Kleinere Kurse im kreativen Schreiben gebe ich seit einigen Jahren immer wieder einmal. Ich habe zwar kein Zertifikat, dass ich das kann, aber zum Glück traut man einem Deutschlehrer in der Regel zu, dass er unter Umständen weiß, was er tut, wenn er nicht nur Texte dem übenden Analyseskalpell der Schüler und Schülerinnen zuführt, sondern auch die künstlerische Seite des Schreibens in den Blick nimmt.
Schreiben als Kunst, deren Gegenstand die Literatur ist, verstehe ich Continue reading →
Kann ein Verein, dem es um Freiheitsrechte in der Netzgesellschaft geht, einen Präsidenten haben? – Wenn heise.de den Selbstanspruch Markus Beckedahls richtig wiedergibt, dann scheint es Leute zu geben, die der Meinung sind, dass das kein Problem ist. Dort heißt es:
„Markus Beckedahl, Gründer von netzpolitik.org und Präsident von “Digitale Gesellschaft””
Der Verein ist noch in Gründung und hat schon einen Präsidenten? Das hat mich irritiert, wie manch andere sprachliche Wendung, auf die ich im Umfeld dieses Vereins in Gründung gestoßen bin und die ich hier (sprach)kritisch in den Blick nehmen will. Continue reading →
Über die Gedanken, Schlussfolgerungen, Forschungsergebnisse anderer nicht nur informiert zu sein, sondern diese aktiv in den eigenen Prozess des Denkens und Arbeitens einzubauen, halte ich für eine notwendige Selbstverständlichkeit. Wer sich in einem Fach, einem Beruf, einer Kunst etc. souverän bewegen will, muss zu einer angemessen Mischung aus Rezeption und Produktion gelangen. Idealerweise regen die Gedanken anderer Personen einen selbst zu Gedanken an, die wiederum zum Denken anregen.
Kunst und Wissenschaft leben in weiten Teilen vom Dialog der an ihnen aktiv Beteiligten. Zeugnis dieses Dialoges sind Zitate, die sozusagen die Verbindungsstellen, die Nahtstellen, die Scharniere sind, die den Prozess eigenen Denkens in einen Prozess des Denkens stellen, der eben weit über die eigene Person hinausgeht und ohne den der eigene Beitrag zu diesem Denkprozess nicht möglich wäre.
In der Wissenschaft wird dabei den Beiträgen zum Denkprozess, die das eigene Denken anregen, als Belegstellen dienen etc. mit beonderem Respekt begegnet. Die Häufigkeit, mit der eine Arbeit zitiert wird, sagt etwas über die Relevanz einer solchen Arbeit aus.1 Voraussetzung für diese Form des Respektes gegenüber anderen Arbeiten ist aber, dass man deren Verwendung angemessen belegt.
Wer die Leistungen Dritter übernimmt und diese nicht kennzeichnet, sie also als eigene Leistungen ausgibt und dafür entsprechende Gratifikationen erwartet, hat den Charakter des akademischen Dialogs nicht begriffen, schließt sich aus diesem Dialog selbst aus, da das nicht belegte Zitat schlicht und ergreifend eine Verweigerung dieses Dialoges ist, abgesehen vom mangelnden Respekt gegenüber der Leistungen Dritter.
Natürlich: Dass vielleicht mal an einer Stelle im Prozess des Erstellens einer Arbeit ein Beleg untergeht, mag möglich sein. Gravierend aber ist es, wenn eine Arbeit den Eindruck erweckt, in ihr wimmele es nur so von nicht belegten Übernahmen von Dritten.
