Vorspiel zum #Educamp – Das Motto: „Neue Lernkulturen entwickeln und vernetzen“ – #ecbi11

EduCamp Bielefeld :: 18.-20. November 2011

Da zur Zeit im Zusammenhang mit „Lernen“, „Bildung“, „Schule“ – und wahrscheinlich auch noch in anderen Zusammenhängen – ständig davon gesprochen wird, man müsse diese Bereiche „neu denken“, bin ich gegenüber dem Wort „neu“ in all seinen Anwendungsfacetten skeptisch geworden.

Nein, es geht nicht um „neu gedachtes“ Lernen, „neu gedachte“ Schulen, Bildung, „neu gedachten” Unterricht. Und deshalb freue ich mich über zwei Verben im Titel des Educamps in Bielefeld, die über das „Neu“ hinausgehen (auch wenn es reingerutscht ist, aber eben nicht als ein Denken, sondern, sondern als Begrifflichkeit, die auf konkrete Praxis verweist). Die Verben lauten „entwickeln“ und „vernetzen“. Sympathische Wörter sind das, finde ich.

„Entwickeln“ ist ein reflexives Verb, das heißt, es wird (oft) mit dem Reflexivpronomen „sich“ verbunden verwendet. Ein Reflexivpronomen „ist ein Pronomen, das sich auf das inhaltliche oder grammatische Subjekt eines Satzes oder Textes bezieht“.

Das eine solche sprachanalytische Zugangsweise zum Titel des Educamps in Bielefeld nicht völlig weit hergeholt ist, verdeutlicht vielleicht der Blick auf drei Quellen, die das Verb „entwickeln“ in den Blick nehmen:

  1. Das Grimmsche Wörterbuch
  2. Das Projekt Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS)
  3. Das Wortschatzlexikon der Uni Leipzig

Wenn sich „neue Lernkulturen“ entwickeln sollen, dann ist das etwas anderes als „Lernen neu denken“. Eine kleine Auswahl synonymer Formulierungen,

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Lesekompetenz und Ausdrucksfähigkeit – Beobachtungen

Die Beobachtung, dass Jugendliche oft Probleme beim den Sinn eines Textes erfassenden und interpretierenden (=verstehenden) Lesen haben, ist hinlänglich bekannt; die enge Verbindung schriftlicher Ausdrucksfähigkeit mit der Lesefähigkeit wird ebenso umfassend beschrieben.

Für mich zeigen sich diese Phänomene an folgenden Punkten (in unterschiedlicher Intensität in den unterschiedlichen Altersstufen, aber in allen Altersstufen (10–19 Jahre) beobachtbar).1:

  1. Ich erhebe hier nicht den Anspruch etwas Neues zu sagen oder eine empirisch unangreifbare Darstellung zu verfassen, sondern stelle im Rahmen dieses Blogs genau die Diskussionsgrundlage zur Verfügung, die ein privates Blog zunächst einmal schaffen kann. Dabei gehe ich aber dennoch davon aus, dass die hier beschriebenen Beobachtungen und meine Überlegungen zum Umgang mit den Phänomenen mehr als eine Privatmeinung sind. []

Wandern in der Schule zwischen Zweck und Selbstzweck

Mit Schülern und Schülerinnen Wandern zu gehen, ist nicht erst in jüngerer Zeit zu einer mutigen Veranstaltung geworden.

Bereits 1986 gründete sich der „Pädagogische Arbeitskreis ‚Schulwandern‘“ am staatlichen Schulamt der Stadt Dortmund. Dieser Arbeitskreis hat[te?]…

…„sich die Aufgabe gestellt, die Bereitschaft zum Wandern in der Dortmunder Lehrerschaft neu zu beleben. Er will eine kind‑ und jugendgerechte Form des Wanderns entwickeln, die attraktiv ist und das Interesse der Schüler weckt.“
Dabei wird betont, dass das Wandern Mittel zum Zweck sei und nicht an sich einen Wert habe. Anschließend werden die wertvollen Kompetenzen aufgezählt, die man beim Wandern vermitteln könne, die zudem auch von hochwertigen sozialen Komponenten begleitet werden. Wer mag, lese sich ein Dokument aus dem Jahre 1998 einmal vollständig durch – und vergleiche es mit eigenen Erfahrungen, die mit dem Mut verbunden sind, mit Schülern und Schülerinnen auf wirkliche Wanderungen zu gehen…
Darüber hinaus gibt es noch eine Jugendstudie Wandern aus dem Jahre 1992, Continue reading

Hausmitteilung: herrlarbig.de ist zum 3. Geburtstag umgezogen und doch Zuhause geblieben

So, die Sommerpause ist vorbei.

