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Ein Bildungsspaziergang – Assoziationen und Metaphern

Montag, 25. Januar 2010 22:40

Mit einer Flip losgezogen, um mich von der Landschaft als Bildungsreporter zu Assoziationen rund um die Bildungsdebatte in Deutschland anregen zu lassen. Wohl bemerkt: Ich wollte Assoziationen zu dieser Debatte. Damit ist längst nicht gesagt, dass ich dem Eindruck zustimme, der in solchen Diskussionen oft vermittelt wird. Dazu habe ich aber schon was gesagt. Wenn ich diesen Spaziergang im Frühjahr machen werde, dann kommen bestimmt ganz andere Assoziationen hoch. Da bin ich mir sicher. Jetzt aber ist Winter – und sogar in Frankfurt liegt mal Schnee. Dementsprechend sind die Assoziationen hier. Ein „Metaphernpotpourri“, ein „Bildungsspaziergang“… – mehr ist das nicht, einen höherer Anspruch wird nicht erhoben.

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Thema: Bildung, Bildungsreporter, Medien, Videos | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Herrn Larbigs Bibliothek 1: Rainald Goetz – Abfall für alle

Dienstag, 27. Oktober 2009 0:05

„Abfall für alle“ – wenn dieser Name nur nicht zum Motto dieser Reihe „Herrn Larbigs Bibliothek“ wird…

Wir schreiben das Jahr 1998. Von Blogs hat noch keiner was gehört und das Web 2.0 ist noch in weiter Ferne, da schreibt Rainald Goetz schon im Internet Tagebuch. Das gibt es dort zwar nicht mehr, das gab es schon Ende 1999 dort nicht mehr, aber es wurde ein Buch daraus. Und dieser „Roman eines Jahres“ heißt, war es Voraussicht oder Selbstironie, „Abfall für alle“.

Es ist das Jahr, in dem ich Rainald Goetz im Rahmen der Frankfurter Poetikvorlesung erlebe. Und ich erinnere noch gut jenen Dienstag, den 28. April 1998, 18:00 Uhr, als Goetz zum ersten Mal die Bühne der Frankfurter Poetikvorlesung betrat und versuchte (sic!) frei zu reden. Das hat er so in den Folgewochen nicht mehr gewagt. Da gab es dann, ich erinnere mich daran und irgendwo müsste ich sie auch noch haben, winzigst gedruckte Textkonvolute als Skript zur Vorlesung. Aber nicht zur ersten.

Und dann lese ich in „Abfall für alle“ unter dem 29.4.98:

„941. Diese Unfähigkeit, frei zu reden. Fast schon eine geistige Behinderung.“

Stimmt. Aber so habe ich es nach wie vor in neugieriger Erinnerung. Es sind eben nicht die glatt gestylten Performances, die sich in der Erinnerung festbeißen, sind die doch alle irgendwie geklont und gleich in ihrer (Nicht-)Wirkung; das Unerwartete, Überraschende und in diesem Falle auch die Suchbewegung eines Autors, die er in einer Vorlesung (ungewollt) sichtbar macht. Da stand dieser Autor, in seinen vierziger Jahren, in diesem Hörsaal VI, in dem schon so viele Autoren vor ihm zu Gast waren, und versucht eine freie Poetik-Vorlesung zum Titel „Praxis“ – und wirkt… improvisiert.

Eine Woche später kommt der Autor dann schon mit einem ausgearbeiteteren Text, der, wie auch die Rekonstruktion der ersten Vorlesung, Einzug in „Abfall für alle“ gefunden hat.

Das aber ist nicht der einzige Inhalt der 864 Seiten, die von diesem Jahr des Internettagebuchs des Rainald Goetz Zeugnis geben. Es soll keine Literatur werden! So sagt sich der Autor am Anfang immer wieder. Und heute steht das Buch in meiner Bibliothek. Keine Literatur? Was aber dann? Ein Arbeitstagebuch? Eine Selbstentblößung des Autors im Netz? „Nur“ das Zeugnis einr Art Blog-Vorläufer? Das Buch ist alles von dem und nichts von dem zugleich:

Teilweise knappste Notizen, die locker in eine Twitternachricht mit ihrer Beschränkung auf 140 Zeichen passen würde, teilweise längere Reflexionen über Leseerfahrung, Begegnungen und eben Dokumentation der Poetikvorlesung.

