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	<title>herrlarbig.de &#187; Gedächtnis</title>
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		<title>Apps f&#252;r Lehrer: Omnifocus (ToDo, Things)</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Jan 2011 18:34:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Inhalt: 1. Das Problem: Nichts vergessen und doch einen freien Kopf behalten 2. Die technische Umsetzung – iCal, Omnifocus (und warum nicht Apigios „ToDo“ oder „Things“) 3. Ein Beispiel der praktischen Anwendung – Unterrichtsplanung Das Problem: Nichts vergessen und doch &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/01/29/apps-fuer-lehrer-omnifocus-todo-things/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<address>Inhalt:</address>

<address>1. Das Problem: Nichts vergessen und doch einen freien Kopf behalten</address>

<address>2. Die technische Umsetzung – iCal, Omnifocus (und warum nicht Apigios „ToDo“ oder „Things“)</address>

<address> 3. Ein Beispiel der praktischen Anwendung – Unterrichtsplanung
</address>

<h3>Das Problem: Nichts vergessen und doch einen freien Kopf behalten</h3>

<p>Unterricht, Verwaltung, in den eigenen F&#228;chern auf dem Laufenden bleiben und dann auch noch all diese, sich aus „kleinen Anfragen“ in den Klassenzimmern, den Schulfluren und im Lehrerzimmer ergebenden Arbeiten: Die Zahl der Aufgaben, die ein Lehrer im Laufe eines Tages, einer Woche, eines Schul-(Halb)-Jahres erledigen muss, ist umfangreich.</p>

<p>Das Problem dabei sind in der Regel weder die Aufgaben noch die Masse der Aufgaben, sondern die Frage, wie diese Aufgaben so angegangen werden, dass sie 1. nicht vergessen werden und 2. effektiv erledigt werden k&#246;nnen. Wie kann ich mit den Aufgaben umgehen, ohne dass sie belastend werden, weil ich st&#228;ndig an sie denke, um sie nicht zu vergessen, oder weil ich st&#228;ndig im Hintergrund &#252;berlege, ob ich vielleicht doch etwas vergessen haben k&#246;nnte…<span id="more-5592"></span></p>

<p>Methoden, um diese Herausforderung zu bew&#228;ltigen, gibt es wohl unterschiedliche. Da mir <a href="http://www.davidco.com/" target="_blank">David Allen</a>s „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Getting_Things_Done" target="_blank">Getting Things Done</a>“ (<a href="http://imgriff.com/serien/gtd-grundlagen/" target="_blank">GTD</a>) seit meiner ersten Besch&#228;ftigung mit ihr intuitiv sehr sympathisch war, mir den Eindruck vermittelte, meinem Arbeitsstil angemessen zu sein, kann ich hier keine anderen Methoden vorstellen. Ich stelle nicht einmal GTD als solches vor, sondern die technische Umsetzung mittels digitaler Hilfsmittel, die sich bei mir durchgesetzt hat. Es gibt andere L&#246;sungen, als die hier vorgestellten, &#252;ber deren Darstellung, als Erg&#228;nzung zu diesem Beitrag, in der Kommentarspalte ich mich sehr freuen w&#252;rde.</p>

<p>Die erste Entscheidung, die zu treffen ist, will man effektiv, entspannt und zuverl&#228;ssige Berge von Aufgaben bearbeiten, ist die Frage, ob man sich analoger oder digitaler Hilfsmittel bedienen will. GTD kann auf beiden Wegen genutzt werden und zum Teil ist das einfach eine Frage der Vorlieben bzw. des eigenen Arbeitsstils.</p>

<p>Hier fiel meine Entscheidung eindeutig auf die digitale Umsetzung meiner Arbeitsstrategien. Der Grund daf&#252;r ist, dass mich ein digitales Ger&#228;t an Aufgaben aktiv erinnern kann, w&#228;hrend ich bei analogen L&#246;sungen aktiv nach den Aufgaben suchen muss, die als n&#228;chste Schritte auf dem Programm stehen. Voraussetzung, dass die digital automatisierte Benachrichtigung funktioniert, ist die Pflege der Eintr&#228;ge, was aber wiederum so einfach sein muss, dass aus dem Sammeln zu erledigender Aufgaben nicht wieder selbst ToDo-Listen werden. <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Gelingt dieses einfache Einpflegen von Einzelaufgaben und den Arbeitsschritten bei Projekten, so ist das erste Problem erledigt: Wenn ich eine Aufgabe bekomme oder sich ein Projekt ergibt, in dem ich mich engagiere, kann ich dennoch den Kopf frei behalten, weil ich diese umgehend in mein Aufgaben- und Projektverwaltungssystem einspeise und somit sicherstelle, dass ich sie nicht vergesse, dass ich rechtzeitig an die Aufgaben erinnert werde, die ja nicht immer sofort getan werden m&#252;ssen oder getan werden k&#246;nnen. Anders ausgedr&#252;ckt: Weil ich sicher gestellt habe, dass ich die Aufgaben nicht vergessen werde, kann ich sie direkt nach ihrem Eingang bei mir vergessen und z. B. nach einer Pause mit freiem Kopf und auf das JETZT Anstehende konzentriert in den Unterricht gehen, aus dem sich vielleicht wieder neue Aufgaben ergeben, die ich dann aber schon nicht mehr mit in die n&#228;chste Pause oder gar in die n&#228;chste Unterrichtsstunde mitnehme, weil sie sofort „gesichert“ werden.</p>

<h3>Die technische Umsetzung – iCal, Omnifocus (und warum nicht Apigios „ToDo“ oder „Things“)</h3>

<p>Zwei Programme brauche ich, um die GTD-Methode f&#252;r mich umzusetzen: <a href="http://www.worldlingo.com/ma/dewiki/de/Getting_Things_Done" target="_blank">Einen Terminkalender und eine Aufgabenveraltung</a>.</p>

<p>Beim Terminkalender bin ich nicht sonderlich w&#228;hlerisch. Ich nutze das <a href="http://www.apple.com/macosx/what-is-macosx/mail-ical-address-book.html" target="_blank">auf jedem Mac vorhandene</a> Programm „<a href="http://support.apple.com/kb/HT2513?viewlocale=de_DE&amp;locale=de_DE" target="_blank">iCal</a>“. Termine zu verwalten ist keine sonderlich gro&#223;e Herausforderung, sodass der eigentliche Grund f&#252;r die Nutzung des Programms mit einer Funktion begr&#252;ndet ist, die auch bei der Wahl meines Aufgaben-Management-Programms sehr wichtig war, n&#228;mlich der einfachen Synchronisation mit iPhone und iPad.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/01/29/apps-fuer-lehrer-omnifocus-todo-things/#footnote_0_5592" id="identifier_0_5592" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ja, ich bin sehr Apple-lastig aufgestellt und stelle deshalb digitale Arbeitsabl&amp;#228;ufe vor, wie ich sie in dieser Hard- und Software-Umgebung organisiere. Was davon f&amp;#252;r Nutzer anderer Plattformen (Windows, Linux, Android etc&hellip;) hilfreich ist, wei&amp;#223; ich nicht. Aber vielleicht erfahre ich es ja von Lesern und Leserinnen, die zu dieser Frage Anmerkungen als Kommentar hinterlassen.">1</a></sup> Zudem arbeitet iCal problemlos mit meinem E-Mail-Programm zusammen, sodass ich bislang keine Notwendigkeit sah, mir in dieser Richtung Gedanken &#252;ber alternative Programme zu machen. Aber dass das Bed&#252;rfnis nach anderen Programmen an dieser Stelle nicht aufkommt, sagt auch schon etwas &#252;ber meine Zufriedenheit mit der genutzten Applikation, denn bei der Frage nach einem Programm f&#252;r die Aufgabenverwaltung hatte ich mit solchen Gedanken durchaus zu tun.</p>

<p>Wie also geht das mit der Verwaltung und effektiven Erledigung von Aufgaben. Besser: Womit l&#228;uft es f&#252;r mich am besten?</p>

<p>Angefangen habe ich mit der digitalen Implementierung von ToDo-Listen vor ca. zweieinhalb Jahren, wobei ich mich zun&#228;chst f&#252;r <a href="http://www.appigo.com/todo" target="_blank">ToDo von Apigio</a> entschied. Die Synchronisation lief da so, dass Aufgaben mit der nicht sonderlich effektiven Aufgabenverwaltung in iCal synchronisiert wurden, wobei ich die Kritierien der Synchronisation nie so richtig verstanden habe, weil die Liste in iCal eigentlich nie so aussah, wie ich mir das angesichts der Darstellung in ToDo vorgestellt habe. Aber es hat funktioniert. Ich konnte Aufgaben verwalten und mich an sie erinnern lassen.</p>

<p>Mit zunehmender Vertrautheit mit GTD als Methode wuchsen dann allerdings nicht nur meine Anspr&#252;che an eine angemessene Unterst&#252;tzung meiner Arbeit durch diese Methode. Die Konsequenz, mit der ich GTD einzusetzen versuchte, f&#252;hrte zu immer umfangreicheren Aufgaben-Notizen (und damit Ged&#228;chtnisentlastungen), die mit den M&#246;glichkeiten von ToDo f&#252;r mich nicht mehr komfortabel zu bew&#228;ltigen waren, trat hier doch das Ph&#228;nomen auf, dass die Erstellung und Verwaltung von Aufgaben selbst zu einer viel zu arbeitsintensiven Aufgabe wurde.</p>

<p>Also machte ich mich auf die Suche, welche App f&#252;r mich passen kann. Ich wollte die M&#246;glichkeit haben, dass eine zuverl&#228;ssige Synchronisation m&#246;glich ist, die auf die Nutzung externer Dienste (der Cloud) verzichtet. ToDo bietet eine Synchronisierung &#252;ber diese Cloud an, aber ich vertraue meine ToDos nicht einem externen Anbieter an. Also schied ToDo nicht nur aufgrund meines Empfindens aus der engeren Wahl, dass die App meinen Anforderungen nicht mehr entsprach, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass ich sehr zur&#252;ckhaltend bin, wenn es um Nutzung externer Dienste f&#252;r die Organisation meiner Arbeitsprozesse geht.</p>

<p>Blieben eigentlich nur noch die zwei Klassiker der ToDo-Applikationen, welche GTD zu integrieren versuchen und die f&#252;r den Mac, das iPhone und das iPad verf&#252;gbar sind: „<a href="http://culturedcode.com/things/ipad/" target="_blank">Things</a>“ und „<a href="http://www.omnigroup.com/products/omnifocus/" target="_blank">Omnifocus</a>“.</p>

<p>Beides sind keine billigen L&#246;sungen, beides sind ausgereifte L&#246;sungen, beide L&#246;sungen habe ich ernsthaft in Betracht gezogen. Beide Programme werden <a href="https://encrypted.google.com/search?q=omnifocus+things+test&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8" target="_blank">in vielen Kritiken</a> gelobt. Au&#223;erdem werden beide Programm schon seit einigen Jahren zuverl&#228;ssig weiterentwickelt, versprechen also, keine Eintagsfliegen zu sein, wie das bei manchen Apps der Fall zu sein scheint, f&#252;r die Einzelentwickler zust&#228;ndig sind.</p>

<p>Die Entscheidung f&#252;r „Things“ oder „Omnifocus“ f&#228;llt bei vielen Nutzern eines der Programme (die meisten haben sich bei der Suche eines Programmes wohl beide angeschaut und sich zwischen ihnen entschieden) unterschiedlich aus, aber so, dass sich f&#252;r mich der Eindruck erh&#228;rtete, dass beide Programme praxistauglich sind.</p>

<p>Die f&#252;r mich wesentlichen Entscheidungsargumente fand ich dann in einem <a href="http://www.macgadget.de/News/2009/02/06/Things-10-vs-OmniFocus-15" target="_blank">Vergleich beider Programme auf macgadget</a>, der zwar schon ein Jahr alt ist, mir aber auch f&#252;r die aktuellen Versionen grunds&#228;tzlich nach wie vor zutreffend erscheint.</p>

<p>Ich mag Programme, die mir m&#246;glichst viele Optionen geben, auch wenn die Einarbeitungszeit dadurch scheinbar l&#228;nger wird. Aber da ich solche Programme intensiv nutze, schreckt mich das nicht, wenn nur das Grundprinzip einfach ist und sich dann je nach Bed&#252;rfnis bzw. Kenntnis der Programmfunktionen erweitern und differenzieren l&#228;sst. Bei der intensiven Nutzung eines Programmes, wie es bei einem „Task-Manager“ nahe liegt, bin ich in der Regel nach sp&#228;testens zwei Wochen so mit einem Programm vertraut, dass die Arbeitsabl&#228;ufe fast automatisiert stattfinden, was meiner Vorgabe entspricht, dass solche Programm mir nicht &#252;ber meine Anwendungsziele hinaus Arbeit machen.</p>

<p>Angesichts der M&#246;glichkeiten, eine gr&#246;&#223;ere Organisationstiefe zu bekommen – und meiner spontanen Ideen, wie ich das Programm &#252;ber die reine Aufgabenverwaltung hinaus z. B. f&#252;r die Unterrichtsplanung nutzen kann, fiel meine Entscheidung letztlich auf Omnifocus. Das war keine billige Entscheidung, wollte ich das Programm doch auf Mac, iPhone und iPad nutzen, aber bis jetzt eine richtige Entscheidung.</p>

<p>Wie aber nutze ich Omnifocus und worin liegen f&#252;r mich Vorteile, die ich bei Things nicht meinte finden zu k&#246;nnen (was nicht hei&#223;t, dass ich da nicht was &#252;bersehen haben k&#246;nnte, weil ich das Programm selbst nicht in der praktischen Anwendung kenne):</p>

<p>– In jeder Ansicht kann ich schnell neue Aufgaben in den Eingangskorb eintragen. (Das kann auch Things)</p>

<p>– Neben Einzelaufgaben kann ich Projekte planen, die ich so einstellen kann, dass entweder die Aufgaben parallel (also in beliebiger Reihenfolge) oder aber so, dass sie sequentiell (der n&#228;chste Schritt im Projekt setzt die Erledigung der vorhergehenden voraus) erledigt werden k&#246;nnen.</p>

<p>– Die Synchronisation zwischen MacBook, iPhone und iPad funktioniert &#252;ber WiFi reibungslos.</p>

<p>– Die Datenbank wird automatisch gesichert und ich kann den Sicherungsort festlegen. Und da ich auf Datensicherung gro&#223;en Wert lege, ist das f&#252;r mich ein wichtiges Argument.</p>

<p>– F&#252;r die Planung von Unterricht finde ich vor allem hilfreich, dass ich Aufgaben nicht nur zus&#228;tzlich mit beliebig langen Notizen versehen, sondern auch Dateien anh&#228;ngen kann. Dabei kann ich entscheiden, ob ich einen Link zur Datei hinzuf&#252;ge oder die Datei direkt in die Datenbank von Omnifocus einbette.</p>

<p>– und viele weitere Punkte, die hier nicht zu weit f&#252;hren w&#252;rden.</p>

<h3>Ein Beispiel der praktischen Anwendung – Unterrichtsplanung</h3>

<p>Unterricht plane ich am liebsten l&#228;ngerfristig, ohne auf die Anpassung meiner Planungen an den konkreten Unterrichtsverlauf und w&#228;hrend einer Unterrichtseinheit erkennbar werdenden Interessen von Lerngruppen oder einzelnen Sch&#252;lern zu verzichten. Dazu nutze ich unterschiedliche Programme, um z. B. Unterrichtseinheiten zu planen, Arbeitsbl&#228;tter zu erstellen, Stundenverl&#228;ufe zu konzipieren etc.</p>

<p>Da ich unterwegs in der Regel das iPad dabei habe und nicht den Laptop, stehe ich vor der Herausforderung, die unterschiedlichen Dokumente zu verwalten. Auf dem Laptop ist das einfach: Nutze entsprechende Dateinamen und Ordnerstrukturen und du hast ganz schnell alle Unterlagen f&#252;r einen Unterrichtszusammenhang organisiert.</p>

<p>Da das iPad solche Ordnerstrukturen nicht kennt, was Kritiker durchaus bem&#228;keln, was von mir aber mit dem pragmatischen Auge gesehen wird, stellte sich f&#252;r mich die Frage, wie ich hier zu L&#246;sungen kommen kann. Und genau an dieser Stelle kommt Omnifocus ins Spiel.</p>

<p>Auf oberster Ebene des Programms Omnifocus habe ich mir einen Ordner f&#252;r Unterrichtsplanung angelegt. In diesem Ordner findet sich f&#252;r jede Lerngruppe ein Unterordner in dem sich das „Projekt“ befindet, in dem ich, nach Daten der Unterrichtsstunden sortiert, die Aufgabenliste f&#252;r die Planung nutze. Der Vorteil dieses Herangehens ist, dass ich nun auch eine L&#246;sung f&#252;r ein ganz seltsames Ph&#228;nomen habe: Unterricht wird konzentriert und m&#246;glichst am St&#252;ck geplant. Dennoch passiert es mir immer wieder, dass pl&#246;tzlich Ideen f&#252;r Unterrichtsstunden entstehen, die m&#246;glichst sofort, zumindest in Stichworten, festgehalten werden m&#252;ssen, um nicht vergessen zu werden. Fr&#252;her waren das handschriftliche oder digitale Notizzettel, an die ich mich aber auch erinnern musste, wenn ich die Idee gebraucht habe.</p>

<p>Heute trage ich eine solche Idee direkt in das jeweilge „Projekt“ ein, in dem ich die Unterrichtsplanung einer Klasse verwalte.</p>

<p>Wenn dann ein Arbeitsblatt entsteht, dass ich f&#252;r eine Stunde zum Beispiel in zwei Wochen ben&#246;tige, f&#252;ge ich das Dokument zu dem entsprechenden Eintrag mit Notizen f&#252;r die Stunde ein und mache es zum Teil der Omnifocus-Datenbank, sodass es mir auf allen Ger&#228;ten verf&#252;gbar ist, ordne dem Projekt ein Startdatum zu, das in der Regel ein bis zwei Tage vor der konkreten Stunde liegt, sodass es sich an diesem Tag aktiviert und in meiner Liste der Aufgaben auftaucht, sodass ich das von mir erstellte Arbeitsblatt zeitnah, aber eben nicht erst unmittelbar vor der Unterrichtsstunde kopieren kann. Dazu sende ich es dann entweder per E-Mail an meine Dienstadresse, um es vor Ort auszudrucken und mit ihm direkt zum Kopierer zu gehen, oder ich mache mir bereits zu Hause einen Ausdruck und vervielf&#228;tige diesen dann vor Ort.</p>

<p>Entlastend ist diese Herangehensweise, weil ich den Aufgabenmanager so verwende, dass ich rechtzeitig auf bereits bestehende Unterrichtsplanungen hingewiesen werde, rechtzeitig an die Erstellung des Arbeitsmaterials gehen kann und somit hektische Situationen vermeide, weil ich zum Beispiel erst am Unterrichtstag selbst Vervielf&#228;ltigungen anfertige, die dann immer noch von einem defekten Kopierer verhindert werden k&#246;nnen oder in einer Situation entstehen, in der die Schlange am Kopierer lang ist, der Unterricht aber in wenigen Minuten beginnt.</p>

<p>F&#252;r mich erreiche ich auf dem Weg &#252;ber die von mir gew&#228;hlte Aufgabenverwaltung „Omnifocus“ also vor allem, dass ich &#252;berfl&#252;ssige Stress-Situationen reduziere bzw. vermeide, die durch eine wenig organisierte Aufgaben-Bew&#228;ltigungs-Struktur verursacht werden. Ich bekomme Dinge deutlich entspannter getan (Getting Things Done!), als ich es zum Beispiel im Referendariat erlebte oder in den ersten Monaten auf einer vollen Stelle, die mich zu dem Schluss brachten, dass ich diesen Aufgabenstress reduzieren muss.</p>

<p>F&#252;r mich ist es kein Luxus, f&#252;r diesen Zweck ein professionelles Programm zu nutzen, sondern ein konkreter Beitrag zu einem Thema, mit dem Lehrer immer wieder zu tun haben: Wie reduziere ich professionell den von mir als solchen wahrgenommenen Stress, um mich so meinen Kernaufgaben konzentriert widmen zu k&#246;nnen, den Kopf frei zu halten und somit (hoffentlich) auch zu vermeiden, dass &#220;berlastungsgef&#252;hle den Spa&#223; an der Arbeit reduzieren, die im schlimmsten Fall bis zu BurnOut-Erscheinungen f&#252;hren k&#246;nnen.</p>

<p>Die Entwicklung angemessen digital unterst&#252;tzter Arbeitsabl&#228;ufe (von Routinen, wenn Routinen hilfreich sind, die aber zugleich vor Routinen sch&#252;tzen, die st&#246;rend werden k&#246;nnen – z. B. bei individueller F&#246;rderung von Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen), von „digitalen  Workflows“, zu denen die Aufgabenverwaltung f&#252;r mich geh&#246;rt, ist f&#252;r mich bis jetzt eines der effektivsten Mittel, um mit den umfangreichen Anforderungen des Lehrberufes so umgehen zu k&#246;nnen, dass ich sie bew&#228;ltigen kann, ich sie „beherrsche“ und nicht von ihnen „beherrscht“ oder gar „aufgefressen“ werde.</p>

