Lernlab Berlin 2013 – Vorbericht: Was ich geplant habe

Das Lernlab Berlin ist ein Experiment: Einen Tag lang wird an der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule digital unterrichtet, der Unterricht beobachtet und am Abend in einem pädagogischen und einem politischen Forum über die Erfahrungen des Tages diskutiert werden.

Hier gibt es einen kurzen Überblick über meine Planungen für die Teilnahme am Lernlab.

Die erste Einheit…

…geht in den laufenden Unterricht einer jahrgangsübergreifenden Klasse M1 (Sekundarstufe 1 / Mittelstufe, Jahrgänge 9/10).

Die Klasse liest im Deutschunterricht zur Zeit den Roman »Nathan und seine Kinder« von Mirjam Pressler. Dieser Roman ist an Lessings »Nathan der Weise« angelehnt und behandelt eine ähnliche Thematik.

Die Klasse hat die Lektüre des Romans zu Beginn dieser Woche abgeschlossen und zum Leseprozess ein Lesebegleitheft geführt, das am vergangenen Dienstag abgegeben wurde.

Bis heute (Donnerstag) wurde in der Lerngruppe mit der Deutschlehrerin das Wesen und der Inhalt der Charakterisierung als Textform behandelt.

Zunächst wurde überlegt, unter der provokanten Fragestellung »Welche ist die beste Religion« an die Ringparabel heran zu gehen, wobei Nathans Antworten und die der Schüler miteinander verglichen worden wären. Grund für diese Überlegung war, dass sich bereits beim Einstieg in die Lektüre bei den Jugendlichen ein großes Interesse am Thema »Die drei Weltreligionen – Gemeinsamkeiten und Unterschiede« gezeigt habe, so die mir vorliegenden Informationen, die ich im Vorfeld von der Deutschlehrerin bekommen habe,

Da die Charakterisierung aber gerade in den Unterricht eingeführt wurde, hielt ich es nicht für sinnvoll, die Schülerinnen und Schüler aus diesem Prozess heraus zu nehmen und mein Projekt mit Ihnen unverbunden mit dem zu gestalten, an dem die Klasse gerade dran ist.

Ich habe mich entschieden, den Schülerinnen und Schüler zum im Unterrichtsverlauf nun anstehenden Verfassen von Charakterisierungen, welches notwendig ist, damit diese Textsorte geübt wird, ein Werkzeug an die Hand zu geben, das es ihnen erlaubt, auch außerhalb des Unterrichts gleichzeitig oder zeitversetzt an ihren Texten arbeiten zu können.

Der Einfachheit halber habe ich mich für Etherpad als Werkzeug entschieden: Einfachheit heißt hier, dass das Werkzeug einfach verfügbar und sehr einfach zu bedienen ist, sodass ich davon ausgehen kann, dass eine Lerngruppe, deren Mitglieder sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen mitbringen, mit diesem Werkzeug erfolgreich wird arbeiten können.

Methodisch wird es so sein, dass fünf Gruppen mit max. fünf Schülerinnen und Schüler an je einer Charakterisierung gleichzeitig arbeiten werden. Das ist mit Etherpad problemlos möglich. Die einzelnen Gruppen werden aber nicht als Gruppe zusammensitzen, sondern verteilt über den Raum. Dabei hat jedes Gruppenmitglied einen Teil der Charakterisierung zu erstellen und dazu entsprechende Textstellen als Hilfestellung vorliegen.

Die inhaltliche Differenzierung hat die Deutschlehrerin vorgenommen, die die Aufgaben zur Erstellung der Charakterisierung erstellt hat, was mit sinnvoll erschien, weil sie die Klasse im Gegensatz zu mir sehr gut kennt.

Meine Aufgabe ist es nun, die Schüler und Schülerinnen mit dem Werkzeug vertraut zu machen und dort, wo es nötig ist, entsprechend Unterstützung anzubieten.

Am Ende der Stunde wird eine Reflexion über die Frage stehen, wie die Schülerinnen mit dem Werkzeug zurecht gekommen sind und wo bzw. in welchen Lernzusammenhängen sie sich einen sinnvollen Einsatz vorstellen können.