Und im Zentrum des Buches? Es geht zum Teil um das Abschließen eines Werkes, aber meist um das Anfangen. Banalitäten reihen sich an differenzierte Reflexionen. Eigentlich ein viel zu dickes Buch mit viel zu vielen Nebensächlichkeiten – und trotzdem nehme ich es ziemlich regelmäßig zum Schmökern wieder in die Hand. Irgendwas fasziniert mich an diesem Buch. Bis heute weiß ich nicht, was das eigentlich ist…

Rainald Goetz, Abfall für alle. Roman eines Jahres, Frankfurt am Main (Suhrkamp) 1999 (Taschenbuchausgabe 2003).

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Thema: Herrn Larbigs Bibliothek, Literatur, lesen | Kommentare (2) | Autor: Herr Larbig

Bildungsorte: Das Städel zu Frankfurt am Main

Freitag, 18. September 2009 16:53

700 Jahre Kunstgeschichte in Schlüsselwerken – und in Zukunft wird es eine fast doppelt so große Ausstellungsfläche geben. Das Frankfurter Städel zählt zu den bedeutensten Museen der Welt und ist das Ergebnis eines sehr typischen Franfurter Phänomens: Ein Bürger hat es als Stiftung ins Leben gerufen und die Bürger Frankfurts haben es bislang am Leben erhalten und bauen es jetzt auch noch aus. 30 Millionen Euro wird die Erweiterung des Städels kosten – und man wird fast nichts von den neuen, sechs bis acht Meter hohen Hallen sehen, wenn sie erst einmal fertig sind.

Es ist ein Privileg, ein solches Museum quasi um die Ecke zu haben, in dem Werke der großartigsten Künstler der Kunstgeschichte ausgestellt sind und gepflegt werden. Das Privileg besteht nicht darin, dass Frankfurt hier etwas besonderes habe, sondern darin, dass solche Kunstwerke in ganz besonderer Weise die Kunst des Sehens auszubilden helfen.

Im Städel gibt es keine mittelmäßige Kunst – und wer mit diesen Bildern vor Augen groß geworden ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit später auch einen anderen Blick auf Bilder haben – egal ob auf Fotografien oder Gemälde.

Aber das Städel ist nicht nur als Museum ein Bildungsort, sondern auch als Kunstakademie mit der angegliederten Städelschule, die sich der Ausbildung von Nachwuchskünstlern verschrieben hat. Außerdem hat sich ein in unmittelbarer Nachbarschaft zum Städel liegendes Gymnasium mit dem Städel vernetzt und bietet in den Klassen 5 und 6 einen erweiterten Kunstunterricht an, der für die ästhetische Bildung der Kinder bedeutsam ist.

Für mich sind Museen und ihre in den letzten Jahren deutlich stärker wahrgenommenen museumspädagogischen Abteilungen neben Schulen zentrale Orte der Bildung. In der praktischen und reflektierenden Auseinandersetzung mit Kunst findet immer auch eine Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung von Welt zu unterschiedlichen Zeiten statt, die weit größere Zeithorizonte umfasst, als dies beispielsweise im Deutschunterricht von den Lehrplänen gefordert wird. Kunst fordert den Blick heraus, irritiert, verführt zum genauen Hinsehen. Und wenn Kinder, wie ich es selbst immer wieder erlebe, vor einem Bild stehen bleiben und sich völlig begeistert zeigen, dann ist das ein konkreter Ausdruck dessen, was Kunst und Museen so wichtig machen: Sie können begeistern, den Geist erweitern, den Blick schulen, zu einer eigenen künstlerischen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit führen. – Für mich sind das zentrale Aufgaben einer Bildung, die weit über das bloße Lernen im formal abprüfbaren Sinn hinausgeht. Es ist wunderbar, dass Deutschland zu den Ländern mit der höchstens Dichte an kulturellen Einrichtungen weltweit gehört. Möge deren Bedeutung – auch in Krisenzeiten! – nicht aus dem Blick verloren werden!

