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Ein „Rant” für digitale Bildung …

Ich schaute mir gerade das gaaaanz am Ende diese Beitrags eingebettete Videos mal wieder an. – Nach wie vor bin ich nicht mit jedem Detail einverstanden, das Tanja Haeusler und Johnny Haeusler in diesem Beitrag zur re:publica 2013 benennen. Die Grundrichtung aber finde ich durchaus bedenkenswert. Und das die zunehmende Kasernierung  pädagogisch wertvolle Rundumversorgung von Kindern in Krippen, Kindergärten, Ganztagsschulen, Horten etc. möglicherweise nicht die optimale Form ist, um Kinder und Beruf miteinander in Einklang zu bringen, sprechen die Haeuslers ziemlich deutlich an.

Oh ja, und dann haben wir auch noch, die Haeuslers formulieren das auch in dem Video, das am Ende dieses Beitrags verfügbar ist, die Aufgabe Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden, von der wir vieles heute noch gar nicht wissen. Wir wissen nicht, wie stark die Digitalisierung letztlich den Alltag wirklich durchdringen wird. Dass die Digitalisierung den Alltag aber mehr und mehr durchdringt, ist so offensichtlich, dass man es eigentlich nicht mehr leugnen kann. Die Erkenntnis, dass das Internet nebenbei ein ideales System zum Datensammeln und zur Überwachung unter anderem für staatliche Geheimdienste ist, dürfte die digitale Durchdringung des Alltags nicht verhindern.

Oh ja, wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden. Wir machen das in PC-Räumen. Ansonsten wird in den Schulen immer noch mit Büchern gearbeitet. Das ist nicht schlimm. Das ist nicht gut. Das ist eben so. Und ich bin wirklich froh, dass mehr und mehr Lehrende sich selbst auf den Weg begeben, sich digital kompetent zu machen und z. B. Tablets im Unterricht für sich zu nutzen. So ist das zumindest an der Schule, an der ich unterrichte. Einst war ich der erste mit Tablet im Unterricht; heute gibt es nicht nur Kollegen und Kolleginnen, die diese Geräte für sich einsetzen, sondern auch erste Reflexionen über den Einsatz des Tablets als Schulheft in der Hand eines Schülers. Immerhin; Schule ist bei solchen Entwicklungsprozessen von ihrer Aufgabe und ihrer Struktur her nun einmal nicht gerade als avantgardistisch zu betrachten.

Wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden. Und diese digitale Welt ist längst Teil der Schule, weil Schüler und Lehrer diese Welt zunehmend bevölkern. Aber immer noch gibt es Schulen, in denen der wesentliche Umgang mit Smartphones darin besteht, dass diese von Lehrern eingezogen werden, weil es Handyverbote unterschiedlichster Ausprägung gibt, die in Vereinbarungen mit den Eltern festgehalten wurden.

Wir bringen den Schülern und Schülerinnen nach wie vor nicht bei, dass Smartphones und Tablets fantastische Geräte zur lernenden Welterschließung sind, die neben alle anderen Formen der Welterschließung treten, die wir schon so kennen. Wie soll  das auch gehen, wenn z. B. jeder Lehrer, dem ich gegenüber das Wort Etherpad in den Mund nehme, erst einmal eine Erklärung braucht, was das ist? Wie soll das gehen, wenn Lehrer zwar wissen, dass Google seinem „Don’t be evil“ wohl doch nicht ganz treu geblieben ist, die aber nicht wissen, dass die Werkzeuge, die Google anbietet, tatsächlich auch zum Arbeiten geeignet sind? Wie sollen wir Schüler und Schülerinnen so  vorbereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden, wenn in einigen Bundesländern die Nutzung sozialer Netzwerke für „dienstliche Belange” (Kommunikation mit Schülern, Eltern etc.) ausdrücklich verboten wird, während selbst Lehrer und Lehrerinnen über Facebook hinaus andere soziale Netzwerke kaum für sinnvolle Belange nutzen?

