Tagsüber wird gelesen, abends dann geschrieben. Das ist einfach die optimale Nutzung eines OpenAir-Arbeitsplatzes als Lernumgebung, die sich an die Gegebenheiten in Sachen Licht anpasst… Hier entsteht gerade dieser Blogeintrag >>>
Schlagwort-Archiv: Lehrerblog
Summertime Personal Learning Environment (PLE 2)
Wie die persönliche Lernmgebung aussieht, stand im „OpenCourse: Die Zukunft des Lernens“ vor einigen Wochen als Frage im Raum. Damals antwortete ich auch schon mit einem Bild . Doch im Laufe des Jahres, im Laufe der Jahreszeiten ändern sich die Arbeitsorte.
Was hier wie „Urlaub auf Balkonien“ aussehen mag, ist einer meiner Sommerarbeitsplätze. Immer dabei: Die Tasse Tee. In diesem Fall kommen noch die Biographie Nelly Sachs’ von Aris Fioretos und ein Bleistift zum Markieren markanter Textstellen hinzu. Und ja, da ist kein digitales Gerät zu sehen. Einfach nur in der warmen Sonne sitzen (in Wahrheit wird so ein Südbalkon sogar sehr warm, trotz Sonnenschutz) und genießend arbeiten.
Hausmitteilung: herrlarbig.de ist zum 3. Geburtstag umgezogen und doch Zuhause geblieben
So, die Sommerpause ist vorbei.
Und das hier ist der 300. Artikel auf herrlarbig.de. Drei Jahre herrlarbig.de – 300 Artikel: Das gefällt mir. Rechnerisch bedeutet das, dass im Schnitt alle 3,65 Tage ein Artikel erschienen ist.
Auch wenn sich inhaltlich und optisch nichts getan hat, hat sich in den letzten Tagen eine ganze Menge getan: herrlarbig.de ist umgezogen.
Nein, ich habe nach all den Jahren nicht den Anbieter der technischen Infrastruktur gewechselt, die es überhaupt erst möglich macht, dass diese Website im WorlWideWeb vorhanden sein kann. Der Umzug erfolgte vielmehr von einem Server auf einen anderen beim gleichen Hoster.
herrlarbig.de ist umgezogen, aber dennoch „Zuhause“ geblieben. Gleichzeitig aber werde ich mit diesem Umzug jetzt Ubernaut. Ich habe den Uberspace betreten.
Für meine Besucher verändert sich dadurch nichts. Im Hintergrund aber hat sich eine ganze Menge getan, was ich hier kurz erwähnen will, weil eine solche Website in Wirklichkeit ja viel mehr technischen Aufwand im Hintergrund mit sich bringt, als auf der Inhaltsoberfläche zu sehen ist, vor allem dann, wenn man eigenen Webspace verfügbar hat.
Was also hat sich verändert:
- Die Website herrlarbig.de läuft nun auf einem Server, der mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben wird, ohne CO2-Ausstoß und ohne radioaktiven Abfall (Öko-Strom). Das ist nicht ganz unbedeutend, denn dass diese Website rund um die Uhr zur Verfügung steht, geht natürlich nur, weil es da einen Rechner in einem Rechenzentrum hier in Frankfurt am Main gibt, der 24 Stunden an jedem Tag des Jahres läuft und somit nicht gerade wenig Strom verbraucht. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das ein technisch äußerst spannendes Rechenzentrum, weil das Kühlungsthema anders angegangen wird als in dem Rechenzentrum, in dem bislang der Server stand, der herrlarbig.de beherbergte.
- herrlarbig.de ist jetzt auch über IPv6 erreichbar.
- herrlarbig.de nutzt die geniale Idee, Umsetzung, Technik und Performance von Uberspace.
- Die Verwaltung ist für mich durch deutlich beschleunigte Zugriffszeiten im Verwaltungsmodul deutlich komfortabler geworden. Davon mögen Besucher und Besucherinnen von herrlarbig.de zwar nicht viel merken, aber dass die Arbeit am Blog dem Blogger Spaß macht, ist natürlich auch für die Lesenden relevant, und so sollte dieser Performance-Gewinn doch ausstrahlen.
- Danke, liebe regelmäßigen Besucher, die ihr herrlarbig.de als RSS-Feed in eurem Feed-Reader abonniert habt und Wert darauf legt, möglichst schnell informiert zu werden, wenn es was neues auf herrlarbig.de gibt.
- Danke allen, die bis jetzt hier Kommentare hinterlassen haben, sich auf Diskussionen einließen und auch zukünftig einlassen werden. Ein Blog lebt nicht nur von den Inhalten, die der Blogger beiträgt, sondern mindestens ebenso stark von den Kommentaren und der Qualität der Diskussionen.
- Danke allen, mit denen ich über Twitter im dauernden Austausch über das Blog hinaus bin. Einige Beiträge dieses Blogs verdanken sich den Anregungen, die auf diesem Wege zu mir gekommen sind.
- Danke allen, die über Suchmaschinen auf herrlarbig.de kommen und einzelne Artikel lesen.
- Danke allen, die fragen, bevor Sie Artikel oder Ausschnitte aus Artikeln verwenden und somit zeigen, dass sie die Arbeit schätzen, die hier drinnen steckt. Oft bleibt mir dann nur zu sagen: Schön, dass du fragst, aber Zitate mit Quellenangaben und Links lässt das Urheberrecht auch ohne Nachfrage zu. Aber wie gesagt: Es ist toll, wenn da eine E-Mail eingeht und gefragt wird, ob Inhalte verwendet werden dürfen.