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Thema: Bildung, Bildungsorte, Kompetenzenförderung, Schlüsselkompetenzen, Sinnlichkeit, Unterricht, lernen, vernetzen | Kommentare (1) | Autor: Herr Larbig

Herr Larbig im Gespräch mit der Bildungsexpedition 2009

Dienstag, 8. September 2009 0:25

Fünf Expeditionsteilnehmer, eine Menge miniaturisierte Technik und so ziemlich alle kostenfrei verfügbaren Vernetzungsdienste, die es im Internet gibt: So kam die Bildungsexpedition 2009 am 01. September 2009 auch nach Frankfurt. Und selbst nach einer Fahrt von München über Kassel nach Frankfurt am Main, lud die Expedition zum „Get Together“ am Abend.

So kamen wir um 21:30 in einem Thai- und Pizzaimbiss an der Mainzer Landstraße zusammen, aßen, plauderten, tauschten uns aus. Kurz nach 22:00 holte Lutz Berger dann sein Telefon heraus, stellte eine Verbindung zu 1000mikes.com her und dann wurde ich in ein Interview verwickelt, das live on Air mitverfolgt werden konnte (wie so ziemlich alle Begegnungen der Bildungsexpedition, in deren Rahmen ich echt Hochachtung vor all den engagierten Bildungsmenschen in Deutschland bekommen habe, die dort vorgestellt wurden). Und selbstverständlich steht das Interview auch als Archivbeitrag zur Verfügung.

Aber es wären nicht Leute wie Lutz Berger und Christian Spannagel in einem Team, wenn nicht selbst noch ein solches Interview am Abend interaktiv wäre. Und so saßen da Melanie Gottschalk, Bastian Hirsch, Christian Spannagel und Lutz Berger mit ihren Taschencomputern um uns herum und twitterten mit einigen Hörern und Hörerinnen live zum Interview, sodass auch diese Kommentare und Fragen direkt in das Gespräch einfließen konnten. – Danke euch und Ihnen allen für die Rückmeldungen, Kommentare, den Applaus etc…

Von meiner Seite her war das Interview nicht geplant; von Seiten der Expedition war dieses Interview wohl weit mehr geplant, als ich ursprünglich annahme, wie ich nach dem Gespräch (natürlich via Twitter) erfuhr. Dementsprechend viele unterschiedliche Themen wurden angesprochen und im Zentrum stand weniger ein Projekt, wie bei den meisten anderen Interviews und Videoaufzeichnungen, sondern ein Strom an Assoziationen – sowohl bei mir als auch bei den Interviewenden. Knapp eine Stunde ging das so, ohne dass ich bemerkt hätte, wie die Zeit verging.

Und doch hatte das Interview einen roten Faden, der darin bestand, dass ich mich als Lehrer mit anderen Lehrern und anderen an Bildungsprozessen Beteiligten Leuten vernetzt habe. Auch wenn man am Anfang meinen könnte, es gehe um vernetzte Theologen, so war dieser Einstieg doch eher Zufall, weil – natürlich über Twitter – natürlich über Twitter – gerade an diesem Abend Br. Paulus Terwitte auf die Bildungsexpedition aufmerksam wurde und mit uns twitterte, was die Expeditionsteilnehmer doch sichtlich begeistert hat, sodass dieses Thema, über das wir gerade noch offline gesprochen hatten, nun also zum Einstieg unseres Gesprächs wurde.

