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»Bring your own device« ist in Schulen solange selbstverständlich, wie das »own device« der Bleistift ist…

Vorbemerkung: In diesem Text wird von Schulen ausgegangen, wie sie in Deutschland weit verbreitet sind. Dabei wird hier nicht berücksichtigt, dass es durchaus Schulen gibt, die als Brennpunktschulen bezeichnet werden, an denen die Ausgangslagen und Probleme ganz andere sind, als in diesem Text beschrieben. Das hier beschriebene Szenario ist auf solche Schulen möglicherweise nicht unmittelbar anwendbar. Da ich selbst keine Erfahrung mit der Arbeit an sozialen Brennpunktschulen habe, möge man mir die Grenzen, an die eine Reflexion, wie die hier vorgenommene stößt, verzeihen. 

Es gibt keine Diskussionen mehr, ob man in der Schule auf Schiefertafeln oder in Hefte schreibt. Und dass das Erlernen so mancher Fertigkeiten nicht ohne Eigenbeteiligung der Eltern geht, ist an sich in vielen Bereichen unumstritten: Schultaschen, Hefte, Stifte, Zeichenblöcke, Sportkleidung, Turnschuhe werden nicht von den Schulen gestellt. Die Lernmittelfreiheit hat überall, wo es sie gibt, ihre Grenzen. An vielen Schulen gilt das auch für Literatur, die im Sprachenunterricht gelesen wird.

Das Lernen und Lehren ist immer abhängig von Materialien und Werkzeugen, die im Lern- und Lehrprozess eingesetzt werden, völlig unabhängig davon, ob es sich um instruktiven Unterricht oder um Phasen mehr oder weniger selbständigen Arbeitens handelt.

Will man das Schreiben lehren, braucht man Schreibwerkzeug; Lesen lernen geht nicht ohne Texte; jede Sportart und jedes Instrument fordert ab einem bestimmten Leistungsniveau Werkzeuge, die über jene von Anfängern hinaus gehen, die eine andere Qualität haben und entsprechend auch teurer sein können.

Viele Schulen können Schülerinnen und Schüler mit Leihinstrumenten unterstützen, für bestimmte Sportarten werden die Sportgeräte zur Verfügung gestellt. Doch gerade im musischen Sektor verfügen viele Kinder über eigene Instrumente – und wenn es nicht gerade ein Achter-Ruderboot ist, haben viele Schüler auch ihre Sportgeräte bzw. für die Ausübung des Sports notwendige Kleidungsstücke in ihrem Privatbesitz.

Solche Vorgehensweisen und Selbstverständlichkeiten der Unterstützung an Schulen haben sich vielerorts eingespielt; dass es Unterschiede bei den elterlichen Möglichkeiten der Unterstützung eines Kindes gibt, wird (häufig) berücksichtigt. Jeder Schüler weiß, dass die Sportschuhe seines Mitschülers teurer oder billiger als die eigenen sind; Musiker wissen durchaus um die Qualität und den Preis der Instrumente ihrer Mitmusiker und dass ein Kolbenfüller unabhängig von den Kosten etwas anderes ausstrahlt als ein Einwegwerbekugelschreiber ist auch klar.

Es ist also weit verbreitet, dass nicht alle Werkzeuge, die in der Schule benötigt werden, von den Schulen gestellt werden; es ist auch üblich, dass Schüler keine Einheitsprodukte in der Schule verwenden müssen, um soziale Unterschiede zu verdecken. Ebenso verbreitet sind in einigen Bereichen Unterstützungsmaßnahmen, um die Teilhabe von Kindern weniger finanzstarker Eltern zu zu ermöglichen.

Wenn es aber um das Erlernen von Fertigkeiten geht, die für das digital unterstützte Lernen und Arbeiten notwendig sind, sieht das alles ganz schnell ganz anders aus. – Wenn ich überlege, in meinem Unterricht mit unter den Schülern weit verbreiteten Smartphones zu arbeiten, höre ich immer wieder, dass man das nicht machen könne, weil es diejenigen Schüler diskriminiere, die kein Smartphone oder Tablet besitzen. – Muss ich noch viel schreiben, um die (oft ausgeblendeten) Analogien1 zu Musikinstrumenten und Sportgeräten bzw. -kleidungsstücken erkennbar zu machen?

Wenn ich Kindern den sinnvollen, für ihr Lernen hilfreichen Umgang mit digitalen Werkzeugen beibringen soll, unter anderem, weil der Umgang mit digitalen Werkzeugen im Arbeitsleben längst selbstverständlich ist, dann muss ich diese Werkzeuge mit den Kindern nutzen können. Das heißt, ich will auf schülereigene Geräte ebenso setzen können, wie ich Leihgeräte für Schüler brauche, bei denen eigene Geräte jenseits des finanziell Machbaren sind.

Was aber, wenn Eltern nicht wollen, dass ihr Kind digital unterwegs ist oder ein Schüler sich bewusst gegen ein Smartphone entscheidet?

Zum ersten kann ich nur sagen, dass es möglicherweise auch Eltern gibt, die Bücher für überflüssig halten, was die Schule nicht davon abhält, den Umgang mit ihnen zu lehren und den Umgang mit Büchern auch einzufordern. Und zu letzterem: Es kommt nicht auf Gerätekategorien an! Das bei Lösungen mit schülereigenen Geräten fast immer von Smartphones ausgegangen wird, liegt alleine daran, dass diese am verbreitetsten verfügbar sind. Tablets und v. a. Laptops sind natürlich an vielen Stellen komfortabler, aber eben in der Schule heute noch nicht selbstverständlich in den Schultaschen als Werkzeuge des Lernens vorhanden.

Es kommt nicht auf die Gerätekategorie und schon gar nicht auf das Betriebssystem an, weil es natürlich auch nicht auf bestimmte Apps ankommen kann. Ob Texte nun mit Word, LibreOffice, Pages oder unter Nutzung von LaTeX etc. erstellt werden, ist egal. Es muss nur die Möglichkeit geben, Formate zu nutzen, die austauschbar sind, wenn es nötig ist.

