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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 12 – James Wood: Die Kunst des Erz&#228;hlens</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 00:11:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich habe nun ja schon eine ganze Reihe an B&#252;chern dar&#252;ber gelesen, „wie Schriftsteller zu Werke gehen“ (Herlinde K&#246;lbl), was einen guten Roman ausmacht, wodurch Gedichte gepr&#228;gt sind. Mir ist noch kein Buch &#252;ber das Lesen und Schreiben von Literatur &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/18/herrn-larbigs-bibliothek-12-james-wood-die-kunst-des-erzahlens/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/Wood_KunstDesErzaelens.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-7663" title="Wood_KunstDesErzaelens" src="http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/09/Wood_KunstDesErzaelens.jpg" alt="" width="72" height="110" /></a> Ich habe nun ja schon eine ganze Reihe an B&#252;chern dar&#252;ber gelesen, „wie Schriftsteller zu Werke gehen“ (<a href="http://www.amazon.de/Schreiben-Schriftsteller-gehen-Fotografien-Gespr&#228;che/dp/3896600419" target="_blank">Herlinde K&#246;lbl</a>), was einen guten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roman">Roman</a> ausmacht, wodurch <a title="&#220;ber das (schulische) Interpretieren von Gedichten" href="http://herrlarbig.de/2010/12/06/ueber-das-schulische-interpretieren-von-gedichten/" target="_blank">Gedichte</a> gepr&#228;gt sind.</p>

<p>Mir ist noch kein Buch &#252;ber das Lesen und Schreiben von Literatur begegnet, nach dessen Lekt&#252;re mein Arbeitsplatz so hell von „Kronleuchtern“ bestrahlt wurde, die mir w&#228;hrend der Lekt&#252;re aufgegangen sind.</p>

<p>Gleichzeitig wei&#223; ich , dass dieses Buch noch mehrfach zu lesen sein wird, um seinen Tiefgang, seine Differenziertheit und all seine Anregungen wirklich f&#252;r meinen Alltag fruchtbar zu machen.</p>

<p>Die Erstlekt&#252;re von <a href="http://www.rowohlt.de/magazin_artikel/James_Wood_Die_Kunst_des_Erzaehlens.2958054.html" target="_blank">James Woods „Die Kunst des Erz&#228;hlens“</a> hat mich gefesselt.<span id="more-7662"></span> Ich habe in diesem Buch nichts Neues erfahren, aber das Bekannte in einer Weise dargestellt bekommen, dass es mir nunmehr wieder unbekannt, fremd, einer erneuten Entdeckung wert scheint. Was <a href="http://www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_gat/d_epik/strukt/erzpers/erzpers_3_1.htm" target="_blank">personale Erz&#228;hlperspektive</a> bedeutet, welche Bedeutung <a href="http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=ku&amp;dig=2009/01/10/a0108&amp;cHash=1bfd16a017" target="_blank">Flaubert</a> f&#252;r den modernen Roman hat, was es mit den Details, den Figuren, der Sprache, der Gestaltung von Dialogen, der Frage nach Wahrheit im Roman auf sich hat, wird von Wood erfrischend verst&#228;ndlich dargestellt.</p>

<p>in 123 &#252;bersichtlichen Abschnitten (Kapiteln) kommt Wood auf 240 Seiten auf den Punkt; und das st&#228;ndig. Dabei behauptet Wood nicht, dass Literatur die L&#246;sung aller Probleme sei, die es auf der Welt gibt. Aber er kommt zu einem Schluss, den ich voll und ganz teile: „Durch die Literatur werden wir zu besseren Beobachtern“.</p>

<p>Dies gilt bestimmt dann, wenn  wir wissen, wie wir Literatur, ob nun Lyrik oder Prosa, f&#252;r uns selbst erschlie&#223;en k&#246;nnen. Woods liefert einen beeindruckenden Beitrag, der dazu beitr&#228;gt, dass wir vielleicht den einen oder anderen Roman f&#252;r uns besser erschlie&#223;en k&#246;nne.</p>

<p>Andererseits ist „Die Kunst des Erz&#228;hlens“ ein Buch f&#252;r alle, die jenseits esoterischer Heilsversprechungen sich selbst dem kreativen Schreiben aussetzen. Wood zeigt Perspektiven auf, die den Leser seines Werkes nicht nur zu genaueren (=besseren) Lesern und Beobachtern machen, sondern auch f&#252;r Schreibende vielf&#228;ltige Anregungen enthalten, wie ein Text zu einem guten Text werden kann.</p>

<p>Eine gro&#223;artige Bereicherung f&#252;r alle „Hardcore“-Leser, die noch genauer lesen, noch mehr Details entdecken, noch mehr dar&#252;ber erfahren wollen, wie ein Roman funktioniert.</p>

<p>Eine gro&#223;artige Bereicherung f&#252;r alle Leser, die von Literatur fasziniert sind, aber 1. nicht genau wissen, warum eigentlich und die sich 2. fragen, ob es ein Handwerk des Schreibens gibt.</p>

<p>Woods gibt nicht nur klare Antworten, aber er zeigt Perspektiven auf, die dem Leser und der Leserin Anhaltspunkte f&#252;r die Reise durch literarische Welten bieten wollen, damit das Individuum nicht zuletzt im Sog digitaler Welten verloren geht.</p>

<blockquote><address>James Wood, Die Kunst des Erz&#228;hlens. Mit einem Vorwort von Daniel Kehlmann, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2011, 240 Seiten f&#252;r 19,95 Euro. (Mit einem Vorwort von Daniel Kehlmann; &#252;bersetzt aus dem Englischen von Imma Klemm unter Mitwirkung von Barbara Hofmeister.)</address></blockquote>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Deutsche Klassik als literarische Epoche(n)</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Aug 2011 21:50:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Geschichte der deutschsprachigen Literatur ist die „Klassik“ ein sp&#228;tes Ph&#228;nomen. In <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Siglo_de_Oro">Spanien</a> gab es das klassische Zeitalter bereits zwischen ca. 1550 und 1680, in England gilt das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabethanisches_Zeitalter">Elisabethanische Zeitalter</a> (1558–1603) als literarische Hochphase, in der Shakespeare das Theater zu einer Bl&#252;te f&#252;hrte, die selbst noch auf Goethe Einfluss hatte. In Italien begann die klassische Phase der Literatur sogar noch fr&#252;her, n&#228;mlich mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dante_Alighieri">Dante Alighieri</a> (1265–1321) und dauert bis zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Torquato_Tasso">Torquato Tasso</a> (1544–1594), dem wiederum Goethe <span id="more-6029"></span>sogar <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Torquato_Tasso_(Goethe)">ein eigenes B&#252;hnenwerk</a> widmete.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_0_6029" id="identifier_0_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. zu diesem Abschnitt Artikel auf&nbsp;Exlibris">1</a></sup></p>

<p>Dass die „<a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/klassik.htm" target="_blank">deutsche Klassik</a>“ erst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1786">1786</a> – und damit im Vergleich zu anderen Nationalliteraturen sehr sp&#228;t – beginnt<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_1_6029" id="identifier_1_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zum Teil wird der Beginn der Klassik mit Goethes Ankunft in Weimar im Jahre 1775 terminiert. Allerdings hat Goethe in den ersten Jahren in Weimar kaum etwas geschrieben, sodass man schon annahm, er habe als Autor seinen Zenit nach dem Werther und G&amp;#246;tz von Berlichingen &amp;#252;berschritten. Dass Goethe sich bei der Arbeit an &bdquo;Iphigenie auf Tauris&ldquo; bereits in einer Entwicklung fort vom Sturm und Drang befand, wusste damals nat&amp;#252;rlich noch keiner. 1786 wurde die dritte Fassung der Iphigenie fertig.&nbsp;Diese Fakten und da der Bezug zur Antike, der f&amp;#252;r die deutsche Klassik bedeutend ist, erst auf Goethes Italienreise deutlich erkennbar wird, folge ich Festsetzung des Beginns der Klassik auf den Beginn der Italienreise Goethes. Epochengrenzen sind immer schwer festzulegen. Mir scheint aber die Begr&amp;#252;ndung f&amp;#252;r das Jahr 1786 nachvollziehbarer">2</a></sup> und nur bis zu Schillers Tod <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1805">1805</a> dauert, hat sicherlich mit der politischen Entwicklung Deutschlands zu tun, aber wom&#246;glich kommt eine literarische Blindheit hinzu, die zentrale Gestalten und Epochen der deutschsprachigen Literatur aus dem Bewusstsein der breiten Bev&#246;lkerung einfach ausblendet. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die deutsche Klassik in der Regel nur mit Goethe und Schiller verbunden wird, denen am Rande dann noch Humboldt zur Seite gestellt wird. Klassik im literarischen Sinne bezeichnet aber eine Epoche in einer Nationalliteratur, „die wegen ihrer besonders reichen Entfaltung, ihrer Dichte an Werken von hohem k&#252;nstlerischem Rang, ihrer Wirkung auf sp&#228;tere Epochen und ihrer internationalen Bedeutung als die <em>Klassik</em> angesehen wird“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_2_6029" id="identifier_2_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="http://xlibris.de/Epochen/Klassik">3</a></sup>.</p>

<p>Zwei Autoren sollen eine solche Epoche ausmachen? Nun, es stimmt, die <a href="http://www.goethezeitportal.de/wissen/timeline/timeline-goethe.html" target="_blank">Zeit</a> von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1774" target="_blank">1774</a>, dem Erscheinungsjahr von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ bis zum Revolutionsjahr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1848" target="_blank">1848</a> waren gepr&#228;gt von gro&#223;artigen Autoren, die aber seltsamerweise selten der deutschsprachigen Klassik zugeordnet werden: <a href="http://xlibris.de/Autoren/Hoelderlin" target="_blank">H&#246;lderlin</a>, <a href="http://xlibris.de/Autoren/Paul" target="_blank">Jean-Paul</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Martin_Wieland" target="_blank">Wieland</a>, <a href="http://xlibris.de/Autoren/Kleist" target="_blank">Kleist</a>, <a href="http://xlibris.de/Autoren/Heine" target="_blank">Heine</a>, die <a href="http://xlibris.de/Epochen/Romantik" target="_blank">Romantiker</a> etc. werden nicht der literarischen Epoche der deutschen Klassik zugeordnet, obwohl doch erst diese F&#252;lle von gro&#223;en Autoren in weniger als hundert Jahren den Fokus auf diese Zeit richtet.</p>

<p>Ja, Goethe und Schiller werden in der Regel noch einmal aus dem Reigen der Autoren dieser Zeit hervorgehoben, weil sie mit ihrem Werk universeller waren, aber wenn zwei Autoren eine klassische Epoche kennzeichnen k&#246;nnen, dann gab es in Deutschland noch eine zweite klassische Epoche, die der Sprachentwicklung bis heute zentrale Impulse gegeben hat: Die <a href="http://www.textlog.de/6227.html" target="_blank">deutsche Mystik</a>. Viele Pr&#228;fixe und Suffixe, die bis heute von Bedeutung sind, wurden <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprachgeschichte#.C3.84nderungen_im_morphologischen_und_syntaktischen_System_2" target="_blank">von der mystischen Literatur gepr&#228;gt</a>. Die <a href="http://xlibris.de/Epochen/Barock" target="_blank">Zeit des Barocks </a>brachte bedeutende <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Poetik" target="_blank">poetologische Schriften</a> und mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jakob_Christoffel_von_Grimmelshausen" target="_blank">Grimmelshausens </a>„<a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Grimmelshausen/Werke/Simplicissimus" target="_blank"><em>Der</em> </a><em><a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Grimmelshausen/Werke/Simplicissimus" target="_blank">Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch</a></em>” erschien der wohl erste deutschsprachige Roman, der zum Teil als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_abenteuerliche_Simplicissimus" target="_blank">der erste Abenteuerroman</a> der Welt angesehene wird, im Bewusstsein deutschsprachiger Nationalliteratur, wohl auch wegen massiver dialektaler Pr&#228;gung des Werkes, kaum eine Rolle spielt, auch wenn der Roman kaum unbedeutender als der ca. sechzig Jahre fr&#252;her ver&#246;ffentlichte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Don_Quijote" target="_blank">Don Quijote</a> von <a title="Miguel de Cervantes" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Miguel_de_Cervantes" target="_blank">Miguel de Cervantes</a> ist.</p>