Natürlich ist die Situation mit verteilt über den PC-Raum sitzenden Gruppen konstruiert. Für die Einführung von Etherpad hat sich dieses Szenario in meinem eigenen Unterricht bereits bewährt, was ich daran festmache, dass Schülerinnen und Schüler, die methodisch auf diesem Wege mit dem Werkzeug vertraut gemacht worden waren, Etherpad ohne weitere Aufforderung durch den Lehrer für andere Unterrichtsprojekte und Arbeitsgruppen genutzt haben.

Die zweite Einheit…

…, die ich am Vormittag des Lernlabs unterrichten werde, ist wesentlich experimenteller.

Gemeinsam mit dem Kölner Kollegen André Spang ist geplant, die zwei Klassen  J8 (Mittelstufe) und C (Oberstufe – Jahrgang 11) miteinander zu vernetzt und auf Distanz miteinander arbeiten zu lassen.

Die beiden Klassen werden bei der Produktion eines Videos zum Thema »Schule im Jahr 2023«  kollaborieren. Die Arbeitsplattform auf der alles zusammen läuft ist ein Wiki ( http://bit.ly/lernlab13 ), genutzt werden aber auch Etherpad, Twitter, Google+Hangout und Audioboo.

Die von mir betreute Lerngruppe liefert kurze (Song-)Text-Snippets per Etherpad, die von der Mittelstufe zu 10 kurzen Videosequenzen und schließlich zu einem Trailer »Schule im Jahr 2023« ausproduziert werden.

Die Beats zu diesem Video sind in einer Doppelstunde entstanden, die Spang mit seiner Musikklasse vor unserer Zusammenschaltung gehalten hat. Diese Beats  dienen als »Filmmusik«, cc-by-Bilder aus dem Fundus der Wikimedia Commons visualisieren das »Digital Storytelling«. Die App iMovie und die Tablets der von André Spang betreuten Klasse J8 sind dabei mobiles Produktionsstudio, beide Lerngruppen sind klassen(raum)übergreifend per Internet und Googlehangout verbunden und eine Kollegin der HvS wird mit ihrer Tabletklasse noch ein wenig Salz in die Suppe streuen.

Das Video stellen wir am Ende der 4. Stunde auf YouTube und im Wiki ( http://bit.ly/lernlab13 ) bereit. Dort findet man auch alle Beats, Snippets, Tutorials, den Stundenverlauf und einen längeren Text zum Thema »Was erwarte ich für meine Bildung«, den ich in meiner Lerngruppe während der Schnittphase des Videos gemeinsam schreiben lasse.

In diesem Teil wollen André Spang und ich testen, was möglich ist: Wir wollen das Netz und die im Netz mögliche Kollaboration produktiv nutzbar machen.

Angesichts der vielen eingesetzten Tools und der Notwendigkeit, dass das Internet wirklich funktioniert und verfügbar ist, wird diese Einheit auch ein Test sein, ob und wie ein solches ambitioniertes Projekt im Rahmen der Infrastruktur von Schule möglich ist.

Wie auch meine erste Doppelstunde ist das Projekt didaktisch inszeniert. Natürlich kann man, wenn zwei Klassen im gleichen Schulgebäude sind, auch ohne Internet Lerngruppen kollaborieren lassen. Was wir hier »inszenieren« ist im Idealfall eine Vernetzung, die zwischen Lerngruppen stattfindet, die nicht am gleichen Ort sind, ja, die nicht einmal im gleichen Land sein müssen. – Das ist ja die Situation, die bereits heute bei Kollaborationen anzutreffen ist, bei denen Menschen auf Distanz miteinander arbeiten und Produkte vorlegen. So ist zum Beispiel auch dieses Unterrichtsprojekt im Internet von Köln und Frankfurt aus geplant worden, um schließlich in Berlin umgesetzt zu werden. Der Unterschied zu Vernetzungen im Alltag, die im Berufsleben mehr und mehr an Bedeutung gewinnen, ist bei diesem Projekt die Didaktisierung und methodische Anleitung zu Lernzwecken.

Apples „Earpods“ im Test

Gemeinsam mit dem iPhone 5 stellte Apple am 12. September 2012 neue Kopfhörer vor, die zukünftig mit iPods und iPhones ausgeliefert werden und für 29 Euro einzeln angeboten werden. Apple nennt diese kleinen, kompakten In-Ear-Kopfhörer „EarPods“.

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Goldrausch. Oder: Vielleicht ein Liwa-Moment.

