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	<title>herrlarbig.de &#187; Kommentar</title>
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		<title>Apples iPad und das Schulbuch – Ger&#252;chte und Einsch&#228;tzungen</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Jan 2012 17:43:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[F&#252;r Hersteller von Hard- und / oder Software hat ein Monopol etwas verlockendes. Das war so bei Microsofts Windows-Betriebssystem, das erst von Gerichten und staatlichen Monopolbeh&#246;rden auf seine Grenzen hingewiesen werden musste; das gilt f&#252;r geschlossene propriet&#228;re Strukturen, wie sie &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/01/14/apples-ipad-und-das-schulbuch-geruchte-und-einschatzungen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r Hersteller von Hard- und / oder Software hat ein Monopol etwas verlockendes. Das war so bei Microsofts Windows-Betriebssystem, das <a href="http://www.computerwoche.de/heftarchiv/1997/51/1103489/" target="_blank">erst von Gerichten und staatlichen Monopolbeh&#246;rden auf seine Grenzen hingewiesen werden musste</a>; das gilt f&#252;r geschlossene propriet&#228;re Strukturen, wie sie Apples iOs, Amazons Kindle etc. anbieten.</p>

<p>Was w&#228;re es f&#252;r ein Coup, k&#228;me man mit seinen Produkten in die Schulen hinein, zumindest in die finanziell relativ gut ausgestatteten Schulen der Industrienationen!</p>

<p>Microsoft ist dieser Coup schon gegl&#252;ckt: Ich kenne wenige Schulen, die nicht mit deren Betriebssystem arbeiten und so die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen an Windows gew&#246;hnen. „Word“ war ja nicht umsonst lange Zeit „Quasi-Standard“ bei Textverarbeitungsprogrammen. Das wird kaum noch thematisiert, aber in den meisten Schulen herrschen nach wie vor propriet&#228;re Systeme aus dem Hause Microsoft.</p>

<p>Das hat aber nicht verhindern k&#246;nnen, dass es Lehrer gibt, die andere Plattformen nutzen, sowohl propriet&#228;re als auch freie.</p>

<p>Das hat nicht verhindert, dass Sch&#252;ler privat auf anderen Plattformen arbeiten.</p>

<p>Nun aber gibt es Ger&#252;chte, dass ein weiterer Computerherrsteller einen Initiative zur Besetzung des Schulmarktes starten wolle. Apple, so hei&#223;t es, plane Kooperationen mit Schulbuchverlagen und wolle das iPad 2 massiv als Tr&#228;ger von Schulb&#252;chern und als Arbeitsger&#228;t in die Schulen hinein bringen.</p>

<p>Angeblich, so vernahm ich es aus dem unmittelbaren Schulbuchverlage-Umfeld, suche Apple auch schon Kooperationspartner in Deutschland.</p>

<p>Bereits auf der Buchmesse in Frankfurt erfuhr ich, dass die Schulbuchverlage an einer App arbeiten, die zur <a href="http://www.didacta-hannover.de/" target="_blank">Didacta</a> vorgestellt werde.</p>

<p>Ob das mehr als Ger&#252;chte sind, wei&#223; ich nicht. Ich nenne sie hier aber, weil sich in Gespr&#228;chen mit unterschiedlichen Personen diese Informationen f&#252;r mich verdichtet haben.</p>

<p>Aus meiner Sicht w&#228;re es logisch, wenn Apple in den Bildungssektor wollte. Microsoft hat vorgemacht, dass das geht.</p>

<p>Au&#223;erdem bietet Apple mit dem iPad eine geschlossene Plattform, was mehr Lehrern sympathisch sein d&#252;rfte, als Vertreter offener Plattformen vermuten d&#252;rften, denn viele Lehrer wollen so ziemlich alles kontrollieren k&#246;nnen, was Sch&#252;ler an Rechnern tun, sodass es in PC-R&#228;umen bereits heute in der Regel eine Software gibt, die Lehrenden Zugriff auf alle Bildschirme gibt und Interaktion mit den Nutzern dieser Rechner erlaubt.</p>

<p>Schulen arbeiten bis heute in der Regel nicht mit offenen, frei verf&#252;gbaren Bildungsmedien und Technologien. Statt freier Software auf Linuxbasis wird propriet&#228;re Software genutzt; statt freie Bildungsmedien zu kreieren, verf&#252;gbar zu machen und zu nutzen, werden Schulb&#252;cher und propriet&#228;re Arbeitsmaterialien nach wie vor sehr h&#228;ufig eingesetzt.</p>

<p>Die Angst der Bildungsmedienersteller vor „Digitalisaten“ aus Lehrerhand wurde in der <a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://herrlarbig.de/2011/11/01/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage/">„Schultrojaner“-Diskussion </a>der vergangenen Wochen <a title="Phantomdebatte? – Kommentar zu einer „Wortregelung“ in Sachen „Schultrojaner“" href="http://herrlarbig.de/2011/12/12/phantomdebatte-kommentar-zu-einer-wortregelung-in-sachen-schultrojaner/">sehr deutlich</a>. (Und nebenbei: Es wurde von den Verlagen her nach wie vor kein offener Dialog mit den Lehrern und Lehrerinnen gesucht, es fand alleine ein Treffen von Lehrerverb&#228;nden, der Kultusministerkonferenz und den Schulbuchverlagen statt.)</p>

<p>Schulbuchverlage brauchen, um ihre Markt-Macht in den Schulen zu behalten und zu festigen, eine L&#246;sung, die das Schulbuch in das digitale Zeitalter bringt.</p>

<p>Schulbuchverlage werden dabei kaum auf offene Standards setzen wollen und k&#246;nnten also durchaus Zielgruppe eines Unternehmens wie Apple sein. Das iPad bietet gen&#252;gend Geschlossenheit, um sicherzustellen, dass blo&#223; kein b&#246;ser Lehrer „Digitalisate“ der digitalen Schulb&#252;cher erstellt, genug Geschlossenheit, um den Schulbuchmarkt weiter attraktiv zu halten.</p>

<p>Es k&#246;nnte eine starke Lobby geben, die eine solche Kooperation zwischen Schulbuchverlagen und Apple als Produzenten des iPads, bef&#252;rworten d&#252;rfte.</p>

<p>Es k&#246;nnte aber auch passieren, dass die deutschen Schulbuchverlage die Kooperation mit Apple verweigern und weiter auf analoge B&#252;cher und eine eigene App-L&#246;sung setzen w&#252;rden. – Ob Verhandlungen zwischen Apple und Schulbuchverlagen konkret stattgefunden haben, konnte ich den Ger&#252;chten nicht entnehmen, geschweige denn, wie diese ausgegangen sind.</p>

<p>Ich selbst w&#252;rde mir andere, <a title="#OER – Offene Bildungsmedien: Ich will Taten sehen! (&amp; Update zu #schultrojaner)" href="http://herrlarbig.de/2011/11/08/oer-offene-bildungsmedien-ich-will-taten-sehen-update-zu-schultrojaner/">offene L&#246;sungen</a> w&#252;nschen, die nicht auf eine spezielle Hardware und nur f&#252;r diese verf&#252;gbare Apps aufbauten.</p>

<p>Unterrichtsmaterial muss die Freiheit lassen, es auf Rechnern der eigenen Wahl nutzen zu k&#246;nnen. So sch&#228;tze ich <a href="http://www.digitaleschulebayern.de/" target="_blank">browsergest&#252;tzte Zug&#228;nge zu Lernmaterialien</a>, die von jeder Plattform aus genutzt werden k&#246;nnen und nicht auf spezielle Hardware angewiesen sind.</p>

<p>Andererseits: Wenn Schulen von Schulb&#252;chern auf digitale Bildungsmedien umstellen sollen / wollen, so w&#252;rden sie einheitliche Ger&#228;te ben&#246;tigen, wenn man nicht darauf bauen wollte, dass jeder Sch&#252;ler und jede Sch&#252;lerin ein eigenes, elternfinanziertes digitales Endger&#228;t h&#228;tte, was letztlich die Lehrmittelfreiheit, die in manchen Bundesl&#228;ndern nach wie vor gegeben ist, in Frage stellen w&#252;rde.</p>

<p>Die Lehrmittelfreiheit, so sie auch die Datentr&#228;ger umfassen soll, verlangt also einheitliche Ger&#228;teinfrastrukturen f&#252;r zumindest eine Schule. – Diese L&#252;cke scheint Apple nun besetzen zu wollen.</p>

<p>Ich stelle mir vor, dass Apple die iPads in Kooperation mit den Schulbuchverlagen vertreiben – n&#228;heres werden wir <a href="http://www.zeit.de/digital/mobil/2012-01/apple-ipad-schulen-schulbuch/komplettansicht" target="_blank">in wenigen Tagen erfahren</a> – und die Schulbuchverlage aus Gr&#252;nden der Gewinnmaximierung darauf verzichten w&#252;rden, ihre digitalen Schulb&#252;cher f&#252;r unterschiedliche Tablet-Plattformen verf&#252;gbar zu machen.</p>

<p>Es gibt <a href="http://blog.fefe.de/?ts=b1f19f3b" target="_blank">kritische Stimmen</a>, die mich in ihrer harschen Art &#252;berraschen, da sie bez&#252;glich des Windows-Dauerzustandes an vielen deutschen Schulen eher zur&#252;ckhaltend vernehmbar waren (eigentlich sogar gar nicht).</p>

<p>F&#252;r Ersteller freier Bildungsmedien, den sog. Open Educational Ressources (OER), ergibt sich nicht erst angesichts der Ger&#252;chte um den Einstieg Apples in den Schulbuchsektor die Notwendigkeit darauf zu achten, diese Bildungsmedien so zug&#228;nglich wie nur m&#246;glich zu erstellen und zu verbreiten.</p>

<p>OER m&#252;ssen grunds&#228;tzlich von jedem Endger&#228;t mit jeder beliebigen Plattform erreichbar und zu nutzen sein.</p>

<p>Die vermutete, in Ger&#252;chten angek&#252;ndigte, vielleicht Wirklichkeit werdende Initiative Apples k&#246;nnte einen Nebeneffekt haben, der viel positiver ist, als es das reflexartige „Da ist ein Weltkonzern, der propriet&#228;re Hard- und Software durchdr&#252;cken, gleichzeitig die Kinder als Kunden aufbauen und an sich binden will und das ist b&#246;se!“ vermuten l&#228;sst.</p>

<p>Wenn man will, dass in Schulen digital vernetzte Strukturen produktiv f&#252;r Zwecke des Lernens genutzt werden, reichen nicht nur zwei, drei Computerr&#228;ume aus.</p>

<p>Wenn man digital unterst&#252;tzte Lernprozesse in Schulen haben will, dann braucht man daf&#252;r Hardware, Software, Netzinfrastruktur, idealerweise WLan.</p>

<p>Wo bitte soll das alles herkommen, angesichts der Finanzausstattung der Schulen, angesichts der heiklen Haushaltslagen, mit denen Schultr&#228;ger agieren m&#252;ssen?</p>

<p>Wie soll Zugang zu so interessanten OER-Materialien im Unterricht m&#246;glich sein, wie sie z. B. <a href="http://www.zum.de/Faecher/M/mathematik-digital/" target="_blank">Mathematik Digital</a> anbietet, wenn die Hardware und der Internetzugang gar nicht vorhanden sind?</p>

<p>Klar, die Kritik, wie sie <a href="http://blog.fefe.de/?ts=b1f19f3b" target="_blank">fefe</a> <del>&#228;u&#223;ert</del> verlinkt, fragt grunds&#228;tzlicher, ob hier an propriet&#228;re, geschlossene Systeme gew&#246;hnt werden solle (Verschw&#246;rungstheorie). Dass eine solche Gew&#246;hnung aber auch schon mit propriet&#228;ren Tintenpatronen-Formaten f&#252;r Schulf&#252;ller stattfindet, sei nur erw&#228;hnt.</p>

<p>Sollte Apple die Initiative ergreifen – oder ein anderer Anbieter, das ist mir egal, Hauptsache es tut endlich mal einer –, sollte auf diesem Wege tats&#228;chlich Hardware in Koppelung mit Schulb&#252;chern ihren Weg in die Schule finden und w&#228;re diese Hardware nicht nochmal zus&#228;tzlich verschlossener als sie es schon ist, z. B. durch Zugangsbeschr&#228;nkungen ins Internet, die auch OER-Seiten betr&#228;fen, dann b&#246;te sich die Chance, dass, so die Ger&#252;chte auch nur einen Teil der Wahrheit wiedergeben, Apple als Katalysator wirken k&#246;nnte, was die angesichts des Leitmedienwechsels notwendige Ver&#228;nderung von Schule und Unterricht angeht.</p>

<p>Es ist das eine, digital gest&#252;tzte Lernprozesse, digital erm&#246;glichte Zug&#228;nge zu Wissen und damit verbundene M&#246;glichkeiten des Zuwachses von Autonomie Lernender gut zu hei&#223;en.</p>

<p>Die andere Seite ist dann aber, dass man Antworten finden muss, wie solche Ver&#228;nderungsvorstellungen mit der notwendigen Infrastruktur ausgestattet werden k&#246;nnen, um sie umzusetzen.</p>

<p>Ich bewerte an dieser Stelle die Ger&#252;chte noch nicht abschlie&#223;end, da Apple immer f&#252;r &#220;berraschungen gut ist.</p>

<p>Ich f&#228;nde die Vorstellung sympathisch, dass es einen Ansto&#223; g&#228;be, der den Ver&#228;nderungsprozess in Schulen aktiv unterst&#252;tzen w&#252;rde; einen Ansto&#223;, der auch denjenigen, die bislang darauf verwiesen, dass es f&#252;r digitale Endger&#228;te im Unterricht kaum Schulb&#252;cher (in Deutschland) g&#228;be, ein wenig die Argumente n&#228;hme; einen Ansto&#223;, der Eltern, die sich l&#228;ngst w&#252;nschen, dass Kinder mehr an die Kompetenzen herangef&#252;hrt w&#252;rden, die f&#252;r eine aufgekl&#228;rte Bew&#228;ltigung des Leitmedienwechsels notwendig sind, neue Argumente gegen&#252;ber den Schulen, den Schultr&#228;gern und der Bildungspolitik g&#228;be.</p>

<p>Klar, das kann man alles auch viel kritischer sehen, man kann Verschw&#246;rungen vermuten, die die Kinder abh&#228;ngig von einer Plattform machen wollen etc. Auch ich k&#246;nnte so argumentieren, habe mich aber entschieden, an dieser Stelle dem Chancenblick Vorzug zu geben, da es die Kritik sowieso geben wird.</p>

<p>Wenn die Ger&#252;chte stimmen, w&#228;re mein Blick auf das, was da kommt, mit der Frage verbunden, wie ich das Angebot gegebenenfalls – in Frankfurts Schulen gibt es kein WLan, weil der Schultr&#228;ger das scheinbar nicht will, was die Umsetzung potentieller M&#246;glichkeiten bislang auf Lan-Optionen beschr&#228;nkt – nutzen k&#246;nnte, um zum Beispiel auch freie Bildungsmedien in den Unterricht zu integrieren, da mich ja niemand zwingen kann, nur die Schulb&#252;cher zu nutzen, die dann vielleicht in digitaler Form vorliegen w&#252;rden.</p>

<p>Es w&#228;re ein pragmatischer Blick, der aber auch die Frage geschlossener Systeme in der Schule thematisieren w&#252;rde, um nicht zu einer neuen „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/M&#252;ndigkeit_(Philosophie)" target="_blank">selbstverschuldeten Unm&#252;ndigkeit</a>“ beizutragen.</p>

<p>Warten wir ab, was letztlich pr&#228;sentiert werden wird. Im Idealfall w&#228;re es etwas, das Fahrt in den Sektor der Unterrichtsmaterialien bringen w&#252;rde, etwas, das andere Anbieter aufwecken w&#252;rde, sodass letztlich doch einen Vielfalt von Angeboten digitaler Unterst&#252;tzung des Lernens und zum Aufbau personalisierter Lernumgebungen entst&#252;nde, aus dem Schulen dann w&#228;hlen k&#246;nnen…<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Wulff – Ein Kommentar</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 12:37:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[2012]]></category>
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		<description><![CDATA[Schweigt er noch immer? Im Augenblick ist die Stimmung so gespannt, dass man nicht wei&#223;, ob Deutschland nicht schon ein ganz anderes ist, wenn man solch einen Blogartikel abgeschlossen hat. Siegt das Aussitzen eines Bundespr&#228;sidenten, der zwecks Selbstschutz den Chefredakteur &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2012/01/03/wulff-ein-kommentar/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schweigt er noch immer?</p>

<p>Im Augenblick ist die Stimmung so gespannt, dass man nicht wei&#223;, ob Deutschland nicht schon ein ganz anderes ist, wenn man solch einen Blogartikel abgeschlossen hat. Siegt das Aussitzen eines Bundespr&#228;sidenten, der zwecks Selbstschutz den Chefredakteur (mind.) einer Zeitung anruft? Oder siegt der Anstand, kommt auch bei Christian Wulff die Einsicht, dass er aus der Kreditaff&#228;re noch herausgekommen w&#228;re, h&#228;tte er gutes Krisenmanagement betrieben, es aber „Fehler&#8221; gibt, die nicht entschuldigt werden. Die Bedrohung von Journalisten ist solch ein unentschuldbarer Fehler.</p>

<p>Es besch&#228;digt das Amt des Bundespr&#228;sidenten, zieht man sich hinter dem Amt zur&#252;ck, statt pers&#246;nliches Versagen einzugestehen.</p>

<p>Entsprechend darf die Person Christian Wulff nicht erwarten, dass mit ihr respektvoll umgegangen wird: Zu sehr hat sich Wulff in diesen Tagen als amtsunf&#228;hig erwiesen. Vielleicht w&#228;re er als der schweigende Bundespr&#228;sident in die Geschichte eingegangen. Nun aber kommen Zweifel am Intellekt, an der F&#228;higkeit des Krisenmangements und an der Unabh&#228;ngigkeit dieses Inhabers des Amtes.</p>

<p>Herr Wulff ist im Amt nicht mehr zu halten. Dass Merkel und Co ihn noch st&#252;tzen, liegt alleine am noch nicht so lange zur&#252;ckliegenden R&#252;cktritt Horst K&#246;hlers. K&#246;hler h&#228;tte bleiben k&#246;nnen und ist doch gegangen. Wulff kann nicht bleiben, schweigt aber, als fiele es ihm schwer, politische Gr&#246;&#223;e zu zeigen – wenigstens jetzt, dieses eine Mal.</p>

<p>Statt dessen wird die Salamitaktik eingesetzt: Gib nicht mehr zu als andere schon wissen. Das Staatsoberhaupt verh&#228;lt sich so und in Zukunft k&#246;nnten auch Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen darauf verweisen, dass ihr Vorbild das Staatsoberhaupt sei.</p>

<p>Und wenn Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen schlechte Leistungen bringen, werden Eltern bei der jeweiligen Schulleitung anrufen und mit dem Verweis auf das Staatsoberhaupt darum bitten, dass die Schulleitung doch diese (berechtigte) schlechte Note angesichts ihres gesellschaftlichen Ansehens verhindern m&#246;ge. „Mein Kind hat nur Vierer geschrieben, aber ich erwarte aus Respekt f&#252;r meine gesellschaftliche Stellung, dass da eine Zwei rausspringt.“</p>

<p>Wenn Wulff bliebe, w&#252;rde es zuk&#252;nftig schwerer, sich gegen solche Argumente zu stemmen. Und auch deshalb: Wulff kann nicht bleiben, schweigt aber, als fiele es ihm schwer, politische Gr&#246;&#223;e zu zeigen – wenigstens jetzt, dieses eine Mal.</p>

<p>Damit ist die bei einem R&#252;cktritt bef&#252;rchtete Staatskrise l&#228;ngst da. Frau Merkel hatte in ihrer Neujahrsansprache recht: 2012 wird ein schwieriges Jahr.</p>

<p>Herr Wulff, bitte erkl&#228;ren Sie sich – und wenn Sie die Vorw&#252;rfe der Manipulationsversuche gegen&#252;ber Journalisten nicht entkr&#228;ften oder dementieren k&#246;nnen, dann treten Sie endlich zur&#252;ck.</p>

<p>(Stand der Informationlage am 3. Januar 2012, 13:03 Uhr)
<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Phantomdebatte? – Kommentar zu einer „Wortregelung“ in Sachen „Schultrojaner“</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 15:19:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich kann es nicht mehr h&#246;ren: Es handele sich bei der Diskussion um den „Schultrojaner“ um eine Phantomdebatte. So lassen es die Verantwortlichen bei KMK und vds-Bildungsmedien, dem Lobbyverband der Schulbuchverlage, verlauten. Es g&#228;be diese Software doch noch gar nicht und &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/12/12/phantomdebatte-kommentar-zu-einer-wortregelung-in-sachen-schultrojaner/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann es nicht mehr h&#246;ren: Es handele sich bei der Diskussion um den „<a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://netzpolitik.org/2011/der-schultrojaner-eine-neue-innovation-der-verlage/" target="_blank">Schultrojaner</a>“ um eine <a href="http://netzpolitik.org/2011/podiumsdiskussion-zum-schultrojaner/" target="_blank">Phantomdebatte</a>. So lassen es die <a href="http://taz.de/Urheberrecht-in-deutschen-Schulen/!83517/" target="_blank">Verantwortlichen bei KMK und vds-Bildungsmedien</a>, dem Lobbyverband der Schulbuchverlage, verlauten.</p>

<p>Es g&#228;be diese Software doch noch gar nicht und solange es sie nicht g&#228;be, m&#252;sse man auch nicht &#252;ber sie diskutieren, ja, k&#246;nne man nicht einmal &#252;ber sie reden.</p>

<p>Fakt ist, dass die Entwicklung einer solchen Software im Vertrag zwischen den Schulbuchverlagen und der Kultusministerkonferenz vereinbart wurde. Diese Vereinbarung ist kein Phantom, sondern Teil eines <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">geltenden Vertrages</a>.</p>

<p>Die <a title="Betreff: „#Schultrojaner“ || Liebe Schulbuchverlage!" href="http://herrlarbig.de/2011/11/01/betreff-schultrojaner-liebe-schulbuchverlage/" target="_blank">Diskussion</a> dreht sich um diese Vereinbarung. Zu behaupten, man diskutiere &#252;ber etwas, das es gar nicht g&#228;be, ist ein Fehlschluss, ein rhetorischer Kniff, um die Diskutanten zu diskreditieren, denn es spr&#228;che ja nun wirklich nicht f&#252;r einen angemessenen Gebrauch der Vernunft, diskutierte man &#252;ber etwas, das rein fiktiv ist.</p>

<p>Die Diskussion dreht sich um Grunds&#228;tzliches. Diesen Grundsatzfragen versucht aus dem Weg zu gehen, wer sich der Diskussion mit dem Argument verweigert, es handele sich beim Diskussionsgegenstand doch nur um ein Phantom.</p>

<p>Was aber geschieht, wenn man <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/&#220;berwachungsstaat" target="_blank">die Geister nicht mehr los wird, die man rief</a>, steht in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Zauberlehrling" target="_blank">„Der Zauberlehrling“</a> geschrieben, jenem Gedicht Goethes, das zeigt, was passiert, wenn man mithilfe einer sprachlichen Formel (analog zum Vertrag zwischen Schulbuchverlagen und KMK) einen Geist freil&#228;sst, den man gar nicht will.</p>

<p>Es geht um grunds&#228;tzlichere Frage, als um die Frage, ob es die Software schon gibt oder nicht.</p>

<p>Im Zentrum steht die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grundrecht_auf_Gew&#228;hrleistung_der_Vertraulichkeit_und_Integrit&#228;t_informationstechnischer_Systeme" target="_blank">Vertraulichkeit und Integrit&#228;t informationstechnischer Systeme</a>, bei der es sich immerhin um ein Grundrecht handelt.</p>

<p>Es geht um die Frage, ob ein Zusammenschluss privater Unternehmen und Verwertungsgesellschaften eine Software programmieren (lassen) darf, die dann von staatlichen Schultr&#228;gern zum verdachtsunabh&#228;ngigen, stichprobenartigen Scannen der Rechner genutzt werden soll, die von Lehrern und Lehrerinnen im Rahmen des &#246;ffentlich zug&#228;nglichen Netzes in Schulen genutzt werden.</p>

<p>Es geht um die Einstellung und das (Grund)Rechtsverst&#228;ndnis, das im vorhandenen Vertrag – nein, der ist kein Phantom, der ist geschlossen, unterschrieben, g&#252;ltig, vorhanden, <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/20110615gesamtvertragtext.pdf" target="_blank">nachlesbar</a> und somit alles andere also als ein Phantom – zum Ausdruck kommt.</p>

<p>Dem Grundrecht auf Vertraulichkeit und Integrit&#228;t informationstechnischer Systeme stehen im Vertrag die Interessen der Schulbuchverlage gegen&#252;ber, wobei Grundrechte h&#246;her stehen als diese Interessen, die im begr&#252;ndeten Verdachtsfall sowieso eingefordert werden k&#246;nnen.</p>

<p>Ich kann es nicht mehr h&#246;ren, wenn die Vertragspartner behaupten, es handele sich bei der Diskussion um den Schultrojaner um eine Phantomdebatte.</p>

<p>Wer das behauptet, der will ablenken oder muss sich die Frage stellen lassen, ob Grundrechte – und um diese dreht sich die Debatte eigentlich! – ein Phantom sind oder ein Gut, das nicht mal so eben nebenbei durch Einzelinteressen in Frage gestellt werden darf.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>„Altes Buch“ – oder: Wie ein Sch&#252;ler Schule erlebt (Gastbeitrag)</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 21:46:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[W&#228;hrend ich dem Stream zur Veranstaltung „Schulbuchtrojaner. Urheberschutz oder Gefahr f&#252;r die Freiheit von Lehre und Forschung?“ folgte, fragte mich Moritz, der Sch&#252;ler ist, via Twitter: @herrlarbig: was genau ist eigentlich dieser &#8220;schultrojaner&#8221; von dem ich dauernd lese? Ich habe &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/12/07/altes-buch-oder-wie-ein-schuler-schule-erlebt-gastbeitrag/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>W&#228;hrend ich dem <a href="http://www.boell.de/calendar/VA-viewevt-de.aspx?evtid=10604" target="_blank">Stream zur Veranstaltung „Schulbuchtrojaner. Urheberschutz oder Gefahr f&#252;r die Freiheit von Lehre und Forschung?“ folgte</a>, fragte mich Moritz, der Sch&#252;ler ist, via <a href="https://twitter.com/dertypausff/status/144484239096823808" target="_blank">Twitter</a>:</p>

<blockquote><address>@herrlarbig: was genau ist eigentlich dieser &#8220;schultrojaner&#8221; von dem ich dauernd lese?</address></blockquote>

<p>Ich habe das dann erkl&#228;rt, ein paar Links geschickt und eine Weile sp&#228;ter <a href="https://twitter.com/dertypausff/status/144500075626889216" target="_blank">schrieb</a> <a href="https://twitter.com/dertypausff/status/144500154760822784" target="_blank">Moritz</a>:</p>

