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		<title>Wandern in der Schule zwischen Zweck und Selbstzweck</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Sep 2011 21:40:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen Wandern zu gehen, ist nicht erst in j&#252;ngerer Zeit zu einer mutigen Veranstaltung geworden. Bereits 1986 gr&#252;ndete sich der „P&#228;dagogische Arbeitskreis ‚Schulwandern‘“ am staatlichen Schulamt der Stadt Dortmund. Dieser Arbeitskreis hat[te?]… …„sich die Aufgabe gestellt, die Bereitschaft zum Wandern in &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2011/09/13/wandern-in-der-schule-zwischen-zweck-und-selbstzweck/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wandern" target="_blank">Wandern</a> zu gehen, ist nicht erst in j&#252;ngerer Zeit zu einer mutigen Veranstaltung geworden.</p>

<p>Bereits 1986 gr&#252;ndete sich der „<a href="http://www.do.nw.schule.de/schulwandern/intbeg.rtf" target="_blank">P&#228;dagogische Arbeitskreis ‚Schulwandern‘“ am staatlichen Schulamt der Stadt Dortmund.</a> Dieser Arbeitskreis hat[te?]…</p>

<blockquote><address>…„sich die Aufgabe gestellt, die Bereitschaft zum Wandern in der Dortmunder Lehrerschaft neu zu beleben. Er will eine kind‑ und jugendgerechte Form des Wanderns entwickeln, die attraktiv ist und das Interesse der Sch&#252;ler weckt.“</address></blockquote>

<address>Dabei wird betont, dass das Wandern Mittel zum Zweck sei und nicht an sich einen Wert habe. Anschlie&#223;end werden die wertvollen Kompetenzen aufgez&#228;hlt, die man beim Wandern vermitteln k&#246;nne, die zudem auch von hochwertigen sozialen Komponenten begleitet werden. Wer mag, lese sich ein <a href="http://www.do.nw.schule.de/schulwandern/intbeg.rtf" target="_blank">Dokument aus dem Jahre 1998</a> einmal vollst&#228;ndig durch – und vergleiche es mit eigenen Erfahrungen, die mit dem Mut verbunden sind, mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen auf wirkliche Wanderungen zu gehen…</address>

<address>Dar&#252;ber hinaus gibt es noch eine <a href="http://www.staff.uni-marburg.de/~braemer/Justu92.pdf" target="_blank">Jugendstudie Wandern aus dem Jahre 1992</a>, <span id="more-6306"></span>die von Rainer Br&#228;mer an der Uni Marburg angefertigt wurde. Diese Studie scheint zumindest zu belegen, dass die negative Haltung gegen&#252;ber dem Thema Wandern damals gar nicht so eindeutig war, wie man angenommen hatte.</address>

<address>Und <a href="http://www.news.de/reisen-und-leben/855209951/schulwanderungen-sind-wieder-im-kommen/1/" target="_blank">k&#252;rzlich behauptete Gaby Diethers</a> (Referentin beim Deutschen Wanderverband)  im Vorfeld des <a href="http://deutscher-wandertag2011.de/" target="_blank">111. Deutschen Wandertages (8. bis 15. August 2011)</a>, dass Schulwanderungen wieder im Trend l&#228;gen. In diesem Zusammenhang fiel auch der Begriff <a href="http://www.geocaching.de/" target="_blank">Geocaching</a>. Nun, mit den meisten Jahrg&#228;ngen ist Geocaching in der Schule nicht m&#246;glich, weil dabei der Aufsichtspflicht f&#252;r die meisten Schulstufen nicht nachgekommen werden kann, aber es werden auch andere Unterhaltungsprogramme genannt, die zum Wandern motivieren k&#246;nnen. <a href="http://www.news.de/reisen-und-leben/855209951/schulwanderungen-sind-wieder-im-kommen/1/" target="_blank">Diethers sagt</a>:</address>

<blockquote><address>„Es gibt aber auch andere Wege. Sch&#252;ler finden es zum Beispiel faszinierend, mit Karte und Kompass nach drau&#223;en zu gehen und sich in der Natur zurechtzufinden. Mit Kindern k&#246;nnen es auch ganz einfache Sachen sein, etwa barfu&#223; &#252;ber ein matschiges Feld laufen oder sich Tiere anschauen.“</address></blockquote>

