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	<title>herrlarbig.de &#187; erinnern</title>
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		<title>Vergiss alles – oder: Vom literarischen Schreiben</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 21:34:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der hier ver&#246;ffentlichte Text ist bereits im Jahr 2001 entstanden – und ist mir vor einiger Zeit bei einer Suchabfrage auf meinem Computer wieder begegnet. Sch&#246;n, was sich alles &#252;ber die Jahre erh&#228;lt, wenn nur flei&#223;ig und regelm&#228;&#223;ig Daten gesichert &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/09/vergiss-alles-oder-vom-literarischen-schreiben/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der hier ver&#246;ffentlichte Text ist bereits im Jahr 2001 entstanden – und ist mir vor einiger Zeit bei einer Suchabfrage auf meinem Computer wieder begegnet. Sch&#246;n, was sich alles &#252;ber die Jahre erh&#228;lt, wenn nur flei&#223;ig und regelm&#228;&#223;ig Daten gesichert werden. </em></p>

<p><em>Ich habe den Text leicht &#252;berarbeitet, aber in seinen Grundz&#252;gen unver&#228;ndert gelassen. Auch wenn sich meine Einstellung gegen&#252;ber der Handschrift seit 2001 deutlich ge&#228;ndert hat: Nach wie vor gefallen mir die Gedanken, die hier in einen kurzen Prosatext Einzug gefunden haben. – Da ich gegenw&#228;rtig selbst auch in der Rolle des »Trainers« in Sachen </em><em>»Kreatives Schreiben« unterwegs bin, habe ich mich entschlossen, diesen Text nun auch im Rahmen meines Blogs verf&#252;gbar zu machen. Das Urheberrecht des Textes liegt, wie bei allen Texten hier, so nicht anders gekennzeichnet, bei Torsten Larbig.
</em></p>

<hr />

<p>»Vergessen sie alles, damit sie sich endlich erinnern k&#246;nnen.«</p>

<p><span>So hatte Elise mit mir gesprochen. Da stand sie vor mir, mitten im Wald. Um uns nur die kahlen B&#228;ume, auf dem Boden lagen noch die braunen Bl&#228;tter, raschelten, knisterten unter unseren F&#252;&#223;en. Und vor uns dieser kurze Wegabschnitt, der von Nadelb&#228;umen ges&#228;umt war, zwischen denen der Weg ins Dunkel hineinf&#252;hrte. </span></p>

<p><span>In dem Schweigen um uns her, verstand ich nicht, was sie mir sagen wollte. Und sie bemerkte dies sofort – es war, als k&#246;nne man vor Elise keine Geheimnisse haben. </span></p>

<p><span>»Sie k&#246;nnen es vielleicht noch nicht verstehen, weil sie noch nie wirklich versucht haben einen Text zu schreiben. – Werfen sie den alten Kugelschreiber in den M&#252;ll, besorgen sie sich  einen tragbaren Computer, lernen sie, blind zu schreiben, schlie&#223;en sie dann ihre Augen und schreiben sie ihre Bilder auf. Glauben sie mir, es wird alles anders werden f&#252;r sie. Wenn sie sich dann aber zu sehr erinnern, dann kommt nichts brauchbares dabei heraus.« </span></p>

<p><span>Ich war dabei, ihr ins Wort zu fallen, ihr mit einer Verteidigungsrede f&#252;r die Handschrift den Wind aus den Segeln zu nehme, aber sie fuhr einfach fort. </span></p>

<p><span>»Was soll das Klammern an altem, wenn es f&#252;r unsere Zwecke bessere Hilfsmittel gibt. Sven, sie sind so jung und schon so konservativ. H&#246;ren sie mir einfach weiter zu. Ich will ja nicht, dass sie die Intensit&#228;t aus dem Schreiben heraus nehmen. Ich will, dass ihre Texte endlich intensiv werden. Also: Setzen sie sich blind an den Computer und schreiben sie die Bilder, die sie sehen. Versetzen sie sich in Landschaften, die sie gesehen haben. Aber bleiben sie nicht zu sehr bei der Wahrheit. F&#252;gen sie hinzu, was sie sehen, machen sie es wie beim Tr&#228;umen. Da sehen sie auch bekannte R&#228;ume, aber ist ihnen schon mal aufgefallen, dass die immer irgendwie anders sind, als sie sie aus der Realit&#228;t kennen? So m&#252;ssen sie schreiben. Stellen sie sich Menschen so wirklich wie nur irgend m&#246;glich vor. Und vergessen sie nie, dass sie eine Geschichte schreiben und nicht etwa Tagebuch. Obwohl…«, sie z&#246;gerte, »ein wenig hat es schon von Tagebuch schreiben – und ist doch ganz anders. Aber ich will ihr Unwohlsein gegen&#252;ber dem Vergessen noch ein wenig st&#228;rker machen.« </span></p>