<p>Dieses Ziel unterst&#252;tzt Omnifocus f&#252;r mich<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/01/29/apps-fuer-lehrer-omnifocus-todo-things/#footnote_1_5592" id="identifier_1_5592" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="andere werden sich eher f&amp;#252;r Things entscheiden oder merken, dass ein analog gef&amp;#252;hrtes GTD-System ihrem Arbeitsstil eher entspricht oder&hellip;">2</a></sup> ideal. Das Programm fokusiert meinen Blick auf das, was jetzt getan werden muss oder getan werden kann, nimmt das aus dem Fokus, was jetzt noch nicht dran ist, bringt es aber bei gutem Einpflegen der Eintr&#228;ge rechtzeitig in den Fokus meiner Aufmerksamkeit zur&#252;ck, ohne dass ich st&#228;ndig alle anstehenden Aufgaben vor Augen haben muss, was angesichts ihrer F&#252;lle durchaus dazu f&#252;hren kann, dass man wie gel&#228;hmt vor der F&#252;lle der Aufgaben steht und dabei vergisst, wie man einen Berg am besten besteigt, n&#228;mlich Schritt f&#252;r Schritt.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_5592" class="footnote">Ja, ich bin sehr Apple-lastig aufgestellt und stelle deshalb digitale Arbeitsabl&#228;ufe vor, wie ich sie in dieser Hard- und Software-Umgebung organisiere. Was davon f&#252;r Nutzer anderer Plattformen (Windows, Linux, Android etc…) hilfreich ist, wei&#223; ich nicht. Aber vielleicht erfahre ich es ja von Lesern und Leserinnen, die zu dieser Frage Anmerkungen als Kommentar hinterlassen.</li><li id="footnote_1_5592" class="footnote">andere werden sich eher f&#252;r Things entscheiden oder merken, dass ein analog gef&#252;hrtes GTD-System ihrem Arbeitsstil eher entspricht oder…</li></ol>
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		<title>Strukturen allgemeiner Bildung und das Auswendiglernen von Gedichten</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Jan 2011 22:37:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Deutschen gibt es so sch&#246;ne zusammengesetzte Worte. »Allgemeinbildung« ist ein solches Wort. Mit dem Anspruch, dieses Wort einmal praktisch zu f&#252;llen, twitterte ich vor einigen Tagen: »Welche #Gedichte sollte jeder (also auch Sch&#252;ler) auswendig k&#246;nnen? – Zauberlehrling, Erlk&#246;nig, Lied &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/01/06/strukturen-allgemeiner-bildung-und-das-auswendiglernen-von-gedichten-5/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Deutschen gibt es so sch&#246;ne zusammengesetzte Worte. »Allgemeinbildung« ist ein solches Wort. Mit dem Anspruch, dieses Wort einmal praktisch zu f&#252;llen, twitterte ich vor einigen Tagen: »<a target="_blank" href="http://twitter.com/#!/herrlarbig/statuses/16841531579179008">Welche #Gedichte sollte jeder (also auch Sch&#252;ler) auswendig k&#246;nnen? – Zauberlehrling, Erlk&#246;nig, Lied von der Glocke, An die Nachgeborenen? …</a>«</p>

<p>Wie erwartet, lie&#223; der Protest nicht lange auf sich warten.</p>

<p>Man k&#246;nne auch ohne Gedichte vortragen zu k&#246;nnen ganz gut leben, wurde da gesagt. Das habe keinen lebenspraktischen Nutzen, wurde mir entgegen gehalten. Am heftigsten intervenierte Kollege Drossmann, der dann vorschlug, wir k&#246;nnten zu dem Thema ja mal in Blogeintr&#228;gen unsere Positionen zu dem Thema abstecken. <a target="_blank" href="http://www.drossmann.de/wordpress/2010/12/21/qualitaetscontent-kritik-der-allgemeinbildung-teil-1/">Christian Drossman hat damit schon begonnen</a>; Zeit, meinen Teil zu dieser Absprache beizutragen.<span id="more-5470"></span></p>

<p>Um es gleich zu sagen: das hier ist keine Antwort auf Drossmanns &#220;berlegungen, sondern eine Darstellung der Hintergr&#252;nde, die Allgemeinbildung – f&#252;r mich geh&#246;rt dazu auch Wissen – in meinen Augen zu einer nach wie vor wichtigen Sache machen.</p>

<p>Da allerdings mit »Allgemeinbildung« heute oft lexikalisches Wissen verbunden wird, erlaube ich mir, mich hier einmal selbst zu zitieren. in einer Replik zu Schirrmachers »Payback« <a target="_blank" href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/">schrieb ich</a>:</p>

<blockquote>Das Problem ist ein „Wer-wird-Million&#228;r-”, ein „Trivial Pursuit-“, ein „Enzyklop&#228;die-Problem“. Das „Bescheid-Wissen“ wird an die Stelle des aktiven Suchens und Zweifeln gesetzt.</blockquote>

<p>Gehe ich mir selbst in die Falle, wenn ich vor diesem Hintergrund behaupte, dass das Erlernen von Gedichten eine Bildungsfunktion habe? Ist das nicht eine Form des »Bescheid-Wissens«, das ich vor nicht allzu langer Zeit kritisiert habe?</p>

<p>Ich halte mich f&#252;r lernf&#228;hig, beobachte immer wieder, wie sich mein Denken und die daraus folgende Praxis ver&#228;ndern. Ich weigere mich, mich auf Positionen festlegen zu lassen, die immer nur eine Station in dem f&#252;r mich hoffentlich nie abgeschlossenem Prozess der Praxisreflexion widerspiegeln, sehe ich mich doch als reflektierenden Praktiker. Die Fragen in der Praxis ver&#228;ndern sich, kehren in unterschiedlicher Gestalt wieder etc.</p>

<p>Das gilt auch f&#252;r die Frage, wie Bildungsprozesse aussehen k&#246;nnen, damit sie gelingen. Damit eng verbunden ist f&#252;r mich die Frage, was unter Bildung und damit unter Allgemeinbildung verstanden werden kann. Diese Frage h&#228;ngt stark mit dem jeweils vertretenen Menschenbild zusammen. Ein solches Bild vom Menschen ist, grob gesprochen, in der Diskussion der vergangenen mindestens zweihundert Jahre in zwei Formen, mit sehr vielen Zwischenformen, aufgetreten.</p>

<p>Auf der einen Seite steht das materialistisch-mechanistische Menschenbild, das vor allem nach der Funktion fragt, die ein Mensch in der Praxis einer Gesellschaft haben soll.</p>

<p>Auf der anderen Seite steht das idealistisch-humanistische Menschenbild, das die Frage nicht aufgeben mag, was es mit dem »Wesen des Menschen«, der »Humanitas« auf sich hat.</p>

<p>In heutigen Bgeriffen zusammengefasst: Es geht um die Frage des Verh&#228;ltnisses von &#246;konomischer Verwertbarkeit und des Eigenwerts des Menschen. Anders ausgedr&#252;ckt: Inwiefern ist der Mensch Tier in einem von animalischen Instinkten getriebenen Rudel und inwiefern ist der Mensch Individuum mit einem eigenen, von keinen »lebenspraktischen« Zwecken &#252;berbaubarem Zweck.</p>

<p>In der Bildungsdiskussion spiegelt sich dieser Unterschied der Menschenbilder in der Frage wider, welchen Anteil &#246;konomisch verwertbare, praktische F&#228;higkeiten in schulischen Abschlussprofilen gegen&#252;ber eher reflexiv theoretischen Anteilen haben sollen. Ist es wichtiger, dass ein Mensch mit Textverarbeitungsprogrammen, Tabellenkalkulationen etc. umgehen kann, wenn er die Schule verl&#228;sst oder ist es wichtiger, dass ein Mensch wissensbasierte Reflexionsf&#228;higkeit erworben hat?</p>

<p>Ohne Wissen geht es in beiden F&#228;llen nicht. Die Frage geht in die Richtung, ob es wichtiger ist, praktisch direkt verwertbares Wissen oder reflexive Prozesse erm&#246;glichendes Wissen in den Vordergrund zu stellen.</p>

<p>Wenn ich es richtig sehe, versucht die gegenw&#228;rtige schulische Wirklichkeit einen Ausgleich zwischen beiden Seiten der Diskussion zu verwirklichen, die diese beiden Seiten manchmal als sich nahezu ausschlie&#223;ende Gegens&#228;tze darzustellen scheint, obwohl sie zusammen geh&#246;ren und entsprechend zu denken und praktisch umzusetzen sind.</p>

<p>Und damit bin ich bei dem am Anfang dieses Beitrages bereits genannten Begriff der »Allgemeinbildung«, die ich 1. nicht als eine Form des »Bescheid-Wissens« sehe und 2. nicht f&#252;r ein Instrument zur Aufrechterhaltung sozialer Unterschiede oder gar elit&#228;rer Inselbildungen halte. Kurz: Allgemeinbildung ist in meiner Perspektive keine Form des »Herrschaftswissens«, mit dem in »elit&#228;ren« Zirkeln geprahlt werden kann oder mit dem man – mit etwas Gl&#252;ck und guten Nerven – in einer Sendung wie »Wer wird Million&#228;r« viel Geld gewinnen kann.</p>

<p>Wie so oft: Es geht um die Frage, welche Bedeutung man den Begriffen zuordnet, die in einer Diskussion verwendet werden. Deshalb hier ein paar Definitionsversuche:</p>

<blockquote>»Bildung
Der Weg oder auch Prozess, in dem der Mensch seine geistig-seelische Gestalt gewinnt. Heute versteht man unter Bildung vor allem auch das Allgemeinwissen, &#252;ber das ein Mensch verf&#252;gt« (<a target="_blank" href="http://www.fluter.de/look/issues/issue13/bildung.htm">Quelle: Fluter</a>)</blockquote>

<blockquote>»Bildung (von ahd. bildunga: Sch&#246;pfung; Bildnis, Gestalt) bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“, seine geistigen F&#228;higkeiten.« (Quelle: (<a target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bildung">Wikipedia</a></blockquote>

<p>Diese Definitionen gehen weit &#252;ber die Frage nach der »lebenspraktischen Verwertbarkeit« hinaus, wie sie Christian Drossmann in die Diskussion eingeworfen hat.</p>

<p>Mechanistisch gesprochen geht es darum, m&#246;glichst viele Synapsenverbindungen zu entwickeln, die es dem Individuum erm&#246;glichen, seine M&#246;glichkeiten des Denkens in unterschiedlichen Zusammenh&#228;ngen so weit zu nutzen, wie es im Idealfall m&#246;glich ist.</p>

<p>Neben diesen strukturellen Aufgaben hat Bildung aber auch die Aufgabe, all das Wissen zu vermitteln, das es nicht notwendig macht, in jeder Generation aufs Neue das Auto zu erfinden, den elektrischen Strom nutzen zu lernen oder in sonstigen Bereichen bei Null anzufangen.</p>

<p>Faktenwissen ist in diesem Zusammenhang alles andere als sekund&#228;r.</p>

<p>Faktenwissen spielt auch bei rein lebenspraktisch orientierten Lehrenden eine wichtige Rolle, vielleicht sogar eine noch gr&#246;&#223;ere Rolle als bei Lehrenden, die Wert auf Metaf&#228;higkeiten legen, auf F&#228;higkeiten, die nicht nur praktische Handlungsoptionen schaffen, sonder gleichzeitig auch die F&#228;higkeiten zur Reflexion des (eigenen / gesellschaftlichen) Handelns.</p>

<p>Bildung ist der Weg, auf dem das Individuum seine Gestalt gewinnt. Bildung ist der Prozess der Entwicklung der eigenen Pers&#246;nlichkeit, der Person. – Es geht um die Frage, was durch einen Menschen hindurch klingt (per sonare). Die unterschiedlichen Positionen gegen&#252;ber den Wegen und Zielen von Bildung sind letztlich unterschiedliche Positionen in Sachen Menschenbild.</p>

<p>Nat&#252;rlich, das stelle ich gar nicht in Frage: Schulische Bildung hat (auch) das Ziel, junge Menschen in die Lage zu versetzen, einen Ausbildungsberuf oder ein zum Beruf f&#252;hrendes Studium ausf&#252;llen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus aber geht es Bildung, so wie ich sie verstehe, auch darum, jungen Menschen mit reflexiven Strukturen vertraut zu machen, die sie in die Lage versetzen, reflexiv mit sich selbst und der (beruflichen) Wirklichkeit umzugehen, was einen enormen Praxisnutzen hat.</p>

<p>Wir bereiten heute in Schulen und Hochschulen Menschen auf eine Gesellschaft und auf Herausforderungen vor, von denen wir nicht einmal wissen, dass sie auf zu kommen werden.</p>

<p>Bildung muss in die Lage versetzen, auf Fragen Antworten zu finden, von denen wir heute noch gar nicht wissen, dass sie als Fragen auftauchen werden. Das bedeutet, dass die Entwicklung der F&#228;higkeit zur (auf Wissen aufbauenden) Reflexion zu den Kernbestandteilen von Schule, Ausbildung und Studium geh&#246;ren muss.</p>

<p>Neben der Erm&#246;glichung, dass sich in Bildungsprozessen Individuen entwickeln k&#246;nnen, steht nach wie vor die Frage nach der »Allgemeinbildung« im Raum. Au&#223;erdem habe ich die Frage noch nicht beantwortet, welche Rolle das Erlernen von Gedichten f&#252;r den Vortrag ohne Blick auf die geschriebene Vorlage f&#252;r einen solchen Bildungsprozess spielen kann.</p>

<p>Prim&#228;res Ziel beim (Auswendig)Lernen mag die Aneignung von Fakten sein, zu denen nicht nur geschichtliche Daten (Daten=Gegebenheiten), Formeln (die man freilich auch in Formelsammlungen nachschlagen kann), Vokabeln und Grammatikkenntnisse im Bereich der Mutter- und Fremdsprachen, Kenntnisse biologischer, chemischer, physikalischer Fakten und Modelle geh&#246;ren, sondern auch Kenntnisse der geistesgeschichtlichen Entwicklungen, wie sie sich beispielsweise in der Literatur und damit auch in Gedichten widerspiegeln.</p>

<p>All dieses Wissen kann man nachschlagen. Das mag dann l&#228;nger dauern, aber mit der Zeit muss man das Wissen, das man lebenspraktisch regelm&#228;&#223;ig ben&#246;tigt, nicht mehr nachschlagen, da es in den Strukturen des Ged&#228;chtnisses verankert ist; die Synapsenverbindungen sind stark genug, um das Wissen ohne Nachschlagen abrufen zu k&#246;nnen.</p>

<p>Um diese Art des »Bescheid-Wissens« geht es mir, bei allem Beharren darauf, das Faktenwissen zumindest nicht unwichtig ist, aber nicht, wenn ich dar&#252;ber nachdenke, inwiefern Allgemeinbildung auch &#252;ber das Erlernen von Gedichten (und anderer Texte) erworben werden kann. Es geht weniger um das Heranf&#252;hren junger Menschen an pseudointellektuelle Abendgesellschaften, in denen man mit kulturellen F&#228;higkeiten prahlt, indem man Klavier spielt, Gedichte vortr&#228;gt, Name-Dropping betreibt, als vielmehr um die Frage, wie Pers&#246;nlichkeitsbildungprozesse gestaltet werden k&#246;nnen. Mechanistisch gesprochen verankern sich Pers&#246;nlichkeitsmerkmale in der Struktur von Synapsen und deren Verbindungen miteinander.</p>

<p>Diese Synapsenverbindungen m&#252;ssen trainiert werden, es m&#252;ssen (von konstruktivistischer P&#228;dagogik her betrachtet) Anschlussm&#246;glichkeiten an vorhandene Strukturen m&#246;gliche werden, es muss auf eine m&#246;glichst gro&#223;e Eigent&#228;tigkeit der Lernenden geachtet werden.</p>

<p>So, wie Sportler Bewegungsabl&#228;ufe im Training erlernen (quasi in der praktischen Anwendung auswendig lernen), so wie Musiker in Et&#252;den und Tonleiter&#252;bungen Ihre F&#228;higkeiten trainieren und erweitern, so gilt es auch, sprachliche F&#228;higkeiten zu erlernen, zu trainieren und flexibel in sprachlichen Kontexten anwenden zu k&#246;nnen: Texte m&#252;ssen sinnerfassend gelesen werden, Texte m&#252;ssen im Alltag, in der Ausbildung und im Studium erstellt werden – und zu allem &#220;berfluss findet ein gro&#223;er Teil der Wirklchkeitswahrnehmung und -reflexion in sprachlichen Mustern statt.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird nicht erwartet, dass im Alltag literarisch geschrieben wird und auch Gedichte spielen im Alltag oft nur noch eine Rolle, wenn f&#252;r Jubil&#228;en, runde Geburtstage etc. »gereimte« Texte oder Umdichtungen bekannter Lieder vorgenommen werden. Aber die sprachlichen Muster, die in Gedichten (und anderen [literarischen] Texten) entdeckt werden k&#246;nnen, der Wortschatz, der mit ihrer Hilfe erworben werde kann, geh&#246;ren in meinen Augen zu allgemein anzustrebenden F&#228;higkeiten und somit zur Allgemeinbildung, wie sie hier verstanden wird.</p>

<p>Ja. es ist richtig: Sprachliche F&#228;higkeiten sind oft Teil dessen, was zum »Herrschaftswissen« geh&#246;rt. H&#228;ufig werden Kenntnisse, wie sie hier reflektiert werden, mit Elitbegriffen verbunden. Wenn ich sie dennoch der Allgemeinbildung zuordne, dann deshalb, weil eine freiheitliche Demokratie auch davon lebt, dass Strukturen, die Teil des »Herrschaftswissens« sind, einem m&#246;glichst gro&#223;en Teil des Souver&#228;ns verf&#252;gbar sind.</p>

<p>Sp&#228;testens an dieser Stelle mag man mich einen unverbesserlichen Bildungsidealisten nennen. Man mag mir vorwerfen, ein praktisch nicht umsetzbares Bildungsideal zu verfolgen. Man mag sogar anmerken, dass hier ein rein bildungsb&#252;rgerliches, elit&#228;r ausgerichtetes Bild entworfen wird, v&#246;llig unabh&#228;ngig davon, dass ich noch so oft betonen kann, wie ich will, dass genau dies nicht das Ziel ist.</p>

<p>Was man aber nicht bestreiten kann ist, dass viele Probleme, die in den vergangenen Jahren im Bildungssystem diagnostiziert wurden, Probleme sind, die auch und vielleicht sogar zentral mit sprachlichen Problemen (Lesef&#228;higkeit, F&#228;higkeit zum den Sinn erfassendem Lesen, Probleme beim regelgerechten Schreiben etc.) verbunden sind.</p>

<p>Und entsprechend geht es bei der von mir auf Twitter kurz und undifferenziert angerissenen Frage nach den Erlernen von (bestimmten) Gedichten nicht um das stupide Auswendiglernen, von denen heutige Gro&#223;elterngenerationen berichten k&#246;nnen, sondern idealerweise um ein Lernen von Gedichten im Prozess des Nachvollziehens und Verstehens dieser Gedichte.</p>

<p>In diesem Rahmen kann dann die Frage gestellt werden, ob es bestimmte Gedichte gibt, an denen sprachliche, geistesgeschichtliche, formale (sprachstrukturelle, rhetorische Srukturen der Nutzung von Sprache) und auch k&#252;nstlerische (&#228;sthetische) F&#228;higkeiten erworben werden k&#246;nnen, die durchaus handlungsrelevant sind, selbst wenn man kein Dichter wird.</p>

<p>Gedichte zu lernen, ich kann mir &#252;brigens auch vorstellen, dass ebenso andere Texte bzw. Textausschnitte im Prozess des Nachvollziehens und Verstehens gelernt werden k&#246;nnen, hat dann nicht das Ziel, dass bestimmte Gedichte bescheidwissend erlernt werden, sondern das Ziel, dass die Kenntnis der Texte, das »Auswendiglernen«, ein Nebeneffekt der Ausbildung solcher Verstehensstrukturen und -f&#228;higkeiten ist, die es dann erm&#246;glichen, mit Texten ganz anderer Art verstehend umzugehen, wie sie im Alltag fast jeder Ausbildung und jeden Berufes begegnen.</p>

<p>Die Bedeutung solcher Sprachf&#228;higkeiten in Form ausgebildeter Synapsenstrkturen in Gehirnen f&#252;r Prozesse politischer Teilhabe habe ich schon erw&#228;hnt. Bleibt zum Schluss noch die Bemerkung, dass ein solches Lernen auch die F&#228;higkeiten des Ged&#228;chtnisses trainiert. Und trotz all der verf&#252;gbaren Wissensbest&#228;nde im Internet ist eine gute Ged&#228;chtnisleistung auch heute noch unmittelbar lebenspraktisch relevant. Das aber nur am Rande…</p>

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		<title>Nachdenk-Minute nach H. Meyer: Was ist guter Unterricht?</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 19:58:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[H. Meyer – Guter Unterricht]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Hilbert Meyer l&#228;dt in „Was ist guter Unterricht?“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/25/nachdenk-minute-nach-h-meyer-was-ist-guter-unterricht/#footnote_0_3637" id="identifier_0_3637" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hilbert Meyer, Was ist guter Unterricht?, Berlin (Cornelsen Scriptor) 2004, S. 10f.">1</a></sup> die Lesenden dazu ein, kurz einmal inne zu halten und sich selbst einigen Fragen zum eigenen Unterrichtsverst&#228;ndnis zu stellen. Das will ich dann also auch in diesem Lesetagebuch tun und die Fragen (vorl&#228;ufig!) beantworten, auch wenn ich genau wei&#223;, dass sich die Antworten auf  diese Fragen in einem Fluss der st&#228;ndigen Reflexion befinden. Es handelt sich also um vorl&#228;ufige Antworten, die schon in ein paar Wochen ganz anders ausfallen k&#246;nnten. Zudem handelt es sich um recht spontane Reaktionen.</p>