Und das hier ist der 300. Artikel auf herrlarbig.de. Drei Jahre herrlarbig.de – 300 Artikel: Das gefällt mir. Rechnerisch bedeutet das, dass im Schnitt alle 3,65 Tage ein Artikel erschienen ist.

Auch wenn sich inhaltlich und optisch nichts getan hat, hat sich in den letzten Tagen eine ganze Menge getan: herrlarbig.de ist umgezogen.

Nein, ich habe nach all den Jahren nicht den Anbieter der technischen Infrastruktur gewechselt, die es überhaupt erst möglich macht, dass diese Website im WorlWideWeb vorhanden sein kann. Der Umzug erfolgte vielmehr von einem Server auf einen anderen beim gleichen Hoster.

herrlarbig.de ist umgezogen, aber dennoch „Zuhause“ geblieben. Gleichzeitig aber werde ich mit diesem Umzug jetzt Ubernaut. Ich habe den Uberspace betreten.

Für meine Besucher verändert sich dadurch nichts. Im Hintergrund aber hat sich eine ganze Menge getan, was ich hier kurz erwähnen will, weil eine solche Website in Wirklichkeit ja viel mehr technischen Aufwand im Hintergrund mit sich bringt, als auf der Inhaltsoberfläche zu sehen ist, vor allem dann, wenn man eigenen Webspace verfügbar hat.

Was also hat sich verändert:

