund des Overheadprojektors bin, aber auch er erstaunt mich hin und wieder.</p>

<p>Ich setze das ein was gerade passt. Die Tafel, mal abgesehen davon, dass sie mich und das Klavier, das davor steht, st&#228;ndig zu staubt, ist ein super „Tool“ &#8211; schnell einsetzbar, ohne Latenzen, gut zur Visualisierung, schlecht zur Konservierung.</p>

<p>Deshalb wird sie zweckentfremdet: Ich lasse Sch&#252;ler meine Frontalanschriften mit meinem Smartphone abfilmen und stelle das sp&#228;ter oder schon in der Stunde online, z.B. auf YouToube, im Schul-Wiki oder auf dem Unterrichtsblog.</p>

<p>Digitale Medien haben f&#252;r mich die Chance, Inhalte „nach drau&#223;en“ zu bringen, sie sind schnell, bieten viele neue M&#246;glichkeiten und sie geh&#246;ren in die (Lebens-)Welt der Sch&#252;ler. Vielleicht ersetzen sie irgendwann die „traditionellen“ Medien. Wer wei&#223; das?</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Ihr habt an der KAS das iPad als digitales Medium f&#252;r den Unterricht angeschafft. Welche neuen M&#246;glichkeiten des Unterrichtens bietet es?  </em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Wir haben es prim&#228;r angeschafft, um dazu im Unterricht mit den Sch&#252;lern auf Weblogs und auf unserem <a href="http://wikis.zum.de/kas">Schulwiki</a> zu arbeiten. Dazu fehlten uns die notwendigen, zahlreichen Zugangsm&#246;glichkeiten, denn unsere Schule hat zwei Informatikr&#228;ume und 1000 Sch&#252;ler.</p>

<p>Die Nutzung von Web2.0 Techniken ist f&#252;r uns ein wichtiges Standbein des lebenslangen, vernetzenden und individuellen Lernens. Der Vorteil eines Tablets ist seine schnelle Einsetzbarkeit („Instant-On“), seine lange Akkulaufzeit, sein geschlossenes System (speziell beim iPad) und damit die geringe Anf&#228;lligkeit f&#252;r Manipulationen, die hohe Mobilit&#228;t und die intuitive Bedienbarkeit. Nachteile, wie fehlende Steckpl&#228;tze, keine Tastatur, kleiner Bildschirm haben wir gerne und bewusst in Kauf genommen, denn die Vorteile der Nutzung im Unterricht und in unterschiedlichsten R&#228;umen und Konstellationen &#252;berwiegen f&#252;r uns. Wir k&#246;nnen die 30 Devices mit einem Rollkoffersystem in alle R&#228;ume der KAS transportieren und die Ger&#228;te sind sofort an und online.</p>

<p>Es kann wenig daran kaputt gehen (keine Maus, keine anf&#228;llige Tastatur) und die Ger&#228;te funktionieren immer und stehen dem Unterrichtsflu&#223; nicht im Weg.</p>

<p>Man kann sie kurz einsetzen, danach ein Methodenwechsel und sie liegen umgedreht auf dem Tisch oder man reicht sie herum, um z.B. darauf erstellte Mindmaps oder Bilder oder Pr&#228;sentationen anderen Sch&#252;lergruppen zu zeigen oder schliesst sie am Ende der Stunde zur Frontalpr&#228;sentationen vorne an den Beamer an.</p>

<p>Durch das reichhaltige Angebot an Apps ergeben sich dar&#252;ber hinaus weitere M&#246;glichkeiten eines mediengest&#252;tzten und konstruktivistischen Unterrichtens.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Wie unterst&#252;tzt das iPad das eigenst&#228;ndige Lernen von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen? Beobachtest du da Ver&#228;nderungen im Vergleich zu anderen Methoden, wie z. B. Lernzirkeln, Projektarbeit?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Wie oben schon erw&#228;hnt vor allem durch das selbstst&#228;ndige Arbeiten im und mit dem Netz, aber auch durch die Erstellung von Pr&#228;sentationen oder z. B. durch die Produktion von Musik, Texten (durch z.B. kollaboratives Schreiben im Wiki oder per Google-docs) oder durch Produktion von Podcasts und <a href="http://audioboo.fm/">Audioboos</a>.</p>

<p>Ein Beispiel: eine Klasse 5 mit 30 Sch&#252;lern hat nach einer kurzen Einf&#252;hrung von mir in das App Garage Band (App zur Produktion von Musik) und ein paar Textbeispielen (Rhymes-Workshops) innerhalb zwei Doppelstunden selbstst&#228;ndig und ohne weitere Hilfe in 10 Dreiergruppen mit je einem iPad pro Gruppe 10 komplette Songs produziert, getextet im Wiki, aufgenommen, abgemischt und an mich gemailt.</p>

<p>Aber auch in anderen F&#228;chern war eine starke Motivation und sehr konzentriertes und genaues Arbeiten feststellbar. Dazu gibt es ja auch <a href="http://ipadkas.wordpress.com/2011/07/21/6-monate-ipad-eine-bilanz/">konkrete Umfrageergebnisse in der Sch&#252;lerschaft</a> und auch einige <a href="http://www.youtube.com/watch?v=oQLTvviItZA">O-T&#246;ne in Form von Interviews</a>.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Wo bleibt bei der Entscheidung f&#252;r eine Technologie Raum f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler die „analoge Lerntypen“ sind, die gerne per Hand schreiben?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Es ist ja nicht so, dass die Tablets ausschlie&#223;lich eingesetzt werden, das ist ja gerade das Gute daran, dass man sie z.B. nur kurz, f&#252;r eine Recherche oder f&#252;r einen Wiki- oder Blogeintrag einsetzt und dann ein anderes Medium einsetzt oder ins Heft schreibt. Wir werden allerdings ab n&#228;chster Woche auch die M&#246;glichkeit der Stifteingabe bzw. des Schreibens mit einem Stift und entsprechender App testen. Die Sch&#252;ler werden aber nicht zur Nutzung des Devices gezwungen, man kann auch seine Notizen ins Heft machen und dann z.B. innerhalb einer Gruppenarbeit einen anderen Sch&#252;ler mit dem Device arbeiten lassen. In einer Klasse 5 hatte ich das des &#214;fteren praktiziert, weil einige Sch&#252;ler, z.B. in der 7. und 8. Stunde nicht mehr mit einem leuchtenden Bildschirm arbeiten wollten, weil sie Kopfschmerzen hatten oder einfach nur m&#252;de Augen.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Ok. Soviel zur Technik und wie die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen damit arbeiten. Ich habe mir das Wiki angeschaut. Daf&#252;r, dass &#252;ber 1000 Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen an der KAS sind, sind die Eintr&#228;ge dort &#252;berraschend wenige. Und bei sehr vielen taucht der Name Spang auf.</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Es gibt einen Kern von Kollegen, die das Wiki nutzen. Dies waren nach einer initialen Fortbildung in 2009 ca 10 Kollegen, danach wurde das Kernteam kleiner (ca. 3-4). Aus diesem Grund haben wir auch kurz vor den Sommerferien <a href="http://wikis.zum.de/kas/index.php?title=Fortbildung">eine erneute Kollegiumsfortbildung zum Thema Wiki</a> angeboten. Die Kollegen, die diese Fortbildung besucht haben, werden nun auch die Arbeit mit dem Wiki beginnen. Eine weitere Fortbildung werden wir n&#228;chste Woche ausschreiben. Wir sind uns dessen bewusst, dass da noch einiges nach vorne gehen muss. Sehr gute Inhalte gibt es aber f&#252;r Mathematik (<a href="http://wikis.zum.de/kas/index.php?title=Leistungskurs_13_Mathematik_Vieth">Beispiel 1</a>; <a href="http://wikis.zum.de/kas/index.php?title=Mathematik">Beispiel 2</a>) oder <a href="http://wikis.zum.de/kas/index.php?title=Grundkurs_Erdkunde_DK">Erdkunde</a>  und <a href="http://wikis.zumde/kas/index.php?title=Kategorie:Chemie">Chemie</a>. In den ersten 10 Schultagen des neuen Schuljahres 2011/12 haben wir dar&#252;ber hinaus fast 100 Sch&#252;ler neu im Wiki angemeldet, weitere werden folgen &#8211; ich denke, das wird einen kr&#228;ftigen Schub geben.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Wie viel Lehrer und Lehrerinnen habt ihr an der der Schule und wie viele nutzen den Klassensatz an Tablets?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Wir haben 70 Kollegen und 30 arbeiten regelm&#228;ssig mit den Devices. Die genaue Entwicklung sieht man <a href="http://ipadkas.files.wordpress.com/2011/07/ipad-warumnutzung.jpg">hier</a>.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Wie viele Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen haben seit Februar mit den Ger&#228;ten gearbeitet?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Bis jetzt haben ca. 500 von den 1000 Sch&#252;lern haben damit gearbeitet. Ich denke, dass wir bis Ende dieses Halbjahres alle Sch&#252;ler erreichen werden.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Das Gleiche bei eurer Sechsmonatsbilanz: Da kommen drei Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zu Wort. Wo ist die Masse?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Von den 500 Sch&#252;lern die die Ger&#228;te eingesetzt haben, wurden knapp 300 per Googledocsabfrage befragt und <a href="http://ipadkas.wordpress.com/2011/07/21/6-monate-ipad-eine-bilanz/">es gab sehr positive R&#252;ckmeldungen</a>.</p>

<p>Die Sch&#252;ler hatten z.B. den Eindruck, dass sie ihre Arbeitsergebnisse mit den Ger&#228;ten verbessern und dass ihnen die Arbeit an Unterrichtsaufgaben damit mehr Spa&#223; macht, dass sie die Ger&#228;te gerne regelm&#228;ssig aber zumindest h&#228;ufiger einsetzen m&#246;chten. Die drei Sch&#252;lerinnen, auf die du in der Frage anspielst, sind in einem zus&#228;tzlich gef&#252;hrten, oben bereits erw&#228;hnten <a href="http://www.youtube.com/watch?v=oQLTvviItZA">Videointerview</a> zu sehen, um die Sch&#252;ler auch mal „live“ zu Wort kommen zu lassen.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Was sagen die Kollegen und Kolleginnen dazu?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Die Kollegen sagen &#196;hnliches – sie haben positive Erfahrungen mit den Devices gemacht und w&#252;rden diese gerne weiter und h&#228;ufig einsetzen (<a href="http://ipadkas.files.wordpress.com/2011/07/fachzahl.jpg">Abbildung 1</a>; <a href="http://ipadkas.files.wordpress.com/2011/07/anwendung1.jpg">Abbildung 2</a>; <a href="http://ipadkas.files.wordpress.com/2011/07/zukunft1.jpg">Abbildung 3</a>): 20 von 21 befragten Kollegen k&#246;nnen sich vorstellen, das iPad noch st&#228;rker in ihren Unterricht zu integrieren.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Vorhin sagtest du, ein Tablet w&#252;rde zur kurzen Recherche zwischendurch genutzt. W&#252;rden dazu nicht die paar Smartphones reichen, die in den meisten Klassen sowieso anzutreffen sind? W&#228;re es nicht sowieso besser, auf Ger&#228;te zu setzen, die den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen als Alltagsger&#228;te vertraut sind?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Zur Recherche w&#228;re dies schon m&#246;glich, allerdings schwierig wegen der Einbindung der unterschiedlichen Ger&#228;te ins Netzwerk und auch wegen Sicherheitsvorschriften. Zum Arbeiten im Netz, an Pr&#228;sentationen etc. sind die Screens dann aber doch zu klein bzw. die M&#246;glichkeiten zu eingeschr&#228;nkt.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Das war jetzt viel Statistik und viel Information rund um die Anwendung von Tablet-PCs im Unterricht der KAS. Jetzt mal konkret: Inwiefern haben Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die mit dem iPad im Unterricht arbeiten, &#252;berhaupt noch Anlass, sich auf Faktenwissen einzulassen, wenn doch eh alles recherchierbar ist?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Diese zentrale Frage stellt sich in der heutigen Wissensgesellschaft generell – warum muss man noch geschichtliche Zahlen auswendig lernen? Braucht man die Bruchrechnung noch?</p>

<p>Muss ich wirklich wissen wie eine Durtonleiter aufgebaut ist?</p>

<p>Ich glaube, wenn man all dies sinn- und anwendungsfrei einpaukt, ist man in Zukunft zum Scheitern verurteilt. Hier kann das iPad ins Spiel kommen, um zum Beispiel Fakten im Zusammenhang darzustellen und zu vernetzen (Stichwort: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wiki">Wiki</a>) oder konstruktiv &#252;ber Apps t&#228;tig zu werden und gelernte Fakten anwenden, als Pr&#228;sentation, Posterentwurf, Podcast, Videopr&#228;sentation, Musikproduktion, etc.</p>

<p>Au&#223;erdem gibt es gerade im Bereich der gezielten und qualitativen Recherche viele Einsatzm&#246;glichkeiten – hier liegt auch in Zukunft der Arbeitsschwerpunkt des Lehrers, hier muss er Anleitung und Unterst&#252;tzung geben und Diskussions- und Urteilsf&#228;higkeit der Sch&#252;ler herausarbeiten und Teamarbeit weiter ausbauen.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Welche Kompetenzen f&#246;rdert der Einsatz von Tablet-PCs? Und leidet die Kompetenz, sich der Handschrift als Kulturtechnik zu bedienen, nicht noch zus&#228;tzlich unter dem Computereinsatz im Unterricht?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Einige Kompetenzen hatte ich schon erw&#228;hnt: Selbstst&#228;ndiges Arbeiten, individuelles Lernen, F&#246;rderung und Arbeitstempo, Pr&#228;sentationskompetenz, versierter Umgang mit Office-Tools, Teamarbeit und Kollaboration, Portfolio bzw. „lebenslanges Lernen“ im Web, konstruktivistisches Vorgehen, das (Lern-)Ziel steht nicht im Mittelpunkt, sondern der (Arbeits-)Prozess, ganz allgemein: Medienkompetenz und zwar im Sinne der produktiven Nutzung und nicht des Konsums und um mit den Worten einer Sch&#252;lerin zu sprechen: „Wir lernen viel, was wir auch sp&#228;ter im Studium oder Beruf gut gebrauchen k&#246;nnen“.</p>

<p>Zur zweiten Frage: Wie hat <a href="http://www.omnisophie.com/">Gunter Dueck</a> gesagt: „Heute ist das Internet erfunden (und der Leitmedienwechsel hat stattgefunden), nehmen wir es hin und es f&#252;hrt zur notwendigen Krise und dann zu einer anderen Welt“.</p>

<p>Ich w&#252;rde dies relativieren und nat&#252;rlich wird nicht ausschliesslich nur noch mit iPad gearbeitet. Trotzdem stellt sich die Frage, welche Bedeutung die Handschrift in Zukunft noch haben wird. Oder mei&#223;elt heute noch jemand seine Notizen in Stein?</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Neue Technologien im Unterricht bedeuten, dass didaktische und methodische Modelle &#252;berdacht werden m&#252;ssen. Wie integriert ihr diese Reflexionsprozesse in die engen Zeitkorridore, die Lehrer und Lehrerinnen verf&#252;gbar haben? Werdet ihr didaktische und methodische &#220;berlegungen, die sich aus euren Erfahrungen ergeben ver&#246;ffentlichen?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Diesen Schritt haben wir der Anschaffung der iPads vorangestellt, soweit dies vorausschauend m&#246;glich war, zum Beispiel im Rahmen des Schulentwicklungsteams unserer Schule (= Steuergruppe : <a href="http://steuergruppe.wordpress.com">http://steuergruppe.wordpress.com</a>) unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung der Medienkompetenzen unserer Sch&#252;ler.</p>

<p>Im laufenden Projekt fanden und finden Fortbildungen der Kollegen zum Thema iPad, Web2.0, Apps etc. statt und alle Erfahrungen werden zeitgleich auf dem Projektblog (<a href="http://ipadkas.wordpress.com">http://ipadkas.wordpress.com</a>) ver&#246;ffentlicht.</p>

<p>Nach einem halben Jahr des Einsatzes haben wir au&#223;erdem eine Umfrage unter Sch&#252;lern und Kollegen durchgef&#252;hrt. Der Einsatz der Medien im Unterricht kann zur Entlastung des einsetzenden Kollegen beitragen, weil die Sch&#252;ler selbstst&#228;ndiger arbeiten und der Kollege dadurch Zeit im Unterricht gewinnt um individueller auf einzelne Sch&#252;ler einzugehen.</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Gab es ein Erlebnis im Unterricht, das im Zusammenhang mit dem Einsatz von Tablet-PCs steht, dass dich besonders ersch&#252;ttert hat?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Nein, da muss ich leider passen – alles problemlos verlaufen, ohne „Ersch&#252;tterungen“ <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  .</p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Und was war bisher deine sch&#246;nste Erfahrung im Zusammenhang mit dem Einsatz von Tablet-PCs im Unterricht?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Es gab viele positive Erfahrungen: Konzentriert und produktiv arbeitende Klassen, die vorher im Unterricht immer nur abgelenkt, laut und unproduktiv waren; erstaunliche Ergebnisse im Bereich Musikproduktion, gerade was das selbstst&#228;ndige Arbeiten und das kreative Vorgehen der Sch&#252;ler betrifft; aber am sch&#246;nsten war die Klasse 5, die in der letzten Doppelstunde am Nachmittag um 15.15 Uhr einfach nicht nach Hause gehen, sondern weiter arbeiten wollte. Dem habe ich allerdings nach 10 Minuten Verl&#228;ngerung einen Riegel vorgeschoben <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p><strong><em>herrlarbig.de</em></strong><em>: Vor gut acht Monaten habt ihr angefangen, euch eine neue M&#246;glichkeit des Unterrichtens an die Schule zu holen. Zum Schluss dann der Blick nach vorne: Wie sieht der Unterricht in deiner Vorstellung in 10 Jahren aus?</em></p>

<p><strong>André Spang</strong>: Als ich vor 10 Jahren an der KAS angefangen habe, sagte ich bei meinem Einstellungsgespr&#228;ch, ich w&#252;rde gerne in naher Zukunft mit meinen Sch&#252;lern vernetzt &#252;ber das Internet arbeiten um die Schule und den Unterricht ins heimische Zimmer der Sch&#252;ler, aber auch in mein eigenes erweitern zu k&#246;nnen und dar&#252;ber hinaus auch mit anderen Schulen und deren Sch&#252;lern zusammen zu arbeiten.</p>

<p>Ein bisschen davon ist nun wahr geworden, zum Beispiel &#252;ber die Arbeit in Wikis und Blogs und nat&#252;rlich auch &#252;ber die „gute, alte“ E-Mail.</p>

<p>In 10 Jahren? In der Schule werden alle ihre eigenen Devices im Unterricht nutzen um damit auf die Informationen und das Wissen der Menschheit zugreifen zu k&#246;nnen und dieses Wissen um eigenes, bedeutsames Wissen bereichern. Der „Lehrer“ wird zum Lerncoach und wird dann auf seinem Weg vom Wissensvermittler hin zum Berater eine motivierende, anleitende, organisierende und das Lernergebnis b&#252;ndelnde Rolle einnehmen, denn sein spezialisiertes Wissen ist dann nicht mehr (so) bedeutend – es geht um andere Dinge und Konzepte, um gemeinsames Lernen und Partizipation.</p>

<blockquote><address>Das Interview wurde im September 2011 via E-Mail gef&#252;hrt und erscheint hier in von André J. Spang autorisierter Form. </address></blockquote>

<address><em>
</em></address>

<p><em>
</em><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Deutsche Klassik als literarische Epoche(n)</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Aug 2011 21:50:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Deutsche Klassik als literarische Epoche(n) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. In der Geschichte der deutschsprachigen Literatur ist die „Klassik“ ein sp&#228;tes Ph&#228;nomen. In Spanien gab es das klassische Zeitalter bereits &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Deutsche Klassik als literarische Epoche(n)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=6029" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>In der Geschichte der deutschsprachigen Literatur ist die „Klassik“ ein sp&#228;tes Ph&#228;nomen. In <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Siglo_de_Oro">Spanien</a> gab es das klassische Zeitalter bereits zwischen ca. 1550 und 1680, in England gilt das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabethanisches_Zeitalter">Elisabethanische Zeitalter</a> (1558–1603) als literarische Hochphase, in der Shakespeare das Theater zu einer Bl&#252;te f&#252;hrte, die selbst noch auf Goethe Einfluss hatte. In Italien begann die klassische Phase der Literatur sogar noch fr&#252;her, n&#228;mlich mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dante_Alighieri">Dante Alighieri</a> (1265–1321) und dauert bis zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Torquato_Tasso">Torquato Tasso</a> (1544–1594), dem wiederum Goethe <span id="more-6029"></span>sogar <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Torquato_Tasso_(Goethe)">ein eigenes B&#252;hnenwerk</a> widmete.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_0_6029" id="identifier_0_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. zu diesem Abschnitt Artikel auf&nbsp;Exlibris">1</a></sup></p>

<p>Dass die „<a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/klassik.htm" target="_blank">deutsche Klassik</a>“ erst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1786">1786</a> – und damit im Vergleich zu anderen Nationalliteraturen sehr sp&#228;t – beginnt<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_1_6029" id="identifier_1_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zum Teil wird der Beginn der Klassik mit Goethes Ankunft in Weimar im Jahre 1775 terminiert. Allerdings hat Goethe in den ersten Jahren in Weimar kaum etwas geschrieben, sodass man schon annahm, er habe als Autor seinen Zenit nach dem Werther und G&amp;#246;tz von Berlichingen &amp;#252;berschritten. Dass Goethe sich bei der Arbeit an &bdquo;Iphigenie auf Tauris&ldquo; bereits in einer Entwicklung fort vom Sturm und Drang befand, wusste damals nat&amp;#252;rlich noch keiner. 1786 wurde die dritte Fassung der Iphigenie fertig.&nbsp;Diese Fakten und da der Bezug zur Antike, der f&amp;#252;r die deutsche Klassik bedeutend ist, erst auf Goethes Italienreise deutlich erkennbar wird, folge ich Festsetzung des Beginns der Klassik auf den Beginn der Italienreise Goethes. Epochengrenzen sind immer schwer festzulegen. Mir scheint aber die Begr&amp;#252;ndung f&amp;#252;r das Jahr 1786 nachvollziehbarer">2</a></sup> und nur bis zu Schillers Tod <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1805">1805</a> dauert, hat sicherlich mit der politischen Entwicklung Deutschlands zu tun, aber wom&#246;glich kommt eine literarische Blindheit hinzu, die zentrale Gestalten und Epochen der deutschsprachigen Literatur aus dem Bewusstsein der breiten Bev&#246;lkerung einfach ausblendet. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die deutsche Klassik in der Regel nur mit Goethe und Schiller verbunden wird, denen am Rande dann noch Humboldt zur Seite gestellt wird. Klassik im literarischen Sinne bezeichnet aber eine Epoche in einer Nationalliteratur, „die wegen ihrer besonders reichen Entfaltung, ihrer Dichte an Werken von hohem k&#252;nstlerischem Rang, ihrer Wirkung auf sp&#228;tere Epochen und ihrer internationalen Bedeutung als die <em>Klassik</em> angesehen wird“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_2_6029" id="identifier_2_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://xlibris.de/Epochen/Klassik">3</a></sup>.</p>

<p>Zwei Autoren sollen eine solche Epoche ausmachen? Nun, es stimmt, die <a href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/timeline/timeline-goethe.html" target="_blank">Zeit</a> von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1774" target="_blank">1774</a>, dem Erscheinungsjahr von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ bis zum Revolutionsjahr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1848" target="_blank">1848</a> waren gepr&#228;gt von gro&#223;artigen Autoren, die aber seltsamerweise selten der deutschsprachigen Klassik zugeordnet werden: <a href="http://xlibris.de/Autoren/Hoelderlin" target="_blank">H&#246;lderlin</a>, <a href="http://xlibris.de/Autoren/Paul" target="_blank">Jean-Paul</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Martin_Wieland" target="_blank">Wieland</a>, <a href="http://xlibris.de/Autoren/Kleist" target="_blank">Kleist</a>, <a href="http://xlibris.de/Autoren/Heine" target="_blank">Heine</a>, die <a href="http://xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">Romantiker</a> etc. werden nicht der literarischen Epoche der deutschen Klassik zugeordnet, obwohl doch erst diese F&#252;lle von gro&#223;en Autoren in weniger als hundert Jahren den Fokus auf diese Zeit richtet.</p>

<p>Ja, Goethe und Schiller werden in der Regel noch einmal aus dem Reigen der Autoren dieser Zeit hervorgehoben, weil sie mit ihrem Werk universeller waren, aber wenn zwei Autoren eine klassische Epoche kennzeichnen k&#246;nnen, dann gab es in Deutschland noch eine zweite klassische Epoche, die der Sprachentwicklung bis heute zentrale Impulse gegeben hat: Die <a href="http://www.textlog.de/6227.html" target="_blank">deutsche Mystik</a>. Viele Pr&#228;fixe und Suffixe, die bis heute von Bedeutung sind, wurden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprachgeschichte#.C3.84nderungen_im_morphologischen_und_syntaktischen_System_2" target="_blank">von der mystischen Literatur gepr&#228;gt</a>. Die <a href="http://xlibris.de/Epochen/Barock" target="_blank">Zeit des Barocks </a>brachte bedeutende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Poetik" target="_blank">poetologische Schriften</a> und mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jakob_Christoffel_von_Grimmelshausen" target="_blank">Grimmelshausens </a>„<a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Grimmelshausen/Werke/Simplicissimus" target="_blank"><em>Der</em> </a><em><a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Grimmelshausen/Werke/Simplicissimus" target="_blank">Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch</a></em>” erschien der wohl erste deutschsprachige Roman, der zum Teil als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_abenteuerliche_Simplicissimus" target="_blank">der erste Abenteuerroman</a> der Welt angesehene wird, im Bewusstsein deutschsprachiger Nationalliteratur, wohl auch wegen massiver dialektaler Pr&#228;gung des Werkes, kaum eine Rolle spielt, auch wenn der Roman kaum unbedeutender als der ca. sechzig Jahre fr&#252;her ver&#246;ffentlichte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Don_Quijote" target="_blank">Don Quijote</a> von <a title="Miguel de Cervantes" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Miguel_de_Cervantes" target="_blank">Miguel de Cervantes</a> ist.</p>

<p>Es gab in der Zeit vom 12. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert also drei Phasen, die ich bereit w&#228;re, f&#252;r die deutsche Literatur als klassisch zu betrachten: Die deutschen Mystik, das Zeitalter des Barocks und die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.</p>

<p>Gemeinsam ist diesen Zeiten, dass sie nicht nur f&#252;r die Sprachentwicklung von herausragender Bedeutung waren, sondern auch relevante literarische Eigenleistungen der Autoren hervorbrachten. – Eine Sonderrolle nimmt bei solchen &#220;berlegungen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luther" target="_blank">Luther</a> ein, der mit seiner &#220;bersetzung der Bibel ins Deutsche zwar sprachhistorisch hochgradig relevant ist, aber dar&#252;ber hinaus literaturhistorisch nicht die Gr&#246;&#223;e eines <a href="http://www.eckhart.de/" target="_blank">Meister Eckhart</a>, einer <a href="http://mechthild-von-magdeburg.de/biographie.htm" target="_blank">Mechthild von Magdeburg</a>, eines <a href="http://www.br-online.de/bayern2/radiotexte-am-samstag/grimmelshausen-courage-literatur-ID1290424713497.xml" target="_blank">Grimmelshausens</a>, Goethes oder Schillers erreichte.</p>

<p>Dass wir also von der Zeit zwischen <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=900" target="_blank">Goethes Italienreise</a> (1786–88) und <a href="http://www.schiller-biographie.de/index.php?id=184" target="_blank">Schillers Tod</a> (1805) f&#252;r die deutsche Sprach- und Literaturgeschichte als Klassik bezeichnen, so mag das damit zu tun haben, dass die deutsche Sprachentwicklung zu diesem Zeitpunkt an einem Punkt angelangt war, der uns auch heute noch verst&#228;ndlich ist.</p>

<p>Dass die deutsche Klassik h&#228;ufig auch „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Klassik" target="_blank">Weimarer Klassik</a>“ genannt wird, erscheint mir symptomatisch f&#252;r eine Sprachgemeinschaft, die in Kleinstaaterei so zerrissen ist, dass f&#252;r literarische Entwicklungen und Freiheiten der jeweilige Landesherr von gro&#223;er Bedeutung war. Das galt schon bei Luther, aber auch Goethe und Schiller waren von der Gunst ihrer Landesherren abh&#228;ngig. Deutschland hatte damals kein Zentrum wie Paris in Frankreich, oder London in England, doch von seiner Bedeutung her war <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=804" target="_blank">Weimar als „Deutschlands Athen“</a> &#252;berragend.</p>

<p>Goethe floh vor der Last des Ministeramtes nach Italien. Wenn von der „<a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=900" target="_blank">Italienischen Reise</a>“ gesprochen wird, so handelt es sich mehr um eine Flucht, als um eine Reise, um eine &#228;u&#223;erst fruchtbare Flucht allerdings, ohne die man sich den sp&#228;teren Goethe kaum denken kann. Goethe selbst schreibt in seinem Tagebuch &#252;ber den Aufbruch:</p>

<blockquote><span class="Apple-style-span" style="font-size: xx-small;"><em><span style="color: #654f42;">„Den 3. September fr&#252;h drei Uhr stahl ich mich aus dem Karlsbad weg, man h&#228;tte mich sonst nicht fortgelassen. Man merkte wohl, da&#223; ich fort wollte. </span></em></span><span class="Apple-style-span" style="font-size: xx-small;"><em><span style="color: #654f42;">Ich lie&#223; mich aber nicht hindern, denn es war Zeit.“</span></em></span>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #654f42;"><em><span style="font-size: xx-small;">Goethes Tagebuch, 3.9.1786</span></em></span></p>
</blockquote>

<p>In Italien entdeckt Goethe die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Reise" target="_blank">Antike</a>. Dieser Epoche stand auch Schiller nahe. In Verbindung mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance" target="_blank">Renaissance</a>, die schon einmal die Werke der griechischen und auch der r&#246;mischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antike" target="_blank">Antike</a> wiederentdeckte und sich an ihnen k&#252;nstlerisch orientierte, steht die deutsche Klassik in einer uralten, auf griechischem und r&#246;mischen Kunstverst&#228;ndnis basierenden Fundamenten.</p>

<p>Ja, Goethe hat schon fr&#252;her durch <a href="http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/winckelmann1764" target="_blank">Winkelmanns „Geschichte der Kunst des Altertums“ (1764)</a> ein Bild von der Antike, aber erst auf der Reise durch Italien kam die pers&#246;nliche Anschauung hinzu. F&#252;r Goethe begann dort eine Umorientierung seines Kunstverst&#228;ndnisses. Vom Sturm und Drang hatte er sich mit dem Antritt des Dienstes am Weimarer Hof faktisch verabschiedet, mit <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CBsQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.xlibris.de%2FAutoren%2FGoethe%2FWerke%2FDie%2520Leiden%2520des%2520jungen%2520Werthers&amp;ei=3A47Ts_pKozVsgbw49Ew&amp;usg=AFQjCNFVn7OSyxfCK_3KXBo3w34Xw7cjgQ" target="_blank">Werther</a> und <a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Goethe/Werke/G&#246;tz%20von%20Berlichingen" target="_blank">G&#246;tz von Berlichingen</a> hatte er aber auch Werke verfasst, die dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kunst#Aufkl.C3.A4rung" target="_blank">Kunstverst&#228;ndnis der Aufkl&#228;rung</a>, das in vielen F&#228;llen von <a href="http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/literatur18/Zusammenfassung%20Gottsched.pdf" target="_blank">Regelpoetiken</a> gepr&#228;gt war, widersprachen. Die Besch&#228;ftigung mit der Antike f&#252;hrte ihn zu einem Kunstverst&#228;ndnis, in dem es um Einheit – in unserer heutigen Sprache w&#252;rden vielleicht den Begriff der „Ganzheitlichkeit“ nutzen – ging. Die Vernunft und die sinnliche Seite des Menschen sollten in ein Gleichgewicht gebracht werden, Pflicht und pers&#246;nliche Interessen zusammen finden, Subjektivit&#228;t und Objektivit&#228;t ausgewogen zur Geltung kommen.</p>

<p>Was Goethe in Italien fand, entwickelte sich f&#252;r Schiller als Geisteshaltung in seiner Besch&#228;ftigung mit <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/310" target="_blank">Immanuel Kants</a> Schriften, wobei vor allem die „<a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/3507/1" target="_blank">Kritik der Urteilskraft</a>“ (1790) von gro&#223;er Bedeutung gewesen sein d&#252;rfte, in der die &#196;sthetik der Natur und der Kunst reflexiv auf ihren Bezug zur menschlichen Beurteilung von Natur und Kunst aufgearbeitet wird.</p>

<p>Diese Synthese dr&#252;ckt sich in der Vorstellung des Wahren, Guten und Sch&#246;nen aus, das z.B. als Schriftzug an der Frankfurter Alten Oper bis heute prominent in Frankfurt und dort in unmittelbarer Nachbarschaft zu den T&#252;rmen des Bankenviertels finden l&#228;sst.</p>

<p>Das Individuum wird als autonom angesehen, doch die Natur ist von Gott geordnet, auch wenn das Gottesbild Goethes eher abstrakt bleibt als auf einen christlichen Gott bezogen zu sein, wie in seiner Hymne „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus_(Hymne)" target="_blank">Prometheus</a>“ klar erkennbar ist.</p>

<p>Schlie&#223;lich, diese Aufz&#228;hlung von Merkmalen des Welt- und Menschenbildes der literarischen deutschen Klassik ist unvollst&#228;ndig!, ergibt sich aus dem Ideal der Klassik die Vorstellung der Bildung und der Selbstbildung, die in Goethes gro&#223;em Roman „<a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Goethe/Werke/Wilhelm%20Meisters%20Lehrjahre" target="_blank">Wilhelm Meister</a>“ im Zentrum stehen. Der <a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/epik/roman.htm" target="_blank">Entwicklungs- bzw. Bildungsroman</a> ist sicherlich mit der Klassik eng verbunden.</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1794" target="_blank">1794</a> kam es nach langer Distanziertheit zu einem <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=808" target="_blank">Treffen zwischen Goethe und Schiller,</a> in dem sie ihre Gemeinsamkeiten erkannten und entdeckten, dass sie sich erg&#228;nzten. Diese &#220;bereinstimmung hatte allerdings auch mit der Distanz beider Dichter zur franz&#246;sischen Revolution (wie sie sich bis dahin entwickelt hatte) zu tun. – Ohne diese Begegnung, diesen Beginn der Zusammenarbeit beider Dichter, w&#228;re es zu der Weimarer Klassik, wie wir sie heute kennen nicht gekommen. Nicht nur, dass Schiller und Goethe fruchtbar kritisch auf das Werk des je anderen blickten, sie feuerten auch einander an, sodass es <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1797" target="_blank">1797</a> zu dem sogenannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Balladenjahr" target="_blank">Balladenjahr</a> kam. Und die Ballade wurde zu einem wichtigen Ausdrucksmittel der Weimarer Klassik.</p>

<p>Gef&#252;hl und Reflexion, verbinden sich in der Literatur der Weimarer Klassik. War es im <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Sturm%20und%20Drang" target="_blank">Sturm und Drang</a> „nur“ das Gef&#252;hl, f&#252;r das ein Ausdruck gesucht wurde und in der <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Aufklaerung" target="_blank">Aufkl&#228;rung</a> vermeintlich vor allem der Verstand und somit die Reflexionsf&#228;higkeit, die im Zentrum stand, versuchte die Klassik deren Verbindung. In dieser Verbindung entsteht gleichzeitig ein Verst&#228;ndnis des „<a href="http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm" target="_blank">Ideal</a>s“, eine Vorstellung davon, wie der Mensch sein k&#246;nnte und das Streben nach diesem Ideal.</p>