<p>Es gab in der Zeit vom 12. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert also drei Phasen, die ich bereit w&#228;re, f&#252;r die deutsche Literatur als klassisch zu betrachten: Die deutschen Mystik, das Zeitalter des Barocks und die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.</p>

<p>Gemeinsam ist diesen Zeiten, dass sie nicht nur f&#252;r die Sprachentwicklung von herausragender Bedeutung waren, sondern auch relevante literarische Eigenleistungen der Autoren hervorbrachten. – Eine Sonderrolle nimmt bei solchen &#220;berlegungen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Luther" target="_blank">Luther</a> ein, der mit seiner &#220;bersetzung der Bibel ins Deutsche zwar sprachhistorisch hochgradig relevant ist, aber dar&#252;ber hinaus literaturhistorisch nicht die Gr&#246;&#223;e eines <a href="http://www.eckhart.de/" target="_blank">Meister Eckhart</a>, einer <a href="http://mechthild-von-magdeburg.de/biographie.htm" target="_blank">Mechthild von Magdeburg</a>, eines <a href="http://www.br-online.de/bayern2/radiotexte-am-samstag/grimmelshausen-courage-literatur-ID1290424713497.xml" target="_blank">Grimmelshausens</a>, Goethes oder Schillers erreichte.</p>

<p>Dass wir also von der Zeit zwischen <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=900" target="_blank">Goethes Italienreise</a> (1786–88) und <a href="http://www.schiller-biographie.de/index.php?id=184" target="_blank">Schillers Tod</a> (1805) f&#252;r die deutsche Sprach- und Literaturgeschichte als Klassik bezeichnen, so mag das damit zu tun haben, dass die deutsche Sprachentwicklung zu diesem Zeitpunkt an einem Punkt angelangt war, der uns auch heute noch verst&#228;ndlich ist.</p>

<p>Dass die deutsche Klassik h&#228;ufig auch „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Klassik" target="_blank">Weimarer Klassik</a>“ genannt wird, erscheint mir symptomatisch f&#252;r eine Sprachgemeinschaft, die in Kleinstaaterei so zerrissen ist, dass f&#252;r literarische Entwicklungen und Freiheiten der jeweilige Landesherr von gro&#223;er Bedeutung war. Das galt schon bei Luther, aber auch Goethe und Schiller waren von der Gunst ihrer Landesherren abh&#228;ngig. Deutschland hatte damals kein Zentrum wie Paris in Frankreich, oder London in England, doch von seiner Bedeutung her war <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=804" target="_blank">Weimar als „Deutschlands Athen“</a> &#252;berragend.</p>

<p>Goethe floh vor der Last des Ministeramtes nach Italien. Wenn von der „<a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=900" target="_blank">Italienischen Reise</a>“ gesprochen wird, so handelt es sich mehr um eine Flucht, als um eine Reise, um eine &#228;u&#223;erst fruchtbare Flucht allerdings, ohne die man sich den sp&#228;teren Goethe kaum denken kann. Goethe selbst schreibt in seinem Tagebuch &#252;ber den Aufbruch:</p>

<blockquote><span class="Apple-style-span" style="font-size: xx-small;"><em><span style="color: #654f42;">„Den 3. September fr&#252;h drei Uhr stahl ich mich aus dem Karlsbad weg, man h&#228;tte mich sonst nicht fortgelassen. Man merkte wohl, da&#223; ich fort wollte. </span></em></span><span class="Apple-style-span" style="font-size: xx-small;"><em><span style="color: #654f42;">Ich lie&#223; mich aber nicht hindern, denn es war Zeit.“</span></em></span>
<p style="text-align: right;"><span style="color: #654f42;"><em><span style="font-size: xx-small;">Goethes Tagebuch, 3.9.1786</span></em></span></p>
</blockquote>

<p>In Italien entdeckt Goethe die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Reise" target="_blank">Antike</a>. Dieser Epoche stand auch Schiller nahe. In Verbindung mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance" target="_blank">Renaissance</a>, die schon einmal die Werke der griechischen und auch der r&#246;mischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antike" target="_blank">Antike</a> wiederentdeckte und sich an ihnen k&#252;nstlerisch orientierte, steht die deutsche Klassik in einer uralten, auf griechischem und r&#246;mischen Kunstverst&#228;ndnis basierenden Fundamenten.</p>

<p>Ja, Goethe hat schon fr&#252;her durch <a href="http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/winckelmann1764" target="_blank">Winkelmanns „Geschichte der Kunst des Altertums“ (1764)</a> ein Bild von der Antike, aber erst auf der Reise durch Italien kam die pers&#246;nliche Anschauung hinzu. F&#252;r Goethe begann dort eine Umorientierung seines Kunstverst&#228;ndnisses. Vom Sturm und Drang hatte er sich mit dem Antritt des Dienstes am Weimarer Hof faktisch verabschiedet, mit <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CBsQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.xlibris.de%2FAutoren%2FGoethe%2FWerke%2FDie%2520Leiden%2520des%2520jungen%2520Werthers&amp;ei=3A47Ts_pKozVsgbw49Ew&amp;usg=AFQjCNFVn7OSyxfCK_3KXBo3w34Xw7cjgQ" target="_blank">Werther</a> und <a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Goethe/Werke/G&#246;tz%20von%20Berlichingen" target="_blank">G&#246;tz von Berlichingen</a> hatte er aber auch Werke verfasst, die dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kunst#Aufkl.C3.A4rung" target="_blank">Kunstverst&#228;ndnis der Aufkl&#228;rung</a>, das in vielen F&#228;llen von <a href="http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/literatur18/Zusammenfassung%20Gottsched.pdf" target="_blank">Regelpoetiken</a> gepr&#228;gt war, widersprachen. Die Besch&#228;ftigung mit der Antike f&#252;hrte ihn zu einem Kunstverst&#228;ndnis, in dem es um Einheit – in unserer heutigen Sprache w&#252;rden vielleicht den Begriff der „Ganzheitlichkeit“ nutzen – ging. Die Vernunft und die sinnliche Seite des Menschen sollten in ein Gleichgewicht gebracht werden, Pflicht und pers&#246;nliche Interessen zusammen finden, Subjektivit&#228;t und Objektivit&#228;t ausgewogen zur Geltung kommen.</p>

<p>Was Goethe in Italien fand, entwickelte sich f&#252;r Schiller als Geisteshaltung in seiner Besch&#228;ftigung mit <a href="http://gutenberg.spiegel.de/autor/310" target="_blank">Immanuel Kants</a> Schriften, wobei vor allem die „<a href="http://gutenberg.spiegel.de/buch/3507/1" target="_blank">Kritik der Urteilskraft</a>“ (1790) von gro&#223;er Bedeutung gewesen sein d&#252;rfte, in der die &#196;sthetik der Natur und der Kunst reflexiv auf ihren Bezug zur menschlichen Beurteilung von Natur und Kunst aufgearbeitet wird.</p>

<p>Diese Synthese dr&#252;ckt sich in der Vorstellung des Wahren, Guten und Sch&#246;nen aus, das z.B. als Schriftzug an der Frankfurter Alten Oper bis heute prominent in Frankfurt und dort in unmittelbarer Nachbarschaft zu den T&#252;rmen des Bankenviertels finden l&#228;sst.</p>

<p>Das Individuum wird als autonom angesehen, doch die Natur ist von Gott geordnet, auch wenn das Gottesbild Goethes eher abstrakt bleibt als auf einen christlichen Gott bezogen zu sein, wie in seiner Hymne „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus_(Hymne)" target="_blank">Prometheus</a>“ klar erkennbar ist.</p>

<p>Schlie&#223;lich, diese Aufz&#228;hlung von Merkmalen des Welt- und Menschenbildes der literarischen deutschen Klassik ist unvollst&#228;ndig!, ergibt sich aus dem Ideal der Klassik die Vorstellung der Bildung und der Selbstbildung, die in Goethes gro&#223;em Roman „<a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Goethe/Werke/Wilhelm%20Meisters%20Lehrjahre" target="_blank">Wilhelm Meister</a>“ im Zentrum stehen. Der <a href="http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/epik/roman.htm" target="_blank">Entwicklungs- bzw. Bildungsroman</a> ist sicherlich mit der Klassik eng verbunden.</p>

<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1794" target="_blank">1794</a> kam es nach langer Distanziertheit zu einem <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=808" target="_blank">Treffen zwischen Goethe und Schiller,</a> in dem sie ihre Gemeinsamkeiten erkannten und entdeckten, dass sie sich erg&#228;nzten. Diese &#220;bereinstimmung hatte allerdings auch mit der Distanz beider Dichter zur franz&#246;sischen Revolution (wie sie sich bis dahin entwickelt hatte) zu tun. – Ohne diese Begegnung, diesen Beginn der Zusammenarbeit beider Dichter, w&#228;re es zu der Weimarer Klassik, wie wir sie heute kennen nicht gekommen. Nicht nur, dass Schiller und Goethe fruchtbar kritisch auf das Werk des je anderen blickten, sie feuerten auch einander an, sodass es <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1797" target="_blank">1797</a> zu dem sogenannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Balladenjahr" target="_blank">Balladenjahr</a> kam. Und die Ballade wurde zu einem wichtigen Ausdrucksmittel der Weimarer Klassik.</p>

<p>Gef&#252;hl und Reflexion, verbinden sich in der Literatur der Weimarer Klassik. War es im <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Sturm%20und%20Drang" target="_blank">Sturm und Drang</a> „nur“ das Gef&#252;hl, f&#252;r das ein Ausdruck gesucht wurde und in der <a href="http://www.xlibris.de/Epochen/Aufklaerung" target="_blank">Aufkl&#228;rung</a> vermeintlich vor allem der Verstand und somit die Reflexionsf&#228;higkeit, die im Zentrum stand, versuchte die Klassik deren Verbindung. In dieser Verbindung entsteht gleichzeitig ein Verst&#228;ndnis des „<a href="http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm" target="_blank">Ideal</a>s“, eine Vorstellung davon, wie der Mensch sein k&#246;nnte und das Streben nach diesem Ideal.</p>

<p>Wie sich die Klassik konkret vor allem in der Lyrik zeigt und welches Menschenbild in der Lyrik der Klassik zu finden ist, wird Thema von Einzelanalysen von Gedichten sein, die im Laufe der n&#228;chsten Wochen hier erscheinen sollen. So viel sei aber schon gesagt: Der Mensch wird als zwischen Geist und Materie stehend betrachtet, seine Humanit&#228;t soll durch Kunst und Dichtung gef&#246;rdert werden und so letztlich ein Weltb&#252;rgertum entstehen, das in der Lage ist, das Denken in Grenzen zu &#252;berwinden.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_3_6029" id="identifier_3_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. hierzu: Willi Vocke &ndash; Weimarer Klassik">4</a></sup></p>

<h4>Literaturverzeichnis<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/08/04/deutsche-klassik-als-literarische-epochen/#footnote_4_6029" id="identifier_4_6029" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Weiterf&amp;#252;hrende Informationen auch als Links im Text. Hier sind nur die Texte aufgef&amp;#252;hrt, die direkten Einfluss auf diesen Beitrag hatten.">5</a></sup></h4>

<ul>
    <li>Dieter Borchmeyer (DuMont Schnellkurs Goethe), Goethe in Weimar (1775–1786) auf Website goethezeiportal.de unter <a href="http://www.goethezeitportal.de/?id=804" target="_blank">http://www.goethezeitportal.de/?id=804</a> (Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
    <li>Albert Meier, Sizilianische Entt&#228;uschungen. Johann Hermann Riedesel und Johann Wolfgang Goethe in der Magna Gracia, in: Christiana Albertina. Forschungsbericht und Halbjahresschrift der Universit&#228;t Kiel. Heft 50 (neue Folge). April 2000, S. 5-19. (<a href="http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/vorlesungen/Goethe2010/Meier,%20Albert%20-%20Sizilianische%20Entt&#228;uschungen..pdf" target="_blank">PDF</a>).</li>
    <li>Adelheid Petruschke, Lyrik von der Klassik bis zur Moderne, Stuttgart / Leipzig 2004 (Stundenbl&#228;tter Deutsch).</li>
    <li>Wolfgang Pohl, Die Epoche der deutschen Klassik (1786–1732) – <a href="http://www.pohlw.de/literatur/epochen/klassik.htm" target="_blank">http://www.pohlw.de/literatur/epochen/klassik.htm</a> (Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
    <li>Dr. Axel SanJosé, Literaturepoche Klassik – <a href="http://xlibris.de/Epochen/Klassik" target="_blank">http://xlibris.de/Epochen/Klassik</a> (Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
    <li>Inge Stephan, Weimarer Klassik, in: Wolfgang Beutin, Klaus Ehlert et al., Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anf&#228;ngen bis zur Gegenwart, Stuttgart / Weimar 1994 (5. Auflage), S. 161–169.</li>
    <li>Willi Vocke, Weimarer Klassik – <a href="http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm" target="_blank">http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/klassik.htm </a>(Stand: Donnerstag, 04. August 2011).</li>
</ul>

