Vom Diktieren. Oder: Wie geht das mit dem Schreiben weiter?

Dieser Text ist nicht „geschrieben“ worden.

Diesen Text habe ich meinem Smartphone – beim Spazierengehen – diktiert. Nunmehr aber liegt dieser Text als Text vor.

Wenn man sich diesen Text ganz genau anschaut, jeden Satz genau analysiert, dann entdecken gewiefte Linguisten möglicherweise Merkmale, die erkennen lassen, dass dieser Text einen etwas stärkeren mündlichen Touch als andere Texte von mir hat.

Aber ganz ehrlich: Wenn ich es nicht am Anfang gesagt hätte, wäre es dann irgend jemandem aufgefallen, dass ich diesen Text nicht getippt und auch nicht zunächst mit der Hand geschrieben und dann getippt habe? Hätte es irgend jemand bemerkt, dass dieser Text direkt diktiert wurde?

Kulturpessimisten müssen nun keine Angst haben, dass ich an dieser Stelle das Ende des geschriebenen Textes als Produkt eines gezielten Schreibprozesses per Hand oder per Tastatur verkünden würde.1

Natürlich muss man bislang einen solchen Text zumindest in Bezug auf Kleinigkeiten manuell nachbearbeiten. Darüber hinaus muss man alle Satzzeichen diktieren, was eine angemessene Kenntnis in der Kommasetzung nach wie vor nicht obsolet werden lässt.

Also, liebe Kulturpessimisten: Der Untergang des Abendlandes bleibt trotz zunehmender Technologie in ehedem analogen Bereichen wieder einmal2 aus.

Allerdings schafft es diese Software tatsächlich schon, „dass“ auch an solchen Stellen zu schreiben, an denen man vergisst, ein Komma zu setzen. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Algorithmen in einer solchen Software3 irgendwann so ausgefeilt sind, dass Kommata eigenständig gesetzt werden können. Ich habe keine Ahnung, wie lange das noch dauern wird oder ob es überhaupt möglich ist. Ausschließen kann ich diese Möglichkeit allerdings auch nicht.

Bereits heute finde ich es bemerkenswert, dass die Möglichkeit diktierter Texte im Rahmen der Sprach- und Schreibdidaktik meiner Wahrnehmung nach bislang Überhaupt keine Rolle spielt. Von klassischen Diktaten natürlich abgesehen, aber das ist ein anderes Thema.

(Nach wie vor bin ich dabei, diesen Text zu diktieren.)

Möglicherweise wird das Diktieren in der Schule auch für lange Zeit nicht als ein Problem beschrieben werden, da es durchaus keine Trivialität ist, einen Text diktierend zu strukturieren. Das fällt mir immer dann auf, wenn ich erlebe, wie Menschen versuchen, frei zu sprechen!

Und dennoch scheint es nicht ganz abwegig zu sein, damit zu rechnen, dass Diktat-Software in den nächsten Jahren so gut werden könnte, dass man sich bei manchem Text tatsächlich die Frage stellen muss, ob er nun getippt oder diktiert wurde.– Aber was macht das eigentlich für einen Unterschied?

Natürlich: Es ist eine immense Kulturleistung, wenn man per Hand oder per Tastatur in der Lage ist, einen Text zu verfassen. Es ist eine ebenso große Kulturleistung, einen Text inklusive des roten Fadens, der in einem Text vorhanden ist, zu diktieren.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es dennoch Lehrerinnen oder Lehrer geben könnte, die einen diktierten Text im Deutschunterricht als Betrugsversuch werten würden. – Das Argument wäre dann, dass man dem Text nicht mehr ansehen könne, ob ein Schüler oder eine Schülerin Inhalte eigenständig produziert habe und darüber hinaus die Rechtschreibung beherrsche oder nicht. Dieses Argument wäre zutreffend. Beziehungsweise auch nicht: Beim gegenwärtigen Stand der Technik kann jemand einen Text nur dann diktieren, wenn diese(r) Jemand Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung beherrscht. Beherrscht er oder sie diese nicht, merkt man das auch einem diktierten Text deutlich an!

Aber manchmal lohnt es sich, ein wenig voraus zu denken und Entwicklungen zu antizipieren.

Was eigentlich passierte, wenn so etwas wie das Erstellen von Texten per Diktat tatsächlich trivial würde und Texte entsprechend fehlerfrei zur Datei gebracht werden könnten, weil die Software dahinter so gut geworden ist, dass sie dies ermöglicht. – Wird sich dann die Diskussion um Textkompetenz verändern? Wird man vor dem Hintergrund des Kompetenzbegriffs dann möglicherweise die Fähigkeit, eigenständig richtig schreiben zu können, vernachlässigen, weil die Kompetenz auch erreicht ist, wenn man eine Diktatsoftware bedienen kann?

Ich habe darauf zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Antworten.

Ich erlaube mir aber an dieser Stelle mit diesem diktierten Text drauf aufmerksam zu machen, dass eine solche Diskussion in möglicherweise gar nicht allzu langer Zeit anstehen dürfte.