Als ich noch an der Uni arbeitete, hatten wir einmal einen Studientag, an dem es um Religion in der Musik ging. – Damals unter anderem da: Tom Liwa. Abends gab er ein Konzert (vor kleinem Publikum), und blieb mir im Kopf.

Letztes Jahr hörte und sah ich Tom Liwa dann wieder im Frankfurter Club „Das Bett“.1 Das hat mir immer noch gut gefallen.

Am 24. Feburar 2012 ist nun sein Album „Goldrausch“ erschienen, noch im August wird es eine neue Single geben und voraussichtlich Mitte November erscheint ein neues Album der von Liwa 1985 gegründeten „Flowerpornoes“ (Bandwebsite).

Warum ich das alles erzähle? Nun: Liwa blieb mir Kopf (siehe oben) und Liwa schreibt in meinen Augen Ohren wunderbar poetische Texte. Das interessiert mich als deutscher Sprachkunst zugeneigten Menschen dann schon. Und zusammen mit seiner Musik gehört Liwa zu den für Insider eigentlich ziemlich prominenten Musikern, ist aber dennoch wohl einer der unbekanntesten bekannten Liedermacher deutscher Zunge mit Bekanntheitspotential.

Anlässlich der Platte „Goldrausch“ gibt es zum gleichnamigen Titel ein Video, das ich hier nun einbinde. Dieses Video ist dann auch der eigentliche Grund für diese Notiz. Vielleicht führt es den einen oder anderen ja auch noch seinem Liwa-Moment zu.

(Und am Rande: Nein, ich werde für solche Beiträge nicht bezahlt, bekomme keine Bitte, sie zu verfassen oder bin in sonstiger Weise extern motiviert. Solche Beträge kommen von Herzen. Von sonst nirgendwo.)

  1. Der Club feiert dieser Tage sein siebenjähriges Bestehen! []

Herrn Larbigs Bibliothek 10 – Tino Hanekamp: So was von da

Am Ende wissen wir es dann: Eine Party besteht aus lauter Musik, einem gewissen Hang zum destruktiven Auseinandernehmen der Partylocation, Partybesuchern, die so bedröhnt sind, dass sie eine MDMA-Bowle ohne MDMA dennoch für eine solche halten und dem Placeboeffekt völlig erliegen.

Eine Party als Weltuntergang, nach dem das Leben weiter geht, dann aber eben als Erwachsener. Bis dahin aber ist der Ich-Erzähler Oskar Wrobel dauerbeschäfitigt und weder die Nachricht, dass eine gute Freundin nicht mehr lange zu leben hat noch die Wiederkehr seiner geliebten Mathilde vermögen ihn von dieser Dauerbeschäftigung mit eingeschobenen Selbstbetrachtungen – Oscar Wrobel zitiert immer wieder aus Marc Aurels „Selbstbetrachtungen“ – abzuhalten.

Oskar hat Schulden, ein Ex-Zuhälter will mal eben so zehntausend Euro von ihm, Hamburgs für das Bürgermeisteramt kandidierende Justizsenatorin verbringt einen Teil dieser Nacht vom 31.12. zum 1.01. irgendeines der Nullerjahre des 21. Jahrhunderts im Aufzug, der zum Club führt, in dem die Party stattfindet, zum Club, der in einem alten Krankenhaus angesiedelt ist, bis dieses dann eben abgerissen wird. – So was machen Clubbetreiber gerne mit abrissreifen Häusern, man „feiert“ Partys. Das war in Frankfurts altem Polizeipräsidium so, das ist in Tino Hanekamps Roman nicht anders.

Und dann ist die Party vorbei.

Man wird „erwachsen“, arbeitet vielleicht sogar in den modernen Büros, die an Stelle des Abrisshauses getreten sind, ist weiter auf Drogen, weil man es nicht mehr anders kann und ist „So was von da“, also genau im Hier & Jetzt, ahnend, dass es ein Morgen gibt, aber noch nicht bereit, sich diesem Morgen zu stellen.

Zum Glück erzählt Oskar Wrobel diese Geschichte, denn Tino Hanekamp hat ja auch schon einen Club betrieben, der abgerissen wurde, hat auch heute noch mit der Hamburger Clubszene zu tun, hat aber bestimmt keinen realistischen Club vorstellen wollen. Das wäre zu öde und kaum zu glauben, denn bei allem Tempo, den der Roman bekommt, so musste er doch geschrieben werden – und das wird wohl kaum während einer schuldenbelasteten, zugedröhnt vorbeiziehenden Dauerparty passiert sein.

