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	<title>herrlarbig.de &#187; Füller</title>
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		<title>(M)eine digitale Wende (digital turn)</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 21:29:32 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass ich gerne mit der Hand schreibe, B&#252;cher aus Papier in die Hand nehme – mich manchmal sogar von deren Geruch ansprechen lasse – und mich noch gut an den Geruch in einer Dunkelkammer beim Entwickeln von Fotos erinnern kann, ist <em>das eine</em>.</p>

<p>Dass ich zumindest die Handschrift per F&#252;ller und die Lekt&#252;re papierener B&#252;cher nicht aufgeben mag, ist <em>das andere</em>.</p>

<p>Was bei meiner Selbstbeobachtung in den vergangenen Monaten herausgekommen ist, ist dann aber noch <em>etwas ganz anderes</em>.</p>

<p>Dass ich mit der Selbstbeobachtung begann, lag daran, dass ich den Eindruck nicht losbekommen habe, mein produktives Arbeiten habe sich in der Zeit seit der Anschaffung eines Tablet-Computers ver&#228;ndert. Aber was sich da wie ver&#228;ndert hatte, dar&#252;ber konnte ich nur spekulieren, hatte ich nicht genau im Blick.</p>

<p>Also habe ich den Fokus verschoben: Wie arbeite ich? Ist etwas anders geworden als fr&#252;her und wenn ja, was?</p>

<p>Mit ist aufgefallen, dass ich seit der Anschaffung des Tablets dieses so gut wie immer dabei habe.</p>

<p>Meinen Laptop trug ich nicht immer mit mir herum.</p>

<p>Das Tablet ist kleinere und d&#252;nner als ein Collegeblock, den ich fr&#252;her eigentlich immer bei mir trug. Au&#223;erdem hatte ich immer F&#252;ller und Tinte dabei.</p>

<p>Nach wie vor schreibe ich per Hand. Seit einiger Zeit aber muss ich mir sagen, dass ich den einen oder anderen Text doch per Hand schreiben k&#246;nnte, sollte, will. Ich habe eine kleine, handliche Schreibmaschine doch faktisch immer dabei.</p>

<p>Dann aber bemerkte ich zunehmend, dass per Hand verfasste Artikel fast nie fertig wurden, nie in dem Notizbuch standen, dass ich gerade nutzte und &#252;berhaupt nicht den Eindruck von Flow hinterlie&#223;en, den ich beim Schreiben mit F&#252;ller so oft erlebt hatte.</p>

<p>Produktives, auf Verwendbarkeit hin ausgerichtetes Schreiben verlagerte sich mehr und mehr auf die Tastatur des Tablets.</p>

<p>Ob das Unterrichtsentw&#252;rfe, Blogartikel oder Ans&#228;tze f&#252;r Essays oder im Kontext des „kreativen Schreibens“ waren: Sie alle wanderten auf den Bildschirm. Mittlerweile kann ich selbst auf der virtuellen Tastatur sehr zuverl&#228;ssig und vor allem auch schnell und fast blind tippen, sodass ich wirklich mit einer v&#246;llig ger&#228;uschlosen Schreibmaschine arbeiten kann.</p>

<p>Aber ich muss nicht nur gezielt zur Handachriftlichkeit &#252;bergehen, um diese weiter zu pflegen, ich beobachte auch, dass sich die Orte ver&#228;ndern, an denen ich produktiv arbeite.</p>

<p>Textkorrektur im Zug war fr&#252;her immer eine wacklige Angelegenheit, ging eigentlich nur auf den langen Geraden, auf denen ICEs unterwegs sind. Heute achreibe und korrigiere ich Texte sogar im Bus und in der Stra&#223;enbahn.</p>

<p>Entw&#252;rfe habe ich immer dabei. Unterrichtsstunden konzipiere ich, wo ich gerade Zeit daf&#252;r finde, sei es in einer Freistunde oder an einem Sommernachmitag am Main sitzend. Das notwendige Material habe ich fast immer dabei, abgesehen von den Schulb&#252;chern, die weder digital vorliegen noch von mir digital kopiert werden, das ist n&#228;mlich verboten.</p>

<p>Aber meine Sachanlysen und online verf&#252;gbares Material reichen oft.</p>

<p>Wenn ich Material brauche, das mir nur an bestimmten Orten zur Verf&#252;gung steht, dann wird eben eine Notiz angefertigt, die ich in meiner Aufgabenverwaltung direkt mit diesem Ort verbinde, sodass ich ortsbezogen tun kann, was nur an einem bestimmten Ort getan werden kann.</p>

<p>Sogar beim Lesen ertappe ich mich dabei, dass ich oft gar kein Buch oder keine Zeitung mehr dabei habe, weil ich auf dem Tablet lese. Dabei bin ich eigentlich immer aktiv dabei, neue Erkenntnisse mit bereits vorhandenen zu verkn&#252;pfen und so konstruktivistisch strukturiertes Lernen an mir selbst zu praktizieren.</p>

<p>Mir kommt es vor, als vollz&#246;ge sich da an mir gerade eine Art digitaler Wende.</p>

<p>Immer h&#228;ufiger „zwinge“ ich mich zum analogen Arbeiten weil ich es doch mag. Immer h&#228;ufiger scheine ich mir einzureden, dass ich mit Notizbuch und F&#252;ller effizent arbeitete, um dann zu beobachten, dass meine auf Ver&#246;ffentlichung hin ausgerichteten Texte nahezu ausschlie&#223;lich digital entstehen.</p>

<p>Dass viele Leute, mit denen ich au&#223;erhalb beruflicher Kontexte kooperiere und kolaborativ arbeite, mithilfe digitaler Technik kommunizieren, f&#246;rdert diese Entwicklung noch.</p>

<p>Es scheint mir mittlerweile m&#246;glich, in den meisten F&#228;llen tats&#228;chlich mit einem Tablet gut arbeiten zu k&#246;nnen, trotz gewisser Einschr&#228;nkungen, die sie im Vergleich zu „echten“ PCs haben.</p>

<p>Dass sich die Ver&#228;nderungen meines eigenen Arbeitsverhaltens so schleichend einstellten, ich mir bewusst eine Zeit der Selbstbeobachtung auferlegt habe, deute ich dahingehend, dass es ein organischer, selbstverst&#228;ndlicher, in sich stimmiger Prozess der Ver&#228;nderung ist, eine digitale Wende in fast allen Bereichen, in denen ich mich beruflich und in meiner Freizeit bewege, ein „digital turn“. Oder?<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>My Personal Learning Environment ( #opco11 )</title>
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		<pubDate>Sun, 22 May 2011 20:18:22 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wie sieht der Raum aus, in dem du lernst? Wie sieht deine „Pers&#246;nliche Lernumgebung“ (Personal Learning Environment – PLE) aus, lautet die <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/agenda/woche-4/" target="_blank">Frage</a>, die diese Woche im <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/" target="_blank">OpenCourse „Die Zukunft des Lernens“</a> im Zentrum steht.</em></p>

<p><em>Statt mit einem Text auf die Frage einzugehen, habe ich einmal versucht, diese Frage fotografisch zu beantworten. Das hier ver&#246;ffentliche Foto ist dabei sowohl im realen als auch im &#252;bertragenen (bildlichen, metaphorischen) Sinne gemeint.</em></p>

<p><em>Wenn sich jemand an eine Bild-Interpretation traut, w&#252;rde mich das sehr freuen. Die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag darf gerne in diesem Sinne genutzt werden… <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> </em></p>