<blockquote><address>@herrlarbig beim aspekt &#8220;bildung&#8221; musses wirklich mal n ruck geben, alles auf der erde hat sich ver&#228;ndert und wir hocken noch genauso wie  unsere eltern vor 50 jahren &#252;berm tisch und lesen b&#252;cher …</address></blockquote>

<p>Darauf <a href="https://twitter.com/herrlarbig/status/144500613911281664" target="_blank">fragte ich</a>:</p>

<blockquote><address>@DerTypAusFF schreiben Sie mir einen Gastbeitrag f&#252;r herrlarbig.de? Thema: Sch&#252;ler will, dass es bei Bildung einen Ruck gibt!</address></blockquote>

<p>Die <a href="https://twitter.com/dertypausff/status/144501135510736896" target="_blank">Antwort</a> war eindeutig: „Klar.“</p>

<p>Und dann kam dieser Beitrag inklusive Beweisfoto. Herzlichen Dank an Moritz, der mir die Genehmigung erteilt hat, diesen Beitrag hier zu ver&#246;ffentlichen.</p>

<h1>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</h1>

<h1>Kommentierte Kurzgeschichte: „Altes Buch“</h1>

<h1><em>Einleitung:</em></h1>

<p><em>Alles hat sich ver&#228;ndert. Man kann es drehen und wenden, aber es ist, wie es ist. Die Globalisierung ist t&#228;glich pr&#228;sent, Regierungen haben im Laufe der Zeit gewechselt, unsere Umwelt hat sich ver&#228;ndert und unser Alltag ist anders als der von vor 40 Jahren. </em></p>

<p><em> Ich denke diese Sachen kann und will auch keiner leugnen. </em></p>

<p><em>Doch! Ich will! Ich bin Sch&#252;ler und wenn ich ehrlich bin, hat sich mein Alltag nicht ver&#228;ndert. Es geht um einen Ort, den wir alle kennen, weil wir alle mal dort waren oder (wie in meinem Falle) noch dort sind. </em></p>

<p><em>Es folgt die Sicht eines Sch&#252;lers (mir) &#252;ber die Situation bzw. &#252;ber die „ungl&#252;ckliche“ Lage, in der ich mich als Sch&#252;ler momentan befinde. Durch das Internet und auch durch Kommentare von meinen Eltern, bin ich dazu angeregt worden, mir mal das „aktuelle“ Bildungssystem anzuschauen. </em></p>

<p><em>Um meine „Sicht“ zu verdeutlichen, verfasse ich eine subjektive (und durchaus auch suggestive Kurzgeschichte):</em></p>

<p>Michael sitzt vor 30–40 Jahren in seinem Klassenraum und ist ein normaler Sch&#252;ler. Er ist unausgeschlafen, schaut nach vorne und h&#246;rt dem Lehrer zu. Zumindest versucht er es (wirklich).</p>

<p>Irgendwann ist der Lehrer fertig mit seinen Erkl&#228;rungen und Antworten und diktiert eine Seite, die die Sch&#252;ler aufzuschlagen und zu bearbeiten haben. Michael fragt einen seiner Mitsch&#252;ler nochmal nach der Seite und schl&#228;gt sie auf. Er schaut sich die Aufgaben an und f&#228;ngt an zu schreiben. Es ist eine l&#228;ngere Aufgabe und er sitzt lange daran… sehr lange… Michael merkt, dass er den Sprung von den W&#246;rterketten zu in der Realit&#228;t anwendbaren Aufgaben einfach nicht hinbekommt und verzweifelt. Er verurteilt das Medium „Buch“. „Bl&#246;der Lehrer, warum gibt er uns denn B&#252;cher? Soll er doch was an die Tafel malen und uns dazu was sagen!“</p>

<p>30–40 Jahre sp&#228;ter. Michael ist Vater und gl&#252;cklicher Freiberufler. Mit B&#252;chern schl&#228;gt er sich jetzt nicht mehr rum. Sein Sohn Felix geht nun auch in die Schule und ist schon etwas l&#228;nger mit der Grundschule fertig. Michael ist ein f&#252;rsorgender Vater und fragt jeden Abend beim Abendessen, was Felix heut gelernt habe. Meistens kriegt er eine klare und stolze Antwort.</p>

<p>Dann bekommt Felix G8. Davon hat Michael mal was in den Nachrichten geh&#246;rt, „fand er irgendwie nicht so gut“. Falls sich Felix und Michael mal zum Abendessen sehen, so ist Felix von der Schule so entkr&#228;ftet, dass er Essen und dann Schlafen will. Keine Erkl&#228;rungen, keine Antworten – nichts. Einfach nur das Thema „Schule“ f&#252;r den Tag abhaken.</p>

<p>Michael ist verwundert. Was er nicht wei&#223;: Das, was ihn damals den Glauben an das „Buch“ hat verlieren lassen hat, verfolgt nun das Kind. Und zwar doppelt und dreifach. Dieses Etwas gibt es n&#228;mlich immer noch. Anstatt die Nachmittage nun frei zu haben, wird das durch G8 abgezogene Schuljahr einfach durch mehr Stunden nach 13:00 Uhr ausgeglichen. Teilweise hat Felix nun das Pech, von 7:45–18:00 Uhr in der Schule sein zu m&#252;ssen und den Tag nur durch die Fenster der Schule mitkriegen zu k&#246;nnen. Vergleicht man mal Felix&#8217; und Michaels Kindheit, so merkt man, dass sich tats&#228;chlich alles ge&#228;ndert haben sollte. W&#228;re da nicht das „Buch“.</p>

<p>Der Vater ist l&#228;ngst im Zeitalter von Computer und anderen Medien angekommen, das Kind ist sowieso reingeboren worden. Wie soll es f&#252;r das Kind m&#246;glich sein, mit etwas zu lernen, was es so nie anwenden wird? Wir sind im Zeitalter der Technik, in dem der Globalisierung – alles – ja sogar unsere Umwelt hat sich ver&#228;ndert und trotzdem muss Felix noch so lernen wie sein Vater. Wieso? Man geht zur Schule, um sich auf das kommende Leben vorzubereiten, oder? Das Leben, also der Alltag, hat sich aber ver&#228;ndert. Nicht ver&#228;ndert hat sich jedoch die Art der Vorbereitung.</p>

<p>regierung/bildungspolitik/entwicklung.html</p>

<p>404 -&gt; sorry</p>

<p>Ein Vorschlag:</p>

<p>W&#252;rde man wirklich langfristig in neue Bildungsmethoden (/-medien) wie z.B. Tablet-PCs mit Beameranschluss f&#252;r jeden Lehrer oder Schulcomputer(-ausbildung) f&#252;r jeden Sch&#252;ler investieren, so bin ich mir sicher, dass dies bei &#252;ber 90% Anklang bei Eltern finden w&#252;rde, da diese selbst erfahren haben, dass es mit PC einfach wesentlich effizienter und einfacher ist, zu Arbeiten.</p>

<p>Ich garantiere sogar, dass &#252;ber 99% aller Sch&#252;ler sich w&#252;nschen w&#252;rden, anders zu lernen als mit B&#252;chern, die teilweise noch vorm Mauerfall verwendet wurden.</p>

<div class="mceTemp mceIEcenter"><dl id="attachment_34387" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px;"><dt class="wp-caption-dt"><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/1g9ye1.jpg"><img class="size-full wp-image-34387" title="Schulbuch 2011" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/1g9ye1.jpg" alt="Schulbuch 2011" width="640" height="478" /></a><span class="Apple-style-span" style="font-weight: 300;">(<strong>Extrembeispiel, Foto selber aus eigenem Schulbuch geschossen)</strong></span></dt></dl></div>

<p style="text-align: right;"><em>Moritz</em></p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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</ul>

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		<title>Looking nach dem Output oder: Die Zukunft der EduLanguage</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 17:07:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[21. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Mal ganz ehrlich: Die Anzahl der Anglizismen in der Bildungsdiskussion nimmt zu. Es ist also h&#246;chste Zeit, dass ich endlich zu &#252;ben beginne, wie die Sprache des Lehrers (EduLanguage) der Zukunft aussieht. Sicherlich ist dieser Try noch nicht outperformed, aber &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/08/11/looking-nach-dem-output-zukunft-der-edulanguage/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mal ganz ehrlich: Die Anzahl der Anglizismen in der Bildungsdiskussion nimmt zu. Es ist also h&#246;chste Zeit, dass ich endlich zu &#252;ben beginne, wie die Sprache des Lehrers (EduLanguage) der Zukunft aussieht. Sicherlich ist dieser Try noch nicht outperformed, aber irgendwann muss man ja anfangen, sich den Realit&#228;ten zu stellen. Hier also ein paar &#220;bungseinheiten, die als Sprachbausteine in jeder Bildungsdebatte eindrucksf&#246;rdernd wirken k&#246;nnen:</p>

<ul>
    <li>„Als LearningGuide oder Faciliator perfome ich outputorientiert mit dem Ziel des hohen Outcomes f&#252;r eine Target-Audience.  Dabei ist das Lernen der Zukunft  Edutainment in PersonalLearningEnvironments mittels SeriousGames &amp; Microlearning.“</li>
    <li>„In der Learning-Community habe ich als Coach Just-in-Time-Ressourcen f&#252;r Distance-Learning-Prozesse zu erstellen, die die localized Learning-Experiences f&#246;rdern.“</li>
    <li>„Class-Room-Management integriert Whitboardtechnologien, Overhead-Projektoren, Flipcharts und Beamer-Laptop-Trolleys, welche am Service-Point bereitgehalten werden.“</li>
    <li>„In den Pausen begegeben sich Lehrer in den Backstagebereich der Localized-Learning-Area oder aber ins Backoffice, das den oder die CEO (Chief of Educational Operations) unterst&#252;tzt und weitere Services f&#252;r Sch&#252;ler und Lehrerteam anbietet.“</li>
    <li>„Die Work-Live-Balance in Edutainment-Prozessen bedarf eines angemessenen Risk-Managements, um dem Burn-Out-Syndrom mittels angemessenem Target-Management bei den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Facilitator" target="_blank">Faciliators</a> entgegen zu wirken. Dabei sind Prozesse des Workflows zu optimieren.“</li>
</ul>

<p>So viel als erster Ann&#228;herung an die Herausforderungen der Sprache im Kontext der Bildungsdiskussionen kommender Jahre. Dabei gibt es sicherlich noch viele kreative Ideen, wie wir die sprachliche Vielfalt mittels signifikant erh&#246;hen k&#246;nnen. Ich freue mich auf eure und Ihre Ideen, die gerne als Kommentar hinterlassen werden d&#252;rfen.</p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2011/05/03/thesen-zur-zukunft-des-lernens-opco11/" rel="bookmark" title="3. Mai 2011">Thesen zur Zukunft des Lernens ( #opco11 )</a></li>
</ul>

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		<title>Hausmitteilung: herrlarbig.de ist zum 3. Geburtstag umgezogen und doch Zuhause geblieben</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2011/07/27/hausmitteilung-herrlarbig-de-ist-zum-3-geburtstag-umgezogen-und-doch-zuhause-geblieben/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 22:00:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[herrlarbig.de]]></category>
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		<description><![CDATA[So, die Sommerpause ist vorbei. Und das hier ist der 300. Artikel auf herrlarbig.de. Drei Jahre herrlarbig.de – 300 Artikel: Das gef&#228;llt mir. Rechnerisch bedeutet das, dass im Schnitt alle 3,65 Tage ein Artikel erschienen ist. Auch wenn sich inhaltlich &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/07/27/hausmitteilung-herrlarbig-de-ist-zum-3-geburtstag-umgezogen-und-doch-zuhause-geblieben/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So, die Sommerpause ist vorbei.</p>

<p>Und das hier ist der 300. Artikel auf herrlarbig.de. Drei Jahre herrlarbig.de – 300 Artikel: Das gef&#228;llt mir. Rechnerisch bedeutet das, dass im Schnitt alle 3,65 Tage ein Artikel erschienen ist.</p>

<p>Auch wenn sich inhaltlich und optisch nichts getan hat, hat sich in den letzten Tagen eine ganze Menge getan: herrlarbig.de ist umgezogen.</p>

<p>Nein, ich habe nach all den Jahren nicht den Anbieter der technischen Infrastruktur gewechselt, die es &#252;berhaupt erst m&#246;glich macht, dass diese Website im WorlWideWeb vorhanden sein kann. Der Umzug erfolgte vielmehr von einem Server auf einen anderen beim gleichen Hoster.</p>

<p>herrlarbig.de ist umgezogen, aber dennoch „Zuhause“ geblieben. Gleichzeitig aber werde ich mit diesem Umzug jetzt <a href="https://twitter.com/ubernauten" target="_blank">Ubernaut</a>. Ich habe den <a href="http://www.uberspace.de" target="_blank">Uberspace</a> betreten.</p>

<p>F&#252;r meine Besucher ver&#228;ndert sich dadurch nichts. Im Hintergrund aber hat sich eine ganze Menge getan, was ich hier kurz erw&#228;hnen will, weil eine solche Website in Wirklichkeit ja viel mehr technischen Aufwand im Hintergrund mit sich bringt, als auf der Inhaltsoberfl&#228;che zu sehen ist, vor allem dann, wenn man eigenen Webspace verf&#252;gbar hat.</p>

<p>Was also hat sich ver&#228;ndert:</p>

<ol>
    <li>Die Website herrlarbig.de l&#228;uft nun auf einem Server, der mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben wird, ohne CO2-Aussto&#223; und ohne radioaktiven Abfall (&#214;ko-Strom). Das ist nicht ganz unbedeutend, denn dass diese Website rund um die Uhr zur Verf&#252;gung steht, geht nat&#252;rlich nur, weil es da einen Rechner in einem Rechenzentrum hier in Frankfurt am Main  gibt, der 24 Stunden an jedem Tag des Jahres l&#228;uft und somit nicht gerade wenig Strom verbraucht. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das ein technisch &#228;u&#223;erst spannendes Rechenzentrum, weil das K&#252;hlungsthema anders angegangen wird als in dem Rechenzentrum, in dem bislang der Server stand, der herrlarbig.de beherbergte.</li>
    <li>herrlarbig.de ist jetzt auch &#252;ber <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/IPv6" target="_blank">IPv6</a> erreichbar.</li>
    <li>herrlarbig.de nutzt die geniale Idee, Umsetzung, Technik und Performance von <a href="http://www.uberspace.de" target="_blank">Uberspace</a>.</li>
    <li>Die Verwaltung ist f&#252;r mich durch deutlich beschleunigte Zugriffszeiten im Verwaltungsmodul deutlich komfortabler geworden. Davon m&#246;gen Besucher und Besucherinnen von herrlarbig.de zwar nicht viel merken, aber dass die Arbeit am Blog dem Blogger Spa&#223; macht, ist nat&#252;rlich auch f&#252;r die Lesenden relevant, und so sollte dieser Performance-Gewinn doch ausstrahlen.</li>
</ol>

<div>Damit ist herrlarbig.de als Bildungsneuron und Lehrerblog nach drei Jahren technisch auf den neusten Stand gebracht. Drei Jahre herrlarbig.de ist aber auch ein guter Zeitpunkt all denen Danke zu sagen, die &#252;berhaupt die Motivation daf&#252;r geben, dieses Blog zu f&#252;hren, weiter zu f&#252;hren und zu pflegen:</div>

<div>
<ul>
    <li>Danke, liebe regelm&#228;&#223;igen Besucher, die ihr herrlarbig.de als RSS-Feed in eurem Feed-Reader abonniert habt und Wert darauf legt, m&#246;glichst schnell informiert zu werden, wenn es was neues auf herrlarbig.de gibt.</li>
    <li>Danke allen, die bis jetzt hier Kommentare hinterlassen haben, sich auf Diskussionen einlie&#223;en und auch zuk&#252;nftig einlassen werden. Ein Blog lebt nicht nur von den Inhalten, die der Blogger beitr&#228;gt, sondern mindestens ebenso stark von den Kommentaren und der Qualit&#228;t der Diskussionen.</li>
    <li>Danke allen, mit denen ich &#252;ber <a href="https://twitter.com/herrlarbig" target="_blank">Twitter</a> im dauernden Austausch &#252;ber das Blog hinaus bin. Einige Beitr&#228;ge dieses Blogs verdanken sich den Anregungen, die auf diesem Wege zu mir gekommen sind.</li>
    <li>Danke allen, die &#252;ber Suchmaschinen auf herrlarbig.de kommen und einzelne Artikel lesen.</li>
    <li>Danke allen, die fragen, bevor Sie Artikel oder Ausschnitte aus Artikeln verwenden und somit zeigen, dass sie die Arbeit sch&#228;tzen, die hier drinnen steckt. Oft bleibt mir dann nur zu sagen: Sch&#246;n, dass du fragst, aber Zitate mit Quellenangaben und Links l&#228;sst das Urheberrecht auch ohne Nachfrage zu. Aber wie gesagt: Es ist toll, wenn da eine E-Mail eingeht und gefragt wird, ob Inhalte verwendet werden d&#252;rfen.</li>
    <li>Danke allen, die auf herrlarbig.de verlinken und damit zum Ausdruck bringen, dass sie Inhalte dieses Blogs sch&#228;tzen und des Verlinkens Wert erachten.</li>
    <li>Danke an<a href="http://jonaspasche.com" target="_blank"> jonaspasche.com</a> und <a href="http://uberspace.de" target="_blank">uberspace.de</a>. Ohne Jonas, dem genialsten Programmierer, Webhoster und Internettechniker der Welt (soweit ich das &#252;berblicken kann <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ), g&#228;be es herrlarbig.de in dieser Form nicht. Und das Jonas&#8217; Mitarbeiter Teil dieser <a href="http://www.youtube.com/watch?v=TZ2MT4FSOFA" target="_blank">„kleinen, geilen Firma“ (Funny van Dannen) </a>sind, die das alles m&#246;glich macht, sei hier auch erw&#228;hnt. Also: Danke an <a href="http://jonaspasche.com/app/about_us/jp" target="_blank">Jonas Pasche</a>, <a href="http://jonaspasche.com/app/about_us/ab" target="_blank">Andreas Beintken</a>, <a href="http://jonaspasche.com/app/about_us/mb" target="_blank">Matthias Bender</a> und <a href="http://jonaspasche.com/app/about_us/ch" target="_blank">Christopher Hirschmann</a>.  – Wenn jemand sagt, von Idealismus k&#246;nne man nicht leben: Diese Firma und deren Chef Jonas sind f&#252;r mich der Beweis, dass es doch geht, wenn der Idealismus nur mit ihm entsprechender Qualifikation verbunden und gelebt wird.</li>
    <li>Danke… allen, die ich hier vergessen habe, aber gar nicht vergessen wollte, weil es mir peinlich sein wird, wenn ich erfahre, dass ich sie vergessen habe.</li>
</ul>
<div>Nat&#252;rlich macht man in drei Jahren auch seltsame Erfahrungen, sodass ich hier noch einmal zusammenfasse, was herrlarbig.de in meinen Augen pr&#228;gt:</div>
<div>
<ol>
    <li>herrlarbig.de ist ein privates Lehrerblog. Ich mache das hier in meiner Freizeit, als Hobby.</li>
    <li>herrlarbig.de macht keine bezahlte Werbung. Wenn ich hier verlinke und kommerzielle Angebote erw&#228;hne, dann weil ich das will und nicht, weil ich damit Geld verdiene. Mein Geld verdiene ich mit meinem Beruf. herrlarbig.de ist … Ach, siehe 1.</li>
    <li>Ich bekomme regelm&#228;&#223;ig Anfragen zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Textlinktausch" target="_blank">Linktausch</a>. Dazu kann ich nur sagen: Wenn jemand Inhalte meiner Website des Verlinkens wert erachtet, so m&#246;ge er dies tun, aber mir eine E-Mail zu schreiben, in der „Ich verlinke dich, wenn du mich verlinkst“ steht, ist reichlich &#252;berfl&#252;ssig, denn ich bin nicht so der Marketingtyp. Ich mach das hier aus Spa&#223; und nicht weil ich was damit erreichen will; freue mich aber sehr dar&#252;ber, dass herrlarbig.de nicht ganz unbemerkt im Internet existiert.</li>
    <li>Obwohl ich immer wieder deutlich sage, dass die Kontaktm&#246;glichkeiten, die ich im Rahmen meiner Internetpr&#228;senz anbiete, nicht f&#252;r Werbung, Pressemitteilungen etc. gedacht sind, es sei denn es besteht ein Kontakt, in dessen Rahmen ich ausdr&#252;cklich darum gebeten habe, mich auf dem Laufenden zu halten, passiert es immer wieder, dass ich E-Mails bekomme, in denen Anbieter kommerzieller Produkte mich darum bitten, dass ich ihr Angebot bespreche und nat&#252;rlich verlinke. Sorry, aber so funktioniert herrlarbig.de nicht. Ich bin unabh&#228;ngig und ich bleibe unabh&#228;ngig. Das hei&#223;t aber auch, dass es mir jedes Mal in den Fingern juckt, solche Anfragen (ohne auf das Produkt den gew&#252;nschten Link zu setzen) zu ver&#246;ffentlichen, um zu dokumentieren, wer sich solcher Marketing-Tricks zu bedienen versucht. Aber ich lasse es dann in der Regel bleiben und l&#246;sche diese E-Mails einfach.</li>
    <li>herrlarbig.de tr&#228;gt den Untertitel „Bildungsneuron – Lehrerblog“. In diesem Rahmen nehme ich mir alle Freiheiten in Sachen Content / Themen. Da es sich um ein privates Blog handelt, lasse ich mich nicht festlegen, was ich in den Rahmen Bildung stelle und was nicht. <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </li>
    <li>… (hier – also per Kommentar – bitte notiere, was herrlarbig.de f&#252;r dich / sie ausmacht. Was ist es, dass dieses Blog zu dem Blog macht, das es f&#252;r dich / sie als LeserIn ist?)</li>
</ol>
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		<title>Die Sprache der „Digitalen Gesellschaft“ (Eine Kritik #digiges @digiges)</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2011/04/16/die-sprache-der-digitalen-gesellschaft-eine-kritik-digiges-digiges/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 22:22:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kann ein Verein, dem es um Freiheitsrechte in der Netzgesellschaft geht, einen Pr&#228;sidenten haben? – Wenn heise.de den Selbstanspruch Markus Beckedahls richtig wiedergibt, dann scheint es Leute zu geben, die der Meinung sind, dass das kein Problem ist. Dort hei&#223;t &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/04/16/die-sprache-der-digitalen-gesellschaft-eine-kritik-digiges-digiges/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kann ein Verein, dem es um Freiheitsrechte in der Netzgesellschaft geht, einen Pr&#228;sidenten haben? – Wenn heise.de den Selbstanspruch Markus Beckedahls richtig wiedergibt, dann scheint es Leute zu geben, die der Meinung sind, dass das kein Problem ist. <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Digitale-Gesellschaft-Eine-Lobby-fuer-Nutzerrechte-in-der-digitalen-Welt-1226926.html" target="_blank">Dort hei&#223;t es</a>:</p>

<blockquote>„Markus Beckedahl, Gr&#252;nder von <a rel="external" href="http://www.netzpolitik.org/" target="_blank">netzpolitik.org</a> und Pr&#228;sident von &#8220;Digitale Gesellschaft&#8221;”</blockquote>

<p>Der Verein ist noch in Gr&#252;ndung und hat schon einen Pr&#228;sidenten? Das hat mich irritiert, wie manch andere sprachliche Wendung, auf die ich im Umfeld dieses Vereins in Gr&#252;ndung gesto&#223;en bin und die ich hier (sprach)kritisch in den Blick nehmen will.<span id="more-5959"></span></p>

<p>Im dem <a href="http://digitalegesellschaft.de/2011/04/wir-sind-die-digitale-gesellschaft/" target="_blank">Blog von „Digitale Gesellschaft“</a> gibt es einen Beitrag mit dem Titel „Wir sind die digitale Gesellschaft“. Diese „Wir“ ist einladend. In diesem „Wir“ steckt ein „Wir beteiligen uns an der Gestaltung dieser Gesellschaft, wir denken mit, wir streiten um die Freiheitsrechte in dieser Gesellschaft.“</p>

<p>Wunderbar, dachte ich, und suchte nach dem Ort, an dem sich dieses „Wir“ artikulieren kann. Da gibt es die Kommentare auf der Website. Und es gibt die Seite, die zum „Mitmachen“ einl&#228;dt. Super, dachte ich. Los. Dort aber fand ich nur die<a href="http://digitalegesellschaft.de/unterstuetzen/" target="_blank"> Bitte um Unterst&#252;tzung beim Aufbau von Strukturen</a>. Einen Raum zur Unterst&#252;tzung des Aufbaus von Ideen und einer Zielrichtung gibt es dort bislang nicht.</p>

<p>Und wenn man dann auf die <a href="http://digitalegesellschaft.de/mitmachen" target="_blank">Mitmachseite</a> kommt, werden Leute gesucht, die Content umsetzen k&#246;nnen, aber keine, die auf inhaltlicher Seite mitdenken.</p>

<p>Wenn man diesen formalen Schw&#228;chen der Website, die so gar nicht zu einem Verein passen wollen, der Freiheitsrechte verteidigt, n&#228;her nachgeht, st&#246;&#223;t man auf die <a href="http://www.netzpolitik.org/2011/digitale-gesellschaft-jetzt-in-deinem-land-verfugbar/" target="_blank">Selbstdarstellung des Vereins im Rahmen von netzpolitik.org</a>. Und da wird es sprachlich besonders interessant – wohlbemerkt: Ich gehe hier sprachlichen Spuren nach, die im Kontext von Inhalt und Form des Auftritts von „Digitale Gesellschaft e. V. in Gr&#252;ndung“ zu finden sind. Damit spreche ich den Gr&#252;ndern nicht ab, dass sie idealistische Ziele verfolgen, auch wenn die Sprache fast so klingt, als ginge es eher um Rechthaberei als um Freiheitsrechte:</p>

<p>In der Selbstdarstellung taucht das „Wir“ sehr h&#228;ufig auf. (36 x bei 773 W&#246;rtern, was hei&#223;t: knapp 5% des Artikels bestehen aus dem Wort „Wir“) – Das korrespondiert zu dem <a href="http://digitalegesellschaft.de/2011/04/wir-sind-die-digitale-gesellschaft/" target="_blank">„Wir“ auf der Website von „Digitale Gesellschaft“</a> (Wiederum ca. 5% der W&#246;rter, dieses Mal 19 x auf 393 W&#246;rter). Doch unter „<a href="http://digitalegesellschaft.de/2011/04/wir-sind-die-digitale-gesellschaft/" target="_blank">Wir sind die digitale Gesellschaft</a>“ hat dieses „Wir“ unterschiedliche Bedeutungen. W&#228;hrend im Netzpolitik.org-Artikel damit an allen Stellen ein ganz bestimmtes „Wir“ gemeint ist („Wir, das sind rund 20 Menschen aus dem Autorenteam und dem Umfeld von  netzpolitik.org. Da ist alles dabei: Vom Politologen &#252;ber den  Informatikprofessor, bis hin zu Designern, Psychologen, Juristen und  NGO-Analysten.“), das auf rund 20 Menschen beschr&#228;nkt ist.</p>

