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	<title>herrlarbig.de &#187; Inhalt</title>
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	<description>Bildungs-Neuron &#124; Lehrerblog &#124; Etc.</description>
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		<title>Neuerungen auf herrlarbig.de</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 21:38:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach drei Jahren hatte ich mich an dem alten Design meiner Website ein wenig satt gesehen. »Wir m&#252;ssen oft neu anfangen, aber nur selten von vorne.« (Ernst Ferstl) Ich kann sagen: Erst nach drei Jahren. F&#252;r das Layout einer Website &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/31/neuerungen-auf-herrlarbig-de/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach drei Jahren hatte ich mich an dem alten Design meiner Website ein wenig satt gesehen.</p>

<blockquote class="pull alignright">»Wir m&#252;ssen oft neu anfangen, aber nur selten von vorne.«
(<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Ferstl" target="_blank">Ernst Ferstl</a>)</blockquote>

<p>Ich kann sagen: <em>Erst nach drei Jahren</em>. F&#252;r das Layout einer Website ist das schon eine recht anst&#228;ndige Zeit. Klar: Es gab immer wieder kleinere Anpassungen, die vor allem im Hintergrund die Website auf den Stand der Technik brachten.</p>

<p><span class="Apple-style-span" style="font-weight: 300; font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, sans-serif; font-style: normal;">Jetzt aber war es an der Zeit, deutliche Ver&#228;nderungen vorzunehmen, ohne dass Inhalte verloren gegangen w&#228;ren. Ein gro&#223;er Teil der Ver&#228;nderungen ist f&#252;r den Besucher und die Besucherin von herrlarbig.de nicht zu sehen. Es sind technische Aktualisierungen von unterschiedlicher Bedeutung. So kann ich jetzt Zitate so positionieren, wie das von Ernst Ferstl, welches diesen Eintrag begleitet. Aber auch sonst bietet das neue Template viele kleinere Modernisierungen im Detail. </span></p>

<p>Die gr&#246;&#223;te Neuererung der vergangenen Wochen,<span id="more-6156"></span> die manche technische Anpassung allerdings erst m&#246;glich gemacht hat, da sie die entsprechende Serverleistung liefert, ohne die eine Website wie herrlarbig.de ziemlich im Regen st&#252;nde, besteht darin, dass ich »<a href="http://twitter.com/ubernauten" target="_blank">Ubernaut</a>« geworden bin. herrlarbig.de hat seine Heimat jetzt auf <a href="http://uberspace.de" target="_blank">Uberspace</a>. Damit habe ich zwar nicht meinen Anbieter f&#252;r Platz im Internet gewechselt, aber den Server.</p>

<p>HIer mal ein paar nackte Zahlen:</p>

<p>Bis zum Serverwechsel galten folgende technische Voraussetzungen:</p>

<p>Intel(R) Celeron(R) CPU 2.40GHz
<a href=" http://www.cpubenchmark.net/cpu.php?cpu=Intel+Celeron+2.40GHz " target="_blank"> http://www.cpubenchmark.net/cpu.php?cpu=Intel+Celeron+2.40GHz
</a> <strong>CPU-Mark-Wert: 282</strong></p>

<p>Seit dem Serverwechsel gilt:</p>

<p>Intel(R) Xeon(R) CPU L3426 @ 1.87GHz
<a href="http://www.cpubenchmark.net/cpu.php?cpu=Intel+Xeon+L3426+%40+1.87GHz">http://www.cpubenchmark.net/cpu.php?cpu=Intel+Xeon+L3426+%40+1.87GHz</a>
<strong>CPU-Mark-Wert: 4716</strong></p>

<p>Der CPU-Mark-Wert, der heute hinter herrlarbig.de steht, ist 16,73 Mal so hoch wie vorher.</p>

<p>Vor allem, wenn ich mich im Verwaltungsteil dieser Website aufhalte, merke ich diese Steigerung sehr deutlich.</p>

<blockquote class="pull alignleft">»Ohne zu schreiben, kann man nicht denken; jedenfalls nicht in anspruchsvoller, anschlussf&#228;higer Weise.« (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann" target="_blank">Niklas Luhmann</a>)</blockquote>

<p>&nbsp;</p>

<p>Was sich optisch ver&#228;ndert hat, kann jeder und jede selbst erkunden. Und nur um meinen Anteil an diesen Ver&#228;nderungen in ihrer Bedeutung nicht zu &#252;bertreiben: Ich habe schon l&#228;nger nach einem neuen Theme f&#252;r herrlarbig.de Ausschau gehalten, ohne f&#252;ndig zuwerden. Nun aber bin ich auf das<a href="http://theme.wordpress.com/themes/twentyeleven/" target="_blank"> Standardtheme »Twenty Eleven« von WordPress</a> gesto&#223;en, das die aktuell m&#246;glichen Leistungen von WordPress integriert und einiges an Anpassungen erm&#246;glicht, Anpassungen, die zu dem optischen Eindruck f&#252;hren, der hier jetzt zu sehen ist.</p>

<p>Ich wollte ein &#252;bersichtliches Layout, eine Schrift, die puristisch wirkt und im Hintergrund dennoch die aktuelle technischen M&#246;glichkeiten. Mit <a href="http://theme.wordpress.com/themes/twentyeleven/" target="_blank">»Twenty Eleven«</a> ist das f&#252;r mich m&#246;glich geworden. Und als ich erst einmal beschlossen hatte, dass ich da mein neues Theme f&#252;r herrlarbig. de gefunden hatte, habe ich an der optischen Umstellung von herrlarbig.de gearbeitet, die hier jetzt zu sehen ist.</p>

<p>Ich hoffe, dass das, was meinen Augen gef&#228;llt, nicht <em>alleine meinen Augen</em> gef&#228;llt. Ich hoffe, dass das neue Layout und die mit ihm verbundene Typographie, also das Schriftbild, das Lesen der Texte unterst&#252;tzen. Und da ein Blog nie nur eine Einbahnstra&#223;e sein soll, sondern von Kommentaren, von den Gespr&#228;chen mit Leuten lebt, die es besuchen und bereichern, hoffe ich, dass sich jeder Besucher und jede Besucherin hier willkommen f&#252;hlt. Und wenn dieses Layout, das in Details sicherlich noch weiterentwickelt wird, wieder mindestens drei Jahre durchhalten w&#252;rde, dann f&#228;nde ich das durchaus begr&#252;&#223;enswert. Oder?</p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Perspektiven f&#252;r Blog-Debatten: Aktuelle Entwicklungen im Netz</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Aug 2011 22:19:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwei Blogbeitr&#228;ge geben Anlass zu diesem Blogbeitrag. Warum es wichtig ist, dass ich hier auf Eintr&#228;ge in anderen Blogs reagiere, wird gleich deutlich werden. Via Twitter stie&#223; ich auf einen Beitrag Matthias Schwenke im „bwl zwei null”-Blog mit dem Titel Blogs &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/03/perspektiven-fur-blog-debatten-aktuelle-entwicklungen-im-netz/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Blogbeitr&#228;ge geben Anlass zu diesem Blogbeitrag. Warum es wichtig ist, dass ich hier auf Eintr&#228;ge in anderen Blogs reagiere, wird gleich deutlich werden.</p>

<p>Via Twitter stie&#223; ich auf einen Beitrag Matthias Schwenke im „bwl zwei null”-Blog mit dem Titel</p>

<blockquote><a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2011/08/02/blogs-in-der-defensive-uber-den-kommunikationswandel-in-sozialen-medien/" target="_blank">Blogs in der Defensive? &#220;ber den Kommunikationswandel in sozialen Medien</a></blockquote>

<p>und von diesem ausgehend dann auf einen Beitrag, der bereits im Mai 2011 von Robert Basic ver&#246;ffentlicht wurde, in dem er fragt:</p>

<blockquote><a href="http://www.robertbasic.de/2011/04/wo-ist-die-blog-debatte-hin/" target="_blank">Wo ist die Blog-Debatte hin?</a></blockquote>

<p>In diesem Zusammenhang stie&#223; ich dann bei Robert Basic auf den</p>

<blockquote><a href="http://www.robertbasic.de/2011/07/blog-blurb/" target="_blank">Blog-Blurb</a>,</blockquote>

<p>der im Juli 2011 ver&#246;ffentlicht wurde.</p>

<p>„Blog-Blurb“ meint die kleinen Kn&#246;pfchen und nicht immer so kleinen Bildchen unter Blogeintr&#228;gen, die der Einspeisung des in Blogs erstellten Inhalts (Contents) in die soziale Netzwerke dienen, in denen sich die Leute heute eigentlich tummeln. Und die Quintessenz der Frage, ob Blogs in der Defensive seien (Matthias Schwenk) und wo die Blog-Debatte hin sei (Robert Basic) hat viel mit dem „Blog-Blurb“ zu tun.</p>

<p>Ja, Diskussionen wandern aus den Blogs aus, so der Eindruck. Sie emigrieren mehr und mehr in soziale Netzwerke jenseits der gro&#223;en Blogbetreiber, die eigentlich Netzwerke anbieten, selbst soziale Netze sein wollen. Das ist zumindest dann so, wenn ein Blog bei Blogger, blogspot, WordPress.com oder wie die Dienste alle hei&#223;en betrieben wird.</p>

<p>Und dann gibt es noch Domain-Inhaber, die eigene Blogs betreiben, die sich selbst um die Infrastruktur k&#252;mmern und damit belohnt werden, dass sie die Hoheit &#252;ber die Inhalte und, das wird in der Debatte oft vergessen, die anfallenden Besucherdaten haben, so keine externen Statistikinstrumente wie Google-Analytics verwendet werden.</p>

<p>Doch dieser Lohn ist ein magerer, angesichts der Frage,<span id="more-6024"></span> wer diese Blogs denn eigentlich liest und – das ist noch viel wichtiger – im Blog oder &#252;ber Bloggrenzen hinweg eine konstruktive Debatte anst&#246;&#223;t.</p>

<p>Ja, Robert Basics und Matthias Schwenke Beobachtung kann ich nachvollziehen. Es ist schwer geworden, mittels Blogs in Debatten einzusteigen. Und deshalb ist die Eingangsbemerkung wichtig, dass dieser Blogbeitrag genau diesen Ball aufgreift und in die Debatte eingreift.</p>

<p>Seit es Google+ gibt, also <del>noch nicht lange</del> seit ein paar Tagen (!), sto&#223;e ich immer h&#228;ufiger auf Beitr&#228;ge, die fr&#252;her in Blogs gestanden h&#228;tten, die nun pl&#246;tzlich mit einem Link zu Google+ versehen sind. Nicht, dass ich schon bei Google+ selbst dabei w&#228;re, doch wenn mich mein Eindruck nicht t&#228;uscht, dann versucht Google sich weiter an der gro&#223;en <del>Integrationsleistung</del> Monopolisierung, die darin besteht, das gesamte Wissen der Wissen nicht nur auffindbar und zug&#228;nglich zu machen, sondern immer mehr Teile dieses Wissen auch zum Teil des Google-Imperiums werden zu lassen, also in gewissem Ma&#223;e die Hoheit &#252;ber die Daten zu erlange, Wissen zu monopolisieren.</p>

<p>Und das scheint zu funktionieren.</p>

<p>Bei Facebook funktioniert es auch. Nur hat Google jetzt wohl verstanden, dass Texte nicht viel Speicher verbrauchen und dass es kein Problem darstellt, Texte in unbegrenzter L&#228;nge zuzulassen. – Wenn die Leute dann in den Netzen erste einmal <del>gefangen</del> drinnen sind, dann werden sie auch diese Debatten innerhalb dieser Netze f&#252;hren. Das passiert auch heute schon, selbst wenn die Zeichenzahl daf&#252;r begrenzt ist.</p>

<p>Ich beobachte an mir selbst, wie ich manchmal in Diskussionen auf 140-Zeichen-Basis (<a href="http://twitter.com/herrlarbig" target="_blank">Twitter</a>) gerate, die dann teilweise recht lang werden. So lang, dass man sich manchmal fragt, was man damit den eignen Followern antut.</p>

<p>Die Erfahrung lehrt mich, dass Follower auf Inhalte und auf inhaltlich gef&#252;hrte Debatten nicht sonderlich genervt reagieren. Das tun sie eher dann, wenn Tweets nur noch Verweise auf andere Inhalte sind, statt selbst Inhalte zu haben. Anders als in Blogs finden auf Twitter dann Debatten statt, die nur stattfinden k&#246;nnen, wenn sich die Teilnehmenden kurz fassen, auf den Punkt kommen k&#246;nnen, Argumentationen verk&#252;rzen.</p>

<p>Einen gro&#223;en Nachteil aber haben diese Debatten: Sie bleiben vielleicht in der Erinnerung der Beteiligten oder besonders aktiv mitlesender Follower erhalten, sind aber nicht dokumentiert, letztlich kaum nachvollziehbar. Solche Debatten „versenden“ sich.</p>

<p>Debatten auf Blogs sind langwieriger, aufwendiger zu verfolgen, vielleicht sogar nachhaltiger. Deshalb ordnet Matthias Schwenk seinen Beitrag auch der Kategorie „Beschleunigung“ zu.</p>

<p>Google macht nun ein Angebot, das einerseits umfassende inhaltliche Beitr&#228;ge erm&#246;glicht, diesen aber zus&#228;tzlich potentiell eine gro&#223;e &#214;ffentlichkeit verschafft.</p>

<p>Daran leider kranken meines Erachtens &#252;brigens „Blog-Debatten“ von Anfang an, genau genommen seit ein paar Blogger das Netz erobert haben und im Prinzip die Meinung vertraten, dass Bloggen letztlich nichts anderes bedeute, als sich bloggend mit dem Netz (also im wesentlichen mit sich selbst) zu besch&#228;ftigen und „das Netz“ ins Zentrum zu stellen. Wer sich mit anderen Inhalten befasste, wurde und wird weitgehend von „echtenBloggern“ nur dann beachtet, wenn man die gleichen Themen hat, sich also die gleichen Begrenzungen auferlegt. Tut man dies nicht, dann ist man jemand, der eine Blogsoftware als Content-Managementsystem (CMS) nutzt und nicht etwa ein Blogger, nein, Blogger bloggen &#252;ber das Bloggen und das Netz und reagiert wird auf Blogger, die &#252;ber das Bloggen und das Netz bloggen.</p>

<p>Die Chance wurde bis heute weitgehend verpasst, mit Blog-Debatten die Debatten-Landschaft wirklich zu erweitern. Es gibt einzelne Kampagnen, die sich via Netz durchsetzen k&#246;nnen. Interessanterweise haben einige &#252;ber Blogs gro&#223; gewordene Blogger, die sich um kleine Blogs in der Regel nicht geschert haben, sondern eben genau so unter sich geblieben sind, wie es die Kommentatoren meines Blogs sind, wie es sich allzu oft auch in meinen Reaktionen auf Beitr&#228;ge Dritter widerspiegelt, genau in dieser Zeit beschlossen, dass sie sich jetzt um Kampagnenarbeit k&#252;mmern wollen, die digitale B&#252;rgerrechte in den Blick nimmt.</p>

<p>Nicht, dass das falsch verstanden wird, dieses Mal erw&#228;hne ich dieses Ph&#228;nomen nur beschreibend und nicht wertend, wie ich das <a title="Die Sprache der „Digitalen Gesellschaft“ (Eine Kritik #digiges @digiges)" href="http://herrlarbig.de/2011/04/16/die-sprache-der-digitalen-gesellschaft-eine-kritik-digiges-digiges/" target="_blank">im Rahmen einer sprachkritischen Auseinandersetzung mit dem von diesen Bloggern et al. gegr&#252;ndeten Verein</a> auch schon getan habe.</p>

<p>Im Prinzip gab es  die Blogsphere nie so, wie es sie h&#228;tte geben k&#246;nnen, wenn Blogger und Bloggerinnen nicht einfach das reproduziert h&#228;tten und nach wie vor reproduzieren w&#252;rden, was in Communities schon immer getan wurde, n&#228;mlich sich auf sich selbst und untereinander zu beziehen, statt neugierig, die F&#252;hler auszustrecken und zumindest in einem gewissen Rahmen und gezielt Beitr&#228;ge zu leisten, die nicht mit der eigenen „Community“ zu tun haben.</p>

<p>Das ist angesichts der zahlreichen Blogs nur begrenzt leistbar. Und oft kranken solche &#196;u&#223;erungen auch daran, dass man einander belehren will. Das wird Lehrern oft vorgeworfen, dabei wird aber meist &#252;bersehen, wie h&#228;ufig Dritte Lehrer belehren wollen, wobei die Kompetenztiefe dieser Ambitionen au&#223;erordentlich weit gef&#228;chert ist.</p>

<p>Die Selbstreferentialit&#228;t hat sicher auch damit zu tun, dass gute Blogger in der Regel wissen, in welchen Bereichen sie kompetent sind und zu welchen Bereichen sie lieber schweigen sollten. Spannend wird es aber allemal, wenn jemand mit anderen Denkstrukturen als man selbst, diese anderen Sichtweisen reflektiert in Debatten einbringt.</p>

<p>Was ich in den Blogdebatten vermisse und immer vermisst habe, ist der respektvolle „fremde“ Blick auf unterschiedliche Materien, ein Blick, der sich nicht anma&#223;t, die Weisheit mit L&#246;ffeln gefuttert zu haben, ein Blick, der nicht zeigen will, wie toll man selbst ist und dass der andere, obwohl mehr vom Fach als man selbst, eigentlich doch eh keine Ahnung hat, ein Blick der sich einfach als „fremder Blick“ ins Spiel bringt und den Horizont der Mitspieler erweitert.</p>

<p>Twitter hat mir diese Erweiterung des Blicks zum Teil gebracht. Twitter bringt mich auf Blogs, die ich nicht auf dem Schirm habe. Twitter lockt mich dank einer Followerstruktur, die einerseits meine Interessen widerspiegelt, die aber andererseits dennoch ziemlich bunt ist, immer wieder auf Entdeckungsreisen.</p>

<p>Aber trauen andere Blogger, die &#252;ber das Netz und Blogs bloggen, einem Lehrer zu, selbst einen kompetenten Beitrag zu diesen Fragen leisten zu k&#246;nnen? Traue ich als Blogger Leuten kompetente &#196;u&#223;erungen zu meinen Themen zu, deren Schwerpunkte andere Themen sind?</p>

<p>Als Lehrer und Akademiker wei&#223; ich schon lange, dass die Zeit der Universalisten angesichts der F&#252;lle des heute verf&#252;gbaren Wissens zu Ende gegangen ist.</p>

<p>Wir leben in einer „Expertenwelt“. Diese Experten k&#252;mmern sich um sich selbst. Und diese Selbstreferenzialit&#228;t spiegelte sich so lange in den Blog-Debatten wider, bis eigentlich alles gesagt gewesen schien.</p>

<p>Da es vielen neben den Inhalten beim Bloggen dann doch auch um die Frage der Gr&#246;&#223;e der mit eigenen Beitr&#228;gen erreichten &#214;ffentlichkeit geht, ist die Karawane dorthin gezogen, wo heute gr&#246;&#223;tm&#246;gliche &#214;ffentlichkeitswirksamkeit erreicht werden kann: Google+ ist die logische Konsequenz, wenn man 1. m&#246;glichst viele Inhalte an einem „Ort“ haben will und 2. dies dadurch motivieren kann, dass man &#214;ffentlichkeit verspricht.</p>

<p>Blogs wie dieses hier, das von Matthias Schwenk, das von Robert Basic, die nicht einmal auf einer der gro&#223;en, als „Social Communities“ designten Blog-Plattformen angesiedelt sind, sondern mit eigener Domain, eigenem Webspace und der damit verbundenen Datenhoheit arbeiten, sind in solchen Aufmerksamkeitsstrukturen eher exzentrisch.</p>

<p>Dennoch sind Blogs nicht veraltet, wenn nach dem Hype der Blogs, der vorbei scheint, die Qualit&#228;ten von Blogs von den Bloggern genutzt werden.</p>

<p>Eine dieser Qualit&#228;ten ist, dass man sich aufeinander beziehen kann und dennoch ein eigenen Profil erkennen l&#228;sst, da man sich nicht im Einheitsdesign von Facebook oder Google+ bewegt, sondern wirklich weite Teile des eigenen Auftritts gestalten kann.</p>

<p>Es ist eine Qualit&#228;t, dass Diskussionen auf Blogs meiner Wahrnehmung nach relativ lange nachvollziehbar sind, so es sich um einigerma&#223;en langlebige Blogs handelt, deren Betreiber die Inhalte nicht einfach mal so l&#246;schen.</p>

<p>Es ist aber auch die relative Langsamkeit von Blogs gegen&#252;ber den doch auf schnelle Reaktionen hin angelegten sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter. Man muss sich Zeit nehmen, Beitr&#228;ge in Blogs zu lesen. Reagiert man knapper darauf, kann man einen Kommentar schreiben, f&#228;llt die Reaktion umfangreicher aus, so lohnt es sich einen Blogbeitrag zu schreiben.</p>

<p>Und doch kann die Blogkultur auch gef&#246;rdert werden. Ich habe in einem <a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/" target="_blank">offenen Kurs zur Zukunft des Lernens</a> gerade erst erlebt, wie Blogs sich aufeinander beziehen, wie Teilnehmende sich die Infrastruktur geschaffen haben, die sie zu brauchen meinten, wie ein dezentraler Austausch m&#246;glich ist, auch wenn sich (nat&#252;rlich) eine Gruppe auf Facebook bildete und Twitter als Austauschkanal nicht unbedeutend war.</p>

<p>Wie wird es weiter gehen? Christian Hennig Fehr, auf den ich mittels eines Links von Matthias Schwenk gesto&#223;en bin, fordert zurecht einen <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2011/03/13/warum-der-social-media-mix-nicht-nur-aus-facebook-und-twitter-besteht/" target="_blank">angemessen Mix von Social-Media-Aktivit&#228;ten</a>. Ich gehe da noch weiter: Es wird eine <em>Reduktion (sic!)</em> der Social-Media-Aktivit&#228;ten gehen, denn den von Robert Basic konstatierten „<a href="http://www.robertbasic.de/2011/07/blog-blurb/" target="_blank">Blog-Blurb</a>“ werden auf Dauer viele User gar nicht leisten k&#246;nnen, geschweige denn wollen.</p>

<p>Es wird, so meine Prognose, die Blogger geben, die ihr eigenes Ding machen und &#252;ber Twitter miteinander verbunden sind, vielleicht auch &#252;ber Facebook, und es wird die Social-Media-Nutzer geben, die ihre Inhalte beispielsweise auf Google+ posten. Google wird irgendwann Google+-Beitr&#228;ge im Ranking bevorzugen und somit den Druck auf bestehende Blogs erh&#246;hen, endlich die Inhalte auf Google-Servern abzulegen. Das wird Facebook nicht auf sich beruhen lassen.  Und jede kleine Datenspur, die im Rahmen dieser Social-Media-Aktivit&#228;ten hinterlassen wird, wird kapitalisiert.</p>

<p>Die Inhalte, davon gehe ich aus, werden weiter in Blogs und kollaborativ in Wikis entstehen und diskutiert werden, wenn wir uns nur immer vor Augen halten, welchen Eigenwert eigene, sozusagen „inhabergef&#252;hrte“ Blogs haben. Dann werden sich auch die Blog-Debatten konsolidieren und hoffentlich nicht nur in Worten h&#228;ngen bleiben, sondern an der einen oder anderen Stelle auch wirklich relevant und wirksam werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>&#220;berlegungen zum Kulturwandel: Alte B&#252;cher und digitale, buch&#228;hnliche Produkte</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Jun 2011 11:41:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe hier B&#252;cher stehen, die hundert und mehr Jahre alt sind. Diese B&#252;cher hatten mehrere Besitzer. Diese B&#252;cher sind Zeugen des jeweiligen Geschmacks der Zeit, wenn es um die Gestaltung von Bucheinb&#228;nden oder auch des gesamten Buches geht. Zum &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/06/29/uberlegungen-zum-kulturwandel-alte-bucher-und-digitale-buchahnliche-produkte/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe hier B&#252;cher stehen, die hundert und mehr Jahre alt sind. Diese B&#252;cher hatten mehrere Besitzer. Diese B&#252;cher sind Zeugen des jeweiligen Geschmacks der Zeit, wenn es um die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bucheinband" target="_blank">Gestaltung von Bucheinb&#228;nden</a> oder auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Buchgestaltung" target="_blank">des gesamten Buches</a> geht. Zum Teil haben Vorbesitzer Spuren in den B&#252;chern hinterlassen. Solche Spuren sind zum Beispiel die Eintragung des Namens auf dem Titelblatt, sodass man zum Teil sehen kann, wem das Buch alles geh&#246;rt hat, es kommen aber auch Anstreichugen in den Texten vor.</p>

<p>In Bibliotheken stehen <a href="http://www.bsb-muenchen.de/App-Famous-Books-Treasures-of-the-Bavarian-State-Library.virtuelle-angebote-app.0.html" target="_blank">Buchbest&#228;nde, die viel &#228;lter sind</a>. Ich erinnere einen Besuch in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L&#246;wen" target="_blank">L&#246;wen</a> (Belgien). Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Universit&#228;tsbibliothek_L&#246;wen" target="_blank">Bibliothek</a> dort hat, so ich mich richtig erinnere, &#252;ber 120000 alte B&#252;cher, teilweise auch Handschriften. Und in vielen Bibliotheken lagern Dokumente, die es erst noch (wieder) zu entdecken gilt.</p>

<p>Wenn die Digitalisierung so weitergehen w&#252;rde, dass digitale Speicher gedruckte B&#252;cher zu einem Randph&#228;nomen werden lie&#223;en,<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Langzeitarchivierung"> s&#228;he das mit den Altbest&#228;nden in Bibliotheken und Archiven anders aus</a>.</p>

<p>Statt B&#252;cher lagerten dort Festplatten. Statt Papierfra&#223; h&#228;tte man es mit Hardwarefehlern und Abnutzungserscheinungen der Datentr&#228;ger zu tun, die die Lesbarkeit der Dokumente gef&#228;hrden. Techniker w&#252;rden alte Leseger&#228;te einsatzf&#228;hig halten oder zu rekonstruieren versuchen. Andere Techniker h&#228;tten keine andere Aufgabe, als Daten von alten Datentr&#228;gern auf neue zu &#252;bertragen, so wie man alte B&#252;cher heute digitalisiert oder auf Microfilm festgehalten hat.</p>

<p>Es k&#246;nnte aber auch zu neuartigen „Copyright“-Problemen kommen. Wenn ich heute ein Buch kaufe, dann habe ich dieses Buch. Ich kann dieses Buch lesen, behalten, aber auch Freunden zum Lesen geben, es verschenken, es in &#246;ffentlich aufgestellte <a href="http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/frankfurt/buecherschrank-statt-bibliothek_rmn01.c.9016460.de.html" target="_blank">Buchschr&#228;nke</a> stellen. Solange ich das Buch nicht kopiere und eine Vervielf&#228;ltigung weitergebe, kann ich mit dem Buch so ziemlich alles machen, was m&#246;glich ist. Ich habe das Buch gekauft. Es geh&#246;rt mir.</p>

<p>Digitale Werke haben die Eigenart, dass digitalen Daten das Vervielf&#228;ltigen sehr nahe liegt. Digitale Daten sind auf Redundanz hin ausgelegt. Entsprechend wollen (Zeitungs)Verleger heute weg von dem Copyright im klassischen Sinne und hin zu einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsschutzrecht_f&#252;r_Presseverleger" target="_blank">Leistungsschutzrecht</a>, das sicherstellen soll, dass z. B. Dienste wie Google-News <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/keine_sympathien_fuer_ein_leistungsschutzrecht_1.7391789.html" target="_blank">f&#252;r die Nutzung der Leistung von Journalisten zahlen sollen</a>. Das k&#246;nnte aber durchaus soweit gehen, dass jemand, der auf eine Leistung eines Dritten verlinkt f&#252;r diesen Link bezahlen muss, weil er ja die Leistung des Dritten in Anspruch nimmt, sei es auch „nur“ als Link. Der Text ist dann dennoch, wenn nicht hinter einem Bezahlvorhang verborgen ist, vollst&#228;ndig zug&#228;ngilich. Wenn ich bislang aus einem Werk im wissenschaftlichen Kontext zitiere, dann muss mir irgendwie das (bezahlte) Original vorgelegen haben, ob nun in der Bibliothek oder als gekauftes Buch. Und wenn jemand meinen Literaturnachweis verfolgen will, muss er Zugang zu diesem Werk haben, das dann wiederum in einer bezahlten Form vorliegt.</p>

<p>Das alles ver&#228;ndert sich. Des Verlegers Traum heute scheint zu sein, nicht mehr Zeitungen / B&#252;cher zu verkaufen, sondern nur noch die Inhalte. Das hei&#223;t: Am liebsten, so stelle ich mir das teilweise vor, w&#252;rden Verleger ihre Werke an eine Person binden. Am liebsten w&#228;re es Verlegern wohl, w&#252;rde sie nicht mehr f&#252;r ein B&#252;cher sondern pro Leser eines Buches Geld bekommen (<a href="http://www.vgwort.de/" target="_blank">VG Wort</a> arbeitet, &#228;hnlich wie die Gema, aber nicht so im Blick der &#214;ffentlichkeit stehend daf&#252;r, dass Autoren Nutzungsgeb&#252;hren zum Beispiel aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pauschalabgabe" target="_blank">Urheberrechtsabgaben von Kopierern</a> bekommen).</p>

<p>Mit pers&#246;nlichen digitalen Leseger&#228;ten und digitalem Kopierschutz scheint man dem Ziel schon n&#228;her gekommen zu sein. Es gibt aber auch <a href="http://www.zdnet.de/news/41543765/kindle-buecher-kann-man-jetzt-verleihen.htm" target="_blank">erste Versuche, B&#252;cher verleihen zu lassen</a>. Dann ist ein Buch f&#252;r einen begrenzten Zeitraum auf dem digitalen Leseger&#228;t eines Freundes oder Bekannten verf&#252;gbar, aber nicht beim Besitzer.</p>

<p>Mit ver&#228;nderten Copyrightregeln k&#246;nnte diese Art des Verleihens bald hinf&#228;llig sein. Es werden dann andere Regeln f&#252;r gedruckte und digitale Versionen des gleichen Werkes gelten. Das ist schon heute so. So gibt es <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Boersenverein-Buchpreisbindung-gilt-auch-fuer-E-Books-208646.html" target="_blank">Streit um das Thema der Buchpreisbindung</a>. Die Mehrwertsteuers&#228;tze f&#252;r gedruckte und digitale B&#252;cher sind unterschiedlich. <a href="http://www.zeit.de/digital/mobil/2010-09/ebooks-preisbindung-ereader" target="_blank">Oft sind digitale Ausgaben etwas billiger</a> als gedruckte Versionen, womit aber im Prinzip kein Besitzrecht an einer Kopie des Werkes erworben wird, sondern nur das Nutzungsrecht der zur Verf&#252;gung gestellten Daten, die im Zweifelsfall <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-loescht-gekaufte-Kindle-eBooks-6887.html" target="_blank">vom Anbieter auch von den Endger&#228;ten wieder gel&#246;scht werden</a> k&#246;nnen! In einer digitalen Lesegesellschaft wird es auch Zensoren erheblich leichter gemacht, Inhalte von Werken zu ver&#228;ndern oder Werke von Leseger&#228;ten verschwinden zu lassen.</p>

<p>Kulturg&#252;ter sind keine betonierten Ist-Zust&#228;nde. Der Blick in die Geschichte lehrt dies. Der Umgang mit Informationen und Informationstr&#228;gern hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder ver&#228;ndert. Und wie sich die digitale Gesellschaft, hier vor allem auf den Umgang mit B&#252;chern bezogen, letztlich faktisch ver&#228;ndern wird, ist nur begrenzt absehbar.</p>

<p>Neben wirtschaftlichen Entscheidungen werden auch politische Beschl&#252;sse die Ver&#228;nderungen mit bestimmen. Bleibt nur zu hoffen, dass Entscheidungstr&#228;ger nicht dem Irrglauben verfallen, es g&#228;be Zw&#228;nge, nur weil z. B. Firmen etwas aufgebaut haben und dann wollen, dass die Gesetze gef&#228;lltigs dem entsprechen, was sie aufgebaut haben. Entscheidungstr&#228;ger haben Gestaltungsm&#246;glichkeiten. Von der Nutzung dieser Gestaltungsm&#246;gichkeiten wird abh&#228;ngen, wie sich die nach wie vor wichtige Buchkultur entwickeln wird. Um allerdings Gestaltungsm&#246;glichkeiten nutzen zu k&#246;nnen, braucht es Visionen, wie mit dem Kulturgut „Buch“ in Zukunft umgegangen werden soll, welche Rolle es in der Gesellschaft spielen soll, ob es prim&#228;r als Kulturgut oder prim&#228;r als Wirtschaftsgut gesehen wird und wie ein Ausgleich der Interessen von Autoren, Verlegern, Lesern, Bibliotheken etc. gestaltet wird.</p>

<p>Vorschl&#228;ge, Visionen, Tr&#228;ume zur Entwicklung von Kulturg&#252;tern in der digitalen Gesellschaft k&#246;nnen gerne als Kommentar zu diesem Artikel hinzugef&#252;gt werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Die 8 besten (?) Werkzeuge des analogen Lernens und Lehrens</title>
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		<pubDate>Wed, 18 May 2011 21:09:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die einen fragen, was heute zu lernen sei und gehen damit wohltuend von den Tools des Lernens weg hin zu den Inhalten. Prima. An anderer Stelle geht es in einem Offenen Kurs (Open Course) um die Zukunft des Lernens und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/05/18/die-8-besten-werkzeuge-des-analogen-lernens-und-lehrens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die einen fragen, <a href="http://imgriff.com/2011/04/18/unsere-zukunft-was-wir-wirklich-lernen-muessen/" target="_blank">was heute zu lernen sei</a> und gehen damit wohltuend von den Tools des Lernens weg hin zu den Inhalten. Prima. </em></p>

<p><em>An anderer Stelle geht es in einem Offenen Kurs (Open Course) um die Zukunft des Lernens und in der dritten Woche, in der sich dieser Kurs nun befindet, geht es um die Tools des Lernens, mit denen dann gelernt werden soll, was zu lernen ist, <a href="http://blog.guykawasaki.com/2006/08/ten_things_to_l.html#axzz1MdqfZX7m" target="_blank">wie auch immer diese Inhalte / Kompetenzen dann n&#228;her definiert sind</a>. </em></p>

<p><em>Die &#220;berschrift der dritten Woche des Offenen Kurses zur »Zukunft des Lernen« lautet: »<a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/agenda/woche-3/" target="_blank">Von iPads, eBooks &amp; Virtual Classrooms. Lerntechnologien</a>«.</em></p>

<p><em>Die Selbstverst&#228;ndlichkeit, so sehr ich diese im Gesamtkontext dieses Kurses auch nachvollziehen kann und mich ihrer oft selbst bediene, mit der bei Lerntechnologien heute von digitalen Lerntechnologien gesprochen wird, erstaunt mich immer wieder.</em></p>

<p><em>Lernende lernen analog, unabh&#228;ngig davon, wie digital die zum Lernen genutzten Medien auch immer sein m&#246;gen. Der Lernprozess des individuellen Menschen findet nicht bin&#228;r statt, sondern in der komplexen Struktur des Gehirns und des ganzen K&#246;rpers.</em></p>