Der Staat muss für die Infrastruktur sorgen, so wie er heute für die Strom- und Wasserversorgung zu sorgen hat, was ja durchaus auch seinen Preis hat. Vor allem heißt das, dass WLan in jede Schule gehört und dieses – mit personalisierten Zugangsdaten? – von den Schülern genutzt werden kann. Darüber hinaus muss es Lösungen geben, die sicherstellen, dass jeder Schüler und jede Schülerin diese Infrastruktur dann auch (zum Lernen) nutzen kann, indem z. B. Leihgeräte zur Verfügung gestellt werden könne.

Die Lizenzen für Lehrmaterialien sind in Ländern, in denen es heute Schulbücher kostenfrei gibt, von den Ländern zu finanzieren und in den Ländern, in denen Eltern Schulbücher schon heute kaufen müssen, von den Eltern. In diesem Bereich würde sich wenig ändern, mal abgesehen von den Möglichkeiten, die sich eventuell durch OER noch ergeben werden.

Dass wir in Deutschland nicht so weit sind, mag an lange eingeübten Mentalitätsfragen liegen. Denn wenn man einmal zurückschaut: Auch der Übergang von der Schiefertafel zum Schulheft lief in Deutschland alles andere als zügig, wie in diesem Bericht recht anschaulich gezeigt wird.

Und an den Hochschulen setzt sich das Problem dann übrigens fort: Es gibt Professoren, die das Mitschreiben in Vorlesungen über Tablet, Laptop etc. zu untersagen versuchen. – Wenn solche dann Lehramtsstudierende begleiten, ist ungefähr absehbar, wie lange die selbstverständliche Integration digitaler Werkzeuge in den Lehr-Lern-Prozess noch auf sich warten lassen wird..

  1. Analogien sind Ähnlichkeiten, keine Gleichheiten []

Kleine Indizien des großen Strukturwandels

Am Mittwoch, dem 3. September 2014, ging durch die Medien, dass der Taxi-Konkurrent Uber vor dem Frankfurter Landgericht per einstweiliger Verfügung verboten bekommen hat, weiter private Fahrer an Fahrgäste zu vermitteln. Diese einstweilige Verfügung wurde von dem Zusammenschluss – gibt es triftige Gründe, nicht von einem Kartell zu sprechen? – der deutschen Taxizentralen „Taxi Deutschland“ erwirkt.

Wenn man diese Auseinandersetzung im Rahmen des digitalen Strukturwandels betrachtet, ist dieser Versuch der Interessenvertretung der Taxi-Zentralen nur einer mehr, der zeigt, dass längst nicht jeder verstanden hat, dass wir es mit einem grundlegenden digitalen Strukturwandel zu tun haben, dessen Auswirkungen sicherlich so gravierend sein werden, wie der Wandel des Ruhrgebietes in den vergangenen Jahrzehnten, aber nicht nur eine Region, sondern die gesamte Gesellschaft betreffen werden.

Besitzstandswahrer haben im Kontext dieses Strukturwandels keine Ideen. Sie sehen nur, dass da etwas Neues am Entstehen ist und reagieren reflexartig mit Versuchen, die als Indizien der Veränderung zu verstehenden Entwicklungen zu verbieten – und fallen absehbar auf die Nase.

Es ist in so vielen Branchen momentan genau das der Fall: Wir erleben einen Strukturwandel angesichts der zunehmenden Präsenz des Digitalen und des Internets und mit diesem verbunden das Aufbegehren der jeweiligen Gruppen bisheriger Nutznießer bestimmter Konstellationen.

Die Musikbranche ist von diesem schmerzhaften Prozess des Strukturwandels mit als erste getroffen worden und eine neue Studie zeigt, dass Musikstreaming an die Stelle bisheriger Musikkonsumenten-Gewohnheiten treten wird, sodass sowohl das Geschäft mit CDs und auch mit Musik-Downloads keine große Zukunft mehr haben dürfte.

Die Buchbranche wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den Strukturwandel, glaubt anscheinend, wenn sie EBooks (nicht von jedem Buch allerdings) anböte, könne sie im Strukturwandel ihre Pfründe bewahren. Da wird das Erwachen ziemlich unvermittelt sein, wenn man plötzlich merkt, dass Autoren sich anderen Vermarktungswegen zuwenden, insbesondere jene, die ihre Geschichten crossmedial erzählen. Und nun also das Taxi-Gewerbe. Gunter Dueck weist schon seit längerer Zeit darauf hin, dass das autonom fahrende (fahrerlose!) Taxi kommen wird. Das werden die Taxibetriebe wahrscheinlich nicht verbieten wollen, aber der Beruf des Taxifahrers wird exotischer werden nahezu verschwinden. Im Augenblick wehrt sich die Taxibranche gegen Versuche, das Monopol deutscher Taxiunternehmen und derer -zetralen aufzubrechen. Wenn sie bis zur letzten Instanz Recht bekommen sollte, sollte sich die Branche dennoch nicht zu früh freuen. Der digitale Wandel wird sie noch wesentlich härter treffen, als Uber das je könnte. – Zumindest in Kalifornien sind die Autobahnen für Autos, die mit Autopilot fahren, gerade freigegeben worden.

Lehrerblogs sind tot.

Blogs sind schon seit drei Jahren tot. Möglicherweise sind Blogs aber auch erst seit Weihnachten 2013 tot. – Wer daran glauben mag, kann an dieser Stelle aufhören, diesen Artikel zu lesen.

Wer jetzt weiterliest, vertritt möglicherweise die Position, dass das mit dem Schwarz und Weiß bei Formen des Auftretens im Internet ganz so einfach dann doch nicht ist. Nach wie vor gibt es Leute, die Blogs schreiben, die mit ihren Inhalten nicht in geschlossene Biotope sozialer Netzwerke abwandern – und gelesen werden.

Sicher: Das mit dem Bloggen ist harte Arbeit. So etwas hält nicht jeder über einen längeren Zeitraum durch. Manch einer schätzt da die interaktivere Form sozialer Netzwerke, in die eher knappere Beiträge eingebracht werden.

Aber es gibt nach wie vor immer wieder neue Blogs und damit auch neue Blogger.

In den vergangenen Jahren sind pro Jahr ca. 15 bis 20 neue Blogs von Lehrern entstanden, glaubt man der Aufstellung der Lehrerblogs, die seit ein paar Tagen bei der „Zentrale für Unterrichtsmedien“ (ZUM) zu finden ist. Beginnend mit dem Jahre 2000 sind da zur Zeit etwa 170 Blogs verzeichnet, die als Lehrerblogs bezeichnet werden.

