Wie kommen Bücher zu mir / zu dir / zu Ihnen als Leser?

Ich stelle mir vor, über das ganze Land verteilt sitzen Literaturkritiker in ihren Kämmerlein und lesen Neuerscheinungen.

Ich stelle mir deren Arbeitsplatz als ein ganz besonders gemütliches Sitzmöbel vor.

Dort sitzen sie dann, neben sich auf einem Tisch oder auf dem Boden gestapelt die neuesten Rezensionsexemplare gerade erst gedruckter Bücher – der Geruch nach frischer Druckerschwärze ist noch stark ausgeprägt.

Sie lesen und lesen und lesen; zwischendurch aber stehen sie kurz auf, setzen sich an ihren Schreibtisch und verfassen ihre Rezensionen.

Wie kommen Bücher zu mir / zu dir / zu Ihnen als Leser (mp3)

Es ist die Zahl an Literaturbeiträgen, die ich in meinem Podcast-Abonnement des Büchermarktes auf dem Deutschlandfunk gefunden habe, die mich zu solchen Vorstellungen gebracht hat. – Ich habe angefangen, diese meistens aus Rezensionen bestehenden Beiträge zu hören – manchmal sind auch Lesungen dazwischen, in denen dann Autorenstimmen zu hören sind.

Die Bandbreite der vorgestellten Bücher reicht von medizinkritischen oder philosophischen Essays über anspruchsvolle Romane bis hin zu als lesenswert empfohlenen historischen Romanen, Liebesgeschichten und Reportagen.

Während ich diese Podcastfolgen hörte, kam mir die Frage in den Kopf, nach welchen Kriterien ich eigentlich auswähle, welche Bücher ich lesen will und welche Bücher ich mir kaufe, denn alle im Blick zu behalten ist nun einmal nicht möglich.

Diese Frage stelle ich auch den Leserinnen und Lesern meines Weblogs: Nach welchen Kriterien wählst du / wählen Sie eigentlich die Bücher aus, die du / Sie lesen und / oder anschaffen willst / wollen?

Ich könnte die Frage auch umgekehrt stellen: Welche Wege müssen Bücher eigentlich gehen, damit sie bei dir / Ihnen ankommen können?

Die Frage stelle ich, weil mir aufgefallen ist, dass es mir selbst gar nicht so leicht fällt, diese Frage zu beantworten. Ein paar Ideen sind mir gekommen, die ich hier nicht vorenthalten will.

Zunächst einmal gibt es Autoren und Autorinnen, die mir vertraut sind, deren Werk ich möglicherweise ansatzweise kenne und schätze. Wenn es sich um lebende Autoren handelt, so beobachte ich natürlich, was es da an Neuerscheinungen gibt. Wenn das Werk bereits abgeschlossen ist, dann lese ich durchaus auch einmal Texte über diese Texte (Sekundärliteratur), um mich zu orientieren.

Neben Autoren und Autorinnen, die mich interessieren, stehen die Klassiker der deutschen und der Weltliteratur. Diese nehme ich, meistens ein wenig von meiner Stimmung geleitet, immer wieder in die Hand: Ich schmökere in den Gedichten von Goethe, gönnen mir eine Stunde mit einer der wunderbaren Geschichten aus Boccaccios „Decameron“, wandere ein wenig durch die Geschichte der deutschen Lyrik et cetera.

Ein dritter Weg, auf dem neue Bücher zu mir finden, besteht darin, dass ich mich auf den Weg in eine Buchhandlung begebe und dort einen Blick in die Neuerscheinungen werfen. Fällt mir dann ein Werk auf, so beobachte ich, ob sich das Interesse eine Weile halten kann – manchmal lege ich es auch wieder zurück und denke bei mir, dass ich es beim nächsten Besuch in der Buchhandlung noch einmal anschauen werde – und überlege dann, ob ich denn in absehbarer Zeit Zeit zum Lesen habe, Zeit zur Beschäftigung mit einem bislang unbekannten literarischen Werk finden werde, einem Sach- oder Fachbuch oder zum Beispiel auch einmal einer Reisebeschreibung.

Die meisten mir bis dahin unbekannten Bücher kommen tatsächlich über Literatursendungen im Radio in den Horizont meiner Aufmerksamkeit. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass es im Radio so viele unterschiedliche Stimmen von Kritikern und Kritikerinnen gibt. Das ist anders als im Fernsehen, in dem es erstens weit weniger Literatursendungen gibt und zweitens entsprechend nur wenige Literatur kritisierende Gesichter. (Manchmal will es mir so scheinen, als habe das Fernsehen Angst, dass zu viele Literaturvorstellungen zu ihm als Unterhaltungsmedium eine Konkurrenz aufbauen könnten; wahrscheinlich ist das aber nur eine Verschwörungstheorie :-D )

Ich merke den Stimmen der Kritker und Kritikerinnen im Radio überraschend häufig überraschend schnell an, ob sie von einem literarischen Werk gepackt wurden oder ob es sie kalt gelassen hat. Außerdem mag ich es einfach, wenn in Kritikergesprächen die Rezensenten einfach so ins Erzählen kommen und eben keinen vollständig vorgeschriebenen Beitrag alleine im Studio vorproduzieren.

Ich hab vorhin ca. 45 Minuten lang Beiträge der Sendung „Büchermarkt“ des Deutschlandfunks gehört und habe jetzt schon wieder vier Bücher auf meiner inneren Liste stehen, die ich mir demnächst wohl einmal anschauen werde. – Von dem einem oder dem anderen werde ich dann wohl auch hier berichten.