<p>&nbsp;<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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<li><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/10/faust-1-die-gretchenfrage-marthens-garten-v-34143543/" rel="bookmark" title="10. November 2008">Faust 1 – Die Gretchenfrage (Marthens Garten – Verse 3414–3543)</a></li>
</ul>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 10 – Tino Hanekamp: So was von da</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 17:52:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Ende wissen wir es dann: Eine Party besteht aus lauter Musik, einem gewissen Hang zum destruktiven Auseinandernehmen der Partylocation, Partybesuchern, die so bedr&#246;hnt sind, dass sie eine MDMA-Bowle ohne MDMA dennoch f&#252;r eine solche halten und dem Placeboeffekt v&#246;llig &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/07/28/herrn-larbigs-bibliothek-10-tino-hanekamp-so-was-von-da/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Ende wissen wir es dann: Eine Party besteht aus lauter Musik, einem gewissen Hang zum destruktiven Auseinandernehmen der Partylocation, Partybesuchern, die so bedr&#246;hnt sind, dass sie eine MDMA-Bowle ohne MDMA dennoch f&#252;r eine solche halten und dem Placeboeffekt v&#246;llig erliegen.</p>

<p>Eine Party als Weltuntergang, nach dem das Leben weiter geht, dann aber eben als Erwachsener. Bis dahin aber ist der Ich-Erz&#228;hler Oskar Wrobel dauerbesch&#228;fitigt und weder die Nachricht, dass eine gute Freundin nicht mehr lange zu leben hat noch die Wiederkehr seiner geliebten Mathilde verm&#246;gen ihn von dieser Dauerbesch&#228;ftigung mit eingeschobenen Selbstbetrachtungen – Oscar Wrobel zitiert immer wieder aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Aurel" target="_blank">Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ </a>– abzuhalten.</p>

<p>Oskar hat Schulden, ein Ex-Zuh&#228;lter will mal eben so zehntausend Euro von ihm, Hamburgs f&#252;r das B&#252;rgermeisteramt kandidierende Justizsenatorin verbringt einen Teil dieser Nacht vom 31.12. zum 1.01. irgendeines der Nullerjahre des 21. Jahrhunderts im Aufzug, der zum Club f&#252;hrt, in dem die Party stattfindet, zum Club, der in einem alten Krankenhaus angesiedelt ist, bis dieses dann eben abgerissen wird. – So was machen Clubbetreiber gerne mit abrissreifen H&#228;usern, man „feiert“ Partys. Das war in <a href="http://www.max.de/cityguide/city/frankfurt/nightlife/club-disko/162870,1,cg_tip,2,Praesidium+1911.html" target="_blank">Frankfurts altem Polizeipr&#228;sidium</a> so, das ist in Tino Hanekamps Roman nicht anders.</p>

<p>Und dann ist die Party vorbei.</p>

<p>Man wird „erwachsen“, arbeitet vielleicht sogar in den modernen B&#252;ros, die an Stelle des Abrisshauses getreten sind, ist weiter auf Drogen, weil man es nicht mehr anders kann und ist „So was von da“, also genau im Hier &amp; Jetzt, ahnend, dass es ein Morgen gibt, aber noch nicht bereit, sich diesem Morgen zu stellen.</p>

<p>Zum Gl&#252;ck erz&#228;hlt Oskar Wrobel diese Geschichte, denn Tino Hanekamp hat ja auch schon einen Club betrieben, der abgerissen wurde, hat auch heute noch mit der Hamburger Clubszene zu tun, hat aber bestimmt keinen realistischen Club vorstellen wollen. Das w&#228;re zu &#246;de und kaum zu glauben, denn bei allem Tempo, den der Roman bekommt, so musste er doch geschrieben werden – und das wird wohl kaum w&#228;hrend einer schuldenbelasteten, zugedr&#246;hnt vorbeiziehenden Dauerparty passiert sein.</p>

<p>Hanekamp war laut Autorenportr&#228;t im Buch auch schon Journalist. Na, da haben wir es doch schon. Dieser Roman ist bestimmt ein literarische Portr&#228;t der „Generation“ der Nullerjahre: Party, Dr&#246;hnung, Destruktivit&#228;t und das dauernde Gef&#252;hl, „so was von da“ leben zu m&#252;ssen, weil die Zukunft nicht absehbar ist, die Bildungs- und Berufsbiografien gebrochen sind etc. Vielleicht also ist das die Story, die Oskar Wrobel als Ich-Erz&#228;hler in die Welt setzen will.</p>

<p>Also ist das Pop-Literatur?! –</p>

<p>– Mir ist die Einordnung solcher Romane in irgendwelche Schemata <del>eigentlich</del> zu l&#228;stig, weil solche Einordnungen immer so viel zu erkl&#228;ren versuchen, was sie gar nicht erkl&#228;ren k&#246;nnen.</p>

<p>Eines hat mich beim Lesen dieses Romans allerdings mehr und mehr &#252;berrascht: Beim Lesen kam nichts &#252;berraschendes, der Roman ist weit &#252;ber die H&#228;lfte absehbar – und doch habe ich weiter gelesen, habe zu Ende gelesen, bin in den Sog der literarischen Party geraten. Aber das macht die Party heute vielleicht aus: Jeder Partyg&#228;nger wei&#223;, wie sie sein soll, jeder wei&#223;, wie sich eine schlechte Party anf&#252;hlt, jede Party gleicht der anderen. Doch die gute Party entwickelt in diesem Altvertrauten einen Sog. Und das passiert auch bei diesem Roman. Als Leser wei&#223; ich, wie so ein Roman funktioniert, ich wei&#223;, wie so ein Roman sein soll, wie sich ein schlechter Roman liest. Und ein guter Roman entwickelt einen eigenen Sog. Ich bin mir sicher, Hanekamps „So was von da“ kann diese Sog nicht auf jeden Leser und jede Leserin aus&#252;ben, es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass ihm das gelingt.</p>

<p>Ein gut lesbarer Roman, in dem die Schrecken des Lebens auftauchen wie in mancher Nachmittagssendung im Privatfernsehen: Sie gehen im Augenblick des Auftauchens im Rausch des „Da“ wieder unter. Und doch ist da eine zarte Ernsthaftigkeit, die in alle dem L&#228;rm zu ber&#252;hren vermag.</p>

<blockquote>Tino Hanekamp: So was von da. Roman. K&#246;ln (Kiepenheuer und Witsch) 2011, 304 Seiten, Euro (D) 14,99 | sFr 21,90 | Euro (A) 15,50 ISBN: 978-3-462-04288-7</blockquote>

<p>Und seit neuestem werden B&#252;cher per Videotrailer beworben. Also dann… Will ich nicht vorenthalten:</p>

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<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Lyrik heute – Das „Jahrbuch der Lyrik 2011“ – 1. Eindruck</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 22:49:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wird heute &#252;ber Lyrik gesprochen, so wird dem Mangel an Lesern oft die Vielfalt lyrischer Produktionen gegen&#252;bergestellt. In diesem Zusammenhang schlie&#223;t es sich nicht gegenseitig aus, wenn Harry Oberl&#228;nder von „lyrischer Massenproduktion“1 spricht und Theo Breuer nur ein paar Seiten &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wird heute &#252;ber Lyrik gesprochen, so wird dem Mangel an Lesern oft die Vielfalt lyrischer Produktionen gegen&#252;bergestellt.</p>

<p>In diesem Zusammenhang schlie&#223;t es sich nicht gegenseitig aus, wenn <a href="http://www.karl-marx-buchhandlung.de/faq/faq.html" target="_blank">Harry Oberl&#228;nder</a> von „lyrischer Massenproduktion“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/#footnote_0_5943" id="identifier_0_5943" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Christoph Buchwald, Kathrin Schmidt, Jahrbuch der Lyrik 2011, M&amp;#252;nchen 2011, S. 232.">1</a></sup> spricht  und <a href="http://www.poetenladen.de/theo-breuer.htm" target="_blank">Theo Breuer</a> nur ein paar Seiten vorher betont, dass die Mehrzahl lyrischer Ver&#246;ffentlichtungen „praktisch unter Ausschluss der &#214;ffentlichkeit“<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/#footnote_1_5943" id="identifier_1_5943" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd., S. 218.">2</a></sup> stattfinde. – Lyrikb&#252;cher, so Breuer, f&#228;nden oft nur f&#252;nfzig bis zweihundert Leser, ab dreihundert verkauften Exemplaren habe man schon eine „Auflagenschallmauer&#8221; durchbrochen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/03/31/lyrik-heute-das-jahrbuch-der-lyrik-2011-1-eindruck/#footnote_2_5943" id="identifier_2_5943" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ebd.">3</a></sup>.</p>

<p>Der Teil „Sechs Anmerkungen zum Gedicht“ im <em>Jahrbuch der Lyrik 2011</em>, ist entsprechend weniger ein Raum der Reflexion des Gedichts im Jahre 2011, sondern ein Ort, an dem sehr stark die Frage nach der Rezeption von Gedichten gestellt wird.</p>

<p>Neben die eher melancholischen T&#246;ne<span id="more-5943"></span> tritt dann noch <a href="http://www.brocan.de/" target="_blank">J&#252;rgen Brôcan</a>s papierlastiger und schwerer Beitrag, der noch am ehesten wirklich eine Anmerkung zum Gedicht der Gegenwart darstellt – ohne sonderlich zum Lesen von Gedichten anzuregen. so zumindest mein erster Eindruck von diesem Text.</p>

<p>Dass solche Texte einer Sammlung von mehreren hundert Gedichten nachgestellt sind, ist – erstaunlich.</p>

<p>Dieses <em>Jahrbuch der Lyrik 2011</em> kann sowohl als Zeugnis gro&#223;er Lebendigkeit des Dichtens als auch als Beleg f&#252;r lyrische Massenproduktion gesehen werden, der aber nur sehr beschr&#228;nkte Abnehmerzahlen (Leser) gegen&#252;berstehen.</p>

<p>Dennoch schottet sich die Zunft ernstzunehmender Dichter von der &#214;ffentlichkeit zumindest so ab, dass mir kaum Stimmen (Websites) von Dichtern im Netz bekannt sind. Kein Zweifel, dass mir da sicherlich einiges noch nicht begegnet ist – fast str&#228;flich ist, dass ich <a href="http://www.poetenladen.de" target="”_blank“">http://www.poetenladen.de</a> erst k&#252;rzlich entdeckt habe –, doch zweifle ich genau so wenig, dass ein gro&#223;er Teil heutiger Literatur vielleicht am Rechner entsteht, aber dennoch vor allem analog behandelt, ausgedruckt wird, nicht im Netz stattfindet, obwohl vielleicht gerade gute Lyrik hier ihren Ort und ihre Leserschaft finden k&#246;nnte, weit mehr als &#252;ber Buchhandlungen, die oft sowieso keine zeitgen&#246;ssische Lyrik mehr im Angebot haben.</p>

<p>Haben wir uns damit abgefunden, dass Lyrik jenseits von den Lyrics der Chart-Hits quasi erledigt ist?</p>

<p>Je zeitgen&#246;ssischer ein Gedicht ist, um so schwerer f&#228;llt der Zugang. Es ist nicht m&#246;glich, Gedichte zu konsumieren, wie das mit Romanen oder Musik aus dem Charts oft m&#246;glich scheint.</p>

<p>Da Lyrik nun zu den in Schulen h&#228;ufiger behandelten literarischen Gattungen geh&#246;rt, ist es sicher nicht abwegig zu vermuten, dass man der &#220;berlegung begegnet, dass es zwischen der Behandlung von Gedichten in der Schule und dem Mangel an Lesern, die kompetent mit Lyrik umgehen, einen Zusammenhang geben K&#246;nnte.</p>

<p>Vielleicht gibt es diesen Zusammenhang, meine Vermutung geht jedoch in eine andere Richtung: Lyrik zu lesen muss man kontinuierlich lernen; hin und wieder ein Gedicht zur Hand zu nehmen, reicht dazu nicht aus. Diese Form des Lesens von Gedichten als kontinuierlichen Prozess wird in der Schule eher weniger einge&#252;bt.</p>

