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	<title>herrlarbig.de &#187; Erlösung</title>
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		<title>Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Das zerbrochene Ringlein (In einem k&#252;hlen Grunde)</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 22:18:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Das zerbrochene Ringlein (In einem k&#252;hlen Grunde) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.Beruht auf einem Inhalt unter herrlarbig.de.&#220;ber diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse k&#246;nnen Sie unter http://herrlarbig.de/kontakt erhalten. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/08/26/gedichtinterpretation-joseph-von-eichendorff-das-zerbrochene-ringlein-in-einem-kuehlen-grunde/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Das zerbrochene Ringlein (In einem k&#252;hlen Grunde)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.<br />Beruht auf einem Inhalt unter <a xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://herrlarbig.de/2010/08/26/gedichtinterpretation-joseph-von-eichendorff-das-zerbrochene-ringlein-in-einem-kuehlen-grunde/" rel="dct:source">herrlarbig.de</a>.<br />&#220;ber diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse k&#246;nnen Sie unter <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/kontakt " rel="cc:morePermissions">http://herrlarbig.de/kontakt </a> erhalten.</em></p>

<p>Joseph von Eichendorff (1788–1857)<br />
<strong> Das zerbrochene Ringlein</strong></p>

<p>In einem k&#252;hlen Grunde<br />
Da geht ein M&#252;hlenrad,<br />
Mein&#8217; Liebste ist verschwunden,<br />
Die dort gewohnet hat.<br /></p>

<p>Sie hat mir Treu versprochen,<br />
Gab mir ein&#8217;n Ring dabei.<br />
Sie hat die Treu&#8217; gebrochen,<br />
Mein Ringlein sprang entzwei.<br /></p>

<p>Ich m&#246;cht&#8217; als Spielmann reisen<br />
Weit in die Welt hinaus,<br />
Und singen meine Weisen,<br />
Und gehn von Haus zu Haus.<br /></p>

<p>Ich m&#246;cht&#8217; als Reiter fliegen<br />
Wohl in die blut&#8217;ge Schlacht,<br />
Um stille Feuer liegen<br />
Im Feld bei dunkler Nacht.<br /></p>

<p>H&#246;r ich das M&#252;hlrad gehen:<br />
Ich wei&#223; nicht, was ich will -<br />
Ich m&#246;cht am liebsten sterben,<br />
Da w&#228;r&#8217;s auf einmal still!</p></p>

<p>Ein M&#252;hlrad rauscht gleichm&#228;&#223;ig, angetrieben von einem fortlaufend flie&#223;endem Bach. (V2) So beginnt Joseph von Eichendorffs Gedicht „Das zerbrochene Ringlein“ und es scheint fast, als habe Eichendorff dieses Bild eines M&#252;hlrades als formalen Rahmen des Gedichtes gesetzt: Gleichm&#228;&#223;ig str&#246;men die dreihebigen Jamben durch die 20 Verse, die in Vierergruppen auf f&#252;nf Strophen aufgeteilt sind, gleichm&#228;&#223;ig wird der Kreuzreim verwendet. Doch bereits in der ersten Strophe bricht sich der Reim der Verse 2 und 4, erklingt ein unreines Reimpaar, wenn auf „M&#252;hlenrad“ „hat“ reimt. – Das gleichm&#228;&#223;ige Drehen des M&#252;hlenrades, der, im Gedicht freilich nicht genannte, aber wohl mitzudenkende, gleichm&#228;&#223;ige Fluss des Bachs, werden als etwas „Gebrochenes“ zur Sprache gebracht, denn dieser Anblick ist f&#252;r das lyrische Ich mit der Erinnerung an „mein Liebste“ (V3) verbunden, von der er sich verraten f&#252;hlt, denn „Sie hat die Treu gebrochen” (V7).</p>