<p>Wie sich die Klassik konkret vor allem in der Lyrik zeigt und welches Menschenbild in der Lyrik der Klassik zu finden ist, wird Thema von Einzelanalysen von Gedichten sein, die im Laufe der n&#228;chsten Wochen hier erscheinen sollen. So viel sei aber schon gesagt: Der Mensch wird als zwischen Geist und Materie stehend betrachtet, seine Humanit&#228;t soll durch Kunst und Dichtung gef&#246;rdert werden und so letztlich ein Weltb&#252;rgertum entstehen, das in der Lage ist, das Denken in Grenzen zu &#252;berwinden.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_3_6029" id="identifier_3_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu: Willi Vocke &ndash; Weimarer Klassik">4</a></sup></p>

<h4>Literaturverzeichnis<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_4_6029" id="identifier_4_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Weiterf&amp;#252;hrende Informationen auch als Links im Text. Hier sind nur die Texte aufgef&amp;#252;hrt, die direkten Einfluss auf diesen Beitrag hatten.">5</a></sup></h4>

<ul>
    <li>Dieter Borchmeyer (DuMont Schnellkurs Goethe), Goethe in Weimar (1775–1786) auf Website goethezeiportal.de unter <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=804" target="_blank">http://www.goethezeitportal.de/?id=804</a> (Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
    <li>Albert Meier, Sizilianische Entt&#228;uschungen. Johann Hermann Riedesel und Johann Wolfgang Goethe in der Magna Gracia, in: Christiana Albertina. Forschungsbericht und Halbjahresschrift der Universit&#228;t Kiel. Heft 50 (neue Folge). April 2000, S. 5-19. (<a href="http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/Goethe2010/Meier,%20Albert%20-%20Sizilianische%20Entt&#228;uschungen..pdf" target="_blank">PDF</a>).</li>
    <li>Adelheid Petruschke, Lyrik von der Klassik bis zur Moderne, Stuttgart / Leipzig 2004 (Stundenbl&#228;tter Deutsch).</li>
    <li>Wolfgang Pohl, Die Epoche der deutschen Klassik (1786–1732) – <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/klassik.htm" target="_blank">http://www.pohlw.de/literatur/epochen/klassik.htm</a> (Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
    <li>Dr. Axel SanJosé, Literaturepoche Klassik – <a href="http://xlibris.de/Epochen/Klassik" target="_blank">http://xlibris.de/Epochen/Klassik</a> (Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
    <li>Inge Stephan, Weimarer Klassik, in: Wolfgang Beutin, Klaus Ehlert et al., Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anf&#228;ngen bis zur Gegenwart, Stuttgart / Weimar 1994 (5. Auflage), S. 161–169.</li>
    <li>Willi Vocke, Weimarer Klassik – <a href="http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm" target="_blank">http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm </a>(Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
</ul>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/01/was-im-deutsch-grundkurs-zu-lesen-sein-wird-landesabitur-hessen-2013/" rel="bookmark" title="1. August 2011">Was im Deutsch-Grundkurs zu lesen sein wird (Landesabitur Hessen 2013)</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/12/02/voraussetzungen-zum-verstehen-der-dramen-schillers-etc/" rel="bookmark" title="2. Dezember 2010">Voraussetzungen zum Verstehen der Dramen Schillers etc.</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/12/07/herrn-larbigs-bibliothek-5-walt-whitman-grasblaetter/" rel="bookmark" title="7. Dezember 2009">Herrn Larbigs Bibliothek 5 – Walt Whitman: Grasbl&#228;tter</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/04/05/gedichtinterpretation-goethe-ein-jugendgefahrdender-autor/" rel="bookmark" title="5. April 2011">Gedichtinterpretation: Goethe – ein jugendgef&#228;hrdender Autor</a></li>
</ul>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_6029" class="footnote">Vgl. zu diesem Abschnitt <a href="http://xlibris.de/Epochen/Klassik" target="_blank">Artikel auf Exlibris</a></li><li id="footnote_1_6029" class="footnote">Zum Teil wird der Beginn der Klassik mit Goethes Ankunft in Weimar im Jahre <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1775">1775</a> terminiert. Allerdings hat Goethe in den ersten Jahren in Weimar <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=804" target="_blank">kaum etwas geschrieben</a>, sodass man schon annahm, er habe als Autor seinen Zenit nach dem Werther und G&#246;tz von Berlichingen &#252;berschritten. Dass Goethe sich bei der Arbeit an „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Iphigenie_auf_Tauris" target="_blank">Iphigenie auf Tauris</a>“ bereits in einer Entwicklung fort vom Sturm und Drang befand, wusste damals nat&#252;rlich noch keiner. 1786 wurde die dritte Fassung der Iphigenie fertig. Diese Fakten und da der Bezug zur Antike, der f&#252;r die deutsche Klassik bedeutend ist, erst auf Goethes Italienreise deutlich erkennbar wird, folge ich Festsetzung des Beginns der Klassik auf den Beginn der Italienreise Goethes. Epochengrenzen sind immer schwer festzulegen. Mir scheint aber die Begr&#252;ndung f&#252;r das Jahr 1786 nachvollziehbarer</li><li id="footnote_2_6029" class="footnote"><a href="http://xlibris.de/Epochen/Klassik">http://xlibris.de/Epochen/Klassik</a></li><li id="footnote_3_6029" class="footnote">Vgl. hierzu: Willi Vocke – <a href="http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm" target="_blank">Weimarer Klassik</a></li><li id="footnote_4_6029" class="footnote">Weiterf&#252;hrende Informationen auch als Links im Text. Hier sind nur die Texte aufgef&#252;hrt, die direkten Einfluss auf diesen Beitrag hatten.</li></ol>
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		<title>Kompetenzorientiert unterrichten: Ein Vorschlag.</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Nov 2010 23:01:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das folgende Szenario ist zwar nicht unrealistisch, in der hier vorgelegten Form aber frei erfunden. &#196;hnlichkeiten mit realen Erlebnissen im Unterricht sind nicht gewollt, werden nicht angestrebt, d&#252;rften aber nicht vermeidbar sein. Oberstufe, Deutsch Grundkurs. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bekommen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/19/kompetenzenorientiert-unterrichten-ein-vorschlag/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das folgende Szenario ist zwar nicht unrealistisch, in der hier vorgelegten Form aber frei erfunden. &#196;hnlichkeiten mit realen Erlebnissen im Unterricht sind nicht gewollt, werden nicht angestrebt, d&#252;rften aber nicht vermeidbar sein.</p>

<p>Oberstufe, Deutsch Grundkurs. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bekommen nach der (vom Lehrer unterstellen, nicht in allen F&#228;llen tats&#228;chlich erfolgten) Lekt&#252;re eines Dramas den <strong>Auftrag</strong>, die Figuren des Dramas in ihren Beziehungen zueinander in einer grafischen Form darzustellen. Der Lehrer erwartet, dass die Sch&#252;lerinnen auf der Basis des Personenverzeichnisses des Dramas, ihrer beim Lesen erworbenen Textkenntnis und der gezielten, wiederholten Lekt&#252;re einzelner Szenen, zu einem vertieften Verst&#228;ndnis des Dramas kommen. Die Aufgabe wird Mittwochs erteilt und soll bis zur n&#228;chsten Stunde am Dienstag der Folgewoche bearbeitet sein.</p>

<p>Am Dienstag macht der Lehrer die ihn &#252;berraschende <strong>Entdeckung</strong>, dass zwar 80% des Kurses die Aufgabe gemacht haben, von diesen aber 50% zwei Nebenfiguren nicht ber&#252;cksichtigt haben und durchweg den gleichen Fehler in der Grafik gemacht haben.</p>

<p>Alternative: Am Dienstag macht der Lehrer die ihn &#252;berraschende Entdeckung, dass zwar 80% des Kurses die Aufgabe gemacht haben, die Grafiken aber alle super korrekt sind und sich extrem &#228;hneln, als ob sie voneinander abgeschrieben worden w&#228;ren.</p>

<p>Welcher Fall auch eintreten mag, der hier gedachte Lehrer ist &#228;u&#223;erst &#252;berrascht und fragt sich, was da passiert ist.</p>

<p>Hier nun ein paar <strong>Beispiele</strong>, wie es abgelaufen sein k&#246;nnte: <span id="more-5234"></span></p>

<p>- Der Lehrer ist mit der Aufgabenstellung in eine Klausurenwoche geraten, die so aussah, dass Donnerstag, Freitag und Montag Arbeiten geschrieben wurden. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben hier ihre Schwerpunkte gesetzt. Um so erstaunlicher, dass dennoch 80% des Kurses die Aufgabe „gemacht“ haben.</p>

<p>- Die Sch&#252;ler haben in weit geringerem Ausma&#223; die Lekt&#252;re gelesen, als der Lehrer angenommen hat. Er geht davon aus, dass das Lesen Hausaufgabe war und er jetzt mit dem Werk so arbeiten k&#246;nne, als sei diese auch von allen bew&#228;ltigt worden. In Wirklichkeit haben 25% den Text bereits ganz gelesen, w&#228;hrend weitere 30% etwa bei der H&#228;lfte angelangt sind, 25% die Textausgabe zwar vorliegen, aber mit der Lekt&#252;re noch nicht begonnen haben, und 20% die Textausgabe noch gar nicht verf&#252;gbar haben, aus welchen Gr&#252;nden auch immer. — Auch in diesem Falle ist es erstaunlich, dass so viele Sch&#252;ler die Hausaufgabe „gemacht“ haben.</p>

<p>Was aber ist passiert? Ein nicht unrealistisches Szenario ist, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zur Bew&#228;ltigung der Aufgabe, die bei einem Drama alles andere als untypisch ist, im <strong><a href="http://weblog.histnet.ch/archives/4285" target="_blank">Internet</a></strong> recherchierten und dort entdeckten, dass die <strong>L&#246;sung der Aufgabe</strong>, sogar in Form von Schaubildern, abrufbar ist. Im Szenario mit den kollektiv auftretenden, identischen M&#228;ngeln, wurden die Sch&#252;ler via hoch geranktem Suchmaschineneintrag zu einer fehlerhaften Grafik gef&#252;hrt, die ohne &#220;berpr&#252;fung &#252;bernommen wurde, wenn auch vielleicht nicht einfach ausgedruckt; im Szenario mit den richtigen, einander sehr &#228;hnelnden Grafiken ist das gleiche passsiert, nur das mittels <strong>Suchmaschine</strong> gefundene Ergebnis war zuverl&#228;ssiger als im ersten Fall.</p>

<p>Der <strong>Lerneffekt</strong> dieser Aufgabe kann angesichts des Umgangs der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit ihr als sehr niedrig angesetzt werden. Dies mag man mangelnder Motivation zuschreiben, den Umst&#228;nden anlasten, in deren Kontext die Aufgabe gestellt wurde oder aber als „ganz normales Sch&#252;lerverhalten“ abtun und so die gesamte  Verantwortung f&#252;r den geringen Lerneffekt den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen anlasten.</p>

<p>All diese Einsch&#228;tzungen m&#246;gen der Realit&#228;t sehr nahe kommen. Aber selbst dann, wenn die Sch&#252;ler unmotiviert sind, sich durch Klausurendichte &#252;berlastet f&#252;hlen oder „normales Sch&#252;lerverhalten“ angesichts solcher Aufgaben zeigen, entlastet das den Lehrer nicht von der Frage, warum solche Aspekte in der Unterrichts- und Aufgabenplanung nicht ber&#252;cksichtigt wurden, geh&#246;rt Lerngruppenanalyse doch durchaus zu den Ausbildungsgegenst&#228;nden im Referendariat — und f&#252;r gelingenden Unterricht zum Kerngesch&#228;ft des Lehrers.</p>

<p>Aber auf <strong>Lehrerseite</strong> gilt, eigentlich &#228;hnlich wie auf der Sch&#252;lerseite, dass das Stundendeputat, die Zahl der anstehenden Korrekturen etc., m&#246;glicherweise nicht in jedem Fall eine den Anspr&#252;chen von Unterrichtsbesuchen im Referendariat angemessene Ber&#252;cksichtigung aller Details bei der Unterrichtsplanung zul&#228;sst. Die Aufgabe wurde m&#246;glicherweise einem vorhandenen Unterrichtsentwurf, einem Schulbuch oder gar, man achte auf die Parallelit&#228;t im Verhalten zu dem der Sch&#252;ler, einer Website entnommen, ohne dass &#252;ber die Aufgabenstellung und die in ihr liegenden M&#246;glichkeiten und Grenzen n&#228;her nachgedacht wurde.</p>

<p>Nun k&#246;nnte man annehmen, die Wurzel allen &#220;bels l&#228;ge im „verdammten“ Internet, l&#228;ge darin, dass der Mensch wenig Sinn darin sieht, bereits vorhandenes und leicht greifbares Wissen noch einmal wirklich zu erarbeiten, v&#246;llig unabh&#228;ngig davon, ob es sich dabei um Lernende oder Lehrende handelt.</p>

<p>Man kann aber auch in Erw&#228;gung ziehen, dass es nicht unangebracht sein k&#246;nnte, die Tatsache des heute viel leichter greifbaren Wissens via Internet in die didaktische und methodische Planung des Unterrichts einzubeziehen.</p>

<p>Wie aber k&#246;nnten <strong>L&#246;sungen</strong> f&#252;r das Problem aussehen?</p>

<p>Antworten auf diese Frage sind l&#228;ngst vorhanden. In vielen F&#228;llen werden sie auch von Lehrenden schon lange ber&#252;cksichtigt. Mal werden diese Antworten mit dem Begriff „<em>Projektunterricht</em>“ zusammengefasst, mal wird von „<em>problemorientiertem Unterricht</em>“ gesprochen, auf jeden Fall aber sind diese Antworten seit mindestens den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts verf&#252;gbar. Und auch der Begriff der „<em>Kompetenzorientierung</em>“ f&#252;gt diesen Antworten weit weniger Neues hinzu, als es die &#246;ffentliche Darstellung vermuten l&#228;sst. Nein, Kompetenzorientierung ist im Unterricht vieler Lehrender bereits seit l&#228;ngerem viel st&#228;rker angezielt, als man angesichts des Get&#246;ses um diesen Begriff meinen k&#246;nnte.</p>

<p>Kompetenzorientierung von Unterricht ist vor allem eine Differenzierung und Erg&#228;nzung bisheriger Antworten, aber mitnichten eine Neuerfindung des Unterrichtens. Zumindest wer konstruktivistischen Modellen des Lernens und Lehrens folgt, orientiert sich l&#228;ngst an Kompetenzen. Die Ver&#228;nderungen, die mit diesem Begriff verbunden sind, liegen 1. im Wechsel der Vorgaben von input-orientierten hin zu output-orientierten Formulierung in Lehrpl&#228;nen, die nun Bildungsstandards kreieren und kerncurriular orientierte Vorgaben machen und 2. in der st&#228;rkeren Ber&#252;cksichtigung metakognitiver Prozesse der Lernenden, die den eigenen Lernprozess st&#228;rker reflexiv in den Blick nehmen, als dies bislang der Fall gewesen sein d&#252;rfte.</p>

<p>Doch zur&#252;ck zu Ausgangsfrage. Wie k&#246;nnten oben angesprochene, f&#252;r das Lernen wenig effektive Szenarien anders gestaltet werden?</p>

<p>Voraussetzung f&#252;r eine <strong>Aufgabenkultur</strong>, die <strong>Lernprogression</strong> m&#246;glich macht, ist, dass die leicht greifbare Verf&#252;gbarkeit von Wissen via Internet akzeptiert wird, ohne den Anspruch aufzugeben, dass Wissen anzueignen ist. Ja, auch im Begriff der Kompetenzorientierung wird Wissen im Idealfall nicht zum &#252;berfl&#252;ssigen Appendix, sondern bleibt nach wie vor Teil dessen, was Schule leisten soll. Kompetent zu sein bedeutet eben nicht, nur zu wissen, wo ich Wissen nachschlagen kann <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Kompetenzorientierung zielt vor allem auf die Frage ab, wie mit Wissensbest&#228;nden, die verf&#252;gbar sind, so gearbeitet werden kann, dass das Wissen dabei auch erworben wird und in einen Kontext des handelnden Umgangs mit Wissen gestellt wird.</p>

<p>Ein <strong>Beispiel aus meiner eigenen Praxis</strong>, das bewusst fern der von mir studierten F&#228;cher angesiedelt ist. Dieses Blog betreibe ich mit <a href="http://wordpress-deutschland.org" target="_blank">WordPress</a>. Ich bediene mich also einer von anderen programmierten Plattform und arbeite mit ihr. Bei dieser Arbeit komme ich aber immer wieder an Punkte, an denen ich &#252;ber die Vorgaben des Programms und des gew&#228;hlten Themes meines Blogs hinaus etwas umsetzen m&#246;chte. Ich beginne dann, im Code des Programms oder des Themes etwas zu ver&#228;ndern. Da ich aber von PHP eigentlich keine Ahnung habe, muss ich recherchieren, bedienen ich mich bei dem Wissen, das andere generiert und zur Verf&#252;gung gestellt haben. Ich kann dieses Wissen aber nicht einfach abschreiben, sondern muss es im Kontext der Aufgabe, die ich mir gerade selbst gestellt habe, anwenden. Und auch ein Auswendiglernen der Regeln dieser Programmiersprache w&#252;rde mir nicht viel helfen, solange ich keine Ahnung davon habe, was die einzelnen Codeschnipsel im Zusammenhang bewirken.</p>

<p>Im Laufe der Zeit beobachtete ich, dass ich f&#252;r immer mehr der von mir angestrebten Eingriffe in den Code, der diese Website am Laufen h&#228;lt, immer seltener in Referenzwerken nachschlagen musste. Ja, nachdem ich ein wenig von dem Grundprinzip der Programmiersprache verstanden hatte, konnte ich sogar an Stellen von dem mir angeeigneten Grundverst&#228;ndnis der Programmiersprache (wirklich nur Grundverst&#228;ndnis, da ich mir die Aufgabe bislang nicht stellte, richtig komplexe PHP-Probleme anzugehen) ausgehend, ohne einen Blick in Referenzwerke zu werfen, L&#246;sungen f&#252;r Aufgaben finden, die mir vorher nicht begegnet waren. Ich habe mir also eine Grundkompetenz im Umgang mit PHP angeeignet.</p>

<p>In einem Kompetenzenmodell k&#246;nnte das so umschrieben werden: „Hat sich auf der Basis vorhandenen PHP-Codes die Komptenz angeeignet, einfache bis mittelschwere Aufgaben zu l&#246;sen, die zu dem vorhandenen Code neue Funktionen hinzuf&#252;gen oder vorhandene Funktionen an eigene Bed&#252;rfnisse anpassen. Dabei ist er in der Lage, Referenzwerke angemessen einzusetzen und, von vorhandenen Kenntnissen ausgehend, auch L&#246;sungen auf der Basis eines erworbenen Grundverst&#228;ndnisses, zumindest bei einfachen Arbeiten im Code, zu finden, ohne erneut in einem Referenzwerk nachzuschlagen.“</p>

<p>Nun scheint es auf den ersten Blick leichter, Aufgaben mit <a href="http://runningtom.wordpress.com/2010/11/11/handlungsorientierter-unterricht-2/" target="_blank">Handlungsorientierung</a> zu entwerfen, wenn es um die Anwendung einer Programmiersprache geht, als im Kontext des Umgangs mit Literatur. Dennoch bin ich der &#220;berzeugung, dass das hier beschriebene Lernprinzip in allen F&#228;chern anwendbar ist, auch dort, wo es um weit mehr als nur Grundkompetenzen geht, wie zum Beispiel in Leistungskursen oder im Studium.</p>

<p>Die Antwort auf die oben dargestellten Ph&#228;nomene im Umgang mit Aufgaben im Unterricht muss also ber&#252;cksichtigen, dass Aufgaben nicht so gestellt werden sollten, dass Antworten 1:1 aus Referenzwerken &#252;bernommen werden k&#246;nnen. Im Gegenteil: Es sollte sogar der <strong>Umgang mit</strong> solchen <strong>Referenzen</strong> vorausgesetzt und gef&#246;rdert werden. Es kann nicht darum gehen, Lernende oder Lehrende schief anzuschauen, wenn sie Internetressourcen nutzen. Es muss vielmehr darum gehen, diese in den <strong><a href="http://basedow1764.wordpress.com/2010/10/14/der-bluff-der-kompetenzorientierung/" target="_blank">Prozess der Lernprogression</a></strong> (des nachvollziehbaren und vielleicht sogar messbaren Lernfortschritts) einzubeziehen und entsprechende Aufgaben zu kreieren.</p>

<p>Eine einfache Form im Kontext der oben genannten Aufgabe zu den Figurenkonstellationen in einem Drama k&#246;nnte zum Beispiel lauten: „Wie stehen die Figuren im Drama zueinander in Beziehung? Im Internet finden sie unter xxx und yyy zwei Grafiken, die diese Konstellationen darzustellen beanspruchen. Die Ergebnisse dieser Grafiken sind unterschiedlich. Welche stimmt? Wo liegt in einer der beiden Grafiken der Fehler? K&#246;nnen Sie erkl&#228;ren, wie es zu diesem Fehlern gekommen ist?“</p>

<p>Wie gesagt, dieses Beispiel ist eines der weniger komplexen Art, unter anderem auch deshalb, weil es noch wenig Differenzierungsm&#246;glichkeiten f&#252;r unterschiedliche Leistungsstufen oder Lerntypen beinhaltet. Es gibt aber ein wenig die Richtung vor, in die <strong>effektive Lernaufgaben heute</strong> zielen sollten / m&#252;ssen.</p>

<p>Die Voraussetzung f&#252;r effektives Lernen ist, dass <strong>echte Aufgaben</strong> zu bew&#228;ltigen sind. Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen kennen das in der Regel aus Zusammenh&#228;ngen, in denen sie ihren Hobbys folgen, sei es im Sport, sei es im Kontext von Musik, Kunst oder auch Computerspielen der komplexeren Art, zu denen es teilweise auch Referenzseiten mit Wissensbest&#228;nden zum Spiel gibt.</p>

<p>Wie k&#246;nnten solche Aufgaben im Deutschunterricht aussehen, die zum Teil zumindest auch Kompetenzen f&#246;rdern, die zum Deutschunterricht geh&#246;ren, aber nicht zwangsl&#228;ufig zu einer Lekt&#252;re?</p>

<p>Ich <strong>konstruiere hier ein paar Beispiele</strong>, w&#252;rde mich aber sehr freuen, wenn im Rahmen der Kommentare zu diesem Artikel ein ganzer Reigen solcher Aufgabentypen zusammenkommen w&#252;rde.</p>

<p>- Bei historischen Texten kann man die Aufgabe stellen, eine Zeitungsseite zum Thema zu erstellen und so gleichzeitig, dem Ansatz eines integrierten Unterrichtsmodells folgend, den Aufbau von Nachrichten, Berichten Reportagen, Kommentaren und Glossen als zu erwerbende, zu wiederholende oder auszubauende Kompetenzen kennen lernen, vertiefen und &#252;ben.</p>

<p>- Bei Texten, die neben textimanenter Arbeit auch einen stark biographischen Bezug zum Autor erlauben (z. B. Texte von Kafka oder Brecht), k&#246;nnen Formen des Interviews nicht nur in schriftlicher Form als Aufgabe gegeben werden &#8211; sondern auch als Audioproduktion oder Video.</p>

<p>- Im Rahmen der sprachreflexiven Arbeit k&#246;nnen kreative Aufgaben gestellt, werden, die mit bestimmten sprachlichen Ph&#228;nomenen so umgehen, dass z. B. eine Ausstellung oder auch Lesungen m&#246;glich sind.</p>

<p>- Kurzgeschichten k&#246;nnen als Video, als Theaterst&#252;ck, als H&#246;rspiel etc. erarbeitet werden.</p>

<p><strong>Zusammengefasst</strong>: Aufgaben in der Schule m&#252;ssen heute davon ausgehen, dass Wissen via Internet oft sehr leicht greifbar ist und darauf ausgerichtet sein, dass sie nicht schon als Aufgabe dazu verleiten, dem Copy&amp;Paste-Prinzip zu folgen. Vielmehr scheint es f&#252;r die Progression des Lernens sinnvoll, den handelnden Umgang mit solchen Ressourcen zu f&#246;rdern und so die M&#246;glichkeit zu schaffen, sich dieses Wissen angesichts wirklich herausfordernder Aufgabenstellungen anzueignen und somit idealerweise nachhaltig verf&#252;gbar zu machen.</p>

<p><strong>Ziel</strong> solcher Lernarrangements ist es, Lernende in <strong>eine handelnde Auseinandersetzung (Zusammensetzung! — im konstruktivistischen Sinne) mit dem zu Lernenden</strong> zu bringen. Dabei k&#246;nnen <strong>unterschiedliche Lerntypen</strong> ber&#252;cksichtigt werden und <strong>Differenzierungen</strong> vorgenommen werden, ohne dass f&#252;r jeden Lernenden eine eigene Aufgabe erstellt werden m&#252;sste, kann die Form der Auseinandersetzung (per Text, Grafik, andere Formen der visuellen oder auditiven Umsetzung) je nach Aufgabentyp und angesichts der gleichen Aufgabe doch durchaus unterschiedlich sein.</p>

<p>Im Rahmen solcher Aufgaben werden <a href="http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article6905488/Generation-Copy-amp-Paste.html" target="_blank">Wikipedia</a> und <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/der-copy-schock/1791902.html" target="_blank">Co</a> von Seiten zum Kopieren von Text zu Referenzseiten, die man nutzt, um ein Problem zu l&#246;sen, ohne das vorhandene Wissen 1:1 &#252;bernehmen zu k&#246;nnen, weil es Teil der Auseinandersetzung (Zusammensetzung) mit einer echten Herausforderung wird. Und auch f&#252;r analoge Wissensspeicher gilt dies, wenn zum Beispiel Bibliotheken f&#252;r den Unterricht nutzbar sind. Museen k&#246;nnen auf diesem Wege unterrichtsrelevant werden, regionale M&#246;glichkeiten integriert werden …</p>

<p>Und am Ende steht vielleicht der Schluss, dass Kompetenzorientierung weder die Neuerfindung des Rades ist, noch eine &#252;berfordernde Herausforderung, sondern eine Form des Unterrichts, die (auch in Sachen Wissen) echte Lernfortschritte erm&#246;glicht, die reflektierbar sind und auch noch Spa&#223; machen, den Lernenden wom&#246;glich genau so wie den Lehrenden. Das aber w&#228;re eine echte Bildungsreform: Ein Lernen, das h&#228;ufiger wirklich Spa&#223; macht, als das Klischee der Schule vermuten l&#228;sst.</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Aus aktuellem Anlass (und &#252;ber diesen hinaus…): »Stuttgart 21«, das Recht, die Moral und die Politik</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 17:14:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag enth&#228;lt, wie auch andere Beitr&#228;ge dieses Blogs, subjektive Meinungen und pers&#246;nliche, aber hoffentlich zumindest argumentativ nachvollziehbare, Einsch&#228;tzungen. Bitte hinterfragen Sie diese und beziehen Sie weitere Informationen aus anderen Quellen. – Und bevor Sie zu einer Einsch&#228;tzung dieses Beitrages &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/10/01/aus-aktuellem-anlass-und-ueber-diesen-hinaus-stuttgart-21-das-recht-die-moral-und-die-politik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><i>Dieser Beitrag enth&#228;lt, wie auch andere Beitr&#228;ge dieses Blogs, subjektive Meinungen und pers&#246;nliche, aber hoffentlich zumindest argumentativ nachvollziehbare, Einsch&#228;tzungen. Bitte hinterfragen Sie diese und beziehen Sie weitere Informationen aus anderen Quellen</i>. <i>– Und bevor Sie zu einer Einsch&#228;tzung dieses Beitrages kommen, lesen Sie ihn bitte ganz, auch wenn das aufgrund seiner L&#228;nge eine gewisse Herausforderung ist <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </i><br /><br />Ein paar rein subjektive &#220;berlegungen, die zwar einen konkreten Anlass haben, aber als &#220;berlegungen hoffentlich grunds&#228;tzlicherer Art sind.<br /></p>

<ol><li>Demokratische getroffene Entscheidungen gelten und haben den Anspruch, auch durchgesetzt zu werden. Das ist eine der Grundlagen einer funktionierenden Demokratie.</li><li>Blockaden sind rechtswidrig. Ist der Einsatz von Wasserwerfern, Reizgas und Pfefferspray ein angemessenes Mittel, einen solche Blockade aufzul&#246;sen und dabei die Gef&#228;hrdung von Demonstranten an Leib und Leben in Kauf zu nehmen?</li></ol>