<p>Im Zentrum der schulischen Heranf&#252;hrung an Gedichte steht die Heranf&#252;hrung an literaturhistorisch bedeutende Gedichtformen und Epochen, ohne dass wir damit bis in die Gegenwart k&#228;men. Moderne, zeitgen&#246;ssische Literatur findet nur sehr beschr&#228;nkt ihren Platz im Deutschunterricht.</p>

<p>Auf diesem Acker gibt es viel zu tun, so man der &#220;berzeugung ist, dass sich die Besch&#228;ftigung mit Lyrik lohnt. – Da ich den Wert von Sprache zur Orientierung und zum Sein in der Welt nach wie vor als hoch ansehe, geh&#246;re ich zu denen, die in der Besch&#228;ftigung mit Gedichten durchaus etwas Lebensrelevantes sehen, das alles in allem lebenswichtig ist.</p>

<p>Entsprechend r&#228;ume ich Gedichten (zu wenig?) Platz in meinem Leben und auch in der Schule ein. Ich blogge Gedicht-Interpretationen, und versuche, m&#246;glichst vielen Personen zumindest eine Ahnung davon zu geben, dass die Besch&#228;ftigung mit Lyrik lohnt, auch wenn dies noch nicht dazu f&#252;hrt, dass ein nachhaltiger Zugang zu dieser literarischen Gattung m&#246;glich wird. – Dass es in ein paar F&#228;llen allerdings gelungen scheint, stimmt mich zuversichtlich, dass es m&#246;glich ist, diesen Zugang zu Gedichten zu schulen und nachhaltig zu erm&#246;glichen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<!-- Ende von `social share privacy by smeagol.de´ --><ol class="footnotes"><li id="footnote_0_5943" class="footnote">Christoph Buchwald, Kathrin Schmidt, <em><a href="http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=356976" target="_blank">Jahrbuch der Lyrik 2011</a></em>, M&#252;nchen 2011, S. 232.</li><li id="footnote_1_5943" class="footnote">Ebd., S. 218.</li><li id="footnote_2_5943" class="footnote">Ebd.</li></ol>
	Tags: <a href="http://herrlarbig.de/category/21-jahrhundert/2011/" title="2011" rel="tag">2011</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/21-jahrhundert/" title="21. Jahrhundert" rel="tag">21. Jahrhundert</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/auflagenschallmauer/" title="Auflagenschallmauer" rel="tag">Auflagenschallmauer</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/blog/" title="Blog" rel="tag">Blog</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buch/" title="Buch" rel="tag">Buch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/buecher/" title="Bücher" rel="tag">Bücher</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/christoph-buchwald/" title="Christoph Buchwald" rel="tag">Christoph Buchwald</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/deutsch/" title="deutsch" rel="tag">deutsch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/" title="Deutsch Sek. II" rel="tag">Deutsch Sek. II</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/deutschunterricht/" title="Deutschunterricht" rel="tag">Deutschunterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/dichter/" title="Dichter" rel="tag">Dichter</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedicht/" title="Gedicht" rel="tag">Gedicht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedichte/" title="Gedichte" rel="tag">Gedichte</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedichtform/" title="Gedichtform" rel="tag">Gedichtform</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gedichtformen/" title="Gedichtformen" rel="tag">Gedichtformen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gegenwart/" title="Gegenwart" rel="tag">Gegenwart</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/gegenwartig/" title="gegenwärtig" rel="tag">gegenwärtig</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/interpretation/" title="Interpretation" rel="tag">Interpretation</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/jahrbuch/" title="Jahrbuch" rel="tag">Jahrbuch</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/kathrin-schmidt/" title="Kathrin Schmidt" rel="tag">Kathrin Schmidt</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lernen/" title="lernen" rel="tag">lernen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lesen/" title="lesen" rel="tag">lesen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/lesen/" title="lesen" rel="tag">lesen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/literatur/" title="Literatur" rel="tag">Literatur</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/lyrik/" title="Lyrik" rel="tag">Lyrik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/deutsch-sek-ii/lyrik-deutsch-sek-ii/" title="Lyrik" rel="tag">Lyrik</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/moderne/" title="Moderne" rel="tag">Moderne</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/reflexion/" title="Reflexion" rel="tag">Reflexion</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/sprache/" title="Sprache" rel="tag">Sprache</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/sprechen/" title="sprechen" rel="tag">sprechen</a>, <a href="http://herrlarbig.de/tag/unterricht/" title="Unterricht" rel="tag">Unterricht</a>, <a href="http://herrlarbig.de/category/literatur/theorie/" title="»Theorie«" rel="tag">»Theorie«</a><br />
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		<title>Lernen im Museum mit iPad und Internet</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 18:53:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Um zu erfahren, wie mit digitalen Medien Lernprozesse ablaufen k&#246;nnen, unterziehe ich jede mir spannend erscheinende M&#246;glichkeit einem Praxistest, bevor ich sie gegebenenfalls f&#252;r schulische Belange in Betracht ziehe. Mein letzter Test f&#252;hrte mich ins Museum, nicht in irgendein Museum, &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/01/18/lernen-im-museum-mit-ipad-und-internet/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um zu erfahren, wie mit digitalen Medien Lernprozesse ablaufen k&#246;nnen, unterziehe ich jede mir spannend erscheinende M&#246;glichkeit einem Praxistest, bevor ich sie gegebenenfalls f&#252;r schulische Belange in Betracht ziehe.</p>

<p>Mein letzter Test f&#252;hrte mich ins Museum, nicht in irgendein Museum, sondern in das Frankfurter <a href="http://www.staedelmuseum.de/" target="_blank">St&#228;del</a>, wo zur Zeit die Ausstellung „Die Chronologie der Bilder. St&#228;delwerke vom 14.–21. Jahrhundert“ l&#228;uft (noch bis 26. Juni 2011). Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass die Bilder streng nach ihrer Entstehungszeit geordnet sind, sodass ganz andere Bildzusammenh&#228;nge erkennbar werden k&#246;nnen, als das in der sonst &#252;blichen H&#228;ngung nach Regionen &#252;blich ist.</p>

<p>Mich interessierte aber etwas anderes: Ist es m&#246;glich, mit einem mobilen, digitalen Endger&#228;t (Smartphone oder Tablet-PC), den Bildern lernend zu begegnen? Kann ich auch diesem Wege meine eigene F&#252;hrung zu Werken, die mir auffallen, gestalten? Wie fruchtbar sind die Informationen zu Kunstwerken und K&#252;nstlern, die ich auf diesem Wege, vor dem Original stehend oder sitzend, bekomme, f&#252;r mein eigenes Lernen in Sachen Malerei?</p>

<p>Also nahm ich mein iPad mit in die Ausstellung. Dagegen hatte offensichtlich keine der Aufsichtspersonen etwas einzuwenden. Im Gegenteil: Als ich da sa&#223;, ein Bild anschaute und las, was ich zu dem Bild finden konnte, wurde ich neugierig befragt, was ich da mache. Meine Auskunft, dass ich mich &#252;ber die Bilder kundig mache und dazu das Internet nutze, reduzierte die Neugier nicht, was mir ein Zeichen war, dass, selbst in einem so renomierten und gut besuchten Museum wie dem St&#228;del, mein Vorgehen alles andere als allt&#228;gliches Besucherverhalten zu sein scheint.</p>

<p>Zun&#228;chst nahm ich mir eines der ber&#252;hmtesten Bilder im St&#228;del vor,  Jan van Eycks „Lucca-Madonna“. Es war &#252;berhaupt kein Problem, umfassende Informationen zu diesem Bild online zu finden. Der zugeh&#246;rige <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lucca-Madonna" target="_blank">Wikipedia-Artikel</a> ist sogar richtig gut (auch wenn das beigef&#252;gte Bild in seiner Farbtreue gegen&#252;ber dem Original keinerlei realen Eindruck von der wirklichen Aura dieses Bildes vermitteln kann). Und so begann ich meine Reise durch das Bild, entdeckte Details, die mir beim bisherigen Betrachten des Bildes immer wieder gar nicht aufgefallen waren, erfuhr etwas &#252;ber den Entstehungsprozess des Bildes, bekam Anregungen, wie das Bild gedeutet werden k&#246;nnte, von denen ausgehend ich mir dann meine eigenen Gedanken machen konnte.</p>

<p>Wenn ich gewollt h&#228;tte, h&#228;tte ich mich nun auf die im Saal vorhandene Sitzbank setzen (leider sind nicht in allen S&#228;len Sitzb&#228;nke verf&#252;gbar) und meine eigenen Eindr&#252;cke aufschreiben k&#246;nnen. Darauf habe ich bei diesem Test einmal verzichtet, weil ich das gleiche Vorgehen auch noch bei anderen Werken ausprobieren wollte.</p>

<p>Das zweite Bild, das ich mir ausw&#228;hlte, war <a href="http://www.staedelmuseum.de/sm/index.php?StoryID=337&amp;ObjectID=436" target="_blank">Adam Elsheimers „Sintflut“</a>. Eine Basisinformation zu dem Bild fand ich <a href="http://www.staedelmuseum.de/sm/index.php?StoryID=337&amp;ObjectID=436" target="_blank">auf der St&#228;del-Website</a>.  &#196;hnlich ausf&#252;hrliche Darstellungen, wie ich sie bei van Eycks „Lucca-Madonna“ online gefunden hatte, konnte ich zu diesem Bild zwar nicht finden, st&#252;rzte mich dann aber auf die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Elsheimer" target="_blank">Wikipedia-Seite zu Adam Elsheimer</a>. Und auf diesem Wege bekam ich zumindest Hilfestellung f&#252;r den Zugang zu dem Werk, wenn auch keine umfassende Bilddeutung.</p>

<p>Meinen letzten Versuch startete ich beim neusten Bild, das in der Ausstellung zu sehen ist: Daniel Richters 2007 entstandenes <a href="http://arttattler.com/Images/Europe/Germany/Frankfurt/die%20Stadel/Chronological%20Order/o_24_Richter_Horde_2007.jpg" target="_blank">Bild „Horde“</a>. Dass es von der „Lucca-Madonna“ bis zu „Horde“ einiges an Umbr&#252;chen in der Malerei gegeben haben muss, ist auf den ersten Blick zu erkennen, auch wenn Richters Bild selbst fig&#252;rlich gehalten ist, nicht zur abstrakten Kunst gez&#228;hlt werden kann. Aber was w&#252;rde ich &#252;ber ein so neues Bild mithilfe meines Online-Zugriffs herausfinden?</p>

<p>In diesem Falle waren ein A<a href="http://www.twocoatsofpaint.com/2010/01/daniel-richter-at-essl-museum.html" target="_blank">rtikel &#252;ber eine Ausstellung des K&#252;nstlers auf Englisch</a> und <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-51373607.html" target="_blank">ein Spiegel-Artikel, der Daniel Richter vorstellt</a>. Wieder keine ausf&#252;hrliche Bildinterpretation, wie ich sie bei van Eyck gefunden hatte und bei sicherlich vielen Werken der Ausstellung finden k&#246;nnte, aber doch Informationen zum K&#252;nstler und seiner Malerei, die es mir erm&#246;glichten, einen Zugang zu diesem monumentalen Werk zu bekommen.</p>

<p>Zufrieden beendete ich diesen Besuch im St&#228;del, packte das iPad wieder ein und hatte den Eindruck, in diesen knapp 90 Minuten wieder etwas mehr &#252;ber Malerei und Kunst gelernt zu haben – obwohl und gerade weil nicht zu allen Bildern ausf&#252;hrliche Bildbeschreibungen zu finden waren.</p>

<p>Beim Lernen geht es ja gerade nicht darum, dass Informationen vorgekaut aufgenommen werden, sondern darum, eigene (auf Wissen basierende) Kompetenzen aufzubauen. In diesem Falle steht also die Frage im Raum, ob ein Betrachten von Bildern in einem Museum mit Hilfe von online vor Ort verf&#252;gbaren Informationen zu einem solchen Kompetenzaufbau beitragen kann.</p>