<p>Unter „<a href="http://digitalegesellschaft.de/2011/04/wir-sind-die-digitale-gesellschaft/" target="_blank">Wir sind die digitale Gesellschaft</a>“ wird jedoch zun&#228;chst der Eindruck erweckt, jeder, der im Netz unterwegs und aktiv gestaltend t&#228;tig ist, k&#246;nnte sich mit dem „Wir“ identifizieren.</p>

<p>Aber das stimmt ja gar nicht, wenn man dann genau hinschaut:</p>

<blockquote>„Deshalb wollen zusammen mit euch aktiv zu werden. F&#252;r das Netz. F&#252;r das Leben. F&#252;r uns alle. Wir k&#228;mpfen mit euch gemeinsam…” (Der erste Satz muss wohl hei&#223;en: „Deshalb wollen WIR zusammen mit euch aktiv werden“, das wird bestimmt in den n&#228;chsten Tagen verbessert.)</blockquote>

<p>Das „Wir“ auch hier, jene rund 20 Menschen rund um Netzpolitik.org, die anonym sind, graue Damen und Herren und Freiheitsrechtebewegung, die sich jener transparenter Strukturen verweigern, die Netzpolitk.org seit Bestehen f&#252;r politische Prozesse fordert.</p>

<p>Zur&#252;ck zum<a href="http://www.netzpolitik.org/2011/digitale-gesellschaft-jetzt-in-deinem-land-verfugbar/" target="_blank"> Artikel auf Netzpolitk.org</a>:</p>

<blockquote>„Wir haben uns daf&#252;r entschieden, erstmal klein anzufangen, mit Menschen,  die dieselbe Idee und Motivation haben. Ohne lange rum zu diskutieren,  was Digitale Gesellschaft sein und machen soll. Ohne Streit und  Machtspiele,…“</blockquote>

<p>Im Klartext: „Wir fangen klein an“ bedeutet dann wohl: Wir bilden einen kleinen, elit&#228;ren Zirkel, der bestimmt, was „wir“ unter digitaler Gesellschaft verstehen und die anderen k&#246;nnen ja, wenn sie wollen mitmachen, „ohne lange rum zu diskutieren, was Digitale Gesellschaft sein und machen soll.“ – Also: Da sind Leute mit gleichen Ideen, die als Lobbygruppe agieren wollen, aber diejenigen, die sie vertreten wollen ausschlie&#223;en, ja, die sogar „Angst“ davor zu haben scheinen, dass sie die Definitionsmacht verlieren.</p>

<p>Es geht hier um die Definition eines Begriffs: „Digitale Gesesllschaft“. Einen Begriff zu definieren hei&#223;t aber auch, Macht &#252;ber den mit dem Begriff gemeinten Inhalt zu haben. Und wenn rund 20 Leute das festlegen, dann geht es um die Macht diese rund 20 Leute.</p>

<p>Vielleicht wollen sie ja wirklich gesellschaftlich etwas erreichen, haben gar nicht im Blick. dass sie einen Machtanspruch erheben, aber aus sprachreflektierender Perspektive wird in dem Artikel auf Netzpolitik.org genau ein solcher Machtanspruch implizit erhoben.</p>

<blockquote>„Ohne Streit und Machtspiele…“</blockquote>

<p>Also: Ohne die Gefahr, dass „unsere“ Macht (die des rund 20 Menschen umfassenden „inner circle“) in Frage gestellt wird. Noch anders ausgedr&#252;ckt: Alle Mechanismen demokratischer Meinungsbildungsprozesse werden damit ausgehebelt, man ist nicht bereit, den oft m&#252;hsamen Weg demokratischer Entscheidungsfindungen zu gehen. Man will Ja-Sager und Leute, die die Rolle der „rund 20 Menschen“ nicht in Frage stellen – lautet die Botschaft dieses Satzes.</p>

<p>Nun fehlt nur noch die Botschaft an all diejenigen, die solche Dinge anders sehen, die „Wenn es dir nicht passt, interessiert uns nicht”-Botschaft. Und diese kommt auch:</p>

<blockquote>„Wenn Dir gef&#228;llt, was wir hier auf die Beine gestellt haben und Du uns  unterst&#252;tzen willst, dass wir unsere Arbeit der letzten Jahre noch viel  besser und effektiver machen, dann unterst&#252;tze uns finanziell oder mit  Deiner Zeit, Kreativit&#228;t und Engagement.“</blockquote>

<p>Wenn dir das gef&#228;llt, unterst&#252;tzte das ganze „finanziell oder mit  Deiner Zeit, Kreativit&#228;t und Engagement“. Kein Wort der Einladung zum Mitdenken, zur inhaltlichen Mitgestaltung. Wenn dir das gef&#228;llt, lass dich darauf ein, dass „wir“ („rund 20 Menschen aus dem Autorenteam und dem Umfeld von  netzpolitik.org“) sagen, was gemacht wird und zahlst und arbeitest f&#252;r diese Ideen, wenn es deine sind, aber auf einen Prozess gesellschaftlicher Meinungsbildung lassen wir uns nicht ein, haben wir doch „&#228;hnliche Initiativen schnell zerreden und zerfallen sehen, weil viele  unterschiedliche Sichtweisen, Hoffnungen, Motivationen und Vorstellungen  aufeinanderprallten, bis alle unmotiviert auseinandergingen. Wir wollen  unsere knappe Zeit mit Spa&#223; und Motivation einsetzen und etwas bewegen.”</p>

<p>Es stimmt: Initiativen auf den Weg zu bringen ist ein anstrengendes Gesch&#228;ft. Demokratische Prozesse sind harte Arbeit. Da braucht es Durchhalteverm&#246;gen.</p>

<p>Es gibt da nur ein kleines Problem: Aufgrund der Intransparenz und des elit&#228;r anmutenden Machtanspruchs eines kleinen Berliner Zirkels, passiert nun genau das, was die Gruppe um Beckedahl umgehen wollte: Statt eines Meinungsbildungsprozesses in einer „Digitalen Gesellschaft“ gibt es nun den Protest in den vernetzten Strukturen. Dabei m&#246;gen teilweise auch schon genau die Machtspiele losgetreten worden seien, die vermieden werden sollten, vor allem wenn sich Parteipolitiker &#252;ber die „Digitale Gesellschaft“ &#228;u&#223;ern. – Allerdings kam die Vorlage f&#252;r solche Proteste von „Digitale Gesellschaft“.</p>

<p>Vermutlich halten sich die „rund 20 Menschen aus dem Autorenteam und dem Umfeld von  netzpolitik.org“ f&#252;r eine Elite, die den Anspruch erheben kann, tats&#228;chlich f&#252;r die „Netz-Community“ und deren Rechte einzutreten. Vermutlich geht man davon, dass die eigenen Ideen die richtigen Ideen sind.</p>

<p>Aber wenn dem so ist: Warum dann diese Angst vor Transparenz und Partizipation? Das klingt f&#252;r mich weniger nach einem Verein sondern nach einem Versuch, die eigenen Ideen &#252;ber „Crwod-Funding“ zu finanzieren, &#252;ber das im Rahmen der <a href="http://re-publica.de/11/" target="_blank">re:publica 11</a> gerade ausf&#252;hrlich gesprochen wurde.</p>

<p>Insgesamt entsteht im Umfeld der gegenw&#228;rtigen Selbstdarstellung von „Digitale Gesellschaft“ der Eindruck, als w&#252;rden sich da einige Leute f&#252;r sehr wichtig halten und f&#252;r sehr wichtig nehmen, f&#252;r so wichtig, dass sie DIE Ideen und Ideale einer freien B&#252;rger- und Netz-Gesellschaft meinen exklusivistisch vertreten zu k&#246;nnen.</p>

<p>Dieser Exklusivismus tritt, mit Sicherheit nicht gewollt, aber sprachlich so doch erst einmal vorhanden, an einer zentralen Stelle im Artikel auf Netzpolitik.org auf (Hervorhebung von herrlarbig):</p>

<blockquote>(„Wir, das sind rund 20 Menschen aus dem Autorenteam und dem Umfeld von   netzpolitik.org. <strong>Da ist alles dabei</strong>: Vom Politologen &#252;ber den   Informatikprofessor, bis hin zu Designern, Psychologen, Juristen und   NGO-Analysten.“</blockquote>

<p>Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. „Da ist alles dabei“.</p>

<ul>
    <li>Politologe (Akademiker, universit&#228;rer Abschluss)</li>
    <li>Informatikprofessor (Akademiker, universit&#228;rer Abschluss)</li>
    <li>Designer (Vielleicht kein Akademiker oder universit&#228;rer Abschluss)</li>
    <li>Psychologen (Akademiker, universit&#228;rer Abschluss)</li>
    <li>Juristen (Akademiker, universit&#228;rer Abschluss)</li>
    <li>NGO-Analysten (sehr wahrscheinlich Akademiker, universit&#228;rer Abschluss)</li>
</ul>

<p>Diese „alles dabei“ ist schlicht und ergreifend Zeugnis eines sehr eingeschr&#228;nkten Weltbildes. Ich z&#228;hle jetzt nicht auf, wer da alles fehlt, aber die Hinweise, dass es sich um ein reines Top-Down-Projekt handelt, verdichten sich angesichts dieses „Gesellschaftbegriffs“, in dem die „Digitale Gesellschaft“ aus einem sehr &#252;bersichtlichen Kreis an „Allen“ besteht.</p>

<p>Auf Twitter bekam ich nach ein paar kritischen Tweets zu @digiges gesagt:</p>

<blockquote>„Lass doch erstmal anfangen! Verein hin oder her, die Idee dahinter macht Sinn“</blockquote>

<p>Ja, ich halte es durchaus f&#252;r sinnvoll, Strukturen zu schaffen, die es erlauben, die bislang immer sehr vom pers&#246;nlichen Engagement einzelner abh&#228;nigen Kampagnen in Sachen Netzpolitik st&#228;rker zu fokussieren. Und man k&#246;nnte mir nun vorwerfen, dass ich einen &#252;ber-kritischen Blick auf die Texte rund um „Digitale Gesellschaft“ werfe, dass vieles von dem, was ich hier kritisiere vielleicht sprachliche Schw&#228;chen seien, dass diese aber doch mit dem Ideal dahinter nichts zu tu h&#228;tten.</p>

<p>Angesichts des professionellen Anspruchs, den die Leute um Netzpolitik.org haben, angesichts ihres Handwerkszeugs „Sprache“, lasse ich dieses Argument nicht stehen. Wer ein solches Projekt startet, der kommt nicht umhin darauf zu achten, der &#246;ffentlichen Aufmerksamkeit, die man f&#252;r das Projekt erhofft, all die Angriffsfl&#228;chen nicht zu bieten, die sich bei der „Digitalen Gesellschaft“ finden lassen und die von unterschiedlicher Seite nun kritisiert werden. – In dieser Hinsicht ist dieser Beitrag hier nur einer von vielen.</p>

<p>Streit sollte vermieden werden? – Ok, aber kritische Beitr&#228;ge aus der Netz&#246;ffentlichkeit werden so nicht verhindert, sondern angesichts der „Exklusivit&#228;t“ von „Digitale Gesellschaft“ sogar noch provoziert.</p>

<p>Machtspiele sollten vermieden werden, um der Sache willen? – Ok, aber damit wird ein Machtanspruch erhoben, der freilich erst konkret wird, wenn er auf Akzeptanz st&#246;&#223;t – demokratisch legitimiert ist der „Pr&#228;sident“ von „Digitale Gesellschaft“ damit aber noch lange nicht.</p>

<p>Damit ist die „Digitale Gesellschaft“ nicht tot. Sie ist eine Fr&#252;hgeburt, die nun in den Brutkasten der „Digitalen Gesellschaft“ geh&#246;rt, zu der eben mehr Leute geh&#246;ren als die „rund 20 Menschen aus dem Autorenteam und dem Umfeld von   netzpolitik.org”. Wenn Beckedahl und Co sich diesem „Streit“ verweigern, dann m&#252;ssten sie auch &#246;ffentlich klar sagen: „Wir („rund 20 Menschen aus dem Autorenteam und dem Umfeld von   netzpolitik.org”) SIND DIE „Digitale Gesellschaft“ – und IHR seid als Finanziers und UNSERE Ideen umsetzende Kreative herzlich willkommen, aber versucht uns bitte nicht reinzureden.</p>

<p>Eine solche „Digitale Gesellschaft“ ist dann allerdings nicht die meinige. Aber noch besteht ja die Chance, dass</p>

<ol>
    <li>offen gelegt wird, wer die „rund 20 Menschen aus dem Autorenteam und dem Umfeld von   netzpolitik.org” sind – denn wir brauchen wirklich keine neue Geheimlogen;</li>
    <li>die M&#246;glichkeit inhaltlicher Partizipation geschaffen wird;</li>
    <li>demokratische Strukturen geschaffen werden.</li>
</ol>

<p>Wer B&#252;rgerrechte in einer „Digitalen Gesellschaft“ verteidigen will, kann die B&#252;rger dieser Gesellschaft nicht zum „Friss oder st&#246;r uns nicht“-Vieh machen, kann die B&#252;rger dieser Gesellschaft nicht nur als „Unterst&#252;tzter“ haben wollen, sondern muss den Mut haben, selbst mehr „digitale Gesellschaft“ in Freiheit und auf der Basis demokratischer Entscheidungsprozesse zu leben – und eben nicht nur auszurufen. Die „digitale Gesellschaft“ ist kein Verein, sondern Vernetzung, Unabh&#228;ngigkeit, Dezentralisierung, Transparenz, Offenheit, Partizipationsf&#228;higkeit … Und das gilt f&#252;r alle B&#252;rger und B&#252;rgerinnen dieser Gesellschaft – nicht nur f&#252;r „rund 20 Menschen aus dem Autorenteam und dem Umfeld von   netzpolitik.org”.</p>

<p>&nbsp;</p>

<p><em>Nachtrag</em></p>

<p>Auf Twitter bekam ich gerade zu lesen:</p>

<blockquote>„ja aber die Piraten zeigen ja, dass es so »demokratisch« auch im Chaos endet. Ich kann das schon nachvollziehen“</blockquote>

<p>Recht hat er, der <a href="http://twitter.com/ubahnverleih" target="_blank">@ubahnverleih</a>. Ich habe kein Problem damit, dass Leute sich zusammensetzen und zum Beispiel ein Manifest oder &#228;hnliches entwickeln, dass sie dann zur Diskussion stellen. Ich habe kein Problem damit, wenn Leute sagen: „Das und das ist unsere Idee, wir gr&#252;nden einen Verein und wem diese Richtung des Denkens auch gef&#228;llt, der wird Mitglied, der gestaltet mit, der nimmt teil an Prozessen der Weiterentwicklung der Idee…“</p>

<p>Es gibt (noch) kein Manifest bzw. eine Satzung von „Digitale Gesellschaft“.</p>

<p>Es gibt die Bitte um Unterst&#252;tzung, aber keine M&#246;glichkeit, dem Verein beizutreten; eine (&#246;ffentliche) Gr&#252;ndungsversammlung fand (soweit ich das recherchieren konnte) nicht statt.</p>

<p>Die Mitglieder des „inner circle“, die Gr&#252;ndungsmitglieder sind unbekannt.</p>

<p>Es stimmt: Die Piraten zeigen im negativen Sinne, wie demokratische Prozesse ins Leere laufen k&#246;nnen.</p>

<p>Aber kann ein „geschlossener Verein“ darauf die Antwort sein?</p>

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		<title>Gedichtinterpretation: Goethe – ein jugendgef&#228;hrdender Autor</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 22:17:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160; Johann Wolfgang Goethe (1815) &#160; Trunken m&#252;ssen wir alle sein! Jugend ist Trunkenheit ohne Wein; Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend, so ist es wundervolle Tugend. F&#252;r Sorgen sorgt das liebe Leben, und Sorgenbrecher sind die Reben. &#160; &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/04/05/gedichtinterpretation-goethe-ein-jugendgefahrdender-autor/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Times;"><span style="font-family: Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif;"> </span></span></p>

<p>&nbsp;</p>

<p style="text-align: center;">Johann Wolfgang Goethe (1815)</p>

<p style="text-align: center;">&nbsp;</p>

<p style="text-align: center;">Trunken m&#252;ssen wir alle sein!</p>

<p style="text-align: center;">Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;</p>

<p style="text-align: center;">Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,</p>

<p style="text-align: center;">so ist es wundervolle Tugend.</p>

<p style="text-align: center;">F&#252;r Sorgen sorgt das liebe Leben,</p>

<p style="text-align: center;">und Sorgenbrecher sind die Reben.</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>Goethe – ein jugendgef&#228;hrdender Autor?</p>

<p>Im „Faust“ werden Geister beschworen, Drogen konsumiert, Personen direkt oder indirekt dem Tode &#252;bereignet; im ,,Heidenr&#246;slein“ lesen viele Interpretationen die Darstellung einer Vergewaltigung und im „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/West-&#246;stlicher_Divan" target="_blank">West-&#246;stlichen Divan</a>“ gibt es das „Schenkenbuch“<span id="more-5955"></span> (<a href="http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/diwan/09.htm" target="_blank">Saki Nameh</a>), in dem nicht nur das oben zitierte Gedichte wie ein Loblied auf die Trunkenheit wirkt.</p>

<p>Gedichten – der Literatur, der Kunst – ist kein Thema fremd. Gro&#223;e K&#252;nstler waren oft erfahrungssatt – sind es vielleicht auch heute noch. Von politische Korrektheit sind Lyriker wie Goethe oft weit entfernt, weil Sie als K&#252;nstler das Leben interessiert und mit ihm verbunden die Frage, „Was die Welt im Innersten zusammenh&#228;lt“ (Faust I).</p>

<p>Wer sich der Kunst zu stellen bereit ist, wird schnell feststellen, dass sie der Wirklichkeit oft weit mehr abzutrotzen vermag, als platte Sauflieder oder faustische Exzesse.</p>

<p>Das gilt auch f&#252;r „Trunken m&#252;ssen wir alle sein“. (Nat&#252;rlich&#8230; Ist ja ein Gedicht Goethes <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  )</p>

<p>In diesem Gedicht werden drei Thesen aufgestellt, die jeweils zwei Verse umfassen, die, die Zusammengeh&#246;rigkeit betonend, in Paaren gereimt sind, auch wenn die Verse 1 und 2 nicht so eindeutig in einen solchen Zusammenhang passen.</p>

<p>Das Gedicht startet mit einem Imperativ, der einen absoluten Anspruch erhebt: „Trunken m&#252;ssen wir alle sein!“ (V1) Es folgt aber keine Aufforderung, diese Trunkenheit mittels Alkoholkonsum herzustellen, sondern die Feststellung: „Jugend ist Trunkenheit ohne Wein“ (V2).</p>

<p>Diese Feststellung will nun nicht sagen, dass „Jugend“ auf Wein verzichte und statt dessen zu andern Alkoholika greife, wie es heutzutage allzu oft passiert, sondern auf eine Privilegiertheit der Jugend hinweisen, die im Laufe des Erwachsenwerdens scheinbar verschwindet.</p>

<p>Vers 5 sagt, was sich im Laufe der Zeit ver&#228;ndert; das Leben bringe Sorgen mit sich, die die Reben brechen w&#252;rden.</p>

<p>Also doch ein Legitimationsversuch des Frustsaufens? Sprechen nicht auch die Verse 3 und 4  f&#252;r diese Vermutung?</p>

<p>„Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,</p>

<p>so ist es wundervolle Tugend.“</p>

<p>Aber geht er diesem Gedicht um einen funktionalen Wert alkoholischer Getr&#228;nke aus Weintrauben – oder vielleicht um etwas ganz anderes?</p>

<p>Unbestritten geht es um „Trunkenheit“ (V 1), aber um jene Form des „Vom Leben trunken Seins“, das das lyrische Ich des Gedichts bei Jugendlichen wahrnimmt, eine Trunkenheit ohne Wein. (V 2)</p>

<p>Das Ideal ist in diesem Gedicht Goethes ein Ideal von Jugendlichkeit. Dieses geht angesichts der Sorgen verloren, so das lyrische Ich, die das „liebe Leben“ (V 5) mit sich bringe.</p>

<p>Diesen Sorgen gilt es mit jugendlicher Sorglosigkeit zu begegnen. Mittel zum Erlangen dieses Zieles ist in Goethes Gedicht jenes Getr&#228;nk, in dem sprichw&#246;rtlich „Wahrheit“ zu finden sei (in vino veritas).</p>

<p>In diesem Gedicht wird die „Trunkenheit“ (V 2) der Jugend idealisiert. Parallel dazu wird das von Sorgen gepr&#228;gte Leben vieler Erwachsener als suboptimal betrachtet. – Das Streben nach jugendlicher, gelassener „Trunkenheit“ wird als positives Handeln gelobt. Da schwingt die Aufforderung mit, die Sorgen des Lebens nicht zu ernst zu nehmen, sondern ihnen gegen&#252;ber eine „trunkene“ Gelassenheit zu gewinnen, die aber nicht mit Kontrollverlust oder Vollrausch verbunden gedacht wird. – Es geht hier nicht um gew&#246;hnlichen Wein, sondern um einen Wein der „Seelengro&#223;mut und geistigen Vervollkommnung“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/04/05/gedichtinterpretation-goethe-ein-jugendgefahrdender-autor/#footnote_0_5955" id="identifier_0_5955" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Goethes Werke, Band II (Hamburger Ausgabe), M&amp;#252;nchen 1998, S. 648.">1</a></sup>, wie es im Kommentar Trunz’ zum Schenkenbuch des West-&#214;stlichen Divans zu lesen ist – so man dieser Interpretation folgen mag.</p>

<p>Und ein Gedicht wie „Trunken m&#252;ssen wir alle Seien“ mag selbst so &#228;hnlich wirken, wie es die Reben im Gedicht tun sollen: Das Gedicht erdet den auf so hohem Thron platzierten Goethe ein wenig.</p>

<p>Gleichzeitig erscheint mir dieses Gedicht als ein R&#252;ckblick auf Ihre Phase in Goethes Leben, in der er literarisch dem <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/stdrang.htm" target="_blank">Sturm und Drang</a> zugeordnet war.</p>

<p>In dieser Zeit entstanden lebenstrunkene Texte und Lieder, die so ganz anders waren als manche sp&#228;tere Schrift Goethes.</p>

<p>Und so stellt sich am Ende die Frage, ob „Trunken m&#252;ssen wir alle sein!“ unter der Hand nicht eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Poetik" target="_blank">poetologische</a> Seite hat, die Goethes Erfahrungen mit dem Schreiben thematisiert, auch wenn es sich bei dem Gedicht anhand der Oberfl&#228;che und entsprechend des konkreten Inhalts vielleicht aber auch tats&#228;chlich einfach um ein Gedicht zum Wein handeln k&#246;nnte, st&#252;nde es nicht im komplexen Kontext des Divans… – Aber das ist noch einmal eine andere Geschichte.</p>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Verlinken! Oder: &#220;ber das dezentrale Vernetzen</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2010/11/29/verlinken-oder-ueber-das-dezentrale-vernetzen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 16:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Warum verlinken die meisten dt. Blogger eigentlich bevorzugt Seiten, die nie zur&#252;cklinken werden, also US-Blogs und dt. Altlastmedien?” (Marcel Weiss) Um es gleich zu sagen: Wenn ich Links setze, dann nicht in der Hoffnung, dass da jemand zur&#252;ck verlinkt. – &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/29/verlinken-oder-ueber-das-dezentrale-vernetzen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>„Warum verlinken die meisten dt. Blogger eigentlich bevorzugt Seiten, die nie zur&#252;cklinken werden, also US-Blogs und dt. Altlastmedien?” (<a href="http://twitter.com/#!/marcelweiss/status/16302440954" target="_blank">Marcel Weiss</a>)</p></blockquote>

<p>Um es gleich zu sagen: Wenn ich Links setze, dann nicht in der Hoffnung, dass da jemand zur&#252;ck verlinkt. – Wenn ich E-Mails mit der Aufforderung zum Linktausch bekomme, am besten noch von wildfremden Personen, die offenbar gerade das Tr&#228;umchen vom gro&#223;en E-Bussiness an die Stelle des Sch&#228;fchen-Z&#228;hlens gesetzt, die Website schon gebastelt haben und jetzt feststellen, dass eine Website ohne Besucher keine besonders gute Basis f&#252;r das Tr&#228;umelchen ist, mindenstens auf Amazon-Umsatzzahlen zu kommen… ∞ wenn ich also solche E-Mails bekomme, dann werden die nicht nur als Spam gekennzeichnet, dann landen diese nicht nur im virtuellen Papierkorb, sie werden auch noch durch eine „sichere“ L&#246;schroutine gejagt, damit m&#246;glichst wenig digitale Staubreste solcher digitalen Bel&#228;stigungen &#252;brig bleiben.<span id="more-5334"></span></p>

<p>Um es nochmal zu sagen: Wenn ich Links setze, dann nicht in der Hoffnung, dass da jemand zur&#252;ck verlinkt. Und wenn jemand Links zu Artikeln auf meiner Website setzt, bedeutet das nicht automatisch, dass ich zu der verlinkenden Website verlinke.</p>

<p>Als ich anfing zu bloggen, waren mir all diese Marketingspielchen v&#246;llig unbekannt. Ich schrieb Artikel, verlinkte so, wie mir Links im Sinne des Hypertext-Gedankens sinnvoll erschienen – zu den Kriterien gleich mehr – und freute mich nat&#252;rlich, wenn jemand einen Artikel von mir verlinkte, weil das f&#252;r mich gleichbedeutend mit der Botschaft war, dass da jemand was mit einem Artikel von mir anfangen kann.</p>

<p>Als ich anfing zu bloggen, wollte ich vor allem wissen, wie das mit dem Bloggen geht. Kein Marketinggedanke blockierte mein Schreiben. Und das <a href="http://twitter.com/herrlarbig" target="_blank">Twitter</a> Folgen f&#252;r mein Bloggen haben w&#252;rde, war mir auch nicht klar, als meine Neugier, was Twitter sei und wie es funktioniere, vor etwas &#252;ber zwei Jahren, im Oktober 2008, dazu f&#252;hrte, dass ich „einfach so“ einen Account er&#246;ffnete.</p>

<p>Man mag mir diese „Naivit&#228;t“ im Umgang mit „sozialen Medien“ nun abnehmen oder nicht (doch, ich bin wirklich genau so „naiv“ da ran gegangen): Im Laufe der Zeit habe ich ein wenig verstanden, wie das Internet funktioniert bzw. wie es funktionieren k&#246;nnte.</p>