<p>zu 1.) Wenn ich zu einer Abstimmung gebeten werden, schaue ich mir zun&#228;chst an, wor&#252;ber ich da abstimme. Wenn ich zustimme, dann aber feststelle, dass sich die Voraussetzungen, unter denen ich zugestimmt habe, bis zur Umsetzung des Beschlusses ver&#228;ndert haben, stellt sich die Frage, ob das, was nun umgesetzt wird, noch das ist, dem ich zugestimmt habe. <br /><br />Beschlie&#223;t beispielsweise ein Vereinsgremium ein Projekt, das 100 Euro kosten soll und es stellt sich dann heraus, dass das Projekt in Wirklichkeit 200 Euro kostet, so ist es nur schwer zu vermitteln, wenn man sagt, man habe das Projekt ja beschlossen und dieser Beschluss gelte auch dann noch, wenn sich die (finanziellen) Voraussetzungen massiv ver&#228;ndern, die Teil der Beschlussvorlage waren und &#252;berall kommuniziert wurden.<br /><br />Anders ausgedr&#252;ckt: Was passiert eigentlich, wenn demokratisch gefasste Beschl&#252;sse von finanziellen Gegebenheiten ausgehen, die sich dann nach und nach st&#228;ndig erh&#246;hen? Liegt da nicht der Verdacht nahe, dass f&#252;r die Beschlussvorlage ein bewusst niedriger Betrag ausgewiesen wurde – und dann davon ausgegangen wird, dass die Mehrkosten schon getragen werden, das Projekt ist ja demokratisch beschlossen… <br /><br />Mich irritiert schon seit Jahren, dass bei &#246;ffentlichen Bauprojekten in vielen F&#228;llen urspr&#252;nglich genannte Kosten im Endeffekt Makulatur werden und faktische Kosten oft deutlich h&#246;her sind. Zugegeben: Ich habe keine Ahnung, woran das liegt, vielleicht gibt es ja eine v&#246;llig von »Verschw&#246;rungstheorien« freie Erkl&#228;rung, ich gebe hier nur einen subjektiven Eindruck wieder, aus dem sich die Frage ableitet, wie lange ein Beschluss f&#252;r sich Geltung in Anspruch nehmen kann, wenn die Voraussetzungen, unter denen er einst getroffen wurde, sich deutlich ver&#228;ndert haben.<br /><br />Wenn es um Milliardenbetr&#228;ge geht und die Mehrkosten auch im Milliardenbereich liegen, stellt sich diese Frage in erh&#246;htem Ma&#223;e.<br /><br />Wenn in einer solchen Situation Menschen auf die Stra&#223;e gehen und sich gegen ein solches Projekt friedlich (wenn auch in Form von Sitzblockaden rechtswidrig) zur Wehr setzen, ist es, so sich die Bedingungen ver&#228;ndert haben, unter denen das Projekt beschlossen wurde, dann noch redlich, auf die demokratische Beschlusslage zu verweisen, die z. B. unter ganz anderen finanziellen Annahmen getroffen wurde? <br /><br />Das ist eine echte Frage. Vielleicht gibt es unter den Lesern und Leserinnen dieses Beitrages ja kompetente Personen, die dazu etwas sagen k&#246;nnen.<br /><br />zu 2.) Blockadeaktionen gelten <a target="_blank" href="http://www.lto.de/de/html/nachrichten/1334/Stuttgart-21-Zwischen-friedlichem-Protest-und-strafbarer-Noetigung/">nicht als Teil des Rechtes auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit</a>. Sie werden als Selbstvollzug angesehen und unterlaufen somit bspw. das Baurecht Dritter, wenn dieses auf den &#252;blichen rechtsstaatlichen Wegen erteilt wurde. Entsprechend hat der Rechtsstaat ein erteiltes Recht zu sch&#252;tzen und dessen Umsetzung zu erm&#246;glichen. Im oben verlinkten Artikel von Alfred Scheidler wird in diesem Zusammenhang davon gesprochen, dass das Friedlichkeitsgebot durch gezielte Aktionen gegen z. B. Bauarbeiten verletzt werde. Anders ausgedr&#252;ckt: Diese Wortwahl scheint darauf hinzuweisen, dass solche Blockaden und gezielte Aktionen gegen Bauarbeiten als »Gewalt« angesehen werden. <br /><br />Dass die Polizei regelm&#228;&#223;ig bei Blockaden im Rahmen von Demonstrationen gegen diese vorgeht, ist also legitim. Es ist auch legitim, dass Polizisten Ma&#223;nahmen zu ihrem Eigenschutz vornehmen. <br /><br />Einzig in Frage steht, welche Mittel angemessen sind, um rechtsstaatlich und demokratisch legitimierte Ma&#223;nahmen durchzusetzen. Die Frage ist schnell beantwortet, wenn bei Demonstrationen direkte Gewalt gegen Personen oder Sachen auftritt. Brennende Blockade, wie in Berlin regelm&#228;&#223;ig bei sogenannten Mai-Demonstrationen, fallen unter diese Kategorie; werden Polizisten direkt angegriffen, sodass Gefahr f&#252;r deren Leib und Leben besteht, haben diese das Recht auf Eigenschutz, auch wenn dabei Demonstrationsteilnehmer durch den Einsatz von Reiszgas, Pfefferspray, Wasserwerfern oder Schlagst&#246;cken verletzt werden.<br /><br />Und nat&#252;rlich kann man sagen, dass Polizisten, die dazu auffordern, eine Blockade zu beenden, diese auch unter Einsatz direkter Mittel aufl&#246;sen k&#246;nnen, wenn der Aufforderung nicht nachgekommen wird.<br /><br />Intuitiv hei&#223;t das f&#252;r mich: Wenn da Menschen sitzen, die da nicht sitzen d&#252;rfen, dann trage man sie eben weg. Und wenn da so viele Menschen sitzen, die da nicht sitzen d&#252;rfen, dass das Wegtragen eines jeden Einzelnen kaum zu bew&#228;ltigen ist, dann mag es rechtlich gesch&#252;tzt sein, dass z. B. Fl&#228;chen mit Hilfe von Wasserwerfern »ger&#228;umt« werden, aber sp&#228;testens hier kommt die moralische Frage ins Spiel, die Frage des Ermessens und der Angemessenheit.<br /><br /><a target="_blank" href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-10/stuttgart21-protest-merkel-rech">Entlang dieser Frage scheiden sich angesichts des Polizeieinsatzes zur Absicherung der Bauma&#223;nahmen im Rahmen des Projektes »Stuttgart 21« am 30. September 2010 die Geister</a>. <br /><br />&#220;ber Wochen fanden Demonstrationen statt, &#252;ber Wochen wurde deren friedlicher Charakter betont. Und die gleichen Demonstranten, die &#252;ber Wochen friedlich, aber energisch demonstrierten, sollen nun pl&#246;tzlich gewaltt&#228;tig geworden sein? Sicher, die Stimmung in Stuttgart scheint, so meine Wahrnehmung aus der Distanz, aufgeheizt, emotional geladen zu sein, gleichzeitig aber hatte ich bei den Bildern aus Stuttgart an diesem Donnerstag das st&#228;ndige Gef&#252;hl, dass die Angemessenheit der Mittel, die von der Polizei eingesetzt wurden, f&#252;r mich alles andere als nachvollziehbar erschien. Ist es angemessen, gro&#223;e Zahlen an Verletzten in Kauf zu nehmen, um ein Baurecht durchzusetzen, solange die Demonstranten keine direkte Gewalt einsetzen?<br /><br />Dass nun davon gesprochen wird, dass die Demonstrationen gewaltt&#228;tig verlaufen seien, kann ich, von meiner Wahrnehmung aus der Distanz heraus, nur darauf zur&#252;ckf&#252;hren, dass der Gewaltbegriff direkt mit Sitzblockaden, dem Bauen von Baumh&#252;tten etc. verbunden wird. Es findet sprachlich eine Wertung der Aktionen der Demonstranten statt, die in der &#214;ffentlichkeit in der Regel mit konkreter k&#246;rperlicher Gewalt oder mit konkreter Gewalt gegen Sachen verbunden wird (Steine werfen, Autos anz&#252;nden, Fensterscheiben einwerfen etc.), kaum aber damit, dass sich Menschen auf Zufahrtswege zu einer Baustelle setzen, ohne dass z. B. Baufahrzeuge zerst&#246;rt werden.<br /><br />Ist es moralisch legitim, Menschen einer Gef&#228;hrdung von Leib und Leben auszusetzen, die kein Leib und Leben gef&#228;hrden? Das ist die <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik">ethische</a> Frage, die sich f&#252;r mich nach den Bildern stellt, die mich online aus Stuttgart erreicht haben. Und diese Frage stellt sich immer, wenn Menschen sich gegen Situationen wehren, die in ihren Augen nicht akzeptabel sind. Schon <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mohandas_Karamchand_Gandhi">Gandhi</a> setzte auf Mittel, die zwar nach der Gesetzgebung nicht rechtens waren, erreichte aber durch die radikale Friedlichkeit seiner Aktionen eine weltweite moralische Anerkennung, die den Einsatz von Gewalt gegen die Demonstranten rund um Gandhi zu einer moralischen und dann auch politischen Niederlage f&#252;r die britische Kolonialregierung machte, sodass diese sich am Ende aus Indien zur&#252;ckziehen musste.<br /><br />Das bedeutet nat&#252;rlich nicht, dass rechtswidrige Mittel in irgendeiner Form gut gehei&#223;en werden sollen, sondern dient alleine einer analytischen Beschreibung der Situation, wie ich sie wahrnehme, denn genau in diese Falle der Frage nach moralischer Legitimation tritt eine Politik, die sich, bei aller demokratischen Legitimation, solcher Mittel bedient, die von vielen B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern als unangemessene Reaktionsweisen angesehen werden, die rechtlich abgesichert sind, aber durchaus als moralisch bedenklich angesehen werden k&#246;nnen. <br /><br />Neben der rechtlichen Legitimit&#228;t der Ereignisse in Stuttgart steht also die Frage nach der moralisch-ethischen Legitimit&#228;t. Diese Frage wird insbesondere dann aufgeworfen, wenn im Rahmen von Polizeima&#223;nahmen Jugendliche oder Senioren zu Schaden kommen, denen man nun wirklich kein sonderlich gro&#223;es Gewaltpotential unterstellen kann. Es ist die Macht der Bilder, der sich die Exekutive dann pl&#246;tzlich erwehren muss und dabei auf die Entscheidungen der Legislative und Judikative verweist.<br /><br />Rechtlich geht in Stuttgart wohl alles mit rechten Dingen zu; zumindest gehe ich davon aus. <i>(Mittlerweile, am 2.10.2010, gibt es <a target="_blank" href="http://www.stern.de/politik/deutschland/stuttgart-21-war-das-abholzen-illegal-1609749.html">Hinweise, dass ich davon zu unrecht ausgegangen bin</a>.)</i>  Und gerade aus diesem Grund sind die jetzigen Proteste, die von Menschen getragen werden, die nicht gerade unter der Kategorie »Berufsdemonstranten« eingeteilt werden k&#246;nnen, weit &#252;ber Stuttgart hinaus interessant.<br /><br />Die Zusammensetzung der Demonstranten in Stuttgart scheint mir auf ein Ph&#228;nomen zur&#252;ckzuf&#252;hren zu sein, dass im allgemeinen Sprachgebrauch mit »Politik-« oder »Politikerverdrossenheit« verbunden ist und in den Kern des Demokratieverst&#228;ndnisses hinein zu reichen scheint. <br /><br />Sicher: Eine repr&#228;sentative Demokratie, wie wir sie in Deutschland haben, lebt davon, dass Entscheidungen in Parlamenten getroffen werden. Anders w&#228;ren notwendige, aber unpopul&#228;re Entscheidungen nicht m&#246;glich. Mehr und mehr B&#252;rgerinnen und B&#252;rger scheinen aber den Eindruck zu haben, dass Entscheidungen nicht nur in einem gew&#228;hlten, repr&#228;sentativen Gremium getroffen werden, sondern dass diese Gremien ihre Entscheidungen nicht mehr nachvollziehbar vermitteln k&#246;nnen, sodass bei B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern der Eindruck eines »&#252;ber die K&#246;pfe hinweg Regierens« entsteht oder gar der Eindruck, dass Politik bestimmte Interessengruppen st&#228;rker »bedient« als andere.<br /><br />Anders ausgedr&#252;ckt: Die Glaubw&#252;rdigkeit der Politik wird in Frage gestellt. So ist es meiner pers&#246;nlichen Meinung nach kein Zufall, dass im Rahmen der Proteste gegen »Stuttgart 21« immer wieder darauf hingewiesen wird, dass zwar ein demokratisch legitimierter Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft in Frage gestellt werde, gleichzeitig aber gesagt werde, dass ein demokratisch legitimierter Beschluss zum Projekt »Stuttgart 21« unter ver&#228;nderten Bedingungen (z. B. <a target="_blank" href="http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1038307">deutlich steigernder Kosten</a>) nicht ver&#228;ndert werden k&#246;nne. Es entsteht der Eindruck, dass Behauptungen nach Interessenlagen aufgestellt werden, selbst dann, wenn der Eindruck entsteht, dass in &#228;hnlichen Situationen sich einander widersprechende Behauptungen aufgestellt werden. <br /><br />Wenn dann das Argument der demokratischen Legitimation auch im Rahmen von Polizeiaktionen auftaucht, die rechtlich legitim sind, aber von vielen B&#252;rgerinnen und B&#252;rger auf moralisch-ethischer Ebene nicht nachvollzogen werden k&#246;nnen, entsteht ein massiver Schaden f&#252;r die ethisch-moralische Glaubw&#252;rdigkeit der Politik und somit auch f&#252;r die Demokratie. Wenn das Recht moralisch-ethische Geltungsanspr&#252;che einb&#252;&#223;t, weil Mittel eingesetzt werden, die zumindest als unangemessen wahrgenommen werden k&#246;nnen, wenn die Politik an Glaubw&#252;rdigkeit verliert, weil Entscheidungen getroffen werden, die zumindest den Eindruck erwecken k&#246;nnen, sie zielten auf einzelne Interessengruppen ab (Senkung der Mehrwertsteuer f&#252;r Hotel&#252;bernachtungen und dann kommt heraus, dass die diese Entscheidung vorantreibende Kraft entsprechende <a target="_blank" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,672756,00.html">Parteispenden aus dem Hotelgewerbe</a> bekommen hat; Verl&#228;ngerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken entgegen einem demokratisch legitimierten Beschluss etc.), dann entsteht ein massiver Schaden f&#252;r die Glaubw&#252;rdigkeit der Politik und somit auch f&#252;r die Demokratie.<br /><br />In Stuttgart geben B&#252;rgerinnen und B&#252;rger, die sich noch vor kurzem nie h&#228;tten vorstellen k&#246;nnen, an Demonstrationen teilzunehmen, diesem Gef&#252;hl, dass &#252;ber ihre K&#246;pfe hinweg regiert wird, Ausdruck. Und deshalb ist das, was zur Zeit in Stuttgart und Baden-W&#252;rttemberg und mehr und mehr auch dar&#252;ber hinaus, die Gem&#252;ter erhitzt, das Land spaltet und den Eindruck entstehen l&#228;sst, die B&#252;rgerinnen und B&#252;rger w&#252;rden den n&#228;chsten Landtagswahltermin in Baden-W&#252;rttemberg im Jahr 2011 herbeisehnen, um von ihrem demokratischen Recht als Souver&#228;n Gebrauch machen zu k&#246;nnen, von Bedeutung – &#252;ber den konkreten Anlass hinaus.<br /><br /><br /></p>

<blockquote>Ein lohnender <br /><a target="_blank" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/10/01/dlf_20101001_1905_a14ce7de.mp3">Kommentar im Deutschlandfunk</a>, der mir zeigt, dass meine Gedanken gar nicht so abwegig sind, sondern dass es tats&#228;chlich um mehr als um einen Bahnhof geht…</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Das Netz, seine Funktionen und die „Null Blog“-Debatte</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Aug 2010 16:54:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Realit&#228;t der Welt liegt nicht in ihren Abbildern, sondern in ihren Funktionen. Funktionen sind zeitliche Abl&#228;ufe und m&#252;ssen im zeitlichen Kontext erkl&#228;rt werden. Susan Sonntag, &#220;ber Fotografie, Frankfurt 2008 (18. Aufl., zuerst 1980), S. 29. Welche Funktion hat das &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/08/06/das-netz-seine-funktionen-und-die-null-blog-debatte/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<address style="text-align: right; padding-left: 30px;"><em>Die Realit&#228;t der Welt liegt nicht in ihren Abbildern, sondern in ihren Funktionen. Funktionen sind zeitliche Abl&#228;ufe und m&#252;ssen im zeitlichen Kontext erkl&#228;rt werden.</em></address>

<address style="text-align: right;"><em>Susan Sonntag, &#220;ber Fotografie, Frankfurt 2008 (18. Aufl., zuerst 1980), S. 29.</em></address>

<p style="text-align: left;">Welche Funktion hat das Internet f&#252;r einzelne Benutzer und Benutzerinnen? Die Antwort auf diese Frage bestimmt, wie das Netz genutzt wird. Von dieser Frage ist auszugehen, wenn heute die Frage nach dem Umgang mit dem Netz und der Bedeutung des Netzes gefragt wird. Die Ergebnisse von Studien decken sich mit meinen eigenen Erfahrungen: <span id="more-3512"></span>Das Internet ist f&#252;r die meisten es nutzenden Personen ein Kommunikationsraum, ein Kommunikationsmedium – nicht mehr und nicht weniger.</p>

<p style="text-align: left;">Ein Kommunikationsraum / -medium wird genutzt, weil er / es funktioniert; funktioniert er / es nicht, so wird diese Form der Kommunikation gemieden, da es in der Sache selbst liegt, dass man Kommunikationsst&#246;rungen eher aus dem Weg geht als sie aktiv sucht.</p>

<p style="text-align: left;">Dabei interessiert es den Nutzer eines solchen „Raumes“ nicht, wie er organisiert ist, welche Voraussetzungen im Hintergrund erf&#252;llt sein m&#252;ssen, damit er funktioniert etc. Oder k&#246;nnen „normale“ Nutzer von Telefonen erkl&#228;ren, wie genau das mit dem Telefonieren funktioniert? K&#246;nnen Besucher von Restaurants, Cafés, Bars etc. in der breiten Masse genau erkl&#228;ren, was alles im Hintergrund an Arbeit geleistet wird, damit diese Angebote angenommen werden? Wenn etwas nicht funktioniert, k&#246;nnen die ein Angebot dann meidenden Nutzer, zumindest, wenn das Nicht-Funktionieren erlebt haben, in der Regel beschreiben, was nicht funktioniert. Aber auch hier gilt, dass das Warum eher weniger genau darstellbar ist.</p>

<p style="text-align: left;">Interessanterweise gelten diese &#252;blichen Umgangsweisen mit Kommunikationsinstrumenten und -r&#228;umen scheinbar nicht mehr als selbstverst&#228;ndlich, wenn sich die Debatten um die Nutzung von Computern und vor allem dem heute mit ihnen selbstverst&#228;ndlich verbunden scheinendem Internet drehen.</p>

<p style="text-align: left;">Warum diese Analogie? Ist diese Zusammenschau unterschiedlicher, n&#228;mlich analoger und digitaler, Kommunikationsr&#228;ume angemessen und zul&#228;ssig?</p>

<p style="text-align: left;">Wenn Susan Sonntag in dem Zitat, das diesem Beitrag als Motto vorangestellt ist, Recht hat, dass die Realit&#228;t sich in Funktionen zeigt, die reale Dinge haben, so ist die Funktion des Internets f&#252;r viele Nutzer der Funktion von &#246;ffentlichen Kommunikationsr&#228;umen analog. Unterschiede gibt es vor allem im Bereich der Voraussetzungen, der Reichweiten und der Geschwindigkeit, die mit dem Gelingen von Kommunikation auf den unterschiedlichen Wegen verbunden sind.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/06/das-netz-seine-funktionen-und-die-null-blog-debatte/#footnote_0_3512" id="identifier_0_3512" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Damit ist nicht behauptet, dass das Netz nicht noch viel mehr Funktionen hat, die tiefgreifende Ver&amp;#228;nderungen der faktischen Lebenswelt mit sich bringen und die von vielen Nutzern und Nutzerinnen des Netzes nicht reflektiert werden. Zur Notwendigkeit aufkl&amp;#228;rerischer Arbeit im Umgang mit dem Netz sp&amp;#228;ter mehr.">1</a></sup></p>

<p style="text-align: left;">Dennoch wird im Zusammenhang mit dem Internet immer wieder dar&#252;ber diskutiert, wer es wie nutzt und welche Kompetenz oder auch Inkompetenz im Umgang mit den M&#246;glichkeiten des Internets beobachtbar ist oder nicht. So k&#252;rzlich wieder in einem Beitrag des Spiegels, der sein Kriterium f&#252;r die Betrachtung des Nutzungsverhaltens schon in der &#220;berschrift aufgreift: <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,709492-2,00.html" target="_blank">Null Blog</a>.</p>

<p style="text-align: left;">Diese &#220;berschrift ist nat&#252;rlich kein Zufall, zu naheliegend ist das Wortspiel, das von der Rede &#252;ber eine „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Null-Bock-Generation" target="_blank">Null Bock Generation</a>“ nun zu einer „Null Blog Generation“ &#252;berleitet. Und es ist (mal wieder) eine Generationendebatte, die hier schon l&#228;nger tobt, sp&#228;testens seit der mittlerweile vierundsechzig Jahre alte <a href="http://www.marcprensky.com/" target="_blank">Marc Prensky</a> den Begriff der „digital natives“ pr&#228;gte.</p>

<p style="text-align: left;">Zunehmend komme ich zu der &#220;berzeugung, dass die diskutierten Themen rund um die so genannte „Netzgeneration“, nicht die Themen eben dieser „Generation“ sind, sondern vor allem von Diskutanten in den Blick genommen werden, die dieser Generation nicht angeh&#246;ren, aber ihre eigenen Erwartungen und Hoffnungen, die sie mit der Entwicklung des Internets verbinden, auf diese „Generation“ projizieren und dann ganz ungl&#252;cklich sind, wenn diese „Generation“ sich diesen Erwartungen entzieht.</p>

<p style="text-align: left;">Blogs sind kein Jungendph&#228;nomen. Gleiches gilt f&#252;r den Micro-Blogging-Dienst Twitter. Wikis werden von Jugendlichen und Erwachsenen vor allem zum Auffinden von Informationen genutzt und nicht zu deren Generierung. Also h&#246;ren wir endlich auf, die Nutzung dieser Technologien zum Kriterium f&#252;r den kompetenten Umgang mit dem Internet durch Jugendliche zu machen, zum Kriterium f&#252;r Kompetenzen, die angesichts der Funktion, die das Internet nach neuen Studien f&#252;r Jugendliche hat, gar nicht entstehen k&#246;nnen, wenn da nicht ein Sonderinteresse bei einzelnen der Jugendlichen besteht, das dazu f&#252;hrt, einen Blog zu schreiben, Twitter zu nutzen und das Internet &#252;ber die reine Funktion der Erm&#246;glichung von Kommunikation und dem passiven Rezipieren von Informationen hinaus zu entdecken.</p>

<p style="text-align: left;">Meine Beobachtung und die sich daraus ergebende Hypothese sagt, dass Blogs nur dann sinnvoll eingesetzt werden k&#246;nnen, wenn ihnen ein thematischer Rahmen zugrunde liegt, in dem sich ein Blogger bewegt. Blogs, die nur um ihrer selbst Willen bestehen, bestehen meiner Beobachtung nach nicht sonderlich lange. Gleiches gilt &#252;brigens auch f&#252;r Twitter-Accounts, die nach kurzer Zeit einschlafen etc.</p>

<p style="text-align: left;">Wenn also Jugendliche nicht bloggen, dann sagt das nichts &#252;ber die Bedeutung des Computers f&#252;r ihren Alltag aus. Wenn Jugendlichen die Hintergr&#252;nde des Netzes egal sind, dann ist das legitim, hat es doch zun&#228;chst eine kommunikative Funktion.</p>

<p style="text-align: left;">Und auch, dass Suchstrategien, wie sie René Scheppler in dem Spiegel-Artikel beschreibt, von Sch&#252;lern nicht professionell gestaltet werden (k&#246;nnen), scheint mir kein Aufleuchten eines erneut auszurufenden Untergangs des Abendlandes zu sein, sondern zun&#228;chst einmal ein Tatbestand, der beschrieben werden kann. M&#246;gliche Konsequenzen, die mit diesem Sachverhalt verbunden werden, sind dann schon ein n&#228;chster Schritt.</p>

<p style="text-align: left;">Die Nutzung und in diesem Rahmen erworbene Kompetenzen stehen in engem Zusammenhang mit der Funktion, die ein Instrument, ein Ger&#228;t, ein &#246;ffentlicher Raum, der Computer und das Internet f&#252;r den Nutzer und die Nutzerin haben.</p>

<p style="text-align: left;">Wenn nun Lehrer und Lehrerinnen, die sich diesem Thema in der Schule widmen, die Erfahrung machen, dass Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen viel weniger k&#246;nnen, als sie von ihnen, angesichts der medial bislang immer wieder transportierten Botschaften &#252;ber „digital natives“, die „Netzgeneration“ etc. erwartet haben, dann tritt bei n&#228;herem Nachdenken &#252;ber diese Erfahrung, die auch der Autor dieses Beitrages schon gemacht hat, sehr schnell die Vermutung in den Vordergrund, dass diese „Inkompetenz“ weit weniger &#252;berraschend ist, als sie es war, als sie „entdeckt“ wurde. Und der Grund scheint mir naheliegend: Die Funktionen, die dem Internet und dem Computer von Lehrenden zugeschrieben werden, sind keine Funktionen, mit denen Lernende, insbesondere Jugendliche, im Rahmen der Funktionen, die Computer und Internet f&#252;r sie in der scheinbar breiten Masse im Alltag haben, bislang zu tun hatten.</p>

<p style="text-align: left;">Lernprozesse in digital vernetzten Strukturen sind etwas anderes als Kommunikationsprozesse, die sich sozialer Plattformen wie Facebook, Sch&#252;lerVZ etc. bedienen. Und selbst YouTuber, unter denen es meiner Beobachtung nach mehr Jugendliche gibt als unter Bloggern, stellen ihre Videos oft als Kommuniaktionsangebot online und nicht als ausgefeilt gestaltete, das Medium „Video“ sehr kompetent nutzende Produkte online. (Und bei den Ausnahmen finde ich es beeindruckend, wie die Besch&#228;ftigung mit dem Medium zu z. T. beeindruckend kompetentem Umgang mit diesem Medium f&#252;hrt. Auch hier gilt: Wenn die Funktion eines Mediums eine andere als die der reinen Kommunikation ist, beginnt sehr schnell der f&#252;r die Funktion notwendige Lernprozess.)</p>

<p style="text-align: left;">Und da ich mit den <a href="http://lernwolke.de/2010/08/03/ja-wo-surfen-sie-denn-spiegel-findet-die-net-generation-nicht/" target="_blank">Schlussfolgerungen René Schepplers in einer Art Replik auf den ihn zitierenden Spiegel-Artikel</a>, (mal wieder) sehr einig bin, soll er hier auch kurz zu Wort kommen. Scheppler schreibt zutreffend:</p>

<blockquote>
<p style="text-align: left;">„Lernen funktioniert am ehesten, wenn es sinnstiftend ist. Erst wenn ich  erkenne, wof&#252;r ich etwas lerne, bin ich auch bereit, die notwendige  Arbeit hinein zu stecken.”</p>
</blockquote>

<p style="text-align: left;">Scheppler verbindet hier den bisherigen Schwerpunkt meiner &#220;berlegungen zum Thema („funktioniert“) mit der „Sinnstiftung“, die mit dem Lernen verbunden sein muss, wenn es „funktionieren“ soll. Und „Sinnstiftung“ bedeutet dann im Sprachgebrauch dieses Artikels hier, dass die Fragen des „Warum“ und „Wozu“ beantwortet sein m&#252;ssen, um einen Lernprozess wirklich in Gang zu setzen.</p>

<p style="text-align: left;">Von einer funktionalen Perspektive ausgehend, ist es also erst einmal kein Problem f&#252;r mich, dass Jugendliche das Internet vor allem zur Kommunikation nutzen, sondern ein Sachverhalt, den ich zun&#228;chst einmal zur Kenntnis zu nehmen habe, eine nun auch von Studien belegte Tatsache.</p>

<p style="text-align: left;">Dennoch komme ich <em>nicht</em> (!) zu der Schlussfolgerung, dass dies f&#252;r Bildungsfragen keine allzu gro&#223;e weitere Bedeutung habe, k&#246;nnte ich doch im Rahmen eines rein an Funktionen orientierten Denkens davon ausgehen, dass das zu Lernende dann sehr schnell gelernt wird, wenn es ben&#246;tigt wird. Ja, im Rahmen des lebenslangen Lernens geschieht das st&#228;ndig und auch heute schon. Aber Bildung, zumindest so, wie ich sie verstehe, geht &#252;ber reinen Funktionalismus hinaus, auch wenn ich diesen hier aus analytischen Gr&#252;nden erst einmal intensiv genutzt habe, um die Situation zu erfassen.</p>

<p style="text-align: left;">Es &#252;berrascht mich aber dennoch, wenn das Ph&#228;nomen, dass die Netzgeneration gar nicht so existiert, wie sich vor allem Erwachsene dies vorgestellt haben, nun gleich wieder nahezu apokalyptische Untergangsvisionen hervorruft. <a href="http://martinlindner.posterous.com/warum-wir-den-schulern-web-20-und-die-damit-v" target="_blank">Martin Lindner schreibt zum Beispiel</a>:</p>

<blockquote>
<p style="text-align: left;">Der gegenw&#228;rtige Stand des  Bildungssystems und  der Netzgesellschaft in Deutschland ist ein  Desaster. Die Prognosen f&#252;r  unsere wirtschaftliche und kulturelle  Vitalit&#228;t und Zukunftsf&#228;higkeit  sind sehr, sehr schlecht.</p>
</blockquote>

<p style="text-align: left;">Und erg&#228;nzt dann:</p>

<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Untergehen&#8221; hei&#223;t hier, f&#252;r  Personen wie Gesellschaften: Nicht den  n&#246;tigen Grad an innerer  Souver&#228;nit&#228;t erwerben, um sich inmitten immer  schnellerer Umbr&#252;che das  Gef&#252;hl zu erhalten, den Kopf &#252;ber Wasser zu  haben. Nicht das Gef&#252;hl zu  haben, &#8216;die Welt zu verstehen&#8217;. Sich als  hilfloser Spielball zu f&#252;hlen.  Keine Idee haben, was man tun soll. Nicht  mitzuschwingen mit den  Kr&#228;ften, die gerade die Gesellschaft ver&#228;ndern.  Das f&#252;hrt zu  kollektiver Resignation. Und genau das, gepaart mit  digitaler  Ahnungslosigkeit, ist die deutsche Grundstimmung.</p>
</blockquote>

<p style="text-align: left;">Nun: Diese Souver&#228;nit&#228;t <em>scheinen</em> Jugendliche ja gerade zu haben, indem sie das Netz f&#252;r ihre Zwecke, f&#252;r die von ihnen gew&#252;nschten Funktionen nutzen. Dabei meint Lindner mit „digitaler Ahnungslosigkeit“ aber wohl das Ph&#228;nomen, das auch im Spiegel-Artikel beschrieben wird, dass n&#228;mlich die Hintergr&#252;nde dessen, was man als Kommunikationsmittel nutzt nicht verstanden werden und sich dadurch eine gewisse Blindheit gegen&#252;ber die tiefgreifenden Ver&#228;nderungen einstellt, die mit digital vernetzten Strukturen verbunden sind.</p>

<p style="text-align: left;">Panikmache halte ich dennoch nicht f&#252;r den richtigen Weg, die Frage, welche Bedeutung die Nutzung des Internets durch Jugendliche hat und welche Aufgaben damit f&#252;r Bildungsinstitutionen verbunden sind, zu beantworten. Lindner spricht aber ausdr&#252;cklich von einer „verzweifelten Lage“:</p>

<blockquote>
<div>Die Lage ist aber sehr viel  ernster und  verzweifelter f&#252;r alle die, die da den Anschluss  verlieren. Es  ist keine Luxusfrage, sondern schlicht Grundausbildung  f&#252;r die Flat  World, die man den Sch&#252;lern schuldig bleibt. (Und sie sich  selbst, weil  sie keine Ahnung haben.) Ich verweise an der Stelle immer  auf Thomas Friedmans &#8220;<em>Flat World</em>&#8221; (<a href="http://www.suhrkamp.de/special_dieweltistflach/downloads/DieWelt110906_InterviewFriedman.pdf" target="_blank">Interview, dt.</a>),  das trotz neoliberaler Untert&#246;ne <a href="http://www.linuxjournal.com/article/8280" target="_blank">ein zutreffendes Gesamtbild</a> der Herausforderungen zeichnet, vor denen wir stehen, als Einzelne wie als Gesellschaft.</div></blockquote>

<p>Friedmann stellt in dem oben verlinkten Interview gut dar, wie sich die Welt bereits heute im Rahmen der Globalisierung ver&#228;ndert hat. Es geh&#246;rt zu den Aufgaben einer ganzen Gesellschaft, mit diesen Entwicklungen umzugehen. Und daraus ergeben sich dann Fragen f&#252;r an Bildungsprozessen Beteiligte, also auch und zentral an Schulen, Ausbildungsbetriebe (von denen im Rahmen der Bildungsdebatte &#252;berraschend selten gesprochen wird, es sei denn, sie werfen der Schule vor, ausbildungsunf&#228;hige Bewerber und Bewerberinnen produziert zu haben), Universit&#228;ten und die Fortbildungsangebote von Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen.</p>

<p>F&#252;r die Schule und Lehrerinnen und Lehrer ergibt sich f&#252;r mich folgendes, was, wie &#252;brigens der gesamte Beitrag, ein Beitrag zur Diskussion und zur Entwicklung eigener Handlungsstrategien sein soll und keine feststehende Position, sodass Kommentare mit widersprechenden, weiter f&#252;hrenden etc. Gedanken sehr erw&#252;nscht sind:</p>

<div>
<ul>
    <li>Es ist nicht Aufgabe der Schule, &#252;ber mangelnde Internetkompetenz von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu klagen, denn die im Rahmen von Lernprozessen erwarteten Kompetenzen fallen nicht in den Bereich der Kompetenzen, die mit den Prim&#228;rfunktionen, die das Internet im Augenblick f&#252;r Jugendliche (und viele Erwachsene) zu haben scheint, quasi automatisch erlernt werden. Schule muss vielmehr f&#252;r sich definieren, was ihre Aufgabe angesichts der Netzwerkgesellschaft ist. Dabei scheint die Nutzung digitaler Medien (also das Wissen, <em>wie</em> Software benutzt wird) die Reflexionsfragen, also Fragen nach Folgen, gesellschaftlichen Ver&#228;nderungen durch digitale Netzwerke (Globalisierung) etc. oft eher an zweite Stelle zu setzen. Oder aber umgekehrt: Es wird, ohne konkret mit den Medien zu arbeiten, allein &#252;ber m&#246;gliche Folgen gesprochen und dabei vor allem negative Folgen in den Blick genommen oder Unheilsszenarien entwickelt, die mit der Erfahrung von Netznutzern oft weit weniger zu tun haben, als bei diesen eher medienkritischen Ans&#228;tzen oft vermutet wird.</li>
    <li>Lehrende sollten sich genau anschauen, welche Funktionen das Internet f&#252;r Jugendliche hat und bei diesen ansetzen, diese ernst nehmen, an diese anschlie&#223;en. Wenn dies zun&#228;chst einmal die Funktion ist, Kommunikation zu erm&#246;glichen und Daten abzurufen, bringt es wenig, von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern zu erwarten, dass sie ab so fort an Wikis mitarbeiten sollen, E-Leraning-Plattformen professionell nutzen und gef&#228;lligst bloggen sollen.</li>
    <li>Die Heranf&#252;hrung an Nutzungsformen des Internets und des Computers sowie deren Reflexion muss problemorientiert erfolgen, also mit klar erkennbaren Funktionen verbunden sein, die nicht nur f&#252;r die Lehrenden Funktionen sind, die den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen nicht transparent werden, sondern wirkliche Funktionen f&#252;r die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben. Dies kann in kleinen Schritten passieren, z. B. indem die Frage nach der Informationssuche im Netz thematisiert wird, die Frage in den Raum gestellt wird, wie der Kommunikationsraum „Internet“ f&#252;r das eigene Lernen genutzt werden kann / genutzt wird (denn Sch&#252;ler chatten nat&#252;rlich auch &#252;ber Hausaufgaben, Klassenarbeiten und deren Vorbereitungen etc., ohne dass Lehrende das mitbekommen – und geben dem Internet auf diesem Wege bereits auch f&#252;r die Schule eine Funktion). Spannend kann es in einem solchen Rahmen auch sein, wenn Lehrende selbst als Nutzer des Netzes im Rahmen des Lehrens auftreten und aus eigener Erfahrung davon erz&#228;hlen k&#246;nnen, wie es ist, sich nicht nur sozial zu vernetzen sondern thematisch orientiert vernetzt zu arbeiten. Anders ausgedr&#252;ckt: Lehrende stehen selbst vor der Herausforderung, sich auf ihre Kompetenzen hin befragen zu lassen, die zu vermitteln von ihnen (zunehmend) erwartet wird.</li>
    <li>Es ist nicht die erste und alleinige Aufgabe der Schule, kompetente PC- und Internetnutzer zu „produzieren“, die dann „funktionierend“ auf den Arbeitsmarkt gehen und Technologien nutzen k&#246;nnen, sondern es ist in meinen Augen eine zentrale Aufgabe von allen Bildungsprozessen, aufkl&#228;rerisch im besten Sinne zu arbeiten: Medienkompetenz dient nicht nur der Mediennutzung, sie geht nicht im gekonnten Gebrauch von Software und Angeboten im Internet auf, sondern beinhaltet immer auch die Reflexionsf&#228;higkeit &#252;ber das, was eine Funktion f&#252;r einen selbst, eine Gruppe oder eine Gesellschaft hat. Denn gesellschaftliche und technische Innovation h&#228;ngt auch vom Verstehen dessen ab, was geschieht. Funktionen sind oft nicht auf ersten Blick erkennbar, wenn sie &#252;ber die pers&#246;nliche „User Experience“ hinaus gehen.</li>
    <li>Bei all dem gilt es, reale Lernszenarien anzubieten, in denen Mediennutzungs- und Mediennutzungsreflexionskompetenz erworben werden k&#246;nnen, weil erst diese Kombination in meinen Augen die Rede von einem wirklich kompetenten Umgang mit Medien erlaubt.</li>
</ul>
</div>

<p>Darin liegen sicher viele Herausforderung, aber wenn es stimmt, und ich gehe davon aus, dass dem so ist, da die im Spiegelartikel <a href="http://www.hans-bredow-institut.de/de/forschung/jugendliche-web-20" target="_blank">zitierte Studie des Hans-Bredow-Instituts</a>, die &#252;brigens <a href="http://www.hans-bredow-institut.de/webzweinull/" target="_blank">von einem eigenen Blog begleitet </a>wurde<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/06/das-netz-seine-funktionen-und-die-null-blog-debatte/#footnote_1_3512" id="identifier_1_3512" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="An dieser Stelle eine Fu&amp;#223;note zum &bdquo;aufkl&amp;#228;rerischen Gebrauch&ldquo; von Medien: Mir f&amp;#228;llt auf, dass in nahezu allen Artikeln, die sich auf den Spiegelartikel beziehen, die entsprechenden Websites des Hans-Bredow-Instituts nicht verlinkt sind. Das &amp;#252;berrascht mich.">2</a></sup>, zu diesen Ergebnissen kommt, dass das Internet von allen Befragten als keine neue Welt, sondern eine n&#252;tzliche Erweiterung der alten, wahrgenommen wird, dann bestehen gute Chancen, dass die Reflexionsf&#228;higkeit auch an anderen Gegenst&#228;nden geschult werden kann, dass die entsprechenden Denkstrukturen entwickelt werden k&#246;nnen, die dann auch auf die Reflexion des Umgangs mit digitalen Medien &#252;bertragen werden k&#246;nnen.</p>

<p>Allerdings erlaube ich mir am Ende dieses Beitrages die Frage, ob das Empfinden des Internets als n&#252;tzliche Erweiterung der alten Welt, das an unterschiedlichen Stellen aufgegriffen wurde, tats&#228;chlich so gelesen werden, kann, dass es in Wirklichkeit auch so ist.</p>

<p>Gerade im Rahmen der Globalisierung tr&#228;gt das Internet n&#228;mlich zu einer gravierenden Ver&#228;nderung der „alten Welt“ bei, die mehr ist, als nur eine „Erweiterung der alten Welt“. Und es gibt in der Medienphilosophie dar&#252;ber hinaus Hinweise, dass digitale Technologie und das Internet die Wahrnehmung von Welt als solcher wesentlich tiefgreifender ver&#228;ndern, als es von den Nutzern selbst wahrgenommen wird.</p>

<p>Die Aussage, dass das Internet von allen Befragten als keine neue Welt, sondern eine n&#252;tzliche Erweiterung der alten, wahrgenommen wird, hat in sich nur insofern einen Wahrheitsgehalt, als sie den Eindruck der Befragten wiedergibt – und eigentlich mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet, denn diese Aussage m&#252;sste auf ihren Geltungsanspruch, der implizit an den Stellen, an denen sie zitiert wird angenommen wird, eigentlich erst &#252;berpr&#252;ft werden. Aber das ist ein anderes Thema, das hier zu weit vom eigentlichen Thema weg f&#252;hrt und deshalb vielleicht in einem anderen Artikel wieder aufzugreifen sein wird.</p>

<p>Links zum Thema:</p>

<div>
<ul>
    <li>Die Ausgangspunkte:</li>
</ul>
<blockquote style="padding-left: 30px;">Studie des Hans-Bredow-Institutes
<blockquote>
<ul>
    <li style="text-align: left;"><a href="http://www.hans-bredow-institut.de/de/publikation/erschienen-heranwachsen-mit-dem-social-web" target="_blank">http://www.hans-bredow-institut.de/de/publikation/erschienen-heranwachsen-mit-dem-social-web</a></li>
    <li style="text-align: left;"><a href="http://www.hans-bredow-institut.de/de/forschung/jugendliche-web-20" target="_blank">http://www.hans-bredow-institut.de/de/forschung/jugendliche-web-20</a></li>
    <li style="text-align: left;"><a href="http://www.hans-bredow-institut.de/webzweinull/" target="_blank">http://www.hans-bredow-institut.de/webzweinull/</a></li>
</ul>
</blockquote>
</blockquote>
</div>

<blockquote>
<p style="text-align: left; padding-left: 30px;"><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,709492,00.html" target="_blank">Der Spigelartikel „Null Blog“</a></p>
</blockquote>