<p>A) Was sind f&#252;r mich pers&#246;nlich die zwei wichtigsten Merkmale guten Unterrichts?</p>

<p>Lieber Herr Meyer, Sie selbst haben angek&#252;ndigt, dass sie in ihrem Buch mindestens zehn Merkmale guten Unterrichts vorstellen wollen. Und jetzt erwarten Sie von mir, dass ich mich auf zwei Merkmale beschr&#228;nke. Glauben Sie wirklich, ich k&#246;nnte meine &#220;berlegungen in zwei Kriterien darlegen? Nun gut, ich nehme die Herausforderung an, aber nicht ohne den Hinweis, dass es durchaus noch mehr Kriterien f&#252;r mich gibt.</p>

<ol>
    <li>Im Zentrum des Unterrichts stehen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler. Ein wichtiges Merkmal guten Unterrichts ist f&#252;r mich, dass diese, jeweils konkret zu einer Lerngruppe geh&#246;renden, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in kognitive Prozesse einzusteigen verm&#246;gen, dass von Faktenwissen ausgehend Denkleistungen m&#246;glich werden, die &#252;ber das reine Faktenwissen hinaus gehen und reflektierende Transformationen des Faktenwissen stattfinden. Dazu geh&#246;ren sowohl die Reorganisation und der Transfer des Wissens, als auch die F&#228;higkeit, das Wissen im Rahmen von Meinungsbildungsbildungsprozessen argumentativ einsetzten zu k&#246;nnen.</li>
    <li>Da <a href="http://herrlarbig.de/2009/02/03/ldl-und-tzi/" target="_blank">ich selbst</a> die Hintergrundtheorie der Themenzentrierten Aktion (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Themenzentrierte_Interaktion" target="_blank">TZI</a>) als hilfreich f&#252;r die Gestaltung des Unterrichts akzeptiert habe, beruht mein zweites Kriterium auf einem ausgeglichenen Verh&#228;ltnis zwischen den Bed&#252;rfnissen der einzelnen Personen einer Lerngruppe, dem Gesamt der Lerngruppe und den in diesem Zusammenhang zu thematisierenden „Sachen“. Aus diesem Zusammenspiel ergeben sich die Themen. Dabei gilt es, die <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CBYQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.mbnord.de%2Fallgemeines%2Fschulentwicklung%2Fdaten%2Ftzi.pdf&amp;ei=SnR1TLHTBYLHswbj2tTjBQ&amp;usg=AFQjCNFsxHaTs154mh3ieNLFcFvDd58XBQ" target="_blank">Axiome und Postulate</a> zu ber&#252;cksichtigen, die im Rahmen des Konzepts der Themenzentrierten Interaktion entwickelt wurden. Das hei&#223;t aber auch: Faktenwissen und damit verbundene kognitive Leistungen stehen nicht allein, sondern sind Teil eines Prozesses des gemeinsamen Arbeitens in einer spezifischen Lerngruppe und von diesem Prozess abh&#228;ngig. Das Thema des (guten) Unterrichts wird nicht nur vor der Sache bestimmt, sondern ist immer das Ergebnis eines Prozesses, aus dem sich die Themen dann ergeben. Kurz: Man kann in verschiedenen Klassen bei der Erarbeitung z. B. eines gleichen Gedichts (Sache) unterschiedliche Themen haben und so auch andere Schwerpunkte setzen, ohne dass das Wissen, wie es der Lehrplan fordert, darunter leidet. (s. u.)</li>
</ol>

<p>B) Der Unterrichtserfolg wird nach meiner Auffassung am meisten gef&#228;hrdet durch…</p>

<p>… eine Reduktion der Inhalte von Unterricht auf die Sache (den Unterrichtsgegenstand) selbst, ohne Ber&#252;cksichtigung der Individuen und der Gruppendynamik, die sich aus dem Zusammentreffen der individuellen Charaktere und Lerntypen ergibt. Die zu erarbeitende „Sache“ f&#252;hrt erst im Zusammenspiel von individuellen Aspekten und der Dynamik einer Lerngruppe zu einem Thema. Die Sache ist noch nicht das zu erarbeitende Thema. (s. o.)</p>

<p>C) Welche zwei Merkmale eines langfristig erfolgreichen Unterrichts k&#246;nnten die empirschen Unterrichtsforscher als „Spitzenreiter“ (Merkmale gr&#246;&#223;ter Einflussst&#228;rke) ermittelt haben?</p>

<ol>
    <li>Transparenz, Strukturiertheit und Zielorientierung.</li>
    <li>Ausgewogenes Verh&#228;ltnis zwischen Wissenvermittlung und Freir&#228;umen f&#252;r das eigenst&#228;ndige Erarbeiten konkreter Themen, die die Interessen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler so weit wie m&#246;glich ber&#252;cksichtigen.</li>
</ol>

<p>Ich habe gerade keine Ahnung, ob die hier gegebenen Antworten den Erwartungen Meyers entsprechen. Aber es geht hier ja auch um eine erste Bestandsaufnahme. Ich bin sehr gespannt, inwiefern diese Positionen bei der weiteren Erarbeitung der Gedanken Meyer haltbar bleiben oder revidiert werden m&#252;ssen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus glaube ich, mit dieser „Nachdenk-Minute“ genug Ans&#228;tze f&#252;r eine Diskussion &#252;ber guten Unterricht zu geben, sodass die Kommentarfunktion hoffentlich eifrig und konstruktiv genutzt wird. Bin gespannt…<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_3637" class="footnote">Hilbert Meyer, Was ist guter Unterricht?, Berlin (Cornelsen Scriptor) 2004, S. 10f.</li></ol>
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		<title>Bin&#228;re Codes und die Bildung der Zukunft: Eine Replik zu Schirrmachers „Payback“</title>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 15:36:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich nicht bereit bin, meine geistigen F&#228;higkeiten von au&#223;en kommenden Informationsfluten unterzuordnen. Ich reguliere den Zufluss an E-Mails, pflege regelm&#228;&#223;ig meine Follower-Liste auf Twitter, indem ich jeden „Marketingexperten“, „Haben Sie Erfolg im &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich nicht bereit bin, meine geistigen F&#228;higkeiten von au&#223;en kommenden Informationsfluten unterzuordnen.</p>

<p>Ich reguliere den Zufluss an E-Mails, pflege regelm&#228;&#223;ig meine Follower-Liste auf Twitter, indem ich jeden „Marketingexperten“, „Haben Sie Erfolg im Web“ und sonstigen selbst ernannten Guru, der mir folgt, l&#246;sche, auch wenn ich gar nicht gezwungen bin, ihm auch zu folgen. SMS setze ich sparsam ein, Feeds laufen nicht mehr als 100 pro Tag ein, von denen ich mir vielleicht 10 n&#228;her anschaue und die Texte lese. Facebook war ein kurzes Intermezzo, da es gegen&#252;ber Twitter f&#252;r mich keinen Mehrwert brachte und mich zudem mit seinem Verst&#228;ndnis von „Datenschutz“ in Rage brachte. Ich habe diesen Verzicht und die Reduktion der Informationsfl&#252;sse, die t&#228;glich bei mir ankommen noch keinen Tag bereut.  – Wie einst die Fl&#252;sse reguliert wurden, um Hochwasser zu vermeiden, habe ich mich fr&#252;hzeitig entschlossen, den Informationsfluss zu regulieren, auf dass er mich nicht &#252;berschwemmen m&#246;ge.</p>

<p>Und dennoch: Ohne Computer kann ich mir weder die Kommunikation mit anderen Menschen noch meine allt&#228;gliche Arbeit mehr vorstellen. Ohne Suchmaschinen, es muss ja nicht immer Google sein, w&#252;rde ich mich wahrscheinlich neu orientieren m&#252;ssen, bin aber guter Dinge, dass dies gelingen k&#246;nnte, denn ich geh&#246;re noch zu denen, die einen Zettelkastenkatalog in Bibliotheken zu nutzen gelernt haben.</p>

<p>Und dabei bin ich viel j&#252;nger als Frank Schirrmacher, dem die Navigation in digitalen Welten zumindest ansatzweise eine &#220;berforderung zu sein scheint. So zumindest mein Eindruck beim Lesen seines Buches „Payback. Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht wollen, und wie wir die Kontrolle &#252;ber unsere Daten zur&#252;ckgewinnen“. Schirrmacher schreibt: „Ich werde [von der Masse digital eingehender Daten TL] aufgefressen“ (S. 15), auch wenn er seinen digitalen Bankrott noch nicht erkl&#228;rt.</p>

<p>„Die digitale Gesellschaft ist im Begriff, ihr Innenleben umzuprogrammieren. Auf der ganzen Welt haben Computer damit begonnen, ihre Intelligenz zusammenzulegen und ihre inneren Zust&#228;nde auszutauschen; und seit ein paar Jahren sind die Menschen ihnen auf diesem Weg gefolgt. Solange sie sich von Maschinen treiben lassen, werden sie hoffnungslos unterlegen sein”, so Schirrmacher (S. 20), der die Angst, etwas zu verpassen, als eine der treibenden Kr&#228;fte bei diesem Prozess sieht.</p>

<p>Und &#228;hnlich, wie sich einst Platon<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_0_2715" id="identifier_0_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&bdquo;.&hellip; diese Kunst [die Erfindung der Buchstaben und damit der Schrift TL] wird Vergessenheit schaffen in den Seelen derer, die sie erlernen, aus Achtlosigkeit gegen das Ged&amp;#228;chtnis, da die Leute im Vertrauen auf das Schriftst&amp;#252;ck von au&amp;#223;en sich werden erinnern lassen durch fremde Zeichen, nicht von innen heraus durch Selbstbesinnen. Also nicht ein Mittel zur Kr&amp;#228;ftigung, sondern zur St&amp;#252;tzung des Ged&amp;#228;chtnisses hast du gefunden. Und von Weisheit gibst du deinen Lehrlingen einen Schein, nicht die Wahrheit: wenn sie vieles geh&amp;#246;rt haben ohne Belehrung, werden sie auch viel zu verstehen sich einbilden, da sie doch gr&amp;#246;&amp;#223;tenteils nichts verstehen und schwer zu ertragen sind im Umgang, zu D&amp;#252;nkelweisen geworden und nicht zu Weisen&ldquo; &ndash; Platon: Phaidros. In: S&amp;#228;mtliche Dialoge. Hamburg 1993, Bd. 2, S.103.">1</a></sup> beklagte, dass die Schrift das Ged&#228;chtnis schw&#228;che, da sie externe Ged&#228;chtnisse erm&#246;gliche, stellt Schirrmacher nun fest, freilich ohne auf die lange Geschichte dieses kulturkritischen Topos zu verweisen, dass nun das Denken buchst&#228;blich nach au&#223;en wandere, unser Inneres verlasse und sich auf digitalen Plattformen abspiele. – Dennoch geht Schirrmacher nicht so weit, die Chancen der neuen (&#252;brigens von Menschen gemachten) Gegebenheiten zu verneinen, auch wenn ihm deutlich eine gro&#223;e Skepsis gegen&#252;ber als notwendiges &#220;bel empfundenen digitalen Kommunikationstechnologien anzumerken ist.</p>

<p>Schirrmachers These ist dabei so zutreffend und wie auch wenig neu, wenn er von einer kognitiven Wende der Menschheit spricht, in deren Zentrum eine ver&#228;nderte Struktur des Gehirns stehen k&#246;nnte. Fast will ich antworten: Nat&#252;rlich ver&#228;ndert der Code, den wir als Mittel unserer Kommunikation verwenden, unser Denken, ja, unser gesamtes Weltbild. Wie w&#228;re sonst das westlich-lineare Weltbild denkbar, wenn nicht auf der Basis eines Buchstaben-Codes, auf Grundlage des Alphabets, dass diese Form des linearen Verst&#228;ndnisses von Wirklichkeit &#252;berhaupt erst in unsere Gehirne gebracht hat. F&#252;r jeden, der den &#220;bergang zur Alphabetschrift reflektierend miterlebte, muss es &#228;hnlich erschreckend gewesen sein, dass an die Stelle eines durch die Jahresrhythmen gepr&#228;gten Denkens, dass sich in seiner zirkul&#228;ren Strukturen in den &#246;stlichen Religionen bis heute zeugt, nun eine lineare Struktur trat. (Zu diesem Thema komme ich sp&#228;ter noch einmal zur&#252;ck.)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_1_2715" id="identifier_1_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu: Kerckhove, Derrick de (1995), Schriftgeburten. vom Alphabet zum Computer, M&amp;#252;nchen, Fink">2</a></sup></p>

<p>Was passiert, wenn man Computer und Internet nicht nur als Werkzeuge sieht, sondern als »Psychotechnologien«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_2_2715" id="identifier_2_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kerckhove, Derrick de (1995), Schriftgeburten. vom Alphabet zum Computer, M&amp;#252;nchen, Fink, 18.">3</a></sup> versteht? Diese Annahme scheint mir so befremdlich nicht zu sein: Es ist nicht nur so, dass Software und die auf ihr beruhenden Anwendungen, zu denen auch all die Optionen im World-Wide-Web geh&#246;ren, Arbeit abnimmt; sondern vielmehr wohl auch so, dass die Programme auch ihre Nutzer programmieren.</p>

<p>Die Form der Arbeit hat sich mit Computern und dem auf ihnen basierenden Internet v&#246;llig ver&#228;ndert und es ist heute schon kaum noch vorstellbar, wie man &#252;berhaupt je ohne diese Maschinen in der Lage gewesen sein kann, Texte zu schreiben, Wissenschaft zu betreiben und den Alltag zu bestehen.</p>

<p>Computer und (digitale) audio-visuelle Medien ver&#228;ndern das Individuum und die Gesellschaft in der heute beobachtbaren Intensit&#228;t, weil es sich nicht um isolierte Maschinen, sondern um Netzwerke handelt.</p>

<p>Alte Medien verbinden sich auf der Basis eines neuen Codes; Text, Bild und Ton werden miteinander verbunden, »um – au&#223;erhalb der leiblichen Psyche der B&#252;rger – eine elektronische Psyche zu implementieren, die uns k&#252;nftig ein kollektives Parallelbewusstsein anbieten wird«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_3_2715" id="identifier_3_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Kerckhove, Derrick de (1995), Schriftgeburten. vom Alphabet zum Computer, M&amp;#252;nchen, Fink, 19.">4</a></sup>.</p>

<p>Auch wenn sich Schirrmacher nicht explizit auf theoretische Ans&#228;tze wie die Kerckhoves bezieht, sondern vor allem empirische Untersuchungen heranzieht und von diesen ausgehend seine Schlussfolgerungen zieht, so spricht die Empirie, zumindest in der Auswahl der Untersuchungen, die Schirrmacher auswertet, eine Sprache, die Kerckhoves medientheoretische Ans&#228;tze best&#228;tigt.</p>

<p>Erste Auswirkungen der Programmierung menschlicher Psyche durch Programme k&#246;nnten sich in den von Schirrmacher ausgewerteten Studien zeigen: Die Aufmerksamkeitsspannen, zu denen Menschen heute in der Lage sind, scheinen immer k&#252;rzer zu werden. Schon wenig komplexe Texte in gedruckter Form (und bei solchen in digitaler Form wird es nicht anders aussehen) &#252;berschreiten mit ihren Anspr&#252;chen die den Sinn erfassenden Aufnahmekapazit&#228;ten, das „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“ ist ein verbreitetes Krankheitsbild – nicht nur bei Kindern.</p>

<p>Schirrmachers Darstellungen von Beobachtungen und die Zusammenfassung der Ergebnisse von Studien entsprechen meinen eigenen Beobachtungen. Doch ist die gegenw&#228;rtige, digitale Form der Kommunikation schuld? Liegt die Verantwortung f&#252;r diese Ph&#228;nomene in einer Technologie, die im Internet ihren eigentlichen Ausdruck findet und als solche seit gerade 15 Jahren zu einem Massenph&#228;nomen geworden ist? Sind wir der von Kerckhove angenommenen Programmierung durch Programme quasi automatisch unterworfen oder k&#246;nnen wir ihnen auf Dauer auch in reflexiver Distanz begegnen? – Diese Fragen k&#246;nnen bislang nicht auf lange Sicht beantwortet werden.</p>

<p>Haben wir ein Problem, das durch digital vernetzte Medien erzeugt wird oder haben wir mit einem Problem zu tun, das mit einem unangemessenen Umgang mit diesen Medien zusammenh&#228;ngt? Ist die gegenw&#228;rtige Aufmerksamkeitskrise schon das Endprodukt des medialen Wandels oder eine Zwischenstation im Prozess der Integration der neuen Informationsstr&#246;me in unsere Denkstrukturen? – Wir wissen es nicht. Und weil wir es nicht wissen, sind Denkschriften wie die Schirrmachers und die reflexive Auseinandersetzung mit Stimmen wie seiner notwendig.</p>

<p>Wir brauchen den die medialen Ver&#228;nderungen begleitenden Denkprozess, die Zeiten und R&#228;ume, in denen wir Abstand von genutzten Alltagsmedien nehmen und uns den eigenen Umgang mit ihnen quasi „von au&#223;en“ betrachten.</p>

<p>Voraussetzung hierf&#252;r ist allerdings, dass Schirrmacher mit seiner These unrecht hat, dass das Abschalten der digitalen Kommunikationskan&#228;le zu einer Angstreaktion f&#252;hrt, die von der Sorge gepr&#228;gt ist, was man in diesen Zeiten offline alles verpassen k&#246;nnte.</p>

<p>Dass es dieses Ph&#228;nomen gibt, soll hier gar nicht bestritten werden. Aber wenn es dieses Ph&#228;nomen gibt, dann ist mit ihm die Frage verbunden, ob und wie es m&#246;glich sein kann, diesem subjektiven Abh&#228;ngigkeitsgef&#252;hl, das objektiv angesichts der Redundanz der im Netz anzutreffenden Informationen eigentlich keinen allzu gro&#223;en Realit&#228;tsgehalt haben d&#252;rfte, etwas entgegen zu setzen, dass die (intellektuelle) Autonomie des Menschen ernst nimmt. Doch zu solchen Strategien sp&#228;ter mehr. Nur soviel bereits an dieser Stelle: Wer die nicht zu bew&#228;ltigenden Datenfluten vernetzter, digitaler Medien als Problem sieht, kann sich einmal die Frage stellen, wie viele neue und vor allem f&#252;r einen selbst relevante Informationen wirklich auf diesen Kan&#228;len flie&#223;en.</p>

<p>„Es ist also schwieriger geworden, ein Buch zu lesen, weil unser Gehirn sich unter dem Druck digitaler Informationsfluten umzubauen beginnt.” – Auch ich zweifle nicht daran, dass wir eine Umstrukturierung des neuronalen Systems im Gehirn erleben. Doch meine These sieht den Grund hierf&#252;r in der grundlegend neuen Form der diese Informationen transportierenden Codes, die zwar auf der Oberfl&#228;che noch wie Buchstaben aussehen, ihrem Verhalten nach aber ausschlie&#223;lich aus den Zahlen 1 und O bestehen bzw. aus aktiven elektrischen Verbindungen und inaktiven elektrischen Verbindungen – und sich entsprechend verhalten, indem sie beispielsweise in Echtzeit von A nach B vermittelt werden k&#246;nnen.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_4_2715" id="identifier_4_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu: FLUSSER, Vil&eacute;m (2002): Medienkultur. herausgegeben von: BOLLMANN, Stefan. Frankfurt am Main, 3. Aufl. 2002 (1997). Flusser beschreibt hier unter anderem auch, wie das Aufkommen des Alphabets die Strukturen des Denkens und des Bewusstsein ver&amp;#228;nderte. Er schreibt &bdquo;Es [das Alphabet TL] bildete einen Geheimcode, und nur die darin Eingeweihten verf&amp;#252;gten &amp;#252;ber historisches Bewusstsein. Der gr&amp;#246;&amp;#223;te Teil der Gesellschaft orientierte sich weiterhin in der Welt anhand von harten Gegenst&amp;#228;nden, vor allem anhand von Bildern, und dank der gesprochenen Sprache. Das hei&amp;#223;t, der gr&amp;#246;&amp;#223;te Teil der Gesellschaft lebte in einem magischen und mythischen Bewusstsein.&ldquo; (S. 45) ">5</a></sup></p>

<p>Und doch kommt Schirrmacher zu einem mir nachvollziehbaren Schluss: „Wir sammeln heute unendliche Informationen. Aber sie f&#252;hren uns nirgendwo mehr hin.” (S. 42) In diesem Schluss liegt aber auch die Begrenztheit des Ansatzes Schirrmachers, der sich – und das ist v&#246;llig legitim! – entschieden hat, die empirische Forschung in seinen &#220;berlegungen zu ber&#252;cksichtigen, dar&#252;ber hinaus aber die medienphilosophischen Perspektiven (erst einmal?) au&#223;en vor zu lassen.</p>

<p>In diesem Vorgehen liegen Chancen und Grenzen: Die Chance besteht darin, dass hier Technikfolgenforschung in den Blick genommen wird, auch wenn die Folgen digital vernetzter Strukturen bislang mit dem Vorbehalt des bislang recht &#252;berschaubaren Zeitraums des Einsatzes dieser Technologien versehen werden m&#252;ssen, was Schirrmacher auch betont. Die Grenzen des Ansatzes Schirrmachers liegen dort, wo er die philosophische Metareflexion der Grundlagen digital vernetzter Strukturen au&#223;en vor l&#228;sst und somit bei der Reflexion m&#246;glicher Konsequenzen aus den empirischen Beobachtungen eher (verhaltens-)psychologisch argumentiert, im Prinzip also einem behavioristischen Ansatz folgt. F&#252;r diese Annahme sprechen die &#220;berschriften der zwei Teile des Buches: „Erster Teil: Warum wir <em>tun</em>, was wir nicht wollen”; „Zweiter Teil: Wie wir die <em>Kontrolle</em> &#252;ber unser Denken zur&#252;ckgewinnen k&#246;nnen“ [Hervorhebungen TL].</p>