<p><em>Deshalb gibt es von mir an dieser Stelle keine Top-Ten-Liste der wunderbarsten digitalen Lernwerkzeuge, auch wenn ich eine solche erstellen k&#246;nnte, sondern – v&#246;llig unzeitgem&#228;&#223; – eine Liste analoger  <em>»Werkzeuge« des analogen Lernens und Lehrens. Die Reihenfolge ist zumindest nicht konsequent hierarchisch gemeint; die Liste ist bestimmt nicht vollst&#228;ndig und &#252;berhaupt vor allem eine Anregung zur Erweiterung der Diskussion. Die Zukunft des Lernens bringt neue Technologien mit sich. Sollen diese Technologien die analogen ersetzen? Wo k&#246;nnen sie das? Was k&#246;nnen sie nicht leisten? Wo sind analoge Werkzeuge vielleicht unabdingbar?</em></em></p>

<p><em><em>Wenn der offene Kurs <em>»<a href="http://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/opco11/" target="_blank">Die Zukunft des Lernens</a>« hei&#223;t, so halte ich eine Reduktion auf zuk&#252;nftige Lerntechnologien zu kurz gegriffen. </em></em></em></p>

<p><em><em><em>Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier nun zuspitze, &#252;bertreibe, provozieren will, denn ich wei&#223; sehr wohl, dass nicht alle meine &#196;u&#223;erungen in diesem Beitrag auf umfassende Gegenliebe sto&#223;en d&#252;rften. Aber dennoch: Ich finde, es lohnt, nicht nur von digitalen Tools zu sprechen (obwohl ich ja zum Beispiel hier genau ein solches nutze, um &#252;ber analoge Werkzeuge zu sprechen), sondern auch einmal zu fragen, welchen Wert und welchen Platz analoge Werkzeuge des Lernens in der <em><em><em>»Zukunft des Lernens« haben.</em></em></em></em></em></em></p>

<p><em><em><em><em><em><em>Also los…:</em></em></em></em></em></em></p>

<h2>Die Sinne (Sense Organs)</h2>

<p>Die Sinnesorgane des Menschen sind nach wie vor in der Regel analog, solange nicht digitale Prothesen zum Einsatz kommen. Sie sind f&#252;r Lernprozesse unerl&#228;sslich. Und damit sind nicht nur der H&#246;r- und Sehsinn gemeint, die auch bei digitalen Lernprozessen am Computer zum Einsatz kommen. Der Tastsinn kommt in digitalen Zusammenh&#228;ngen viel zu kurz. Will ich etwas &#252;ber B&#228;ume und W&#228;lder wissen, so muss ich Baumrinde sp&#252;ren k&#246;nnen, den Geruch des Waldes (zu unterschiedlichen Tages- / Jahreszeiten) einatmen. Will ich etwas &#252;ber (gesunde) Ern&#228;hrung wissen, dann f&#246;rdert der Einsatz des Geschmackssinnes dieses Lernen sehr. Lernen ist ein sinnlicher Prozess. Digitale Lernprozesse f&#252;hren oft zu einer Entsinnlichung des Lernens. Vielleicht sind deshalb zum Beispiel Videos von Vortr&#228;gen viel beliebter als reine Audiomitschnitte, obwohl der Informationsgehalt zur Sache identlisch ist.</p>

<h2>Lehrervortrag (Teachers Lecture)</h2>

<p>Ja, es gibt viel zu wenige Lehrende, die in der Lage sind, einen guten Lehrervortrag zu halten. Oder sind es doch die Bedingungen, die es unm&#246;glich machen, sich angemessen auf einen guten Lehrervortrag vorzubereiten, da in den meisten Lehr-Lern-Zusammenh&#228;ngen die zur Vorbereitung ben&#246;tigten Zeitfenster nicht gelassen werden?</p>

<p>Ja, es ist verdammt schwer, einen guten Lehrervortrag zu halten. Ja, es ist v&#246;llig unmodern, &#252;berhaupt davon zu sprechen, dass das mit dem Lehrervortrag eine tolle Sache ist. Und dennoch z&#228;hle ich den (gelungenen) Lehrervortrag zu den Top-Ten der Werkzeuge des analogen Lernens. Was aber ein gelungener Lehrervortrag ist, ist damit noch nicht gesagt:</p>

<ul>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag hat die Lernenden im Blick. Inhaltlich und sprachlich hat er sich an den F&#228;higkeiten der Lernenden zu orientieren und diese gleichzeitig zu erweitern.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag f&#252;hrt zu einem Mitdenken der Lernenden.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag f&#246;rdert Erkenntnisprozesse und die Lust an der Erkenntnis.</li>
    <li>Ein gelungener Lehrervortrag bef&#228;higt zu praktischem Handeln, leitet zu diesem &#252;ber, leitet von einem frontalen Lehr-Lern-Zusammenhang in andere Arbeitsformen &#252;ber, in denen ge&#252;bt wird, in denen Teilaspekte des »Inputs« vertieft, in denen »Output« entsteht und »Wissen« praktisch angewendet wird.</li>
</ul>

<blockquote>
<ul>
    <li>Anmerkung: Auch Vortr&#228;ge im universit&#228;ren Kontext und z. B. auch die <a href="http://www.ustream.tv/channel/opco11" target="_blank">Mittwoch-Live-Streams des #opco11</a> geh&#246;ren zu den Lehrervortr&#228;gen.</li>
</ul>
</blockquote>

<h2>Lernendenaktivit&#228;t (Activities of Learners)</h2>

<ul>
    <li>Es ist zun&#228;chst einmal kein Werkzeug, wenn Lernende eigenst&#228;ndig arbeiten, bei dieser Arbeit bedient man sich eher unterschiedlicher Werkzeuge – und die Frage, ob diese analog oder digital sind ist eine nachgelagerte Frage.</li>
    <li>Dennoch f&#252;hre ich die Eigenaktivit&#228;t Lernender hier unter den Werkzeugen auf, weil es sich dabei aus der Sicht des Lehrenden durchaus um ein »Instrument« handelt, das Lernen erm&#246;glicht. Und da ich hier von den besten analogen Werkzeugen des Lernens und Lehrens schreibe, hat diese Eigenaktivit&#228;t hier ihren Platz.</li>
    <li>Der Lehrende soll sich, sein Wissen und seine Erfahrungen den Lernenden nicht verweigern. Deshalb der eigene Unterpunkt zum »Lehrervortrag«. Ich habe an der Universit&#228;t selbst Veranstaltungen erlebt, in denen der Professor nur auftrat, wenn es darum ging, die Referate f&#252;r das Semester zu verteilen und in der letzten Sitzung eine Zusammenfassung der Veranstaltung zu versuchen. Dazwischen wurde in den »selbst verwalteten Lernprozess« der Studierenden selbst dann nicht eingegriffen, wenn gr&#246;bste Fehler in langweilgsten Referaten verbreitet wurden.</li>
    <li>Zu diesem Nicht-Verweigern des Lehrenden geh&#246;rt aber auch, dass er den Lernenden ihren Freiraum l&#228;sst, um sich selbst und die gewonnenen Kenntnisse auszuprobieren, um aus Kenntnissen Erkenntnisse werden zu lassen. Da es sich aber um <em>Lernenden</em>aktivit&#228;t handelt, begleitet der Lehrende diese wertsch&#228;tzend und kritisch. Das kann durchaus auch darauf hinaus laufen, dass eine Ergebnispr&#228;sentation, die oberfl&#228;chlich und ohne gro&#223;en Erkenntniswert ist, in der sich auch Beratungsversuche der Lehrenden nicht erfolgreich niedergeschlagen haben, entsprechend kritisch besprochen wird.</li>
    <li>Diese Freir&#228;ume, die durchaus gro&#223;z&#252;gig bemessen sein d&#252;rfen, m&#252;ssen nicht analog sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit einem Sportger&#228;t oder &#228;hnliches gelernt).</li>
    <li>Diese Freir&#228;ume m&#252;ssen nicht digital sein ( – es sei denn, es wird gerade der Umgang mit digitalen sozialen Netzen oder &#228;hnliches gerlernt).</li>
</ul>

<h2>Kreidetafel (Blackboard)</h2>

<p>Stromunabh&#228;ngig und sofort zu Stundenbeginn einsatzbereit. Die einzige Voraussetzung ist, dass Kreide vorhanden ist. Entweder der Kreidevorrat wird zentral gepflegt oder aber man hat seine eigenen Vorr&#228;te dabei. Wenn aber Kreide vorhanden ist, ist die Tafel das flexibelste, am schnellsten verf&#252;gbare und alles in allem zuverl&#228;ssigste Instrument zur Darstellung von Gedanken, das in Klassenzimmern vorhanden ist. Mehrfarbigkeit des Tafelbildes ist mit farbiger Kreide schnell umsetzbar. Seit ihrer Einf&#252;hrung in Schulen im 19. Jahrhunderts als ausgereifte und auch in &#228;rmeren Regionen der Welt als Instrument zur Unterst&#252;tzung von Lernprozessen einsetzbar.</p>

<h2>Bibliothek (Library)</h2>

<ul>
    <li>Eine Gruppe Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in einer Bibliothek reagiert eigentlich immer gleich, wenn die Jugendlichen nicht sofort an die Computer d&#252;rfen: Eigenst&#228;ndig werden B&#252;cher aus den Regalen genommen, durchgebl&#228;ttert und wenn etwas als interessant empfunden wird, wird das genauer gelesen und auch anderen vorgelesen. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen stellt die analoge Bibliothek einen Lernraum dar, der selbstt&#228;tige Lernprozesse f&#246;rdern kann. Wichtig ist dabei, dass es von Lehrern akzeptiert wird, dass dieses Lernen nicht in Gruppen stattfindet, sondern die Lernenden zumindest phasenweise auf deren eigene Interessen konzentriert sein l&#228;sst.</li>
    <li>Bemerkenswert: Die Bibliothek als »Lernwerkzeug« ist ein Ort! Auch wenn vielleicht nicht unbedingt ein klassisches Lernwerkzeug, so spielen die »Lernr&#228;ume« als »Spielr&#228;ume« gelingender Lern-und Bildungsprozesse eine wichtige Rolle.</li>
</ul>

<h2>Notizblock / Schulheft (Exercise Books)</h2>

<p>Sicherlich wird die Frage fr&#252;her oder sp&#228;ter auftauchen, ob mobile Tablet-Computer analoge Formen des Notierens und &#220;bens nicht &#252;berfl&#252;ssig machen, aber da es hier nun einmal um analoge Werkzeuge des Lernens geht, geht es ohne das Schulheft und den Notizblock nicht. Dieses Instrument hat &#228;hnliche Vorteile wie die Kreidetafel. Und da im neuen Kerncurriculum f&#252;r das Fach Deutsch in Hessen unter anderem die f&#252;r andere lesbare Handschrift als Kompetenz aufgenommen wurde, gehe ich nicht davon aus, dass die Handschrift in absehbarer Zeit aus der Schule verschwinden wird. Handschriftliches Erarbeiten von Wissen, die h&#228;ndische Aneignung von Fertigkeiten und Kompetenzen, das Erlernen des Handwerks in den einzelnen F&#228;chern und auch f&#228;cher&#252;bergreifend, ist nach wie vor wichtig und zwar schon alleine, weil unser Gehirn auf eine solche »analoge« Weise lernt.</p>

<h2>Stifte (Pen / Pencil)</h2>

<ul>
    <li>Ganz ehrlich: Wenn ich Bilder von manchen meiner Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sehe, die mit viel Hingabe gemalt wurden, dann wei&#223; ich um den Wert von Stifen; wenn ich Texte lese, die mit der Handschrift auch etwas von der Person widerspiegeln, die diese Handschrift nutzt, dann mag das Lesen manchmal schwer sein, aber gerade dieses nicht glatte, nicht einfach &#252;berfliegbare der Texte hebt noch einmal hervor, dass wir es mit Pers&#246;nlichkeiten zu tun haben. Im Internet und in Zusammenh&#228;ngen, in denen es nur noch genormte Druckbuchstabenschriften gibt, geht diese Seite des Pers&#246;nlichen oft verloren.</li>
    <li>Wenn ich mir schnell &#220;bersicht &#252;ber einen Gedankengang verschaffen will, benutze ich nach wie vor Papier und Stifte zum Anfertigen von Notizen, Skizeen etc. – Das geht zwar alles auch auf dem Computer, aber wenn ich etwas wirklich lernen will, brauche ich immer wieder auch einfach mein analoges Werkzeug.</li>
</ul>

<h2>Overheadprojektor (Overhead Projector)</h2>

<p>Ich hatte mal eine Lehrerin, die malte wirkliche Tafel<em>bilder</em> – sie muss an den Tagen vor dem Unterricht richtig lange an der Tafel gestanden haben, um ihre Tafel<em>bilder</em> zu zeichnen, was nur ging, weil es sich um einen Lehrgang au&#223;erhalb der Schule handelte, bei dem sicher war, dass das Tafelbild am n&#228;chsten Tag auch noch da sein w&#252;rde. Und &#228;hnlich hochwertige, handgefertigte Zeichnungen zur Verdeutlichung von Zusammenh&#228;ngen brachte diese Lehrerin auf Folien unter. Nie zuvor und nie danach habe ich solch k&#252;nstlerisch spannenden, &#228;sthetisch ansprechenden Lehrmaterialien gesehen, wie bei dieser Sprachlehrerin.</p>

<p>Klar, heutzutage entstehen die meisten Folien unter Benutzung digitaler Technologie, wenn sie nicht direkt mit einer digitalen Pr&#228;sentation und Beamer ersetzt werden. Und doch haben Folien nach wie vor auch in analoger, handbeschrifter Form einen m&#246;glichen Platz im Unterricht: So k&#246;nnen per Folien »Tafelbilder« entstehen, die dauerhafter aufbewahrt werden k&#246;nnen und wieder einsetzbar sind. Der Mehrwert gegen&#252;ber per Computer generierten »Folien« besteht darin, dass wirklich die &#228;sthetische Erfahrung der Handschriftlichkeit, des analogen Schaubildes erreicht werden, auch wenn Lehrende oder Lernende nicht die genialen Zeichner sind.</p>

<p>Auch wenn der Computer in Kombination mit dem Beamer einen ad&#228;quaten Ersatz f&#252;r den Overheadprojektor (OHP) darstellt: Analog erstellte Folien haben oft eine sehr pers&#246;nliche, unverwechselbare Note, die genau auf einen Lehrenden verweist. Diese Option sollten wir uns (zumindest hin und wieder) einfach nicht entgehen lassen, denn das au&#223;ergew&#246;hnliche pr&#228;gt sich ein, f&#246;rdert den Lernprozess. Digital erstellte Materialien sind manchmal so »aalglatt« und uniform gestaltet, dass sie das Lernen zumindest nicht durch »pers&#246;nliche Noten« f&#246;rdern.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Gedichtinterpretation: Lessings „Lob der Faulheit“</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 17:20:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gedichtinterpretation: Lessings „Lob der Faulheit“ von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Lessing? Klar. Das ist doch der mit der Ringparabel aus „Nathan der Weise“. Lessing hat Emilia Galotti geschrieben und ein &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/04/04/gedichtinterpretation-lessings-lob-der-faulheit/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type"> Gedichtinterpretation: Lessings „Lob der Faulheit“</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=5953" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p>Lessing?</p>

<p>Klar. Das ist doch der mit der <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/les/les_dram/les_nathan/nathan_text/les_nathan_txt_3.7.htm" target="_blank">Ringparabel</a> aus „Nathan der Weise“.</p>

<p>Lessing hat <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KLyA_XmYdws" target="_blank">Emilia Galotti</a> geschrieben und ein <a href="http://www.zeno.org/http://www.zeno.org/Literatur/M/Lessing,+Gotthold+Ephraim/%C3%84sthetische+Schriften/Hamburgische+Dramaturgie" target="_blank">umfassendes Werk zur Dramturgie</a>.</p>

<p><a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Lessing/Biographie/Seite1" target="_blank">Lessing</a>? – Ein flei&#223;iger Dichter. Und dann, im Jahre 1751, das:</p>

<p>Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)</p>

<p>Lob der Faulheit (1751)</p>

<p>Faulheit, jetzo will ich dir</br>
Auch ein kleines Loblied bringen. -</br>
O &#8212; &#8211; wie &#8212; &#8211; sau &#8212; &#8211; er &#8212; &#8211; wird es mir, &#8212; &#8211;</br>
Dich &#8212; &#8211; nach W&#252;rden &#8212; &#8211; zu besingen!</br>
Doch, ich will mein Bestes tun,</br>
Nach der Arbeit ist gut ruhn.</p>

<p>H&#246;chstes Gut, wer Dich nur hat,</br>
Dessen ungest&#246;rtes Leben &#8211;</br>
Ach! &#8212; &#8211; ich &#8212; &#8211; g&#228;hn &#8212; &#8211; ich &#8212; &#8211; werde matt &#8212; &#8211;</br>
Nun &#8212; &#8211; so &#8212; &#8211; magst du &#8212; &#8211; mir`s vergeben,</br>
Dass ich Dich nicht singen kann;</br>
Du verhinderst mich ja dran.</p>

<p style="text-align: left;">Lessing ist 22 Jahre.</p>

<p style="text-align: left;">Er ist noch Student, als der dieses Gedicht verfasst.</p>

<p style="text-align: left;">Aber es ist ihm schon gelungen, <a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Lessing/Biographie/Seite2" target="_blank">sich mit </a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Voltaire" target="_blank">Voltaire</a> zu &#252;berwerfen, der immerhin als einer der wichtigsten Denker der Aufkl&#228;rung gilt – und 1751 am Hofe Friedrichs II. weilte.</p>

<p style="text-align: left;">Zu dieser Zeit hatte sich Lessing schon entschieden,<span id="more-5953"></span> dass er Schriftsteller werden wolle. Und dass er es sich mit Voltaire verscherzt hatte mag ihn dabei kaum gek&#252;mmert haben, denn streitbar war Lessing durchaus, wie in dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fragmentenstreit" target="_blank">Streit mit dem Hamburger Hauptpfarrer Goeze</a> noch einmal deutlich wurde, aus dem immerhin ein Teil der Motivation zum Schreiben des Nathans hervorgegangen ist.</p>

<p style="text-align: left;">Und so ein flei&#223;iger Autor schreibt dieses kleine „Lob der Faulheit“. Wer auch sonst? Denn schaut man genau hin, so ist die Ironie, die diese heiteren Zeilen vorantreibt, kaum zu &#252;bersehen. Diese Ironie ist nicht blo&#223; inhaltlicher Art, auch die Form beteiligt sich daran, dass dieser Eindruck entsteht.</p>

<p style="text-align: left;">Zwei Strophen mit je sechs Versen, von denen die jeweils ersten vier &#252;ber Kreuz und die letzten zwei paarig gereimt sind. Hinzu kommt die Konsequenz des gleichm&#228;&#223;ig durchgehaltenen alternierenden Rhythmus in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Troch%C3%A4us" target="_blank">troch&#228;ischer</a> Form, wobei die Verse 2, 4, 8 und 10 mit klingender (weiblicher) <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kadenz_%28Verslehre%29" target="_blank">Kadenz</a> , die restlichen acht Verse hingegen mit stumpfer (m&#228;nnlicher) Kadenz enden.</p>

<p style="text-align: left;">Dieses Gedicht ist kunstvoll gebaut und gleichzeitig von „Faulheit“ gepr&#228;gt, bewegt es sich doch sehr gleichm&#228;&#223;ig, ohne gro&#223;e Spielereien. Auf den nach vorne dr&#228;ngenden Jambus wird verzichtet, der etwas zur&#252;ckhaltendere, „bremsende“ Troch&#228;us gew&#228;hlt. Alle Verse haben exakt vier Hebungen.</p>

<p style="text-align: left;">Hinzu kommen, als auff&#228;lligstes formales Merkmal des Gedichts, die gebrochenen Verse 3, 4, 9 und 10, die f&#252;r jeden, der das Gedicht laut lesen will, eine ganz besondere Herausforderung darstellen, so klar sie in der Druckfassung auch als das zu erkennen sind, was sie sein sollen: Das r&#228;keln und G&#228;hnen des von der Faulheit Ergriffenen, denn ohne dem Vers seine Struktur zu nehmen, strecken diese doppelten Gedankenstriche die Verse, wie sich ein gen&#252;sslich Fauler streckt. – Und so gilt es, sich bei diesen Versen zu strecken, zu r&#228;ckeln, um den Ton zu finden, der diesen Versen angemessen ist.</p>

<p style="text-align: left;">Das Gedicht tr&#228;gt diese Leseanweisung in sich, ohne dass sie ausdr&#252;cklich genannt wird. Und hier wird das Gedicht lustig. Ich stelle mir vor, wie Lessing es wohl vorgetragen haben mag… Wenn er dazu nicht zu faul gewesen ist.</p>

<p style="text-align: left;">Lessing wird meist als aufkl&#228;rerischer Dichter, Dramatiker und Verfasser theoretischer Schriften vermittelt. In diesem Kleinod eines Gedichtes zeigt sich ein ganz anderer Lessing: Ein heiterer, humorvoller, verspielter Lessing, dem es bereits in diesem fr&#252;hen Gedicht, zur Erinnerung: Lessing hatte es mit 22 Jahren! geschrieben, gelingt, sprachliche Sch&#246;nheit, Humor und formale Sensibilit&#228;t zu vereinen.</p>

<p style="text-align: left;">Ein gro&#223;artiges Gedicht, dessen Ironiespur aber mit dessen Niederschrift noch nicht vollst&#228;ndig war. Diese wurde von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Haydn" target="_blank">Joseph Haydn</a> auf den Gipfel getrieben, der aus diesem Loblied, von dem das lyrische Ich sagt, dass es dies nicht singen k&#246;nne, da es von dem Gegenstand des Gedichtes selbst daran gehindert werde (V 11f.), tats&#228;chlich ein Lied macht, in dem dann gesungen wird, dass &#252;ber den Gegenstand des Liedes nicht gesungen werden k&#246;nne… Ob diese Vertonung dem Humor des Gedichts gerecht wird, das m&#246;ge hier nun jeder und jede selbst entscheiden.</p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

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		<title>Verlinken! Oder: &#220;ber das dezentrale Vernetzen</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 16:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Warum verlinken die meisten dt. Blogger eigentlich bevorzugt Seiten, die nie zur&#252;cklinken werden, also US-Blogs und dt. Altlastmedien?” (Marcel Weiss) Um es gleich zu sagen: Wenn ich Links setze, dann nicht in der Hoffnung, dass da jemand zur&#252;ck verlinkt. – &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/29/verlinken-oder-ueber-das-dezentrale-vernetzen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>„Warum verlinken die meisten dt. Blogger eigentlich bevorzugt Seiten, die nie zur&#252;cklinken werden, also US-Blogs und dt. Altlastmedien?” (<a href="http://twitter.com/#!/marcelweiss/status/16302440954" target="_blank">Marcel Weiss</a>)</p></blockquote>

<p>Um es gleich zu sagen: Wenn ich Links setze, dann nicht in der Hoffnung, dass da jemand zur&#252;ck verlinkt. – Wenn ich E-Mails mit der Aufforderung zum Linktausch bekomme, am besten noch von wildfremden Personen, die offenbar gerade das Tr&#228;umchen vom gro&#223;en E-Bussiness an die Stelle des Sch&#228;fchen-Z&#228;hlens gesetzt, die Website schon gebastelt haben und jetzt feststellen, dass eine Website ohne Besucher keine besonders gute Basis f&#252;r das Tr&#228;umelchen ist, mindenstens auf Amazon-Umsatzzahlen zu kommen… ∞ wenn ich also solche E-Mails bekomme, dann werden die nicht nur als Spam gekennzeichnet, dann landen diese nicht nur im virtuellen Papierkorb, sie werden auch noch durch eine „sichere“ L&#246;schroutine gejagt, damit m&#246;glichst wenig digitale Staubreste solcher digitalen Bel&#228;stigungen &#252;brig bleiben.<span id="more-5334"></span></p>

<p>Um es nochmal zu sagen: Wenn ich Links setze, dann nicht in der Hoffnung, dass da jemand zur&#252;ck verlinkt. Und wenn jemand Links zu Artikeln auf meiner Website setzt, bedeutet das nicht automatisch, dass ich zu der verlinkenden Website verlinke.</p>

<p>Als ich anfing zu bloggen, waren mir all diese Marketingspielchen v&#246;llig unbekannt. Ich schrieb Artikel, verlinkte so, wie mir Links im Sinne des Hypertext-Gedankens sinnvoll erschienen – zu den Kriterien gleich mehr – und freute mich nat&#252;rlich, wenn jemand einen Artikel von mir verlinkte, weil das f&#252;r mich gleichbedeutend mit der Botschaft war, dass da jemand was mit einem Artikel von mir anfangen kann.</p>

<p>Als ich anfing zu bloggen, wollte ich vor allem wissen, wie das mit dem Bloggen geht. Kein Marketinggedanke blockierte mein Schreiben. Und das <a href="http://twitter.com/herrlarbig" target="_blank">Twitter</a> Folgen f&#252;r mein Bloggen haben w&#252;rde, war mir auch nicht klar, als meine Neugier, was Twitter sei und wie es funktioniere, vor etwas &#252;ber zwei Jahren, im Oktober 2008, dazu f&#252;hrte, dass ich „einfach so“ einen Account er&#246;ffnete.</p>

<p>Man mag mir diese „Naivit&#228;t“ im Umgang mit „sozialen Medien“ nun abnehmen oder nicht (doch, ich bin wirklich genau so „naiv“ da ran gegangen): Im Laufe der Zeit habe ich ein wenig verstanden, wie das Internet funktioniert bzw. wie es funktionieren k&#246;nnte.</p>

<p>Ich muss hier nicht ausf&#252;hrlich darlegen, was <a href="http://marcgrabanski.com/articles/wordpress-saved-the-web" target="_blank">an anderer Stelle f&#252;r mich sehr &#252;berzeugend dargestellt wurde</a>: Das Web lebt nicht in eingez&#228;unten Sonderwelten wie Facebook und Co, sondern auf der freien Wildbahn – die selbstverst&#228;ndlich noch nie ein rechtsfreier Raum war, auch wenn manche nicht m&#252;de werden zu betonen, dass das Netz kein rechtsfreier Raum sein d&#252;rfe.</p>

<p>Das Internet, wie ich es mir vorstelle, ist dezentral organisiert. Und das gilt auch f&#252;r „wirkliche Netzwerke“, <a href="http://blog.koehntopp.de/archives/2978-Die-unertraegliche-Lameness-des-Web-2.0.html" target="_blank">die eine andere Basis haben als „Like-It-Buttons“</a>.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/29/verlinken-oder-ueber-das-dezentrale-vernetzen/#footnote_0_5334" id="identifier_0_5334" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="F&amp;#252;r den Hinweis auf diese beiden zuletzt verlinkten Artikeln danke ich Jonas Pasche.">1</a></sup></p>

<p>Facebook ist f&#252;r mich <em>kein</em> „wirkliches Netzwerk“, denn physikalisch betrachtet ist Facebook ein geschlossenes System, in das zwar von Au&#223;en Informationen mit Hilfe unterschiedlichster „Staubsauger“ hinein kommen, dann aber <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/29/und-tschuess-facebook/" target="_blank">nicht mehr so einfach raus gelassen werden</a>. Au&#223;erdem „enteignen“ solche Netzwerke den Ersteller von Inhalten, werden diese doch zum Beispiel f&#252;r die Plazierung von Werbung ausgewertet. Das ist der Preis daf&#252;r, dass das Angebot „kostenlos“ ist.</p>

<p>Ein echtes Netzwerk besteht f&#252;r mich aus mehr als nur einem Datensilo. Und mit dieser Vorstellung verbunden sind dann auch meine Kriterien f&#252;r das Setzen von Links, ohne dass ich zuverl&#228;ssig sagen k&#246;nnte, ob ich mich immer an diese Kriterien halte… <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Ein echtes (digitales) Netzwerk ist in meinen Augen nur dann wirklich ein Netzwerk, wenn es dezentral organisiert ist. Konkret: Viele (kleine) Blogs, privat betrieben, die, so gut dem Betreiber eben m&#246;glich, individuelle Inhalte erstellen und verf&#252;gbar machen, Inhalte, die den Erstellern geh&#246;ren, die aber &#246;ffentlich verf&#252;gbar sind und die jeder, der sie f&#252;r gut oder f&#252;r den gerade selbst erstellen Inhalt f&#252;r sinnvoll erg&#228;nzend ansieht, verlinken kann.</p>

<p>Ein Netzwerk besteht f&#252;r mich nicht darin, dass man an einem Ort „Freundschaftsbehauptungen“ aufstellt, die mit dem, was ich unter dem Begriff der Freundschaft verstehe, nichts zu tun haben. Ein Netzwerk besteht nicht darin, dass eine von mir ver&#246;ffentlichte Information zur gleichen Zeit von allen im Netzwerk gelesen werden kann. Vielmehr hat die Pflege eines Netzwerkes f&#252;r mich etwas Aktives an sich, das &#252;ber einen Button zum Erstellen einer Verkn&#252;pfung an einem (nach au&#223;en mehr oder weniger abgeschlossenen) Ort, der vor allem der Generierung von Geld dient, weit hinaus geht.</p>

<p>Und das gilt dann auch f&#252;r Verlinkungen. Links haben die Aufgabe, den Informationsgehalt eines Textes anzureichern oder zu erg&#228;nzen, sie verweisen auf genutztes Material (wie z. B. das Literaturverzeichnis in wissenschaftlichen Werken) und sie laden zum Weiterlesen ein. Links sind die Schnittstellen, die Knoten eines Netzwerkes, die auf Dauer ein hoch komplexes System von Verweisen aufbauen, deren Quellen dezentral organisiert sind und sich so ein wenig der Vermarktung durch Dritte entgegen stellen.</p>

<p>Die Entscheidung, welche Links gesetzt werden, ist selbst wieder ein aktiver Akt. Und damit komme ich auf Marcel Weiss’ Tweet zur&#252;ck, den ich bereits oben zitiert habe:</p>

<blockquote><p>„Warum verlinken die meisten dt. Blogger eigentlich bevorzugt Seiten, die nie zur&#252;cklinken werden, also US-Blogs und dt. Altlastmedien?” (<a href="http://twitter.com/#!/marcelweiss/status/16302440954" target="_blank">Marcel Weiss</a>)</p></blockquote>

<p>Ja, es ist wirklich verbl&#252;ffend, das sage ich auch hinsichtlich manch eigener Links, dass Blogs, die Teil eines offenen Netzwerkes sein k&#246;nnen, oft auf „geschlossene“ Medien verweisen, die die Beitr&#228;ge der meisten Blogs 1. nicht wahrnehmen und 2. nur in wenigen F&#228;llen ernst nehmen. Das wird oft mit „Qualit&#228;tskriterien“ begr&#252;ndet, aber, und hier ist Wikipedia positive Ausnahme, gleichzeitig wird damit auch negiert, dass es viele Blogs mit gut recherchierten oder gut durchdachten Inhalten gibt, die durchaus als Referenzen dienen k&#246;nnen und die f&#252;r entsprechende Beitr&#228;ge der „Qualit&#228;tspresse“ wahrscheinlich bei Recherchen zwar gelesen, aber als Referenz in Artikeln nur in seltenen F&#228;llen angeben werden.</p>

<p>Umgekehrt gibt es viele Blogs, die fast nur auf Artikel aus solchen Organen der traditionellen Presse verweisen. Keine Frage: Die traditionelle Presse hat ihren Platz, ist von ihrer Funktion her sehr wichtig und ich will nicht auf sie verzichten (m&#252;ssen). Ich stelle hier nicht die Funktion der traditionellen, qualitativ zweifelsfrei in sehr vielen F&#228;llen sehr hochwertigen Presse in Frage. Meine Frage lautet eher: Warum nehmen Blogger, die selbst hochwertige Inhalte erstellen, andere Blogger, die das gleiche anstreben, so wenig wahr, obwohl es mittlerweile dezidierte Blog-Suchmaschinen gibt, mit deren Hilfe man leicht recherchieren kann, wer zu einem Thema in einem Blog schon etwas geschrieben hat.</p>

<p>Auf diesem Wege kann man dann auch schnell feststellen, dass das Thema der Verlinkung von Blog zu Blog immer mal wieder Thema ist. Hier ein paar Beispiele (und damit auch Links zu anderen Blogs):</p>

<ul> <li><a title="'Blogs not dead – Lose Gedanken zum Blogblues' lesen" rel="bookmark" href="http://www.nerdcore.de/wp/2007/10/17/blogs-not-dead-lose-gedanken-zum-blogblues/" target="_blank">Blogs not dead – Lose Gedanken zum Blogblues</a> (2007)</li> <li><a href="http://www.robertbasic.de/2010/08/verlinkungsdichte-deutscher-top-blogs-weiter-im-sinkflug/" target="_blank">Verlinkungsdichte deutscher Top-Blogs weiter im Sinkflug</a> (2010)</li> <li><a title="Zum Thema Verlinkung von Blogs: Herr Basic, Sie haben unrecht!" rel="bookmark" href="http://blog.gilly.ws/2010/08/24/zum-thema-verlinkung-von-blogs-herr-basic-sie-haben-unrecht">Zum Thema Verlinkung von Blogs: Herr Basic, Sie haben unrecht!</a> (2010 – Antwort auf „Verlinkungsdichte deutscher Top-Blogs weiter im Sinkflug)</li> <li><a rel="bookmark" href="http://netzwertig.com/2010/06/17/blogs-wie-ein-neues-linkverhalten-die-blogosphaere-beleben-koennte/" target="_blank">Wie ein neues Linkverhalten </a><a rel="bookmark" href="http://netzwertig.com/2010/06/17/blogs-wie-ein-neues-linkverhalten-die-blogosphaere-beleben-koennte/" target="_blank">die Blogosph&#228;re beleben k&#246;nnte</a> (2010)</li> </ul>

<p>Diese ganzen Diskussionen gehen an mir vorbei. Mir ist es, um ehrlich zu sein, relativ egal, ob Blogs nun „hypen“ oder „f&#252;r tot“ erkl&#228;rt werden. Ich schreibe kein Blog, kein Webtagebuch im „klassischen“ Sinn, sondern nicht-linear strukturierte Inhalte, die sich (zuf&#228;llig) der Form eines Blogs bedienen.</p>

<p>Mir ist es reichlich egal, ob die deutschen „Top-Blogs“ nun unter Verlinkungsmangel leiden oder nicht. Das spielt f&#252;r meinen Netzwerkgedanken schlicht keine Rolle, auch wenn mein Netzwerkgedanke nat&#252;rlich etwas mit Relevanz und Sichtbarkeit bzw. dem Sichtbar-Machen zu tun hat.</p>