- Danke allen, die auf herrlarbig.de verlinken und damit zum Ausdruck bringen, dass sie Inhalte dieses Blogs schätzen und des Verlinkens Wert erachten.
- Danke an jonaspasche.com und uberspace.de. Ohne Jonas, dem genialsten Programmierer, Webhoster und Internettechniker der Welt (soweit ich das überblicken kann
), gäbe es herrlarbig.de in dieser Form nicht. Und das Jonas’ Mitarbeiter Teil dieser „kleinen, geilen Firma“ (Funny van Dannen) sind, die das alles möglich macht, sei hier auch erwähnt. Also: Danke an Jonas Pasche, Andreas Beintken, Matthias Bender und Christopher Hirschmann. – Wenn jemand sagt, von Idealismus könne man nicht leben: Diese Firma und deren Chef Jonas sind für mich der Beweis, dass es doch geht, wenn der Idealismus nur mit ihm entsprechender Qualifikation verbunden und gelebt wird. - Danke… allen, die ich hier vergessen habe, aber gar nicht vergessen wollte, weil es mir peinlich sein wird, wenn ich erfahre, dass ich sie vergessen habe.
- herrlarbig.de ist ein privates Lehrerblog. Ich mache das hier in meiner Freizeit, als Hobby.
- herrlarbig.de macht keine bezahlte Werbung. Wenn ich hier verlinke und kommerzielle Angebote erwähne, dann weil ich das will und nicht, weil ich damit Geld verdiene. Mein Geld verdiene ich mit meinem Beruf. herrlarbig.de ist … Ach, siehe 1.
- Ich bekomme regelmäßig Anfragen zum Linktausch. Dazu kann ich nur sagen: Wenn jemand Inhalte meiner Website des Verlinkens wert erachtet, so möge er dies tun, aber mir eine E-Mail zu schreiben, in der „Ich verlinke dich, wenn du mich verlinkst“ steht, ist reichlich überflüssig, denn ich bin nicht so der Marketingtyp. Ich mach das hier aus Spaß und nicht weil ich was damit erreichen will; freue mich aber sehr darüber, dass herrlarbig.de nicht ganz unbemerkt im Internet existiert.
- Obwohl ich immer wieder deutlich sage, dass die Kontaktmöglichkeiten, die ich im Rahmen meiner Internetpräsenz anbiete, nicht für Werbung, Pressemitteilungen etc. gedacht sind, es sei denn es besteht ein Kontakt, in dessen Rahmen ich ausdrücklich darum gebeten habe, mich auf dem Laufenden zu halten, passiert es immer wieder, dass ich E-Mails bekomme, in denen Anbieter kommerzieller Produkte mich darum bitten, dass ich ihr Angebot bespreche und natürlich verlinke. Sorry, aber so funktioniert herrlarbig.de nicht. Ich bin unabhängig und ich bleibe unabhängig. Das heißt aber auch, dass es mir jedes Mal in den Fingern juckt, solche Anfragen (ohne auf das Produkt den gewünschten Link zu setzen) zu veröffentlichen, um zu dokumentieren, wer sich solcher Marketing-Tricks zu bedienen versucht. Aber ich lasse es dann in der Regel bleiben und lösche diese E-Mails einfach.
- herrlarbig.de trägt den Untertitel „Bildungsneuron – Lehrerblog“. In diesem Rahmen nehme ich mir alle Freiheiten in Sachen Content / Themen. Da es sich um ein privates Blog handelt, lasse ich mich nicht festlegen, was ich in den Rahmen Bildung stelle und was nicht.
- … (hier – also per Kommentar – bitte notiere, was herrlarbig.de für dich / sie ausmacht. Was ist es, dass dieses Blog zu dem Blog macht, das es für dich / sie als LeserIn ist?)
My Personal Learning Environment ( #opco11 )
Wie sieht der Raum aus, in dem du lernst? Wie sieht deine „Persönliche Lernumgebung“ (Personal Learning Environment – PLE) aus, lautet die Frage, die diese Woche im OpenCourse „Die Zukunft des Lernens“ im Zentrum steht.
Statt mit einem Text auf die Frage einzugehen, habe ich einmal versucht, diese Frage fotografisch zu beantworten. Das hier veröffentliche Foto ist dabei sowohl im realen als auch im übertragenen (bildlichen, metaphorischen) Sinne gemeint.
Wenn sich jemand an eine Bild-Interpretation traut, würde mich das sehr freuen. Die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag darf gerne in diesem Sinne genutzt werden…
Gefunden: Free iPads as an Add-On to the Face-to-Face-Learning at Adelaide-University (Podcast / English)
Prof Bob Hill Dean of the Faculty of Science at the University of Adelaide in an interview about a new initiative of the Science Faculty to give every new first year undergraduate to the Science Program a free iPad and even more important a new way to learn at university.
Listen as MP3 if Flash is disabled.