Wir haben die Möglichkeit, diese Situation bereits jetzt in den Blick zu nehmen und im Vorfeld zu reflektieren. – Wir können aber auch abwarten, bis die Situation tatsächlich eintreten wird, und dann auf das Lamento warten, das garantiert einsetzen wird, sobald Lehrerinnen und Lehrer entdecken, dass die Technik den Schülerinnen und Schülern einmal mehr eine Hilfestellung bietet, die Lehrerinnen und Lehrer auf den ersten Blick möglicherweise gar nicht so positiv finden, wie Schülerinnen und Schüler das tun werden.

P.S.: Die letzte Bearbeitung und somit das Korrekturlesen fand auf dem Laptop statt. Dabei wurden Kleinigkeiten per Hand korrigiert, ergänzt, verfeinert. Wirklich viele Änderungen aber waren es nicht.
  1. Noch nicht. 😉 []
  2. vorläufig []
  3. Ok, die Frage liegt nahe: Ich benutze die Diktatsoftware des iPhones []

Vom Beruf und dem Privatleben im Lehrerberuf (#EDchatDE)

Ob und wie man als Lehrer Arbeit und Privatleben trennen könne, solle oder vielleicht sogar müsse, wird beim nächsten EDchatDE am 24. Februar 2015 Thema sein. – Voraussetzung für dieses Thema ist, dass dahinter tatsächlich eine Frage steht, die relevant ist. Dies soll hier reflektiert werden.

Lehrer und Lehrerinnen sind in einer besonderen Berufssituation: Selbst wenn sie wollten, könnten Sie ihre Arbeitszeit unter den aktuellen Bedingungen in der Regel nicht in der Schule verbringen; es fehlt dort einfach an echten Arbeitsplätzen. Es gibt sogar Schulen, an denen sich mehrere Lehrer einen Sitzplatz im Lehrerzimmer teilen, weil es nicht genügend Plätze gibt.  Diese Plätze sind dann vielleicht 50 cm breit. Einen Dienstrechnern für jede Lehrkraft gibt es nicht; längst gibt es nicht wenigstens in jedem Lehrerzimmer WLan und die Zahl der verfügbaren Dienstrechner liegt in gar nicht so ungünstigen Situationen bei irgendwas um die 10% der an einer Schule arbeitenden Lehrkräfte, meist aber deutlich darunter.

Es wird vorausgesetzt, dass Lehrkräfte zuhause arbeiten. Sie müssen dort einen Arbeitsplatz haben, der hoffentlich ungestörtes Arbeiten ermöglicht, was gerade bei Lehrkräften mit Kinder in der Regel bedeutet, dass eine solche ungestörte Arbeit erst möglich ist, wenn die Kinder schon schlafen oder noch in der Tagesbetreuung sind, was aber wiederum  nur funktioniert, wenn ein Lehrer keinen Nachmittagsunterricht hat, was an immer mehr Schulen immer seltener wird.

Privatleben und Arbeit von Lehrkräften sind eng miteinander verbunden und beides konkurriert nicht selten miteinander.

Sitzt die Lehrkraft dann endlich am Schreibtisch und kommt zum Arbeiten, dann wird es gerne später, dann schmilzt die für den Schlaf zur Verfügung stehende Zeit schnell zusammen. – Damit aber die Übermüdung in der Woche nicht überhand nimmt, wird das Wochenende eben zusätzlich genutzt. – In den Ferien sind häufig Korrekturen zu erstellen, wird an Projekten der Schulentwicklung intensiver gearbeitet, plant man Unterricht. Und wenn Kinder im Haushalt sind, haben die Kindertageseinrichtungen ihre Schließzeiten auch in den Ferien, sodass die Arbeit dann wieder vermehrt in den Abend oder die frühen Morgenstunden wandert.

Nicht wenige Lehrkräfte wohnen zumindest in Großstädten nicht ganz zufällig eher außerhalb des Einzugsbereichs ihrer Schule, aber doch möglichst so, dass sie den Arbeitsplatz einigermaßen gut erreichen können. Wohnt man aber im Einzugsbereich der Schule, trifft man im Alltag des Öfteren Schülerinnen, Schüler, Eltern; man weiß nie, ob zufällig jemand aus dem Fenster schaut und einen vorbeigehen sieht, wenn man im Stadtteil unterwegs ist. – Damit sind zwar in der Regel keine Probleme verbunden, aber es muss der Lehrkraft klar sein: Sie wird von Schülern oder Eltern nie (nur) als Privatperson wahrgenommen.

Entsprechend schwierig ist es, als Lehrer oder Lehrerin die Arbeit und das Privatleben zu trennen.

Diese Situation wird noch verschärft, wenn persönliche Interessen sowohl privater als auch beruflicher Natur sind. Wenn ein von Literatur begeisterter Mensch auch noch Deutschlehrer ist oder eine Fremdsprache unterrichtet, ist die Auseinandersetzung mit Literatur nie nur persönlicher oder nur dienstlicher Natur. Wenn ein Sportlehrer seine Disziplinen trainiert, hat das nicht automatisch einen rein privaten Charakter. Überhaupt bietet der Lehrberuf an vielen Stellen Anknüpfungspunkte mit Hobbys und Interessen, sodass Beruf und Freizeit oft kaum scharf zu trennen sind.