<p>Ich verlinke, wenn ich einen Beitrag f&#252;r gelungen halte und er eine sinnvolle Erg&#228;nzung zu meinen eigenen Beitr&#228;gen darstellt. Das hei&#223;t nicht, dass Beitr&#228;ge, die ich nicht verlinke „schlecht“ w&#228;ren. Solche Beitr&#228;ge sind mir meist schlicht durch die Lappen gegangen und sind gerne als zus&#228;tzliche Verlinkungen in den Kommentaren gesehen.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/29/verlinken-oder-ueber-das-dezentrale-vernetzen/#footnote_1_5334" id="identifier_1_5334" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nat&amp;#252;rlich gibt es Leute, die schreiben Kommentare, nicht um eine Diskussion weiter zu bringen, sondern alleine um ihre Links zu posten, ohne dass diese Kommentare gleich als Spam vom System erkannt werden. Solche Kommentare sortiere ich manuell aus, wenn die Schwelle zum Aussortieren hin auch sehr hoch ist.">2</a></sup></p>

<p>Wenn ich verlinke, erwarte ich keine Gegenleistung. Dass es aber reichlich Backlinks zu herrlarbig.de gibt, ohne dass ich wiederum f&#252;r diese eine Gegenleistung b&#246;te, freut mich, sehe ich als Lohn f&#252;r die Freizeit, die in dieser Website steckt. Wie gesagt: Das ganze Marketing-Ged&#246;ns l&#228;sst mich reichlich kalt, denn mein Kriterium ist nach wie vor die Qualit&#228;t eines Beitrages (soweit ich das beurteilen kann) und nicht die Frage, ob ein Link mehr bei Google das Ranking verbessert oder nicht.</p>

<p>Dennoch w&#252;nsche ich mir, dass gerade Netzwerker auf der „freien Wildbahn“ (nicht rechtsfrei, nie gewesen, siehe oben), einander wahrnehmen und per Links Br&#252;cken zueinander schlagen.</p>

<p>Privat betriebene Blogs sind f&#252;r mich wie die kleinen, mit Leidenschaft betriebenen, keinem Konzern zugeordneten Fachgesch&#228;fte (oder Ramschl&#228;den, ja auch solche Blogs gibt es, klar). Zwar kommt es auch vor, dass in einem solchen Fachgesch&#228;ft gesagt wird, dass man bestimmte Dinge nicht vertreibe und dass man in ein anderes Gesch&#228;ft verwiesen wird. Der gute Fachh&#228;ndler wei&#223;, welcher andere private Fachh&#228;ndler ein Produkt f&#252;hrt, der schlechte wird einfach, vielleicht, weil er einfach nicht wahrnimmt, was um ihn herum an „kleinen tollen Firmen“ vorhanden ist auf ein gro&#223;es Kaufhaus verweisen, vielleicht, weil man das Gew&#252;nschte in entsprechender Qualit&#228;t tats&#228;chlich ausnahmsweise tats&#228;chlich nur dort bekommt. (Umgekehrt wissen gute Verk&#228;ufer in Kaufh&#228;usern, wo es kleine Spezialgesch&#228;fte gibt, die Kundenw&#252;nsche bedienen k&#246;nnen, die das Kaufhaus nicht bedienen kann – und verweisen auch auf diese Gesch&#228;fte)</p>

<p>Was hat diese Metapher mit Blogs, Verlinkungen und Netzwerken zu tun? Nun: Die Kaufh&#228;user sind meist die Seiten von gro&#223;en Medien mit gro&#223;er Reichweite. Verr&#252;ckt nur, dass das Angebot dieser Kaufh&#228;user oft erschreckend „identisch“ ist. Man schaue sich einfach mal die Themen an, die Spiegel, FAZ, Zeit, SZ und Co auf der Startseite haben und schon merkt man, wie gleich die Themen sind, die als Top-Themen angesehen werden. Blogs sind eher die Fachgesch&#228;fte, bringen Themen ins Spiel, die in den „Kaufh&#228;usern“, den Websites der reichweitenstarken Medien, weniger thematisiert werden.</p>

<p>Oh ja, ich bin f&#252;r das Verlinken. Dazu k&#246;nnen auch mal Links zu reichweitenstarken Medien geh&#246;ren, wenn es zu einem Thema passt oder ein konkreter Bezug zu Beitr&#228;gen dort besteht. Als kleiner „Fachh&#228;ndler“ aber bin ich nat&#252;rlich von der Leidenschaft und auch der Expertise, die andere „kleine Fachh&#228;ndler“ (Blogger) mit ins Spiel bringen, fasziniert. Ich bin nicht daf&#252;r, um der Zahl der Verlinkungen willen zu verlinken. Jeder Fachh&#228;ndler, der auf einen Ramschladen verweist, schadet seinem Ruf. Und so kommerziell die Fachh&#228;ndlermetapher auch daher kommt, so wenig kommerziell ist sie gedacht.</p>

<p>Verlinkungen sind f&#252;r mich im Idealfall Ausdruck meiner Neugier auf das, was ich im Netz finden kann, wenn ich gezielt nach Seiten jenseits der Mainstream-Websites Ausschau halte, ohne angemessene Verweise auf Mainstream-Websites in Frage zu stellen. Verlinkungen sind f&#252;r mich im Idealfall Ausdruck meines Respekts vor der kreativen Leistung eines Anderen, der oder die zu einem Thema wirklich was zu sagen hat, das mich und von mir erstellte Inhalte bereichert, anspricht, fasziniert, kl&#252;ger macht.</p>

<p>Verlinkungen sind f&#252;r mich kein gezielt und gewollt eingesetztes Instrument des Marketings, bin ich doch der &#220;berzeugung, dass das, was gute Blogs an Verlinkungen geben und bekommen auch ohne „Marketingabteilung“ zu angemessener Aufmerksamkeit f&#252;hrt. Menschen die Inhalte verf&#252;gbar machen (man nennt sie heute oft Blogger, obwohl dieser Begriff z. B. das, was ich tue, nicht wirklich beschreibt), sollten neugierig auf andere Menschen sein, die Inhalte verf&#252;gbar machen. Ja, jeder Website-Anbieter w&#252;nscht sich, dass die Inhalte zumindest so wahrgenommen werden, dass man nicht den Eindruck hat, in einen leeren Raum hinein zu schreiben. Das beste „Marketing-Instrument“ ist dabei die wirkliche Neugier auf andere, die frei, unabh&#228;ngig und meist ohne kommerziellen Interessen Inhalte verf&#252;gbar machen; die Aufmerksamkeit f&#252;r andere ist es, die Aufmerksamkeit erzeugt.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/29/verlinken-oder-ueber-das-dezentrale-vernetzen/#footnote_2_5334" id="identifier_2_5334" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und in diesem Rahmen wundert es mich &amp;#252;brigens nicht, dass die deutschen Top-Blogs an Aufmerksamkeit in Sachen Verlinkungen verlieren, drehen sie sich doch meist nur noch um selbst, ohne das, was in der sogenannten Blogosphere sonst noch passiert, aufmerksam wahrzunehmen.">3</a></sup></p>

<p> </p>

<p> </p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Kompetenzorientiert unterrichten: Ein Vorschlag.</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Nov 2010 23:01:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Das folgende Szenario ist zwar nicht unrealistisch, in der hier vorgelegten Form aber frei erfunden. &#196;hnlichkeiten mit realen Erlebnissen im Unterricht sind nicht gewollt, werden nicht angestrebt, d&#252;rften aber nicht vermeidbar sein.</p>

<p>Oberstufe, Deutsch Grundkurs. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bekommen nach der (vom Lehrer unterstellen, nicht in allen F&#228;llen tats&#228;chlich erfolgten) Lekt&#252;re eines Dramas den <strong>Auftrag</strong>, die Figuren des Dramas in ihren Beziehungen zueinander in einer grafischen Form darzustellen. Der Lehrer erwartet, dass die Sch&#252;lerinnen auf der Basis des Personenverzeichnisses des Dramas, ihrer beim Lesen erworbenen Textkenntnis und der gezielten, wiederholten Lekt&#252;re einzelner Szenen, zu einem vertieften Verst&#228;ndnis des Dramas kommen. Die Aufgabe wird Mittwochs erteilt und soll bis zur n&#228;chsten Stunde am Dienstag der Folgewoche bearbeitet sein.</p>

<p>Am Dienstag macht der Lehrer die ihn &#252;berraschende <strong>Entdeckung</strong>, dass zwar 80% des Kurses die Aufgabe gemacht haben, von diesen aber 50% zwei Nebenfiguren nicht ber&#252;cksichtigt haben und durchweg den gleichen Fehler in der Grafik gemacht haben.</p>

<p>Alternative: Am Dienstag macht der Lehrer die ihn &#252;berraschende Entdeckung, dass zwar 80% des Kurses die Aufgabe gemacht haben, die Grafiken aber alle super korrekt sind und sich extrem &#228;hneln, als ob sie voneinander abgeschrieben worden w&#228;ren.</p>

<p>Welcher Fall auch eintreten mag, der hier gedachte Lehrer ist &#228;u&#223;erst &#252;berrascht und fragt sich, was da passiert ist.</p>

<p>Hier nun ein paar <strong>Beispiele</strong>, wie es abgelaufen sein k&#246;nnte: <span id="more-5234"></span></p>

<p>- Der Lehrer ist mit der Aufgabenstellung in eine Klausurenwoche geraten, die so aussah, dass Donnerstag, Freitag und Montag Arbeiten geschrieben wurden. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler haben hier ihre Schwerpunkte gesetzt. Um so erstaunlicher, dass dennoch 80% des Kurses die Aufgabe „gemacht“ haben.</p>

<p>- Die Sch&#252;ler haben in weit geringerem Ausma&#223; die Lekt&#252;re gelesen, als der Lehrer angenommen hat. Er geht davon aus, dass das Lesen Hausaufgabe war und er jetzt mit dem Werk so arbeiten k&#246;nne, als sei diese auch von allen bew&#228;ltigt worden. In Wirklichkeit haben 25% den Text bereits ganz gelesen, w&#228;hrend weitere 30% etwa bei der H&#228;lfte angelangt sind, 25% die Textausgabe zwar vorliegen, aber mit der Lekt&#252;re noch nicht begonnen haben, und 20% die Textausgabe noch gar nicht verf&#252;gbar haben, aus welchen Gr&#252;nden auch immer. — Auch in diesem Falle ist es erstaunlich, dass so viele Sch&#252;ler die Hausaufgabe „gemacht“ haben.</p>

<p>Was aber ist passiert? Ein nicht unrealistisches Szenario ist, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zur Bew&#228;ltigung der Aufgabe, die bei einem Drama alles andere als untypisch ist, im <strong><a href="http://weblog.histnet.ch/archives/4285" target="_blank">Internet</a></strong> recherchierten und dort entdeckten, dass die <strong>L&#246;sung der Aufgabe</strong>, sogar in Form von Schaubildern, abrufbar ist. Im Szenario mit den kollektiv auftretenden, identischen M&#228;ngeln, wurden die Sch&#252;ler via hoch geranktem Suchmaschineneintrag zu einer fehlerhaften Grafik gef&#252;hrt, die ohne &#220;berpr&#252;fung &#252;bernommen wurde, wenn auch vielleicht nicht einfach ausgedruckt; im Szenario mit den richtigen, einander sehr &#228;hnelnden Grafiken ist das gleiche passsiert, nur das mittels <strong>Suchmaschine</strong> gefundene Ergebnis war zuverl&#228;ssiger als im ersten Fall.</p>

<p>Der <strong>Lerneffekt</strong> dieser Aufgabe kann angesichts des Umgangs der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit ihr als sehr niedrig angesetzt werden. Dies mag man mangelnder Motivation zuschreiben, den Umst&#228;nden anlasten, in deren Kontext die Aufgabe gestellt wurde oder aber als „ganz normales Sch&#252;lerverhalten“ abtun und so die gesamte  Verantwortung f&#252;r den geringen Lerneffekt den Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen anlasten.</p>

<p>All diese Einsch&#228;tzungen m&#246;gen der Realit&#228;t sehr nahe kommen. Aber selbst dann, wenn die Sch&#252;ler unmotiviert sind, sich durch Klausurendichte &#252;berlastet f&#252;hlen oder „normales Sch&#252;lerverhalten“ angesichts solcher Aufgaben zeigen, entlastet das den Lehrer nicht von der Frage, warum solche Aspekte in der Unterrichts- und Aufgabenplanung nicht ber&#252;cksichtigt wurden, geh&#246;rt Lerngruppenanalyse doch durchaus zu den Ausbildungsgegenst&#228;nden im Referendariat — und f&#252;r gelingenden Unterricht zum Kerngesch&#228;ft des Lehrers.</p>

<p>Aber auf <strong>Lehrerseite</strong> gilt, eigentlich &#228;hnlich wie auf der Sch&#252;lerseite, dass das Stundendeputat, die Zahl der anstehenden Korrekturen etc., m&#246;glicherweise nicht in jedem Fall eine den Anspr&#252;chen von Unterrichtsbesuchen im Referendariat angemessene Ber&#252;cksichtigung aller Details bei der Unterrichtsplanung zul&#228;sst. Die Aufgabe wurde m&#246;glicherweise einem vorhandenen Unterrichtsentwurf, einem Schulbuch oder gar, man achte auf die Parallelit&#228;t im Verhalten zu dem der Sch&#252;ler, einer Website entnommen, ohne dass &#252;ber die Aufgabenstellung und die in ihr liegenden M&#246;glichkeiten und Grenzen n&#228;her nachgedacht wurde.</p>

<p>Nun k&#246;nnte man annehmen, die Wurzel allen &#220;bels l&#228;ge im „verdammten“ Internet, l&#228;ge darin, dass der Mensch wenig Sinn darin sieht, bereits vorhandenes und leicht greifbares Wissen noch einmal wirklich zu erarbeiten, v&#246;llig unabh&#228;ngig davon, ob es sich dabei um Lernende oder Lehrende handelt.</p>

<p>Man kann aber auch in Erw&#228;gung ziehen, dass es nicht unangebracht sein k&#246;nnte, die Tatsache des heute viel leichter greifbaren Wissens via Internet in die didaktische und methodische Planung des Unterrichts einzubeziehen.</p>

<p>Wie aber k&#246;nnten <strong>L&#246;sungen</strong> f&#252;r das Problem aussehen?</p>

<p>Antworten auf diese Frage sind l&#228;ngst vorhanden. In vielen F&#228;llen werden sie auch von Lehrenden schon lange ber&#252;cksichtigt. Mal werden diese Antworten mit dem Begriff „<em>Projektunterricht</em>“ zusammengefasst, mal wird von „<em>problemorientiertem Unterricht</em>“ gesprochen, auf jeden Fall aber sind diese Antworten seit mindestens den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts verf&#252;gbar. Und auch der Begriff der „<em>Kompetenzorientierung</em>“ f&#252;gt diesen Antworten weit weniger Neues hinzu, als es die &#246;ffentliche Darstellung vermuten l&#228;sst. Nein, Kompetenzorientierung ist im Unterricht vieler Lehrender bereits seit l&#228;ngerem viel st&#228;rker angezielt, als man angesichts des Get&#246;ses um diesen Begriff meinen k&#246;nnte.</p>

<p>Kompetenzorientierung von Unterricht ist vor allem eine Differenzierung und Erg&#228;nzung bisheriger Antworten, aber mitnichten eine Neuerfindung des Unterrichtens. Zumindest wer konstruktivistischen Modellen des Lernens und Lehrens folgt, orientiert sich l&#228;ngst an Kompetenzen. Die Ver&#228;nderungen, die mit diesem Begriff verbunden sind, liegen 1. im Wechsel der Vorgaben von input-orientierten hin zu output-orientierten Formulierung in Lehrpl&#228;nen, die nun Bildungsstandards kreieren und kerncurriular orientierte Vorgaben machen und 2. in der st&#228;rkeren Ber&#252;cksichtigung metakognitiver Prozesse der Lernenden, die den eigenen Lernprozess st&#228;rker reflexiv in den Blick nehmen, als dies bislang der Fall gewesen sein d&#252;rfte.</p>

<p>Doch zur&#252;ck zu Ausgangsfrage. Wie k&#246;nnten oben angesprochene, f&#252;r das Lernen wenig effektive Szenarien anders gestaltet werden?</p>

<p>Voraussetzung f&#252;r eine <strong>Aufgabenkultur</strong>, die <strong>Lernprogression</strong> m&#246;glich macht, ist, dass die leicht greifbare Verf&#252;gbarkeit von Wissen via Internet akzeptiert wird, ohne den Anspruch aufzugeben, dass Wissen anzueignen ist. Ja, auch im Begriff der Kompetenzorientierung wird Wissen im Idealfall nicht zum &#252;berfl&#252;ssigen Appendix, sondern bleibt nach wie vor Teil dessen, was Schule leisten soll. Kompetent zu sein bedeutet eben nicht, nur zu wissen, wo ich Wissen nachschlagen kann <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Kompetenzorientierung zielt vor allem auf die Frage ab, wie mit Wissensbest&#228;nden, die verf&#252;gbar sind, so gearbeitet werden kann, dass das Wissen dabei auch erworben wird und in einen Kontext des handelnden Umgangs mit Wissen gestellt wird.</p>

<p>Ein <strong>Beispiel aus meiner eigenen Praxis</strong>, das bewusst fern der von mir studierten F&#228;cher angesiedelt ist. Dieses Blog betreibe ich mit <a href="http://wordpress-deutschland.org" target="_blank">WordPress</a>. Ich bediene mich also einer von anderen programmierten Plattform und arbeite mit ihr. Bei dieser Arbeit komme ich aber immer wieder an Punkte, an denen ich &#252;ber die Vorgaben des Programms und des gew&#228;hlten Themes meines Blogs hinaus etwas umsetzen m&#246;chte. Ich beginne dann, im Code des Programms oder des Themes etwas zu ver&#228;ndern. Da ich aber von PHP eigentlich keine Ahnung habe, muss ich recherchieren, bedienen ich mich bei dem Wissen, das andere generiert und zur Verf&#252;gung gestellt haben. Ich kann dieses Wissen aber nicht einfach abschreiben, sondern muss es im Kontext der Aufgabe, die ich mir gerade selbst gestellt habe, anwenden. Und auch ein Auswendiglernen der Regeln dieser Programmiersprache w&#252;rde mir nicht viel helfen, solange ich keine Ahnung davon habe, was die einzelnen Codeschnipsel im Zusammenhang bewirken.</p>

<p>Im Laufe der Zeit beobachtete ich, dass ich f&#252;r immer mehr der von mir angestrebten Eingriffe in den Code, der diese Website am Laufen h&#228;lt, immer seltener in Referenzwerken nachschlagen musste. Ja, nachdem ich ein wenig von dem Grundprinzip der Programmiersprache verstanden hatte, konnte ich sogar an Stellen von dem mir angeeigneten Grundverst&#228;ndnis der Programmiersprache (wirklich nur Grundverst&#228;ndnis, da ich mir die Aufgabe bislang nicht stellte, richtig komplexe PHP-Probleme anzugehen) ausgehend, ohne einen Blick in Referenzwerke zu werfen, L&#246;sungen f&#252;r Aufgaben finden, die mir vorher nicht begegnet waren. Ich habe mir also eine Grundkompetenz im Umgang mit PHP angeeignet.</p>

<p>In einem Kompetenzenmodell k&#246;nnte das so umschrieben werden: „Hat sich auf der Basis vorhandenen PHP-Codes die Komptenz angeeignet, einfache bis mittelschwere Aufgaben zu l&#246;sen, die zu dem vorhandenen Code neue Funktionen hinzuf&#252;gen oder vorhandene Funktionen an eigene Bed&#252;rfnisse anpassen. Dabei ist er in der Lage, Referenzwerke angemessen einzusetzen und, von vorhandenen Kenntnissen ausgehend, auch L&#246;sungen auf der Basis eines erworbenen Grundverst&#228;ndnisses, zumindest bei einfachen Arbeiten im Code, zu finden, ohne erneut in einem Referenzwerk nachzuschlagen.“</p>

<p>Nun scheint es auf den ersten Blick leichter, Aufgaben mit <a href="http://runningtom.wordpress.com/2010/11/11/handlungsorientierter-unterricht-2/" target="_blank">Handlungsorientierung</a> zu entwerfen, wenn es um die Anwendung einer Programmiersprache geht, als im Kontext des Umgangs mit Literatur. Dennoch bin ich der &#220;berzeugung, dass das hier beschriebene Lernprinzip in allen F&#228;chern anwendbar ist, auch dort, wo es um weit mehr als nur Grundkompetenzen geht, wie zum Beispiel in Leistungskursen oder im Studium.</p>

<p>Die Antwort auf die oben dargestellten Ph&#228;nomene im Umgang mit Aufgaben im Unterricht muss also ber&#252;cksichtigen, dass Aufgaben nicht so gestellt werden sollten, dass Antworten 1:1 aus Referenzwerken &#252;bernommen werden k&#246;nnen. Im Gegenteil: Es sollte sogar der <strong>Umgang mit</strong> solchen <strong>Referenzen</strong> vorausgesetzt und gef&#246;rdert werden. Es kann nicht darum gehen, Lernende oder Lehrende schief anzuschauen, wenn sie Internetressourcen nutzen. Es muss vielmehr darum gehen, diese in den <strong><a href="http://basedow1764.wordpress.com/2010/10/14/der-bluff-der-kompetenzorientierung/" target="_blank">Prozess der Lernprogression</a></strong> (des nachvollziehbaren und vielleicht sogar messbaren Lernfortschritts) einzubeziehen und entsprechende Aufgaben zu kreieren.</p>

<p>Eine einfache Form im Kontext der oben genannten Aufgabe zu den Figurenkonstellationen in einem Drama k&#246;nnte zum Beispiel lauten: „Wie stehen die Figuren im Drama zueinander in Beziehung? Im Internet finden sie unter xxx und yyy zwei Grafiken, die diese Konstellationen darzustellen beanspruchen. Die Ergebnisse dieser Grafiken sind unterschiedlich. Welche stimmt? Wo liegt in einer der beiden Grafiken der Fehler? K&#246;nnen Sie erkl&#228;ren, wie es zu diesem Fehlern gekommen ist?“</p>

<p>Wie gesagt, dieses Beispiel ist eines der weniger komplexen Art, unter anderem auch deshalb, weil es noch wenig Differenzierungsm&#246;glichkeiten f&#252;r unterschiedliche Leistungsstufen oder Lerntypen beinhaltet. Es gibt aber ein wenig die Richtung vor, in die <strong>effektive Lernaufgaben heute</strong> zielen sollten / m&#252;ssen.</p>

<p>Die Voraussetzung f&#252;r effektives Lernen ist, dass <strong>echte Aufgaben</strong> zu bew&#228;ltigen sind. Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen kennen das in der Regel aus Zusammenh&#228;ngen, in denen sie ihren Hobbys folgen, sei es im Sport, sei es im Kontext von Musik, Kunst oder auch Computerspielen der komplexeren Art, zu denen es teilweise auch Referenzseiten mit Wissensbest&#228;nden zum Spiel gibt.</p>

<p>Wie k&#246;nnten solche Aufgaben im Deutschunterricht aussehen, die zum Teil zumindest auch Kompetenzen f&#246;rdern, die zum Deutschunterricht geh&#246;ren, aber nicht zwangsl&#228;ufig zu einer Lekt&#252;re?</p>

<p>Ich <strong>konstruiere hier ein paar Beispiele</strong>, w&#252;rde mich aber sehr freuen, wenn im Rahmen der Kommentare zu diesem Artikel ein ganzer Reigen solcher Aufgabentypen zusammenkommen w&#252;rde.</p>

<p>- Bei historischen Texten kann man die Aufgabe stellen, eine Zeitungsseite zum Thema zu erstellen und so gleichzeitig, dem Ansatz eines integrierten Unterrichtsmodells folgend, den Aufbau von Nachrichten, Berichten Reportagen, Kommentaren und Glossen als zu erwerbende, zu wiederholende oder auszubauende Kompetenzen kennen lernen, vertiefen und &#252;ben.</p>

<p>- Bei Texten, die neben textimanenter Arbeit auch einen stark biographischen Bezug zum Autor erlauben (z. B. Texte von Kafka oder Brecht), k&#246;nnen Formen des Interviews nicht nur in schriftlicher Form als Aufgabe gegeben werden &#8211; sondern auch als Audioproduktion oder Video.</p>

<p>- Im Rahmen der sprachreflexiven Arbeit k&#246;nnen kreative Aufgaben gestellt, werden, die mit bestimmten sprachlichen Ph&#228;nomenen so umgehen, dass z. B. eine Ausstellung oder auch Lesungen m&#246;glich sind.</p>

<p>- Kurzgeschichten k&#246;nnen als Video, als Theaterst&#252;ck, als H&#246;rspiel etc. erarbeitet werden.</p>

<p><strong>Zusammengefasst</strong>: Aufgaben in der Schule m&#252;ssen heute davon ausgehen, dass Wissen via Internet oft sehr leicht greifbar ist und darauf ausgerichtet sein, dass sie nicht schon als Aufgabe dazu verleiten, dem Copy&amp;Paste-Prinzip zu folgen. Vielmehr scheint es f&#252;r die Progression des Lernens sinnvoll, den handelnden Umgang mit solchen Ressourcen zu f&#246;rdern und so die M&#246;glichkeit zu schaffen, sich dieses Wissen angesichts wirklich herausfordernder Aufgabenstellungen anzueignen und somit idealerweise nachhaltig verf&#252;gbar zu machen.</p>

<p><strong>Ziel</strong> solcher Lernarrangements ist es, Lernende in <strong>eine handelnde Auseinandersetzung (Zusammensetzung! — im konstruktivistischen Sinne) mit dem zu Lernenden</strong> zu bringen. Dabei k&#246;nnen <strong>unterschiedliche Lerntypen</strong> ber&#252;cksichtigt werden und <strong>Differenzierungen</strong> vorgenommen werden, ohne dass f&#252;r jeden Lernenden eine eigene Aufgabe erstellt werden m&#252;sste, kann die Form der Auseinandersetzung (per Text, Grafik, andere Formen der visuellen oder auditiven Umsetzung) je nach Aufgabentyp und angesichts der gleichen Aufgabe doch durchaus unterschiedlich sein.</p>

<p>Im Rahmen solcher Aufgaben werden <a href="http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article6905488/Generation-Copy-amp-Paste.html" target="_blank">Wikipedia</a> und <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/der-copy-schock/1791902.html" target="_blank">Co</a> von Seiten zum Kopieren von Text zu Referenzseiten, die man nutzt, um ein Problem zu l&#246;sen, ohne das vorhandene Wissen 1:1 &#252;bernehmen zu k&#246;nnen, weil es Teil der Auseinandersetzung (Zusammensetzung) mit einer echten Herausforderung wird. Und auch f&#252;r analoge Wissensspeicher gilt dies, wenn zum Beispiel Bibliotheken f&#252;r den Unterricht nutzbar sind. Museen k&#246;nnen auf diesem Wege unterrichtsrelevant werden, regionale M&#246;glichkeiten integriert werden …</p>

<p>Und am Ende steht vielleicht der Schluss, dass Kompetenzorientierung weder die Neuerfindung des Rades ist, noch eine &#252;berfordernde Herausforderung, sondern eine Form des Unterrichts, die (auch in Sachen Wissen) echte Lernfortschritte erm&#246;glicht, die reflektierbar sind und auch noch Spa&#223; machen, den Lernenden wom&#246;glich genau so wie den Lehrenden. Das aber w&#228;re eine echte Bildungsreform: Ein Lernen, das h&#228;ufiger wirklich Spa&#223; macht, als das Klischee der Schule vermuten l&#228;sst.</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>iPad-Praxis-Test: An einer Tagung teilnehmen…</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Nov 2010 18:27:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach ein paar Wochen des Vertrautwerdens mit dem iPad habe ich mich nun gewagt, papierfrei zu einer Tagung zu fahren. Eineinhalb Tage um meine Anforderungen an ein Arbeitsger&#228;t in der Praxis zu erkunden. 1. Packen Normalerweise ist die Tasche immer &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/06/ipad-praxis-test-an-einer-tagung-teilnehmen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach ein paar Wochen des Vertrautwerdens mit dem iPad habe ich mich nun gewagt, papierfrei zu einer Tagung zu fahren. Eineinhalb Tage um meine Anforderungen an ein Arbeitsger&#228;t in der Praxis zu erkunden.<span id="more-5118"></span></p>

<h3>1. Packen</h3>

<p>Normalerweise ist die Tasche immer gr&#246;&#223;er, als angesichts der L&#228;nge von Fortbildungen angemessen erscheint. Neben ein wenig Kleidung, Toilettenartikeln, einem Collegeblock bzw. einem Notizbuch f&#252;r handschriftliche Notizen und Schreibger&#228;ten, wurde bislang noch ein Laptop inklusive Netzger&#228;t und UMTS-Stick eingepackt. Jedes Mal, wenn ich dann die Tasche anhob, war ich erstaunt, dass sie so schwer ist. Die 2,3 Kilogramm des Laptops sind nicht ohne, obwohl es doch f&#252;r den mobilen Einsatz gedacht ist.</p>

<p>Dieses Mal nahm ich meinen handlichen Fjallraven-Kanken-Rucksack, packte die f&#252;r zwei Tage notwendigen Kleinigkeiten ein, verzichtete aber auf den Collegeblock bzw. das Notizbuch f&#252;r handschriftliche Notizen, und steckte dann noch das iPad und das zugeh&#246;rige Netzteil ein. Mit Laptop und Collegblock w&#228;re der Rucksack zu klein gewesen, h&#228;tte ich wieder einmal auf eine gr&#246;&#223;ere Tasche ausweichen und mehr Gewicht transportieren m&#252;ssen. – Gut gelaunt zog ich los, gespannt, ob meine &#220;berlegungen zum Einsatz des iPads im Rahmen einer Tagung, bei der ich Teilnehmer war, in der Praxis umsetzbar sein w&#252;rden oder ob es stimmt, dass das iPad wirklich vor allem ein Ger&#228;t zum Konsumieren multimedialer Inhalte ist.</p>

<h3>2. Das iPad als Collegeblock</h3>

<p>Normalerweise mache ich mir auf Tagungen handschriftliche Notizen. Ich mag es nicht, wenn da alle hinter den Bildschirmen ihrer Laptops verschwinden, wenn zwischen Diskutierenden diese k&#252;nstliche Barriere errichtet ist. Das ist ein Grund f&#252;r den bislang eher sparsamen Einsatz des Laptops, wenn ich als Tagungsteilnehmer unterwegs war.</p>

<p>Davon abgesehen schreibe ich gerne per Hand, weil ich dann schnell zwischen Flie&#223;text, kleinen Grafiken und dem Erstellen einer MindMap hin und her springen kann. Auf dem Laptop kann ich zwar schnell tippen, aber bei Grafiken und Mindmaps ist der Aufwand des Erstellens f&#252;r den Livebetrieb auf einer Tagung zu gro&#223;. Also kam der Collegeblock zum Einsatz – bis jetzt.</p>

<p>Gem&#228;&#223; der Versprechungen, dass es f&#252;r so ziemlich alles, was man mit dem iPad machen will, eine App gebe, fragte ich mich vor ein paar Tagen, ob es 1. Apps g&#228;be, mit denen handschriftliche Notizen auf dem iPad m&#246;glich sind und 2. ob es Eingabestifte f&#252;r das iPad gibt, konnte ich mir doch nicht vorstellen, mit dem Finger auf dem Bildschirm zu schreiben. – Beide Fragen wurden innerhalb k&#252;rzester Zeit mit »Ja« beantwortet.</p>

<p>Nein, ich suchte keine App, die Handschriftenerkennung in dem Sinne beherrscht, dass ich per Hand auf dem Bildschirm schreibe und dies dann in Druckbuchstaben &#252;bersetzt wird, sondern eine, die m&#246;glichst einem ganz simplen, analogen Collegeblock bzw. einem Notizbuch entspricht. Dar&#252;ber hinaus wollte ich die M&#246;glichkeit haben, die erstellen Notizen auf das Laptop zu &#252;bertragen und auch zu drucken, um so meine handschriftlichen Notizen auch als Hardcopy verf&#252;gbar zu haben.</p>

<p>Ich habe mich f&#252;r <a href="http://itunes.apple.com/de/app/penultimate/id354098826?mt=8" target="_blank">Penultimate</a> entschieden. Dieses Programm kann eigentlich nichts anderes (das aber sehr gut), als das Erstellen unterschiedlicher Notizb&#252;cher zu erm&#246;glichen, in die handschriftlich Eintragungen vorgenommen werden. Das Programm unterst&#252;tzt unterschiedliche Strichst&#228;rken (d&#252;nn, mittel, fett) und sechs unterschiedliche Strichfarben (Schwarz, Anthrazit, Grau, Blau, Gr&#252;n, Rot). Au&#223;erdem kann man eine »Wrist-Potection« aktivieren, sodass wirklich vor allem der Strich des Stiftes auf dem Bildschirm erscheint. Das funktioniert nicht 100%ig, aber doch sehr zufriedenstellend, denn man kann mit der Radiererfunktion die paar Flecken, die durch die auf den Bildschirm aufgelegte Hand entstehen, schnell entfernen. Das habe ich nicht als st&#246;rend erlebt.</p>

<p>Brauchte ich nur noch einen Stift, der f&#252;r den Bildschirm geeignet ist, denn »normale« Touchscreen-Stifte funktionieren hier nicht. Ich brauchte einen Stift, der auf Bildschirmen funktioniert, wie er in dem iPad verarbeitet ist. Eine Auswahl dieser Stifte <a href="http://www.google.de/search?q=capacitiv+stylus&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">findet sich einfach via Suchmaschine</a>. – Und nachdem ich mich ein wenig an das etwas andere Schreibgef&#252;hl gew&#246;hnt hatte, war ich guter Dinge, dass ich einen Ersatz f&#252;r den Collegeblock  haben w&#252;rde. Aber bevor ich weiter erz&#228;hle, hier ein Video, das eine kleine Vorstellung gibt, wie meine Werkzeuge in der Praxis aussehen. Penultimate wird in dem Video noch in einer &#228;lteren Version gezeigt, aber das Grundprinzip ist erkennbar:</p>

<div class="youtube-video"><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/2IutB8sJ83Q?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/v/2IutB8sJ83Q?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></div>

<p>Meine Erfahrung: Ja, es funktioniert. Die Handschrift wird nicht ganz so exakt dargestellt, wie mit F&#252;ller oder Kugelschreiber, aber ich habe meine Handschrift durchaus wiedererkannt.</p>

<p>Das iPad lag also flach auf dem Tisch, diente mit als Collegeblock, lie&#223; mich mitschreiben, Skizzen anfertigen, MindMaps in einem Zusammenhang erstellen, ohne dass ich auf einen Block h&#228;tte zur&#252;ckgreifen oder zwischen Programmen hin und her springen m&#252;ssen. So wollte ich es und so hat es funktioniert.</p>

<p>Aber h&#228;tte es ein College-Block nicht genau so getan? Ja, h&#228;tte er. An diesem Punkt ging es mir vor allem um Gep&#228;ckreduktion (siehe oben), denn normalerweise habe ich einen Laptop und den Collegeblock dabei.<br /> Au&#223;erdem habe ich eine Funktion bei dieser Tagung nicht genutzt, die mir der Collegeblock nicht bietet: Das iPad kann &#252;ber einen Adapter an den VGA-Anschluss eines Beamers angeschlossen werden und Penultimate unterst&#252;tzt die Ausgabe via Beamer, sodass z. B. Skizzen (im Unterricht Tafelbilder, die im Gespr&#228;ch entstehen und nicht z. B. in einer Pr&#228;sentationssoftware vorbereitet werden k&#246;nnen) per Hand erstellt werden k&#246;nnen, die anschlie&#223;end in digitaler Form verf&#252;gbar sind. Kurz: Wenn kein interaktives Whiteboard (teuer!) vorhanden ist, kann die Kombination aus iPad und Beamer (in den meisten Tagungsh&#228;usern und mittlerweile auch in immer gr&#246;&#223;erem Ma&#223;e in Schulen vorhanden), ein solches interaktives Whiteboard zumindest in einem gewissen Rahmen ersetzen.</p>