Und jetzt bist du / sind Sie dran: Wie kommst du / kommen Sie zu Büchern, die gelesen werden? – Ich bin neugierig… :-)

„Altes Buch“ – oder: Wie ein Schüler Schule erlebt (Gastbeitrag)

Während ich dem Stream zur Veranstaltung „Schulbuchtrojaner. Urheberschutz oder Gefahr für die Freiheit von Lehre und Forschung?“ folgte, fragte mich Moritz, der Schüler ist, via Twitter:

@herrlarbig: was genau ist eigentlich dieser “schultrojaner” von dem ich dauernd lese?

Ich habe das dann erklärt, ein paar Links geschickt und eine Weile später schrieb Moritz:

@herrlarbig beim aspekt “bildung” musses wirklich mal n ruck geben, alles auf der erde hat sich verändert und wir hocken noch genauso wie  unsere eltern vor 50 jahren überm tisch und lesen bücher …

Darauf fragte ich:

@DerTypAusFF schreiben Sie mir einen Gastbeitrag für herrlarbig.de? Thema: Schüler will, dass es bei Bildung einen Ruck gibt!

Die Antwort war eindeutig: „Klar.“

Und dann kam dieser Beitrag inklusive Beweisfoto. Herzlichen Dank an Moritz, der mir die Genehmigung erteilt hat, diesen Beitrag hier zu veröffentlichen.

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Kommentierte Kurzgeschichte: „Altes Buch“

Einleitung:

Alles hat sich verändert. Man kann es drehen und wenden, aber es ist, wie es ist. Die Globalisierung ist täglich präsent, Regierungen haben im Laufe der Zeit gewechselt, unsere Umwelt hat sich verändert und unser Alltag ist anders als der von vor 40 Jahren. 

Ich denke diese Sachen kann und will auch keiner leugnen. 

Doch! Ich will! Ich bin Schüler und wenn ich ehrlich bin, hat sich mein Alltag nicht verändert. Es geht um einen Ort, den wir alle kennen, weil wir alle mal dort waren oder (wie in meinem Falle) noch dort sind. 

Es folgt die Sicht eines Schülers (mir) über die Situation bzw. über die „unglückliche“ Lage, in der ich mich als Schüler momentan befinde. Durch das Internet und auch durch Kommentare von meinen Eltern, bin ich dazu angeregt worden, mir mal das „aktuelle“ Bildungssystem anzuschauen. 

Um meine „Sicht“ zu verdeutlichen, verfasse ich eine subjektive (und durchaus auch suggestive Kurzgeschichte):

Michael sitzt vor 30–40 Jahren in seinem Klassenraum und ist ein normaler Schüler. Er ist unausgeschlafen, schaut nach vorne und hört dem Lehrer zu. Zumindest versucht er es (wirklich).

Irgendwann ist der Lehrer fertig mit seinen Erklärungen und Antworten und diktiert eine Seite, die die Schüler aufzuschlagen und zu bearbeiten haben. Michael fragt einen seiner Mitschüler nochmal nach der Seite und schlägt sie auf. Er schaut sich die Aufgaben an und fängt an zu schreiben. Es ist eine längere Aufgabe und er sitzt lange daran… sehr lange… Michael merkt, dass er den Sprung von den Wörterketten zu in der Realität anwendbaren Aufgaben einfach nicht hinbekommt und verzweifelt. Er verurteilt das Medium „Buch“. „Blöder Lehrer, warum gibt er uns denn Bücher? Soll er doch was an die Tafel malen und uns dazu was sagen!“

30–40 Jahre später. Michael ist Vater und glücklicher Freiberufler. Mit Büchern schlägt er sich jetzt nicht mehr rum. Sein Sohn Felix geht nun auch in die Schule und ist schon etwas länger mit der Grundschule fertig. Michael ist ein fürsorgender Vater und fragt jeden Abend beim Abendessen, was Felix heut gelernt habe. Meistens kriegt er eine klare und stolze Antwort.

Dann bekommt Felix G8. Davon hat Michael mal was in den Nachrichten gehört, „fand er irgendwie nicht so gut“. Falls sich Felix und Michael mal zum Abendessen sehen, so ist Felix von der Schule so entkräftet, dass er Essen und dann Schlafen will. Keine Erklärungen, keine Antworten – nichts. Einfach nur das Thema „Schule“ für den Tag abhaken.

Michael ist verwundert. Was er nicht weiß: Das, was ihn damals den Glauben an das „Buch“ hat verlieren lassen hat, verfolgt nun das Kind. Und zwar doppelt und dreifach. Dieses Etwas gibt es nämlich immer noch. Anstatt die Nachmittage nun frei zu haben, wird das durch G8 abgezogene Schuljahr einfach durch mehr Stunden nach 13:00 Uhr ausgeglichen. Teilweise hat Felix nun das Pech, von 7:45–18:00 Uhr in der Schule sein zu müssen und den Tag nur durch die Fenster der Schule mitkriegen zu können. Vergleicht man mal Felix’ und Michaels Kindheit, so merkt man, dass sich tatsächlich alles geändert haben sollte. Wäre da nicht das „Buch“.