Will man einen Beruf, in dem Arbeits- und Freizeit durch klare Vorgaben voneinander getrennt sind, dann ist der Lehrberuf sicher ein völlig ungeeigneter Beruf. Und selbst die anscheinend üppigen Ferien täuschen, denn Lehrkräfte haben genauso eine vorgegebene Zahl an Tagen Erholungsurlaub, wie jeder Arbeitnehmer. Dieser Erholungsurlaub ist in den Ferien zu nehmen. Gut, man muss ihn nicht beantragen, wenn er in den Ferien liegt und man kann in den Ferien auch an anderen Orten arbeiten. Um aber auf die zustehende Tage Erholungsurlaub zu kommen, bedarf es bei mancher Lehrkraft durchaus ein gehörig Maß an Selbstdisziplin, konträr zu allen Vorstellungen von Lehrkräften, denen man soviel freie Zeit unterstellt, weil deren Arbeit in der Regel nur in geringen Teilen sichtbar ist.

Die Trennung von Beruf und Privatleben ist im Lehrberuf also schwierig, vielleicht gar nicht möglich. Entsprechend gilt es, dieses Leben so zu gestalten, dass genügend Erholungsphasen eingehalten werden, um den Beruf langfristig angemessen ausüben zu können. Das bedeutet aber nicht, dass man kein Privatleben habe. Dieses muss man gegebenenfalls einfordern. So passiert es schon einmal, dass man in der Stadt Schüler trifft, die etwas mit schulischem Bezug fragen. Gegebenenfalls muss man kurz darauf hinweisen, dass man gerade nicht ansprechbar ist, was normalerweise sofort akzeptiert wird, oder eben die Frage knapp beantworten.

Diese vielleicht gar nicht mögliche Trennung von Beruf und Privatleben mag für viele zunächst erschreckend klingen. Mit ihr verbunden ist aber auch, dass man idealerweise das Privileg hat, einen Beruf auszuüben, der an vielen Stellen mit Interessen des nichtschulischen Lebens verknüpft ist. Einen Beruf auszuüben, in dem meine Interessen und berufliche Erfordernisse eng miteinander verbunden sind, erlebe ich tatsächlich eher bereichernd als belastend.

Voraussetzung für eine solche positive Grundeinstellung ist aber dennoch, dass man sich eine professionelle Nähe und Distanz zu den Schülerinnen, Schülern und deren Eltern bewahrt. Zudem gilt es, den Alltag so zu gestalten, dass man entsprechende Vorsorge gegen die in diesem Beruf durchaus lauernde Burn-Out-Gefahr betreibt.

Was kann man tun, um in einem Beruf, der eben nicht nur fachliche Qualifikationen fordert, fit zu bleiben. Wie kann mit dem Stress umgegangen werden, der mit schwierigen Schülern und Eltern und Kollegen verbunden ist? Wie kann man mit administrativen Pflichten umgehen, wie Inklusion leisten, den Stoff in seiner Fülle unterbringen, wie die in manchen Phasen des Schuljahres überbordenden Korrekturen bewältigen?

Neben hohe fachliche Kompetenz muss hohe pädagogische Kompetenz treten, um professionell nicht nur mit besonders fordernden pädagogischen Situationen umgehen zu können. Aus dieser Kompetenz erwächst das nötige Selbstvertrauen, die konkreten Begegnungen auf allen Ebenen professionell zu gestalten. Übertriebene Identifizierung, die zu starkem emotionalen Mitleiden führt, ist dabei eher ein Zeichen dafür, dass der Prozess der Professionalisierung noch nicht abgeschlossen ist. Humor ist sicher nicht die schlechteste Strategie, angemessene Diatanz zu wahren.

Darüber hinaus muss man seine Energiereserven kennen und so mit ihnen umgehen, dass diese immer wieder erneuert werden. Dabei können Bewegung und Praktiken der Meditation helfen. Aber nicht nur auf Bewegung kommt es an, sondern auch auf Genussfähigkeit, die z. B. ermöglicht, als Deutschlehrer ein Theaterstück nicht in den Blick unterrichtlicher Verwertbarkeit zu nehmen, sondern als solches „einfach“ zu genießen.

Professionalität bedeutet beim Lehrer nicht nur, professionell den Arbeitsalltag zu gestalten. Die professionelle Gestaltung der kaum einmal sich auflösenden Verbindung von Beruf und Privatleben ist ebenso Teil dieser Professionalität. Das Ziel muss der Erhalt der Freude an der Arbeit und entsprechend die Reduktion von Burn-Out-Risiken sein, soweit es in der jeweils eigenen Macht steht.

Ein Dokument zu den besonderen Belastungen im Lehrberuf und deren Bearbeitung aus medizinische Sicht gibt es als Download auf der Website der Schulberatung Bayern, das ich hier gerne verlinke (PDF).

11 Tipps für Lehrer, wie digitale Geräte das Arbeiten erleichtern können

Fast alle Lehrerinnen und Lehrer arbeiten heute mit dem Computer. Dennoch scheint die Arbeitsbelastung oft nicht ab-, sondern sogar zuzunehmen. So zumindest mein Eindruck aus Gesprächen mit Lehrerinnen und Lehrern.

Ich selbst erlebe das digitale Arbeiten als eine große Erleichterung.

Deshalb hier nun eine Sammlung von Tipps, die sich in meiner Praxis bewährt haben und die vielleicht dazu beitragen, dass ein paar Leute mehr digitales Arbeiten als Erleichterung empfinden.