<p><span>Da kam dieses Gef&#252;hl wieder hoch, diese Unsicherheit, als ob da ein Mensch anhebt, etwas f&#252;r mich ganz wichtiges zu sagen, das ich eigentlich gar nicht h&#246;ren wollte. Aber sie lie&#223; sich nicht beirren. </span></p>

<p><span>»Ich wei&#223;, sie arbeiten seit Jahren am Thema ›Ged&#228;chtnis‹. Darum geht es hier auch gar nicht – zumindest nicht so, wie sie sich das denken. Ich meine nur: Verwechseln sie ›Erinnerung‹ nicht mit Faktenwissen. Sie m&#252;ssen keinen Lexikonbeitrag schreiben, was sie da planen ist ein Roman!« </span></p>

<p><span>Mein Blick fiel auf das Moos an den B&#228;umen. Immer an einer Seite der St&#228;mme hatte sich eine dicke Moosschicht gebildet. <em>Da kommt wohl der Regen am h&#228;ufigsten her</em> dachte ich, als ich pl&#246;tzlich aufschreckte und merkte, dass Elise stehen geblieben war und mich anschaute. </span></p>

<p><span>Ich f&#252;hlte mich bei einer Unaufmerksamkeit ertappt. Aber das schien sie gar nicht zu st&#246;ren. Unbeirrt fuhr sie fort. »Vergessen sie endlich all ihr angelerntes Wissen und schreiben sie einen Roman. Oder ist ihnen noch nie aufgefallen, wie gef&#252;hllos ihre Texte sind. Sie beschrieben wunderbar, aber in einer Art, die f&#252;r einen Reisef&#252;hrer besser geeignet ist als f&#252;r einen Roman. Vergessen sie alles und erinnern sie sich – mit ihren Sinnen. Erz&#228;hlen sie, wie sie es in M&#228;rchen finden. Schreiben sie Texte, die weniger eine Realit&#228;t behaupten als vielmehr Texte, die die M&#246;glichkeit einer Realit&#228;t darstellen.« </span></p>

<p><span>So hatte ich mir ein Schreibseminar eigentlich nicht vorgestellt. Ich hatte mich darauf gefreut, endlich an meiner Technik weiter feilen zu k&#246;nnen – und nun kommt diese Elise daher und will mir etwas von ›Sinnen‹ und von ›M&#228;rchen‹ erz&#228;hlen. </span></p>

<p><span>»Wissen sie Sven, ich w&#252;nschte mir, endlich mal einen Roman zu lesen, der nur von Nebens&#228;chlichkeiten handelt. Verstehen sie mich richtig, von Neben-S&#228;chlichkeiten! H&#246;ren sie auf, Sachen zu schreiben. Das will doch keiner Lesen, der nicht allzu masochistisch in seinem Umgang mit Literatur ist. Schreiben sie Bilder der Gef&#252;hle, die mit den Sachen verbunden sind. Erinnern sie sich weniger an die Fakten als an die Gef&#252;hle, die in den Situationen, die sie schreiben, mit den Sachen verbunden sind. Oder wollen sie zum x-ten Male den Satz verwenden, mit dem in schlechten Filmen der eine zur anderen sagt, dass er sie liebt? Setzen sie der Flut von W&#246;rtern Bilder entgegen. Versinken sie – wie ein Maler in sein Bild –  in ihren Text. Setzen sie da einen Pinselstrich an, nehmen sie da die eine Farbe, und dort eine andere. Bringen sie Schatten und Perspektive in ihren Text und machen sie nichts langweiliges mehr. Schreiben sie keine Texte, die sie langweilen, sondern nur solche, die sie selber gerne lesen m&#246;chten. Sind das etwa Texte, in denen ein wunderbar nachrecherchiertes Faktum neben dem andern steht? Sieht so das Leben aus, das sie Tag f&#252;r Tag erleben? Nein Sven, ihr Leben setzt sich vor allem aus Gef&#252;hlen zusammen. Und erst wenn sie diese in einen Text bringen, beginnt er zu leben.« </span></p>