<p>Erstaunlich: Um Wandern gehen zu k&#246;nnen, muss man Events schaffen, bei denen man Dinge tut, die zumindest teilweise nicht wirklich zu weit verbreiteten Alltagst&#228;tigkeiten geh&#246;ren (barfu&#223; im Matsch laufen), die aber gleichzeitig dazu beitragen, dass man dieses Wort „Wandern“ nicht in den Mund nehmen muss.</p>

<p>Beim „Wandern“ passiert etwas, das meiner Wahrnehmung nach (nicht nur) Kindern und Jugendlichen schon seit einiger Zeit kaum noch als sinnvoll vermittelbar ist: Man tut etwas um seiner selbst Willen. Mit diesem Etwas sind Nebeneffekte verbunden, die vom Kennenlernen der Umgebung &#252;ber die „sportliche“ Herausforderung, die Wandern f&#252;r manche Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen tats&#228;chlich darstellt, bis hin zur F&#246;rderung sozialen Miteinanders f&#252;hren kann. Au&#223;erdem bieten Wanderungen f&#252;r Lehrende wunderbare M&#246;glichkeiten, Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen in einer „Stress-Situation“ zu beobachten und kennen zu lernen.</p>

<p>Der „Stress“ besteht meiner Beobachtung nach darin, dass beim Wandern etwas in den Vordergrund gestellt wird, das im sonstigen Alltag weitgehend vermieden wird, n&#228;mlich das langsame &#220;berbr&#252;cken einer Distanz.</p>

<p>In der Regel sind wir an Zielen interessiert, die m&#246;glichst schnell erreicht werden sollen.</p>

<blockquote class="pull alignright"><address>In der Regel sind wir an Zielen interessiert, die m&#246;glichst schnell erreicht werden sollen.</address></blockquote>

<p>Zumindest ist unser Alltag weitgehend auf dieses Denken ausgerichtet: Man muss schnell den Schulabschluss erreichen, schnell studieren, fr&#252;h den Berufseinstieg schaffen, wenn man in bestimmten Berufen etwas werden will. Man will schnell ein Urlaubsziel erreichen, wobei der Weg zu diesem Ziel nicht als Teil der Reise angesehen wird, sondern purer Stress ist, den es zu <del>vermeiden</del> reduzieren gilt. Nat&#252;rlich fliegt man auch zu Reisezielen, die innerhalb Europas liegen. Interessant ist nur das Ziel, nicht aber der Weg dorthin.</p>

<p>Dabei r&#252;ckt alles so nah zusammen. Es kommt zu keiner Distanzierung vom Alltag mehr, wenn man verreist, weil man ja nur eine Flugstunde weg ist.</p>

<p>Wie anders klingt es, wenn man sagt, ich bin 10 Stunden mit dem Zug oder dem Auto von zuhause weg? Ich bin zehn Stunden weit in eine andere Kultur gereist. Oder: Ich bin 24 Stunden lang bis nach Spanien gefahren. Bis nach Portugal braucht man mit dem Bus sogar 36 Stunden, wobei man dabei eine unglaubliche Vielfalt europ&#228;ischer Landschaften erleben kann.</p>

<p>Diese Beispiele betreffen Schulwanderungen eher selten, greifen h&#246;chstens bei Studienfahrten kurz vor dem Abitur, die h&#228;ufig auch ins entferntere europ&#228;ische Ausland gehen. Diese Beispiele beschreiben aber ein Ph&#228;nomen, mit dem wir es schon sei l&#228;ngerem zu tun haben.</p>

<p>Nicht nur Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen werden unruhig, wenn das &#220;berwinden von Distanz in durchaus sportlichem Gehstil (Wandern) und die damit verbundenen Erfahrungen der zentrale Zweck eines Wandertages sind.</p>

<p>Es wird dann nach einem Ziel der Wanderung gefragt.</p>

<p>Wurde bewusst ein Rundweg ausgew&#228;hlt, erzeugt das Stress, wird Sinnlosigkeitsverdacht ge&#228;u&#223;ert.</p>