Die Tipps sind subjektiv und garantiert unvollständig. Gerne darfst du sie in den Kommentaren um deine Tipps bereichern. – Ich bin sehr neugierig, was andere als wichtig für ihre eigenen (gelungenen) Arbeitsabläufe (Workflow) sehen.

Hier meine Tipps:

  1. Digitale Geräte helfen dann beim Arbeiten, wenn man sie beherrscht. Ein Tischler muss einen Hobel gekonnt benutzen können. Wer digital arbeitet, muss die Technik so beherrschen, dass nicht jedes Mal aufs Neue überlegt werden muss, auf welcher Taste des Computers welcher Befehl liegt.
  2. Mit zehn Fingern schnell, fehlerarm und möglichst blind schreiben zu können, ist weit weniger verbreitet, als es sein sollte, selbst unter Leuten, die täglich mit der Tastatur zu tun haben. An dieser Stelle steckt viel verschwendete Zeit, da mangelndes Können zum Zeitfresser wird.
  3. Wenn Protokolle z. B. von Konferenzen geschrieben werden, dann werden die direkt am Computer (Laptop oder Tablet) getippt, anschließend noch einmal überarbeitet und noch am gleichen Tag verschickt. Wer heute noch per Hand Protokoll schreibt, es dann abtippt und über eine zu hohe Arbeitslast klagt, sollte sich nicht wundern, wenn das mit der hohen Arbeitslast möglicherweise vom Gegenüber nicht so ganz ernst genommen werden kann 😉
  4. Auf dienstliche EMails sollte man möglichst sofort reagieren, wenn eine Reaktion nötig ist. Die meisten Reaktionen dauern nicht mehr als zwei Minuten, sodass hier sowieso die Zweiminutenregel greift.
  5. Den täglichen Weg zur Arbeit kann man im Auto ebenso verschwenden wie im ÖPNV. In Bus und Bahn aber kann man die Zeit z. B. für die Bearbeitung von EMails nutzen oder auf dem Heimweg schon die Grundstrukturen der nächsten zu planenden Unterrichtsstunden notieren. Der Mehrwert von Tablets wird spätestens an dieser Stelle massiv greifbar.
  6. Alternativ zur Nutzung des Weges zur und von der Schule nach Hause kann man diesen Weg auch – wenn man die Möglichkeit dazu hat – verkürzen, wenn man sich an eine wohnortnahe Schule versetzen lässt oder in die Nähe der Schule zieht.
  7. Lehrer neigen nach wie vor dazu, Unterrichtsmaterial nach Unterrichtseinheiten zu sortieren. Effizienter ist es, digitales Material zu verschlagworten und Unterrichtseinheiten dann mithilfe intelligenter und passgenauer Suchroutinen zu erstellen, sodass Material, das für mehr als eine Unterrichtseinheit und vielleicht auch in mehreren Altersstufen genutzt werden kann, dennoch nur einmal im Archiv abgelegt werden muss. Zudem kann man so auch neue Unterrichtsreihen auf der Grundlage verfügbaren Materials erstellen.
  8. Den Wert von Vernetzung in sozialen Netzwerken erkennt man häufig erst dann, wenn man nicht nur einen Account hat, sondern wirklich aktiv Vernetzungsarbeit betreibt. Inhalte geben ist mit die beste Strategie, um von anderen Hinweise auf Inhalte zu bekommen.
  9. Kollaboration bedeutet nicht, dass man sich Word-Dokumente hin und her schickt und dann irgendwann Version 876 hat. Kollaboration bedeutet, an einem Dokument zu arbeiten, das in der Cloud liegt, insofern der Datenschutz das zulässt. Für z. B. das gemeinsame Erstellen von Förderplänen ist die Cloud nicht geeignet; für das Erstellen von Unterrichtsentwürfen hingegen sehr wohl. Noch muss man fast jedes Mal, wenn man Kollegen Kollaboration mittels Google Docs oder Etherpad vorschlägt, erst einmal erklären, was das ist. – Wenn du aber doch einmal Dokumente verschicken musst, dann verschicken Sie als PDF und nicht als Word Dokument. Denke immer daran: Nicht jeder Nutzer eines Computers kann oder will Word Dokumente problemlos öffnen und lesen.
  10. Teile dein Wissen bzw. von dir erstellte Materialien etc. großzügig. Das heißt an dieser Stelle: Teile hier als Kommentar oder durch einen Artikel in deinem eigenen Blog deine Tipps für das effiziente Arbeiten mit digitalen Werkzeugen. Einen Blogartikel könntest du dann in einem Kommentar oder per Backlink einfach vernetzen.
  11. Nutze, wann immer es möglich ist, Diktierfunktionen. Wir können viel schneller sprechen, als wir tippen können. Deshalb lohnen sich diese mittlerweile zum Teil sehr zuverlässigen Diktierfunktionen in vielen Fällen. Dabei sollte man aber noch einmal besonders auf das Thema Datenschutz achten: Diktiere nie etwas, das im Netz übersetzt wird, wenn das Diktierte persönliche Daten enthält. (Gerade dieser letzte Abschnitt über das Diktieren wurde diktiert und von der das Gesprochene ins Geschriebene übersetzenden Software zuverlässig übertragen.)


Ich hoffe, der eine oder andere Tipp ist für dich hilfreich. Ich freue mich über (konstruktive) Kommentare zu diesem Artikel und bin auf jeden gespannt, der sich via Twitter mit mir aktiv vernetzen mag.