<p>Ich muss hier nicht ausf&#252;hrlich darlegen, was <a href="http://marcgrabanski.com/articles/wordpress-saved-the-web" target="_blank">an anderer Stelle f&#252;r mich sehr &#252;berzeugend dargestellt wurde</a>: Das Web lebt nicht in eingez&#228;unten Sonderwelten wie Facebook und Co, sondern auf der freien Wildbahn – die selbstverst&#228;ndlich noch nie ein rechtsfreier Raum war, auch wenn manche nicht m&#252;de werden zu betonen, dass das Netz kein rechtsfreier Raum sein d&#252;rfe.</p>

<p>Das Internet, wie ich es mir vorstelle, ist dezentral organisiert. Und das gilt auch f&#252;r „wirkliche Netzwerke“, <a href="http://blog.koehntopp.de/archives/2978-Die-unertraegliche-Lameness-des-Web-2.0.html" target="_blank">die eine andere Basis haben als „Like-It-Buttons“</a>.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/29/verlinken-oder-ueber-das-dezentrale-vernetzen/#footnote_0_5334" id="identifier_0_5334" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="F&amp;#252;r den Hinweis auf diese beiden zuletzt verlinkten Artikeln danke ich Jonas Pasche.">1</a></sup></p>

<p>Facebook ist f&#252;r mich <em>kein</em> „wirkliches Netzwerk“, denn physikalisch betrachtet ist Facebook ein geschlossenes System, in das zwar von Au&#223;en Informationen mit Hilfe unterschiedlichster „Staubsauger“ hinein kommen, dann aber <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/29/und-tschuess-facebook/" target="_blank">nicht mehr so einfach raus gelassen werden</a>. Au&#223;erdem „enteignen“ solche Netzwerke den Ersteller von Inhalten, werden diese doch zum Beispiel f&#252;r die Plazierung von Werbung ausgewertet. Das ist der Preis daf&#252;r, dass das Angebot „kostenlos“ ist.</p>

<p>Ein echtes Netzwerk besteht f&#252;r mich aus mehr als nur einem Datensilo. Und mit dieser Vorstellung verbunden sind dann auch meine Kriterien f&#252;r das Setzen von Links, ohne dass ich zuverl&#228;ssig sagen k&#246;nnte, ob ich mich immer an diese Kriterien halte… <img src='http://herrlarbig.de/wordpress/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>

<p>Ein echtes (digitales) Netzwerk ist in meinen Augen nur dann wirklich ein Netzwerk, wenn es dezentral organisiert ist. Konkret: Viele (kleine) Blogs, privat betrieben, die, so gut dem Betreiber eben m&#246;glich, individuelle Inhalte erstellen und verf&#252;gbar machen, Inhalte, die den Erstellern geh&#246;ren, die aber &#246;ffentlich verf&#252;gbar sind und die jeder, der sie f&#252;r gut oder f&#252;r den gerade selbst erstellen Inhalt f&#252;r sinnvoll erg&#228;nzend ansieht, verlinken kann.</p>

<p>Ein Netzwerk besteht f&#252;r mich nicht darin, dass man an einem Ort „Freundschaftsbehauptungen“ aufstellt, die mit dem, was ich unter dem Begriff der Freundschaft verstehe, nichts zu tun haben. Ein Netzwerk besteht nicht darin, dass eine von mir ver&#246;ffentlichte Information zur gleichen Zeit von allen im Netzwerk gelesen werden kann. Vielmehr hat die Pflege eines Netzwerkes f&#252;r mich etwas Aktives an sich, das &#252;ber einen Button zum Erstellen einer Verkn&#252;pfung an einem (nach au&#223;en mehr oder weniger abgeschlossenen) Ort, der vor allem der Generierung von Geld dient, weit hinaus geht.</p>

<p>Und das gilt dann auch f&#252;r Verlinkungen. Links haben die Aufgabe, den Informationsgehalt eines Textes anzureichern oder zu erg&#228;nzen, sie verweisen auf genutztes Material (wie z. B. das Literaturverzeichnis in wissenschaftlichen Werken) und sie laden zum Weiterlesen ein. Links sind die Schnittstellen, die Knoten eines Netzwerkes, die auf Dauer ein hoch komplexes System von Verweisen aufbauen, deren Quellen dezentral organisiert sind und sich so ein wenig der Vermarktung durch Dritte entgegen stellen.</p>

<p>Die Entscheidung, welche Links gesetzt werden, ist selbst wieder ein aktiver Akt. Und damit komme ich auf Marcel Weiss’ Tweet zur&#252;ck, den ich bereits oben zitiert habe:</p>

<blockquote><p>„Warum verlinken die meisten dt. Blogger eigentlich bevorzugt Seiten, die nie zur&#252;cklinken werden, also US-Blogs und dt. Altlastmedien?” (<a href="http://twitter.com/#!/marcelweiss/status/16302440954" target="_blank">Marcel Weiss</a>)</p></blockquote>

<p>Ja, es ist wirklich verbl&#252;ffend, das sage ich auch hinsichtlich manch eigener Links, dass Blogs, die Teil eines offenen Netzwerkes sein k&#246;nnen, oft auf „geschlossene“ Medien verweisen, die die Beitr&#228;ge der meisten Blogs 1. nicht wahrnehmen und 2. nur in wenigen F&#228;llen ernst nehmen. Das wird oft mit „Qualit&#228;tskriterien“ begr&#252;ndet, aber, und hier ist Wikipedia positive Ausnahme, gleichzeitig wird damit auch negiert, dass es viele Blogs mit gut recherchierten oder gut durchdachten Inhalten gibt, die durchaus als Referenzen dienen k&#246;nnen und die f&#252;r entsprechende Beitr&#228;ge der „Qualit&#228;tspresse“ wahrscheinlich bei Recherchen zwar gelesen, aber als Referenz in Artikeln nur in seltenen F&#228;llen angeben werden.</p>

<p>Umgekehrt gibt es viele Blogs, die fast nur auf Artikel aus solchen Organen der traditionellen Presse verweisen. Keine Frage: Die traditionelle Presse hat ihren Platz, ist von ihrer Funktion her sehr wichtig und ich will nicht auf sie verzichten (m&#252;ssen). Ich stelle hier nicht die Funktion der traditionellen, qualitativ zweifelsfrei in sehr vielen F&#228;llen sehr hochwertigen Presse in Frage. Meine Frage lautet eher: Warum nehmen Blogger, die selbst hochwertige Inhalte erstellen, andere Blogger, die das gleiche anstreben, so wenig wahr, obwohl es mittlerweile dezidierte Blog-Suchmaschinen gibt, mit deren Hilfe man leicht recherchieren kann, wer zu einem Thema in einem Blog schon etwas geschrieben hat.</p>

<p>Auf diesem Wege kann man dann auch schnell feststellen, dass das Thema der Verlinkung von Blog zu Blog immer mal wieder Thema ist. Hier ein paar Beispiele (und damit auch Links zu anderen Blogs):</p>

<ul> <li><a title="'Blogs not dead – Lose Gedanken zum Blogblues' lesen" rel="bookmark" href="http://www.nerdcore.de/wp/2007/10/17/blogs-not-dead-lose-gedanken-zum-blogblues/" target="_blank">Blogs not dead – Lose Gedanken zum Blogblues</a> (2007)</li> <li><a href="http://www.robertbasic.de/2010/08/verlinkungsdichte-deutscher-top-blogs-weiter-im-sinkflug/" target="_blank">Verlinkungsdichte deutscher Top-Blogs weiter im Sinkflug</a> (2010)</li> <li><a title="Zum Thema Verlinkung von Blogs: Herr Basic, Sie haben unrecht!" rel="bookmark" href="http://blog.gilly.ws/2010/08/24/zum-thema-verlinkung-von-blogs-herr-basic-sie-haben-unrecht">Zum Thema Verlinkung von Blogs: Herr Basic, Sie haben unrecht!</a> (2010 – Antwort auf „Verlinkungsdichte deutscher Top-Blogs weiter im Sinkflug)</li> <li><a rel="bookmark" href="http://netzwertig.com/2010/06/17/blogs-wie-ein-neues-linkverhalten-die-blogosphaere-beleben-koennte/" target="_blank">Wie ein neues Linkverhalten </a><a rel="bookmark" href="http://netzwertig.com/2010/06/17/blogs-wie-ein-neues-linkverhalten-die-blogosphaere-beleben-koennte/" target="_blank">die Blogosph&#228;re beleben k&#246;nnte</a> (2010)</li> </ul>

<p>Diese ganzen Diskussionen gehen an mir vorbei. Mir ist es, um ehrlich zu sein, relativ egal, ob Blogs nun „hypen“ oder „f&#252;r tot“ erkl&#228;rt werden. Ich schreibe kein Blog, kein Webtagebuch im „klassischen“ Sinn, sondern nicht-linear strukturierte Inhalte, die sich (zuf&#228;llig) der Form eines Blogs bedienen.</p>

<p>Mir ist es reichlich egal, ob die deutschen „Top-Blogs“ nun unter Verlinkungsmangel leiden oder nicht. Das spielt f&#252;r meinen Netzwerkgedanken schlicht keine Rolle, auch wenn mein Netzwerkgedanke nat&#252;rlich etwas mit Relevanz und Sichtbarkeit bzw. dem Sichtbar-Machen zu tun hat.</p>

<p>Ich verlinke, wenn ich einen Beitrag f&#252;r gelungen halte und er eine sinnvolle Erg&#228;nzung zu meinen eigenen Beitr&#228;gen darstellt. Das hei&#223;t nicht, dass Beitr&#228;ge, die ich nicht verlinke „schlecht“ w&#228;ren. Solche Beitr&#228;ge sind mir meist schlicht durch die Lappen gegangen und sind gerne als zus&#228;tzliche Verlinkungen in den Kommentaren gesehen.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/29/verlinken-oder-ueber-das-dezentrale-vernetzen/#footnote_1_5334" id="identifier_1_5334" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nat&amp;#252;rlich gibt es Leute, die schreiben Kommentare, nicht um eine Diskussion weiter zu bringen, sondern alleine um ihre Links zu posten, ohne dass diese Kommentare gleich als Spam vom System erkannt werden. Solche Kommentare sortiere ich manuell aus, wenn die Schwelle zum Aussortieren hin auch sehr hoch ist.">2</a></sup></p>

<p>Wenn ich verlinke, erwarte ich keine Gegenleistung. Dass es aber reichlich Backlinks zu herrlarbig.de gibt, ohne dass ich wiederum f&#252;r diese eine Gegenleistung b&#246;te, freut mich, sehe ich als Lohn f&#252;r die Freizeit, die in dieser Website steckt. Wie gesagt: Das ganze Marketing-Ged&#246;ns l&#228;sst mich reichlich kalt, denn mein Kriterium ist nach wie vor die Qualit&#228;t eines Beitrages (soweit ich das beurteilen kann) und nicht die Frage, ob ein Link mehr bei Google das Ranking verbessert oder nicht.</p>

<p>Dennoch w&#252;nsche ich mir, dass gerade Netzwerker auf der „freien Wildbahn“ (nicht rechtsfrei, nie gewesen, siehe oben), einander wahrnehmen und per Links Br&#252;cken zueinander schlagen.</p>

<p>Privat betriebene Blogs sind f&#252;r mich wie die kleinen, mit Leidenschaft betriebenen, keinem Konzern zugeordneten Fachgesch&#228;fte (oder Ramschl&#228;den, ja auch solche Blogs gibt es, klar). Zwar kommt es auch vor, dass in einem solchen Fachgesch&#228;ft gesagt wird, dass man bestimmte Dinge nicht vertreibe und dass man in ein anderes Gesch&#228;ft verwiesen wird. Der gute Fachh&#228;ndler wei&#223;, welcher andere private Fachh&#228;ndler ein Produkt f&#252;hrt, der schlechte wird einfach, vielleicht, weil er einfach nicht wahrnimmt, was um ihn herum an „kleinen tollen Firmen“ vorhanden ist auf ein gro&#223;es Kaufhaus verweisen, vielleicht, weil man das Gew&#252;nschte in entsprechender Qualit&#228;t tats&#228;chlich ausnahmsweise tats&#228;chlich nur dort bekommt. (Umgekehrt wissen gute Verk&#228;ufer in Kaufh&#228;usern, wo es kleine Spezialgesch&#228;fte gibt, die Kundenw&#252;nsche bedienen k&#246;nnen, die das Kaufhaus nicht bedienen kann – und verweisen auch auf diese Gesch&#228;fte)</p>

<p>Was hat diese Metapher mit Blogs, Verlinkungen und Netzwerken zu tun? Nun: Die Kaufh&#228;user sind meist die Seiten von gro&#223;en Medien mit gro&#223;er Reichweite. Verr&#252;ckt nur, dass das Angebot dieser Kaufh&#228;user oft erschreckend „identisch“ ist. Man schaue sich einfach mal die Themen an, die Spiegel, FAZ, Zeit, SZ und Co auf der Startseite haben und schon merkt man, wie gleich die Themen sind, die als Top-Themen angesehen werden. Blogs sind eher die Fachgesch&#228;fte, bringen Themen ins Spiel, die in den „Kaufh&#228;usern“, den Websites der reichweitenstarken Medien, weniger thematisiert werden.</p>

<p>Oh ja, ich bin f&#252;r das Verlinken. Dazu k&#246;nnen auch mal Links zu reichweitenstarken Medien geh&#246;ren, wenn es zu einem Thema passt oder ein konkreter Bezug zu Beitr&#228;gen dort besteht. Als kleiner „Fachh&#228;ndler“ aber bin ich nat&#252;rlich von der Leidenschaft und auch der Expertise, die andere „kleine Fachh&#228;ndler“ (Blogger) mit ins Spiel bringen, fasziniert. Ich bin nicht daf&#252;r, um der Zahl der Verlinkungen willen zu verlinken. Jeder Fachh&#228;ndler, der auf einen Ramschladen verweist, schadet seinem Ruf. Und so kommerziell die Fachh&#228;ndlermetapher auch daher kommt, so wenig kommerziell ist sie gedacht.</p>

<p>Verlinkungen sind f&#252;r mich im Idealfall Ausdruck meiner Neugier auf das, was ich im Netz finden kann, wenn ich gezielt nach Seiten jenseits der Mainstream-Websites Ausschau halte, ohne angemessene Verweise auf Mainstream-Websites in Frage zu stellen. Verlinkungen sind f&#252;r mich im Idealfall Ausdruck meines Respekts vor der kreativen Leistung eines Anderen, der oder die zu einem Thema wirklich was zu sagen hat, das mich und von mir erstellte Inhalte bereichert, anspricht, fasziniert, kl&#252;ger macht.</p>

<p>Verlinkungen sind f&#252;r mich kein gezielt und gewollt eingesetztes Instrument des Marketings, bin ich doch der &#220;berzeugung, dass das, was gute Blogs an Verlinkungen geben und bekommen auch ohne „Marketingabteilung“ zu angemessener Aufmerksamkeit f&#252;hrt. Menschen die Inhalte verf&#252;gbar machen (man nennt sie heute oft Blogger, obwohl dieser Begriff z. B. das, was ich tue, nicht wirklich beschreibt), sollten neugierig auf andere Menschen sein, die Inhalte verf&#252;gbar machen. Ja, jeder Website-Anbieter w&#252;nscht sich, dass die Inhalte zumindest so wahrgenommen werden, dass man nicht den Eindruck hat, in einen leeren Raum hinein zu schreiben. Das beste „Marketing-Instrument“ ist dabei die wirkliche Neugier auf andere, die frei, unabh&#228;ngig und meist ohne kommerziellen Interessen Inhalte verf&#252;gbar machen; die Aufmerksamkeit f&#252;r andere ist es, die Aufmerksamkeit erzeugt.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/29/verlinken-oder-ueber-das-dezentrale-vernetzen/#footnote_2_5334" id="identifier_2_5334" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und in diesem Rahmen wundert es mich &amp;#252;brigens nicht, dass die deutschen Top-Blogs an Aufmerksamkeit in Sachen Verlinkungen verlieren, drehen sie sich doch meist nur noch um selbst, ohne das, was in der sogenannten Blogosphere sonst noch passiert, aufmerksam wahrzunehmen.">3</a></sup></p>

<p> </p>

<p> </p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Kommentar zur Wahl des 10. Bundespr&#228;sidenten</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 19:59:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Bundespr&#228;sidenten. Christian Wulff ist, das sagen Vertreter und Verterinnen vieler Parteien, eine durchaus f&#252;r das Amt geeignete Pers&#246;nlichkeit. Er wird etwas Neues ins Schloss Bellevue bringen: Wulff ist mit 51 Jahren der j&#252;ngste Pr&#228;sident, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/06/30/kommentar-zur-wahl-des-10-bundespraesidenten/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Bundespr&#228;sidenten.</p>

<p>Christian Wulff ist, das sagen Vertreter und Verterinnen vieler Parteien, eine durchaus f&#252;r das Amt geeignete Pers&#246;nlichkeit. Er wird etwas Neues ins Schloss Bellevue bringen: Wulff ist mit 51 Jahren der j&#252;ngste Pr&#228;sident, den Deutschland bislang hatte und er ist meines Wissens der erste Pr&#228;sident, der mit einem zweij&#228;hrigen Kind Leben in den Sitz des Bundespr&#228;sidenten bringen wird.</p>

<p>Doch seine Wahl ist mehr als die Neuvergabe des protokollarisch h&#246;chsten, aber mit relativ wenig Macht ausgestatteten Amtes, das die Bundesrepublik zu vergeben hat, denn die Bundesversammlung zur Wahl des 10. Bundespr&#228;sidenten hat die politischen Zust&#228;nde in Deutschland auf den Punkt gebracht und so sichtbar gemacht.</p>

<p>Den Spitzenkr&#228;ften der CDU/CSU-FDP-Koalition ist es in den ersten zwei Wahlg&#228;ngen nicht gelungen, die eigentlich vorhandene absolute Mehrheit ihrer Wahlm&#228;nner und Wahlfrauen f&#252;r den eigenen Kandidaten zu bekommen.</p>

<p>Und auch im dritten Wahlgang gab es weiter Verweigerer in den Reihen von CDU/CSU und FDP.</p>

<p>So wurde die mittlerweile kein Geheimnis mehr darstellende Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik dieser Koalition in den eigenen Reihen offen sichtbar.</p>

<p>Bundeskanzlerin Merkel h&#228;tte dies vermeiden k&#246;nnen, h&#228;tte sie nicht als Parteipolitikerin sondern als Staatsfrau die notwendig gewordene Neuwahl des Bundespr&#228;sidenten organsiert und einen Kandidaten gesucht, der von CDU/CSU, FDP, SPD und auch Gr&#252;nen h&#228;tte getragen werden k&#246;nnen. Die Begr&#252;ndung w&#228;re leicht gewesen: Wir befinden uns einer wirtschaftlich und politisch schwierigen Situation, in der wir ein Staatsoberhaupt brauchen, das verbindet, zusammenf&#252;hrt und als Repr&#228;sentant aller B&#252;rger und B&#252;rgerinnen Deutschlands &#252;berparteilich Anerkennung und Stimmen findet.</p>

<p>Christian Wulff kann ein solcher Pr&#228;sident werden, doch seine Wahl spiegelt diese wichtige Aufgabe dieses Amtes in keiner Weise wider.</p>

<p>H&#228;tte Frau Merkel vielleicht doch, als Sigmar Gabriel sie &#252;ber den Vorschlag von SPD und Gr&#252;nen informierte, das Heft in die Hand nehmen sollen und Joachim Gauck zum gemeinsamen Kandidaten k&#252;ren sollen, zu einem Kandidaten, der laut Umfragen die Mehrheit der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger hinter sich hat?</p>

<p>Doch da ist dann noch die FDP, die einen solchen Weg als Koalitionspartner h&#228;tter mitgehen m&#252;ssen und die sich in der Bundesversammlung vor allem dadurch hervor tat, dass sie immer wieder behauptete, dass die fehlenden Stimmen der Regierungskoalition nicht von ihnen kommen k&#246;nnten, abgesehen von den bekannten und akzeptierten Abweichlern in den eigenen Reihen – die in unterschiedlichen &#196;u&#223;erungen mal vier, mal drei oder auch mal vier bis f&#252;nf waren, wobei die Zahl von vier Abweichlern bei der FDP am h&#228;ufigsten zugegeben wurde.</p>

<p>Dass die FDP den ganzen Tag damit besch&#228;ftigt war, immer wieder auf die CDU/CSU zu zeigen, ist mehr als nur ein symbolischer Akt. In diesem Akt zeigt sich ein Selbstbewusstsein, das doch eigentlich nur seine Berechtigung h&#228;tte, wenn man den eigenen Wahlleuten auf die Stimmzettel geschaut h&#228;tte. Dies kann kaum der Fall gewesen sein, waren die Wahlen doch geheim.</p>

<p>Dieses wohl auch in der Tagespolitik vorhandene – an Selbst&#252;bersch&#228;tzung grenzende – Selbstbewusstsein der FDP mag mit dazu beigetragen haben, dass momentan bei Bundestagswahlen ein Einzug der FDP in den Bundestag alles andere als sicher w&#228;re. Gleichzeitig zeigte sich hier im Kleinen, wie Verantwortung zwischen den Koalitionspartnern hin- und her geschoben wird, statt gemeinsam Verantwortung zu &#252;bernehmen. In der Bundesversammlung m&#246;gen andere Gesetze als in der Tagespolitik gelten, aber hier zeigte sich im Kleinen, warum L&#246;sungsans&#228;tze f&#252;r die gro&#223;en Probleme der Bundesrepublik in dieser Koalition bislang nicht zu erkennen sind.</p>

<p>Auf Seiten der Opposition finden sich die eigentlichen politischen „Gewinner“ dieser Wahl. Die Spitzenkr&#228;fte von SPD und Gr&#252;nen haben mit Joachim Gauch einen Kandidaten vorgeschlagen, der im „b&#252;rgerlichen“ Lager &#252;ber gro&#223;e Sympathien verf&#252;gt. Dieser Kandidat sollte Angela Merkel in die Enge treiben, die Koalition vorf&#252;hren – und das scheint gelungen zu sein. Doch darf man dabei nicht vergessen, dass SPD und Gr&#252;ne Gauck wohl nicht nominiert h&#228;tten, wenn sie zum Zeitpunkt der Nominierung wirklich mit einer gro&#223;en Chance gerechnet h&#228;tten, dass er die Wahl gewinnen k&#246;nnte. Es war eine strategische Nominierung, die &#252;berraschte, sich aber im Nachhinein dadurch auszeichnete, dass hier wirklich ein Kandidat nominiert wurde, dem auch in der Bev&#246;lkerung gro&#223;e Sympathie entgegen kam.</p>

<p>Vielleicht haben SPD und Gr&#252;ne gedacht, dass es f&#252;r die Linken ein attraktives Angebot sein k&#246;nnte, &#252;ber eine Wahl Gaucks die Koalition massiv ins Wanken zu bekommen. Doch da haben sie die machtpolitischen Ambitionen der Linken offensichtlich falsch eingesch&#228;tzt oder aber die nach wie vor vorhandenen Empfindlichkeiten untersch&#228;tzt, die die Linken nach wie vor pr&#228;gen.</p>

<p>Vielleicht wollten SPD und Gr&#252;ne Gauck aber auch als einen Versuchballon bez&#252;glich einer Rot-Rot-Gr&#252;nen Koalition absenden. Gauck, der erste Leiter der Stasi-Unterlagenbeh&#246;rde, ein B&#252;rgerrechtler in der DDR, eine Person, deren Wahl durch die Linke gezeigt h&#228;tte, dass diese historischen Ballast abzuwerfen bereit ist: Es w&#228;re ein enorm symbolischer Akt gewesen, w&#228;re die Linke hier &#252;ber ihren eigenen Schatten gesprungen.</p>

<p>F&#252;r diese &#220;berlegungen von SPD und Gr&#252;nen spricht, dass sie w&#228;hrend der Bundesversammlung eher leise die M&#246;glichkeit eines Angriffs auf die Koalition formulierten, aber sehr laut auf die Chance zur Bearbeitung der eigenen Geschichte der Linken hinwiesen.</p>

<p>Dabei war es aber wom&#246;glich ein Fehler, dass vor allem die SPD-F&#252;hrung die Linken scheinbar nicht offensiv umwarb, was wahrscheinlich auch damit zusammh&#228;ngt, dass die Wunde Oskar Lafontaine nach wie vor nicht geheilt ist und die Regierungsf&#228;higkeit der Linken im Bund nach wie vor bezweifelt wird.</p>

<p>Die Linke nominiert schlie&#223;lich eine eigene Kandidatin, die am Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Protestbewegung in der DDR am 17. Juni 1953, dem Hamburger Abendblatt gegen&#252;ber sagte:</p>

<blockquote>„Die DDR war ein Staat, der unverzeihliches Unrecht an seinen B&#252;rgern begangen hat. Nach juristischer Definition war sie allerdings kein Unrechtsstaat…”</blockquote>

<p>Damit brachte die linke Kandidatin die eigene Vergangenheit der Linken auf die Tagesordnung, ist diese Partei doch aus der SED und deren Rechtsnachfolgerin PDS hervorgegangen, die sich mit der WASG zur Linken vereinigte.</p>

<p>&#214;ffentlich wird von der Linken die gro&#223;e Distanz der politischen Positionen von Linken, SPD und Gr&#252;nen, aber auch die Distanz zu den „konservativen Positionen“ Gaucks angef&#252;hrt, wenn sie von dessen Unw&#228;hlbarkeit f&#252;r sie spricht.</p>

<p>Dennoch scheint die Vermutung nicht allzu sehr an den Haaren herbei gezogen, dass die &#220;berreste der SED und auch der Stasi in der Partei „Die Linke“ als nicht aufgearbeitete Vergangenheit, aber auch die Geschichte des Ex-Vorsitzenden der SPD Oskar Lafontaines, letztlich den Ausschlag gegeben haben, nicht den SPD-Kandidaten, DDR-B&#252;rgerrechtler und Stasi-Aufkl&#228;rer Gauck zu w&#228;hlen.</p>

<p>Zum Schluss lagen Gregor Gysis Nerven blank, als er sich in einer Pressekonferenz provozieren lie&#223; und &#228;u&#223;erst emotional den R&#252;ckzug Lukrezia Jochimsens verk&#252;ndete und sagte, dass er mit einem gro&#223;en Teil an Enthaltungen bei der Linken rechne. Man k&#246;nnte es als konsequente Einstellung sehen, wenn da eben nicht das Geschm&#228;ckle der Frage des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit im Raum st&#252;nde, die sich in der Person Gaucks manifestierte.</p>

<p>Die Linke applaudierte nach dem dritten Wahlgang dem neuen Bundespr&#228;sidenten nicht, zeigte dem Amt gegen&#252;ber erst einmal nicht den notwendigen Respekt, was angesichts des langen Wahltages und der aufgebrochenen Wunden noch nachvollziehbar sein kann. Aber auch die Nationalhymne sangen viele Vertreter und Vertreterinnen der Linken nicht mit. Vielleicht ist dies zum Schluss eines der bittersten Zeugnisse des Verh&#228;ltnisses von Teilen der Linken zur Demokratie der Bundesrepublik Deutschland.</p>