Der Vater ist längst im Zeitalter von Computer und anderen Medien angekommen, das Kind ist sowieso reingeboren worden. Wie soll es für das Kind möglich sein, mit etwas zu lernen, was es so nie anwenden wird? Wir sind im Zeitalter der Technik, in dem der Globalisierung – alles – ja sogar unsere Umwelt hat sich verändert und trotzdem muss Felix noch so lernen wie sein Vater. Wieso? Man geht zur Schule, um sich auf das kommende Leben vorzubereiten, oder? Das Leben, also der Alltag, hat sich aber verändert. Nicht verändert hat sich jedoch die Art der Vorbereitung.

regierung/bildungspolitik/entwicklung.html

404 -> sorry

Ein Vorschlag:

Würde man wirklich langfristig in neue Bildungsmethoden (/-medien) wie z.B. Tablet-PCs mit Beameranschluss für jeden Lehrer oder Schulcomputer(-ausbildung) für jeden Schüler investieren, so bin ich mir sicher, dass dies bei über 90% Anklang bei Eltern finden würde, da diese selbst erfahren haben, dass es mit PC einfach wesentlich effizienter und einfacher ist, zu Arbeiten.

Ich garantiere sogar, dass über 99% aller Schüler sich wünschen würden, anders zu lernen als mit Büchern, die teilweise noch vorm Mauerfall verwendet wurden.

Schulbuch 2011(Extrembeispiel, Foto selber aus eigenem Schulbuch geschossen)

Moritz

 

Vorspiel zum #Educamp – Das Motto: „Neue Lernkulturen entwickeln und vernetzen“ – #ecbi11

EduCamp Bielefeld :: 18.-20. November 2011

Da zur Zeit im Zusammenhang mit „Lernen“, „Bildung“, „Schule“ – und wahrscheinlich auch noch in anderen Zusammenhängen – ständig davon gesprochen wird, man müsse diese Bereiche „neu denken“, bin ich gegenüber dem Wort „neu“ in all seinen Anwendungsfacetten skeptisch geworden.

Nein, es geht nicht um „neu gedachtes“ Lernen, „neu gedachte“ Schulen, Bildung, „neu gedachten” Unterricht. Und deshalb freue ich mich über zwei Verben im Titel des Educamps in Bielefeld, die über das „Neu“ hinausgehen (auch wenn es reingerutscht ist, aber eben nicht als ein Denken, sondern, sondern als Begrifflichkeit, die auf konkrete Praxis verweist). Die Verben lauten „entwickeln“ und „vernetzen“. Sympathische Wörter sind das, finde ich.

„Entwickeln“ ist ein reflexives Verb, das heißt, es wird (oft) mit dem Reflexivpronomen „sich“ verbunden verwendet. Ein Reflexivpronomen „ist ein Pronomen, das sich auf das inhaltliche oder grammatische Subjekt eines Satzes oder Textes bezieht“.

Das eine solche sprachanalytische Zugangsweise zum Titel des Educamps in Bielefeld nicht völlig weit hergeholt ist, verdeutlicht vielleicht der Blick auf drei Quellen, die das Verb „entwickeln“ in den Blick nehmen:

  1. Das Grimmsche Wörterbuch
  2. Das Projekt Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS)
  3. Das Wortschatzlexikon der Uni Leipzig

Wenn sich „neue Lernkulturen“ entwickeln sollen, dann ist das etwas anderes als „Lernen neu denken“. Eine kleine Auswahl synonymer Formulierungen,

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Von den Gegebenheiten zum Traum 1: Der das © achtende Lehrer. (K)ein Beitrag zum #Schultrojaner

Begleiten wir heute einen das Copyright achtenden Lehrer ein wenig durch seinen Alltag.

Aber Vorsicht!

Sie werden dabei ungeahnten Problemen begegnen, die Sie, wenn Sie über großes Einfühlungsvermögen verfügen, gemeinsam mit dem Lehrer in das Reich des Wahnsinns treiben können.

Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt! Continue reading

Thesen zur Zukunft des Lernens ( #opco11 )

Hier ein paar Thesen zur Zukunft des Lernens. Sie werden an dieser Stelle nur als Thesen genannt und nicht näher erläutert. Entsprechend pointiert klingen sie zum Teil vielleicht. In ihrer „Undifferenziertheit“ sollen sie zur Diskussion einladen.

Am Ende dieser Thesen versuche ich eine erste vorläufige Überlegung zu der Frage zu formulieren, Warum sich etwas verändern muss. Ich werde für mich die Frage nach der Basis von Lern- und Bildungsvisionen stellen.

Dieser Artikel ist eine kleine Einsicht in meine Ideensammlung: Worüber lohnt es sich vielleicht mal in Form eines (bislang noch nicht geschriebenen) Blogartikels nachzudenken:

  • Die Zukunft des Lernens ist seine Vergangenheit und Gegenwart: Lernen ist ein (hirn)physiologischer Prozess, der analog abläuft und heute genau so funktioniert, wie er vor hundert oder tausend Jahren funktioniert hat und auch noch in hundert Jahren funktionieren wird, wenn es nicht zu einer Mensch-Maschineverbindung kommt, in deren Rahmen z. B. Chips mit dem Gehirn gekoppelt werden.
  • In der Ausbildung von professionellen Lernprozessbegleitern und -begleiterinnen wird mehr und mehr auf Praxisanteile in der Ausbildung (dem Studium) Wert gelegt (werden). Ist Lernpsychologie (z. B. in Lehramtsstudiengängen) schon heute kaum Teil der professionelle Ausbildung, so ist zu befürchten, dass sie auch zukünftig nur in Form von Lernprozessbegleitungsrezepten eine Rolle spielen und nicht soweit in die Ausbildung integriert wird, dass Lernprozessbegleiter und -begleiterinnen ihre Praxis über Rezeptbuchwissen hinaus, also wissenschaftlich und mit umfassenden theoretischen Kenntnissen versehen, werden reflektieren können.
  • Die Zukunft des Lernens ist mit starken Veränderungen im Bereich der Methodik verbunden, die den Prozess des Lernens optimal unterstützen soll. Diese Methodik verändert nicht das Lernen im biologischen Sinne, sondern soll dieses optimiert unterstützen. Die Zukunft des Lernens besteht also darin, die Erkenntnisse der Lernforschung, die heute oft mit der Gehirnforschung (Hirnphysiologie) verbunden ist, optimal zu nutzen, um den gewünschten Lernerfolg optimiert erreichen zu können. Die Zukunft des Lernens läuft auf Lernprozessoptimierungen hinaus.
  • Die Zukunft des Lernens ist mit einer Veränderung bei den eingesetzten Medien verbunden. Es wird zu einer deutlichen Verschiebung des Verhältnisses von analogen und digitalen Informationsträgern in Lernprozessen kommen.
  • Die Diskussion um das Lernen und die Bildung ist eine vor allem materialistische Diskussion (geworden), da der Bildungsbegriff seine Bedeutung mehr und mehr in Richtung ökonomischer Nützlichkeit verschoben bekommen hat. Lernprozessoptimierung bedeutet auch, dass die Funktionsfähigkeit von Menschen in ökonomischen Prozessen erhöht werden soll.
  • Idealistische Bildungsbegriffe werden auf absehbare Zeit weiterhin als zunehmend exotische „Träumereien“ gesehen und solange akzeptiert werden, wie sie gesellschaftliche Reproduktionsprozesse nicht relevant kritisch zu hinterfragen und zu gestalten beginnen.
  • Der leichte Zugang zu Ressourcen des Wissens in digitalen Kontexten, wird die Rolle des Wissens in Lernprozessen verändern.
  • Der leichte Zugang zu Ressourcen des Wissens in digitalen Kontexten wird den Umgang mit Wissen in Lernprozessen verändern.

Die Diskussion um die Zukunft des Lernens ist, so mein Resumee an dieser Stelle, eher eine Diskussion um die Zukunft von Lernmitteln, Lerninstrumenten und somit der Methodik des Lernens.

Es stellt sich nach wie vor die Frage (Antworten beginnen sich erst langsam abzuzeichnen), wie digitale Vernetzung und die damit verbundenen Medien den Prozess des Lernens mit prägen werden / sollen.

In der gegenwärtigen Diskussion scheint es Konsens, dass sich in der Bildungslandschaft etwas verändern müsse, weil gegenwärtige Lernkontexte nicht den Strukturen entsprechen, die lernpsychologisch und hirnphysiologisch als optimal angesehen werden. Es muss sich etwas verändern, weil Ziele von Bildung nicht mehr erreicht werden.

Gleichzeitig muss mit diesem Konsens eine Debatte einhergehen, worin diese Ziele von Bildung bestehen.

Lebensglück ist nicht nur eine Frage von Kompetenzen, sondern darüber hinaus zentral von Haltungen, vom Selbstbild und von Überzeugungen abhängig.

Die Fragen, was Lernen sei und wie sich Bildung zeigt, wird in heutigen Diskussionsprozessen oft ausgeblendet.

Viele Diskussionen um das Lernen scheinen mir heute eher technokratischer Natur zu sein: Welche (selbstverständlich digitalen) Medien setzen wir wie ein?

Viele Diskussionen um die Zukunft des Lernens neigen heute dazu, den an ihnen beteiligten Personen im Rahmen eines „heimlichen Lehrplanes“ vor allem Technologien nahe zu bringen und diese methodisch auf die Nutzbarkeit in Lernprozessen hin anzuwenden.

Eine solche Annäherung an konkrete Methoden und Technologien finde ich spannend und notwendig, solange klar ist, dass die Nutzung digitaler Technologien selbst nur ein Teil des mit ihnen möglichen Lernprozesses ist, ja, dass das Erlernen der Möglichkeiten, die solche Technologien bieten, selbst ein enormer Lernprozess ist, der zunächst geleistet werden muss, bevor das Medium nicht mehr das zentrale Thema des Lernprozesses ist.

 

Apps (nicht nur) für Lehrer: MoMA-AB/EX/NY

Quelle: http://moma.org/explore/mobile/abexnyapp

Ein Museum ist eine Bildungseinrichtung. Wenn ein Museum dann „Museum of Modern Art“ heißt, unter dem Kürzel MoMA weltbekannt ist und schon auf seiner Website ein faszinierendes Angebot bereit hält, dann darf man gespannt sein, wie sich der Bildungsanspruch einer solchen Einrichtung in Apps für das iPhone und das iPad darstellt.

Neben der sehr empfehlenswerten iPhone-App des MoMA, die selbst dann spannend ist, wenn man nicht vor Ort ist und mit ihrer Unterstützung das Museum entdeckt, ist nun zu einer Ausstellung zu den einst in New York ansässigen „abstrakten Expressionisten“ eine iPad-Applikation erschienen, die selbst aus der Ferne diese Ausstellung zugänglich macht. Die kostenlos bereit gestellte AB EX NY iPAD APP Continue reading

Bildungsplattformen & Schulbuchverlage am Bsp. lo-net und Antolin

Abstract: Dieser Artikel arbeitet induktiv, das heißt, er geht von einem beobachteten, speziellen Phänomen aus und gelangt von diesem zu allgemeineren Überlegungen, in deren Kontext das Phänomen eingeordnet wird.