<p>Parallel dazu werden Handys herausgeholt, zwei Kinder teilen sich einen Kopfh&#246;rer, sodass jedes nur einen Stereokanal h&#246;rt, es werden SMS an Leute der gleichen Wandergruppe geschickt oder andere Alternativt&#228;tigkeiten gestartet, die zum Beispiel Rollenspielen gleich kommen, weil einige Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen untereinander gro&#223;e Zukunftspl&#228;ne <del>formulieren</del> phantasieren (?), gleichzeitig Rangordnungen in Cliquen &#252;berpr&#252;fen, erneuern oder in Frage stellen etc.</p>

<p>Es passiert auf so einer Wanderung sehr viel. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eisbergmodell" target="_blank">Das meiste ist auf den ersten Blick nicht oder nur dem ge&#252;bten Beobachter erkennbar</a>.</p>

<p>Wenn dann Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen gefragt werden, wie gro&#223; ihre eigenen Erfahrungen mit dem Wandern au&#223;erhalb der Schule sind, dann gewinne ich den Eindruck, dass es in gro&#223;er Mehrheit mit dieser Form der Selbst- und Weltwahrnehmung wenig Erfahrungen gibt.</p>

<blockquote class="pull alignleft"><address>Jede Wanderung ist ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jakobsweg" target="_blank">Jakobsweg</a> im Kleinen.</address></blockquote>

<p>Wanderungen sind f&#252;r viele Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen eine Sonderwelt. F&#252;r viele Erwachsene aber auch, trotz der Mode, dass der eine oder andere auf dem Jakobsweg <del>wandert</del> pilgert.</p>

<p>Jede Wanderung, wenn man sie ernst nimmt und z. B. wirklich auf den Einsatz von Medien verzichtet, setzt den Wandernden der Erfahrung aus, mit sich selbst zu sein, auf dem Weg zu sein und neben der k&#246;rperlichen Anstrengungen, die manche Wanderung darstellt, zu erleben, welche Wege der Kopf einschl&#228;gt, wenn wenig M&#246;glichkeiten zur Ablenkung vorhanden sind.</p>

<p>Kein MP3-Abspielger&#228;t, das Handy abgeschaltet, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Flaneur" target="_blank">h&#246;chstens ein Notizbuch dabei</a>, um zwischendurch zu notieren, was die Gedanken einem so abverlangen: F&#252;r viele ist das zu einer Horrorvorstellung geworden. Geschickt weichen wir der Begegnung mit der uns am N&#228;chsten stehenden Person aus, indem wir sie gar nicht erst zu Wort kommen lassen: Der Begegnung mit uns selbst.</p>

<p>Wanderungen mit Sch&#252;lern und Sch&#252;lerinnen k&#246;nnen diese Erfahrung thematisieren.</p>

<p>Bereits im Vorfeld k&#246;nnen diese „&#196;ngste“ aufgegriffen werden. Ja, die an sich zweckfreie Wanderung bekommt so wieder einen Zweck, n&#228;mlich jenen, eigene Erfahrungen mit der „Zweckfreiheit“ zu machen. Das ist ein Paradox. Aber vielleicht ein notwendiges Paradox, das erst in der Praxis aufgel&#246;st werden kann.</p>

<p>Wandern erzeugt Stress, vor allem, wenn die Wanderung so gestaltet ist, dass sie kein Ziel hat, sondern einen Rundweg nutzt. Wenn ein „Ziel“, z. B. ein Waldspielplatz, ein Kaffee oder &#228;hnliches, vorgegeben wird, sinkt dieser Stress, da die Orientierung an einem Ziel eine vertraute Orientierung ist, w&#228;hrend zweckfreie und dennoch sinnvolle T&#228;tigkeiten gerade von Jugendlichen in Gro&#223;st&#228;dten regelrecht als Erfahrungsoption (wieder)erlernt werden m&#252;ssen.</p>

<p>Begleiter solcher Wanderungen lernen gleichzeitig sehr viel &#252;ber die Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Das gilt nicht nur f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, auch erwachsene Wanderer zeigen sich bei Wanderungen interessante Verhaltensweisen, sodass sich diese durchaus auch als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Assessmentcenter" target="_blank">Assessmentcenter</a> eigenen k&#246;nnten.</p>