<div class="mceTemp" style="text-align: center;"><dl id="attachment_5988" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px;"> <dt class="wp-caption-dt"><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/05/LarbigsPLE.jpg"><img class="size-full wp-image-5988 " title="LarbigsPLE" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/05/LarbigsPLE.jpg" alt="Herr Larbigs „Personal Learning Environment“ – © Torsten Larbig 2011" width="500" height="333" /></a></dt> <dd class="wp-caption-dd">© Torsten Larbig 2011</dd> </dl></div>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Die R&#252;ckkehr der Schiefertafel oder: Arbeiten mit dem iPad</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Oct 2010 07:35:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kaum gr&#246;&#223;er als einst Schiefertafeln, &#228;hnlich »dick« oder auch »d&#252;nn«, je nachdem, wie man es gerade betrachten will, liegt seit ein paar Tagen nun also das iPad vor mir. Es ist dabei, das kann ich schon jetzt sagen, mein Arbeiten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/10/24/die-rueckkehr-der-schiefertafel-oder-arbeiten-mit-dem-ipad/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum gr&#246;&#223;er als einst <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schreibtafel">Schiefertafeln</a>, &#228;hnlich »dick« oder auch »d&#252;nn«, je nachdem, wie man es gerade betrachten will, liegt seit ein paar Tagen nun also das <a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Apple_iPad">iPad</a> vor mir. Es ist dabei, das kann ich schon jetzt sagen, mein Arbeiten zu ver&#228;ndern, wobei ich diese Ver&#228;nderung bislang als eine Verdichtung und Intensivierung meiner Arbeit ansehe.</p>

<p>Diesen Blogartikel schreibe ich auf diesem Ger&#228;t, womit das Thema »Tastatur« rein praktisch schon bearbeitet ist, denn h&#228;tte ich nicht die Erfahrung gemacht, dass es mir faktisch m&#246;glich ist, die virtuelle Tastatur dieses Tablet-Computers in &#228;hnlicher Souver&#228;nit&#228;t zu bedienen wie eine Hardware-Tastatur, w&#252;rde ich sie f&#252;r solch lange Texte nicht nutzen.</p>

<p>Doch es ist gerade die Arbeit an Texten, die f&#252;r mich eines der Haupteinsatzgebiete des iPads werden soll — und auch schon ist — sei es die schreibende oder sei die lesende Arbeit an Texten.</p>

<p>Hier geht es nicht um einen Testbericht, sondern um eine erste Praxisreflexion der Arbeit mit diesem Ger&#228;t. Und bereits als sein Erscheinen im Januar 2010 angek&#252;ndigt wurde, erinnerte ich mich an meinen Eindruck des ersten Tablet-PCs, der einst von Microsoft vorgestellt wurde und den ich vor ein paar Jahren in Wien l&#228;ngere Zeit in H&#228;nden halten und testen konnte. Mit dieser Erinnerung ist f&#252;r mich der erste gro&#223;e Unterschied in der Praxis feststellbar: Brauchte ich bei Microsofts Erstling eines solchen Computertyps noch eine ganze Weile, bis ich &#252;berhaupt verstanden hatte, wie das System funktionierte, habe auf dem iPad einfach angefangen zu schreiben und machte nach weniger als vierundzwanzig Stunden die verbl&#252;ffende Entdeckung, dass ich hier nicht nur schnell, sondern sogar sehr z&#252;gig nahezu blind mit der Tastatur zu Schreiben in der Lage bin.</p>

<p>Fazit 1: Das Arbeiten mit dem iPad erscheint mir sehr intuitiv, ja fast kommt es mir so vor, als habe mein Arbeitsstil geradezu auf diesen Rechner gewartet, mit dem ich einfach los arbeiten kann, ohne mich gro&#223; in die Hard- oder Software hineindenken zu m&#252;ssen, was mich aber nat&#252;rlich dennoch nicht davon abhalten soll, auch die Frage zu stellen, wie dies alles funktioniert, aber nicht in diesem Beitrag.</p>

<p>Zun&#228;chst einmal ist das iPad f&#252;r mich also ein Schreibger&#228;t, die erste, wirklich portable Schreibmaschine, die ich je hatte. Anders als bei meinem Laptop beobachte ich, dass ich das iPad wirklich fast immer dabei habe, au&#223;er vielleicht, wenn ich einkaufen gehe. Aber ein Laptop, so sch&#246;n er ist, wiegt dann doch &#252;ber zwei Kilo und nimmt viel Platz in der Tasche weg, macht aber, wenn ich ihn &#252;ber UMTS online bringe, schon nach relativ kurzer Anlaufzeit schlapp, sodass es nicht wirklich ein Vergn&#252;gen ist, mit ihm vernetzt zu arbeiten.</p>

<p>Doch genau darum geht es mir: Konzentriert arbeiten k&#246;nnen und dennoch die Ressourcen verf&#252;gbar zu haben, die ich in vernetzten Strukturen gerne nutze. Au&#223;erdem habe ich mehr und mehr Zugriff auf aktuell von mir verwendete Materialien, die ich in dieser F&#252;lle in einer Tasche gar nicht mit mir herum tragen k&#246;nnte.</p>

<p>Fazit 2: Das iPad kommt meiner Vorstellung des mobilen Arbeitens sehr entgegen.</p>

<p>Mit mobilem Arbeiten meine ich nun nicht einmal, dass ich st&#228;ndig im Kaffee arbeiten wollte oder es gar tue. Lehrer haben aber nun einmal mindestens zwei Arbeitspl&#228;tze, hat eine Schule auch noch verschiedene Standorte, dann sind es oft sogar noch mehr. Und dann gibt es noch die Stunden zwischen den Unterrichtsstunden, in denen dann ideal vor Ort gearbeitet werden kann, wenn die entsprechenden Werkzeuge verf&#252;gbar sind.</p>

<p>Immer einen Duden dabei, einige Dutzend B&#252;cher st&#228;ndig als Lesestoff und Arbeitsmaterial auf dem Rechner und auch noch das Schreibger&#228;t, mit dem ich gleich gedruckte Versionen meiner Arbeitsergebnisse anfertigen kann, wenn ich die Dateien per E-Mail an mich schicke und dann ausdrucke, was aber nicht in jedem Fall n&#246;tig ist.</p>

<p>Aber zun&#228;chst ist das iPad nicht als Dienstger&#228;t gedacht, auch wenn es in diesem Rahmen absehbar eine wahrscheinlich wichtige Rolle spielen wird, vor allem wenn es um Unterrichtsentw&#252;rfe geht. Beruf und private Interessen laufen bei mir allerdings sowieso ineinander &#252;ber, was ich als eigentlich die ideale berufliche Situation betrachte, so dass auch das mehr oder weniger private Arbeiten mit diesem Ger&#228;t neue Formen annimmt.</p>

<p>Ich lese nach wie vor sehr viele echte B&#252;cher, auch wenn mich iBooks als digitales Leseger&#228;t durchaus &#252;berzeugt, vor allem auch, weil Anstreichungen und Notizen m&#246;glich sind, aber auch beim analogen Lesen habe ich nun endlich meine eigenen Lesenotizen nicht nur umfassend dabei, sondern ich kann diese direkt tippen, weil das iPad neben einem Buch eigentlich immer in die Tasche passt und, anders als in vielen F&#228;llen der Laptop, wirklich verf&#252;gbar ist.</p>

<p>Fazit 3: Vor allem die wirkliche Mobilit&#228;t dieses Rechners erm&#246;glicht ein anderes Arbeiten und, da handschriftliche Notizen von unterwegs direkt getippt werden k&#246;nnen, auch eine straffere Organisation der Arbeit, f&#228;llt in vielen F&#228;llen dann doch das &#220;bertragen in den getippten Text weg und das Ausdrucken kann gleich beginnen, wenn ich zu Hause bin.</p>