<p><span>Und damit verfiel sie f&#252;r den Rest unseres Spaziergang ins Schweigen. Eigentlich war das gerade die Stunde meiner Einzelkritik bei Elise. Und sie war die erste, die sie nicht nutzte, um meine Arbeitsproben Wort f&#252;r Wort auseinander zu nehmen, jedes Detail nach seinem Platz im Text zu befragen. Als ich in ihr Zimmer kam, legte sie ein Buch zur Seite, nahm ihren Mantel und sagte nur, dass ich auch meinen Mantel holen solle und sie mich in f&#252;nf Minuten am Eingang des Tagungshauses erwarte. Irritiert, doch ohne Widerworte, ging ich also in mein Zimmer zur&#252;ck, zog meine Jacke und die Turnschuhe an, die ich eigentlich immer trug, wenn ich drau&#223;en unterwegs war und ging zum Eingang, wo sie tats&#228;chlich schon auf mich wartete. »Kommen sie«, war alles, was sie da sagte und dann hielt sie mir diesen Vortrag &#252;ber das Schreiben und das Vergessen und das Erinnern mit den Sinnen. Und jetzt, nach kaum der H&#228;lfte der vereinbarten Zeit f&#252;r die Einzelkritik verfiel sie einfach so ins Schweigen. </span></p>

<p><span>Sie ging jetzt auch schneller, viel schneller, als ich es von einer so alten Frau erwartet h&#228;tte. Die musste doch mindestens schon siebzig sein. </span></p>

<p><span>Das Knistern, der durch unsere Fu&#223;tritte zerbrechenden Bl&#228;tter drang mit einer ungewohnten Lautst&#228;rke in meine Ohren, der Magen hatte sich an seine Gef&#252;hle erinnert, die immer dann hochkamen, wenn ich mich von einem Lehrer ertappt f&#252;hlte oder wenn ich mit einer schlechten Klassenarbeit nach Hause gehen musste. </span></p>

<p><span>In leichten Serpentinen f&#252;hrte der Weg wieder hinunter ins Tal. Ich war den Weg in den vergangenen f&#252;nf Tagen schon ein paar Mal gegangen, aber diese Intensit&#228;t versp&#252;rte ich noch nie. Wir hatten gerade wieder eine Kurve hinter uns gelassen, da tauchten vor uns die Wiesen auf, die sich direkt an den Wald anschlossen. Zwei Pferde liefen da und auf einer anderen Weide grasten Schafe neben einem alten, morsch wirkenden Holzstall. Dazwischen schl&#228;ngelte sich der flache, aber mit viel Wasser sehr laute Bach, der dem Tal den Namen gegeben hatte. Wutachtal. Aber &#252;ber diesen Namen hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die waren jetzt eher beim letzten St&#252;ck des Weges, der &#252;ber eine anstrengende Steigung zur&#252;ck in das Tagungshaus f&#252;hrte, das in einem alten Kloster untergebracht war. Ob Elise dieses St&#252;ck schaffen w&#252;rde oder ob da ihr Alter endlich mal zum Vorschein k&#228;me. Als ob ich es nicht ertragen konnte, dass eine solche Frau mir etwas sagte, das ich sofort verstand und das mir dennoch Angst macht. Aber ohne ihre Schrittfrequenz zu verlangsamen sorgte sie nur daf&#252;r, dass <em>ich</em> au&#223;er Atem war, als wir das Tor in den Innenhof des Hauses durchquerten. Bislang hatte ich immer nur R&#252;ckmeldungen zur Technik meiner Texte bekommen. Dieses Mal stand ich da und wu&#223;te, dass es nicht mit ein paar Korrekturen handwerklicher Art getan war. Elise schien mich zwingen zu wollen, mit meinem Schreiben endlich anzufangen…</span></p>