<p>Nun blickt das lyrische Ich auf den Ort, an dem die Geliebte einst wohnte, erinnert sich des Treuebruchs und der Ring, der in seiner geschlossenen, kreisf&#246;rmigen Gestalt ein Symbol f&#252;r das Unzerbrochene, das Vollkommene, das Ewige ist, „sprang entzwei“ (V8).</p>

<p>Was tun in ein solcher Situation? Das lyrische Ich &#252;berlegt: Will er ein Spielmann sein, der durch die Lande reist (V9)? Oder vielleicht ein Reiter, der sich in das Get&#252;mmel der Schlacht st&#252;rzt? Auch wenn die &#220;berlegungen in den Strophen 3 und 4 mit einem Punkt enden, so sind es doch auch Fragen, ob einer dieser Wege, die in die Ferne f&#252;hren, weg von den Orten, an denen der Anblick der M&#252;hle die schmerzliche Erinnerung immer wach h&#228;lt, dem Leid des lyrischen Ichs ein Ende setzen kann.</p>

<p>Die letzte Strophe, in der das lyrische Ich den Klang des M&#252;hlrads als Ausl&#246;ser der Gedanken, die in dem Gedicht ge&#228;u&#223;ert werden, wieder aufgreift, gibt Antwort: Das lyrische Ich ist zu einer Antwort auf die Frage nicht f&#228;hig, erkennt vielleicht, dass auch die Flucht die Erinnerung nicht tilgen wird. Und so bekommt das M&#252;hlenrad aus V2 in Strophe 5 eine symbolische Bedeutung. Es steht f&#252;r die st&#228;ndig sich aufdr&#228;ngende Erinnerung, f&#252;r die melancholisch gepr&#228;gte Entscheidungsunf&#228;higkeit, die mit dieser Erinnerung verbunden ist, f&#252;r das gleichm&#228;&#223;ig das ganze lyrische Ich durchdringende und bestimmende Leiden an der zerbrochenen Liebe, f&#252;r den Teufelskreis, in den dieses Leiden das lyrische Ich gezogen hat. Das M&#252;hlrad wird zum Rad, auf das das lyrische Ich aufgespannt ist, wie es die Opfer mittelalterliche Justiz waren, die ger&#228;dert wurden. Das lyrische Ich f&#252;hlt sich „wie ger&#228;dert“. Wir kennen diesen Ausspruch bis heute, der bisweilen genutzt wird, wenn Menschen sich m&#252;de, aller Energie beraubt oder depressiv f&#252;hlen. – Das ist gro&#223;e Kunst: Nicht zu sagen, dass man sich ger&#228;dert f&#252;hlt, sondern einen scheinbar konkreten Gegenstand zu nehmen, der unter der Hand mit ambivalenten, letztlich nicht v&#246;llig aufl&#246;senbaren Bedeutungen verbunden wird.</p>

<p>Ja, das lyrische Ich muss sich eingestehen, dass es nicht wei&#223;, was es angesichts des L&#228;rms, den das M&#252;hlrad erzeugt – wohl mehr innerlich, als Ankerpunkt der Erinnerung – eigentlich will. Und so greift es zur finalen Phantasie des Sterben-Wollens, denn dann „w&#228;r’s auf einmal still!“ (V20). Ein Ausrufezeichen, gepaart mit dem Wort „still“ (V20) beschlie&#223;en das Gedicht und bringen die Sehnsucht des lyrischen Ichs auf den Punkt, die ein wenig vereinfacht mit einem „Ich will endlich meine Ruhe haben“ zusammengefasst werden kann. „Still!“, ihr Gedanken, Erinnerungen, Gef&#252;hle, Seelenschmerzen, schweigt endlich. „Still!“</p>

<p>Dieses „Still!“ ist aber auch ein Appell an die eigenen Gedanken, an die eigenen Fluchtw&#252;nsche, die in den Strophen 3 und 4 zum Ausdruck kommen. In Strophe 3 ist es die Flucht in die Heimatlosigkeit des Spielmanns, der, berufsbedingt, kaum in die Lage kommen wird, sich weiteren tiefen menschlichen Beziehungen stellen zu m&#252;ssen, nach dem er einmal so verletzt wurde, wie das lyrische Ich des Gedichts.</p>