<p>Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Schirrmacher seinen L&#246;sungsvorschlag, ich beschr&#228;nke mich hier einmal auf seinen Vorschlag bez&#252;glich der Zukunft der Bildung (S. 207–218), an grundlegenden menschlichen Verhaltensweisen darstellt. „Die Computer tun nichts anderes, als mit der menschlichen Faszination der Suche zu spielen“ (S. 210). Dabei bezieht er sich konkret auf die Frage der Aussch&#252;ttung des Gl&#252;ckshormons Dopamin, das immer dann freigesetzt wird, wenn jemand „einen Gedanken oder eine L&#246;sung gefunden hat, ein Kunstwerk geschaffen oder eine Erkenntnis verinnerlicht hat” (ebd.).</p>

<p>Das Problem besteht heute aber genau darin, dass Wissen oft mit Denken gleichgesetzt wird. Schirrmacher f&#252;hrt dies an einigen Beispielen in „Payback“ beeindruckend vor, zum Beispiel, wenn er zeigt, wie computergest&#252;tzte Anamnesen im medizinischen Bereich zu Fehldiagnosen f&#252;hren, weil im Computer vorhandene Diagnosen einfach von einer Krankenakte in eine andere kopiert werden, nur weil die Symptome &#228;hnlich scheinen (S. 39–42). &#196;hnlich ist es an vielen Punkten im Umgang mit verf&#252;gbaren digitalen Ressourcen, die per Drag and Drop &#252;bernommen werden, ohne durchdacht zu werden.</p>

<p>Nicht, dass es solche Kopierwut nicht auch schon in Zeiten gegeben h&#228;tte, als analog mit B&#252;chern gearbeitet wurde, aber der Umgang mit B&#252;chern scheint strukturell doch h&#228;ufiger zu einer kritischen Rezeption gef&#252;hrt zu haben, weil sie selbst die Diskurse zu einem Thema m&#246;glicherweise doch intensiver vorf&#252;hrten, als dies beispielsweise Wikipedia kann.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_5_2715" id="identifier_5_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Allerdings scheinen sich Strukturen der kritischen Rezeption auch in digitalen Kontexten zu entwickeln: So gibt es auf Wikipedia zu jedem Artikel die M&amp;#246;glichkeit, eine Diskussion zu f&amp;#252;hren, in Blogs werden Kommentare verfasst etc. M&amp;#246;glicherweise entwickelte sich in digitalen Kontexten eine wom&amp;#246;glich noch intensivere Form der Diskurse, die sich z. Zt. erst entwickelt.">6</a></sup></p>

<p>Das Problem ist ein „Wer-wird-Million&#228;r-”, ein „Trivial Pursuit-“, ein „Enzyklop&#228;die-Problem“. Das „Bescheid-Wissen“ wird an die Stelle des aktiven Suchens und Zweifeln gesetzt. Es ist das alte Faustproblem: W&#228;hrend Faust zweifelnd hin und her irrt und sucht, was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt, fasst der Sch&#252;ler in den Versen 1966f die heutige Position treffend zusammen:</p>

<blockquote>„Denn, was man schwarz auf wei&#223; besitzt,
Kann man getrost nach Hause tragen.“</blockquote>

<p>Wir haben es also, anders als Schirrmacher es darstellt, nicht mit einem <em>neuen</em> Problem der Bewusstseinsbildung gegen&#252;ber Inhalten zu tun, sondern mit einem Ph&#228;nomen, das so alt ist, wie Menschen sich in der dialektischen Struktur von Wissen und Unsicherheit gegen&#252;ber dem Wissen befinden.</p>

<p>Doch in der Gegenwart, hier stimme ich Schirrmacher zu, tut sich, insbesondere in Bildungskontexten, eine neue dialektische, nahezu paradoxe Struktur auf, die in der Forderung nach Individualisierung von Lernprozessen und dem „Zertifizizierungswahn“, „der grotesken Verschulung heutiger Hochschulausbildung“ (Vgl. S. 211) ihren Ausdruck findet. Und so stimme ich Schirrmacher auch zu, wenn er schreibt:</p>

<blockquote>„Die Informationsgesellschaften sind gezwungen, ein neues Verh&#228;ltnis zwischen Wissensged&#228;chtnis und Denken zu etablieren. […] Das pure Wissensged&#228;chtnis stammt aus Zeiten, in denen Informationen nicht nur rar waren, sondern auch gesch&#252;tzt werden mussten.“ (ebd.)</blockquote>

<p>Wie also muss Lernen in einen Wissensgesellschaft aussehen? Schirrmacher kommt zu dem Schluss, dass „die Bildung der Zukunft darin bestehen muss, Unsicherheiten zu entwickeln“. Es geht also nicht mehr darum, „Bescheid-Wissen“ in K&#246;pfe zu K&#246;pfe zu transportieren, sondern den Prozess der Wissensfindung selbst zu thematisieren, zu zeigen, dass Wissen in vielen F&#228;llen ein „Zwischenstand“ der Forschung ist, dass Forschung Modelle erzeugt, die aber nicht unverr&#252;ckbar sein m&#252;ssen und es in den seltensten F&#228;llen auch sind.</p>

<p>Sich des eigenen Verstandes zu bedienen und an die Stelle scheinbar stabilen Wissens die Unsicherheit gegen&#252;ber dem Wissen zu setzen, ist das zentrale Projekt der Aufkl&#228;rung, wie Kant sie sah.</p>

<p>Schirrmachers Schlussfolgerung ist insofern zutreffend, als sie genau dieses Projekt der Aufkl&#228;rung in den Fokus nimmt und seinen Wert betont, der gerade unter heutigen Umst&#228;nden von ganz besonderer Bedeutung ist. Dabei muss die konkrete Unsicherheit gegen&#252;ber „Bescheid-Wissen“ in Bildungsprozessen erfahrbar und f&#252;r die Prozesse selbst grundlegend sein / werden. Den digitalen Mitteln m&#252;ssen konkrete Erfahrungen gegen&#252;ber gestellt werden. Eine Mediendidaktik muss sich selbst auf den Umgang mit dem Prozess des Erkenntnisgewinns im Rahmen digitaler Medien befassen und darf dabei auch nicht aus dem Blick verlieren, dass eine Erfahrung am Bildschirm keine sinnlich-k&#246;rperliche Erfahrung ist.</p>

<p>Die Gefahr besteht darin, dass wir aus der Sitz-Schule mit frontalen Unterrichtsformen eine Sitz-Schule machen, in der an die Stelle des auf den Lehrer zentrierten Unterricht ein auf den Bildschirm zentrierter Unterricht treten k&#246;nnte, der eine K&#246;rperlosigkeit des Lernens durch eine andere ersetzt. (<a href="http://www.adz-netzwerk.de/SCHULEN-DER-KORPERLOSIGKEIT-Vortrag-von-Horst-Rumpf-beim-Muensteraner-Konvent.php" target="_blank">Vgl. hierzu die Schriften Horst Rumpfs und auch seinen im „Archiv der Zukunft“ verf&#252;gbaren Vortrag „Schulen der K&#246;rperlosigkeit?“</a>)</p>

<p>So sehr der Ansatz, digitale Medien f&#252;r selbstgesteuertes Lernen zu nutzen, in meinen Augen begr&#252;&#223;enswert ist und so sehr ich Schirrmacher zustimme, dass es Bildungsprozessen, in meinen Worten ausgedr&#252;ckt und der Sprache der Aufkl&#228;rung ausgedr&#252;ckt, um die Bef&#228;higung der Menschen zur Nutzung des eigenen Verstandes, also zu Entwicklung von Unsicherheiten gegen&#252;ber vorgegebenem Wissen, gehen muss, so sehr sto&#223;e ich mich daran, dass Schirrmacher auf Herausforderungen einer neuen Technologie und deren Folgen, die er auf der Basis empirischer Daten beeindruckend darstellt, mit alten Rezepten antworten, die inhaltlich v&#246;llig korrekt sind, aber die ver&#228;nderte Struktur der Wissensgesellschaft meines Erachtens nur ungen&#252;gend in den Blick nehmen. Oder, um es kurz zu fassen: Die bin&#228;re Struktur des Codes, der gegenw&#228;rtiges Wissen mehr und mehr pr&#228;gt, bleibt in ihren m&#246;glichen Folgen f&#252;r das Bewusstsein des Menschen in Schirrmachers Reflexionen weitgehend unber&#252;cksichtigt, sodass ich an dieser Stelle meine Unsicherheit gegen&#252;ber Schirrmachers Darstellung zum Ausdruck bringen will.</p>

<p>Vilém Flusser nimmt, anders als Schirrmacher, den Code, auf dem Wissen basiert in den Blick und zeigt, wie sich durch die Schriftlichkeit das Bewusstsein des Menschen ver&#228;ndert hat. Das Alphabet und die damit verbundene Linearit&#228;t hat, so Flussers These, ein linear gedachtes historisches Bewusstsein &#252;berhaupt erst m&#246;glich gemacht. Bez&#252;glich des Alphabets in Zeiten, in denen nur wenige des Lesens und Schreibens m&#228;chtig waren, schreibt er:</p>

<blockquote>„Es bildete einen Geheimcode, und nur die darin Eingeweihten verf&#252;gten &#252;ber historisches Bewusstsein. Der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft orientierte sich weiterhin in der Welt anhand von harten Gegenst&#228;nden, vor allem anhand von Bildern, und dank der gesprochenen Sprache. Das hei&#223;t, der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft lebte in einem magischen und mythischen Bewusstsein.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_6_2715" id="identifier_6_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="FLUSSER, Vil&eacute;m (2002): Medienkultur. herausgegeben von: BOLLMANN, Stefan. Frankfurt am Main, 3. Aufl. 2002 (1997), S. 45.">7</a></sup></blockquote>

<p>Der Code, der das Wissen in Zeichen verwandelt, pr&#228;gt, so die These, das Bewusstsein derer, die sich dieses Codes bedienen.</p>

<p>Wenn diese These stimmt, dann ergeben sich f&#252;r die Gegenwart Herausforderungen, die weit &#252;ber Schirrmachers Problembeschreibungen und L&#246;sungsans&#228;tze hinaus gehen.</p>

<p>Wir erleben nicht nur einen Wandel der Leitmedien, sondern auch die Einf&#252;hrung eines neuen Codes, in dem unser Wissen in Zeichen &#252;bertragen wird und der das Bewusstsein der Menschen ver&#228;ndert bzw. ver&#228;ndern wird.</p>

<p>Das Problem dieser These besteht darin, dass die Oberfl&#228;che, die Zeichen, die wir in digital (vernetzten) Codierungen wahrnehmen, auf den ersten Blick der bisherigen Codierung gleichen. – Hier stehen Buchstaben, die linear aneinander gef&#252;gt einen Text ergeben. An anderen Stellen des Netzes sind Bilder zu finden, gesprochene Sprache spielt in digitalen Formaten ebenso eine Rolle. Und in multimedialen Zusammenh&#228;ngen werden diese Formen der Codierung des indirekten Zugangs zur Wirklichkeit zusammengef&#252;gt.</p>

<p>Au&#223;er der breiteren, schnelleren und zeitunabh&#228;ngigeren Verf&#252;gbarkeit der Informationen scheint sich also nichts ver&#228;ndert zu haben. Und genau an dieser Stelle gibt es Grund, diese als selbstverst&#228;ndlich nahe liegende Annahme mit einer Unsicherheit zu versehen und die Fragestellung auszuweiten.</p>

<p>Schirrmacher selbst weist auf die bin&#228;re Struktur von Entscheidungen hin, von der viele unserer Entschl&#252;sse gepr&#228;gt sind: „Tun oder Nicht-Tun, ein Auto kaufen oder nicht, Schokoladenkekse essen oder nicht, eine Di&#228;t machen oder nicht, ein Pulverfass anz&#252;nden oder nicht.” (S. 197) Doch dar&#252;ber hinaus stellt er auch dar, wie der bin&#228;re Code selbst das Leben und vor allem unser Selbstbild ver&#228;ndert. Insofern ber&#252;cksichtigt er auf empirischer Ebene das Problem, das hier einen erweiterten medientheoretischen Kontext gestellt wird.</p>

<p>Schirrmacher greift das Ph&#228;nomen der „Empfehlungen“ auf, das bereits heute, auf der Basis fr&#252;herer Entscheidungen, z. B. auf Seiten wie der von Amazon, von Last.fm etc. beobachtet werden kann; das Ph&#228;nomen, dass Facebook Freundschaftempfehlungen macht etc. Bin&#228;re Strukturen werden bereits heute zur Analyse menschlichen Verhaltens benutzt, um daraus Prognosen &#252;ber m&#246;gliche Entscheidungen in der Zukunft zu stellen.</p>

<p>Bereits in diesem Ph&#228;nomen spiegelt sich die Struktur bin&#228;rer Codes wider. Es geht um ein „Entweder-Oder“, um die Annahme, dass Verhaltensweisen selbst dann bin&#228;ren Strukturen des „Ja oder Nein“ folgen, wenn es sich um so komplexe Ph&#228;nomene wie z. B. Freundschaft handelt.</p>

<p>Wie es zu diesen Empfehlungen kommt, wie automatisierte, Algorithmen folgende Programme mit Daten umgehen und wo die Grenzen dieser Verfahren liegen, vermag kaum jemand zu sagen. Und deshalb formuliere ich in Anlehnung an Flusser:</p>

<blockquote>Der digitale, Medien pr&#228;gende Code ist eine Art Geheimcode, und nur die darin Eingeweihten verf&#252;gen &#252;ber digitales Bewusstsein.

Der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft orientierte sich weiterhin in der Welt anhand von Oberfl&#228;chencodes, die an alte Codes erinnern (Buchstaben, Bilder…), die aber, vor allem im Bereich der M&#246;glichkeiten der digitalen Weiterverarbeitung solcher Daten, weit &#252;ber die Optionen analoger Codierung hinausgehen (automatisierte Erhebungs- und Analyseverfahren, von Computern auf der Basis digitaler Codierungen erstellte Verhaltensprofile, die weit &#252;ber das hinaus gehen, was analog &#252;berhaupt an Daten erfassbar w&#228;re).

Das hei&#223;t, der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft lebt noch immer in einem analogen Bewusstsein, dem ein kritischer und reflexiver Zugang zu den Optionen der Wissensgewinnung auf der Basis bin&#228;rer Codes (noch) nicht m&#246;glich ist, au&#223;er, sie werden mit den konkreten Ph&#228;nomenen konfrontiert, die dann oft „magisch“ wirken und auch entsprechende &#196;ngste ausl&#246;sen k&#246;nnen.</blockquote>

<p>Wie schafft es Facebook, als Freunde Menschen vorzuschlagen, von denen man tats&#228;chlich welche kennt? Wie kann es sein, dass Last.fm Musik vorschl&#228;gt, die den entsprechenden Nutzer wirklich interessiert? Wie kommt Amazon zu Leseempfehlungen? – Die Antwort lautet: Aufgrund der M&#246;glichkeiten zur Generierung von Wissen &#252;ber bin&#228;re Codes.</p>

<p>Doch die Strukturen bin&#228;rer Codes reichen weiter, insbesondere dann, wenn die Annahme stimmt, dass Programme in der Lage sein k&#246;nnten, direkt auf die Ausgestaltung unseres Denkens und unseres Bewusstseins Einfluss zu nehmen.</p>

<p>Auch hier sto&#223;en wir zun&#228;chst auf Ph&#228;nomene, die bin&#228;r, aber nicht neu sind: So entspricht den Einsern und Nullen des bin&#228;ren Codes z. B. die eindeutige Gegen&#252;berstellung von Ph&#228;nomenen, wie z. B. „Gut“ und „B&#246;se“.</p>

<p>Die meisten Blockbuster im Thrillerbereich beruhen genau auf dieser bin&#228;ren Gegen&#252;berstellung, die aber auch in politischen Entscheidungsfindungsprozessen eine Rolle spielt. Insbesondere wenn es um Fragen von Krieg und Frieden geht, zeigt sich, dass bin&#228;re Wahrnehmungsweise, die sich auf „gut“ und „b&#246;se“ beschr&#228;nken, zu den Voraussetzungen kriegerischer Auseinandersetzungen geh&#246;ren, w&#228;hrend „Frieden“ von wesentlich differenzierteren Zugangsweisen zur Wirklichkeit abh&#228;ngig ist, also darauf angewiesen ist, dass die Herrschaft der Dualit&#228;t bin&#228;rer Strukturen, die nur Schwarz und Wei&#223; zul&#228;sst, durch Strukturen ersetzt wird, die Graut&#246;ne in gro&#223;er Zahl erm&#246;glichen.</p>

<p>Wenn die These stimmt, dass Codes, mit deren Hilfe wir unseren Zugang zur Wirklichkeit bekommen, das Bewusstsein zu pr&#228;gen verm&#246;gen, dann m&#252;ssen die Unsicherheiten, die Schirrmacher f&#252;r Bildungsprozesse einfordert, die Unsch&#228;rfen des Wissens, mit denen wir auch gegen&#252;ber digitalen Medien zu tun haben, selbst zum Gegenstand der Wissensfindungsprozesse werden.</p>

<p>F&#252;r Bildungsprozesse ergeben sich daraus folgende &#220;berlegungen, die hier vor allem als Diskussionsgrundlage dienen sollen und angesichts des bereits erreichten Umfangs dieses Artikels nur kurz angerissen werden (und hoffentlich in der Diskussion in den Kommentaren, &#252;ber antwortende Artikel in anderen Blogs etc. ausdifferenziert und vertieft werden):</p>