<p style="text-align: right;"><span>© by Torsten Larbig 2001–2010
</span></p>

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		<title>Schm&#246;ker-Schnipsel: Vom Auswendiglernen</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 21:42:20 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwo in Frankfurt h&#228;ngen sie noch, jene Aufkleber, die zum letzten „Bildungsstreik“ in Frankfurt aufriefen. Dort steht: „Heute schon auswendig gelernt?“ Damit soll nat&#252;rlich gesagt werden, dass Bildung, die in Auswendiglernen bestehe, keine gute Bildung sein k&#246;nne. Und entsprechend m&#252;ssten wir die gebildetsten Jugendlichen seit Menschengedenken auf ihren Lebensweg lassen.</p>

<p>Und dann kommt Daniel Pennac und schreibt in „<a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/937916/" target="_blank">Schulkummer</a>“</p>

<blockquote>„Beim Auswendiglernen ersetze ich nichts, sondern f&#252;ge allem etwas hinzu.“</blockquote>

<p>Pennac singt ein Loblied des (richtigen) Auswendiglernens von Texten – und eben nicht nur oder vor allem Gedichten! Da stehen kurze Sentenzen von Woody Allen ebenso auf dem Programm, wie philosophische Texte. Jede Woche lernen seine Sch&#252;ler einen Text – und alle m&#252;ssen sie an jedem Tag vortragen k&#246;nnen. Und der Vortrag wird nat&#252;rlich benotet.</p>

<p>Ich geh&#246;re schon zu einer der Generationen, die im Deutschunterricht auf Kurzzeitged&#228;chtnis getrimmt wurden: Wir lernten in der Grundschule das letzte Gedicht auswendig. Dass wir so etwas im Gymnasium gemacht h&#228;tten, kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Und im Studium verlangte das sowieso keiner.</p>

<p>Wenn ich es wie Pennac machen w&#252;rde – was k&#228;me dabei heraus? Am Anfang vielleicht Protest. Anschlie&#223;end gelangweilte Ergebenheit. Es k&#228;me erst einmal nichts dabei heraus, das nicht ein extrem hohes Durchhalteverm&#246;gen erfordete.</p>

<p>Wann haben Sch&#252;ler denn auch Zeit zum Lernen? Nach mittlerweile bis 18 Uhr reichende Schultage in Deutschland – und das schlie&#223;t nicht aus, dass man dennoch schon zur ersten Stunde anwesend sein musste, um dann durch den Unterricht und vor allem die Freistunden zu kommen. Vielleicht bleibt noch Zeit f&#252;r einen Verein, ein Instrument – aber Hausaufgaben… Ich kann gut nachvollziehen, dass daf&#252;r oft keine Zeit bleibt oder aber die Zeit, in der sie gemacht werden, verlorene Zeit ist, da von der verf&#252;gbaren Konzentration da oft nichts mehr &#252;brig bleibt. Und dann auch noch was auswendig lernen?</p>

<p>Pennac beschreibt solche Reaktionen selbst. Er beschreibt aber auch, wie viel ist davon gesch&#246;nt oder ist er wirklich so motivierend?, dass sich die Haltung der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zum Auswendiglernen im Laufe der Zeit ver&#228;nderte und sie sogar mit den gelernten Texten spielten, die ihnen wohl in Fleisch und Blut &#252;bergangen sein m&#252;ssen.</p>

<p>Jede Woche einen Text auswendig lernen? Das klingt extrem mechanisch.</p>

<p>Warum aber bedauere ich es dann, dass ich nicht selbst in einer solchen Kultur aufgewachsen bin, in der ich lernte, mir Sprache inwendig zu machen, Gedanken anderer so mir selbst zu eigen zu machen, dass ich sie nicht nur als schemenhafte Erinnerung, sondern w&#246;rtlich zur Verf&#252;gung habe?</p>

<p>Zugegeben: An Gedichten habe ich mich immer wieder probiert. Aber an „normalen“ Texten? Gedichte liegen ein paar in meinem Gehirn, doch selbst das Studium hat mich nicht mit den Texten und ihrer Sprache als solchen in Ber&#252;hrung gebracht, sondern immer nur mit dem Erfassen der Gedanken, die sprachlich &#252;bermittelt werden. Und selbst ein Professor, der hunderte Texte auswendig konnte, hat dies von uns nie eingefordert, sondern sprach immer nur &#252;ber die Texte. Welche Sch&#246;nheiten der Sprache wurden so von uns zerpfl&#252;ckt!</p>