<p>Das so entstandene Notizbuch habe ich mir als PDF zugemailt, in iBooks abgelegt und somit auf dem Rechner, dem iPad und wenn ich es will auch in gedruckter Version verf&#252;gbar. Au&#223;erdem k&#246;nnen solche Notizen nat&#252;rlich auch an andere Teilnehmer einer Tagung als PDF verschickt werden und sind dann in jedem PDF-Leseprogramm lesbar.</p>

<h3>3. »Live«-Protokoll</h3>

<p>In Arbeitsgruppen geht es oft weniger um Mitschriften, sondern mehr um das Protokollieren der Ergebnisse. Hier kam bislang das Laptop zum Einsatz. Dieses Mal habe ich mit einem Notizprogramm auf dem iPad die Ergebnisse einfach mitgetippt. Da ich das Ger&#228;t in einer H&#252;lle habe, die es erlaubt, den Computer im Querformat schr&#228;g vor mir liegen zu haben, erlebe ich die Tastatur als komfortabler, als ich das erwartet h&#228;tte. Mit dem flach auf dem Tisch liegenden iPad w&#228;re diese Form des Arbeitens nicht komfortabel. Wer also auf dem iPad tippen will, sollte &#252;ber eine solche iPad-Tasche nachdenken, die es von unterschiedlichsten Herstellern gibt.</p>

<p>War es bislang so, dass jemand in einer Sitzung mitschrieb (meist per Hand) und sich dann noch einmal hinsetzte, um das Protokoll auf dem Rechner zu erstellen und dann ein paar Tage sp&#228;ter zu verschicken, war das Protokoll dieses Mal mit dem Abschluss der Sitzung auf den Rechnern der Teilnehmenden verf&#252;gbar. Sie hatten diese zwar nicht dabei, aber die Arbeit des Erstellens eines Ergebnisprotokolls entfiel.</p>

<p>Ja, es ist ein Nachteil, wenn man der einzige ist, der mittippt, k&#246;nnte so doch der Eindruck entstehen, dass da nun endlich ein Dauerprotokollant gefunden sein k&#246;nnte. Das st&#246;rt mich solange nicht, wie nicht erwartet wird, dass ich meine Mitschrift noch sch&#246;n formatiere und &#252;berarbeite etc. Sollte eine solche Bearbeitung gew&#252;nscht sein, lasse ich meine Notizen dann dem offiziellen Protokollanten aber gern zukommen.</p>

<p>Die Reaktion der Teilnehmenden in der Arbeitsgruppe auf das Mitschreiben und das direkt Zur-Verf&#252;gung-Stellen waren sehr positiv.</p>

<h3>4. Das Strom-Problem</h3>

<p>Der erste Tag der Fortbildung war lang. Mit meinem Laptop suchte ich bislang immer zuerst nach einer Steckdose, um daf&#252;r zu sorgen, dass es solch einen Tagungstag von 9–20 Uhr auch durchh&#228;lt.</p>

<p>Erstaunt stellte ich fest, dass das iPad, mit relativ abgedunkeltem, f&#252;r mich aber bequem bedienbarem Bildschirm, zur Mittagspause keine 10% des verf&#252;gbaren Batteriestroms verbraucht hatte, obwohl ich doch einiges mitschrieb. Den Bildschirm lie&#223; ich sich nach zwei Minuten verdunkeln, den Passcode-Schutz hatte ich vor&#252;bergehend auf 15 Minuten gestellt, dass ich nicht jedes Mal, wenn ich die Notizen erg&#228;nzte, erst einmal diesen Code eingeben musste.</p>

<h3>5. Fazit</h3>

<p>Das iPad hat sich f&#252;r mich und im Rahmen meiner Anforderungen als Arbeitsinstrument eines Tagungsteilnehmers bew&#228;hrt. Die f&#252;r mich wichtigsten Punkte:</p>

<ol> <li>Mir gef&#228;llt, dass kein aufgeklappter Bildschirm als Barriere zwischen mir und anderen steht.</li> <li>Mit der App PenUltimate und einem entsprechenden Stift kann das iPad den Collegeblock locker ersetzen. Der Mehrwert besteht in der digitalen Verf&#252;gbarkeit der Notizen als PDF, die dann ins iBooks-Archiv wandern k&#246;nnen, auf nahezu jedem E-Reader und selbstverst&#228;ndlich auf jedem Rechner mit PDF-Leseprogramm gelesen werden k&#246;nnen. Eine Hardcopy kann problemlos ausgedruckt werden.</li> <li>Direkte Mitschriften in Arbeitsgruppen, die im Anschluss als E-Mail allen Teilnehmenden verf&#252;gbar gemacht werden k&#246;nnen, empfinde ich hilfreich. Wenn der Einsatz von Rechnern mit (mobilem) Netzzugang in Lehrerkreisen selbstverst&#228;ndlicher geworden sein wird, die Datei also wirklich live und nicht nur zeitnah nach R&#252;ckkehr von der Tagung allen verf&#252;gbar ist, w&#228;re so z. B. auch der direkte Austausch von Ergebnissen unterschiedlicher Arbeitsgruppen m&#246;glich, sodass im Plenum m&#246;glicherweise gar nicht mehr die Ergebnisse vorgestellt werden m&#252;ssen, da sie vorher gelesen wurden. Es bliebe mehr Zeit f&#252;r den Austausch &#252;ber die Ergebnisse. – Aber das ist noch ein wenig Zukunftsmusik.</li> <li>Ich brauche nur <em>ein</em> Ger&#228;t, das den Laptop, den Collegeblock bzw. das Notizbuch ersetzt und das Gep&#228;ck entlastet.</li> <li>Die Batterielaufzeit des iPad erm&#246;glicht es, auch bei langen Tagungen ohne Anschluss an eine Steckdose zu arbeiten, was vor allem dann interessant ist, wenn viele Leute digitale Endger&#228;te bei einer Tagung nutzen und die vielen Kabel auf dem Boden eher st&#246;rend sind, ganz zu schweigen davon, dass kaum ein Tagungsraum dann noch gen&#252;gend Steckdosen h&#228;tte.</li> </ol>

<p>Als Ger&#228;t zum Konsum von Inhalten des Internets, von YouTube-Videos, von Spielen etc. auf den Markt gebracht, hat das iPad im Rahmen meines Arbeitsstils das Potential, zu einem echten Arbeitsger&#228;t zu werden, zu einem Ger&#228;t, mit dem ich eben nicht konsumiere, sondern produktiv bin, mit dem ich arbeiten kann und arbeite. Das hatte ich mir beim Kauf vor ein paar Wochen erhofft. Dass diese Hoffnung bis jetzt nicht nur erf&#252;llt wurde, sondern dieses Arbeiten mir richtig Spa&#223; macht, hatte ich in diesem Ausma&#223; nicht erwartet.</p>

<h3>6. Ausblick</h3>

<p>Bewusst habe ich das iPad als Tagungs<em>teilnehmer</em> eingesetzt, um in einem relativ gesch&#252;tzten Raum einen Eindruck davon zu gewinnen, ob es auch f&#252;r mich als Referenten gegebenenfalls einsetzbar ist. Entsprechend habe ich die Koppelung an den Beamer noch nicht getestet. Das steht so bald wie m&#246;glich an.</p>

<p>Erste Erfahrungen mit dem Einsatz als Unterst&#252;tzung bei der Planung und Durchf&#252;hrung von Unterricht habe ich auch schon gemacht, will da aber noch ein wenig warten und unterschiedliche Szenarien ausprobieren, bevor ich mich zu den Erfahrungen mit dem iPad als Arbeitsinstrument im Lehrerberuf &#228;u&#223;ere. Aber auch hier zeichnet sich ein bislang sehr positives Bild ab.</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Gegenwart und Zukunft der Informationsmedien: Zeitung, Radio, Fernsehen und digitale Verkn&#252;pfungen</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Oct 2010 15:01:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Medien sind Vermittler1. Fr&#252;her wurden auch Menschen als »Medien« gesehen, so z. B. das Orakel von Delphi; in der Gegenwart wird mit dem Begriff »Medien« eher der technische Tr&#228;ger und &#220;bermittler von Informationen gemeint: Zeitung, Buch, Internet, Fernsehen, Radio etc. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/10/10/gegenwart-und-zukunft-der-informationsmedien-zeitung-radio-fernsehen-und-digitale-verknuepfungen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Medien sind Vermittler<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/10/10/gegenwart-und-zukunft-der-informationsmedien-zeitung-radio-fernsehen-und-digitale-verknuepfungen/#footnote_0_4721" id="identifier_0_4721" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Medienbegriff ist vielf&amp;#228;ltig und somit unscharf. Unterschiedliche Bedeutungen, die &amp;#252;ber den hier genutzten Medienbegriff hinaus gehen finden sich hier">1</a></sup>. Fr&#252;her wurden auch Menschen als »Medien« gesehen, so z. B. das Orakel von Delphi; in der Gegenwart wird mit dem Begriff »Medien« eher der technische Tr&#228;ger und &#220;bermittler von Informationen gemeint: Zeitung, Buch, Internet, Fernsehen, Radio etc. F&#252;r pers&#246;nlich vermittelnde Aktivit&#228;ten haben sich andere, nach T&#228;tigkeiten differenzierende Begriffe durchgesetzt, wie z. B. Mediator, Lehrer, Schlichter etc.</p>

<p>Im Laufe der Geschichte haben sich bislang immer die Informationstr&#228;ger und technischen Wege zur Informations&#252;bertragung durchgesetzt, die die jeweils h&#246;chste Informationsdichte und den schnellsten Weg zu ihrer Vermittlung erm&#246;glichten. Dabei hat die &#220;bertragungsgeschwindigkeit die Informationsdichte manchmal &#252;berlagert. Dies geschah insbesonder dann, wenn ein neues Medium eingef&#252;hrt wurde und die Informationsverdichte, die auf diesem Wege zu erreichen war, erst nach und nach erh&#246;ht wurde, wie z. B. beim Telegrafen, dessen Grundprinzip der &#220;bertragung von Information mit Hilfe elektrischen Stroms weiter entwickelt wurde. Der bislang letzte Schritt dieser Entwicklung ist das Internet.</p>

<p>Zeitungen waren bei ihrem Aufkommen Informationstr&#228;ger, die schnell und weit verbreitet werden konnten und als Sammlungen von auf anderen Wegen zusammengetragenen Informationen gelten konnten. Das Radio beschleunigte den Prozess der &#220;bertragung von Informationen, die sowohl redaktionell bearbeitet oder direkt vom Ort des Geschehens live gesendet werden. Bis heute ist das so und das Radio war dennoch nicht in der Lage, die Zeitung zu verdr&#228;ngen. Gleiches gilt f&#252;r die Entwicklungen des Fernsehens. Der schriftliche Datentr&#228;ger »Zeitung« als Medium verlangt, dass seine Nutzer Lesen k&#246;nnen; das Lesen scheint eine sehr effektive Form der Aufnahme von Informationen zu sein, die Radio und Fernsehen mit ihren vorgegebenen Sendezeiten und den von ihnen angesprochenen Sinnen, verbunden mit einer vorgegebenen Zeitspanne der Informations&#252;bermittlung, nicht zu ersetzen vermochten. Und das gilt auch noch in Zeiten von Podcasts, Mediatheken, Aufnhameger&#228;ten etc.</p>

<p>Digitale Technologien und das Internet scheinen nun erstmals in der Lage, Texte, Audio oder audiovisuelle Formate zu transportieren. Das hat kein Informationskanal vorher gekonnt, ganz zu schweigen von der M&#246;glichkeit, die unterschiedlichen medialen Formate miteinander zu kombinieren.</p>

<p>Entsprechend ist die Vorstellung, dass Computer als Datenvermittler, -empf&#228;nger und Informationstr&#228;ger Zeitungen abl&#246;sen k&#246;nnten, erstmals in der langen Geschichte der Zeitungen ein m&#246;gliches Szenario, wobei Zeitung auf diesem Wege zum ersten Mal die M&#246;glichkeit bekommen, &#228;hnlich wie Radio und Fernsehen, zeitnah oder gar fast live zu berichten.</p>

<p>Es zeichnet sich ein neues Format der medialen &#220;ber- und Vermittlung (tagesaktueller) Informationen ab. Die lange nebeneinander existierenden Medien Zeitung, Radio und Fernsehen wachsen mehr und mehr zusammen. Die neue Form hatte bislang allerdings mit der Gr&#246;&#223;e und dem Gewicht der f&#252;r ihre Wahrnehmung notwendigen Computer zu k&#228;mpfen, sodass eine Kapitalisierung der digitalen Inhalte lange sehr schwierig war und vor allem die Tageszeitungen die Konkurrenz des Internets finanziell zu sp&#252;ren bekommen haben.</p>

<p>Aus diesem Grunde jubelten die Verleger wohl, als im Jahre 2010 der erste, die Massen erreichende Tablet-Computer auf den Markt kam, der leicht genug war und einen angemessenen Bildschirm mit sich brachte, um als transportables Konsumger&#228;t die Rezeption von Informationen in die gewohnten Lebenssituationen der Konsumenten bringen zu k&#246;nnen: in den &#246;ffentlichen Personennahverkehr, der viel Raum f&#252;r das Zeitunglesen bietet (wenn auch oft wenig Platz, angesichts mancher Zeitungsformate).</p>

<p>Setzten sich Tablet-Computer wirklich dauerhaft durch, so ist tats&#228;chlich zu erwarten, dass sie das Potential haben, die bisherige Tageszeitung abzul&#246;sen. Sie k&#246;nnten sich aber auch auf das Fernsehen und auch auf weitgehend nebenbei genutzte Radio auswirken.</p>

<p>Die eigentliche Revolution, die wir im medialen Kontext derzeit erleben, ist die Zusammenf&#252;hrung medialer Formen, die bislang aufgrund der von ihnen bedienten Vermittlungskan&#228;len nebeneinander bestanden und je eigene Vermittlungsformen und -kompetenzen aufzuweisen hatten, sodass keines dieser Medien ein anderes Medium nachhaltig verdr&#228;ngen konnte.</p>

<p>Entsprechend leben wir gegenw&#228;rtig in einer &#220;bergangsphase, in der die unterschiedlichen, organisatorisch getrennten Medienanbieter (Zeitungsverlag, Fernseh- und Radiosender) auf die M&#246;glichkeit der Verkn&#252;pfung reagieren und jeder f&#252;r sich einen Weg der Integration der unterschiedlichen medialen Formen sucht. Dabei wird sich eine Angleichung der Angebote (zumindest via Internet) ergeben, die zuletzt nicht nur die M&#246;glichkeit hat, Zeitungen zu verdr&#228;ngen, sondern dar&#252;ber hinaus die Frage aufwerfen wird, wie Kooperationen der einzelnen Medienanbier aussehen k&#246;nnten. Kurz: Es wird zu Fusionen von Zeitungsverlagen, Fernseh- und Radiosendern kommen, die die gesamte Breite des Medienmarktes v&#246;llig ver&#228;ndern werden, mit denen aber auch eine Konzentration im Medienbereich noch st&#228;rker einhergehen wird, als es schon heute der Fall ist.</p>

<p>In solch einem absehbaren Konzentrationsprozess wird die Meinungsvielfalt dann nicht mehr durch die Zahl der unterschiedlichen Anbieter medialer Produkte gesichert, sondern durch nicht an eine dieser dann noch kleineren Zahl an Firmen gebundene Formen medial gest&#252;tzter Berichterstattung. In diesem Rahmen werden soziale Netzwerke eine Rolle spielen, aber vielmehr werden Einzelpersonen oder Netzwerke von Einzelpersonen, von denen bekannt ist, dass sie zuverl&#228;ssig und vertrauensw&#252;rdig arbeiten, diese Rolle der Sicherung der Meinungsvielfalt &#252;bernehmen, wenn es um die Frage des Vertrauens in die Richtigkeit von Informationen geht. In Ans&#228;tzen k&#246;nnen wir beide Tendenzen bereits heute beobachten.</p>

<p>Die Folgen dieser Entwicklung, so sie so eintritt, wie es hier phantasiert wird, werden weitreichende Ver&#228;nderungen mit sich bringen, die weit &#252;ber die Verlage und Sender hinausreichen. Der Zeitungs- und auch Zeitschriftenmarkt, wie wir ihn heute kennen, wird zusammenbrechen. Die Zwischenh&#228;ndler (Kioske, Zeitschriftenl&#228;den etc.) werden immer seltener im Stadtbild anzutreffen sein, was die Gewinnmargen der Anbieter der entsprechenden Produkte in digitaler Form steigern d&#252;rfte, da sie die Gewinne der H&#228;ndler nicht mehr einpreisen m&#252;ssen, aber die Preise sicher auch nicht senken werden. Z. T. sind heute digitale Ausgaben von Zeitschriften und Zeitungen sogar schon teurer als das Pendant im Zeitschriftladen.</p>

<h3>Resumee</h3>

<p>Es spricht vieles daf&#252;r, dass die Verkn&#252;pfung von Text, Bild, Video und Audio zumindest im Informationsbereich zur Entwicklung eines neuen, integrierten Formates f&#252;hren wird. Z. T. sind diese Verkn&#252;pfungen schon heute sehr deutlich. Zeitungen haben eigene Fernsehsendungen (SpiegelTV, SternTV…), auf Websites von Zeitungen gibt es Videonachrichten, Fernsehsender bieten schriftliche Inhalte im Internet an etc. Mit diesem integrierten Format wird sich der Markt v&#246;llig ver&#228;ndern. Gleichzeitig wird sich die Frage nach der Vielfalt der Argumentationsweisen im Rahmen von Meinungsbildungsprozessen stellen. Blogger und auch soziale Netzwerke werden hier eine kritische Funktion bekommen, st&#228;rker noch, als es bisher der Fall ist. Dabei werden sich einzelne Blogger und soziale Netzwerker den Ruf der Zuverl&#228;ssigkeit und des Vertrauens erwerben; auch das l&#228;sst sich bereits heute beobachten, wird sich aber wohl verst&#228;rken.  Somit werden diese Einzelpersonen oder Netzwerke von Einzelpersonen ein Teil des Meinungsbildungsprozesses, was ebenfalls schon heute erkennbar ist. Meinungsbildungsprozesse werden also viel mehr &#252;ber institutionalisierte Medienunternehmen hinaus gehen als dies bis heute der Fall ist, wobei ich hier auch die &#246;ffentlich-rechtlichen Medienanstalten zun&#228;chst einmal zu den Medienunternehmen z&#228;hle. Inwiefern sich dadurch v&#246;llig neue Strukturen bei tagesaktuellen Informations- und Meinungsbildungsprozessen bilden, ist heute noch nicht absehbar. Dass ein solcher Strukturwandel aber m&#246;glich ist, ist Teil des nicht nur integrierenden, sondern auch differenzierenden Potentials digitaler Medien.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Gedichtinterpretation: Clemens Brentano, Sprich aus der Ferne</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Sep 2010 22:12:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gedichtinterpretation: Clemens Brentano, Sprich aus der Ferne von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.Beruht auf einem Inhalt unter herrlarbig.de.&#220;ber diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse k&#246;nnen Sie unter http://herrlarbig.de/kontakt erhalten. Clemens Brentano (1778–1842) Sprich &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/09/24/gedichtinterpretation-clemens-brentano-sprich-aus-der-ferne/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Gedichtinterpretation: Clemens Brentano, Sprich aus der Ferne</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.<br />Beruht auf einem Inhalt unter <a xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://herrlarbig.de/2010/09/24/gedichtinterpretation-clemens-brentano-sprich-aus-der-ferne/" rel="dct:source">herrlarbig.de</a>.<br />&#220;ber diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse k&#246;nnen Sie unter <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/kontakt " rel="cc:morePermissions">http://herrlarbig.de/kontakt </a> erhalten.</em></p>

<p><h3><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_Brentano" target="_blank">Clemens Brentano</a> (1778–1842)</h3>
<h2>Sprich aus der Ferne (1801)</h2><br /></p>

<p>Sprich aus der Ferne<br />
Heimliche Welt,<br />
Die sich so gerne<br />
Zu mir gesellt.</p>

<p>Wenn das Abendrot niedergesunken,<br />
Keine freudige Farbe mehr spricht,<br />
Und die Kr&#228;nze still leuchtender Funken<br />
Die Nacht um die schattigte Stirne flicht:</p>

<p>Wehet der Sterne<br />
Heiliger Sinn<br />
Leis durch die Ferne<br />
Bis zu mir hin.</p>

<p>Wenn des Mondes still lindernde Tr&#228;nen<br />
L&#246;sen der N&#228;chte verborgenes Weh;<br />
Dann wehet Friede. In goldenen K&#228;hnen<br />
Schiffen die Geister im himmlischen See.</p>

<p>Gl&#228;nzender Lieder<br />
Klingender Lauf<br />
Ringelt sich nieder,<br />
Wallet hinauf.</p>

<p>Wenn der Mitternacht heiliges Grauen<br />
Bang durch die dunklen W&#228;lder hinschleicht,<br />
Und die B&#252;sche gar wundersam schauen,<br />
Alles sich finster tiefsinnig bezeugt:</p>

<p>Wandelt im Dunkeln<br />
Freundliches Spiel,<br />
Still Lichter funkeln<br />
Schimmerndes Ziel.</p>

<p>Alles ist freundlich wohlwollend verbunden,<br />
Bietet sich tr&#246;stend und traurend die Hand,<br />
Sind durch die N&#228;chte die Lichter gewunden,<br />
Alles ist ewig im Innern verwandt.</p>

<p>Sprich aus der Ferne<br />
Heimliche Welt,<br />
Die sich so gerne<br />
Zu mir gesellt.</p>

<p>Das Offensichtliche liegt dem lyrischen Ich in Clemens Brentanos 1801 erschienenem Gedicht „Sprich aus der Ferne” viel zu nah. Das Ferne, das nicht Offensichtliche, das Verborgene, die „heimliche Welt” (V. 2) interessieren dieses <a href="http://gedichtinterpretation.org/lyrisches-ich-gedichtinterpretation/" target="_blank">lyrische Ich</a> viel mehr. M&#246;ge diese „heimliche Welt“ einmal mehr zu ihm sprechen! Mit dieser Sehnsucht beginnt das Gedicht; diese Sehnsucht wird am Ende wieder aufgegriffen, indem exakt die gleiche Strophe wiederholt wird. Ein Rahmen, der sieben weitere Strophen umschlie&#223;t.</p>

<p>Doch unter welchen Bedingungen kann diese Sehnsucht Wirklichkeit werden? Die <a href="http://web.uni-frankfurt.de/fb10/zimmermann/cecile/PDF-files/psem09-handout-08.pdf" target="_blank">Konditionals&#228;tze</a> in den Strophen 2, 4 und 6 geben Antwort, wenn auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Metapher" target="_blank">metaphorisch</a> verschl&#252;sselt:</p>

<p>– Wenn die Sonne untergegangen ist und die Farben der Welt undeutlich werden, verblassen (V. 5f.),</p>

<p>– wenn die Sterne (V. 7f) und der Mond (V 13f.) aufgegangen sind,</p>

<p>– wenn die Sterne am Himmel funkeln (V 15f.) und</p>

<p>– (unheimliches) Dunkel &#252;ber der Erde liegt, das lyrische Ich im Wald begleitet (V 21–24),</p>

<p>dann kann die „heimliche Welt“ zum lyrischen Ich sprechen. Und dieses „Sprechen“ spricht den ganzen Menschen an, packt ihn bei allen Sinnen. „Wenn“ (V. 5, 13, 21) die Bedingungen ideal sind, dann sieht das Auge nicht die naheliegende Welt im glei&#223;enden Sonnenlicht, sondern das „leis“ (V. 11) sich verstr&#246;mende Licht der Sterne dringt in das Auge, das Licht aus der „Ferne“ (V. 11). Und damit das Dunkel nicht zu gro&#223;es „Grauen“ (V. 21) ausl&#246;st, scheint der Mond und wie ein leichter Wind „wehet Friede“ (V. 15), ein Friede, der den ganzen K&#246;rper erfasst, die Spannungen des Tages abfallen l&#228;sst, zu einer k&#246;rperlich sp&#252;rbaren Erfahrung wird. Doch vor allem das Sehen und das H&#246;ren bilden das Zentrum der metaphorischen Sprache. Die Sinne werden jedoch in einer ganz bestimmten Form angesprochen: Zwar soll die „heimliche Welt“ (V. 1, 33) zum lyrischen Ich sprechen (V. 1, 33), doch dies geschieht in einem Umfeld, dass als „leis[e]“ (V. 11) charakterisiert wird, als „still“ (V. 7), voller an Musik erinnernder Kl&#228;nge (V. 17f.).</p>

<p>Diese akustischen Wahrnehmungen sind eng an visuelle Formen der Wahrnehmung gebunden, werden in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Syn%C3%A4sthesie" target="_blank">syn&#228;sthetisch</a> gestalteten Versen sogar direkt miteinander verbunden. Die Farbe muss zum schweigen kommen (V. 6), jene Farbe, die im hellen Licht das Auge erreicht und in der Masse der Reize, die am hellichten Tage das lyrische Ich umgeben, jener heimlichen Welt kaum Resonanzr&#228;ume bietet. Die „leuchtende[n] Funken“ (V. 7) sind „still“ (ebd.), ebenso die Tr&#228;ne, die den Mond charakterisiert (V. 13) und die Lieder „gl&#228;nzen“ (vgl. V. 17f.).</p>

<p>Auf der anderen Seite ist das Gedicht, trotz der Dunkelheit, in der es seinen Raum findet, voller visueller Wahrnehmungen: Da sind das „Abendrot“ (V. 5), die „Farbe“ (V. 6), „leuchtende Funken“ (V. 7), eine „schattigte Stirn“ (V. 8), es gl&#228;nzt (V. 17), es ist dunkel (V. 22f.), „finster“ (V. 25) gar, Lichter funkeln (V. 27), ein „Schimmern“ (V. 28) ist zu sehen, „N&#228;chte“ und „Lichter“ (V. 31) werden unmittelbar miteinander verbunden.</p>

<p>Und in dieser Ganzheitlichkeit, in der das lyrische Ich in diesen Versen angesprochen wird, in dieser Ganzheitlichkeit, in der es „da ist“, pr&#228;sent, anwesend, lauschend, schauend, staunend, zeigt sich sich die Erkenntnis, die in dieser Dunkelheit gewonnen werden kann, als Gegenpart zur <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/aufklaer.htm" target="_blank">aufgekl&#228;rten</a> Erkenntnis, deren Lichtmetaphorik des Tages diejenige der Nacht gegen&#252;ber gestellt wird. W&#228;hrend das analytische Denken der Aufkl&#228;rung das Einzelne in seinen Details wahrnimmt, ist die Einsicht des n&#228;chtlich schauenden lyrischen Ichs, entsprechend der Ganzheitlichkeit, mit der es sich ansprechen l&#228;sst, eine ganzheitliche, die wahrzunehmen vermag, dass „alles […] freundlich verbunden“ (V. 29) ist, das Trost und Trauer einander verwandt sind (V. 30), dass „alles […] ewig im Innern verwandt“ (V. 32) ist.</p>

<p>Diese Wahrnehmung der Welt aber ist keine, die ihre ganze Kraft im Verstande alleine entfalten kann, sie will erlebt, gef&#252;hlt werden. Die Einsicht, die das lyrische Ich aus fr&#252;heren Erlebnissen genau dieses Zustandes, dieser Stimmung gewonnen hat, geht &#252;ber den Verstand hinaus, ergreift den ganzen K&#246;rper, ist ein Wiegen und Wogen, das die Sinnlichkeit mit dem Verstand vereint. Diese Bewegung der Ganzheitlichkeit, die sich dem lyrischen Ich gleichzeitig aber nicht in der Klarheit des Tageslichtes zeigt, mag der Grund f&#252;r das gew&#228;hlte, wechselnde, dem Leser nicht leicht zug&#228;ngliche, Verma&#223; sein, das in den Langstrophen 2, 4, 6 und 8 aus vierhebigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Daktylus" target="_blank">Daktylen</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Troch%C3%A4us" target="_blank">Troch&#228;en</a>, in den Kurzstrophen aus zweihebigen Daktylen und Troch&#228;en gebildet ist. Dass dieses Metrum kein Zufall ist, was ja durchaus der Fall sein k&#246;nnte, zeigt sich in der Konsequenz, mit der es durch alle Strophen durchgehalten wird, was angesichts der Kompliziertheit des Metrums kein Zufall sein kann. Dies sei hier beispielhaft an den ersten zwei Strophen gezeigt (betonte Silben sind hier fett dargestellt):</p>

<p><strong>Sprich</strong> aus der <strong>Fer</strong>ne (Daktylus, Troch&#228;us mit weiblicher <a href="http://www.uni-muenster.de/MhdMetrikOnline/sites/metrik/3.1.1.19_reichston_strophenformel.php" target="_blank">Kadenz</a>)<br />

<strong>Heim</strong>-lich-e <strong>Welt</strong>, (Daktylus; Troch&#228;us mit m&#228;nnlicher Kadenz)<br />

<strong>Die</strong> sich so <strong>ger</strong>ne<br />

<strong>Zu</strong> mir ge<strong>sellt</strong>.</p>

<p><strong>Wenn</strong> das <strong>A</strong>-bend-rot <strong>nie-</strong>der-ge-<strong>sunk-</strong>en, (Troch&#228;us, Daktylus, Troch&#228;us mit weibl. Kadenz)<br />

<strong>Kei</strong>-ne <strong>freu</strong>di-ge <strong>Far-</strong>be mehr <strong>spricht</strong>, (Troch&#228;us, Daktylus, Troch&#228;us, mit m&#228;nnl. Kadenz)<br />
<strong>Und</strong> die <strong>Kr&#228;n</strong>ze still <strong>leuch-</strong>ten-der <strong>Funk</strong>en<br />
Die <strong>Nacht</strong> um die <strong>schat</strong>-tig-te<strong> Stir</strong>ne <strong>flicht</strong>:</p>

<p>Das Gedicht entspringt dem Willen des Dichters, eine Situation zu gestalten und ist deshalb formal bewusst gestaltet. Doch anders als in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ballade" target="_blank">Balladen</a>, wird hier keine Geschichte erz&#228;hlt, anders als in <a href="http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/7260.htm" target="_blank">Gedankenlyrik</a> werden keine philosophischen, religi&#246;sen oder weltanschaulichen Fragen reflektiert, sondern eine <a href="http://www.literatur-im-foyer.de/Sites/Lyrik/lyriktheorie.htm" target="_blank">Stimmung</a> dargestellt, in der das Objektive (die Nacht, der Sternenschein, das Mondlicht…) von subjektiven Empfindungen durchdrungen und von diesen in  einen &#252;ber-objektiven Zusammenhang hinein sogar „aufgel&#246;st“. Und diese Subjektivit&#228;t dr&#252;ckt sich in der metaphorischen Sprache aus, zu der Lesende einen subjektiven Zugang finden m&#252;ssen, soll der in dem Stimmungsgedicht enthaltene Funke auf ihn &#252;berspringen.</p>

<p>Doch auch damit ist es noch nicht getan. Die letzte Strophe schlie&#223;t den Rahmen, greift den Wunsch wieder auf, dass die „heimliche Welt“ (V. 2) „aus der Ferne“ (V. 1) zum lyrischen Ich sprechen m&#246;ge. Und so stellt das Gedicht nicht die Stimmung selbst dar, die in ihr doch beschrieben wird, sondern ist Ausdruck nach der Sehnsucht, dass sich diese Stimmung wieder einstelle. Das Gedicht reflektiert auf die Ursachen („Wenn“), aus denen sich die Stimmung ergibt („dann“), ist eine Art Bedienungsanleitung, unter welchen Bedingungen sich das <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">romantische</a> Gef&#252;hl und die Erfahrung des „Alles ist freundlich wohlwollend verbunden“ (V. 29) einstellt.</p>

<p>Das lyrische Ich hat diesen Zustand erfahren; in diesen Zustand sehnt es sich zur&#252;ck und l&#228;dt die Lesenden dazu ein, sich mit ihm und doch f&#252;r sich selbst auf den Weg zu dieser Erfahrung zu machen, die die Welt in ihren Tiefendimensionen erschlie&#223;t, die Augen, das Ohr, das ganze F&#252;hlen des Menschen auf diese Tiefendimensionen hin einstellt und diese f&#252;r die „heimliche Welt“ (V 2, 34) &#246;ffnet.</p>

<p>Clemens Brentano hat mit „Sprich aus der Ferne“ ein programmatisch f&#252;r den Weltzugang der Romantik stehendes Gedicht geschaffen, das in seiner komplexen Verwobenheit von Inhalt und Form selbst die Ganzheitlichkeit abbildet, die es ansprechen,  die es wecken und ausdr&#252;cken will. Diese Ganzheitlichkeit des Gedichtes macht dieses Gedicht zu einem meisterhaften Kunstwerk, das die M&#246;glichkeiten des sprachlichen Ausdrucks zur Zeit seiner Entstehung umfassend nutzt und sie in seiner Zeit auch an die Grenzen des Ausdr&#252;ckbaren heranf&#252;hrt. Und dort, wo diese Grenze des Ausdr&#252;ckbaren erreicht ist, beginnt der „leis[e]“ (V. 11), gl&#228;nzend „klingender“ (V 17f.), „freundlich[e]“ (V. 26) „schimmernde[…]“ (V. 26, 27) Erfahrungsraum, der das lyrische Ich schweigend staunend in die Tiefendimensionen der Wirklichkeit, in die schweigende Faszination angesichts der Wirklichkeit eintauchen l&#228;sst.</p>

<p><em></p>

<blockquote>Diese Interpretation ist eine m&#246;gliche. Wenn Sie andere Gedanken zu dem Gedicht haben, andere Ideen, etwas vertiefen oder erg&#228;nzen wollen, w&#252;rde ich mich sehr freuen, wenn Sie die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag nutzen w&#252;rden.</em></blockquote>

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		<title>Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Das zerbrochene Ringlein (In einem k&#252;hlen Grunde)</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 22:18:09 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Das zerbrochene Ringlein (In einem k&#252;hlen Grunde) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.Beruht auf einem Inhalt unter herrlarbig.de.&#220;ber diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse k&#246;nnen Sie unter http://herrlarbig.de/kontakt erhalten. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/08/26/gedichtinterpretation-joseph-von-eichendorff-das-zerbrochene-ringlein-in-einem-kuehlen-grunde/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Gedichtinterpretation: Joseph von Eichendorff, Das zerbrochene Ringlein (In einem k&#252;hlen Grunde)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.<br />Beruht auf einem Inhalt unter <a xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://herrlarbig.de/2010/08/26/gedichtinterpretation-joseph-von-eichendorff-das-zerbrochene-ringlein-in-einem-kuehlen-grunde/" rel="dct:source">herrlarbig.de</a>.<br />&#220;ber diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse k&#246;nnen Sie unter <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/kontakt " rel="cc:morePermissions">http://herrlarbig.de/kontakt </a> erhalten.</em></p>