Es gibt in Deutschland ca. 800.000 Lehrer und Lehrerinnen an allgemeinbildenden Schulen.

Das Lehrerblog muss man also nicht für tot erklären.

Es hat nie gelebt.

Bei ca. 800.000 Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland ist das sich explizit als Lehrerblog sehende Blog eine marginale Erscheinung, sodass man eigentlich nur dann glauben kann, es sei etwas lebendiges, wenn man sich innerhalb dieser kleinen Gruppe von (mehr oder weniger) aktiven Bloggern bewegt und dabei durchaus ein wenig Nabelschau und Selbstbespiegelung betreibt.

Es ist ein kleiner Haufen von Geeks, die als Lehrer bloggen und das dann auch noch Lehrerblog nennen. – Das mit den „Geeks“ ist gar nicht so despektierlich gemeint, wie es klingen mag, denn der Autor dieser Zeilen gehört ja irgendwie auch zu dieser Gruppe dazu.

Wenn es nie eine Kultur der Lehrerblogs gab, dann hat dies möglicherweise unter anderem mit dieser Geek-Kultur zu tun: Man schmort im eigenen Saft, wählt untereinander das Lehrerblog des Jahres, wobei nur die Stimmen von ausgewiesenen Lehrerbloggern zugelassen werden, als rechne man gar nicht mehr damit, dass es eine Außenwirkung über die Lehrerblogger-Mini-Welt hinaus geben könnte, die sich möglicherweise auch in einer solchen Abstimmung widerspiegeln würde.

Frage ich im Lehrerzimmer, welche Lehrerblogs Lehrerkollegen kennen, bestätigt sich dieser Eindruck übrigens: Es ist eine marginale Bekanntheit, die Lehrerblogs unter Lehrern haben.

Und welche Lehrerblogs werden über Lehrerbloggerkreise hinaus im Internet wahrgenommen? – Es sind Lehrerblogs, die sehr lange aktiv sind oder die irgendwann mal irgendwo in den größeren Tagesmedien auftauchten; und es sind Blogger, die sich aktiv vernetzen, die die engen Grenzen derjenigen, die sich mit Blogs im Hintergrund in sozialen Netzwerken herumtreiben, aufbrechen wollen, um für die Sache Öffentlichkeit zu schaffen.

Das bedeutet ja nicht, dass man das „Geekige“ aufgeben müsste. Ich bin gerne (in gewissem Maße) „Geek”.

Nach nunmehr fast sechs Jahren als Blogger merke ich, dass ich zunehmend von deutschsprachigen Lehrerblogs abwandere und mehr und mehr englische Blogs und Websites rund um Schule und Bildung lese. Ich merke, dass ich neue Formen der Vernetzung pflege, weil ich weiß, dass Form und Inhalt zusammenhängen und ich endlich auch neue Inhalte will.

In den alten Formen (der Blogs) weiß ich zu oft schon bei der Überschrift, was anschließend zu erwarten ist. Selten werde ich da überrascht, angeregt, auf neue Ideen gebracht.

Wenn ich sage, dass Lehrerblogs tot sind, dann schließe ich natürlich mein eigenes mit ein, sehe ich mir an, wie viele Kommentare nicht geschrieben werden. In den meisten Blogs schreibe ich auch kaum noch Kommentare. Warum auch, wenn ein großer Teil der kontinuierlichen Diskussion auf Twitter läuft? Diskussionen erlebe ich in Twitter-Chats.

Also doch in soziale Netzwerke abwandern, was ich oben noch zwischen den Zeilen kritisiert habe?

Mitnichten. Ganz im Gegenteil. Ein Hoch auf den hiermit verkündeten Tod der Lehrerblogs, denn dieser gibt die Freiheit zurück, ein Blogger sein zu dürfen, der Lehrer ist und in seiner „Freizeit“ bloggt, wobei eben auch Themen rund um den Beruf einfließen. Denn in Wirklichkeit lese ich keine Blogs, weil jemand einen spannenden Beruf hat und diesen in einem Blog (ausschließlich) reflektiert. Ich lese Blogs, weil ich auf den von mir gelesenen Blogs für mich spannende Inhalte finde, die in der Regel von für mich spannenden Persönlichkeiten stammen, von denen einige dann auch noch Lehrer oder Lehrerin sind.

Natürlich kann es in einem von einem Lehrer betriebenen Blog auch um den Beruf und um Schule gehen. Deshalb lasse ich im Untertitel dieses Blogs das mit dem „Lehrerblog“ auch zwischen „Bildungs-Neuron“ und „etc.” stehen. Aber ich habe mich nie auf den Beruf beschränkt und werde das auch in Zukunft nicht tun. Das gilt auch für meine Vernetzung, die nach wie vor vor allem über Twitter läuft. – Da geht es auch um Bildung, Schule, Unterricht, aber eben nicht nur.

Und nein: Wenn ich Lehrerblogs für tot erkläre, dann eben nicht, weil ich sie nicht zu schätzen wüsste, sondern als Aufruf, wieder mehr zu spielen, weniger mit den Blogs zu wollen. – Was das dann aber wieder für jeden Einzelnen heißt, der das Blog als eine Form seines Ausdrucks zu nutzen und zu schätzen weiß, muss jeder Einzelne selbst herausfinden. Denn das gehört auch zu lebendigen Blogs dazu: Jedes wird von der Person geprägt, die es schreibt, jedes besetzt eine eigene Nische, hat einen eigenen Stil und seinen eigenen Charakter.

Und damit ist es höchste Zeit, an die Regeln für Neuronen (nicht nur im Netz) zu erinnern, die Jean-Pol Martin formuliert hat und an die ich mich anlehne, wenn ich mich im Untertitel des Blogs als „Bildungs-Neuron“ bezeichne, das (auch) einen „Lehrerblog“ schreibt und sich die Freiheit für ein offenes „etc.“ nimmt.

Ich empfehle an dieser Stelle, die Lektüre im Netz bei Jean-Paul Martin fortzusetzen, neben den Regeln für Neuronen die „Basisregeln für Internet-Projekte“ zu verinnerlichen und mal wieder zur Kenntnis zu nehmen, was Jean-Paul Martin mit „Netzsensibiltät“ meint, über die auch in diesem Blog bereits nachgedacht wurde.