Wir haben – gilt nicht für alle Bundesländer – Lehrmittelfreiheit, aber die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler in der Schule außerhalb der PC-Räume mit eigenen Geräten das Lehrmittel Internet nutzen können, gehört in vielen Fällen nach wie vor nicht dazu. Lehrmittelfreiheit bedeutet nach wie vor nicht, dass WLan-Zugänge verfügbar sind und Schulträger wissen, wie deren Aufbau und Unterhaltung finanziert werden kann.

Während in den USA dutzende von Twitterchats von hunderten von Lehrkräften Woche für Woche bevölkert werden, verzeichnet der erste deutschsprachige Twitterchat für Lehrende im Schnitt ca. 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Das ist aus der Perspektive eines Lehrers in Deutschland gesprochen übrigens eine beeindruckende Zahl, trotz der ca. 800000 Lehrer und Lehrerinnen an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland.

800000 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen, von denen sich ca. 40 seit September 2013 Woche für Woche zu einem Chat treffen, der ihrer eigenen Fortbildung und Vernetzung dient, und von denen vielleicht ein paar hundert sich ernsthaft Gedanken darum machen, welcher Mehrwert im Lernen mit digitalen Geräten und Netzen zu finden ist und wie dieser in eine digitale Didaktik überführt werden kann. Oder sind es doch mehr und wir wissen nichts davon? Oder sind es viel weniger und ich bin ein unverbesserlicher Optimist?

Wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden – und tun es allzuoft nach wie vor nicht. Das beunruhigt aber nicht wirklich nachhaltig, gehen wir doch davon aus, dass Jugendliche sich ihre eigenen Wege suchen, in dieser Welt mit ihrem Internet zurechtzukommen. Das stimmt auch für einige. Aber die meisten Jugendlichen haben keine Ahnung, wie sie sich (reflektiert) in der digitalen Welt zurechtfinden: Schüler können Facebook nutzen, WhatsApp bedienen, Quiz-Duell spielen, Instagram-Accounts füllen, vielleicht auch noch die Basisfunktionen von OpenOffice, LibreOffice, Word oder Pages bedienen und mittels Powerpoint oder hin und wieder auch Prezi Präsentationen erstellen. Das ist eine ganze Menge – und im Zentrum der meisten Aktivitäten von Jugendlichen im Netz steht der Austausch mit anderen Jugendlichen, mit Freunden etc.

Weil Jugendliche sich viel im Netz bewegen, gehen wir davon aus, dass sie dort schon ihren Weg finden werden, auch wenn in der Schule dieses Netz nach wie vor oft nur dann eine Rolle spielt, wenn ein Lehrer oder eine Lehrerin einen Film nun eben nicht mehr von einer Videokassette abspielt, sondern von einer digitalen Version. YouTube bedienen können doch einige Lehrende, denn immerhin gibt es da Filme. Aber die Zahl der Lehrenden, die den inneren Drang haben, digitale Realitäten für sich so zu erschließen, dass sie diese mit Schülerinnen und Schülern reflexiv erschließen und reflektiert nutzen können, ist gering. Sie ist auch so gering, weil es nach wie vor ein hohes Maß selbständigen Lernens der Lehrer benötigt, sich in diese Welt einzufinden, Zeit, die sie oft nicht haben, wenn sie neben ihrem extrem zeitaufwändigen Beruf eine Beziehung pflegen und Kinder großziehen wollen.