<ul>
    <li>Im Informationszeitalter geh&#246;rt es zu den Grundaufgaben von Bildungsprozessen, der Information und dem in ihr behaupteten Wissen den Zweifel und die Entwicklung einer angemessenen Unsicherheit im Umgang mit Informationen gegen&#252;ber zu stellen.</li>
    <li>Neben verhaltenspsychologischen Dimensionen, die mit der Nutzung digitaler Medien verbunden sind und die Schirrmacher ins Zentrum seiner &#220;berlegungen stellt, bedarf es einer (medien)philosophischen Reflexion auf die Grundlagen der unsere Bewusstseinsprozesse steuernden Codes, die uns einen (relativen) Zugang zur Wirklichkeit verschaffen. Diese Relativit&#228;t des Zugangs zur Wirklichkeit (mit Kant gesprochen: Die Unm&#246;glichkeit, das Ding an sich zu erkennen, da Erkenntnis immer eine (sinnlich) vermittelte ist) geh&#246;rt ins Zentrum von Bildungsprozessen.</li>
    <li>Angesichts der analogen Grundstruktur menschlicher Wissensgewinnung, darf eine angemessene Mediendidaktik nicht den Fehler begehen, digitale Formen des Lernens alleine ins Zentrum von Bildungsprozessen zu stellen. Die Kompetenz zum angemessenen Umgang mit analogen Arbeitsformen (vom Umgang mit B&#252;chern &#252;ber handschriftliche Verfahren – z. B. in der Mathematik) geh&#246;rt nach wie vor und gleichberechtigt in den Kontext einer umfassenden <em>Allgemein</em>bildung.</li>
    <li>Der Computer darf nicht dazu f&#252;hren, dass an die Stelle von Formen des Frontalunterrichts durch eine Lehrperson nun eine neue Form der frontalen Wissensvermittlung tritt, die durch „Bescheid-Wisser-Medien“ wie z. B. Wikipedia gepr&#228;gt sind<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/05/24/binaere-codes-und-die-bildung-der-zukunft-eine-replik-zu-schirrmachers-payback/#footnote_7_2715" id="identifier_7_2715" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Was hier als eine massive Kritik an Wikipedia klingen mag, ist eine Kritik, die sich auf alle Formen lexikalischer Pr&amp;#228;sentation von Wissen bezieht, f&amp;#252;r die Wikipedia eine Metapher geworden ist. Fr&amp;#252;her war das Problem, dass Lernende aus dem Brockhaus zitierten und das f&amp;#252;r eine angemessene und vor allem ausreichende wissenschaftliche Quelle hielten, heute ist an die Stelle des Brockhaus oder anderer Lexika Wikipedia getreten. Damit ist kein Werturteil &amp;#252;ber dieses erstaunliche Projekt gef&amp;#228;llt.">8</a></sup>.</li>
    <li>Mind. Grundlagen der digitalen Codierung und der sich daraus ergebenden M&#246;glichkeiten und Grenzen im Umgang mit digital verf&#252;gbaren Daten, geh&#246;ren auf die schulischen Lehrpl&#228;ne, um so einen aufgekl&#228;rten Umgang mit bin&#228;ren Codes zu erm&#246;glichen und das „Geheimwissen“ derer, die sich dieser Codes bedienen k&#246;nnen aufzul&#246;sen.</li>
</ul>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/04/21/die-macht-der-sprache/" rel="bookmark" title="21. April 2011">Die Macht der Sprache</a></li>
</ul>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2715" class="footnote">„.… diese Kunst [die Erfindung der Buchstaben und damit der Schrift TL] wird Vergessenheit schaffen in den Seelen derer, die sie erlernen, aus Achtlosigkeit gegen das Ged&#228;chtnis, da die Leute im Vertrauen auf das Schriftst&#252;ck von au&#223;en sich werden erinnern lassen durch fremde Zeichen, nicht von innen heraus durch Selbstbesinnen. Also nicht ein Mittel zur Kr&#228;ftigung, sondern zur St&#252;tzung des Ged&#228;chtnisses hast du gefunden. Und von Weisheit gibst du deinen Lehrlingen einen Schein, nicht die Wahrheit: wenn sie vieles geh&#246;rt haben ohne Belehrung, werden sie auch viel zu verstehen sich einbilden, da sie doch gr&#246;&#223;tenteils nichts verstehen und schwer zu ertragen sind im Umgang, zu D&#252;nkelweisen geworden und nicht zu Weisen“ – Platon: Phaidros. In: S&#228;mtliche Dialoge. Hamburg 1993, Bd. 2, S.103.</li><li id="footnote_1_2715" class="footnote">Vgl. hierzu: Kerckhove, Derrick de (1995), Schriftgeburten. vom Alphabet zum Computer, M&#252;nchen, Fink</li><li id="footnote_2_2715" class="footnote">Kerckhove, Derrick de (1995), Schriftgeburten. vom Alphabet zum Computer, M&#252;nchen, Fink, 18.</li><li id="footnote_3_2715" class="footnote">Kerckhove, Derrick de (1995), Schriftgeburten. vom Alphabet zum Computer, M&#252;nchen, Fink, 19.</li><li id="footnote_4_2715" class="footnote">Vgl. hierzu: FLUSSER, Vilém (2002): Medienkultur. herausgegeben von: BOLLMANN, Stefan. Frankfurt am Main, 3. Aufl. 2002 (1997). Flusser beschreibt hier unter anderem auch, wie das Aufkommen des Alphabets die Strukturen des Denkens und des Bewusstsein ver&#228;nderte. Er schreibt „Es [das Alphabet TL] bildete einen Geheimcode, und nur die darin Eingeweihten verf&#252;gten &#252;ber historisches Bewusstsein. Der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft orientierte sich weiterhin in der Welt anhand von harten Gegenst&#228;nden, vor allem anhand von Bildern, und dank der gesprochenen Sprache. Das hei&#223;t, der gr&#246;&#223;te Teil der Gesellschaft lebte in einem magischen und mythischen Bewusstsein.“ (S. 45) </li><li id="footnote_5_2715" class="footnote">Allerdings scheinen sich Strukturen der kritischen Rezeption auch in digitalen Kontexten zu entwickeln: So gibt es auf Wikipedia zu jedem Artikel die M&#246;glichkeit, eine Diskussion zu f&#252;hren, in Blogs werden Kommentare verfasst etc. M&#246;glicherweise entwickelte sich in digitalen Kontexten eine wom&#246;glich noch intensivere Form der Diskurse, die sich z. Zt. erst entwickelt.</li><li id="footnote_6_2715" class="footnote">FLUSSER, Vilém (2002): Medienkultur. herausgegeben von: BOLLMANN, Stefan. Frankfurt am Main, 3. Aufl. 2002 (1997), S. 45.</li><li id="footnote_7_2715" class="footnote">Was hier als eine massive Kritik an Wikipedia klingen mag, ist eine Kritik, die sich auf alle Formen lexikalischer Pr&#228;sentation von Wissen bezieht, f&#252;r die Wikipedia eine Metapher geworden ist. Fr&#252;her war das Problem, dass Lernende aus dem Brockhaus zitierten und das f&#252;r eine angemessene und vor allem ausreichende wissenschaftliche Quelle hielten, heute ist an die Stelle des Brockhaus oder anderer Lexika Wikipedia getreten. Damit ist kein Werturteil &#252;ber dieses erstaunliche Projekt gef&#228;llt.</li></ol>
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		<title>Vergiss alles – oder: Vom literarischen Schreiben</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 21:34:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der hier ver&#246;ffentlichte Text ist bereits im Jahr 2001 entstanden – und ist mir vor einiger Zeit bei einer Suchabfrage auf meinem Computer wieder begegnet. Sch&#246;n, was sich alles &#252;ber die Jahre erh&#228;lt, wenn nur flei&#223;ig und regelm&#228;&#223;ig Daten gesichert &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/09/vergiss-alles-oder-vom-literarischen-schreiben/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der hier ver&#246;ffentlichte Text ist bereits im Jahr 2001 entstanden – und ist mir vor einiger Zeit bei einer Suchabfrage auf meinem Computer wieder begegnet. Sch&#246;n, was sich alles &#252;ber die Jahre erh&#228;lt, wenn nur flei&#223;ig und regelm&#228;&#223;ig Daten gesichert werden. </em></p>

<p><em>Ich habe den Text leicht &#252;berarbeitet, aber in seinen Grundz&#252;gen unver&#228;ndert gelassen. Auch wenn sich meine Einstellung gegen&#252;ber der Handschrift seit 2001 deutlich ge&#228;ndert hat: Nach wie vor gefallen mir die Gedanken, die hier in einen kurzen Prosatext Einzug gefunden haben. – Da ich gegenw&#228;rtig selbst auch in der Rolle des »Trainers« in Sachen </em><em>»Kreatives Schreiben« unterwegs bin, habe ich mich entschlossen, diesen Text nun auch im Rahmen meines Blogs verf&#252;gbar zu machen. Das Urheberrecht des Textes liegt, wie bei allen Texten hier, so nicht anders gekennzeichnet, bei Torsten Larbig.
</em></p>

<hr />

<p>»Vergessen sie alles, damit sie sich endlich erinnern k&#246;nnen.«</p>

<p><span>So hatte Elise mit mir gesprochen. Da stand sie vor mir, mitten im Wald. Um uns nur die kahlen B&#228;ume, auf dem Boden lagen noch die braunen Bl&#228;tter, raschelten, knisterten unter unseren F&#252;&#223;en. Und vor uns dieser kurze Wegabschnitt, der von Nadelb&#228;umen ges&#228;umt war, zwischen denen der Weg ins Dunkel hineinf&#252;hrte. </span></p>

<p><span>In dem Schweigen um uns her, verstand ich nicht, was sie mir sagen wollte. Und sie bemerkte dies sofort – es war, als k&#246;nne man vor Elise keine Geheimnisse haben. </span></p>

<p><span>»Sie k&#246;nnen es vielleicht noch nicht verstehen, weil sie noch nie wirklich versucht haben einen Text zu schreiben. – Werfen sie den alten Kugelschreiber in den M&#252;ll, besorgen sie sich  einen tragbaren Computer, lernen sie, blind zu schreiben, schlie&#223;en sie dann ihre Augen und schreiben sie ihre Bilder auf. Glauben sie mir, es wird alles anders werden f&#252;r sie. Wenn sie sich dann aber zu sehr erinnern, dann kommt nichts brauchbares dabei heraus.« </span></p>

<p><span>Ich war dabei, ihr ins Wort zu fallen, ihr mit einer Verteidigungsrede f&#252;r die Handschrift den Wind aus den Segeln zu nehme, aber sie fuhr einfach fort. </span></p>

<p><span>»Was soll das Klammern an altem, wenn es f&#252;r unsere Zwecke bessere Hilfsmittel gibt. Sven, sie sind so jung und schon so konservativ. H&#246;ren sie mir einfach weiter zu. Ich will ja nicht, dass sie die Intensit&#228;t aus dem Schreiben heraus nehmen. Ich will, dass ihre Texte endlich intensiv werden. Also: Setzen sie sich blind an den Computer und schreiben sie die Bilder, die sie sehen. Versetzen sie sich in Landschaften, die sie gesehen haben. Aber bleiben sie nicht zu sehr bei der Wahrheit. F&#252;gen sie hinzu, was sie sehen, machen sie es wie beim Tr&#228;umen. Da sehen sie auch bekannte R&#228;ume, aber ist ihnen schon mal aufgefallen, dass die immer irgendwie anders sind, als sie sie aus der Realit&#228;t kennen? So m&#252;ssen sie schreiben. Stellen sie sich Menschen so wirklich wie nur irgend m&#246;glich vor. Und vergessen sie nie, dass sie eine Geschichte schreiben und nicht etwa Tagebuch. Obwohl…«, sie z&#246;gerte, »ein wenig hat es schon von Tagebuch schreiben – und ist doch ganz anders. Aber ich will ihr Unwohlsein gegen&#252;ber dem Vergessen noch ein wenig st&#228;rker machen.« </span></p>

<p><span>Da kam dieses Gef&#252;hl wieder hoch, diese Unsicherheit, als ob da ein Mensch anhebt, etwas f&#252;r mich ganz wichtiges zu sagen, das ich eigentlich gar nicht h&#246;ren wollte. Aber sie lie&#223; sich nicht beirren. </span></p>

<p><span>»Ich wei&#223;, sie arbeiten seit Jahren am Thema ›Ged&#228;chtnis‹. Darum geht es hier auch gar nicht – zumindest nicht so, wie sie sich das denken. Ich meine nur: Verwechseln sie ›Erinnerung‹ nicht mit Faktenwissen. Sie m&#252;ssen keinen Lexikonbeitrag schreiben, was sie da planen ist ein Roman!« </span></p>

<p><span>Mein Blick fiel auf das Moos an den B&#228;umen. Immer an einer Seite der St&#228;mme hatte sich eine dicke Moosschicht gebildet. <em>Da kommt wohl der Regen am h&#228;ufigsten her</em> dachte ich, als ich pl&#246;tzlich aufschreckte und merkte, dass Elise stehen geblieben war und mich anschaute. </span></p>

<p><span>Ich f&#252;hlte mich bei einer Unaufmerksamkeit ertappt. Aber das schien sie gar nicht zu st&#246;ren. Unbeirrt fuhr sie fort. »Vergessen sie endlich all ihr angelerntes Wissen und schreiben sie einen Roman. Oder ist ihnen noch nie aufgefallen, wie gef&#252;hllos ihre Texte sind. Sie beschrieben wunderbar, aber in einer Art, die f&#252;r einen Reisef&#252;hrer besser geeignet ist als f&#252;r einen Roman. Vergessen sie alles und erinnern sie sich – mit ihren Sinnen. Erz&#228;hlen sie, wie sie es in M&#228;rchen finden. Schreiben sie Texte, die weniger eine Realit&#228;t behaupten als vielmehr Texte, die die M&#246;glichkeit einer Realit&#228;t darstellen.« </span></p>

<p><span>So hatte ich mir ein Schreibseminar eigentlich nicht vorgestellt. Ich hatte mich darauf gefreut, endlich an meiner Technik weiter feilen zu k&#246;nnen – und nun kommt diese Elise daher und will mir etwas von ›Sinnen‹ und von ›M&#228;rchen‹ erz&#228;hlen. </span></p>

<p><span>»Wissen sie Sven, ich w&#252;nschte mir, endlich mal einen Roman zu lesen, der nur von Nebens&#228;chlichkeiten handelt. Verstehen sie mich richtig, von Neben-S&#228;chlichkeiten! H&#246;ren sie auf, Sachen zu schreiben. Das will doch keiner Lesen, der nicht allzu masochistisch in seinem Umgang mit Literatur ist. Schreiben sie Bilder der Gef&#252;hle, die mit den Sachen verbunden sind. Erinnern sie sich weniger an die Fakten als an die Gef&#252;hle, die in den Situationen, die sie schreiben, mit den Sachen verbunden sind. Oder wollen sie zum x-ten Male den Satz verwenden, mit dem in schlechten Filmen der eine zur anderen sagt, dass er sie liebt? Setzen sie der Flut von W&#246;rtern Bilder entgegen. Versinken sie – wie ein Maler in sein Bild –  in ihren Text. Setzen sie da einen Pinselstrich an, nehmen sie da die eine Farbe, und dort eine andere. Bringen sie Schatten und Perspektive in ihren Text und machen sie nichts langweiliges mehr. Schreiben sie keine Texte, die sie langweilen, sondern nur solche, die sie selber gerne lesen m&#246;chten. Sind das etwa Texte, in denen ein wunderbar nachrecherchiertes Faktum neben dem andern steht? Sieht so das Leben aus, das sie Tag f&#252;r Tag erleben? Nein Sven, ihr Leben setzt sich vor allem aus Gef&#252;hlen zusammen. Und erst wenn sie diese in einen Text bringen, beginnt er zu leben.« </span></p>

<p><span>Und damit verfiel sie f&#252;r den Rest unseres Spaziergang ins Schweigen. Eigentlich war das gerade die Stunde meiner Einzelkritik bei Elise. Und sie war die erste, die sie nicht nutzte, um meine Arbeitsproben Wort f&#252;r Wort auseinander zu nehmen, jedes Detail nach seinem Platz im Text zu befragen. Als ich in ihr Zimmer kam, legte sie ein Buch zur Seite, nahm ihren Mantel und sagte nur, dass ich auch meinen Mantel holen solle und sie mich in f&#252;nf Minuten am Eingang des Tagungshauses erwarte. Irritiert, doch ohne Widerworte, ging ich also in mein Zimmer zur&#252;ck, zog meine Jacke und die Turnschuhe an, die ich eigentlich immer trug, wenn ich drau&#223;en unterwegs war und ging zum Eingang, wo sie tats&#228;chlich schon auf mich wartete. »Kommen sie«, war alles, was sie da sagte und dann hielt sie mir diesen Vortrag &#252;ber das Schreiben und das Vergessen und das Erinnern mit den Sinnen. Und jetzt, nach kaum der H&#228;lfte der vereinbarten Zeit f&#252;r die Einzelkritik verfiel sie einfach so ins Schweigen. </span></p>

<p><span>Sie ging jetzt auch schneller, viel schneller, als ich es von einer so alten Frau erwartet h&#228;tte. Die musste doch mindestens schon siebzig sein. </span></p>

<p><span>Das Knistern, der durch unsere Fu&#223;tritte zerbrechenden Bl&#228;tter drang mit einer ungewohnten Lautst&#228;rke in meine Ohren, der Magen hatte sich an seine Gef&#252;hle erinnert, die immer dann hochkamen, wenn ich mich von einem Lehrer ertappt f&#252;hlte oder wenn ich mit einer schlechten Klassenarbeit nach Hause gehen musste. </span></p>

<p><span>In leichten Serpentinen f&#252;hrte der Weg wieder hinunter ins Tal. Ich war den Weg in den vergangenen f&#252;nf Tagen schon ein paar Mal gegangen, aber diese Intensit&#228;t versp&#252;rte ich noch nie. Wir hatten gerade wieder eine Kurve hinter uns gelassen, da tauchten vor uns die Wiesen auf, die sich direkt an den Wald anschlossen. Zwei Pferde liefen da und auf einer anderen Weide grasten Schafe neben einem alten, morsch wirkenden Holzstall. Dazwischen schl&#228;ngelte sich der flache, aber mit viel Wasser sehr laute Bach, der dem Tal den Namen gegeben hatte. Wutachtal. Aber &#252;ber diesen Namen hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die waren jetzt eher beim letzten St&#252;ck des Weges, der &#252;ber eine anstrengende Steigung zur&#252;ck in das Tagungshaus f&#252;hrte, das in einem alten Kloster untergebracht war. Ob Elise dieses St&#252;ck schaffen w&#252;rde oder ob da ihr Alter endlich mal zum Vorschein k&#228;me. Als ob ich es nicht ertragen konnte, dass eine solche Frau mir etwas sagte, das ich sofort verstand und das mir dennoch Angst macht. Aber ohne ihre Schrittfrequenz zu verlangsamen sorgte sie nur daf&#252;r, dass <em>ich</em> au&#223;er Atem war, als wir das Tor in den Innenhof des Hauses durchquerten. Bislang hatte ich immer nur R&#252;ckmeldungen zur Technik meiner Texte bekommen. Dieses Mal stand ich da und wu&#223;te, dass es nicht mit ein paar Korrekturen handwerklicher Art getan war. Elise schien mich zwingen zu wollen, mit meinem Schreiben endlich anzufangen…</span></p>

<p style="text-align: right;"><span>© by Torsten Larbig 2001–2010
</span></p>

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		<title>Sprechend lernen – oder: Vom Einsatz des Diktierger&#228;tes im Lehrberuf</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Oct 2009 22:08:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Pause. F&#252;nf Minuten oder f&#252;nfzehn oder auch mal zwanzig Minuten, vielleicht auch eine Springstunde; im Grunde ist es egal, wie lange eine Unterbrechung des t&#228;glichen Unterrichtsgeschehen dauert, die Zeit ist immer voll. Notizen zur letzten Stunde, zu einzelnen Sch&#252;lerinnen und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/23/sprechend-lernen-oder-vom-einsatz-des-diktiergeraetes-im-lehrberuf/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pause. F&#252;nf Minuten oder f&#252;nfzehn oder auch mal zwanzig Minuten, vielleicht auch eine Springstunde; im Grunde ist es egal, wie lange eine Unterbrechung des t&#228;glichen Unterrichtsgeschehen dauert, die Zeit ist immer voll. Notizen zur letzten Stunde, zu einzelnen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, Gedanken zum Unterrichtsverlauf, Reflexion der Stunde und daraus folgend die Feinplanung der Folgestunde im Kontext der Unterrichtsverlaufsplanung, Aktennotizen, Fachgespr&#228;che mit Kollegen oder gemeinsame p&#228;dagogische &#220;berlegungen… Kurz: Zeit bleibt nie, also f&#252;llen wir sie.</p>

<p>Nachmittags und Abend am Schreibtisch. Korrekturen, Notizen, &#220;berlegungen zum weiteren Unterrichtsverlauf, Stundenverlaufsplanungen, p&#228;dagogische &#220;berlegungen, wie einzelnen Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen in einem „normalen“ Unterricht gef&#246;rdert werden k&#246;nnen, wo es in einer Lerngruppe gemeinsamen F&#246;rderbedarf gibt und au&#223;erdem liegt da noch ein Stapel an Fachliteratur und als Deutschlehrer will ich auch an literarischen Texten dran bleiben und einfach mal lesen. Kurz: Zeit bleibt nie, also f&#252;llen wir sie. Nur wie? Und was kann dabei hilfreich sein?</p>

<p>Im Prinzip ist alles, was ein Lehrer macht, genau betracht selbst ein st&#228;ndiger Lernprozess, der als Lern-Lehr-Zusammenhang auch reflektiert werden will. Und dieser Prozess ist unglaublich zeitintensiv, so sehr, dass pl&#246;tzlich f&#252;r kaum noch etwas anderes Zeit bleibt, Lehrende w&#228;hrende der Unterrichtszeit entweder pl&#246;tzlich gar kein Privatleben mehr haben oder aber, wenn die Kraft nachl&#228;sst, dem eigenen Anspruch kaum noch gerecht werden k&#246;nnen und so an Effektivit&#228;t der eigenen Arbeit verlieren. – Wie gut t&#228;te da ein Spaziergang! Vielleicht ist ein Park in der N&#228;he oder man hat das Gl&#252;ck, wie der Verfasser dieses Beitrages, in der Gro&#223;stadt nah an einem Fluss mit Streuobstwiesen, Altarmen und Feldern zu wohnen, an dem man nicht st&#228;ndig von Menschenmassen umgeben ist. Und wenn die Arbeit einen schon nicht verl&#228;sst, warum sie als solche nicht anders gestalten?<span id="more-2173"></span></p>

<p>Mit diesem Gedanken im Kopf machte ich mich auf die Suche. Und da ich mir manchmal wirklich wie ein Manager vorkomme, habe ich mich auch im Bereich der Arbeitsorganisation von Managern, Anw&#228;lten und Co umgeschaut. Dabei stie&#223; ich schnell auf die zentrale Funktionen der Sekretariate, die mir als Lehrer so nicht zur Verf&#252;gung stehen. Damit w&#228;re die Sache eigentlich schon erledigt gewesen, denn was soll mir z. B. das Diktieren von Schriftst&#252;cken bringen, wenn ich sie dann eh selbst tippen muss?</p>

<p>Doch da ich bei meiner Besch&#228;ftigung immer wieder auf das Diktierger&#228;t als zentrales Arbeitsinstrument gesto&#223;en bin und mit der Tatsache konfrontiert wurde, dass wir nun einmal ca. sieben Mal schneller sprechen als schreiben k&#246;nnen, selbst wenn man bei einer ganz guten Anschlagzahl auf der Tastatur angekommen ist, wollte ich so schnell nicht aufgeben. Sieben Mal schneller per Diktierger&#228;t? Da muss es doch Einsatzgebiete geben! Und ich habe sie gefunden. Ich sage es gleich: Es sind Einsatzgebiete die mit meinen Eigenarten zu tun haben und vielleicht nicht f&#252;r jeden &#252;bertragbar sind, interessant finde ich die Entwicklung f&#252;r mich dann aber schon. Die erste Eigenart: Ich habe in meinem Leben schon ein wenig Radio gemacht und stehe dem Sprechen als Instrument der Informations&#252;bermittlung damit nicht fremd gegen&#252;ber. Au&#223;erdem habe ich meine MP3-Ger&#228;t eigentlich immer dabei und nutze es sowieso schon als Bildungsinstrument, indem ich reichlich fachbezogene Podcasts h&#246;re oder direkt das Radioprogramm. Au&#223;erdem kann ich beim Spazieren gut nachdenken.</p>

<p>Vor diesem Hintergrund habe ich dann begonnen, das Diktierger&#228;t in meine Arbeitsabl&#228;ufe zu integrieren, sowohl als Instrument des Lehrers als auch als Instrument des Lernenden.</p>