<ol>
    <li>Bei van Eycks „Lucca-Madonna“ hatte ich eine exemplarische Bildanalyse verf&#252;gbar, die mir zeigte, worauf bei einer Bildanalyse alles geachtet werden kann und mich zus&#228;tzlich mit interessanten, aber f&#252;r die Analyse nicht unbedingt notwendigen, Informationen versorgte. Auf dieser Basis sollte dann aber auch die Begegnung mit anderen Bildern m&#246;glich sein, an denen ich die durch die exemplarische Bildanalyse geschulte Aufmerksamkeit erproben k&#246;nnte, auch wenn ich keine ausf&#252;hrliche Bildanalyse finden kann.</li>
    <li>Bei Adam Elsheimers „Sintflut“ fand ich mich dann (zum Gl&#252;ck) auch gleich in der Situation vor, dass ich keine ausf&#252;hrliche Bildanalyse im Netz ausfindig machen konnte, aber Basisinformationen, die als Grundlage f&#252;r ein genaues Betrachten des Bildes ausreichen sollten, hatte ich doch an van Eycks Bild zuvor gelernt, worauf alles bei einer Bildanalyse geachtet werden kann. Hier konnte ich nun erproben, ob dieses Wissen reicht, um eine Kompetenzsteigerung im Umgang mit einem mir bis dahin unbekannten Bild festzustellen. Wenn ich den in meinem Kopf stattgefunden habenden Dialog mit dem Bild &#252;berdenke, gewinne ich den Eindruck, dass ich mehr von Elsheimers „Sintflut“ gesehen habe, als ich es ohne diesen ersten Schritt der exemplarisch durchgef&#252;hrten Bildanalyse h&#228;tte sehen k&#246;nnen.</li>
    <li>Bei Daniel Richters „Horde” erging es mir &#228;hnlich, wie bei Elsheimers Sintflut. Ich fand Artikel zum Maler, ein paar Hintergr&#252;nde zur grunds&#228;tzlichen Ausrichtung der Bilder und konnte dazu auch noch auf Vorwissen in Sachen „Moderne Malerei / Kunst“ zur&#252;ckgreifen, weil ich mich mit diesem Bereich der Kunstgeschichte schon in anderen Zusammenh&#228;ngen besch&#228;ftigt habe.</li>
</ol>

<p>Der Zugang zum Internet, die Recherche nach Informationen zu Bildern, die ich w&#228;hrend meines Besuches spontan ausw&#228;hlte, weil sie mich angesprochen haben, hat nicht dazu gef&#252;hrt, dass ich vorgekautes, enzyklop&#228;disches Wissen zu den Bildern bekommen habe. Mir scheint das eine der &#196;ngste zu sein, wenn man sich fragt, ob man mobile Computer mit Internetzugang in Bildungszusammenh&#228;ngen einsetzen soll oder nicht. Die Angst ist nicht unbegr&#252;ndet, aber ich entdeckte, dass es eben nicht zu jedem Bild (und das gilt auch f&#252;r Gedichte, Dramen und Romane im Deutschunterricht) ausf&#252;hrliche Einzelanalysen gibt, aber Informationen, die meinen eigenen Prozess der Besch&#228;ftigung mit Bildern, die mich angesprochen haben, f&#246;rdern k&#246;nnen.</p>

<p>Auch wenn ich es toll finde, wie das MoMa in New York mittlerweile <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/26/apps-nicht-nur-fuer-lehrer-moma-abexny/" target="_blank">Smartphones und das iPad nutzt</a>, um Besucherinnen und Besuchern, aber auch Interessierten, die nicht die M&#246;glichkeit haben, das Museum mal eben so zu besuchen, Unterst&#252;tzung beim lernenden Zugang zur Kunst zu geben, so kann ich auch der von mir gemachten, nicht durch Museumskuratoren gepr&#228;gten, Erfahrung etwas abgewinnen, externe Informationen zu Bildern und K&#252;nstlern im Internet w&#228;hrend der direkten Begegnung mit Originalen zu nutzen.</p>

<p>Interessant fand ich dabei, dass ich wirklich meinen Sehinteressen gefolgt bin. Wenn mich ein Bild neugierig machte, ansprach, blieb ich stehen, betrachtete es, suchte nach zus&#228;tzlichen Informationen online, die meine Betrachtung vertieften. Diese Informationen waren didaktisch nicht aufbereitet, sondern „einfach so“ verf&#252;gbar, was dieses Form des Lernens nat&#252;rlich nur dann sinnvoll sein l&#228;sst, wenn z. B. Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern, mit denen ich mir einen solchen Museumsbesuch vorstellen k&#246;nnte, mit solchen Texten sinnerfassend angemessen umgehen k&#246;nnen. Oberstufensch&#252;ler und Oberstufensch&#252;lerinnen, vielleicht noch mit Kunst-LK, aber das w&#228;re nicht unbedingt n&#246;tig, k&#246;nnten dies sicherlich leisten.</p>

<p>Bleibt die Technikbarriere, denn nicht jeder Sch&#252;ler hat ein Smartphone oder gar einen Tablet-PC, das oder der einen mobilen Internetzugang hat; noch weniger k&#246;nnen Schulen solche Endger&#228;te in der Regel zur Verf&#252;gung stellen. Aber dieses Problem ist f&#252;r meinen Test erst einmal zweitrangig.</p>

<p>Ich wollte wissen, ob ein Lernen im Museum mit digitalen Endger&#228;ten, die den Zugriff auf Ressourcen im Internet erlauben, m&#246;glich ist und einen Lernfortschritt bringen kann. Die Antwort nach diesem Besuch im St&#228;del lautet eindeutig „Ja“. Ich werde, zumindest im Geltungsbereich meines mobilen Datenvertrages, zuk&#252;nftig wohl kaum noch ohne iPad im Museum anzutreffen sein, weil ich den Zugriff auf Informationen w&#228;hrend des Museumsbesuchs als fruchtbar erlebt habe, die Bildschirmgr&#246;&#223;e dem Smartphone deutlich &#252;berlegen ist und ich gegebenenfalls meine eigenen Gedanken zu den Bilder direkt vor Ort lesbar und sogar im Stehen notieren kann.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Bildungsplattformen &amp; Schulbuchverlage am Bsp. lo-net und Antolin</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 21 Nov 2010 18:51:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Abstract: Dieser Artikel arbeitet induktiv, das hei&#223;t, er geht von einem beobachteten, speziellen Ph&#228;nomen aus und gelangt von diesem zu allgemeineren &#220;berlegungen, in deren Kontext das Ph&#228;nomen eingeordnet wird. Ausgangspunkt ist der Wechsel des Betreibers von lo-net, die allgemeineren &#220;berlegungen &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Abstract: Dieser Artikel arbeitet <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Induktion_%28Denken%29" target="_blank">induktiv</a>, das hei&#223;t, er geht von einem beobachteten, speziellen Ph&#228;nomen aus und gelangt von diesem zu allgemeineren &#220;berlegungen, in deren Kontext das Ph&#228;nomen eingeordnet wird.</em></p>

<p><em>Ausgangspunkt ist der Wechsel des Betreibers von lo-net, die allgemeineren &#220;berlegungen stellen dann grunds&#228;tzliche Fragen zur Rolle von Schulb&#252;chern und Bildungsmedien in (schulischen) Bildungszusammenh&#228;ngen.</em></p>

<p><em>Daraus ergeben sich &#220;berlegungen &#252;ber die Zukunft von Bildungsmedien, die im Unterricht eingesetzt werden. <span id="more-5262"></span><br /> </em></p>

<h3>Der aktuelle Anlass: Betreiberwechsel bei lo-net</h3>

<p>Am Anfang war<a href="http://www.lo-net2.de" target="_blank"> lo-net</a> ein Projekt des gemeinn&#252;tzigen Vereins „<a href="http://www.schulen-ans-netz.de/" target="_blank">Schulen ans Netz e. V</a>“ und  „<a href="http://lehrer-online.de/" target="_blank">Lehrer online</a>“. Es wurde mit Mitteln des Bundesministeriums f&#252;r Bildung und Forschung und der Telekom gef&#246;rdert. Dann wurde lo-net zu einer eigenen GmbH und nun gab es erneut einen Betreiberwechsel: Lo-Net geh&#246;rt nun zum Portfolio des Cornelsen-Verlages, der im Schulbuchmarkt eine gewichtige Rolle spielt.</p>

<p>Laut Mitteilung an die Benutzer auf lo-net, wird f&#252;r die Nutzer alles gleich bleiben: Staatliche Schulen k&#246;nnen lo-net weiter kostenlos nutzen. Ziel der &#220;bernahme sei es, der Plattform eine langfristige Perspektive zu geben. Allerdings ist dabei zu beachten, dass es in den Nutzungsbedingungen hei&#223;t, der Dienst bestehe aus kostenlosen Grunddiensten sowie gegebenenfalls aus kostenpflichtigen Zusatzdiensten.</p>

<p>Liest man die Nutzungsbedingungen weiter, so wird ausdr&#252;cklich darauf hingewiesen, dass kein rechtlicher Anspruch auf die Zurverf&#252;gungstellung bestimmter kostenloser Dienste bestehe, ja, es wird so gar gesagt, dass der Betreiber keine Zusicherung f&#252;r einen bestimmten Leistungsumfang gebe. Das Recht, die zur Verf&#252;gung gestellten kostenlosen Dienste in Art und Umfang zu ver&#228;ndern, beh&#228;lt sich der Betreiber ausdr&#252;cklich vor.</p>

<p>Zugegeben, ich wei&#223; nicht, ob hier eine &#196;nderung der Benutzungsbedingungen f&#252;r lo-net stattgefunden hat, die alten Nutzungsbedingungen habe ich gerade nicht vorliegen, aber es scheint mir, dass die &#220;bernahme von lo-net durch den Cornelsen-Verlag mehr als nur ein Betreiberwechsel ist. Mir ist diese &#220;bernahme Anlass f&#252;r ein paar grunds&#228;tzliche &#220;berlegungen zur Bedeutung digitaler Bildungsmedien in der nahen Zukunft. Doch zun&#228;chst als Erl&#228;uterung:</p>

<h3>Was ist Lo-Net?</h3>

<p>Laut Selbstdarstellung ist Lo-Net eine Plattform f&#252;r Schule und Unterricht, die mittlerweile von &#252;ber 6500 Schulen in Deutschland genutzt wird. Es hei&#223;t zur Zeit auf der Startseite von Lo-Net:</p>

<blockquote><p>„lo-net² macht den Traum von der virtuellen Schule<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/#footnote_0_5262" id="identifier_0_5262" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Traum der virtuellen Schule? Nein, die Face-to-Face-Situation ist konstitutiv f&amp;#252;r Unterricht. Vergleiche hierzu diesen Beitrag &ndash; Anmerkung von HL">1</a></sup> wahr: Lehrkr&#228;fte und Lernende arbeiten in Klassen und Kursen online zusammen, Schulorganisation und Elternarbeit finden im Netz statt. Bereits mehr als 6.500 Schulen nutzen bundesweit die webbasierte Lern- und Arbeitsplattform lo-net², die umfassende und innovative L&#246;sung f&#252;r Schulen.“ (<a href="http://www.lo-net2.de" target="_blank">Quelle</a>)</p></blockquote>

<p>Dabei ist lo-net, das mag den Reiz f&#252;r Schulen ausmachen, es zu nutzen, eine in sich geschlossene Infrastruktur, die so ziemlich alle M&#246;glichkeiten anbietet, die im Web heute bekannt sind. In der <a href="http://www.lo-net2.de/ww3ee/101505.php?sid=66741591858404529429036023602160" target="_blank">Selbstdarstellung</a> hei&#223;t es:</p>

<blockquote><p>„Von werbefreien E-Mail-Adressen, Mailinglisten, Dateiablagen, modernen  Web 2.0-Tools wie Blogs und Wikis bis hin zu didaktischen Werkzeugen wie  dem Lernplan bietet lo-net² alle Funktionen, die vernetztes und  kreatives Arbeiten und Lernen in der Schule und von au&#223;erschulischen  Lernorten aus unterst&#252;tzen. Verstetigen Sie mit lo-net² den effektiven  Einsatz von PCs, Notebooks, interaktiven Whiteboards und digitalen  Medien im Unterricht.“</p></blockquote>

<p>Kurz: Lo-Net versteht sich als eine nahezu alle Bed&#252;rfnisse von Schulen in Bezug auf E-Learning-/E-Teaching-Arrangements im Unterricht abdeckende Plattform, die nur berechtigten Nutzern (Schulen, Lehrern und &#252;ber sie angemeldeten Lerngruppen) zur Verf&#252;gung steht und somit einen gesch&#252;tzten Raum f&#252;r die Arbeit mit digitalen Vernetzungswerkzeugen bietet.</p>