<p>Und auch das Soldatenleben, wie es in Strophe 4 imaginiert wird, ist ein unruhiges, unstetes Leben. Todesgefahr begleitet dieses Leben. Hier taucht der Todeswunsch schon indirekt auf, der dann in Strophe 5 direkt ausgesprochen wird.</p>

<p>Das Vergessen wird so nicht erreicht. Das lyrische Ich sehnt sich letztlich nach Erl&#246;sung. F&#252;r diese Erl&#246;sung steht das „still!“ als letztes Wort des Gedichts.</p>

<p>Eichendorffs „Das zerbrochene Ringlein“ ist Ausdruck der hohen Kunst der Lyrik: Inhalt und Form sind ineinander verwoben, spiegeln sprachm&#228;chtig und doch in einfachen Worten eine ganze Seelenlage in 20 kurzen Versen wider, die auch einen heutigen Leser in sich hinein ziehen k&#246;nnen.</p>

<p>Das so einfach wirkende Gedicht ist komplex. Und auch die gerade noch unterstellten „einfachen Worte“ wirken nur einfach, denn zumindest im ersten Vers taucht mit der Formulierung „In einem k&#252;hlen Grunde“ gehobene Sprache auf. Gemeint ist ein k&#252;hles Tal, in der die M&#252;hle steht. Und selbst dieses Bild, das „k&#252;hl“ und „Grunde“ kombiniert, kann, so sehr es als Ortsbeschreibung daher kommt, bereits als Zusammenfassung der Gef&#252;hle des lyrischen Ichs betrachtet werden. Vom „k&#252;hlen Grunde“ ist es nicht weit zur inneren K&#252;hle, die jemand versp&#252;rt, der am Abgrund steht oder aus der Tiefe des Tals den Blick nur bis zu dessen Begrenzungen schweifen lassen kann und so keinen Horizont sieht, keine Perspektive f&#252;r das eigene Leben mehr erkennen kann, eine Vorausdeutung, die aber erst vom Ende des Gedichtes her zu erkennen ist. Und so schlie&#223;t sich das „Rad“ dieses Gedichtes, so treten Ende und Anfang das Gedichts in Verbindung und bilden wohl eine der sch&#246;nsten, traurigsten und nachvollziehbarsten Dichtungen &#252;ber das so oft besungene Thema des Leidens an zerbrochener Liebe. Und entsprechend wurde das Gedicht auch rezipiert: Heute ist es als Volkslied bekannt.</p>

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		<title>Otfried Preu&#223;ler – Krabat: Ein kritischer Zwischenruf</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Oct 2008 00:03:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ja,  Otfried Preu&#223;lers Roman »Krabat«, der 1971 zum ersten Mal erschien, ist gut zu lesen. Er erz&#228;hlt die spannende Geschichte eines M&#252;llerjungens, der in den Machtbereich eines der schwarzen Magie anh&#228;ngenden M&#252;llermeisters ger&#228;t und – nat&#252;rlich: die Liebe – einen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/10/07/otfried-preussler-krabat-ein-kritischer-zwischenruf/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja,  <a href="http://www.preussler.de/" target="_blank">Otfried Preu&#223;ler</a>s <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Krabat_%28Preu%C3%9Fler%29" target="_blank">Roman »Kraba</a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Krabat_%28Preu%C3%9Fler%29" target="_blank">t«</a>, der 1971 zum ersten Mal erschien, ist gut zu lesen. Er erz&#228;hlt die spannende Geschichte eines M&#252;llerjungens, der in den Machtbereich eines der schwarzen Magie anh&#228;ngenden M&#252;llermeisters ger&#228;t und – nat&#252;rlich: die Liebe – einen Weg zur Erl&#246;sung findet.  Preu&#223;lers Roman wird als Meisterwerk der Kinder- und Jugendliteratur gehandelt, wurde mit Preisen ausgezeichnet, in viele Sprachen &#252;bersetzt und nun sogar als <a href="http://www.krabat-derfilm.de" target="_blank">Grundlage f&#252;r einen Spielfilm</a> genommen, der von einem eigenen <a href="http://www.krabat-derfilm.de/blog/" target="_blank">Blog</a> begleitet  und dessen Vermarktung auch von der »<a href="http://www.stiftunglesen.de/krabat/default.aspx" target="_blank">Stiftung Lesen</a>« unterst&#252;tzt wird.</p>