<p>Joseph von Eichendorff (1788–1857)<br />
<strong> Das zerbrochene Ringlein</strong></p>

<p>In einem k&#252;hlen Grunde<br />
Da geht ein M&#252;hlenrad,<br />
Mein&#8217; Liebste ist verschwunden,<br />
Die dort gewohnet hat.<br /></p>

<p>Sie hat mir Treu versprochen,<br />
Gab mir ein&#8217;n Ring dabei.<br />
Sie hat die Treu&#8217; gebrochen,<br />
Mein Ringlein sprang entzwei.<br /></p>

<p>Ich m&#246;cht&#8217; als Spielmann reisen<br />
Weit in die Welt hinaus,<br />
Und singen meine Weisen,<br />
Und gehn von Haus zu Haus.<br /></p>

<p>Ich m&#246;cht&#8217; als Reiter fliegen<br />
Wohl in die blut&#8217;ge Schlacht,<br />
Um stille Feuer liegen<br />
Im Feld bei dunkler Nacht.<br /></p>

<p>H&#246;r ich das M&#252;hlrad gehen:<br />
Ich wei&#223; nicht, was ich will -<br />
Ich m&#246;cht am liebsten sterben,<br />
Da w&#228;r&#8217;s auf einmal still!</p></p>

<p>Ein M&#252;hlrad rauscht gleichm&#228;&#223;ig, angetrieben von einem fortlaufend flie&#223;endem Bach. (V2) So beginnt Joseph von Eichendorffs Gedicht „Das zerbrochene Ringlein“ und es scheint fast, als habe Eichendorff dieses Bild eines M&#252;hlrades als formalen Rahmen des Gedichtes gesetzt: Gleichm&#228;&#223;ig str&#246;men die dreihebigen Jamben durch die 20 Verse, die in Vierergruppen auf f&#252;nf Strophen aufgeteilt sind, gleichm&#228;&#223;ig wird der Kreuzreim verwendet. Doch bereits in der ersten Strophe bricht sich der Reim der Verse 2 und 4, erklingt ein unreines Reimpaar, wenn auf „M&#252;hlenrad“ „hat“ reimt. – Das gleichm&#228;&#223;ige Drehen des M&#252;hlenrades, der, im Gedicht freilich nicht genannte, aber wohl mitzudenkende, gleichm&#228;&#223;ige Fluss des Bachs, werden als etwas „Gebrochenes“ zur Sprache gebracht, denn dieser Anblick ist f&#252;r das lyrische Ich mit der Erinnerung an „mein Liebste“ (V3) verbunden, von der er sich verraten f&#252;hlt, denn „Sie hat die Treu gebrochen” (V7).</p>

<p>Nun blickt das lyrische Ich auf den Ort, an dem die Geliebte einst wohnte, erinnert sich des Treuebruchs und der Ring, der in seiner geschlossenen, kreisf&#246;rmigen Gestalt ein Symbol f&#252;r das Unzerbrochene, das Vollkommene, das Ewige ist, „sprang entzwei“ (V8).</p>

<p>Was tun in ein solcher Situation? Das lyrische Ich &#252;berlegt: Will er ein Spielmann sein, der durch die Lande reist (V9)? Oder vielleicht ein Reiter, der sich in das Get&#252;mmel der Schlacht st&#252;rzt? Auch wenn die &#220;berlegungen in den Strophen 3 und 4 mit einem Punkt enden, so sind es doch auch Fragen, ob einer dieser Wege, die in die Ferne f&#252;hren, weg von den Orten, an denen der Anblick der M&#252;hle die schmerzliche Erinnerung immer wach h&#228;lt, dem Leid des lyrischen Ichs ein Ende setzen kann.</p>

<p>Die letzte Strophe, in der das lyrische Ich den Klang des M&#252;hlrads als Ausl&#246;ser der Gedanken, die in dem Gedicht ge&#228;u&#223;ert werden, wieder aufgreift, gibt Antwort: Das lyrische Ich ist zu einer Antwort auf die Frage nicht f&#228;hig, erkennt vielleicht, dass auch die Flucht die Erinnerung nicht tilgen wird. Und so bekommt das M&#252;hlenrad aus V2 in Strophe 5 eine symbolische Bedeutung. Es steht f&#252;r die st&#228;ndig sich aufdr&#228;ngende Erinnerung, f&#252;r die melancholisch gepr&#228;gte Entscheidungsunf&#228;higkeit, die mit dieser Erinnerung verbunden ist, f&#252;r das gleichm&#228;&#223;ig das ganze lyrische Ich durchdringende und bestimmende Leiden an der zerbrochenen Liebe, f&#252;r den Teufelskreis, in den dieses Leiden das lyrische Ich gezogen hat. Das M&#252;hlrad wird zum Rad, auf das das lyrische Ich aufgespannt ist, wie es die Opfer mittelalterliche Justiz waren, die ger&#228;dert wurden. Das lyrische Ich f&#252;hlt sich „wie ger&#228;dert“. Wir kennen diesen Ausspruch bis heute, der bisweilen genutzt wird, wenn Menschen sich m&#252;de, aller Energie beraubt oder depressiv f&#252;hlen. – Das ist gro&#223;e Kunst: Nicht zu sagen, dass man sich ger&#228;dert f&#252;hlt, sondern einen scheinbar konkreten Gegenstand zu nehmen, der unter der Hand mit ambivalenten, letztlich nicht v&#246;llig aufl&#246;senbaren Bedeutungen verbunden wird.</p>

<p>Ja, das lyrische Ich muss sich eingestehen, dass es nicht wei&#223;, was es angesichts des L&#228;rms, den das M&#252;hlrad erzeugt – wohl mehr innerlich, als Ankerpunkt der Erinnerung – eigentlich will. Und so greift es zur finalen Phantasie des Sterben-Wollens, denn dann „w&#228;r’s auf einmal still!“ (V20). Ein Ausrufezeichen, gepaart mit dem Wort „still“ (V20) beschlie&#223;en das Gedicht und bringen die Sehnsucht des lyrischen Ichs auf den Punkt, die ein wenig vereinfacht mit einem „Ich will endlich meine Ruhe haben“ zusammengefasst werden kann. „Still!“, ihr Gedanken, Erinnerungen, Gef&#252;hle, Seelenschmerzen, schweigt endlich. „Still!“</p>

<p>Dieses „Still!“ ist aber auch ein Appell an die eigenen Gedanken, an die eigenen Fluchtw&#252;nsche, die in den Strophen 3 und 4 zum Ausdruck kommen. In Strophe 3 ist es die Flucht in die Heimatlosigkeit des Spielmanns, der, berufsbedingt, kaum in die Lage kommen wird, sich weiteren tiefen menschlichen Beziehungen stellen zu m&#252;ssen, nach dem er einmal so verletzt wurde, wie das lyrische Ich des Gedichts.</p>

<p>Und auch das Soldatenleben, wie es in Strophe 4 imaginiert wird, ist ein unruhiges, unstetes Leben. Todesgefahr begleitet dieses Leben. Hier taucht der Todeswunsch schon indirekt auf, der dann in Strophe 5 direkt ausgesprochen wird.</p>

<p>Das Vergessen wird so nicht erreicht. Das lyrische Ich sehnt sich letztlich nach Erl&#246;sung. F&#252;r diese Erl&#246;sung steht das „still!“ als letztes Wort des Gedichts.</p>

<p>Eichendorffs „Das zerbrochene Ringlein“ ist Ausdruck der hohen Kunst der Lyrik: Inhalt und Form sind ineinander verwoben, spiegeln sprachm&#228;chtig und doch in einfachen Worten eine ganze Seelenlage in 20 kurzen Versen wider, die auch einen heutigen Leser in sich hinein ziehen k&#246;nnen.</p>

<p>Das so einfach wirkende Gedicht ist komplex. Und auch die gerade noch unterstellten „einfachen Worte“ wirken nur einfach, denn zumindest im ersten Vers taucht mit der Formulierung „In einem k&#252;hlen Grunde“ gehobene Sprache auf. Gemeint ist ein k&#252;hles Tal, in der die M&#252;hle steht. Und selbst dieses Bild, das „k&#252;hl“ und „Grunde“ kombiniert, kann, so sehr es als Ortsbeschreibung daher kommt, bereits als Zusammenfassung der Gef&#252;hle des lyrischen Ichs betrachtet werden. Vom „k&#252;hlen Grunde“ ist es nicht weit zur inneren K&#252;hle, die jemand versp&#252;rt, der am Abgrund steht oder aus der Tiefe des Tals den Blick nur bis zu dessen Begrenzungen schweifen lassen kann und so keinen Horizont sieht, keine Perspektive f&#252;r das eigene Leben mehr erkennen kann, eine Vorausdeutung, die aber erst vom Ende des Gedichtes her zu erkennen ist. Und so schlie&#223;t sich das „Rad“ dieses Gedichtes, so treten Ende und Anfang das Gedichts in Verbindung und bilden wohl eine der sch&#246;nsten, traurigsten und nachvollziehbarsten Dichtungen &#252;ber das so oft besungene Thema des Leidens an zerbrochener Liebe. Und entsprechend wurde das Gedicht auch rezipiert: Heute ist es als Volkslied bekannt.</p>

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		<title>Nachdenk-Minute nach H. Meyer: Was ist guter Unterricht?</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 19:58:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Hilbert Meyer l&#228;dt in „Was ist guter Unterricht?“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/25/nachdenk-minute-nach-h-meyer-was-ist-guter-unterricht/#footnote_0_3637" id="identifier_0_3637" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hilbert Meyer, Was ist guter Unterricht?, Berlin (Cornelsen Scriptor) 2004, S. 10f.">1</a></sup> die Lesenden dazu ein, kurz einmal inne zu halten und sich selbst einigen Fragen zum eigenen Unterrichtsverst&#228;ndnis zu stellen. Das will ich dann also auch in diesem Lesetagebuch tun und die Fragen (vorl&#228;ufig!) beantworten, auch wenn ich genau wei&#223;, dass sich die Antworten auf  diese Fragen in einem Fluss der st&#228;ndigen Reflexion befinden. Es handelt sich also um vorl&#228;ufige Antworten, die schon in ein paar Wochen ganz anders ausfallen k&#246;nnten. Zudem handelt es sich um recht spontane Reaktionen.</p>

<p>A) Was sind f&#252;r mich pers&#246;nlich die zwei wichtigsten Merkmale guten Unterrichts?</p>

<p>Lieber Herr Meyer, Sie selbst haben angek&#252;ndigt, dass sie in ihrem Buch mindestens zehn Merkmale guten Unterrichts vorstellen wollen. Und jetzt erwarten Sie von mir, dass ich mich auf zwei Merkmale beschr&#228;nke. Glauben Sie wirklich, ich k&#246;nnte meine &#220;berlegungen in zwei Kriterien darlegen? Nun gut, ich nehme die Herausforderung an, aber nicht ohne den Hinweis, dass es durchaus noch mehr Kriterien f&#252;r mich gibt.</p>

<ol>
    <li>Im Zentrum des Unterrichts stehen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler. Ein wichtiges Merkmal guten Unterrichts ist f&#252;r mich, dass diese, jeweils konkret zu einer Lerngruppe geh&#246;renden, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in kognitive Prozesse einzusteigen verm&#246;gen, dass von Faktenwissen ausgehend Denkleistungen m&#246;glich werden, die &#252;ber das reine Faktenwissen hinaus gehen und reflektierende Transformationen des Faktenwissen stattfinden. Dazu geh&#246;ren sowohl die Reorganisation und der Transfer des Wissens, als auch die F&#228;higkeit, das Wissen im Rahmen von Meinungsbildungsbildungsprozessen argumentativ einsetzten zu k&#246;nnen.</li>
    <li>Da <a href="http://herrlarbig.de/2009/02/03/ldl-und-tzi/" target="_blank">ich selbst</a> die Hintergrundtheorie der Themenzentrierten Aktion (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Themenzentrierte_Interaktion" target="_blank">TZI</a>) als hilfreich f&#252;r die Gestaltung des Unterrichts akzeptiert habe, beruht mein zweites Kriterium auf einem ausgeglichenen Verh&#228;ltnis zwischen den Bed&#252;rfnissen der einzelnen Personen einer Lerngruppe, dem Gesamt der Lerngruppe und den in diesem Zusammenhang zu thematisierenden „Sachen“. Aus diesem Zusammenspiel ergeben sich die Themen. Dabei gilt es, die <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CBYQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.mbnord.de%2Fallgemeines%2Fschulentwicklung%2Fdaten%2Ftzi.pdf&amp;ei=SnR1TLHTBYLHswbj2tTjBQ&amp;usg=AFQjCNFsxHaTs154mh3ieNLFcFvDd58XBQ" target="_blank">Axiome und Postulate</a> zu ber&#252;cksichtigen, die im Rahmen des Konzepts der Themenzentrierten Interaktion entwickelt wurden. Das hei&#223;t aber auch: Faktenwissen und damit verbundene kognitive Leistungen stehen nicht allein, sondern sind Teil eines Prozesses des gemeinsamen Arbeitens in einer spezifischen Lerngruppe und von diesem Prozess abh&#228;ngig. Das Thema des (guten) Unterrichts wird nicht nur vor der Sache bestimmt, sondern ist immer das Ergebnis eines Prozesses, aus dem sich die Themen dann ergeben. Kurz: Man kann in verschiedenen Klassen bei der Erarbeitung z. B. eines gleichen Gedichts (Sache) unterschiedliche Themen haben und so auch andere Schwerpunkte setzen, ohne dass das Wissen, wie es der Lehrplan fordert, darunter leidet. (s. u.)</li>
</ol>

<p>B) Der Unterrichtserfolg wird nach meiner Auffassung am meisten gef&#228;hrdet durch…</p>

<p>… eine Reduktion der Inhalte von Unterricht auf die Sache (den Unterrichtsgegenstand) selbst, ohne Ber&#252;cksichtigung der Individuen und der Gruppendynamik, die sich aus dem Zusammentreffen der individuellen Charaktere und Lerntypen ergibt. Die zu erarbeitende „Sache“ f&#252;hrt erst im Zusammenspiel von individuellen Aspekten und der Dynamik einer Lerngruppe zu einem Thema. Die Sache ist noch nicht das zu erarbeitende Thema. (s. o.)</p>

<p>C) Welche zwei Merkmale eines langfristig erfolgreichen Unterrichts k&#246;nnten die empirschen Unterrichtsforscher als „Spitzenreiter“ (Merkmale gr&#246;&#223;ter Einflussst&#228;rke) ermittelt haben?</p>

<ol>
    <li>Transparenz, Strukturiertheit und Zielorientierung.</li>
    <li>Ausgewogenes Verh&#228;ltnis zwischen Wissenvermittlung und Freir&#228;umen f&#252;r das eigenst&#228;ndige Erarbeiten konkreter Themen, die die Interessen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler so weit wie m&#246;glich ber&#252;cksichtigen.</li>
</ol>

<p>Ich habe gerade keine Ahnung, ob die hier gegebenen Antworten den Erwartungen Meyers entsprechen. Aber es geht hier ja auch um eine erste Bestandsaufnahme. Ich bin sehr gespannt, inwiefern diese Positionen bei der weiteren Erarbeitung der Gedanken Meyer haltbar bleiben oder revidiert werden m&#252;ssen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus glaube ich, mit dieser „Nachdenk-Minute“ genug Ans&#228;tze f&#252;r eine Diskussion &#252;ber guten Unterricht zu geben, sodass die Kommentarfunktion hoffentlich eifrig und konstruktiv genutzt wird. Bin gespannt…<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Nachdenken &#252;ber (guten!) Unterricht</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 22:25:33 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Lesetageb&#252;cher sind ein beliebtes Instrument, um mit literarischen Werken in unterschiedlichen Schulstufen umzugehen. Interessant finde ich dabei, dass viele Lehrerinnen und Lehrer, die das Lesetagebuch als Methode im Unterricht einsetzen, selbst nie ein solches im Unterricht erstellt haben – zumindest &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/08/17/nachdenken-ueber-guten-unterricht/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lesetagebuch" target="_blank">Lesetageb&#252;cher</a> sind ein beliebtes Instrument, um mit literarischen Werken in unterschiedlichen Schulstufen umzugehen. Interessant finde ich dabei, dass viele Lehrerinnen und Lehrer, die das <a href="http://wiki.zum.de/Lesetagebuch">Lesetagebuch</a> als Methode im Unterricht einsetzen, selbst nie ein solches im Unterricht erstellt haben<span id="more-3616"></span> – zumindest bis jetzt. Das wird sich in den kommenden Lehrergenerationen sicherlich &#228;ndern.</p>

<p>Deshalb habe ich mich entschieden, hier einmal selbst ein Lesetagebuch zu f&#252;hren und meine Gedanken und Ideen zu unterschiedlichen Perspektiven auf (guten) Unterricht und professionelles Verhalten von Lehrerinnen und Lehrern im Rahmen einer wiederholten Lekt&#252;re von Hilbert Meyers „Was ist guter Unterricht“ festzuhalten.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/17/nachdenken-ueber-guten-unterricht/#footnote_0_3616" id="identifier_0_3616" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Hilbert Meyer, Was ist guter Unterricht, Berlin (Cornelsen Scriptor) 2004.">1</a></sup></p>

<p>Ich f&#252;hre diese Lesetagebuch so, wie ich mir durchaus auch vorstellen k&#246;nnte, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, sofern sie und ihre Erziehungsberechtigten damit einverstanden sind, heute ein Lesetagebuch f&#252;hren k&#246;nnten und dabei gleichzeitig die Sekund&#228;rerfahrung der &#214;ffentlichkeit machen k&#246;nnten.</p>

<p>Dennoch ist es ein Experiment, dass ich hier auf diesem Blog eine eigene Kategorie „Lesetagebuch“ einrichte und so selbst Erfahrungen damit sammeln will, ob ein solches Format f&#252;r Dritte &#252;berhaupt interessant ist. „&#214;ffentlichkeit“ um ihrer selbst Willen, halte ich n&#228;mlich f&#252;r reichlich sinnlos.</p>

<p>Wenn ich Material oder, wie es auf Neudeutsch hei&#223;t, „Content“ zur Verf&#252;gung stelle, dann geht es nat&#252;rlich darum, dass Lesende dieser Inhalte diese m&#246;glichst selbst als eine Anregung erfahren sollen, gegebenenfalls eigene Gedanken zu den Themen zu entwickeln.  Wenn dies geschehen w&#252;rde und meine eigenen Notizen und Gedanken zu Hilbert Meyers &#220;berlegungen andere zum Mitdenken anregen w&#252;rden, w&#252;rde mich das sehr freuen, weil es meiner Vorstellung eines Blogs als Teil eines kommunizierenden Netzwerkes entsprechen w&#252;rde.</p>

<p>Dieses Mitdenken kann in Form von Kommentaren zu den Beitr&#228;gen geschehen, aber auch durch eigene Beitr&#228;ge in Blogs, die hier dann als „Trackback“ erscheinen k&#246;nnten, sodass sich die Vernetzung von Leuten, die am Thema (guter) Unterricht interessiert sind, so auch einen physischen Ausdruck bekommen w&#252;rde.</p>

<p>Ich habe nur eine vage Vorstellung davon, welche Themen in diesem Lesetagebuch als Teil meines Blogs aufgegriffen werden k&#246;nnen. Ich kann mir vorstellen, dass in diesem Rahmen auch einige eher kurze Beitr&#228;ge entstehen werden.</p>

<p>Dies ist ein Experiment, denn mir f&#228;llt auf, dass es konkrete Lesetageb&#252;cher online, zumindest im Rahmen meiner Suchroutinen im Netz, kaum gibt; mir f&#228;llt auf, dass Lehrende, die ein Blog f&#252;hren zwar oft &#252;ber Werke schreiben, die im Unterricht gelesen werden, aber kaum etwas zu Werken verlauten lassen, die sie im Rahmen ihres eigenen Reflexionsprozess &#252;ber Unterricht bearbeiten.</p>

<p>Ich habe mich entschieden, mich auf diese Experiment einzulassen und w&#252;rde mich &#252;ber wohlwollend konstruktive Begleitung freuen, die nicht nur Kollegen und Kolleginnen leisten k&#246;nnen, sondern im Prinzip jeder und jede, der oder die sich mit der Frage der Qualit&#228;t von Unterricht besch&#228;ftigt bzw. besch&#228;ftigen will.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

<ul class="similar-posts"><li><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/25/nachdenk-minute-nach-h-meyer-was-ist-guter-unterricht/" rel="bookmark" title="25. August 2010">Nachdenk-Minute nach H. Meyer: Was ist guter Unterricht?</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/08/17/mischwald-und-monokultur-offene-unterrichtsformen-und-direkte-instruktion/" rel="bookmark" title="17. August 2010">Mischwald und Monokultur: Offene Unterrichtsformen und direkte Instruktion</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/08/schueleraktivitaet-im-unterricht-die-affenmetapher/" rel="bookmark" title="8. November 2010">Sch&#252;leraktivit&#228;t im Unterricht: Die Affenmetapher</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/03/16/handys-und-mp3-geraete-an-der-schule/" rel="bookmark" title="16. M&#228;rz 2009">Handys und MP3-Ger&#228;te an der Schule?</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/01/17/herrlarbig-jetzt-auch-hoeren/" rel="bookmark" title="17. Januar 2010">herrlarbig jetzt auch h&#246;ren</a></li>
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	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/tag/blog/" title="Blog" rel="tag">Blog</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/blogs/" title="Blogs" rel="tag">Blogs</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buch/" title="Buch" rel="tag">Buch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buecher/" title="Bücher" rel="tag">Bücher</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/content/" title="Content" rel="tag">Content</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/erfahrungen/" title="Erfahrungen" rel="tag">Erfahrungen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/form/" title="Form" rel="tag">Form</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lesetagebuch/h-meyer-guter-unterricht/" title="H. Meyer – Guter Unterricht" rel="tag">H. Meyer – Guter Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/inhalt/" title="Inhalt" rel="tag">Inhalt</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lehrende/" title="Lehrende" rel="tag">Lehrende</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lehrer/" title="Lehrer" rel="tag">Lehrer</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lehrerin/" title="Lehrerin" rel="tag">Lehrerin</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lektuere/" title="Lektüre" rel="tag">Lektüre</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lesen/" title="lesen" rel="tag">lesen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lesetagebuch/" title="Lesetagebuch" rel="tag">Lesetagebuch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/mitdenken/" title="Mitdenken" rel="tag">Mitdenken</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/netzwerk/" title="Netzwerk" rel="tag">Netzwerk</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/notizen/" title="Notizen" rel="tag">Notizen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/qualitaet/" title="Qualität" rel="tag">Qualität</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/reflexion/" title="Reflexion" rel="tag">Reflexion</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schueler/" title="Schüler" rel="tag">Schüler</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/schuelerinnen/" title="Schülerinnen" rel="tag">Schülerinnen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/vernetzung/" title="Vernetzung" rel="tag">Vernetzung</a><br />
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		<title>Sprache und Technik</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Mar 2010 13:28:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eigentlich sind alle technischen Medien immer von der Schriftsprache im Kopf bestimmt. Wie funktionieren Audio &#38; Video, wenn keine schriftlichen Konzepte vorliegen? Wird das, was ohne vorgelagerten schriftlichen Entwurf entsteht vielleicht deshalb als unprofessionell empfunden, weil die Authentizit&#228;t der direkten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/27/sprache-und-technik/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich sind alle technischen Medien immer von der Schriftsprache  im Kopf bestimmt.</p>

<p>Wie funktionieren Audio &amp; Video, wenn keine schriftlichen  Konzepte vorliegen? Wird das, was ohne vorgelagerten schriftlichen  Entwurf entsteht vielleicht deshalb als unprofessionell empfunden, weil  die Authentizit&#228;t der direkten Gestaltung des Dialoges mit der  Wirklichkeit jenseits unserer Gewohnheiten liegt? Ist die von Schrift  erzeugte „Professionalit&#228;t“ in Audio und Video nur die Vort&#228;uschung  eines „glatten” Denkens, ohne Ecken und Kanten, ohne Umwege, ohne Z&#246;gern  und Versprechen?</p>

<p>Auf schriftlichen Konzepten basierende Audio- und Videoproduktionen  erscheinen dann meist so, dass die Schriftsprache als Hintergrund der  Produktion nicht gezeigt wird. Es soll sogar der Eindruck entstehen,  dass hier nicht abgelesen wird. Unsere Medien sind voll von solchen  Vort&#228;uschungen der Authentizit&#228;t. Nur manchmal, wenn etwas  Unvorhergesehenes eintritt, entsteht echte (?) Authentizit&#228;t (?), taucht  die vermittelnde Person in den Inhalten als Person auf.</p>

<p>Haben wir  die M&#246;glichkeiten des professionellen und authentischen  Dialoges mit der Wirklichkeit, der nicht &#252;ber Schriftsprache sondern  m&#252;ndlich in Audio und visuell &#252;ber Video vermittelt wird, noch viel zu  wenig ausgelotet? Ist die Oberfl&#228;che dieser Produktionen nicht oft viel  zu glatt, um einen authentischen Dialog mit der Wirklichkeit zu  vermitteln?</p>

<p>Das sind Fragen. Und in diesen Fragen die eine Frage, wie weit die  Schriftsprache unser Denken, unser Vorstellen und unsere Begegnung mit  der uns „ansprechenden“ Wirklichkeit gepr&#228;gt hat. K&#246;nnen wir &#252;berhaupt  noch anders? Und wie sieht eine Nutzung medialer Formen wie Audio und  Video m&#246;glicherweise aus, wenn jemand die ihnen eigenen M&#246;glichkeiten  auslotet und nutzt?</p>

<p>Wie unterscheidet sich die Sprache des Sprechens von der Sprache des  Sehens von der Sprache des Schreibens? Und dann auch noch die Frage, wie  sich die audiovisuelle Darstellungen, wenn sie einen eigenen Anspruch  als mediale Form der Vermittlung stellen, von schriftlichen oder gar  verlesenen schriftlichen Darstellungen unterscheiden?</p>

<blockquote>Literatur zum Thema: Richard Schaeffler, Erfahrung als  Dialog mit der Wirklichkeit. Eine Untersuchung zur Logik der Erfahrung,  Freiburg 1995.

Die Texte von Fritz Mauthner, die <a href="http://www.textlog.de/mauthner.html" target="_blank">hier zu  finden</a> sind.</blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Kompetenzenorientierung im Unterricht? Ein Beispiel</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jan 2010 23:02:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit einiger Zeit befasse ich mit Audioboos. Und seit ein paar Tagen gibt es jetzt auch welche zum Anh&#246;ren. Dazu habe ich hier ja schon was gesagt. Nun ist mir aber aufgefallen, dass diese Audioboos als ein Beispiel f&#252;r die &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/01/25/kompetenzenorientierung-im-unterricht-ein-beispiel/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einiger Zeit befasse ich mit Audioboos. Und seit ein paar Tagen gibt es jetzt auch welche zum Anh&#246;ren. Dazu habe ich <a href="http://herrlarbig.de/2010/01/17/herrlarbig-jetzt-auch-hoeren/">hier</a> ja schon was gesagt.</p>

<p>Nun ist mir aber aufgefallen, dass diese Audioboos als ein Beispiel f&#252;r die Rede von „Kompetenzen“ darstellen k&#246;nnen, die oft und ausf&#252;hrlich in der heutigen Bildungslandschaft anzutreffen ist. Auch dazu habe ich <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/">mich schon ge&#228;u&#223;ert</a>. In diesem &#228;lteren Beitrag legte ich Wert darauf, dass Inhalt und Kompetenzen, dass Wissen und Kompetenzen zusammengeh&#246;ren und eben nicht davon ausgegangen werden kann, dass nun pl&#246;tzlich irgendwelche F&#228;higkeiten das Wissen ersetzen sollen. Im Gegenteil: Ein recht verstandener Kompetenzenbegriff erweitert gleichzeitig das Wissen desjenigen, der sich die Kompetenzen aneignet</p>

<p>Mein Beispiel hier ist die Arbeit mit Audiodateien. Die Kompetenz als Ziel in einem Lernzusammenhang k&#246;nnte wie folgt formuliert werden:</p>

<p><em>Der Lernende ist in der Lage, mithilfe der ihm verf&#252;gbaren technischen M&#246;glichkeiten Audiodateien zu erzeugen und zu ver&#246;ffentlichen. Diese Audiodateien haben einen relevanten Inhalt.</em></p>

<p>Das klingt erst einmal sehr pauschal und ist im Grunde noch wenig differenziert, was die eigentlichen Herausforderungen betrifft, mit denen ein Lernender in diesem Falle konfrontiert ist. Die hier einmal beispielhaft formulierte Kompetenz kann n&#228;mlich auf ganz unterschiedlichem Niveau umgesetzt werden.</p>

<ol>
    <li>Der Lernende nimmt z. B. die Audioboo-App, spricht kurz und assoziativ etwas zu einem Thema ein, f&#252;gt ein Foto hinzu und l&#228;dt das Ganze hoch. Fertig.</li>
    <li>Der Lernende schreibt ein Manusskript f&#252;r einen Audiobeitrag, liest dieses als Audiodatei ein und l&#228;dt sie bei Audioboo hoch.</li>
    <li>Der Lernende entwickelt in Form von Stichworten ein Grundstruktur der Inhalte und des Verlaufs einer Aufnahme und spricht diese, seinen Notizen folgend, ein und l&#228;dt sie auf eine vorgefertigte Plattform hoch. (Neben audioboo sei hier z. B. noch audiyou.de genannt)</li>
    <li>Der Lernende produziert einen Beitrag und bearbeitet diesen in einer Software wie audacity nach. Der Beitrag wird geschnitten, gegebenenfall wird die Qualit&#228;t der Aufnahmen &#252;ber Filter optimiert. Anschlie&#223;end wird der Beitrag im Netz zur Verf&#252;gung gestellt.</li>
    <li>Der Lernende spricht einen Beitrag zu einem Thema frei und konsistent ein, da er sich mit dem Thema im Vorfeld intensiv besch&#228;ftigt hat und sich dementsprechend so gut auskennt, dass freies Sprechen zum Thema m&#246;glich ist. Zudem ist der Lernende in der Lage, dar&#252;ber zu entscheiden, ob eine Aufnahme nachbearbeitet werden muss und kann diese Nachbearbeitung auch angemessen durchf&#252;hren, um dann zu entscheiden, auf welcher Plattform und in welchem Kontext diese Aufnahme zur Verf&#252;gung gestellt wird. Dabei wird bevorzug eine Plattform gew&#228;hlt, die eine Diskussion zu dem Beitrag erm&#246;glicht. Diese Diskussion wird gegebenenfalls intensiv wahrgenommen und tr&#228;gt zur Reflexion der eigenen Arbeit bei.</li>
</ol>

<p>Es g&#228;be sicher noch Zwischenstufen zu den hier genannten Kompetenzstufen. Diese seien als Beispiel genannt, das sicher noch verbesserungsf&#228;hig ist, wenn es bis in die letzten Details dann auch diskutiert und angepasst w&#252;rde.</p>

<p>Die genannte Komptenzstufen setzen unterschiedliches Wissen voraus, die ihr Erreichen erm&#246;glichen. Was aber muss gewusst werden:</p>

<ol>
    <li>Je besser sich der Lernende in den Inhalten auskennt, zu denen er einen H&#246;rbeitrag konzipiert und produziert, um so freier kann der Text eingesprochen werden ohne nur rein assoziativ zu sein. Der Inhalt des H&#246;rbeitrages h&#228;ngt also zentral von dem ab, was klassischerweise als Wissensbest&#228;nde der Bildung angesehen wird. Diese Wissensbest&#228;nde werden klassischerweise vor allem mit schriftlichen Anwendungskompetenzen verbunden (Klassenarbeiten, Refereate [die verlesen werden]). Andere Kompetenzbereich werden in der Regel alleine auf die Inhalte hin abgestimmt und sind als Methoden im Unterricht vor allem f&#252;r das Erreichen didaktischer Zieler eingesetzt, ohne selbst in allen F&#228;llen eigenst&#228;ndig in dem Zusammenhang reflektierte Kompetenzen zu sein.</li>
    <li>Neben das „klassische“ Wissen aus einem Fach wird in dem hier vorgestellten Beispiel Wissen und Kompetenz in einem zweiten Bereich verlangt, der mit den Inhalten verbunden ist. Es soll eine H&#246;raufnahme produziert werden. Neben den fachlichen Inhalten, gilt es, an dieser Stelle auch Wissen &#252;ber eine und die F&#228;higkeit beim Umgang mit einer medialen Form zu erwerben und anzuwenden, wobei das Ziel eine Ver&#246;ffentlichung ist. Die Methode dient also nicht nur didaktischen Zwecken und somit zum Erlangen des Wissens, sondern ist als Kompetenz selbst noch einmal Wissen generierend. Hier wird also die fachliche Seite mit einer medienp&#228;dagogischen Seite verbunden, die &#252;ber das Fachwissen hinaus Kenntnisse (Wissen!) erm&#246;glicht, die selbst wieder reflexiv werden k&#246;nnen (Wie werden Rundfunkbeitr&#228;ge gemacht? Was sind technische Voraussetzungen? Welche Verk&#252;rzungen sind da n&#246;tig? Woran kann man h&#246;ren, ob ein Sprecher im Radio wei&#223;, wovon er spricht? Sind Produktionen aufwendig oder eher einfach? &#220;ber welche Kan&#228;le kann Aufmerksamkeit gewonnen werden? Wie geht das? Was ist beim Mikrofonsprechen anders als beim normalen Sprechen…)</li>
</ol>

<p>H&#228;ufig wird in der Kompetenzendiskussion als Beispiel zur Diskreditierung der Denkweise angef&#252;hrt, dass Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen nun lernen sollten, wie man einen beh&#246;rdlichen Fragebogen ausf&#252;llt. W&#252;rde Kompetenzenorientierung im Unterricht alleine auf so etwas hin ausgerichtet sein, so w&#228;re es sicher angebracht, diese Ausrichtung von Schule und Unterricht selbst kritisch zu hinterfragen. Wenn aber anhand eines solchen beh&#246;rdlichen Fragebogen die Hintergr&#252;nde der Fragen, der Grund und Art der Weiterverarbeitung der gemachten Angaben und die Konsequenzen aus m&#246;glichen Entscheidungen, die dann getroffen werden, mit thematisiert werden, dann w&#228;ren wir schon bei einem an Inhalten und Kompetenzen interessiertem Unterricht, der Wissen mit Relevanz zu verbinden vermag – und somit zu einem umfassenderen, integrierteren und wom&#246;glich auch &#252;ber einen Leistungsnachweis hinaus reichenden Wissen f&#252;hren kann.</p>

<p>Das klingt erst einmal nach einem problemorientiertem Unterricht. Es unterscheidet sich von diesem insofern, dass problemorientierter Unterricht sich oft an rein inhaltlichen Problemen orientiert und Wissen von einer anwendungsorientierten Problemorientierung unter Umst&#228;nden abtrennt.</p>

<p>Diese Gefahr besteht &#252;brigens auch im Kontext der Kompetenzenorientierung von Unterricht, wenn die Kompetenzen rein inhaltlich gedacht werden. Dann k&#246;nnte man z. B. als Kompetenz formulieren, dass ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin in der Lage ist, einen Text angemessen zusammenzufassen, ohne dass damit auch schon klar ist, wozu man diese Kompetenz braucht, au&#223;er zur Erreichung einer m&#246;glichst guten Note in einer Leistungs&#252;berpr&#252;fung.</p>