<ul>
    <li>Einige Repliken</li>
</ul>

<blockquote>
<p style="padding-left: 30px;">Matthias Schwenk: <a href="http://carta.info/31613/spiegels-null-blog-generation-kein-grund-zur-sorge-sie-hoeren-immer-noch-musik/" target="_blank">Spiegels “Null Blog”-Generation: Kein Grund zur Sorge, sie h&#246;ren immer noch Musik</a></p>
<p style="padding-left: 30px;">René Scheppler: <a href="http://lernwolke.de/2010/08/03/ja-wo-surfen-sie-denn-spiegel-findet-die-net-generation-nicht/" target="_blank">Ja, wo surfen sie denn? Spiegel findet die Net-Generation nicht</a></p>
<p style="padding-left: 30px;">Prof. Dr. Karsten D. Wolf: <a rel="bookmark" href="http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_wolf/?p=409" target="_blank">Digitale Literalit&#228;t verl&#228;ngert die Bildungshebel</a></p>
<p id="posttitle_24945320" style="padding-left: 30px;">Martin Lindner: <a href="http://martinlindner.posterous.com/warum-wir-den-schulern-web-20-und-die-damit-v" target="_blank">Warum wir den Sch&#252;lern Web 2.0 (und die damit verbundenen Praktiken) beibringen m&#252;ssen, auch wenn es sie gar nicht interessiert.</a></p>
<p style="padding-left: 30px;">Robert Basic: <a rel="bookmark" href="http://www.robertbasic.de/2010/08/zu-satt-zum-hungern/" target="_blank">zu satt zum Hungern?</a></p>
<p style="padding-left: 30px;">Bologorette, Tamis Blog: <a href="http://blogorette.de/?p=338" target="_blank">Null Blog statt Net Generation?</a></p>
<p style="padding-left: 30px;">Andreas Kalt: <a href="http://www.rete-mirabile.net/lernen/das-netz-und-wie-man-damit-umgehen-kann-oder-soll?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+rete-mirabile+%28Rete-Mirabile.net%29" target="_blank">Das Netz und wie man damit umgehen kann oder soll</a></p>
<p style="padding-left: 30px;"><a href="http://kartellblog.de/2010/08/06/off-topic-generation-null-blog/" target="_blank">Off topic: Generation “Null Blog”</a></p>
</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

<ul class="similar-posts"><li><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/23/das-einzelne-wort-will-nicht-einsam-sein-oder-einfuehrung-in-die-grammatik/" rel="bookmark" title="23. September 2008">Das einzelne Wort will nicht einsam sein – oder: Einf&#252;hrung in die Grammatik</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/17/nachdenken-ueber-guten-unterricht/" rel="bookmark" title="17. August 2010">Nachdenken &#252;ber (guten!) Unterricht</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/01/17/herrlarbig-jetzt-auch-hoeren/" rel="bookmark" title="17. Januar 2010">herrlarbig jetzt auch h&#246;ren</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/09/18/bildungsorte-das-staedel-zu-frankfurt-am-main/" rel="bookmark" title="18. September 2009">Bildungsorte: Das St&#228;del zu Frankfurt am Main</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/01/29/podcasts-eine-kurze-einfuehrung/" rel="bookmark" title="29. Januar 2009">Podcasts &#8211; Eine kurze Einf&#252;hrung</a></li>
</ul>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_3512" class="footnote">Damit ist nicht behauptet, dass das Netz nicht noch viel mehr Funktionen hat, die tiefgreifende Ver&#228;nderungen der faktischen Lebenswelt mit sich bringen und die von vielen Nutzern und Nutzerinnen des Netzes nicht reflektiert werden. Zur Notwendigkeit aufkl&#228;rerischer Arbeit im Umgang mit dem Netz sp&#228;ter mehr.</li><li id="footnote_1_3512" class="footnote">An dieser Stelle eine Fu&#223;note zum „aufkl&#228;rerischen Gebrauch“ von Medien: Mir f&#228;llt auf, dass in nahezu allen Artikeln, die sich auf den Spiegelartikel beziehen, die entsprechenden Websites des Hans-Bredow-Instituts nicht verlinkt sind. Das &#252;berrascht mich.</li></ol>
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]]></content:encoded>
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		<title>Kommentar zur Wahl des 10. Bundespr&#228;sidenten</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2010/06/30/kommentar-zur-wahl-des-10-bundespraesidenten/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 19:59:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Bundespr&#228;sidenten. Christian Wulff ist, das sagen Vertreter und Verterinnen vieler Parteien, eine durchaus f&#252;r das Amt geeignete Pers&#246;nlichkeit. Er wird etwas Neues ins Schloss Bellevue bringen: Wulff ist mit 51 Jahren der j&#252;ngste Pr&#228;sident, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/06/30/kommentar-zur-wahl-des-10-bundespraesidenten/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Bundespr&#228;sidenten.</p>

<p>Christian Wulff ist, das sagen Vertreter und Verterinnen vieler Parteien, eine durchaus f&#252;r das Amt geeignete Pers&#246;nlichkeit. Er wird etwas Neues ins Schloss Bellevue bringen: Wulff ist mit 51 Jahren der j&#252;ngste Pr&#228;sident, den Deutschland bislang hatte und er ist meines Wissens der erste Pr&#228;sident, der mit einem zweij&#228;hrigen Kind Leben in den Sitz des Bundespr&#228;sidenten bringen wird.</p>

<p>Doch seine Wahl ist mehr als die Neuvergabe des protokollarisch h&#246;chsten, aber mit relativ wenig Macht ausgestatteten Amtes, das die Bundesrepublik zu vergeben hat, denn die Bundesversammlung zur Wahl des 10. Bundespr&#228;sidenten hat die politischen Zust&#228;nde in Deutschland auf den Punkt gebracht und so sichtbar gemacht.</p>

<p>Den Spitzenkr&#228;ften der CDU/CSU-FDP-Koalition ist es in den ersten zwei Wahlg&#228;ngen nicht gelungen, die eigentlich vorhandene absolute Mehrheit ihrer Wahlm&#228;nner und Wahlfrauen f&#252;r den eigenen Kandidaten zu bekommen.</p>

<p>Und auch im dritten Wahlgang gab es weiter Verweigerer in den Reihen von CDU/CSU und FDP.</p>

<p>So wurde die mittlerweile kein Geheimnis mehr darstellende Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik dieser Koalition in den eigenen Reihen offen sichtbar.</p>

<p>Bundeskanzlerin Merkel h&#228;tte dies vermeiden k&#246;nnen, h&#228;tte sie nicht als Parteipolitikerin sondern als Staatsfrau die notwendig gewordene Neuwahl des Bundespr&#228;sidenten organsiert und einen Kandidaten gesucht, der von CDU/CSU, FDP, SPD und auch Gr&#252;nen h&#228;tte getragen werden k&#246;nnen. Die Begr&#252;ndung w&#228;re leicht gewesen: Wir befinden uns einer wirtschaftlich und politisch schwierigen Situation, in der wir ein Staatsoberhaupt brauchen, das verbindet, zusammenf&#252;hrt und als Repr&#228;sentant aller B&#252;rger und B&#252;rgerinnen Deutschlands &#252;berparteilich Anerkennung und Stimmen findet.</p>

<p>Christian Wulff kann ein solcher Pr&#228;sident werden, doch seine Wahl spiegelt diese wichtige Aufgabe dieses Amtes in keiner Weise wider.</p>

<p>H&#228;tte Frau Merkel vielleicht doch, als Sigmar Gabriel sie &#252;ber den Vorschlag von SPD und Gr&#252;nen informierte, das Heft in die Hand nehmen sollen und Joachim Gauck zum gemeinsamen Kandidaten k&#252;ren sollen, zu einem Kandidaten, der laut Umfragen die Mehrheit der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger hinter sich hat?</p>

<p>Doch da ist dann noch die FDP, die einen solchen Weg als Koalitionspartner h&#228;tter mitgehen m&#252;ssen und die sich in der Bundesversammlung vor allem dadurch hervor tat, dass sie immer wieder behauptete, dass die fehlenden Stimmen der Regierungskoalition nicht von ihnen kommen k&#246;nnten, abgesehen von den bekannten und akzeptierten Abweichlern in den eigenen Reihen – die in unterschiedlichen &#196;u&#223;erungen mal vier, mal drei oder auch mal vier bis f&#252;nf waren, wobei die Zahl von vier Abweichlern bei der FDP am h&#228;ufigsten zugegeben wurde.</p>

<p>Dass die FDP den ganzen Tag damit besch&#228;ftigt war, immer wieder auf die CDU/CSU zu zeigen, ist mehr als nur ein symbolischer Akt. In diesem Akt zeigt sich ein Selbstbewusstsein, das doch eigentlich nur seine Berechtigung h&#228;tte, wenn man den eigenen Wahlleuten auf die Stimmzettel geschaut h&#228;tte. Dies kann kaum der Fall gewesen sein, waren die Wahlen doch geheim.</p>

<p>Dieses wohl auch in der Tagespolitik vorhandene – an Selbst&#252;bersch&#228;tzung grenzende – Selbstbewusstsein der FDP mag mit dazu beigetragen haben, dass momentan bei Bundestagswahlen ein Einzug der FDP in den Bundestag alles andere als sicher w&#228;re. Gleichzeitig zeigte sich hier im Kleinen, wie Verantwortung zwischen den Koalitionspartnern hin- und her geschoben wird, statt gemeinsam Verantwortung zu &#252;bernehmen. In der Bundesversammlung m&#246;gen andere Gesetze als in der Tagespolitik gelten, aber hier zeigte sich im Kleinen, warum L&#246;sungsans&#228;tze f&#252;r die gro&#223;en Probleme der Bundesrepublik in dieser Koalition bislang nicht zu erkennen sind.</p>

<p>Auf Seiten der Opposition finden sich die eigentlichen politischen „Gewinner“ dieser Wahl. Die Spitzenkr&#228;fte von SPD und Gr&#252;nen haben mit Joachim Gauch einen Kandidaten vorgeschlagen, der im „b&#252;rgerlichen“ Lager &#252;ber gro&#223;e Sympathien verf&#252;gt. Dieser Kandidat sollte Angela Merkel in die Enge treiben, die Koalition vorf&#252;hren – und das scheint gelungen zu sein. Doch darf man dabei nicht vergessen, dass SPD und Gr&#252;ne Gauck wohl nicht nominiert h&#228;tten, wenn sie zum Zeitpunkt der Nominierung wirklich mit einer gro&#223;en Chance gerechnet h&#228;tten, dass er die Wahl gewinnen k&#246;nnte. Es war eine strategische Nominierung, die &#252;berraschte, sich aber im Nachhinein dadurch auszeichnete, dass hier wirklich ein Kandidat nominiert wurde, dem auch in der Bev&#246;lkerung gro&#223;e Sympathie entgegen kam.</p>

<p>Vielleicht haben SPD und Gr&#252;ne gedacht, dass es f&#252;r die Linken ein attraktives Angebot sein k&#246;nnte, &#252;ber eine Wahl Gaucks die Koalition massiv ins Wanken zu bekommen. Doch da haben sie die machtpolitischen Ambitionen der Linken offensichtlich falsch eingesch&#228;tzt oder aber die nach wie vor vorhandenen Empfindlichkeiten untersch&#228;tzt, die die Linken nach wie vor pr&#228;gen.</p>

<p>Vielleicht wollten SPD und Gr&#252;ne Gauck aber auch als einen Versuchballon bez&#252;glich einer Rot-Rot-Gr&#252;nen Koalition absenden. Gauck, der erste Leiter der Stasi-Unterlagenbeh&#246;rde, ein B&#252;rgerrechtler in der DDR, eine Person, deren Wahl durch die Linke gezeigt h&#228;tte, dass diese historischen Ballast abzuwerfen bereit ist: Es w&#228;re ein enorm symbolischer Akt gewesen, w&#228;re die Linke hier &#252;ber ihren eigenen Schatten gesprungen.</p>

<p>F&#252;r diese &#220;berlegungen von SPD und Gr&#252;nen spricht, dass sie w&#228;hrend der Bundesversammlung eher leise die M&#246;glichkeit eines Angriffs auf die Koalition formulierten, aber sehr laut auf die Chance zur Bearbeitung der eigenen Geschichte der Linken hinwiesen.</p>

<p>Dabei war es aber wom&#246;glich ein Fehler, dass vor allem die SPD-F&#252;hrung die Linken scheinbar nicht offensiv umwarb, was wahrscheinlich auch damit zusammh&#228;ngt, dass die Wunde Oskar Lafontaine nach wie vor nicht geheilt ist und die Regierungsf&#228;higkeit der Linken im Bund nach wie vor bezweifelt wird.</p>

<p>Die Linke nominiert schlie&#223;lich eine eigene Kandidatin, die am Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Protestbewegung in der DDR am 17. Juni 1953, dem Hamburger Abendblatt gegen&#252;ber sagte:</p>

<blockquote>„Die DDR war ein Staat, der unverzeihliches Unrecht an seinen B&#252;rgern begangen hat. Nach juristischer Definition war sie allerdings kein Unrechtsstaat…”</blockquote>

<p>Damit brachte die linke Kandidatin die eigene Vergangenheit der Linken auf die Tagesordnung, ist diese Partei doch aus der SED und deren Rechtsnachfolgerin PDS hervorgegangen, die sich mit der WASG zur Linken vereinigte.</p>

<p>&#214;ffentlich wird von der Linken die gro&#223;e Distanz der politischen Positionen von Linken, SPD und Gr&#252;nen, aber auch die Distanz zu den „konservativen Positionen“ Gaucks angef&#252;hrt, wenn sie von dessen Unw&#228;hlbarkeit f&#252;r sie spricht.</p>

<p>Dennoch scheint die Vermutung nicht allzu sehr an den Haaren herbei gezogen, dass die &#220;berreste der SED und auch der Stasi in der Partei „Die Linke“ als nicht aufgearbeitete Vergangenheit, aber auch die Geschichte des Ex-Vorsitzenden der SPD Oskar Lafontaines, letztlich den Ausschlag gegeben haben, nicht den SPD-Kandidaten, DDR-B&#252;rgerrechtler und Stasi-Aufkl&#228;rer Gauck zu w&#228;hlen.</p>

<p>Zum Schluss lagen Gregor Gysis Nerven blank, als er sich in einer Pressekonferenz provozieren lie&#223; und &#228;u&#223;erst emotional den R&#252;ckzug Lukrezia Jochimsens verk&#252;ndete und sagte, dass er mit einem gro&#223;en Teil an Enthaltungen bei der Linken rechne. Man k&#246;nnte es als konsequente Einstellung sehen, wenn da eben nicht das Geschm&#228;ckle der Frage des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit im Raum st&#252;nde, die sich in der Person Gaucks manifestierte.</p>

<p>Die Linke applaudierte nach dem dritten Wahlgang dem neuen Bundespr&#228;sidenten nicht, zeigte dem Amt gegen&#252;ber erst einmal nicht den notwendigen Respekt, was angesichts des langen Wahltages und der aufgebrochenen Wunden noch nachvollziehbar sein kann. Aber auch die Nationalhymne sangen viele Vertreter und Vertreterinnen der Linken nicht mit. Vielleicht ist dies zum Schluss eines der bittersten Zeugnisse des Verh&#228;ltnisses von Teilen der Linken zur Demokratie der Bundesrepublik Deutschland.</p>

<p>Das einzige, nicht zu untersch&#228;tzende Positive dieser Bundesversammlung ist, dass sich hier gezeigt hat, wie Demokratie funktioniert. Deutschlands Demokratie ist lebendig, auch wenn die Bundesversammlung als indirekte Vertrauensabstimmung vielleicht nicht wirklich geeignet ist.</p>

<p>Merkel und Westerwelle gehen geschw&#228;cht aus dieser Wahl. Nun liegt es an Christian Wulff, das Amt auszuf&#252;llen und sich als unabh&#228;ngiger Pr&#228;sident aller Bundesb&#252;rger und Bundesb&#252;rgerinnen zu etablieren.</p>

<p>Auf die Koalition sollte er dabei nicht rechnen, denn mit dem heutigen Tag stellt sich durchaus erneut die Frage, ob die Koalition die Probleme Deutschlands wirklich wird l&#246;sen k&#246;nnen, ob sie bald zerbrechen oder sich neues F&#252;hrungspersonal suchen wird, das noch nicht zur&#252;ckgetreten ist oder nun zum Bundespr&#228;sidenten gew&#228;hlt wurde. Die heutige Bundesversammlung k&#246;nnte ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Machtverlust Angela Merkels und, bei allen Beschw&#246;rungen der Einheit der eigenen Partei, auch Guido Westerwelles gewesen sein.</p>

<p>Politikerverdrossenheit? Ich habe das Thema bislang bewusst ausgespart. Aber ja, der heutige Tag, so sehr er eine lebendige, spannende Demokratie zeigte, k&#246;nnte durchaus bei einigen B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern genau eine solche weiter gef&#246;rdert haben, subjektiv, denn objektiv l&#228;sst sich eine solche ja nicht messen.</p>

<p>Herzlichen Gl&#252;ckwunsch an Christian Wulff. Einen guten Start nach dieser schweren Wahl.</p>

<p>Herzlichen Dank an Joachim Gauck, der uns drei spannende Wochen geschenkt hat und von dem hoffentlich auch zuk&#252;nftig noch viel zu h&#246;ren sein wird. Er war ein w&#252;rdiger Kandidat und ist ein fairer Verlierer.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Georg B&#252;chner: „Woyzeck“ – Strukturelle Armut als Deutungshintergrund</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 21:07:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Georg B&#252;chner: „Woyzeck“ – Strukturelle Armut als Deutungshintergrund von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. „Woyzeck“ liegt als Dramenfragment in unterschiedlichen Ausgaben vor. Um das Auffinden der hier verwendeten Zitate zu erleichtern, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/02/17/georg-buechner-woyzeck-strukturelle-armut-als-deutungshintergrund/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license"><img style="border-width: 0;" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" alt="Creative Commons Lizenzvertrag" /></a></p>

<p><em>Georg B&#252;chner: „Woyzeck“ – Strukturelle Armut als Deutungshintergrund von <a href="http://herrlarbig.de/?p=2481" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/" rel="license">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p><em></em><em>„<a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=263&amp;kapitel=1#gb_found" target="_blank">Woyzeck</a></em><em>“ liegt als <a href="http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Buechner/woyzeck.htm" target="_blank">Dramenfragment</a></em><em> in unterschiedlichen Ausgaben vor. Um das Auffinden der hier verwendeten Zitate zu erleichtern, wird jeweils die „Szenen&#252;berschrift“ angegeben. Die Nummer der Szene und die angegebenen Zeilenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe der Reihe „Einfach Deutsch“, Paderborn 1999.</em></p>

<p>W&#228;hrend die Autoren der <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">Romantik</a> in einer aus der <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Aufklaerung" target="_blank">Aufkl&#228;rung</a> hervorgegangenen Bewegung versuchten, der Welt den Zauber zur&#252;ckzugeben, den sie in ihren Augen verloren hatte, k&#228;mpften gro&#223;e Teile der Bev&#246;lkerung um das nackte &#220;berleben. Nichts an ihrem Alltag kam auch nur in die N&#228;he der Welterfahrung, die die finanziell meist abgesicherten Romantiker beschworen haben. Die Armen der ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland lebten von der Hand der Mund. – Woyzeck geh&#246;rt zu dieser Sorte von <a href="http://www.jenspeterkutz.de/000187.pdf" target="_blank">„neuen Armen“, die die St&#228;ndegesellschaft nicht kannte.</a> In der St&#228;ndegesellschaft gab es das Ph&#228;nomen der <em>st&#228;ndigen</em> Armut gro&#223;er Menschenmassen nicht, wie es das 19. Jahrhundert nun hervorbrachte. Fr&#252;her waren Menschen arm, die schwach und gebrechlich waren, alle anderen wurden mehr oder weniger von den M&#246;glichkeiten und Grenzen des je eigenen Standes, aber auch durch Almosen der Reichen vor radikaler Armut gesch&#252;tzt, sodass Armut kein Massenph&#228;nomen sondern ein individuelles Schicksal war.</p>

<p>An die Stelle dieser individuellen Schicksale trat mit dem Aufkommen erster Schritte in Richtung Industrialisierung nun eine <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Armut#Transitorische_und_strukturelle_Armut" target="_blank">strukturelle</a></em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Armut#Transitorische_und_strukturelle_Armut" target="_blank"> Armut</a>, die breite Bev&#246;lkerungsschichten ergriff, die nicht alt und gebrechlich, sondern durchaus zur Arbeit in der Lage gewesen w&#228;ren. Und selbst jene, die arbeiten konnten und Arbeit fanden, konnten oft ihren Lebensunterhalt nur mit M&#252;he und Not verdienen. Zu dieser Gruppe geh&#246;rt Franz Woyzeck. „Er sieht immer so verhetzt aus.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/17/georg-buechner-woyzeck-strukturelle-armut-als-deutungshintergrund/#footnote_0_2481" id="identifier_0_2481" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hauptmann. Woyzeck [5, S. 12, Z. 20]">1</a></sup></p>

<p>Zu diesem Ph&#228;nomen einer strukturellen Massenarmut trug vor allem das starke <a href="http://buber.de/christl/unterrichtsmaterialien/soziale_frage" target="_blank">Bev&#246;lkerungswachstum in der ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts</a> bei. Die Landwirtschaft war produktiver geworden, sodass die Ern&#228;hrungslage grunds&#228;tzlich eine bessere geworden war, in der Medizin und vor allem in dem praktischen Wissen in Sachen Hygiene gab es Verbesserungen. Die Folge war ein „&#220;berangebot“ an Arbeitskr&#228;ften. Und da Angebot und Nachfrage den Preis regulieren, war der Preis sehr hoch, den die Arbeitskr&#228;fte bezahlen mussten: Vorhandene Arbeitspl&#228;tze wurden angesichts der verf&#252;gbaren Massen arbeitsf&#228;higer Menschen entwertet.</p>

<p>War also auf der einen Seite die Ern&#228;hrungslage besser geworden, sodass die Bev&#246;lkerung wachsen konnte, waren die fr&#252;hindustriellen Strukturen auf der anderen Seite nicht in der Lage, die gro&#223;e Zahl der Menschen aufzunehmen und mit den n&#246;tigen Mitteln auszustatten, die ein Leben jenseits eines Lebens von der Hand in den Mund erm&#246;glicht h&#228;tte. Diese Situation &#228;nderte sich erst, als die Industrialisierung fortgeschrittener war, der Bedarf an Arbeitskr&#228;ften also stark wuchs und gleichzeitig die Armut politisiert wurde, was im ausgehenden 19. Jahrhundert zur Entwicklung von Sozialversicherungssystemen beitrug.</p>

<p>Es blieb den b&#252;rgerlichen Schichten auch nicht mehr viel Spielraum, sie mussten sich etwas einfallen lassen, nachdem es in den Jahren 1840–1847 zu zahlreichen Aufst&#228;nden gekommen war. Hier sei nur der Schlesische <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weberaufstand#Schlesischer_Weberaufstand_1844" target="_blank">Weberaufstand des Jahres 1844</a> genannt, der sp&#228;ter in <a href="http://www.hamburger-bildungsserver.de/welcome.phtml?unten=/faecher/deutsch/autoren/hauptmann/index.htm" target="_blank">Gerhart Hauptmanns Drama „Die Weber“</a> aufgenommen wurde. Der Hauptgrund f&#252;r diese Aufst&#228;nde war, dass Menschen gegen ihren Hunger revoltierten und nicht l&#228;nger bereit waren, diese Situation hinzunehmen.</p>

<p>Doch an diesem Punkt ist Woyzeck noch lange nicht. Er ist zwar in der Lage, seine Lage in Worte zu fassen, wenn er sagt: „Wir arme Leut. Sehn Sie, Herr Hauptmann, Geld. Geld. Wer kein Geld hat. Da setz einmal einer seinsgleichen auf die Moral in die Welt. […] Unseins ist doch einmal unselig in der und der andern Welt, ich glaub, wenn wir in Himmel k&#228;men, so m&#252;ssten wir donnern helfen.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/17/georg-buechner-woyzeck-strukturelle-armut-als-deutungshintergrund/#footnote_1_2481" id="identifier_1_2481" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="(Der Hauptmann. Woyzeck [5 &ndash; S. 13, Z. 8&ndash;13].">2</a></sup>, aber gegen diese Lage wehren kann er sich nicht. Im Gegenteil: Seine finanzielle Bed&#252;rftigkeit f&#252;hrt ihn in den k&#246;rperlichen („Herr Doktor, ich habs’s Zittern“)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/17/georg-buechner-woyzeck-strukturelle-armut-als-deutungshintergrund/#footnote_2_2481" id="identifier_2_2481" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Hof des Doktors [18 &ndash; S. 25, Z. 21].">3</a></sup> und psychischen Ruin, macht ihn zum M&#246;rder Maries.</p>

<p>Woyzeck spricht gegen&#252;ber dem Hauptmann &#252;brigens im Konjunktiv 2, in der Form des Konjunktivs, die eine irreale M&#246;glichkeit darstellt („Wenn wir in Himmel k&#228;men“). Selbst der Weg in den Himmel als m&#246;gliche Projektionsfl&#228;che auf ein besseres „Leben“ im Jenseits, scheint Woyzeck verstellt. Die sp&#228;ter von Marx postulierte Rolle der Religion als „Opium des Volkes“ greift hier nicht. B&#252;chner stellt Woyzeck in einen rein materialistischen Kontext: Wer um das nackte &#220;berleben k&#228;mpfen muss, der kann mit Moral nicht anfangen.</p>

<p>Diese Haltung Woyzecks w&#252;rde zu B&#252;chners Position passen, die dieser in der Flugschrift „<a href="http://de.wikisource.org/wiki/Der_Hessische_Landbote" target="_blank">Der Hessische Landbote</a>“ vertritt, in welcher er unverbl&#252;mt zur Revolution, mindestens aber zum Aufstand aufruft. „Friede den H&#252;tten! Krieg den Pal&#228;sten!“, lautet die Formel, auf die er seine Schlussfolgerungen angesichts der Massenarmut bringt, ohne freilich selbst je eine solche Revolution anzuzetteln.</p>

<p>Neben dieser „idealistische“ Haltung B&#252;chners wirkt seine Darstellung des Woyzecks dann so, als habe er in dieser Figur die „realistische“ Situation aufgegriffen und dargestellt, wenn auch wohl mit dem „Ideal“, dass dieses Drama einst das Publikum wachr&#252;tteln solle. Doch es blieb Fragment, wurde erst 1913 im Residenztheater M&#252;nchen uraufgef&#252;hrt, nachdem es erstmals 1879 in einer stark &#252;berarbeiteten Fassung im Druck erschienen war. „Woyzeck“ begann seine Wirkungsgeschichte erst, als die in ihm angegriffenen Ph&#228;nomene der strukturellen Massenarmut l&#228;ngst einer anderen Zeit anzugeh&#246;ren schienen, trotz der Armut, die nach dem Ersten Weltkrieg herrschte. Das System, vor dessen Hintergrund B&#252;chner „Woyzeck“ schrieb, schien in der jungen Weimarer Republik ein f&#252;r alle Mal &#252;berwunden.</p>

<p>Und dennoch geriet „Woyzeck“ seit seiner Urauff&#252;hrung nicht mehr in Vergessenheit. Und dennoch geh&#246;rt „Woyzeck“ bis heute in den Kanon klassischer Schullekt&#252;ren. All dies h&#228;ngt sicherlich nicht nur damit zusammen, dass es sich bei B&#252;chners Werk um eines der herausragenden Werke des so genannten „<a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Vormaerz" target="_blank">Vorm&#228;rzes</a>“ handelt. Vielmehr bedarf es kaum gro&#223;er Anstrengungen, um die Frage der mit struktureller Armut verbundenen Probleme in unsere Gegenwart zu &#252;bertragen, auch wenn dabei f&#252;r uns in der Regel nicht mehr die konkret erlebte Armut im Vordergrund steht, wie sie B&#252;chner erlebte, sondern das Wissen um strukturelle Ungerechtigkeiten, die die <a href="http://weltzeugen.blogspot.com/2010/01/outsourced-slavory.html" target="_blank">Armut ausgelagert</a> haben. – Woyzeck? Das sind heute Menschen in so genannten „Niedriglohnl&#228;ndern“; das sind die Slumbewohner in den so genannten „Schwellenl&#228;ndern“, aber das sind vielleicht auch Menschen, die bei uns arbeiten, vielleicht sogar mehr als einen „Job“ haben, aber dennoch kaum von dem leben k&#246;nnen, was sie verdienen. „Woyzeck“ ist leider keine Vergangenheit.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Ein Bildungsspaziergang – Assoziationen und Metaphern</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Jan 2010 21:40:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit einer <a href="http://www.doyouflip.de/" target="_blank">Flip</a> losgezogen, um mich von der Landschaft als <a href="http://bildungsreporter.de" target="_blank">Bildungsreporter</a> zu Assoziationen rund um die Bildungsdebatte in Deutschland anregen zu lassen. Wohl bemerkt: Ich wollte Assoziationen zu dieser Debatte. Damit ist l&#228;ngst nicht gesagt, dass ich dem Eindruck zustimme, der in solchen Diskussionen oft vermittelt wird. Dazu habe ich aber schon was <a href="http://audioboo.fm/boos/91566-vorzeigeschulen-vs-regelschulen-replik-auf-eine-twitterdiskussion" target="_blank">gesagt</a>. Wenn ich diesen Spaziergang im Fr&#252;hjahr machen werde, dann kommen bestimmt ganz andere Assoziationen hoch. Da bin ich mir sicher. Jetzt aber ist Winter – und sogar in Frankfurt liegt mal Schnee. Dementsprechend sind die Assoziationen hier. Ein „Metaphernpotpourri“, ein „Bildungsspaziergang“… – mehr ist das nicht, einen h&#246;herer Anspruch wird nicht erhoben.</p>

<p>http://www.youtube.com/watch?v=w9B8DE1r4sE<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Ausblick 2010 – bildungsreporter.de</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Dec 2009 23:01:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie scharren mit den Hufen, die Bildungsreporter 2010. Als Nachfolgekonzept der Bildungsexpedition 2009 ist erst einmal v&#246;llig offen, was da passieren wird, doch wenn ich mir die Liste der bisher schon vorhandenen Korrespondenten anschaue, die bei ihrer Zusage allesamt nicht &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/12/22/ausblick-2010-bildungsreporter-de/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie scharren mit den Hufen, die <a href="http://bildungsreporter.de" target="_blank">Bildungsreporter</a> 2010. Als Nachfolgekonzept der <a href="http://bildungsexpedition.de/" target="_blank">Bildungsexpedition 2009</a> ist erst einmal v&#246;llig offen, was da passieren wird, doch wenn ich mir die <a href="http://bildungsreporter.de/page2/page2.html" target="_blank">Liste der bisher schon vorhandenen Korrespondenten</a> anschaue, die bei ihrer Zusage allesamt nicht wussten, worauf sie sich da einlassen, bin ich bester Dinge und schon jetzt neugierig, was sich da tun wird.</p>

<p>http://www.youtube.com/watch?v=vfXDf_PwUwg</p>

<p>Zugegeben: Video als Medium war mir bislang eher fremd. Aber so viel sei an dieser Stelle schon verraten: Ich &#252;be kr&#228;ftig mit der seit gerade mal zwei Wochen in meinen H&#228;nden ihr Zuhause suchenden Cam und bin sehr gespannt, was sich mir da an neuen M&#246;glichkeiten der Arbeit im Netz er&#246;ffnen wird.</p>

<p>Jahresr&#252;ckblicke m&#246;gen andere machen, die Bildungsreporter schauen voraus. Auf ein Jahr 2010, das reich an neuen Erkenntnissen dar&#252;ber sein, was mit der Bildung los ist.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 3: Laute Verse. Gedichte aus der Gegenwart</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2009/11/02/herrn-larbigs-bibliothek-3-laute-verse-gedichte-aus-der-gegenwart/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 02 Nov 2009 22:21:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[24 junge Autoren und Autorinnen, die den Mut haben Gedichte zu schreiben, hat Thomas Geiger in diesem Band versammelt. Und dann kommentieren alle Autoren und Autorinnen dort auch noch jeweils eines ihrer Gedichte. Das ist keine leichte Lekt&#252;re; Gedichte sind &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/11/02/herrn-larbigs-bibliothek-3-laute-verse-gedichte-aus-der-gegenwart/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>24 junge Autoren und Autorinnen, die den Mut haben Gedichte zu schreiben, hat Thomas Geiger <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/32332.html" target="_blank">in diesem Band </a>versammelt. Und dann kommentieren alle Autoren und Autorinnen dort auch noch jeweils eines ihrer Gedichte.</p>

<p>Das ist keine leichte Lekt&#252;re; Gedichte sind sperrig – und diese ganz besonders. Hoch reflektiert wird hier mit Sprache umgegangen. So entstehen spannende Texte.</p>

<p>Dennoch: Teilweise wirken diese Gedichte f&#252;r mich so reflektiert, dass sich die Reflexion in den Vordergrund schiebt. Doch dies mag auch an Auswahlkriterien liegen, die Geiger angesetzt hat, denn bei aller Unterschiedlichkeit: Teilweise wirken die Gedichte auf mich sehr „&#228;hnlich“, &#252;berreflektiert, so sehr, dass mir der Zugang zu manch einem dieser Texte nicht gerade leicht gefallen ist.</p>

<p>Ich will diesen Band nicht missen. Er zeigt einen wichtigen Ausschnitt „junger“ deutscher Lyrik. Die Autoren und Autorinnen wurden zwischen 1957 und 1982 geboren. „Junge“ Lyrik? Zeugnis einer Generation? Immerhin wurden die Autoren und Autorinnen in einem Zeitraum von 25 Jahren geboren und die meisten sind schon in ihren vierziger Jahren. Es stimmt also nur zum Teil, dass hier ein „neue Generation von Dichtern“ (Klappentext) vorgestellt wird.</p>

<p>„Neu“ wirken die meisten Autoren des Bandes vor allem deshalb, weil die Wahrnehmung f&#252;r Gedichte in Deutschland so verdammt schleppend und mager ist. Das mag daran liegen, dass diese Gedichte von einem gro&#223;en intellektuellen Anspruch gepr&#228;gt zu sein scheinen und in meinen Augen fast schon „Akademikerlyrik“ sind bzw. f&#252;r Leute geschrieben, die sich in Lyrik auskennen und sich wirklich auf sie einzulassen gewillt sind.</p>

<blockquote>Thomas Geiger (Hg.), Laute Verse. Gedichte aus der Gegenwart, M&#252;nchen (dtv) 2009.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Das „Sieger-Gen“ – Sprache und Bedeutung</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2009/10/11/das-sieger-gen-sprache-und-bedeutung/</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 01:12:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Joachim L&#246;w sagte laut Pressemeldungen als Bundestrainer am Abend des Qualifikationsspieles zur FIFA-Fu&#223;ball-WM der Herrenauswahlen im Fu&#223;ball der nationalen Fu&#223;ballverb&#228;nde: „Ich habe aber vor dem Spiel gesp&#252;rt, dass jeder das Sieger-Gen in sich hat. Selbstverst&#228;ndlich hatten wir in einigen Situationen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/11/das-sieger-gen-sprache-und-bedeutung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,654434,00.html" target="_blank">Joachim L&#246;w sagte laut Pressemeldungen</a> als Bundestrainer am Abend des Qualifikationsspieles zur FIFA-Fu&#223;ball-WM der Herrenauswahlen im Fu&#223;ball der nationalen Fu&#223;ballverb&#228;nde:</p>

<blockquote>„Ich habe aber vor dem Spiel gesp&#252;rt, dass jeder das Sieger-Gen in sich hat. Selbstverst&#228;ndlich hatten wir in einigen Situationen auch etwas Gl&#252;ck.“</blockquote>

<p>Ist das eine biologistische Selbstmystifizierung, die mit dem Wort „SiegerGen“ hier in Erscheinung tritt?<span id="more-2120"></span> Ist es die Phantasie von Leuten, die wohl mehr „Gl&#252;ck hatten als ein „Sieger-Gen“, auch wenn das „Gl&#252;ck“ (noch so ein abstraktes Wort), glaube ich den online bereits verf&#252;gbaren Spielberichten, wohl zumindest in der gestrigen Begegnung in Moskau, eine viel gr&#246;&#223;ere Rolle gespielt hat, wenn ein Spieler der Herrenausawahl im Fu&#223;ball des Deutschen Fu&#223;ballbundes so foult, dass er vom Platz muss und das „Gl&#252;ck“ einen f&#228;lligen Elfmeter f&#252;r die Auswahl des russischen Fu&#223;ballverbandes „verhindert“.</p>