Lehrerblogs sind tot. Lassen wir sie als Knotenpunkte im neuronalen Netz des Internets wiedererstehen und zum Teil eines komplexen Ganzen werden, in dem „Lehrerblogs“ Teil eines Diskurses sind, der über „Lehrer“ und „Schule“ hinausgeht. In diesem Diskurs werden nicht nur die Stimmen von ausgewiesenen Lehrerbloggern zugelassen, sondern gerade das Übersteigen der Grenzen der „Lehrerblogs“ wird in ihm als notwendig angesehen. Neben die digitale Vernetzung in unterschiedlichste Richtungen tritt die breite Vernetzung in analogen Formen der Begegnung und des Diskurses.

Die Fortentwicklung des „Lehrerblogs“ ist der „vernetzte Lehrer“, in dessen Netzwerk das Blog ein Baustein unter vielen sein kann, der aber nicht unbedingt ein solches führen muss. Solche „vernetzten Lehrer“ sind regional, überregional und gegebenenfalls sogar überkontinental vernetzt. Man diskutiert miteinander, man arbeitet zusammen, man lernt andere Bildungssysteme und vieles darüber hinaus kennen.

Lehrerblogs sind tot.

Die Netzwerke vernetzter Lehrer (connected educators) aber sind quicklebendig.

 

Ein „Rant” für digitale Bildung …

Ich schaute mir gerade das gaaaanz am Ende diese Beitrags eingebettete Videos mal wieder an. – Nach wie vor bin ich nicht mit jedem Detail einverstanden, das Tanja Haeusler und Johnny Haeusler in diesem Beitrag zur re:publica 2013 benennen. Die Grundrichtung aber finde ich durchaus bedenkenswert. Und das die zunehmende Kasernierung  pädagogisch wertvolle Rundumversorgung von Kindern in Krippen, Kindergärten, Ganztagsschulen, Horten etc. möglicherweise nicht die optimale Form ist, um Kinder und Beruf miteinander in Einklang zu bringen, sprechen die Haeuslers ziemlich deutlich an.

Oh ja, und dann haben wir auch noch, die Haeuslers formulieren das auch in dem Video, das am Ende dieses Beitrags verfügbar ist, die Aufgabe Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden, von der wir vieles heute noch gar nicht wissen. Wir wissen nicht, wie stark die Digitalisierung letztlich den Alltag wirklich durchdringen wird. Dass die Digitalisierung den Alltag aber mehr und mehr durchdringt, ist so offensichtlich, dass man es eigentlich nicht mehr leugnen kann. Die Erkenntnis, dass das Internet nebenbei ein ideales System zum Datensammeln und zur Überwachung unter anderem für staatliche Geheimdienste ist, dürfte die digitale Durchdringung des Alltags nicht verhindern.

Oh ja, wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden. Wir machen das in PC-Räumen. Ansonsten wird in den Schulen immer noch mit Büchern gearbeitet. Das ist nicht schlimm. Das ist nicht gut. Das ist eben so. Und ich bin wirklich froh, dass mehr und mehr Lehrende sich selbst auf den Weg begeben, sich digital kompetent zu machen und z. B. Tablets im Unterricht für sich zu nutzen. So ist das zumindest an der Schule, an der ich unterrichte. Einst war ich der erste mit Tablet im Unterricht; heute gibt es nicht nur Kollegen und Kolleginnen, die diese Geräte für sich einsetzen, sondern auch erste Reflexionen über den Einsatz des Tablets als Schulheft in der Hand eines Schülers. Immerhin; Schule ist bei solchen Entwicklungsprozessen von ihrer Aufgabe und ihrer Struktur her nun einmal nicht gerade als avantgardistisch zu betrachten.

Wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden. Und diese digitale Welt ist längst Teil der Schule, weil Schüler und Lehrer diese Welt zunehmend bevölkern. Aber immer noch gibt es Schulen, in denen der wesentliche Umgang mit Smartphones darin besteht, dass diese von Lehrern eingezogen werden, weil es Handyverbote unterschiedlichster Ausprägung gibt, die in Vereinbarungen mit den Eltern festgehalten wurden.

Wir bringen den Schülern und Schülerinnen nach wie vor nicht bei, dass Smartphones und Tablets fantastische Geräte zur lernenden Welterschließung sind, die neben alle anderen Formen der Welterschließung treten, die wir schon so kennen. Wie soll  das auch gehen, wenn z. B. jeder Lehrer, dem ich gegenüber das Wort Etherpad in den Mund nehme, erst einmal eine Erklärung braucht, was das ist? Wie soll das gehen, wenn Lehrer zwar wissen, dass Google seinem „Don’t be evil“ wohl doch nicht ganz treu geblieben ist, die aber nicht wissen, dass die Werkzeuge, die Google anbietet, tatsächlich auch zum Arbeiten geeignet sind? Wie sollen wir Schüler und Schülerinnen so  vorbereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden, wenn in einigen Bundesländern die Nutzung sozialer Netzwerke für „dienstliche Belange” (Kommunikation mit Schülern, Eltern etc.) ausdrücklich verboten wird, während selbst Lehrer und Lehrerinnen über Facebook hinaus andere soziale Netzwerke kaum für sinnvolle Belange nutzen?

Wir haben – gilt nicht für alle Bundesländer – Lehrmittelfreiheit, aber die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler in der Schule außerhalb der PC-Räume mit eigenen Geräten das Lehrmittel Internet nutzen können, gehört in vielen Fällen nach wie vor nicht dazu. Lehrmittelfreiheit bedeutet nach wie vor nicht, dass WLan-Zugänge verfügbar sind und Schulträger wissen, wie deren Aufbau und Unterhaltung finanziert werden kann.

Während in den USA dutzende von Twitterchats von hunderten von Lehrkräften Woche für Woche bevölkert werden, verzeichnet der erste deutschsprachige Twitterchat für Lehrende im Schnitt ca. 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Das ist aus der Perspektive eines Lehrers in Deutschland gesprochen übrigens eine beeindruckende Zahl, trotz der ca. 800000 Lehrer und Lehrerinnen an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland.