Ausgangspunkt ist der Wechsel des Betreibers von lo-net, die allgemeineren Überlegungen stellen dann grundsätzliche Fragen zur Rolle von Schulbüchern und Bildungsmedien in (schulischen) Bildungszusammenhängen.

Daraus ergeben sich Überlegungen über die Zukunft von Bildungsmedien, die im Unterricht eingesetzt werden. Continue reading

Die Rückkehr der Schiefertafel oder: Arbeiten mit dem iPad

Kaum größer als einst Schiefertafeln, ähnlich »dick« oder auch »dünn«, je nachdem, wie man es gerade betrachten will, liegt seit ein paar Tagen nun also das iPad vor mir. Es ist dabei, das kann ich schon jetzt sagen, mein Arbeiten zu verändern, wobei ich diese Veränderung bislang als eine Verdichtung und Intensivierung meiner Arbeit ansehe.

Diesen Blogartikel schreibe ich auf diesem Gerät, womit das Thema »Tastatur« rein praktisch schon bearbeitet ist, denn hätte ich nicht die Erfahrung gemacht, dass es mir faktisch möglich ist, die virtuelle Tastatur dieses Tablet-Computers in ähnlicher Souveränität zu bedienen wie eine Hardware-Tastatur, würde ich sie für solch lange Texte nicht nutzen.

Doch es ist gerade die Arbeit an Texten, die für mich eines der Haupteinsatzgebiete des iPads werden soll — und auch schon ist — sei es die schreibende oder sei die lesende Arbeit an Texten.

Hier geht es nicht um einen Testbericht, sondern um eine erste Praxisreflexion der Arbeit mit diesem Gerät. Und bereits als sein Erscheinen im Januar 2010 angekündigt wurde, erinnerte ich mich an meinen Eindruck des ersten Tablet-PCs, der einst von Microsoft vorgestellt wurde und den ich vor ein paar Jahren in Wien längere Zeit in Händen halten und testen konnte. Mit dieser Erinnerung ist für mich der erste große Unterschied in der Praxis feststellbar: Brauchte ich bei Microsofts Erstling eines solchen Computertyps noch eine ganze Weile, bis ich überhaupt verstanden hatte, wie das System funktionierte, habe auf dem iPad einfach angefangen zu schreiben und machte nach weniger als vierundzwanzig Stunden die verblüffende Entdeckung, dass ich hier nicht nur schnell, sondern sogar sehr zügig nahezu blind mit der Tastatur zu Schreiben in der Lage bin.

Fazit 1: Das Arbeiten mit dem iPad erscheint mir sehr intuitiv, ja fast kommt es mir so vor, als habe mein Arbeitsstil geradezu auf diesen Rechner gewartet, mit dem ich einfach los arbeiten kann, ohne mich groß in die Hard- oder Software hineindenken zu müssen, was mich aber natürlich dennoch nicht davon abhalten soll, auch die Frage zu stellen, wie dies alles funktioniert, aber nicht in diesem Beitrag.

Zunächst einmal ist das iPad für mich also ein Schreibgerät, die erste, wirklich portable Schreibmaschine, die ich je hatte. Anders als bei meinem Laptop beobachte ich, dass ich das iPad wirklich fast immer dabei habe, außer vielleicht, wenn ich einkaufen gehe. Aber ein Laptop, so schön er ist, wiegt dann doch über zwei Kilo und nimmt viel Platz in der Tasche weg, macht aber, wenn ich ihn über UMTS online bringe, schon nach relativ kurzer Anlaufzeit schlapp, sodass es nicht wirklich ein Vergnügen ist, mit ihm vernetzt zu arbeiten.

Doch genau darum geht es mir: Konzentriert arbeiten können und dennoch die Ressourcen verfügbar zu haben, die ich in vernetzten Strukturen gerne nutze. Außerdem habe ich mehr und mehr Zugriff auf aktuell von mir verwendete Materialien, die ich in dieser Fülle in einer Tasche gar nicht mit mir herum tragen könnte.

Fazit 2: Das iPad kommt meiner Vorstellung des mobilen Arbeitens sehr entgegen.

Mit mobilem Arbeiten meine ich nun nicht einmal, dass ich ständig im Kaffee arbeiten wollte oder es gar tue. Lehrer haben aber nun einmal mindestens zwei Arbeitsplätze, hat eine Schule auch noch verschiedene Standorte, dann sind es oft sogar noch mehr. Und dann gibt es noch die Stunden zwischen den Unterrichtsstunden, in denen dann ideal vor Ort gearbeitet werden kann, wenn die entsprechenden Werkzeuge verfügbar sind.

Immer einen Duden dabei, einige Dutzend Bücher ständig als Lesestoff und Arbeitsmaterial auf dem Rechner und auch noch das Schreibgerät, mit dem ich gleich gedruckte Versionen meiner Arbeitsergebnisse anfertigen kann, wenn ich die Dateien per E-Mail an mich schicke und dann ausdrucke, was aber nicht in jedem Fall nötig ist.

Aber zunächst ist das iPad nicht als Dienstgerät gedacht, auch wenn es in diesem Rahmen absehbar eine wahrscheinlich wichtige Rolle spielen wird, vor allem wenn es um Unterrichtsentwürfe geht. Beruf und private Interessen laufen bei mir allerdings sowieso ineinander über, was ich als eigentlich die ideale berufliche Situation betrachte, so dass auch das mehr oder weniger private Arbeiten mit diesem Gerät neue Formen annimmt.