Dass Prof. Hill als Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät hier ein Produkt ins Zentrum stellt, liegt wohl im Mangel an echten Alternativen im Augenblick, was er in dem Interview selbst auch anspricht. Er spricht ausdrücklich davon, dass man an der Universität Adelaide ein (im Vorfeld scheinbar gut überlegtes) Experiment wage, gibt in dem Gespräch aber darüber hinaus einige spannende Überlegungen von sich, in denen es um die Frage zukünftiger Lehre und die Rolle von Fachüchern an der Universität geht. Die Face-to-Face-Situation wird von Hill berechtigterweise aber nach wie vor als zentrales Instrument in Bildungsprozessen angesehen.
Man kann in Adelaide auch ohne Tablet-Computer studieren, das Projekt versteht sich als ein mögliches „Add-On“, das aber nicht vorausgesetzt wird, um erfolgreich studieren zu können. Mal schauen, was wir von diesem Programm einer Universität noch hören werden. Ich bin auf die Impulse gespannt, die von einem solchen Projekt für die Lehre, sei es an Universitäten oder auch an Schulen, insgesamt ausgehen werden.
Nachtrag (22.11.2010): Auch an deutschen Universitäten gibt es ähnliche Projekte, wie hier nachgelesen werden kann.
Kompetenzorientiert unterrichten: Ein Vorschlag.
Das folgende Szenario ist zwar nicht unrealistisch, in der hier vorgelegten Form aber frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Erlebnissen im Unterricht sind nicht gewollt, werden nicht angestrebt, dürften aber nicht vermeidbar sein.
Oberstufe, Deutsch Grundkurs. Die Schülerinnen und Schüler bekommen nach der (vom Lehrer unterstellen, nicht in allen Fällen tatsächlich erfolgten) Lektüre eines Dramas den Auftrag, die Figuren des Dramas in ihren Beziehungen zueinander in einer grafischen Form darzustellen. Der Lehrer erwartet, dass die Schülerinnen auf der Basis des Personenverzeichnisses des Dramas, ihrer beim Lesen erworbenen Textkenntnis und der gezielten, wiederholten Lektüre einzelner Szenen, zu einem vertieften Verständnis des Dramas kommen. Die Aufgabe wird Mittwochs erteilt und soll bis zur nächsten Stunde am Dienstag der Folgewoche bearbeitet sein.
Am Dienstag macht der Lehrer die ihn überraschende Entdeckung, dass zwar 80% des Kurses die Aufgabe gemacht haben, von diesen aber 50% zwei Nebenfiguren nicht berücksichtigt haben und durchweg den gleichen Fehler in der Grafik gemacht haben.
Alternative: Am Dienstag macht der Lehrer die ihn überraschende Entdeckung, dass zwar 80% des Kurses die Aufgabe gemacht haben, die Grafiken aber alle super korrekt sind und sich extrem ähneln, als ob sie voneinander abgeschrieben worden wären.
Welcher Fall auch eintreten mag, der hier gedachte Lehrer ist äußerst überrascht und fragt sich, was da passiert ist.
Hier nun ein paar Beispiele, wie es abgelaufen sein könnte: Weiterlesen
Apps für Lehrer: Neue Rubrik auf herrlarbig.de. Erste App im Test: GoodReader
Vorbemerkung zu einer neuen Rubrik (Digitaler Workflow) auf herrlarbig.de
Computerprogramme (Apps) für Lehrer? Nein, ich bekomme kein Geld dafür, dass ich auf herrlarbig.de nun auch diese Frage in den Blick nehme. Ich werde hier auch in keine kritiklosen Jubelgesänge ausbrechen. Wenn ich ein Programm für meine Arbeit als Lehrer als hilfreich empfinde, dann sage ich das. Und wenn mir etwas von all dem Mist begegnet, der im Bereich von Programmen für mobile digitale Endgeräte heute so alles angeboten wird, dann werde ich das auch sagen!
Außerdem ist nicht geplant, mich hier auf ein bestimmtes Endgerät zu beschränken, wohl aber auf Programme, die ich aus der eigenen Praxis kenne. Damit ist der Schwerpunkt schon vorgegeben: Hier werden vor allem Programme in den Blick genommen, die Weiterlesen
Zum Weltlehrertag 2010 – Celebrating the World Teachers’ Day 2010
Der 5. Oktober ist seit 1994 der UNESCO-Welttag der Lehrerinnen und Lehrer.
Aus diesem Anlass hier heute zwei Musikvideos, die auf YouTube zu finden sind, zwei Songs, die mit Lehrern und Lehrerinnen, Schülern und Schülerinnen zu tun haben.
Ein Song, der die Rolle von Lehrern und Lehrerinnen eher aus der Sicht von Schülern in den Blick nimmt und ein Song, der aus der Sicht eines Lehrers geschrieben und gesungen wird.
Diese Songs stellen die schönen und relevanten Seiten des Lehrerberufs in den Vordergrund. Angesichts der Bedeutung, die Lehrer und Lehrerinnen weltweit in Krisen, in Konfliktregionen, in Kriegsgebieten haben, angesichts der Tatsache, dass Lehrende in einigen Ländern der Welt gefährlich leben, seien diese Seiten des Berufs heute einmal in den Mittelpunkt dieses Blogbeitrages gestellt.
140 Zeichen Deutschunterricht: Ein Twitterprojekt
Zwischendurch immer mal wieder einen Tweet, in dem es um die deutsche Sprache und Literatur geht – so lautet die Idee, die hinter dem in der Seitenleiste neu aufgeführtem Feld „Herr Larbigs „Deutschstunde“ auf Twitter” steckt.
