Schlagwort-Archiv: Medienkritik

Überlegungen zur Medienpädagogik

Resümee: Über Medienpädagogik wird viel diskutiert. Kürzlich wieder auf dem Kongress zum so genannten „Medienpädagogischen Manifest“, über das die hier verlinkte Website nähere Auskunft gibt. In diesem Beitrag fasse ich meinen aktuellen Stand der Reflexion der Frage zusammen, wie Medienpädagogik heute aussehen kann.

„Meine Nichte, die ist 12, die hat sich tierisch darüber aufgeregt, dass die Deutschlehrerin sagte: Die Nutzung von Wikipedia ist verboten, weil das keine zuverlässigen, verifizierten Quellen sind. Das ist bei den Jugendlichen schlecht angekommen, das Verbot von sozialen Medien.“

Eine Äußerung, die ich auf dem Bremer Educamp hörte.

Vor noch ein paar Jahren hätte ich bezüglich Wikipedia wohl ähnlich Restriktives sagen können.

In Wirklichkeit aber will ich den Lehrer sehen, der sich nicht auch der Wikipedia bedient. Weiterlesen

Medienkompetenz als staatlicher (schulischer) Bildungsauftrag

„Digitale Medien sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir brauchen sie als Informationsquelle, als Kommunikationshilfe und für unser alltägliches Tun und Handeln. Es kommt nun darauf an, allen Menschen Medienbildung zu ermöglichen”,

sagte Bundesforschungsministerin Anette Schavan laut einer Pressemeldung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 18.05. Anlass war die Veröffentlichung eines Berichtes mit dem Titel „Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur“, den eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eingesetzte Expertenkommission zur Medienbildung vorgelegt hat. Dort heißt es bereits in der Einleitung:

„Digitale Medien prägen mittlerweile die Lebenswelt junger Menschen in vielfältiger und nachhaltiger Weise. Persönlichkeitsentwicklung, Lebensbewältigung und die Suche nach Orientierung und Sinn stellen sich unter geänderten Informations- und Kommunikationsverhältnissen für die junge Generation in neuartiger Weise. Diese Technologien zeigen als Medien eine kommunikative und symbolische Dimension […] Digitale Medien verlangen von jedem Einzelnen stetig wachsende und sich ändernde Kompetenzen, deren Vermittlung staatlicher Bildungsauftrag ist.“ (S. 2)

Diese Äußerungen Schavans und der Bericht der Expertenkommission selber geben zu denken, wenn es um die Frage der Entwicklung und Förderung von Medienkompetenz geht, denn bislang ist der Umgang mit dem alltäglichen Tun und Handeln (junger) Menschen teilweise sehr restriktiv. So hat Bayern bereits 2006 die Benutzung von Mobiltelefonen auf dem Schulgelände tabuisiert, da man Porno- und Gewaltvideos auf von Schülern genutzten Mobiltelefonen gefunden hatte.

„Die Schule ist nicht der Ort zum Telefonieren und schon gar nicht für die Verbreitung jugendgefährdender Machwerke“,

sagte damals der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider laut Süddeutscher Zeitung. Und wer wollte dem widersprechen! Ebenso wenig ist die Schule der Ort, um sich von der Schulwirklichkeit mittels MP3-Abspielgeräten in den Pausen von der Schulwirklichkeit Weiterlesen

Danke Marcel Reich-Ranicki

»Retten, was noch zu retten ist« scheint die Devise nach Marcel Reich-Ranickis Auftritt im Rahmen des Deutschen Fernsehpreises zu sein. Und ein schlagfertiger Moderator riecht, wo es Einschaltquoten gibt und vereinnahmt MRR schnell für die Zwecke des Fernsehens: Ja, lass uns doch eine Stunde über das reden, über das man im Fernsehen nicht mehr spricht…

Und sogar die betroffenen Sender nehmen das Ereignis in ihre Nachrichtensendungen auf, verbreiten sie den ganzen Tag der Ausstrahlung über – die Einschaltquote wird es doch bestimmt danken! – Doch selbstkritische Worte der Fernsehschaffenden habe ich bislang noch nirgends gefunden, keine Hintergrundberichte, die aufklären, was Reich-Ranicki meint, wenn er die Qualität (vor allem der Veranstaltung zur Preisverleihung selbst) kritisiert.