800000 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen, von denen sich ca. 40 seit September 2013 Woche für Woche zu einem Chat treffen, der ihrer eigenen Fortbildung und Vernetzung dient, und von denen vielleicht ein paar hundert sich ernsthaft Gedanken darum machen, welcher Mehrwert im Lernen mit digitalen Geräten und Netzen zu finden ist und wie dieser in eine digitale Didaktik überführt werden kann. Oder sind es doch mehr und wir wissen nichts davon? Oder sind es viel weniger und ich bin ein unverbesserlicher Optimist?

Wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden – und tun es allzuoft nach wie vor nicht. Das beunruhigt aber nicht wirklich nachhaltig, gehen wir doch davon aus, dass Jugendliche sich ihre eigenen Wege suchen, in dieser Welt mit ihrem Internet zurechtzukommen. Das stimmt auch für einige. Aber die meisten Jugendlichen haben keine Ahnung, wie sie sich (reflektiert) in der digitalen Welt zurechtfinden: Schüler können Facebook nutzen, WhatsApp bedienen, Quiz-Duell spielen, Instagram-Accounts füllen, vielleicht auch noch die Basisfunktionen von OpenOffice, LibreOffice, Word oder Pages bedienen und mittels Powerpoint oder hin und wieder auch Prezi Präsentationen erstellen. Das ist eine ganze Menge – und im Zentrum der meisten Aktivitäten von Jugendlichen im Netz steht der Austausch mit anderen Jugendlichen, mit Freunden etc.

Weil Jugendliche sich viel im Netz bewegen, gehen wir davon aus, dass sie dort schon ihren Weg finden werden, auch wenn in der Schule dieses Netz nach wie vor oft nur dann eine Rolle spielt, wenn ein Lehrer oder eine Lehrerin einen Film nun eben nicht mehr von einer Videokassette abspielt, sondern von einer digitalen Version. YouTube bedienen können doch einige Lehrende, denn immerhin gibt es da Filme. Aber die Zahl der Lehrenden, die den inneren Drang haben, digitale Realitäten für sich so zu erschließen, dass sie diese mit Schülerinnen und Schülern reflexiv erschließen und reflektiert nutzen können, ist gering. Sie ist auch so gering, weil es nach wie vor ein hohes Maß selbständigen Lernens der Lehrer benötigt, sich in diese Welt einzufinden, Zeit, die sie oft nicht haben, wenn sie neben ihrem extrem zeitaufwändigen Beruf eine Beziehung pflegen und Kinder großziehen wollen.

Und selbst in Kontexten, in denen was möglich ist, um Jugendliche digital zu bilden, passiert zu wenig. Hier fasse ich mich an die eigene Nase. In vielen meiner Lerngruppen habe ich mittlerweile eine annähernd oder tatsächliche 100%-Abdeckung mit Smartphones, mit denen Schülerinnen und Schüler, wer immer das auch finanzieren mag, das Netz nutzen können, auch wenn es im Sinne von Lehrmittelfreiheit kein frei zugängliches WLan gibt. Und selbst wenn ich immer mal wieder Projekte starte, die diese Optionen nutzen, interessiert mich doch eigentlich der selbstverständliche Gebrauch der vorhandenen Lernoptionen im Unterricht und in der Schule (also auch in Pausen, in Freistunden). Was passiert, wenn ich nicht mehr in speziellen Situationen sage, dass Schüler und Schülerinnen jetzt ihre Smartphones nutzen dürfen, sondern mit ihnen vereinbare, dass die Geräte von den Lernern im Unterricht frei genutzt werden dürfen, solange der Bezug zum Unterricht vorhanden ist?

Dabei darf ich natürlich nicht vergessen, immer wieder auch auf die Nutzung echter Bücher zu drängen und zu bestehen, insbesondere von Wörterbüchern, weil Schülerinnen und Schüler in Prüfungssituationen nur diese nutzen dürfen und ich, ließe ich Smartphones z. B. in Klausuren zu, zwar Aufgaben finden würde, die angemessen wären, sicher aber zu hören bekäme, dass die Vergleichbarkeit der Leistungen meiner Schüler mit anderen nicht mehr gegeben sei, wenn diese Smartphones nutzen dürften.

Wenn jetzt Leute sagen, dass es wirklich ein Problem sei, wenn in Prüfungen z. B. Internet verfügbar sei, dann mag das für die Mentalität hierzulande zutreffen, in Dänemark denkt man da etwas anders.

Oh ja, sicher, im Laufe der Zeit wird sich das alles ändern! Sicher, bestimmt. Vielleicht. Möglicherweise.

Es ändert sich auch faktisch vieles an den Schulen, ich erlebe das hautnah, sehe wie Diskussionen in Gremien zu Fragen des digitalen Lehrens und Lernens im Vergleich zu Diskussionen zu diesen Themen vor zwei bis drei Jahren entspannter werden, wie immer mehr Schulen sich der Realität stellen, dass Handyverbote irgendwie seltsam sind. Ich erlebe, wie sich langsam mehr Lehrende – aller Lehrergenerationen und eben nicht nur junge Nachwuchskräfte – mit Laptop und Tablets ausstatten, die sie dann auch im Unterricht nutzen – auf eigene Kosten.

Wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden. Dazu müssen wir uns als Erwachsene und insbesondere als Lehrende in dieser Welt bewegen und zurechtfinden; dazu müssen wir uns von den Jugendlichen auch mal was erklären lassen, was für sie im Netz wichtig ist,  obwohl wir es (vielleicht) nicht verstehen oder nachvollziehen können. Dazu müssen wir die Chancen der Digitalisierung reflektieren und ebenso reflektiert mit den Risiken umgehen.

Reflektierter Umgang mit der Digitalisierung aber ist etwas anderes als das Verbot der Instrumente, die diese Digitalisierung repräsentieren (Smartphone, Tablet, Laptop, WLan…); reflektierter Umgang mit der Digitalisierung ist etwas anderes als eine Fixierung auf faktisch vorhandene Risiken, die so stark wird, dass die Chancen nicht mehr gesehen werden. Oh nein, es muss sich nicht jeder im Internet bewegen wollen; aber es sollte sich jeder gegebenenfalls verantwortet und reflektiert im Internet bewegen können. Die Kinder und Jugendlichen suchen sich da ihren Weg. Bislang tun sie dies, ohne dass ihnen dabei selbstverständlich von den Erwachsenen in ihrem Umfeld, von den Institutionen, in denen sie ihre Sozialisation erfahren, Unterstützung über Sorgen um das Kindeswohl und den Jugendschutz hinaus – und somit über Verbote, Einschränkungen, Mahnungen hinaus – zuteil wird.