  1. Die Website herrlarbig.de läuft nun auf einem Server, der mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben wird, ohne CO2-Ausstoß und ohne radioaktiven Abfall (Öko-Strom). Das ist nicht ganz unbedeutend, denn dass diese Website rund um die Uhr zur Verfügung steht, geht natürlich nur, weil es da einen Rechner in einem Rechenzentrum hier in Frankfurt am Main  gibt, der 24 Stunden an jedem Tag des Jahres läuft und somit nicht gerade wenig Strom verbraucht. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das ein technisch äußerst spannendes Rechenzentrum, weil das Kühlungsthema anders angegangen wird als in dem Rechenzentrum, in dem bislang der Server stand, der herrlarbig.de beherbergte.
  2. herrlarbig.de ist jetzt auch über IPv6 erreichbar.
  3. herrlarbig.de nutzt die geniale Idee, Umsetzung, Technik und Performance von Uberspace.
  4. Die Verwaltung ist für mich durch deutlich beschleunigte Zugriffszeiten im Verwaltungsmodul deutlich komfortabler geworden. Davon mögen Besucher und Besucherinnen von herrlarbig.de zwar nicht viel merken, aber dass die Arbeit am Blog dem Blogger Spaß macht, ist natürlich auch für die Lesenden relevant, und so sollte dieser Performance-Gewinn doch ausstrahlen.
Damit ist herrlarbig.de als Bildungsneuron und Lehrerblog nach drei Jahren technisch auf den neusten Stand gebracht. Drei Jahre herrlarbig.de ist aber auch ein guter Zeitpunkt all denen Danke zu sagen, die überhaupt die Motivation dafür geben, dieses Blog zu führen, weiter zu führen und zu pflegen:
  • Danke, liebe regelmäßigen Besucher, die ihr herrlarbig.de als RSS-Feed in eurem Feed-Reader abonniert habt und Wert darauf legt, möglichst schnell informiert zu werden, wenn es was neues auf herrlarbig.de gibt.
  • Danke allen, die bis jetzt hier Kommentare hinterlassen haben, sich auf Diskussionen einließen und auch zukünftig einlassen werden. Ein Blog lebt nicht nur von den Inhalten, die der Blogger beiträgt, sondern mindestens ebenso stark von den Kommentaren und der Qualität der Diskussionen.
  • Danke allen, mit denen ich über Twitter im dauernden Austausch über das Blog hinaus bin. Einige Beiträge dieses Blogs verdanken sich den Anregungen, die auf diesem Wege zu mir gekommen sind.
  • Danke allen, die über Suchmaschinen auf herrlarbig.de kommen und einzelne Artikel lesen.
  • Danke allen, die fragen, bevor Sie Artikel oder Ausschnitte aus Artikeln verwenden und somit zeigen, dass sie die Arbeit schätzen, die hier drinnen steckt. Oft bleibt mir dann nur zu sagen: Schön, dass du fragst, aber Zitate mit Quellenangaben und Links lässt das Urheberrecht auch ohne Nachfrage zu. Aber wie gesagt: Es ist toll, wenn da eine E-Mail eingeht und gefragt wird, ob Inhalte verwendet werden dürfen.
  • Danke allen, die auf herrlarbig.de verlinken und damit zum Ausdruck bringen, dass sie Inhalte dieses Blogs schätzen und des Verlinkens Wert erachten.
  • Danke an jonaspasche.com und uberspace.de. Ohne Jonas, dem genialsten Programmierer, Webhoster und Internettechniker der Welt (soweit ich das überblicken kann ;-) ), gäbe es herrlarbig.de in dieser Form nicht. Und das Jonas’ Mitarbeiter Teil dieser „kleinen, geilen Firma“ (Funny van Dannen) sind, die das alles möglich macht, sei hier auch erwähnt. Also: Danke an Jonas PascheAndreas BeintkenMatthias Bender und Christopher Hirschmann.  – Wenn jemand sagt, von Idealismus könne man nicht leben: Diese Firma und deren Chef Jonas sind für mich der Beweis, dass es doch geht, wenn der Idealismus nur mit ihm entsprechender Qualifikation verbunden und gelebt wird.
  • Danke… allen, die ich hier vergessen habe, aber gar nicht vergessen wollte, weil es mir peinlich sein wird, wenn ich erfahre, dass ich sie vergessen habe.
Natürlich macht man in drei Jahren auch seltsame Erfahrungen, sodass ich hier noch einmal zusammenfasse, was herrlarbig.de in meinen Augen prägt:
  1. herrlarbig.de ist ein privates Lehrerblog. Ich mache das hier in meiner Freizeit, als Hobby.
  2. herrlarbig.de macht keine bezahlte Werbung. Wenn ich hier verlinke und kommerzielle Angebote erwähne, dann weil ich das will und nicht, weil ich damit Geld verdiene. Mein Geld verdiene ich mit meinem Beruf. herrlarbig.de ist … Ach, siehe 1.
  3. Ich bekomme regelmäßig Anfragen zum Linktausch. Dazu kann ich nur sagen: Wenn jemand Inhalte meiner Website des Verlinkens wert erachtet, so möge er dies tun, aber mir eine E-Mail zu schreiben, in der „Ich verlinke dich, wenn du mich verlinkst“ steht, ist reichlich überflüssig, denn ich bin nicht so der Marketingtyp. Ich mach das hier aus Spaß und nicht weil ich was damit erreichen will; freue mich aber sehr darüber, dass herrlarbig.de nicht ganz unbemerkt im Internet existiert.
  4. Obwohl ich immer wieder deutlich sage, dass die Kontaktmöglichkeiten, die ich im Rahmen meiner Internetpräsenz anbiete, nicht für Werbung, Pressemitteilungen etc. gedacht sind, es sei denn es besteht ein Kontakt, in dessen Rahmen ich ausdrücklich darum gebeten habe, mich auf dem Laufenden zu halten, passiert es immer wieder, dass ich E-Mails bekomme, in denen Anbieter kommerzieller Produkte mich darum bitten, dass ich ihr Angebot bespreche und natürlich verlinke. Sorry, aber so funktioniert herrlarbig.de nicht. Ich bin unabhängig und ich bleibe unabhängig. Das heißt aber auch, dass es mir jedes Mal in den Fingern juckt, solche Anfragen (ohne auf das Produkt den gewünschten Link zu setzen) zu veröffentlichen, um zu dokumentieren, wer sich solcher Marketing-Tricks zu bedienen versucht. Aber ich lasse es dann in der Regel bleiben und lösche diese E-Mails einfach.
  5. herrlarbig.de trägt den Untertitel „Bildungsneuron – Lehrerblog“. In diesem Rahmen nehme ich mir alle Freiheiten in Sachen Content / Themen. Da es sich um ein privates Blog handelt, lasse ich mich nicht festlegen, was ich in den Rahmen Bildung stelle und was nicht. ;-)
  6. … (hier – also per Kommentar – bitte notiere, was herrlarbig.de für dich / sie ausmacht. Was ist es, dass dieses Blog zu dem Blog macht, das es für dich / sie als LeserIn ist?)