<p>„Sieger-Gen“, ich habe das Wort nie zuvor geh&#246;rt, zuckte gar ein wenig zusammen, wurde unruhig, hatte Assoziationen zu diversen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbermensch" target="_blank">&#220;bermenschenphantasien</a> des vergangenen Jahrhunderts, bis hin zu Nietzsches <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Also_sprach_Zarathustra" target="_blank">Zarathustra</a>, der allerdings schon in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts erschien.</p>

<p>Diese Assoziationen aber, so meine weitere Recherche, hebt das Wort und deren Benutzer auf eine viel zu intellektuelle Ebene, scheint es auch ein vor allem von M&#228;nnern bzw. in von M&#228;nnern dominierten Dom&#228;nen genutzt zu werden. Eine Recherche &#252;ber Suchmaschine ergab, dass das Wort fast ausschlie&#223;lich im Bereich des (Herren)Fu&#223;balls, dar&#252;ber hinaus aber in Einzelf&#228;llen auch im Zusammenhang mit Motorsport und Management auftaucht.</p>

<p>Also doch nur eine metaphorische sprachliche Bildung, um eben nicht „Gl&#252;ck“ und „Zufall“ als  Gr&#252;nde f&#252;r Sieg und Niederlage im (Fu&#223;ball)Sport als Erkl&#228;rungsinstanz zu Rate zu ziehen? – Zumindest erkl&#228;rt das Wort „Sieger-Gen“ nichts, nichts, nichts. Es ist eine willk&#252;rliche Bildung, die zwar jeder versteht, die aber, bei sprachkritischer Betrachtung, zumindest mir die Haare zu Berge stehen l&#228;sst. Warum ist das so?</p>

<p>Es ist zwar in der K&#252;rze nur schwer darstellbar, was ein Gen ist, aber es muss zumindest angedeutet werden, um die Konnotationen zu h&#246;ren, die mit dem hier betrachteten Wort verbunden werden k&#246;nnen:</p>

<blockquote>„Allgemein werden Gene daher als <strong>Erbanlage</strong> oder <strong>Erbfaktor</strong> bezeichnet, da sie die Tr&#228;ger von <a title="Genom" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Genom" target="_blank">Erbinformation</a> sind, die durch <a title="Reproduktion" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reproduktion" target="_blank">Reproduktion</a> an die <a title="Nachkomme" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nachkomme" target="_blank">Nachkommen</a> weitergegeben werden.” (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gen" target="_blank">http://de.wikipedia.org/wiki/Gen</a>)</blockquote>

<p>Gene haben also nur dann etwas mit „Gl&#252;ck“ zu tun, wenn es um den Weg geht, auf dem die eigenen Gene ihre Zusammensetzung finden oder wenn es um die Frage geht, ob sich bestimmte, in den Genen vorhandenen Optionen ausbilden oder nicht, vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Genotyp" target="_blank">Genotyp</a> zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4notyp" target="_blank">Ph&#228;notyp</a> gelangen. Davon abgesehen handelt es sich bei Genetik um die wissenschaftliche Beschreibung eines naturwissenschaftlich nachvollziehbaren Prozesses bei der Weitergabe des Lebens.</p>

<p>Die Wortbildung „Sieger-Gen“ greift diesen Prozess sprachlich auf und verbindet ihn mehr oder weniger bewusst mit der Vorstellung des „survival of the fittest“, denn nach meinen Recherchen findet sich nur dort eine Verbindung des Begriffs „Gen“ mit einer Vorstellung eines „Siegers“. Der Begriff taucht zun&#228;chst bei dem Sozialpsychologen Herbert Spencer auf und wird dann von Charles Darwin &#252;bernommen. Doch in beiden Zusammenh&#228;ngen ist mit „survival of the fittest“ nicht der Sieg durch „<em>k&#246;rperliche St&#228;rke und Durchsetzungsf&#228;higkeit</em> im Sinne einer direkten Konkurrenzverdr&#228;ngung unter Einsatz von Gewalt“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/11/das-sieger-gen-sprache-und-bedeutung/#footnote_0_2120" id="identifier_0_2120" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://de.wikipedia.org/wiki/Survival_of_the_Fittest">1</a></sup>, sondern das Ph&#228;nomen, dass die an ihre Umwelt am besten angepassten Lebewesen auf Dauer (!) die weniger gut angepassten Lebewesen verdr&#228;ngen.</p>

<p>Wenn dem so ist, dann passt diese Assoziation nicht zu der Rede von dem „Sieger-Gen“, die hier er&#246;rtert wird, da es im Sport, in dessen Umfeld das Wort am h&#228;ufigsten genutzt wird, eben nicht um Anpassung, sondern um die schon genannte „<em>k&#246;rperliche St&#228;rke und Durchsetzungsf&#228;higkeit</em> im Sinne einer direkten Konkurrenzverdr&#228;ngung“ geht.</p>

<p>Wenn Joachim L&#246;w nach dem Qualifikationsspiel zur FIFA-Fu&#223;ball-WM der Herrenauswahlen im Fu&#223;ball der nationalen Fu&#223;ballverb&#228;nde von einem „Sieger-Gen“ spricht, dann ist der Einsatz dieser biologistischen Metapher inhaltlich falsch, es sei denn, man ist der Meinung, dass die spielenden Fu&#223;baller des Deutschen Fu&#223;ballbundes eben besser an den vor dem Spiel <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,653564,00.html" target="_blank">so intensiv diskutierten Kunstrasen</a> „biologisch“ besser angepasst gewesen seien, als die Spieler des gastgebenden Fu&#223;ballverbandes. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass es sich hier um eine „genetisch“ bedingte Anpassung handelt. Aber dass es sich bei dem Begriff „Sieger-Gen“ um eine metaphorische Bildung zu handeln scheint, wurde ja schon gesagt.</p>

<p>Das Wort, so das Ergebnis der n&#228;heren Betrachtung des Wortes „Gen“, ist also eine unbrauchbare Metapher, ein leerer Begriff ohne Aussagegehalt, der aber dennoch im Zusammenhang mit dem gestrigen Fu&#223;ballspiel als Aussage des zust&#228;ndigen Trainers immer wieder zitiert wird.</p>

<p>Und trotz der Leere des Begriffs, scheinen doch viele zu verstehen, was damit gesagt werden soll: Statt zu sagen, dass man einfach unglaublich viel „Gl&#252;ck“ gehabt habe und somit den Zufall als ein Element des Spiels benennt, wird dem Gl&#252;ck in dem Zitat aus dem Munde Joachim L&#246;ws eine sekund&#228;re Funktion zugeordnet, die aber zugleich redundant ist, da das Wort „Sieger-Gen“ f&#252;r nichts anders als „Gl&#252;ck“ steht, dieses aber metaphorisch nicht angemssen wiederzugeben vermag, da die Frage des Zufalls beim Genotyp eine andere Bedeutung hat, als im Fu&#223;ball.</p>

<p>Unterstelle ich aber, dass mit dem Begriff tats&#228;chlich eine rationale Aussage getroffen werden sollte, so s&#228;he diese in etwa so aus: „Heute wurde ph&#228;notypisch erkennbar, was in deutschen Fu&#223;ballern im Genotyp angelegt ist. Unsere Fu&#223;baller sind genetisch eigentlich auf Sieg programmiert. Auch wenn dies nicht in jedem Spiel zum Vorschein kommt, heute haben sie gezeigt, was in ihnen steckt.“</p>

<p>Damit aber w&#228;ren wir wieder bei den biologistischen Assoziationen, die mit dem Begriff verbunden sind. Und solche biologistisch gepr&#228;gten, irrationalen, aber dennoch beliebten Begrifflichkeiten, kommen in der Geschichte meist an Stellen vor, mit denen der Deutsche Fu&#223;ballbund bzw. dessen Trainer der Herrenauswahl dieses Fu&#223;ballbundes wahrscheinlich nicht gerne in Verbindung gebracht w&#252;rden. – Als man noch nicht viel &#252;ber Gene wusste und „das Blut“ als Quelle des sich in einem Menschen auspr&#228;genden Lebens ansah, wurde „&#220;berlegenheit“ mit der „&#220;berlegenheit des Blutes“, also dem „Sieger-Blut“ in Verbindung gebracht. Und da ich dies im Hinterkopf habe, wenn ich die Rede vom „Sieger-Gen“ h&#246;re, mag es nachvollziehbar sein, warum es mir bei diesem Begriff eiskalt den R&#252;cken herunter l&#228;uft: Das Wort „Sieger-Gen“ weckt bei mir Assoziationen zu Ausformungen des Darwinismus im Sozialdarwinismus. Sozialdarwinisten verbinden h&#228;ufig mit ihrer Vorstellung die <span style="text-decoration: line-through;">Phantasie</span> Vorstellungen der Evolutionsbiologie mit der Vorstellung einer H&#246;herentwicklung zu einer wertvolleren Lebensform. Und diese Vorstellung spielte in der Rassenideologie der NS-Zeit eine f&#252;r viele Menschen t&#246;dliche Rolle.</p>

<p>Damit will ich Joachim L&#246;ws &#196;u&#223;erung <em>nicht</em> in die N&#228;he dieser rassistischen Vorstellungen r&#252;cken! Erstens ist er nicht der Erste und auch nicht der Einzige, der sie gebraucht. Ich will vielmehr nur darauf hinweisen, welche Konnotationen bei der Verwendung des Begriffs „Sieger-Gen“ mitschwingen <em>k&#246;nnen, </em>unterzieht man den Begriff einer sprachkritischen Analyse.</p>

<p>Au&#223;erdem ist der Trainer der Herrenauswahl des Deutschenfu&#223;ballbundes, wie gerade schon erw&#228;hnt, <a href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;client=firefox-a&amp;rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&amp;hs=Qz7&amp;q=sieger-gen&amp;btnG=Suche&amp;meta=" target="_blank">nicht der Einzige</a>, der diese Formulierung nutzt; seine Formulierung gab nur den Ansto&#223; zu dieser Er&#246;rterung. Die Recherche aber ergab, dass der Begriff vor allem im Kontext des Sports gebraucht wird. Und dies scheint mir durchaus reflektierenswert.</p>

<p>Am h&#228;ufigsten taucht der Begriff des „Sieger-Gens“ im Kontext des Fu&#223;balls auf, vereinzelt im Zusammenhang mit Motorsport oder mit Wirtschaft. Dies zusammenfassend scheint es also so, dass der Begriff vor allem in Konkurrenz-Situationen genutzt wird, die, so meine Vermutung, von „m&#228;nnlich“ Sprachspielen dominierten werden und deren sprachlicher Kontext oft an den Krieg erinnert.</p>

<p>George Orwell schrieb einmal, dass „Sport Krieg ohne Waffen“ sei. Sp&#228;testens, wenn es im Rahmen von Fu&#223;ballspielen zu gewaltt&#228;tigen Auseinandersetzungen kommt, wird diese Aussage leider sogar &#252;bertroffen. Diese Einsicht hat auch schon Einzug in einen <a href="http://debatte.welt.de/kommentare/317/sport+ist+krieg+ohne+waffen" target="_blank">Kommentar eines Sportredakteurs der „Welt“</a> gehalten. Und im Krieg geht es um die Frage, wer sich mit Mitteln der Gewalt gegen&#252;ber anderen durchzusetzen vermag.</p>

<p>Keine Frage: Sportler wollen sich in vielen F&#228;llen im fairen Wettkampf durchsetzen, so sehr dieser faire Wettkampf von Leistungsideologien und k&#246;rperlichem Leistungsehrgeiz &#252;berschattet werden, die zu Doping f&#252;hren. Wer siegt, der/die hat gewonnen. Wer nicht siegt, ist im g&#252;nstigen Fall schnell vergessen oder wird im ung&#252;nstigsten Fall zum Opfer von Hohn und Spott. Doch besonders prickelnd wird dies, wenn, zum Beispiel im Rahmen der olympischen Spiele, die Nationen als „die Unzugeh&#246;rigsten von allen ins Bild“ (<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/804/404583/text/4/" target="_blank">SZ</a>) dr&#228;ngen und so tats&#228;chlich der Eindruck entsteht, es gehe hier nicht um den Wettkampf von Sportlern und Sportlerinnen, sondern um die Auseinandersetzung um den Wert von Nationen. Und so ist es kein Wunder, dass es immer wieder entsprechende „Feldherren“ gibt, die den Sport als Staatsziel mit in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufnehmen wollen, wenn auch vor allem mit an der Gesundheit der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger (der Begriff „Volksgesundheit“ liegt hier nahe und somit schon wieder ein Begriff aus NS-Zeiten) oder der „Fitness“ (und somit unterschwellig an der Vorstellung des „survival of the fittest“ orientierten Begriffen) verbunden.</p>

<p>Literarisch haben sich diese Ph&#228;nome vor allem in dem Werk der Literaturnobelpreistr&#228;gerin <a href="http://elfriedejelinek.com/" target="_blank">Elfriede Jelineks</a> mit dem Titel „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Sportst%C3%BCck" target="_blank">Ein Sportst&#252;ck</a>“ niedergeschlagen, in dem, in Anlehnung an <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elias_Canetti" target="_blank">Elias Canettis</a> (noch ein Literaturnobelpreistr&#228;ger) Untersuchung zu „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Masse_und_Macht" target="_blank">Masse und Macht</a>“, die Parallelen von Sport und Krieg in gr&#246;&#223;ter literarischer Meisterschaft herausgearbeitet werden.</p>

<p>Dieses literarische Werk war dann wohl auch der Grund, warum ich so &#252;berrascht war, dass der Begriff „Sieger-Gen“ im Kontext des Sports, insbesondere des Fu&#223;balls, verwendet wird, verband ich ihn doch sofort mit diesem Theaterst&#252;ck und mit Canettis &#220;berlegungen zum Thema. Dies war der eigentliche Anlass, den Begriff einmal auf seine Bedeutung hin zu untersuchen.</p>

<p>So wenig ich davon ausgehe, dass der Begriff „Sieger-Gen“ in den genannten Kontexten auf seine m&#246;gliche Bedeutung hin reflektiert eingesetzt wird, ich bin n&#228;mlich wirklich davon &#252;berzeugt, dass er <em>nicht</em> in den hier dargestellten und m&#246;glichen Bedeutungskontexten von den entsprechenden Personen benutzt wird, die &#252;brigens in vielen F&#228;llen auch Sportjournalisten sind, so sehr scheint es mir bedeutsam, auf diese m&#246;glichen Bedeutungsfelder hinzuweisen, um zu verdeutlichen, welche m&#246;glichen Konnotationen mit entsprechenden Begriffen verbunden werden k&#246;nnen, bzw. welche Konnotationen unbewusst mit solchen Begriffen transportiert oder rezipiert werden.</p>

<p>Zum Schluss m&#246;chte ich versuchen, aus dem Gesagten einige Kriterien f&#252;r den reflektierten Umgang mit Sprache abzuleiten, geht es mir hier doch weniger um die Kritik an konkreten Personen als vielmehr um eine sich im kantischen Sinne des eigenen Verstandes bedienenden – und somit der Aufkl&#228;rung verpflichtet sehenden – sprachkritischen Betrachtung eines sprachlichen Ph&#228;nomens:</p>

<ol>
    <li>Sprache ist nicht nur Mitteilung von Informationen, sondern immer voller Konnotationen.</li>
    <li>Die Konnotationen von sprachlichen &#196;u&#223;erungen f&#252;hren dazu, dass zun&#228;chst einmal „unschuldige“ Worte semantisch aufgeladen werden und somit in einen Bedeutungszusammenhang eintreten, zu Begriffen werden.</li>
    <li>Wenn Sprache das Ziel der Informations&#252;bermittlung erreichen soll, ist es notwendig, solche Konnotationen zu reflektieren, um m&#246;gliche St&#246;rfaktoren im Informationsfluss zu minimieren.</li>
</ol>

<p>Ja, einer Reflexion wie dieser kann vorgeworfen werden, dass sie an die Stelle der eigentlichen Intention des Sprechers einer Aussage einen unangemessenen, diese Intention verfehlende und somit &#252;berinterpretierende, Deutungszusammenhang konstruiert. Diesen m&#246;glichen Vorwurf kann ich nur relativeren, wenn ich festhalte, dass ich der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rezeptions%C3%A4sthetik" target="_blank">Rezeptions&#228;sthetik</a> der so genannten „Konstanzer Schule“ einen gro&#223;en Erkenntniswert im Umgang mit Sprache und Literatur zuschreibe. Die Rezeptions&#228;sthetik geht davon aus, dass die Wirkung eines Textes (einer Aussage) beim Leser (Rezipient) einen durchaus bedeutsamen Erkenntniswert mit sich bringt. Und so verr&#252;ckt das klingt: Das gilt auch f&#252;r &#196;u&#223;erungen im Kontext des Sports, insbesondere dann, wenn es um Formulierungen geht, die den Sport mit Kontexten verbindet, die alles andere als Ausdruck des fairen Wettkampfes und der Akzeptanz der Tatsache sind, dass neben dem regelm&#228;&#223;igen Training unter &#228;hnlich gut trainierten Sportlern bei Wettk&#228;mpfen oft das Gl&#252;ck entscheidet, so dieses nicht mit dem Einsatz von Dopingmitteln erzwungen werden soll.</p>

<p>F&#252;r mich geh&#246;rt der Begriff „Sieger-Gen“ zu den Worten, bei deren Nutzung sich meine Nackenhaare in alle Richtung aufstellen. Den Gr&#252;nden f&#252;r die zun&#228;chst rein rezeptiv von mir selbst wahrgenommenen kritischen Distanz zu diesem Begriff wollte ich nachgehen, als ich diese Er&#246;rterung begann. Dass ich am Ende allerdings kaum von der Formulierung „Sieger-Gen“ begeistert sein w&#252;rde, war f&#252;r mich sehr fr&#252;h absehbar. So ist das f&#252;r mich bei Begriffen, die eher vermieden werden sollten.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Kommentar zur Bundestagswahl 2009</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 19:06:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Zentrum des Wahlabends steht die Erkenntnis reichlich vieler „schlechtester Ergebnisse seit Bestehen der Bundesrepublik“. Diese Aussage mag aus der Sicht der betroffenen Parteien (CDU, CSU, SPD) richtig sein. Doch bei genauer Betrachtung steht das Ergbnis nicht f&#252;r etwas „schlechtes“, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/27/kommentar-zur-bundestagswahl-2009/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zentrum des Wahlabends steht die Erkenntnis reichlich vieler „schlechtester Ergebnisse seit Bestehen der Bundesrepublik“. Diese Aussage mag aus der Sicht der betroffenen Parteien (CDU, CSU, SPD) richtig sein. Doch bei genauer Betrachtung steht das Ergbnis nicht f&#252;r etwas „schlechtes“, denn der W&#228;hlerwillen kann nichts „schlechtes“ sein, solange er sich der demokratischen Parteien zum Ausdruck dieses Willens bedient, sondern daf&#252;r, dass sich das Parteiensystem in Deutschland deutlich ver&#228;ndert hat.</p>

<p>Die  Volksparteien (CDU, SPD) erreichen gerade mal noch zwischen 56 und 57 Prozent, die bislang kleinen Parteien erreichen hingegen mittlerweile zwischen 43 und 44 Prozent der W&#228;hlerstimmen. F&#252;r mich ist dies ein deutliches Zeichen, dass die Volksparteien an zahlreichen Punkten an gro&#223;en Teilen der Bev&#246;lkerung vorbei regiert haben, die sich nun den deutlich st&#228;rker profilierten kleineren Parteien zugewandt haben.</p>

<p>Der Abstieg der SPD hat sicherlich damit zu tun, dass diese Partei unter der Kanzlerschaft Gerhard Schr&#246;ders reichlich Entscheidungen getroffen hat, die so eher von der CDU oder der FDP erwartet worden w&#228;ren (Arbeitslosengeld z. B.) und in der Koalition mit der CDU kaum zu vermitteln vermochte, wo denn bitte sozialdemokratisches Profil im Regierungshandeln eine Rolle gespielt hat.</p>

<p>Aber auch die CDU hat eigentlich ein Wahldesaster erlebt, das nur dadurch &#252;berdeckt wird, dass sie weiter st&#228;rkste Partei bleibt und gemeinsam mit der FDP regieren kann. Hat es noch eine Rolle gespielt, dass Angela Merkel ihr Versprechen des Verzichts auf eine Mehrwertsteuererh&#246;hung nach der Bundestagswahl 2005 gebrochen hat und der FDP hier mehr Glaubw&#252;rdigkeit zugesprochen wird? Hat die Wahlentscheidung damit zu tun, dass viele, die den Abbau von Freiheitsrechten durch SPD, Gr&#252;ne und CDU seit 2001 nicht mehr mitmachen wollen, die FDP hier – trotz klarer Aussagen im Wahlprogramm der Gr&#252;nen – f&#252;r einen glaubw&#252;rdigen Garanten der Wiederherstellung von Freiheitsrechten halten?</p>

<p>Die Gr&#252;nen haben mit knapp 10% ihr Ziel verfehlt, drittst&#228;rkste Kraft im Bundestag zu werden. Statt dessen sind sie nun die kleinste im Bundestag vertretene Oppositionspartei. Vielleicht liegt dies daran, dass W&#228;hlerinnen und W&#228;hler den Eindruck hatten, dass man bei den Gr&#252;nen nicht so genau wei&#223;, f&#252;r was sie eigentlich noch stehen. So sehr sich die Mitglieder der Partei auch bem&#252;ht haben, dies den W&#228;hlern zu vermitteln, gelang es ihnen dennoch nicht, ein klares Profil zu entwickeln.</p>

<p>Dass von dem programmatischen Niedergang der SPD die Linke profitieren w&#252;rde, war abzusehen. L&#228;ngst hat die Sozialdemokratie das, was sie als Partei ausmachte, bis zur Unkenntlichkeit verst&#252;mmelt, sodass sie von vielen W&#228;hlern und W&#228;hlerinnen als kaum noch von der CDU unterscheidbar wahrgenommen wurde. Und Frank Walter Steinmeier stand als Kanzlerkandidat eher f&#252;r die Linie Schr&#246;der als f&#252;r klares Profil in Sachen sozialer Gerechtigkeit, trotz klarer Aussagen des SPD-Wahlprogrammes. Hinzu kommt, dass die Zerstrittenheit in der SPD, auch wenn sie im Wahlkampf nicht sichtbar wurde, nicht wirklich von der Partei in Richtung einer klaren, von allen gemeinsam vertretenen Linie hin aufgearbeitet wurde. Da ist die Frage der &#214;ffnung zur Linkspartei, da ist die mangelnde Kontinuit&#228;t im Parteivorstand, da sind die Probleme, die das Verhalten Andrea Ypsilantis nach der letzten hessischen Landtagswahl ausgel&#246;st haben. Eine Partei, die in sich keine Einigkeit hat, kann kaum damit rechnen, dass ihr gerade in Krisenzeiten das Vertrauen entgegen gebracht wird, eine F&#252;hrungskraft in Deutschland zu sein.</p>

<p>Doch gerade diese Krisenzeiten f&#252;hren bei mir zu einem gewissen Erstaunen &#252;ber das Abschneiden der FDP, steht doch diese Partei wie kaum eine andere f&#252;r ein Wirtschaftssystem, in dem das Verhalten der Banken, das die aktuelle Krise mit ausgel&#246;st hat, gef&#246;rdert wurde. Es war in den vergangen Jahren die FDP, die wirtschaftspolitisch Positionen vertrat, die alles andere als g&#252;nstig f&#252;r die Arbeitnehmer waren. Und es zeichnet sich ab, dass bis heute von der FDP, abgesehen von dem Bereich der B&#252;rger- und Freiheitsrechte, Positionen vertreten werden, die nicht gerade dem sozialen Ausgleich in der Bundesrepublik dienen.</p>

<p>Andererseits kann die FDP f&#252;r sich in Anspruch nehmen, glaubw&#252;rdig zu sein. Und das verbindet sie mit den anderen im Bundestag vertretenen kleineren Parteien, auch wenn die Gr&#252;nen damit in den vergangenen Jahren, an der einen oder anderen Stelle, an der sie sich entgegen vorhergehender Aussagen der CDU &#246;ffneten, Probleme hatten.</p>

<p>Und trotz dieser zumindest bei den kleinen Parteien vorhandenen Glaubw&#252;rdigkeit, hat dies die eigentliche „Katastrophe“ dieser Bundestagswahl nicht verhindert: 28 Prozent der stimmberechtigten Bev&#246;lkerung haben ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2009 verweigert. Das sind bei 62 Millionen Wahlberechtigten 17.000.000 Stimmen, die nicht abgegeben wurden. 17 Millionen B&#252;rgerinnen und B&#252;rger haben sich dem politischen Entscheidungsprozess der Wahl entzogen, haben sich daf&#252;r entschieden, dass ihnen der Wahlausgang egal ist. Oder handelt es sich um B&#252;rgerinnen und B&#252;rger, die ihr Vertrauen darauf verloren haben, dass sie und ihre Interessen in der Bundespolitik &#252;berhaupt noch ber&#252;cksichtigt werden?</p>

<p>28 Prozent Nichtw&#228;hler – das ist die Herausforderung f&#252;r alle Parteien. 28 Prozent Nichtw&#228;hler: Das ist die st&#228;rkste politische Kraft nach der CDU in diesem Lande! Und genau diese 28 Prozent gilt es nun, zur&#252;ck in die politischen Entscheidungsprozesse der Bundesrepublik zu holen. Diese 28 Prozent m&#252;ssen in der zuk&#252;nftigen Arbeit von Regierung und Opposition als das, was sie sind, n&#228;mlich die zweitst&#228;rkste politische Kraft, wenn es auch die Kraft der Wahlverweigerung ist, ernst genommen werden.</p>

<p>Die Parteien m&#252;ssen schauen, wie viele der Nichtw&#228;hler solche sind, die sie als ihre eigentlichen Anh&#228;nger und Anh&#228;ngerinnen nicht mobilisieren konnten und dann intensiv daran arbeiten, hier wieder zu einer h&#246;heren Wahlbeteiligung zu kommen.</p>

<p>Was die n&#228;chsten Jahre bringen werden, kann vom heutigen Standpunkt aus nur vermutet werden. Vielleicht gelingt es der FDP, wenn sie es mit den Freiheitsrechten wirklich ernst nimmt, die Vorratsdatenspeicherung zu kippen, die Online-Durchsuchungen zumindest deutlich zu erschweren und die Internetsperren noch einmal kritisch zu hinterfragen. Es ist aber auch damit zu rechnen, dass der K&#252;ndigungsschutz gelockert werden wird, die Laufzeit von Atomkraftwerken verl&#228;ngert und Regulierung der Wirtschaft als Folge der Finanzkrise lockerer ausfallen wird, als dies andere politische Konstellationen zugelassen h&#228;tten. Dies k&#246;nnte dann aber auch dazu f&#252;hren, dass die Profilierung der politischen Parteien wieder einfacher wird als zu Zeiten der gro&#223;en Koalition. Doch gerade die SPD muss aufpassen, dass es ihr &#252;ber die nun anstehenden Personaldebatten hinaus gelingt, ihr Profil zu sch&#228;rfen, um nicht von der Linken irgendwann &#252;berrundet zu werden. Und die Gr&#252;nen m&#252;ssen kl&#228;ren, wie sie ihr Programm mit m&#246;glichen Koalitionsoptionen der Zukunft in Einklang bringen k&#246;nnen.</p>

<p>Und das ist dann m&#246;glicherweise die gute Nachricht dieses Wahlabends: Nach dem langweiligsten Wahlkampf, an den ich mich erinnern kann, kann Politik nun wieder spannend werden, kann endlich wieder der politische Diskurs um langfristige Visionen lauter werden, der sich dann in zuk&#252;nftigen Wahlen auch niederschlagen kann.</p>

<p>Welche Visionen k&#246;nnen das sein?</p>

<ol>
    <li>Welche Wirtschafts- und Sozialpolitik in Deutschland wollen wir?</li>
    <li>Wie kann es gelingen, aus der Schuldenfalle heraus zu kommen und somit auch finanziell wieder gr&#246;&#223;eren politischen Handlungsspielraum zu haben?</li>
    <li>Mit welcher Konsequenz und mit welchen Antworten wird die Frage des Klimawandels und der damit verbundenen Energiepolitik beantwortet?</li>
    <li>Wie soll daf&#252;r gesorgt werden, dass Chancengleichheit in Sachen Bildung hergestellt wird und wir massiv das Problem des Mangels an Fachkr&#228;ften angehen?</li>
    <li>Wird Deutschland weiter zum Pr&#228;ventionsstaat mit der damit verbundenen &#220;berwachungsmentalit&#228;t ausgebaut oder haben wir den Mut zur Freiheit?</li>
</ol>

<p>F&#252;nf Punkte, die sicher noch um einige mehr erg&#228;nzt werden k&#246;nnen. F&#252;nf Punkte, bei denen das heutige Wahlergebnis dazu f&#252;hren kann, dass es in Deutschland wieder zu echten inhaltlichen Auseinandersetzungen kommt, die unter der gro&#223;en Koalition doch sehr gelitten haben. Und f&#252;r mich ist dies auch eine Botschaft des Wahlergebnisses: Der „W&#228;hlerwille“ will wieder Alternativen haben. Das sollte sich vor allem die SPD zu Herzen nehmen, darauf sollten die Gr&#252;nen achten. F&#252;r die CDU und FDP besteht nun die Chance zu zeigen, dass sie koalierend nicht wieder in die Falle des Turbokapitalismusses tappen, der uns in die gegenw&#228;rtige Krise gef&#252;hrt hat.</p>

<p>Ja, diese Wahl zeugt von einem Wandel im Parteiensystem und ist doch auch die R&#252;ckkehr zu einer „b&#252;rgerlichen“ Koalition. Die kommende Legislaturperiode verspricht von daher, eine sehr spannende zu werden. Bleibt zu hoffen, dass alle demokratischen Parteien dies nutzen und Deutschland wirklich wieder zu einem Land der Visionen machen, um die im demokratischen Diskurs auch gerungen wird.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Zwischen Kompetenzen und Literacy oder: Ohne Inhalt keine Kompetenz</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Sep 2009 21:48:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abh&#228;ngige Mensch von Morgen“, fasst Maik Riecken die Grenzen und Gefahren eines vor allem auf Kompetenzen ausgerichteten Bildungsbegriffs zusammen. Und weiter schreibt Riecken: „Kompetenzen fangen f&#252;r mich immer mit dem Inhalt an &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abh&#228;ngige Mensch von Morgen“, fasst <a href="http://riecken.de/index.php/2009/09/wir-konnen-nicht-mehr-alles-wissen/" target="_blank">Maik Riecken</a> die Grenzen und Gefahren eines vor allem auf Kompetenzen ausgerichteten Bildungsbegriffs zusammen. Und weiter schreibt Riecken:</p>

<blockquote>„Kompetenzen fangen f&#252;r mich immer mit dem Inhalt an – nie mit der Methode, nie mit dem Medium. Wir k&#246;nnen nicht alles wissen. Das hei&#223;t aber nicht, dass wir kein Wissen mehr vermitteln sollten oder dass wir keines mehr brauchen.“ (<a href="http://riecken.de/index.php/2009/09/wir-konnen-nicht-mehr-alles-wissen/" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>Kompetenzen! – So lautet das neue Zauberwort, seit PISA 1 &#246;ffentlichkeitswirksam darstellte, dass es mehr und mehr Jugendliche (<em>u. a.</em> [sic!] in Deutschland) gibt,<span id="more-2032"></span> die z. B. nicht mehr in der Lage sind, in Texten vorhandenes Wissen oder in Texten dargestellte Arbeitsanweisungen, beispielsweise bei Textaufgaben im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, herauszuarbeiten oder anzuwenden.</p>

<p>Die logische Folge aus dieser Erkenntnis ist, dass die F&#228;higkeit zur Anwendung von Wissen st&#228;rker in den Vordergrund gestellt werden muss. Es muss gelernt werden, wie gelernt wird, was heute unter dem Schlagwort „Lernen lernen“ zusammengefasst wird. Es muss aber ebenso gelernt werden, wie Inhalte so erfasst werden k&#246;nnen, dass diese f&#252;r den Bildungsprozess fruchtbar und wirksam werden k&#246;nnen. – Es geht also nicht nur darum, Buchstaben zu lernen, um in der Lage zu sein, diese in Texten wiederzuerkennen, sondern darum, das System, in dem die Buchstaben zu gr&#246;&#223;eren Buchstabengruppen (W&#246;rter, S&#228;tze, Texte) werden, zu verstehen, da nur so die in Zeichenstrukturen festgehaltenen Inhalte erfasst werden k&#246;nnen.</p>

<p>Eine Kompetenz umfasst immer mehr als eine Anwendungsf&#228;higkeit. Und wenn der deutsche Begriff „F&#228;higkeit“ auch schon eine ganze Menge von dem beinhaltet, was in der Diskussion um Kompetenzenorientierung als wichtig angesehen wird, so schlage ich an dieser Stelle dennoch vor, den englischen Begriff der „literacy“ zu benutzen, da dieser einige Seiten in Bildungsprozessen ber&#252;cksichtigt, die weder im Begriff der „F&#228;higkeiten“ noch der „Kompetenzen“ automatisch mitgedacht werden. Ich schlage dies vor, da „F&#228;higkeiten“ eher mit dem englischen „abilities“ korrespondiert und der Kompetenzenbegriff eher mit dem englischen „skills“ erl&#228;utert werden kann.</p>

<p>Also „literacy“. Um diesen Begriff richtig zu verstehen, darf man nicht den Fehler machen, ihn einfach mit Lesekompetenz oder gar Literalit&#228;t zu &#252;bersetzen, wie z. B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Literacy" target="_blank">Wikipedia</a> das macht. „Literacy“ wird in unterschiedlichen Zusammenh&#228;ngen verwendet und meint in diesen eben mehr als nur Lesef&#228;higkeit: Wenn zum Beispiel von „reading literacy“ die Rede ist, dann bezieht sich diese auf eine „schriftsprachliche Rezeptionsf&#228;higkeit im weitesten Sinn, etwa auf Verstehens­leistungen bei der Lekt&#252;re verschiedener linearer Textsorten, aber auch bei Tabellen, Graphiken, Lexikon oder Hypertexten“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/#footnote_0_2032" id="identifier_0_2032" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="CORNELIA ROSEBROCK (2006). Lesesozialisation und Lesef&amp;#246;rderung &ndash; literarisches Leben in der Schule. In: MICHAEL K&amp;#196;MPER-VAN DEN BOOGAART (Hg.), Deutsch-Didaktik: Leitfaden f&amp;#252;r die Sekundarstufe I und II. Berlin, Cornelsen Verlag Scriptor: 153&ndash;174, 154.">1</a></sup></p>

<!--        @page { margin: 56.7pt }        P { margin-bottom: 6pt } -->

<p>Als zweites Beispiel, in welchen Zusammenh&#228;ngen von „literacy“ &#252;ber „Lesef&#228;higkeit“ oder „Lesekompetenz“ hinaus gesprochen werden kann, sei hier im Sinne Sonja Livingstons, die am <a href="http://www.lse.ac.uk/collections/media@lse/whosWho/soniaLivingstone.htm">Department for Media and Communication</a> der <a href="http://www.lse.ac.uk/" target="_blank">London School of Economics and Political Sciences</a> arbeitet, der Begriff der „media literacy“ genannt, zu dem <a href="http://www.lse.ac.uk/collections/media@lse/whosWho/soniaLivingstone.htm#medialiteracy" target="_blank">Livingstone gearbeitet hat</a>. – Livingstone definiert „media literacy“ als “the ability to access, analyse, evaluate and create messages across a variety of contexts” (die F&#228;higkeit / Kompetenz des Zugangs, der Analyse, der Evaluation und der Erstellung zu / von Nachrichten in unterschiedlichen Kontexten).</p>