Lehrerblogs sind tot.

Blogs sind schon seit drei Jahren tot. Möglicherweise sind Blogs aber auch erst seit Weihnachten 2013 tot. – Wer daran glauben mag, kann an dieser Stelle aufhören, diesen Artikel zu lesen.

Wer jetzt weiterliest, vertritt möglicherweise die Position, dass das mit dem Schwarz und Weiß bei Formen des Auftretens im Internet ganz so einfach dann doch nicht ist. Nach wie vor gibt es Leute, die Blogs schreiben, die mit ihren Inhalten nicht in geschlossene Biotope sozialer Netzwerke abwandern – und gelesen werden.

Sicher: Das mit dem Bloggen ist harte Arbeit. So etwas hält nicht jeder über einen längeren Zeitraum durch. Manch einer schätzt da die interaktivere Form sozialer Netzwerke, in die eher knappere Beiträge eingebracht werden.

Aber es gibt nach wie vor immer wieder neue Blogs und damit auch neue Blogger.

In den vergangenen Jahren sind pro Jahr ca. 15 bis 20 neue Blogs von Lehrern entstanden, glaubt man der Aufstellung der Lehrerblogs, die seit ein paar Tagen bei der „Zentrale für Unterrichtsmedien“ (ZUM) zu finden ist. Beginnend mit dem Jahre 2000 sind da zur Zeit etwa 170 Blogs verzeichnet, die als Lehrerblogs bezeichnet werden.

Es gibt in Deutschland ca. 800.000 Lehrer und Lehrerinnen an allgemeinbildenden Schulen.

Das Lehrerblog muss man also nicht für tot erklären.

Es hat nie gelebt.

Bei ca. 800.000 Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland ist das sich explizit als Lehrerblog sehende Blog eine marginale Erscheinung, sodass man eigentlich nur dann glauben kann, es sei etwas lebendiges, wenn man sich innerhalb dieser kleinen Gruppe von (mehr oder weniger) aktiven Bloggern bewegt und dabei durchaus ein wenig Nabelschau und Selbstbespiegelung betreibt.

Es ist ein kleiner Haufen von Geeks, die als Lehrer bloggen und das dann auch noch Lehrerblog nennen. – Das mit den „Geeks“ ist gar nicht so despektierlich gemeint, wie es klingen mag, denn der Autor dieser Zeilen gehört ja irgendwie auch zu dieser Gruppe dazu.

Wenn es nie eine Kultur der Lehrerblogs gab, dann hat dies möglicherweise unter anderem mit dieser Geek-Kultur zu tun: Man schmort im eigenen Saft, wählt untereinander das Lehrerblog des Jahres, wobei nur die Stimmen von ausgewiesenen Lehrerbloggern zugelassen werden, als rechne man gar nicht mehr damit, dass es eine Außenwirkung über die Lehrerblogger-Mini-Welt hinaus geben könnte, die sich möglicherweise auch in einer solchen Abstimmung widerspiegeln würde.

Frage ich im Lehrerzimmer, welche Lehrerblogs Lehrerkollegen kennen, bestätigt sich dieser Eindruck übrigens: Es ist eine marginale Bekanntheit, die Lehrerblogs unter Lehrern haben.

Und welche Lehrerblogs werden über Lehrerbloggerkreise hinaus im Internet wahrgenommen? – Es sind Lehrerblogs, die sehr lange aktiv sind oder die irgendwann mal irgendwo in den größeren Tagesmedien auftauchten; und es sind Blogger, die sich aktiv vernetzen, die die engen Grenzen derjenigen, die sich mit Blogs im Hintergrund in sozialen Netzwerken herumtreiben, aufbrechen wollen, um für die Sache Öffentlichkeit zu schaffen.

Das bedeutet ja nicht, dass man das „Geekige“ aufgeben müsste. Ich bin gerne (in gewissem Maße) „Geek“.

Nach nunmehr fast sechs Jahren als Blogger merke ich, dass ich zunehmend von deutschsprachigen Lehrerblogs abwandere und mehr und mehr englische Blogs und Websites rund um Schule und Bildung lese. Ich merke, dass ich neue Formen der Vernetzung pflege, weil ich weiß, dass Form und Inhalt zusammenhängen und ich endlich auch neue Inhalte will.

In den alten Formen (der Blogs) weiß ich zu oft schon bei der Überschrift, was anschließend zu erwarten ist. Selten werde ich da überrascht, angeregt, auf neue Ideen gebracht.

Wenn ich sage, dass Lehrerblogs tot sind, dann schließe ich natürlich mein eigenes mit ein, sehe ich mir an, wie viele Kommentare nicht geschrieben werden. In den meisten Blogs schreibe ich auch kaum noch Kommentare. Warum auch, wenn ein großer Teil der kontinuierlichen Diskussion auf Twitter läuft? Diskussionen erlebe ich in Twitter-Chats.

Also doch in soziale Netzwerke abwandern, was ich oben noch zwischen den Zeilen kritisiert habe?