Da wir im Verlauf des Interviews einmal das Telefon wechseln mussten, gibt es das Gespräch in zwei Teilen. Und wer es ganz hören will, sollte sich nun eine Stunde Zeit nehmen – ob sich das lohnt, müssen dann andere entscheiden:

Interview mit dem vernetzten Lehrer Torsten Larbig in Frankfurt, Teil 1 – 45 Minuten:

[podcast]http://herrlarbig.de/podcasts/Larbig_Bildungsexpedition_1.mp3[/podcast]

(Als MP3 ohne Flashplayer)

Interview mit dem vernetzten Lehrer Torsten Larbig in Frankfurt, Teil 2 – 16 Minuten:

[podcast]http://herrlarbig.de/podcasts/Larbig_Bildungsexpedition_2.mp3[/podcast]

(Als MP3 ohne Flashplayer)

Aber dieses Interview ist natürlich nur ein winziger Teil der für mich in allen anderen Teilen höchst spannenden Expedition, die im Spätsommer 2009 schlaglichtartig erhellte, wie lebendig die Bildungslandschaft in Deutschland ist. Die Bildungsexpedition hat Spuren hinterlassen, die unter folgenden Links zu finden sind:

Und da die Expedition selbst hochgradig vernetzt ist, hier noch eine ganze Reihe an Links, hinter denen Menschen stehen, die als „Stimmen aus dem Off“ die Expedition bis jetzt begleitet haben:

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Thema: Audio, Bildung, Herr Larbig, Notizen, Schlüsselkompetenzen, Wissenserwerb, herrlarbig.de, lernen, vernetzen, über herrlarbig.de | Kommentare (5) | Autor: Herr Larbig

LdL-Tag in Ludwigsburg (1. Vorbericht)

Dienstag, 5. Mai 2009 22:32

Als ich mit LdL („Lernen durch Lehren“) vor ein paar Monaten begann, fing ich auch gleich an, über LdL zu reflektieren und zu schreiben, entdeckte ich das lebendige LdL-Netzwerk auf mixxt (einmal unter http://www.ldl.mixxt.de und zum anderen auch auf http://www.maschendraht.mixxt.de) und machte einfach mal mit.

Die Folge dieser Entscheidung: Christian Spannagel fragte, ob ich nicht einen Workshop beim LdL-Tag an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg anbieten wolle. Ich sagte nicht spontan „Ja“, kam diese Anfrage doch sehr überraschend, merkte aber bald, dass ich mich gut auf diese Vorschlag einlassen kann. Und wenn ich mir heute das Programm anschaue, bin ich mir schon jetzt sicher, dass ich von diesem Tag viel werde mitnehmen können, an dem die Verantwortlichen in Ludwigsburg selbst schon eine ganze Weile feilen.

Aber Reaktionen gibt es schon im Vorfeld, weiß ich doch nunmehr von mindestens einer Kollegin, die an meiner Schule nicht nur an LdL interessiert ist, sondern sich sogar zum LdL-Tag angemeldet hat. Grund genug für einen solchen Vorbericht, denn es zeichnet sich tatsächlich vor Ort der Beginn eines kleinen Netzwerks ab (und die anderen in der Community aus Frankfurt sollte ich auch mal früher oder später kennen lernen, vielleicht ja sogar am kommenden Samstag?!). Da hinterlässt der LdL-Tag schon Spuren, bevor er überhaupt begonnen hat. Ich darf also gespannt sein, was da noch alles passieren wird…

Zur Vorbereitung des Workshops habe ich übrigens auf ldl.mixxt.de im Diskussionsforum einen eigenen Thread angelegt und bin gespannt, welche Diskussionen sich dort entwickeln werden.

Kurz: Ich freue mich auf Samstag und wünsche schon jetzt den, wie ich hörte, ca. 100 anderen Teilnehmenden aus ganz Deutschland, eine gute Anreise!

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Thema: LdL-Tag 2009, Lernen und Lehren | Kommentare (3) | Autor: Herr Larbig

Tempo und Ruhe

Montag, 4. Mai 2009 0:54

Ein Großstadtbild, das zwischen Ruhe und Geschwinigkeit changiert… Wie könnte das aussehen? Diese Frage stand tatsächlich im Hintergrund, als ich mich am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt am Main positionierte, direkt bei Schauspiel, Oper und Europäischer Zentralbank – und um die Bedingungen noch ein wenig reizvoller zu machen: bei Nacht. Aus den Bildern, die dort entstanden, dieses als Beispiel für einen Versuch, für eine thematisch selbst gesetzte Vorgabe eine fotografische Lösung zu finden.