<p>Dies klingt zun&#228;chst einmal nach einer reinen Ansammlung von F&#228;higkeiten, die zwar die Anwendbarkeit der Medien zulassen, aber keine Kenntnisse &#252;ber diese Medien voraussetzen. Und damit wird aus einem kompetenten Menschen in diesem Sinne ein abh&#228;ngiger Mensch, wie <a href="http://riecken.de/index.php/2009/09/wir-konnen-nicht-mehr-alles-wissen/" target="_blank">Riecken so treffend darstellt</a>:</p>

<blockquote>„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abh&#228;ngige Mensch von Morgen. Wie viele Menschen sind z.B. von einer bestimmten Benutzeroberfl&#228;che eines Rechners abh&#228;ngig, weil sie nicht verstehen wollen, was der Rechner f&#252;r sie macht? Relevantes Wissen im IT-Bereich bedeutet das Erlernen von Konzepten – etwa der Objektorientierung – die es erlauben, jedes Schreibprogramm, welche objektorientiert arbeitet (das tun fast alle) zu bedienen. Das erm&#246;glicht mir Freiheit bei der Wahl meines Softwareanbieters. Dazu ben&#246;tige ich zun&#228;chst aber Wissen um die Objektorientierung und ich brauche jemanden, der erkennt, dass die Objektorientierung relevantes Wissen darstellt. Habe ich dieses Wissen nicht, muss ich andere Leute fragen oder f&#252;r eine Dienstleistung zahlen.“</blockquote>

<p>Doch Livingstone erkennt dieses Problem und stellt in ihren &#220;berlegungen zur Evaluation von Nachrichten in unterschiedlichen medialen Kontexten folgendes fest:</p>

<blockquote>“<em>There is little point in access or analysis without judgement</em>, but a stress on evaluation raises, rightly, some difficult policy questions when specifying and legitimating appropriate bases of <em>critical literacy – aesthetic, political, ideological and/or economic</em>. The scope and purpose of evaluation is also disputed: is media literacy intended to promote a democratised, diverse, anti-elitist approach to online representations or should it underpin a more traditional, hierarchical discrimination of good from bad, authoritative from unauthorised, information and communication?”<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/#footnote_1_2032" id="identifier_1_2032" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sonja Livingstone (2004) What is media literacy? Intermedia, 32(3), 18-20. September &ndash; Hervorhebungen von mir.">2</a></sup></blockquote>

<p>An diesem Punkt wird deutlich, dass „literacy“ als Begriff mehr als nur F&#228;higkeiten und Kompetenzen (abilities / skills) umfasst: Es geht auch um die F&#228;higkeit zum kritischen Umgang mit den Kompetenzen bzw. vor allem den Inhalten oder Gegenst&#228;nden, die &#252;ber Kompetenzen erschlossen werden. Es geht um die F&#228;higkeit des reflexiven, auf Wissen (Inhalten!) basierenden Umgangs mit Kompetenzen, der auch dann noch weiter hilft, wenn z.B. die Benutzeroberfl&#228;chen von Computerprogrammen v&#246;llig anders aussehen, als wir das heute gewohnt sind.</p>

<p>Doch der „literacy“-Begriff ist meines Erachtens noch umfassender. Er beinhaltet n&#228;mlich auch all jene Faktoren, die den Prozess der Erfassung und Integration von Inhalten in den eigenen Kompetenzen-Pool vor dem je eigenen biographischen, sozialen und kulturellen Hintergrund begleiten und f&#252;hrt im Idealfall auch zu der Kompetenz, diese Hintergr&#252;nde reflexiv und kritisch in den eigene (handlungsorientierten) Lernprozess zu integrieren. Dieser Idealfall ist es, den ich (neben noch weiteren, hier nicht n&#228;her ausgef&#252;hrten Differenzierungen) mit dem Bildungsbegriff verbinde.</p>

<p>Zugegeben: Ich kenne keinen einzigen an Bildungsprozessen Beteiligten, der der Annahme, dass Kompetenzenorientierung nicht ohne Inhalte gehe, widersprechen w&#252;rde. Grunds&#228;tzlich scheint allgemein akzeptiert zu sein, dass der Prozess der Wissensgenerierung mit praktischen Bez&#252;gen und bildenden Wirkungen ein dialektischer ist, der sich zwischen Inhalten und praktischen Anwendungen hin und her bewegt. Und doch scheint es mir in diesem dialektischen Prozess gegenw&#228;rtig eine &#220;bergewichtung der Kompetenzen zu geben, was sicher mit der vorhergegangenen &#220;bergewichtung der Inhalte zu tun hat, aber deshalb dennoch einseitig ist.</p>

<p>Was also ist meines Erachtens in der gegenw&#228;rtigen Bildungs- / Kompetenzen-Diskussion unbedingt zu ber&#252;cksichtigen? Was findet statt? Wo sind Tendenzen erkennbar, die in paradoxe Situationen f&#252;hren?</p>

<ol>
<li><p>Bildungsprozesse sollen individualisiert ablaufen. Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen sollen von ihren individuellen F&#228;higkeiten und Voraussetzungen her gef&#246;rdert werden, sodass idealerweise eine intrinsische Motivation des Lernens erreicht wird. Und dabei werden idealerweise biographische, soziale und kulturelle Hintergr&#252;nde ber&#252;cksichtigt und in den Bildungsprozess integriert – zumindest der Idee nach. Paradoxien zu dieser Forderung des individualisiert von Lehrenden begleiteten Lernprozesses tauchen meines Erachtens an zwei Stellen auf: Zum einen ist es selbst den begabtesten Lehrenden unm&#246;glich in Lerngruppen von z. T. &#252;ber drei&#223;ig Kindern &#252;ber punktuelle Individualisierung hinaus die M&#246;glichkeiten dieser Form des Lernens und Lehrens voll zu nutzen, da die Gruppen und die sich daraus ergebende Summe der individualisiert zu unterrichtenden Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu gro&#223; ist, um allen Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen angemessen individualisierte Lernoptionen in der notwendigen Kontinuit&#228;t anzubieten. Das macht zwar die individuelle F&#246;rderung nicht unm&#246;glich, erschwert sie aber in einem Ma&#223;e, dass entsprechenden Forderungen bspw. der Bildungspolitik nur in Ans&#228;tzen entsprochen werden kann. Andererseits steht der Kompetenzenorientierung und Individualisierung von Bildungsprozessen der starke Drang zu stark inhaltlich orientierten Standardisierungen gegen&#252;ber, die &#252;berall dort, wo zentrale Pr&#252;fungen abgelegt werden m&#252;ssen, die Lehrerinnen und Lehrer vor eine nahezu unl&#246;sbare Aufgabe stellen: Wie individualisiere ich Unterricht, wenn am Ende doch alle das Gleiche k&#246;nnen sollen und m&#252;ssen? – So ist es beispielsweise im Deutschunterricht nicht nachvollziehbar, warum Kompetenzen f&#252;r alle Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen in einem Land an den gleichen Lekt&#252;ren erarbeitet werden m&#252;ssen… Von individuellem Lernen kann da nur noch sehr begrenzt die Rede sein.</p></li>
<li><p>Einerseits wird von Kompetenzen gesprochen, diese werden aber nicht weiter differenziert. Es scheint mir bislang, sollte ich da was &#252;bersehen haben, freue ich mich auf Erg&#228;nzungen in den Kommentaren, als f&#228;nde noch keine Diskussion dar&#252;ber statt, wie sich Kompetenzen aufbauen und wie, an der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen orientiert, ein Kompetenzenzuwachs darstellbar ist. Wie weit m&#252;ssen Kompetenzen denn nun in Klasse 6, 8, 10 oder gar 13 vorhanden sein? Welche zus&#228;tzlichen Kompetenzen soll ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin nach 10 oder nach 13 Jahren haben? Wo liegen da die Unterschiede. St&#252;nden in einem Lehrplan, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler nach 10 Jahren einen angemessen Umgang mit Textverarbeitung, Pr&#228;sentationsm&#246;glichkeiten etc. haben sollen, stellt sich die Frage wodurch sich diese Kompetenzen dann von denen in Klasse 13 oder 12 (beim achtj&#228;hrigen Gymnasium) unterscheiden, wenn dort die exakt gleichen Formulierungen in den Lehrpl&#228;nen stehen? Insgesamt scheint mir der Kompetenzenbegriff entwicklungspsychologisch noch nicht (differenziert genug) gedacht zu sein. Ich vermute sogar, dass hier eigentlich von einem gr&#246;&#223;eren Umfang an Wissen ausgegangen wird, der mit anwendbar und darstellbar sein soll.</p></li>
<li><p>Wenn L&#228;nder mit zentralen Abschlusspr&#252;fungen Lehrpl&#228;ne entwickeln, die vor allem Bildungsstandards und ein fachspezifisches Kerncurriculum vorgeben, l&#228;uft dies inhaltlich definierten Abschlussprofilen zuwider. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Schulentwicklung in Richtung selbstverantwortliche Schule hin l&#228;uft, in der, auf der Basis von Bildungsstandards und Kerncurricula, schuleigene, dem Profil einer Schule entsprechende Schulcurricula erstellt werden sollen. Hier entsteht ein Paradox, das nur aufzul&#246;sen ist, wenn schuleigene Abschlusspr&#252;fungen wieder zugelassen werden, die von der Schulaufsicht daraufhin zu &#252;berpr&#252;fen sind, ob sie den Bildungsstandards entsprechen und die Kerncurricula angemessen ber&#252;cksichtigen. Dabei muss es dann egal sein, ob in einer Lerngruppe „Effi Briest“ oder „Irrungen, Wirrungen“ gelesen wird, wenn die Bildungsstandards einen reflexiven Umgang mit dem b&#252;rgerlichen Realismus zulassen. Vor allem in den geisteswissenschaftlichen F&#228;chern kann individualisiertes Lernen letztlich nur gelingen, wenn die inhaltlichen Vorgaben f&#252;r Pr&#252;fungen entsprechend angepasst werden. – Und damit spreche ich mich nicht gegen Inhalte aus. Es will mir vielmehr so scheinen, als wollten viele Kultusadministrationen die inhaltliche Gestaltung durchaus den Schulen bzw. den Fachlehrern im Sinne einer Individualisierung zur&#252;ck geben. Doch dann muss man aufpassen, dass man unter Standardisierung, die der Individualisierung grunds&#228;tzlich zuwider l&#228;uft, nicht die inhaltliche Monokultur versteht, wie sie beispielsweise in L&#228;ndern mit Zentralabitur in der Sekundarstufe II im Augenblick anzutreffen ist.</p></li>
<li><p>Kompetenzen werden am besten an Inhalten und Gegenst&#228;nden gelernt, die einzelne Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen oder Lerngruppen als ganze interessieren. Die heute gefragten Kompetenzen erfordern eine entsprechende Schulorganisation: Individuelle Lernprozesse und Kompetenzenbildung k&#246;nnen nur sehr begrenzt im bislang &#252;blichen Zeitraster geleistet werden, das letztlich die Lerngruppen und die Individuen synchronisiert und so nicht den individuellen Lernanspr&#252;chen gerecht werden kann. L&#228;ngerfristige Planungen (Wochenplan etc.) und eine gr&#246;&#223;ere Flexibilit&#228;t der vorgegebenen Lernphasen im Rahmen einer festen Stundentafeln w&#228;ren von N&#246;ten, wenn wirklich individualisierter Unterricht stattfinden soll. Dar&#252;ber hinaus m&#252;ssen Lehrende sich viel mehr als bislang als Team verstehen, weil letztlich nur so sicher gestellt werden kann, dass jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin angemessen betreut werden kann. Klassenverb&#228;nde von 30 und mehr, in denen Lehrende sich vor allem f&#252;r ihr Fach verantwortlich f&#252;hlen, erh&#246;hen die Zahl der individuell zu betreuenden Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen. Diese Betreuungszahlen k&#246;nnten bereits heute einfach gesenkt werden. Ein Beispiel: An meiner Schule komme auf ca. 1250 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ca. 95 Lehrkr&#228;fte, teilweise in Teilzeit. W&#252;rden die Lehrenden sich die zu betreuenden Sch&#252;ler aufteilen, k&#228;men im Schnitt auf jeden Lehrenden 13 bis 14 Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die in ihrem Lernprozess individuell betreut werden m&#252;ssten. Der Unterschied zu den jetzigen Zust&#228;nden? Im Augenblick unterrichte ich ca. 150 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, was eine relativ niedrige Zahl ist, da die Religionsgruppen in der Mittelstufe relativ klein sind. Dennoch halte ich es f&#252;r unrealistisch, dass ich 150 Personen individuell betreuen und f&#246;rdern kann. Wenn ich aber nun 14 Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen als fester Betreuer zugewiesen bek&#228;me, k&#246;nnte ich diese durchaus im Blick behalten und (anders als  es mir als Fachlehrer m&#246;glich ist) den gesamten Lernprozess und die damit verbundenen F&#246;rdernotwendigkeiten organisieren, weil ich gleichzeitig w&#252;sste, dass andere Kollegen z. B. Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die in meinen F&#228;chern F&#246;rderbedarf haben, begleiten. Das w&#252;rde nicht bedeuten, dass sich der Fachlehrer aus der F&#246;rderung seiner Lerngruppen heraus nehmen soll. Das w&#252;rde aber bedeuten, dass jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin zumindest einen fixen Ansprechpartner in der Schule h&#228;tte, der nat&#252;rlich mit Kollegen und Kolleginnen im Gespr&#228;ch sein m&#252;sste, die diese Lernenden unterrichten. Schulen, die sich dem Teamteaching verschrieben haben, scheinen mir hier auf einem sehr guten Weg.</p></li>
</ol>

<p>Zu den zu ver&#228;ndernden Schulstrukturen geh&#246;rt aber auch die Verf&#252;gbarkeit von Ressourcen und Materialien, die f&#252;r individualisierte Lernprozesse notwendig sind. Dazu geh&#246;ren sowohl m&#246;glichst frei zug&#228;ngliche Rechner mit Netzanschluss (idealerweise in jeder Klasse mindesten einer) als auch Nachschlagewerke (wie z. B. W&#246;rterb&#252;cher) in den einzelnen Klassenr&#228;umen – &#252;ber die Verf&#252;gbarkeit von Wissen hinaus, das beispielsweise in schuleigenen oder in der Umgebung angesiedelten Bibliotheken verf&#252;gbar ist. Au&#223;erdem verhindert die bisherige Aufsichtsregelung, vor allem in der Sekundarstufe I, dass beispielsweise ein Teil der Lerngruppe in der Bibliothek und ein zweiter im Klassenraum arbeitet.</p>

<p>„Literacy“ im hier gemeinten Sinne setzt eine wesentlich gr&#246;&#223;ere Ausdifferenzierung der Unterrichts- und Schulorganisation voraus, als sie bis heute an vielen Schulen in Deutschland &#252;blich ist. Unterst&#252;tzend k&#246;nnten in diesem organisatorischen Bereich auch digitale Arbeitsmittel wirken, die die vernetzten Strukturen, auf die Lernen im Prinzip heute hinauslaufen muss, nicht nur symbolisch widerspiegeln sondern praktisch unterst&#252;tzen.</p>

<p>Ob solche Ver&#228;nderungen aber gewollt sind? Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen scheinen mir – und jetzt doch noch eine Lanze f&#252;r die Notwendigkeit der Kompetenzenvermittlung – gerade im Bereich der Vernetzung ihres Lernens nach wie vor reichlich inkompetent. Die so genannten „digital natives“ erscheinen mir oft eher „digital naiv“, was aber nicht den Lernenden anzukreiden ist, f&#252;hrt sie Schule doch in vielen F&#228;llen kaum in diese (<a href="http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/2195234_0_1272_-internet-lehrer-2-0-hat-sein-klassenziel-verfehlt.html" target="_blank">auch vielen Lehrenden v&#246;llig unbekannten</a>) Arbeitsformen ein. Entsprechend schwierig ist es, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zur Arbeit in vernetzten Systemen zu motivieren, was allerdings auch verst&#228;ndlich ist, wenn sie diese Kompetenzen m&#246;glicherweise nur von einzelnen Lehrkr&#228;ften angeboten bekommen und diese Kompetenzen keinen akzeptierten Ort in der Schulkultur finden. In solchen F&#228;llen kann es sogar zu der paradoxen Situation kommen, dass einzelne Lehrkr&#228;fte hochgradig vernetzt arbeiten und lernen, diese Kompetenzen aber nur extrem begrenzt vermitteln k&#246;nnen, weil sie die Gegebenheiten an den Schulen nicht vorfinden – oder aber sie verlieren die Motivation, diese Kompetenzen zu vermitteln, weil dies immer wieder zu Irritationen im Kontext der Schulgemeinde f&#252;hrt.</p>

<p>Was mit einem Beitrag von Maik Riecken zur Frage des Verh&#228;ltnisses von Wissen und Kompetenzen begonnen hat, hat sich f&#252;r mich unter der Hand zu einer Frage entwickelt, die tief in die Strukturen des Lernens und Lehrens an deutschen Schulen hinein reicht. W&#228;hrend Riecken die tendenzielle Absolutsetzung von Kompetenzen kritisch in den Blick nimmt, womit ich &#252;brigens v&#246;llig einig gehe, versuche ich hier darzustellen, dass die F&#246;rderung des selbst&#228;ndigen Denkens, die eben nicht dazu f&#252;hrt, dass der reine Kompetenzmensch der abh&#228;ngige Mensch von morgen wird, eine umfassende Herausforderung ist, die (wieder einmal) an die grundlegenden Strukturen unserer Bildungseinrichtungen heran reicht. Es ist die Herausforderung von heute, Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit Kompetenzen und Wissen dazu zu bef&#228;higen, sich morgen kompetent Wissen aneignen zu k&#246;nnen und &#252;ber Reflexionskompetenzen zu verf&#252;gen, um mit Fragen und Herausforderungen umgehen zu k&#246;nnen, von denen wir heute noch gar nicht wissen, dass sie auf uns zu kommen werden.</p>

<p>Es ist wohl so, dass nie zuvor so viel Wissen konstruiert wurde, wie in unserer Gegenwart. Um so wichtiger erscheint es mir, dass ein umfassendes Grundwissen gepaart mit Kompetenzen, die reflektiert und konstruktiv mit neuem Wissen umgehen k&#246;nnen, im Zentrum heutiger Bildungsprozesse steht. Das Wissen hat sich einem Ma&#223;e differenziert, dass ein Universalgelehrter im humboldtschen Sinne kaum noch m&#246;glich scheint. Diese Differenzierung des Wissens muss sich zumindest in Ans&#228;tzen, ohne notwendiges Grundwissen auszublenden, in der einen oder anderen Form in Bildungsprozessen widerspiegeln. Das hei&#223;t nicht, dass es keine verbindlichen Inhalte mehr geben soll. Grundrechenarten k&#246;nnen ebenso wenig ins Belieben einer Bildungsinstitution gestellt werden, wie grundlegende Kenntnisse &#252;ber chemische Reaktionen,  physikalische Gesetze, Grundkonzepte der Informatik oder auch ein fundiertes kulturgeschichtliches Wissen, wie es in den geisteswissenschaftlichen F&#228;chern vermittelt wird. Doch die Formen, in denen dieses Wissen vermittelt wird, k&#246;nnen durchaus die Arbeitsformen widerspiegeln, die sich bereits heute als die Arbeitsformen der Gegenwart und absehbaren Zukunft darstellen: Lernen muss individualisiert und kooperativ ablaufen, sich vernetzen und &#246;ffnen, aber auch Platz f&#252;r Stille und R&#252;ckzug bieten. Einzelarbeit muss ebenso ihren Raum finden, wie die Arbeit in Gruppen. Die Zeit- und Raumstrukturen m&#252;ssen sich ver&#228;ndern, das Verst&#228;ndnis von Fachlehrer und Lerncoach gilt es n&#228;her zu betrachten und – nach so langem Verzicht auf diese Frage, ist sie nun dennoch unvermeidlich – die Schulen m&#252;ssen endlich eine Ausstattung erhalten, die solche Arbeitsformen m&#246;glich macht. Damit meine ich nicht nur digitale Ausstattung! Dazu geh&#246;ren Moderatorenkoffer in ausreichender Zahl, Karteikarten, Magnete in ausreichender Zahl, M&#246;glichkeiten f&#252;r Metaplanarbeit, Plakatb&#246;gen, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler inhaltlich f&#252;llen k&#246;nnen und dabei die Grundlagen des Pr&#228;sentierens lernen etc., also all das, was engagierte Lehrkr&#228;fte heute nach wie vor aus eigener Tasche bezahlen.</p>

<p>Kompetenzenorientiertes Lernen  muss an Inhalten orientiert sein, fordert aber auch eine Schule, in der diese inhaltlich orientieren Kompetenzen gepflegt werden (k&#246;nnen). Und in einem Land, dessen Bildungsausgaben im Vergleich mit anderen L&#228;ndern eher im unteren Bereich liegen, ist hier noch sehr viel Potential vorhanden, wenn entsprechende Ver&#228;nderungen politisch und gesellschaftlich wirklich gewollt werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2032" class="footnote">CORNELIA ROSEBROCK (2006). Lesesozialisation und Lesef&#246;rderung – literarisches Leben in der Schule. In: MICHAEL K&#196;MPER-VAN DEN BOOGAART (Hg.), Deutsch-Didaktik: Leitfaden f&#252;r die Sekundarstufe I und II. Berlin, Cornelsen Verlag Scriptor: 153–174, 154.</li><li id="footnote_1_2032" class="footnote">Sonja Livingstone (2004) <a href="http://eprints.lse.ac.uk/1027/" target="_blank">What is media literacy?</a> <em>Intermedia</em>, 32(3), 18-20. September – Hervorhebungen von mir.</li></ol>
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		<title>Bildungsorte: Das St&#228;del zu Frankfurt am Main</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 14:53:17 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[700 Jahre Kunstgeschichte in Schl&#252;sselwerken – und in Zukunft wird es eine fast doppelt so gro&#223;e Ausstellungsfl&#228;che geben. Das Frankfurter St&#228;del z&#228;hlt zu den bedeutensten Museen der Welt und ist das Ergebnis eines sehr typischen Franfurter Ph&#228;nomens: Ein B&#252;rger hat &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/18/bildungsorte-das-staedel-zu-frankfurt-am-main/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>700 Jahre Kunstgeschichte in Schl&#252;sselwerken – und in Zukunft wird es eine fast doppelt so gro&#223;e Ausstellungsfl&#228;che geben. Das <a href="http://www.staedelmuseum.de" target="_blank">Frankfurter St&#228;del</a> z&#228;hlt zu den bedeutensten Museen der Welt und ist das Ergebnis eines sehr typischen Franfurter Ph&#228;nomens: Ein B&#252;rger hat es als Stiftung ins Leben gerufen und die B&#252;rger Frankfurts haben es bislang am Leben erhalten und bauen es jetzt auch noch aus. 30 Millionen Euro wird die Erweiterung des St&#228;dels kosten – und man wird fast nichts von den neuen, sechs bis acht Meter hohen Hallen sehen, wenn sie erst einmal fertig sind.</p>

<p><object width="560" height="340"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/13h8n7fKt80&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/13h8n7fKt80&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="560" height="340"></embed></object></p>

<p>Es ist ein Privileg, ein solches Museum quasi um die Ecke zu haben, in dem Werke der gro&#223;artigsten K&#252;nstler der Kunstgeschichte ausgestellt sind und gepflegt werden. Das Privileg besteht nicht darin, dass <a href="http://frankfurt.de" target="_blank">Frankfurt</a> hier etwas besonderes habe, sondern darin, dass solche Kunstwerke in ganz besonderer Weise die Kunst des Sehens auszubilden helfen.</p>

<p>Im St&#228;del gibt es keine mittelm&#228;&#223;ige Kunst – und wer mit diesen Bildern vor Augen gro&#223; geworden ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit sp&#228;ter auch einen anderen Blick auf Bilder haben – egal ob auf Fotografien oder Gem&#228;lde.</p>

<p>Aber das St&#228;del ist nicht nur als Museum ein Bildungsort, sondern auch als Kunstakademie mit der angegliederten <a href="http://www.staedelschule.de/" target="_blank">St&#228;delschule</a>, die sich der Ausbildung von Nachwuchsk&#252;nstlern verschrieben hat. Au&#223;erdem hat sich ein in unmittelbarer Nachbarschaft zum St&#228;del liegendes <a href="http://schillerschule.de" target="_blank">Gymnasium</a> mit dem St&#228;del vernetzt und bietet in den Klassen 5 und 6 einen <a href="http://www.schule-in-frankfurt.de/47/47-04.htm" target="_blank">erweiterten Kunstunterricht</a> an, der f&#252;r die &#228;sthetische Bildung der Kinder bedeutsam ist.</p>

<p>F&#252;r mich sind Museen und ihre in den letzten Jahren deutlich st&#228;rker wahrgenommenen museumsp&#228;dagogischen Abteilungen neben Schulen zentrale Orte der Bildung. In der praktischen und reflektierenden Auseinandersetzung mit Kunst findet immer auch eine Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung von Welt zu unterschiedlichen Zeiten statt, die weit gr&#246;&#223;ere Zeithorizonte umfasst, als dies beispielsweise im Deutschunterricht von den Lehrpl&#228;nen gefordert wird. Kunst fordert den Blick heraus, irritiert, verf&#252;hrt zum genauen Hinsehen. Und wenn Kinder, wie ich es selbst immer wieder erlebe, vor einem Bild stehen bleiben und sich v&#246;llig begeistert zeigen, dann ist das ein konkreter Ausdruck dessen, was Kunst und Museen so wichtig machen: Sie k&#246;nnen begeistern, den Geist erweitern, den Blick schulen, zu einer eigenen k&#252;nstlerischen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit f&#252;hren. – F&#252;r mich sind das zentrale Aufgaben einer Bildung, die weit &#252;ber das blo&#223;e Lernen im formal abpr&#252;fbaren Sinn hinausgeht. Es ist wunderbar, dass Deutschland zu den L&#228;ndern mit der h&#246;chstens Dichte an kulturellen Einrichtungen weltweit geh&#246;rt. M&#246;ge deren Bedeutung – auch in Krisenzeiten! – nicht aus dem Blick verloren werden!<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herr Larbig im Gespr&#228;ch mit der Bildungsexpedition 2009</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 22:25:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[F&#252;nf Expeditionsteilnehmer, eine Menge miniaturisierte Technik und so ziemlich alle kostenfrei verf&#252;gbaren Vernetzungsdienste, die es im Internet gibt: So kam die Bildungsexpedition 2009 am 01. September 2009 auch nach Frankfurt. Und selbst nach einer Fahrt von M&#252;nchen &#252;ber Kassel nach &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/08/herr-larbig-im-gespraech-mit-der-bildungsexpedition-2009/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;nf Expeditionsteilnehmer, eine Menge miniaturisierte Technik und so ziemlich alle kostenfrei verf&#252;gbaren Vernetzungsdienste, die es im Internet gibt: So kam die <a href="http://bildungsexpedition.de" target="_blank">Bildungsexpedition 2009</a> am 01. September 2009 auch nach Frankfurt. Und selbst nach einer Fahrt von M&#252;nchen &#252;ber Kassel nach Frankfurt am Main, lud die Expedition zum „Get Together“ am Abend.</p>

<p>So kamen wir um 21:30 in einem Thai- und Pizzaimbiss an der Mainzer Landstra&#223;e zusammen, a&#223;en, plauderten, tauschten uns aus. Kurz nach 22:00 holte <a href="http://lutzland.de/" target="_blank">Lutz Berger</a> dann sein Telefon heraus, stellte eine Verbindung zu <a href="http://www.1000mikes.com/show/bildungsexpedition" target="_blank">1000mikes.com</a> her und dann wurde ich in ein Interview verwickelt, das live on Air mitverfolgt werden konnte (wie so ziemlich alle Begegnungen der Bildungsexpedition, in deren Rahmen ich echt Hochachtung vor all den engagierten Bildungsmenschen in Deutschland bekommen habe, die dort vorgestellt wurden). Und selbstverst&#228;ndlich steht das Interview auch als Archivbeitrag zur Verf&#252;gung.</p>

<p>Aber es w&#228;ren nicht Leute wie Lutz Berger und <a href="http://cspannagel.wordpress.com" target="_blank">Christian Spannagel</a> in einem Team, wenn nicht selbst noch ein solches Interview am Abend interaktiv w&#228;re. Und so sa&#223;en da <a href="http://twitter.com/melgottschalk" target="_blank">Melanie Gottschalk</a>, <a href="http://twitter.com/cervus" target="_blank">Bastian Hirsch</a>, <a href="http://twitter.com/cspannagel" target="_blank">Christian Spannagel</a> und <a href="http://twitter.com/lutzland" target="_blank">Lutz Berger</a> mit ihren Taschencomputern um uns herum und <a href="http://twitter.com/expeditiond" target="_blank">twitterten</a> mit einigen H&#246;rern und H&#246;rerinnen live zum Interview, sodass auch diese Kommentare und Fragen direkt in das Gespr&#228;ch einflie&#223;en konnten.  – Danke euch und Ihnen allen f&#252;r die R&#252;ckmeldungen, Kommentare, den Applaus etc…</p>

<p>Von meiner Seite her war das Interview nicht geplant; von Seiten der Expedition war dieses Interview wohl weit mehr geplant, als ich urspr&#252;nglich annahme, wie ich nach dem Gespr&#228;ch (nat&#252;rlich via Twitter) erfuhr. Dementsprechend viele unterschiedliche Themen wurden angesprochen und im Zentrum stand weniger ein Projekt, wie bei den meisten anderen Interviews und Videoaufzeichnungen, sondern ein Strom an Assoziationen – sowohl bei mir als auch bei den Interviewenden. Knapp eine Stunde ging das so, ohne dass ich bemerkt h&#228;tte, wie die Zeit verging.</p>

<p>Und doch hatte das Interview einen roten Faden, der darin bestand, dass ich mich als Lehrer mit anderen Lehrern und anderen an Bildungsprozessen Beteiligten Leuten vernetzt habe. Auch wenn man am Anfang meinen k&#246;nnte, es gehe um vernetzte Theologen, so war dieser Einstieg doch eher Zufall, weil – nat&#252;rlich &#252;ber Twitter – nat&#252;rlich <a href="http://twitter.com/bruderpaulus" target="_blank">&#252;ber Twitter</a> – gerade an diesem Abend <a href="http://bruderpaulus.de/" target="_blank">Br. Paulus Terwitte</a> auf die Bildungsexpedition aufmerksam wurde und mit uns twitterte, was die Expeditionsteilnehmer doch sichtlich begeistert hat, sodass dieses Thema, &#252;ber das wir gerade noch offline gesprochen hatten, nun also zum Einstieg unseres Gespr&#228;chs wurde.</p>

<p>Da wir im Verlauf des Interviews einmal das Telefon wechseln mussten, gibt es das Gespr&#228;ch in zwei Teilen. Und wer es ganz h&#246;ren will, sollte sich nun eine Stunde Zeit nehmen – ob sich das lohnt, m&#252;ssen dann andere entscheiden:</p>

<p><span><em>Interview mit dem vernetzten Lehrer Torsten Larbig in Frankfurt, Teil 1 – 45 Minuten:</em>
</span></p>



<p>(<a href="http://herrlarbig.de/podcasts/Larbig_Bildungsexpedition_1.mp3" target="_blank">Als MP3 ohne Flashplayer</a>)</p>

<p><span><em>Interview mit dem vernetzten Lehrer Torsten Larbig in Frankfurt, Teil 2 – 16 Minuten</em>:
</span></p>



<p>(<a href="../../podcasts/Larbig_Bildungsexpedition_2.mp3" target="_blank">Als MP3 ohne Flashplayer</a>)</p>

<p>Aber dieses Interview ist nat&#252;rlich nur ein winziger Teil der f&#252;r mich in allen anderen Teilen h&#246;chst spannenden Expedition, die im Sp&#228;tsommer 2009 schlaglichtartig erhellte, wie lebendig die Bildungslandschaft in Deutschland ist. Die Bildungsexpedition hat Spuren hinterlassen, die unter folgenden Links zu finden sind:</p>

<ul>
    <li><a rel="external" href="http://bildungsexpedition.wordpress.com/">im Blog</a></li>
    <li><a rel="external" href="http://twitter.com/expeditiond">24/7 auf Twitter</a></li>
    <li><a rel="external" href="http://www.1000mikes.com/app/channelArchive.xhtml?channelId=14372">im Handy-Radio</a></li>
    <li><a rel="external" href="http://youtube.com/lutzland">auf youtube</a></li>
    <li><a rel="external" href="http://www.flickr.com/groups/bildungsexpedition/pool/">auf Flickr und</a></li>
    <li><a title="Tagebuch" rel="self" href="http://bildungsexpedition.de/page11/page11.html">im Reisetagebuch</a></li>
</ul>

<p>Und da die Expedition selbst hochgradig vernetzt ist, hier noch eine ganze Reihe an Links, hinter denen Menschen stehen, die als „Stimmen aus dem Off“ die Expedition bis jetzt begleitet haben:</p>

<ul>
    <li>René Scheppler: Lehrer, Blogger, Netzwerker, Inspirateur und <a href="http://www.blog.initiatived21.de/?p=2761">zu Gast bei der Bildungsexpedition.</a></li>
    <li>D&#246;rte Giebel: <a href="http://diegoerelebt.wordpress.com/2009/09/06/ich-bin-ein-lernjunkie-bildungsexpedition/">„Ich bin ein Lernjunkie!“</a></li>
    <li>Jean-Pol Martin: <a href="http://jeanpol.wordpress.com/2009/09/05/nicht-medienfachleute-lehrer-schaffen-sinn/">„Nicht Medienfachleute, Lehrer schaffen den Sinn“</a> &amp; <a href="http://jeanpol.wordpress.com/2009/09/04/leidensdruck-als-erkenntnismotor/">Leidensdruck als Erkenntnismotor</a></li>
    <li>Michael Kerres: <a href="http://blog.kerres.name/2009/09/bildungsexpedition-am-duisburg-learning.html">Bildungsexpedition am Duisburg Learning Lab</a></li>
    <li>Lisa Rosa: <a href="http://lisarosa.twoday.net/stories/5924936/">Anregungen und Conclusio</a></li>
    <li>Thomas Sporer (imb): <a href="http://www.imb-uni-augsburg.de/studium/news/2009-08/3084">Start der Bildungsexpedition</a></li>
    <li>Sl-Talk (Andreas Mertens und Tobias W&#252;rtz): <a href="http://www.sltalk.de/index.php/2009/09/03/die-bildungsexpedition-zu-gast-bei-sltalk-partner/">&#220;ber Guerillas und Stromr&#228;uber</a></li>
    <li>Herr Larbig: <a href="../../2009/09/01/bildungsexpedition-d-2009/">Bildungsexpedition in Frankfurt am Main</a></li>
    <li>KOMA-Medien: <a href="http://www.koma-medien.de/elearning/blog/pm-bildungsexpedition-deutschland/">PM:Bildungsexpedition Deutschland</a></li>
    <li>Johannes Moskaliuk: <a href="http://blog.moskaliuk.com/bildungsexpedition-in-tuebingen/">Bildungsexpedition in T&#252;bingen</a></li>
    <li>Weiterbildungsblog Jochen Robes: <a href="http://www.weiterbildungsblog.de/2009/06/02/bildungsexpedition-d/">BildungsexpeditionD</a></li>
    <li>reticon Bildung und neue Medien: <a href="http://www.reticon.de/nachrichten/bildungsexpedition-durch-deutschland_2478.html">Expedition durch Deutschland</a></li>
    <li>Blogpatenschaften: <a href="http://www.bloggerpatenschaften.de/bildungsexpedition-deutschland/">Vorbericht</a></li>
    <li>trau.kainehm: <a href="http://trau.kainehm.de/2009/08/bildungsexpedition-d/">Lutz Berger und Christian Spannagel gehen auf Tour</a></li>
    <li>riecken.de: <a href="http://riecken.de/index.php/2009/05/bildungsexpedition/">Vorwerbung</a></li>
</ul>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Wenn Pr&#228;vention Freiheit zerst&#246;rt: Juli Zehs „Corpus Delicti. Ein Prozess“</title>
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		<pubDate>Fri, 22 May 2009 00:12:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rezensenten scheinen sich, glaube ich den Zusammenfassungen auf perlentaucher.de (und ich sehe keinen Grund, warum ich das nicht tun sollte), bei Juli Zehs „Corpus Delicti. Ein Prozess“1 nicht einig zu sein. Ich finde das gut, denn „Corpus Delicti“ ist einer &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/22/wenn-praevention-freiheit-zerstoert-juli-zehs-corpus-delicti-ein-prozess/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezensenten scheinen sich, glaube ich den <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/31534.html" target="_blank">Zusammenfassungen auf perlentaucher.de</a> (und ich sehe keinen Grund, warum ich das nicht tun sollte), bei <a href="http://julizeh.de/" target="_blank">Juli Zeh</a>s „Corpus Delicti. Ein Prozess“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/05/22/wenn-praevention-freiheit-zerstoert-juli-zehs-corpus-delicti-ein-prozess/#footnote_0_1699" id="identifier_0_1699" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Juli Zeh, Corpus Delicti. Ein Prozess, Frankfurt am Main (Sch&amp;#246;ffling) 2009. 264 Seiten &ndash; 19,90 &euro;">1</a></sup> nicht einig zu sein. Ich finde das gut, denn „Corpus Delicti“ ist einer der politischsten Texte, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und zwingt den Leser geradezu zu Assotiationen mit gegenw&#228;rtigen Entwicklungen. Der Roman verlangt eine eigene Positionierung, was m&#246;glicherweise auch die unterschiedlichen Besprechungen des Buches erkl&#228;rt.  Zun&#228;chst als Theaterst&#252;ck erschienen, liegt „Corpus Delicti” nun als Roman vor, dem das szenenhafte eines Theaterst&#252;cks aber nach wie vor geblieben ist.</p>