<p>Notizen, Kalender, Lexika…, das alles ist zwar auch per iPhone verf&#252;gbar, aber ein Smartphone ist eben kein Arbeitsger&#228;t f&#252;r jemanden, der wirklich viel schreibt. Da ich aber auch im Bereich des kreativen Schreibens verortet bin, brauche ich genau diese M&#246;glichkeit des Schreibens, m&#246;glichst &#252;berall. Das geht auch mit Notizbuch und F&#252;ller, eine Kombination, die ich nach wie vor sehr sch&#228;tze und auch nutze, aber ich tippe nun einmal auch sehr gern. In dieser Hinsicht hat das Smartphone wenig zu bieten und all die Subnotebooks, die ich in H&#228;nden hielt, erschienen mir nicht nur oft sehr billig gemacht, sondern irgendwie auch unpraktisch f&#252;r meinen Arbeitsstil.</p>

<p>Selbst am heimischen Schreibtisch greife ich in &#252;berraschend vielen Situationen zu dem von mir lange sehr kritisch be&#228;ugtem Tablet-Computer. Auch wenn er kein Ersatz f&#252;r den PC sein will, man braucht einen solchen f&#252;r die Verwaltung des Ger&#228;tes dann doch immer mal wieder, erlebe ich das iPad sehr oft als genau diesen Ersatz, der zudem noch absolut leise l&#228;uft, so dass keine L&#252;fter oder Festplattenger&#228;usche noch ein wenig L&#228;rmpegel verursachen.</p>

<p>Und doch wirkt das iPad auf mich zun&#228;chst wie eine Schiefertafel: Es ist einfach in seiner &#228;u&#223;eren Erscheinung, aber, anders als eine Schiefertafel, im Innern hoch komplexe Technologie, was es von der Schiefertafel unterscheidet, es sei denn man sieht die molekulare Zusammensetzung der in einer Schiefertafel verarbeiteten Materialien als komplexe Struktur <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Lernen ist Arbeit. Entsprechend ist jedes Ger&#228;t, dass diese Arbeit unterst&#252;tzt, ein Ger&#228;t, das f&#252;r das Lernen geeignet ist, so der eigene Lernstil zum Ger&#228;t passt. Ist das iPad also ein Ger&#228;t, das f&#252;r die Nutzung im Unterricht geeignet ist, auch f&#252;r Sch&#252;ler? Meine Antwort auf diese Frage f&#228;llt im Augenblick noch ambivalent aus. Vor allem spricht der hohe Preis gegen eine Standardnutzung durch Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen. Es kann einfach nicht erwartet werden, dass so ein Ger&#228;t verf&#252;gbar ist, es sei denn, es muss nicht von den Eltern bezahlt werden.</p>

<p>Gegen den Einsatz in der Schule spricht auch die Bindung an einen Anbieter, so sehr dies faktisch in Richtung Microsoft an vielen Schulen auch der Fall ist. Aber diese Monokultur gef&#228;llt mir ja auch nicht. Wie sollte mir dann eine andere Monokultur gefallen k&#246;nnen?</p>

<p>Gegen die Nutzung eines solches Ger&#228;tes als Standard im Unterricht spricht aber auch, dass er nur dann sinnvoll sein kann, wenn es gelingen w&#252;rde, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu Arbeitsformen zu bringen, die in einem Computer eben nicht prim&#228;r ein Unterhaltungs-, sondern ein Arbeitsmedium sehen k&#246;nnen.</p>

<p>Und doch sehe ich im iPad f&#252;r mich eine echte Bereicherung im Lern-Arbeits-Zusammenhang. Dies k&#246;nnte so auch f&#252;r einzelne Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen gelten, die eher in die Nerd-Kategorie fallen, ist doch die Rede vom Digital Nativ meist nicht in Hinsicht auf die Mediennutzungskompetenz hin passend.</p>

<p>Ja, ich bin der Meinung, dass Tablet-PCs durchaus, anders als Notebooks, f&#252;r Schule interessant sein k&#246;nnen, meine aber auch, dass das analoge Lernen, das nach wie vor ganz einfach die Conditio humana in Sachen Lernen ist, dennoch im Vordergrund stehen muss, was nat&#252;rlich auch m&#246;glich ist, wenn diese Gattung Computer das Schulbuch und das Schulheft erg&#228;nzen, auf lange Sicht vielleicht auch abl&#246;sen kann.</p>

<p>Wenn es Bildungsprozessen gelingt, den Computer st&#228;rker als Arbeitsinstrument im Bewusstsein aller an Bildungsprozessen beteiligten zu verankern, ihm neben dem Image des Unterhaltungsmediums das Image eines tollen Lernmediums zu geben, dann wird er im Unterricht mittelfristig die Rolle spielen k&#246;nnen, die sinnvoll ist, so durch die Kosten solcher Ger&#228;te keine weiteren strukturellen Ungerechtigkeiten ins Bildungssystem selbst einflie&#223;en.</p>

<p>Ich selbst, um auf den Anfang dieses Beitrages zur&#252;ck zu kommen, habe Computer noch nie zum Spielen benutzt. Meinen ersten Computer kaufte ich mir im Studium, weil ich ihn als Lern- und Arbeitsger&#228;t brauchte. Das ist der Computer f&#252;r mich immer geblieben. Doch schon seit l&#228;ngerem w&#252;nschte ich mir f&#252;r den mich pr&#228;genden Arbeitsstil ein wirklich portables Arbeitsger&#228;t, ein Ger&#228;t, das klein, leicht und doch mit allen f&#252;r mich notwendigen F&#228;higkeiten ausgestattet ist. F&#252;r mich erf&#252;llt zur Zeit das iPad diese praktischen Erwartungen. Es passt zu meinem Arbeitsstil und unterst&#252;tzt ihn. Und ja, ich finde, dass Schiefertafeln eine tolle Sache sind, so dass ich froh bin, dass mir jetzt ein digitales Pendant der Schiefertafel bei meiner Arbeit zur Seite steht. 
     <strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Boykotteur oder Freak?</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 22:56:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[In der Jugendzeitschrift Spiesser regte Jonas Gro&#223;mann mit einem wahrscheinlich gezielt provokanten Artikel eine Diskussion &#252;ber die Frage an, wie die Lehrer der Jugendlichen zu Computern stehen. Gro&#223;mann vertritt hier die These, dass es eigentlich nur zwei Gruppen an Lehrenden &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/04/22/boykotteur-oder-freak/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Jugendzeitschrift <a href="http://www.spiesser.de/" target="_blank">Spiesser</a> regte <em> Jonas Gro&#223;mann </em>mit einem wahrscheinlich gezielt provokanten Artikel eine Diskussion &#252;ber die Frage an, wie die Lehrer der Jugendlichen zu Computern stehen.</p>

<p>Gro&#223;mann vertritt hier die These, dass es eigentlich nur zwei Gruppen an Lehrenden g&#228;be: die Boykotteure und die Freaks. Die Boykotteure sind in seinen Augen jene Lehrenden, die sich der Computertechnologie einfach oder offensiv verweigern, w&#228;hrend die Freaks jene Lehrenden seien, die Informatik studiert h&#228;tten und &#252;ber die Theorie inklusive Programmiersprachen sehr viel bis alles w&#252;ssten, aber keine Ahnung von Communities oder Twitter h&#228;tten. Dabei, so verstehe ich Gro&#223;manns Einwurf, gehen die f&#252;r Jugendliche wirklich interessanten Fragen unter:</p>