Wer der „Deutschstunde“ auf Twitter folgt (in der Twittersprache heißt das „followed“), bekommt immer wieder zwischen all den anderen Meldungen (Tweets) kurze Hinweise, in denen es um Fragen der Rechtschreibung geht, um Grammatik und Ausdruck. Außerdem gibt es Links zu Beiträgen, die für alle interessant sein können, die sich für deutsche Sprache und Literatur interessieren.
Eine kleine Besonderheit ist, dass in dieser „Twitter Timeline“ auch Fotos auftauchen, die ich immer dann mache, wenn mir irgendwo in der Öffentlichkeit etwas auffällt, das mit Sprache zu tun hat. Dabei interessiert mich, welchen sprachlichen „Sünden” wir in unserer Umgebung tagtäglich ausgesetzt sind. – Ich finde es spannend, mit einem solch forschenden Blick durch die Stadt zu gehen; vielleicht bin ich da nicht der einzige.
Ziel des Projekts ist es nicht, als der ständig korrigierende Lehrer durch das Netz zu laufen. Ziel ist es auch nicht, die Tweets anderer nach Rechtschreibfehlern zu durchforsten und sie dann in einer Antwort an die betreffenden Personen zu korrigieren. Es gibt jemanden bei Twitter, der macht solche Korrekturen. Ich bin es nicht. Nach wie vor bin ich der Überzeugung, dass sich die Fähigkeiten im Umgang mit Sprache Schritt für Schritt und dennoch kontinuierlich entwickeln, so sich jemand der (Schrift)Sprache wirklich aussetzt, in dem zum Beispiel viel gelesen und geschrieben wird.
Das Ziel des Projekts „Deutschstunde“ auf Twitter ist zunächst einmal ein vielleicht überraschend egoistisches: Mir dient dieses Projekt als Motivationshilfe, meine Fühler wirklich in dem Maße auf Sprache und Literatur hin ausgerichtet zu halten, wie ich mir das für mich wünsche.
Das zweite Ziel besteht darin, interessierten Twitternutzern Anregungen aus meinem wachsenden Fundus rund um Sprache und Literatur zu geben. Zumindest die Sensibilität für sprachliche Phänomene und im Umgang mit Literatur soll da unterstützt werden. Vielleicht wächst sie bei dem einen oder anderen mithilfe dieser Tweets auch noch ein wenig.
Das Interesse für einen solchen Twitter-Stream ist da. In weniger als 24 Stunden haben sich 18 Twitterer entschieden, dass sie diesem Account folgen wollen.
Ich hoffe, dass „Deutschstunde“ auf Twitter dabei keine Einbahnstraße bleibt, auf der ich mit Inhalten hausieren gehe, sondern dass sich dieses Projekt dahin entwickelt, dass über sprachliche Phänomene via Twitter diskutiert wird, dass Fragen gestellt werden etc.
Außerdem kann diesem Account natürlich auch gerne von Schülerinnen und Schülern gefolgt werden, solchen, die ich unterrichte genauso wie solchen, die ich nicht unterrichte. Und in diesem Rahmen können durchaus auch Fragen an mich gestellt werden, denn wenn ich auf konkrete Fragen Antworten suche, oft muss ich sie tatsächlich erst suchen, bin ich doch alles anderes als „Mr. Allwissend“, lerne ich selbst in der Regel eine ganze Menge dabei.
Noch aber steht das Projekt, dessen „Basislager“ im Netz dieses Blog herrlarbig.de ist, ganz am Anfang. Als „Basislager“ wird es im Blog auch (weiterhin) längere Beiträge zu Themen rund um Sprache und Literatur geben, die auf Twitter dann natürlich als Links auftauchen. Ich weiß, dass solche Beiträge durchaus gelesen werden, denn die meist gelesenen Beiträge hier sind Beiträge, in denen literarische Werke im Zentrum stehen.
Ich bin neugierig, wie sich dieses Projekt „Deutschstunde“ auf Twitter entwickeln wird. Dabei werde ich in diesem Rahmen die klassische Twitterfrage „What are you doing“ (Was machst du gerade) nicht beantworten, sondern mich tatsächlich alleine auf die Inhalte konzentrieren. Dabei kann sich der Charakter dieser Twitter-Timeline „Deutschstunde“ aus dem Hause herrlarbig.de im Laufe der Zeit auch ändern. Dies wird die Zeit dann aber zeigen, das kann ich heute nicht voraussehen.