Und selbst in Kontexten, in denen was möglich ist, um Jugendliche digital zu bilden, passiert zu wenig. Hier fasse ich mich an die eigene Nase. In vielen meiner Lerngruppen habe ich mittlerweile eine annähernd oder tatsächliche 100%-Abdeckung mit Smartphones, mit denen Schülerinnen und Schüler, wer immer das auch finanzieren mag, das Netz nutzen können, auch wenn es im Sinne von Lehrmittelfreiheit kein frei zugängliches WLan gibt. Und selbst wenn ich immer mal wieder Projekte starte, die diese Optionen nutzen, interessiert mich doch eigentlich der selbstverständliche Gebrauch der vorhandenen Lernoptionen im Unterricht und in der Schule (also auch in Pausen, in Freistunden). Was passiert, wenn ich nicht mehr in speziellen Situationen sage, dass Schüler und Schülerinnen jetzt ihre Smartphones nutzen dürfen, sondern mit ihnen vereinbare, dass die Geräte von den Lernern im Unterricht frei genutzt werden dürfen, solange der Bezug zum Unterricht vorhanden ist?

Dabei darf ich natürlich nicht vergessen, immer wieder auch auf die Nutzung echter Bücher zu drängen und zu bestehen, insbesondere von Wörterbüchern, weil Schülerinnen und Schüler in Prüfungssituationen nur diese nutzen dürfen und ich, ließe ich Smartphones z. B. in Klausuren zu, zwar Aufgaben finden würde, die angemessen wären, sicher aber zu hören bekäme, dass die Vergleichbarkeit der Leistungen meiner Schüler mit anderen nicht mehr gegeben sei, wenn diese Smartphones nutzen dürften.

Wenn jetzt Leute sagen, dass es wirklich ein Problem sei, wenn in Prüfungen z. B. Internet verfügbar sei, dann mag das für die Mentalität hierzulande zutreffen, in Dänemark denkt man da etwas anders.

Oh ja, sicher, im Laufe der Zeit wird sich das alles ändern! Sicher, bestimmt. Vielleicht. Möglicherweise.

Es ändert sich auch faktisch vieles an den Schulen, ich erlebe das hautnah, sehe wie Diskussionen in Gremien zu Fragen des digitalen Lehrens und Lernens im Vergleich zu Diskussionen zu diesen Themen vor zwei bis drei Jahren entspannter werden, wie immer mehr Schulen sich der Realität stellen, dass Handyverbote irgendwie seltsam sind. Ich erlebe, wie sich langsam mehr Lehrende – aller Lehrergenerationen und eben nicht nur junge Nachwuchskräfte – mit Laptop und Tablets ausstatten, die sie dann auch im Unterricht nutzen – auf eigene Kosten.

Wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden. Dazu müssen wir uns als Erwachsene und insbesondere als Lehrende in dieser Welt bewegen und zurechtfinden; dazu müssen wir uns von den Jugendlichen auch mal was erklären lassen, was für sie im Netz wichtig ist,  obwohl wir es (vielleicht) nicht verstehen oder nachvollziehen können. Dazu müssen wir die Chancen der Digitalisierung reflektieren und ebenso reflektiert mit den Risiken umgehen.

Reflektierter Umgang mit der Digitalisierung aber ist etwas anderes als das Verbot der Instrumente, die diese Digitalisierung repräsentieren (Smartphone, Tablet, Laptop, WLan…); reflektierter Umgang mit der Digitalisierung ist etwas anderes als eine Fixierung auf faktisch vorhandene Risiken, die so stark wird, dass die Chancen nicht mehr gesehen werden. Oh nein, es muss sich nicht jeder im Internet bewegen wollen; aber es sollte sich jeder gegebenenfalls verantwortet und reflektiert im Internet bewegen können. Die Kinder und Jugendlichen suchen sich da ihren Weg. Bislang tun sie dies, ohne dass ihnen dabei selbstverständlich von den Erwachsenen in ihrem Umfeld, von den Institutionen, in denen sie ihre Sozialisation erfahren, Unterstützung über Sorgen um das Kindeswohl und den Jugendschutz hinaus – und somit über Verbote, Einschränkungen, Mahnungen hinaus – zuteil wird.

Das finde ich schade.