 

Die 8 besten (?) Werkzeuge des analogen Lernens und Lehrens

Die einen fragen, was heute zu lernen sei und gehen damit wohltuend von den Tools des Lernens weg hin zu den Inhalten. Prima.

An anderer Stelle geht es in einem Offenen Kurs (Open Course) um die Zukunft des Lernens und in der dritten Woche, in der sich dieser Kurs nun befindet, geht es um die Tools des Lernens, mit denen dann gelernt werden soll, was zu lernen ist, wie auch immer diese Inhalte / Kompetenzen dann näher definiert sind.

Die Überschrift der dritten Woche des Offenen Kurses zur »Zukunft des Lernen« lautet: »Von iPads, eBooks & Virtual Classrooms. Lerntechnologien«.

Die Selbstverständlichkeit, so sehr ich diese im Gesamtkontext dieses Kurses auch nachvollziehen kann und mich ihrer oft selbst bediene, mit der bei Lerntechnologien heute von digitalen Lerntechnologien gesprochen wird, erstaunt mich immer wieder.

Lernende lernen analog, unabhängig davon, wie digital die zum Lernen genutzten Medien auch immer sein mögen. Der Lernprozess des individuellen Menschen findet nicht binär statt, sondern in der komplexen Struktur des Gehirns und des ganzen Körpers.

Deshalb gibt es von mir an dieser Stelle keine Top-Ten-Liste der wunderbarsten digitalen Lernwerkzeuge, auch wenn ich eine solche erstellen könnte, sondern – völlig unzeitgemäß – eine Liste analoger  »Werkzeuge« des analogen Lernens und Lehrens. Die Reihenfolge ist zumindest nicht konsequent hierarchisch gemeint; die Liste ist bestimmt nicht vollständig und überhaupt vor allem eine Anregung zur Erweiterung der Diskussion. Die Zukunft des Lernens bringt neue Technologien mit sich. Sollen diese Technologien die analogen ersetzen? Wo können sie das? Was können sie nicht leisten? Wo sind analoge Werkzeuge vielleicht unabdingbar?

Wenn der offene Kurs »Die Zukunft des Lernens« heißt, so halte ich eine Reduktion auf zukünftige Lerntechnologien zu kurz gegriffen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier nun zuspitze, übertreibe, provozieren will, denn ich weiß sehr wohl, dass nicht alle meine Äußerungen in diesem Beitrag auf umfassende Gegenliebe stoßen dürften. Aber dennoch: Ich finde, es lohnt, nicht nur von digitalen Tools zu sprechen (obwohl ich ja zum Beispiel hier genau ein solches nutze, um über analoge Werkzeuge zu sprechen), sondern auch einmal zu fragen, welchen Wert und welchen Platz analoge Werkzeuge des Lernens in der »Zukunft des Lernens« haben.

Also los…:

Die Sinne (Sense Organs)

Die Sinnesorgane des Menschen sind nach wie vor in der Regel analog, solange nicht digitale Prothesen zum Einsatz kommen. Sie sind für Lernprozesse unerlässlich. Und damit sind nicht nur der Hör- und Sehsinn gemeint, die auch bei digitalen Lernprozessen am Computer zum Einsatz kommen. Der Tastsinn kommt in digitalen Zusammenhängen viel zu kurz. Will ich etwas über Bäume und Wälder wissen, so muss ich Baumrinde spüren können, den Geruch des Waldes (zu unterschiedlichen Tages- / Jahreszeiten) einatmen. Will ich etwas über (gesunde) Ernährung wissen, dann fördert der Einsatz des Geschmackssinnes dieses Lernen sehr. Lernen ist ein sinnlicher Prozess. Digitale Lernprozesse führen oft zu einer Entsinnlichung des Lernens. Vielleicht sind deshalb zum Beispiel Videos von Vorträgen viel beliebter als reine Audiomitschnitte, obwohl der Informationsgehalt zur Sache identlisch ist.

Lehrervortrag (Teachers Lecture)

Ja, es gibt viel zu wenige Lehrende, die in der Lage sind, einen guten Lehrervortrag zu halten. Oder sind es doch die Bedingungen, die es unmöglich machen, sich angemessen auf einen guten Lehrervortrag vorzubereiten, da in den meisten Lehr-Lern-Zusammenhängen die zur Vorbereitung benötigten Zeitfenster nicht gelassen werden?