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Thema: Available Light, Bilder, Fotografie, Frankfurt | Kommentare (2) | Autor: Herr Larbig

Bildklischees – (am Beispiel „Bremen“)

Dienstag, 21. April 2009 21:25

Der hier veröffentlichte Artikel ist in den gerade zu Ende gegangenen Osterferien in Bremen entstanden.

Klischees bezeichnen im Zusammenhang mit Bildern solche Bilder, die es x-fach in gleicher oder zum Verwechseln ähnlicher Ausführung gibt und die eine überkommen Vorstellung repräsentieren. Überkommen ist eine solche Vorstellung, weil diese Bilder einerseits schnell erkannt und zugeordnet werden können, andererseits aber über das „Wesen“ dessen, für das sie stehen nichts aussagen. In London sind es die Tower-Bridge und das Parlament, in Paris der Eifelturm und seit einigen Jahren die Pyramide vor dem Louvre, in New York Freiheitsstatue und Skyline, in Frankfurt am Main Römer und Skyline. In Bremen sind es die Stadtmusikanten (auf deren Abbildung ich hier erst einmal verzichte!), das Rathaus und der Roland.

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Bremen: Böttcherstraße (Detail)

Selbst in Zeiten digitaler Reproduzierbarkeit von Bildern werden diese Bilder von Touristen nahezu zwangsläufig angefertigt, als wolle man sich auf diesem Wege endlich das zu eigen machen, was man eh schon kennt und sagen: Schaut her, jetzt war auch ich da und auch ich erzähle euch nichts Neues. Solche Bilder sind die Reproduktion der Reproduktion der Reproduktion – und eigentlich kaum noch Fotografien zu nennen, da sie keinen eigenen Blick des Fotografierenden repräsentieren, sondern wie bei Wiederkäuern einfach hochgewürgt und in die Kamera gebannt werden, während sich vielleicht um die Ecke ein Motiv befinden könnte, das wirklich den eigenen Blick auf eine Stadt zeigt.

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Bremen: Rathaus

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Bremen: Rathaus (Detail)

Doch das Problem liegt nicht nur bei den Fotografierenden, sondern auch bei den Motiven. Es scheint am Abgebildeten nichts mehr zu sehen zu geben, das überraschen könnte. Von diesen Bildern wurden so oft Fotos „geschossen“, dass sie irgendwann dann eben „erschossen“ waren und heute zwar als Kulturdenkmale großen Wert besitzen, der Bremer Roland und das Rathaus werden z. B. sogar als Weltkulturerbe bei der UNESCO geführt, als Motive für Fotografien aber in der Regel leblos geworden sind.

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Bremer Roland

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Bremer Roland (Detail)

Neben den hundertausendfach anaolog und digital abgelichteten touristischen Motiven, spielt das Klischee aber auch dort eine Rolle, wo (Hobby)-Fotografen technisch gute Bilder von allzu vertrauten Motiven machen, ohne zu einer eigenen Bildsprache zu finden. – Um nicht missverstanden zu werden: An dieser Stelle beschreibe ich dieses Phänomen nur, ohne es zu werten, denn ich weiß selbst, dass das Finden einer eigenen Bildsprache ein langer Prozess ist, der gerade für Hobby-Fotografen eine echte Herausforderung ist, also auch für mich.

Dass es heute so viele Menschen gibt, die sich beim Dialog mit der Wirklichkeit im Rahmen der Fotografie richtig viel Mühe geben, finde ich toll. Und ich finde es auch schön, dass es so viele (technisch) gelungene Bilder zum Anschauen im Netz gibt. Der Unterschied zu Fotografierenden mit künstlerischem oder journalistischem Anspruch ist dann in vielen Fällen auch gar nicht mehr die technische Seite der Bilder, sondern die Frage der individuellen Bildsprache, die ein Fotografierender entwickelt (oder auch nicht).