<p>Aber ist »Krabat«, abgesehen von der begr&#252;&#223;enswerten Kunst, den Lesenden in eine Geschichte hinein zu ziehen, ein guter Roman? <span id="more-425"></span>– Die Antwort ist schwierig. Bleibe ich alleine bei der Erfahrung, dass der Roman gut zu lesen ist und eine spannende Geschichte erz&#228;hlt, m&#252;sste die Antwort wohl eindeutig »Ja« lauten. Schaue ich mir die Gestaltung des Romans aber ein wenig n&#228;her an, so bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich ihn wirklich als einen »Klassiker« bezeichnen will. Ja, die Rezeption ist die eines Klassikers: Der Roman wurde in sehr viele Sprachen &#252;bersetzt, verkaufte sich &#252;ber zwei Millionen Mal und hat im Rahmen all der positiven Bewertungen fast schon etwas Unantastbares an sich. Warum aber kommen bei mir dennoch deutliche Zweifel an der Qualit&#228;t des Romanes auf?</p>

<p>Zun&#228;chst las ich das Buch, wie es wohl von Vielen gelesen wird: Ich begann und hatte Schwierigkeiten, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Insgesamt hat es keine zwei Tage gedauert, bis ich das Buch gelesen hatte. Und dennoch tauchten bereits bei der Lekt&#252;re ein paar Fragen auf, die mich nach wie vor besch&#228;ftigen, Fragen, die mich vor allem deshalb besch&#228;ftigen, weil ich w&#228;hrend der Lekt&#252;re zunehmend das Gef&#252;hl bekam, dass die Figuren des Romans keine &#252;ber den Roman hinaus gehende Biographie zu haben scheinen, bzw. diese nur in Bruchst&#252;cken im Roman selbst erfahrbar wird.</p>

<p>Das w&#228;re an sich nicht schlimm, w&#252;rde die erz&#228;hlte Geschichte den Eindruck vermitteln, dass es eine solche das Handeln der Figuren in der Gegenwart der Geschichte bestimmende Biographie g&#228;be. Aber genau diesen Eindruck vermag mir der Roman bislang nicht zu vermitteln.</p>

<p>Von Krabat erfahren wir am Anfang nur, dass er als vierzehnj&#228;hriger Betteljunge im S&#228;chsischen unterwegs ist (S. 9f). Doch seine Herkunft bleibt im Roman im Dunklen. Warum bettelt Krabat? Warum l&#228;sst er sich auf die Lehre in der M&#252;hle ein? Woher stammt der Meister? Abgesehen von einer Anekdote (S. 177–183) erf&#228;hrt der Lesende fast nichts &#252;ber diesen dunklen Meister. Die Motive seines Handelns bleiben im Dunkeln. Noch dunkler aber bleiben die Motive und Lebensgeschichten der anderen M&#252;llergesellen. Da wird zwar mal eingestreut, dass Tonda einmal verliebt war und diese Liebe durch den mysteri&#246;sen Tod der geliebten Worschula, Tonda f&#252;hrt dies auf den »Meister« zur&#252;ck, beendet wurde (S. 58f), aber auch dieser Teil bleibt seltsam oberfl&#228;chlich.</p>