<p>Nun: Eine Voraussetzung m&#252;ssen Texte allerdings haben, die auswendig gelernt werden sollen: Es geht nicht um das Auswendiglernen als solches, es m&#252;ssen relvante Texte sein. Ein relevanter Text(ausschnitt) pro Woche, mehr muss es gar nicht sein. Keine sinnlosen Gedichte, keine zweitrangigen Texte oder solche, die didaktisch aufbereitet pr&#228;sentiert werden. Einfach nur Texte, die vom Papier in das Gehirn bef&#246;rdert werden und k&#246;rperlich als Wissen verf&#252;gbar werden. – Mehr muss es gar nicht sein. Aber weniger war es viel zu lang.</p>

<p>Ich schaue bei solchen &#220;berlegungen gerne auf Sportler. Es ist doch &#252;berraschend, wie viel auch Jugendliche im Sportbereich zu tun bereit sind. St&#228;ndig werden gleiche Bewegungsabl&#228;ufe trainiert, st&#228;ndig bringen sie sich an die Grenze ihrer Leistungsf&#228;higkeit, st&#228;ndig sind sie im Wettbewerb. Doch viele von ihnen sind nicht bereit, st&#228;ndig die gleichen S&#228;tze zu trainieren, st&#228;ndig vor neuen sprachlichen Herausforderungen zu stehen und dabei auch st&#228;ndig im Wettbewerb zu stehen.</p>

<p>Und so lautet mein Schm&#246;ker-Schnipsel heute dann auch:</p>

<blockquote>„Beim Auswendiglernen ersetze ich nichts, sondern f&#252;ge allem etwas hinzu.“</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Wie fossiles Harz: Das Wort des Jahres</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Dec 2008 20:49:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als »›verbale Leitfossilien‹ eines Jahres« bezeichnet die Gesellschaft f&#252;r deutsche Sprache in Wiesbaden das von ihr seit 1972 ausgew&#228;hlte »Wort des Jahres«. Ein Wort, das etwas von der Atmosph&#228;re und den zentralen Themen eines Jahres in sich birgt, wie Bernstein, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/12/11/wie-fossiles-harz-das-wort-des-jahres/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als »›verbale Leitfossilien‹ eines Jahres« bezeichnet die <a href="http://www.gfds.de" target="_blank">Gesellschaft f&#252;r deutsche Sprache</a> in Wiesbaden das von ihr seit 1972 ausgew&#228;hlte »Wort des Jahres«. Ein Wort, das etwas von der Atmosph&#228;re und den zentralen Themen eines Jahres in sich birgt, wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernstein" target="_blank">Bernstein</a>, der ein Insekt umschlossen und konserviert hat.</p>

<p>W&#246;rter, die wie fossiles Harz das Lebensgef&#252;hl eines Jahres in sich tragen. – Mir gef&#228;llt dieses Bild, weil die <a href="http://www.gfds.de/index.php?id=11" target="_blank">Liste, der W&#246;rter eines Jahres</a>, die seit 1971, regelm&#228;&#223;ig seit 1977, zwischen sechs und zehn W&#246;rter pro Jahr versammelt, mir tats&#228;chlich Bilder und Gef&#252;hle aus diesen Zeiten wieder lebendig und erinnerbar werden l&#228;sst.<span id="more-679"></span></p>