<blockquote>„&#220;ber die Chancen und Gefahren des Internets und der neuen Medien wird so gut wie gar nichts gelehrt, obwohl das Thema immer wichtiger wird und uns sogar interessiert. Lehrer scheint es nicht zu interessieren, wie wir Computer und Internet heute nutzen. Stattdessen sind sie verschreckt und verunsichert.“

Quelle: <a href="http://www.spiesser.de/default.aspx?showNews=407241&amp;ID=3218" target="_blank">Sagt uns eure Meinung: Wie stehen eure Lehrer zu Computer und Internet? &#8211; SPIESSER &#8211; Die Jugendzeitschrift &gt; SPIESSER tickt</a>.</blockquote>

<p>Die bislang gelaufene Diskussion zu diesem Beitrag ist differenzierter als der zur Diskussion motivieren sollende Artikel. Gut so, denn die Wirklichkeit sieht doch langsam wirklich (zumindest ein wenig) anders aus.</p>

<p>Meine Erfahrung, <span id="more-1408"></span>vor allem mit jenem Ph&#228;nomen, das endlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Radiotheorie" target="_blank">Bertolt Brechts Forderung aus dessen Radiotheorie</a> erf&#252;llt, dass sich das Radio (ich erg&#228;nze: die Medien) aus Distributionsmedien hin zu Kommunikationsmedien entwickeln m&#252;sste(n). Web 2.0 bietet in dieser Form erstmal genau das (nahezu) demokratisierte Kommunikationsmedium, welches Brecht sich w&#252;nschte.</p>

<p>Und in diesem Medium kommunizieren eine ganze Reihe an Lehrenden mit. Siebzig dieser <a href="http://www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/lehrerblog-2009-teilnehmer-endausscheidung/3476/" target="_blank">Lehrerenden-Blogs</a> hat der Lehrerfreund k&#252;rzlich vorgestellt. Ich gehe davon aus, dass die Zahl der bloggenden Lehrer faktisch aber wohl eher bei 200 als bei 70 liegt – oder sind es noch mehr? Freilich, das ist angesichts der Zahl an Lehrern und Lehrerinnen in Deutschland (und im Vergleich zum angels&#228;chsischen Raum) nach wie vor eine Zahl im niedrigen Promillebereich, aber Blogs alleine sind ja noch lange kein Kriterium, die Ahnung von Lehrenden vom Internet zu bewerten.</p>

<p>Allerdings ist mit diesen Blogs, den twitternden Lehrenden, den Lehrenden, die aktiv Wikis oder E-Learning-Systeme einsetzen nat&#252;rlich auch noch nicht gesagt, dass hier ein an Schulen weit verbreitetes Ph&#228;nomen an die Oberfl&#228;che schwappen w&#252;rde. – Aber: Es sind nicht nur junge Lehrer und Lehrerinnen, die das Tal der Ahnungslosen verlassen haben!</p>

<p>Andererseits – und das aus meiner Tastatur!: Was w&#228;re denn, wenn Deutschland von einer Welle hochgradig internetkompetenter Lehrkr&#228;fte &#252;berrollt w&#252;rde? F&#252;r die Jugendlichen w&#228;re das doch ein Schreckensszenario. Spiegel-Online titelte in dieser Hinsicht einmal treffend: „<a href="http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,575038,00.html" target="_blank">Hilfe, mein Lehrer ist im Internet!</a>“ – auch wenn der Artikel im Endeffekt etwas anderes liefert, als dieser Titel verspricht.</p>

<p>Wie s&#228;he dieses Schreckensszenario f&#252;r die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler aus? – Die Lehrkr&#228;fte Deutschlands w&#252;rden nicht nur Blogs schreiben und via Twitter oder OpenSource-Twitter-Alternativen im Web pr&#228;sent sein, sie w&#252;rden auch in Massen Hausaufgaben in Lernplattformen erledigen lassen, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zwingen, das Internet auch jenseits von Wikipedia zu durchk&#228;mmen und in E-Mail- und Chat-Kontakt mit ihren Klassen sein. Sie w&#252;rden anfangen, sich gegenseitig in Sch&#252;lerVZ einzuladen und dort die Aktivit&#228;ten der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit kritischem Blick verfolgen. Jeder Lehrende w&#252;rde ein Blog f&#252;r seine unterschiedlichen Klassen anlegen und die Jugendlichen zu Web 2.0-Projekten motivieren wollen, sodass der zu leistende Output, der dann auch noch &#246;ffentlich (kontrolliert und diskutiert) w&#252;rde, nur noch zu leisten w&#228;re, wenn Zehn-Finger-Blindschreiben beherrscht wird. Und der Mangel an Breitbandzug&#228;ngen in sehr l&#228;ndlichen Gebieten w&#252;rde noch mehr zu einem massiven Bildungsnachteil als er es heute vielleicht schon ist.</p>

<p>M&#246;glicherweise w&#228;ren diese Lehrkr&#228;fte dann nicht nur in Sachen Internet kompetent, sondern beg&#228;nnen auch noch, &#252;ber die typographischen Anforderungen zu reden, die ein in einer Textverarbeitung erstellter Text doch bitte erf&#252;llen solle. In Musik w&#252;rde pl&#246;tzlich online kollektiv komponiert, im Deutschunterricht h&#228;tte jeder Sch&#252;ler ein Lese- und oder Sprachblog zu f&#252;hren und die PC-R&#228;ume st&#252;nden leer, weil nat&#252;rlich jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin sein eigenes Net-Book in jeder Stunde dabei haben m&#252;sste, wobei die Zahl der in Klassenr&#228;umen anzubringenden Steckdosen enorm w&#252;rde, weil die Net-Books heutiger Generation kaum einen Unterrichtstag mit ihrem Akku &#252;berstehen w&#252;rden. – Kurz: Die Sch&#252;lerexistenz w&#252;rde sich massiv ver&#228;ndern, g&#228;be es pl&#246;tzlich nur noch in Sachen Internet und Co kompetente und begeisterte Lehrende.</p>

<p>Ja, das ist nat&#252;rlich ironisch und vielleicht auch ein wenig &#252;berzeichnet. Doch die Differenzierung von Lehrende in entweder Boykotteure oder Freaks ist es doch auch. Und ich m&#246;chte gar nicht davon anfangen, die <em>wirkliche</em> Internet- und Computerkompetenz vieler Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu reflektieren, die nach meinem Eindruck bei weitem nicht so selbstverst&#228;ndlich ist, wie in der &#214;ffentlichkeit meinem Eindruck nach meist angenommen. (Noch eine Herausforderung f&#252;r Lehrende?!)</p>

<p>Auf das Lernen bezogen ist nat&#252;rlich wichtig, dass „neue Medien“ eine nicht zu verachtende Rolle bei der Initiierung von Lernprozessen und f&#252;r die Lernprozesse selbst spielen. Doch die Voraussetzungen hierf&#252;r m&#252;ssen auch geschaffen werden – und die sind durchaus analoger Natur!</p>

<p>Am Anfang einer jeder Bildungskarriere stehen Lesen und Schreiben (vgl. hierzu <a href="http://unity.zum.de/blogs/freie_themen/medien/Medien;art213,187" target="_blank">das gute medienp&#228;dagogische Konzept von Fontane44</a>). Und das ist gef&#228;lligst mithilfe von B&#252;chern und F&#252;ller zu erlernen. Und auch sonst spielt der Umgang mit B&#252;chern (und in diesem sind die Lehrenden in der Regel kompetenter als die Sch&#252;lerinnnen und Sch&#252;ler) eine gro&#223;e Rolle, wenn jemand etwas lernen will.</p>

<p>Ohne das analoge Erlernen von Kulturtechniken, kann auch die angemessene Nutzung von Computer und Internet nicht gelingen.</p>