<p>Nat&#252;rlich wird andererseits auch der Begleiter einer Wanderung transparenter in seinen Verhaltensweisen.</p>

<p>Sobald Wandertage mit Schulklassen auf Konsum hin ausgerichtet sind, besonders beliebt sind da Freizeitparks, f&#228;llt die M&#246;glichkeit der relativ zweckfreien Selbsterfahrung weg, r&#252;ckt das Ziel (der Freizeitpark, die Achterbahn, die n&#228;chste Attraktion) in den Vordergrund.</p>

<p>Ich frage mich, ob der schulische Bildungs- und Erziehungsauftrag erf&#252;llt werden kann, wenn nicht auch Erfahrungsr&#228;ume geschaffen werden, die mit einer relativen Reizarmut zur Selbsterfahrung beitragen. So hei&#223;t es im <a href="http://www.hessen.de/irj/HKM_Internet?rid=HKM_15/HKM_Internet/nav/374/3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2%26_ic_uCon=72920bec-b224-d901-be59-2697ccf4e69f.htm&amp;uid=3743019a-8cc6-1811-f3ef-ef91921321b2" target="_blank">Hessischen Schulgesetz §2 Abschnitt 1</a>:</p>

<blockquote><address>„Sie [die Schulen im Land Hessen] tragen dazu bei, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ihre Pers&#246;nlichkeit in der Gemeinschaft entfalten k&#246;nnen.“</address></blockquote>

<p>Pers&#246;nlichkeit ist f&#252;r mich das, was sichtbar und erfahrbar wird, wenn den Menschen fremdbestimmende Reize minimiert werden und das Individuum m&#246;glichst unabh&#228;ngig von bestimmten T&#228;tigkeiten f&#252;r sich selbst erfahrbar wird.</p>

<p>Pers&#246;nlichkeit ist das, was hinter Marken und imagebildenden T&#228;tigkeiten als Individuum „&#252;brig“ bleibt. Diese Pers&#246;nlichkeit muss R&#228;ume finden, vom Individuum entdeckt zu werden, um &#252;berhaupt in die Lage versetzt zu werden, die eigene <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Person" target="_blank">Pers&#246;nlichkeit</a> „in der Gemeinschaft entfalten zu k&#246;nnen“.</p>

<p>Eine recht verstandene Wanderung, auch wenn sie als Zumutung empfunden wird, Widerst&#228;nde ausl&#246;st, in ihrem Sinngehalt in Frage gestellt wird, kann, so sie gut vorbereitet ist und Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen vor, w&#228;hrend und nach dieser Herausforderung von Lehrern und Lehrerinnen ernst genommen werden, nicht nur dazu beitragen, die Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen n&#228;her kennen zu lernen<sup><a href="http://herrlarbig.de/2011/09/13/wandern-in-der-schule-zwischen-zweck-und-selbstzweck/#footnote_0_6306" id="identifier_0_6306" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Wer eine neue Klasse &amp;#252;bernimmt sollte bald mit ihr auf einem Rundweg wandern gehen, um die Sozialstruktur der Klasse zu erleben.">1</a></sup>, sondern vor allem auch dazu, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sich selbst erleben, erfahren und kennen lernen.</p>

<p>Das aber gilt nicht nur f&#252;r Sch&#252;ler und Sch&#252;lerinnen, sondern f&#252;r jeden und jede, der oder die ein wenig mehr &#252;ber sich selbst erfahren will. Das gelingt am besten, wenn man alle anderen Ziele ausschaltet, also in der Meditation oder eben in der Wanderung, die nur sich selbst zum Ziel hat.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Ein Panther im botanischen Garten – Rilkes »Der Panther«</title>
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		<comments>http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 21:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allende, …Götter]]></category>
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		<description><![CDATA[Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris Der Panther Im Jardin des Plantes, Paris &#60; p style=&#8221;text-align: center;&#8221;> &#60; p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Sein Blick ist vom Vor&#252;bergehn der St&#228;be so m&#252;d geworden, dass er nichts mehr h&#228;lt. Ihm ist, als ob es tausend &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4 style="text-align: center;"><a href="http://www.xlibris.de/Autoren/Rilke/Biographie/Seite1" target="_blank">Rainer Maria Rilke</a>, 6.11.1902, Paris</h4>