Mitnichten. Ganz im Gegenteil. Ein Hoch auf den hiermit verkündeten Tod der Lehrerblogs, denn dieser gibt die Freiheit zurück, ein Blogger sein zu dürfen, der Lehrer ist und in seiner „Freizeit“ bloggt, wobei eben auch Themen rund um den Beruf einfließen. Denn in Wirklichkeit lese ich keine Blogs, weil jemand einen spannenden Beruf hat und diesen in einem Blog (ausschließlich) reflektiert. Ich lese Blogs, weil ich auf den von mir gelesenen Blogs für mich spannende Inhalte finde, die in der Regel von für mich spannenden Persönlichkeiten stammen, von denen einige dann auch noch Lehrer oder Lehrerin sind.

Natürlich kann es in einem von einem Lehrer betriebenen Blog auch um den Beruf und um Schule gehen. Deshalb lasse ich im Untertitel dieses Blogs das mit dem „Lehrerblog“ auch zwischen „Bildungs-Neuron“ und „etc.“ stehen. Aber ich habe mich nie auf den Beruf beschränkt und werde das auch in Zukunft nicht tun. Das gilt auch für meine Vernetzung, die nach wie vor vor allem über Twitter läuft. – Da geht es auch um Bildung, Schule, Unterricht, aber eben nicht nur.

Und nein: Wenn ich Lehrerblogs für tot erkläre, dann eben nicht, weil ich sie nicht zu schätzen wüsste, sondern als Aufruf, wieder mehr zu spielen, weniger mit den Blogs zu wollen. – Was das dann aber wieder für jeden Einzelnen heißt, der das Blog als eine Form seines Ausdrucks zu nutzen und zu schätzen weiß, muss jeder Einzelne selbst herausfinden. Denn das gehört auch zu lebendigen Blogs dazu: Jedes wird von der Person geprägt, die es schreibt, jedes besetzt eine eigene Nische, hat einen eigenen Stil und seinen eigenen Charakter.

Und damit ist es höchste Zeit, an die Regeln für Neuronen (nicht nur im Netz) zu erinnern, die Jean-Pol Martin formuliert hat und an die ich mich anlehne, wenn ich mich im Untertitel des Blogs als „Bildungs-Neuron“ bezeichne, das (auch) einen „Lehrerblog“ schreibt und sich die Freiheit für ein offenes „etc.“ nimmt.

Ich empfehle an dieser Stelle, die Lektüre im Netz bei Jean-Paul Martin fortzusetzen, neben den Regeln für Neuronen die „Basisregeln für Internet-Projekte“ zu verinnerlichen und mal wieder zur Kenntnis zu nehmen, was Jean-Paul Martin mit „Netzsensibiltät“ meint, über die auch in diesem Blog bereits nachgedacht wurde.

Lehrerblogs sind tot. Lassen wir sie als Knotenpunkte im neuronalen Netz des Internets wiedererstehen und zum Teil eines komplexen Ganzen werden, in dem „Lehrerblogs“ Teil eines Diskurses sind, der über „Lehrer“ und „Schule“ hinausgeht. In diesem Diskurs werden nicht nur die Stimmen von ausgewiesenen Lehrerbloggern zugelassen, sondern gerade das Übersteigen der Grenzen der „Lehrerblogs“ wird in ihm als notwendig angesehen. Neben die digitale Vernetzung in unterschiedlichste Richtungen tritt die breite Vernetzung in analogen Formen der Begegnung und des Diskurses.

Die Fortentwicklung des „Lehrerblogs“ ist der „vernetzte Lehrer“, in dessen Netzwerk das Blog ein Baustein unter vielen sein kann, der aber nicht unbedingt ein solches führen muss. Solche „vernetzten Lehrer“ sind regional, überregional und gegebenenfalls sogar überkontinental vernetzt. Man diskutiert miteinander, man arbeitet zusammen, man lernt andere Bildungssysteme und vieles darüber hinaus kennen.

Lehrerblogs sind tot.

Die Netzwerke vernetzter Lehrer (connected educators) aber sind quicklebendig.

 

Ein „Rant“ für digitale Bildung …

Ich schaute mir gerade das gaaaanz am Ende diese Beitrags eingebettete Videos mal wieder an. – Nach wie vor bin ich nicht mit jedem Detail einverstanden, das Tanja Haeusler und Johnny Haeusler in diesem Beitrag zur re:publica 2013 benennen. Die Grundrichtung aber finde ich durchaus bedenkenswert. Und das die zunehmende Kasernierung  pädagogisch wertvolle Rundumversorgung von Kindern in Krippen, Kindergärten, Ganztagsschulen, Horten etc. möglicherweise nicht die optimale Form ist, um Kinder und Beruf miteinander in Einklang zu bringen, sprechen die Haeuslers ziemlich deutlich an.

Oh ja, und dann haben wir auch noch, die Haeuslers formulieren das auch in dem Video, das am Ende dieses Beitrags verfügbar ist, die Aufgabe Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden, von der wir vieles heute noch gar nicht wissen. Wir wissen nicht, wie stark die Digitalisierung letztlich den Alltag wirklich durchdringen wird. Dass die Digitalisierung den Alltag aber mehr und mehr durchdringt, ist so offensichtlich, dass man es eigentlich nicht mehr leugnen kann. Die Erkenntnis, dass das Internet nebenbei ein ideales System zum Datensammeln und zur Überwachung unter anderem für staatliche Geheimdienste ist, dürfte die digitale Durchdringung des Alltags nicht verhindern.