Ich lese nach wie vor sehr viele echte Bücher, auch wenn mich iBooks als digitales Lesegerät durchaus überzeugt, vor allem auch, weil Anstreichungen und Notizen möglich sind, aber auch beim analogen Lesen habe ich nun endlich meine eigenen Lesenotizen nicht nur umfassend dabei, sondern ich kann diese direkt tippen, weil das iPad neben einem Buch eigentlich immer in die Tasche passt und, anders als in vielen Fällen der Laptop, wirklich verfügbar ist.

Fazit 3: Vor allem die wirkliche Mobilität dieses Rechners ermöglicht ein anderes Arbeiten und, da handschriftliche Notizen von unterwegs direkt getippt werden können, auch eine straffere Organisation der Arbeit, fällt in vielen Fällen dann doch das Übertragen in den getippten Text weg und das Ausdrucken kann gleich beginnen, wenn ich zu Hause bin.

Notizen, Kalender, Lexika…, das alles ist zwar auch per iPhone verfügbar, aber ein Smartphone ist eben kein Arbeitsgerät für jemanden, der wirklich viel schreibt. Da ich aber auch im Bereich des kreativen Schreibens verortet bin, brauche ich genau diese Möglichkeit des Schreibens, möglichst überall. Das geht auch mit Notizbuch und Füller, eine Kombination, die ich nach wie vor sehr schätze und auch nutze, aber ich tippe nun einmal auch sehr gern. In dieser Hinsicht hat das Smartphone wenig zu bieten und all die Subnotebooks, die ich in Händen hielt, erschienen mir nicht nur oft sehr billig gemacht, sondern irgendwie auch unpraktisch für meinen Arbeitsstil.

Selbst am heimischen Schreibtisch greife ich in überraschend vielen Situationen zu dem von mir lange sehr kritisch beäugtem Tablet-Computer. Auch wenn er kein Ersatz für den PC sein will, man braucht einen solchen für die Verwaltung des Gerätes dann doch immer mal wieder, erlebe ich das iPad sehr oft als genau diesen Ersatz, der zudem noch absolut leise läuft, so dass keine Lüfter oder Festplattengeräusche noch ein wenig Lärmpegel verursachen.

Und doch wirkt das iPad auf mich zunächst wie eine Schiefertafel: Es ist einfach in seiner äußeren Erscheinung, aber, anders als eine Schiefertafel, im Innern hoch komplexe Technologie, was es von der Schiefertafel unterscheidet, es sei denn man sieht die molekulare Zusammensetzung der in einer Schiefertafel verarbeiteten Materialien als komplexe Struktur ;-)

Lernen ist Arbeit. Entsprechend ist jedes Gerät, dass diese Arbeit unterstützt, ein Gerät, das für das Lernen geeignet ist, so der eigene Lernstil zum Gerät passt. Ist das iPad also ein Gerät, das für die Nutzung im Unterricht geeignet ist, auch für Schüler? Meine Antwort auf diese Frage fällt im Augenblick noch ambivalent aus. Vor allem spricht der hohe Preis gegen eine Standardnutzung durch Schüler und Schülerinnen. Es kann einfach nicht erwartet werden, dass so ein Gerät verfügbar ist, es sei denn, es muss nicht von den Eltern bezahlt werden.

Gegen den Einsatz in der Schule spricht auch die Bindung an einen Anbieter, so sehr dies faktisch in Richtung Microsoft an vielen Schulen auch der Fall ist. Aber diese Monokultur gefällt mir ja auch nicht. Wie sollte mir dann eine andere Monokultur gefallen können?

Gegen die Nutzung eines solches Gerätes als Standard im Unterricht spricht aber auch, dass er nur dann sinnvoll sein kann, wenn es gelingen würde, Schülerinnen und Schüler zu Arbeitsformen zu bringen, die in einem Computer eben nicht primär ein Unterhaltungs-, sondern ein Arbeitsmedium sehen können.

Und doch sehe ich im iPad für mich eine echte Bereicherung im Lern-Arbeits-Zusammenhang. Dies könnte so auch für einzelne Schüler und Schülerinnen gelten, die eher in die Nerd-Kategorie fallen, ist doch die Rede vom Digital Nativ meist nicht in Hinsicht auf die Mediennutzungskompetenz hin passend.

Ja, ich bin der Meinung, dass Tablet-PCs durchaus, anders als Notebooks, für Schule interessant sein können, meine aber auch, dass das analoge Lernen, das nach wie vor ganz einfach die Conditio humana in Sachen Lernen ist, dennoch im Vordergrund stehen muss, was natürlich auch möglich ist, wenn diese Gattung Computer das Schulbuch und das Schulheft ergänzen, auf lange Sicht vielleicht auch ablösen kann.

Wenn es Bildungsprozessen gelingt, den Computer stärker als Arbeitsinstrument im Bewusstsein aller an Bildungsprozessen beteiligten zu verankern, ihm neben dem Image des Unterhaltungsmediums das Image eines tollen Lernmediums zu geben, dann wird er im Unterricht mittelfristig die Rolle spielen können, die sinnvoll ist, so durch die Kosten solcher Geräte keine weiteren strukturellen Ungerechtigkeiten ins Bildungssystem selbst einfließen.