<p>So stehen bereits <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1971" target="_blank">1971</a> die W&#246;rter »Umweltschutz« und »Umweltverschmutzung« auf der ersten Liste mit den W&#246;rtern des Jahres, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1977" target="_blank">1977</a> wird der »<a href="http://www.de.wikipedia.org/wiki/Gro&#223;er_Lauschangriff" target="_blank">Lauschangriff</a>« genannt, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1978" target="_blank">1978</a> taucht »die <a href="http://www.de.wikipedia.org/wiki/Die_Schl&#252;mpfe" target="_blank">Schl&#252;mpfe</a>« auf und weckt das Bild von »<a href="http://www.vaterabraham.de/" target="_blank">Vater Abraham</a>« bei der <a href="http://video.google.de/videosearch?q=ZDF-Hitparade&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;um=1&amp;sa=X&amp;oi=video_result_group&amp;resnum=4&amp;ct=title#q=ZDF-Hitparade&amp;emb=0" target="_blank">ZDF-Hitparade</a>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1980" target="_blank">1980</a> ist das Wort des Jahres »<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg06-040.html" target="_blank">Rasterfahndung</a>«, ein nahezu mickrig anmutendes Verfahren gegen&#252;ber der heute vor dem <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/" target="_blank">Bundesverfassungsgericht</a> verhandelten »<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20080311_1bvr025608.html" target="_blank">Vorratsdatenspeicherung</a>«.</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1982">1982</a> wurde sowohl von der »<a href="http://www.de.wikipedia.org/wiki/Ellenbogengesellschaft" target="_blank">Ellenbogengesellschaft</a>« gesprochen, wie auch von der »<a href="http://www.ichwillspass.de/index2.htm" target="_blank">Neuen deutschen Welle</a>« und es gab damals eine »<a href="http://www.bundestag.de/geschichte/parlhist/streifzug/g1980/g1980_1.html" target="_blank">Wende</a>«. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1983" target="_blank">1983</a>, ich erinnere mich noch gut an die st&#228;ndigen Nachrichten vom sauren Regen, steht dann »Waldsterben« auf Platz 4, ein Wort, mit heute kaum noch ein Jugendlicher etwas anfangen k&#246;nnen d&#252;rfte.</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1985" target="_blank">1985</a> wurde das Wort »High-Tech« prominent, das Wort <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Glykolwein-Skandal" target="_blank">Glykol</a> erinnert an eine Weinskandal enormen Ausma&#223;es, <a href="http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-4548/125_read-2211/" target="_blank">D1</a> steht damals noch f&#252;r eine Weltraummission, und zum ersten Mal steht Aids auf der Liste!</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1986" target="_blank">1986</a> war es nicht schwer zu erraten, welches Wort zum Wort des Jahres werden w&#252;rde: »<a href="http://video.google.de/videosearch?q=Tschernobyl&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;um=1&amp;sa=X&amp;oi=video_result_group&amp;resnum=4&amp;ct=title#" target="_blank">Tschernobyl</a>«. Ein gruseliges Jahr, das da am 26. April 1986 begann: Man trank keine Milch mehr, Sandgruben waren verstrahlt, so dass wir uns im Sportunterricht weigerten, Weitsprung zu machen.</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1987" target="_blank">1987</a> taucht zum ersten Mal ein Wort zum zweiten Mal in der Liste auf, dieses Mal auf Platz 1: Aids (zusammen mit Kondom). Langsam zeichnete sich das Ausma&#223; der Verbreitung der HI-Viren ab und ein Wort, das bis dahin kaum jemand auszusprechen vermochte, ohne Rot zu werden, wird durch gezielte Werbung gesellschaftsf&#228;hig gemacht.</p>

<p>Gesellschaftsf&#228;hig wurde damals auch der erste Schritt zur Lockerung des Ladenschlusses: Es wurde der »<a href="http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/geschichte/zeitgeschehen/index,page=1083786.html" target="_blank">Dienstleistungsabend</a>« eingef&#252;hrt, an dem Gesch&#228;fte bis 20 Uhr &#246;ffnen durften. Und dazwischen stehen die W&#246;rter »Molkepulver«, es handelte sich um verstrahltes Molkepulver in Folge von Tschernobyl, und »<a href="http://www.de.wikipedia.org/wiki/Ozonloch " target="_blank">Ozonloch</a>« (sic!) – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/2007" target="_blank">2007</a> hatte sich dieses Wort bereits zur »<a href="http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/klima1.htm" target="_blank">Klimakatastrophe</a>« gewandelt und wurde Wort des Jahres.</p>

<p>Und so geht es weiter: &#220;ber den Zusammenbruch der DDR und der sozialistischen Staatsform im Osten Europas, den ersten Irakkrieg <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1991" target="_blank">1991</a> (»Kein Blut f&#252;r &#214;l«) und dem Aufweichen des Tabus von Auslandseins&#228;tzen der Bundeswehr (»Blauhelmeinsatz«) – im gleichen Jahr stehen aber auch die Worte »Fremdenhass« und »Rassismus« auf der Liste –, &#252;ber »Multimedia« (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1995" target="_blank">1995</a> – Netscape bringt den Webbrowser auf den Markt) und »Bildungsmisere« (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1997" target="_blank">1997</a> – Pisa-Schock folgt dann <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/2002" target="_blank">2002</a>) bis hin zu »Viagra«, dass 11 Jahre nach »Aids« auf der Liste auftaucht.</p>