Oh ja, wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden. Wir machen das in PC-Räumen. Ansonsten wird in den Schulen immer noch mit Büchern gearbeitet. Das ist nicht schlimm. Das ist nicht gut. Das ist eben so. Und ich bin wirklich froh, dass mehr und mehr Lehrende sich selbst auf den Weg begeben, sich digital kompetent zu machen und z. B. Tablets im Unterricht für sich zu nutzen. So ist das zumindest an der Schule, an der ich unterrichte. Einst war ich der erste mit Tablet im Unterricht; heute gibt es nicht nur Kollegen und Kolleginnen, die diese Geräte für sich einsetzen, sondern auch erste Reflexionen über den Einsatz des Tablets als Schulheft in der Hand eines Schülers. Immerhin; Schule ist bei solchen Entwicklungsprozessen von ihrer Aufgabe und ihrer Struktur her nun einmal nicht gerade als avantgardistisch zu betrachten.

Wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden. Und diese digitale Welt ist längst Teil der Schule, weil Schüler und Lehrer diese Welt zunehmend bevölkern. Aber immer noch gibt es Schulen, in denen der wesentliche Umgang mit Smartphones darin besteht, dass diese von Lehrern eingezogen werden, weil es Handyverbote unterschiedlichster Ausprägung gibt, die in Vereinbarungen mit den Eltern festgehalten wurden.

Wir bringen den Schülern und Schülerinnen nach wie vor nicht bei, dass Smartphones und Tablets fantastische Geräte zur lernenden Welterschließung sind, die neben alle anderen Formen der Welterschließung treten, die wir schon so kennen. Wie soll  das auch gehen, wenn z. B. jeder Lehrer, dem ich gegenüber das Wort Etherpad in den Mund nehme, erst einmal eine Erklärung braucht, was das ist? Wie soll das gehen, wenn Lehrer zwar wissen, dass Google seinem „Don’t be evil“ wohl doch nicht ganz treu geblieben ist, die aber nicht wissen, dass die Werkzeuge, die Google anbietet, tatsächlich auch zum Arbeiten geeignet sind? Wie sollen wir Schüler und Schülerinnen so  vorbereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden, wenn in einigen Bundesländern die Nutzung sozialer Netzwerke für „dienstliche Belange“ (Kommunikation mit Schülern, Eltern etc.) ausdrücklich verboten wird, während selbst Lehrer und Lehrerinnen über Facebook hinaus andere soziale Netzwerke kaum für sinnvolle Belange nutzen?

Wir haben – gilt nicht für alle Bundesländer – Lehrmittelfreiheit, aber die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler in der Schule außerhalb der PC-Räume mit eigenen Geräten das Lehrmittel Internet nutzen können, gehört in vielen Fällen nach wie vor nicht dazu. Lehrmittelfreiheit bedeutet nach wie vor nicht, dass WLan-Zugänge verfügbar sind und Schulträger wissen, wie deren Aufbau und Unterhaltung finanziert werden kann.

Während in den USA dutzende von Twitterchats von hunderten von Lehrkräften Woche für Woche bevölkert werden, verzeichnet der erste deutschsprachige Twitterchat für Lehrende im Schnitt ca. 40 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Das ist aus der Perspektive eines Lehrers in Deutschland gesprochen übrigens eine beeindruckende Zahl, trotz der ca. 800000 Lehrer und Lehrerinnen an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland.

800000 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen, von denen sich ca. 40 seit September 2013 Woche für Woche zu einem Chat treffen, der ihrer eigenen Fortbildung und Vernetzung dient, und von denen vielleicht ein paar hundert sich ernsthaft Gedanken darum machen, welcher Mehrwert im Lernen mit digitalen Geräten und Netzen zu finden ist und wie dieser in eine digitale Didaktik überführt werden kann. Oder sind es doch mehr und wir wissen nichts davon? Oder sind es viel weniger und ich bin ein unverbesserlicher Optimist?

Wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden – und tun es allzuoft nach wie vor nicht. Das beunruhigt aber nicht wirklich nachhaltig, gehen wir doch davon aus, dass Jugendliche sich ihre eigenen Wege suchen, in dieser Welt mit ihrem Internet zurechtzukommen. Das stimmt auch für einige. Aber die meisten Jugendlichen haben keine Ahnung, wie sie sich (reflektiert) in der digitalen Welt zurechtfinden: Schüler können Facebook nutzen, WhatsApp bedienen, Quiz-Duell spielen, Instagram-Accounts füllen, vielleicht auch noch die Basisfunktionen von OpenOffice, LibreOffice, Word oder Pages bedienen und mittels Powerpoint oder hin und wieder auch Prezi Präsentationen erstellen. Das ist eine ganze Menge – und im Zentrum der meisten Aktivitäten von Jugendlichen im Netz steht der Austausch mit anderen Jugendlichen, mit Freunden etc.