Luft holen

So. Das ist jetzt ein Rant für die Bildung im digitalen Zeitalter geworden, obwohl ich ursprünglich doch „nur“ ein Video hier einbetten wollte. Aber so ist das nun einmal. Jetzt aber Bühne frei für Tanja Haeusler und Johnny Haeusler und ihren Beitrag zur republica 2013 The Kids are allright. Vielleicht merkt der eine oder die andere ja, inwiefern dieser Beitrag meinen hier entstandenen Artikel beeinflusst hat.

Du sollst mehr bloggen ;-)

Es kommt mir manches Mal so vor, als gehöre es fast schon zum „State of the Art“, über das Nischendasein deutschsprachiger Blogs in der deutschsprachigen Internetlandschaft ein wenig zu jammern. Zum Spiel gehört wohl auch, dass Vorschläge gemacht werden, wie sich das ändern könnte.

Die Überschrift dieses Artikels verweist weder darauf, dass ich hier einschätzen will, wie der gesamtgesellschaftliche Status von Blogs ist, noch enthält dieser Beitrag ein Patentrezept, wie ein Blog „erfolgreich“ werden kann. Das „Du“ in der Überschrift könnte auch „Ich“ heißen, wobei man die Überschrift dann auch noch grammatikalisch anpassen müsste ;-)

Anlass für diese Überlegungen ist eine ganz andere Beobachtung: Es kommt vor, dass das eine oder andere Thema, das für mich eigentlich ein klassischer Gegenstand des Bloggens ist, in sozialen Netzwerken untergebracht wird, auf denen es sich relativ schnell „versendet“. Die Wahrnehmungsspanne, die ein Standardtweet bekommt, scheint mir deutlich unter vierundzwanzig Stunden zu liegen. Wie stark Beiträge auf Google+ wahrgenommen werden, vermag ich nicht zusagen, aber überbevölkert scheint diese Plattform nicht zu sein, die Aktivitäten der Nutzer sind meiner Wahrnehmung nach nicht als hyperaktiv zu bezeichnen. – Wie das auf Facebook aussieht, kann ich aufgrund anhaltender Abstinenz nicht bewerten, aber so wahnsinnig viel bekomme ich von außerhalb über die dortigen Aktivitäten nicht mit.

Kein Zweifel, ich schätze die ganz eigene Dynamik, die Twitter entwickeln kann. Das gilt auch für Inhalte: Den einen sind hundertvierzig Zeichen zu wenig, um sich ausdrücken zu können; andere vermuten, Tiefgang sei in dieser Kürze kaum zu erreichen. Ich halte es eher mit der sprichwörtlichen Würze, die der Kürze eigen ist. Hundertvierzig Zeichen und dennoch – oder gerade aus diesem Grund – auf den Punkt zu kommen, ist durchaus eine intellektuelle Herausforderung, die ich mag.

Trotz dieser starken Sympathien für die Kürze und die dynamische Kompexität, die der Austausch auf Twitter bekommen kann, ist mir in den vergangenen Wochen ein paar Mal aufgefallen, dass ich Themen auf Twitter kurz anreiße, die ich eigentlich vertiefen will, was nicht immer einen ewig langen Artikel mit sich bringen muss. Obwohl ich ein Werkzeug benutze, das mir die Wiederverwertung und nachhaltige Speicherung einer Serie von Tweets zu einem Thema komfortabel ermöglicht, mache ich es mir teilweise leicht, indem ich manche Themen, die mich interessieren, kürzer kommen lasse, als ich das eigentlich will.

Darüber hinaus ist ein Blog von seiner Struktur her ein Tagebuch und keine Fachzeitschrift. ;-) In einem Blog dürfen – ja, sollen – Gedanken entwickelt werden können und nicht vor allem Ergebnisse von Prozessen präsentiert werden. Natürlich sollen die Gedanken und auch Geschichten, die einem Blog anvertraut werden, zumindest soweit es mich betrifft, nicht allzu platt sein.

In diesem Sinne ist es gemeint, wenn ich mir und vielleicht der einen oder dem anderen zuraune: „Du sollst mehr bloggen“.