<p>Das einzige, nicht zu untersch&#228;tzende Positive dieser Bundesversammlung ist, dass sich hier gezeigt hat, wie Demokratie funktioniert. Deutschlands Demokratie ist lebendig, auch wenn die Bundesversammlung als indirekte Vertrauensabstimmung vielleicht nicht wirklich geeignet ist.</p>

<p>Merkel und Westerwelle gehen geschw&#228;cht aus dieser Wahl. Nun liegt es an Christian Wulff, das Amt auszuf&#252;llen und sich als unabh&#228;ngiger Pr&#228;sident aller Bundesb&#252;rger und Bundesb&#252;rgerinnen zu etablieren.</p>

<p>Auf die Koalition sollte er dabei nicht rechnen, denn mit dem heutigen Tag stellt sich durchaus erneut die Frage, ob die Koalition die Probleme Deutschlands wirklich wird l&#246;sen k&#246;nnen, ob sie bald zerbrechen oder sich neues F&#252;hrungspersonal suchen wird, das noch nicht zur&#252;ckgetreten ist oder nun zum Bundespr&#228;sidenten gew&#228;hlt wurde. Die heutige Bundesversammlung k&#246;nnte ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Machtverlust Angela Merkels und, bei allen Beschw&#246;rungen der Einheit der eigenen Partei, auch Guido Westerwelles gewesen sein.</p>

<p>Politikerverdrossenheit? Ich habe das Thema bislang bewusst ausgespart. Aber ja, der heutige Tag, so sehr er eine lebendige, spannende Demokratie zeigte, k&#246;nnte durchaus bei einigen B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern genau eine solche weiter gef&#246;rdert haben, subjektiv, denn objektiv l&#228;sst sich eine solche ja nicht messen.</p>

<p>Herzlichen Gl&#252;ckwunsch an Christian Wulff. Einen guten Start nach dieser schweren Wahl.</p>

<p>Herzlichen Dank an Joachim Gauck, der uns drei spannende Wochen geschenkt hat und von dem hoffentlich auch zuk&#252;nftig noch viel zu h&#246;ren sein wird. Er war ein w&#252;rdiger Kandidat und ist ein fairer Verlierer.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Und tsch&#252;ss, Facebook</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Mar 2010 16:48:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass Facebook aus der Perspektive deutscher Datensch&#252;tzer problematische AGBs hat, ist hinl&#228;nglich bekannt und wurde k&#252;rzlich auch von Stiftung Warentest einmal mehr best&#228;tigt. Bei mir hat das Fass nun folgende Passage in einer Erg&#228;nzung der „Datenschutz“-Richtlinie Facebooks zum &#220;berlaufen gebracht. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/03/29/und-tschuess-facebook/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass Facebook aus der Perspektive deutscher Datensch&#252;tzer problematische AGBs hat, ist hinl&#228;nglich bekannt und wurde k&#252;rzlich auch von <a href="http://www.test.de/themen/computer-telefon/test/Soziale-Netzwerke-Datenschutz-oft-mangelhaft-1854798-1855785/" target="_blank">Stiftung Warentest einmal mehr best&#228;tigt</a>.</p>

<p>Bei mir hat das Fass nun folgende Passage in einer Erg&#228;nzung der „Datenschutz“-Richtlinie Facebooks zum &#220;berlaufen gebracht. Dort hei&#223;t es:</p>

<blockquote>„Um dir die M&#246;glichkeit zu geben, auch au&#223;erhalb von Facebook n&#252;tzliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen zu k&#246;nnen, sind wir gelegentlich gezwungen, anderen &#252;berpr&#252;ften Webseiten und Anwendungen, die sich auf die Facebook-Plattform st&#252;tzen, allgemeine Daten &#252;ber dich zur Verf&#252;gung zu stellen, wenn du diese besuchst (wenn du noch bei Facebook angemeldet bist).“

<a href="http://www.facebook.com/note.php?note_id=10150163898150301" target="_blank">Auszug aus dem Entwurf der neuen Fassung der Facebook-Datenschutzrichtlinie, die ab April gelten soll.</a></blockquote>

<p style="text-align: left;">Das hei&#223;t konkret: Wenn ich bei Facebook angemeldet bin und dann eine „&#252;berpr&#252;fte Website“ besuche, bekommt diese Website automatisch (sic!) „allgemeine Informationen“ &#252;ber mich.</p>

<p style="text-align: left;">Das ist mir unsympathisch.</p>

<p style="text-align: left;">Interessant auch die Sprachwahl:</p>

<blockquote>
<p style="text-align: left;">„…n&#252;tzliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen zu k&#246;nnen, sind wir gelegentlich gezwungen…“.</p>
</blockquote>

<p style="text-align: left;">In einer E-Mail las ich dazu folgenden so treffenden Kommentar, dass ich diesen hier wiedergebe:</p>

<blockquote>
<p style="text-align: left;">„‚Gezwungen‘. Gezwungen! Damit ich ‚n&#252;tzliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen‘ kann. Also, zu meiner Zeit h&#228;tte diese Formulierung noch bedeutet, in einer Kirchengemeinde die Obdachlosenspeisung zu unterst&#252;tzen.</p>
Ich habe sicherheitshalber in den Kalender geschaut, aber nein, es ist noch nicht der 1. April. Auch nicht in der Zeitzone von Facebook.“</blockquote>

<p style="text-align: left;">Es scheint ja schon l&#228;nger so zu sein, dass ich, bei aller kontrollierten Mitteilung pers&#246;nlicher Daten im Rahmen eigener Netzaktivit&#228;ten, bei Facebook immer wieder gute Gr&#252;nde finde, die mir sagen: „Jetzt l&#246;sche endlich den Account dort“. So zuletzt im Dezember 2009, als Facebook die Benutzereinstellungen dahingehend &#228;nderte, dass zun&#228;chst einmal die Profilinfos mehr oder weniger &#246;ffentlich waren, wenn man diese ver&#228;nderten „Einstellungsempfehlungen“ annahm. <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-verstoesst-gegen-europaeische-Datenschutzstandards-915756.html" target="_blank">Hier wurde breits darauf hingewiesen, dass Facebook gegen europ&#228;ische Datenschutzrichtlinien verst&#246;&#223;t</a>.</p>

<p style="text-align: left;">Und nun der „Vorschlag“, mal wieder die „Datenschutz“-Richtlinie zu &#228;ndern, eine „Datenschutz“-Richtlinie, die im Kern aus kaum verst&#228;nlichen Formulierungen besteht, die darauf hinweisen, an welchen Stellen die Daten eben nicht gesch&#252;tzt, sondern benutzt werden. Eigentlich m&#252;sste diese „Datenschutz-Richtlinie“ „Datennutzungs-Richtlinie“ hei&#223;en, denn mit Datenschutz hat sie in meinen Augen nicht mehr viel zu tun.</p>

<p style="text-align: left;">Nun also sollen automatisiert Daten weiter gegeben werden. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,686154,00.html" target="_blank">Spiegel-Online fasst die Pl&#228;ne kurz zusammen</a>. Es scheint so zu sein, dass man diese Weitergabe nur verhindern kann, wenn man ihr aktiv widerspricht und nicht etwa so, dass man ihr aktiv zustimmen m&#252;sste.</p>

<p style="text-align: left;">Nun k&#246;nnte jemand anmerken: Na, wenn diese Richtlinie in Kraft treten sollte (und wenn ich mir die bisherigen Kommentare zu ihr anschaue, habe ich nicht den Eindruck, dass gegen sie Sturm gelaufen w&#252;rde), dann kannst du doch widersprechen.</p>

<p style="text-align: left;">Stimmt. Aber das Denken hinter einem solchen Vorgehen reduziert mein Vertrauen gegen&#252;ber Herrn Zuckerberg als CEO Facebooks und dem ganzen Unternehmen dann schon so sehr, dass die auf diesem Wege erzeugten Minusgrade in Sachen Vertrauen so &#252;berhaupt nicht in den nun gerade sich m&#252;hsam durchsetzenden Fr&#252;hling passen wollen. – Das gilt selbst, falls Facebook zur&#252;ck rudern sollte, denn die Denkstrukturen der Macher von Facebook werden in solchen Dokumenten doch deutlich: Es geht nicht um die Privatsph&#228;re der Nutzer, sondern darum, die Informationen m&#246;glichst gewinnbringend zu nutzen.</p>

<p style="text-align: left;">Und damit zeigt sich dann auch, dass <a href="http://riecken.de/index.php/2009/11/facebook_ist_mir_potentiell_zu_teuer/" target="_blank">Facebook nicht kostenlos ist</a>. Der Preis, den die Nutzer f&#252;r Facebook (im Augenblick) zahlen, besteht darin, dass ihre Daten in bare M&#252;nze umgesetzt werden, wobei die Nutzer zugleich und zunehmend die Kontrolle &#252;ber ihre Daten verlieren. Klar: Im Netz sollte sowieso nichts ver&#246;ffentlicht werden, das nicht auch an der Plakatwand um die Ecke h&#228;ngen k&#246;nnte, aber diesem Grundsatz folgen dann doch eher wenige Facebook-Nutzer, wenn mich mein Eindruck nicht t&#228;uscht. Da bekommen (externe, nicht von Facebook betriebene!) Anwendungen Zugriff auf meine Daten (wenn ich das nicht aktiv verhindere), da werden E-Mail-Adressen auf eine Weise gesammelt, die im schlimmsten Fall <a href="http://riecken.de/index.php/2009/12/das-macht-facebook-nicht/" target="_blank">Facebook Zugriff auf alle E-Mails der User gew&#228;hren</a> kann (auch wenn Facebook von diesen M&#246;glichkeiten nat&#252;rlich, selbstverst&#228;ndlich und ganz sicher keinen Gebrauch macht (machen wird?).)</p>

<p style="text-align: left;">Was also soll ich tun? Ich habe sehr lange gez&#246;gert, Facebook beizutreten und habe in den neun Monaten, die ich nun Mitglied <span style="text-decoration: line-through;">bin</span> war, durchaus zu sch&#228;tzen gelernt, was hier an Kommunikationm&#246;glichkeiten vorhanden ist. Au&#223;erdem sind zwar die meisten der Facebook-Kontakte auch &#252;ber Twitter aktiv, aber eben nicht alle. (Apropos Twitter: Twitter ist von vorne herein auf „&#214;ffentlichkeit“ hin angelegt und eben nicht auf „Privatkontakte“, auch wenn man den Twitteraccount so einstellen kann, dass nur „Follower“ Zugriff auf die Inhalte haben. Das hei&#223;t aber auch, dass der Umgang mit Twitter bei den meisten Nutzern ein anderer ist, als bei Facebook, sodass diese beiden Plattformen nicht vergleichbar sind, auch wenn Facebook den Eindruck erweckt, es w&#228;re den Machern am liebsten, die Nutzer h&#228;tten alle ihre Informationen &#228;hnlich Twitter &#246;ffentlich verf&#252;gbar.)</p>

<p style="text-align: left;">Einerseits also will ich die Kontakte &#252;ber Facebook nicht missen, muss mir aber andererseits die Frage stellen, ob ich die Schw&#228;chen im Umgang mit den Nutzerdaten als Preis f&#252;r diese Kontaktm&#246;glichkeiten akzeptieren will.</p>

<p style="text-align: left;">Nun, ich will diesen Preis nicht akzeptieren – und zwar aus Prinzip und nicht, weil ich in Facebook Daten oder sonstige Infos verf&#252;gbar gemacht h&#228;tte, die nicht im Grunde auch &#246;ffentlich sein k&#246;nnten.</p>

<p style="text-align: left;">Also gehe ich – oder, um genau zu sein, bin ich schon gegangen, wenn dieser Beitrag in meinem Blog erscheinen wird. Ich warte auf „soziale“ Gemeinschaften, die anders mit Daten umgehen – <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EF0E73085AC8540ECA32CFDCED6F98BCD~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Entwickler in diese Richtung sind bereits aktiv</a>.</p>

<p style="text-align: left;">Ich ziehe mich nicht aus dem so genannten Web-2.0 zur&#252;ck, denn dazu sind meine<a href="http://herrlarbig.de/2009/04/24/vernetzen-macht-spass-und-ist-lehrreich/" target="_blank"> konkreten Erfahrungen im Umgang mit der Vernetzung viel zu gut</a>. Facebook aber zeige ich die kalte Schulter, da ich keine Lust mehr habe, alle paar Monate mit neuen kreativen Ideen konfrontiert zu werden, die das Recht des Individuums auf selbst bestimmte Freigabe von Daten in Frage stellen. Ich will nicht jedes Mal aktiv werden m&#252;ssen, um das „Schlimmste“ hinter den Ideen der Facebook-Betreiber zu verhindern, sondern erwarte viel mehr, dass zun&#228;chst einmal die restriktivsten Datenfreigaben als Standard voreingestellt sind und jeder, der es m&#246;chte, diese Einschr&#228;nkungen aufheben kann. Facebook geht den umgekehrten Weg und somit einen, den ich nicht l&#228;nger mitzugehen bereit bin. Ich bin dann also mal weg.</p>

<p style="text-align: left;">P.S.: Es ist &#252;brigens gar nicht so leicht, auf Facebook die M&#246;glichkeit zur L&#246;schung des Accounts zu finden. <a href="https://ssl.facebook.com/help/contact.php?show_form=delete_account" target="_blank">Deshalb verlinke ich sie hier mal</a>.</p>

<p style="text-align: left;">P.P.S.: Selbst beim L&#246;schen des Kontos ist Facebook &#252;brigens nicht bereit, meinen Willen einfach so zu akzeptieren. Es kommt da folgende Nachricht:</p>

<blockquote>
<p style="text-align: left;">Dein Konto wurde von Facebook deaktiviert und wird innerhalb von 14  Tagen dauerhaft gel&#246;scht. Wenn du dich innerhalb der n&#228;chsten 14 Tage  anmeldest, wird dein Konto reaktiviert und du kannst deine Anfrage  zur&#252;ckziehen.</p>
</blockquote>

<p style="text-align: left;">Also: ich sage „Konto l&#246;schen“, Facebook sagt „ok, aber deine L&#246;schung akzeptieren wir so richtig erst in zwei Wochen“. – Und auch hier wieder keine Auswahlm&#246;glichkeit, die die Option der sofortigen L&#246;schung (mit der zeitlichen Verz&#246;gerung, die angesichts vorhandener Datensicherungskopien immer eingerechnet werden muss) &#252;berhaupt anb&#246;te… Und dann kommt auch noch eine E-Mail, in der gesagt wird, man habe eine „Anfrage auf dauerhafte L&#246;schung“ des Kontos erhalten… Ja bitte, bin ich denn ein Bittsteller, wenn ich sage, dass ich mein Konto l&#246;schen will? Es w&#228;re ja ok, wenn, um gegen Fremdl&#246;schung eine Sicherung einzubauen, eine E-Mail k&#228;me, in der ein Best&#228;tigungslink in Sachen L&#246;schung vorhanden w&#228;re, aber nein, auch hier wieder nur ein Link, der eine Reaktivierung des Kontos zul&#228;sst. – Mal schauen, wie viele Erinnerungs-E-Mails trotz Account-L&#246;schung in den n&#228;chsten Tagen hier noch eingehen werden, die versuchen werden, mich zur&#252;ck zu gewinnen… Ein wenig erinnert mich das an eine Sekte, die den erkl&#228;rten Willen zum Austritt einfach nicht akzeptieren will…</p>

<p style="text-align: left;">Nachtrag – Die Zahl der Erinnerungsmails</p>

<p style="text-align: left;">2010-03-29: 3</p>

<p style="text-align: left;">2010-04-03: Ich bekomme die Mitteilung, dass mich ein Facebook-User als „Freund“ verlinken m&#246;chte. Das kann doch eigentlich nur passieren, wenn mein Profil nach wie vor anzusehen ist. Aber ich habe das doch gel&#246;scht und mir wurde doch mitgeteilt, dass mein Account deaktiviert worden sei und in 14 Tagen endg&#252;ltig gel&#246;scht w&#252;rde… Ich kann das jetzt nicht &#252;berpr&#252;fen, da ich mich dann ja wieder anmelden und den Account reaktivieren m&#252;sste… Dass ich diese E-Mail bekommen habe, ist f&#252;r mich ein weiteres Zeichen, dass Facebook den Userwillen nicht akzeptiert. Es kann einfach nicht sein, dass ich meinen Account l&#246;sche und Tage danach pl&#246;tzlich eine „Freundschafts“-Anfrage bekomme. Ein Punkt mehr, der Facebook zu einem Megafail macht.</p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Vernetzter Diskurs – Ein Beitrag zur „Schulmeister-Debatte“</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Feb 2010 23:34:44 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[„Blogs sind in der Breite, in der sie genutzt werden, eine interessante Innovation &#8211; aber sie sind in der Regel nicht besonders nachhaltig. Sie reproduzieren etwas, was man sowieso in der Massenkommunikation vorfindet &#8211; eine eher monologische Form des Ausdrucks. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/02/15/vernetzter-diskurs-ein-beitrag-zur-schulmeister-debatte/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><em>„Blogs sind in der Breite, in der sie genutzt werden, eine interessante Innovation &#8211; aber sie sind in der Regel nicht besonders nachhaltig. Sie reproduzieren etwas, was man sowieso in der Massenkommunikation vorfindet &#8211; eine eher monologische Form des Ausdrucks. So entsteht in den Blogs meist kein ‚Thread‘, es erfolgt dort in der Regel keine Erarbeitung und Weiterentwicklung von Themen und Inhalten. Die persönliche Äu&#223;erung steht stark im Vordergrund statt des Aufbaus eines konsistenten und verzweigten Diskussionsfadens. Blogs sind sehr egomane Veranstaltungen, Ich-AG&#8217;s &#8211; auf die Beiträge von ande- ren wird nicht besonders geachtet.“ (Leggewie 2006)</em><sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/15/vernetzter-diskurs-ein-beitrag-zur-schulmeister-debatte/#footnote_0_2452" id="identifier_0_2452" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Leggewie, Claus (2006). Politische Beteiligung, bürgerschaftliches Engagement und das Internet. In- terview der Stiftung digitale Chancen, 21.07.06">1</a></sup></blockquote>

<p>Dieses Zitat steht dem Beitrag Rolf Schulmeisters „<a href="http://www.zhw.uni-hamburg.de/uploads/ansichten-zur-kommentarkultur.pdf" target="_blank">Ansichten zur Kommentarkultur in Weblogs</a>“ voraus, der unter Beteiligung von Roland Leikauf und Mathias Bliemeister entstanden ist und zur Zeit heftig in unterschiedlichsten Blogs diskutiert wird. Zur Orientiert hier zun&#228;chst eine &#220;bersicht, soweit ich sie &#252;berhaupt noch behalten kann (Erg&#228;nzungen bitte in den Kommentaren)</p>

<ul>
    <li style="text-align: left;">Michael Kerres: <a href="http://blog.kerres.name/2010/02/kommentar-zu-rolf-schulmeisters.html" target="_blank">http://blog.kerres.name/2010/02/kommentar-zu-rolf-schulmeisters.htm</a></li>
    <li style="text-align: left;">Joachim Wedekind: <a href="http://konzeptblog.joachim-wedekind.de/?p=415" target="_blank">http://konzeptblog.joachim-wedekind.de/?p=415</a></li>
    <li style="text-align: left;">Jochen Robes: <a href="http://www.weiterbildungsblog.de/2010/02/12/ansichten-zur-kommentarkultur-in-weblogs" target="_blank">http://www.weiterbildungsblog.de/2010/02/12/ansichten-zur-kommentarkultur-in-weblogs</a></li>
    <li style="text-align: left;">Gabi Reinmann: <a href="http://gabi-reinmann.de/?p=1751" target="_blank">http://gabi-reinmann.de/?p=1751</a></li>
    <li style="text-align: left;">Christian Spannagel: <a href="http://cspannagel.wordpress.com/2010/02/13/schulmeisters-ansichten/" target="_blank">http://cspannagel.wordpress.com/2010/02/13/schulmeisters-ansichten/</a></li>
    <li style="text-align: left;">Sandra Hofhues: <a href="http://sandrainthesky.wordpress.com/2010/02/13/kontroverse-ansichten/" target="_blank">http://sandrainthesky.wordpress.com/2010/02/13/kontroverse-ansichten/</a></li>
    <li style="text-align: left;">Jean-Pol Martin: <a href="http://jeanpol.wordpress.com/2010/02/13/zum-schulmeister-artikel/" target="_blank">http://jeanpol.wordpress.com/2010/02/13/zum-schulmeister-artikel/</a></li>
    <li style="text-align: left;">Karsten Ehms: <a href="http://www.ehms.net/?story=3597" target="_blank">http://www.ehms.net/?story=3597</a></li>
    <li style="text-align: left;">Lutz Berger: <a href="http://www.lutzlandblog.de/2010/02/schulmeister-fleiskartchen-und-edublogger/" target="_blank">http://www.lutzlandblog.de/2010/02/schulmeister-fleiskartchen-und-edublogger/</a></li>
    <li>Alexander Florian: <a href="http://alexander-florian.de/?p=785" target="_blank">http://alexander-florian.de/?p=785</a></li>
    <li style="text-align: left;">Frank  Vohle: <a href="http://frank-vohle.de/node/216" target="_blank">http://frank-vohle.de/node/216</a></li>
    <li style="text-align: left;">mons7: <a href="http://lernspielwiese.wordpress.com/2010/02/14/ganz-unwissenschaftliche-anmerkungen-zu-schulmeisters-ansichten/" target="_blank">http://lernspielwiese.wordpress.com/2010/02/14/ganz-unwissenschaftliche-anmerkungen-zu-schulmeisters-ansichten/</a></li>
    <li style="text-align: left;"><a href="http://etherpad.com/GGICl17qIi" target="_blank">Etherpad-Diskussion</a></li>
    <li style="text-align: left;">Au&#223;erdem die Debatte unter dem Hashtag #schulmeister auf <a href="http://twitter.com" target="_blank">Twitter</a></li>
</ul>

<p>Gerade die Etherpad-Diskussion ist hier zu empfehlen, weil dort gerade versucht wird, eine kolaborative Rezension des Artikels Schulmeisters zu verfassen, mit der ich hier nat&#252;rlich nicht in Konkurrenz treten will.</p>

<p>Mein Ausgangspunkt sind zwei S&#228;tze aus dem oben angef&#252;hrten Leggewie-Zitat:</p>

<blockquote><em>„Blogs sind in der Breite, in der sie genutzt werden, eine  interessante Innovation &#8211; aber sie sind in der Regel nicht besonders  nachhaltig. Sie reproduzieren etwas, was man sowieso in der  Massenkommunikation vorfindet &#8211; eine eher monologische Form des  Ausdrucks.“ (ebd.)</em></blockquote>

<p>Ich habe geschluckt, als ich das las. Denn einerseits hat Leggewie recht, so mein erster Gedanke, da Blogs nicht gedruckt vorliegen. Andererseits war ich &#252;berrascht, dass Blogs als pure Instrumente der Reproduktion dessen gesehen werden, „<em>was man sowieso in der  Massenkommunikation vorfindet”. </em>Hier werden Blogs recht skeptisch betrachtet, wenn es um den Prozess der Generierung von Wissen geht. Doch unter diesen Voraussetzungen ist es kaum verwunderlich, dass Schulmeister am Abschluss seines Beitrages ein Zitat integriert, das er bereits 2000 formulierte:</p>

<blockquote>„Der Hypothese, die massenhaftes Wachstum gleich Qualitätssprung setzt, lässt sich nun gleich Mehreres entgegenhalten: Das Internet führt zu gravierendem Wissensverlust, denn Information ist nicht gleich Wissen und die Informationsflut steigert das Nicht-Wissen bzw. die Ohnmacht, das wirklich relevante Wissen zu selektieren.“ (Schulmeister 2000)<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/02/15/vernetzter-diskurs-ein-beitrag-zur-schulmeister-debatte/#footnote_1_2452" id="identifier_1_2452" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Schulmeister, Rolf (2000). Zukunftsperspektiven multimedialen Lernens. In: K.-H. Bichler/W. Matt- auch. Multimediales Lernen in der medizinischen Ausbildung. Springer: Heidelberg.">2</a></sup></blockquote>

<p>F&#252;r die Erfahrungen der Mehrzahl der Blogger wird diese Beobachtung durchaus anwendbar sein. Doch der Schluss, dass Blogs per se nicht f&#252;r den Prozess der Generierung von Wissen geeignet seien, scheint doch ein wenig zu kurz gegriffen zu sein, gibt es doch andere Erfahrungen von Menschen, die sowohl die vordigitalen Zeiten als auch die Entwicklung des Internets mitgemacht haben – <a href="http://herrlarbig.de/2009/04/24/vernetzen-macht-spass-und-ist-lehrreich/" target="_blank">unter anderem auch von mir</a>.</p>

<p>Aus empirischen Daten, die zudem noch auf einen relativ kleinen Datenbestand zur&#252;ckgreifen, zu dem Schluss zu gelangen, dass das Internet per se zu einem Wissensverlust f&#252;hre, erscheint mir weder auf der Basis der Daten noch aus den Befunden der Darstellung Schulmeisters nachvollziehbar. Auch wenn qualitative Formen der Sozialforschung mit kleineren Stichproben auskommen als es bei quantitativer Sozialforschung der Fall ist: Daten leben immer von den Fragen, die an sie gestellt werden. Und solche Fragen zeigen sich dann in den Antworten bzw. in Formulierungen, die gefunden werden.</p>

<p>Dazu ein Beispiel aus dem Aufsatz Schulmeisters:</p>

<blockquote>Zu <a href="http://gabi-reinmann.de/" target="_blank">Gabi Reimanns Blog</a> schreibt er: „Es fällt auf, dass über die Hälfte der Kommentare von Personen stammt, die dreimal oder öfter kommentieren (mittlere Länge 108 Wörter)“</blockquote>

<blockquote>Im Falle <a href="http://cspannagel.wordpress.com" target="_blank">Christian Spannagels</a> liest sich das dann so: „Erstens zieht Spannagel eine kleine Anhängerschar von Kommentatoren an, die über 60% aller Kommentare abgeben: 15 der insgesamt 69 Personen (22%) geben 5 oder mehr Kommentare ab, davon 4 Personen mehr als 10 und einer allein 33. Und zweitens präsentiert er Themen, die sehr viele Kommentare bekommen.” ((Schulmeister (2010), S. 17.)</blockquote>

<p>W&#252;rde ich mir das Netzwerk eines analog arbeitenden Wissenschaftlers anschauen, so w&#252;rde mir auffallen, dass die meisten Reaktionen auf die Arbeiten von meist den gleichen Personen kommen. Wie man dann aber Mitglieder eines Netzwerkes online fast schon diskreditierend als „kleine Anhängerschar“ bezeichnen kann, ist kaum nachzuvollziehen. Ebenso wenig treibt es den Erkenntnisgewinn voran, wenn gesagt wird, dass jemand Themen pr&#228;sentiere, die sehr viele Kommentare bekommen.  Dies liest sich fast wie ein Populismusvorwurf. Doch k&#246;nnte man den Befund auch so deuten, dass hier jemand mit besonderer Wahrnehmungsgabe die „hei&#223;en“ Themen aufgreift.</p>