<p>So habe ich begonnen, die Aufforderung, Unterrichtsstunden zu antizipieren (gedanklich vorwegnehmend durchzuspielen), in meinen Vorbereitung so zu gestalten, dass ich auf (langen) Spazierg&#228;nge, mir einfach die eine oder andere Stunde ins Diktierger&#228;t spreche. (Ja, ich habe Wege, auf denen ich so wenigen Leuten begegne, dass ich dabei nicht unangenehme Blick auf mich ziehe.) Sehr oft muss ich dann zuhause nur noch eine ganz kurze Skizze niederschreiben und was ich an Material m&#246;glicherweise bislang falsch geplant hatte  oder so noch gar nicht ber&#252;cksichtig hatte korrigieren bzw. erstellen (wenn nicht entsprechendes in den den Sch&#252;lern vorliegenden Schulb&#252;chern enthalten ist).</p>

<p>In einer Pause habe ich in der Regel keine Zeit, mir ausf&#252;hrliche Notizen zu machen. Aber selbst in der Schule gibt es M&#246;glichkeiten, eher unauff&#228;llig kurz eine Ged&#228;chtnisst&#252;tze ins Diktierger&#228;t zu sprechen und angesichts der Empfindlichkeit der Mikrofone, verliere ich so langsam die Bedenken gegen&#252;ber den Blicken der Kollegen, wenn ich an meinem Platz leise was ins Mikro spreche. Das entlastet das Ged&#228;chtnis enorm und nimmt das l&#228;stige Gef&#252;hl am Nachmittag oder Abend, dass da doch noch etwas war, an das ich mich jetzt aber nicht mehr erinnere… Aber da war doch noch was…</p>

<p>Nat&#252;rlich ist meine Literaturdatenbank mit Exzerpten und Zitaten wunderbar. Doch im merke, dass gerade in den Unterrichtswochen keine Zeit bleibt, zu lesen und entsprechend umf&#228;ngliche Notizen in Schriftform anzulegen. Also lege ich mein Diktierger&#228;t mit aktivierter Sprachsteuerung auf den Tisch oder neben das Lesesofa. Sprachsteuerung bedeutet, dass nur etwas aufgezeichnet wird, wenn ich auch spreche, in der Aufnahme also keine langen Sprechpausen entstehen. Zwar ist ein so entstandenes Notat nicht auf dem Computer durchsuchbar und Zitate k&#246;nnen nicht einfach in Dokumente &#252;bernommen werden, aber ich bin bereit, diese Begrenzung in Kauf zu nehmen, wenn ich so zu einem sinnvollen Arbeitsablauf gelange. Und ganz ehrlich: Solche Aufnahmen h&#246;re ich mir h&#228;ufiger (in der S-Bahn, auf dem Weg zum Supermarkt oder beim Spaziergehen) an, als ich entsprechende Notizen in meiner Literaturdatenbank lese. Zudem setze ich mit dem Sprechen und dem H&#246;ren mehr Sinne ein als es die reine Arbeit mit Text erlaubt, was meinem Hang zum Lernen auf unterschiedlichen Kan&#228;len sehr entgegen kommt. Wenn mir also beim Lesen etwas einf&#228;llt, bringe ich die Gedanken sprechend zum Ausdruck und merke dar&#252;ber meist auch schnell, wo ich etwas noch nicht so verstanden habe, dass ich es sprechend formulieren kann. Und nat&#252;rlich lese ich dann auch Stellen, die mir spannend erscheinen, einfach laut und kann mich drauf verlassen, dass mir das Exzerpt als Aufnahme anschlie&#223;end zuverl&#228;ssig vorliegt.</p>

<p>Grenzen dieses Einsatzes liegen dort, wo es der Datenschutz verlangt:</p>

<ol>
<li><p>Keine Aufnahmen im Unterricht. (Es sei denn diese sind abgesprochen und stehen im Zusammenhang mit dem Unterricht, aber diesen Fall hatte ich bislang noch nicht)</p></li>
<li><p>Keine Aufnahmen bei Konferenzen oder von Beratungsgespr&#228;chen. Hier sind handschriftliche Notizen knapper und au&#223;erdem ist ein Ergebnisprotokoll schriftlich einfach &#252;bersichtlicher, ganz abgesehen davon, dass es rechtlich nicht zul&#228;ssig ist.</p></li>
<li><p>Viele Notizen, gerade solche, die in Pausen vor allem als Ged&#228;chtnisentlastung entstehen, m&#252;ssen nat&#252;rlich in eine schriftliche Form gebracht werden. Hier dient das Diktierger&#228;t vor allem der Entlastung jenes Gef&#252;hls, was vergessen zu haben, das man unbedingt schriftlich festhalten wollte.</p></li>
<li><p>Ich bin Fan von Schriftlicheit und m&#246;chte den (kreativen)  Wert des Schreibens – insbesondere auch des Schreibens per Hand – nicht missen. Der Einsatz des Diktierger&#228;t ist hier erg&#228;nzend und in Hochzeiten entlastend, aber f&#252;r mich keine ausschlie&#223;liche L&#246;sung. Wo immer es geht, arbeite ich schriftlich. Angesichts der Unterrichtsverpflichtung mit den mit ihr verbundenen Aufgaben, schreibe ich in unterrichtsfreien Zeiten und am Wochenende weit mehr als an Unterrichtstagen (obwohl ich selbst da oft lange &#252;ber meinen Notizen, Entw&#252;rfen etc. sitze).</p></li>
<li><p>Ich bin noch dabei, das Instrument in den Arbeitsablauf zu integrieren, denn interessanterweise ist das sprechende Arbeiten einfach anders als das schreibende. Einen Text (frei) zu sprechen bedarf der &#220;bung und dem Finden eigener Konventionen des Sprechens, um den Aufnahmen (Diktaten) Struktur zu geben.</p></li>
</ol>

<p>Ohne Integration von Technik geht ein solches Arbeiten nat&#252;rlich nicht. Aber da ich auch sonst gerne mit T&#246;nen arbeite, steht mir Technik zur Verf&#252;gung, die sogar ausreicht, um radiogerechte O-T&#246;ne zu erstellen. Im Augenblick arbeite ich mit einem <a href="http://audiotranskription.de/vergleichstest-digitaler-rekorder.htm" target="_blank">Olympus DM 550</a> Digital Voice Recorder, der klein ist und eine Aufnahmequalit&#228;t hat, die sich h&#246;ren lassen kann. Das ist im Prinzip mein „Hab ich immer dabei“-Ger&#228;t, nachdem mir der Vorg&#228;nger (DS 75) leider &#252;ber den Jordan gegangen ist. Will ich professionellere Aufnahmen erstellen, das geht dann aber weit &#252;ber Notizen hinaus in den Bereich des Field Recordings, sei hier aber erw&#228;hnt, nutze ich das <a href="http://audiotranskription.de/vergleichstest-digitaler-rekorder.htm" target="_blank">Olympus LS 10</a>, das allerdings &#252;ber keine Sprachsteuerung verf&#252;gt. Und schlie&#223;lich nutze ich die iPhone-App <a href="http://www.jotomi.de/dictamus" target="_blank">Dictamus</a>, da ich mein Mobiltelefon nat&#252;rlich noch h&#228;ufiger dabei habe als mein „Hab ich immer dabei“-Ger&#228;t. Au&#223;erdem verf&#252;gt diese App &#252;ber eine hervorragende Sprachsteuerung und erm&#246;glicht mir zudem nicht nur das &#220;berschreiben von Aufnhamen sondern auch das Einf&#252;gen von Passagen in die Aufnahme. Allerdings reicht diese App in ihrer Tonqualit&#228;t an meine sonstigen L&#246;sungen bislang nicht heran, auch wenn sie f&#252;r ihre Zwecke sehr aktzeptabel ist.</p>

<p>Insgesamt hat sich f&#252;r mich eine sp&#252;rbare Entlastung in bestimmten Arbeitsbereichen ergeben und je mehr ich mit dieser Methode arbeite, um so mehr Einsatzgebiete finde ich: So wie ich fotografiere nehme ich Atmosph&#228;ren z. B. bei der Besichtigung einer Kirche auf; ich lese f&#252;r mich selbst gemeinfreie Gedichte ein oder zeichne auch mal einen &#246;ffentlichen (!) Vortrag auf. Und ich bin mir sicher, dass ich damit noch nicht am Ende der Entdeckungsreise bin.</p>

<p>F&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen sehe ich dar&#252;ber hinaus noch weitere Einsatzgebiete: Diktierger&#228;te k&#246;nnen als Instrument der &#220;bung beim und der &#220;berpr&#252;fung des eigenen Vorlesens zuhause genutzt werden; Referate k&#246;nnen auf diesem Wege, gerade wenn sie nur mithilfe von Notizen und nicht ausformuliert gesprochen werden sollen, ge&#252;bt werden und so weiter. Doch diese Einsatzgebiete, die interessant werden, weil nahezu jedes Mobiltelefon und jeder Computer &#252;ber eine Diktierfunktion, wenn auch oft im reduzierten Ma&#223;e, verf&#252;gt, stehen hier nicht im Zentrum; hier geht es um meinen Einsatz dieser Technlogie. Und je mehr Erfahrungen ich damit mache, um so weniger will ich sie missen; genauso wenig wie Anregungen, Erg&#228;nzungen und Kommentare der Leser und Leserinnen dieses Beitrags, f&#252;r die nur die Kommentarfelder ausgef&#252;llt werden m&#252;ssen <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> <strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Schm&#246;ker-Schnipsel: Vom Auswendiglernen</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 21:42:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Irgendwo in Frankfurt h&#228;ngen sie noch, jene Aufkleber, die zum letzten „Bildungsstreik“ in Frankfurt aufriefen. Dort steht: „Heute schon auswendig gelernt?“ Damit soll nat&#252;rlich gesagt werden, dass Bildung, die in Auswendiglernen bestehe, keine gute Bildung sein k&#246;nne. Und entsprechend m&#252;ssten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/01/schmoeker-schnipsel-vom-auswendiglernen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwo in Frankfurt h&#228;ngen sie noch, jene Aufkleber, die zum letzten „Bildungsstreik“ in Frankfurt aufriefen. Dort steht: „Heute schon auswendig gelernt?“ Damit soll nat&#252;rlich gesagt werden, dass Bildung, die in Auswendiglernen bestehe, keine gute Bildung sein k&#246;nne. Und entsprechend m&#252;ssten wir die gebildetsten Jugendlichen seit Menschengedenken auf ihren Lebensweg lassen.</p>

<p>Und dann kommt Daniel Pennac und schreibt in „<a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/937916/" target="_blank">Schulkummer</a>“</p>

<blockquote>„Beim Auswendiglernen ersetze ich nichts, sondern f&#252;ge allem etwas hinzu.“</blockquote>

<p>Pennac singt ein Loblied des (richtigen) Auswendiglernens von Texten – und eben nicht nur oder vor allem Gedichten! Da stehen kurze Sentenzen von Woody Allen ebenso auf dem Programm, wie philosophische Texte. Jede Woche lernen seine Sch&#252;ler einen Text – und alle m&#252;ssen sie an jedem Tag vortragen k&#246;nnen. Und der Vortrag wird nat&#252;rlich benotet.</p>

<p>Ich geh&#246;re schon zu einer der Generationen, die im Deutschunterricht auf Kurzzeitged&#228;chtnis getrimmt wurden: Wir lernten in der Grundschule das letzte Gedicht auswendig. Dass wir so etwas im Gymnasium gemacht h&#228;tten, kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Und im Studium verlangte das sowieso keiner.</p>

<p>Wenn ich es wie Pennac machen w&#252;rde – was k&#228;me dabei heraus? Am Anfang vielleicht Protest. Anschlie&#223;end gelangweilte Ergebenheit. Es k&#228;me erst einmal nichts dabei heraus, das nicht ein extrem hohes Durchhalteverm&#246;gen erfordete.</p>

<p>Wann haben Sch&#252;ler denn auch Zeit zum Lernen? Nach mittlerweile bis 18 Uhr reichende Schultage in Deutschland – und das schlie&#223;t nicht aus, dass man dennoch schon zur ersten Stunde anwesend sein musste, um dann durch den Unterricht und vor allem die Freistunden zu kommen. Vielleicht bleibt noch Zeit f&#252;r einen Verein, ein Instrument – aber Hausaufgaben… Ich kann gut nachvollziehen, dass daf&#252;r oft keine Zeit bleibt oder aber die Zeit, in der sie gemacht werden, verlorene Zeit ist, da von der verf&#252;gbaren Konzentration da oft nichts mehr &#252;brig bleibt. Und dann auch noch was auswendig lernen?</p>

<p>Pennac beschreibt solche Reaktionen selbst. Er beschreibt aber auch, wie viel ist davon gesch&#246;nt oder ist er wirklich so motivierend?, dass sich die Haltung der Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen zum Auswendiglernen im Laufe der Zeit ver&#228;nderte und sie sogar mit den gelernten Texten spielten, die ihnen wohl in Fleisch und Blut &#252;bergangen sein m&#252;ssen.</p>

<p>Jede Woche einen Text auswendig lernen? Das klingt extrem mechanisch.</p>

<p>Warum aber bedauere ich es dann, dass ich nicht selbst in einer solchen Kultur aufgewachsen bin, in der ich lernte, mir Sprache inwendig zu machen, Gedanken anderer so mir selbst zu eigen zu machen, dass ich sie nicht nur als schemenhafte Erinnerung, sondern w&#246;rtlich zur Verf&#252;gung habe?</p>

<p>Zugegeben: An Gedichten habe ich mich immer wieder probiert. Aber an „normalen“ Texten? Gedichte liegen ein paar in meinem Gehirn, doch selbst das Studium hat mich nicht mit den Texten und ihrer Sprache als solchen in Ber&#252;hrung gebracht, sondern immer nur mit dem Erfassen der Gedanken, die sprachlich &#252;bermittelt werden. Und selbst ein Professor, der hunderte Texte auswendig konnte, hat dies von uns nie eingefordert, sondern sprach immer nur &#252;ber die Texte. Welche Sch&#246;nheiten der Sprache wurden so von uns zerpfl&#252;ckt!</p>

<p>Nun: Eine Voraussetzung m&#252;ssen Texte allerdings haben, die auswendig gelernt werden sollen: Es geht nicht um das Auswendiglernen als solches, es m&#252;ssen relvante Texte sein. Ein relevanter Text(ausschnitt) pro Woche, mehr muss es gar nicht sein. Keine sinnlosen Gedichte, keine zweitrangigen Texte oder solche, die didaktisch aufbereitet pr&#228;sentiert werden. Einfach nur Texte, die vom Papier in das Gehirn bef&#246;rdert werden und k&#246;rperlich als Wissen verf&#252;gbar werden. – Mehr muss es gar nicht sein. Aber weniger war es viel zu lang.</p>

<p>Ich schaue bei solchen &#220;berlegungen gerne auf Sportler. Es ist doch &#252;berraschend, wie viel auch Jugendliche im Sportbereich zu tun bereit sind. St&#228;ndig werden gleiche Bewegungsabl&#228;ufe trainiert, st&#228;ndig bringen sie sich an die Grenze ihrer Leistungsf&#228;higkeit, st&#228;ndig sind sie im Wettbewerb. Doch viele von ihnen sind nicht bereit, st&#228;ndig die gleichen S&#228;tze zu trainieren, st&#228;ndig vor neuen sprachlichen Herausforderungen zu stehen und dabei auch st&#228;ndig im Wettbewerb zu stehen.</p>

<p>Und so lautet mein Schm&#246;ker-Schnipsel heute dann auch:</p>

<blockquote>„Beim Auswendiglernen ersetze ich nichts, sondern f&#252;ge allem etwas hinzu.“</blockquote>

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		<title>Das gedruckte Buch ist nicht am Ende</title>
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		<pubDate>Mon, 18 May 2009 13:07:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Und wieder einmal wird das Ende des gedruckten Buches angek&#252;ndigt, dieses Mal in der Zeit vom 23.04.2009 von J&#252;rgen Neffe: „Die &#196;ra des gedruckten Buches geht zu Ende.“ via Kulturwandel: Die &#196;ra des gedruckten Buches geht zu Ende &#124; Kultur &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/05/18/das-gedruckte-buch-ist-nicht-am-ende/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und wieder einmal wird das Ende des gedruckten Buches angek&#252;ndigt, dieses Mal in der Zeit vom 23.04.2009 von J&#252;rgen Neffe:</p>

<blockquote>„Die &#196;ra des gedruckten Buches geht zu Ende.“

via <a href="http://www.zeit.de/2009/18/L-Buch?page=all" target="_blank">Kulturwandel: Die &#196;ra des gedruckten Buches geht zu Ende | Kultur | Nachrichten auf ZEIT ONLINE</a>.</blockquote>

<p>Anlass zu dieser Behauptung ist das Erscheinen von E-Book-Readern in Deutschland, die es m&#246;glich machen, B&#252;cher in digitaler Form endlich einigerma&#223;en lesbar zu bekommen und im Prinzip in der Lage sind, ganze Bibliotheken auf kleinstem Raum verf&#252;gbar zu halten.</p>

<p>Es mag ja sein, dass sich das Buch nun, wie die Schallplatte von Vinyl zu MP3, in der breiten Masse vom Papier zum E-Book verschieben k&#246;nnte, aber ist das das Ende der &#196;ra des gedruckten Buches?</p>

<p>Nein, ich fange jetzt nicht mit der bibliophilen Romantik und somit von der Haptik und dem Geruch von B&#252;chern an. Mein Argument ist pragmatisch: B&#252;cher halten l&#228;nger als Festplatten und k&#246;nnen auch dann noch gelesen werden, wenn sie l&#228;ngst vergessen und erst nach vielen Jahrzehnten wiederentdeckt werden. Digitale Speichermedien halten in dieser Hinsicht nicht mit und es m&#252;ssen st&#228;ndig neue Sicherungskopien angelegt und Dateiformate angeglichen werden. Kurz: Sollte jemand auf die Idee kommen, das gedruckte Buch abzuschaffen, sorgen wir selbst daf&#252;r, dass sehr viele Zeugnisse unserer Epoche in sehr kurzer Zeit verloren gehen werden, angefangen mit den Bildern (die schon heute meist nicht mehr als Abz&#252;ge vorliegen) &#252;ber allein digital produzierte und ver&#246;ffentlichte Musik bis eben hin zu Romanen, Gedichten und wissenschaftlichen Werken, die einfach vergessen werden, wenn sie nicht von Datentr&#228;ger zu Datentr&#228;ger den sich ver&#228;ndernden digitalen Anforderungen angeglichen werden.</p>

<p>Von Wegen: Das Netz vergisst nichts. Auf kurze Sicht mag das stimmen, auf lange Sicht sieht das ganz anders aus…</p>

<p>Das Problem zeigt sich schon heute: Wissen, das heute im Netz konstruiert wird, ob in Wikipedia oder in Blogs, ist kein Wissen, dessen Speicherung so abgsichert w&#228;re, dass es auch noch in hundert Jahren leicht zug&#228;nglich w&#228;re, wie das bei B&#252;chern heute &#252;berhaupt kein Problem ist. Und wer kann heute schon noch die Lochkarten der Computer aus den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts lesen? Selbst die <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12538/1.html" target="_blank">Nasa hat hier Datenverluste</a> zu beklagen.</p>

<p>Irgendwann m&#252;ssen wir also beginnen, die uns wichtigen Erinnerungsst&#252;cke in die analoge Welt zur&#252;ck zu holen: Bilder und Webseitentexte ausdrucken, digital verbreitete E-Books wieder in Buchform binden und – ganz wichig – private E-Mails, die f&#252;r uns bedeutsam sind, ausdrucken und zumindest, wie fr&#252;her bei Briefen verbreitet, in einer Kiste sammeln.  Tun wir das nicht, k&#246;nnte unsere Zeit im R&#252;ckblick eine trotz der Massen an Information f&#252;r die Nachwelt zu einer „dunklen“ quellenarmen Zeit werden, insbesondere in Bezug auf das allt&#228;gliche Leben…</p>

<p>Eine &#220;bersicht der mit der digitalen Langzeitspeicherung verbundenen Probleme findet sich unter &#252;brigens unter <a href="http://www.payer.de/digitalebibliothek/digbib02.htm" target="_blank">http://www.payer.de/digitalebibliothek/digbib02.htm</a>.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Digitale Erinnerung an analoge Zeiten – Beispiel: Fotografie</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 20:50:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[K&#252;rzlich ver&#246;ffentlichte Sebastian Schr&#246;der einen Blog-Eintrag, in dem er von seinen Erfahrungen bei einem analogen Fotoauftrag im Rahmen seiner Ausbildung zum Fotografen berichtet. Zehn Tage hat er f&#252;r den Auftrag Zeit – und es l&#228;uft so ziemlich alles schief, was &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/04/20/digitale-erinnerung-an-analoge-zeiten-beispiel-fotografie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>K&#252;rzlich ver&#246;ffentlichte <a href="http://www.schroederphotography.de" target="_blank">Sebastian Schr&#246;der </a>einen Blog-Eintrag, in dem er von seinen Erfahrungen bei einem analogen Fotoauftrag im Rahmen seiner Ausbildung zum Fotografen berichtet. Zehn Tage hat er f&#252;r den Auftrag Zeit – und es l&#228;uft so ziemlich alles schief, was nur irgendwie schief laufen kann. Im Blog liest sich das f&#252;r mich als eine spannende Geschichte, aber ich h&#228;tte nicht in der Haut der beiden im Blog erw&#228;hnten Fotografen stecken wollen. Doch die Schlussfolgerung Sebastian Schr&#246;ders halte ich angesichts all des <a href="http://www.schroederphotography.de/?p=505" target="_blank">vorhergehenden Stress’</a> f&#252;r bemerkenswert:</p>