<p>Gleiches gilt freilich auch umgekehrt: Ohne die Nutzung von Computer und Internet k&#246;nnen Bildungsprozesse zu Beginn dieses 21. Jahrhunderts auch nicht mehr gelingen, da sich diese Computernutzung mehr und mehr zu einer weiteren Kulturtechnik entwickelt, so sehr sie auch von den „alten“ Kulturtechniken abh&#228;ngig ist.</p>

<p>Und so gibt es bereits heute eine durchaus nicht zu verachtende Zahl von Lehrenden, die mit dem Computer besser umgehen k&#246;nnen, als gemeinhin angenommen wird, auch wenn er im Unterricht vielleicht nicht bei jedem eine gro&#223;e Rolle spielt. Dies sind zunehmend Lehrende, ganz im Gegensatz zu der von Gro&#223;mann vertretenen These, die keine Freaks im Sinne studierter Informatiker sind. – Und ich geh&#246;re dazu.</p>

<p>Meines Erachtens wird die Diskussion um Schule und Computer bzw. Internet viel zu polarisierend gef&#252;hrt. Ja, es tun sich neue M&#246;glichkeiten des Lernens auf, die ich pers&#246;nlich toll (und durchaus auch effektiv) finde. Doch andererseits ist die kritische Distanz zu diesen Technologien von nicht zu verachtender Bedeutung, wenn wirklich zu einem kompetenten und kritischen Umgang mit Medien hingef&#252;hrt werden soll.</p>

<p>Damit bestreite ich nat&#252;rlich nicht, dass Lehrkr&#228;fte gef&#228;lligst Ahnung von der Lebenswelt der Lernenden haben sollten (ohne sich selbst in diese Lebenswelt hinein anbiedern zu wollen). Aber mal ehrlich: Wir befinden uns in einer Zeit massiver Ver&#228;nderungen. Das Internet als Massenph&#228;nomen ist kein 20 Jahre alt und die M&#246;glichkeiten des Internets als Kommunikationsmedium, abgesehen von der E-Mail, ist noch j&#252;nger. Da sollte man durchaus auch akzeptieren k&#246;nnen, dass nicht jeder auf den Zug aufspringen will oder kann, ohne gleich anzunehmen, dass ein Unterricht, der wenig bis gar nicht mit Computer und Internet arbeitet, ein schlechterer Unterricht sein m&#252;sse. – Das scheint mir in dieser klaren Form zwar keiner wirklich zu behaupten, aber implzit scheint mir der Gedanke bei Diskussionen um das Thema durchaus pr&#228;sent zu sein.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Schreiben und Schreibger&#228;te – Ein (Selbst)Interview</title>
		<link>http://herrlarbig.de/2008/09/02/schreiben-und-schreibgeraete-ein-selbstinterview/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Sep 2008 20:12:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hallo, Torsten. Wenn ich mich in deiner Wohnung so umschaue, hat hier ja ziemlich viel mit geschriebener Sprache zu tun. Da gibt es B&#252;cher, eine alte Schreibmaschine, einen Computer, daneben stehen verschiedene F&#252;ller… Aber es gab ja wohl mal eine &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/02/schreiben-und-schreibgeraete-ein-selbstinterview/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ul>
    <li>Hallo, Torsten. Wenn ich mich in deiner Wohnung so umschaue, hat hier ja ziemlich viel mit geschriebener Sprache zu tun. Da gibt es B&#252;cher, eine alte Schreibmaschine, einen Computer, daneben stehen verschiedene F&#252;ller… Aber es gab ja wohl mal eine Zeit, in der du mit all dem nichts anzufangen wusstest: seit wann hast du ein Verh&#228;ltnis zur Schrift?</li>
</ul>

<p><span id="more-93"></span><em>lacht</em> »Verh&#228;ltnis«… Das klingt fast, wie eine erotische Beziehung, eine Partnerschaft. Aber an so einer Perspektive ist sicher auch was dran. – Also, angefangen hab ich mit dem Schreiben in der Schule. Ich glaube, meinen Namen konnte ich damals in gro&#223;en, krakeligen Druckbuchstaben zusammensetzen. Als ich dann aber Schreiben lernte, ging das alles sehr schnell. Innerhalb k&#252;rzester Zeit fand ich zu B&#252;chern und Geschichten, die mich seit dem auch nicht mehr losgelassen haben.</p>

<ul>
    <li>B&#252;cher und Geschichten… Naja, das hat aber ja noch nicht so viel mit Schreiben als Kulturtechnik zu tun…</li>
</ul>

<p>Zumindest wenn es um das eigene Schreiben geht. Nat&#252;rlich wurden all diese Texte  von jemandem zu Papier gebracht. Aber es stimmt schon, es ist ein Unterschied, ob man liest oder ob man schreibt. Deshalb ist es ja auch sicher kein Zufall, dass viele Kinder zuerst ihren Namen schreiben k&#246;nnen. Schon das Lernen einer Sprache ist eine Form der Weltaneignung. Wenn man etwas zu benennen vermag, wird man ihm gegen&#252;ber selbst&#228;ndig, kann mit ihm umgehen, man wird zum Subjekt, gewinnt Selbst-Bewusstsein.</p>

<p>Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man erst dann wirklich mit etwas umzugehen vermag, wenn man Sprache daf&#252;r hat. Das gilt sicherlich vor allem f&#252;r Gef&#252;hle, die sich ja gleichzeitig der sprachlichen Beherrschbarkeit entziehen. Vielleicht gibt es auch deshalb so viele Liedtexte, die sich mit der Liebe befassen…</p>

<ul>
    <li>&#196;h, Entschuldigung, aber kommen wir da nicht ein wenig vom Thema ab?</li>
</ul>

<p>Nein, &#252;berhaupt nicht. Ok, so ein Exkurs f&#252;hrt vielleicht zu weit. Aber ich finde, dass Sprache f&#252;r den Menschen etwas ganz wichtiges ist. Es ist eine der wesentlichen Formen, auf das zu Antworten, was wir »Wirklichkeit« nennen. Ein solches »Antworten« geschieht nat&#252;rlich nicht nur in Sprache. Aber hier musst du mir noch einen kurzen Exkurs erlauben, damit sp&#228;ter dann klarer wird, was mir Schreiben und die unterschiedlichen Formen des Schreibens bedeuten.</p>