Als Lehrer begegnen mir solche Arbeiten im Rahmen von Referaten, Hausarbeiten etc. immer wieder, wobei Schüler und Schülerinnen in der Regel so wenige Quellen einsetzen, dass deren Identifikation mit wenig Aufwand möglich ist. Selbst bei Hausaufgaben, die vorgelesen werden, konnte ich durch entsprechende Vorrecherchen schon mehr oder weniger wörtliche Abschriften nachweisen. – Und gerade den Bereich der Hausaufgaben halte ich in der Schule für den Bereich, in dem Abschriften am häufigsten vorkommen. Es handelt sich dabei um Plagiate, egal, ob es sich um die schnell in der Pause vom Mitschüler ohne eigene Rechenleistung abgeschriebene Mathehausaufgabe oder die aus Wikipedia kopierte Information handelt, die dann als „Kurzreferat“, idealerweise kurz vor Notenschluss, die Note um mind. eine ganze Notenstufe verbessern soll.
Meist, wenn man ertappt wird, handelt es sich um ein Versehen oder es wird angegeben, dass man gar nicht gewusst habe, dass man auch bei Texten aus Wikipedia die Quelle angeben müsse. Die Kreativität der Ausreden ist in diesen Fällen sehr beschränkt, das Ziel des Handelns immer das gleiche: Mit möglichst geringem Aufwand ein Ziel erreichen, hoffend, dass keiner merkt, dass der eigene Anteil an einer Leistung möglicherweise viel geringer ist, als es auf den ersten Blick scheinen mag.
Und wenn man dann doch erwischt wird, dann nehmen die einen die „Niederlage“ sportlich und stehen zu ihrem Handeln, ohne groß darüber zu verhandeln, während andere dann auf die Kraft Mitleid heischender Geschichten oder die Relativierung des eigenen Handelns bauen.
Ab einem gar nicht so großen Umfang nicht belegter Übernahmen aus Arbeiten Dritter fällt es mir als Lehrer mittlerweile schwer, von Versehen auszugehen, da diese Versehen viel zu häufig vorkommen.
Mag es auch passieren, dass manche Schülerinnen und Schüler abschreiben, weil sie sich der Fülle der Herausforderungen von Schule nicht gewachsen sehen und hier im Abschreiben ihre Not zu lindern versuchen, so stellt sich in diesem Fall durchaus die Frage an Lehrende, wie man durch eigenes Handeln diese Motivation des Abschreibens minimieren könnte, ohne durch diese Fragestellung nun selbst eine Relativierung des Abschreibens vorzunehmen.
Wer sich des Plagiats bedient, will als etwas oder jemand erscheinen, das oder der er oder sie ohne dieses Hilfsmittel vielleicht nicht sein kann, nicht ist. Die Reichweite solchen Handelns geht über den Ort dieses Handelns immer dann hinaus, wenn die Qualifikation, die mithilfe des Plagiats erreicht wird, für die darauf folgenden beruflichen Tätigkeiten relevant ist.
Wenn zum Beispiel ein führendes Mitglied einer gesetzgebenden Institution ein Jurist ist, der in einer Doktorarbeit nachgewiesen hat, dass es im Bereich der Rechtswissenschaften zu eigenständigen wissenschaftlichen Leistungen fähig ist, kann man davon ausgehen, dass diese Qualifikation im Bereich der Legislative durchaus ein Kritierium bei der Personalauswahl ist.
Wenn dann aber eine entsprechende Person nachgewiesen bekommt, dass viele Stellen der qualifizierenden Promotion nicht als solche gekennzeichnete Zitate sind, sodass dieses Person den Doktortitel wieder verliert, dann kann man durchaus die Frage stellen, ob sich damit nicht auch die Einschätzung der Qualifikation einer solchen Person für bestimmte Ämter verändern kann.
Zugegeben: Die konkrete Leistung einer Person in einer beruflichen Funktion interessiert mich mehr als ein Titel. Wenn aber jemand promoviert ist, dann erwarte ich, dass damit eine besondere Qualifikation im Prozess der wissenschaftlich basierten praktischen Fähigkeiten vorliegt.