<p>»SMS« taucht <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/http://de.wikipedia.org/wiki/2000" target="_blank">2000</a> auf, aber auch »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re" target="_blank">Schwarzgeldaff&#228;re</a>« und dem damit zusammenh&#228;ngenden »brutalstm&#246;glich«.</p>

<p>Wir kommen immer n&#228;her an die Gegenwart und die Bilder werden sch&#228;rfer, teilweise ein leises Erschrecken, dass bestimmte Ereignisse schon so lange her sind. Und so kommt dann das Jahr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/2001" target="_blank">2001</a>, nach 1986 mit Tschernobyl wohl das schrecklichste Jahr, das ich bislang in Bezug auf die <a href="http://www.wer-weiss-was.de/theme143/article2066430.html" target="_blank">Zeitl&#228;ufte</a> bislang erlebt habe: »der 11. September« wird Wort des Jahres.</p>

<p>Von da an stehen mir die Jahre so klar vor Augen, dass ich nicht mehr gro&#223; &#252;berlegen muss, welche Erfahrungen sich in den einzelnen W&#246;rtern festgehalten worden sind. – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/2008" target="_blank">2008</a> wurde nun also die »Finanzkrise« zum Wort des Jahres gew&#228;hlt, der »Datenklau« liegt auf Platz 3 und pl&#246;tzlich ist von einem »Bildungsfr&#252;hling« die Rede (Platz 9) gefolgt von »Yes, we can« (Platz 10)</p>

<p>W&#246;rter, die zu Erinnerungsworten werden, die in k&#252;rzester Form Ereignisse, Gef&#252;hlslagen und die ganze Welt betreffende Ereignisse in sich tragen, die wie Bernstein Insekten die in den Jahren umherschwirrenden Themen auf den Punkt bringen – das ist in den vergangenen 37 Jahren aus dem Wort des Jahres geworden.</p>

<p>Neben dem R&#252;ckblick, zu dem diese W&#246;rter einladen, fasziniert mich, wie einzelne W&#246;rter ganze Erinnerungsgeb&#228;ude beinhalten k&#246;nnen, als Ausgangspunkte ausf&#252;hrlicher Erz&#228;hlstr&#246;me dienen k&#246;nnen, zumindest, wenn sie mit intensiven Gef&#252;hlen verbunden werden bzw. durch ihre Pr&#228;senz tiefe Spuren im Ged&#228;chtnis hinterlassen haben, die alleine durch das Lesen der W&#246;rter wieder aktiviert werden.</p>

<p>Und so bin ich &#252;ber das Wort des Jahres pl&#246;tzlich beim Lernen. – Ohne gro&#223;e Anstrengung kann ich aus den meisten dieser W&#246;rter gr&#246;&#223;ere Sinnzusammenh&#228;nge reproduzieren. Die W&#246;rter des Jahres – und das macht f&#252;r mich ihren Wert aus – sind f&#252;r mich eine Art Leitfaden, an dem entlang ich gro&#223;e Teile der j&#252;ngsten Zeitgeschichte rekonstruieren kann. Und f&#252;r solche komplexen Zusammenh&#228;nge reichen diese paar W&#246;rter aus!</p>

<p>Vielleicht mag ich deshalb Wortsammlungen so sehr, wie sie in Mindmaps oder mit Hilfe anderer Methoden zur Vernetzung von Begriffen eingesetzt werden. Vielleicht mag ich deshalb die nicht hierarchisch aufgebauten Wissenverkn&#252;pfungen, wie sie digitale Technologien &#252;ber Kategorisierung und Verschlagwortung (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tag_(Informatik)" target="_blank">Tags</a>) erm&#246;glichen.</p>

<p>Worte sind neben Bildern f&#252;r die Erinnerung des Menschen (und sich erinnern ist nichts anderes, als sich etwas Gelerntes vergegenw&#228;rtigen zu k&#246;nnen – mit dem Einschlag der subjektiven Wahrnehmung) von zentraler Bedeutung. Die verantwortete und qualifizierte Erstellung von Wortlisten, wie sie von der Gesellschaft f&#252;r deutsche Sprache geleistet wird, ist ein wichtiger Beitrag f&#252;r die konkreten Erinnerungen und die grunds&#228;tzliche Erinnerungsf&#228;higkeit – nicht nur des Einzelnen, sondern einer ganzen Gesellschaft.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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