<ul>
    <li>Jaja, mach nur…</li>
</ul>

<p>Das geht schon ganz fr&#252;h los. Ein Baby spricht seine Eltern noch v&#246;llig ohne Sprache an, es erhebt einen Anspruch. Und die Eltern treten in einen Dialog: nehmen es in den Arm, stillen es usw. Das ist nicht nur eine Reaktion auf »nat&#252;rliche« Bed&#252;rfnisse, sondern schon ein echter An-Spruch und eine Antwort, ein Dialog. Und so gehen wir ja mit allem um. Die ganze Welt ist voller Anspr&#252;che. Und die Sprache ist eine Form der Antwort darauf, vielleicht die zentralste. Da steht etwas, »schaut« uns an – und wir nennen es »Baum«. Das einzige Problem dabei ist, dass Sprache auch Macht bedeutet. Das wissen ja schon die alten Mythen von der Entstehung der Welt. Im christlichen Sch&#246;pfungsverst&#228;ndnis gibt es da aber eine kleine Variante: Der Mensch benennt alles und gewinnt so Macht &#252;ber die Dinge. Gott aber spricht und erschafft dadurch etwas. Das ist auch eine Macht. Aber doch ganz anders. Wir k&#246;nnen erst »Licht« sagen, wenn »Licht« schon da ist. Gott sagte in diesem Sch&#246;pfungsmythos »Licht« – und es wurde Licht. Da zeigt sich immer noch ein Verst&#228;ndnis des Menschen davon, da&#223; er selbst zwar auf den Anspruch der Wirklichkeit antwortend handelt, aber diese Wirklichkeit, das »Ding an sich« weder v&#246;llig zu erkennen noch gar zu er-schaffen vermag. Und damit sind wir schon voll in philosophischen Gedanken &#252;ber Sprache drinnen. Das muss hier bei Andeutungen bleiben. Geht ja vielleicht auch nur darum, einen Eindruck davon zu geben, f&#252;r wie wichtig ich Sprache halte. Etwas allgemeiner formuliert: Wenn es uns nicht gelingt, einem An-Spruch der Wirklichkeit antwortend zu begegnen, sei es nun eben in der Sprache der W&#246;rter, des Bildes, des Tanzes, der Musik, der Wissenschaft, der Ethik…, dann sind wir nicht erfahrungsf&#228;hig. Das geht sogar so weit, da&#223; ich den Person-Begriff davon abh&#228;ngig mache. Per-Sonare: Hindurch-T&#246;nen. In unserer Antwort auf eine Wirklichkeit, t&#246;nt diese Wirklichkeit durch uns hindurch. Die Person ist also auch ein vom Klang des Anspruches der Wirklichkeit durch-t&#246;ntes. Aber das f&#252;hrt jetzt vielleicht wirklich zu weit.</p>

<ul>
    <li>Da steh ich jetzt. Verstehe kaum noch was. Nur so viel: Sprache ist dir sehr wichtig. Was hat das aber nun alles mit dem Schreiben zu tun?</li>
</ul>

<p>Irgendwann muss jemand auf die Idee gekommen sein, dass die Laute, die wir zur Kommunikation verwenden doch auch in eine von den Sprechvorg&#228;ngen unabh&#228;ngige Form gebracht werden k&#246;nnte. Wenn es stimmt, dass Schrift zuerst in wirtschaftlichen Zusammenh&#228;ngen auftaucht, dann stand dahinter wohl ein funktionales Bed&#252;rfnis. Man wollte die Besitzt&#252;mer &#252;berblicken k&#246;nnen, den Handel mit anderen vielleicht vereinfachen und kam so auf die Idee: Wir brauchen eine Form der »Daten-Speicherung«, die von der direkten Gespr&#228;chssituation unabh&#228;ngig ist. Wir wollen nicht immer durch die Warenlager gehen m&#252;ssen, um zu wissen, was wir denn nun so alles haben. Also nehmen wir Zeichen und lassen diese stellvertretend f&#252;r das Bezeichnete stehen. Und das ist ja nun auch das faszinierende f&#252;r mich an Schrift und am Schreiben: Die M&#246;glichkeit durch Kombination von Zeichen Inhalte auszudr&#252;cken. Man kann pl&#246;tzlich zu einer ganz anderen Form des Gespr&#228;ches kommen: &#252;ber R&#228;ume hinweg, zum Beispiel im Brief, ja, selbst beim Telefon funktioniert das ja alles &#252;ber Zeichen, &#252;ber Codierung und Decodierung, hier dann eben auf der Ebene elektrischer Zeichen, wie ja auch beim Computer; aber nicht nur das Gespr&#228;ch &#252;ber r&#228;umliche Distanzen wurde so m&#246;glich, sondern auch &#252;ber Zeiten hinweg. Nimm mal Sokrates. Der hat soviel wir wissen nichts aufgeschrieben, aber das Gespr&#228;ch intensiv gepflegt. Wenn es nun keine Schrift gegeben h&#228;tte, w&#228;ren wir heute nicht mehr in der Lage, davon etwas zu wissen, denn dieses Wissen h&#228;tte sich wahrscheinlich kaum im m&#252;ndlichen Ged&#228;chtnis so lange gehalten. Das einzige Problem: wir k&#246;nnen nat&#252;rlich nicht mehr Sokrates direkt kommunizieren. Diese Form des Gespr&#228;ches &#252;ber Zeiten hinweg ist dann doch ein wenig einseitig: wir k&#246;nnen darauf antworten, es weiter f&#252;hren, aber eben nicht mehr mit Sokrates.</p>

<ul>
    <li>Aber das hei&#223;t ja, dass Schrift ganz eng mit so etwas wie dem Ged&#228;chtnis zusammenh&#228;ngt.</li>
</ul>

<p>Ja, genau so ist es. Allerdings ist es wieder Sokrates, der das im Phaidros-Dialog ein wenig in Frage stellt. Demnach dient Schrift zwar der Erinnerung, nicht aber dem Ged&#228;chtnis. Im Gegenteil: Es findet sich dort die Urform klassischer Medienkritik, die man bis heute immer wieder findet. Wenn wir »Wissen« au&#223;erhalb des Ged&#228;chtnisses ablegen, dann wird das Ged&#228;chtnis dadurch geschw&#228;cht. Heute sagt man so sch&#246;n: »Man muss nichts wissen, nur, wo es steht.« – Aber diese Kritik ist mir dann doch ein wenig zu eng. Denn die M&#246;glichkeiten der Schrift sind doch so faszinierend und bereichernd, dass ich sagen w&#252;rde: Sokrates hat Recht – aber nicht ganz. Zumindest nicht dann, wenn man Schrift so einsetzt, da&#223; es dem analogen Wesen des Menschen entspricht.</p>

<ul>
    <li> Schon wieder so ein Begriff, bei dem man meinen k&#246;nnte, es st&#252;nden ganze Bibliotheken von Philosophie dahinter: »Analoges Wesen des Menschen«. Hei&#223;t das, der digitale Umgang mit Schrift im Computer wird von dir kritisiert.</li>
</ul>

<p>Hey, dieses Gespr&#228;ch ist via Computer entstanden und wird mittels digitaler Technik zur Verf&#252;gung gestellt. Ich wollte eben nat&#252;rlich ein wenig provozieren. Es kommt ein wenig darauf, an, was ich schreiben m&#246;chte. Davon h&#228;ngt dann auch immer ab, ob ich es per Hand oder per Computer tue. Sieht so aus, als ob wir jetzt so langsam dem eigentlichen Thema dieses Gespr&#228;ches n&#228;her kommen – oder?</p>

<ul>
    <li>Och, ich hab zwar nicht alles verstanden, was du gesagt hast, aber zumindest ist doch angekommen, dass das alles etwas mit dem Schreiben, mit Handschrift, mit F&#252;llern und auch mit dem Computer zu tun hat. Lass mich mal ganz einfach fragen: Was ist f&#252;r dich der gr&#246;&#223;te Unterschied beim Schreiben per Hand und per Computer?</li>
</ul>

<p>Erstens: die Schreibgeschwindigkeit. Zweitens: die k&#246;rperliche Verbindung zwischen Gedanken und Schrift. – Egal, wie schnell ich per Hand auch schreibe: da ich kein Steno kann, bin ich da immer langsamer als wenn ich einen Text am Computer tippe. Und es kann ja Anl&#228;sse geben, bei denen das Schreiben am Computer genau die Form ist, die den Inhalt des Geschriebenen entspricht. So ein Interview zum Beispiel: da versuche ich, tats&#228;chlich ein Gespr&#228;ch mit mir selber zu f&#252;hren. Das geht am Rechner sehr gut, das ich ja fast so schnell tippe, wie ich spreche. Ich sitze also hier, spreche vor mich hin und schreibe es parallel direkt auf. Ich muss beim Tippen ja nicht mehr gro&#223; nachdenken. &#196;hnliches passiert, wenn ich mit geschlossenen Augen am Rechner sitze und zum Beispiel kleine Geschichten schreibe, die als eine Art Film in meinem Kopf ablaufen. Da muss ich sehr schnell sein, um den Bildern folgen zu k&#246;nnen. Bei diesen Formen des Ausdrucks, die also sehr nah, an der Geschwindigkeit des Sprechens und Sehens in der Wirklichkeit sind, ist der Computer f&#252;r das Schreibger&#228;t der Wahl. Au&#223;erdem bietet es eine gewisse Distanz zum Geschrieben, da ich ja nichts anderes tue, als relativ mechanisch auf Tasten zu dr&#252;cken.</p>