<h3 style="text-align: center;">Der Panther</h3>

<h4 style="text-align: center;"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jardin_des_Plantes" target="_blank">Im Jardin des Plantes</a>, Paris</h4>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/V2UMGVTcX3Q&amp;hl=de&amp;fs=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/V2UMGVTcX3Q&amp;hl=de&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Sein Blick ist vom Vor&#252;bergehn der St&#228;be
so m&#252;d geworden, dass er nichts mehr h&#228;lt.
Ihm ist, als ob es tausend St&#228;be g&#228;be
und hinter tausend St&#228;ben keine Welt.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der bet&#228;ubt ein gro&#223;er Wille steht.</p>

<p>&lt;</p>

<p>p style=&#8221;text-align: center;&#8221;>Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und h&#246;rt im Herzen auf zu sein.</p>

<p style="text-align: left;">Ein <a href="http://www.big-cats.de/panther.htm" target="_blank">Panther</a> ist ein Leopard<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/#footnote_0_578" id="identifier_0_578" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&raquo;Panther&laquo; bezeichnet aber auch einfach nur eine Gattung von Gro&amp;#223;katzen (Pantherinae) ">1</a></sup>, eine Wildkatze, die in einer Gro&#223;stadt wie Paris nichts verloren hat. Bereits die von <a href="http://www.radiobremen.de/online/rilke/" target="_blank">Rilke</a> dem Titel beigef&#252;gte Ortsbezeichnung weist auf einen Un-Ort hin, einen Ort, der keine Heimat f&#252;r ein solch majestisches Tier ist.<span id="more-578"></span></p>

<p style="text-align: left;">Um an diesem Un-Ort den Panther dennoch halten zu k&#246;nnen, werden die Menschen vor der Kraft und dem nat&#252;rlichen Verhalten der Raubkatze gesch&#252;tzt, indem das Tier, in einen K&#228;fig gesperrt, die v&#246;llig unnat&#252;rliche N&#228;he von Menschen ertragen muss. Hier, das macht bereits der erste Vers klar, gibt es keine artgerechte Haltung (und f&#252;r den Panther keine Chance auf ein Entkommen); hier gibt es einen kleinen K&#228;fig, dessen St&#228;be ein Eigenleben entwickeln (»Vor&#252;bergang der St&#228;be«), wenn das Tier seinem Bewegungsdrang auf kleinstem Raum nachkommt.</p>

<p style="text-align: left;">Es muss also ein »kleines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gedicht" target="_blank">Gedicht</a>« werden, soll es auch den Raum abbilden, in dem es angesiedelt ist: Drei <a href="http://www.uni-duisburg-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/strophe.htm" target="_blank">Strophen</a> mit je vier Versen bilden diesen engen Raum ab; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verslehre" target="_blank">alternierende</a>, f&#252;nfhebige (vom letzten Vers abgesehen), <a href="http://www.textlog.de/2734.html" target="_blank">jambische</a> <a href="http://www.uni-duisburg-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/vers.htm" target="_blank">Verse</a> bilden die regelm&#228;&#223;igen Schritte des Panthers ab. Der letzte Vers »h&#246;rt auf zu sein«, hat nur vier Hebungen, die eigentlich erwartbare f&#252;nfte Hebung verklingt im Schweigen, im Nichts, im Aufh&#246;ren des Seins.</p>

<p style="text-align: left;">Ein au&#223;en stehender Beobachter beschreibt seine Eindr&#252;cke von diesem Tier, beschreibt das »Ding« vor sich. So &#252;berraschend es sich angesichts eines lebendigen Wesens als Gegenstand des Gedichtes auch anh&#246;ren mag: Rilkes »Der Panther« geh&#246;rt zu den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dinggedicht" target="_blank">Ding-Gedichten</a>: Aus der erkennbare Distanz des Beobachters in dem Gedicht, wird der Panther doch so beschrieben, als k&#246;nne sich dieser Beobachter in die Gef&#252;hle des Panthers hinein versetzen (vor allem in der ersten Strophe). Doch bereits in der zweiten Strophe ver&#228;ndert sich die Perspektive, es werden Vergleiche herangezogen. Der Beobachter wird von dem »Ding« zu Assoziationen angeregt. Zun&#228;chst beschreibt er noch (Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, / der sich im allerkleinsten Kreise dreht), verbindet diese Beschreibung dann aber mit einem Vergleich (ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, / in der bet&#228;ubt ein gro&#223;er Wille steht).</p>