Vernetzter Diskurs – Ein Beitrag zur „Schulmeister-Debatte“
„Blogs sind in der Breite, in der sie genutzt werden, eine interessante Innovation – aber sie sind in der Regel nicht besonders nachhaltig. Sie reproduzieren etwas, was man sowieso in der Massenkommunikation vorfindet – eine eher monologische Form des Ausdrucks. So entsteht in den Blogs meist kein ‚Thread‘, es erfolgt dort in der Regel keine Erarbeitung und Weiterentwicklung von Themen und Inhalten. Die persönliche Äußerung steht stark im Vordergrund statt des Aufbaus eines konsistenten und verzweigten Diskussionsfadens. Blogs sind sehr egomane Veranstaltungen, Ich-AG’s – auf die Beiträge von ande- ren wird nicht besonders geachtet.“ (Leggewie 2006)1
Dieses Zitat steht dem Beitrag Rolf Schulmeisters „Ansichten zur Kommentarkultur in Weblogs“ voraus, der unter Beteiligung von Roland Leikauf und Mathias Bliemeister entstanden ist und zur Zeit heftig in unterschiedlichsten Blogs diskutiert wird. Zur Orientiert hier zunächst eine Übersicht, soweit ich sie überhaupt noch behalten kann (Ergänzungen bitte in den Kommentaren)
- Michael Kerres: http://blog.kerres.name/2010/02/kommentar-zu-rolf-schulmeisters.htm
- Joachim Wedekind: http://konzeptblog.joachim-wedekind.de/?p=415
- Jochen Robes: http://www.weiterbildungsblog.de/2010/02/12/ansichten-zur-kommentarkultur-in-weblogs
- Gabi Reinmann: http://gabi-reinmann.de/?p=1751
- Christian Spannagel: http://cspannagel.wordpress.com/2010/02/13/schulmeisters-ansichten/
- Sandra Hofhues: http://sandrainthesky.wordpress.com/2010/02/13/kontroverse-ansichten/
- Jean-Pol Martin: http://jeanpol.wordpress.com/2010/02/13/zum-schulmeister-artikel/
- Karsten Ehms: http://www.ehms.net/?story=3597
- Lutz Berger: http://www.lutzlandblog.de/2010/02/schulmeister-fleiskartchen-und-edublogger/
- Alexander Florian: http://alexander-florian.de/?p=785
- Frank Vohle: http://frank-vohle.de/node/216
- mons7: http://lernspielwiese.wordpress.com/2010/02/14/ganz-unwissenschaftliche-anmerkungen-zu-schulmeisters-ansichten/
- Etherpad-Diskussion
- Außerdem die Debatte unter dem Hashtag #schulmeister auf Twitter
Gerade die Etherpad-Diskussion ist hier zu empfehlen, weil dort gerade versucht wird, eine kolaborative Rezension des Artikels Schulmeisters zu verfassen, mit der ich hier natürlich nicht in Konkurrenz treten will.
Mein Ausgangspunkt sind zwei Sätze aus dem oben angeführten Leggewie-Zitat:
„Blogs sind in der Breite, in der sie genutzt werden, eine interessante Innovation – aber sie sind in der Regel nicht besonders nachhaltig. Sie reproduzieren etwas, was man sowieso in der Massenkommunikation vorfindet – eine eher monologische Form des Ausdrucks.“ (ebd.)
Ich habe geschluckt, als ich das las. Denn einerseits hat Leggewie recht, so mein erster Gedanke, da Blogs nicht gedruckt vorliegen. Andererseits war ich überrascht, dass Blogs als pure Instrumente der Reproduktion dessen gesehen werden, „was man sowieso in der Massenkommunikation vorfindet”. Hier werden Blogs recht skeptisch betrachtet, wenn es um den Prozess der Generierung von Wissen geht. Doch unter diesen Voraussetzungen ist es kaum verwunderlich, dass Schulmeister am Abschluss seines Beitrages ein Zitat integriert, das er bereits 2000 formulierte:
„Der Hypothese, die massenhaftes Wachstum gleich Qualitätssprung setzt, lässt sich nun gleich Mehreres entgegenhalten: Das Internet führt zu gravierendem Wissensverlust, denn Information ist nicht gleich Wissen und die Informationsflut steigert das Nicht-Wissen bzw. die Ohnmacht, das wirklich relevante Wissen zu selektieren.“ (Schulmeister 2000)2
Für die Erfahrungen der Mehrzahl der Blogger wird diese Beobachtung durchaus anwendbar sein. Doch der Schluss, dass Blogs per se nicht für den Prozess der Generierung von Wissen geeignet seien, scheint doch ein wenig zu kurz gegriffen zu sein, gibt es doch andere Erfahrungen von Menschen, die sowohl die vordigitalen Zeiten als auch die Entwicklung des Internets mitgemacht haben – unter anderem auch von mir.
Aus empirischen Daten, die zudem noch auf einen relativ kleinen Datenbestand zurückgreifen, zu dem Schluss zu gelangen, dass das Internet per se zu einem Wissensverlust führe, erscheint mir weder auf der Basis der Daten noch aus den Befunden der Darstellung Schulmeisters nachvollziehbar. Auch wenn qualitative Formen der Sozialforschung mit kleineren Stichproben auskommen als es bei quantitativer Sozialforschung der Fall ist: Daten leben immer von den Fragen, die an sie gestellt werden. Und solche Fragen zeigen sich dann in den Antworten bzw. in Formulierungen, die gefunden werden.
Dazu ein Beispiel aus dem Aufsatz Schulmeisters:
Zu Gabi Reimanns Blog schreibt er: „Es fällt auf, dass über die Hälfte der Kommentare von Personen stammt, die dreimal oder öfter kommentieren (mittlere Länge 108 Wörter)“
Im Falle Christian Spannagels liest sich das dann so: „Erstens zieht Spannagel eine kleine Anhängerschar von Kommentatoren an, die über 60% aller Kommentare abgeben: 15 der insgesamt 69 Personen (22%) geben 5 oder mehr Kommentare ab, davon 4 Personen mehr als 10 und einer allein 33. Und zweitens präsentiert er Themen, die sehr viele Kommentare bekommen.” ((Schulmeister (2010), S. 17.)