In diesem Zusammenhang stimmt der mittlerweile auch schon ein Klischee darstellende Ausspruch, dass der Fotograf und nicht die Kamera die Bilder mache. Natürlich können die treffendsten Motive durch ein schlechtes Objektiv zu miserablen Fotos werden, aber manchmal entsteht bei mir, vor allem im Rahmen digitaler Fotografie, der Eindruck, dass die benutzten Kameras wie ein Fetisch genannt werden, der alleine durch seinen Besitz fast schon so etwas wie die Garantie für gute Bilder in sich trägt.

Nein, ein Fotografierender braucht nicht immer die „neuste“ Kamera, um gute Bilder machen zu können, sondern eine Kamera, die es ihm ermöglicht, sich ganz auf das Motiv (und nicht etwa auf die Eigenarten der Software) konzentrieren zu können. Die Kamera ist ein Werkzeug und nicht der Gegenstand der Fotografie. Im Zentrum der Fotografie steht das Motiv und dessen Gestaltung; diese Gestaltung muss letztlich die technische Seite der Entstehung eines Fotos vergessen lassen, um mich als Betrachter in seien Bann ziehen zu können.

Es ist letztlich die Art des Sehens, die einen Fotografierenden ausmacht. Fotografierende sehen genau hin, gestalten sehend ihre Motive und die die Motive zeigenden Bilder. Fotografie lebt von dem eigenen Blick, der sich im Laufe der Zeit entwickelt und wesentlich zur Bildsprache eines Fotografierenden beiträgt. Dabei muss sich der Fotografierende Klischees stellen, um nicht in ihre Falle zu gehen; er muss sie erkennen, um um die Gestaltung eines Bild-Klischees herum zu kommen, so er nicht gezielt ein solches produzieren will.

Die in diesem Beitrag gezeigten Bilder, die ich selbst angefertigt habe, sind für mich eine Art der Auseinandersetzung mit genau diesem Problem. Es sind (gezielt gemachte) Klischeebilder, für mich aber auch Bilder, die so vertraut sind (vom Bild, das ein Detail der Böttcherstraße zeigt vielleicht einmal abgesehen), dass sie für mich in einer enormen Spannung dazu stehen, wie ich eine Stadt wie Bremen wahrnehme. Das Rathaus und der Roland sind nicht das Bremen, das ich hier und heute wahrnehme, sondern Verweise auf längst vergangene Zeiten, die hier ihre Spuren hinterlassen haben.

Um Klischee-Bilder zu umgehen, muss ich mich als Fotografierender der Frage stellen, wie ich etwas (einen Ort, eine Situation, einen Menschen) wahrnehme, um von dieser Frage zu der Frage zu gelangen, wie ich das Wahrgenommene für mich möglichst authentisch in einer Fotografie zu fassen bekomme.

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Thema: Fotografie, Medien, Medienkritik, über Fotografie | Kommentare (2) | Autor: Herr Larbig

Frankfurt, Schweizer Platz – Details

Samstag, 14. Februar 2009 13:38

Höchste Zeit, mal wieder etwas Visuelles hier zu hinterlassen: Zwei Impressionen rund um den Schweizer-Platz in Frankfurt am Main Sachsenhausen.

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Thema: Bilder, Fotografie | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Zum Frankfurt-Marathon ein Sonett von Platen

Sonntag, 26. Oktober 2008 20:08

Der Frankfurt-Marathon ging heute nur ein paar Meter von hier entfernt vorbei. Also bewaffnete ich mich mit dem Fotoapparat und ging auf Suche nach möglichen Motiven. Als ich diese durchsah, erinnerte ich mich an Gedicht von August von Platen, ein Sonett, um genau zu sein, in dessen letzter Zeile »der Läufer« ausdrücklich genannt wird. Was passiert, wenn ein paar der Bilder, die Läufer und auch Publikum zeigen, neben dieses Gedicht gestellt werden?

[...]

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Thema: Bilder, Fotografie, Literatur, Serien, lesen | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig

Streets of Frankfurt

Dienstag, 23. September 2008 1:30

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Thema: Bilder, Fotografie | Kommentare (0) | Autor: Herr Larbig