<p>Es will mir so scheinen, als ob Kompetenzenorientierung eigentlich immer zwei Bereich miteinander verbinden muss, die einerseits stark inhaltlich orientiert sind, andererseits aber auch Wissen und Kompetenzen in einem zweiten Bereich verlangen. Im hier angef&#252;hrten Beispiel m&#252;sste man also nicht nur inhaltlich fit sein, sondern auch im Bereich des Wissens um die Produktion von H&#246;rtexten, H&#246;rspielen, H&#246;rcollagen oder was sonst noch alles im Audiobereich gemacht werden kann.</p>

<p>Hilfreich k&#246;nnte es dabei zudem sein, wenn Kompetenzen nicht nur intern erworben werden, sondern immer mal wieder darauf hin angelgt sind, dass die entstandenen „Produkte“ selbst relevant werden, in dem sie eine gewisse &#214;ffentlichkeit erlangen. Das kann eine Ausstellung in der Schule sein, ein Theaterabend, eine Lesung, Pr&#228;sentation naturwissenschaftlichen Wissens im Rahmen von Tagen der offenen T&#252;r, ein Wettbewerb oder aber auch im Kontext des Internets.</p>

<p>Bleibt die Frage, ob auf diesem Wege dann nicht zu viel Zeit mit Nebenschaupl&#228;tzen verbracht werden muss, die dann f&#252;r die Erf&#252;llung des Lehrplans fehlt. Diese Frage muss in vielen F&#228;llen wohl leider nach wie vor mit „Ja“ beantwortet werden. Viele Lehrpl&#228;ne sind so voll, dass schon das Erreichen der fachlichen (inhaltlichen) Ziele oft unter gro&#223;em Zeitdruck steht, was durch standardisierte, zentral vorgegebene Pr&#252;fungen noch verst&#228;rkt wird. Dies f&#252;hrt dann dazu, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler unter Umst&#228;nden viel Wissen, dieses Wissen aber nicht mit anderem Wissen zu verkn&#252;pfen verm&#246;gen, dieses Wissen nicht praktisch relevant werden lassen k&#246;nnen, was durchaus manchmal schon dort beginnt, wo es „nur“ um eine schriftliche Reproduktion von Wissen und den Transfer dieses Wissen auf einen anderen inhaltlichen Bereich geht.</p>

<p>Hier m&#252;ssten die zur Zeit in einigen Bundesl&#228;ndern in der Entwicklung seienden kompetenzenorientierten Lehrpl&#228;ne neue M&#246;glichkeiten schaffen, in dem sie nicht nur Inhalte vorgeben, sondern auch eine Auswahl an m&#246;glichem „Sekund&#228;r-” (=Anwendungs-)Wissen mit den Inhalten verbinden. Hier b&#246;ten sich auch neue M&#246;glichkeiten des f&#228;cher&#252;bergreifenden und f&#228;cherverbindenden Unterrichts.</p>

<p>Vorl&#228;ufig ergibt sich f&#252;r mich dann folgende Beschreibung dessen, was mit kompetenzenorientiertem Unterricht gemeint sein kann:</p>

<p>An Kompetenzen orientierter Unterricht ist gleichzeitig Fachunterricht (Inhaltswissen) und auf Anwendbarkeit hin orientierter Unterricht, wobei die f&#252;r Anwendungen notwendigen Kenntnisse (Inhalte) &#252;ber die fachlichen Inhalte hinaus zu erwerben sind. Damit ist nicht gemeint, dass ein solcher Unterricht alleine auf berufliche Anwendbarkeit hin ausgerichtet ist. Die Verbindung von fachlichem Wissen und der kompetenten Anwendung des Wissens schlie&#223;t die kritische Reflexionsf&#228;higkeit gegen&#252;ber der Anwendung und den Inhalten mit ein.</p>

<p>F&#252;r den Deutschunterricht k&#246;nnte dies beispielsweise folgendes hei&#223;en:</p>

<ol>
<li><p>Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen erwerben nicht nur Kenntnisse in Rechtschreibung und Grammatik, sondern Wissen dar&#252;ber, wie mit Hilfe dieser Kenntnisse wirkungsvolle Texte verfasst werden k&#246;nnen.</p></li>
<li><p>Es geht nicht nur um einen literarischen Text, um Textanalyse, Stilanalyse und Interpretation, sondern auch um die Frage der wirkungsvollen Pr&#228;sentation solcher Ergebnisse und somit auch um die Wissensbest&#228;nde, die zum Erreichen der gew&#228;hlten Pr&#228;sentationsform notwendig sind. Diese unterscheiden sich, wenn es um eine Ausstellung, eine Lesung, eine Auff&#252;hrung oder auch um eine Audioproduktion geht.</p></li>
</ol>

<p>Dabei geht es im &#220;brigen nicht darum, neben die fachliche Kompetenz Methodenkompetenz zu stellen, sondern um die Verkn&#252;pfung dieser beiden Bereiche auf Relevanz hin.</p>

<p>F&#252;r die oben genannten Audioproduktionen hei&#223;t das konkret:</p>

<ol>
<li><p>Fachkenntnis, Fachkenntnis, Fachkenntnis.</p></li>
<li><p>Wissen &#252;ber Mikrofonsprechen und Wissen &#252;ber das (freie) Sprechen &#252;berhaupt. Hier geht es also schon in den Bereich der Rhetorik, der in vielen Bildungsprozessen meiner Wahrnehmung nach selten explizit und vor allem zur Praxisreflexion bef&#228;higend aufgegriffen wird.</p></li>
<li><p>Wissen &#252;ber die Rezeption von Audioaufnahmen (Radio)</p></li>
<li><p>F&#228;higkeiten im Umgang mit Audioschnittsoftware.</p></li>
<li><p>Kenntnisse &#252;ber m&#246;gliche Verbreitungswege und die F&#228;higkeit, diese kritisch daraufhin zu reflektieren, welche Verbreitungswege f&#252;r die eigene Produktion sinnvoll sein kann und welche eher nicht.</p></li>
<li><p>F&#228;higkeit zur Entwicklung von Kritierien, die die Qualit&#228;t einer entstandenen Audioaufnahme zu beurteilen in der Lage sind.</p></li>
<li><p>All das, was ich hier jetzt unber&#252;cksichtigt gelassen habe.</p></li>
</ol>

<p>Ein solcher an Kompetenzen orientierter Bildungsprozess ist ein hochdynamischer Bildungsprozess, der zahlreiche Verbindungslinien zwischen den bislang oft unverbunden nebeneinander her laufenden F&#228;chern schafft, nutzt und integrierte Wissensbest&#228;nde erm&#246;glicht, die auf Zusammenh&#228;nge hin ausgerichtet sind.</p>

<p>Und ganz „nebenbei“ k&#246;nnte auf diesem Wege ein neues Verst&#228;ndnis von Allgemeinbildung entstehen, das dann nicht mehr zuerst als ein eher lexikalisch ausgerichtes Wissen verstanden wird, wie es die vielen Wissenquizsendungen im Fernsehen heute tun, sondern auf die F&#228;higkeit, das vorhandene Wissen auf der Basis seiner Verkn&#252;pfbarkeit und Anwendbarkeit hin fruchtbar werden zu lassen, f&#252;r sich selbst aber auch in funktionalen Zusammenh&#228;ngen, wie beispielsweise im Beruf.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/01/25/kompetenzenorientierung-im-unterricht-ein-beispiel/#footnote_0_2388" id="identifier_0_2388" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich warte auf die Quizsendungen, in denen genau diese Kombination von Wissensbest&amp;#228;nden aus unterschiedlichen Bereichen ins Zentrum gestellt w&amp;#252;rde, in denen man nicht mehr aus einer Reihe von Antworten die richtige ausw&amp;#228;hlen, sondern konkret Wissen anwenden muss um zu zeigen, dass man wirklich gebildet ist.">1</a></sup></p>

<p>Zugegeben: Guter Unterricht wird auch schon heute so ausgerichtet sein, wie ich es hier beschrieben habe – im Rahmen der engen zeitlichen Grenzen, die die gegenw&#228;rtigen Lehrpl&#228;ne mit sich bringen. Es gilt, die Kritierien f&#252;r solchen guten Unterricht in das System selbst organisch einzubinden. – Ein so verstandener Kompetenzenbegriff k&#246;nnte meines Erachtens das deutsche Bildungssystem qualitativ sehr bereichern. Oder habe ich da falsche Fantasien?</p>

<p>Haben Sie Beispiele aus der Praxis, in der solche Verkn&#252;pfungen von Wissensbest&#228;nden stattfinden, wie ich sie hier beschrieben habe? Haben Sie Ideen, die meine &#220;berlegungen erg&#228;nzen? Oder sehen Sie das alles ganz anders? Gerne k&#246;nnen Sie die Kommentarfunktion dieses Artikels nutzen, um miteinandern und mit mir in eine konstruktive Diskussion zu kommen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Im Gehege des Deutschunterrichts oder: Der Zoo und die Wildnis</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 22:42:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“, schreibt Reiner Werner auf Seite Vier der Einleitung des Schroedel-Bandes „Deutsch SII (Kompetenzen, Themen, Training), Kompetent in Kurzgeschichten“, der 2009 erschienen ist. Er zeigt damit, m&#246;glicherweise, ohne sich dessen bewusst &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/07/im-gehege-des-deutschunterrichts-oder-der-zoo-und-die-wildnis/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“,</blockquote>

<p>schreibt Reiner Werner auf Seite Vier der Einleitung des Schroedel-Bandes „Deutsch SII (Kompetenzen, Themen, Training), Kompetent in Kurzgeschichten“, der 2009 erschienen ist. Er zeigt damit, m&#246;glicherweise, ohne sich dessen bewusst zu sein (?), schon im ersten Satz des von ihm erarbeiteten Bandes, die Ambivalenz des Einsatzes von Kurzgeschichten auf: Einerseits geh&#246;ren Kurzgeschichten mit Gedichten zu den am h&#228;ufigsten im Deutschunterricht eingesetzten literarischen Kunstwerken. Andererseits handelt es sich dabei aber um literarische Gattungen, die au&#223;erhalb der Schule so gut wie gar nicht gelesen werden.</p>

<p>In der Schule werden diese „kleinen“ literarischen Gattung „gehegt“ und „gepflegt“; auf dem Buchmarkt spielen sie eine kaum wahrnehmbare Rolle. „Gehegt“ und „gepflegt“ – oder vielleicht doch eher missbraucht, vergewaltigt und get&#246;tet? Dieser Frage will ich hier nachgehen. Dabei nehme ich das Vorwort in dem schon zitierten Schroedel-Band als Leitfaden, weil es sich um 1. um einen gerade erschienenen und 2. um einen von seiner Zielrichtung her an Komptenzen orientierten Band handelt, der zumindest davon Zeugnis gibt, wie sich ein Schulbuchverlag „Kompetenzen“ im Umgang mit Literatur vorstellt.</p>

<p>Entscheidend ist f&#252;r mich eigentlich immer, was Lehrer und Didaktiker – nein, es ist kein Zufall, dass ich diese beiden Begriffe nicht synonym gebrauche – zum Thema der Methodik zu sagen haben. Dazu Rainer Werner:</p>

<blockquote>„Der moderne Literaturunterricht zielt darauf ab, den Sch&#252;lern wichtige Kompetenzen der Textinterpretation zu vermitteln, die sie in die Lage versetzen, ihre F&#228;higkeiten im Umgang mit Sprache und Literatur stetig zu erweitern.“ (a.a.O., S. 5.)</blockquote>

<p>Ja, genau so ist es und so muss es auch sein, will ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin Klausuren in der Oberstufe bestehen und schlie&#223;lich den Anforderungen des Abiturs entsprechen. Dementsprechend geht der Autor dann noch kurz darauf ein, welchen Grunds&#228;tzen sein Ansatz folgt, der die „herk&#246;mmliche lehrerzentrierte Unterrichtsform“ auflockern will, in dem so „sch&#252;lerzentrierte“ Methoden, wie Gruppen und Partnerarbeit, aber auch kreative Schreibaufgaben eingesetzt werden, ohne die „strukturierende Hand des Lehrers“ aus dem Blick zu verlieren, dessen „&#252;berlegenes Wissen“ nun nicht mehr nur eingesetzt werde, „um den Gang der Interpretation immer zum ‚richtigen‘ Ziel hin zu steuern“ (ebd.). Au&#223;erdem behauptet Werner auch noch richtig, dass Lehrer Sch&#252;lern das fachliche Wissen voraus h&#228;tte, aber auch, dass dieses Voraus ebenso f&#252;r die Erfahrung im Umgang mit literarischen Texten gelte.</p>

<p>Und dann werden all die Wege genannt, die Lehrer (und Lehrerinnen) mit dem nun vorgelegten Band gehen k&#246;nnten. – Wer w&#252;rde von einem Lehrerband zum Thema „Kurzgeschichten“ auch etwas anderes erwarten, stimmt Werners Darstellung des Literaturunterrichtes doch ziemlich genau mit einer zumindest nach wie vor weit verbreiteten Wirklichkeit des Deutschunterrichts &#252;berein, die man sich bei den genannten und faktisch so in Pr&#252;fungen ja wirklich erwarteten Zielen, auch kaum anders vorstellen kann.</p>

<p>F&#252;r Lehrende ist das im t&#228;glichen Prozess der Reflexion auf ihren Unterricht ein wirklich guter Band zum Thema Kurzgeschichten geworden. Und f&#252;r den Band spricht auch, dass Reiner Werner scheinbar alle Unterrichtsvorschl&#228;ge am Berliner John-Lennon-Gymnasium ausprobiert hat. Die Inhalte sind also erfahrungsges&#228;ttigt und kommen zudem Lehrerinnen und Lehrern entgegen, die sich zwar der Kompetenzenorientierung des Unterrichts nicht entziehen wollen, gleichzeitig aber auch, um ihrer Verantwortung gerecht werden zu k&#246;nnen, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler kompetent im Umgang mit literarischen Texten zu machen, die strukturierenden F&#228;den in den H&#228;nden behalten wollen. Das st&#246;rt mich nicht, das geh&#246;rt nach wie vor zum Alltag des Deutschlehrers – und die Frage nach der Lehrerrolle im Deutschunterricht soll hier auch gar nicht im Vordergrund stehen, so sehr sie im Hintergrund immer mitschwingen mag.</p>

<p>Viel mehr interessieren mich hier zwei andere Fragen:</p>

<ol>
    <li>Wo kommen in solchen Ans&#228;tzen, wie er von Reiner Werner im Vorwort des Bandes „Kompetent in Kurzgeschichten“ vertreten wird, die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor?</li>
    <li>Welche Rolle haben literarischen Kurzformen im Deutschunterricht.</li>
</ol>

<p>Beginnen wir mit der zweiten Frage:</p>

<p>Die Rolle von literarischen Kurzformen im Unterricht steht in einem deutlichen Gegensatz zu der Rolle, die diese Textsorten im Alltag durchschnittlicher Leser und Leserinnen spielen. Sie werden gew&#228;hlt, weil sie gut in den Zusammenhang von Unterrichtsstunden passen.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus kann an literarischen Kurzformen in kompakter Form Wissen im Umgang mit Texten vermittelt werden. Das m&#246;gen ehrenwerte Ziele und ein nachvollziehbarer Mehrwert von Gedichten und Kurzgeschichten sein, aber am wichtigsten finde ich, dass diese f&#252;r mich literarisch anspruchsvollsten literarischen Gattungen im Deutschunterricht am Leben erhalten werden. Die Schule &#252;bernimmt f&#252;r diese literarischen Gattungen, insbesondere f&#252;r Kurzgeschichten, kommen Gedichte doch immerhin auf den MP3-Playern der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler als „Lyrics“ nach wie vor in Massen vor, in etwa die Rolle, die Zoos f&#252;r vom Aussterben bedrohte Tierarten &#252;bernehmen: Es wird ein Schauraum geschaffen, in dem man gesch&#252;tzt und strukturiert und angeleitet, von W&#228;rtern gehegte und gepflegte Tiere betrachten kann, die einem in freier Wildbahn oftmals kaum noch begegnen. Die Gehege werden mit Tafeln versehen, die alles erkl&#228;ren – und der Besucher kann den Zoo mit dem guten Gef&#252;hl verlassen, etwas gelernt zu haben. Au&#223;erdem wird das Einsperren der Tiere mit der in Zoos stattfindenden wissenschaftlichen Arbeit begr&#252;ndet, die ja in Einzelf&#228;llen auch wieder zur Auswilderung der Tiere f&#252;hren kann.</p>

<p>Sicher, eine authentische Begegnung mit einer Wildkatze, einer Giftschlange oder einem Krokodil sieht anders aus. Sie ist aufregender und deutlich gef&#228;hrlicher als im Zoo. Und sp&#228;testens dann, wenn ein solches Tier seziert wird, ist klar: Jetzt geht es um die anatomische Zerlegung einer Leiche.</p>

<p>Kurzgeschichten (Gedichten und eigentlich fast jeder literarischen Form) ergeht es im Deutschunterricht nicht besser. Die unmittelbare, „gef&#228;hrliche“ Begegnung mit Literatur wird h&#246;chstens noch methodisch geleitet zugelassen, die Frage nach dem ersten Leseeindruck der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler wird fast zu einer rhetorischen Frage, da sie oft beim weiteren Umgang mit einem literarischen Kunstwerk kaum noch eine Rolle spielt. Dort, wo das „Wilde“ und das „Gef&#228;hrliche“ der Literatur zu Hause ist, dort, wo ein Mensch mit seiner Biographie auf einen Text trifft und aus dieser existentiellen Begegnung etwas wachsen kann, liegen die Seziermesser der Textanalyse schon bereit, mit denen das m&#246;glicherweise im ersten Leseeindruck aufgeflackerte Leben, das in der Begegnung von Text und Leser bzw. Leserin gezeugt wird, schnellstm&#246;glich auf funktional einsetzbare Kompetenzen hin beschnitten wird.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird ein Deutschlehrer vermutlich mehr gelesen haben als die Jugendlichen. Nat&#252;rlich hat die Deutschlehrerin aus dem Studium mehr Fachwissen als Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler. Aber kann man in der unmittelbaren Begegnung mit Literatur je erfahrener sein, abgesehen von der Erfahrung, was Literatur mit einem „echten“ Leser machen kann, als die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler?</p>

<p>Wenn es stimmt, dass jeder Text in der Begegnung mit jedem Leser und jeder Leserin „neu“ entsteht, „neu“ gelesen wird; wenn es stimmt, dass in der Begegnung des Textes mit dem Lesenden ein Text v&#246;llig neue Seiten Preis geben kann, dann wertet die Behauptung, dass ein Lehrer „besser“ lesen k&#246;nne diese Leseerfahrungen ab – und zwar so sehr, dass es Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern eine gro&#223;e Herausforderung ist, wenn ein Lehrer versucht, sie wirklich mit dem Text in eine Begegnung zu bringen, aus der m&#246;glicherweise das nachgelagerte Interesse an den Techniken erw&#228;chst, derer sich ein Autor (ob nun gezielt oder nicht) bedient hat.</p>

<p>Oft steht die Aussage, dass  das Ziel beim Umgang mit Literatur in der Schule „sowohl die pers&#246;nliche Erfahrung der Leser bzw. Sch&#252;ler       in die Auseinandersetzung mit dem literarischen Text einzubeziehen, als       auch ein angemessenes Verst&#228;ndnis f&#252;r die Aussage und Form solcher Texte       zu f&#246;rdern“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/07/im-gehege-des-deutschunterrichts-oder-der-zoo-und-die-wildnis/#footnote_0_2095" id="identifier_0_2095" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Lensch, Martin (2000):         Spielen, was (nicht) im Buche steht. Die Bedeutung der Leerstelle f&amp;#252;r         das literarische Rollenspiel, M&amp;#252;nster: Waxmann 2000, S.11">1</a></sup> im didaktischen Vordergrund des Deutschunterrichtes stehen m&#252;sse, zwar im Zentrum literaturdidaktischer Seminare, seltener aber im Zentrum des literarischen Zoos des Deutschunterrichtes.</p>

<p>Dies gilt insbesondere, wenn das Unplanbare der pers&#246;nlichen Erfahrung der Leser in der Begegnung mit einem Text ernst genommen wird, da der Unterricht dann nur noch in Grenzen planbar ist, sobald die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen erst einmal wieder gelernt haben, dass diese pers&#246;nlichen Eindr&#252;cke, Emotionen und auch Langeweilen, relevant f&#252;r ihre Begegnung mit einem literarischen Kunstwerk sind.</p>

<p>L&#228;ngst aber hat sich das „Wilde“ in der Begegnung mit Literatur andere Orte als die Schule gesucht, in der selbst B&#252;chners „Woyzeck“ zu einem harmlosen Schmusek&#228;tzchen wird, die Leidenschaft, die in Dramen wie „Don Carlos“ w&#252;tet, auf den Tisch des nach Stilmitteln suchenden Pathologen gelegt wird, das Sozialkritische eines Brechts in der Langeweile von Zeitgeschichte ers&#228;uft.</p>

<p>Das „Wilde“ findet au&#223;erhalb der Schule statt: In der gierigen Lekt&#252;re von „Harry Potter“ hat es sich gezeigt; in der Verwechslung von Dichtung und Wahrheit, die manche Leser dazu brachte, Dan Browns (schlecht geschriebenes) Buch „Sakrileg. Der Da Vinci Code“ als ein von seinen Aussagen her vielleicht richtiges Werk zu betrachten; im Zittern beim Lesen von Thrillern, bei denen die meisten Erwachsenen die Frage stellen, ob die Jugendlichen denn schon in dem Alter sind, so etwas zu verkraften; in der Liebesschnulze, dem Fantasyroman etc., die in der S-Bahn aus der Tristesse des Zuges entf&#252;hren und Phantasien ebenso wie Gr&#246;&#223;enphantasien befriedigen.</p>

<p>Zugegeben: Die Literaturauswahl in den Schulen ist meist tats&#228;chlich so, dass literarische hochwertige Werke gelesen werden. Aber wo bleibt das Entsetzen, wenn Faust Gretchen in den Tod treibt, wo der Aufschrei, wenn ein Hauptmann oder ein Doktor mit Woyzeck ihr „Spiel“ treiben, wo das Sehnsuchtslechzen, wenn die Romantiker der Wirklichkeit mehr als nur die K&#228;lte der radikal entmystifizierenden rationalen Zugangsweise abtrotzen wollen? – F&#252;r solche emotionalen Regungen scheint in der Schule kein Platz zu sein, so wenig, wie im Zoo in der Regel Platz f&#252;r die „Angst“ ist, wenn man einem wilden Tier nur durch einen Zaun oder eine Glasscheibe getrennt gegen&#252;ber steht.</p>

<p>Und das gilt auch (und besonders) f&#252;r Kurzgeschichten, in denen so oft massive existentielle Fragen im Zentrum stehen und hoch konzentriert auf Leser und Leserinnen treffen wollen. Was hier an Destillat der Wirklichkeit hochprozentig eingeschenkt wird, macht dennoch selten besoffen, weil schnell das konservierende und die Kost ungenie&#223;bar machende Formalin der analytischen Konservierung &#252;ber die Texte gesch&#252;ttet wird, bis selbst die Begegnung mit den Texten und deren eigentlich oft existentiellen Herausforderungen und Reflexionspotentiale in Formalia erstickt ist.</p>

<p>Kurzgeschichten und Gedichte sind aber zuerst Kunstwerke! Sie sind keine harmlosen Tierchen, die man zu Demonstrationszwecken halten kann, ohne dass sie ihren Reiz und ihre Faszination verlieren.</p>

<p>Kurzgeschichten und Gedichte sind nicht zuerst &#220;bungen, an denen Autoren und Autorinnen ihre formalen F&#228;higkeiten erproben wollten, sondern, oft hochgradig existentielle Auseinandersetzungen der Autoren und Autorinnen mit einer Wirklichkeit, der sie ausgesetzt sind.</p>

<p>Die so oft im Unterricht benutzten Kurzgeschichten der sp&#228;ten 40er und der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts sind keine Darstellung der Nachkriegszeit, sondern existentielle Auseinandersetzungen mit den Schrecken dieser Zeit. Paul Celan schrieb keine Gedichte, die zuerst der Analyse dienen sollten. „Todesfuge“ ist eine existentielle Auseinandersetzung mit dem Schrecken, der Celan sp&#228;ter in den Selbstmord trieb. Und &#228;hnliches gilt f&#252;r so ziemlich alles, was im Deutschunterricht gelesen wird (werden soll): B&#252;chners verzweifelter Aufschrei gegen&#252;ber der Ungerechtigkeit zu Zeiten der fr&#252;hen Industrialisierung im „Woyzeck“, Schillers massive Abarbeitung an einer Biographie zwischen unaufgekl&#228;rten F&#252;rsten und Freiheitsdrang, die radikale Erfahrung der Zerst&#252;ckelung des Menschen im Kontext der Massenmenschenhaltung in von der Industrialisierung lebensfeindlich gewordenen St&#228;dten usw.</p>

<p>Schullekt&#252;ren waren einmal „wilde“ B&#252;cher. Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ rief zur Zeit des Erscheinens Massenph&#228;nome zwischen Kleidungsstil und Selbstmord hervor; Heinrich Mann galt als „gef&#228;hrlicher“ Schriftsteller, weil er nicht nur schrieb, sondern auch noch Kommunist war; Kafka durchlebte in der k&#252;nstlerischen Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Zeit die Verzweiflung an sich selbst und seiner Zeit. – Wo ist davon noch etwas im &#252;blichen Deutschunterricht zu sp&#252;ren, der Kompetenzen in den Vordergrund stellt, die letztlich eben doch nichts anderes sind als Anleitungen zum Gebrauch von Werkzeugen zur Zerlegung von Texten und eben nicht die Hinf&#252;hrung zu der F&#228;higkeit sind, sich einem Text existentiell auszusetzen?</p>

<blockquote>„Kurzgeschichten erfreuen sich im Deutschunterricht seit jeher einer gro&#223;er Beliebtheit“,</blockquote>

<p>richtig. Das gilt auch f&#252;r Gedichte. Aber die Beliebtheit hat nichts damit zu tun, dass hier Hochprozentiges genossen wird und existentiell „besoffen“ macht, sondern darin, dass es nun einmal leichter ist, eine Maus zu fangen und mit dem Skalpell in relativ kurzer Zeit zu zerlegen als es dies bei einer Wildkatze, einer Giftschlange oder einem Elefanten der Fall ist. Etwas Kleines bzw. klein Gemachtes kann leichter im Gehege gehalten werden als etwas Gro&#223;es uns Wildes.</p>

<p>Das Resultat ist verheerend: Die Kunstformen, die die gr&#246;&#223;ten Herausforderungen an ihre Verfasser in Hinsicht auf (Ver)Dichtung stellen, werden so Kunstformen, die im au&#223;erschulischen Leben so wenig anzutreffen sind, wie W&#246;lfe in deutschen W&#228;ldern. Wildkatzen werden zu Hauskatzen konditioniert; der revolution&#228;re Schrei nach Gerechtigkeit wird zum historischen Quellchen herab gew&#252;rdigt.</p>

<p>Nein, ich geh&#246;re nicht zu denen, die meinen, dass Literatur die Welt ver&#228;ndern k&#246;nnte. Aber ich geh&#246;re zu denen, die Prousts Diktum am eigenen Leib erfahren haben, dass der Leser, wenn er wirklich liest, immer ein Leser seiner selbst sei.</p>

<p>Kompetenter Umgang mit Literatur? Ja, dazu geh&#246;ren auch alle Fragen nach den Techniken, die Literatur wirksam machen, nach Stilmitteln, die die Wirkung von Literatur begr&#252;nden – und auch nach den oft als existentiell empfunden „Kompetenzen“, die es erm&#246;glichen, Pr&#252;fungen zu bestehen.</p>

<p>Doch die wichtigste, handlungsorientierende Kompetenz im Umgang mit Literatur ist die Kompetenz, sich literarischen Texten &#252;berhaupt mit Haut und Haaren auszusetzen zu k&#246;nnen, um so etwas &#252;ber sich selbst und die Welt zu erfahren.</p>

<p>Es ist immer das „Ich“, das liest, das einen Text erlebt oder in ihm die eigene Gelangweiltheit erf&#228;hrt. Doch dieses lesende „Ich“ muss ermutigt werden, seine eigene Auseinandersetzung mit einem literarischen Werk auch zuzulassen, sie als wertvoll f&#252;r das Leben des Textes, f&#252;r dessen Rezeptionsgeschichte zu erfahren, findet das lebendige, wilde und eben nicht immer vom Lehrer oder von der Lehrerin voraussehbare Leben eines Textes doch genau in dieser Begegnung eines Lesers oder einer Leserin mit einem Text statt, in einem letztlich unverf&#252;gbaren Aufeinandertreffen. Die Aufgabe des Deutschunterrichtes ist es dann, diese Begegnung kommunizierbar zu machen, die Kompetenz zu vermitteln, anderen, die diese individuelle Begegnung m&#246;glicherweise ganz anders erleben, von diesen Erfahrungen nachvollziebar berichten zu k&#246;nnen. Hier, und erst hier, kommen all die Kompetenzen ins Spiel, die Deutschunterricht nat&#252;rlich auch vermitteln muss: Die F&#228;higkeiten, die notwendig sind, um Dritte an den eigenen Erfahrungen mit einem Text Anteil zu geben, also auch die Begr&#252;ndung und &#220;berpr&#252;fung des subjektiven Leseerlebnisses gegen&#252;ber anderen – nicht, um diese von der eigenen Wahrnehmung als die „einzig richtige“ zu &#252;berzeugen, sondern um die Differenz im Umgang mit Texten als eine solche zu erleben, die den eigenen Blick bereichert und m&#246;glicherweise sogar ver&#228;ndert oder auch als sehr pers&#246;nlichen relativiert.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Zwischen Kompetenzen und Literacy oder: Ohne Inhalt keine Kompetenz</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Sep 2009 21:48:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abh&#228;ngige Mensch von Morgen“, fasst Maik Riecken die Grenzen und Gefahren eines vor allem auf Kompetenzen ausgerichteten Bildungsbegriffs zusammen. Und weiter schreibt Riecken: „Kompetenzen fangen f&#252;r mich immer mit dem Inhalt an &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abh&#228;ngige Mensch von Morgen“, fasst <a href="http://riecken.de/index.php/2009/09/wir-konnen-nicht-mehr-alles-wissen/" target="_blank">Maik Riecken</a> die Grenzen und Gefahren eines vor allem auf Kompetenzen ausgerichteten Bildungsbegriffs zusammen. Und weiter schreibt Riecken:</p>

<blockquote>„Kompetenzen fangen f&#252;r mich immer mit dem Inhalt an – nie mit der Methode, nie mit dem Medium. Wir k&#246;nnen nicht alles wissen. Das hei&#223;t aber nicht, dass wir kein Wissen mehr vermitteln sollten oder dass wir keines mehr brauchen.“ (<a href="http://riecken.de/index.php/2009/09/wir-konnen-nicht-mehr-alles-wissen/" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>Kompetenzen! – So lautet das neue Zauberwort, seit PISA 1 &#246;ffentlichkeitswirksam darstellte, dass es mehr und mehr Jugendliche (<em>u. a.</em> [sic!] in Deutschland) gibt,<span id="more-2032"></span> die z. B. nicht mehr in der Lage sind, in Texten vorhandenes Wissen oder in Texten dargestellte Arbeitsanweisungen, beispielsweise bei Textaufgaben im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, herauszuarbeiten oder anzuwenden.</p>

<p>Die logische Folge aus dieser Erkenntnis ist, dass die F&#228;higkeit zur Anwendung von Wissen st&#228;rker in den Vordergrund gestellt werden muss. Es muss gelernt werden, wie gelernt wird, was heute unter dem Schlagwort „Lernen lernen“ zusammengefasst wird. Es muss aber ebenso gelernt werden, wie Inhalte so erfasst werden k&#246;nnen, dass diese f&#252;r den Bildungsprozess fruchtbar und wirksam werden k&#246;nnen. – Es geht also nicht nur darum, Buchstaben zu lernen, um in der Lage zu sein, diese in Texten wiederzuerkennen, sondern darum, das System, in dem die Buchstaben zu gr&#246;&#223;eren Buchstabengruppen (W&#246;rter, S&#228;tze, Texte) werden, zu verstehen, da nur so die in Zeichenstrukturen festgehaltenen Inhalte erfasst werden k&#246;nnen.</p>

<p>Eine Kompetenz umfasst immer mehr als eine Anwendungsf&#228;higkeit. Und wenn der deutsche Begriff „F&#228;higkeit“ auch schon eine ganze Menge von dem beinhaltet, was in der Diskussion um Kompetenzenorientierung als wichtig angesehen wird, so schlage ich an dieser Stelle dennoch vor, den englischen Begriff der „literacy“ zu benutzen, da dieser einige Seiten in Bildungsprozessen ber&#252;cksichtigt, die weder im Begriff der „F&#228;higkeiten“ noch der „Kompetenzen“ automatisch mitgedacht werden. Ich schlage dies vor, da „F&#228;higkeiten“ eher mit dem englischen „abilities“ korrespondiert und der Kompetenzenbegriff eher mit dem englischen „skills“ erl&#228;utert werden kann.</p>

<p>Also „literacy“. Um diesen Begriff richtig zu verstehen, darf man nicht den Fehler machen, ihn einfach mit Lesekompetenz oder gar Literalit&#228;t zu &#252;bersetzen, wie z. B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Literacy" target="_blank">Wikipedia</a> das macht. „Literacy“ wird in unterschiedlichen Zusammenh&#228;ngen verwendet und meint in diesen eben mehr als nur Lesef&#228;higkeit: Wenn zum Beispiel von „reading literacy“ die Rede ist, dann bezieht sich diese auf eine „schriftsprachliche Rezeptionsf&#228;higkeit im weitesten Sinn, etwa auf Verstehens­leistungen bei der Lekt&#252;re verschiedener linearer Textsorten, aber auch bei Tabellen, Graphiken, Lexikon oder Hypertexten“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/#footnote_0_2032" id="identifier_0_2032" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="CORNELIA ROSEBROCK (2006). Lesesozialisation und Lesef&amp;#246;rderung &ndash; literarisches Leben in der Schule. In: MICHAEL K&amp;#196;MPER-VAN DEN BOOGAART (Hg.), Deutsch-Didaktik: Leitfaden f&amp;#252;r die Sekundarstufe I und II. Berlin, Cornelsen Verlag Scriptor: 153&ndash;174, 154.">1</a></sup></p>

<!--        @page { margin: 56.7pt }        P { margin-bottom: 6pt } -->

<p>Als zweites Beispiel, in welchen Zusammenh&#228;ngen von „literacy“ &#252;ber „Lesef&#228;higkeit“ oder „Lesekompetenz“ hinaus gesprochen werden kann, sei hier im Sinne Sonja Livingstons, die am <a href="http://www.lse.ac.uk/collections/media@lse/whosWho/soniaLivingstone.htm">Department for Media and Communication</a> der <a href="http://www.lse.ac.uk/" target="_blank">London School of Economics and Political Sciences</a> arbeitet, der Begriff der „media literacy“ genannt, zu dem <a href="http://www.lse.ac.uk/collections/media@lse/whosWho/soniaLivingstone.htm#medialiteracy" target="_blank">Livingstone gearbeitet hat</a>. – Livingstone definiert „media literacy“ als “the ability to access, analyse, evaluate and create messages across a variety of contexts” (die F&#228;higkeit / Kompetenz des Zugangs, der Analyse, der Evaluation und der Erstellung zu / von Nachrichten in unterschiedlichen Kontexten).</p>