<p>Auf Lehrer-Online findet sich folgende Beschreibung der Einsatzm&#246;glichkeiten von Lo-Net:</p>

<blockquote><p>„Die Spannweite der Einsatzm&#246;glichkeiten von lo-net² reicht von  Sekretariatsaufgaben der Schulorganisation bis hin zur eigentlichen  p&#228;dagogischen Arbeit in virtuellen Klassenr&#228;umen und f&#252;hrt alle an  Schule beteiligten Personen &#252;ber das Internet zusammen.“ (<a href="http://www.lehrer-online.de/arbeiten-mit-lo-net2.php" target="_blank">Quelle</a> – Mehr auf der verlinkten Seite)</p></blockquote>

<p>Potentiell handelt es sich bei Lo-Net also um eine sehr umfassende, damit aber potentiell auch datenintensive, Plattform, in der Daten aller an Schule beteiligten Personen anfallen. Doch dazu sp&#228;ter mehr.</p>

<h3>Eigene Erfahrungen mit Lo-Net</h3>

<p>Lo-Net war in aller Munde. Ich kam gar nicht umhin, mir einen Account freischalten zu lassen. Es gibt Schulen, in denen ist Lo-Net <em>das</em> Instrument, wenn es um digitalen Medieneinsatz im Unterricht geht. Die Idee fand ich spannend und dann war das ganze auch noch von einem gemeinn&#252;tzigen Verein ins Leben gerufen worden. Ja, das galt es nat&#252;rlich zu unterst&#252;tzen.</p>

<p>Aber: Ich habe Lo-Net im Unterricht nicht genutzt. Selbst mir, der ich mit digitalen Arbeitsinstrumenten nicht unerfahren bin, war die Benutzung zu kompliziert, zu wenig intuitiv. Es ist mir nicht gelungen, bei meinen Tests der Plattform einen Workflow zu entwickeln, der dem Flow-Effekt nahe kommt, den ich sonst im Umgang mit digitalen Instrumenten kenne.</p>

<p>Sicher: Ein Vorteil von Lo-Net ist, dass hier eine Plattform zur Verf&#252;gung steht, in die alle mit ihr arbeitenden Personen nur einmal eingef&#252;hrt werden m&#252;ssen. Wenn also Schulen als Ganzes auf diese Plattform setzen, wirkt dies der Zersplitterung entgegen, die eintritt, wenn ein Lehrer mit <a href="http://moodle.org" target="_blank">Moodle</a> arbeitet, ein anderer mit Lo-Net, ein dritter mit noch einer anderen Plattform. Ja, es ist sinnvoll, an einer Schule nur eine E-Learning-Plattform zu haben, wenn man eine solche will. Es ist sinnvoll, wenn die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler im Physik-Unterricht die gleiche Plattform nutzen k&#246;nnen wie im Deutschunterricht oder allen anderen F&#228;chern.</p>

<p>Laut <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/BildungForschungKultur/Schulen/Tabellen/Content75/AllgemeinbildendeSchulenSchularten,templateId=renderPrint.psml" target="_blank">Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2009/10 in Deutschland 34 642 Schulen</a>. &#220;ber 6500 von diesen (ca. 20%) nutzen nach der Selbstdarstellung der Website die Plattform lo-net, auch wenn aus den Daten bei lo-net nichts &#252;ber die Nutzungsintensit&#228;t an den teilnehmenden Schulen hervorgeht. Doch die Erfahrung lehrt mich, dass es in der Regel eher einige Lehrkr&#228;fte sind, die dieses System nutzen und nicht unbedingt ganze Kollegien.</p>

<p>Dennoch: Lo-Net hat den Fu&#223; in der T&#252;r von ca. jeder f&#252;nften Schule in Deutschland.</p>

<h3>Wenn der Betreiber wechselt – oder: Schule als Wirtschaftsfaktor</h3>

<p>Dieser Fu&#223; in der T&#252;r der Schulen hat nun einen neuen Namen bekommen, auch wenn es in den Schulen ein alt bekannter Name ist, da es sich um einen gewichtigen Schulbuchverlag handelt: Cornelsen.</p>

<p>Diesen Schritt halte ich f&#252;r bemerkenswert, sind die Schulbuchverlage doch bislang mit der Nutzung des Internets zur Unterst&#252;tzung des konkreten Unterrichts unter Ber&#252;cksichtigung von Web 2.0-Tools, vorsichtig ausgedr&#252;ckt, abwartend, zur&#252;ckhaltend bzw. einfach nicht pr&#228;sent. Das Kerngesch&#228;ft sind Schulb&#252;cher – und in diesem Bereich werden sehr beeindruckende Auflagen erzielt.</p>

<p>Entsprechend abh&#228;ngig sind Schulbuchverlage von den Mitteln, die politisch f&#252;r Bildung zur Verf&#252;gung gestellt werden. Naheliegend, dass entsprechend eher nicht zu erwarten ist, dass sich ein Verlag an Open-Source-Projekten beteiligt.</p>

<p>Verlage sind wirtschaftlich, das sage ich hier ohne jegliche Wertung, von geschlossenen Systemen wie dem Copyright oder propriet&#228;ren E-Learning-Plattformen abh&#228;ngig. lo-net war nie ein Open-Source-Projekt, wie man es bei mit &#246;ffentlichen Mitteln (Steuergeldern) gef&#246;rderten Angeboten eigentlich erwarten k&#246;nnte. F&#252;r einen Verlag also die ideale Plattform, um in diesem Bereich Fu&#223; zu fassen.</p>

<p>Vor diesem Hintergrund erscheinen mir dann auch die <a href="http://www.cornelsen.de/ueber_c/1.c.1967445.de?hasjs=1290348885&amp;submittedByForm=1&amp;gsid=1.c.1724890.de&amp;id=1967445&amp;in_no_cookies_but_javascript_loop=3&amp;javascript_manually_indicated_by_user=false" target="_blank">Forderungen zum Bildungsgipfel der Bundesregierung am 10. Juni 2010</a> sehr lesenswert, die sich auf der Website des Cornelsen-Verlags finden. Die Forderungen k&#246;nnen kurz gefasst so zusammengefasst werden: Bitte so viel Geld wie m&#246;glich in den Bildungssektor, vor allem dort, wo es um die Anschaffung von Bildungsmedien geht.</p>

<p>Unter anderem hei&#223;t es dort:</p>

<blockquote><p>„Mit digitalen Inhalten, die sich f&#252;r Kernaufgaben des Unterrichts nutzen  lassen und auf Lehrplan und Unterrichtssituation zugeschnitten sind,  w&#252;rden viele die Schulstunde medialer gestalten. Effizient werden  digitale L&#246;sungen erst mit geeigneten Inhalten und Konzepten, aber die  kosten Geld und m&#252;ssen bezahlt werden.“</p></blockquote>

<p>Ein verlockendes Argument mit automatisiertem Zustimmungspotential. Doch es ist die Logik eines Wirtschaftsunternehmens, die hier zum Ausdruck kommt. Ich warte z. B. bislang vergeblich darauf, dass es Schulb&#252;cher als E-Books gibt, die parallel zu den gedruckten Ausgaben genutzt werden k&#246;nnen. – Solche E-Books w&#228;ren nur ein erster Schritt, da eine 1:1-Abbildung der Schulb&#252;cher in digitaler Form weit unter den M&#246;glichkeiten bliebe, die digitale Lernmedien bieten k&#246;nnen, aber in der gegenw&#228;rtigen Situation erschiene mir ein ein solcher Schritt als erster Schritt als klares Zeichen, wohin es mit Unterrichtsmedien in den n&#228;chsten zehn Jahren gehen kann. Oder ist der Mangel an solchen E-Books Ausdruck eines mangelnden Marktes, sprich: Ausdruck der Distanz vieler Lehrender zu solchen Medien und deren Nutzung in Unterrichtskontexten?</p>

<p>Gleichzeitig entdecke ich Portale mit tollen Ans&#228;tzen, die aber geschlossene Systeme sind, zum Beispiel die vom Schroedel-Verlag betriebene Quizseite zur Lesef&#246;rderung <a href="http://www.antolin.de/" target="_blank">Antolin</a>, deren Nutzung f&#252;r Schulen bislang 169 Euro pro Jahr kostet (ab 1.1.2011 179 Euro), eine Klassenlizenz kostet bislang 35 Euro (ab 1.1.2011 39 Euro). Dar&#252;ber hinaus gibt es keine Lizenzen f&#252;r Privatpersonen (z. B. Eltern, die Antolin ihren Kindern zur Verf&#252;gung stellen wollen).</p>

<p>Angesichts der Tatsache, dass sich viele Schulbuchverlage im Rahmen digitaler Lernmedien nach wie vor auf plattformabh&#228;ngige Lernsoftware beschr&#228;nken, die die entsprechende Software in der Regel nur f&#252;r Windows-Rechner einsetzbar macht, l&#228;sst den „innovativen“ Anspruch erkennen, den Verlage haben, die auf browsergest&#252;tzte Angebote zu setzen beginnen, wie das bei Antolin der Fall, wie das nun aber auch bei der &#220;bernahme von Lo-Net durch Cornelsen zu beobachten ist.</p>

<h3>Zukunft der Bildungsmedien</h3>

<p>Es deutet sich also an, dass auch Schulbuchverlage zu der Meinung gelangen, dass die Zukunft der Bildungsmedien in gewissem Rahmen eine digitale sein k&#246;nnte. Da hier noch so manche Frage im didaktischen und methodischen Kontext offen ist, formuliere ich dies im Konjunktiv, denn die Entwicklung von Positionen zu diesem Thema ist nach wie vor im Fluss.</p>

<p>Dennoch sagen bereits heute manche Bildungsmenschen voraus, dass das Schulbuch vermutlich von E-Books abgel&#246;st werden wird. Dies halte ich f&#252;r die noch zur&#252;ckhaltendere Variante, die die M&#246;glichkeiten der medialen Integration in digitalen Lehrwerken m&#246;glicherweise zu knapp in den Blick nimmt. Die digitalen Ausgaben mancher Zeitungen f&#252;r Tablet-PCs zeigen teilweise schon, in welche Richtung eine solche Integration unterschiedlicher Medien gehen kann (Text, Bild, Audio, Video, interaktive Grafiken etc.)</p>

<p>In schulischen Bildungszusamenh&#228;ngen spielen solche Formen bislang eine eher zu vernachl&#228;ssigende Rolle, auch wenn der langsame Einzug von interaktiven Whiteboards und die langsam gr&#246;&#223;er werdende Verf&#252;gbarkeit von Beamern langsam zu einer solchen Integration hin f&#252;hrt.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/#footnote_1_5262" id="identifier_1_5262" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nat&amp;#252;rlich werden schon heute unterschiedlichste Medien im Unterricht eingesetzt: Audio im Sprachenunterricht, Lehrfilme, Netzrecherchen etc., hier aber spreche ich von einer Integration dieser Optionen in digitalen Unterrichtsmaterialien / Lehrwerken, was noch einmal etwas ganz anderes ist.">2</a></sup></p>

<p>Diese Entwicklung hat zwar bislang nach au&#223;en hin kaum Niederschlag in den Angeboten der Schulbuchverlage gefunden, aber ich bin mir sicher, dass die entsprechenden Redaktionen diese Entwicklungen im Blick haben und &#252;berlegen, wie sie &#246;konomisch erfolgversprechend umgesetzt werden k&#246;nnen.</p>

<h3>Das Problem des Datenschutzes</h3>

<p>Doch so absehbar die Entwicklung hin zu digitalen Formen der Unterst&#252;tzung des Lernens auch ist, so gibt es dabei auch Probleme. Das schwerwiegendste scheint mir das des Datenschutzes zu sein. Was geschieht z. B. mit all den Daten, die auf einer Plattform wie Lo-Net generiert werden? Wer sich als registrierter Benutzer dieser Tage bei Lo-Net einloggt, soll sich mit der &#220;bertragung der Daten auf den neuen Betreiber einverstanden erkl&#228;ren, kann dieser aber auch widersprechen, was nat&#252;rlich mit dem Ende der M&#246;glichkeit des Einsatzes der Plattform im Unterricht verbunden ist.</p>