Das ist ja gar nicht so viel Aufwand. Man kann, mit ein wenig Übung, in überschaubaren Zeiten solch einen Eintrag verfassen. So ist einer der am meisten gelesen Artikel der vergangenen Wochen in weniger als fünfundvierzig Minuten entstanden. Ursprünglich als Notiz beim Lesen eines Buchs geschrieben, habe ich den Text dann online gestellt.

Diesen Artikel hier schreibe ich auf dem iPad unterwegs. Da steckt auch nicht so viel Aufwand dahinter, vorausgesetzt, man verzichtet auf die original WordPress-App für iOS-Geräte.

Es war immer Konzept meines Blogs, dass ich mir keine festen Regeln bezüglich des Inhaltes und der Frequenz der Beiträge gebe. Also kann ich mich der von mir an mich gestellten Aufforderung entspannt stellen: „Du sollst mehr bloggen“. – Vielleicht geht meine Phantasie ja mit mir durch, aber ich kann mir vorstellen, dass diese Aufforderung vor dem hier dargestellten Hintergrund nicht nur für mich selbst von Interesse ist.

„Du sollst mehr bloggen“, ist durchaus ein Aufruf, der dem Nischendasein von Blogs im deutschsprachigen Raum entgegenwirken kann, wenn es das denn gibt und wenn die Inhalte zumindest den einen oder anderen Anknüpfungspunkt für Diskussionen enthalten.

Es gibt aber noch einen Grund, warum ich vor allem Lehrern und anderen Bildungsmenschen diese Satz „Du sollst mehr bloggen“ mitgeben möchte: Die Themen Schule, Hochschule und Bildung sind schon lange ein Kernbestand des Diskurses in Deutschland, an dem alle möglichen Leute beteiligt sind, in dem aber professionelle Expertise von Lehrenden für meinen Geschmack zu wenig vorkommt.

Das liegt nicht an mangelnder Expertise der Lehrenden. Das liegt nicht an mangelndem Interesse der Öffentlichkeit, die diese Äußerungen nicht wahrnehmen würde. Das liegt vor allem daran, dass sich nur wenige Lehrende da ran wagen.

Hochschullehrer scheinen oft in einer Umgebung zu arbeiten, in der eventuelles Bloggen kritisch bis abfälllig beäugt wird.

Lehrerinnen und Lehrer hingegen finden oft keine Zeit und kommen oft nicht auf die Idee, dass so manches, was man im stillen Kämmerlein an Sachanalysen erstellt, eine gute inhaltliche Basis für ein Blog sein könnte, das man explizit als private Gedankenspielwiese kennzeichnet. Da könnten dann auch andere Themen ihren Platz finden, die bearbeitet werden, wenn man Zeit und Lust hat. Es geht auch, wenn nur Lust oder nur Zeit da sind, dann ist es eben etwas stärker eine Frage der Selbstdisziplin ;-).

In anderen Ländern, ausdrücklich nenne ich hier die Länder Nordamerikas, ist das Angebot bildungsbezogener Websites und Blogs mit oft erstaunlicher hoher Qualität deutlich breiter und etablierter als in Deutschland. Das liegt auch an der deutlich größeren Zielgruppe als die auf Deutsch erreichbare, obwohl die Reichweite mit Deutsch gar nicht mal so schlecht ist.

Die bislang insgesamt eher geringe Wahrnehmbarkeit von Lehrenden im Netz dürfte aber auch daran liegen, dass es in anderen Ländern einen etwas entspannteren Umgang mit Netzaktivitäten Lehrender gibt als in Deutschland, wo Netzaktivitäten von Lehrenden von ministerialen Bedenkenträgern eher kritisch beäugt werden. Auch um hier Überzeugungsarbeit zu leisten und dabei gleichzeitig das Know-how im Umgang mit sozialen Netzwerken im Internet zu erwerben, zu erweitern bzw. zu vertiefen, das notwendig ist, um die Didaktik in diesen neuen Kontexten gewinnbringend weiterzuentwickeln, wiederhole ich den Imperativ dieses Blogeitrags am Ende noch einmal: „Du sollst mehr bloggen.“ – Es lohnt sich.