<p>Dies klingt zun&#228;chst einmal nach einer reinen Ansammlung von F&#228;higkeiten, die zwar die Anwendbarkeit der Medien zulassen, aber keine Kenntnisse &#252;ber diese Medien voraussetzen. Und damit wird aus einem kompetenten Menschen in diesem Sinne ein abh&#228;ngiger Mensch, wie <a href="http://riecken.de/index.php/2009/09/wir-konnen-nicht-mehr-alles-wissen/" target="_blank">Riecken so treffend darstellt</a>:</p>

<blockquote>„Der reine Kompetenzmensch ist in meinen Augen der abh&#228;ngige Mensch von Morgen. Wie viele Menschen sind z.B. von einer bestimmten Benutzeroberfl&#228;che eines Rechners abh&#228;ngig, weil sie nicht verstehen wollen, was der Rechner f&#252;r sie macht? Relevantes Wissen im IT-Bereich bedeutet das Erlernen von Konzepten – etwa der Objektorientierung – die es erlauben, jedes Schreibprogramm, welche objektorientiert arbeitet (das tun fast alle) zu bedienen. Das erm&#246;glicht mir Freiheit bei der Wahl meines Softwareanbieters. Dazu ben&#246;tige ich zun&#228;chst aber Wissen um die Objektorientierung und ich brauche jemanden, der erkennt, dass die Objektorientierung relevantes Wissen darstellt. Habe ich dieses Wissen nicht, muss ich andere Leute fragen oder f&#252;r eine Dienstleistung zahlen.“</blockquote>

<p>Doch Livingstone erkennt dieses Problem und stellt in ihren &#220;berlegungen zur Evaluation von Nachrichten in unterschiedlichen medialen Kontexten folgendes fest:</p>

<blockquote>“<em>There is little point in access or analysis without judgement</em>, but a stress on evaluation raises, rightly, some difficult policy questions when specifying and legitimating appropriate bases of <em>critical literacy – aesthetic, political, ideological and/or economic</em>. The scope and purpose of evaluation is also disputed: is media literacy intended to promote a democratised, diverse, anti-elitist approach to online representations or should it underpin a more traditional, hierarchical discrimination of good from bad, authoritative from unauthorised, information and communication?”<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/09/20/zwischen-kompetenzen-und-literacy-oder-ohne-inhalt-keine-kompetenz/#footnote_1_2032" id="identifier_1_2032" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sonja Livingstone (2004) What is media literacy? Intermedia, 32(3), 18-20. September &ndash; Hervorhebungen von mir.">2</a></sup></blockquote>

<p>An diesem Punkt wird deutlich, dass „literacy“ als Begriff mehr als nur F&#228;higkeiten und Kompetenzen (abilities / skills) umfasst: Es geht auch um die F&#228;higkeit zum kritischen Umgang mit den Kompetenzen bzw. vor allem den Inhalten oder Gegenst&#228;nden, die &#252;ber Kompetenzen erschlossen werden. Es geht um die F&#228;higkeit des reflexiven, auf Wissen (Inhalten!) basierenden Umgangs mit Kompetenzen, der auch dann noch weiter hilft, wenn z.B. die Benutzeroberfl&#228;chen von Computerprogrammen v&#246;llig anders aussehen, als wir das heute gewohnt sind.</p>

<p>Doch der „literacy“-Begriff ist meines Erachtens noch umfassender. Er beinhaltet n&#228;mlich auch all jene Faktoren, die den Prozess der Erfassung und Integration von Inhalten in den eigenen Kompetenzen-Pool vor dem je eigenen biographischen, sozialen und kulturellen Hintergrund begleiten und f&#252;hrt im Idealfall auch zu der Kompetenz, diese Hintergr&#252;nde reflexiv und kritisch in den eigene (handlungsorientierten) Lernprozess zu integrieren. Dieser Idealfall ist es, den ich (neben noch weiteren, hier nicht n&#228;her ausgef&#252;hrten Differenzierungen) mit dem Bildungsbegriff verbinde.</p>

<p>Zugegeben: Ich kenne keinen einzigen an Bildungsprozessen Beteiligten, der der Annahme, dass Kompetenzenorientierung nicht ohne Inhalte gehe, widersprechen w&#252;rde. Grunds&#228;tzlich scheint allgemein akzeptiert zu sein, dass der Prozess der Wissensgenerierung mit praktischen Bez&#252;gen und bildenden Wirkungen ein dialektischer ist, der sich zwischen Inhalten und praktischen Anwendungen hin und her bewegt. Und doch scheint es mir in diesem dialektischen Prozess gegenw&#228;rtig eine &#220;bergewichtung der Kompetenzen zu geben, was sicher mit der vorhergegangenen &#220;bergewichtung der Inhalte zu tun hat, aber deshalb dennoch einseitig ist.</p>

<p>Was also ist meines Erachtens in der gegenw&#228;rtigen Bildungs- / Kompetenzen-Diskussion unbedingt zu ber&#252;cksichtigen? Was findet statt? Wo sind Tendenzen erkennbar, die in paradoxe Situationen f&#252;hren?</p>

<ol>
<li><p>Bildungsprozesse sollen individualisiert ablaufen. Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen sollen von ihren individuellen F&#228;higkeiten und Voraussetzungen her gef&#246;rdert werden, sodass idealerweise eine intrinsische Motivation des Lernens erreicht wird. Und dabei werden idealerweise biographische, soziale und kulturelle Hintergr&#252;nde ber&#252;cksichtigt und in den Bildungsprozess integriert – zumindest der Idee nach. Paradoxien zu dieser Forderung des individualisiert von Lehrenden begleiteten Lernprozesses tauchen meines Erachtens an zwei Stellen auf: Zum einen ist es selbst den begabtesten Lehrenden unm&#246;glich in Lerngruppen von z. T. &#252;ber drei&#223;ig Kindern &#252;ber punktuelle Individualisierung hinaus die M&#246;glichkeiten dieser Form des Lernens und Lehrens voll zu nutzen, da die Gruppen und die sich daraus ergebende Summe der individualisiert zu unterrichtenden Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu gro&#223; ist, um allen Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen angemessen individualisierte Lernoptionen in der notwendigen Kontinuit&#228;t anzubieten. Das macht zwar die individuelle F&#246;rderung nicht unm&#246;glich, erschwert sie aber in einem Ma&#223;e, dass entsprechenden Forderungen bspw. der Bildungspolitik nur in Ans&#228;tzen entsprochen werden kann. Andererseits steht der Kompetenzenorientierung und Individualisierung von Bildungsprozessen der starke Drang zu stark inhaltlich orientierten Standardisierungen gegen&#252;ber, die &#252;berall dort, wo zentrale Pr&#252;fungen abgelegt werden m&#252;ssen, die Lehrerinnen und Lehrer vor eine nahezu unl&#246;sbare Aufgabe stellen: Wie individualisiere ich Unterricht, wenn am Ende doch alle das Gleiche k&#246;nnen sollen und m&#252;ssen? – So ist es beispielsweise im Deutschunterricht nicht nachvollziehbar, warum Kompetenzen f&#252;r alle Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen in einem Land an den gleichen Lekt&#252;ren erarbeitet werden m&#252;ssen… Von individuellem Lernen kann da nur noch sehr begrenzt die Rede sein.</p></li>
<li><p>Einerseits wird von Kompetenzen gesprochen, diese werden aber nicht weiter differenziert. Es scheint mir bislang, sollte ich da was &#252;bersehen haben, freue ich mich auf Erg&#228;nzungen in den Kommentaren, als f&#228;nde noch keine Diskussion dar&#252;ber statt, wie sich Kompetenzen aufbauen und wie, an der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen orientiert, ein Kompetenzenzuwachs darstellbar ist. Wie weit m&#252;ssen Kompetenzen denn nun in Klasse 6, 8, 10 oder gar 13 vorhanden sein? Welche zus&#228;tzlichen Kompetenzen soll ein Sch&#252;ler oder eine Sch&#252;lerin nach 10 oder nach 13 Jahren haben? Wo liegen da die Unterschiede. St&#252;nden in einem Lehrplan, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler nach 10 Jahren einen angemessen Umgang mit Textverarbeitung, Pr&#228;sentationsm&#246;glichkeiten etc. haben sollen, stellt sich die Frage wodurch sich diese Kompetenzen dann von denen in Klasse 13 oder 12 (beim achtj&#228;hrigen Gymnasium) unterscheiden, wenn dort die exakt gleichen Formulierungen in den Lehrpl&#228;nen stehen? Insgesamt scheint mir der Kompetenzenbegriff entwicklungspsychologisch noch nicht (differenziert genug) gedacht zu sein. Ich vermute sogar, dass hier eigentlich von einem gr&#246;&#223;eren Umfang an Wissen ausgegangen wird, der mit anwendbar und darstellbar sein soll.</p></li>
<li><p>Wenn L&#228;nder mit zentralen Abschlusspr&#252;fungen Lehrpl&#228;ne entwickeln, die vor allem Bildungsstandards und ein fachspezifisches Kerncurriculum vorgeben, l&#228;uft dies inhaltlich definierten Abschlussprofilen zuwider. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Schulentwicklung in Richtung selbstverantwortliche Schule hin l&#228;uft, in der, auf der Basis von Bildungsstandards und Kerncurricula, schuleigene, dem Profil einer Schule entsprechende Schulcurricula erstellt werden sollen. Hier entsteht ein Paradox, das nur aufzul&#246;sen ist, wenn schuleigene Abschlusspr&#252;fungen wieder zugelassen werden, die von der Schulaufsicht daraufhin zu &#252;berpr&#252;fen sind, ob sie den Bildungsstandards entsprechen und die Kerncurricula angemessen ber&#252;cksichtigen. Dabei muss es dann egal sein, ob in einer Lerngruppe „Effi Briest“ oder „Irrungen, Wirrungen“ gelesen wird, wenn die Bildungsstandards einen reflexiven Umgang mit dem b&#252;rgerlichen Realismus zulassen. Vor allem in den geisteswissenschaftlichen F&#228;chern kann individualisiertes Lernen letztlich nur gelingen, wenn die inhaltlichen Vorgaben f&#252;r Pr&#252;fungen entsprechend angepasst werden. – Und damit spreche ich mich nicht gegen Inhalte aus. Es will mir vielmehr so scheinen, als wollten viele Kultusadministrationen die inhaltliche Gestaltung durchaus den Schulen bzw. den Fachlehrern im Sinne einer Individualisierung zur&#252;ck geben. Doch dann muss man aufpassen, dass man unter Standardisierung, die der Individualisierung grunds&#228;tzlich zuwider l&#228;uft, nicht die inhaltliche Monokultur versteht, wie sie beispielsweise in L&#228;ndern mit Zentralabitur in der Sekundarstufe II im Augenblick anzutreffen ist.</p></li>
<li><p>Kompetenzen werden am besten an Inhalten und Gegenst&#228;nden gelernt, die einzelne Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen oder Lerngruppen als ganze interessieren. Die heute gefragten Kompetenzen erfordern eine entsprechende Schulorganisation: Individuelle Lernprozesse und Kompetenzenbildung k&#246;nnen nur sehr begrenzt im bislang &#252;blichen Zeitraster geleistet werden, das letztlich die Lerngruppen und die Individuen synchronisiert und so nicht den individuellen Lernanspr&#252;chen gerecht werden kann. L&#228;ngerfristige Planungen (Wochenplan etc.) und eine gr&#246;&#223;ere Flexibilit&#228;t der vorgegebenen Lernphasen im Rahmen einer festen Stundentafeln w&#228;ren von N&#246;ten, wenn wirklich individualisierter Unterricht stattfinden soll. Dar&#252;ber hinaus m&#252;ssen Lehrende sich viel mehr als bislang als Team verstehen, weil letztlich nur so sicher gestellt werden kann, dass jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin angemessen betreut werden kann. Klassenverb&#228;nde von 30 und mehr, in denen Lehrende sich vor allem f&#252;r ihr Fach verantwortlich f&#252;hlen, erh&#246;hen die Zahl der individuell zu betreuenden Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen. Diese Betreuungszahlen k&#246;nnten bereits heute einfach gesenkt werden. Ein Beispiel: An meiner Schule komme auf ca. 1250 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ca. 95 Lehrkr&#228;fte, teilweise in Teilzeit. W&#252;rden die Lehrenden sich die zu betreuenden Sch&#252;ler aufteilen, k&#228;men im Schnitt auf jeden Lehrenden 13 bis 14 Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, die in ihrem Lernprozess individuell betreut werden m&#252;ssten. Der Unterschied zu den jetzigen Zust&#228;nden? Im Augenblick unterrichte ich ca. 150 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, was eine relativ niedrige Zahl ist, da die Religionsgruppen in der Mittelstufe relativ klein sind. Dennoch halte ich es f&#252;r unrealistisch, dass ich 150 Personen individuell betreuen und f&#246;rdern kann. Wenn ich aber nun 14 Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen als fester Betreuer zugewiesen bek&#228;me, k&#246;nnte ich diese durchaus im Blick behalten und (anders als  es mir als Fachlehrer m&#246;glich ist) den gesamten Lernprozess und die damit verbundenen F&#246;rdernotwendigkeiten organisieren, weil ich gleichzeitig w&#252;sste, dass andere Kollegen z. B. Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die in meinen F&#228;chern F&#246;rderbedarf haben, begleiten. Das w&#252;rde nicht bedeuten, dass sich der Fachlehrer aus der F&#246;rderung seiner Lerngruppen heraus nehmen soll. Das w&#252;rde aber bedeuten, dass jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin zumindest einen fixen Ansprechpartner in der Schule h&#228;tte, der nat&#252;rlich mit Kollegen und Kolleginnen im Gespr&#228;ch sein m&#252;sste, die diese Lernenden unterrichten. Schulen, die sich dem Teamteaching verschrieben haben, scheinen mir hier auf einem sehr guten Weg.</p></li>
</ol>

<p>Zu den zu ver&#228;ndernden Schulstrukturen geh&#246;rt aber auch die Verf&#252;gbarkeit von Ressourcen und Materialien, die f&#252;r individualisierte Lernprozesse notwendig sind. Dazu geh&#246;ren sowohl m&#246;glichst frei zug&#228;ngliche Rechner mit Netzanschluss (idealerweise in jeder Klasse mindesten einer) als auch Nachschlagewerke (wie z. B. W&#246;rterb&#252;cher) in den einzelnen Klassenr&#228;umen – &#252;ber die Verf&#252;gbarkeit von Wissen hinaus, das beispielsweise in schuleigenen oder in der Umgebung angesiedelten Bibliotheken verf&#252;gbar ist. Au&#223;erdem verhindert die bisherige Aufsichtsregelung, vor allem in der Sekundarstufe I, dass beispielsweise ein Teil der Lerngruppe in der Bibliothek und ein zweiter im Klassenraum arbeitet.</p>

<p>„Literacy“ im hier gemeinten Sinne setzt eine wesentlich gr&#246;&#223;ere Ausdifferenzierung der Unterrichts- und Schulorganisation voraus, als sie bis heute an vielen Schulen in Deutschland &#252;blich ist. Unterst&#252;tzend k&#246;nnten in diesem organisatorischen Bereich auch digitale Arbeitsmittel wirken, die die vernetzten Strukturen, auf die Lernen im Prinzip heute hinauslaufen muss, nicht nur symbolisch widerspiegeln sondern praktisch unterst&#252;tzen.</p>

<p>Ob solche Ver&#228;nderungen aber gewollt sind? Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen scheinen mir – und jetzt doch noch eine Lanze f&#252;r die Notwendigkeit der Kompetenzenvermittlung – gerade im Bereich der Vernetzung ihres Lernens nach wie vor reichlich inkompetent. Die so genannten „digital natives“ erscheinen mir oft eher „digital naiv“, was aber nicht den Lernenden anzukreiden ist, f&#252;hrt sie Schule doch in vielen F&#228;llen kaum in diese (<a href="http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/2195234_0_1272_-internet-lehrer-2-0-hat-sein-klassenziel-verfehlt.html" target="_blank">auch vielen Lehrenden v&#246;llig unbekannten</a>) Arbeitsformen ein. Entsprechend schwierig ist es, Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zur Arbeit in vernetzten Systemen zu motivieren, was allerdings auch verst&#228;ndlich ist, wenn sie diese Kompetenzen m&#246;glicherweise nur von einzelnen Lehrkr&#228;ften angeboten bekommen und diese Kompetenzen keinen akzeptierten Ort in der Schulkultur finden. In solchen F&#228;llen kann es sogar zu der paradoxen Situation kommen, dass einzelne Lehrkr&#228;fte hochgradig vernetzt arbeiten und lernen, diese Kompetenzen aber nur extrem begrenzt vermitteln k&#246;nnen, weil sie die Gegebenheiten an den Schulen nicht vorfinden – oder aber sie verlieren die Motivation, diese Kompetenzen zu vermitteln, weil dies immer wieder zu Irritationen im Kontext der Schulgemeinde f&#252;hrt.</p>

<p>Was mit einem Beitrag von Maik Riecken zur Frage des Verh&#228;ltnisses von Wissen und Kompetenzen begonnen hat, hat sich f&#252;r mich unter der Hand zu einer Frage entwickelt, die tief in die Strukturen des Lernens und Lehrens an deutschen Schulen hinein reicht. W&#228;hrend Riecken die tendenzielle Absolutsetzung von Kompetenzen kritisch in den Blick nimmt, womit ich &#252;brigens v&#246;llig einig gehe, versuche ich hier darzustellen, dass die F&#246;rderung des selbst&#228;ndigen Denkens, die eben nicht dazu f&#252;hrt, dass der reine Kompetenzmensch der abh&#228;ngige Mensch von morgen wird, eine umfassende Herausforderung ist, die (wieder einmal) an die grundlegenden Strukturen unserer Bildungseinrichtungen heran reicht. Es ist die Herausforderung von heute, Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit Kompetenzen und Wissen dazu zu bef&#228;higen, sich morgen kompetent Wissen aneignen zu k&#246;nnen und &#252;ber Reflexionskompetenzen zu verf&#252;gen, um mit Fragen und Herausforderungen umgehen zu k&#246;nnen, von denen wir heute noch gar nicht wissen, dass sie auf uns zu kommen werden.</p>

<p>Es ist wohl so, dass nie zuvor so viel Wissen konstruiert wurde, wie in unserer Gegenwart. Um so wichtiger erscheint es mir, dass ein umfassendes Grundwissen gepaart mit Kompetenzen, die reflektiert und konstruktiv mit neuem Wissen umgehen k&#246;nnen, im Zentrum heutiger Bildungsprozesse steht. Das Wissen hat sich einem Ma&#223;e differenziert, dass ein Universalgelehrter im humboldtschen Sinne kaum noch m&#246;glich scheint. Diese Differenzierung des Wissens muss sich zumindest in Ans&#228;tzen, ohne notwendiges Grundwissen auszublenden, in der einen oder anderen Form in Bildungsprozessen widerspiegeln. Das hei&#223;t nicht, dass es keine verbindlichen Inhalte mehr geben soll. Grundrechenarten k&#246;nnen ebenso wenig ins Belieben einer Bildungsinstitution gestellt werden, wie grundlegende Kenntnisse &#252;ber chemische Reaktionen,  physikalische Gesetze, Grundkonzepte der Informatik oder auch ein fundiertes kulturgeschichtliches Wissen, wie es in den geisteswissenschaftlichen F&#228;chern vermittelt wird. Doch die Formen, in denen dieses Wissen vermittelt wird, k&#246;nnen durchaus die Arbeitsformen widerspiegeln, die sich bereits heute als die Arbeitsformen der Gegenwart und absehbaren Zukunft darstellen: Lernen muss individualisiert und kooperativ ablaufen, sich vernetzen und &#246;ffnen, aber auch Platz f&#252;r Stille und R&#252;ckzug bieten. Einzelarbeit muss ebenso ihren Raum finden, wie die Arbeit in Gruppen. Die Zeit- und Raumstrukturen m&#252;ssen sich ver&#228;ndern, das Verst&#228;ndnis von Fachlehrer und Lerncoach gilt es n&#228;her zu betrachten und – nach so langem Verzicht auf diese Frage, ist sie nun dennoch unvermeidlich – die Schulen m&#252;ssen endlich eine Ausstattung erhalten, die solche Arbeitsformen m&#246;glich macht. Damit meine ich nicht nur digitale Ausstattung! Dazu geh&#246;ren Moderatorenkoffer in ausreichender Zahl, Karteikarten, Magnete in ausreichender Zahl, M&#246;glichkeiten f&#252;r Metaplanarbeit, Plakatb&#246;gen, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler inhaltlich f&#252;llen k&#246;nnen und dabei die Grundlagen des Pr&#228;sentierens lernen etc., also all das, was engagierte Lehrkr&#228;fte heute nach wie vor aus eigener Tasche bezahlen.</p>

<p>Kompetenzenorientiertes Lernen  muss an Inhalten orientiert sein, fordert aber auch eine Schule, in der diese inhaltlich orientieren Kompetenzen gepflegt werden (k&#246;nnen). Und in einem Land, dessen Bildungsausgaben im Vergleich mit anderen L&#228;ndern eher im unteren Bereich liegen, ist hier noch sehr viel Potential vorhanden, wenn entsprechende Ver&#228;nderungen politisch und gesellschaftlich wirklich gewollt werden.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2032" class="footnote">CORNELIA ROSEBROCK (2006). Lesesozialisation und Lesef&#246;rderung – literarisches Leben in der Schule. In: MICHAEL K&#196;MPER-VAN DEN BOOGAART (Hg.), Deutsch-Didaktik: Leitfaden f&#252;r die Sekundarstufe I und II. Berlin, Cornelsen Verlag Scriptor: 153–174, 154.</li><li id="footnote_1_2032" class="footnote">Sonja Livingstone (2004) <a href="http://eprints.lse.ac.uk/1027/" target="_blank">What is media literacy?</a> <em>Intermedia</em>, 32(3), 18-20. September – Hervorhebungen von mir.</li></ol>
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		<title>Rechtschreibung – wichtig und sekund&#228;r, oder: Vom Lesen und Schreiben</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 23:36:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutsch Sek. I]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag greift die Einsichten auf, die der Verfasser im Rahmen einer Fortbildung mit  Ingrid Naegele zu Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten gemacht hat. Zentrale Gedanken, denen ich hier meine eigene Ausdrucksform zu geben versuche, verdanke ich dementsprechend Ingrid Naegele, an deren &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/18/rechtschreibung-wichtig-und-sekundaer-oder-vom-lesen-und-schreiben/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Beitrag greift die Einsichten auf, die der Verfasser im Rahmen einer Fortbildung mit  <a href="http://www.abc-netzwerk.de/" target="_blank">Ingrid Naegele</a></em> <em>zu Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten gemacht hat. Zentrale Gedanken, denen ich hier meine eigene Ausdrucksform zu geben versuche, verdanke ich dementsprechend <a href="http://www.abc-netzwerk.de/" target="_blank">Ingrid Naegele</a>, an deren reicher Erfahrung ich im Rahmen der Fortbildung partizipieren durfte.
</em></p>

<p>Die F&#228;higkeit der Menschen, zu lesen und zu schreiben, hat die Welt ver&#228;ndert. Erst seit diese Kulturtechniken entwickelt wurden, ist ein „Gespr&#228;ch“ &#252;ber Raum und Zeit mit nicht anwesenden Menschen m&#246;glich. Menschen m&#252;ssen nicht l&#228;nger an einem Ort sein, um ihre Gedanken auszutauschen und so voneinander und miteinander zu lernen. Au&#223;erdem hilft uns die F&#228;higkeit des Lesens, mehr &#252;ber das Leben zu fr&#252;heren Zeiten zu erfahren als es f&#252;r einen Nicht-Arch&#228;ologen mittels arch&#228;ologischer Funde m&#246;glich ist.</p>

<p>Das Ziel des Schreibens und des Lesens ist prim&#228;r, Texte f&#252;r nicht Anwesende zu verfassen und solche Texte in die eigene Auseinandersetzung mit der Welt und deren Wirklichkeit zu integrieren.</p>

<p>Dieses Ziel muss jedem vor Augen stehen, der in Bildungsprozessen mit dem Lesen und Schreiben zu tun hat – also nicht nur Deutschlehrern, sondern Lehrenden in allen F&#228;chern der Schule, den Eltern und allen anderen an Bildungsprozessen beteiligten Personen und Institutionen.</p>

<p>Das Ziel f&#252;r die Lernenden besteht in erster Linie also darin, <span id="more-2002"></span>sich auszudr&#252;cken zu lernen. Doch das alleine reicht nicht. Wenn Texte darauf hin ausgelegt sind, f&#252;r andere Menschen verfasst zu sein, stellt sich f&#252;r jeden, der schreibt, die Frage, wie die Texte dann auch Leser finden.</p>

<p>Voraussetzungen f&#252;r die F&#228;higkeit, etwas f&#252;r Abwesende ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, sind das K&#246;nnen mindestens einer Sprache, deren Grammatik und die Beherrschung mindestens eines Zeichensystems, mit dessen Hilfe die Inhalte &#252;ber den m&#252;ndlichen Sprachgebrauch in der unmittelbaren Begegnung bzw. &#252;ber den m&#252;ndlichen Kontakt, z.B. mit Hilfe des Telefons, hinaus &#252;bermittelt werden k&#246;nnen. Im Deutschen ist dieses Zeichensystem eine Buchstabensprache. Wenn diese in Grundz&#252;gen beherrscht wird, ist Kommunikation m&#246;glich, die um so differenzierter wird, je gr&#246;&#223;er der Wortschatz ist und je genauer die Grammatik einer Sprache und die Vereinbarungen &#252;ber Schreibung von W&#246;rtern beherrscht werden. Au&#223;erdem ist Zeichensetzung f&#252;r das Verst&#228;ndnis von Texten nicht nur eine Hilfe, sondern geradezu Voraussetzung.</p>

<p>Doch im Bereich der Kenntnisse &#252;ber die Vereinbarungen zum Schreiben von W&#246;rtern ist die Verst&#228;ndlichkeit von Texten in der Regel auch dann noch m&#246;glich, wenn in einem gewissen Rahmen regelwidrig geschrieben wird. Anders ausgedr&#252;ckt: Rechtschreibfehler verhindern nicht unbedingt, dass das Ziel des Schreibens erreicht werden kann. Das Gespr&#228;ch &#252;ber Raum und Zeit hinweg ist auch mit Rechtschreibfehlern m&#246;glich.</p>

<p>Dass bedeutet nun nicht, dass Rechtschreibung kein anzustrebendes Ziel sei. Da wir in der Regel vom regelkonformen Gebrauch der Vereinbarungen zur Rechtschreibung ausgehen und dieser auch erwartet wird, ist das Ziel nat&#252;rlich eine regelkonforme Schreibweise, die in der Schule zu lernen ist.</p>

<p>Da aber das Ziel des Schreibens nicht <em>prim&#228;r </em>in der Rechtschreibung liegt, ist Rechtschreibung ein Beiprodukt, so eine Formulierung, die <a href="http://www.abc-netzwerk.de/" target="_blank">Ingrid Naegele</a> im Rahmen einer von mir besuchten Fortbildung gebrauchte. Im Zentrum aber muss die F&#228;higkeit stehen, sich f&#252;r nicht anwesende Personen auszudr&#252;cken. Rechtschreibung ist dabei nicht das Ziel, sondern ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, was aber auch gelingt, solange ein Wort zumindest im gr&#246;&#223;eren Zusammenhang f&#252;r den Leser verst&#228;ndlich ist.</p>

<p>Dieses zu erlernende Mittel muss ge&#252;bt werden – und zwar nicht nur in Form des Lernens der Schreibung einzelner W&#246;rter, sondern im Zusammenhang mit Satzbau und Zeichensetzung.</p>

<p>Texte k&#246;nnen aber auch schon gelungen sein, bevor die Regelkonformit&#228;t erreicht wird, gelungen in dem Sinne, dass sie f&#252;r einen nicht anwesenden Leser oder eine nicht anwesende Leserin verst&#228;ndlich sind. Und dieses Ziel muss beim Erlernen und Lehren einer Sprache im Zentrum stehen.</p>

<p>Wesentlich f&#252;r das Erreichen einer guten Ausdrucksf&#228;higkeit ist das Lesen. Fremde Texte werden zum Vorbild daf&#252;r, was mit dem Schreiben m&#246;glich ist und sie sind motivierend bez&#252;glich der eigenen Schreibkompetenz.</p>

<p>Das erste Ziel eines Lehrenden muss meines Erachtens also die F&#246;rderung der Lust am Lesen und Schreiben sein, da nur so das Ziel einer formgerechten Schreibung auf Dauer erzielt werden kann.</p>

<p>Dieser Lust ist eine &#220;bergewichtung des Ziels einer formgerechten Schreibung, ein Ziel, dass nat&#252;rlich nie aus den Augen verloren oder gar verneint werden darf, abtr&#228;glich. Um das Ziel zu erreichen, gilt es, das Selbstvertrauen in das eigene Lesen und Schreiben zu f&#246;rdern, um so mehr, wenn ein Kind Schwierigkeiten mit dem Lesen und dem Schreiben hat.</p>

<p>Das hat f&#252;r die t&#228;gliche Arbeit als Lehrer, aber auch f&#252;r den Einsatz aller anderen an Bildungsprozessen beteiligten Personen Konsequenzen.</p>

<p>Um Missverst&#228;ndnissen vorzubeugen: Ich pl&#228;diere im Folgenden nicht f&#252;r eine Vernachl&#228;ssigung des formgerechten Schreibens, ich pl&#228;diere vielmehr f&#252;r eine Herangehensweise an das Thema des Lesens und der Rechtschreibung, die das eigentliche Ziel des Lesens und Schreibens nicht aus den Augen verlieren: Es geht um die F&#228;higkeit, Gedanken so ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, dass nicht anwesende Leser und Leserinnen diese verstehen k&#246;nnen. Formgerechtes Schreiben, verbunden mit einem angemessen Wortschatz, macht dies deutlich leichter, wobei ein gr&#246;&#223;erer Wortschatz zudem auch das Lesen von Texten und somit das Verstehen der Gedanken anderer, nicht anwesender, Personen erleichtert oder &#252;berhaupt erst m&#246;glich macht.</p>

<p>Doch dieses Ziel muss idealerweise zu einem eigenen Ziel der Lernenden werden. Es muss also einerseits alles getan werden, dass Lernende dieses Ziel erreichen – es idealerweise sogar zu ihrem eigenen Ziel machen und nicht nur zu einem Ziel, dem sie sich in der Schule zu unterwerfen haben – und andererseits alles unterlassen werden, was das Erreichen dieses Ziels verhindert. Eine zu fr&#252;he &#252;bertriebene Konzentration auf die Rechtschreibung geh&#246;rt in dem meisten F&#228;llen wohl zu den zu unterlassenden Verhaltensweisen, soll die Lust am Lesen und Schreiben angemessen gef&#246;rdert werden, auch wenn das Ziel einer formgerechten Schreibung nie aus dem Auge verloren werden darf.</p>

<p>Was also ist zu tun und womit sollte man vorsichtig sein, wenn man mit Lernenden an den Zielen des Lesens und Schreibens arbeitet?</p>

<ol>
    <li>Das Hauptprodukt des Lernprozesses ist die Lust am Lesen und Schreiben als M&#246;glichkeiten der Entdeckung und der Reflexion des Selbst und der Welt, aber auch als M&#246;glichkeit, sich selbst auszudr&#252;cken bzw. Ausdrucksformen zu kennen und vielleicht sogar f&#252;r sich nutzen zu lernen.</li>
    <li>Formgerechte Schreibung ist ein Beiprodukt dieses Hauptproduktes des Bildungsprozesses und Fehler sollten nicht der Grund sein, dass ein Kind zu einem fr&#252;hen Zeitpunkt eine Schulform verlassen muss.</li>
    <li>Der Inhalt von Texten, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler verfassen, sollte nicht (zu fr&#252;h) im Rahmen der R&#252;ckmeldung von Fehlern &#252;berdeckt werden. Eine (zu fr&#252;he) Einf&#252;hrung verbindlicher und vor allem notenrelevanter Fehlerindizees sollte unterbleiben.</li>
    <li>An die Stelle der blo&#223;en Markierung und Bewertung von Fehlern m&#252;ssen Formen treten, die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern einen reflexiven Umgang mit den Fehlern erm&#246;glichen. Es geht also nicht nur darum, Rechtschreibung zu &#252;ben (darum geht es auch!), sondern darum, die Gr&#252;nde f&#252;r die Fehler zu erkennen und diese somit reflexiv zu vermeiden.</li>
    <li>Korrekturen sollten immer den Respekt vor dem Text des / der Lernenden widerspiegeln und den Text eben nicht in ein Feld der bombengleichen Einschl&#228;ge des Rotstiftes machen. Ja, auch Korrektur kann &#228;sthetisch angemessen und unangemessen sein.</li>
    <li>Aufgabe des Lehrers ist es nicht, ein Kind zu demotivieren, sondern dieses von seinen St&#228;rken ausgehend zu f&#246;rdern. Wenn in einem Text von 150 W&#246;rtern 30 W&#246;rter falsch geschrieben sind, macht es, vor allem f&#252;r Kinder mit Schwierigkeiten beim Schreiben und beim Lesen, einen riesigen Unterschied, ob ich unter eine Arbeit oder eine Hausaufgabe „Du hast 30 Fehler“ oder „Du hast 120 von 150 W&#246;rtern richtig geschrieben“ schreibe.</li>
    <li>Die F&#246;rderung des Schreibens muss sich an dem orientieren, was Kinder k&#246;nnen und ebenso an dem, was Kinder &#252;ben m&#252;ssen. Angesichts der nach wie vor beeindruckenden Klassengr&#246;&#223;en gilt es hier, kreative ( = umsetzbare) Binnendifferenzierungsm&#246;glichkeiten zu suchen, die zumindest phasenweise eine individuelle F&#246;rderung m&#246;glich machen.</li>
    <li>Klassenarbeiten sind nicht nur Leistungs&#252;berpr&#252;fungen am Ende einer Unterrichtsphase, sondern Instrumente im Lernprozess. Deshalb gilt es, Wege zu finden, die mit Klassenarbeiten diagnostizierend und den weiteren Lernprozess f&#246;rdernd umgehen. Verbesserungen erf&#252;llen nur dann ihren Zweck, wenn sie in einen Reflexionsprozess &#252;ber die Fehler einf&#252;hren und diesen f&#252;r die weitere Arbeit fruchtbar machen.</li>
    <li>Die F&#246;rderung des lustvollen Umgangs mit Texten und dem Schreiben ist in der Schule nicht nur Aufgabe der Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen, sondern eine Aufgabe der gesamte Schule und somit aller F&#228;cher! Die F&#228;higkeit, sich angemessen ausdr&#252;cken zu k&#246;nnen, ist f&#252;r alle F&#228;cher relevant und f&#252;r die Teilhabe an der Gesellschaft und die Entfaltung der Pers&#246;nlichkeit von so zentraler Bedeutung, dass alle Lehrer und Lehrerinnen entsprechende Kenntnisse &#252;ber F&#246;rderm&#246;glichkeiten haben m&#252;ssen.</li>
    <li>Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler lernen am besten mit positiven Emotionen. Es geht also darum, f&#252;r Erfolgserlebnisse zu sorgen. Dazu kann es auch hilfreich sein, Fehler zwar als solche kenntlich zu machen, diese aber gegebenenfalls nicht notenrelevant werden lassen. Dies gilt insbesondere f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, aber nicht nur.</li>
    <li>Wenn es beim Schreiben strukturell darum geht, Gedanken so auszudr&#252;cken, dass sie sie von einem anderen, nicht anwesenden Menschen verstanden werden k&#246;nnen, sollten viel h&#228;ufiger und intensiver M&#246;glichkeiten genutzt werden, diese Texte auch wirklich wichtig werden zu lassen. Hierzu k&#246;nnen „Ver&#246;ffentlichungen“ in der Lerngruppe ebenso dienen wie beispielsweise Sch&#252;lerzeitungen, Lesungen in einer Klasse oder &#252;ber diese hinaus, Schreibwettbewerbe, gemeinsam erstellte Weblogs und Wikis und einfach alles, was zum Schreiben f&#252;r andere einl&#228;dt. Es geht also auch um die Frage, wie Texte Leser und Leserinnen finden  – und ein solcher Leser oder eine solche Leserin sollte eben nicht nur der Lehrer oder die Lehrerin sein, wenn man will, dass Lernende nicht prim&#228;r f&#252;r Lehrende schreiben.</li>
    <li>Um das Schreiben zu lernen muss viel gelesen werden. Dabei ist auch das Vorlesen von zentraler Bedeutung, da dies f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler motivierend ist und diese auf diesem Wege ganz viel Wissen erwerben k&#246;nnen (auch &#252;ber das Lesen).</li>
    <li>Vor allem Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, aber nat&#252;rlich auch alle anderen, d&#252;rfen nicht blo&#223; gestellt werden. Will ich etwas &#252;ber die  Lesef&#228;higkeiten der Kinder erfahren, kann es eine durchaus bedenkenswerte Alternative sein, Texte auf Kassette oder als MP3 aufzeichnen zu lassen, statt jeden vor der Klasse lesen zu lassen. In diesem Zusammenhang kann es auch hilfreich sein, wenn Kinder Texte mitlesen, die sie vorgelesen bekommen. Gut eingelesene H&#246;rb&#252;cher k&#246;nnen hier eine gro&#223;e Hilfe sein.</li>
    <li>Es gilt, mit den Kindern &#220;bungsstrategien zu erlernen und einzusetzen, die eher dem Prinzip der Kontinuit&#228;t als des gro&#223;en Umfangs in kurzer Zeit dienen.</li>
    <li>Und weil es so wichtig ist, noch einmal: Im Zentrum des Lesens und Schreibens stehen die Ausdrucksf&#228;higkeit, das „Gespr&#228;ch“ &#252;ber Raum und Zeit und vor allem die Lust am Lesen und Schreiben. Ohne diese Lust wird das Erreichen eines formgerechten Schreibens erschwert. Rechtschreibung ist ein Beiwerk, ein Mittel und nicht der Zweck, so wenig sie aus dem Blick verloren werden darf.</li>
</ol>