<p>Dabei bleiben zentrale Fragen offen. Z. B. kann ich in der <a href="https://www.lo-net2.de/ww3ee/554809.php?sid=77840636135189370029034613472740" target="_blank">Datenschutzerkl&#228;rung Lo-Nets</a> keinen Hinweis darauf finden, ob die Daten eigentlich serverseitig verschl&#252;sselt sind, was ich f&#252;r einen solchen, potentiell datenintensiven Dienst eigentlich voraussetze. Auch die E-Mail-Funktion in Lo-Net arbeitet unverschl&#252;sselt, sodass sich hier kein Mehrwert gegen&#252;ber „normaler E-Mail-Adressen“ ergibt, die ohne Verschl&#252;sselungstechnologie wie z. B. <a href="http://www.pgp.com/de/" target="_blank">PGP</a> oder <a href="http://www.gnupg.org/" target="_blank">GNUPG</a> arbeiten.</p>

<p>Zwar hei&#223;t es in der <a href="http://www.lo-net2.de/ww3ee/554809.php?sid=89512830323400455129036493649310" target="_blank">Datenschutzerkl&#228;rung</a> auf Lo-Net in der Fassung vom 17.11.2010:</p>

<blockquote><p>„In keinem Fall werden personenbezogene Daten der lo-net2 Mitglieder von der Cornelsen Verlag GmbH verkauft oder anderweitig vermarktet“,</p></blockquote>

<p>was im Vergleich zu der Nutzung personenbezogener Daten z. B. auf Facebook schon einmal ganz gut klingt, aber, zumindest kann ich keinen anders gearteten Hinweis finden, serverseitig scheint keine Verschl&#252;sselung der Daten zu erfolgen, auch wenn die Verbindung eingeloggter Benutzer verschl&#252;sselt ist (https), was so auch nicht jeder Anbieter als Standard erm&#246;glicht, sodass zumindest die Kommunikation mit dem Server „sicher“ ist.</p>

<p>Mit der &#220;bernahme von Lo-Net durch den Cornelsen-Verlag ist also die Notwendigkeit eines Einverst&#228;ndnisses des Daten&#252;bertragung an den neuen Anbieter verbunden, was rechtlich betrachtet eine Formalit&#228;t ist, die aber, angesichts der Tatsache, dass ich urspr&#252;nglich meine Daten einem gemeinn&#252;tzigen Verein gab, dann der &#220;bertragung auf die Lo-Net GmbH zustimmte und diese Daten nun einem der gewichtigen Schulbuchverlag &#252;bertragen werden sollen, ein qualitative Sprung ist, der mich nachdenklich stimmt.</p>

<h3>Das Problem des Copyrights</h3>

<p>In der Regel wird im schulischen Bereich das Copyright vor allem in Bezug auf kommerziell erstellte Inhalte von Schulbuch- und Bildungsmedienanbietern bezogen.</p>

<p>Mit der &#220;bernahme einer Plattform wie Lo-Net durch den Cornelsen-Verlag wird aber auch die Frage des Copyrights der von Lehrenden eigenst&#228;ndig erstellten Materialien relevant.</p>

<p>Gut, ich habe in den Nutzungsbedingungen zu Lo-Net <em>keinen</em> Hinweis gefunden, dass sich der Verlag die kommerzielle Nutzung der von Lehrenden eingestellten Materialien vorbeh&#228;lt, ich habe aber auch keinen Hinweis gefunden, dass das Copyright der erstellen Materialien dezidiert bei den Erstellern bleibt, was aber dann erst einmal die Regel sein d&#252;rfte, solange nichts anderes angegeben ist.</p>

<p>Wie aber wird sich dies weiter entwickeln? Es k&#246;nnte f&#252;r einen Verlag einen gewissen Reiz haben, Lehrern Raum f&#252;r Material und auch Materialtausch anzubieten, der dann vom Verlag kommerziell genutzt werden kann. Diese Gefahr sehe ich aktuell bei der &#220;bernahme von Lo-Net nicht, aber kommerziell gedacht ist das sicherlich ein verf&#252;hrerischer Gedanke…</p>

<h3>Alternativen und Visionen</h3>

<p>In den schon zitierten <a href="http://www.cornelsen.de/ueber_c/1.c.1967445.de?hasjs=1290348885&amp;submittedByForm=1&amp;gsid=1.c.1724890.de&amp;id=1967445&amp;in_no_cookies_but_javascript_loop=3&amp;javascript_manually_indicated_by_user=false" target="_blank">Forderungen zum Bildungsgipfel der Bundesregierung am 10. Juni 2010</a> hei&#223;t es:</p>

<blockquote><p>„Effizient werden  digitale L&#246;sungen erst mit geeigneten Inhalten und  Konzepten, aber die  kosten Geld und m&#252;ssen bezahlt werden.“</p></blockquote>

<p>Das ist richtig. Im Kontext bedeutet diese Aussage, verbunden mit der Forderung gen&#252;gend Mittel f&#252;r Bildungsmedien zur Verf&#252;gung zu stellen aber auch, dass hier prim&#228;r ein berechtigtes Interesse der Schulbuch- und Bildungsmedienanbieter ber&#252;cksichtigt wird.</p>

<p>Andererseits wird in den n&#228;chsten Jahren angesichts der ins Grundgesetz aufgenommenen „Schuldenbremse“ und der Gesamtverschuldung von Bund, L&#228;ndern und Kommunen, die Frage der Kosteneffizenz und der Einsparm&#246;glichkeiten im schulischen Bereich mit Sicherheit weiter eine wichtige Rolle spielen.</p>

<p>Doch von den finanziellen Fragen abgesehen, wenn es um Bildung geht, wird immer von Geld gesprochen, stellt sich die Frage, wie effiziente digitale L&#246;sungen mit geeigneten Inhalten und Konzepten eigentlich erstellt werden…</p>

<p>Zu diesem Thema habe ich mir an andere Stelle unter der &#220;berschrift <a title="Permanent Link: Schulb&#252;cher und freie Unterrichtsmaterialien" rel="bookmark" href="../../2010/05/01/schulbuecher-und-freie-unterrichtsmaterialien/">Schulb&#252;cher und freie Unterrichtsmaterialien</a> bereits Gedanken gemacht, die ich hier nicht wiederholen will.</p>

<p>Die Frage der Materialienpools zu Unterrichtsthemen, die Frage des Austauschs der von Lehrenden selbst erstellten Unterrichtsentw&#252;rfe und Materialien, wird in Kollegien immer mal wieder angesprochen. Ein solcher Austausch findet auch statt, selbst wenn mir immer wieder von Lehrenden berichtet wird, die auf ihren Materialien wie auf einem Schatz sitzen sollen – begegnet ist mir ein solcher Lehrer noch nicht, vielleicht ist das ja nur ein Mythos.</p>

<p>Offene, kostenfrei verf&#252;gbare Materialienpools w&#252;rden den Schulbuchverlagen sicher nicht gefallen, sie w&#252;rden mit Sicherheit all ihre Lobby-Kraft einsetzen, um dies zu verhindern, aber die L&#228;nder als Schultr&#228;ger k&#246;nnten durchaus in diesem Bereich viel zur Unterst&#252;tzung der Lehrenden tun, w&#252;rden sie Plattformen einrichten, die f&#252;r Lehrende zu echten Vernetzungsplattformen werden k&#246;nnten,   &#228;hnlich wie <a href="http://www.rpi-virtuell.net/home/uebersicht" target="_blank">rpi-virtuell</a> oder auch (angesichts sehr reduzierter Austauschm&#246;glichkeiten und eigentlich dringend n&#246;tiger, aber nicht vorhandener Qualit&#228;tssicherungsmechanismen nur in sehr eingeschr&#228;nktem Ma&#223;e vorbildich) <a href="http://4teachers.de/" target="_blank">4teachers</a>, was aber wiederum eine eher kommerziell ausgerichtete Plattform zu sein scheint, da von der <a href="http://www.4teachers.de/?action=static&amp;t=impressum" target="_blank">4teachers GmbH</a> betrieben.</p>

<p>Gel&#228;nge es, solche Plattformen einzurichten, diese mit Qualit&#228;tssicherungsmechanismen (Peer-Review etc.) auszustatten und so inhaltlich starke, methodisch und didaktisch angemessen aufbereitete Materialienpools zu entwickeln, so k&#246;nnte dies die Kosten f&#252;r effiziente digitale L&#246;sungen mit geeigneten Inhalten und  Konzepten vermutlich senken, sehr zum Leidwesen der Schulbuchverlage, die dann sicherlich die Frage des Arbeitsplatzabbaus in den Ring werfen w&#252;rden.</p>

<p>Angesichts der Entwicklung der Schulen hin zu Konzepten von Bildungsstandards und Kerncurricula, stellt sich sowieso die Frage, wenn die Schulen bez&#252;glich der Hauscurricula wirklich die Freiheit bekommen sollten, die zum Teil angedacht sind, welche Rolle in dieser Hinsicht relativ unflexible Schulb&#252;cher spielen k&#246;nnen.</p>

<p>Notwendig werden Module, die im Rahmen der Output-Orientierung neuer Vorgaben f&#252;r schulischen Unterricht genutzt werden k&#246;nnen und dar&#252;ber hinaus eine gewisse Flexibilit&#228;t erlauben. Es werden also Bildungsmaterialien ben&#246;tigt, die nicht mehr in einem Buch den Lehrplan eines Schuljahres abzudecken versuchen, weil es solche im klassischen Sinne vermutlich weniger ausgepr&#228;gt geben wird als bisher.</p>

<p>Idealerweise w&#252;rde auf diese Deregulierungstendenz innerhalb eines Bundeslandes mit digitalen Angeboten reagiert, weil diese analogen Angeboten gegen&#252;ber weit flexibler ausgestaltet und den jeweiligen Anforderungen angepasst werden k&#246;nnen.</p>

<p>Wenn zuk&#252;nftig die Fachkonferenzen der Schulen f&#252;r das Hauscurriculum zust&#228;ndig sind, das die Vorgaben der Bildungsstandards und Kerncurricula umsetzt, ist damit auch die Frage nach Unterrichtsmaterial verbunden. Es k&#246;nnte passieren, dass hier die Lehrenden nicht nur danach schauen, welche Materialien vorhanden sind, sondern auch selbst st&#228;rker in den Austausch geraten, als es sowieso schon h&#228;ufiger der Fall ist, als es in der &#214;ffentlichkeit wahrgenommen wird.</p>

<p>Wenn <a href="http://herrlarbig.de/2010/11/19/kompetenzenorientiert-unterrichten-ein-vorschlag/" target="_blank">kompetenzorientierter Unterricht</a> zuk&#252;nftig dazu kommen sollte, dass Wissen durch den handelnden Umgang mit Problemen und mit Hilfe von Referenzmaterialien aufgebaut wird, also wirklich ein Wissensaufbau und nicht nur eine F&#228;higkeit zum Nachschlagen von Wissen erreicht wird, werden Schulb&#252;cher wohl eher Anleitungen zu solchen Arbeitsformen und das daf&#252;r notwendige Grundwissen verf&#252;gbar machen m&#252;ssen.  Da in diesem Rahmen aber digitale Arbeitsinstrument nach gegenw&#228;rtiger Projektion auf die Zukunft hin, eine wichtige Rolle spielen werden, werden die <a href="http://www.berlin.de/aktuelles/berlin/1335992-958092-studentenentwickelnschulbuchderzukunft.html" target="_blank">Schulb&#252;cher der Zukunft</a> – der Link verweist auf ein aktuelles Projekt, an dem der Cornelsen-Verlag beteiligt ist und zu den hier ge&#228;u&#223;ersten Vermutungen zur Unternehmenesstrategie zu passen scheint – m&#246;glicherweise vor allem Begleitmaterial zu digitalen Bildungsmedien sein, die dann aber weniger mono-mediale Angebote als viel mehr digital mediale Formen integrierende Bildungsmedien sein werden.</p>

<p>Nein, ich will analoge Lerninstrumente nicht aus den Klassenzimmern verbannen, auch wenn vieles daf&#252;r spricht, dass es in diese Richtung geht, weil ich B&#252;cher mag und mir deren Einsatz und die mit ihm verbundene haptische Erfahrung am Herzen liegt, aber auch, weil sich der analoge Prozess des Lernens durchaus auch in den eingesetzten Bildungsmedien widerspiegeln sollte.</p>