Das finde ich schade.

Luft holen

So. Das ist jetzt ein Rant für die Bildung im digitalen Zeitalter geworden, obwohl ich ursprünglich doch „nur“ ein Video hier einbetten wollte. Aber so ist das nun einmal. Jetzt aber Bühne frei für Tanja Haeusler und Johnny Haeusler und ihren Beitrag zur republica 2013 The Kids are allright. Vielleicht merkt der eine oder die andere ja, inwiefern dieser Beitrag meinen hier entstandenen Artikel beeinflusst hat.

Du sollst mehr bloggen ;-)

Es kommt mir manches Mal so vor, als gehöre es fast schon zum „State of the Art“, über das Nischendasein deutschsprachiger Blogs in der deutschsprachigen Internetlandschaft ein wenig zu jammern. Zum Spiel gehört wohl auch, dass Vorschläge gemacht werden, wie sich das ändern könnte.

Die Überschrift dieses Artikels verweist weder darauf, dass ich hier einschätzen will, wie der gesamtgesellschaftliche Status von Blogs ist, noch enthält dieser Beitrag ein Patentrezept, wie ein Blog „erfolgreich“ werden kann. Das „Du“ in der Überschrift könnte auch „Ich“ heißen, wobei man die Überschrift dann auch noch grammatikalisch anpassen müsste ;-)

Anlass für diese Überlegungen ist eine ganz andere Beobachtung: Es kommt vor, dass das eine oder andere Thema, das für mich eigentlich ein klassischer Gegenstand des Bloggens ist, in sozialen Netzwerken untergebracht wird, auf denen es sich relativ schnell „versendet“. Die Wahrnehmungsspanne, die ein Standardtweet bekommt, scheint mir deutlich unter vierundzwanzig Stunden zu liegen. Wie stark Beiträge auf Google+ wahrgenommen werden, vermag ich nicht zusagen, aber überbevölkert scheint diese Plattform nicht zu sein, die Aktivitäten der Nutzer sind meiner Wahrnehmung nach nicht als hyperaktiv zu bezeichnen. – Wie das auf Facebook aussieht, kann ich aufgrund anhaltender Abstinenz nicht bewerten, aber so wahnsinnig viel bekomme ich von außerhalb über die dortigen Aktivitäten nicht mit.

Kein Zweifel, ich schätze die ganz eigene Dynamik, die Twitter entwickeln kann. Das gilt auch für Inhalte: Den einen sind hundertvierzig Zeichen zu wenig, um sich ausdrücken zu können; andere vermuten, Tiefgang sei in dieser Kürze kaum zu erreichen. Ich halte es eher mit der sprichwörtlichen Würze, die der Kürze eigen ist. Hundertvierzig Zeichen und dennoch – oder gerade aus diesem Grund – auf den Punkt zu kommen, ist durchaus eine intellektuelle Herausforderung, die ich mag.

Trotz dieser starken Sympathien für die Kürze und die dynamische Kompexität, die der Austausch auf Twitter bekommen kann, ist mir in den vergangenen Wochen ein paar Mal aufgefallen, dass ich Themen auf Twitter kurz anreiße, die ich eigentlich vertiefen will, was nicht immer einen ewig langen Artikel mit sich bringen muss. Obwohl ich ein Werkzeug benutze, das mir die Wiederverwertung und nachhaltige Speicherung einer Serie von Tweets zu einem Thema komfortabel ermöglicht, mache ich es mir teilweise leicht, indem ich manche Themen, die mich interessieren, kürzer kommen lasse, als ich das eigentlich will.

Darüber hinaus ist ein Blog von seiner Struktur her ein Tagebuch und keine Fachzeitschrift. ;-) In einem Blog dürfen – ja, sollen – Gedanken entwickelt werden können und nicht vor allem Ergebnisse von Prozessen präsentiert werden. Natürlich sollen die Gedanken und auch Geschichten, die einem Blog anvertraut werden, zumindest soweit es mich betrifft, nicht allzu platt sein.

In diesem Sinne ist es gemeint, wenn ich mir und vielleicht der einen oder dem anderen zuraune: „Du sollst mehr bloggen“.

Das ist ja gar nicht so viel Aufwand. Man kann, mit ein wenig Übung, in überschaubaren Zeiten solch einen Eintrag verfassen. So ist einer der am meisten gelesen Artikel der vergangenen Wochen in weniger als fünfundvierzig Minuten entstanden. Ursprünglich als Notiz beim Lesen eines Buchs geschrieben, habe ich den Text dann online gestellt.

Diesen Artikel hier schreibe ich auf dem iPad unterwegs. Da steckt auch nicht so viel Aufwand dahinter, vorausgesetzt, man verzichtet auf die original WordPress-App für iOS-Geräte.

Es war immer Konzept meines Blogs, dass ich mir keine festen Regeln bezüglich des Inhaltes und der Frequenz der Beiträge gebe. Also kann ich mich der von mir an mich gestellten Aufforderung entspannt stellen: „Du sollst mehr bloggen“. – Vielleicht geht meine Phantasie ja mit mir durch, aber ich kann mir vorstellen, dass diese Aufforderung vor dem hier dargestellten Hintergrund nicht nur für mich selbst von Interesse ist.

„Du sollst mehr bloggen“, ist durchaus ein Aufruf, der dem Nischendasein von Blogs im deutschsprachigen Raum entgegenwirken kann, wenn es das denn gibt und wenn die Inhalte zumindest den einen oder anderen Anknüpfungspunkt für Diskussionen enthalten.

Es gibt aber noch einen Grund, warum ich vor allem Lehrern und anderen Bildungsmenschen diese Satz „Du sollst mehr bloggen“ mitgeben möchte: Die Themen Schule, Hochschule und Bildung sind schon lange ein Kernbestand des Diskurses in Deutschland, an dem alle möglichen Leute beteiligt sind, in dem aber professionelle Expertise von Lehrenden für meinen Geschmack zu wenig vorkommt.

Das liegt nicht an mangelnder Expertise der Lehrenden. Das liegt nicht an mangelndem Interesse der Öffentlichkeit, die diese Äußerungen nicht wahrnehmen würde. Das liegt vor allem daran, dass sich nur wenige Lehrende da ran wagen.