Ja, es ist verdammt schwer, einen guten Lehrervortrag zu halten. Ja, es ist völlig unmodern, überhaupt davon zu sprechen, dass das mit dem Lehrervortrag eine tolle Sache ist. Und dennoch zähle ich den (gelungenen) Lehrervortrag zu den Top-Ten der Werkzeuge des analogen Lernens. Was aber ein gelungener Lehrervortrag ist, ist damit noch nicht gesagt:

  • Ein gelungener Lehrervortrag hat die Lernenden im Blick. Inhaltlich und sprachlich hat er sich an den Fähigkeiten der Lernenden zu orientieren und diese gleichzeitig zu erweitern.
  • Ein gelungener Lehrervortrag führt zu einem Mitdenken der Lernenden.
  • Ein gelungener Lehrervortrag fördert Erkenntnisprozesse und die Lust an der Erkenntnis.
  • Ein gelungener Lehrervortrag befähigt zu praktischem Handeln, leitet zu diesem über, leitet von einem frontalen Lehr-Lern-Zusammenhang in andere Arbeitsformen über, in denen geübt wird, in denen Teilaspekte des »Inputs« vertieft, in denen »Output« entsteht und »Wissen« praktisch angewendet wird.

Lernendenaktivität (Activities of Learners)

  • Es ist zunächst einmal kein Werkzeug, wenn Lernende eigenständig arbeiten, bei dieser Arbeit bedient man sich eher unterschiedlicher Werkzeuge – und die Frage, ob diese analog oder digital sind ist eine nachgelagerte Frage.
  • Dennoch führe ich die Eigenaktivität Lernender hier unter den Werkzeugen auf, weil es sich dabei aus der Sicht des Lehrenden durchaus um ein »Instrument« handelt, das Lernen ermöglicht. Und da ich hier von den besten analogen Werkzeugen des Lernens und Lehrens schreibe, hat diese Eigenaktivität hier ihren Platz.
  • Der Lehrende soll sich, sein Wissen und seine Erfahrungen den Lernenden nicht verweigern. Deshalb der eigene Unterpunkt zum »Lehrervortrag«. Ich habe an der Universität selbst Veranstaltungen erlebt, in denen der Professor nur auftrat, wenn es darum ging, die Referate für das Semester zu verteilen und in der letzten Sitzung eine Zusammenfassung der Veranstaltung zu versuchen. Dazwischen wurde in den »selbst verwalteten Lernprozess« der Studierenden selbst dann nicht eingegriffen, wenn gröbste Fehler in langweilgsten Referaten verbreitet wurden.
  • Zu diesem Nicht-Verweigern des Lehrenden gehört aber auch, dass er den Lernenden ihren Freiraum lässt, um sich selbst und die gewonnenen Kenntnisse auszuprobieren, um aus Kenntnissen Erkenntnisse werden zu lassen. Da es sich aber um Lernendenaktivität handelt, begleitet der Lehrende diese wertschätzend und kritisch. Das kann durchaus auch darauf hinaus laufen, dass eine Ergebnispräsentation, die oberflächlich und ohne großen Erkenntniswert ist, in der sich auch Beratungsversuche der Lehrenden nicht erfolgreich niedergeschlagen haben, entsprechend kritisch besprochen wird.
  • Diese Freiräume, die durchaus großzügig bemessen sein dürfen, müssen nicht analog sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit einem Sportgerät oder ähnliches gelernt).
  • Diese Freiräume müssen nicht digital sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit digitalen sozialen Netzen oder ähnliches gerlernt).

Kreidetafel (Blackboard)

Stromunabhängig und sofort zu Stundenbeginn einsatzbereit. Die einzige Voraussetzung ist, dass Kreide vorhanden ist. Entweder der Kreidevorrat wird zentral gepflegt oder aber man hat seine eigenen Vorräte dabei. Wenn aber Kreide vorhanden ist, ist die Tafel das flexibelste, am schnellsten verfügbare und alles in allem zuverlässigste Instrument zur Darstellung von Gedanken, das in Klassenzimmern vorhanden ist. Mehrfarbigkeit des Tafelbildes ist mit farbiger Kreide schnell umsetzbar. Seit ihrer Einführung in Schulen im 19. Jahrhunderts als ausgereifte und auch in ärmeren Regionen der Welt als Instrument zur Unterstützung von Lernprozessen einsetzbar.