Und wenn jemand selbst zugibt, aufgrund handwerklicher Mängel in einer Promotion seinen Doktortitel nicht mehr länger tragen zu können, werden damit Fragen aufgeworfen, die weit über die Probleme beim Erstellen einer den handwerklichen Ansprüchen genügenden wissenschftlichen Arbeit hinaus gehen. Ob sich ähnliche handwerkliche Unfähigkeiten, solche Tendenzen zum Verlust des Überblicks in der Fülle der alltäglich zu treffenden Entscheidungen womöglich negativ auf die aktuelle Tätigkeit auswirken können? – Und selbst das Minimum der Folgen intensiven Abschreibens ohne Belege ist schon gravierend und lässt sich in der Frage zusammenfassen, an welchen Stellen das Vertrauen in die Seriösität des Gegenübers denn noch unangebracht ist, an welchen Stellen die blendende Erscheinung Bilder hat entstehen lassen, die die möglicherweise tristere Realität überstrahlen?!
Nachtrag:
Für Twitternutzer: Das ist dem ReTweet vergleichbar. Autoren, die häufig retweetet werden, sind relevanter als andere. [↩]
In diesem Beitrag finden sich zahlreiche Links auf Seiten, die hier verwendete Begriffe näher erklären oder erwähnte Schriften zugänglich machen, die gemeinfrei vorliegen. Damit versuche ich hier konsequent die Hyptertextstruktur des Internets zu nutzen: Begriffe, die erklärt werden müssen und bereits an anderer Stelle angemessen erläutert werden, werden hier nicht im Detail dargestellt: Einerseits soll so der Umfang des Artikels im erträglichen Maße gehalten werden und andererseits wird so der ständige Bezug auch des Wissens, an dessen Konstruktion ich mich beteilige, auf bereits vorhandenes Wissen in der Form des Beitrags widergespiegelt.
Kant, der oft als Begründer der Aufklärung gesehen wird, fasst in seiner Schrift in Wirklichkeit die Phänomene zusammen, im 17. und 18. Jahrhundert die gesamte Gesellschaft veränderten und das Ende des Feudalismus einleiteten.
Die Ratio, also die Vernunft, wird zum obersten Prinzip der Welterkenntnis und des Handelns in der Welt erhoben.
Descartes hatte die Grundlage dieses Weltbildes, das von ständigem rationalen Zweifel gegenüber angenommenen Selbstverständlichkeiten des überlieferten Weltbildes geprägt war, bereits 1641 in dem berühmten Satz „Cogito, ergo sum“ zusammengefasst.
Es entwickelte sich eine „vernünftelnde“ Geisteshaltung, die sich in der theoretischen Beschäftigung mit Literatur vor allem in Gottscheds „Versuch einer critischen Dichtkunst“ ausdrückte und aus heutiger Sicht zu seltsam leblos wirkenden Gedichten und Theaterstücken führte.
Als Kant 1784 seinen berühmten Aufklärungstext schreibt, haben einige damals zwanzig bis dreißig Jahre alte Intellektuelle längst begonnen, einer Rationalität den Kampf anzusagen, die den Menschen nicht als ganzes Individuum wahrnimmt, das neben dem Verstand auch Gefühle und Leidenschaften als schaffende Kräfte in sich trägt. – So sehr die Epoche des Sturm-und-Drangs oft als eine Gegenbewegung zur Aufklärung gesehen wird: Im Grunde wird erst hier die gesamte Dimension der Schaffenskraft des Individuums über die Rationalität hinaus aufgeklärt.
An die Stelle des rein rationalen Denkers wird das Genie gesetzt, jenes Individuum, das aus sich selbst heraus mögliche Welten schafft.
Doch zunächst wurde das Genie nur beschrieben, wurden Autoren im Rückblick mit dem Attribut des Genies versehen, wie z.B. Shakespeare.
Wer ist John Cleese? Kennen Sie Monty Phyton? – Dann kenne Sie auch John Cleese, ein kreativer Kopf und einer, der auch etwas zum Thema Kreativität zu sagen hat. (Mit Dank an geistesblitz.de für seinen Beitrag!) Bei solchen Menschen werde ich schweigsam, habe ich nicht viel zu sagen, vor lauter Respekt. Also: Ein Link und ein Video, in dem sich Clees auch zur Rolle von Lehrern in kreativen Prozessen äußert, müssen reichen – Englischkenntnisse werden vorausgesetzt.