Würde ich mir das Netzwerk eines analog arbeitenden Wissenschaftlers anschauen, so würde mir auffallen, dass die meisten Reaktionen auf die Arbeiten von meist den gleichen Personen kommen. Wie man dann aber Mitglieder eines Netzwerkes online fast schon diskreditierend als „kleine Anhängerschar“ bezeichnen kann, ist kaum nachzuvollziehen. Ebenso wenig treibt es den Erkenntnisgewinn voran, wenn gesagt wird, dass jemand Themen präsentiere, die sehr viele Kommentare bekommen. Dies liest sich fast wie ein Populismusvorwurf. Doch könnte man den Befund auch so deuten, dass hier jemand mit besonderer Wahrnehmungsgabe die „heißen“ Themen aufgreift.
Entsprechend solcher Urteile über Blogs und der mit ihnen verbundenen Kommentarkultur, kann leicht der Eindruck entstehen, dass hier eher Vorurteile reproduziert wurden. Das Zitat aus 2000, mit dem die Studie „Ansichten zur Kommentarkultur in Weblogs“ abgeschlossen wird, lässt zumindest den Eindruck entstehen, dass es hier in den vergangenen 10 Jahren keine Weiterentwicklungen gegeben hätte. Doch die Kommunikationsprozesse haben sich im Rahmen des „Web 2.0“ verändert. Und so müsste die Frage aus meiner Sicht lauten, unter welchen Voraussetzungen Blogs, Kommentare in Blogs und die Vernetzung von Bloggern in sozialen Netzwerken und im realen Leben für den Prozess der Generierung von Wissen bedeutsam sein können.
Hierzu an dieser Stelle ein paar Hypothesen, deren Überprüfung sicherlich eine spannende Aufgabe darstellen könnte:
- Digitale Netzwerke dienen im Rahmen wissenschaftlicher Tätigkeit nicht primär der nachhaltigen Präsentation von Wissensbeständen. Sie zielen nicht auf abschließende Darstellungen von Forschungsergebnisse. Sie sind eher Instrumente öffentlicher Denkprozesse (vgl. z. B. das Blog des Eichstätters Prof. em. Dr. Jean-Pol Martin), die ein bestehendes Netzwerk nutzen, um den Denkprozess selbst bereits in einen Evaluationsprozess einzuspeisen. Und zumindest bei Jean-Pol Martin lässt sich beobachten, wie Kommentare und auch Blogbeiträge, die sich auf seine Beiträge beziehen, sehr unmittelbar in den Denkprozess einfließen, diesen sogar verändern können, wenn sie dem Wissenschaftler Martin nachvollziehbar sind.
- Digitale Netzwerke machen Material verfügbar, dass der Forschung sonst nicht verfügbar wäre. So könnte gerade die Bildungsforschung im schulischem Bereich von den praxisnahen Beiträgen sehr viel profitieren, würden die an ihr Beteiligten stärker den Dialog mit denen suchen, die unmittelbar Praxis reflektieren oder darstellen. (vgl. z. B. die Lehrerblogs von Thomas Rau und Maik Rieken) Hier wird vielleicht per se kein neues Wissen im wissenschaftlichen Sinne produziert, es findet aber auch kaum Reproduktionen dessen statt, was man sowieso in der Massenkommunikation vorfindet.
- Die Reflexionsprozesse in Bildungsblogs erheben, so sie von Lehrern und Lehrerinnen stammen, nicht den Anspruch wissenschaftlich unangreifbare Reflexionen zu sein. Sie sind Zeugnis der umgesetzten Forderung, dass Lehrer reflektierende Praktiker sein sollen / müssen. Viele Lehrerblogs geben Zeugnis dieses Reflexionsprozesses, ohne dass die Reflexion der an Schulen Lehrenden von an Hochschulen Lehrenden in angemessenem Maße ernst genommen würden. Es entsteht manchmal der Eindruck, dass an Hochschulen zur Bildung Forschende meinen, die Bildungserfahrungen an der Hochschule ergäben ein adäquates Bild von Bildung und Lernen in jedem Zusammenhang.
- Zur Unterrichtsforschung, die meiner Wahrnehmung nach in Deutschland immer noch ein stiefmütterliches Dasein fristet, gehört auch Lehrerforschung. Die Lehrenden, die Blogs schreiben, liefern hierzu erste Zugangsmöglichkeiten, die zwar weder hin- noch ausreichend sind, aber als Ansatzpunkte einer solchen Forschung dienen könnten.