<p>Die Handschrift ist langsamer. Ich nutze sie zum Beispiel zum Nachdenken. Dann sitze ich vor einem Blatt Papier, lasse die Gedanken flie&#223;en und versuche, diese so genau als m&#246;glich aufzu-zeichnen. Oder wenn ich einen Text lese und ihn im Ged&#228;chtnis verankern m&#246;chte, dann bediene ich mich der Handschrift, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass das Exzerpieren am Computer zwar sehr komfortabel ist, aber gleichzeitig so schnell, dass man es kaum schafft, das Gelesen im Ged&#228;chtnis zur Verf&#252;gung zu halten. Ich zumindest habe dann nichts anderes als eine Erinnerungsm&#246;glichkeit, die eben vom Rechner abh&#228;ngt. Au&#223;erdem setze ich den K&#246;rper beim handschriftlichen Arbeit ganz anders ein. Die Gedanken flie&#223;en vom Kopf in die Hand und &#252;ber einen F&#252;ller aufs Papier. Es entsteht auf dem Papier eine Spur des K&#246;rpers, die man beim Computer so nicht hat. Das ist mir zum Beispiel in Briefen wichtig. Wenn ich einem Freund oder einer Freundin etwas schreibe, dann ist in der Handschrift zumindest etwas von meinem K&#246;rper pr&#228;sent und ich vermag viel mehr zwischen den Zeilen auszudr&#252;cken. Je nach Stimmung sieht die Schrift anders aus. Oder: wenn ich im Zug bzw. Kaffee schreibe, dann sieht die Schrift auch anders aus. Au&#223;erdem genie&#223;e ich die Unabh&#228;ngigkeit des Schreibens von elektrischem Strom. Mit Feder und Tinte kann ich auch bei Kerzenlicht schreiben. Schlie&#223;lich ist es noch eine Gef&#252;hlssache: Wenn ich zwei Stunden am Computer geschrieben, dann ist bei aller Erf&#252;llung angesichts eines kreativen Aktes immer auch eine Art der Ersch&#246;pfung sp&#252;rbar, die nicht nur angenehm ist. Schreibe ich per Hand, ist da zwar auch eine Form der Ersch&#246;pfung, aber die ist irgendwie, ich wei&#223; noch nicht, wie ich das ausdr&#252;cken will, aber, die ist bei mir… ja, wohliger, angenehmer, eine gef&#252;lltere Ersch&#246;pfung.</p>

<ul>
    <li>Warum aber F&#252;ller?</li>
</ul>

<p>Mit Federn schreiben Menschen seit Jahrhunderten. Aber erst vor circa hundertdrei&#223;ig Jahren gelang es, eine gewisse Unabh&#228;ngigkeit vom Tintenfass zu erlangen. Und die Patronenf&#252;ller gibt es ja erst seit den f&#252;nfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Nach hundert Jahren Entwicklung ist der F&#252;ller im Gegensatz zu so manchem Textverarbeitungsprogramm ausgereift, auch wenn es da irgendwann Kombinationen gibt. So las ich die Tage von einem Prototypen, bei dem der Tintenfluss von einem Computer und Minipumpen geregelt wird. Aber das ist noch nicht alles. Ich schreibe heute per Hand, fast ausschlie&#223;lich mit F&#252;ller. Es ist das einzige Schreibger&#228;t das ich kenne, bei dem die Feder &#252;ber Jahre hinweg die M&#246;glichkeit hat, sich an mein Schreiben anzupassen. Aber auch umgekehrt. Ich habe unterschiedlichste Federn, die auch von mir eine gewisse Form der Anpassung verlangen und je nach Stimmung, Ruhe der Hand oder auch Papier nutze ich andere F&#252;ller. Bei Kugelschreibern tausche ich mit jedem Minentauch auch die Schreibspitze aus. Da gibt es keine Anpassung an mein Schreiben. Und das interessante ist: Wenn ich heute mit Kugelschreiber schreibe, dann verliert meine Handschrift f&#252;r mich jeden Reiz. Ich kann kaum noch mit Kugelschreiber schreiben – und schon gar nicht mit den &#252;berall verbreiteten Einweg- und Werbekugelschreibern.</p>

<ul>
    <li>Du sagtest, die Handschrift sei eine »Spur des K&#246;rpers«. Kannst du darauf noch ein wenig mehr eingehen?</li>
</ul>

<p>Klar, gerne. Am einfachsten kann ich das vielleicht &#252;ber Graphologie verdeutlichen. Damit bezeichnet man der Versuch, aus der Schrift etwas &#252;ber die Pers&#246;nlichkeit eines Menschen zu erfahren. Der K&#246;rper, der Charakter, das Selbstbild eines Menschen, aber auch Unter- bzw. gar Unbewusstes, findet sich nach Sicht der Graphologie, &#252;brigens ein sehr umstrittene »Wissenschaft«, in der Handschrift. Und ich glaube, da&#223; da etwas dran ist. Nehme ich mal ein unverf&#228;ngliches Beispiel, die Lyrikerin und Nobelpreistr&#228;gerin f&#252;r Literatur von 1966, Nelly Sachs. Nelly Sachs hatte in ihren letzten Lebensjahren zunehmende psychische Probleme, f&#252;hlte sich von Nazi-H&#228;schern verfolgt,  denen sie als J&#252;din in Deutschland gerade noch entkommen war. Wenn man nun ihre Handschrift sieht, dann gibt es ganz gravierende Unterschiede zwischen der Schrift, wenn sie psychisch »gut« drauf war und wenn sie wieder unter ihren Verfolgungsvorstellungen litt. Und wenn ich meine eigene Handschrift anschaue: da gibt es auch relativ viele Varianten. Also, vielleicht ist die Formulierung »Spur des K&#246;rpers« da missverst&#228;ndlich. Was ich meine ist, da&#223; sich in der Handschrift weit mehr auszudr&#252;cken vermag als nur das Geschriebene. Allerdings sollte man da mit voreiligen Deutungen sehr zur&#252;ckhaltend sein. Mir gelingt es eigentlich nur, wenn ich einen Menschen sehr gut kenne. Dann kann ich durchaus an der Handschrift, so ich auch diese sehr gut kenne, sehen, ob zum Beispiel die Aussage »Es geht mir gut« stimmt oder ob ich ihr gegen&#252;ber mi&#223;trauisch werde. Aber leider l&#228;uft heute ja das meiste &#252;ber Telefon und Email.</p>