Bibliothek (Library)

  • Eine Gruppe Schülerinnen und Schüler in einer Bibliothek reagiert eigentlich immer gleich, wenn die Jugendlichen nicht sofort an die Computer dürfen: Eigenständig werden Bücher aus den Regalen genommen, durchgeblättert und wenn etwas als interessant empfunden wird, wird das genauer gelesen und auch anderen vorgelesen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen stellt die analoge Bibliothek einen Lernraum dar, der selbsttätige Lernprozesse fördern kann. Wichtig ist dabei, dass es von Lehrern akzeptiert wird, dass dieses Lernen nicht in Gruppen stattfindet, sondern die Lernenden zumindest phasenweise auf deren eigene Interessen konzentriert sein lässt.
  • Bemerkenswert: Die Bibliothek als »Lernwerkzeug« ist ein Ort! Auch wenn vielleicht nicht unbedingt ein klassisches Lernwerkzeug, so spielen die »Lernräume« als »Spielräume« gelingender Lern-und Bildungsprozesse eine wichtige Rolle.

Notizblock / Schulheft (Exercise Books)

Sicherlich wird die Frage früher oder später auftauchen, ob mobile Tablet-Computer analoge Formen des Notierens und Übens nicht überflüssig machen, aber da es hier nun einmal um analoge Werkzeuge des Lernens geht, geht es ohne das Schulheft und den Notizblock nicht. Dieses Instrument hat ähnliche Vorteile wie die Kreidetafel. Und da im neuen Kerncurriculum für das Fach Deutsch in Hessen unter anderem die für andere lesbare Handschrift als Kompetenz aufgenommen wurde, gehe ich nicht davon aus, dass die Handschrift in absehbarer Zeit aus der Schule verschwinden wird. Handschriftliches Erarbeiten von Wissen, die händische Aneignung von Fertigkeiten und Kompetenzen, das Erlernen des Handwerks in den einzelnen Fächern und auch fächerübergreifend, ist nach wie vor wichtig und zwar schon alleine, weil unser Gehirn auf eine solche »analoge« Weise lernt.

Stifte (Pen / Pencil)

  • Ganz ehrlich: Wenn ich Bilder von manchen meiner Schülerinnen und Schüler sehe, die mit viel Hingabe gemalt wurden, dann weiß ich um den Wert von Stifen; wenn ich Texte lese, die mit der Handschrift auch etwas von der Person widerspiegeln, die diese Handschrift nutzt, dann mag das Lesen manchmal schwer sein, aber gerade dieses nicht glatte, nicht einfach überfliegbare der Texte hebt noch einmal hervor, dass wir es mit Persönlichkeiten zu tun haben. Im Internet und in Zusammenhängen, in denen es nur noch genormte Druckbuchstabenschriften gibt, geht diese Seite des Persönlichen oft verloren.
  • Wenn ich mir schnell Übersicht über einen Gedankengang verschaffen will, benutze ich nach wie vor Papier und Stifte zum Anfertigen von Notizen, Skizeen etc. – Das geht zwar alles auch auf dem Computer, aber wenn ich etwas wirklich lernen will, brauche ich immer wieder auch einfach mein analoges Werkzeug.

Overheadprojektor (Overhead Projector)

Ich hatte mal eine Lehrerin, die malte wirkliche Tafelbilder – sie muss an den Tagen vor dem Unterricht richtig lange an der Tafel gestanden haben, um ihre Tafelbilder zu zeichnen, was nur ging, weil es sich um einen Lehrgang außerhalb der Schule handelte, bei dem sicher war, dass das Tafelbild am nächsten Tag auch noch da sein würde. Und ähnlich hochwertige, handgefertigte Zeichnungen zur Verdeutlichung von Zusammenhängen brachte diese Lehrerin auf Folien unter. Nie zuvor und nie danach habe ich solch künstlerisch spannenden, ästhetisch ansprechenden Lehrmaterialien gesehen, wie bei dieser Sprachlehrerin.