- Lernprozesse können von vernetzten Strukturen in „Communities“ begleitet werden. Es handelt sich hier um eine Form der nicht formalisierten, aber kontinuierlichen Fortbildung, die hochgradig dialogisch ist. Blogs sind, wenn ihre Autoren vernetzt sind und diese Vernetzung gezielt und eben nicht beliebig betreiben, eben keine „eher monologische Form des Ausdrucks“, wie Leggewie schreibt, sondern enthalten Beiträge, die aus einem Dialog heraus entstanden sind. Dieser Dialog findet auf mehreren Ebenen statt: Blogs werden abonniert (RSS-Feeds – die übrigens mehr über gegenseitige Rezeption aussagen als Blogrolls), es werden Kommentare geschrieben und gelesen, Beiträge sind oft Antworten auf Beiträge anderer oder zumindest Zeugnis von Denkprozessen, die durch solche Beiträge angeregt wurden. Darüber hinaus findet ein auf Kontinuität hin angelegter Austausch via Twitter, Facebook, Skype und auch (man will es kaum glauben) im Rahmen „echter“ Begegnungen in „real life“ statt. Diese Vernetzung erreicht dabei so komplexe Formen, dass sie alleine aus den Blogs und deren Blogrolls nicht angemessen darstellbar sind. (Dem Beitrag Schulmeisters scheinen solche komplexe Formen der Vernetzung nicht zugänglich gewesen zu sein. Es entsteht sogar der Eindruck, dass Schulmeister zwar andere Blogs in den Fokus nimmt, dabei aber auf keine eigenen Erfahrungen dieser Form der Vernetzung zurückgreift. Daraus wäre kein Vorwurf zu machen, da Forschung nicht immer mit eigenen Erfahrungen im Bereich des Erforschten einhergehen muss, würde nicht der Eindruck entstehen, dass Schulmeister letztlich vor allem eine medienkritischen Position reproduzieren würde, die man eh schon in den Massenmedien kennt – und das ganz ohne zu bloggen.)
- Um über Edu-Blogs zu forschen, ist es sicherlich keine gute Wahl, wenn vor allem über Blogs geforscht wird, die sich mit E-Learning beschäftigen, wie es in Schulmeisters oben zitierter und verlinkter Studie geschieht. In diesen Blogs geht es meist um bestimmte Lerntechnologien, die weit von dem entfernt sind, was vernetztes Lernen und Arbeiten via Blog und in Web 2.0 Netzwerken ausmacht. Wenn die Frage nach der Kommentarkultur in Blogs gestellt wird, dann ist die Frage nach der Kommunikation vernetzt arbeitender Personen über diese Kommentare hinaus in den Blick zu nehmen, da diese in der Regel wesentlich komplexer ist, als es in Blog-Kommentaren erkennbar wird. Dabei zeigt sich die Nachhaltigkeit gerade dort, wo Kommentatoren regelmäßig in Blogs kommentieren. Das hat nichts mit „Anhängerschaft“ zu tun, sondern ist Zeugnis der Anregungspotentiale solcher Blogs.
Soweit diese Thesen, die teilweise auch kritisch kommentierend zu Schulmeisters Beitrag geraten sind. Sie erheben keinen wissenschaftlich fundierten, sondern alleine einen erfahrungsfundierten Anspruch. Dennoch glaube ich, dass sie zur Reflexion der Genese von Geltungsansprüchen beitragen können. Dabei nehme ich für mich Anspruch, dass ich bislang länger in unversitären Kontexten als in schulischen Zusammenhängen mein Brot verdient habe und beide Seiten aus eigener Anschauung, die natürlich keinerlei theoretischen Anspruch erheben mag, angemessen kenne. Gleiches gilt für meine Positionierung gegenüber Blogs. Mein erkenntnisleitendes Interesse, das mich überhaupt erst zum Blogger gemacht hat, war die Frage, ob Blogs als „Basisstation“ vernetzter und zielgerichteter Denkprozesse funktionieren können. Alleine in diesem Prozess habe ich enorm viel gelernt, sowohl fachlich als auch über Kommunikationsprozesse in den vernetzten Strukturen des Web 2.0. Unter anderem lernte ich, dass Vernetzung, die effektiv und interessegleitet ist, die also versucht an der „Erarbeitung und Weiterentwicklung von Themen und Inhalten“ (Leggewie, a.a.O.) Anteil zu haben, mit zu arbeiten und nicht monologisch zu sein, erarbeitet werden muss. Kommentare bekommen Blogger nicht geschenkt. Wenn ein Blog als irrelevant wahrgenommen wird, schweigen die Kommentatoren.
Darüber hinaus lebt diese Vernetzung auch vom Dissens. Gerade an diesen Reibungsflächen entstehen Denkprozesse, die, ich spreche nach wie vor aus der Position eines reflektierenden Praktikers, Positionen verändern oder auch verfestigen können.
Rolf Schulmeister hat Dissens erzeugt, hat Denkprozesse angeregt (ganz ohne Blog, aber somit möglicherweise, ohne diese in ihrer Bandbreite dialogisch rezipieren zu können) und eine Flut von „Peer-Reviews“ ausgelöst, die er in so kurzer Zeit und in dieser Fülle außerhalb vernetzter Strukturen nicht bekommen hätte. Sein Beitrag liegt in gedruckter Form vor. Eine Integration und Berücksichtigung des von ihm ausgelösten Diskussionsprozesses ist im Kontext des Beitrages also nicht möglich. Wenn dies mit „Nachhaltigkeit“ einer wissenschaftlichen Arbeit gemeint sein sollte, wird an dieser Stelle vielleicht deutlich, dass die Diskussion – und hier gleite ich nun völlig in den Bereich der zwar reflektierten, aber dennoch persönlichen Meinung ab – im Prinzip noch wesentlich umfassendere Faktoren in den Fokus nimmt, als auf den ersten Blick erkennbar ist.
Die Diskussion um Schulmeisters Artikels, die seit Tagen über Twitter und in diversen Blogs geführt wird, ist auch eine Diskussion um Definitionsmacht. Das Web 2.0 wird oft als ein demokratisierendes Medium beschrieben, mit allen Licht- und Schattenseiten, die es mit sich bringt, wenn sich plötzlich Personen außerhalb der gewöhnten Zirkel zu Themen äußern, die sonst nur in den (meist durch formale Zugangsbeschränkungen geregelten) akademischen Kreisen stattfinden.
