Faust 1 – Studierzimmer – Verse 1178–1529

Wenn der Teufel Worte aus der Bibel hören muss, einem religiösen Gefühl in seiner unmittelbaren Umgebung begegnet, so ist es naheliegend, dass er nicht ruhig sein kann, „hin und wider“ rennt (V 1186), dass er „zu den heiligen Tönen, / Die jetzt meine [Fausts] ganze Seel’ umfassen” (V 1202f.) knurrt, auch wenn dazu „der tierische Laut nicht passen“ (V 1204) will.

Und als Faust dann auch noch beginnt, Continue reading

Faust 1 – Verweile doch, du bist so schön (V 1700)

MotorFM ist ein alternatives Musikprogramm. Doch auch den Faust scheinen die Onlineredakteure dieses Musikprogramms (Motto: Alternative Musikpropaganda) sehr alternativ zu lesen:

»Schon Goethe belehrte uns in seinem ›Faust‹, dass man im richtigen Moment sagen sollte: ›Verweile doch, du bist so schön.‹!« Bloc Party: Verweile doch, du bist so schön (News ).

So schön das Zitat – »Verweile doch, du bist so schön« – für sich genommen ist, weder Faust noch Goethe propagieren das Verweilen.

Wir befinden uns mitten in der Szene (Studierzimmer), in der Faust dem Mephistopheles eine Wette vorschlägt. Faust wettet, dass es Mephistopheles nicht gelingen wird, ihn von seinem Streben nach immer mehr Wissen abzubringen: Wenn Faust sich aus dem Streben nach Wissen in die Bequemlichkeit verabschiede, so Fausts Angebot, dann dürfe ihn Mephistopheles ins Verderben mitnehmen, dann solle dies sein letzter Tag sein. (V 1692–1706)

Faust sagt hier wörtlich:

»Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! Du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen, / Dann will ich gern zugrunde gehn!« (V 1699–1702)

Und ein wenig später:

»Wie ich beharre [d. h. nicht weiter strebe], bin ich Knecht, / Ob dein, was frag ich, oder wessen.« (V 1710f – Ergänzung von herrlarbig.)

Wenn also jemand sagt, Faust haben das Verweilen des schönen Augenblickes »gelehrt«, dann hat er entweder den Text nicht (genau) gelesen [was ich für die wahrscheinlichere Option halte] oder aber er will genau das erreichen, was Mephistopheles dem Faust gegenüber erreichen will: Einen Menschen dazu zu bringen, nicht weiter zu streben, nicht mehr wissen zu wollen, zu verharren und sich letztlich auf dem »Faulbett« (V 1692) auszuruhen.

Faust 1 – Studierzimmer (»…wie ein Elefant«)

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Faust:

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p class=”vers”>Hinter den Ofen gebannt, Schwillt es wie ein Elefant Den ganzen Raum füllt es an, Es will zum Nebel zerfließen. Steige nicht zur Decke hinan! Lege dich zu des Meisters Füßen! Du siehst, daß ich nicht vergebens drohe. Ich versenge dich mit heiliger Lohe! Erwarte nicht Das dreimal glühende Licht! Erwarte nicht Die stärkste von meinen Künsten!

Mephistopheles tritt, indem der Nebel fällt, gekleidet wie ein fahrender Scholastikus, hinter dem Ofen hervor.

Mephistopheles:

Wozu der Lärm? was steht dem Herrn zu Diensten?

Faust:

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p class=”vers”>Das also war des Pudels Kern! Ein fahrender Skolast? Der Kasus macht mich lachen.

Faust 1, Verse 1310–1324.