Doch die Untertöne sind klar, teilweise sogar mehr als Untertöne: Alter Mann, 88 Jahre alt, sind wir mal ein wenig nachsichtig. Und außerdem weiß er sich nicht zu benehmen. Aber es wird auch kräftig auf den fahrenden Zug aufgesprungen: Man kann die Kritik eines Menschen, der gerade noch für sein Lebenswerk geehrt werden sollte, doch nicht einfach ignorieren… Also schreibt Elke-Heidenreich schnell einen sehr persönlichen Artikel, der auf der FAZ-Website erscheint.

Traurig, dass weitgehend vor allem MRRs Zurückweisung des Preises thematisiert wird, nicht aber der Anlass, der zu dieser Kritik führte. Das kommt vielleicht noch – hoffentlich, denn die Kritik der Dümmlichkeit weiter Teile des deutschen Fernsehens (zumindest zu Sendezeiten, die ein normal arbeitender Mensch nutzen kann) scheint mir mehr als berechtigt.

Jetzt aber wird erst einmal der Auftritt Reich-Ranickis verdaut. Man war in so schöner Feierlaune, dachte wohl erst MRR habe hier eine ganz eigenwillige Dankesrede vorbereitete und brauchte seine Zeit um zu realisieren: Der meint das ernst. Da will man sich selbst feiern, denn was anderes ist der Fernsehpreis nicht, sich und dem Publikum zeigen, wie toll man doch sei – und dann geht da einer auf die Metaebene und sagt ganz eindeutig: So nicht! Eine Ohrfeige für all die Stars und Sternchen, die da gerade noch über den roten Teppich defilierten, sich (oder ihre Kleider und Frisuren?) selbstverliebt den Kameras zeigten.

Was aber ist das Problem des Fernsehens? Darüber wird nun hoffentlich auch inhaltlich diskutiert werden, denn Argumente sind noch nicht so viele zu vernehmen gewesen. Da scheint eher ein undeutliches Gefühl endlich ausgesprochen worden zu sein: Das Massenmedium Fernsehen erliegt, selbst im gebührenfinanzierten öffentlichen-rechtlichen Programm, mehr und mehr einer Anpassung an einen angenommenen, von den Fernsehmachern vermuteten Massengeschmack, der Einschaltquote bringt, koste es was es wolle. – Als Ausgleich gibt es ja ARTE und den einen oder anderen hochwertigen Film nach 22 Uhr oder noch später, aber bitte nie auf Sendeplätzen um 20:15 Uhr, ganz zu Schweigen von einem an Qualität orientierten Gesamtkonzept des Fernsehprogramms.

Anders als bei MRR, der zumindest darauf hinweist, dass es ja manchmal bei ARTE gutes Fernsehen gäbe, ist meine Konsequenz schon seit langem eine andere: Ich liebe das Radio (zumindest bestimmte Sender, die sich konsequent der platten Mittelmäßigeit verweigern) und verzichte auf das Fernsehen, das mir bei weitem nicht das bieten kann, was ich bei einem Kinoabend, einer Theatervorstellung oder beim Lesen eines Buches erleben kann: Aufregende Stunden und großen Genuss. – Und bevor ich mich hier zu lange dem Fernsehen, das ich in seinem gegenwärtigen Zustand längst abgehakt habe, widme, danke ich noch einmal Marcel Reich-Ranicki für seine klaren Worte, höre noch ein wenig Radio und nehme mir einen spannenden Thriller vor, den (natürlich) ein Schwede geschrieben hat…

Nachtrag: Die von Thomas Gottschalk angeregte »eine Stunde« findet nun am 17. Oktober im ZDF statt: Natürlich nach 22:00 Uhr (genau um 22:30) und auch nur eine halbe Stunde. Titel: »Aus gegebenen Anlass. Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk«. Ob auch Programmdirektoren bei dem Gespräch dabei sein werden, geht aus der Ankündigung nicht hervor.