<blockquote>„Wie einfach w&#228;re es gewesen eine Digitale Kamera zu nehmen und ein Bild zu machen? Zu einfach, <span id="more-1379"></span>finde ich. Nat&#252;rlich h&#228;tten wir uns eine ganze Menge Arbeit gespart, aber das war es Wert. Das Dia hat eine unglaubliche Brillanz und es macht richtig Spa&#223; es endlich in den H&#228;nden zu haben. Bei einem digitalen Bild h&#228;tte ich es in Photoshop ge&#246;ffnet, links und rechts was an den Reglern gespielt und es gedruckt. Fertig, aber doch auch irgendwie langweilig.“

Quelle: <a href="http://www.schroederphotography.de/?p=505" target="_blank">schroederphotography » Analog vs. Digital &#8211; Eine kleine Geschichte aus meinem Leben</a>.</blockquote>

<p>Ich bin kein Profi, bin ein Amateur, der seit zwei Jahren die lange liegen gebliebene Leidenschaft f&#252;r das Fotografieren wieder entdeckt und werde deshalb wohl nie in eine solche fotografische Stress-Situation geraten, wie sie der hier zitierte Blog-Beitrag beschreibt. Au&#223;erdem habe ich mich im Augenblick erst einmal ganz der Entdeckung digitaler M&#246;glichkeiten der Fotografie verschrieben,  so es die von meiner eigentlichen Arbeit sehr gef&#252;llte Zeit zul&#228;sst. Da gibt es noch sehr viel zu entdecken – sehr viel faszinierendes zwischen Motivgestaltung und Bildentwicklung.</p>

<p>Sebastian Schr&#246;ders Blog-Beitrag aber f&#252;hrt mich zur&#252;ck in Zeiten, in denen Fotografie in der Regel analog war – nein, nicht ich bin schon so alt, sondern diese Zeiten liegen noch gar nicht so lange zur&#252;ck!</p>

<p>Ich erinnere mich an eigene Dunkelkammer-Erfahrungen, daran, wie es war, einen Schwarz-Wei&#223;-Film zu entwickeln und anschlie&#223;end Bilder auf Papier auszubelichten. Ich erinnere mich an das schummrige rote Licht in der Dunkelkammer, die Ger&#252;che all der Chemikalien, die mich st&#228;ndig an Essig erinnerten, die Diskussionen, welcher Film mit welchem Papier zu den sch&#246;nsten Ergebnissen f&#252;hrte. – Und ich erinnere mich an die Arbeit, die damit verbunden war. Ja, bis zur Entwicklung, ich habe mich nie an Farbentwicklung oder gar Dia-Entwicklung gewagt, war da h&#246;chstens eine Ahnung, wie das Bild aussehen w&#252;rde. Und je mehr Fotos ich damals machte, um so zuverl&#228;ssiger wurden diese Ahnungen, lernte ich doch meine Kamera (eine <a href="http://www.pentax.schmickis.de/Kameraserien/Analog/aserie/programma/programma.htm" target="_blank">Pentax Programm A</a> SLR) immer besser kennen, sodass ich ungef&#228;hr wusste, was in bestimmten Lichtkonstellationen herauskommen w&#252;rde.</p>

<p>Das alles war aber vielleicht nicht <em>mehr</em> Arbeit, sondern vor allem eine <em>ganz andere Form</em> des Arbeitens, da ich nicht mal eben ein paar hundert oder gar tausend Bilder auf einem Film f&#252;r die sp&#228;tere Weiterbearbeitung festhalten konnte, wie das in der heutigen Speicherkartenzeit der Fall ist.</p>

<p>Wenn ich heute fotografiere gilt wie damals: Ich muss mein Werkzeug vor Ort gut kennen (heute eine <a href="http://www.xonio.com/artikel/Panasonic-Lumix-DMC-FZ50-Test_21236362.html" target="_blank">Panasonic Lumix DMC-FZ 50</a> und eine <a href="http://www.photographyblog.com/reviews_panasonic_lumix_dmc_lx3.php" target="_blank">Lumix DMC-LX 3</a>) und bei der Entwicklung (damals: Entwickler, Vergr&#246;&#223;erer, Papiereigenschaften; heute: RAW-Entwicklungsprozess, Entwicklersoftware, JPEG-Eigenschaften, Wei&#223;abgleich, Bildbearbeitungsprogramm) , um mich ganz auf das Motiv und dessen Gestaltung konzentrieren zu k&#246;nnen.</p>

<p>Damit bin ich an einem Punkt, der sich f&#252;r mich mit der Entdeckung der digitalten Fotografie nicht ge&#228;ndert hat: Ich bin nach wie vor kein gro&#223;er Fan einer Verlagerung der eigentlichen Bildgestaltung in den Rechner. Bildausschnitt, Belichtung und was nicht alles das Schreiben mit Licht (Foto-Graphie) ausmacht, geh&#246;ren f&#252;r mich nach wie vor zur »Arbeit« vor Ort. Dass sich diese »Arbeit« vor Ort, so nicht nach wie vor analog fotografiert wird,  grundlegend ver&#228;ndert hat, steht au&#223;er Frage.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Wie fossiles Harz: Das Wort des Jahres</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Dec 2008 20:49:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als »›verbale Leitfossilien‹ eines Jahres« bezeichnet die Gesellschaft f&#252;r deutsche Sprache in Wiesbaden das von ihr seit 1972 ausgew&#228;hlte »Wort des Jahres«. Ein Wort, das etwas von der Atmosph&#228;re und den zentralen Themen eines Jahres in sich birgt, wie Bernstein, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/12/11/wie-fossiles-harz-das-wort-des-jahres/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als »›verbale Leitfossilien‹ eines Jahres« bezeichnet die <a href="http://www.gfds.de" target="_blank">Gesellschaft f&#252;r deutsche Sprache</a> in Wiesbaden das von ihr seit 1972 ausgew&#228;hlte »Wort des Jahres«. Ein Wort, das etwas von der Atmosph&#228;re und den zentralen Themen eines Jahres in sich birgt, wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernstein" target="_blank">Bernstein</a>, der ein Insekt umschlossen und konserviert hat.</p>

<p>W&#246;rter, die wie fossiles Harz das Lebensgef&#252;hl eines Jahres in sich tragen. – Mir gef&#228;llt dieses Bild, weil die <a href="http://www.gfds.de/index.php?id=11" target="_blank">Liste, der W&#246;rter eines Jahres</a>, die seit 1971, regelm&#228;&#223;ig seit 1977, zwischen sechs und zehn W&#246;rter pro Jahr versammelt, mir tats&#228;chlich Bilder und Gef&#252;hle aus diesen Zeiten wieder lebendig und erinnerbar werden l&#228;sst.<span id="more-679"></span></p>

<p>So stehen bereits <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1971" target="_blank">1971</a> die W&#246;rter »Umweltschutz« und »Umweltverschmutzung« auf der ersten Liste mit den W&#246;rtern des Jahres, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1977" target="_blank">1977</a> wird der »<a href="http://www.de.wikipedia.org/wiki/Gro&#223;er_Lauschangriff" target="_blank">Lauschangriff</a>« genannt, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1978" target="_blank">1978</a> taucht »die <a href="http://www.de.wikipedia.org/wiki/Die_Schl&#252;mpfe" target="_blank">Schl&#252;mpfe</a>« auf und weckt das Bild von »<a href="http://www.vaterabraham.de/" target="_blank">Vater Abraham</a>« bei der <a href="http://video.google.de/videosearch?q=ZDF-Hitparade&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;um=1&amp;sa=X&amp;oi=video_result_group&amp;resnum=4&amp;ct=title#q=ZDF-Hitparade&amp;emb=0" target="_blank">ZDF-Hitparade</a>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1980" target="_blank">1980</a> ist das Wort des Jahres »<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg06-040.html" target="_blank">Rasterfahndung</a>«, ein nahezu mickrig anmutendes Verfahren gegen&#252;ber der heute vor dem <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/" target="_blank">Bundesverfassungsgericht</a> verhandelten »<a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20080311_1bvr025608.html" target="_blank">Vorratsdatenspeicherung</a>«.</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1982">1982</a> wurde sowohl von der »<a href="http://www.de.wikipedia.org/wiki/Ellenbogengesellschaft" target="_blank">Ellenbogengesellschaft</a>« gesprochen, wie auch von der »<a href="http://www.ichwillspass.de/index2.htm" target="_blank">Neuen deutschen Welle</a>« und es gab damals eine »<a href="http://www.bundestag.de/geschichte/parlhist/streifzug/g1980/g1980_1.html" target="_blank">Wende</a>«. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1983" target="_blank">1983</a>, ich erinnere mich noch gut an die st&#228;ndigen Nachrichten vom sauren Regen, steht dann »Waldsterben« auf Platz 4, ein Wort, mit heute kaum noch ein Jugendlicher etwas anfangen k&#246;nnen d&#252;rfte.</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1985" target="_blank">1985</a> wurde das Wort »High-Tech« prominent, das Wort <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Glykolwein-Skandal" target="_blank">Glykol</a> erinnert an eine Weinskandal enormen Ausma&#223;es, <a href="http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-4548/125_read-2211/" target="_blank">D1</a> steht damals noch f&#252;r eine Weltraummission, und zum ersten Mal steht Aids auf der Liste!</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1986" target="_blank">1986</a> war es nicht schwer zu erraten, welches Wort zum Wort des Jahres werden w&#252;rde: »<a href="http://video.google.de/videosearch?q=Tschernobyl&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;um=1&amp;sa=X&amp;oi=video_result_group&amp;resnum=4&amp;ct=title#" target="_blank">Tschernobyl</a>«. Ein gruseliges Jahr, das da am 26. April 1986 begann: Man trank keine Milch mehr, Sandgruben waren verstrahlt, so dass wir uns im Sportunterricht weigerten, Weitsprung zu machen.</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1987" target="_blank">1987</a> taucht zum ersten Mal ein Wort zum zweiten Mal in der Liste auf, dieses Mal auf Platz 1: Aids (zusammen mit Kondom). Langsam zeichnete sich das Ausma&#223; der Verbreitung der HI-Viren ab und ein Wort, das bis dahin kaum jemand auszusprechen vermochte, ohne Rot zu werden, wird durch gezielte Werbung gesellschaftsf&#228;hig gemacht.</p>

<p>Gesellschaftsf&#228;hig wurde damals auch der erste Schritt zur Lockerung des Ladenschlusses: Es wurde der »<a href="http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/geschichte/zeitgeschehen/index,page=1083786.html" target="_blank">Dienstleistungsabend</a>« eingef&#252;hrt, an dem Gesch&#228;fte bis 20 Uhr &#246;ffnen durften. Und dazwischen stehen die W&#246;rter »Molkepulver«, es handelte sich um verstrahltes Molkepulver in Folge von Tschernobyl, und »<a href="http://www.de.wikipedia.org/wiki/Ozonloch " target="_blank">Ozonloch</a>« (sic!) – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/2007" target="_blank">2007</a> hatte sich dieses Wort bereits zur »<a href="http://www.angewandte-geologie.geol.uni-erlangen.de/klima1.htm" target="_blank">Klimakatastrophe</a>« gewandelt und wurde Wort des Jahres.</p>

<p>Und so geht es weiter: &#220;ber den Zusammenbruch der DDR und der sozialistischen Staatsform im Osten Europas, den ersten Irakkrieg <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1991" target="_blank">1991</a> (»Kein Blut f&#252;r &#214;l«) und dem Aufweichen des Tabus von Auslandseins&#228;tzen der Bundeswehr (»Blauhelmeinsatz«) – im gleichen Jahr stehen aber auch die Worte »Fremdenhass« und »Rassismus« auf der Liste –, &#252;ber »Multimedia« (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1995" target="_blank">1995</a> – Netscape bringt den Webbrowser auf den Markt) und »Bildungsmisere« (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1997" target="_blank">1997</a> – Pisa-Schock folgt dann <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/2002" target="_blank">2002</a>) bis hin zu »Viagra«, dass 11 Jahre nach »Aids« auf der Liste auftaucht.</p>

<p>»SMS« taucht <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/http://de.wikipedia.org/wiki/2000" target="_blank">2000</a> auf, aber auch »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/CDU-Spendenaff%C3%A4re" target="_blank">Schwarzgeldaff&#228;re</a>« und dem damit zusammenh&#228;ngenden »brutalstm&#246;glich«.</p>

<p>Wir kommen immer n&#228;her an die Gegenwart und die Bilder werden sch&#228;rfer, teilweise ein leises Erschrecken, dass bestimmte Ereignisse schon so lange her sind. Und so kommt dann das Jahr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/2001" target="_blank">2001</a>, nach 1986 mit Tschernobyl wohl das schrecklichste Jahr, das ich bislang in Bezug auf die <a href="http://www.wer-weiss-was.de/theme143/article2066430.html" target="_blank">Zeitl&#228;ufte</a> bislang erlebt habe: »der 11. September« wird Wort des Jahres.</p>

<p>Von da an stehen mir die Jahre so klar vor Augen, dass ich nicht mehr gro&#223; &#252;berlegen muss, welche Erfahrungen sich in den einzelnen W&#246;rtern festgehalten worden sind. – <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/2008" target="_blank">2008</a> wurde nun also die »Finanzkrise« zum Wort des Jahres gew&#228;hlt, der »Datenklau« liegt auf Platz 3 und pl&#246;tzlich ist von einem »Bildungsfr&#252;hling« die Rede (Platz 9) gefolgt von »Yes, we can« (Platz 10)</p>

<p>W&#246;rter, die zu Erinnerungsworten werden, die in k&#252;rzester Form Ereignisse, Gef&#252;hlslagen und die ganze Welt betreffende Ereignisse in sich tragen, die wie Bernstein Insekten die in den Jahren umherschwirrenden Themen auf den Punkt bringen – das ist in den vergangenen 37 Jahren aus dem Wort des Jahres geworden.</p>

<p>Neben dem R&#252;ckblick, zu dem diese W&#246;rter einladen, fasziniert mich, wie einzelne W&#246;rter ganze Erinnerungsgeb&#228;ude beinhalten k&#246;nnen, als Ausgangspunkte ausf&#252;hrlicher Erz&#228;hlstr&#246;me dienen k&#246;nnen, zumindest, wenn sie mit intensiven Gef&#252;hlen verbunden werden bzw. durch ihre Pr&#228;senz tiefe Spuren im Ged&#228;chtnis hinterlassen haben, die alleine durch das Lesen der W&#246;rter wieder aktiviert werden.</p>

<p>Und so bin ich &#252;ber das Wort des Jahres pl&#246;tzlich beim Lernen. – Ohne gro&#223;e Anstrengung kann ich aus den meisten dieser W&#246;rter gr&#246;&#223;ere Sinnzusammenh&#228;nge reproduzieren. Die W&#246;rter des Jahres – und das macht f&#252;r mich ihren Wert aus – sind f&#252;r mich eine Art Leitfaden, an dem entlang ich gro&#223;e Teile der j&#252;ngsten Zeitgeschichte rekonstruieren kann. Und f&#252;r solche komplexen Zusammenh&#228;nge reichen diese paar W&#246;rter aus!</p>

<p>Vielleicht mag ich deshalb Wortsammlungen so sehr, wie sie in Mindmaps oder mit Hilfe anderer Methoden zur Vernetzung von Begriffen eingesetzt werden. Vielleicht mag ich deshalb die nicht hierarchisch aufgebauten Wissenverkn&#252;pfungen, wie sie digitale Technologien &#252;ber Kategorisierung und Verschlagwortung (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tag_(Informatik)" target="_blank">Tags</a>) erm&#246;glichen.</p>

<p>Worte sind neben Bildern f&#252;r die Erinnerung des Menschen (und sich erinnern ist nichts anderes, als sich etwas Gelerntes vergegenw&#228;rtigen zu k&#246;nnen – mit dem Einschlag der subjektiven Wahrnehmung) von zentraler Bedeutung. Die verantwortete und qualifizierte Erstellung von Wortlisten, wie sie von der Gesellschaft f&#252;r deutsche Sprache geleistet wird, ist ein wichtiger Beitrag f&#252;r die konkreten Erinnerungen und die grunds&#228;tzliche Erinnerungsf&#228;higkeit – nicht nur des Einzelnen, sondern einer ganzen Gesellschaft.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Schreiben und Schreibger&#228;te – Ein (Selbst)Interview</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Sep 2008 20:12:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hallo, Torsten. Wenn ich mich in deiner Wohnung so umschaue, hat hier ja ziemlich viel mit geschriebener Sprache zu tun. Da gibt es B&#252;cher, eine alte Schreibmaschine, einen Computer, daneben stehen verschiedene F&#252;ller… Aber es gab ja wohl mal eine &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/02/schreiben-und-schreibgeraete-ein-selbstinterview/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ul>
    <li>Hallo, Torsten. Wenn ich mich in deiner Wohnung so umschaue, hat hier ja ziemlich viel mit geschriebener Sprache zu tun. Da gibt es B&#252;cher, eine alte Schreibmaschine, einen Computer, daneben stehen verschiedene F&#252;ller… Aber es gab ja wohl mal eine Zeit, in der du mit all dem nichts anzufangen wusstest: seit wann hast du ein Verh&#228;ltnis zur Schrift?</li>
</ul>

<p><span id="more-93"></span><em>lacht</em> »Verh&#228;ltnis«… Das klingt fast, wie eine erotische Beziehung, eine Partnerschaft. Aber an so einer Perspektive ist sicher auch was dran. – Also, angefangen hab ich mit dem Schreiben in der Schule. Ich glaube, meinen Namen konnte ich damals in gro&#223;en, krakeligen Druckbuchstaben zusammensetzen. Als ich dann aber Schreiben lernte, ging das alles sehr schnell. Innerhalb k&#252;rzester Zeit fand ich zu B&#252;chern und Geschichten, die mich seit dem auch nicht mehr losgelassen haben.</p>

<ul>
    <li>B&#252;cher und Geschichten… Naja, das hat aber ja noch nicht so viel mit Schreiben als Kulturtechnik zu tun…</li>
</ul>

<p>Zumindest wenn es um das eigene Schreiben geht. Nat&#252;rlich wurden all diese Texte  von jemandem zu Papier gebracht. Aber es stimmt schon, es ist ein Unterschied, ob man liest oder ob man schreibt. Deshalb ist es ja auch sicher kein Zufall, dass viele Kinder zuerst ihren Namen schreiben k&#246;nnen. Schon das Lernen einer Sprache ist eine Form der Weltaneignung. Wenn man etwas zu benennen vermag, wird man ihm gegen&#252;ber selbst&#228;ndig, kann mit ihm umgehen, man wird zum Subjekt, gewinnt Selbst-Bewusstsein.</p>

<p>Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man erst dann wirklich mit etwas umzugehen vermag, wenn man Sprache daf&#252;r hat. Das gilt sicherlich vor allem f&#252;r Gef&#252;hle, die sich ja gleichzeitig der sprachlichen Beherrschbarkeit entziehen. Vielleicht gibt es auch deshalb so viele Liedtexte, die sich mit der Liebe befassen…</p>

<ul>
    <li>&#196;h, Entschuldigung, aber kommen wir da nicht ein wenig vom Thema ab?</li>
</ul>

<p>Nein, &#252;berhaupt nicht. Ok, so ein Exkurs f&#252;hrt vielleicht zu weit. Aber ich finde, dass Sprache f&#252;r den Menschen etwas ganz wichtiges ist. Es ist eine der wesentlichen Formen, auf das zu Antworten, was wir »Wirklichkeit« nennen. Ein solches »Antworten« geschieht nat&#252;rlich nicht nur in Sprache. Aber hier musst du mir noch einen kurzen Exkurs erlauben, damit sp&#228;ter dann klarer wird, was mir Schreiben und die unterschiedlichen Formen des Schreibens bedeuten.</p>

<ul>
    <li>Jaja, mach nur…</li>
</ul>

<p>Das geht schon ganz fr&#252;h los. Ein Baby spricht seine Eltern noch v&#246;llig ohne Sprache an, es erhebt einen Anspruch. Und die Eltern treten in einen Dialog: nehmen es in den Arm, stillen es usw. Das ist nicht nur eine Reaktion auf »nat&#252;rliche« Bed&#252;rfnisse, sondern schon ein echter An-Spruch und eine Antwort, ein Dialog. Und so gehen wir ja mit allem um. Die ganze Welt ist voller Anspr&#252;che. Und die Sprache ist eine Form der Antwort darauf, vielleicht die zentralste. Da steht etwas, »schaut« uns an – und wir nennen es »Baum«. Das einzige Problem dabei ist, dass Sprache auch Macht bedeutet. Das wissen ja schon die alten Mythen von der Entstehung der Welt. Im christlichen Sch&#246;pfungsverst&#228;ndnis gibt es da aber eine kleine Variante: Der Mensch benennt alles und gewinnt so Macht &#252;ber die Dinge. Gott aber spricht und erschafft dadurch etwas. Das ist auch eine Macht. Aber doch ganz anders. Wir k&#246;nnen erst »Licht« sagen, wenn »Licht« schon da ist. Gott sagte in diesem Sch&#246;pfungsmythos »Licht« – und es wurde Licht. Da zeigt sich immer noch ein Verst&#228;ndnis des Menschen davon, da&#223; er selbst zwar auf den Anspruch der Wirklichkeit antwortend handelt, aber diese Wirklichkeit, das »Ding an sich« weder v&#246;llig zu erkennen noch gar zu er-schaffen vermag. Und damit sind wir schon voll in philosophischen Gedanken &#252;ber Sprache drinnen. Das muss hier bei Andeutungen bleiben. Geht ja vielleicht auch nur darum, einen Eindruck davon zu geben, f&#252;r wie wichtig ich Sprache halte. Etwas allgemeiner formuliert: Wenn es uns nicht gelingt, einem An-Spruch der Wirklichkeit antwortend zu begegnen, sei es nun eben in der Sprache der W&#246;rter, des Bildes, des Tanzes, der Musik, der Wissenschaft, der Ethik…, dann sind wir nicht erfahrungsf&#228;hig. Das geht sogar so weit, da&#223; ich den Person-Begriff davon abh&#228;ngig mache. Per-Sonare: Hindurch-T&#246;nen. In unserer Antwort auf eine Wirklichkeit, t&#246;nt diese Wirklichkeit durch uns hindurch. Die Person ist also auch ein vom Klang des Anspruches der Wirklichkeit durch-t&#246;ntes. Aber das f&#252;hrt jetzt vielleicht wirklich zu weit.</p>