<p>Entsprechend solcher Urteile &#252;ber Blogs und der mit ihnen verbundenen Kommentarkultur, kann leicht der Eindruck entstehen, dass hier eher Vorurteile reproduziert wurden. Das Zitat aus 2000, mit dem die Studie „Ansichten zur Kommentarkultur in Weblogs“ abgeschlossen wird, l&#228;sst zumindest den Eindruck entstehen, dass es hier in den vergangenen 10 Jahren keine Weiterentwicklungen gegeben h&#228;tte. Doch die Kommunikationsprozesse haben sich im Rahmen des „Web 2.0“ ver&#228;ndert. Und so m&#252;sste die Frage aus meiner Sicht lauten, unter welchen Voraussetzungen Blogs, Kommentare in Blogs und die Vernetzung von Bloggern in sozialen Netzwerken und im realen Leben f&#252;r den Prozess der Generierung von Wissen bedeutsam sein k&#246;nnen.</p>

<p>Hierzu an dieser Stelle ein paar Hypothesen, deren &#220;berpr&#252;fung sicherlich eine spannende Aufgabe darstellen k&#246;nnte:</p>

<ol>
    <li>Digitale Netzwerke dienen im Rahmen wissenschaftlicher T&#228;tigkeit nicht prim&#228;r der nachhaltigen Pr&#228;sentation von Wissensbest&#228;nden. Sie zielen nicht auf abschlie&#223;ende Darstellungen von Forschungsergebnisse. Sie sind eher Instrumente &#246;ffentlicher Denkprozesse (vgl. z. B. das Blog des Eichst&#228;tters <a href="http://jeanpol.wordpress.com" target="_blank">Prof. em. Dr. Jean-Pol Martin</a>), die ein bestehendes Netzwerk nutzen, um den Denkprozess selbst bereits in einen Evaluationsprozess einzuspeisen. Und zumindest bei Jean-Pol Martin l&#228;sst sich beobachten, wie Kommentare und auch Blogbeitr&#228;ge, die sich auf seine Beitr&#228;ge beziehen, sehr unmittelbar in den Denkprozess einflie&#223;en, diesen sogar ver&#228;ndern k&#246;nnen, wenn sie dem Wissenschaftler Martin nachvollziehbar sind.</li>
    <li>Digitale Netzwerke machen Material verf&#252;gbar, dass der Forschung sonst nicht verf&#252;gbar w&#228;re. So k&#246;nnte gerade die Bildungsforschung im schulischem Bereich von den praxisnahen Beitr&#228;gen sehr viel profitieren, w&#252;rden die an ihr Beteiligten st&#228;rker den Dialog mit denen suchen, die unmittelbar Praxis reflektieren oder darstellen. (vgl. z. B. die Lehrerblogs von <a href="http://www.herr-rau.de/wordpress/" target="_blank">Thomas Rau</a> und <a href="http://riecken.de/" target="_blank">Maik Rieken</a>) Hier wird vielleicht per se kein neues Wissen im wissenschaftlichen Sinne produziert, es findet aber auch kaum Reproduktionen dessen statt, was man sowieso in der Massenkommunikation vorfindet.</li>
    <li>Die Reflexionsprozesse in Bildungsblogs erheben, so sie von Lehrern und Lehrerinnen stammen, nicht den Anspruch wissenschaftlich unangreifbare Reflexionen zu sein. Sie sind Zeugnis der umgesetzten Forderung, dass Lehrer reflektierende Praktiker sein sollen / m&#252;ssen. Viele Lehrerblogs geben Zeugnis dieses Reflexionsprozesses, ohne dass die Reflexion der an Schulen Lehrenden von an Hochschulen Lehrenden in angemessenem Ma&#223;e ernst genommen w&#252;rden. Es entsteht manchmal der Eindruck, dass an Hochschulen zur Bildung Forschende meinen, die Bildungserfahrungen an der Hochschule erg&#228;ben ein ad&#228;quates Bild von Bildung und Lernen in jedem Zusammenhang.</li>
    <li>Zur Unterrichtsforschung, die meiner Wahrnehmung nach in Deutschland immer noch ein stiefm&#252;tterliches Dasein fristet, geh&#246;rt auch Lehrerforschung. Die Lehrenden, die Blogs schreiben, liefern hierzu erste Zugangsm&#246;glichkeiten, die zwar weder hin- noch ausreichend sind, aber als Ansatzpunkte einer solchen Forschung dienen k&#246;nnten.</li>
    <li>Lernprozesse k&#246;nnen von vernetzten Strukturen in „Communities“ begleitet werden. Es handelt sich hier um eine Form der nicht formalisierten, aber kontinuierlichen Fortbildung, die hochgradig dialogisch ist. Blogs sind, wenn ihre Autoren vernetzt sind und diese Vernetzung gezielt und eben nicht beliebig betreiben, eben keine<em> „eher monologische Form des Ausdrucks“,</em> wie Leggewie schreibt, sondern enthalten Beitr&#228;ge, die aus einem Dialog heraus entstanden sind. Dieser Dialog findet auf mehreren Ebenen statt: Blogs werden abonniert (RSS-Feeds – die &#252;brigens mehr &#252;ber gegenseitige Rezeption aussagen als Blogrolls), es werden Kommentare geschrieben und gelesen, Beitr&#228;ge sind oft Antworten auf Beitr&#228;ge anderer oder zumindest Zeugnis von Denkprozessen, die durch solche Beitr&#228;ge angeregt wurden. Dar&#252;ber hinaus findet ein auf Kontinuit&#228;t hin angelegter Austausch via Twitter, Facebook, Skype und auch (man will es kaum glauben) im Rahmen „echter“ Begegnungen in „real life“ statt. Diese Vernetzung erreicht dabei so komplexe Formen, dass sie alleine aus den Blogs und deren Blogrolls nicht angemessen darstellbar sind. (Dem Beitrag Schulmeisters scheinen solche komplexe Formen der Vernetzung nicht zug&#228;nglich gewesen zu sein. Es entsteht sogar der Eindruck, dass Schulmeister zwar andere Blogs in den Fokus nimmt, dabei aber auf keine eigenen Erfahrungen dieser Form der Vernetzung zur&#252;ckgreift. Daraus w&#228;re kein Vorwurf zu machen, da Forschung nicht immer mit eigenen Erfahrungen im Bereich des Erforschten einhergehen muss, w&#252;rde nicht der Eindruck entstehen, dass Schulmeister letztlich vor allem eine medienkritischen Position reproduzieren w&#252;rde, die man eh schon in den Massenmedien kennt – und das ganz ohne zu bloggen.)</li>
    <li>Um &#252;ber Edu-Blogs zu forschen, ist es sicherlich keine gute Wahl, wenn vor allem &#252;ber Blogs geforscht wird, die sich mit E-Learning besch&#228;ftigen, wie es in Schulmeisters oben zitierter und verlinkter Studie geschieht. In diesen Blogs geht es meist um bestimmte Lerntechnologien, <a href="http://herrlarbig.de/2008/12/15/diskussion-ueber-lern-management-systeme-lms/" target="_blank">die weit von dem entfernt sind</a>, was vernetztes Lernen und Arbeiten via Blog und in Web 2.0 Netzwerken ausmacht. Wenn die Frage nach der Kommentarkultur in Blogs gestellt wird, dann ist die Frage nach der Kommunikation vernetzt arbeitender Personen &#252;ber diese Kommentare hinaus in den Blick zu nehmen, da diese in der Regel wesentlich komplexer ist, als es in Blog-Kommentaren erkennbar wird. Dabei zeigt sich die Nachhaltigkeit gerade dort, wo Kommentatoren regelm&#228;&#223;ig in Blogs kommentieren. Das hat nichts mit „Anh&#228;ngerschaft“ zu tun, sondern ist Zeugnis der Anregungspotentiale solcher Blogs.</li>
</ol>

<p>Soweit diese Thesen, die teilweise auch kritisch kommentierend zu Schulmeisters Beitrag geraten sind. Sie erheben keinen wissenschaftlich fundierten, sondern alleine einen erfahrungsfundierten Anspruch. Dennoch glaube ich, dass sie zur Reflexion der Genese von Geltungsanspr&#252;chen beitragen k&#246;nnen. Dabei nehme ich f&#252;r mich Anspruch, dass ich bislang l&#228;nger in unversit&#228;ren Kontexten als in schulischen Zusammenh&#228;ngen mein Brot verdient habe und beide Seiten aus eigener Anschauung, die nat&#252;rlich keinerlei theoretischen Anspruch erheben mag, angemessen kenne. Gleiches gilt f&#252;r meine Positionierung gegen&#252;ber Blogs. Mein erkenntnisleitendes Interesse, das mich &#252;berhaupt erst zum Blogger gemacht hat, war die Frage, ob Blogs als „Basisstation“ vernetzter und zielgerichteter Denkprozesse funktionieren k&#246;nnen. Alleine in diesem Prozess habe ich enorm viel gelernt, sowohl fachlich als auch &#252;ber Kommunikationsprozesse in den vernetzten Strukturen des Web 2.0. Unter anderem lernte ich, dass Vernetzung, die effektiv und interessegleitet ist, die also versucht an der „<em>Erarbeitung und Weiterentwicklung von Themen und Inhalten“ (Leggewie, a.a.O.)
</em>Anteil zu haben, mit zu arbeiten und nicht monologisch zu sein, erarbeitet werden muss. Kommentare bekommen Blogger nicht geschenkt. Wenn ein Blog als irrelevant wahrgenommen wird, schweigen die Kommentatoren.</p>

<p>Dar&#252;ber hinaus lebt diese Vernetzung auch vom Dissens. Gerade an diesen Reibungsfl&#228;chen entstehen Denkprozesse, die, ich spreche nach wie vor aus der Position eines reflektierenden Praktikers, Positionen ver&#228;ndern oder auch verfestigen k&#246;nnen.</p>

<p>Rolf Schulmeister hat Dissens erzeugt, hat Denkprozesse angeregt (ganz ohne Blog, aber somit m&#246;glicherweise, ohne diese in ihrer Bandbreite dialogisch rezipieren zu k&#246;nnen) und eine Flut von „Peer-Reviews“ ausgel&#246;st, die er in so kurzer Zeit und in dieser F&#252;lle au&#223;erhalb vernetzter Strukturen nicht bekommen h&#228;tte. Sein Beitrag liegt in gedruckter Form vor. Eine Integration und Ber&#252;cksichtigung des von ihm ausgel&#246;sten Diskussionsprozesses ist im Kontext des Beitrages also nicht m&#246;glich. Wenn dies mit „Nachhaltigkeit“ einer wissenschaftlichen Arbeit gemeint sein sollte, wird an dieser Stelle vielleicht deutlich, dass die Diskussion – und hier gleite ich nun v&#246;llig in den Bereich der zwar reflektierten, aber dennoch pers&#246;nlichen Meinung ab – im Prinzip noch wesentlich umfassendere Faktoren in den Fokus nimmt, als auf den ersten Blick erkennbar ist.</p>

<p>Die Diskussion um Schulmeisters Artikels, die seit Tagen &#252;ber Twitter und in diversen Blogs gef&#252;hrt wird, ist auch eine Diskussion um Definitionsmacht. Das Web 2.0 wird oft als ein demokratisierendes Medium beschrieben, mit allen Licht- und Schattenseiten, die es mit sich bringt, wenn sich pl&#246;tzlich Personen au&#223;erhalb der gew&#246;hnten Zirkel zu Themen &#228;u&#223;ern, die sonst nur in den (meist durch formale Zugangsbeschr&#228;nkungen geregelten) akademischen Kreisen stattfinden.</p>

<p>In Fragen der Bildungsforschung entsteht oft der Eindruck, dass es eine Kluft zwischen der akademischen Forschung, die selbst in Lehr-Lernzusammenh&#228;ngen stattfindet, und der Reflexion auf Bildungsprozesse in schulischen Kontexten gibt. Oft entsteht (bei mir) der Eindruck, dass die Reflexionen auf Lernen und Lehre, wie sie im universit&#228;ren Bereich stattfindet, vor allem die eigenen Erfahrungen in der universit&#228;ren Lehre in den Blick nehmen, dann aber &#252;berrascht sind, dass Lehrende in schulischen Lehr-Lern-Zusammenh&#228;ngen diese Reflexionen nicht mit ihren eigenen Erfahrungen und deren Reflexion zusammenbringen k&#246;nnen.</p>

<p>Auff&#228;llig ist in der Diskussion um Schulmeisters Beitrag, dass sich auch einige der „Beforschten“ zu Wort gemeldet haben, dar&#252;ber hinaus aber auch „neutrale“ Beobachter der Diskussion zu Refelexionsprozessen angeregt wurden. Und damit liegt mit diesem Diskussionsprozess meines Erachtens eine ideales Beispiel vor, welche Funktion Blogs im Prozess der Generierung von Erkenntnissen einnehmen k&#246;nnen. Sie sind Teil von Denkprozessen, die kontinuierlich ablaufen und der Illusion entgegen wirken, dass einmal ver&#246;ffentlichte Forschungsergebnisse in dem Sinne nachhaltig sind, dass sie monologisch in gedruckter Form erscheinen. Und um Schulmeisters Zitat noch einmal aufzugreifen, hier mein Versuch einer (&#252;berspitzt ironischen) Antwort:</p>

<blockquote><em>Gedruckte Forschungsergebnisse sind in der Breite, in der sie genutzt werden, eine   interessante Innovation &#8211; aber sie sind in der Regel nicht besonders   nachhaltig. Sie behaupten eine Sicherheit von Wissen, die den mit Wissen verbunden st&#228;ndigen Reflexionsprozess nicht angemessen widerzuspiegeln verm&#246;gen und sind somit eine hochgradig monologische Form des   Ausdrucks.</em></blockquote>

<p>Und zu Claus Leggewie (wohl wissend, dass aus dem Zusammenhang gerissene Zitate immer mit Vorsicht zu genie&#223;en sind) – ebenso ironisch und nat&#252;rlich massiv &#252;bertreibend:</p>

<blockquote><em>„Wissenschaftliche Beitr&#228;ge, die in wenig gelesenen B&#252;chern erscheinen, sind in der Begrenztheit, in der sie genutzt werden, eine  interessante Innovation – aber sie sind in der Regel nicht besonders  nachhaltig. Sie produzieren etwas, was nur in seltenen F&#228;llen zu  nachhaltigen Diskussions- und Reflexionsprozessen &#252;ber kleine Zirkel von Insidern im akademischen Bereich hinaus f&#252;hrt &#8211; eine eher monologische Form des  Ausdrucks. Gedruckte wissenschaftliche Beitr&#228;ge machen es schwierig  dem „Thread&#8221;, in dessen Zusammenhang sie m&#246;glicherweise stehen, zu folgen. In den Beitr&#228;gen selbst ist die Erarbeitung und Weiterentwicklung von Themen und Inhalten meist nur sehr indirekt und &#252;ber aufw&#228;ndige Bibiliotheks- und Zeitschriftenrecherchen nachzuverfolgen. Die persönliche Äu&#223;erung steht stark im Vordergrund, auch wenn &#252;ber die Einarbeitung von Forschungsliteratur ein konsistenter und verzweigter Diskussionsfaden dargestellt wird, der jedoch fr&#252;hestens in einer Neuauflage aktualisiert werden kann und zudem die meisten der Rezipienten aus dem Diskussionprozess ausschlie&#223;t. Klassische (Bildungs- und Sozial)Forschung ist eine sehr egomane Veranstaltungen, es entstehen akademische „Geheimgesellschaften”, die auf Beitr&#228;ge au&#223;erhalb ihrer geschlossenene Zirkel nicht besonders achten.</em></blockquote>

<p>Wie austauschbar doch die Begrifflichkeiten sind; wie einfach es ist, die Kritik umzudrehen. Ich will hier nicht zynisch sein, ich will zum Nachdenken anregen, ob die wissenschaftliche Erforschung &#246;ffentlicher Denkprozesse nicht zun&#228;chst mit einer klaren Reflexion dessen einhergehen m&#252;sste, was sich hier zur Zeit am ver&#228;ndern ist, statt aus scheinbar eindeutigen, aber letztlich die Strukturen der Vernetzung nicht einholen k&#246;nnenden, Analysen von Blogkommentaren R&#252;ckschl&#252;sse zu ziehen, die den Erfahrungen der in vernetzten Strukturen arbeitenden Personen zumindest in weiten Teilen zuwider laufen.</p>

<p>Und au&#223;erdem (mit Dank an <a href="http://twitter.com/filterraum" target="_blank">Michael Wald</a>):</p>

<p>http://www.youtube.com/watch?v=3uMmQL04jV0&amp;feature=player_embedded</p>

<p><strong>Nachtrag, 16.02.2010</strong>: Rolf Schulmeister hat mit Bezug auf die Diskussion um seinen Aufsatz und mit Bezug auf die <a href="http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/community_etherpad.html" target="_blank">1. Etherpaddiskussion</a> (die 2. l&#228;uft wohl wesentlich sachorientierter), eine Replik verfasst, <a href="http://www.zhw.uni-hamburg.de/uploads/replik2.pdf" target="_blank">die hier als PDF vorliegt</a>, die zu lesen ich sehr empfehle.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_2452" class="footnote">Leggewie, Claus (2006). Politische Beteiligung, bürgerschaftliches Engagement und das Internet. In- terview der Stiftung digitale Chancen, 21.07.06</li><li id="footnote_1_2452" class="footnote">Schulmeister, Rolf (2000). Zukunftsperspektiven multimedialen Lernens. In: K.-H. Bichler/W. Matt- auch. Multimediales Lernen in der medizinischen Ausbildung. Springer: Heidelberg.</li></ol>
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		<title>Prof. Dr. Martin ist pensioniert und wird noch immer kl&#252;ger…</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jan 2010 22:07:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Prof. Dr. Jean-Pol Martin war Lehrer und Prof. f&#252;r Franz&#246;sischdidaktik an der Universit&#228;t Eichst&#228;tt. Ein Experte des Lernens, der „ganz nebenbei“ auch noch die Methode LdL entwickelte – ein kluger Mann, der heute von sich sagt, er werde immer kl&#252;ger. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/01/19/prof-dr-martin-ist-pensioniert-und-wird-noch-immer-klueger/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://jeanpol.wordpress.com" target="_blank">Prof. Dr. Jean-Pol Martin</a> war Lehrer und Prof. f&#252;r Franz&#246;sischdidaktik an der Universit&#228;t Eichst&#228;tt. Ein Experte des Lernens, der „ganz nebenbei“ auch noch die Methode <a href="http://www.ku-eichstaett.de/Forschung/forschungsprojekte/ldl.de" target="_blank">LdL</a> entwickelte – ein kluger Mann, der heute von sich sagt, er werde immer kl&#252;ger.</p>

<p>Was die einen als v&#246;llige Reiz&#252;berflutung ansehen und als Un&#252;berschaubarkeit des Internets und damit die Verflachung der Gedanken durch das Internet beklagen ist ihm anregende Aktivierung seines Denkens, wie er in diesem Video erz&#228;hlt:</p>

<p>http://www.youtube.com/watch?v=mjRk52ClBBw</p>

<p>Und an anderer Stelle berichtet Martin von der Bedeutung der Informationsbearbeitung als Grundbed&#252;rfnis des Menschen:</p>

<p>http://www.youtube.com/watch?v=dfrkdAswNWc</p>

<p>Das beeindruckt mich, denn Jean-Pol Martin wei&#223;, wovon er spricht und – was fast noch wichtiger ist – hat gen&#252;gend Erfahrungen mit Lernenden, konkret: mit Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern.</p>

<p>Hier ist einer, der nicht im Verdacht steht, ein digital native zu sein, einer, der es gar nicht n&#246;tig hat, ein Medium zu verteidigen, dessen bildende Wirkm&#228;chtigkeit er Tag f&#252;r Tag selbst erlebt.</p>

<p>Und da ist einer, dessen Ideen und Gedanken mir wahrscheinlich nicht in der Intensit&#228;t begegnet w&#228;ren, wie es vor knapp einem Jahr passiert ist. – Und pl&#246;tzlich war ich drinnen, in einem Netzwerk von Menschen, die sich leidenschaftlich mit Fragen der Bildung im 21. Jahrhundert befassen, von denen ich sehr viel gelernt habe, mit denen ich kontrovers diskutiere – und denen ich, von wegen Anonymit&#228;t des Internets, teilweise auch schon pers&#246;nlich begegnen durfte.</p>

<p>Ohne Internet h&#228;tte dieses Netzwerk kaum die M&#246;glichkeiten zu so intensiver Zusammenarbeit, zu so intensivem Austausch, wie ich das immer wieder erlebe. Und gerade Jean-Pol Martin, der auf die schnellen Reaktionsgeschwindigkeiten des Netzes baut, hat hier ein Medium gefunden, auch nach seiner Pensionierung hochgradig aktiv weiter zu denken.</p>

<p>Was also soll die massive Kritik, die der Einsatz des Internets und anderer digitaler Medien in Lernzusammenh&#228;ngen nach wie vor auszul&#246;sen vermag?</p>

<p>Ist es „nur“ die &#252;bliche Kritik, die jede Medienrevolution begleitet? Die Schrift wurde von Sokrates kritisiert; Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks l&#246;ste Skepsis aus; die Beat-Musik wurde kritisch be&#228;ugt; das Fernsehen wurde zum Weltuntergangsmedium gek&#252;rt; das Aufkommen von tragbaren Kassettenger&#228;ten mit Kopfh&#246;rern l&#246;ste die Furcht einer ertaubenden Generation aus – und nun stehen eben das Internet und der massiv wachsende Einsatz digitaler und vor allem auch mobiler Ger&#228;te im Fokus der im Grunde seit &#252;ber 2000 Jahren immer gleichen Kritik.</p>

<p>Ist es eine substantielle Kritik? Eine solche setzt eine echte Kritik im philosophischen Sinne voraus, die nicht darin besteht, etwas, das ist, pauschal zu verneinen, sondern dort ihren Ort hat, wo differenziert die M&#246;glichkeiten und Grenzen von etwas Seiendem ausgelotet werden. Eine solch differenzierende Kritik, die letztlich einen Zugewinn an kompetentem Umgang mit z. B. einem Medium bedeutet, sehe ich viel zu selten.</p>

<p>Das mag einer der Gr&#252;nde sein, warum so viele, die sich kritisch und praktisch mit digitalen Medien befassen, gerne mal als Geeks, mal als Freaks oder gar als Nerds angesehen werden.</p>

<p>Vor diesem Hintergrund finde ich Jean-Pol Martins Statement bemerkenswert, in dem er bekennt, dass das Internet ihn nicht d&#252;mmer gemacht habe, sondern Tag f&#252;r Tag kl&#252;ger werden l&#228;sst. Und dabei bezieht er sich vor allem auf die Inhalte des Netzes, spricht er nicht einmal von all den Kompetenzen, die sich jeder (fast nebenbei) aneignet, der sich der produktiven Nutzung dieser „neuen“ Medien bedient.</p>

<p>Spannend finde ich ihn diesem Zusammenhang, dass ich vor kurzem in einem Aufsatz eines Sch&#252;lers las, dass er der Meinung sei, dass Jugendliche sich deshalb so intensiv den Medien aussetzen, weil sie lernen wollen, weil sie diese Medien verstehen und nutzen wollen. Und darin, so der Sch&#252;ler weiter, l&#228;ge auch ein Grund daf&#252;r, dass Jugendliche so gerne st&#228;ndig die neuesten Ger&#228;ten haben wollten: Die Entwicklung geht so schnell voran und sie haben so vieles zu entdecken.</p>

<p>Was vielen Jugendlichen aber fehlt – und in meinen Augen ist das ein wichtiger Grund f&#252;r manche, von mir gar nicht in Frage gestellte, Fehlentwicklung  –, sind Leute, die selbst h&#246;chst produktiv mit Computer, vernetzten Strukturen und somit auch dem Internet umgehen und so zeigen, wo das eigentlichen Lernpotential im Umgang mit digitalen Medien liegt.</p>

<p>Und dann ist es letztlich nicht das Internet, das zu Un&#252;bersichtlichkeit und Verflachung von Gedanken f&#252;hrt. <a href="http://www.welt.de/politik/bildung/article5882848/Deutsche-Schulen-bei-PC-Nutzung-Schlusslicht.html" target="_blank">In einer Studie, die gerade erst bekannt wurde</a>, wurde (ohne dass mich das Ergebnis &#252;berrascht h&#228;tte) dargestellt, dass genau dort, wo diese Ph&#228;nomene kritisch begleitet werden k&#246;nnten, um so zu einem kompetenteren Umgang mit Computer und Internet zu kommen, diese Besch&#228;ftigung nach wie vor zu wenig stattfindet.</p>

<p>Ein Grund liegt sicher in der nach wie vor vorhandenen Situation, dass der Einsatz von Computern als Bildungsinstrument von der Infrastruktur in Schulen erschwert wird: Da gibt es PC-R&#228;ume, die gebucht werden m&#252;ssen, so sie nicht schon belegt sind, aber keine PCs in den „normalen“ Klassenr&#228;umen. Da gibt es Lehrende, die selbst erst wieder zu Lernenden werden m&#252;ssen, um selbst in der Lage zu sein, digital gest&#252;tzte Lernprozesse zu begleiten und, diese Zahl der Studie finde ich besonders spannend, nur 15% der Jugendlichen d&#252;rfen diese infrastrukturellen Gegebenheiten durch das Mitbringen eigener digitaler Arbeits(!)instrumente selbstbestimmt verbessern.</p>

<p>Und nun kommt da ein „alter“ Bildungshase wie Jean-Pol Martin und sagt, dass ihn das Internet Tag f&#252;r Tag kl&#252;ger mache und – das erg&#228;nze ich jetzt aus eigener Beobachtung – gleichzeitig genau mit dem versieht, was in der heutigen Bildungsdebatte ganz oben auf der Agenda steht: Handlungskompetenzen.</p>

<p>Mir geben diese Zusammenh&#228;nge viel Stoff zum Denken.</p>

<p>Wie denken Sie dar&#252;ber? Was denkst du dar&#252;ber? Mithilfe der Kommentarfunktion zu diesem Artikel, k&#246;nnen Sie / kannst du hier selbst das Vernetzen ein klein wenig &#252;ben und jeden, der es mag, an Ihren / Deinen Gedanken zum Thema teilhaben lassen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>herrlarbig jetzt auch h&#246;ren</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 22:44:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warum immer Text, wenn Gedanken auch eingesprochen werden k&#246;nnen? In der rechten Seitennavigation finden Sie jetzt den Absatz „Neue Beitr&#228;ge via Audioboo“. Dort werden jeweils die f&#252;nf letzten Beitr&#228;ge, die ich als „Boo“ abgelegt habe, angezeigt und k&#246;nnen angeh&#246;rt werden. &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/01/17/herrlarbig-jetzt-auch-hoeren/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warum immer Text, wenn Gedanken auch eingesprochen werden k&#246;nnen?</p>