In Fragen der Bildungsforschung entsteht oft der Eindruck, dass es eine Kluft zwischen der akademischen Forschung, die selbst in Lehr-Lernzusammenhängen stattfindet, und der Reflexion auf Bildungsprozesse in schulischen Kontexten gibt. Oft entsteht (bei mir) der Eindruck, dass die Reflexionen auf Lernen und Lehre, wie sie im universitären Bereich stattfindet, vor allem die eigenen Erfahrungen in der universitären Lehre in den Blick nehmen, dann aber überrascht sind, dass Lehrende in schulischen Lehr-Lern-Zusammenhängen diese Reflexionen nicht mit ihren eigenen Erfahrungen und deren Reflexion zusammenbringen können.
Auffällig ist in der Diskussion um Schulmeisters Beitrag, dass sich auch einige der „Beforschten“ zu Wort gemeldet haben, darüber hinaus aber auch „neutrale“ Beobachter der Diskussion zu Refelexionsprozessen angeregt wurden. Und damit liegt mit diesem Diskussionsprozess meines Erachtens eine ideales Beispiel vor, welche Funktion Blogs im Prozess der Generierung von Erkenntnissen einnehmen können. Sie sind Teil von Denkprozessen, die kontinuierlich ablaufen und der Illusion entgegen wirken, dass einmal veröffentlichte Forschungsergebnisse in dem Sinne nachhaltig sind, dass sie monologisch in gedruckter Form erscheinen. Und um Schulmeisters Zitat noch einmal aufzugreifen, hier mein Versuch einer (überspitzt ironischen) Antwort:
Gedruckte Forschungsergebnisse sind in der Breite, in der sie genutzt werden, eine interessante Innovation – aber sie sind in der Regel nicht besonders nachhaltig. Sie behaupten eine Sicherheit von Wissen, die den mit Wissen verbunden ständigen Reflexionsprozess nicht angemessen widerzuspiegeln vermögen und sind somit eine hochgradig monologische Form des Ausdrucks.
Und zu Claus Leggewie (wohl wissend, dass aus dem Zusammenhang gerissene Zitate immer mit Vorsicht zu genießen sind) – ebenso ironisch und natürlich massiv übertreibend:
„Wissenschaftliche Beiträge, die in wenig gelesenen Büchern erscheinen, sind in der Begrenztheit, in der sie genutzt werden, eine interessante Innovation – aber sie sind in der Regel nicht besonders nachhaltig. Sie produzieren etwas, was nur in seltenen Fällen zu nachhaltigen Diskussions- und Reflexionsprozessen über kleine Zirkel von Insidern im akademischen Bereich hinaus führt – eine eher monologische Form des Ausdrucks. Gedruckte wissenschaftliche Beiträge machen es schwierig dem „Thread”, in dessen Zusammenhang sie möglicherweise stehen, zu folgen. In den Beiträgen selbst ist die Erarbeitung und Weiterentwicklung von Themen und Inhalten meist nur sehr indirekt und über aufwändige Bibiliotheks- und Zeitschriftenrecherchen nachzuverfolgen. Die persönliche Äußerung steht stark im Vordergrund, auch wenn über die Einarbeitung von Forschungsliteratur ein konsistenter und verzweigter Diskussionsfaden dargestellt wird, der jedoch frühestens in einer Neuauflage aktualisiert werden kann und zudem die meisten der Rezipienten aus dem Diskussionprozess ausschließt. Klassische (Bildungs- und Sozial)Forschung ist eine sehr egomane Veranstaltungen, es entstehen akademische „Geheimgesellschaften”, die auf Beiträge außerhalb ihrer geschlossenene Zirkel nicht besonders achten.
Wie austauschbar doch die Begrifflichkeiten sind; wie einfach es ist, die Kritik umzudrehen. Ich will hier nicht zynisch sein, ich will zum Nachdenken anregen, ob die wissenschaftliche Erforschung öffentlicher Denkprozesse nicht zunächst mit einer klaren Reflexion dessen einhergehen müsste, was sich hier zur Zeit am verändern ist, statt aus scheinbar eindeutigen, aber letztlich die Strukturen der Vernetzung nicht einholen könnenden, Analysen von Blogkommentaren Rückschlüsse zu ziehen, die den Erfahrungen der in vernetzten Strukturen arbeitenden Personen zumindest in weiten Teilen zuwider laufen.
Und außerdem (mit Dank an Michael Wald):
http://www.youtube.com/watch?v=3uMmQL04jV0&feature=player_embedded
Nachtrag, 16.02.2010: Rolf Schulmeister hat mit Bezug auf die Diskussion um seinen Aufsatz und mit Bezug auf die 1. Etherpaddiskussion (die 2. läuft wohl wesentlich sachorientierter), eine Replik verfasst, die hier als PDF vorliegt, die zu lesen ich sehr empfehle.
- Leggewie, Claus (2006). Politische Beteiligung, bürgerschaftliches Engagement und das Internet. In- terview der Stiftung digitale Chancen, 21.07.06 [↩]
- Schulmeister, Rolf (2000). Zukunftsperspektiven multimedialen Lernens. In: K.-H. Bichler/W. Matt- auch. Multimediales Lernen in der medizinischen Ausbildung. Springer: Heidelberg. [↩]