<p>Schulbuchverlage werden zuk&#252;nftig mehr Programmierer brauchen, sie werden Plattformen schaffen m&#252;ssen, in denen modular Bereiche genutzt werden k&#246;nnen. Das Gesch&#228;ftsmodell w&#252;rde sich dadurch dramatisch &#228;ndern, w&#252;rde man doch nicht mehr nur Content anbieten, sondern diesen Content in ein Lernumfeld stellen m&#252;ssen. Das k&#246;nnen vernetzte L&#246;sungen sein, das k&#246;nnen Applikationen f&#252;r digitale Endger&#228;te sein, die einerseits geschlossen sind, andererseits aber die Interaktion mit offenen Inhalten im Netz erm&#246;glichen w&#252;rden, wobei wir wieder bei der Copyrightfrage sind, denn wenn in solche Bildungsmedien dann zum Beispiel frei verf&#252;gbare Inhalte im Netz sehr stark integriert werden, daf&#252;r aber Lizenzgeb&#252;hren anfallen, w&#228;re es nur angemessen, wenn diejenigen, die Content bereitstellen, von diesen Lizenzgeb&#252;hren anteilig entlohnt w&#252;rden.</p>

<h3>Resumee</h3>

<p>Bildungsmedien sind, auch wenn in Schulen das Schulbuch noch dominiert, in einem Wandlungsprozess, dessen Ergebnisse noch offen sind. Schulbuchverlage m&#252;ssen sich aber bereits mit diesem Prozess befassen, wenn sie als Anbieter von Bildungsmedien zukunftsf&#228;hig sein wollen.</p>

<p>Gleichzeitig ist offen, ob dieser Wandel nicht zu Lernformen f&#252;hren wird, die an vielen Punkten auf Wissensbest&#228;nde zur&#252;ckgreifen, die in qualitativ hochwertiger Form frei in digitalen Netzwerken verf&#252;gbar sind.<sup><a href="http://herrlarbig.de/2010/11/21/bildungsplattformen-schulbuchverlage-am-bsp-lo-net-und-antolin/#footnote_2_5262" id="identifier_2_5262" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich selbst mache mit herrlarbig.de die Erfahrung, dass z. B. Analysen literarischer Texte im Rahmen dieser Website stark nachgefragt sind. Sie stehen kostenlos zu Verf&amp;#252;gung (obwohl herrlarbig.de auch f&amp;#252;r mich mit Kosten jenseits der Freizeit, die ich zum Erstellen der Inhalte nutze, mit sich bringt">3</a></sup>. Wie Bildungsmedienanbierter konmerzieller Ausrichtung damit umgehen, wird sich zeigen.</p>

<p>Pers&#246;nlich bin ich der &#220;berzeugung, dass Bildung eine &#246;ffentliche Aufgabe ist, der Zugriff auf Inhalte, die im Bildungsprozess eine Rolle spielen, also m&#246;glichst wenigen Einschr&#228;nkungen unterliegen sollte. In der Wissenschaft weist hier die <a href="http://open-access.net/ch_de/allgemeines/was_bedeutet_open_access/" target="_blank">OpenAccess-Bewegung</a> einen Weg, der mir sehr sympathisch ist. – Ob er zu dem Gesch&#228;ftsmodell von Schulbuchverlagen passt, wage ich zu bezweifeln.</p>

<p>Dennoch: Vielleicht &#252;bernimmt Cornelsen Lo-Net mit dem idealistischen Interesse, dieser Plattform Bestandssicherheit zu geben; vielleicht aber ist diese &#220;bernahme auch ein Zeichen, dass die Zeichen der Zeit erkannt wurden und auf diesem Wege das Know-How-Portfolio des Verlages bereichert wird, wobei ich nicht unterstelle, dass der Zugriff auf die Arbeit von Lehrenden und Lernenden an ca. 6500 Schulen und die damit verbundenen Daten im Vordergrund steht. Diese &#220;bernahme ist ein Indiz, dass nun auch gro&#223;e Verlage ernsthaft die Bedeutung des Internets f&#252;r Lehr-Lern-Zusammenh&#228;nge erkennen und hier Fu&#223; zu fassen versuchen. Man darf gespannt sein, wie sich das in den n&#228;chsten Jahren weiter entwickeln wird.</p>

<p>Es sind aufregende Zeiten, in denen aber das eigentliche Ziel von Bildung nicht aus dem Blick verloren werden darf: Unabh&#228;ngig von eingesetzten Medien ist nicht derjenige gebildet, der viel kann, sondern derjenige, der das was er tut oder was ihm an Inhalten pr&#228;sentiert wird, reflektieren kann. <a href="http://kognitionspsychologie.suite101.de/article.cfm/metakognition-ein-zentrales-element-von-softskills" target="_blank">Metakognition</a> des eigenen Lernprozesse, und Metareflexion von Inhalten und Zusammenh&#228;ngen lauten die Schlagworte. Kurz: Ziel von Bildung sind Menschen, die zu eigenst&#228;ndigem, differenziertem, handlungsleitendem, Zusammenh&#228;nge erkennendem Denken und Handeln in der Lage sind.</p>

<p>Diese Ziele sind unabh&#228;ngig von eingesetzten Medien. In der Bildungsmediendiskussion d&#252;rfen diese Ziele nicht aus dem Auge verloren werden. Eine Diskussion, die die Form in den Vordergrund stellt, aber Inhalte und Ziele aus dem Blick verliert, w&#228;re der Verantwortung aller, die Bildungsprozesse verantwortlich initiieren und begleiten, unangemessen.</p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Herrn Larbigs Bibliothek 5 – Walt Whitman: Grasbl&#228;tter</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 23:22:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Neuzugang, der keiner ist und doch einer ist. Walt Whitmans „Leaves of Grass“ stehen in der amerikanischen Ausgabe von Sculley Bradley und Harold W. Blodgett schon l&#228;nger hier – auch, weil es bislang keine einzige vollst&#228;ndige &#220;bersetzung dieses zentralen Werkes f&#252;r die amerikanische Moderne ins Deutsche gab. Das hat den Zugang zu Whitman nicht gerade erleichtert, schon gar nicht, wenn man den Nuancen des Sprachgebrauchs in diesen Gedichten als Nicht-Amerikanist kaum auf die Schliche zu kommen in der Lage ist.</p>

<p>Seit September 2009 ist dieser Missstand vorbei. Endlich, nach &#252;ber hundert Jahren, wurde Whitmans Hauptwerk <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23410-9" target="_blank">nun ins Deutsche</a> &#252;bersetzt, J&#252;rgen Brôcan hat das l&#228;ngst &#220;berf&#228;llige endlich getan – und er hat gute Arbeit geleistet, erlaubt es diese &#220;bersetzung doch problemlos, den amerikanischen Text und die &#220;bersetzung nebeneinander zu lesen.</p>

<p>Der <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23410-9" target="_blank">Hanser-Verlag</a> hat sich gegen eine zweisprachige Ausgabe entschieden. Gerade bei Gedichten finde ich das zwar &#228;u&#223;erst problematisch, aber angesichts der &#252;ber 860 Seiten, die J&#252;rgen Brôcans &#220;bersetzung bereits hat, erscheint mir diese Entscheidung zumindest nachvollziehbar. Und da mir die amerikanische Ausgabe auch vorliegt, ist das zumindest f&#252;r mich kein Problem, sondern endlich die notwendige Erg&#228;nzung, um den Zugang zu einem Werk, das mich schon lange fasziniert, zu erleichtern.</p>

<p>Das Verdienst Brôcans geht aber weiter: Er legt eine gute &#220;bersetzung vor, in der er die alles andere als einheitlichen Sprachstile Whitmans nachvollzieht. Was muss das f&#252;r eine Arbeit gewesen sein!</p>

<p>Die 39,50 €, mit denen die Anschaffung dieses auf D&#252;nndruckpapier publizierten Werkes zu Buche schlagen, spiegeln wohl auch die zu erwartenden Verkaufszahlen wider. Es ist kaum zu erwarten, dass Gedichte heute noch so gut verkauft werden, dass kurzfristig mit hohen Auflagen gerechnet werden k&#246;nnte. Aber diese &#220;bersetzung wird sich halten, wahrscheinlich wird sie in ein paar Jahre auch als Taschenbuch vorliegen, vielleicht wird sie auch noch um die Teile erg&#228;nzt, die dieser Ausgabe noch abgehen: Am wenigsten kann ich nachvollziehen, dass es kein alphabetisches Verzeichnis der Gedichtanf&#228;nge gibt, das die Navigation im Buch  deutlich vereinfachen w&#252;rden; die wichtigsten W&#246;rter und &#220;bersetzungsentscheidungen sind in einem Anmerkungsapparat erl&#228;utert und dokumentiert, aber auch hier k&#246;nnten umfangreichere Anmerkungen den Wert dieses Buches noch einmal steigern und den Zugang zum Werk erleichtern.</p>

<p>Was aber ist so faszinierend an Whitmans Gedichten? F&#252;r mich ist es vor allem die Tatsache, dass zu der Zeit, in der Whitman ein Loblied der Demokratie schreibt, in Deutschland noch Kaiser herrschten und ein Werk wie Heinrichs Mann „Der Untertan“ erst noch erscheinen mussten. In diesem Werk Whitmans werden f&#252;r mich die enormen gesellschaftlichen Unterschiede nachvollziehbar, auch wenn in den USA die Abschaffung der Sklaverei erst durch einen Krieg zu Whitmans Lebenszeit erfolgte. Whitman setzt sich in seiner Lyrik f&#252;r die Sklaven ein, er fordert die Gleichberechtigung von M&#228;nnern und Frauen, greift die Indianerthematik aber eher romantisch verkl&#228;rt denn als blutige Hypothek der US-amerikanischen Geschichte auf.  Dar&#252;ber hinaus gelingt es ihm, in wenigen Versen ganze Bildlandschaften bei Lesenden los zu treten, die einen Eindruck des Lebens aller Schichten in den USA der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts vermitteln und in diesem Sinne auch inhaltlich zutiefst demokratisch sind.</p>

<p>Vergleichen mit den Zust&#228;nden in Deutschland und weiten Teilen Europas zur gleichen Zeit, f&#252;hrt dieses Werk auch die massiven Differenzen zu den damaligen USA vor Augen, die, zumindest in diesen Gedichten, weit moderner als das Europa dieser Zeit auf mich wirken.</p>

<p>Dabei f&#228;llt der teils sehr pathetische Ton auf, den Whitman dennoch anschl&#228;gt, der in Deutschland so bis heute weder m&#246;glich noch w&#252;nschenswert erscheint, aber f&#252;r ein vereinigtes Europa sprachlich wie inhaltlich Perspektiven auf den demokratischen Umgang mit Differenzen beinhaltet, auch heute noch, &#252;ber hundert Jahre nach dem Erscheinen der „Grasbl&#228;tter“.</p>

<p>Diese „Modernit&#228;t“, in Wirklichkeit ist Whitman an vielen Stellen wohl konservativer als es hier nun den Eindruck erweckt, mag auch damit zu tun haben, dass Whitman seiner eigenen Zeit voraus war. Nicht umsonst wurde sein Werk in den USA seiner Zeit als „obsz&#246;n“ empfunden. Whitman verlor seine Arbeit im Innenministerium aufgrund dieses als „unsittlich“ empfundenen Buchs, das neben der Sch&#246;nheit von Land und Leuten aller sozialer Klassen in Hymnen auch Whitmans Blick auf das Erotische nicht verschweigt.</p>

<p>Whitman geh&#246;rt mit zu den zentralen Figuren der Gr&#252;ndung einer amerikanischen Literatur und hat somit literaturhistorisch eine &#228;hnliche Bedeutung wie Goethe und Schiller f&#252;r die deutschsprachige Literatur. H&#246;chste Zeit also, dass diese &#220;bersetzung vorgelegt wurde, die in meinen Augen zu den wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2009 gez&#228;hlt werden kann.</p>

<blockquote>Walt Whitman, Grasbl&#228;tter, &#252;bersetzt von J&#252;rgen Brôcan</blockquote>

<blockquote>Erscheinungsdatum: 07.09.2009 –  Fester Einband, 880 Seiten
Preis: 39.90 € (D) / 65.00 sFR (CH) / 41.10 € (A)
ISBN 978-3-446-23410-9  – Hanser Verlag</blockquote>

<blockquote>Amerikanische Ausgabe:</blockquote>

<blockquote>Leaves of Grass
Walt Whitman
ISBN 10: 0393093883 / 0-393-09388-3
ISBN 13: 9780393093889
Publisher: W W Norton &amp; Co Inc
Publication Date: 1973</blockquote>

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