 

Open Educational Resources – OER: Geschichte und Einordnung der deutschen Debatte seit Herbst 2011

Open Educational Ressources (OER) – man kann das sinngemäß in etwa mit „frei verfügbaren Lernmaterialien“ übersetzen – können das in ihnen liegende Potential vor allem dort zeigen, wo sie Bildung erst möglich machen, weil sonstiges hochwertiges Lernmaterial nicht verfügbar ist. Die UNESCO schreibt:

“UNESCO believes that universal access to high quality education is key to the building of peace, sustainable social and economic development, and intercultural dialogue. Open Educational Resources (OER) provide a strategic opportunity to improve the quality of education as well as facilitate policy dialogue, knowledge sharing and capacity building.”
(Übersetzung T. Larbig: Die UNESCO ist davon überzeugt, dass der weltweite Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung der Schlüssel beim Aufbau von Frieden, nachhaltiger sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung und für den interekulturellen Dialog ist. Freie Lern-/Bildungsmaterialien sind eine strategische Chance, sowohl die Qualität von Bildung zu verbessern als auch den politischen Dialog, den Austausch von Wissen und den Aufbau von Kapazitäten zu erleichtern.)

Globale Orientierung

Es geht OER um globale Ziele, die mit kommerziell erstellten Lernmaterialien nicht erreicht werden konnten. Es geht OER, das möchte ich den UNESCO-Anmerkungen hinzufügen, auch um Freiheit, welche als grundlegendes Menschenrecht nach wie vor in vielen Regionen der Welt auch daran scheitert, dass mangelnde Bildung den Ausbruch aus Teufelskreisen von Armut, verzweifelter Passivität oder ebenso verzweifelter Gewaltbereitschaft verhindert oder zumindest erschwert.

Lehrer und Lehrerinnen in vielen Regionen der Welt sind nicht nur schlecht ausgebildet, ihnen steht sehr oft darüber hinaus kein oder bestenfalls veraltetes Lehrmaterial zur Verfügung. Hier setzen OER an.

Entsprechend haben sich im Kontext der Pariser OER-Deklaration von 2012fünf Länder bereit erklärt, aktiv OER-Initiativen zu entwickeln. Diese Länder spiegeln wider, welche Regionen der Erde von OER am meisten profitieren können: Weiterlesen

Von der Digitalisierung, freien Bildungsmaterialien und dem Lernen im digitalen Leitmedienwandel

Das Co:llaboratory »Internet und Gesellschaft« befasste sich in einem seiner letzten Schwerpunkte mit dem »Lernen in der digitalen Gesellschaft«. In diesem Zusammenhang reflektierte Jöran Muuß-Merholz die Frage, was Open Educational Ressources (Freie Lern-/Bildungsmaterialien –> OER) mit digitaler Integration und Medienkompetenz zu tun haben.

Ein lesenswerter Beitrag, dem ich an dieser Stelle in einer Replik eigene Gedanken zur Seite stellen will. – Dabei lehne ich mich in der Struktur an die Vorgabe des Artikels an, wobei ich durchaus bewusst teilweise die Schwerpunkte anders setze.

Im Grunde nehme ich den letzten Satz des Beitrages ernst. Muuß-Merholz schreibt dort: »Diese Argumentsammlung ist einseitig.« – Ich versuche, ihr zumindest eine weitere Seite hinzuzufügen.

1 Technik verändert das Menschenbild

Inhalte des Internets können konsumiert werden, aber seit die technischen Möglichkeiten des Internets für Interaktionen nutzbar sind, in diesem Zusammenhang spricht man von Web 2.0, liegt es nahe, produktiv mit dem Netz umzugehen.