Klar, heutzutage entstehen die meisten Folien unter Benutzung digitaler Technologie, wenn sie nicht direkt mit einer digitalen Präsentation und Beamer ersetzt werden. Und doch haben Folien nach wie vor auch in analoger, handbeschrifter Form einen möglichen Platz im Unterricht: So können per Folien »Tafelbilder« entstehen, die dauerhafter aufbewahrt werden können und wieder einsetzbar sind. Der Mehrwert gegenüber per Computer generierten »Folien« besteht darin, dass wirklich die ästhetische Erfahrung der Handschriftlichkeit, des analogen Schaubildes erreicht werden, auch wenn Lehrende oder Lernende nicht die genialen Zeichner sind.

Auch wenn der Computer in Kombination mit dem Beamer einen adäquaten Ersatz für den Overheadprojektor (OHP) darstellt: Analog erstellte Folien haben oft eine sehr persönliche, unverwechselbare Note, die genau auf einen Lehrenden verweist. Diese Option sollten wir uns (zumindest hin und wieder) einfach nicht entgehen lassen, denn das außergewöhnliche prägt sich ein, fördert den Lernprozess. Digital erstellte Materialien sind manchmal so »aalglatt« und uniform gestaltet, dass sie das Lernen zumindest nicht durch »persönliche Noten« fördern.

Gedichtinterpretation: Goethe – ein jugendgefährdender Autor

 

Johann Wolfgang Goethe (1815)

 

Trunken müssen wir alle sein!

Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;

Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,

so ist es wundervolle Tugend.

Für Sorgen sorgt das liebe Leben,

und Sorgenbrecher sind die Reben.

 

Goethe – ein jugendgefährdender Autor?

Im „Faust“ werden Geister beschworen, Drogen konsumiert, Personen direkt oder indirekt dem Tode übereignet; im ,,Heidenröslein“ lesen viele Interpretationen die Darstellung einer Vergewaltigung und im „West-östlichen Divan“ gibt es das „Schenkenbuch“ Continue reading

Ein Rückblick (im Zug verfasst)

EduCamp Bremen :: 19./20. März 2011

 

Es ist ein Bug, wenn bei einem EduCamp die Sonne scheint ;-) , sind da doch Leute, mit denen man ebenso gerne über Bildung, Medieneinsatz in Bildungszusammenhängen, die Bedeutung von Bildungsprozessbegleitern etc. im Gespräch ist, diskutiert, wie man mit ihnen auf dem sonnenüberfluteten Innenhof des GW2-Gebäudes der Bremer Universität grillen würde.

Und so musste man sich plötzlich entscheiden. Mit ein paar anderen draußen Sonne tanken oder schön brav die nächste Session besuchen. – In den meisten Fällen fiel die Entscheidung zugunsten der Session aus. Diese Veranstaltungen waren ja der Grund für die Reise nach Bremen – ein guter Grund, der der Sonne echte Konkurrenz machen konnte.

Es war mein erstes Educamp. Continue reading

Media@School – Bremer Medientag 2011

EduCamp Bremen :: 19./20. März 2011

 

Auf dem media@school-Medientag gab es einen Eindruck, was faktisch in Sachen Medieneinsatz an Schulen los ist.

Das Bild, das ich hier bekommen habe, ist sehr vielseitig.

Es gibt, das sei gleich am Anfang gesagt, an vielen Schulen Lehrer, die sich um Medienpädagogik kümmern. Es gibt an vielen Schulen wenige (vereinzelte?) Lehrer, die sich um pädagogisch verantworteten Gebrauch von Medien Gedanken machen und praktische Umsetzungen wagen.

Das Bild verändert sich, wenn der Begriff „Medien“ etwas breiter verstanden wird, als ich es normalerweise tue, rede ich von Medieneinsatz an Schulen.

Normalerweise denke ich dabei an Video, Audio, Computer, Internet. Dass man auch „Robotik“ Continue reading

Methoden-Mythos? Die Mind-Map.

Die Mind-Map ist eine beliebte Methode, wenn es darum geht, Methoden vorzustellen und einzuführen. Zunehmend aber fällt mir auf, dass diese Methode weder von Lehrerinnen und Lehrern noch von Schülerinnen und Schülern sichtbar genutzt wird.