<ul>
    <li>Hast du eine Vorstellung, warum das so ist?</li>
</ul>

<p>Hmmm, was ich jetzt sage, ist glaube ich sehr gewagt. Aber ich trau mich dennoch einmal, diesen Gedanken nachzuh&#228;ngen. Zum einen ist die auf elekrischem Strom basierende Form der Kommunikation nat&#252;rlich schneller. Und da wir heute ja von einem Geschwindigkeitswahn gepackt sind und alle meinen, wir h&#228;tten keine Zeit mehr, scheint das Telefon und die Email einfach einladend zu sein. Wobei ich das Telefon sehr mag, denn auch da ist ja durch die Stimme vieles an K&#246;rperlichkeit vorhanden. E-Mail ist manchmal ganz nett, aber ich glaube, in den meisten F&#228;llen wird sie v&#246;llig falsch eingesetzt. Pers&#246;nliche Briefe per E-Mail zum Beispiel finde ich nur in Ausnahmef&#228;llen angenehm. (Aber nat&#252;rlich freue ich mich jedes Mal auch &#252;ber E-Mail, wenn ich sehe: Da hat jemand an mich gedacht und gibt dem auch noch Ausdruck.)
Ich glaube aber, es steht noch etwas ganz anderes hinter dem Einsatz von Schreibwerkzeugen, die eine normierte Schrift &#252;ber Schriftarten (Typen) erzeugen. Die meisten haben zumindest eine Ahnung davon, dass Handschrift mehr zu sagen hat als nur die Inhalte. Und davor haben viele Angst. Es gibt kaum etwas, bei dem sich Menschen so oft entschuldigen,wie f&#252;r eine »schlechte« Handschrift. Heute h&#246;rt man noch, dass man ja nicht ge&#252;bt sei, seit Jahren eigentlich alles tippe und deshalb die Handschrift nicht mehr gut aussehe. Dahinter steht vielleicht auch ein Wunsch, zu gefallen. Oder positiv gewendet: Man will, dass auch alles lesbar ist, was man schreibt. Und da viele im Lesen von Handschriften nicht mehr ge&#252;bt sind, mag da sogar etwas dran sein. Interessanterweise erlebe ich es oft, da&#223; vor allem bei M&#228;nnern diejenigen kaum Handschrift verwenden, die gr&#246;&#223;ten Wert auf ihre Selbstinszenierung legen, die stark, erfolgreich etc. wirken wollen. In bestimmten Kreisen hat man da zwar F&#252;ller, aber die dienen eher der Selbtsinszenierung und dem Image als dem Schreiben – ein 350-Euro-F&#252;ller, der nur f&#252;r Unterschriften eingesetzt wird, ist da keine Seltenheit. Die Handschrift k&#246;nnte ja vielleicht zeigen, da&#223; da noch ein ganz anderer Mensch dahinter steht. Ich halte das zwar f&#252;r eine unbegr&#252;ndete Angst. Wenn die meisten schon im Lesen von Handschriften ungeb&#252;bt sind, werden sie kaum in der Lage sein, etwas zur Pers&#246;nlichkeit des Schreibenden herauslesen zu k&#246;nnen.</p>

<ul>
    <li>Moment. Jetzt hab ich doch eine Nachfrage: Wenn Handschrift etwas &#252;ber Schreibende auszusagen vermag, vermag dann auch die Handschrift die Pers&#246;nlichkeit zu beeinflussen? Kann man eine andere Pers&#246;nlichkeit werden, wenn man sich bewusst mit der eigenen Handschrift auseinander setzt?</li>
</ul>

<p>Also, das geht jetzt ja in die heute so modern gewordene therapeutische Richtung. Ja, es gibt Schreibtherapie. Aber da geht es eher um eine Form des Schreibens, die es einem erm&#246;glicht, zum Beispiel an unbewusste Teile der Pers&#246;nlichkeit heranzukommen oder aber eben eine Sprache f&#252;r sich und seine Erfahrungen zu finden. Ich glaube, das funktioniert auch. &#220;ber die Bedeutung einer Sprache f&#252;r die Pers&#246;nlichkeit, f&#252;r das Selbst-Bewusstsein, habe ich ja schon etwas gesagt. Bei der Arbeit an der Handschrift bin ich da bez&#252;glich m&#246;glicher psychischer Folgen ein wenig zur&#252;ckhaltender. Aber ich gehe immerhin so weit zu sagen, dass es sicherlich eine Bereicherung ist, die Handschrift lebendig zu halten, sie zu nutzen und durchaus auch zu &#252;ben. &#220;ber die Auswirkungen einer solchen Praxis wei&#223; ich nichts. Da will ich jetzt auch nicht ins spekulieren kommen. Nur in die therapeutische Richtung sollte das nicht gehen. All diese Psychologisierungen sind mir nicht so ganz behaglich. Es geht um eine der wunderbarsten Formen des Ausdrucks, die uns au&#223;erhalb der direkten k&#246;rperlichen Begegnung zur Verf&#252;gung steht. Ich staune immer wieder dar&#252;ber, da&#223; der Mensch so etwas zu Stande gebracht hat. Es geht nicht um Psychologie. Ich will ja auch nicht gleich unter dem Gesichtspunkt der Psychologie betrachtet werden, wenn ich einen Brief schreibe. Wenn aber ein Freund merkt: Ups, bei diesem Brief scheint es ihm aber gar nicht gut gegangen zu sein und Mut zuspricht oder tr&#246;stet, dann ist das genau das, was ich an der Spur des K&#246;rpers in der Handschrift so mag.</p>

<ul>
    <li>Du hast nun eine ganze Menge an F&#252;llern. Warum? Wenn es doch ein so pers&#246;nliches Schreibger&#228;t ist, w&#228;re es da nicht angebracht, nur einen zu nutzen?</li>
</ul>

<p>Du unterscheidest in der Frage sehr sch&#246;n zwischen F&#252;ller haben und F&#252;ller nutzen. Das gef&#228;llt mir. Zun&#228;chst einmal: Ich bin <span style="text-decoration: line-through;">kein</span> F&#252;llersammler. Ich habe nur solche, die ich auch zu nutzen vermag. Obwohl ich mich nat&#252;rlich auch am &#228;sthetischen &#196;u&#223;eren dieser Schreibger&#228;te sehr zu erfreuen vermag. Aber ich hab es ja schon gesagt: Welchen F&#252;ller ich nutze ist abh&#228;ngig von Stimmung oder auch von der Schreibgeschwindigkeit. Die Federn sind unterschiedlich schnell. Die meisten sind ja handgeschliffen. Nat&#252;rlich gibt es immer wieder F&#252;ller, die so eine Art Alltagsf&#252;ller sind und dann sehr intensiv genutzt werden. Aber auch da kann es zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche F&#252;ller treffen. Und ganz abgesehen davon: Ich habe auch unterschiedliche Tintenfarben laufen.</p>

<ul>
    <li>Bist du eigentlich bez&#252;glich F&#252;llern ein Romantiker?</li>
</ul>

<p>Ja, v&#246;llig. Wenn ich einen F&#252;ller in die Hand nehme, die Feder sehe und mich zum Beispiel daran erinnere, dass ich mit dieser Feder, mit diesem F&#252;ller das Abitur, mein Examen oder vielleicht einen ganz wichtigen Brief geschrieben habe, dann werde ich schon romantisch. Wenn ich dann bei Klausuraufsichten<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/02/schreiben-und-schreibgeraete-ein-selbstinterview/#footnote_0_93" id="identifier_0_93" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zur der Zeit, in der dieser Text entstand, arbeitete ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Frankfurter Universit&amp;#228;t und hatte in diesem Rahmen auch Aufsichten bei schriftlichen Examens- und Magisterpr&amp;#252;fungen zu halten.">1</a></sup> sehe, wie viele Leute eine Klausur mit einem Einweg- oder Werbekugelschreiber schreiben – und das sind vielleicht achtzig bis neunzig Prozent der Leute –, dann denke ich mir immer: Verdammt, ihr raubt euch gerade eine M&#246;glichkeit, sp&#228;ter einmal euren Examensf&#252;ller in die Hand zu nehmen, ja, und romantisch zu werden.</p>

<p align="right">©torstenlarbig 25. September 2003 (zuletzt &#252;berarbeitet: 02.09.2008)</p>

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