Die einen machen das im eher »kleinen« Rahmen, indem sie twittern, Statusmeldungen und sonstige Möglichkeiten von z. B. Facebook oder Google+ nutzen.

Die anderen weiten den Rahmen aus, pflegen Videokanäle auf Vimeo oder Youtube, erstellen Podcasts, führen – teilweise schon seit Jahren – ausführliche Blogs.

Neben die erweiterte Möglichkeit der eigenen Produktivität und deren Veröffentlichung tritt der drastisch erweiterte Zugang zu Expertenwissen. Dabei verändert sich die Rolle von Experten (vgl. Bunz, 2012) ebenso, wie die Rolle der die analoge Gesellschaft bestimmenden Filter (Redaktionen, Institutionen, Titel …).

Die technischen Möglichkeiten betonen damit heute ein Menschenbild, Weiterlesen

Wie motiviert man Unmotivierte? – Ein Versuch

Walter Böhme fragt: „Wie motiviert man Unmotivierte?“ und lädt zu einer Blogparade ein, in der dieser Frage nachgegangen werden soll.

Die Frage ist nicht neu. Eine Lösung nach Rezeptbuch ist mir noch nicht begegnet. – Wohl aber gibt es Rezeptgeber, die grundsätzlich besser als z. B. Lehrer und Lehrerinnen wissen, wie „gekocht“ werden müsste, damit alle sowohl „Kochen“ als auch „Essen“ wollen.

Wer die Metapher des „Kochens“ und „Essens“ für zu weit her geholt hält: Die häufig verwendete Metapher des „Bulimie-Lernens“ ist eine Nahrungsmetapher! – Dieser Metapher geht es allerdings vor allem um das genussfreie In-Sich-Hineinstopfen, dem der Akt des Auskotzens folgt. – Wer so lernt, leidet früher oder später an Anorexia Ediscere.

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Unterricht geht durch den Magen oder: Mein Beitrag zur Blogparade „Reflektierende Praktiker (Lehrende und Co)“

Mein Beitrag zu der von mir selbst ausgerufenen Blogparade „Reflektierende Praktiker (Lehrende und Co)“!

Unterricht geht mir durch den Magen. Ob eine Stunde gut gelungen oder ein Stundenkonzept grandios gescheitert ist, merke ich tatsächlich sehr schnell als „Gefühl in der Magengegend“.

Von einer strukturierten oder gar in Routinen verpackten Reflexionspraxis ist zu diesem Zeitpunkt aber noch nichts auf weiter Flur zu sehen.

Bei diesen eindeutigen Fällen, die durch Gasteromantie ;-) angemessen in den Vordergrund drängen, scheint es auf den ersten Blick auch nicht unbedingt nötig, in Reflexionsprozessen zu versinken.

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Lehrer mit Tablet-Computern oder: Was spielen Sie denn da?

Nachdem ich begonnen hatte, im Unterricht einen Tablet-Computer zu benutzen, hörte ich immer wieder von jüngeren Schülern die Frage, was ich denn während der Stunde da so alles spiele.

Die Frage kam bei mir so an, dass ich keinen Grund hatte anzunehmen, sie sei von den Schülern nicht genau so gemeint, wie sie gestellt wurde: sachlich, aber auch irritiert, denn mit einem Computer in der Stunde zu spielen, ist ihnen streng untersagt, es sei denn, es handelt sich um ein Spiel mit Unterrichtsbezug.

Den jüngeren Schülern war der Tablet-Computer tatsächlich nur als ein Gerät bekannt, mit dem man spielen kann. Ob sie dies nun aus eigener Anschauung geschlossen hatten oder ob sie sich diese Vorstellung aus all dem konstruiert hatten, was sie vor allem über das iPad gehört hatten, kann ich nicht recht einschätzen. – Doch abgesehen von dem Mangel an empirischen Daten für die Gründe diese Sicht und somit auch für die mir gestellte Frage, haben sich für mich einige Überlegungen aus dieser Frage heraus kristallisiert.

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