<p style="text-align: left;">Bereits hier deutet sich an, dass es in dem Gedicht nur &#228;u&#223;erlich betrachtet um die Beschreibung eines Panthers in einem botanischen Garten geht. Dem entsprechend nutzt der Dichter zu Beginn der dritten Strophe eine Metapher, um die Augenlider des Tiers zu beschreiben (Vorhang der Pupille), ohne das Tier, das mittlerweile endg&#252;ltig als passiv seinem Schicksal ergeben erscheint, v&#246;llig aus dem Blick zu verlieren.</p>

<p style="text-align: left;">Dieses Tier ist nicht Herr der Lage, es ist seiner Situation ausgeliefert, kann nichts dagegen tun. Nicht der Panther ist hier aktiv: Seine Augen dienen nicht mehr der Orientierung in der Weite des Reviers, sind eigentlich &#252;berfl&#252;ssig, da er best&#228;ndig den gleichen kleinen Kreis gehen muss, und dienen auch nicht dem Ersp&#228;hen von Nahrung. Der Panther hat seinen nat&#252;rlichen Lebens»sinn« verloren. Nun ist das »Bild« aktiv, das in die Pupille hinein geht (Vers 10) und dem Panther nichts mehr zu sagen, f&#252;r den Panther keine Funktion mehr hat – und so letztlich aufh&#246;rt zu sein.</p>

<p style="text-align: left;">Der gefangene, eingesperrte, seiner ureigensten Lebensform beraubte Panther, wird f&#252;r den Betrachter zu einem Gegenstand der Reflexion. Er stellt gefangene Kr&#228;fte und Energie dar, er wird zum Symbol »f&#252;r Kr&#228;fte und F&#228;higkeiten, die durch &#228;u&#223;ere Umst&#228;nde (den K&#228;fig) und das eigene Leben (das Leben im K&#228;fig) nutzlos geworden sind«<sup><a href="http://herrlarbig.de/2008/11/04/ein-panther-im-botanischen-garten-rilkes-der-panther/#footnote_1_578" id="identifier_1_578" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Siehe http://www.rilke-gedichte.de/rilke_symbolismus.htm">2</a></sup>.</p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p style="text-align: left;"></p>

<p><strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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		<title>Der Fotograf ist mit im Bild</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Sep 2008 20:11:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Herr Larbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf einem Foto ist der Fotograf ebenso pr&#228;sent wie das Motiv, das der Betrachter sieht. Auch wenn der Fotograf auf einem Bild (meist) nicht zu sehen ist: Sein Standpunkt zum Motiv spielt eine zentrale Rolle f&#252;r das Bild. Der Fotograf &#8230; <a href="http://herrlarbig.de/2008/09/17/der-fotograf-ist-mit-im-bild/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf einem Foto ist der Fotograf ebenso pr&#228;sent wie das Motiv, das der Betrachter sieht. Auch wenn der Fotograf auf einem Bild (meist) nicht zu sehen ist: Sein Standpunkt zum Motiv spielt eine zentrale Rolle f&#252;r das Bild.</p>

<p>Der Fotograf ist mit im Spiel, wenn auch (meist) nicht in der Szene. Er zeigt seinen Blick, der f&#252;r mich mehr ist als mein Standort. Jedes Bild ist ein Akt der Kommunikation, spiegelt N&#228;he oder Distanz, ist engagiert, beobachtend neutral oder auch kritisch gegen&#252;ber der dargestellten Situation.</p>

<p>In meinem Verst&#228;ndnis von Fotografie spielt der Fotograf eine bedeutende Rolle. »Spielen«, »Rolle«?<span id="more-276"></span> Das sind W&#246;rter, die ich zun&#228;chst mit dem Schauspiel verbinde. Der Fotograf ist mit im »Spiel«, ist Teil der »B&#252;hne«, auf der ein Bild entsteht.</p>