Hochschullehrer scheinen oft in einer Umgebung zu arbeiten, in der eventuelles Bloggen kritisch bis abfälllig beäugt wird.

Lehrerinnen und Lehrer hingegen finden oft keine Zeit und kommen oft nicht auf die Idee, dass so manches, was man im stillen Kämmerlein an Sachanalysen erstellt, eine gute inhaltliche Basis für ein Blog sein könnte, das man explizit als private Gedankenspielwiese kennzeichnet. Da könnten dann auch andere Themen ihren Platz finden, die bearbeitet werden, wenn man Zeit und Lust hat. Es geht auch, wenn nur Lust oder nur Zeit da sind, dann ist es eben etwas stärker eine Frage der Selbstdisziplin ;-).

In anderen Ländern, ausdrücklich nenne ich hier die Länder Nordamerikas, ist das Angebot bildungsbezogener Websites und Blogs mit oft erstaunlicher hoher Qualität deutlich breiter und etablierter als in Deutschland. Das liegt auch an der deutlich größeren Zielgruppe als die auf Deutsch erreichbare, obwohl die Reichweite mit Deutsch gar nicht mal so schlecht ist.

Die bislang insgesamt eher geringe Wahrnehmbarkeit von Lehrenden im Netz dürfte aber auch daran liegen, dass es in anderen Ländern einen etwas entspannteren Umgang mit Netzaktivitäten Lehrender gibt als in Deutschland, wo Netzaktivitäten von Lehrenden von ministerialen Bedenkenträgern eher kritisch beäugt werden. Auch um hier Überzeugungsarbeit zu leisten und dabei gleichzeitig das Know-how im Umgang mit sozialen Netzwerken im Internet zu erwerben, zu erweitern bzw. zu vertiefen, das notwendig ist, um die Didaktik in diesen neuen Kontexten gewinnbringend weiterzuentwickeln, wiederhole ich den Imperativ dieses Blogeitrags am Ende noch einmal: „Du sollst mehr bloggen.“ – Es lohnt sich.

 

Gefunden: Die Zukunft des Schulbuchs (via onlineeducation.net)

Wie das mit dem Schulbuch in der Zukunft aussehen wird? – Viele machen sich darüber Gedanken. Eine Zusammenstellung des Ist-Zustandes verbunden mit dem Blick in eine mögliche Zukunft habe ich auf der amerikanischen Website Onlineeducation.net gefunden.

Ja, es handelt sich um Zahlen aus Amerika, die den deutschen Markt nicht widerspiegeln, die aber durchaus, so meine Einschätzung, eine mögliche Richtung aufgreifen, in die sich auch Deutschland, wesentlich langsamer als andere Länder, wenn ich mich nicht irre, entwickeln könnte.

Via: OnlineEducation.net

Digitaler Workflow: Twitter als Mitschrifts- und Liveberichterstattungsinstrument unter iOS nutzen

„Manchmal twitterst du schon viel“, bekomme ich immer mal zu hören. – Der zweite Satz ist dann entscheidend. Der zweite Satz gibt mir, wenn nicht schon im Unterton enthalten, die Information, ob mein Gegenüber sich  genervt fühlt oder ob da jemand froh ist, dank der Twitterei z. B.  einen Vortrag in seinen Grundsätzen mitbekommen zu haben, der ihn / sie interessiert, von dem er / sie aber nichts wusste oder bei dem er / sie nicht anwesend sein konnte.

Beide Seiten haben irgendwie Recht. Der Seite, die sich von zeitweise erhöhtem Tweetaufkommen genervt fühlt, kann ich nur sagen, dass es auch Tage gibt, an denen ich fast gar nichts in diese Welten des Microbloggings entsende.

Den anderen, die mich um meines Informationsaltruismus loben wollen, weil ich Einblicke in interessante Ereignisse und öffentliche Veranstaltungen gebe, muss ich sagen: Ganz so altruistisch ist das gar nicht. Ich würde nicht Twitter zu dem Medium machen, mittels dessen ich z. B. einen Vortrag mitschreibe, wäre damit nicht die Möglichkeit verbunden, die Tweets, die ich da absende auch als persönlichen Notizzettel zu verwerten. Denn zunächst kommt es mir darauf an, dass ich mir notiere, was mir wichtig ist.

Ich habe ein solches Tool gefunden – und damit sind wir hier dann plötzlich in einem Workflow-Artikel. Das von mir genutzte Werkzeug, das es wie so oft mal wieder nur für eine Plattform gibt, ist Momento.

Momento ist eine Tagebuch-App für das iPhone. Das Programm kann meine eigenen Tweets abrufen und ablegen. Darüber hinaus kann Momento aus unterschiedlichsten anderen sozialen Netzwerken meine Informationen abrufen und erstellt daraus, ohne dass es für mich mit Mehraufwand verbunden ist, ein Tagebuch, in dem natürlich auch noch Einträge direkt niedergeschrieben werden können. Das Tagebuch kann ich dann exportieren und z. B. die Tweets aus dem Zeitraum eines Vortrages kopieren und mir eine eigene Mitschrift zu dem Vortrag in kürzester Zeit anlegen, die ich dann, wenn ich das will, ergänzen und erweitern kann.

Wenn ich also von Vorträgen twittere, Veranstaltungen live verfolge und von ihnen via Twitter Bericht erstatte oder einen Satz, den ich mir merken will, aber auch für veröffentlichbar halte, via Twitter poste, dann geht das nur, weil ich damit fast automatisch mein persönliches Notizbuch mit füttere. Fast automatisch bedeutet, dass ich Momento zumindest öffnen muss, damit es, nachdem man es mittels Einstellungen dafür eingerichtet hat, die Daten sammeln kann – nicht in der Cloud, sondern direkt auf dem iPhone. Das ist aber keine große Herausforderung ;-)

Dieser Workflow funktioniert übrigens auch beim Lesen, wenn ich dabei online bin. Aber vom E-Book-Reader aus kann ich z. B. kurze Zitate auch direkt vertwittern und so für andere und für mein persönliches digitales Notizbuch, das nicht in der Cloud liegt (wie es bei Evernote der Fall ist), verfügbar machen.