Weil Jugendliche sich viel im Netz bewegen, gehen wir davon aus, dass sie dort schon ihren Weg finden werden, auch wenn in der Schule dieses Netz nach wie vor oft nur dann eine Rolle spielt, wenn ein Lehrer oder eine Lehrerin einen Film nun eben nicht mehr von einer Videokassette abspielt, sondern von einer digitalen Version. YouTube bedienen können doch einige Lehrende, denn immerhin gibt es da Filme. Aber die Zahl der Lehrenden, die den inneren Drang haben, digitale Realitäten für sich so zu erschließen, dass sie diese mit Schülerinnen und Schülern reflexiv erschließen und reflektiert nutzen können, ist gering. Sie ist auch so gering, weil es nach wie vor ein hohes Maß selbständigen Lernens der Lehrer benötigt, sich in diese Welt einzufinden, Zeit, die sie oft nicht haben, wenn sie neben ihrem extrem zeitaufwändigen Beruf eine Beziehung pflegen und Kinder großziehen wollen.

Und selbst in Kontexten, in denen was möglich ist, um Jugendliche digital zu bilden, passiert zu wenig. Hier fasse ich mich an die eigene Nase. In vielen meiner Lerngruppen habe ich mittlerweile eine annähernd oder tatsächliche 100%-Abdeckung mit Smartphones, mit denen Schülerinnen und Schüler, wer immer das auch finanzieren mag, das Netz nutzen können, auch wenn es im Sinne von Lehrmittelfreiheit kein frei zugängliches WLan gibt. Und selbst wenn ich immer mal wieder Projekte starte, die diese Optionen nutzen, interessiert mich doch eigentlich der selbstverständliche Gebrauch der vorhandenen Lernoptionen im Unterricht und in der Schule (also auch in Pausen, in Freistunden). Was passiert, wenn ich nicht mehr in speziellen Situationen sage, dass Schüler und Schülerinnen jetzt ihre Smartphones nutzen dürfen, sondern mit ihnen vereinbare, dass die Geräte von den Lernern im Unterricht frei genutzt werden dürfen, solange der Bezug zum Unterricht vorhanden ist?

Dabei darf ich natürlich nicht vergessen, immer wieder auch auf die Nutzung echter Bücher zu drängen und zu bestehen, insbesondere von Wörterbüchern, weil Schülerinnen und Schüler in Prüfungssituationen nur diese nutzen dürfen und ich, ließe ich Smartphones z. B. in Klausuren zu, zwar Aufgaben finden würde, die angemessen wären, sicher aber zu hören bekäme, dass die Vergleichbarkeit der Leistungen meiner Schüler mit anderen nicht mehr gegeben sei, wenn diese Smartphones nutzen dürften.

Wenn jetzt Leute sagen, dass es wirklich ein Problem sei, wenn in Prüfungen z. B. Internet verfügbar sei, dann mag das für die Mentalität hierzulande zutreffen, in Dänemark denkt man da etwas anders.

Oh ja, sicher, im Laufe der Zeit wird sich das alles ändern! Sicher, bestimmt. Vielleicht. Möglicherweise.

Es ändert sich auch faktisch vieles an den Schulen, ich erlebe das hautnah, sehe wie Diskussionen in Gremien zu Fragen des digitalen Lehrens und Lernens im Vergleich zu Diskussionen zu diesen Themen vor zwei bis drei Jahren entspannter werden, wie immer mehr Schulen sich der Realität stellen, dass Handyverbote irgendwie seltsam sind. Ich erlebe, wie sich langsam mehr Lehrende – aller Lehrergenerationen und eben nicht nur junge Nachwuchskräfte – mit Laptop und Tablets ausstatten, die sie dann auch im Unterricht nutzen – auf eigene Kosten.

Wir haben Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass sie sich in einer digitalisierten Welt zurechtfinden. Dazu müssen wir uns als Erwachsene und insbesondere als Lehrende in dieser Welt bewegen und zurechtfinden; dazu müssen wir uns von den Jugendlichen auch mal was erklären lassen, was für sie im Netz wichtig ist,  obwohl wir es (vielleicht) nicht verstehen oder nachvollziehen können. Dazu müssen wir die Chancen der Digitalisierung reflektieren und ebenso reflektiert mit den Risiken umgehen.

Reflektierter Umgang mit der Digitalisierung aber ist etwas anderes als das Verbot der Instrumente, die diese Digitalisierung repräsentieren (Smartphone, Tablet, Laptop, WLan…); reflektierter Umgang mit der Digitalisierung ist etwas anderes als eine Fixierung auf faktisch vorhandene Risiken, die so stark wird, dass die Chancen nicht mehr gesehen werden. Oh nein, es muss sich nicht jeder im Internet bewegen wollen; aber es sollte sich jeder gegebenenfalls verantwortet und reflektiert im Internet bewegen können. Die Kinder und Jugendlichen suchen sich da ihren Weg. Bislang tun sie dies, ohne dass ihnen dabei selbstverständlich von den Erwachsenen in ihrem Umfeld, von den Institutionen, in denen sie ihre Sozialisation erfahren, Unterstützung über Sorgen um das Kindeswohl und den Jugendschutz hinaus – und somit über Verbote, Einschränkungen, Mahnungen hinaus – zuteil wird.

Das finde ich schade.

Luft holen

So. Das ist jetzt ein Rant für die Bildung im digitalen Zeitalter geworden, obwohl ich ursprünglich doch „nur“ ein Video hier einbetten wollte. Aber so ist das nun einmal. Jetzt aber Bühne frei für Tanja Haeusler und Johnny Haeusler und ihren Beitrag zur republica 2013 The Kids are allright. Vielleicht merkt der eine oder die andere ja, inwiefern dieser Beitrag meinen hier entstandenen Artikel beeinflusst hat.