<p>Und dann begegnet Krabat seiner geliebten »Kantorka« (S. 245). Sie habe von Krabat getr&#228;umt, davon, dass jemand B&#246;ses mit ihm im Sinn habe. Das reicht, um daf&#252;r zu sorgen, dass Krabat nicht mehr der Krabat von fr&#252;her ist (S. 250) – aber welcher Krabat ist hier gemeint? Lesende wissen nichts &#252;ber die ersten vierzehn Jahre Krabats! Was passiert hier mit ihm? Hat das alles nur mit den Geschehnissen in der M&#252;hle zu tun?</p>

<p>Und auch bei der abschlie&#223;enden Befreiung Krabats, die f&#252;r den M&#252;ller den Tod bedeutet (S. 311–314) bleiben mehr Fragen offen, als der Text beantwortet. Ja, statt die Ereignisse wirklich zu zeigen, zieht sich Preu&#223;ler auf Erkl&#228;rungen zur&#252;ck:</p>

<blockquote>»›Wie hast du mich‹, fragte er, als sie die Lichter des Dorfes zwischen den St&#228;mmen aufblicken sahen, hier eines, da eins – ›wie hast du mich unter den Mitgesellen herausgefunden?‹›Ich habe gesp&#252;rt, das du Angst hattest‹, sagte sie, ›Angst um mich: daran habe ich dich erkannt‹« (S. 314.)</blockquote>

<p>Anschlie&#223;end f&#228;llt noch drei Zeilen lang Schnee und die Geschichte endet in Friede-Freud-Eierkuchen-Kitsch, was gar nicht so schwierig ist, weil wir nat&#252;rlich alle verstehen, dass »die Liebe« grunds&#228;tzlich erl&#246;sende F&#228;higkeiten hat, sodass Lesende im Taumel dieses Zeugnisses der Liebeskraft nat&#252;rlich v&#246;llig aufgel&#246;st jegliche Fragen vergessen. – Hier werde ich fast schon ein wenig zynisch, weil Preu&#223;ler mir jegliche Lebensgeschichte der »Kantorika« verweigert, ja, sie scheint, abgesehen von der v&#246;llig klischeehaften Rolle der bedingungslos Liebenden &#252;berhaupt keine Geschichte zu haben!</p>

<p>Wohl bemerkt, nicht die Botschaft dieser Zeilen bringt mich gegen den Roman »Krabat« auf, sondern die Gestaltung dieser Botschaft in dem Roman. Die hier vermittelte Kraft der Liebe verliert ihre Kraft, wenn sie als Klischee gestaltet wird. Und wenn das geschieht, dann stellt sich mir die Frage nach der Qualit&#228;t eines Romans, jenseits der Erfahrung, dass der Roman trotz allem spannend ist und mich als Leser nicht losl&#228;sst.</p>

<p>Denke ich abschlie&#223;end &#252;ber die erz&#228;hlte Handlung nach, die sehr gestrafft von den drei Jahren Krabats in der M&#252;hle berichtet, so ist es die Banalit&#228;t, mit der das »Dunkle« und die »Kraft der Liebe« hier dargestellt werden, die dazu gef&#252;hrt haben, dass mir der Roman so seltsam schwer zu greifen erscheint.</p>

<p>Nat&#252;rlich k&#246;nnte ich es auch anders wenden: Gerade weil Preu&#223;ler so wenig von den Hintergr&#252;nden erz&#228;hlt, wird der Lesende zu eigenen Gedanken gezwungen – ein echtes Qualit&#228;tskriterium: Es gibt in Preu&#223;lers »Krabat« viele Leerstellen, die Leser und Leserinnen selbst zu f&#252;llen haben. Das mag es auch sein, was in den Roman hineinzieht. Doch diese Leerstellen sind letztlich so oberfl&#228;chlich und klischeehaft gestaltet, dass Lesende bei der Reflexion der Fragen, die der Roman aufwirft, pl&#246;tzlich ins Leere laufen.</p>

<blockquote>Otfried Preu&#223;ler, Krabat, M&#252;nchen 2004 (19. Auflage, zuerst: 1971)</blockquote>

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