Ich selbst, um auf den Anfang dieses Beitrages zurück zu kommen, habe Computer noch nie zum Spielen benutzt. Meinen ersten Computer kaufte ich mir im Studium, weil ich ihn als Lern- und Arbeitsgerät brauchte. Das ist der Computer für mich immer geblieben. Doch schon seit längerem wünschte ich mir für den mich prägenden Arbeitsstil ein wirklich portables Arbeitsgerät, ein Gerät, das klein, leicht und doch mit allen für mich notwendigen Fähigkeiten ausgestattet ist. Für mich erfüllt zur Zeit das iPad diese praktischen Erwartungen. Es passt zu meinem Arbeitsstil und unterstützt ihn. Und ja, ich finde, dass Schiefertafeln eine tolle Sache sind, so dass ich froh bin, dass mir jetzt ein digitales Pendant der Schiefertafel bei meiner Arbeit zur Seite steht.

Gegenwart und Zukunft der Informationsmedien: Zeitung, Radio, Fernsehen und digitale Verknüpfungen

Medien sind Vermittler1. Früher wurden auch Menschen als »Medien« gesehen, so z. B. das Orakel von Delphi; in der Gegenwart wird mit dem Begriff »Medien« eher der technische Träger und Übermittler von Informationen gemeint: Zeitung, Buch, Internet, Fernsehen, Radio etc. Für persönlich vermittelnde Aktivitäten haben sich andere, nach Tätigkeiten differenzierende Begriffe durchgesetzt, wie z. B. Mediator, Lehrer, Schlichter etc.

Im Laufe der Geschichte haben sich bislang immer die Informationsträger und technischen Wege zur Informationsübertragung durchgesetzt, die die jeweils höchste Informationsdichte und den schnellsten Weg zu ihrer Vermittlung ermöglichten. Dabei hat die Übertragungsgeschwindigkeit die Informationsdichte manchmal überlagert. Dies geschah insbesonder dann, wenn ein neues Medium eingeführt wurde und die Informationsverdichte, die auf diesem Wege zu erreichen war, erst nach und nach erhöht wurde, wie z. B. beim Telegrafen, dessen Grundprinzip der Übertragung von Information mit Hilfe elektrischen Stroms weiter entwickelt wurde. Der bislang letzte Schritt dieser Entwicklung ist das Internet.

Zeitungen waren bei ihrem Aufkommen Informationsträger, die schnell und weit verbreitet werden konnten und als Sammlungen von auf anderen Wegen zusammengetragenen Informationen gelten konnten. Das Radio beschleunigte den Prozess der Übertragung von Informationen, die sowohl redaktionell bearbeitet oder direkt vom Ort des Geschehens live gesendet werden. Bis heute ist das so und das Radio war dennoch nicht in der Lage, die Zeitung zu verdrängen. Gleiches gilt für die Entwicklungen des Fernsehens. Der schriftliche Datenträger »Zeitung« als Medium verlangt, dass seine Nutzer Lesen können; das Lesen scheint eine sehr effektive Form der Aufnahme von Informationen zu sein, die Radio und Fernsehen mit ihren vorgegebenen Sendezeiten und den von ihnen angesprochenen Sinnen, verbunden mit einer vorgegebenen Zeitspanne der Informationsübermittlung, nicht zu ersetzen vermochten. Und das gilt auch noch in Zeiten von Podcasts, Mediatheken, Aufnhamegeräten etc.

Digitale Technologien und das Internet scheinen nun erstmals in der Lage, Texte, Audio oder audiovisuelle Formate zu transportieren. Das hat kein Informationskanal vorher gekonnt, ganz zu schweigen von der Möglichkeit, die unterschiedlichen medialen Formate miteinander zu kombinieren.

Entsprechend ist die Vorstellung, dass Computer als Datenvermittler, -empfänger und Informationsträger Zeitungen ablösen könnten, erstmals in der langen Geschichte der Zeitungen ein mögliches Szenario, wobei Zeitung auf diesem Wege zum ersten Mal die Möglichkeit bekommen, ähnlich wie Radio und Fernsehen, zeitnah oder gar fast live zu berichten.

Es zeichnet sich ein neues Format der medialen Über- und Vermittlung (tagesaktueller) Informationen ab. Die lange nebeneinander existierenden Medien Zeitung, Radio und Fernsehen wachsen mehr und mehr zusammen. Die neue Form hatte bislang allerdings mit der Größe und dem Gewicht der für ihre Wahrnehmung notwendigen Computer zu kämpfen, sodass eine Kapitalisierung der digitalen Inhalte lange sehr schwierig war und vor allem die Tageszeitungen die Konkurrenz des Internets finanziell zu spüren bekommen haben.

Aus diesem Grunde jubelten die Verleger wohl, als im Jahre 2010 der erste, die Massen erreichende Tablet-Computer auf den Markt kam, der leicht genug war und einen angemessenen Bildschirm mit sich brachte, um als transportables Konsumgerät die Rezeption von Informationen in die gewohnten Lebenssituationen der Konsumenten bringen zu können: in den öffentlichen Personennahverkehr, der viel Raum für das Zeitunglesen bietet (wenn auch oft wenig Platz, angesichts mancher Zeitungsformate).

Setzten sich Tablet-Computer wirklich dauerhaft durch, so ist tatsächlich zu erwarten, dass sie das Potential haben, die bisherige Tageszeitung abzulösen. Sie könnten sich aber auch auf das Fernsehen und auch auf weitgehend nebenbei genutzte Radio auswirken.

Die eigentliche Revolution, die wir im medialen Kontext derzeit erleben, ist die Zusammenführung medialer Formen, die bislang aufgrund der von ihnen bedienten Vermittlungskanälen nebeneinander bestanden und je eigene Vermittlungsformen und -kompetenzen aufzuweisen hatten, sodass keines dieser Medien ein anderes Medium nachhaltig verdrängen konnte.