Hanekamp war laut Autorenporträt im Buch auch schon Journalist. Na, da haben wir es doch schon. Dieser Roman ist bestimmt ein literarische Porträt der „Generation“ der Nullerjahre: Party, Dröhnung, Destruktivität und das dauernde Gefühl, „so was von da“ leben zu müssen, weil die Zukunft nicht absehbar ist, die Bildungs- und Berufsbiografien gebrochen sind etc. Vielleicht also ist das die Story, die Oskar Wrobel als Ich-Erzähler in die Welt setzen will.

Also ist das Pop-Literatur?! –

– Mir ist die Einordnung solcher Romane in irgendwelche Schemata eigentlich zu lästig, weil solche Einordnungen immer so viel zu erklären versuchen, was sie gar nicht erklären können.

Eines hat mich beim Lesen dieses Romans allerdings mehr und mehr überrascht: Beim Lesen kam nichts überraschendes, der Roman ist weit über die Hälfte absehbar – und doch habe ich weiter gelesen, habe zu Ende gelesen, bin in den Sog der literarischen Party geraten. Aber das macht die Party heute vielleicht aus: Jeder Partygänger weiß, wie sie sein soll, jeder weiß, wie sich eine schlechte Party anfühlt, jede Party gleicht der anderen. Doch die gute Party entwickelt in diesem Altvertrauten einen Sog. Und das passiert auch bei diesem Roman. Als Leser weiß ich, wie so ein Roman funktioniert, ich weiß, wie so ein Roman sein soll, wie sich ein schlechter Roman liest. Und ein guter Roman entwickelt einen eigenen Sog. Ich bin mir sicher, Hanekamps „So was von da“ kann diese Sog nicht auf jeden Leser und jede Leserin ausüben, es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass ihm das gelingt.

Ein gut lesbarer Roman, in dem die Schrecken des Lebens auftauchen wie in mancher Nachmittagssendung im Privatfernsehen: Sie gehen im Augenblick des Auftauchens im Rausch des „Da“ wieder unter. Und doch ist da eine zarte Ernsthaftigkeit, die in alle dem Lärm zu berühren vermag.

Tino Hanekamp: So was von da. Roman. Köln (Kiepenheuer und Witsch) 2011, 304 Seiten, Euro (D) 14,99 | sFr 21,90 | Euro (A) 15,50 ISBN: 978-3-462-04288-7

Und seit neuestem werden Bücher per Videotrailer beworben. Also dann… Will ich nicht vorenthalten:

Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht

Creative Commons Lizenzvertrag

Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht von Torsten Larbig steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Es ist das bekannteste Weihnachtslied der Welt, in über 300 Sprachen übersetzt, gesungen mit der Melodie Franz Xaver Grubers.

Beginnt man, Suchmaschinen nach Interpretationen zu diesem berühmten Text zu befragen, tauchen viele musikalische Interpretationen auf. Aber was ist mit dem Text?

Vorne weg: Ich werde hier keine Detailinterpretation der einzelnen Strophen schreiben, werde mich nicht dazu auslassen, dass das Originalgedicht (!) sechs Strophen hatte, die heute gesungene Version aber nur drei hat etc. Hier versuche ich eine grundsätzliche Einordnung des Textes, mit dem Ziel, den Text zumindest ein wenig aus der Kitschecke heraus zu holen. Damit will ich nicht behaupten, dass der Text sich bei näherer Betrachtung plötzlich in großartige Literatur verwandeln würde, das passiert selbst bei sehr genauer Analyse des Textes nicht. Im Zusammenhang seiner Entstehungszeit kann aber verständlich werden, warum der Text in seinen Grundzügen so ist, wie er ist.

1816 entstanden, wurde „Stille Nacht, heilige Nacht“ 1818 erstmals aufgeführt.

Sprechen wir heute davon, dass Weihnachten ein romantisches Fest sei, so liegen wir mit dieser Äußerung goldrichtig.

Weihnachten, wie wir es heute kennen, fand in Grundzügen seine Prägung Gedichtinterpretation: Joseph Mohr – Stille Nacht, heilige Nacht weiterlesen