<blockquote>„Es geht […] um die Tatsache, dass die Datenspur eines Menschen Millionen von Einzelinformationen enth&#228;lt, aus denen sich jedes beliebiges Mosaik zusammensetzen l&#228;sst.” (S. 226)</blockquote>

<p>Mia Holl lebt im fiktiven Deutschland des Jahres 2057, das zu einem in Fragen der Gesundheit konsequenten Pr&#228;ventivstaat geworden ist.</p>

<p>Im Oberarm implantierte Chips<span id="more-1699"></span> liefern st&#228;ndig Daten an Scanner, in Wohnungen wird alles an Daten erhoben, was nur m&#246;glich, bis hin zum Gehalt an Magens&#228;ure im Abwasser, woraus man R&#252;ckschl&#252;sse ziehen kann, ob sich ein B&#252;rger &#252;bergeben hat. Es wird aber beispielsweise auch erhoben, ob man die verpflichtende Kilometerzahl auf dem Heimfahrrad zur&#252;ckgelegt hat.</p>

<p>Krankheit ist ausgerottet, jedes m&#246;glicherweise krankmachende Verhalten ist ein Straftatbestand.</p>

<p>Das Staatssystem nennt sich „Methode“ und h&#228;lt sich f&#252;r absolut rational.</p>

<p>Wer sich dem doch nur das Beste wollenden Staat und der Vorsorge entzieht, ist selber schuld. Wer ein „Recht auf Krankheit“ fordert, wird vom Staat als Terroist verfolgt und Mia Holl steht vor Gericht, weil sie nicht glauben will, dass ihr Bruder Moritz, trotz eines scheinbar eindeutigen DNA-Beweises, eine Frau vergewaltigt und umgebracht haben soll.</p>

<p>Moritz hat sich in der Haft umgebracht und Mia, einst vollkommen systemh&#246;rig, kommt ins Zweifeln, wird zum Star einer aufkeimenden Gegenbewegung – und muss am Ende erfahren: Ein System, dass die Datenspur eines Menschen m&#246;glichst umfassend erhebt, kann daraus alles ihm liebe konstruieren. – Wenn zun&#228;chst auch Assoziationen zu <a href="http://herrlarbig.de/2008/08/22/2008-big-brother-is-still-watching-you/" target="_blank">George Orwells Roman „1984“</a> aufkeimen, tauchen am Ende in meiner Erinnerung Bilder aus Heinrich B&#246;lls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ auf.</p>

<p>Aber Assoziationen zu anderen Autoren und deren Werke reichen nicht, um dem Anspruch des Buches gerecht zu werden. „Corpus Delicti“ ist vielmehr ein Buch, in dem die Tendenzen der Gegenwart mit gro&#223;er intellektueller Sch&#228;rfe aufgegriffen und weiter gedacht werden. Im Buch f&#252;hrt die F&#252;rsorglichkeit des Staates zur radikalen Entm&#252;ndigung der B&#252;rger – und entpuppt sich somit als ein antiaufkl&#228;rerisches Projekt, setzte die Aufkl&#228;rung doch „auf den Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen“. Diesem Anspruch tritt der Staat in „Corpus Delicti“, verk&#246;rpert durch Heinrich Kramer, einem fanatischen Gentlemen, der mit dem Buch „Gesundheit als Prinzip staatlicher Legitimation“ das ideologische Grundwerk dieser Gesundheitsdikatur geschrieben hat, mit dem Anspruch entgegen, dass doch wohl keiner etwas dagegen haben k&#246;nne, wenn man Gesundheit ins Zentrum des Staatswesen stelle und sich somit von allen Ideologien entferne, die das 20. Jahrhundert gepr&#228;gt h&#228;tten:</p>

<blockquote>„Gesundheit ist das Ziel des nat&#252;rlichen Lebenswillens und deshalb nat&#252;rliches Ziel von Gesellschaft, Recht und Politik.“ (S. 7)</blockquote>

<p>Und an anderer Stelle formuliert Kramer das antiaufkl&#228;rerische der „Methode“ selbst:</p>

<blockquote>„Ich verabscheue das R&#252;ckst&#228;ndige der Freigeisterei, dieses altmodische &#220;berbleibsel b&#252;rgerlicher Aufkl&#228;rung.“ (182)</blockquote>

<p>Wer wollt einer solchen Aussage auf dem ersten Blick widersprechen? – Und doch f&#252;hrt dieses Ziel zu einer Diktatur – und er&#246;ffnet von Anfang an Assoziationr&#228;ume. Das ist &#252;berhaupt eine der gro&#223;en St&#228;rken dieses Buches: Es erlaubt den Lesenden, die Gegenwart kritisch in den Blick zu nehmen, ohne dass sie von der Autorin bevormundet w&#252;rden – dazu sind die Darstellungen der Notwendigkeiten und Risiken eigenen Denkens viel zu differenziert ausgefallen.</p>

<p>Ersetzen wir „Gesundheit“ durch „Sicherheit“, so sind die Leser mitten in der Gegenwart, mit Vorratsdatenspeicherung, Er&#246;ffnung rechtlicher M&#246;glichkeiten der Internetzensur mithilfe eines moralisch hochstehenden Wertes, Einf&#252;hrung biometrischer Daten in Ausweisdokumenten etc. – Und somit &#252;berrascht es nicht, dass Juli Zeh als erste Autorin &#252;berhaupt eine Klage beim Bundesverfassungsgericht gegen eben diese Integration biometrischer Daten in Ausweisdokumenten eingereicht hat. – Das sei aber nur am Rande erw&#228;hnt.</p>

<p>Mia Holl kommt im Laufe ihres Kampfes f&#252;r die Rehabilitation ihres Bruders zu dem Schluss, dass sie ihrer Gesellschaft das Vertrauen entzieht. Und hier wird der Roman hoch aktuell. In einem von Mia Molls in Heinrich Kammers Feder diktierten Text hei&#223;t es unter anderem:</p>

<blockquote>„Ich entziehe einem Recht das Vertrauen, das seine Erfolge einer vollst&#228;ndigen Kontrolle des B&#252;rgers verdankt. Ich entziehe einem Volk das Vertrauen, das glaubt, totale Durchleuchtung schade nur dem, der etwas zu verbergen hat. […] Ich entziehe einer Politik das Vertrauen, die ihre Popularit&#228;t allein auf das Versprechen eines risikiofreien Lebens st&#252;tzt.“ (S. 186f.)</blockquote>

<p>Sicherheit als Argument f&#252;r die Reduktion b&#252;rgerlicher Freiheitsrechte, f&#252;r die Aush&#246;hlung des Brief- und Telekommunikationsgeheimnisses; abscheuliche Verbrechen einer Minderheit und die sich daraus ergebenden Schutznotwendigkeiten minderj&#228;hriger Opfer als Einstieg in rechtliche M&#246;glichkeit zur Sperrung bestimmter Websites und somit zumindest die Schaffung erster rechtlicher Grundlagen zu einer &#252;ber das moralisch hochstehende Anliegen hinaus gehenden Zensur im Internet – inklusive einer Diskreditierung der sachlich gegen diese Entwicklungen argumentierenden Fachleute als potentielle Unterst&#252;tzer jener abscheulichen Verbrechen, die man doch nur verhindern wolle… – Mir kommen Mia Molls Aussagen ebenso aktuell vor, wie die Aussage, dass doch nur derjenige gegen &#220;berwachung sein m&#252;sse, der etwas zu verbergen habe, da sie doch die allgemeine Sicherheit steigere.</p>

<p>Nein, ein absolutistischer Pr&#228;ventivstaat ist keine wilde Phantasie einer Schriftstellerin. Selbst im Forum der Seiten des Deutschen Bundestages wird auf das <a href="http://www.bundestag.de/blickpunkt/101_themen/0703/0703044.htm" target="_blank">Risiko der Freiheitseinschr&#228;nkung der B&#252;rger durch den Staat mit pr&#228;ventivem Ziel</a> hingewiesen, zu denen &#252;brigens auch Onlinedurchsuchungen von Rechnern geh&#246;ren. Die Unschuldsvermutung bis zum Vorliegen konkreter Belege, dass diese nicht mehr gelten kann, wird immer mehr ausgeh&#246;lt und die Freiheit dem scheinbar so rationalen Sicherheitsargument unterworfen. – Juli Zehs „Corpus Delicti“ greift indirekt tats&#228;chlich die zentralen Risiken der Unterminierung der freiheitlich demokratischen Grundordnung auf und steht somit, f&#252;r junge deutschsprachige Schriftstelle &#252;brigens v&#246;llig untypisch, in der Tradition politisch und gesellschaftlich aufkl&#228;rerisch wirken wollender Literatur eines Erich Frieds oder Heinrich B&#246;lls, dessen „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ nicht ohne Grund immer wieder als Vergleich zu Zehs Roman (Theaterst&#252;ck) heran gezogen wird.</p>

<p>Das besondere an Zehs Roman – und das verbindet sie mit Heinrich B&#246;ll – ist, dass der literarische Anspruch nicht von der politischen Interpretationsm&#246;glichkeit des Textes &#252;berlagert wird.</p>

<p>Einerseits wird hier ein Schl&#252;sselthema unserer Zeit aufgegriffen, m&#252;ssen wir uns doch zunemend der Frage stellen, wie weit wir im Kontext von Pr&#228;vention die schleichende Entm&#252;ndigung durch die Vorsorgeanspr&#252;che des Staates zu akzeptieren bereit sind. Andererseits wird dieses Thema in einer knappen, zahlreiche Leerstellen f&#252;r eigene Assoziationen der Lesenden lassenden Erz&#228;hlweise darsgestellt, ohne dass die Erz&#228;hlfigur des Romanes auf eigene Erz&#228;hlerkommentare verzichten w&#252;rde.</p>

<blockquote>„Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass sie [Mia Holl] an Moritz denkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir richtig liegen, ist sehr hoch.“ (S. 79)</blockquote>

<p>Die Sprache wirkt teilweise, bei aller tiefgehenden Durchdringung der im Roman aufgegriffenen Themen, k&#252;hl und distanziert. Die Szenen (Kapitel) sind zahlreich (50 Kapitel) und knapp (auf 264 Seiten), wobei die Figuren teilweise den Eindruck erwecken, sie seien von der Autorin nicht dreidimensional genug dargestellt worden und blieben deshalb seltsam distanziert.</p>

<p>Diese Kritik muss sich der Roman gefallen lassen, wenn man von einem an einen Krimi erinnernden Roman eine Spannung erwartet, die den Leser mitrei&#223;t, eine Heldin erhofft, die als Identifikationsfigur gestaltet ist. Doch diesen Anspruch will der Roman gar nicht erf&#252;llen.</p>

<p>Juli Zehs „Corpus Delicti. Ein Prozess“ steht in meinen Augen eher in der Tradition des Anspruchs Brechts an ein Theater mit aufkl&#228;rerischem Anspruch (und „Corpus Deliciti war zun&#228;chst ein Theaterst&#252;ck, sodass diese Assoziation legitim ist), als in der Tradition von Thrillern und Kriminalromane, die zum Mitfiebern einladen, so sehr von der Autorin, vor allem gegen Ende des Romans, einiges an Spannungsaufbau erreicht wird.</p>

<p>Doch nicht nur an Bertolt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Episches_Theater" target="_blank">Brechts episches Theater</a>, auch durch die Umsetzung eines Theaterst&#252;cks als Roman, wie bei Brechts „Dreigroschenoper“ und dem „Dreigroschenroman“, erinnert „Corpus Deliciti. Die Grundhandlung ist vielmehr eher die einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Trag%C3%B6die" target="_blank">griechischen Trag&#246;die</a>: Mia Moll muss im Rahmen ihrer Gesellschaft schuldig werden, egal, wie sie handeln wird:</p>

<blockquote>„‚Ich blicke auf eine Kreuzung zwischen zwei Wegen’, sagt Mia. ‚Der eine Weg hei&#223;t Ungl&#252;ck, der andere Verderben. Entweder ich verfluche ein System, zu dessen METHODE es keine vern&#252;nftige Alternative gibt. Oder ich verrate die Liebe zu meinem Bruder, an dessen Unschuld ich ebenso fest glaube wie an meine Existenz.’” (S. 39)</blockquote>

<p>Wohin das f&#252;hren wird, ob es Mia gelingt, am Ende doch als strahlende Siegerin darzustehen? Keine Frage, dieser Roman ist auch dann ein literarischer Genuss, wenn man das Ende kennt. Da ich ihm aber sehr viele Leser und Leserinnen w&#252;nsche, verzichte ich darauf, das Ende zu verraten. Nur so viel: Das Ende ist irritierend, wirft Fragen auf und fordert die reflexiven F&#228;higkeiten der Lesenden noch einmal massiv heraus. Juli Zeh macht es auch formal schwer, den Roman einfach abzuschlie&#223;en, zur Seite zu legen und zum n&#228;chsten Buch zu greifen. Nach der letzten Seite bleiben Fragen offen, denen sich Lesende stellen m&#252;ssen, wollen sie diesen gelungenen Roman wirklich auf sich wirken lassen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Schulen als Treibh&#228;user der Zukunft</title>
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		<pubDate>Sun, 03 May 2009 21:55:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Reinhard Kahl hat sich der Frage gestellt, wie Schule in Deutschland gelingen kann. Schulen, so sagt es schon der Titel des aus dieser Frage hervorgegangenen Films, sind die „Treibh&#228;user der Zukunft“. Ich finde diese Film so gelungen, dass ich mich &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/03/schulen-als-treibhaeuser-der-zukunft/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.reinhardkahl.de/" target="_blank">Reinhard Kahl</a> hat sich der Frage gestellt, wie Schule in Deutschland gelingen kann. Schulen, so sagt es schon der Titel des aus dieser Frage hervorgegangenen Films, sind die „Treibh&#228;user der Zukunft“. Ich finde diese Film so gelungen, dass ich mich fragte, ob ich nicht den einen oder anderen &#252;ber YouTube verf&#252;gbaren Ausschnitt hier einbinde. Reinhard Kahl war so freundlich, meine E-Mail-Anfrage in diese Richtung positiv zu beantworten. Herzlichen Dank daf&#252;r, denn so kann diffundieren, was f&#252;r Schule heute wichtig ist.</p>

<p>Hier zwei Ausschnitte, die einen klaren Eindruck davon geben, was heute f&#252;r Schule und Bildung wichtig ist. Der erste bietet einen Einblick in die „Treibh&#228;user der Zukunft“ – mehr Informationen auf der <a href="http://www.archiv-der-zukunft.de/filme/treibhaeuser-der-zukunft.php" target="_blank">Website des Films</a> –, der zweite zeigt die ersten Minuten <a href="http://www.archiv-der-zukunft.de/filme/kinder_medienpaket.php" target="_blank">des neuen, 2009 erscheinenden Films „Kinder“</a>, in dem Kahl dem Lerngenie von Kindern nachgeht.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;><object width="425" height="344" data="http://www.youtube.com/v/TM2-cG4OTBA&amp;hl=de&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/TM2-cG4OTBA&amp;hl=de&amp;fs=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;><object width="425" height="344" data="http://www.youtube.com/v/mYD9JfOc26A&amp;hl=de&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/mYD9JfOc26A&amp;hl=de&amp;fs=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>

<p style="text-align: center;"></p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Bildung, Wissen, Kompetenzen</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 22:08:49 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Belangloses Wissen hat Hochkonjunktur. Wissen ohne Bez&#252;ge zur eigenen Person ist allgegenw&#228;rtig. Und ich sage es lieber schon gleich zu Beginn, dass ich dagegen nach wie von dem Bildungsbegriff (ich weigere mich, in diesem Zusammenhang von einem Bildungsideal zu sprechen) &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Belangloses Wissen hat Hochkonjunktur. Wissen ohne Bez&#252;ge zur eigenen Person ist allgegenw&#228;rtig. Und ich sage es lieber schon gleich zu Beginn, dass ich dagegen nach wie von dem Bildungsbegriff (ich weigere mich, in diesem Zusammenhang von einem Bildungsideal zu sprechen) Wilhelm von Humboldts gepr&#228;gt bin und diesen nach wie vor f&#252;r bedeutsam halte. Zun&#228;chst eine Bestandsaufnahme:</p>

<ul>
    <li>Bildung wird heute mit Schulabschl&#252;ssen gleich gesetzt und dabei in h&#246;here und nicht h&#246;here Bildung aufgeteilt. Ohne Bildung in diesem formalen Sinne<span id="more-1468"></span> geraten Menschen heute schnell in die sogenannte „Bildungsarmut“. Eine interessante Zusammenstellung zum Thema liefert das von der <a href="http://www.bpb.de" target="_blank">Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung</a> herausgegebene Heft <a href="http://www.bpb.de/publikationen/JQJWQK,,0,Bildungsmisere.html" target="_blank">Aus Politik und Zeitgeschichte (B 21-22/2003)</a>, in dem die „Bildungsmisere“ in Deutschland umfassend aufgegriffen wird.</li>
    <li>„Wissen“ ist heute Gegenstand der Unterhaltung, in Quizsendungen mit sehr beeindruckenden Gewinnm&#246;glichkeiten (ohne diese Geldsummen w&#228;ren diese Sendungen wahrscheinlich noch offensichtlicher langweilig als sie es eh schon sind), aber auch in den zahlreichen, oft als „Dokumentationen“ daher kommenden „Wissens“-Sendungen vor allem im Fernsehen.</li>
    <li>Die Begriffe „Wissen“ und „Bildung“ werden oft synonym gebraucht, so z.B. im Titel von Dietrich Schwanitz’ „Bildung. Alles, was man wissen mu&#223;“, M&#252;nchen, 24. Auflage 2002.</li>
    <li>Neben den Begriffen „Wissen“ und „Bildung“ spielt in der gegenw&#228;rtige „Bildungs“-Debatte auch der „Kompetenz“-Begriff eine nicht unbedeutende Rolle.</li>
</ul>

<p>Mir kommt das wie ein gordischer Knoten der Vermengung, Gleichsetzung und Entleerung bis zur Bedeutungslosigkeit der W&#246;rter vor – Grund genug, den Begriffen einmal ein wenig nach zu gehen, ohne den Anspruch auf ein letztes Wort zu erheben. Das ist ein Blog-Eintrag, nicht mehr, aber auch nicht weniger.</p>

<p>Und schon sto&#223;e ich auf das erstes Problem: Alle hier von mir in den Fokus genommen Begriffe sind keine voraussetzungslosen Begriffe, alle drei Begriffe ergeben sich in ihrer Bedeutung aus einer Grundeigenschaft von (vielen) Lebewesen, n&#228;mlich der Eigenschaft, dass Lebewesen lernen. Den Menschen zeichnet dar&#252;ber hinaus (nach unserem bisherigen Kenntnisstand) die Eigenschaft aus, dass er &#252;ber solche Prozesse selbst nachdenken kann und daraus folgend die F&#228;higkeit entwickeln konnte „Ich“ zu sagen, sich also als ein &#252;ber sich selbst reflektieren k&#246;nnendes Individuum erf&#228;hrt, das nicht nur implizites, sondern auch explizites Wissen erzeugen kann.</p>

<p>Kurz: Dass wir Menschen lernen ist die Voraussetzung f&#252;r das Sprechen &#252;ber Bildung, Wissen und Kompetenzen.  Dabei lernt der Mensch schon alleine, weil er Mensch ist. Das Gelernte ist zun&#228;chst allerdings  kein explizierbares, also aussprechbares und damit in Pr&#252;fungen abrufbares Wissen (<a href="http://www.teachsam.de/psy/psy_kog/lernth/wiss/wiss_2_2_1_1.htm" target="_blank">explizites Wissen</a>), sondern ein Wissen, dass nicht (vollst&#228;ndig) in Worten ausgedr&#252;ckt werden kann und vor allem ein „K&#246;nnen“ ist (<a href="http://www.teachsam.de/psy/psy_kog/lernth/wiss/wiss_2_2_1_2.htm" target="_blank">implizites Wissen</a>).</p>

<p>Ein Beispiel: Kinder lernen sprechen und k&#246;nnen es dann, ohne dass sie zun&#228;chst in der Lage w&#228;ren, die Regeln, denen ihre nach einer gewissen Zeit meist korrekt gebildeten S&#228;tze folgen, benennen zu k&#246;nnen. Kinder lernen laufen, ohne erkl&#228;ren zu k&#246;nnen, wie das Laufen funktioniert etc. (implizites Wissen).</p>

<p>Sp&#228;ter lernen Kinder dann in der Schule die Grammatik, die in die Lage versetzt &#252;ber korrekten Satzbau zu sprechen, Satzstrukturen zu analsysieren und die als Wissen &#252;berpr&#252;ft werden kann (explizites Wissen).</p>

<p>Betrachte ich die heutige Bildungsdiskussion, so scheint mir mit dem Begriff „Wissen“ vor allem dieses explizite, &#252;berpr&#252;fbare Wissen gemeint zu sein, solches Wissen also, dass in Lexika, Lehrb&#252;chern etc. zur Verf&#252;gung steht und das Menschen seit der Aufkl&#228;rung im Rahmen von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4die" target="_blank">Enzyklop&#228;dien</a>“ sammeln und zur Verf&#252;gung stellen.</p>

<p>In diese Reihe geh&#246;rt auch Wikipedia, wenn es um das Ziel geht, m&#246;glichst gro&#223;e Teile des verf&#252;gbaren Wissens zug&#228;nglich zu machen.</p>

<p>Implizites Wissen rangiert in der Werteskala der „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wissensgesellschaft" target="_blank">Wissensgesellschaft</a>“ unter dem expliziten Wissen und wird entweder als selbstverst&#228;ndlich vorausgesetzt oder in eine explizierbare Form &#252;bertragen, deren Beherrschung dann &#252;berpr&#252;ft werden kann. Wer solche Pr&#252;fungen nachweisen kann, verf&#252;gt &#252;ber „formale Bildung“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_0_1468" id="identifier_0_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Auszug aus einem Werk zum Thema im Rahmen eines Projektes zur Ideengeschichte von der Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Ingrid Lohmann findet sich als PDF-Dokument hier.">1</a></sup></p>

<p>Um „formale Bildung“ zu erreichen, sind bestimmte Kompetenzen notwendig, wobei der <a href="http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/eval-qs-qm/forschung/dfg-projekt_gesundheit/Kompetenzbegriff/index.html" target="_blank">Kompetenzbegriff</a> als solcher in Bildungszusammenh&#228;ngen <a href="http://www.ash-berlin.eu/uploads/media/Was_sind_Kompetenzen.pdf" target="_blank">sehr vielf&#228;ltig verwendet</a> und h&#228;ufig mit dem <a href="http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000000908/04_KapA4.pdf;jsessionid=BC7958906E17F681CF261F5D93D797A6?hosts=" target="_blank">Qualifikationsbegriff</a> verbunden wird. In diesem Rahmen wird dann auch von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselqualifikation" target="_blank">Schl&#252;sselqualifikationen</a>“ gesprochen, zu denen unter anderem z. B. das Lesen und das Schreiben geh&#246;ren.</p>

<p>Und um die Vielfalt und Unsch&#228;rfe der Begriffe noch ein wenig weiter vorzuf&#252;hren, nenne ich noch die Weiterf&#252;hrung des Kompetenzenbegriffs in der Rede von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Kompetenz" target="_blank">sozialen Kompetenzen</a>“, die heute auch unter dem Begriff „soft skills“ bekannt sind.</p>

<p>Der Kompetenzenbegriff ist also schillernd, mit der Folge, dass er in jedem Zusammenhang, in dem er verwendet wird, eigens ausdifferenziert werden muss, was auch nicht gerade zur Sch&#228;rfung des Begriffs im Sinne eines „expliziten Wissens“ beitr&#228;gt – aber nicht zu vermeiden ist, soll er von einem abstrakten Begriff in handhabbare Handlungszusammenh&#228;nge, wie sie beispielsweise in Bildungprozessen unabdingbar sind, &#252;bertragbar sein.</p>

<p>Der Kompetenzenbegriff ist in diesem Sinne ein Metabegriff, der sich von Schl&#252;sselqualifikationen (die ich hier lieber Schl&#252;sselkomeptenzen nenne) ausgehend in unterschiedlichen Handlungszusammenh&#228;ngen unterschiedlich zeigt, sodass man im konkreten Anwendungsfall von „Fachkompetenzen“ spricht.</p>

<p>Diese Fachkompetenzen sind dann mit Fachwissen verbunden, wobei es auch hier Wissensbest&#228;nde gibt, die als „Schl&#252;sselkompetenzen“ fach&#252;bergreifend vorausgesetzt werden, wobei wir z. B. einmal mehr beim Lesen und Schreiben w&#228;ren, das dementsprechend z. B. in der Schule eben nicht nur im Deutschunterricht gelernt werden kann, sondern auch im Verantwortungsbereich nahezu aller F&#228;cher, insbesondere aber von F&#228;chern wie Geschichte, Religion, Politik und Wirtschaft (Sozialkunde, Gemeinschaftskunde), Ethik, den Fremdsprachen…, liegt.</p>

<p>Im Deutschunterricht werden die explizierbaren Grundlagen und Anwendungsformen dieses „Wissens“ ins Zentrum gestellt, die Feinabstimmung kann nur im Zusammenspiel der unterschiedlichen F&#228;cher gelingen, was f&#252;r mich dann auch wieder das zentrale Merkmal von „Schl&#252;sselkompetenzen“ widerspiegelt: Sie sind in ihrer Bedeutung f&#228;cher&#252;bergreifend und werden in den unterschiedlichen F&#228;chern mit fachspezifischen Zusatzqualifikationen angereichert.</p>

<p>====&gt;</p>

<p>Zusammenfassung:  Das Lernen ist Teil der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Conditio_humana" target="_blank">Conditio Humana</a>, des Wesens des Menschen, und f&#252;hrt immer und bei jedem Menschen zu implizitem Wissen. Dieses implizite Wissen kann zu explizitem Wissen werden, wobei explizites Wissen dar&#252;ber hinaus in der Lage ist, dem Menschen neue Wissensgebiete zu erschlie&#223;en<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_1_1468" id="identifier_1_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="z. B. in der Physik, der Astronomie, der Philosophie, der Mathematik, der Geschichte, der Religion, der Ethik, in den Bereichen von Politik und Wirtschaft, kurz: in allen Gebieten, die f&amp;#252;r eine Wissensgesellschaft bezeichnend sind und deshalb z. B. f&amp;#252;r die Bundesrepublik Deutschland von zentraler Bedeutung sind">2</a></sup>. Explizites Wissen kann enzyklop&#228;discher Natur sein (ich nenne das in Anschluss an <a href="http://www.martin-wagenschein.de/" target="_blank">Martin Wagenschein</a> und <a href="http://www.adz-netzwerk.de/SCHULEN-DER-KORPERLOSIGKEIT-Vortrag-von-Horst-Rumpf-beim-Muensteraner-Konvent.php" target="_blank">Horst Rumpf</a> „Bescheid wissen“) oder anwendungsorientiert<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_2_1468" id="identifier_2_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="So macht es einen Unterschied, ob z. B. eine Fremdsprache auf Beherrschen der grammatikalischen Regeln, Vokabelwissen und Schriftlichkeit hin gelernt wird oder ob, von diesen unabdingbaren Voraussetzungen ausgehend, auf Anwendbarkeit in konkreten Gespr&amp;#228;chen hin gelernt wird.">3</a></sup>, wobei es dann vom Wissen zum anwendbaren Wissen, also zur Kompetenz wird.</p>

<p>&lt;====</p>

<p>Und was hat das nun mit Bildung zu tun?</p>

<p>Die Antwort kann weder „Nichts“ noch alles „Alles“ hei&#223;en, sondern, wer h&#228;tte das gedacht, bedarf einer weiteren Differenzierung.</p>

<p>Und so kommt  jetzt endlich, wie oben angek&#252;ndigt, Humboldt ins Spiel.</p>

<p>„Bildung“, wie ich den Begriff hier verstehe, ist weder mit „Wissen“ noch mit „Kompetenzen“ identisch, noch von „Wissen“ und „Kompetenzen“ getrennt zu verstehen. Ich betone das an dieser Stelle, weil ich zunehmend den Eindruck habe, dass der Bildungsbegriff mehr und mehr mit verwertbarem „Wissen“ und somit mit „Kompetenzen“ gleich gesetzt wird, es vielleicht sogar die Tendenz gibt, im Rahmen eines „kompetenzenorientierten Unterrichts“ im schulischen Bereich die „Kompetenzen“ alleine ins Zentrum zu stellen, obwohl nat&#252;rlich jeder Lehrende wei&#223;, dass „Kompetenzen“ ohne „Wissen“ wie Autos ohne Motor, Fahrr&#228;der ohne Ketten, K&#246;rper ohne Gehirn sind. Vielleicht mit einer der Gr&#252;nde, warum erfahrene Lehrkr&#228;fte das Reden &#252;ber „Kompetenzen“ befremdlich finden…  Also, <a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Humboldt,+Wilhelm+von?hl=humboldt" target="_blank">Humboldt</a>, jetzt endlich, mit einem<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung" target="_blank"> Zitat aus den enzyklop&#228;dischen Wissensbest&#228;nden der Wikipedia</a>:</p>

<blockquote>
<p style="text-align: left;"><strong>Bildung</strong> bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“.</p>

W&#228;hrend in der Umgangssprache mit dem Begriff Bildung eher andere Begriffe, wie „Belehrung“, „Schulbildung“ oder „Wissensvermittlung“ assoziiert werden, haftet seit <a title="Wilhelm von Humboldt" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt" target="_blank">Wilhelm von Humboldt</a> in der Theorie und der Programmatik „dem Wort Bildung das Moment der Selbst&#228;ndigkeit, also des Sich-Bildens der Pers&#246;nlichkeit“ an (<a title="Hartmut von Hentig" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmut_von_Hentig" target="_blank">Hartmut von Hentig</a>).