Ähnlich einfach kann man übrigens von bestimmten E-Book-Readern aus mit Anstreichungen und Notizen umgehen, aber das ist dann wieder ein anderer Workflow, den ich an anderer Stelle in den Blick nehmen werde.

Wer kennt ähnliche Apps? Wer kennt ähnliche Apps für andere Plattformen? Bitte hinterlasst eure Hinweise als Kommentar :-)

BYOD-Klasse oder integrierende Didaktik und Methodik? – Kommentar zu Manfred Korens „Wenn mein Kind in der BYOD-Klasse wäre….“

Diesen Beitrag begann ich als Kommentar zu dem Beitrag „Wenn mein Kind in der BYOD-Klasse wäre….“ von Manfred Koren im Rahmen des Blogs zum BYOD-Projekt des Eichendorff-Gymnasiums in Koblenz. Beim Schreiben wurde daraus ein eigener Artikel, sodass ich mich entschieden habe, ihn im Rahmen meines Blogs zu veröffentlichen, inkl. Trackback zum Originalartikel natürlich.

Ich beobachte neugierig und gespannt, welche praktischen Erkenntnisse das BYOD-Projekt am Eichendorff-Gymnasium Koblenz bringen wird!

Ich arbeite selbst an Konzepten für die sinnvolle Nutzung bereits vorhandener Endgeräte und nehme deshalb einen Beitrag von Manfred Koren, einem Elternteil, das seine Gedanken im Blog des BYOD-Projekts veröffentlicht, zum Anlass für ein paar Gedanken, die mich in diesem Bereich umtreiben, wenn es um Segregation im Kontext des Einsatzes digitaler Endgeräte geht.

Manfred Koren spricht die Sorge von Eltern an, dass in einer BYOD-Klasse eine soziale Hierarchie über den Besitz bestimmter Marken bzw. Geräte entstehen könne, dass also Weiterlesen

Digitaler Workflow: Die Tagesordnung einer Konferenz für handschriftliche Notizen auf dem Tablet vorbereiten

Wenn es um Dokumente in E-Mail-Anhängen geht, bin ein großer Fan von PDF-Dokumenten, weil diese auf jeder Plattform so aussehen, wie sich der Ersteller das gedacht hat. Dennoch bin ich manchmal gar nicht so unglücklich, wenn die Datei auch noch in einem editierbaren Format beigefügt ist.

In Wirklichkeit ist es meist umgekehrt: Ich bekomme nur das editierbare Dokument in einem meist proprietären .doc- oder .docx-Format und kein PDF, aber das ist hier gerade nicht Thema. ;-)

Um papierfrei bzw. papierarm arbeiten zu können, Weiterlesen

Überwachungsstaat konkret – oder: Nachgerechnet

Chris Inglis ist stellvertretender NSA-Direktor. Er sagte bei einer Anhörung im Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses des Vereinigten Staaten von Amerika, dass im Verdachtsfall nicht nur Verdächtige beobachtet werden, sondern darüber hinaus deren „Kommunikationspartner“. Dabei gehe man 3 Schritte weit.

Person a ist verdächtig. In der Freundesliste der Person a auf Facebook stehen x Personen (1. Schritt). Nun wird aber nicht nur die Kommunikation von a mit x überwacht, sondern auch die Kommunikation von x mit jedem in ihrer Freundesliste auftauchenden Menschen (y). (2. Schritt) Damit nicht genug: Auch die Kommunikation der Menschen, die mit y befreundet sind (z) wird überwacht, obwohl die meisten aus der Gruppe y die Person a überhaupt nicht kennen dürften. (3. Schritt)

Wenn Person a nun auf Facebook, auf Twitter, auf Xing oder LinkedIn ein Profil hat, muss man natürlich alle „Kommunikationspartner“ – verlinkt zu sein, heißt noch nicht, dass man auch regelmäßig kommuniziert – auf jeder dieser Plattformen nehmen und all die dort entstehende Kommunikation 3 Schritte tief beobachten.

Da man nach Studien auf Facebook über 4,74 Schritte mit quasi jedem online aktivem Menschen verbunden ist (zumindest auf der Facebook-Welt), kann man erahnen, wie umfassend die Kommunikation der im Netz aktiven Menschen von den USA im Verdachtsfall (einer verdächtig, gegebenenfalls ein paar Millionen Leute fallen in den Bereich der Kommunikation über 3 Schritte) überwacht wird.

Ich habe das Experiment jetzt mal auf Xing nachgerechnet. Auf Xing deshalb, weil mir dort ein Tool meine Verbindungen bis zum 3. Grad darstellt.

Und die Zahlen stimmen so immer noch nicht, denn z. B. auf Twitter habe ich zur Zeit über 800 Profile, denen ich folge und über 1800 Profile die mir folgen. Legte man diese Zahlen zu Grunde, hätte das Erschrecken über die jetzt bekannt gewordenen Überwachungsstrategien, denen sicher nicht nur die NSA, sondern bestimmt auch andere Geheimdienste anderer Länder folgen, eine vermutlich noch deutlich erschütternde Dimension.

Jetzt also einmal das „harmlose“ Beispiel auf der Basis von nur 84 Kontakten auf XING:

Auf Xing habe ich derzeit 84 Kontakte. Diese Kontakte haben zusammen wiederum 16970 Kontakte – von denen ich die wenigsten Personen kennen. Diese 16970 Kontakte haben zusammen wiederum 990 685 Kontakte.

Würde nun der US-Geheimdienst mich überwachen (vielleicht, weil ich das Wort Bombe einmal zu oft benutzt habe), dann würde er meine Kommunikation mit Kontakten 1 Grades beobachten und die Kommunikation der Kontakte 2. und 3. Grades gleich auch noch.

Auf der viel zu niedrigen Basis von 84 Leuten, mit denen ich auf XING direkten Kontakt habe,  würde bereits die Kommunikation von  84+16970+990685=1 007 739 Personen von der NSA überwacht werden.

Das ist mit den „3 Schritten“ gemeint, die im verlinkten Spiegel-Artkel genannt sind.

Das ist doch echt beruhigend. So macht deutsch-amerikanische Freundschaft richtig Spaß. Und die Bundesregierung?

Sascha Lobo fasst es wie folgt zusammen: „Meine Heimat wird illegal attackiert, aber die Bundesregierung weiß von nichts, ist nicht zuständig oder wiegelt ab.“

Man reiche mir eine Nierenschale.