<p>In der rechten Seitennavigation finden Sie jetzt den Absatz „Neue Beitr&#228;ge via Audioboo“. Dort werden jeweils die f&#252;nf letzten Beitr&#228;ge, die ich als „Boo“ abgelegt habe, angezeigt und k&#246;nnen angeh&#246;rt werden. Kommentare k&#246;nnen dann direkt bei den Boos hinterlassen werden, die sich <a href="http://audioboo.fm/profile/bildungsreporter" target="_blank">hier</a> finden.</p>

<p>Au&#223;erdem k&#246;nnen die „Boos“ selbstverst&#228;ndlich auch<a href="itpc://audioboo.fm/users/34986/boos.atom" target="_self"> per iTunes abonniert</a> werden.</p>

<p>Was aber sind „Audioboos”? – Kurz definiert: Produziere schnell, problemlos und einfach mit dem iPhone (und Android-Handys k&#246;nnen es wohl auch schon und au&#223;erdem k&#246;nnen auch direkt auf der Website Boos produziert werden) eine Art Podcast. Im Grunde handelt es sich bei Audioboos um die Audioversion dessen, was Twitter im Textbereich anbietet. Man kann es auch mit YouTube vergleichen, nur dass hier eben T&#246;ne im Zentrum stehen. Tipp: Einfach mal anschauen, auch wenn die deutschsprachigen Inhalte erst noch wachsen m&#252;ssen, woran ich mich jetzt beteilige.</p>

<p>Gespannt auf R&#252;ckmeldungen zu dieser Form der Ver&#246;ffentlichung. Ich w&#252;nsche anregende Minuten.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Immanuel Kant, Bertolt Brecht, das Web 2.0 und der Fall Jack Wolfskin</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 13:53:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Immanuel Kant schreibt in seiner „Beantwortung der Frage: Was ist Aufkl&#228;rung“: „Aufkl&#228;rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm&#252;ndigkeit. Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/20/immanuel-kant-bertolt-brecht-das-web-2-0-und-der-fall-jack-wolfskin/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immanuel Kant schreibt in seiner „Beantwortung der Frage: Was ist Aufkl&#228;rung“:</p>

<blockquote>„Aufkl&#228;rung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm&#252;ndigkeit. Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschlie&#223;ung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufkl&#228;rung.“ (<a href="http://www.digbib.org/Immanuel_Kant_1724/Was_ist_Aufklaerung" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>&#220;bertrage ich diese Aussage einmal in die Gegenwart, k&#246;nnte sie lauten:</p>

<blockquote>Web 2.0 ist der Ausgang des Konsumenten aus einer strukturell bedingten Unm&#252;ndigkeit. Strukturell bedingte Unm&#252;ndigkeit ist das Unverm&#246;gen, die T&#228;tigkeit des eigenen Verstandes aufgrund begrenzter Kommunikationsm&#246;glichkeiten in den Diskurs einzubringen. Strukturell bedingt ist diese Unm&#252;ndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht im Mangel des Verstandes, sondern im Mangel der M&#246;glichkeit begr&#252;ndet liegt, den eigenen Verstand mit Hilfe verf&#252;gbarer Medien in den Prozess der &#246;ffentlichen Diskussion einzubringen. Habe den Mut mitzudenken und deinen eigenen Verstand in den Diskussionsprozess einzubringen, ist also der Wahlspruch des WEB 2.0.</blockquote>

<p>Gab es bis vor einigen Jahren kaum die M&#246;glichkeit, interaktiv vernetzt mit Hilfe digitaler Medien in einen Diskussionsprozess einzusteigen, haben wir heute den Idealzustand, den Bertolt Brecht in seiner Radio-Theorie beschrieb:</p>

<blockquote>„Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk w&#228;re der denkbar gro&#223;artigste Kommunikationsapparat des &#246;ffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das hei&#223;t, er w&#228;re es, wenn er es verst&#252;nde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuh&#246;rer nicht nur h&#246;ren, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen.“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/20/immanuel-kant-bertolt-brecht-das-web-2-0-und-der-fall-jack-wolfskin/#footnote_0_2151" id="identifier_0_2151" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat, in: Bertolt Brecht: Werke. Gro&amp;#223;e kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe (GBA). Berlin/Frankfurt 1988, Band 22.">1</a></sup></blockquote>

<p>Wer heute ein Blog schreibt, kann mit Reaktionen rechnen, wer sich auf Twitter, Facebook, MySpace und wie die auf Kommunikation hin angelegten Instrumente, die gegenw&#228;rtig zur Verf&#252;gung auch immer hei&#223;en m&#246;gen, bewegt, muss kommunizieren, im Gespr&#228;ch sein, zuh&#246;ren, nachdenken, reagieren, Ideen einspeisen… Im Idealfall steht heute jedem, der sich einen Internetzugang leisten kann, die M&#246;glichkeit zur Verf&#252;gung, den eigenen Verstand in den Diskussionsprozess einzubringen.</p>

<p>Nat&#252;rlich steht der Nutzer dieser Kommunikationsmedien damit auch vor neuen Herausforderungen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Die Kommunikationsm&#246;glichkeiten, die das interaktive Netz erlauben, stehen n&#228;mlich allen offen, die sich einbringen wollen. Die Informationen, die das Netz liefert, m&#252;ssen selbst noch einmal auf ihre Qualit&#228;t hin &#252;berpr&#252;ft werden, denn die M&#246;glichkeit des Einbringens des eigenen Verstandes im Rahmen dieser Prozesse ist noch kein Qulit&#228;tsgarant. Was im Netz ver&#246;ffentlicht ist, muss noch nicht richtig sein. Der Prozess der Genese von Inhalten entspricht also dem Brechtschen Ideal; die Geltungsanspr&#252;che der in diesem ideal Kontext entstandenen Inhalte bed&#252;rfen aber nach wie vor nat&#252;rlich der &#220;berpr&#252;fung und somit Kriterien.</p>

<p>In den meisten F&#228;llen geschieht diese &#220;berpr&#252;fung im interaktiven digitalen Netz durch andere, die Beitr&#228;ge kommentieren, erg&#228;nzen, auf m&#246;gliche Fehler hinweise etc. Hier bildet sich im Idealfall also ein Korrektiv aus der Vernetzung mit anderen, so es sich wirklich um ein ausdifferenziertes Netzwerk handelt. Ein Kriterium f&#252;r die Qualit&#228;t von Beitr&#228;gen im Netz ist heute also auch die Qualit&#228;t der Kommentare und des die Beitr&#228;ge begleitenden Netzwerkes.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/20/immanuel-kant-bertolt-brecht-das-web-2-0-und-der-fall-jack-wolfskin/#footnote_1_2151" id="identifier_1_2151" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Auf herrlarbig.de finden sich beispielsweise Kommentare von Professoren, Mitarbeitern in Bildungsbeh&amp;#246;rden, die eigene Unterrichtspraxis reflektierenden Lehrerinnen und Lehrern, die nahezu alle &amp;#252;ber eigene Blogs im Netz transparent nachvollziehbare Qualifikationen nachweisen k&amp;#246;nnen.">2</a></sup></p>

<p>Die &#246;ffentlich nachvollziehbare Nutzung des eigenen Verstandes, das „sapere aude“ Kants, erlebt heute eine Bl&#252;te wie nie zuvor; die Aufkl&#228;rung kann mit ihren Anspr&#252;chen heute so weitreichend umgesetzt werden, wie in kaum einer Zeit zuvor. Und Brechts Visionen eines diaologischen „Radios“ haben sich im Internet verwirklicht. – Und das hat Folgen.</p>

<p>Wenn sich die Nutzung des eigenen Verstandes heute in vernetzen Strukturen abbildet und in diesen wirkt, gilt es nicht nur, dies als eine neue Qualit&#228;t der Umsetzbarkeit des aufkl&#228;rerischen Ideals zu betrachten, sondern es m&#252;ssen die auch damit verbundenen Voraussetzungen ganz neu ernst genommen werden.</p>

<p>Eine zentrale Voraussetzung, die die Nutzung des eigenen Verstandes von einer rein philosophischen auf eine Handlungsebene hebt, dr&#252;ckt sich im „Kategorischen Imperativ“ der kantischen Ethik aus:</p>

<blockquote>„Der <strong>kategorische Imperativ</strong> (kurz KI) ist das grundlegende Prinzip der <a title="Ethik" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik" target="_blank">Ethik</a> <a title="Immanuel Kant" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant" target="_blank">Immanuel Kants</a>. Er gebietet allen endlichen vernunftbegabten Wesen und damit allen Menschen, Handlungen darauf zu pr&#252;fen, ob sie einer universalisierbaren Maxime folgen und ob dabei die betroffenen Menschen je auch in ihrer Selbstzweckhaftigkeit ber&#252;cksichtigt werden.“ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ" target="_blank">Wikipedia</a>)</blockquote>

<p>Vereinfacht ausgedr&#252;ckt: „Handle nur nach derjenigen <a title="Maxime" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxime" target="_blank">Maxime</a> (Gesetz, Grundsatz, &#220;berzeugung), durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ oder, etwas verk&#252;rzt und nicht ganz genau: Was du willst, dass man dir tu, das tu auch den anderen und vergesse dabei auch nicht, dass der andere Mensch einen Selbstzweck hat, einen Eigenwert, v&#246;llig jenseit von fuktionalen Interessen.</p>

<p>In dem KI inbegriffen ist die Vorstellung, dass nicht bewertet wird, was eine Handlung bewirkt, sondern welche Absichten hinter einer Handlung stehen. Der Wille zum Guten ist das, was moralisch gerechtfertigt ist.</p>

<p>Und wenn nun heute der eigene Verstand &#246;ffentlich gebraucht werden kann, dann stellen sich auch bez&#252;glich der Nutzung dieses Verstandes konkrete Fragen, die diese &#246;ffentlichen Kommunikationsprozesse ber&#252;cksichtigen m&#252;ssen, will man „Gutes“ im Kantischen Sinne bewirken.</p>

<p>Aus aktuellem Anlass und weil es in diesem Kontext bereits (am Ende <a href="http://blog.karlshochschule.de/2009/10/20/die-marke-jack-wolfskin-fletscht-seine-zahne/" target="_blank">des Artikels</a> Patrick Breitenbachs) schon eine Verweis auf Kant gibt, werden diese Gedanken am Fall <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,655890,00.html" target="_blank">Jack Wolfskin vs. Dawanda</a> hier einmal konkretisiert.</p>

<p>Die Vorgeschichte: Jack Wolfskin hat als Markenzeichen eine Wolfstatze. Dieses Markenzeichen unterliegt dem Markenschutz und ist somit rechtlich abgesichert. Nun st&#246;&#223;t die Firma, die zu den Riesen in der Bekleidungsbranche z&#228;hlt, auf die Produkte von Einzelpersonen, die Handarbeiten herstellen und diese &#252;ber Dawanda zum Kauf anbieten, auf denen sich ebenfalls Pfotenabbildungen befinden. Jack Wolfskin fordert Dawanda via Anwaltsschreiben auf, so die Darstellung Dawandas, die Produkte von der Plattform zu nehmen:</p>

<blockquote>„Als Reaktion auf das Schreiben der Anw&#228;lte von Jack Wolfskin haben wir die beanstandeten Produkte von der Seite genommen. Dennoch erhielten unsere Mitglieder Abmahnungen und dies, obwohl deren Artikel bereits nicht mehr auf DaWanda zu finden waren.“ (<a href="http://blog.dawanda.com/2009/10/20/jack-wolfskin-mahnt-dawanda-hersteller-ab/" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>Das Thema erregt Aufmerksamkeit, wird von stark wahrgenommenen Blogs wie <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/abwahnsinn-jack-wolfskin-mahnt-bastelcommunity-ab/" target="_blank">netzpolitik</a> und <a href="http://www.spreeblick.com/2009/10/19/jackass-wolfskin/" target="_blank">spreeblick</a> aufgenommen und ger&#228;t so in den &#246;ffentlichen Diskurs, den <a href="http://blog.karlshochschule.de/2009/10/20/die-marke-jack-wolfskin-fletscht-seine-zahne/" target="_blank">Patrick Breitenbach so hervorragend reflektiert</a>.</p>

<p>Das Ergebnis: Der Wille eines Unternehmens, sein Markenrecht zu „verteidigen“, so in einer im Netz kursierenden, Jack Wolfskin zugeschriebenen offziellen Stellungnahme zu lesen:</p>

<blockquote>„[…] Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war. Dabei handelt es sich nicht um eine „Strafzahlung“, sondern um die Kosten, die Jack Wolfskin durch die Einschaltung der Anw&#228;lte entstanden sind und die im Falle der begr&#252;ndeten Abmahnung stets vom Markenverletzer &#252;bernommen werden m&#252;ssen. Somit dient die Abmahnung auch einer schnellen und relativ kosteng&#252;nstigen Beendigung der Angelegenheit. Sie verhindert also zus&#228;tzliche h&#228;ufig weit h&#246;here Kosten im Falle einer Einschaltung der Gerichte.“  (<a href="http://www.werbeblogger.de/2009/10/19/jack-wolfskin-stellungnahme/" target="_blank">Quelle</a>)</blockquote>

<p>Der Aufschrei im Netz richtet sich nun auff&#228;lligerweise nicht gegen den Markenschutz und die Markenrechte, sondern gegen die Handlungsentscheidungen der Firma. Und damit sind wir wieder bei Kant angenommen:</p>

<p>Eine Firma sieht ihre Markenrechte verletzt. Schaue ich mir die beanstandenden Produkte als <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,655890,00.html" target="_blank">Bilder bei Spiegel-Online</a> an, komme ich tats&#228;chlich zu dem Schluss, dass hier Tatzen / Pfoten dargestellt werden, wie sie jede Katze im Schnee hinterl&#228;sst, wenn sie sich im Winter durch die Stra&#223;en bewegt. Es k&#246;nnte also durchaus sein, dass diese Zeichen aufgrund ihrer Verbreitung in der Natur (und jeder, der eine Katze hat, kennt diese Pfotenabdr&#252;cke) ihren Weg auf die Handarbeiten, die nun wahrlich kein weit verbreitetes Produkt sind, gefunden haben – und m&#246;glicherweise bei den Herstellern &#252;berhaupt kein bewusster Bezug zur Marke vorhanden war.</p>

<p>Diese Hersteller bekamen nun aber dennoch, glaubt man den Darstellungen online, nachdem die Produkte von Dawanda aus dem Angebot genommen wurde, Abmahnbriefe, die mit Kosten von ca. 800–900 Euro verbunden waren und Kosten um die 10000 Euro im Wiederholungsfall androhten. Und in der im Netz kursierenden Stellungnahme wird dezent auf die m&#246;glicherweise noch h&#246;heren Kosten im Gerichtsfall hingewiesen, was man durchaus als Drohung verstehen kann.</p>

<p>Kant: „Handle nur nach derjenigen <a title="Maxime" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxime" target="_blank">Maxime</a> (Gesetz, Grundsatz, &#220;berzeugung), durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“</p>

<p>Also: Das Markenrecht ist ein Gesetz und es gibt gute Gr&#252;nde, in unserem &#246;konomischen System, solche Schutzmechanismen zu haben. Das gilt auch f&#252;r den Schutz geistiger Leistungen im Rahmen von Copyright oder Creativ-Commons-Lizenzen. Und es k&#246;nnte sogar sein, dass Jack Wolfskin hier im Recht ist. Aber wurde dann so gehandelt, dass die Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des Handelns als eine gesehen werden kann, von der man wollen kann, das sie ein allgemeines Gesetz werde?</p>

<p>Um es ganz klar zu sagen: Es handelt sich um Handarbeiten, die in kleiner Menge hergestellt werden und als „Marke“ in der &#214;ffentlichkeit nicht bewusst sind, und nicht um Raubkopien, die in gro&#223;em Stil hergestellt und vermarket werden. Wie also w&#252;nscht man sich ein allgemeines Gesetz des Handelns in solchen F&#228;llen?</p>

<p>Wenn es sich um Raubkopien handelt, hat nat&#252;rlich der Rechtsweg seine v&#246;llige Berechtigung. Aber – und das muss Jack Wolfskin nun erfahren – es stellt sich die Frage, ob der finanziell die Betroffenen gleich so belastende Rechtsweg in dem hier beschriebenen Fall nicht ein Schie&#223;en mit Kanonen auf Spatzen ist.</p>

<p>Die M&#246;glichkeit des eigenen Gebrauchs des Verstandes, gepaart mit der M&#246;glichkeit, diesem Gebrauch des eigenen Verstandes in vernetzten Strukturen sehr schnell Ausdruck zu geben, hat nun dazu gef&#252;hrt, das „Netzb&#252;rger“ sich zu Wort melden und genau die Frage nach der Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des Handelns Jack Wolfskins stellen. Immer wieder ist, beispielsweise auf Twitter, genau die Kritik an der Abmanhung „kleiner Leute“ zu lesen. Diese Reaktionen w&#228;ren mit Sicherheit nicht entstanden, wenn Jack Wolfskin die eingesetzten Instrumente gegen kriminell agierende Raubkopierer genutzt h&#228;tte bzw. nutzt.</p>

<p>Was Jack Wolfskin gerade erlebt, und angesichts &#228;hnlicher Erfahrungen anderer Unternehmen in &#228;hnlichen F&#228;llen h&#228;tten sie es ahnen k&#246;nnen, ist also philosphisch betrachtet ein Zeichen daf&#252;r, dass Kants Kategorischer Imperativ lebt und in dem allgemeinen Bewusstsein vieler Menschen durchaus verankert ist. Die Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des eigenen Handelns kritisch zu &#252;berpr&#252;fen, ist die Herausforderung, die sich in Zeiten des Web 2.0 in einem ganz neuen qualitativen Ma&#223;e stellt. Es geht nicht mehr nur um das Recht haben, sondern auch um die Frage, wie man mit dieser Rechtsposition umgeht. Im hier vorgestellten Fall h&#228;tte ein guter PR-Berater vermutlich darauf gedr&#228;ngt, den direkten und pers&#246;nlichen Dialog zu suchen und offensiv einvernehmliche L&#246;sungen zu suchen.</p>

<p><a href="http://klauseck.typepad.com/prblogger/2009/10/jack-wolfskin-in-der-%C3%B6ffentlichen-abmahnfalle.html" target="_blank">Klaus Eck schreibt als PR-Blogger treffend</a>:</p>

<blockquote>„Obwohl der Bekleidungsanbieter das Markenrecht durchaus auf seiner Seite hat, muss das Unternehmen f&#252;r die Abmahnungen einen hohen Preis entrichten. Ausgerechnet am Wochenende fand das Thema viel Aufmerksamkeit. Was in der Vergangenheit durchaus notwendig zu sein schien, um die eigenen Markenrechte weiterhin in Anspruch nehmen zu d&#252;rfen, bedarf heute einer neuen Analyse. Wenn das Markenimage unter der &#246;ffentlichen Kritik leidet, stellt sich auch die Frage nach einer Abw&#228;gung und mehr Sensibilit&#228;t im Umgang mit den Prosumenten. Ist das Risiko einer Abmahnung f&#252;r eine Marke nicht inzwischen viel zu gro&#223;? Allzu schnell wird man an den Online-Pranger gestellt und k&#246;nnte dadurch Konsumenten zu verlieren? Meiner Ansicht nach sollten Markenartikler wie Jack Wolfskin immer auch mit den negativen Reaktionen rechnen und vor den juristischen Ma&#223;nahmen viel st&#228;rker auf den Dialog mit den Kunden setzen.“</blockquote>

<p>Es ist heute tats&#228;chlich so, dass das eigene Handeln, gerade von Unternehmen und von &#246;ffentlichen Personen, weit mehr &#214;ffentlichkeit bekommt als je zuvor. Dies gilt es zu ber&#252;cksichtigen. Und als ein Kriterium, wie man &#252;berzogene Reaktionen auf bestimmte Handlungen vermeiden kann, sei Kant einfach mal vorgeschlagen…</p>

<blockquote>„Handle nur nach derjenigen <a title="Maxime" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maxime" target="_blank">Maxime</a> (Gesetz, Grundsatz, &#220;berzeugung), durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“</blockquote>

<p>Und welches allgemeine Gesetz k&#246;nnte in diesem Fall greifen? Im Prinzip ist es ganz einfach: Sieht man Differenzen oder gar sein eigenes Recht bedroht (ob man sich bedroht sieht, h&#228;ngt &#252;brigens auch vom eigenen Selbstbewusstsein ab), dann gilt es zun&#228;chst einmal zu schauen, mit wem hat man es zu tun. Wenn es sich um Einzelpersonen handelt, bei denen die Unterstellung einer „b&#246;sen Absicht“ bei etwas gutem Willen nicht so recht gelingen will, dann suche ich den Dialog. Wenn es sich um Angriffe auf das eigene Recht im gro&#223;en Stil handelt (kriminelle Markenpiraterie), dann reagiere ich im gro&#223;en Stil. Im vorliegenden Fall h&#228;tte die Maxime wohl hei&#223;en m&#252;ssen: Suchen wir den Dialog. Oder: Die Produkte wurden von Dawanda offline genommen – und damit lassen wir es gut sein.</p>

<p>Vielleicht sollte man neben Anw&#228;lten in Unternehmen auch h&#228;ufiger Philosophen besch&#228;ftigen. Oder aber, man sucht den offensiven Dialog (beispielsweise &#252;ber Twitter oder Facebook) und sagt: Liebe Leute, wir haben das und das entdeckt und finden, dass das unser Markenrecht ankratzt, wie seht ihr das? So ungew&#246;hnlich solche Wege in heutiger Unternehmenspolitik auch sein m&#246;gen, sie h&#228;tten sicher kein so ramponiertes Markenimage zur Folge, wie es sich jetzt gerade via Twitter, via Blogs und auch schon via Zeitungsbeitr&#228;gen im Netz abzeichnet, ganz zu schweigen von dem gegenw&#228;rtigen <a href="http://www.google.de/search?q=jack+wolfskin&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">Suchbild bei Google</a>.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Das „Sieger-Gen“ – Sprache und Bedeutung</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 01:12:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Joachim L&#246;w sagte laut Pressemeldungen als Bundestrainer am Abend des Qualifikationsspieles zur FIFA-Fu&#223;ball-WM der Herrenauswahlen im Fu&#223;ball der nationalen Fu&#223;ballverb&#228;nde: „Ich habe aber vor dem Spiel gesp&#252;rt, dass jeder das Sieger-Gen in sich hat. Selbstverst&#228;ndlich hatten wir in einigen Situationen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/10/11/das-sieger-gen-sprache-und-bedeutung/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,654434,00.html" target="_blank">Joachim L&#246;w sagte laut Pressemeldungen</a> als Bundestrainer am Abend des Qualifikationsspieles zur FIFA-Fu&#223;ball-WM der Herrenauswahlen im Fu&#223;ball der nationalen Fu&#223;ballverb&#228;nde:</p>

<blockquote>„Ich habe aber vor dem Spiel gesp&#252;rt, dass jeder das Sieger-Gen in sich hat. Selbstverst&#228;ndlich hatten wir in einigen Situationen auch etwas Gl&#252;ck.“</blockquote>

<p>Ist das eine biologistische Selbstmystifizierung, die mit dem Wort „SiegerGen“ hier in Erscheinung tritt?<span id="more-2120"></span> Ist es die Phantasie von Leuten, die wohl mehr „Gl&#252;ck hatten als ein „Sieger-Gen“, auch wenn das „Gl&#252;ck“ (noch so ein abstraktes Wort), glaube ich den online bereits verf&#252;gbaren Spielberichten, wohl zumindest in der gestrigen Begegnung in Moskau, eine viel gr&#246;&#223;ere Rolle gespielt hat, wenn ein Spieler der Herrenausawahl im Fu&#223;ball des Deutschen Fu&#223;ballbundes so foult, dass er vom Platz muss und das „Gl&#252;ck“ einen f&#228;lligen Elfmeter f&#252;r die Auswahl des russischen Fu&#223;ballverbandes „verhindert“.</p>

<p>„Sieger-Gen“, ich habe das Wort nie zuvor geh&#246;rt, zuckte gar ein wenig zusammen, wurde unruhig, hatte Assoziationen zu diversen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbermensch" target="_blank">&#220;bermenschenphantasien</a> des vergangenen Jahrhunderts, bis hin zu Nietzsches <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Also_sprach_Zarathustra" target="_blank">Zarathustra</a>, der allerdings schon in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts erschien.</p>

<p>Diese Assoziationen aber, so meine weitere Recherche, hebt das Wort und deren Benutzer auf eine viel zu intellektuelle Ebene, scheint es auch ein vor allem von M&#228;nnern bzw. in von M&#228;nnern dominierten Dom&#228;nen genutzt zu werden. Eine Recherche &#252;ber Suchmaschine ergab, dass das Wort fast ausschlie&#223;lich im Bereich des (Herren)Fu&#223;balls, dar&#252;ber hinaus aber in Einzelf&#228;llen auch im Zusammenhang mit Motorsport und Management auftaucht.</p>

<p>Also doch nur eine metaphorische sprachliche Bildung, um eben nicht „Gl&#252;ck“ und „Zufall“ als  Gr&#252;nde f&#252;r Sieg und Niederlage im (Fu&#223;ball)Sport als Erkl&#228;rungsinstanz zu Rate zu ziehen? – Zumindest erkl&#228;rt das Wort „Sieger-Gen“ nichts, nichts, nichts. Es ist eine willk&#252;rliche Bildung, die zwar jeder versteht, die aber, bei sprachkritischer Betrachtung, zumindest mir die Haare zu Berge stehen l&#228;sst. Warum ist das so?</p>

<p>Es ist zwar in der K&#252;rze nur schwer darstellbar, was ein Gen ist, aber es muss zumindest angedeutet werden, um die Konnotationen zu h&#246;ren, die mit dem hier betrachteten Wort verbunden werden k&#246;nnen:</p>

<blockquote>„Allgemein werden Gene daher als <strong>Erbanlage</strong> oder <strong>Erbfaktor</strong> bezeichnet, da sie die Tr&#228;ger von <a title="Genom" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Genom" target="_blank">Erbinformation</a> sind, die durch <a title="Reproduktion" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reproduktion" target="_blank">Reproduktion</a> an die <a title="Nachkomme" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nachkomme" target="_blank">Nachkommen</a> weitergegeben werden.” (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gen" target="_blank">http://de.wikipedia.org/wiki/Gen</a>)</blockquote>

<p>Gene haben also nur dann etwas mit „Gl&#252;ck“ zu tun, wenn es um den Weg geht, auf dem die eigenen Gene ihre Zusammensetzung finden oder wenn es um die Frage geht, ob sich bestimmte, in den Genen vorhandenen Optionen ausbilden oder nicht, vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Genotyp" target="_blank">Genotyp</a> zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4notyp" target="_blank">Ph&#228;notyp</a> gelangen. Davon abgesehen handelt es sich bei Genetik um die wissenschaftliche Beschreibung eines naturwissenschaftlich nachvollziehbaren Prozesses bei der Weitergabe des Lebens.</p>