Nach Humboldt ist Bildung „die Anregung aller Kr&#228;fte des Menschen, damit diese sich &#252;ber die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualit&#228;t und Pers&#246;nlichkeit f&#252;hren“.<sup id="cite_ref-0" class="reference"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung#cite_note-0" target="_blank">[1]</a></sup></blockquote>

<p><a href="http://www.didaktik.uni-jena.de/did_04/humboldt.htm" target="_blank">Anders ausgedr&#252;ckt</a>: Bildung findet dort statt, wo der Mensch als Individuum zu sich selbst findet.</p>

<p>Als Individuum zu sich selbst finden?  Diese Aussage ist zun&#228;chst einmal ein Hinweis darauf, dass sich Bildung nicht auf verwertbares und anwendbares, wom&#246;glich rein berufsbezogenes Wissen bezieht, dieses aber auch nicht ausschlie&#223;t, sondern &#252;ber es hinaus geht. Um es in einem nahe am Klischee scheinenden, kurzen Satz auszudr&#252;cken:</p>

<p>Bildung ist Pers&#246;nlichkeits- und eben nicht prim&#228;r Berufsbildung.</p>

<p>Bildung ist weit mehr als die mit ihr nat&#252;rlich verbundene Ausbildungs- oder Studierf&#228;higkeit, ist mehr als Qualifikation, mehr als Kompetenzen.</p>

<p>Die Aufgabe von Bildungsprozessen ist, inklusive all der qualifizierenden Aufgaben, den Prozess der ganzheitlichen Pers&#246;nlichkeitsentwicklung zu unterst&#252;tzen, zu begleiten und zu f&#246;rdern. Und somit findet Bildung nicht nur in der Schule statt, die aber auch in diesem Sinne einen ganz klaren Erziehungsauftrag hat. So hei&#223;t es in <a href="http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/HKM_Internet?rid=HKM_15/HKM_Internet/nav/374/3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2%26_ic_uCon=72920bec-b224-d901-be59-2697ccf4e69f.htm&amp;uid=3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2" target="_blank">§2 Abschnitt 1 des Hessischen (also des f&#252;r mich relevanten) Schulgesetzes</a> ausdr&#252;cklich:</p>

<blockquote><strong>Die Schulen</strong> im Lande Hessen erf&#252;llen in ihren verschiedenen Schulstufen und Schulformen den ihnen in Art. 56 der Verfassung des Landes Hessen erteilten gemeinsamen Bildungsauftrag, der auf humanistischer und christlicher Tradition beruht. Sie <strong>tragen dazu bei, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ihre Pers&#246;nlichkeit in der Gemeinschaft entfalten k&#246;nnen</strong>. (Hervorhebungen von Herrn Larbig)</blockquote>

<p>Alles „Wissen“, alle „Kompetenzen“ sind also der Aufgabe unterstellt, dazu beizutragen, dass Menschen ihre Pers&#246;nlichkeit in der Gemeinschaft entwickeln und entfalten k&#246;nnen. Das Gesetz spricht zwar nicht von der Entwicklung, aber diese geh&#246;rt zur Entfaltung unabdingbar dazu.</p>

<p>Um zur Pers&#246;nlichkeitsentwicklung und -entfaltung in Gemeinschaft beitragen zu k&#246;nnen, reicht die Vermittlung und das (Auswendig)Lernen von enzyklop&#228;dischen Wissensbest&#228;nden also nicht aus. Die fr&#252;her (und auch heute noch verbreitete) Rede von Lernzielen griff / greift zu kurz, da damit oft die Beherrschung eines gewissen Unterrichtsstoffes im Sinne von explizitem Wissen verstanden wurde / wird (Vokabeln, Jahreszahlen in Geschichte, Formeln in den Naturwissenschaften etc.).</p>

<p>Um dieser Tendenz entgegen zu wirken, wurde in j&#252;ngerer Zeit der Kompetenzbegriff in die Bildungsdebatte eingebracht, der in der Lehrerausbildung, zumindest in der mir bekannten hessischen Lehrerausbildung, zunehmend an Gewicht gewinnt. Diesem Kompetenzbegriff geht es um anwendbares Wissen, womit wir dem Bildungsbegriff, wie ich ihn hier vertrete, schon ein gutes St&#252;ck n&#228;her gekommen sind, solange der Kompetenzbegriff nicht, was meiner Wahrnehmung nach leider durchaus geschieht, alleine auf einen Bereich der (berufs)praktischen Verwertbarkeit beschr&#228;nkt wird.</p>

<p>Vom humboldtschen Bildungsbegriff ausgehend, muss der Kompetenzenbegriff so verstanden werden, dass Menschen lernen, ihre individuellen Talente und F&#228;higkeiten in der Gemeinschaft entfalten zu k&#246;nnen. Und ein so verstandener Bildungsbegriff ist f&#252;r mich dann „Allgemeinbildung“, weit mehr also als Wissensbest&#228;nde, die allgemein als bekannt vorausgesetzt werden.</p>

<p>====&gt;</p>

<p>Zusammenfassung:</p>

<p>Mit dem humboldtschen Bildungsbegriff, der Wissen und Kompetenzen einschlie&#223;t, sich aber nicht auf diese Seiten der Bildung beschr&#228;nkt, ist zentral die Frage nach den Voraussetzungen, Bedingungen und M&#246;glichkeiten der Entfaltung der eigenen Pers&#246;nlichkeit in Gemeinschaft verbunden. Bildung bezieht sich hier ganzheitlich auf individuelle Pers&#246;nlichkeiten und nicht prim&#228;r auf &#246;konomisch verwertbares Wissen.</p>

<p>&lt;====</p>

<p>Bleibt, nach so viel Theorie, die Frage nach den praktischen Konsequenzen, wobei ich mich hier weitgehend auf die Konsequenzen f&#252;r den Teil des individuellen Bildungsprozesses beschr&#228;nke, der in der Schule bzw. im Umfeld der Schule stattfindet. Und um es gleich zu sagen: Bei allen Diskussionen um PISA, TIMMS und Co, hat sich gerade in der Richtung auf „Bildung“ hin, in den vergangenen Jahren sehr viel getan, ohne dass die Probleme wirklich gel&#246;st worden w&#228;ren:</p>

<ul>
    <li>Die hier erarbeitete Bestimmung des Bildungsbegriffs verlangt, dass das Individuum eine Chance zur Entfaltung der ihm / ihr eigenen Pers&#246;nlichkeit bekommt. Die heute mehr und mehr geforderte Sch&#252;lerorientierung von Unterricht verstehe ich in dieser Richtung.</li>
    <li>Es gibt Bedingungen, unter denen diese Entfaltung des Individuums besser oder schlechter gelingt. PISA und die entsprechenden OECD-Studien haben deutlich darauf hingewiesen, dass in Deutschland nach wie vor die sozialen (im Sinne von &#246;konomischen) Voraussetzungen mit dazu beitragen, wie weit dieser Prozess der Entfaltung des Individuums in Gemeinschaft mehr oder weniger gelingt. „Bildung“, wie sie hier verstanden wird und wenn sie genau diese Entfaltung f&#246;rdern soll, muss in ihrer Organisation daf&#252;r sorgen, dass diese sozialen (&#246;konomischen) Grenzen keine Rolle spielen. Und bei aller Kritik am deutschen Schulwesen, die in dieser Hinsicht immer wieder und als kritisches Korrektiv auch v&#246;llig zurecht laut wird, haben wir ein Schulsystem, das zumindest von der Idee her, so durchl&#228;ssig ist, wie es f&#252;r solche Bildungsprozesse theoretische notwendig ist. Dass dies in der Praxis nicht gelingt ist ein Problem, zu dem es zwar viele Ideen (Gemeinschaftsschule, Gesamtschule etc.) gibt, aber nur wenige die vorhandenen Grenzen durchl&#228;ssiger machende oder auf aufl&#246;sende L&#246;sungen. Und wenn ich auch nicht zu denen geh&#246;re, die im Zusammenhang von gelingender Bildung als erstes nach Geld rufen: Hier scheinen die sozialen Unterst&#252;tzungsma&#223;nahmen (Sch&#252;ler-BAF&#214;G…) bislang nicht angemessen zu greifen.</li>
    <li>In der Unterrichtspraxis geht es darum, die Individuen auch als solche wahrnehmen zu k&#246;nnen. Rechne ich einmal durch, wie viele dieser Individuen ich als solche zu f&#246;rdern haben, komme ich mit momentan 145 auf eine f&#252;r einen Lehrer noch recht &#252;bersichtliche Zahl, die aber, wenn ich mir vorstelle, dass ich 145 Mal individuell der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung dienen (sic!) soll, schon erschreckend genug ist und in der Regel auch deutlich h&#246;her liegen kann. (Gehe ich von einem „Nebenfach”-Lehrer aus, der jeweils nur zweist&#252;ndig in den Jahrgangsstufen unterricht, kann dies z.B. in Sekundarstufe I zu bis zu 390 individuell zu f&#246;rdernden Kindern und Jugendlichen gehen.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/04/30/bildung-wissen-kompetenzen/#footnote_3_1468" id="identifier_3_1468" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hier wird eine Klassengr&amp;#246;&amp;#223;e von 30 und ein Stundendeputat von 26 Stunden zu Grunde gelegt.">4</a></sup> Ob in diesem Rahmen der Bildungsauftrag mit dem hier zu Grunde gelegten Bildungsbegriff gelingen kann, m&#246;ge jeder selbst entscheiden.</li>
</ul>

<p>Wenn ich aber dennoch davon ausgehe, dass Unterricht gelingen kann, stellt sich die Frage, welche Methoden oder Metamethoden vor dem Hintergrund des hier vertretenen Bildungsbegriffs m&#246;glicherweise hilfreich sein k&#246;nnen.</p>

<p>F&#252;r mich ist klar, dass es sich um Methoden handeln muss, die in sich den Auftrag zur Erm&#246;glichung der Entfaltung von Individuuen in Gemeinschaft aufgreifen und m&#246;glichst weitgehend erf&#252;llen.</p>

<ul>
    <li>Unterricht muss m&#246;glichst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binnendifferenzierung" target="_blank">binnendifferenziert </a>erfolgen. Es m&#252;ssen also m&#246;glichst innerhalb einer Lerngruppe individualisierte Lernwege erm&#246;glicht werden. (Klassengr&#246;&#223;en mit 30 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern erschweren dies zumindest erheblich.)</li>
    <li>Die Lernden m&#252;ssen aktiv sein k&#246;nnen und Unterricht nicht nur konsumieren. Methodische M&#246;glichkeiten, dies zu erreichen, stehen in der Gruppenarbeit, deren Konzeption und Durchf&#252;hrung h&#246;chste Anspr&#252;che an die Lehrenden stellen, in Projektarbeit, in problemorientiertem Unterricht, der es Lernenden erm&#246;glicht, individuelle L&#246;sungswege zu entwickeln und in nahezu allen <a href="http://methodenpool.uni-koeln.de/" target="_blank">Ans&#228;tzen der konstruktivistischen P&#228;dagogik</a> zur Verf&#252;gung. Dazu geh&#246;rt auch der Ansatz „<a href="http://www.ku-eichstaett.de/Forschung/forschungsprojekte/ldl.de" target="_blank">Lernen durch Lehren</a>“, der hochgradig auf die Aktivierung (Entfaltung) der Jugendlichen als Individuen in Gemeinschaft hin ausgerichtet ist und bei genauer Betrachtung einen radikal humanistischen Ansatz repr&#228;sentiert. Kurz: Handlungsorientierte Ans&#228;tze scheinen nach wie vor einen der besten Ans&#228;tze zur Erm&#246;glichung der Entfaltung des Individuums in Gemeinschaft zu bieten.</li>
</ul>

<p>Nat&#252;rlich wei&#223; ich, dass auch der hier vertretene Bildungsbegriff in Vergangenheit und Gegenwart nicht unumstritten geblieben ist. Die einen fordern mit Bezug auf Humboldt und Friedrich Schiller die<a href="http://www.zeit.de/2005/10/Kulturnation" target="_blank"> R&#252;ckkehr zur Kulturnation</a>, die anderen <a href="http://www.polwiss.fu-berlin.de/fsi/ap/ap5-humboldt.htm" target="_blank">stellen den humboldtschen Bildungsbegriff in Frage</a>. Und wer mag, kann &#252;ber Suchmaschinen noch mehr Artikel zu den Pro- und Contra-Diskussionen um diesen Bildungsbegriff finden.</p>

<p>Und ich gebe zu, dass dem Verst&#228;ndnis des humboldtschen Bildungsbegriffs oft etwas elit&#228;res anhaftet, hoffe aber, das meine, f&#252;r ein Blog sehr umfangreichen, f&#252;r die Sache aber eher marginalen, Gedanken zum Thema, zumindest deutlich machen konnten, dass ein Begriff von „Bildung“, der das Individuum im Rahmen der differenzierten Talente, die jedes von ihnen mit sich bringt, ins Zentrum der &#220;berlegungen stellt (Ein Leitspruch der Schule, an der ich unterrichte lautet dann auch „Das Kind in die Mitte“ gepr&#228;gt von dem schillerschen Schulmotto „Der Menschheit W&#252;rde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie! Sie sinkt mit euch; mit euch wird sie sich heben.“) in der heutigen Bildungsdebatte zumindest ein wenig zur Kl&#228;rung von Begriffen beizutragen vermag.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/01/29/podcasts-eine-kurze-einfuehrung/" rel="bookmark" title="29. Januar 2009">Podcasts &#8211; Eine kurze Einf&#252;hrung</a></li>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/gefunden-add-on-to-the-face-to-face-learning-at-adelaide-university-podcast-english/" rel="bookmark" title="21. November 2010">Gefunden: Free iPads as an Add-On to the Face-to-Face-Learning at Adelaide-University (Podcast / English)</a></li>
</ul>

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		<title>Boykotteur oder Freak?</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 22:56:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In der Jugendzeitschrift Spiesser regte Jonas Gro&#223;mann mit einem wahrscheinlich gezielt provokanten Artikel eine Diskussion &#252;ber die Frage an, wie die Lehrer der Jugendlichen zu Computern stehen. Gro&#223;mann vertritt hier die These, dass es eigentlich nur zwei Gruppen an Lehrenden &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/04/22/boykotteur-oder-freak/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Jugendzeitschrift <a href="http://www.spiesser.de/" target="_blank">Spiesser</a> regte <em> Jonas Gro&#223;mann </em>mit einem wahrscheinlich gezielt provokanten Artikel eine Diskussion &#252;ber die Frage an, wie die Lehrer der Jugendlichen zu Computern stehen.</p>

<p>Gro&#223;mann vertritt hier die These, dass es eigentlich nur zwei Gruppen an Lehrenden g&#228;be: die Boykotteure und die Freaks. Die Boykotteure sind in seinen Augen jene Lehrenden, die sich der Computertechnologie einfach oder offensiv verweigern, w&#228;hrend die Freaks jene Lehrenden seien, die Informatik studiert h&#228;tten und &#252;ber die Theorie inklusive Programmiersprachen sehr viel bis alles w&#252;ssten, aber keine Ahnung von Communities oder Twitter h&#228;tten. Dabei, so verstehe ich Gro&#223;manns Einwurf, gehen die f&#252;r Jugendliche wirklich interessanten Fragen unter:</p>

<blockquote>„&#220;ber die Chancen und Gefahren des Internets und der neuen Medien wird so gut wie gar nichts gelehrt, obwohl das Thema immer wichtiger wird und uns sogar interessiert. Lehrer scheint es nicht zu interessieren, wie wir Computer und Internet heute nutzen. Stattdessen sind sie verschreckt und verunsichert.“

Quelle: <a href="http://www.spiesser.de/default.aspx?showNews=407241&amp;ID=3218" target="_blank">Sagt uns eure Meinung: Wie stehen eure Lehrer zu Computer und Internet? &#8211; SPIESSER &#8211; Die Jugendzeitschrift &gt; SPIESSER tickt</a>.</blockquote>

<p>Die bislang gelaufene Diskussion zu diesem Beitrag ist differenzierter als der zur Diskussion motivieren sollende Artikel. Gut so, denn die Wirklichkeit sieht doch langsam wirklich (zumindest ein wenig) anders aus.</p>

<p>Meine Erfahrung, <span id="more-1408"></span>vor allem mit jenem Ph&#228;nomen, das endlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Radiotheorie" target="_blank">Bertolt Brechts Forderung aus dessen Radiotheorie</a> erf&#252;llt, dass sich das Radio (ich erg&#228;nze: die Medien) aus Distributionsmedien hin zu Kommunikationsmedien entwickeln m&#252;sste(n). Web 2.0 bietet in dieser Form erstmal genau das (nahezu) demokratisierte Kommunikationsmedium, welches Brecht sich w&#252;nschte.</p>

<p>Und in diesem Medium kommunizieren eine ganze Reihe an Lehrenden mit. Siebzig dieser <a href="http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/lehrerblog-2009-teilnehmer-endausscheidung/3476/" target="_blank">Lehrerenden-Blogs</a> hat der Lehrerfreund k&#252;rzlich vorgestellt. Ich gehe davon aus, dass die Zahl der bloggenden Lehrer faktisch aber wohl eher bei 200 als bei 70 liegt – oder sind es noch mehr? Freilich, das ist angesichts der Zahl an Lehrern und Lehrerinnen in Deutschland (und im Vergleich zum angels&#228;chsischen Raum) nach wie vor eine Zahl im niedrigen Promillebereich, aber Blogs alleine sind ja noch lange kein Kriterium, die Ahnung von Lehrenden vom Internet zu bewerten.</p>

<p>Allerdings ist mit diesen Blogs, den twitternden Lehrenden, den Lehrenden, die aktiv Wikis oder E-Learning-Systeme einsetzen nat&#252;rlich auch noch nicht gesagt, dass hier ein an Schulen weit verbreitetes Ph&#228;nomen an die Oberfl&#228;che schwappen w&#252;rde. – Aber: Es sind nicht nur junge Lehrer und Lehrerinnen, die das Tal der Ahnungslosen verlassen haben!</p>

<p>Andererseits – und das aus meiner Tastatur!: Was w&#228;re denn, wenn Deutschland von einer Welle hochgradig internetkompetenter Lehrkr&#228;fte &#252;berrollt w&#252;rde? F&#252;r die Jugendlichen w&#228;re das doch ein Schreckensszenario. Spiegel-Online titelte in dieser Hinsicht einmal treffend: „<a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,575038,00.html" target="_blank">Hilfe, mein Lehrer ist im Internet!</a>“ – auch wenn der Artikel im Endeffekt etwas anderes liefert, als dieser Titel verspricht.</p>

<p>Wie s&#228;he dieses Schreckensszenario f&#252;r die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler aus? – Die Lehrkr&#228;fte Deutschlands w&#252;rden nicht nur Blogs schreiben und via Twitter oder OpenSource-Twitter-Alternativen im Web pr&#228;sent sein, sie w&#252;rden auch in Massen Hausaufgaben in Lernplattformen erledigen lassen, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zwingen, das Internet auch jenseits von Wikipedia zu durchk&#228;mmen und in E-Mail- und Chat-Kontakt mit ihren Klassen sein. Sie w&#252;rden anfangen, sich gegenseitig in Sch&#252;lerVZ einzuladen und dort die Aktivit&#228;ten der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit kritischem Blick verfolgen. Jeder Lehrende w&#252;rde ein Blog f&#252;r seine unterschiedlichen Klassen anlegen und die Jugendlichen zu Web 2.0-Projekten motivieren wollen, sodass der zu leistende Output, der dann auch noch &#246;ffentlich (kontrolliert und diskutiert) w&#252;rde, nur noch zu leisten w&#228;re, wenn Zehn-Finger-Blindschreiben beherrscht wird. Und der Mangel an Breitbandzug&#228;ngen in sehr l&#228;ndlichen Gebieten w&#252;rde noch mehr zu einem massiven Bildungsnachteil als er es heute vielleicht schon ist.</p>

<p>M&#246;glicherweise w&#228;ren diese Lehrkr&#228;fte dann nicht nur in Sachen Internet kompetent, sondern beg&#228;nnen auch noch, &#252;ber die typographischen Anforderungen zu reden, die ein in einer Textverarbeitung erstellter Text doch bitte erf&#252;llen solle. In Musik w&#252;rde pl&#246;tzlich online kollektiv komponiert, im Deutschunterricht h&#228;tte jeder Sch&#252;ler ein Lese- und oder Sprachblog zu f&#252;hren und die PC-R&#228;ume st&#252;nden leer, weil nat&#252;rlich jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin sein eigenes Net-Book in jeder Stunde dabei haben m&#252;sste, wobei die Zahl der in Klassenr&#228;umen anzubringenden Steckdosen enorm w&#252;rde, weil die Net-Books heutiger Generation kaum einen Unterrichtstag mit ihrem Akku &#252;berstehen w&#252;rden. – Kurz: Die Sch&#252;lerexistenz w&#252;rde sich massiv ver&#228;ndern, g&#228;be es pl&#246;tzlich nur noch in Sachen Internet und Co kompetente und begeisterte Lehrende.</p>

<p>Ja, das ist nat&#252;rlich ironisch und vielleicht auch ein wenig &#252;berzeichnet. Doch die Differenzierung von Lehrende in entweder Boykotteure oder Freaks ist es doch auch. Und ich m&#246;chte gar nicht davon anfangen, die <em>wirkliche</em> Internet- und Computerkompetenz vieler Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu reflektieren, die nach meinem Eindruck bei weitem nicht so selbstverst&#228;ndlich ist, wie in der &#214;ffentlichkeit meinem Eindruck nach meist angenommen. (Noch eine Herausforderung f&#252;r Lehrende?!)</p>

<p>Auf das Lernen bezogen ist nat&#252;rlich wichtig, dass „neue Medien“ eine nicht zu verachtende Rolle bei der Initiierung von Lernprozessen und f&#252;r die Lernprozesse selbst spielen. Doch die Voraussetzungen hierf&#252;r m&#252;ssen auch geschaffen werden – und die sind durchaus analoger Natur!</p>

<p>Am Anfang einer jeder Bildungskarriere stehen Lesen und Schreiben (vgl. hierzu <a href="http://unity.zum.de/blogs/freie_themen/medien/Medien;art213,187" target="_blank">das gute medienp&#228;dagogische Konzept von Fontane44</a>). Und das ist gef&#228;lligst mithilfe von B&#252;chern und F&#252;ller zu erlernen. Und auch sonst spielt der Umgang mit B&#252;chern (und in diesem sind die Lehrenden in der Regel kompetenter als die Sch&#252;lerinnnen und Sch&#252;ler) eine gro&#223;e Rolle, wenn jemand etwas lernen will.</p>

<p>Ohne das analoge Erlernen von Kulturtechniken, kann auch die angemessene Nutzung von Computer und Internet nicht gelingen.</p>

<p>Gleiches gilt freilich auch umgekehrt: Ohne die Nutzung von Computer und Internet k&#246;nnen Bildungsprozesse zu Beginn dieses 21. Jahrhunderts auch nicht mehr gelingen, da sich diese Computernutzung mehr und mehr zu einer weiteren Kulturtechnik entwickelt, so sehr sie auch von den „alten“ Kulturtechniken abh&#228;ngig ist.</p>

<p>Und so gibt es bereits heute eine durchaus nicht zu verachtende Zahl von Lehrenden, die mit dem Computer besser umgehen k&#246;nnen, als gemeinhin angenommen wird, auch wenn er im Unterricht vielleicht nicht bei jedem eine gro&#223;e Rolle spielt. Dies sind zunehmend Lehrende, ganz im Gegensatz zu der von Gro&#223;mann vertretenen These, die keine Freaks im Sinne studierter Informatiker sind. – Und ich geh&#246;re dazu.</p>

<p>Meines Erachtens wird die Diskussion um Schule und Computer bzw. Internet viel zu polarisierend gef&#252;hrt. Ja, es tun sich neue M&#246;glichkeiten des Lernens auf, die ich pers&#246;nlich toll (und durchaus auch effektiv) finde. Doch andererseits ist die kritische Distanz zu diesen Technologien von nicht zu verachtender Bedeutung, wenn wirklich zu einem kompetenten und kritischen Umgang mit Medien hingef&#252;hrt werden soll.</p>

<p>Damit bestreite ich nat&#252;rlich nicht, dass Lehrkr&#228;fte gef&#228;lligst Ahnung von der Lebenswelt der Lernenden haben sollten (ohne sich selbst in diese Lebenswelt hinein anbiedern zu wollen). Aber mal ehrlich: Wir befinden uns in einer Zeit massiver Ver&#228;nderungen. Das Internet als Massenph&#228;nomen ist kein 20 Jahre alt und die M&#246;glichkeiten des Internets als Kommunikationsmedium, abgesehen von der E-Mail, ist noch j&#252;nger. Da sollte man durchaus auch akzeptieren k&#246;nnen, dass nicht jeder auf den Zug aufspringen will oder kann, ohne gleich anzunehmen, dass ein Unterricht, der wenig bis gar nicht mit Computer und Internet arbeitet, ein schlechterer Unterricht sein m&#252;sse. – Das scheint mir in dieser klaren Form zwar keiner wirklich zu behaupten, aber implzit scheint mir der Gedanke bei Diskussionen um das Thema durchaus pr&#228;sent zu sein.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Lehrende im Selbstversuch: Neue Formen selbst verantworteten Lernens</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Apr 2009 23:16:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Diskussion um medienp&#228;dagogische Fragestellungen wird zur Zeit an unterschiedlichen Stellen (im Netz) gef&#252;hrt. Unter anderem gibt es einen <a href="http://wiki.zum.de/Medienp%C3%A4dagogik" target="_blank">Artikel im ZUM-Wiki</a> (ZUM steht f&#252;r „Zentrale f&#252;r Unterrichtsmedien im Internet“), der sich mit der Frage der Medienp&#228;dagogik befasst. Zu diesem Artikel hat sich auf der jedem Wiki eigenen <a href="http://wiki.zum.de/Diskussion:Medienp%C3%A4dagogik" target="_blank">Diskussionseite zum Artikel</a> eine (bislang noch von einer &#252;bersichtlichen Zahl an Diskutanten gef&#252;hrte) Diskussion entwickelt, auf der unter anderem Fontane44 (der gleiche Fontane, der im letzten Beitrag unter Fontanefan gef&#252;hrt wird) in seiner anregend kritischen Art ein paar interessante Fragen stellt, die meines Erachtens in der Diskussion um die Medienp&#228;dagogik unabdingbar sind:<span id="more-1367"></span></p>

<blockquote>„Wie oft werden Aufgabenstellungen in <a title="Moodle" href="http://wiki.zum.de/Moodle" target="_blank">Moodle</a> bearbeitet, die ebenso im Schreibgespr&#228;ch, an Flipcharts oder mit Overheadfolien bew&#228;ltigt werden k&#246;nnten?”</blockquote>

<p>Zu Lern-Managementsystem (LMS) wie Moodle habe ich mich bereits <a href="http://herrlarbig.de/2008/12/15/diskussion-ueber-lern-management-systeme-lms/" target="_blank">an anderer Stelle grunds&#228;tzlich ge&#228;u&#223;ert</a> und habe dabei die Vermutung formuliert, dass diese LMS eigentlich eine neue Form des lehrerzentrierten Unterrichts sind.</p>

<p>Hier wird diese Verschiebung des Vorhandenen im Bereich der reinen &#220;bertragung klassischer Unterrichtsmethoden ins Netz nun von Fontane44 klar formuliert. Altbekanntes wird nun im Netz reproduziert – und das ist in Zeiten, in denen neue Medien entstehen, etwas ganz normales. Betrachte ich die ersten Buchdrucke und ihre Versuche, die fr&#252;heren handschriftlichen Werke nachzuahmen, so fand auch schon dort eine &#220;bertragung des Bekannten in eine neue Medientechnologie statt.</p>

<p>Die eigenst&#228;ndigen M&#246;glichkeiten eines neuen Mediums zeigen sich erst im Gebrauch und im Laufe eines gewissen Zeitraums. Vergessen wir nicht: Der selbstverst&#228;ndliche Umgang mit Computern und Internet ist noch keine zwei Jahrzehnte alt. Und jetzt zeichnen sich langsam Entwicklungen hin zu dem Bewusstsein ab, dass das Arbeiten im Web 2.0 m&#246;glicherweise mehr bieten kann als eine blo&#223;e &#220;bertragung bekannter Methodiken ins Netz.</p>

<p>Meiner Beobachtung nach, befinden sich gerade einige P&#228;dagogen und Wissenschaftler auf dem Weg, neue Methoden auszukundschaften, indem sie sie selbst ausprobieren.</p>

<p>Die vernetzte Welt der Lehrer und Lehrerinnen ist nach wie vor doch noch relativ klein. (Wenn ich die Zahl der in Deutschland t&#228;tigen Lehrkr&#228;fte einigerma&#223;en richtig erinnere, sch&#228;tze ich, dass die 1-Promille-Grenze nicht &#252;berschritten ist.)</p>

<p>Doch hier tut sich etwas: Blogs werden geschrieben und dabei findet in der Auseinandersetzung mit p&#228;dagogischen Themen im Prinzip das statt, was ich „Fortbildung 2.0“ nenne und das eine ganze Menge mit <a href="http://jeanpol.wordpress.com" target="_blank">Lernen durch Lehren</a> zu tun hat oder, um einen anderen Vergleich heran zu ziehen, ein wenig an autonome Seminare erinnert, die von institutionellen Strukturen losgel&#246;st eigene Bildungsprozesse initiieren, wobei die Beteiligten eigenverantwortlich lernen. – Die via Netz diskutierenden Lehrer und Lehrerinnen machen also im Prinzip das, was in der Bildungsdiskussion heute so oft gefordert wird: sie lernen eigenverantwortlich und kollaborativ, sammeln dabei Erfahrungen mit einer Lernform, die dann im Zusammenhang mit dem Bildungsauftrag an der Schule dort eingesetzt werden k&#246;nnen. Und das tolle ist: Jeder und jede, der oder die sich f&#252;r diesen Diskussionsprozess interessiert, kann ihn mitverfolgen.</p>

<p>Hier findet eine &#214;ffnung &#252;ber die Grenzen von p&#228;dagogischen Konferenzen, p&#228;dagogischen Tagen und anderen Fortbildungen statt, die gleichzeitig zu einer gr&#246;&#223;eren Kontinuit&#228;t dieser Fortbildungsprozesse der Lehrenden f&#252;hrt, die gleichzeitig sowohl von anderen Profis aus der Universit&#228;t oder z.B. dem Coachingbereich aufgeriffen und mit externem Fachwissen angereichert werden als auch beispielsweise Lernenden und Erziehungsbereichtigten die M&#246;glichkeit bieten, ihre &#220;berlegungen zu diesen Themen beizutragen. So stelle ich mir zumindest gegenw&#228;rtig den Idealzustand vor, der zumindest teilweise auch schon umgesetzt wird.</p>

<p>Vielen bloggenden Lehrenden reicht ein eigenes Blog dann bald nicht mehr aus. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Plattformen wie <a href="http://twitter.com" target="_blank">twitter</a> – ja, twitter ist kommerziell und propriet&#228;r und es entwickeln sich zur Zeit auch offene Plattformen nach diesem Vorbild, aber nach wie vor sind eben nun einmal sehr viele der netzaktiven P&#228;dagogen bei twitter anzutreffen… – die Vernetzung und die Diskussion lebendiger machen und (neben RSS-Feeds) eine zentrale Rolle im kontinuierlichen Gedankenaustausch spielen.</p>

<p>Zur&#252;ck zum Anfang: Nachdem die ersten Jahre des selbstverst&#228;ndlich werdenden Umgangs mit Computer und Internet also unvermeidlich von der &#220;bertragung bekannter Formen und Inhalte gepr&#228;gt waren (Web 1.0), zeichnet sich nun ab, dass nach dem Medium eigene Formen (Methoden) des Arbeitens gesucht wird. Hier entwickeln sich neue Methoden, insbesondere des kollaborativen Lernens, die so z.B. in zur Lehrerzentrierungen neigenden LMS wie Moodle oder auch lo-net2 grunds&#228;tzlich zwar angelegt sind, aber bislang kaum angemessen umgesetzt werden.</p>

<p>Und dieser Prozess der Reflexion ist mit der praktischen Entdeckung der Medien und ihrer M&#246;glichkeiten durch die Lehrkr&#228;fte selbst verbunden, die dann als Multiplikatoren versuchen, eigene Erfahrungen in den Unterricht und ins Kollegium zu tragen, ohne das von vornherein klar ist, wann und ob es zu Emergenzen kommt.</p>

<blockquote>„Werden nicht viel zu h&#228;ufig gerade von internetverliebten P&#228;dagogen allzu unbedenklich Namen und Leistungen von minderj&#228;hrigen Sch&#252;lern ins Netz gestellt, so dass damit die Gefahren des unbedenklichen Umgangs mit privaten Daten in sozialen Netzwerken verharmlost werden?“</blockquote>

<p>Hier wird scheinbar ein v&#246;llig anderes Thema angesprochen, das aber dennoch eng mit dem ersten Teil der Aussagen Fontanfans zusammenh&#228;ngen.</p>

<p>Zur Entdeckungsreise auf Neuland geh&#246;rt nat&#252;rlich auch die Frage, was eigentlich passiert, wenn ich altbekannte Vorgehensweisen der Kommunikation auf das Netz &#252;bertrage und mich dabei in Bereich begegebe, die datenschutzrelevant sind.</p>

<p>Das Netz kann nicht als klassisches Notenbuch oder der Kommunikation &#252;ber Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen dienen, wenn nicht angemessen Vorkehrungen getroffen werden, dass hier der Datenschutz nicht zu kurz kommt.</p>

<p>Dabei sto&#223;e ich aber z.B. auf das Problem, dass mir noch kein Lehrender begegnet ist, mit dem ich verschl&#252;sselte E-Mails austauschen kann, obwohl diese Technologie vorhanden und gar nicht so aufwendig zu implementieren ist.</p>

<p>Einerseits machen sich Lehrende viele Gedanken &#252;ber die Gefahren, denen Jugendliche im Internet ausgesetzt sind, warnen vor allzu unbedendlicher Preisgabe pers&#246;nlicher Daten in sozialen Netzwerken und nutzen gleichzeitig fr&#246;hlich Moodle und Co, aber auch E-Mails zur Preisgabe pers&#246;nlicher Daten genau der Jugendlichen, die sie gerade noch davor gewarnt haben. Mir ist &#252;berhaupt nur eine Plattform bekannt, die von Datenschutzbeauftragten in der Entwicklung begleitet wurde, so dass hier von einer recht hohen Sicherheit der Daten ausgegangen werden kann. Und das ist nicht Moodle, das ist <a href="http://edunite.de/" target="_blank">Edunite</a>, was freilich keine Lernplattform ist.</p>

<p>Die Nutzung des Internets durch Lehrende muss also, neben der Lust an der Entdeckung neuer M&#246;glichkeiten eigenverantwortlichen und kollaborativen Lernens am eigenen Leib und deren reflektierter &#220;bertragung in medienp&#228;dagogische Zusammenh&#228;nge, immer auch von der Kenntnis und der Reflexion der M&#246;glichkeiten und Grenzen dieses Mediums begleitet sein. Im Zusammenhang des Austauschs &#252;ber Lernende und deren Bewertung, die Lehrende nun einmal vorzunehmen angehalten sind, bedarf es also eines hohen Bewusstseins im Zusammenhang mit dem Datenschutz. – Und hier gilt, dass in diesem Zusammenhang nichts unverschl&#252;sselt passieren darf.</p>

<blockquote>Die <em>Leuchtt&#252;rme</em> vorbildlicher medienp&#228;dagogischer Arbeit gibt es gewiss, aber wie gut sind sie bekannt? Was k&#228;me heraus, wenn man in den Kollegien fragte, wer die im Hauptartikel vorgestellten <a title="Medienp&#228;dagogik" href="http://wiki.zum.de/Medienp%C3%A4dagogik#Materialien">Materialien</a> kennt? Wie weit ist die Schulung der Lehrkr&#228;fte gediehen?“</blockquote>

<p>Die Schulung der Lehrkr&#228;fte ist landauf landab in vollem Gange, auch wenn es nat&#252;rlich Lehrende geben mag, die sich auf diese Schulung nicht einzulassen bereit sind, aus welchen (v&#246;llig nachvollziehbaren !) Gr&#252;nden auch immer (nahende Pensionierung, grundlegende Skepsis gegen&#252;ber neuer Medien, gut eingespielte analoge Arbeitsformen, die im Sinne eines „never change a winning team“ nicht aufgegeben werden sollen…)</p>

<p>Es gibt zahlreiche Fortbildungen in Schulen und als Angebote der Tr&#228;ger der Lehrerfortbildung. Und es gibt den bereits oben ausf&#252;hrlich dargestellten selbst verantworteten Schulungsprozess der Lehrkr&#228;fte, die das Web 2.0 f&#252;r sich selbst fruchtbar machen, um es auf der Basis dieser Erfahrungen auch f&#252;r die Lernenden fruchtbar machen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Hier geht es meines Erachtens nicht darum, die Kollegen und Kolleginnen zu fragen, wer die oben angef&#252;hrten Materialien kennt, denn kennt sie jemand nicht, f&#252;hlt er oder sie sich von dieser Frage m&#246;glicherweise (und vielleicht sogar zurecht) blo&#223; gestellt, in die Ecke gedr&#228;ngt, was zu Abwehrhaltungen f&#252;hren kann.</p>

<p>Meines Erachtens lebt diese Schulung der Lehrenden von der Neugier! Zumindest geht es mir so und ich wei&#223; auch von anderen im Netz aktiven Lehrenden, dass es oft mit Neugier losgeht und, wenn die Vernetzung funktioniert, mit Faszination angesichts der sich auftuenden M&#246;glichkeiten des lernenden Austauschs weiter geht.</p>

<p>Um also Schulungen effektiv gestalten zu k&#246;nnen, braucht es Lehrende, die in diesen Bereichen aktiv sind und von den Erfahrungen erz&#228;hlen, die sie hier machen. Es bedarf Lehrender, die aus eigener Erfahrung heraus die Sorge um noch gr&#246;&#223;ere Arbeitsbelastung durch den Umgang mit neuen Medien, eine durchaus berechtigte Sorge, wenn man die kollaborativen Lernm&#246;glichkeiten des Netzes nicht angemessen zu nuten vermag und vor allem daran denkt, vertraute Lehrstrategien nun netzbasiert zu gestalten, aufgreifen und vielleicht sogar zerstreuen k&#246;nnen.</p>

<p>Das ist sicher ein nicht immer einfacher Prozess. Zun&#228;chst gilt man m&#246;glicherweise als Exot oder Freak, der ins Netz verliebt ist. Das l&#246;st sich aber (teilweise) auf, wenn man von den Erfahrungen und auch Erleichterungen berichten kann, die der Einsatz dieses Mediums f&#252;r mich selbst mit sich bringt.</p>

<p>Kurz: Eine Schulung in Sachen Medienp&#228;dagogik, die zu einem angemessenen Umgang mit neuen Medien f&#252;hren will,  kann nur gelingen, wenn die Bereitschaft der Lehrenden geweckt wird, dieses Wissen auch haben zu wollen. Das geht nicht durch Zwang oder Nachfragen, ob bestimmte Materialien gekannt werden, sondern meines Erachtens nach nur durch die „Leuchtt&#252;rme“, von denen Fontane44 in seiner Diskussionsanmerkung im ZUM-Wiki spricht.</p>

<p>Wie sollen wir auch zu Schulungen &#252;bergehen, wenn wir doch selbst gerade erst entdecken, wie ein angemessener Umgang mit neuen Medien in Lehr-Lern-Zusammenh&#228;ngen gelingen kann. Sicher, in Sachen Datenschutz sind Schulungen dringend n&#246;tig. In vielen anderen Bereichen geht es darum, Kollegen und Kolleginnen f&#252;r eine Entdeckungsreise zu gewinnen und selbst auf Entdeckungsreise zu sein und dabei die Projekte und Resultate nicht f&#252;r sich alleine zu behalten, sondern die eigene Erfahrung der Bereicherung mitzuteilen und bei gewecktem Interesse als Mulitplikator auch die Grundlagen weiter zu geben, mit deren Hilfe man sich selbst in diese Erkundung eines neuen Mediums einbringen kann, die dann in eigenes unterrichtliches Handeln hinein emergieren.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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