Entsprechend leben wir gegenwärtig in einer Übergangsphase, in der die unterschiedlichen, organisatorisch getrennten Medienanbieter (Zeitungsverlag, Fernseh- und Radiosender) auf die Möglichkeit der Verknüpfung reagieren und jeder für sich einen Weg der Integration der unterschiedlichen medialen Formen sucht. Dabei wird sich eine Angleichung der Angebote (zumindest via Internet) ergeben, die zuletzt nicht nur die Möglichkeit hat, Zeitungen zu verdrängen, sondern darüber hinaus die Frage aufwerfen wird, wie Kooperationen der einzelnen Medienanbier aussehen könnten. Kurz: Es wird zu Fusionen von Zeitungsverlagen, Fernseh- und Radiosendern kommen, die die gesamte Breite des Medienmarktes völlig verändern werden, mit denen aber auch eine Konzentration im Medienbereich noch stärker einhergehen wird, als es schon heute der Fall ist.

In solch einem absehbaren Konzentrationsprozess wird die Meinungsvielfalt dann nicht mehr durch die Zahl der unterschiedlichen Anbieter medialer Produkte gesichert, sondern durch nicht an eine dieser dann noch kleineren Zahl an Firmen gebundene Formen medial gestützter Berichterstattung. In diesem Rahmen werden soziale Netzwerke eine Rolle spielen, aber vielmehr werden Einzelpersonen oder Netzwerke von Einzelpersonen, von denen bekannt ist, dass sie zuverlässig und vertrauenswürdig arbeiten, diese Rolle der Sicherung der Meinungsvielfalt übernehmen, wenn es um die Frage des Vertrauens in die Richtigkeit von Informationen geht. In Ansätzen können wir beide Tendenzen bereits heute beobachten.

Die Folgen dieser Entwicklung, so sie so eintritt, wie es hier phantasiert wird, werden weitreichende Veränderungen mit sich bringen, die weit über die Verlage und Sender hinausreichen. Der Zeitungs- und auch Zeitschriftenmarkt, wie wir ihn heute kennen, wird zusammenbrechen. Die Zwischenhändler (Kioske, Zeitschriftenläden etc.) werden immer seltener im Stadtbild anzutreffen sein, was die Gewinnmargen der Anbieter der entsprechenden Produkte in digitaler Form steigern dürfte, da sie die Gewinne der Händler nicht mehr einpreisen müssen, aber die Preise sicher auch nicht senken werden. Z. T. sind heute digitale Ausgaben von Zeitschriften und Zeitungen sogar schon teurer als das Pendant im Zeitschriftladen.

Resumee

Es spricht vieles dafür, dass die Verknüpfung von Text, Bild, Video und Audio zumindest im Informationsbereich zur Entwicklung eines neuen, integrierten Formates führen wird. Z. T. sind diese Verknüpfungen schon heute sehr deutlich. Zeitungen haben eigene Fernsehsendungen (SpiegelTV, SternTV…), auf Websites von Zeitungen gibt es Videonachrichten, Fernsehsender bieten schriftliche Inhalte im Internet an etc. Mit diesem integrierten Format wird sich der Markt völlig verändern. Gleichzeitig wird sich die Frage nach der Vielfalt der Argumentationsweisen im Rahmen von Meinungsbildungsprozessen stellen. Blogger und auch soziale Netzwerke werden hier eine kritische Funktion bekommen, stärker noch, als es bisher der Fall ist. Dabei werden sich einzelne Blogger und soziale Netzwerker den Ruf der Zuverlässigkeit und des Vertrauens erwerben; auch das lässt sich bereits heute beobachten, wird sich aber wohl verstärken.  Somit werden diese Einzelpersonen oder Netzwerke von Einzelpersonen ein Teil des Meinungsbildungsprozesses, was ebenfalls schon heute erkennbar ist. Meinungsbildungsprozesse werden also viel mehr über institutionalisierte Medienunternehmen hinaus gehen als dies bis heute der Fall ist, wobei ich hier auch die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zunächst einmal zu den Medienunternehmen zähle. Inwiefern sich dadurch völlig neue Strukturen bei tagesaktuellen Informations- und Meinungsbildungsprozessen bilden, ist heute noch nicht absehbar. Dass ein solcher Strukturwandel aber möglich ist, ist Teil des nicht nur integrierenden, sondern auch differenzierenden Potentials digitaler Medien.

  1. Der Medienbegriff ist vielfältig und somit unscharf. Unterschiedliche Bedeutungen, die über den hier genutzten Medienbegriff hinaus gehen finden sich hier []

Das Netz, seine Funktionen und die „Null Blog“-Debatte

Die Realität der Welt liegt nicht in ihren Abbildern, sondern in ihren Funktionen. Funktionen sind zeitliche Abläufe und müssen im zeitlichen Kontext erklärt werden.
Susan Sonntag, Über Fotografie, Frankfurt 2008 (18. Aufl., zuerst 1980), S. 29.

Welche Funktion hat das Internet für einzelne Benutzer und Benutzerinnen? Die Antwort auf diese Frage bestimmt, wie das Netz genutzt wird. Von dieser Frage ist auszugehen, wenn heute die Frage nach dem Umgang mit dem Netz und der Bedeutung des Netzes gefragt wird. Die Ergebnisse von Studien decken sich mit meinen eigenen Erfahrungen: Continue reading