<p>Die Wortbildung „Sieger-Gen“ greift diesen Prozess sprachlich auf und verbindet ihn mehr oder weniger bewusst mit der Vorstellung des „survival of the fittest“, denn nach meinen Recherchen findet sich nur dort eine Verbindung des Begriffs „Gen“ mit einer Vorstellung eines „Siegers“. Der Begriff taucht zun&#228;chst bei dem Sozialpsychologen Herbert Spencer auf und wird dann von Charles Darwin &#252;bernommen. Doch in beiden Zusammenh&#228;ngen ist mit „survival of the fittest“ nicht der Sieg durch „<em>k&#246;rperliche St&#228;rke und Durchsetzungsf&#228;higkeit</em> im Sinne einer direkten Konkurrenzverdr&#228;ngung unter Einsatz von Gewalt“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2009/10/11/das-sieger-gen-sprache-und-bedeutung/#footnote_0_2120" id="identifier_0_2120" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://de.wikipedia.org/wiki/Survival_of_the_Fittest">1</a></sup>, sondern das Ph&#228;nomen, dass die an ihre Umwelt am besten angepassten Lebewesen auf Dauer (!) die weniger gut angepassten Lebewesen verdr&#228;ngen.</p>

<p>Wenn dem so ist, dann passt diese Assoziation nicht zu der Rede von dem „Sieger-Gen“, die hier er&#246;rtert wird, da es im Sport, in dessen Umfeld das Wort am h&#228;ufigsten genutzt wird, eben nicht um Anpassung, sondern um die schon genannte „<em>k&#246;rperliche St&#228;rke und Durchsetzungsf&#228;higkeit</em> im Sinne einer direkten Konkurrenzverdr&#228;ngung“ geht.</p>

<p>Wenn Joachim L&#246;w nach dem Qualifikationsspiel zur FIFA-Fu&#223;ball-WM der Herrenauswahlen im Fu&#223;ball der nationalen Fu&#223;ballverb&#228;nde von einem „Sieger-Gen“ spricht, dann ist der Einsatz dieser biologistischen Metapher inhaltlich falsch, es sei denn, man ist der Meinung, dass die spielenden Fu&#223;baller des Deutschen Fu&#223;ballbundes eben besser an den vor dem Spiel <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,653564,00.html" target="_blank">so intensiv diskutierten Kunstrasen</a> „biologisch“ besser angepasst gewesen seien, als die Spieler des gastgebenden Fu&#223;ballverbandes. Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass es sich hier um eine „genetisch“ bedingte Anpassung handelt. Aber dass es sich bei dem Begriff „Sieger-Gen“ um eine metaphorische Bildung zu handeln scheint, wurde ja schon gesagt.</p>

<p>Das Wort, so das Ergebnis der n&#228;heren Betrachtung des Wortes „Gen“, ist also eine unbrauchbare Metapher, ein leerer Begriff ohne Aussagegehalt, der aber dennoch im Zusammenhang mit dem gestrigen Fu&#223;ballspiel als Aussage des zust&#228;ndigen Trainers immer wieder zitiert wird.</p>

<p>Und trotz der Leere des Begriffs, scheinen doch viele zu verstehen, was damit gesagt werden soll: Statt zu sagen, dass man einfach unglaublich viel „Gl&#252;ck“ gehabt habe und somit den Zufall als ein Element des Spiels benennt, wird dem Gl&#252;ck in dem Zitat aus dem Munde Joachim L&#246;ws eine sekund&#228;re Funktion zugeordnet, die aber zugleich redundant ist, da das Wort „Sieger-Gen“ f&#252;r nichts anders als „Gl&#252;ck“ steht, dieses aber metaphorisch nicht angemssen wiederzugeben vermag, da die Frage des Zufalls beim Genotyp eine andere Bedeutung hat, als im Fu&#223;ball.</p>

<p>Unterstelle ich aber, dass mit dem Begriff tats&#228;chlich eine rationale Aussage getroffen werden sollte, so s&#228;he diese in etwa so aus: „Heute wurde ph&#228;notypisch erkennbar, was in deutschen Fu&#223;ballern im Genotyp angelegt ist. Unsere Fu&#223;baller sind genetisch eigentlich auf Sieg programmiert. Auch wenn dies nicht in jedem Spiel zum Vorschein kommt, heute haben sie gezeigt, was in ihnen steckt.“</p>

<p>Damit aber w&#228;ren wir wieder bei den biologistischen Assoziationen, die mit dem Begriff verbunden sind. Und solche biologistisch gepr&#228;gten, irrationalen, aber dennoch beliebten Begrifflichkeiten, kommen in der Geschichte meist an Stellen vor, mit denen der Deutsche Fu&#223;ballbund bzw. dessen Trainer der Herrenauswahl dieses Fu&#223;ballbundes wahrscheinlich nicht gerne in Verbindung gebracht w&#252;rden. – Als man noch nicht viel &#252;ber Gene wusste und „das Blut“ als Quelle des sich in einem Menschen auspr&#228;genden Lebens ansah, wurde „&#220;berlegenheit“ mit der „&#220;berlegenheit des Blutes“, also dem „Sieger-Blut“ in Verbindung gebracht. Und da ich dies im Hinterkopf habe, wenn ich die Rede vom „Sieger-Gen“ h&#246;re, mag es nachvollziehbar sein, warum es mir bei diesem Begriff eiskalt den R&#252;cken herunter l&#228;uft: Das Wort „Sieger-Gen“ weckt bei mir Assoziationen zu Ausformungen des Darwinismus im Sozialdarwinismus. Sozialdarwinisten verbinden h&#228;ufig mit ihrer Vorstellung die <span style="text-decoration: line-through;">Phantasie</span> Vorstellungen der Evolutionsbiologie mit der Vorstellung einer H&#246;herentwicklung zu einer wertvolleren Lebensform. Und diese Vorstellung spielte in der Rassenideologie der NS-Zeit eine f&#252;r viele Menschen t&#246;dliche Rolle.</p>

<p>Damit will ich Joachim L&#246;ws &#196;u&#223;erung <em>nicht</em> in die N&#228;he dieser rassistischen Vorstellungen r&#252;cken! Erstens ist er nicht der Erste und auch nicht der Einzige, der sie gebraucht. Ich will vielmehr nur darauf hinweisen, welche Konnotationen bei der Verwendung des Begriffs „Sieger-Gen“ mitschwingen <em>k&#246;nnen, </em>unterzieht man den Begriff einer sprachkritischen Analyse.</p>

<p>Au&#223;erdem ist der Trainer der Herrenauswahl des Deutschenfu&#223;ballbundes, wie gerade schon erw&#228;hnt, <a href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;client=firefox-a&amp;rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&amp;hs=Qz7&amp;q=sieger-gen&amp;btnG=Suche&amp;meta=" target="_blank">nicht der Einzige</a>, der diese Formulierung nutzt; seine Formulierung gab nur den Ansto&#223; zu dieser Er&#246;rterung. Die Recherche aber ergab, dass der Begriff vor allem im Kontext des Sports gebraucht wird. Und dies scheint mir durchaus reflektierenswert.</p>

<p>Am h&#228;ufigsten taucht der Begriff des „Sieger-Gens“ im Kontext des Fu&#223;balls auf, vereinzelt im Zusammenhang mit Motorsport oder mit Wirtschaft. Dies zusammenfassend scheint es also so, dass der Begriff vor allem in Konkurrenz-Situationen genutzt wird, die, so meine Vermutung, von „m&#228;nnlich“ Sprachspielen dominierten werden und deren sprachlicher Kontext oft an den Krieg erinnert.</p>

<p>George Orwell schrieb einmal, dass „Sport Krieg ohne Waffen“ sei. Sp&#228;testens, wenn es im Rahmen von Fu&#223;ballspielen zu gewaltt&#228;tigen Auseinandersetzungen kommt, wird diese Aussage leider sogar &#252;bertroffen. Diese Einsicht hat auch schon Einzug in einen <a href="http://debatte.welt.de/kommentare/317/sport+ist+krieg+ohne+waffen" target="_blank">Kommentar eines Sportredakteurs der „Welt“</a> gehalten. Und im Krieg geht es um die Frage, wer sich mit Mitteln der Gewalt gegen&#252;ber anderen durchzusetzen vermag.</p>

<p>Keine Frage: Sportler wollen sich in vielen F&#228;llen im fairen Wettkampf durchsetzen, so sehr dieser faire Wettkampf von Leistungsideologien und k&#246;rperlichem Leistungsehrgeiz &#252;berschattet werden, die zu Doping f&#252;hren. Wer siegt, der/die hat gewonnen. Wer nicht siegt, ist im g&#252;nstigen Fall schnell vergessen oder wird im ung&#252;nstigsten Fall zum Opfer von Hohn und Spott. Doch besonders prickelnd wird dies, wenn, zum Beispiel im Rahmen der olympischen Spiele, die Nationen als „die Unzugeh&#246;rigsten von allen ins Bild“ (<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/804/404583/text/4/" target="_blank">SZ</a>) dr&#228;ngen und so tats&#228;chlich der Eindruck entsteht, es gehe hier nicht um den Wettkampf von Sportlern und Sportlerinnen, sondern um die Auseinandersetzung um den Wert von Nationen. Und so ist es kein Wunder, dass es immer wieder entsprechende „Feldherren“ gibt, die den Sport als Staatsziel mit in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland aufnehmen wollen, wenn auch vor allem mit an der Gesundheit der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger (der Begriff „Volksgesundheit“ liegt hier nahe und somit schon wieder ein Begriff aus NS-Zeiten) oder der „Fitness“ (und somit unterschwellig an der Vorstellung des „survival of the fittest“ orientierten Begriffen) verbunden.</p>

<p>Literarisch haben sich diese Ph&#228;nome vor allem in dem Werk der Literaturnobelpreistr&#228;gerin <a href="http://elfriedejelinek.com/" target="_blank">Elfriede Jelineks</a> mit dem Titel „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Sportst%C3%BCck" target="_blank">Ein Sportst&#252;ck</a>“ niedergeschlagen, in dem, in Anlehnung an <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elias_Canetti" target="_blank">Elias Canettis</a> (noch ein Literaturnobelpreistr&#228;ger) Untersuchung zu „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Masse_und_Macht" target="_blank">Masse und Macht</a>“, die Parallelen von Sport und Krieg in gr&#246;&#223;ter literarischer Meisterschaft herausgearbeitet werden.</p>

<p>Dieses literarische Werk war dann wohl auch der Grund, warum ich so &#252;berrascht war, dass der Begriff „Sieger-Gen“ im Kontext des Sports, insbesondere des Fu&#223;balls, verwendet wird, verband ich ihn doch sofort mit diesem Theaterst&#252;ck und mit Canettis &#220;berlegungen zum Thema. Dies war der eigentliche Anlass, den Begriff einmal auf seine Bedeutung hin zu untersuchen.</p>

<p>So wenig ich davon ausgehe, dass der Begriff „Sieger-Gen“ in den genannten Kontexten auf seine m&#246;gliche Bedeutung hin reflektiert eingesetzt wird, ich bin n&#228;mlich wirklich davon &#252;berzeugt, dass er <em>nicht</em> in den hier dargestellten und m&#246;glichen Bedeutungskontexten von den entsprechenden Personen benutzt wird, die &#252;brigens in vielen F&#228;llen auch Sportjournalisten sind, so sehr scheint es mir bedeutsam, auf diese m&#246;glichen Bedeutungsfelder hinzuweisen, um zu verdeutlichen, welche m&#246;glichen Konnotationen mit entsprechenden Begriffen verbunden werden k&#246;nnen, bzw. welche Konnotationen unbewusst mit solchen Begriffen transportiert oder rezipiert werden.</p>

<p>Zum Schluss m&#246;chte ich versuchen, aus dem Gesagten einige Kriterien f&#252;r den reflektierten Umgang mit Sprache abzuleiten, geht es mir hier doch weniger um die Kritik an konkreten Personen als vielmehr um eine sich im kantischen Sinne des eigenen Verstandes bedienenden – und somit der Aufkl&#228;rung verpflichtet sehenden – sprachkritischen Betrachtung eines sprachlichen Ph&#228;nomens:</p>

<ol>
    <li>Sprache ist nicht nur Mitteilung von Informationen, sondern immer voller Konnotationen.</li>
    <li>Die Konnotationen von sprachlichen &#196;u&#223;erungen f&#252;hren dazu, dass zun&#228;chst einmal „unschuldige“ Worte semantisch aufgeladen werden und somit in einen Bedeutungszusammenhang eintreten, zu Begriffen werden.</li>
    <li>Wenn Sprache das Ziel der Informations&#252;bermittlung erreichen soll, ist es notwendig, solche Konnotationen zu reflektieren, um m&#246;gliche St&#246;rfaktoren im Informationsfluss zu minimieren.</li>
</ol>

<p>Ja, einer Reflexion wie dieser kann vorgeworfen werden, dass sie an die Stelle der eigentlichen Intention des Sprechers einer Aussage einen unangemessenen, diese Intention verfehlende und somit &#252;berinterpretierende, Deutungszusammenhang konstruiert. Diesen m&#246;glichen Vorwurf kann ich nur relativeren, wenn ich festhalte, dass ich der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rezeptions%C3%A4sthetik" target="_blank">Rezeptions&#228;sthetik</a> der so genannten „Konstanzer Schule“ einen gro&#223;en Erkenntniswert im Umgang mit Sprache und Literatur zuschreibe. Die Rezeptions&#228;sthetik geht davon aus, dass die Wirkung eines Textes (einer Aussage) beim Leser (Rezipient) einen durchaus bedeutsamen Erkenntniswert mit sich bringt. Und so verr&#252;ckt das klingt: Das gilt auch f&#252;r &#196;u&#223;erungen im Kontext des Sports, insbesondere dann, wenn es um Formulierungen geht, die den Sport mit Kontexten verbindet, die alles andere als Ausdruck des fairen Wettkampfes und der Akzeptanz der Tatsache sind, dass neben dem regelm&#228;&#223;igen Training unter &#228;hnlich gut trainierten Sportlern bei Wettk&#228;mpfen oft das Gl&#252;ck entscheidet, so dieses nicht mit dem Einsatz von Dopingmitteln erzwungen werden soll.</p>

<p>F&#252;r mich geh&#246;rt der Begriff „Sieger-Gen“ zu den Worten, bei deren Nutzung sich meine Nackenhaare in alle Richtung aufstellen. Den Gr&#252;nden f&#252;r die zun&#228;chst rein rezeptiv von mir selbst wahrgenommenen kritischen Distanz zu diesem Begriff wollte ich nachgehen, als ich diese Er&#246;rterung begann. Dass ich am Ende allerdings kaum von der Formulierung „Sieger-Gen“ begeistert sein w&#252;rde, war f&#252;r mich sehr fr&#252;h absehbar. So ist das f&#252;r mich bei Begriffen, die eher vermieden werden sollten.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Kommentar zur Bundestagswahl 2009</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 19:06:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Zentrum des Wahlabends steht die Erkenntnis reichlich vieler „schlechtester Ergebnisse seit Bestehen der Bundesrepublik“. Diese Aussage mag aus der Sicht der betroffenen Parteien (CDU, CSU, SPD) richtig sein. Doch bei genauer Betrachtung steht das Ergbnis nicht f&#252;r etwas „schlechtes“, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2009/09/27/kommentar-zur-bundestagswahl-2009/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zentrum des Wahlabends steht die Erkenntnis reichlich vieler „schlechtester Ergebnisse seit Bestehen der Bundesrepublik“. Diese Aussage mag aus der Sicht der betroffenen Parteien (CDU, CSU, SPD) richtig sein. Doch bei genauer Betrachtung steht das Ergbnis nicht f&#252;r etwas „schlechtes“, denn der W&#228;hlerwillen kann nichts „schlechtes“ sein, solange er sich der demokratischen Parteien zum Ausdruck dieses Willens bedient, sondern daf&#252;r, dass sich das Parteiensystem in Deutschland deutlich ver&#228;ndert hat.</p>

<p>Die  Volksparteien (CDU, SPD) erreichen gerade mal noch zwischen 56 und 57 Prozent, die bislang kleinen Parteien erreichen hingegen mittlerweile zwischen 43 und 44 Prozent der W&#228;hlerstimmen. F&#252;r mich ist dies ein deutliches Zeichen, dass die Volksparteien an zahlreichen Punkten an gro&#223;en Teilen der Bev&#246;lkerung vorbei regiert haben, die sich nun den deutlich st&#228;rker profilierten kleineren Parteien zugewandt haben.</p>

<p>Der Abstieg der SPD hat sicherlich damit zu tun, dass diese Partei unter der Kanzlerschaft Gerhard Schr&#246;ders reichlich Entscheidungen getroffen hat, die so eher von der CDU oder der FDP erwartet worden w&#228;ren (Arbeitslosengeld z. B.) und in der Koalition mit der CDU kaum zu vermitteln vermochte, wo denn bitte sozialdemokratisches Profil im Regierungshandeln eine Rolle gespielt hat.</p>

<p>Aber auch die CDU hat eigentlich ein Wahldesaster erlebt, das nur dadurch &#252;berdeckt wird, dass sie weiter st&#228;rkste Partei bleibt und gemeinsam mit der FDP regieren kann. Hat es noch eine Rolle gespielt, dass Angela Merkel ihr Versprechen des Verzichts auf eine Mehrwertsteuererh&#246;hung nach der Bundestagswahl 2005 gebrochen hat und der FDP hier mehr Glaubw&#252;rdigkeit zugesprochen wird? Hat die Wahlentscheidung damit zu tun, dass viele, die den Abbau von Freiheitsrechten durch SPD, Gr&#252;ne und CDU seit 2001 nicht mehr mitmachen wollen, die FDP hier – trotz klarer Aussagen im Wahlprogramm der Gr&#252;nen – f&#252;r einen glaubw&#252;rdigen Garanten der Wiederherstellung von Freiheitsrechten halten?</p>

<p>Die Gr&#252;nen haben mit knapp 10% ihr Ziel verfehlt, drittst&#228;rkste Kraft im Bundestag zu werden. Statt dessen sind sie nun die kleinste im Bundestag vertretene Oppositionspartei. Vielleicht liegt dies daran, dass W&#228;hlerinnen und W&#228;hler den Eindruck hatten, dass man bei den Gr&#252;nen nicht so genau wei&#223;, f&#252;r was sie eigentlich noch stehen. So sehr sich die Mitglieder der Partei auch bem&#252;ht haben, dies den W&#228;hlern zu vermitteln, gelang es ihnen dennoch nicht, ein klares Profil zu entwickeln.</p>

<p>Dass von dem programmatischen Niedergang der SPD die Linke profitieren w&#252;rde, war abzusehen. L&#228;ngst hat die Sozialdemokratie das, was sie als Partei ausmachte, bis zur Unkenntlichkeit verst&#252;mmelt, sodass sie von vielen W&#228;hlern und W&#228;hlerinnen als kaum noch von der CDU unterscheidbar wahrgenommen wurde. Und Frank Walter Steinmeier stand als Kanzlerkandidat eher f&#252;r die Linie Schr&#246;der als f&#252;r klares Profil in Sachen sozialer Gerechtigkeit, trotz klarer Aussagen des SPD-Wahlprogrammes. Hinzu kommt, dass die Zerstrittenheit in der SPD, auch wenn sie im Wahlkampf nicht sichtbar wurde, nicht wirklich von der Partei in Richtung einer klaren, von allen gemeinsam vertretenen Linie hin aufgearbeitet wurde. Da ist die Frage der &#214;ffnung zur Linkspartei, da ist die mangelnde Kontinuit&#228;t im Parteivorstand, da sind die Probleme, die das Verhalten Andrea Ypsilantis nach der letzten hessischen Landtagswahl ausgel&#246;st haben. Eine Partei, die in sich keine Einigkeit hat, kann kaum damit rechnen, dass ihr gerade in Krisenzeiten das Vertrauen entgegen gebracht wird, eine F&#252;hrungskraft in Deutschland zu sein.</p>

<p>Doch gerade diese Krisenzeiten f&#252;hren bei mir zu einem gewissen Erstaunen &#252;ber das Abschneiden der FDP, steht doch diese Partei wie kaum eine andere f&#252;r ein Wirtschaftssystem, in dem das Verhalten der Banken, das die aktuelle Krise mit ausgel&#246;st hat, gef&#246;rdert wurde. Es war in den vergangen Jahren die FDP, die wirtschaftspolitisch Positionen vertrat, die alles andere als g&#252;nstig f&#252;r die Arbeitnehmer waren. Und es zeichnet sich ab, dass bis heute von der FDP, abgesehen von dem Bereich der B&#252;rger- und Freiheitsrechte, Positionen vertreten werden, die nicht gerade dem sozialen Ausgleich in der Bundesrepublik dienen.</p>

<p>Andererseits kann die FDP f&#252;r sich in Anspruch nehmen, glaubw&#252;rdig zu sein. Und das verbindet sie mit den anderen im Bundestag vertretenen kleineren Parteien, auch wenn die Gr&#252;nen damit in den vergangenen Jahren, an der einen oder anderen Stelle, an der sie sich entgegen vorhergehender Aussagen der CDU &#246;ffneten, Probleme hatten.</p>

<p>Und trotz dieser zumindest bei den kleinen Parteien vorhandenen Glaubw&#252;rdigkeit, hat dies die eigentliche „Katastrophe“ dieser Bundestagswahl nicht verhindert: 28 Prozent der stimmberechtigten Bev&#246;lkerung haben ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2009 verweigert. Das sind bei 62 Millionen Wahlberechtigten 17.000.000 Stimmen, die nicht abgegeben wurden. 17 Millionen B&#252;rgerinnen und B&#252;rger haben sich dem politischen Entscheidungsprozess der Wahl entzogen, haben sich daf&#252;r entschieden, dass ihnen der Wahlausgang egal ist. Oder handelt es sich um B&#252;rgerinnen und B&#252;rger, die ihr Vertrauen darauf verloren haben, dass sie und ihre Interessen in der Bundespolitik &#252;berhaupt noch ber&#252;cksichtigt werden?</p>

<p>28 Prozent Nichtw&#228;hler – das ist die Herausforderung f&#252;r alle Parteien. 28 Prozent Nichtw&#228;hler: Das ist die st&#228;rkste politische Kraft nach der CDU in diesem Lande! Und genau diese 28 Prozent gilt es nun, zur&#252;ck in die politischen Entscheidungsprozesse der Bundesrepublik zu holen. Diese 28 Prozent m&#252;ssen in der zuk&#252;nftigen Arbeit von Regierung und Opposition als das, was sie sind, n&#228;mlich die zweitst&#228;rkste politische Kraft, wenn es auch die Kraft der Wahlverweigerung ist, ernst genommen werden.</p>

<p>Die Parteien m&#252;ssen schauen, wie viele der Nichtw&#228;hler solche sind, die sie als ihre eigentlichen Anh&#228;nger und Anh&#228;ngerinnen nicht mobilisieren konnten und dann intensiv daran arbeiten, hier wieder zu einer h&#246;heren Wahlbeteiligung zu kommen.</p>

<p>Was die n&#228;chsten Jahre bringen werden, kann vom heutigen Standpunkt aus nur vermutet werden. Vielleicht gelingt es der FDP, wenn sie es mit den Freiheitsrechten wirklich ernst nimmt, die Vorratsdatenspeicherung zu kippen, die Online-Durchsuchungen zumindest deutlich zu erschweren und die Internetsperren noch einmal kritisch zu hinterfragen. Es ist aber auch damit zu rechnen, dass der K&#252;ndigungsschutz gelockert werden wird, die Laufzeit von Atomkraftwerken verl&#228;ngert und Regulierung der Wirtschaft als Folge der Finanzkrise lockerer ausfallen wird, als dies andere politische Konstellationen zugelassen h&#228;tten. Dies k&#246;nnte dann aber auch dazu f&#252;hren, dass die Profilierung der politischen Parteien wieder einfacher wird als zu Zeiten der gro&#223;en Koalition. Doch gerade die SPD muss aufpassen, dass es ihr &#252;ber die nun anstehenden Personaldebatten hinaus gelingt, ihr Profil zu sch&#228;rfen, um nicht von der Linken irgendwann &#252;berrundet zu werden. Und die Gr&#252;nen m&#252;ssen kl&#228;ren, wie sie ihr Programm mit m&#246;glichen Koalitionsoptionen der Zukunft in Einklang bringen k&#246;nnen.</p>

<p>Und das ist dann m&#246;glicherweise die gute Nachricht dieses Wahlabends: Nach dem langweiligsten Wahlkampf, an den ich mich erinnern kann, kann Politik nun wieder spannend werden, kann endlich wieder der politische Diskurs um langfristige Visionen lauter werden, der sich dann in zuk&#252;nftigen Wahlen auch niederschlagen kann.</p>

<p>Welche Visionen k&#246;nnen das sein?</p>

<ol>
    <li>Welche Wirtschafts- und Sozialpolitik in Deutschland wollen wir?</li>
    <li>Wie kann es gelingen, aus der Schuldenfalle heraus zu kommen und somit auch finanziell wieder gr&#246;&#223;eren politischen Handlungsspielraum zu haben?</li>
    <li>Mit welcher Konsequenz und mit welchen Antworten wird die Frage des Klimawandels und der damit verbundenen Energiepolitik beantwortet?</li>
    <li>Wie soll daf&#252;r gesorgt werden, dass Chancengleichheit in Sachen Bildung hergestellt wird und wir massiv das Problem des Mangels an Fachkr&#228;ften angehen?</li>
    <li>Wird Deutschland weiter zum Pr&#228;ventionsstaat mit der damit verbundenen &#220;berwachungsmentalit&#228;t ausgebaut oder haben wir den Mut zur Freiheit?</li>
</ol>

<p>F&#252;nf Punkte, die sicher noch um einige mehr erg&#228;nzt werden k&#246;nnen. F&#252;nf Punkte, bei denen das heutige Wahlergebnis dazu f&#252;hren kann, dass es in Deutschland wieder zu echten inhaltlichen Auseinandersetzungen kommt, die unter der gro&#223;en Koalition doch sehr gelitten haben. Und f&#252;r mich ist dies auch eine Botschaft des Wahlergebnisses: Der „W&#228;hlerwille“ will wieder Alternativen haben. Das sollte sich vor allem die SPD zu Herzen nehmen, darauf sollten die Gr&#252;nen achten. F&#252;r die CDU und FDP besteht nun die Chance zu zeigen, dass sie koalierend nicht wieder in die Falle des Turbokapitalismusses tappen, der uns in die gegenw&#228;rtige Krise gef&#252;hrt hat.</p>

<p>Ja, diese Wahl zeugt von einem Wandel im Parteiensystem und ist doch auch die R&#252;ckkehr zu einer „b&#252;rgerlichen“ Koalition. Die kommende Legislaturperiode verspricht von daher, eine sehr spannende zu werden. Bleibt zu hoffen, dass alle demokratischen Parteien dies nutzen und Deutschland wirklich wieder zu einem Land der Visionen machen, um die im demokratischen Diskurs auch gerungen wird.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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