Ein einfaches Motiv, genau so genommen, wie es sich mir darbot, nachts, mitten in Frankfurt, mit einer einfachen Kompaktkamera gemacht (Fujifilm Finepix F45fd), ohne Stativ, ohne Blitz.
»Das Equipment hat keinen Einfluß auf die Qualität des Bildes. Je weniger Zeit man aufwendet, sich um das Equipment zu kümmern, umso mehr Zeit kann man ins Gestalten toller Bilder investieren. Das richtige Equipment macht es nur leichter, schneller oder angenehmer, die gewünschten Resultate zu bekommen.« Ken Rockwell (übersetzt von A. Beitinger)
Wenn ich Fotografen begegne, geht es oft mehr um die Technik als um das Fotografieren: Welche Kamera mit welchen Objektiven ist die beste? Wie bearbeite ich ein Bild am besten am Computer – oder womöglich gar in der altmodischen Dunkelkammmer? Und bitte nicht im jpeg-Format fotografieren – RAW ist für das Bearbeiten viel besser.
Ich kann mich gut daran erinnern, wie meine eigene Vorsätze gewaltig ins Rutschen kamen, als ich im Rahmen der Luminale 2008 in Frankfurt am Main eine Fotoworkshop besuchte, in dem es vor allem darum ging, wie Nachtfotos technisch optimal hergestellt werden und dann am Rechner optimiert werden können. Ich war dort wirklich der Einzige, der keineSpiegelreflexkamera in Kombination mit einer schweren Objektivtasche bei sich hatte. Wie sollte ich mit meiner Ausstattung denn bitte je gute Bilder machen können?
Zwar war ich zwischenzeitlich verwundert, dass die Frage nach der Auswahl der Motive, nach der Rolle des Fotografen für die Qualität der Fotografien bei diesem Workshop keine Rolle spielte, aber bei all dem enormen Fachverstand, der da im Raum saß, kam mir die Frage ein wenig kleinlich vor.
Mein Vorsatz war und ist, dass ich mit möglichst einfachen Mitteln fotografieren will, auch wenn ich bei der Auswahl der einfachen Mittel durchaus wählerisch bin Dieser Vorsatz wurde bei dieser Begegnung in Frage gestellt – völlig zu unrecht!
Danke Ken Rockwell für den hervorragenden Beitrag, in dem meine Gedanken längst ausgesprochen waren, bevor ich diese überhaupt hatte, der mir aber erst jetzt, dank eines Hinweises von J., begegnet ist.
»Die Fotografen, nicht die Kameras, machen Bilder.«
Hi Torsten. Wenn ich es richtig gehört habe, arbeitest du gern kreativ. Kannst du mir vielleicht erst einmal sagen, was das für dich eigentlich ist: Kreativität?
»Kreativität« heißt für mich: Viel arbeiten. Transpiration auf dem Weg zur Inspiration. Und im Prozess des Arbeitens dann noch so wachsam sein, dass ich merke: Hier bin ich an einem Punkt, an dem etwas »Neues« entstehen kann. Das kann ein Gedanke sein, den ich so noch nicht hatte; oder eine Formulierung, die mir besonders gut gefällt. Dabei ist es aber natürlich wichtig, dass ich überhaupt erst einmal eine Frage habe, auf die ich eine Antwort suche.
Und wie könnte so eine Frage lauten?
Das kommt ganz darauf an. Zumindest sind die richtigen Fragen ja oft das schwierigste. Worum geht es, wofür suche ich einen Einfall, was soll erreicht werden… Meist habe ich zuerst nur eine Ahnung, welche Frage mich ein wenig beschäftigen könnte. Dann heißt es, ganz viel Informationen sammeln, lesen, schreiben, nachdenken und – ganz wichtig: spazieren gehen!