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		<title>Handys und MP3-Ger&#228;te an der Schule?</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Mar 2009 01:16:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die an Schulen zu f&#246;rdernden Kompetenzen stehen immer in einem engen Zusammenhang mit Wissen. Ohne Wissen keine Kompetenz! Und Unterricht, der nur Methoden verwendet, ohne diese immer mit den Inhalten zu koppeln bzw. aus den Inhalten abzuleiten, ist vermutlich nicht &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/03/16/handys-und-mp3-geraete-an-der-schule/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die an Schulen zu f&#246;rdernden Kompetenzen stehen immer in einem engen Zusammenhang mit Wissen. Ohne Wissen keine Kompetenz! Und Unterricht, der nur Methoden verwendet, ohne diese immer mit den Inhalten zu koppeln bzw. aus den Inhalten abzuleiten, ist vermutlich nicht unbedingt guter Unterricht.</p>

<p>Zu dem Wissen und den damit verbundenen Kompetenzen, die Schule zu vermitteln hat, geh&#246;rt nach den Lehrpl&#228;nen auch Wissen &#252;ber und kompetenter Umgang mit Medien, auch wenn diese in den Lehrpl&#228;nen nach wie vor oft mit den »alten« Medien Zeitung und Film verbunden sind. Da aber die Lebenswelt mehr und mehr von »neuen« Medien gepr&#228;gt ist, geh&#246;ren diese nat&#252;rlich auch in den Unterricht. Je nach pers&#246;nlicher Einstellung der Lehrenden werden dann die Nachteile oder die Vorteile oder beides thematisiert und an Inhalte gebunden.</p>

<p>Ein paar Beispiel:</p>

<ul>
    <li>Wenn ich einen Roman lese und bislang ein Lesetagebuch f&#252;hren lasse spricht inhaltlich nichts dagegen, ein Lesetagebuch als Blog zu f&#252;hren <em>und</em> die Erfahrungen des Lesens und der verwendeten Arbeitsform zu reflektieren.</li>
    <li>Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen habe Ideen, die ich nicht habe: Ein Abiturient erstellt eine Lernkartei in Powerpoint und speichert die Folien mit Fragen und Antworten als Bilder, die er dann auf seinem Handy immer mit sich tr&#228;gt und erfolgreich nutzt. Und ja, einen solchen Einsatz von Handys finde ich gut, <em>wenn er f&#252;r das Lernen effektiv ist</em>.</li>
    <li> Viele meiner Oberstufensch&#252;ler haben mit dem Handy Internetzugang. Auch wenn ich es noch nicht praktiziere, frage ich mich manchmal, ob im Kontext eigenst&#228;ndiger Lernprozesse dieses Instrument nicht genau so genutzt werden sollte, wie bisher z.B. verf&#252;gbare W&#246;rterb&#252;cher, wobei gleichzeitig nat&#252;rlich z.B. die Qualit&#228;t von Internetinformationen zu reflektieren w&#228;re. Allerdings w&#228;re der Einsatz des Handys mit Internetzugang bei Klausuren wegen Missbrauchsrisiken nach wie vor nicht zu erlauben</li>
    <li> MP3Player als Lerninstrument: Ich selbst geh&#246;re zu den Leuten, die mit digitalem Diktierger&#228;t arbeiten, gerade wenn es um meine Lekt&#252;ren geht. Die Aufzeichnungen nutze ich, mit guter Verschlagwortung in meinem Audio-Verwaltungsprogramm, zum wiederholen und Lernen.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/03/16/handys-und-mp3-geraete-an-der-schule/#footnote_0_1270" id="identifier_0_1270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Au&amp;#223;erdem nutze ich, das aber nur am Rande, das Diktierger&amp;#228;t auch, um in f&amp;#252;r Unterrichtsdokumentationen knapp bemessenen Pausenzeiten Notizen zum Unterricht festzuhalten, da wir nun einmal ca. 7x schneller diktieren als schreiben k&amp;#246;nnen.">1</a></sup> – Viele Handys bieten die M&#246;glichkeit zu Sprachnotizen und somit auch zum Lernen &#252;ber das H&#246;ren, womit nat&#252;rlich vor allem auditive Lerntypen angesprochen sind. (Stundenaufzeichnungen sind damit aber nicht unbedingt erlaubt, weil es da Gespr&#228;che gibt, an denen viele beteiligt sind und solche Aufnahmen nur m&#246;glich w&#228;ren, wenn ALLE dem zustimmen.)</li>
    <li> MP3Player als Lerninstrument zum Anh&#246;ren von Podcasts: Viele Radiosender des &#246;ffentlichen Bereiches bieten nach wie vor hervorragende Bildungssendungen an. Eine Heranf&#252;hrung an solche Bildungsangebote findet in Schule noch viel zu wenig statt. Fachbezogene Podcasts und deren Reflexion im Unterricht – das w&#252;nsche ich mir f&#252;r Unterricht.</li>
    <li> Und dann nat&#252;rlich die produktive Seite: Sch&#252;ler die Blogs schreiben, Podcasts erstellen, die Fotofunktion von Handys (oder Digitalkameras) f&#252;r Unterrichtsprojekte nutzen… All das ist nicht von Inhalten getrennt zu denken. Das Medium alleine macht noch keinen guten Unterricht, erst die Reflexion der Arbeit und der Methoden und Medien macht einen solchen m&#246;glich.</li>
    <li> Schlie&#223;lich: Schule muss Jugendliche in die Lage versetzen, ohne die Schule in komplexen Lebenswelten zurecht zu kommen. Dazu geh&#246;rt auch der angemessene und vor allem produktive Umgang mit Handys, MP3-Playern, dem Internet, Foren etc. Schule bietet hier die M&#246;glichkeit, aus dem unreflektierten Umgang mit diesen Medien heraus zu kommen.</li>
</ul>

<p>Kurz noch zum Thema Missbrauch von Handys in der Schule: Nat&#252;rlich werden Handys auch genutzt um Dinge zu tun, die Opfer erzeugen und illegal sind. Hier gilt es eine Atmosph&#228;re zu schaffen, in der die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler lernen k&#246;nnen, was nicht geht! Und sei es nur, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler wissen: Mein Lehrer ist in Sachen Internet kompetent, findet solche Sachen – und geht konsequent dagegen vor!<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2009/01/29/podcasts-eine-kurze-einfuehrung/" rel="bookmark" title="29. Januar 2009">Podcasts &#8211; Eine kurze Einf&#252;hrung</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/08/schueleraktivitaet-im-unterricht-die-affenmetapher/" rel="bookmark" title="8. November 2010">Sch&#252;leraktivit&#228;t im Unterricht: Die Affenmetapher</a></li>

<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/17/lernraume-fur-kinder-ohne-raum-zum-lernen/" rel="bookmark" title="17. M&#228;rz 2011">Lernr&#228;ume f&#252;r Kinder ohne Raum zum Lernen</a></li>

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</ul>

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		<pubDate>Mon, 19 Jan 2009 22:57:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sechs Zeilen, die irgendwann von irgendjemanden geschrieben wurden. &#220;berliefert wurde dieses Gedicht am Schluss eines Briefes, der auf Latein geschrieben ist. Dieser Brief wurde in der sog. Tegernseer Briefsammlung &#252;berliefert. – Mehr ist mit Gewissheit nicht &#252;ber das Gedicht zu &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/01/19/anonym-du-bist-min/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sechs Zeilen, die irgendwann von irgendjemanden geschrieben wurden. &#220;berliefert wurde dieses Gedicht am Schluss eines Briefes, der auf Latein geschrieben ist. Dieser Brief wurde in der sog. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tegernseer_Briefsammlung" target="_blank">Tegernseer Briefsammlung</a> &#252;berliefert. – Mehr ist mit Gewissheit nicht &#252;ber das Gedicht zu sagen, auch wenn es reichlich Fundstellen im Internet gibt, die die Vermutung, er k&#246;nnte von einer Nonne geschrieben sein, als Tatsache hinstellen. Ebenso umstritten ist, ob es sich um reale Briefe oder um Musterbriefe handelt. F&#252;r die Literaturgeschichte sind solche Fragen zwar durchaus wichtig und, um ehrlich zu sein, ich finde diese Fragen auch durchaus spannend, doch f&#252;r dieses Gedicht, dass als eines der ber&#252;hmtesten deutschsprachigen Liebesgedichte gehandelt wird, sind diese Fragen und deren Beantwortung nicht wichtig. Viel wichtiger ist: Dieses Gedicht wirkt! Lasse ich es also zun&#228;chst einmal wirken, um es mir dann ein wenig genauer anzuschauen:</p>

<blockquote><p>Dû bist mîn, ich bin dîn.<br />
des solt dû gewis sîn.<br />
      dû bist beslozzen<br />
      in mînem herzen,<br />
verlorn ist das sluzzelîn:<br />
dû muost ouch immêr darinne sîn.<br /></p>

(&#220;bersetzung:

<p>Du bist mein, ich bin dein,<br />
dessen sollst du gewiss sein.<br />
Du bist beschlossen<br />
in meinem Herzen,v
verloren ist das Schl&#252;sselein:<br />
du musst auch immer darinnen sein.)</p></blockquote>

<p>Auf den ersten Blick scheint mir das Gedicht sehr eindeutig: Ein Liebesgedicht, das in perfekter formaler Gestaltung daher kommt. Drei Mal zwei Vers, von diesen sind die beiden mittleren, was in vielen Wiedergaben des Gedichtes unterschlagen wird, einger&#252;ckt. Optisch wird der <a class="st_tag internal_tag" title="Posts tagged with Inhalt" rel="tag" href="../../tag/inhalt/">Inhalt</a> dieser beiden Zeilen formal reproduziert: Eingeschlossen im Herzen des Gedichtes – und die Schl&#252;ssel sind ein f&#252;r alle Mal verloren, sowohl im Gedicht, aber auch wenn es um all die Fragen geht, die sich mit der Herkunft und der Entstehung des Gedichtes befassen. Doch der Einschluss geht noch weiter: Eingerahmt sind die beiden Mittelzeilen von je zwei Versen, die mit der gleichen Reimsilbe »în« enden. Lasse ich die Mittelzeilen weg, so ergibt das Gedicht nach wie vor einen Sinn, wenn auch einen weit weniger romantischen, als die verbreiteten Lesegewohnheiten gegen&#252;ber diesem Gedicht vermuten lassen.</p>

<p>Als ich dieser Tage eine spontane &#196;u&#223;erung zu dem Gedicht zu h&#246;ren bekam, die den Text zun&#228;chst einmal als etwas bedrohliches wahrgenommen hat, habe ich diese Wahrnehmung zun&#228;chst recht spontan zur&#252;ck gewiesen: Hier geht es doch eindeutig um einen Menschen, der liebt und diese Liebe zum Ausdruck bringen will. – Mittlerweile bin ich mir aber nicht mehr so sicher, dass diese scheinbar eindeutige Lesart die einzig m&#246;gliche Lesart dieses Gedichtes ist. Die Gr&#252;nde f&#252;r diese Zweifel liegen im Text selbst:</p>

<p>Je l&#228;nger ich mich mit dem Gedicht befasse, um so irritierender finde ich die erste Zeile. In dieser Zeile geht es um eine Art Besitzverh&#228;ltnis des lyrischen Ichs und dem angesprochenen Du. Nachdem ich lange nicht so genau wusste, was mich hier eigentlich st&#246;rt, merkte ich, dass es die Reihenfolge ist, in der der gegenseitige Besitz beschrieben wird. Wenn es sich eindeutig um ein Gedicht handeln w&#252;rde, in dem ein Menschen einem anderen Menschen seine Liebe gestehen will, nicht mit einer Zuordnung des lyrischen Ichs zum Du beginnen? Dann aber m&#252;sste die erste Ziele »Ich bin dîn, du bist mîn« lauten, gibt sich Liebe doch zun&#228;chst einmal selbst dem Anderen hin, ohne diesen in Besitz zu nehmen.</p>

<p>Hier aber ist des genau umgekehrt: »<em>Du</em> bist mîn« lautet die erste H&#228;lfte des ersten Verses. Das ist nicht die Hingabe eines oder einer Liebenden an ein geliebtes Gegen&#252;ber, die, wird sie erst einmal &#246;ffentlich bekannt, auch verletzlich macht, da die Liebe ja immerhin zur&#252;ckgewiesen oder nicht erwidert werden k&#246;nnte. Doch genau diese Verletzlichkeit, die eine solche Liebe pr&#228;gt, ist in diesem Gedicht nicht zu finden. Ganz im Gegenteil: Ich h&#246;re in diesem Gedicht einen Triumph, ein Besitzen, dass ein Einschlie&#223;en ist, ein Verschlie&#223;en, ohne dem Gegen&#252;ber die Freiheit zu lassen. Dem Gegen&#252;ber wird dieser Tatbestand mit Hilfe einer Verkleinerungsform nahe gebracht, wenn von einem »Schl&#252;ssel<em>ein</em>« gesprochen wird. Sp&#228;testens an dieser Stelle in Zeile 5, gefolgt von dem »musst« (von mir aus kann dies auch als »wirst« gelesen werden), verliert diese Liebe eines der zentralen Momente einer authentischen Liebe, n&#228;mlich den Respekt vor der Freiheit des anderen, der sich in Freiheit bindet und von daher bereit ist, einen Teil seiner »Freiheit« freiwillig aufzugeben. Freiheit hei&#223;t aber, im Herzen des anderen zu sein, ohne dass dieser ein Schloss braucht, um diese Liebe zu halten.</p>

<p>Und pl&#246;tzlich klingt das »Du bist mîn« der ersten Zeile ein wenig wie eine Inbesitznahme des Gegen&#252;bers, auch wenn dann die Aussage folgt, dass das lyrische Ich auch dem Du geh&#246;re. Doch das Du wird hier als passiv dargestellt, als wehrlos, <a href="http://www.cicero.de/1725.php?kol_id=10808" target="_blank">wie Alois Weimer in seiner Interpreation des Gedichtes in »Cicero – Magazin f&#252;r politische Kultur« bereits dargestellt hat</a>, die mir bei meinem Br&#252;ten &#252;ber der Frage, was mich an diesem Gedicht zunehmend st&#246;rt, begegnet ist. Nein, das lyrische Ich in diesem Gedicht gibt sich nicht bedingungslos hin, sondern es vereinnahmt das Du.</p>

<p>Und genau deshalb, so meine These, wirkt das Gedicht so anziehend: Hier wird keine romantische Liebe beschworen! Dieses Gedicht beschreibt vielmehr, wie <a href="http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_4437.html" target="_blank">janusk&#246;pfig</a> Liebe erfahren werden kann: Neben der engen Verbindung zweier Individuen – und es ist erstaunlich, dass bereits hier so etwas wie Individuen aufzutauchen scheinen, wird die Entdeckung des »Ich« doch allgemein der italienischen Renaissance zugesprochen – wird hier die Inbesitznahme des Du durch das lyrische Ich thematisiert. Liebe wird hier nicht verkl&#228;rt, sondern mit ihren Gefahren dargestellt.</p>

<p>Diese Aussage, verbunden mit der perfekten Verbindung des Inhalts mit der Form, macht dieses Gedicht zu einem gro&#223;artigen Gedicht. Ja, der romantische Teil der Liebe, wie wir sie seit der <a href="http://xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">Romantik </a>in unsere Vorstellungswelt als Ideal aufgenommen haben, klingt hier schon mit, doch er wird erg&#228;nzt durch die wenig romantische Realit&#228;t der Abh&#228;ngigkeit auf Gedeih und Verderb, die im 12. Jahrhundert noch Realit&#228;t war, aber auch von dem Ph&#228;nomen des durchaus auch materiell zu verstehenden Besitzanspruch des lyrischen Ichs gegen&#252;ber dem Du dieses Gedichtes.</p>

<p>Diese Doppelb&#246;digkeit der Liebe ist bis heute nicht aus dem Erfahrungsschatz der Menschen verschwunden. Hier, in einem der &#228;ltesten Zeugnisse eines Liebesgedichtes in deutscher Sprache, die wir haben, wird dieses Ph&#228;nomen bereits auf den Punkt gebracht, sodass es bis heute kein &#252;berm&#228;&#223;iges Problem zu sein scheint, einen Zugang zu diesem Gedicht zu bekommen, auch wenn dieser Zugang meist nur die eine, die romantische Seite der hier beschriebenen Liebe zu sehen bereit ist und dabei die weit n&#252;chternere und deshalb auch erschreckendere Lesart dieses Gedichtes aus dem (bewussten) Blick verliert.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Alle Tage (Ingeborg Bachmann)</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Sep 2008 23:23:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle Tage (Ingeborg Bachmann) von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz. Ingeborg Bachmanns Gedicht »Alle Tage« hat das Zeug zum Klassiker. Sprachlich und formal einfach gebaut, inhaltlich daf&#252;r um so gehaltvoller, lesbar und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/30/alle-tage-ingeborg-bachmann/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/"><img alt="Creative Commons Lizenzvertrag" style="border-width:0" src="http://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/3.0/de/88x31.png" /></a><br /><span xmlns:dct="http://purl.org/dc/terms/" href="http://purl.org/dc/dcmitype/Text" property="dct:title" rel="dct:type">Alle Tage (Ingeborg Bachmann)</span> von <a xmlns:cc="http://creativecommons.org/ns#" href="http://herrlarbig.de/?p=367" property="cc:attributionName" rel="cc:attributionURL">Torsten Larbig</a> steht unter einer <a rel="license" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz</a>.</em></p>

<p><a href="http://www.ingeborg-bachmann-forum.de/" target="_blank">Ingeborg Bachmann</a>s Gedicht »<a href="http://www.lyrikline.org/index.php?id=162&amp;L=0&amp;author=ib00&amp;show=Poems&amp;poemId=265&amp;cHash=e052e3311b" target="_blank">Alle Tage</a>« hat das Zeug zum Klassiker. Sprachlich und formal einfach gebaut, inhaltlich daf&#252;r um so gehaltvoller, lesbar und immer wieder neu verstehbar in den unterschiedlichsten Zeiten. Machen wir das &#220;bliche also kurz:</p>

<blockquote>1953 erschien das Gedicht in Bachmanns Gedichtband »Gestundete« Zeit, der sie als Autorin bekannt machte. Der zweite Weltkrieg war gerade vorbei, der Kalte Krieg in vollem Gange. Es lag also nahe, &#252;ber die Allt&#228;glichkeit des Krieges auch in der Poesie nachzudenken.</blockquote>

<p>Wenn nun also jemand kommt und sagt, <a href="http://logos.kulando.de/post/2007/08/11/bachmann_alle_tage_-_interpretation" target="_blank">man </a><em><a href="http://logos.kulando.de/post/2007/08/11/bachmann_alle_tage_-_interpretation" target="_blank">m&#252;sse</a></em><a href="http://logos.kulando.de/post/2007/08/11/bachmann_alle_tage_-_interpretation" target="_blank"> ein solches Gedicht vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund verstehen</a>, hat er zwar Recht, doch gleichzeitig erkl&#228;rt er das Gedicht, wahrscheinlich ohne es zu wollen, f&#252;r tot: Ja, ich kann ein Gedicht vor dem zeithistorischen Hintergrund <em>verstehen</em> (oder vor dem Hintergrund der Biographie einer Autorin), aber wenn ich ein Gedicht verstehe – f&#252;r mich ist es dann kein Gedicht mehr.</p>

<p>Klar: Ich habe Formanalysen gelernt, kann mit einigen rhetorischen Begriffen was anfangen und bin auch nach wie vor davon &#252;berzeugt, dass ein historischer oder ein auf die Biographie von Autoren und Autorinnen hin ausgerichteter Zugang zu einem Gedicht sehr hilfreich sind, wenn ich mit einem Gedicht ins Gespr&#228;ch kommen will, aber best&#252;nde der Reiz von Gedichten nur daraus, w&#228;ren sie nicht mehr als nette kulturhistorische Dokumente. Diese Zugangsweisen helfen, ein Gedicht im Kontext seiner Entstehung zu verstehen. Aber ein Gedicht beginnt f&#252;r mich erst da zu leben, wo ich selbst mit ihm in ein Gespr&#228;ch eintrete und es nicht f&#252;r das literaturhistorische Seminar oder den Unterricht analysiere. Dort, wo ein Gedicht meine Gedanken zum rotieren bringt, mich ein Sog erfasst, der mir immer neue Gedanken und Ideen bringt und mich auch mit meinen Gef&#252;hlen in ein Gedicht hinein zieht – dort lebt f&#252;r mich ein Gedicht.<span id="more-367"></span></p>

<p>Ingeborg Bachmanns »Alle Tage« ist f&#252;r mich ein solches Gedicht. Es begegnet mir gerade jetzt, weil ich mich neu mit <a href="http://www.tereziamora.de/" target="_blank">Terézia Mora</a>s Roman <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/18624.html" target="_blank">gleichen Titels</a> befasse und mich an die Namensgleichheit der Titel erinnerte. Ob es eine Verbindung gibt, ist mir noch nicht klar. Dass aber Bachmanns Gedicht f&#252;r mich eine erschreckende Aktualit&#228;t hat, das habe ich diese Tage neu entdecken d&#252;rfen.</p>

<p>Das Formale: Drei reimlose Strophen, einmal acht und zweimal sechs Verse – zwanzig Verse insgesamt. »Alle Tage« ist ein kurzes Gedicht. Auffallend sind die &#220;berg&#228;nge der Verse, die in vielen F&#228;llen als <a href="http://abgedichtet.org/?p=31" target="_blank">Enjambement</a> gestaltet sind. – Lese ich nun das Gedicht<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/30/alle-tage-ingeborg-bachmann/#footnote_0_367" id="identifier_0_367" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Aus urheberrechtlichen Gr&amp;#252;nde kann der Text des Gedichtes hier nicht ver&amp;#246;ffentlicht werden.">1</a></sup>, so werde ich die Frage aufnehmen m&#252;ssen, was dieses Ph&#228;nomen f&#252;r mein Verst&#228;ndnis des Textes bedeutet.</p>

<p>Es geht von Anfang an um den Krieg; um keinen bestimmten Krieg, sondern um den Krieg an sich, der mit einem bestimmten Artikel eingef&#252;hrt wird: »Der Krieg wird nicht mehr erkl&#228;rt, / sondern fortgesetzt. Das Unerh&#246;rte / ist allt&#228;glich geworden.« (V 1–3a) – Und da ist es schon, das erste Enjambement: Dass »Der Krieg« fortgesetzt wird, ohne erkl&#228;rt zu werden, ist unerh&#246;rt. Doch au&#223;erdem ist er »allt&#228;glich« geworden.</p>

<p>Ich sehe hier das Enjambement als die formale Umsetzung des Ausbruchs des Krieges aus den bislang gewohnte Grenzen: Er ist in den Alltag eingekehrt. Und auch an anderen Stellen kennzeichnet dieses Stilmittel die &#220;berschreitung von Grenzen des Gewohnten, des Unerh&#246;rten, dessen, was eigentlich sein darf<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/09/30/alle-tage-ingeborg-bachmann/#footnote_1_367" id="identifier_1_367" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. z. B. V 3/4; 4/5">2</a></sup>, das durch das »Unerh&#246;rte« dessen, was nicht »normal« sein darf &#252;berlagert wird.</p>

<p>Komme ich selbst, einigerma&#223;en unabh&#228;ngig von den Zeitumst&#228;nden der Entstehung des Gedichtes, mit dem Gedicht ins Gespr&#228;ch, so habe ich mehrere Assoziationen, was dieses »Unerh&#246;rte« in der Gegenwart sein k&#246;nnte:</p>

<ul>
    <li>Ich denke an Umgangsformen, die in immer mehr Bereichen von Konkurrenzgedanken gepr&#228;gt sind. Doch bei diesem Gedanken str&#228;ubt sich etwas in mir: Ist es nicht eine Verharmlosung dessen, was Krieg bedeutet, wenn ich dieses Begriff f&#252;r Umgangsformen verwende, die trotz allem, zumindest in meinem bisherigen Erfahrungskontext, relativ friedlich ablaufen?</li>
    <li>Ich denke daran, wie das Ende des Kalten Krieges 1989 fast unmittelbar in neue Kriege f&#252;hrte (Jugoslawien, Kuwait-Krieg…) und das »Unerh&#246;rte« Schritt f&#252;r Schritt auf f&#252;r die deutsche Au&#223;enpolitik zu etwas M&#246;glichem wurde, wenn auch aus der Perspektive der humanit&#228;ren Hilfe in Krisenregionen.</li>
    <li>Ich denke an den 11. September und daran, dass das bis dahin »Unerh&#246;rte« in den letzten Jahren mehr und mehr »allt&#228;glich geworden« ist: Bundeswehrsoldaten im dauerhaften Auslandseinsatz; die zunehmende Selbstverst&#228;ndlichkeit von Video&#252;berwachung; die Vorratsdatenspeicherung und alle weiteren Ma&#223;nahmen, die Sorgen begr&#252;nden, dass sich ein &#220;berwachungsstaat am Horizont abzeichnen k&#246;nnte. – Es scheint »allt&#228;glich geworden«, dass Freiheit nicht mehr als etwas verstanden wird, dass einem erlaubt, nichts zu verbergen zu haben und doch gegen &#220;berwachung und Vorratsdatenspeicherung zu sein.</li>
    <li>Ich denke an die Schlacht um die pers&#246;nlichen Daten m&#246;glichst vieler Menschen, in der noch viel mehr Daten gespeichert werden, als es Staaten heute durchsetzen wollen – Daten, die viele Menschen einfach Preis geben, ohne sich der m&#246;glichen Folgen bewusst zu sein.</li>
    <li>Und gerade in diesen Tagen denke ich daran, wie unerh&#246;rt es eigentlich ist, dass private Banken so wirtschaften k&#246;nnen und d&#252;rfen, dass pl&#246;tzlich Milliarden an Steuergeldern eingesetzt werden, um sie vor dem Konkurs zu retten.</li>
</ul>

<p>»Das Unerh&#246;rte / ist allt&#228;glich geworden.« – So allt&#228;glich, dass es oft gar nicht mehr als »Unerh&#246;rtes« wahrgenommen wird.</p>

<p>Bis an diese Stelle lese ich Bachmanns »Alle Tage« als ein politisch deutbares Gedicht. Doch in den folgenden Versen wird es pers&#246;nlicher, da es indirekt die Frage aufwirft, wo Lesende selbst in diesen allt&#228;glichen Ungeh&#246;rigkeiten angesiedelt sind.</p>

<p>Statt sich, wie bislang &#252;blich, ins Get&#252;mmel zu st&#252;rzen, sind Helden, folge ich dem Gedankengang in Bachmanns Gedicht, heute eher jene, die sich diesem Get&#252;mmel entziehen und sich kritisch mit den »Ungeh&#246;rigkeiten« der je eigenen Gegenwart zu befassen. (V 9–14)</p>

<p>Nun aber taucht das erste R&#228;tsel f&#252;r mich auf: »Der Schwache / ist in die Feuerzonen ger&#252;ckt.« (V 4f) Denke ich hier an Arme etc., die z. B. besonders h&#228;ufig beim Milit&#228;r landen? Oder denke ich an die zivilen Opfer, die die aktuellen Kriege fordern? Oder sind es Schwache bez&#252;glich der Reflexionsf&#228;higkeit auf die eigene Gegenwart? Das Gedicht zieht mich hier in einen Raum der Unbestimmtheit. Ich kann mich nicht entscheiden, wer eigentlich mit den »Schwachen« gemeint ist – zu viele Assoziationen werden da in mir wach.</p>

<p>Ebenso r&#228;tselhaft blieb mir lange die Formulierung, dass die Uniform der Gegenwart die Geduld sei (V 6). Ist damit vielleicht gemeint, dass der Langmut und die Geduld, die gegen&#252;ber den »Ungeh&#246;rigkeiten« aufgebracht wird, schon so allt&#228;glich geworden sind, dass sie mit der Metapher der »Uniform« gefasst werden k&#246;nnen? Oder ist diese Aussage eher positiv gemeint, indem sie den »Kampfanzug« derer meint, die sich gegen diese »Ungeh&#246;rigkeiten« z. B. auf juristischem Wege zur Wehr setzen? – Ich neige zu dem zweiten Verst&#228;ndnis, denn die von Ingeborg Bachmann in den folgenden Versen (V 7f) genannte Auszeichung der »Helden« der Gegenwart ist nichts anderes als »armselige Stern / der Hoffnung &#252;ber dem Herzen«. – Die Hoffnung nicht aufgeben, dass der »Krieg«, das »Ungeh&#246;rige« ein Ende finden wird?</p>

<p>Die Hoffenden, die Widerst&#228;ndigen gegen die »Ungeh&#246;rigkeiten« werden ihre »Auszeichnung« erst erhalten, wenn das »Ungeh&#246;rige« nicht mehr geschieht. Ich denke da an <a href="http://www.dadalos.org/deutsch/Vorbilder/Vorbilder/gandhi/gandhi.htm" target="_blank">Gandhi</a>, <a href="http://www.dadalos.org/deutsch/Vorbilder/Vorbilder/mlk/ml_king.htm" target="_blank">Martin Luther King</a> oder auch <a href="http://www.kindernetz.de/infonetz/gewusst/apartheid/-/id=16024/nid=16024/did=34216/153e1hm/index.html" target="_blank">Nelson Mandela</a>. Sie k&#228;mpften gegen die allt&#228;glich gewordenen »Ungeh&#246;rigkeiten«, wurden verfolgt, inhaftiert, die ersten beiden sogar ermordet – und doch von ihrer Hoffnung nicht verlassen. Als ihre Feinde »unsichtbar« geworden waren, wurde ihnen der »armselige Stern / der Hoffnung &#252;ber dem Herzen« zur Auszeichung.</p>

<p>In der dritten Strophe nun schreibt Ingeborg Bachmann, was diese Hoffenden ausmacht: Sie fliehen vor den Fahnen, zeigen sich dem Freund gegen&#252;ber tapfer, verraten unw&#252;rdige Geheimnisse (sind also Aufkl&#228;rer, wie z. B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Investigativer_Journalismus" target="_blank">investigativ</a> arbeitende Journalisten und Journalistinnen…) und missachten die Befehle, die im Rahmen des »Unerh&#246;rten« gegeben werden (V 15–20). Es sind die Mutigen, die den »armseligen Stern / der Hoffnung &#252;ber dem Herzen« tragen.</p>

<p>Interessanterweise verschwinden die Enjambements in der zweiten und dritten Strophe des Gedichts fast vollst&#228;ndig oder es handelt sich nur noch um sehr schwache Enjambements. Die<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Form_(Philosophie)" target="_blank"> Form spiegelt hier den Inhalt</a> wider: Es geht hier um diejenigen, die die Grenze nicht &#252;berschreiten, welche an die Stelle des Friedens den allt&#228;glich gewordenen »Krieg« mit all seine »Ungeh&#246;rigkeiten« setzt. Klare Aufz&#228;hlungen machen hier einen gro&#223;en Teil der Verse aus (V 10–14; 16–19), ohne die verschlungenen Pfade, die das Enjambement in einem Gedicht f&#252;r die Bedeutung der Verse er&#246;ffnet.</p>

<p>Mir ist bewusst, dass eine solche Herangehensweise an »Alle Tage« selbst wieder eine an den Bedingungen der Gegenwart des Lesers orientierte ist – und somit veralten wird. Doch genau das ist das f&#252;r mich Spannende an einem Gedicht wie Bachmanns »Alle Tage«: Jede Zeit kann und muss es neu f&#252;r sich erschlie&#223;en; jeder Leser und jede Leserin muss es neu f&#252;r sich schlie&#223;en. Dies hier ist nur eine m&#246;gliche Variante – und ich w&#252;rde mich sehr freuen, regte diese Beitrag den einen oder die andere Leser oder Leserin an, selbst eine Interpretation des Gedichtes zu verfassen und als Kommentar hier zu hinterlassen.</p>

<blockquote>Ingeborg Bachmann, Alle Tage, in: Ingeborg Bachmann, S&#228;mtliche Gedichte, M&#252;nchen 1998 (zuerst 1978), 56.</blockquote>

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