Ich habe noch keinen Kollegen erlebt, der bei einer Konferenz eine Mind-Map erstellen würde; ich habe noch keinen Schüler erlebt, der, über die Phase der unterrichtlichen Behandlung der Methode hinaus, freiwillig mit ihr gearbeitet hätte, außer wenn es um Referate geht, in denen nicht nur vorgetragen, sondern die ganze Lerngruppe mit einbezogen werden soll. In dieser Situation taucht das Schlagwort „Mind-Map“ auf. Was dann aber an der Tafel entsteht ist in der Regel höchstens ein Cluster von assoziativ genannten Begriffen, die in keine sonderlich logische Ordnung gebracht werden, sondern reichlich zufällig um einen Zentralbegriff herum gruppiert werden. Dieser Gebrauch der Mind-Map ist für mich ein Zeichen, dass sie im Lernalltag der Schüler keine Rolle spielt, aber eine der bekanntesten Methoden ist, an die sie sich in einer solchen Referatssituation erinnern.

Angesichts meiner eigenen Erfahrungen mit Mind-Maps überrascht es mich nicht, dass Mind-Maps so wenig eingesetzt zu werden scheinen. Was mich allerdings überrascht ist, dass diese Methode dennoch so präsent ist bzw. gehalten wird, wenn mein Eindruck stimmen sollte, dass ihre Effekivität genau so gering ist, wie die Versprechen zur Einsetzbarkeit der Methode groß sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Mind-Maps entweder so wenig umfangreich sind, dass sie kaum mehr zu bieten als ein gut strukturierter Notizzettel. Bevor ich dann anfange, mit mehreren Farben, idealerweise auch noch mit bildlichen Elementen, eine Mind-Map zu erstellen, bin ich mit dem Notizzettel längst fertig.

Den wenig komplexen und von daher im Einsatz für mich nicht notwendigen Mind-Maps stehen (für Veröffentlichungszwecke konstruierte?) Beispiele hoch komplexer Mindmaps gegenüber, die dann in meinen Augen aber so aufwendig gestaltet sind, dass der Gestaltungsaufwand in keiner angemessenen Relation zum Nutzen steht, ganz abgesehen davon, dass die Übersichtlichkeit schnell verloren geht und die Mind-Map eher einem Mind-Labyrinth als einer übersichtlichen Landkarte von Begriffen gleicht, die in der Zusammenschau ein logisches Ganzes ergeben.

Mehr und mehr habe ich den Eindruck, lasse mich da aber gerne eines besseren belehren, dass es sich bei der Mind-Map um einen Methoden-Mythos handelt. Ihre Versprechen sind toll: Verbindung der unterschiedlich ausgerichteten Gehirnhälften, weil sprachliche und bildliche Darstellung verbunden werden; Unterstützung von Lernprozessen; Stichwortzettel bei Vorträgen und Referaten etc.

Warum nur begegne ich bei diesem Versprechen so wenigen Mind-Maps in der Praxis, sowohl bei Lehrenden als bei Lernenden? Meine Vermutung habe ich oben schon geäußert: Die Mind-Map wirkt auf mich wie ein hochgelobtes, im praktischen Alltagsgebrauch die Versprechen aber kaum einhalten könnende Methode.

Niemandem soll hier der Einsatz von Mind-Maps madig gemacht werden! Sicherlich gibt es einige Leute, denen diese Methoden in ihrem Denken und Arbeiten entgegen kommt bzw. entkommen kommen kann. Mein Problem ist nur, dass mir diese Leute, die die Mind-Map wirklich regelmäßig zumindest in bestimmten Arbeitszusammenhängen nutzen, bislang nicht begegnet sind.

Und deshalb jetzt meine Fragen:

  • Wer meiner geschätzten Leserinnen und Leser arbeitet wirklich regelmäßig in eigenen Arbeitsprozessen mit Mind-Maps? Regelmäßig meint hier nicht, dass die Methode regelmäßig (im Unterricht) vorgestellt und in einem gewissen Rahmen eingeführt wird, sondern, dass jemand wirklich selbst mit dieser Methode arbeitet.
  • Gibt es Leute, die, anders als ich, die Arbeit mit Mind-Maps als effektiv, in einer angemessenen Kosten-Nutzen-Relation stehend erleben?
  • Ist jemand Schülerinnen und Schülern begegnet, die diese Methode wirklich benutzen, regelmäßig benutzen!, und dabei erleben, dass die Versprechen zutreffen, die mit der Mind-Map verbundern werden?

Oder ist die Mind-Map vielleicht doch ein Methoden-Mythos? Handelt es sich um eine Methode, die ihren Charme in ihrer vermeintlichen Einfachheit hat, diesen aber bei einer wirklichen Beschäftigung mit der Methode nicht einzulösen vermag?

Ich bin gespannt, wie andere das sehen.