<p>Ein »gutes« Foto lebt davon, dass nicht nur etwas abgebildet wird, sondern davon, dass der Fotograf etwas darstellt, von dem er irgendwie immer auch ein Teil ist, das aber auch f&#252;r andere Betrachter Bedeutung entwickeln kann.</p>

<p>Ein »gutes« Foto bleibt nicht bei der Bedeutung f&#252;r den Fotografen stehen. Die meisten Urlaubsbilder sind zum Beispiel f&#252;r die Fotografierenden sehr wohl mit Bedeutungen, Gef&#252;hlen und Erinnerungen verbunden. Da solche Urlaubsfotos aber in der Regel nicht darstellen sondern nur abbilden, finde ich die meisten Urlaubsfotos f&#252;r mich unbedeutend. Erst wenn es gelingt, die Bedeutung, die eine Szene f&#252;r den Fotografen hat, im Motiv zu gestalten, hat ein Foto die Chance auch f&#252;r andere Betrachter interessant zu sein.</p>

<p>Dann aber bekommt ein Bild ein Eigenleben. Wie der Fotograf in der Situation des Fotografierens seinen Standort sucht, so nimmt nun jeder Betrachter seinen eigenen Standpunkt ein. Wie in jeder Kunst, so auch in der Fotografie: Das Bild muss die M&#246;glichkeit in sich tragen, mit dem Bild ins »Gespr&#228;ch« zu kommen – unabh&#228;ngig vom Fotografen. Ein »gutes« Foto verf&#252;hrt zu einem solchen Gespr&#228;ch. Ein »gutes« Foto ist ein Bild, das ich gerne l&#228;nger betrachte und das mir auch bei wiederholter Betrachtung etwas »zu sagen« hat.</p>

<p>Dabei spielt neben dem Sehen auch die Technik eine Rolle. Ein »gutes« Bild ist nicht zuerst das Produkt eines Zufalls oder der Auswahl, die aus mehr oder weniger zuf&#228;llig entstandenen Bildern getroffen und dann nachbearbeitet wird. Es geht nicht ohne die technischen Fertigkeiten des Fotografierens, will ich ein Motiv wirklich gestalten. Nicht die L&#246;schtaste oder der M&#252;lleimer sind die wichtigsten Hilfsmittel beim Umgang mit Fotos, sondern die m&#246;glichst optimale Gestaltung des Bildes – und damit auch das Sehen und eigene Standort – vor Ort. Um diese zu erreichen muss der Fotograf mit der Kamera und deren Eigenarten ebenso vertraut sein wie mit den Regeln der Bildgestaltung, des Lichts, der Blende, der Belichtungszeit, der Sch&#228;rfeverteilung etc.</p>

<p>Diese technische Seite muss f&#252;r den Betrachter meist unsichtbar bleiben. Klar, wer sich intensiver mit Fotografie befasst, wird diese Seite genau so in den Blick nehmen wie Literaturwissenschaftler die Struktur und formale Gestaltung eines Textes. F&#252;r den Fotografen sollte diese technische Seite »selbstverst&#228;ndlich« sein, so dass im Zentrum der Umgang mit der konkreten Situation stehen kann, in und von der er eine Form des Ausdrucks erstellt.</p>

<p>Ich bin in den meisten F&#228;llen davon abgekommen, meine Bilder mit erkl&#228;renden Informationen zu versehen: Ich sage meist nicht, wo, wann, mit welcher Kamera und mit welchen Einstellungen ein Bild entstanden ist. Viel mehr will ich dazu einladen, einen eigenen Dialog mit den Bildern zu suchen, ins Gespr&#228;ch mit einem Bild zu kommen. Wenn dies bei dem einen oder anderen Foto gelingt, dann habe ich erreicht, was ich als eine Eigenart der Fotografie als Kunstform ansehe: Ein Foto muss unabh&#228;ngig von mir und meinem Standort, von dem benutzten Fotoapparat und den Einstellungen f&#252;r ein Bild leben k&#246;nnen.<strong>&#196;hnliche Beitr&#228;ge:</strong></p>

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