<ul>
    <li>Da steh ich jetzt. Verstehe kaum noch was. Nur so viel: Sprache ist dir sehr wichtig. Was hat das aber nun alles mit dem Schreiben zu tun?</li>
</ul>

<p>Irgendwann muss jemand auf die Idee gekommen sein, dass die Laute, die wir zur Kommunikation verwenden doch auch in eine von den Sprechvorg&#228;ngen unabh&#228;ngige Form gebracht werden k&#246;nnte. Wenn es stimmt, dass Schrift zuerst in wirtschaftlichen Zusammenh&#228;ngen auftaucht, dann stand dahinter wohl ein funktionales Bed&#252;rfnis. Man wollte die Besitzt&#252;mer &#252;berblicken k&#246;nnen, den Handel mit anderen vielleicht vereinfachen und kam so auf die Idee: Wir brauchen eine Form der »Daten-Speicherung«, die von der direkten Gespr&#228;chssituation unabh&#228;ngig ist. Wir wollen nicht immer durch die Warenlager gehen m&#252;ssen, um zu wissen, was wir denn nun so alles haben. Also nehmen wir Zeichen und lassen diese stellvertretend f&#252;r das Bezeichnete stehen. Und das ist ja nun auch das faszinierende f&#252;r mich an Schrift und am Schreiben: Die M&#246;glichkeit durch Kombination von Zeichen Inhalte auszudr&#252;cken. Man kann pl&#246;tzlich zu einer ganz anderen Form des Gespr&#228;ches kommen: &#252;ber R&#228;ume hinweg, zum Beispiel im Brief, ja, selbst beim Telefon funktioniert das ja alles &#252;ber Zeichen, &#252;ber Codierung und Decodierung, hier dann eben auf der Ebene elektrischer Zeichen, wie ja auch beim Computer; aber nicht nur das Gespr&#228;ch &#252;ber r&#228;umliche Distanzen wurde so m&#246;glich, sondern auch &#252;ber Zeiten hinweg. Nimm mal Sokrates. Der hat soviel wir wissen nichts aufgeschrieben, aber das Gespr&#228;ch intensiv gepflegt. Wenn es nun keine Schrift gegeben h&#228;tte, w&#228;ren wir heute nicht mehr in der Lage, davon etwas zu wissen, denn dieses Wissen h&#228;tte sich wahrscheinlich kaum im m&#252;ndlichen Ged&#228;chtnis so lange gehalten. Das einzige Problem: wir k&#246;nnen nat&#252;rlich nicht mehr Sokrates direkt kommunizieren. Diese Form des Gespr&#228;ches &#252;ber Zeiten hinweg ist dann doch ein wenig einseitig: wir k&#246;nnen darauf antworten, es weiter f&#252;hren, aber eben nicht mehr mit Sokrates.</p>

<ul>
    <li>Aber das hei&#223;t ja, dass Schrift ganz eng mit so etwas wie dem Ged&#228;chtnis zusammenh&#228;ngt.</li>
</ul>

<p>Ja, genau so ist es. Allerdings ist es wieder Sokrates, der das im Phaidros-Dialog ein wenig in Frage stellt. Demnach dient Schrift zwar der Erinnerung, nicht aber dem Ged&#228;chtnis. Im Gegenteil: Es findet sich dort die Urform klassischer Medienkritik, die man bis heute immer wieder findet. Wenn wir »Wissen« au&#223;erhalb des Ged&#228;chtnisses ablegen, dann wird das Ged&#228;chtnis dadurch geschw&#228;cht. Heute sagt man so sch&#246;n: »Man muss nichts wissen, nur, wo es steht.« – Aber diese Kritik ist mir dann doch ein wenig zu eng. Denn die M&#246;glichkeiten der Schrift sind doch so faszinierend und bereichernd, dass ich sagen w&#252;rde: Sokrates hat Recht – aber nicht ganz. Zumindest nicht dann, wenn man Schrift so einsetzt, da&#223; es dem analogen Wesen des Menschen entspricht.</p>

<ul>
    <li> Schon wieder so ein Begriff, bei dem man meinen k&#246;nnte, es st&#252;nden ganze Bibliotheken von Philosophie dahinter: »Analoges Wesen des Menschen«. Hei&#223;t das, der digitale Umgang mit Schrift im Computer wird von dir kritisiert.</li>
</ul>

<p>Hey, dieses Gespr&#228;ch ist via Computer entstanden und wird mittels digitaler Technik zur Verf&#252;gung gestellt. Ich wollte eben nat&#252;rlich ein wenig provozieren. Es kommt ein wenig darauf, an, was ich schreiben m&#246;chte. Davon h&#228;ngt dann auch immer ab, ob ich es per Hand oder per Computer tue. Sieht so aus, als ob wir jetzt so langsam dem eigentlichen Thema dieses Gespr&#228;ches n&#228;her kommen – oder?</p>

<ul>
    <li>Och, ich hab zwar nicht alles verstanden, was du gesagt hast, aber zumindest ist doch angekommen, dass das alles etwas mit dem Schreiben, mit Handschrift, mit F&#252;llern und auch mit dem Computer zu tun hat. Lass mich mal ganz einfach fragen: Was ist f&#252;r dich der gr&#246;&#223;te Unterschied beim Schreiben per Hand und per Computer?</li>
</ul>

<p>Erstens: die Schreibgeschwindigkeit. Zweitens: die k&#246;rperliche Verbindung zwischen Gedanken und Schrift. – Egal, wie schnell ich per Hand auch schreibe: da ich kein Steno kann, bin ich da immer langsamer als wenn ich einen Text am Computer tippe. Und es kann ja Anl&#228;sse geben, bei denen das Schreiben am Computer genau die Form ist, die den Inhalt des Geschriebenen entspricht. So ein Interview zum Beispiel: da versuche ich, tats&#228;chlich ein Gespr&#228;ch mit mir selber zu f&#252;hren. Das geht am Rechner sehr gut, das ich ja fast so schnell tippe, wie ich spreche. Ich sitze also hier, spreche vor mich hin und schreibe es parallel direkt auf. Ich muss beim Tippen ja nicht mehr gro&#223; nachdenken. &#196;hnliches passiert, wenn ich mit geschlossenen Augen am Rechner sitze und zum Beispiel kleine Geschichten schreibe, die als eine Art Film in meinem Kopf ablaufen. Da muss ich sehr schnell sein, um den Bildern folgen zu k&#246;nnen. Bei diesen Formen des Ausdrucks, die also sehr nah, an der Geschwindigkeit des Sprechens und Sehens in der Wirklichkeit sind, ist der Computer f&#252;r das Schreibger&#228;t der Wahl. Au&#223;erdem bietet es eine gewisse Distanz zum Geschrieben, da ich ja nichts anderes tue, als relativ mechanisch auf Tasten zu dr&#252;cken.</p>

<p>Die Handschrift ist langsamer. Ich nutze sie zum Beispiel zum Nachdenken. Dann sitze ich vor einem Blatt Papier, lasse die Gedanken flie&#223;en und versuche, diese so genau als m&#246;glich aufzu-zeichnen. Oder wenn ich einen Text lese und ihn im Ged&#228;chtnis verankern m&#246;chte, dann bediene ich mich der Handschrift, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass das Exzerpieren am Computer zwar sehr komfortabel ist, aber gleichzeitig so schnell, dass man es kaum schafft, das Gelesen im Ged&#228;chtnis zur Verf&#252;gung zu halten. Ich zumindest habe dann nichts anderes als eine Erinnerungsm&#246;glichkeit, die eben vom Rechner abh&#228;ngt. Au&#223;erdem setze ich den K&#246;rper beim handschriftlichen Arbeit ganz anders ein. Die Gedanken flie&#223;en vom Kopf in die Hand und &#252;ber einen F&#252;ller aufs Papier. Es entsteht auf dem Papier eine Spur des K&#246;rpers, die man beim Computer so nicht hat. Das ist mir zum Beispiel in Briefen wichtig. Wenn ich einem Freund oder einer Freundin etwas schreibe, dann ist in der Handschrift zumindest etwas von meinem K&#246;rper pr&#228;sent und ich vermag viel mehr zwischen den Zeilen auszudr&#252;cken. Je nach Stimmung sieht die Schrift anders aus. Oder: wenn ich im Zug bzw. Kaffee schreibe, dann sieht die Schrift auch anders aus. Au&#223;erdem genie&#223;e ich die Unabh&#228;ngigkeit des Schreibens von elektrischem Strom. Mit Feder und Tinte kann ich auch bei Kerzenlicht schreiben. Schlie&#223;lich ist es noch eine Gef&#252;hlssache: Wenn ich zwei Stunden am Computer geschrieben, dann ist bei aller Erf&#252;llung angesichts eines kreativen Aktes immer auch eine Art der Ersch&#246;pfung sp&#252;rbar, die nicht nur angenehm ist. Schreibe ich per Hand, ist da zwar auch eine Form der Ersch&#246;pfung, aber die ist irgendwie, ich wei&#223; noch nicht, wie ich das ausdr&#252;cken will, aber, die ist bei mir… ja, wohliger, angenehmer, eine gef&#252;lltere Ersch&#246;pfung.</p>

<ul>
    <li>Warum aber F&#252;ller?</li>
</ul>

<p>Mit Federn schreiben Menschen seit Jahrhunderten. Aber erst vor circa hundertdrei&#223;ig Jahren gelang es, eine gewisse Unabh&#228;ngigkeit vom Tintenfass zu erlangen. Und die Patronenf&#252;ller gibt es ja erst seit den f&#252;nfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Nach hundert Jahren Entwicklung ist der F&#252;ller im Gegensatz zu so manchem Textverarbeitungsprogramm ausgereift, auch wenn es da irgendwann Kombinationen gibt. So las ich die Tage von einem Prototypen, bei dem der Tintenfluss von einem Computer und Minipumpen geregelt wird. Aber das ist noch nicht alles. Ich schreibe heute per Hand, fast ausschlie&#223;lich mit F&#252;ller. Es ist das einzige Schreibger&#228;t das ich kenne, bei dem die Feder &#252;ber Jahre hinweg die M&#246;glichkeit hat, sich an mein Schreiben anzupassen. Aber auch umgekehrt. Ich habe unterschiedlichste Federn, die auch von mir eine gewisse Form der Anpassung verlangen und je nach Stimmung, Ruhe der Hand oder auch Papier nutze ich andere F&#252;ller. Bei Kugelschreibern tausche ich mit jedem Minentauch auch die Schreibspitze aus. Da gibt es keine Anpassung an mein Schreiben. Und das interessante ist: Wenn ich heute mit Kugelschreiber schreibe, dann verliert meine Handschrift f&#252;r mich jeden Reiz. Ich kann kaum noch mit Kugelschreiber schreiben – und schon gar nicht mit den &#252;berall verbreiteten Einweg- und Werbekugelschreibern.</p>

<ul>
    <li>Du sagtest, die Handschrift sei eine »Spur des K&#246;rpers«. Kannst du darauf noch ein wenig mehr eingehen?</li>
</ul>

<p>Klar, gerne. Am einfachsten kann ich das vielleicht &#252;ber Graphologie verdeutlichen. Damit bezeichnet man der Versuch, aus der Schrift etwas &#252;ber die Pers&#246;nlichkeit eines Menschen zu erfahren. Der K&#246;rper, der Charakter, das Selbstbild eines Menschen, aber auch Unter- bzw. gar Unbewusstes, findet sich nach Sicht der Graphologie, &#252;brigens ein sehr umstrittene »Wissenschaft«, in der Handschrift. Und ich glaube, da&#223; da etwas dran ist. Nehme ich mal ein unverf&#228;ngliches Beispiel, die Lyrikerin und Nobelpreistr&#228;gerin f&#252;r Literatur von 1966, Nelly Sachs. Nelly Sachs hatte in ihren letzten Lebensjahren zunehmende psychische Probleme, f&#252;hlte sich von Nazi-H&#228;schern verfolgt,  denen sie als J&#252;din in Deutschland gerade noch entkommen war. Wenn man nun ihre Handschrift sieht, dann gibt es ganz gravierende Unterschiede zwischen der Schrift, wenn sie psychisch »gut« drauf war und wenn sie wieder unter ihren Verfolgungsvorstellungen litt. Und wenn ich meine eigene Handschrift anschaue: da gibt es auch relativ viele Varianten. Also, vielleicht ist die Formulierung »Spur des K&#246;rpers« da missverst&#228;ndlich. Was ich meine ist, da&#223; sich in der Handschrift weit mehr auszudr&#252;cken vermag als nur das Geschriebene. Allerdings sollte man da mit voreiligen Deutungen sehr zur&#252;ckhaltend sein. Mir gelingt es eigentlich nur, wenn ich einen Menschen sehr gut kenne. Dann kann ich durchaus an der Handschrift, so ich auch diese sehr gut kenne, sehen, ob zum Beispiel die Aussage »Es geht mir gut« stimmt oder ob ich ihr gegen&#252;ber mi&#223;trauisch werde. Aber leider l&#228;uft heute ja das meiste &#252;ber Telefon und Email.</p>

<ul>
    <li>Hast du eine Vorstellung, warum das so ist?</li>
</ul>

<p>Hmmm, was ich jetzt sage, ist glaube ich sehr gewagt. Aber ich trau mich dennoch einmal, diesen Gedanken nachzuh&#228;ngen. Zum einen ist die auf elekrischem Strom basierende Form der Kommunikation nat&#252;rlich schneller. Und da wir heute ja von einem Geschwindigkeitswahn gepackt sind und alle meinen, wir h&#228;tten keine Zeit mehr, scheint das Telefon und die Email einfach einladend zu sein. Wobei ich das Telefon sehr mag, denn auch da ist ja durch die Stimme vieles an K&#246;rperlichkeit vorhanden. E-Mail ist manchmal ganz nett, aber ich glaube, in den meisten F&#228;llen wird sie v&#246;llig falsch eingesetzt. Pers&#246;nliche Briefe per E-Mail zum Beispiel finde ich nur in Ausnahmef&#228;llen angenehm. (Aber nat&#252;rlich freue ich mich jedes Mal auch &#252;ber E-Mail, wenn ich sehe: Da hat jemand an mich gedacht und gibt dem auch noch Ausdruck.)
Ich glaube aber, es steht noch etwas ganz anderes hinter dem Einsatz von Schreibwerkzeugen, die eine normierte Schrift &#252;ber Schriftarten (Typen) erzeugen. Die meisten haben zumindest eine Ahnung davon, dass Handschrift mehr zu sagen hat als nur die Inhalte. Und davor haben viele Angst. Es gibt kaum etwas, bei dem sich Menschen so oft entschuldigen,wie f&#252;r eine »schlechte« Handschrift. Heute h&#246;rt man noch, dass man ja nicht ge&#252;bt sei, seit Jahren eigentlich alles tippe und deshalb die Handschrift nicht mehr gut aussehe. Dahinter steht vielleicht auch ein Wunsch, zu gefallen. Oder positiv gewendet: Man will, dass auch alles lesbar ist, was man schreibt. Und da viele im Lesen von Handschriften nicht mehr ge&#252;bt sind, mag da sogar etwas dran sein. Interessanterweise erlebe ich es oft, da&#223; vor allem bei M&#228;nnern diejenigen kaum Handschrift verwenden, die gr&#246;&#223;ten Wert auf ihre Selbstinszenierung legen, die stark, erfolgreich etc. wirken wollen. In bestimmten Kreisen hat man da zwar F&#252;ller, aber die dienen eher der Selbtsinszenierung und dem Image als dem Schreiben – ein 350-Euro-F&#252;ller, der nur f&#252;r Unterschriften eingesetzt wird, ist da keine Seltenheit. Die Handschrift k&#246;nnte ja vielleicht zeigen, da&#223; da noch ein ganz anderer Mensch dahinter steht. Ich halte das zwar f&#252;r eine unbegr&#252;ndete Angst. Wenn die meisten schon im Lesen von Handschriften ungeb&#252;bt sind, werden sie kaum in der Lage sein, etwas zur Pers&#246;nlichkeit des Schreibenden herauslesen zu k&#246;nnen.</p>

<ul>
    <li>Moment. Jetzt hab ich doch eine Nachfrage: Wenn Handschrift etwas &#252;ber Schreibende auszusagen vermag, vermag dann auch die Handschrift die Pers&#246;nlichkeit zu beeinflussen? Kann man eine andere Pers&#246;nlichkeit werden, wenn man sich bewusst mit der eigenen Handschrift auseinander setzt?</li>
</ul>

<p>Also, das geht jetzt ja in die heute so modern gewordene therapeutische Richtung. Ja, es gibt Schreibtherapie. Aber da geht es eher um eine Form des Schreibens, die es einem erm&#246;glicht, zum Beispiel an unbewusste Teile der Pers&#246;nlichkeit heranzukommen oder aber eben eine Sprache f&#252;r sich und seine Erfahrungen zu finden. Ich glaube, das funktioniert auch. &#220;ber die Bedeutung einer Sprache f&#252;r die Pers&#246;nlichkeit, f&#252;r das Selbst-Bewusstsein, habe ich ja schon etwas gesagt. Bei der Arbeit an der Handschrift bin ich da bez&#252;glich m&#246;glicher psychischer Folgen ein wenig zur&#252;ckhaltender. Aber ich gehe immerhin so weit zu sagen, dass es sicherlich eine Bereicherung ist, die Handschrift lebendig zu halten, sie zu nutzen und durchaus auch zu &#252;ben. &#220;ber die Auswirkungen einer solchen Praxis wei&#223; ich nichts. Da will ich jetzt auch nicht ins spekulieren kommen. Nur in die therapeutische Richtung sollte das nicht gehen. All diese Psychologisierungen sind mir nicht so ganz behaglich. Es geht um eine der wunderbarsten Formen des Ausdrucks, die uns au&#223;erhalb der direkten k&#246;rperlichen Begegnung zur Verf&#252;gung steht. Ich staune immer wieder dar&#252;ber, da&#223; der Mensch so etwas zu Stande gebracht hat. Es geht nicht um Psychologie. Ich will ja auch nicht gleich unter dem Gesichtspunkt der Psychologie betrachtet werden, wenn ich einen Brief schreibe. Wenn aber ein Freund merkt: Ups, bei diesem Brief scheint es ihm aber gar nicht gut gegangen zu sein und Mut zuspricht oder tr&#246;stet, dann ist das genau das, was ich an der Spur des K&#246;rpers in der Handschrift so mag.</p>

<ul>
    <li>Du hast nun eine ganze Menge an F&#252;llern. Warum? Wenn es doch ein so pers&#246;nliches Schreibger&#228;t ist, w&#228;re es da nicht angebracht, nur einen zu nutzen?</li>
</ul>

<p>Du unterscheidest in der Frage sehr sch&#246;n zwischen F&#252;ller haben und F&#252;ller nutzen. Das gef&#228;llt mir. Zun&#228;chst einmal: Ich bin <span style="text-decoration: line-through;">kein</span> F&#252;llersammler. Ich habe nur solche, die ich auch zu nutzen vermag. Obwohl ich mich nat&#252;rlich auch am &#228;sthetischen &#196;u&#223;eren dieser Schreibger&#228;te sehr zu erfreuen vermag. Aber ich hab es ja schon gesagt: Welchen F&#252;ller ich nutze ist abh&#228;ngig von Stimmung oder auch von der Schreibgeschwindigkeit. Die Federn sind unterschiedlich schnell. Die meisten sind ja handgeschliffen. Nat&#252;rlich gibt es immer wieder F&#252;ller, die so eine Art Alltagsf&#252;ller sind und dann sehr intensiv genutzt werden. Aber auch da kann es zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche F&#252;ller treffen. Und ganz abgesehen davon: Ich habe auch unterschiedliche Tintenfarben laufen.</p>

<ul>
    <li>Bist du eigentlich bez&#252;glich F&#252;llern ein Romantiker?</li>
</ul>

<p>Ja, v&#246;llig. Wenn ich einen F&#252;ller in die Hand nehme, die Feder sehe und mich zum Beispiel daran erinnere, dass ich mit dieser Feder, mit diesem F&#252;ller das Abitur, mein Examen oder vielleicht einen ganz wichtigen Brief geschrieben habe, dann werde ich schon romantisch. Wenn ich dann bei Klausuraufsichten<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/02/schreiben-und-schreibgeraete-ein-selbstinterview/#footnote_0_93" id="identifier_0_93" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zur der Zeit, in der dieser Text entstand, arbeitete ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Frankfurter Universit&amp;#228;t und hatte in diesem Rahmen auch Aufsichten bei schriftlichen Examens- und Magisterpr&amp;#252;fungen zu halten.">1</a></sup> sehe, wie viele Leute eine Klausur mit einem Einweg- oder Werbekugelschreiber schreiben – und das sind vielleicht achtzig bis neunzig Prozent der Leute –, dann denke ich mir immer: Verdammt, ihr raubt euch gerade eine M&#246;glichkeit, sp&#228;ter einmal euren Examensf&#252;ller in die Hand zu nehmen, ja, und romantisch zu werden.</p>

<p align="right">©torstenlarbig 25. September 2003 (zuletzt &#252;berarbeitet: 02.09.2008)</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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